V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Der Aufbau dieser Seite erfolgt nicht streng chronologisch, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Die vorangegangene Seite endete mit der späten Merowingerzeit (MWZ), hier folgen karolingische Formen, welche den Kontinent weit über ein Jahrhundert prägten mit Ausstrahlungskraft in die europäische Peripherie, der wir eine Vielzahl von Funden verdanken. Slawen und Nordmannen übernahmen westliche Formen oder orientierten sich an denen nomadischer Völker sowie auf dem Balkan am mächtigen Byzanz, unter den Ottonen mit Leitcharakter im Reich. Die Wikingerzeit wird repräsentiert durch die Fundregion Haithabu, dem westliche Formen angeschlossen sind, Schweden mit kurzem Rückblick auf die Vendelzeit und Birka mit einem Anteil östlicher Varianten, schließlich gotländische Funde und solche aus den Rus-Reichen. Kennzeichen der Wikingerzeit ist Aufnahme und Blüte german. Tierstile, die letztendlich in angelsächsischen und normannischen Formen den Schlußakkord fanden. Überschneidungen sind bei allen Fraktionen vielfältig und kennzeichnen diese ereignisreiche Zeit vielfältigen Wandels.

Karolingerzeit“ VIII.-IX. Jh

1. Quellen

___Exkurs: Gesellschaftliche Strukturen vom FMA zum HMA

2. Rekonstruktionen für Darstellungen der Karolingerzeit

___Die Slawen


Byzanz, Reitervölker im „Zeitalter der Ottonen“ bis zum X. Jh

3. Quellen

4a Rekonstruktionen aus Byzanz, der Langobarden, Slawen, Rus und nomadischen Völker sowie aus dem islamischen Kulturkreis

___Die Nomaden

4b Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Wikingerzeit“ IX.-XI. Jh

5. Quellen

___Strategie und Taktik der Nordmannen

6. Rekonstruktionen aus Haithabu

7. Rekonstruktionen aus Vendel u Birka in Schweden

8. Rekonstruktionen der gotländischen Wikingerzeit und der Rus

___Die Nordmannen in der Normandie


Fibelreplikate IX.-XI. Jh

___Exkurs 5: Textilreste in nordischen Gräbern

___Gürtelformen Bronzezeit und Antike

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Historischer Kontext VIII.-IX. Jh:

Das Geschlecht der Merowinger und ihre Hausmeier beherrschten große Teile Westeuropas. Es gelang ihnen Araber, Awaren und Slawen, welche die Grenzen bedrängten, abzuwehren. Viele Anrainer-Völker standen in Tributpflicht und Abhängigkeit zu den Franken. Aufstände, die regelmässig nach Herrscherwechseln aufflammten, wurden unterdrückt. Im Innern wirkte die administrativ stabilisierende Struktur der Kirche in den Städten und die wirtschaftlich erstarkenden Klöster auf dem Land. Mitte des VIII. Jhs nahm Pippin, der ehemalige Hausmeier und Vater Karls d Gr, auf dem Thron Platz, erstmalig durch einen Bischof zum König gesalbt! Das stärkte die Macht der Kirche, welche durch Ämter, Titel und Landschenkungen beständig wuchs. Die Salbung sollte die legitime Königsnachfolge, die Geblütsheiligkeit der Merowinger, bislang nicht angefochten, ersetzen. Pippin war nun von „Gottes Gnaden“ (gratia dei rex) zum König berufen, legitimiert gegenüber dem fränk. Adel, so daß jener nicht mehr vom Thronraub sprach. Die fränk.-karolingischen Herrscher prägten, auf Kirche und Christentum gestützt, durch ihre Hinwendung zu antiken mediterranen und byzantinischen Formen die weitere kulturelle Entwicklung.

Karl der Große (reg 768-814) stand in mehrfacher Hinsicht in der Tradition seiner Vorgänger. Es gab nur zwei Jahre seiner Regierungszeit, in denen keine Kriegszüge unternommen wurden. Jeder seiner Gegner war auch vor ihm bereits in Konflikte mit den Franken verwickelt. In einem Punkt wich Karl allerdings deutlich von seinen Vorgängern ab. Er war Überzeugungstäter und ließ durch Feuer und Schwert gnadenlos missionieren. Seine Nachfahren vermochten das riesige Reich nicht zusammen zu halten. Wie zeitweilig unter den Merowingern kam es zu Reichsteilungen. In dieser Schwächephase konnten die Angriffe auf den Kontinent, vor allem seeseits aus Nord und Süd nur mühsam abgewehrt werden. Küsten-, bzw Ufersiedlungen wurden befestigt und das Feudalwesen weiter ausgebaut zur finanziellen Absicherung von schweren Reiterkontingenten. Diese Maßnahmen trugen zur Stärkung des regionalen Adels in den Provinzen bei und schwächten das Königtum. Karl d Gr hatte einst Grafen für Gaue und Marken (comes) ernannt, die nur ihm gegenüber verantwortlich waren mit Entscheidungsbefugnissen in Fragen des Grenzschutzes, der Aufbietung des Heerbanns, in Verwaltung und Rechtsprechung. Die Sonderrechte, insbesondere der Markgrafen, konnten sich bei nachfolgenden schwächeren Herrschern negativ auf die königliche Zentralmacht auswirken.

Stütze und Rückgrat jeglicher sozialer Hierarchie war im Reich, wie auch bei seinen Gegnern, das Gefolgschaftswesen. Könige, Fürsten, Jarls und Bischöfe hielten sich, wie gewohnt, eine Haustruppe, Karl der Große persönlich die „aulici“, die Hofleute, welche schwer gerüstet an der Spitze des Heeres standen. Die Bewaffnung wurde vom Herrn (altengl. „hersir), Fürst („lord) oder Herrscher („ruler) gestellt und hat damit als überdurchschnittlich zu gelten. Beute – Geschenk – Schwur galten als Kittmasse in den komplizierten Beziehungsgeflechten. Geben und Nehmen hatte zeremoniellen verpflichtenden Charakter.



Karolingerzeit VIII.-IX. Jh



Abb. eines comes (Grafen) und Kirchenstifters in Mals/Vinschgau Anf IX. Jh


eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Notger berichtet von Geschenken am Hof Ludwig des Frommen (reg 814-40): „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke ...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“ [THH 84, S. 153f]

Ludwig II., der Deutsche (reg 834-876) bekam als Gastgeschenk skandinavische Schwerter überreicht, die sich in der Regel nicht durch hohe Qualität auszeichneten. Er prüfte durch Biegen die Klingen, wovon eine zerbrach, eine andere in ihre ursprüngliche Lage zurück schnellte, also durchaus gute Qualität aufwies [MuK, S. 7].


1. Quellen für die Karolingerzeit:

Auf dem westeuropäischen Kontinent stellte das Auslaufen der Grabbeigabensitte durch die Christianisierung seit den späten Merowingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Bestandteil der Kleidung oder als Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise noch bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der frühen und mittleren MWZ ist der archäologische Fundanteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall zu karolingischen Zeiten in West- und großen Teilen Mitteleuropas verschwindend gering. Doch darf diese Zeit nach neuere Forschungsergebnissen keineswegs als „buntmetallarm“ angesehen werden [siehe Details unter: Messing und Bronze im FMA]. In den nördlichen und östlichen nicht-christianisierten Bereichen Europas zeigen Grabfunde, daß dort Metalle jeglicher Art in die Erde gekommen sind. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind erlaubt, wo sich Metalle in dieser Häufung nicht unmittelbar oder wenn in gänzlich anderem Kontext dokumentieren lassen, z.B. bei Siedlungsgrabungen. Karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Skandinavier, der Balten und Slawen, wie in Polen, Böhmen und Mähren, Slowenien und Kroatien überdauert. Sie gehörten auf dem westl. Kontinent zum Alltag. Es gab dort kein Bedürfnis sie aufgrund von Bestattungen unter die Erde zu bringen. Christliche Begräbnisse hatten für die Angehörigen den Vorteil keine kostbaren Beigaben, nur aufgrund von gesellschaftlicher Konvention und Prestige, zu verlieren, wie es im Norden und Osten Europas üblich war.1 Hinzu galt es als kostengünstiger Messen durch Priester lesen zu lassen. Hinterlassenschaften wurden vererbt oder „recycelt“, um in die wirtschaftlichen Kreisläufe eingebunden zu werden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe, bsplw die Eisendeponierung im niederösterr. Thunau um 900. Auch Buntmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von hptsl. Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Hort-/Depotfunde von kostbarem Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh zeigen viele kostbare fränkische Stücke. Nach der Währungsreform Karls d Gr von der urspl. Gold- auf die Silberwährung war das Edelmetall in Form von Münzen oder Schmuckstücken im Norden von gewissem Begehr, es kursierte. So finden sich relativ wenig erhaltene karolingische Silbermünzen im Norden, weil es akzeptiertes Zahlungsmittel in Richtung auf den Kontinent im Einkauf von Gütern war. Denn soviele Schwerter oder andere Luxusartikel konnte man gar nicht erbeuten, man suchte sie, teilweise trotz Ausfuhrverbot, zu kaufen. Die hohe Zahl erhaltener arab. Silber-Dirhems erstaunt nicht. Sie wird in der Forschung damit erklärt, daß diese Münzeinheit, oft im Boden vergesellschaftet mit Münzwaagen, als offizielles Gewichtsgeld akzeptiert wurde und nur im Osthandel kursierte. Das würde aber die Deponierung noch nicht hinreichend erklären. Mit dem Dirham konnte man in Skandinavien per Gewicht zahlen, auf dem karolingischen Kontinent aber nur in den slawischen Regionen. Metalldeponierungen deuten hinzu mglw auch auf Einschmelzprozesse hin. Bis zur Mitte des X. Jhs wird man bzgl. der arab. Währung dem Osthandel einen hohen Stellenwert in der nordischen Kultur einräumen. Nachdem die Araber den Silbergehalt des Dirhams stark herab setzten, wurde diese Silberquelle uninteressant und der Osthandel ließ nach, bzw verlagert sich u.a. aufgrund neuer politischer Verhältnisse und Ressourcenzugang z.B. an die kontinentale Ostseeküste.

Erwähnenswert für das Sozialsystem und zum Fundkomplex Grab (als „versiegende Quelle“) ist das fränk. Eigenkirchensystem, das eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand. Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan = ländlich, wurde synonym mit heidnisch), ließ eher „ausländische Eiferer“ von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei ihren Klosterbrüdern fanden. Rechtsrheinisch hatten sie als Angelsachsen eindeutig sprachliche Vorteile und konnten sich bei Friesen und Sachsen verständlich machen! Die Grundherren betrachteten durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung neu errichtete Kirchen und Klöster auf ihrem Grund und Boden als ihr Eigentum, welche verkauft oder vererbt werden konnten. Erwirtschaftete Erträge kamen ihnen zugute. Das stand im Widerspruch zur röm-kathol Lehre von der Einheit des Kirchenvermögens. Seit dem VII. Jh wurde es im fränkischen Raum üblich Bestattungen bei und später vom Adel auch in diesen Kirchen vorzunehmen. Bei den Baiuwaren bsplw war diese Sitte bis zum Anf des VIIII. Jhs nicht üblich.2

Im IX. Jh wurde nach den Sachsenkriegen eine große Reliquientranslation aus England und vor allem aus Nordfrankreich in das Sachsen- und Thüringergebiet von Werden an der Ruhr bis nach Freckenhorst und Hamburg in den Norden, nach Quedlinburg und Erfurt in den Osten vorgenommen. Aachen, Hersfeld, Fulda und Würzburg mussten Reliquien abgeben. In den Kirchen- und Klosterschätzen sollten sich im Verlauf des MAs eine ganze Reihe Objekte erhalten. Oft stammten sie eigentlich aus dem profanen Bereich und wurden in sakrale Sphären überführt, wie Leuchter, Stoffe, Kästchen, Möbel, etc. und erlauben in begrenztem Maß Einblicke in die Alltagskultur gehobener Schichten. So wurden u.a. kostbare Hochzeitsgewänder des Adels nicht selten der Kirche vermacht, die sie zu liturgischen Kleidungsstücken umarbeiten ließ. Mancher Reliquienbehälter diente vorher ganz profanen Zwecken. Trotz der Fülle heutiger Domschatzkammern sollen, nach dem Domschatzmuseum Minden, angeblich nur 0,2 Prozent aller Kirchenschätze die Zeiten überdauert haben, wie auch immer man zu dieser Einschätzung kommt! Man geht allerdings nicht fehl in der Annahme, daß die Begehrlichkeit nachfolgender Generationen auf die kostbaren Materialien sicher hoch war.

Priesterliche Gewandung läßt sich aufgrund erhaltener Stücke oder anhand von archäologischen Funden, Abbildungen und Textquellen meist gut rekonstruieren. Kostbare Stoffe und Goldborten dienten dazu der Würde des geistlichen Amtes Ausdruck zu verleihen. Hrabanus Maurus nahm 819 Bezug auf eine alttestam. Textstelle, beschrieb hingegen zeitgenössische liturgische Gewänder. Er benannte ausdrücklich ein cingulum bzw balteus. Mit diesem Gürtel wurde das Untergewand aus Leinen (tunica albea), die Albe, gerafft. Als Oberbekleidung trug der Priester darüber die Dalmatika und bei den Messfeiern noch die Kasel. Die „Albengürtel“ wurden nach „gallischer Variante“ mit einer grösseren Zunge, auf den Oberschenkel herab hängend, getragen. Auf zeitgenössischen Abbildungen des IX. Jhs sind sie deutlich hervorgehoben mit Breiten zwischen 2 und etwas über 4 cm. Erhaltene Exemplare sind meist aus kostbarem Edelmetall mit aufwändigen Verzierungen oder segnenden Inschriften. Die Albe wurde meist so stark gerafft, daß die Schnalle und das Gürtelband selbst nicht zu sehen sind. Die zweite Variante war der sogenannte „römische Typus“ als Bindegurt mit zwei lang herab hängenden Enden, die unter der Dalmatika in Schienenbein- oder Knöchelhöhe sichtbar waren und in Quasten oder/und quadratischen Beschlägen ausliefen. Sie können wohl in „Buchform“ gestaltet gewesen sein, das würde manchen Fund aus dem Großmährischen Reich erklären. Nur bedingt werden Ableitungen zur weltlichen Bekleidung der Oberschicht erlaubt sein, denn es waren kirchliche Amtstrachten, in antiker Tradition.

Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“ Ermoldus Nigellus, Lobgedicht auf König Ludwig den Frommen und Elegien an König Pippin 828c [WikMus. Haithabu].






Da sind sie gerade vorbei am Bauernlümmel, die Helden seiner Kindheit, …Reiten die Recken, stattlich an Zahl: Hettel und Frute aus Hegelingen, Herwig von Seeland, Siegfried von Morland, Hettels Schwesternsohn Horand von Danmark, Irold von Ortland, Morung von Friesland, der junge Ortwin und der alte Wate aus Stürmen von Danmark, Hugdietrich und Wolfdietrich, Walther vom Wasgenstein, Eckehart, Wittich und Heime auch, Dietleib der Däne, Berchter von Meran, zur Linken reitet Meister Hildebrand von Garden, Bannerträger ist Rüdiger von Bechlarn, es führt Dietrich von Bern.


Man wird ihnen nacheifern und über die nächsten Jahrhunderte die alten Geschichten erzählen, im HMA niederschreiben. Zwischen Völkerwanderung und Karolingerzeit liegen die Ursprünge so mancher Mär auf der Suche nach Identität, nachdem die Heimat der Vorväter verloren und eine neue gewonnen...

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Exkurs: Gesellschaftliche Strukturen im Übergang vom FMA zum HMA

Im Heerbann war jeder Grundeigentümer und Freie mit Waffenrecht zum Kriegsdienst verpflichtet. Das bedingte die Abwesenheit von der Hofstelle für eine geraume Zeit. Karl der Große versuchte dem abzuhelfen, indem jeweils vier Hufen zu einer Wehrgemeinschaft gefügt und nur einer der vier Landwirte abwechselnd zum Kriegsdienst genötigt wurde. Es gab auch die Möglichkeit einen Ersatzmann zu stellen, was aber nur Großgrundbesitzer zu leisten vermochten, die sich ein Privatgefolge leisteten, so daß kleine Hofstellen in deren Abhängigkeit gerieten, wenn sie die Ersatzmannregelung durch jenen Grundherrn trafen, aus Freien wurden Halbfreie. Sie konnten über ihr Eigentum nicht mehr nach eigenem Gutdünken verfügen. Die Anzahl der freien Bauernstellen schwand durch das grösser werdende System der Konzentrierung auf die Großgrundbesitzer, um ein Berufskriegertum zu ernähren. Durch die bessere Ausrüstung und ständige Waffenübung war es mit einem hohen Grad der Professionalisierung sehr effektiv und das nicht zum Schaden des Herrschers, also gab es keinen Grund auf diese Prozesse steuernd einzuwirken. Im Laufe der Zeit begann sich die Dreiteilung in den Nähr-, Lehr- und Wehrstand auszubilden, nachdem der Bauer zunehmend weniger zum Kriegsdienst heran gezogen wurde und immer stärker in den Rang eines Hörigen hinab rutschte, knapp über dem Stand eines Knechts oder Leibeigenen. Ein höriger Bauer leistete Abgaben und Frondienste, er war Produzent und kein Krieger, auch wenn er im Notfall immer wieder rekrutiert werden sollte, wie im HMA in der Fuldaer Fehde 1265 oder bei Worringen 1288 und anderen regionalen Auseinandersetzungen. Klöster waren verantwortlich für Rodung und Urbarmachung wirtschaftlicher Flächen, Missionierung, Krankenpflege und Seelsorge. Die hohe Geistlichkeit erlangte Unverzichtbarkeit in der Förderung von Kultur, Handel und Handwerk sowie in der Reichsadministration. Die Gefolgschaft nahm Aufgaben der militärischen Sicherung und politisch-wirtschaftliche Kontrolle wahr, bekam die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs und begann Zeugeneide bei wichtigen Vorgängen und Dokumenten zu leisten. Je nach Rang erhielt sie zu ihrer finanziellen Absicherung Lehen. Über allem thronte der hohe Adel, der sich in der Verwaltung des Reiches unentbehrlich machte und erbliche Herrschaftsverhältnisse aufrecht erhielt. Aus ihnen wurde ein Oberhaupt als König erkoren, in sakrale Sphären erhoben, ein- und wieder absetzbar. Zumindest schöpfte der Adel aus dieser Legitimation die Begründung mancher Revolte. Ein schwacher Herrscher oder Bruderkriege, wie unter den Merowingern, bot dem Adel reichlich Möglichkeiten der persönlichen Bereicherung und Machterweiterung, darin begründet lag der Aufstieg der karolingischen Hausmeier.

Eigentum an Grund und Boden ist bis heute für unsere Kultur von entscheidender Bedeutung! Je grösser der Grund, desto mächtiger war das persönliche und das Klientel-Gefolge, denn es wuchs die militärische Schlagkraft, desto höher war die Anzahl der unfreien Hörigen, als Basis der wirtschaftlichen Macht und nicht zuletzt wuchs auch die Schar der Handwerker, die sich an den grossen Höfen sammelte, das brachte höhere Qualität von Ausrüstung und Repräsentationserzeugnissen mit sich. Die wirtschaftliche und rechtliche Stellung von Grund und Boden mag nicht weiter als notwendig vertieft werden, Verpachtung, Beleihung oder Verleihung ist obligatorisch. Problematisch sollte die Vererbbarkeit der Verleihung werden, die nicht immer schriftlich fixiert worden war, denn nach einer Phase hoher Schriftlichkeit zur Zeit der Karolinger fehlen z.B. für das X. und XI. Jh viele Dokumente. In diesen Fällen war der Nachvollzug des Eigentumswechsel problematisch, wurde oft fingiert, vor allem von Klerikalen, denn sie waren mit der streng reglementierten Abfassung von Urkunden vertraut, damit sind wir aber bereits im HMA, nicht zuletzt beim Aufstieg der Ministerialität. In einem Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten verlief die Entwicklung der europäischen Gesellschaft bis zur Französischen Revolution und in Dtld bis zur Säkularisierung, Auflösung der Grundherrschaft und Bauernbefreiung, Vorgänge mit denen manche Forscher, bzgl. der sozialen Komponente, aus guten Gründen das Mittelalter um 1800 enden lassen. Die Aufklärung brachte hinzu die Säkularisierung des Geistes und verdrängte das Religiöse als bestimmende Kraft des öffentlichen Lebens [Bosl].

Notwendige Sitzung, „Hoch die Hörner“


2. Gürtelrekonstruktionen der Karolingerzeit VIII.-IX. Jh

Die Formen sind gleichsam geeignet für karolingische, wie slawische Darstellungen und für die Frühphasen Haithabu oder Birka. Schnallen dieser Zeit weisen in der Regel Durchzugbreiten zwischen 2 und 4 cm auf. Schmale Formen wurden auch für Sporengarnituren verwendet, im skandinavischen Norden befinden sie sich teilweise in Frauengräbern (Birka), die bekanntlich keine Sporen enthalten und sind somit Leibgürteln zuzuordnen. Manche Frühformen laufen auf dem Kontinent bereits seit der 2. Hälfte VIII. Jh, also der Zeit karolingischen Aufstiegs. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber ist möglich.







VII

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VIII

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Slawen / Balten / Franken



Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind seit der auslaufenden MWZ eine geläufige Form. Mglw lag ihr Ursprung bei den Reitervölkern, denn kleine Ausführungen sind an Sporengarnituren bis in die Karolingerzeit nachweisbar. Die häufigen Kontakte in den östlichen Raum machen eine Übernahme durch Franken und Slawen erklärbar,

siehe fränk. Funde VII. Jh aus Palenberg/Qualburg bei Kleve oder in Kaarst (Schnalle bz u Blech Eisen), aber auch aus Münster Anf des IX. Jhs, der Slowakei (Großmähr. Reich) und in slaw. Siedelgebieten südl. des Thüringer Waldes ab IX. Jh [weitere Kombinationen auch unten auf der Seite V.-VIII. Jh]

Lanzettförmige Zunge z.B. in Grab 6 Überauchen um 700.



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR



VII-VIII_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[stärker verzierte baltische Zungen-Form auf Anfrage]





VIII

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X

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Karolinger / Sachsen / Slawen

Fund vom Herrenhof Thunau Gr. 129 „vor/um 900“ (Mus. Asparn) mit etwas höherem Rahmen als unsere Nachbildung, vergesellschaftet mit rechteckigem Beschlag als „Zunge“. Flache vergoldete Ausführung Ende VIII. Jh Muestair_CH. Sächsischer Fund Groß-Hesebeck, Gem. Bad Bevesen bezeichnet als "gebuckelter“ Schnallenbügel, 765 bis 835 datiert.

Der markante „Perlrand“ ist auch noch später an einer Skulpturenschnalle im Kreuzgang von Arles um 1180 zu finden, hat nur erheblich größere Dimensionen!



IX-X_005b_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot),

und Kerbschnitt-Zunge_bz

montiert 85,00 EUR



Kerbschnitt Zunge bz (Direktabguss vom Original)

Zunge nähert sich im Stil Beschlägen von Westernkotten bei Unna und von der Festung Christenberg nördl. Marburgs an, nimmt in der Kerbschnittechnik Bezug auf den weit verbreiteten Insularen Stil, der sich auch auf Architekturelementen findet.

Dargestellt ist ein Greif, mglw mit Schlangenschwanz, sowohl im Heiden- als auch im Christentum beliebtes Motiv, das über Jhe gerne zitiert wurde, bis hin zu Bodenfliesen im MFM, Würzburg um 1500. Das Doppelwesen war Hüter und Wächter mit übernatürlicher Kraft.





IX

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X

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Karolinger / Sachsen / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken) und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien oder skandinav. Exemplare aus Schweden und Dänemark. Übernahme im sächs Raum denkbar ähnlich wie Scheiben- oder Kissenfibeln.

Zunge Detailerläuterung oben rechts



IX-X_001b_bz

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Kerbschnitt Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_001b_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Kerbschnitt Zunge_me

montiert 95,00 EUR





IX

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X

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Karolinger / Slawen / Nordmannen



Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien, die der „Birka“-Form und auch weiteren Stücken aus dem dänischen Duesminde-Hort ähnlich ist.

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]



IX-X_001c_Niet_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz od me

montiert 99,00 EUR



U“-förmige und rechteckige Riemenzungen sind geläufig in karolingischen Zeiten. Kleine Exemplare finden sich bei aufwändigen Sporengarnituren, grössere wurden in Skandinavien auch zu Fibeln umgearbeitet. Im nordischen Fundgut weisen fragmentierte Verteiler des Zaumzeugs die Richtung.






IX

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X

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Karolinger / Slawen / Nordmannen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich häufig in reich ausgestatteten Gräbern, wie in Kolin als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh oder paarweise als Bestandteil von Sporengarnituren. In Skandinavien tauchen sie dann einzeln als Gürtelobjekt in den Gräbern auf.



IX-X_001c_Nietblech_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv [Abb me]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz od me

[Alternativbefestigung mit Blech und Nieten]

montiert 99,00 EUR



IX-X_001d_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_me

montiert 95,00 EUR





IX

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X

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Karolinger / Slawen / Nordmannen







rechts Form aus Birka, ganz rechts Ableitung von einer Sporenschnalle aus Biskupija in Kroatien, IX. Jh

[Veredlung in Silber auf Anfrage]



IX-X_007c_Nietscheiben_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz

montiert 99,00 EUR



IX-X_006c_Nietblech_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_me

[Zungen-Befestigung mit Nietscheiben]

montiert 99,00 EUR





VIII

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IX

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Karolinger / Slawen / Nordmannen







Riemenende als Derivat eines spätawar. Scharnierbeschlags zur Zunge umfunktioniert, wie es in Zweitverwendung zuweilen gemacht wurde.



IX-X_001f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_007f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

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X

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Karolinger / Slawen / Nordmannen



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.




IX-X_003c_Nietscheiben_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz

montiert 99,00 EUR



IX-X_003f_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR

[Zunge im Stil spätawar. Scharnierbeschläge]





IX

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X

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Karolinger / Slawen / Nordmannen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh.



U-förmige Zungen mit abgefastem Rand sind bereits etwas älter und seit dem VII. Jh in Gebrauch, häufiger Bestandteil von Wadenwickelgarnituren, in späteren Zeiten werden sie etwas kürzer, behalten aber die U-Form, können auf Anfrage eingekürzt werden

[Veredlung in Silber möglich].



IX-X_004e_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 120,00 EUR



IX-X_004d_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 110,00 EUR


{im Aufbau} Da Slawen häufig eine „Mittlerrolle“ einnehmen und „starkes Gewicht“ bei der Rekonstruktion von Gürtelteilen haben, mit Fund- und Siedelräumen von der Ostsee, östlich von Elbe und Saale, am Oberlauf des Mains, über das böhmisch-mährische Becken in den Ostalpenraum und beiderseits der mittleren Donau, soll ihnen auch von den Hintergrundinformationen zukünftig mehr Raum zugedacht werden. Auch die Balten wären detaillierter zu betrachten. Denn dort spiegeln sich einige skandinavische Formen. Seit dem IX. Jh begann in Osteuropa der Austieg mächtiger Familien, wie die Premysliden in Böhmen, die Piasten in Polen und Arpaden in Ungarn mit seiner slawisch-magyarischen Mischbevölkerung. Die Übernahme des Christentums stärkte die Verbindungen in den Westen und damit ihre Machtstellung, was heidnischen Gruppierungen weniger vergönnt war. Elb- und Ostseeslawen blieben in ihrer „heidnischen“ Welt. Der Reisende Ibrahim ibn Jakub über die Abodriten an der Ostseeküste: „...reich an Pferden, so dass solche von dort exportiert werden...[ihre Krieger] sind mit Waffen vollständig gerüstet, nämlich mit Panzern, Helmen und Schwertern[EM1000_III, S. 165], siehe auch Gürtelrekonstruktionen der Slawen und Heer- und Handelswege im Mittelalter





Zentralisierung oder Dezentralisierung der Herrschaft?

Seit karolingischen Zeiten war die Macht regionaler Fürsten enorm gewachsen, da gerade sie äussere Gefahren abzuwehren hatten und die Grenzregionen (Marken) durch ein Netz von Befestigungen sicherten. Die Angreifer waren flexibel und mobil, so daß man in die Defensive gedrängt wurde. Der Ausbau einer Offensivwaffe in Form schwer gepanzerter Kavallerie war finanziell mit dem Ausbau von Landwirtschaft und Lehnswesen möglich. Das erzeugte Abhängigkeiten und stärkte wirtschaftlich wiederum den regionalen Geblütsadel, sofern das Königshaus nicht treue Mittels- und Dienstmänner einzusetzen wusste, wie die Karolinger ihre Comes (Grafen) oder später „Ministeriale“ im salischen Reich und „Sheriffsim normannischen England. Die Herrschaft der karolingischen Könige war oft nur mehr Anspruch gewesen, stützte sich lediglich auf die eigene Hausmacht mit Grund und Boden und war abhängig vom Zuspruch kirchlicher Vertreter, deren Grundbesitz sich durch „fromme Schenkungen“ stetig vergrößerte. Das Mittelalter war geprägt vom ständigen Kampf der Legitimation einer Zentralmacht. Der Hochadel tat alles, um diese zu brechen und genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen.

Im X. Jh lösten sich die Ottonen von den alten westlichen Zentren der fränkischen Herrschaft und der ehemaligen spätrömischen Kultur an Maas, Mosel, Main, Rhein und besannen sich auf ihre eigene Hausmacht der sächsischen Gebiete an der Elbe, im Harzvorland. Magdeburg wurde neuer Machtmittelpunkt, Erzbistum ab 968. Damit wandelte sich dieser Raum von einer karolingischen Mark zum ottonischen Kernland. Von dort wurden slawische Stämme zwischen Saale, Mulde und Elbe tributpflichtig gemacht. Das gab der Reichspolitik eine neue Zielrichtung, während der „Sprung über die Alpen“ in karolingischer Tradition stand, um das Kaisertum Karls des Großen zu beleben. Beides in Kombination sollte richtungsweisend für die kommenden Jahrhunderte werden.

Mit neuer Zielrichtung Ost und enger Verzahnung zu slaw. Siedelgebieten würden Gräber im Osten einst Aufschlüße über Sachgüter im Reich geben können. Allerdings setzte erst im XII. Jh eine verstärkte Ostkolonisation ein mit Rodung und Urbarmachung von Land. Denn bislang waren „stolze Marken“ im Osten eher durch ausgedehnte Waldgebiete gekennzeichnet, als durch gut ausgebaute Infrastruktur.

Byzanz, Reitervölker im Zeitalter der Ottonen

Otto III. Reichenau Ende X. Jh

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Ein wirtschaftlicher Aufschwung war auf dem Kontinent allgemein zu verzeichnen, nachdem die Drangsal der Slawen-, Wikinger- und Magyarenüberfälle endlich nachgelassen hatte. Siedelland wurde ausgeweitet. Mit steigenden Bevölkerungszahlen wuchsen die Ortschaften, privilegiert durch Territorialherren, zu Marktflecken. Diese bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und Landwirtschaft betrieben wurden, da dörfliche Strukturen überwogen. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Zwischen diesen Rodungsinseln erstreckten sich nach wie vor riesige unberührte Wälder.
















3. Quellen für die Ottonenzeit im X. Jh:

Für das Reichsgebiet3 ändert sich an der schwierigen Quellenlage bezogen auf mangelnde Grabfunde, nichts. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben demnach zeitlich breiter gestreute Funde. Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Letztere dienten in den meist beigabenarmen Gräbern als Leichentuchverschlüsse. Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Bzgl der Gürtelmode sind Metalle nur schwer zu dokumentieren. Grabfunde scheiden auf Reichsgebiet aus und lassen sich nur exterritorial erfassen, Skulpturen und Abbildungen sind selten oder zu „grob gearbeitet“, daß solche Details meist untergehen. /

Der byzantinisch-italienische Einfluß in der westfränkischen und ottonischen Mode unter Verwendung von Seide:

Die Gewandung der unteren Volksschichten und der Kleriker war traditionell auf die Spätantike zurückzuführen. Wobei die sakralen Kulttrachten ehrwürdiges Alter, Privilegien und Unantastbarkeit ausdrückten. Auch die Herrscher folgten antiken Traditionen, um Legitimation oder auch Ansprüche zu verdeutlichen, so wusste man sich in ausgewählten Repräsentationsmomenten durchaus standesgemäß „römisch“ zu kleiden. Das hieß speziell im Fall des Westfranken Karl (II.) dem Kahlen (reg. 843-877) bei seiner Kaiserkrönung in Rom 875 oder 876 anläßlich einer Kirchenversammlung im oströmischen Gewand mit dalmatischem Talar und vermutlich oben skizzierten Bindegürtel, der bis zu den Knöcheln reichte. Zu Beginn der Kirchenversammlung war Karl der Kahle noch in fränkischer Tracht erschienen.4 Er provozierte mit der „griechischen Gewandung“ bewußt die übrigen Herrscher Europas, formulierte seinen Machtanspruch in Anlehnung an das byzant. Kaiserhaus, was sich brüskiert sehen musste, denn der Basileus in Konstantinopel verstand sich als einziger legitimer Nachfolger der röm Caesaren seit Augustus. Bereits die merowingischen Goldmünzen mit eigenem Herrscherabbild galten als Affront und Angriff auf die Stellung des oströmischen Kaisers. Diese Herausforderungen waren über Jahrhunderte probate Mittel der Franken und Ottonen eigene Geltung nach Erneuerung des westlichen Kaisertums zu beanspruchen, auch Salier und Staufer sollten dieser Traditionslinie folgen. Herrscherkleidung musste in der Öffentlichkeit beredt sein, meist konservativ und konnte auch völkische Elemente beinhalten, wie von Karl dem Großen oder Otto I. bekannt, schwächere Herrscher durften sich das später nicht mehr erlauben. Das einfache Volk blieb den kürzeren Tunikaformen behaftet, die vom Adel als „altfränkisch“ = unmodern angesehen wurden. Denn Adel und Hofstaat waren die Vorreiter in modischen Dingen. Auch von der Herrschergattin wurden kostenaufwändige modische Extravaganzen erwartet, die ihrem Ehemann nicht gestattet waren, da Tradition in seinem Fall äusserlich sichtbare Zeichen der Stabilität bedeuteten! Neue Moden stammten vielfach aus Italien, das unter dem Einfluß der Kulturgüter des mächtigen oströmischen Byzanz stand. Seit den fränk-merowingischen Herrschern war ein beständiger Strom byzantinischer Sitten und Mode in den Westen gelangten, im X. Jh nicht zuletzt 972 mit der Heirat Ottos II. (reg. 973-983) und der byzant. Kaisernichte Theophanu. Man vermutet, daß das Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen mglw aus dem Brautschatz der Theophanu stammte, der Mutter Ottos III. (reg. 983-1002), jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten.

Über ein gutes Jahrtausend lag auf der begehrten Seide ein chinesisches Monopol und der kostbare Stoff durfte das Land nicht verlassen. Seide galt in China als Zahlungsmittel und es verlockte Mehrwert zu schaffen. Es war ein Zahlungsmittel mit begrenzter Haltbarkeit (!), der Wunschtraum vieler Ökonomen. Irgendwann setzte ein Handel über grössere Distanzen ein und die Wege, Transporteure und Händler waren streng reglementiert, aber es gab viele Versuche das chines. Monopol zu brechen. Mächtige nomadische Anrainer erpressten von den Chinesen Tributleistungen in Form von Seide. Diese gelangte über Zentralasien und den Vorderen Orient bis in den Westen. Die Einfallstore nach Europa waren vor allem Byzanz und dessen Ableger „Venedig“, bis es iranischen Völkern und den Byzantinern gelang selbst in die Seidenproduktion einzusteigen. Die kostbaren Stoffe waren nicht selten Erzeugnisse der kaiserlichen Staatsweberei in Zeuxippos. Bereits im IX. Jh sollen Kenntnisse der Seidenraupenzucht mit der sarazenischen Eroberung von Nordafrika nach Sizilien gelangt sein. Die Seidenweberei ist dort seit dem X. Jh nachweisbar und erweiterte sich 1147 mit der zwangsweisen Deportation von Seidenhandwerkern aus Theben und Korinth nach Palermo. Rohseide und fertige Gewebe wurde Ende des XII. Jhs nach Lucca verhandelt. Die dortigen Handwerker übernahmen islamische Motive. Abgewandelt wurden sie zu einem Markenzeichen der Seidenweberstadt, die im XIII. Jh einen besonderen Ruf in der Färbung der kostbaren Seide erlangte, bis die Weber nach Venedig abwanderten. Friedrich II. legte 1215 einen Seidenstoff bei der Verschließung in den Aachener Karlsschrein, den er wohl aus seiner sizilianischen Heimat mitgebracht hatte. Die Staufer besaßen mit Sizilien, und insbesondere mit Palermo, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Edle Stoffe werden im XII. und XIII. Jh häufig als Tribut, Abgabe und auch als Beutestück von Italien nach Dtld gelangt sein. Denn die dt Könige „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen, das verschlang Unsummen und musste finanziert werden. Die Entlohnung bestand nicht selten aus kostbarem Gut jeglicher Art, das den ausgeplünderten italienischen Städten gewaltsam genommen wurde. Enorme Werte hatte allein Heinrich VI. 1194/95 auf 150 Saumtieren, nach Erlangung der sizilianischen Königswürde, von Sizilien nach Dtld bringen lassen, der erst später aufgefundene Schatz König Rogers noch gar nicht mitgerechnet [siehe auch KC_VII, S. 27 und Weinfurter, Die Staufer und Italien, Bd. II, S. 78f.].





4a Gürtelrekonstruktionen aus Byzanz, der Langobarden, Slawen, Rus und nomadischen Völker sowie aus dem islamischen Kulturkreis bis in die Ottonenzeit X. Jh

Langobarden, im Donauraum reiternomadischen und byzant. Einflüssen ausgesetzt, zogen ab 568 nach Italien. Der osteurop. Raum war in breiten Zonen von Germanen verlassen worden und Slawen rückten nach. Sie gerieten im Westen in den röm-kathol und im Süden in den griechisch-orthodoxen Einflußbereich, behielten aber größten Teils ihre ganz eigene materielle Kultur. Baiuwaren, mit Verwandschaftsbeziehung des Herrscherhauses zu den Langobaren, bekam Impulse durch die Nähe zu slawischen Siedelgebieten. Nach dem Ende der Agilofinger Herzöge Ende des VIII. Jhs nahm der karolingische Einfluß zu, viele oben aufgeführte karolingische Formen stammen vor allem aus baiuwarisch-slawischen Grenzräumen. Nachfolgend aufgeführte Rekonstruktionen orientieren sich an Funden aus dem ost- und süddeutschen-, dem Alpen- und Balkan-Raum, aus Osteuropa, dem Baltikum bis nach Skandinavien. Mit „Reitervölker“, also Pferdezüchter, seien vornehmlich Awaren, Bulgaren und Magyaren gemeint, später auch Chazaren, Usbeken, Petschenegen, Kumanen oder Seldschuken. An Rekonstruktionen für die „Herren der Wüste“, die nicht nur Pferde, sondern hinzu Esel oder Kamele nutzten und damit streng genommen nicht zu den „Reitervölkern“ zählen, wie Araber, Beduinen (badawi = Wüstenbewohner), Berber, Mauren und Sarazenen aus dem islamischen Kulturraum, wird gearbeitet. Byzant-vandalische Formen können für Nordafrika und sassanidische für östliche Vertreter eine Orientierung vorgeben. Ansonsten herrschen mit Bindesystemen und „Koppelschlössern“ vollkommen eigene Gürtel vor, die nach Indien und Fernost verweisen. Manche der nachfolgend aufgeführten Rekonstruktionen sind als vereinfachte Form von vielteiligen Garnituren mit Nebenriemen aufzufassen. Sie können ergänzt werden, wie auf der vorangegangenen Seite die Kombination „VII_090_bz“. Im Unterschied dazu verwendeten magyarische Formen statt der Nebenriemen Durchzüge, deshalb gab es keine Nebenriemenzungen. Im Nordischen auch als „orientalischeoder „bulgarischeGürtel bezeichnet. Die hohe Anzahl gegossener Beschläge, bis zu 50 Stück meist sivg, weist auf den hohen Rang der Träger hin [Beschläge auf Anfrage möglich]. Bislang sind an 143 Fundorten 184 Gräber mit diesen Gürteln bekannt, die sich nicht gleichen, das heißt die Träger waren Gefolgsherren [EM1000_III_316]. Gürtel spielten bei nomad. Völkern grundsätzlich eine wichtige Rolle, zum Anlaschen der Ausrüstung und nicht zuletzt um die männlichen Kleidungsstücke, meist Klappenröcke, zu schliessen.





VI

-

VII




-

Byzanz / Langobarden / Baiuwaren / Slawen / Rus



Byzantinische Formen mit festem Beschlag und Durchbruchornamentik im gesamten Mittelmeerraum von Spanien, Nordafrika bis nach Syrien verbreitet. Zahlreiche Funde in Italien, auf dem Balkan, in Süddtld, von Osteuropa bis in die Rus-Reiche. Ausführung rechts Befestigung mit Ösen für Trägermaterial Leder und Stoff.

Zungen sind zu diesen Schnalle nicht immer nachweisbar, hier also ergänzt



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 59,00 EUR



VII-VIII_002b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR





VII

-

VIII




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Byzanz / Awaren / Langobarden / Baiuwaren / Slawen



Schnalle mit verziertem Scharnierbeschlag ähnlich zu Fund aus spätawar. Gräberfeld von Szekkutas, Hodmezövasarhely oder aus langobard. Gräbern. Solche Schnallen werden teilweise als byzant. Auftragsarbeiten für die Märkte der nördl. Anrainervölker gewertet.

[vielteilige Garnitur auf Anfrage]



VII-VIII_001b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 79,00 EUR



VII-VIII_001d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 75,00 EUR









VII

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Langobarden / Islamischer Raum

Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind geläufige Formen. Sie streuen seit dem VIII./IX. Jh in den Westen, siehe Funde aus Münster Anf des IX. Jhs, aus der Slowakei (Großmähr. Reich) und aus slaw. Siedelgebieten südl. des Thüringer Waldes IX. Jh [Truckenthal].



Massive schwere Zungen mit abgefastem Rand finden sich seit sassanidischen Zeiten und gelangten in abgewandelten Formen mit den Reitervölkern immer wieder in den Westen. Awarische Ausführungen in den Prunkgräbern folgen wohl der äusseren Form, haben aber eine markante Ornamentik.



VII-VIII_011_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot),

hohe D-förmige Schnalle Bronze ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR



VII-X_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[vielteilige Garnitur auf Anfrage möglich]







VII

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Langobarden / Ottonen / Islamischer Raum

Schnallen mit „vorgezogenem Dornrast“ sind typische Formen bei den Reitervölkern. So finden sie sich im Vorderen Orient, in Byzanz, hielten sich bei den Ungarn bis ins SMA. Funde auch in unserem Raum, siehe eiserne tauschierte Variante vom Ufer-Handelsplatz in Mainz.



Für den nomadischen und islamischen Kulturraum ist die abgebildete Form vereinfacht und man wird eher von einer vielteiligen Garnitur mit Nebenriemen oder mit zahlreichen Beschlägen und Durchzügen ausgehen können, auf Anfrage möglich.




VII-X_013c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[auf den Bildern Beschläge noch nicht vernietet]



VII-X_013b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge groß,

- momentan nicht lieferbar -





VII

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Langobarden



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh sehr massiv und etwas grösser dimensioniert.



Zunge links siehe Funde aus Norditalien, Personendarstellungen auch aus dem Großmährischen Reich. Zunge rechts magyarischer Stil.



IX-X_004g_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR



IX-X_004i_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR





IX

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Rus

li Zunge im awarischen, bzw magyarischen Stil re.

Die ungarische Variante re zeigt im Motiv Ähnlichkeit zu den berühmten sivg Taschenbeschlägen und Mützenspitzen aus der Landnahmezeit um 900. Die Anregung stammte von Seidenstoffen aus dem asiatisch-sogdischen Raum. Nutzer der Taschen waren Gefolgsherren, welche die Ursprungsmotive wohl noch aus eigener Anschauung vor Ort kennen gelernt hatten [EM1000_III, S. 310f].

Die Taschenbeschläge waren aus Silber. Die Zunge ist in Bronze einfacher gehalten, kann auf Anfrage durch Oberflächenveredlung höheren Darstellungen gerecht werden.



X-XI_003f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_003i_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR





IX

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Rus







li Zunge im awarischen / magyarischen Stil re

Beschläge mit Durchzügen zum Anlaschen von Gerät möglich. Beschlagformen für Oberschichtengürtel waren in der Regel gegossen, für die Kleidung auch aus sivg Zierblechen möglich.



IX-X_010f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



IX-X_011i_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Nordmannen







Zungen im magyarisch-bulgarischen Stil



IX-X_003g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00



IX-X_003h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00





IX

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Nordmannen









[Schnallenbeschlag noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gesteckt]



IX-X_007g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_007h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

-

X

-

Reitervölker / Slawen / Nordmannen









[Schnallenbeschlag noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gesteckt]



IX-X_012g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



IX-X_012h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR







X

-

XI

-

Reitervölker / Rus / Birka







Orientalische“, bzw „bulgarische“ Gürtelformen in Haithabu nachweisbar und in Birka nach 900 als Grabfunde im Bereich der Garnison, die wohl auf eine ausländische Kriegergefolgschaft hinweisen, oft Bestandteil vielteiliger Garnituren

[Zierbeschläge auf Anfrage möglich]




X-XI_009_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

montiert 69,00 EUR

[Gürtel als Derivat einer vielteiligen Garnitur]



mögliche Tragweise als Alternative zur heutzutage häufig angewandten „Reenacter-Schlaufung“, für die es m.E. im Gürtelbereich keine eindeutigen Belege vor 1300 gibt, abgewandelte Formen sind in Sonderbereichen allerdings bekannt





X

-

XI

-

Reitervölker / Slawen / Ottonen

Schnallen mit einem „abgesetzten Steg“ bedürfen keines Dornschlitzes im Leder und haben eine lange Geschichte. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker in den Westen, Übernahme im byzant. Raum mit hoher Verbreitung nach Mitteleuropa bis ins HMA. Die „vorspringende“ Dornachse erinnert an Schnallen der RKZ.

Mögliche „Zunge“ mit Greif, in der äusseren Form nach einem Steigbügelbeschlag, auf dem ottonisch-magyarischen Steigbügel im LM Mainz

[Veredlung in Silber auf Anfrage]



X-XI_001b_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_001a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 85,00 EUR





X

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XI

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Reitervölker / Slawen / Ottonen







Schnallenform mit „abgesetztem Steg“ siehe Beschreibung oben, ebenso die mögliche „Zunge“ mit Greifen-Darstellung.



X-XI_002b_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_002c_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Möglicher Beschlag und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR


Nomaden (griech. „nomas= weiden) waren von den sesshaften Kulturen vielfach unverstanden und letztere blickten gewöhnlich auf sie herab. Als Lebensraum galt die riesige eurasische Steppe mit Übergangszonen von fruchtbarem Ackerland zu unwegsamen Wüsten- oder Gebirgsregionen. Der lat Begriff für Ackerbau „cultivare, davon abgeleitet „Kultur“, schließt in großer Überheblichkeit nomadische Völker als Kulturschöpfer aus. Ungeachtet dessen lagen die Ursprünge der drei westlichen Hochreligionen im Nomadismus begründet! Die östlichen asiatischen Steppengebiete, recht hoch gelegen, sind klimatisch rau durch lange schneereiche Winter mit tiefen Temperaturen. Die südlichen und westlichen Gebiete bieten ein annehmbares Klima, wenn auch mit heißen Sommern und langen Trockenperioden. Dies veranlasste in der Historie Steppenvölker des Ostens immer wieder zu Wanderungen nach Süden, in Richtung auf die chines. Flusslandschaften, in den Raum südlich des Urals (Usbekistan, Tadschikistan, etc.) und weiter in Weidegründe der russischen, ukrainischen und ungarischen Ebenen. Abgesehen von diesen klimatisch bedingten Wanderzügen, die sich über Jahrtausende abspielten, denn die Forschung kann sie bereits seit dem Übergang Jungsteinzeit/Bronzezeit nachweisen, bestand grundsätzlich die Notwendigkeit den Zuchtviehbestand durch jahreszeitlichen Wechsel der Weiden zu erhalten. Der Besitz von Pferden oder Kamelen ermöglichte große Distanzen zu überwinden. Häufig waren Nomaden Mittler im Etappenhandel, so daß sie kostbare Materialien, dessen Transport Gewinn versprach, aus weit entfernten Gebieten zusammen führen bzw weitergeben konnten. Das raue Dasein brachte einen abgehärteten Menschenschlag hervor, der sein Vieh, den Treck oder auch die Karawane sorgsam schützte. Gleichzeitig war es möglich, daß man bei unliebsamen Nachbarn oder sesshaften Völkern auf Beutezug (arab. ghazw, ghazwa = Razzia) ging, eine Art „sportliche Betätigung“ der jungen Männer. Hohe Anspruchslosigkeit und ständige Kampfbereitschaft kennzeichnen die Nomaden. Auch Frauen wirkten bei Kämpfen mit, wie es seit der Antike diverse Quellen bezeugen. Ansonsten lag ihr Hauptaufgabengebiet rund um die heimische Jurte. Hundezähne als Amulette tauchen in magyarischen Gräbern nur bei Frauen auf. Der Hund als Wächtersymbol in einer Gesellschaft welche dem Tier, verbunden mit dem Schamanismus, einen hohen Stellenwert einräumte, siehe auch Darstellung des Hundes auf Pferdegeschirrbeschlag in einem Frauengrab in Ungarn [Europas Mitte um 1000 III, S. 70].

Nomaden haben einen sehr guten Orientierungssinn und sind extrem anpassungsfähig, was z.B. bei abrupten Wetterwechseln, ausgelöst durch die starken Winde in der Steppe, zwingend notwendig ist. Die Herde und der Viehbestand ist im Familien- oder Sippenbesitz, dem große Achtung beigemessen wird und daraus resultiert das Wertesystem für Führungspositionen. Persönliches Eigentum zählt ansonsten nicht viel. Das kann zu starken Divergenzen führen, wenn nomadische und sesshafte Kultur aufeinander treffen, denn letztere misst individuellem Besitz extrem hohe Bedeutung bei. Interessant sind für den Nomaden vornehmlich Dinge, welche das Leben des Familien- und Sippenverbandes in unwirtlicher Gegend ermöglicht. Nur der Zusammenhalt garantiert das Überleben in einer lebensfeindlichen Umwelt, die kaum Fehler verzeiht. Die Gesellschaft hat im Normalzustand keine stark ausgeprägten hierarchischen Strukturen. Auf Weideland besteht oft lang tradiertes Nutzungsrecht, wird aber durchaus tolerant mit anderen Gemeinschaften geteilt. Oft gab es spannungsgeladene Angleichungsprozesse, wenn sesshafte Kultur und Nomadentum aufeinander prallten. Nomaden waren Mittler von Gütern und Ideen aus weit entfernten Gegenden, die Sesshaften boten Agrarprodukte, Rohstoffe, wie Erze und Metalle und deren handwerkliche Verarbeitung. Der Austausch konnte friedlich über Märkte vonstatten gehen oder durch Beutezüge, so daß früher von einem „Raubnomadentum“ gesprochen wurde, wie man es Hunnen, Awaren oder Mongolen vorwarf. Heute sieht man darin eher kurzzeitige Erscheinungsformen, da nomadische Gesellschaften nicht auf Dauer von Beute allein leben konnten. Unterdrückung und Erpressung von Tributen macht beide Seiten abhängig. In kriegerischen Phasen bildeten sich hierarchische Strukturen unter Führungspersönlichkeiten aus, mit Tribut-, Klientel- und Vasallenverhältnissen als markante Säulen der Herrschaft, denn Ländereien gab es nicht zu verwalten, hingegen unterjochte Sesshafte zu kontrollieren. Materiell gerieten sie in Abhängigkeit von der sesshaften Kultur, um die Machtverhältnisse, gestützt auf Gefolgschaften, aufrecht zu erhalten. Nomadische Gesellschaften, die von ihrer herkömmlichen Daseinsform abgeschnitten waren, unterlagen immer wieder dem Integrationszwang in sesshafte Zivilisationen. Umgekehrt konnten sesshafte Völker im Extremfall zur Migration und damit zu einem Nomadentum gezwungen werden, wenn die Lebensverhältnisse unhaltbar wurden, wie in den Völkerwanderungen vom IV. bis zum VI. Jh, die Europa so nachhaltig prägten.




4b - Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Eisen, aus den Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Schmiede besassen, aufgrund ihrer Fähigkeiten, hohes Ansehen. Im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs 8 - Eisenproduktion vom HMA zum SMA.





VIII

-

XI





Einfache ovale, D-förmige oder quadratische meist rund- oder flachstabig geschmiedete eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen.




Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

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Eis_20 oval rundstabig [Typ siehe Abb. links]

20 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR



Eis_20 „D“ rundstabig

lieferbar nur 20 mm Riemen (ohne Zunge)

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[30 mm „D“ rundstabig nicht mehr lieferbar]



Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO.





VIII

-

XI




Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 35,00 EUR



Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 45,00 EUR



Eis_30 flachstabig mit Blech

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenietet 59,00 EUR





VIII

-

XI



D“-förmig Eisen original Forchheim datiert XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet, deshalb lassen sie sich auch nur schwer genau datieren, kommen aber bei vielen Grabungen ans Tageslicht. Flache, rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung und für alle militärische Zwecke. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Pferdegeschirr zugerechnet. In Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Schnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite vor [Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166].



Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 49,00 EUR



Eis_40 flachstabig

40 mm Riemen natur/braun ohne Zunge

- momentan nicht lieferbar -


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Zur Einführung die Zeitenwanderung: "...Die Nacht war endlich vorüber, lausig kalt, verdammt kalt, wie auch die Nächte zuvor. Immer wieder hatte es geregnet. Die Hände klamm, die Finger steif und Wasser perlte vom Haar "

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Historischer Kontext IX.-XI.Jh:

Eine frühe Besiedlung Nordeuropas setzte bereits mit der Jungsteinzeit ein. Der Golfstrom sorgte für ein erträgliches Klima. Es folgten ähnliche Entwicklungen wie auf dem Kontinent mit Megalithkultur, Bronzezeit und Übergang zu Brandgräbern. Als besondere Hinterlassenschaften gelten Felszeichnungen, welche mit Tier- und Jagddarstellungen schamanistische Wurzeln offenbaren sowie durch Schiffs- und Kriegsszenen erste soziale Hierarchien vermuten lassen. Menschen des Nordens waren klimatischen Änderungen mit Auswirkung auf Flora und Fauna, besonders ausgesetzt, so daß es immer wieder zu Brüchen in Wirtschaft, Moden und Sitten sowie im Extremfall zu Auswanderungswellen kam, stellvertretend seien Kimbern oder später Goten genannt. Einige südgermanische Völker werden ihre Wurzeln im Norden haben. Eisen konnte nur mühsam aus Moorerzen gewonnen werden, wurde deshalb begehrtes Importgut und schuf Abhängigkeiten zum römisch dominierten Kontinent. Die Völkerwanderungszeit zeigte soziale Turbulenzen, verdeutlicht durch eine hohe Anzahl an Fluchtburgen. In der Sachkultur bot die Vendelzeit zw VI.-VIII. Jh einen Höhepunkt als Hinweis auf mächtige Herrschergeschlechter der Svea in Mittelschweden mit weitreichenden Handelskontakten.

Handel sollte den schwedischen Raum für die kommenden Jahrhunderte prägen. Aufgrund hoher Mobilität mit technisch ausgefeilten Transportmitteln galten diese Nordmannen als perfekte Handelspartner. Waren zu schützen war lange Zeit das A und O im Fernhandel. Wagemut und Risikofreude sollten sich, wie immer im Handel, gewinnträchtig auszeichnen. Händler unternahmen lange Reisen, oft monate- und jahrelang unterwegs, um bsplw das ersehnte Zargrad/Byzanz zu erreichen. Die Nordseeanrainer machten spät. um 800 durch Beutezüge auf sich aufmerksam und bekamen in der kontinentalen Geschichtsschreibung eine „schlechte Presse“.

Das fränkisch dominierte Westeuropa war seit 843 in unterschiedliche Herrschaftsbereiche geteilt und durch interne Querelen geschwächt. Dänen und Norwegern, Sarazenen, Magyaren und Slawen boten sich verlockende Ziele. Sie konzentrierten ihre Begehrlichkeit auf die Quellen des fränkischen Reichtums, manche friedlich durch Handel, andere durch kriegerische Beutezüge.

Ein ausgeprägtes Gefolgschaftswesen ermunterte zu gewinnbringenden Fahrten, Zwang und Pflicht zu Beute und Entlohnung wurde bereits mehrfach erörtert. Ähnlich wie bei den Reitervölkern ergaben sich Abhängigkeiten. Mit zunehmender Kenntnis der Verhältnisse auf dem Kontinent begannen sich die Gesellschaftsformen anzugleichen, orientiert an fränkischer oder oström.-byzant. Kultur.

Nach der Beutezug-Phase gelang es auch dauerhaft Räume zu besiedeln und Impulse für die Gründung neuer Reiche zu geben. Völker im Westen und Osten wurden tributpflichtig gemacht und Nordmannen begannen Teile West- und Osteuropas zu gestalten. Wie Sachsen einst Wege zu den Inseln gewiesen hatten, folgten Waräger den Spuren ihrer gotischen Vorfahren, die bereits vor Jahrhunderten tief in osteurop. Weiten vordrangen. Die Rus-Reiche gingen einen „exotischen“ Sonderweg mit der Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut.

800-1066

- Wikingerzeit -

Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“

Gürtel der (Vendel-) und Wikingerzeit,

von Haithabu, Birka, Gotland und der Rus

[Rekonstruktionen, die oben unter „Karolinger“ oder „Reitervölker“ gelistet und vielfach aus skandinavischen Fundkomplexen bekannt sind, werden hier nicht noch einmal wiederholt. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Silber ist möglich]

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


5. Quellen für die Wikingerzeit:

In Nordeuropa zeigten sich seit der Frühzeit aufgrund besonderer Lebensverhältnisse recht eigenständige Entwicklungen. Doch immer wieder erreichten neue Modewellen den Norden. Sachgüter des Kontinents, welche in die europ. Peripherie wanderten, begannen nord- und osteuropäische Völker in Kleidung, Mode und Sitten zu beeinflussen. Grabbeigaben dokumentieren, daß Gegenstände in die eigene Kultur integriert, nach ästhetischem Empfinden durch gerühmte Feinschmiede, aurificis an den Höfen umgeformt und Eigenkreationen geschaffen wurden, um Ansehen und Ruhm ihrer Herren zu mehren. Es ist legitim anzunehmen, daß in der Frühphase der „Wikingerzeit“ ein Teil der archäologischen Funde Spiegel von Gegenständen sind, die auf dem Kontinent bei fränkischen Eliten übliche Standessymbole waren. Ähnlich wie das Röm. Reich als Leitkultur in der Spätantike auf Südgermanen wirkte, übte die kontinentale Entwicklung unter den Franken auf Nordgermanen Anziehungskraft aus. Wäre dem nicht so gewesen, hätte man sich jegliche Beutezüge sparen können. Während Gräberfelder der MWZ des VI./VII. Jhs auf dem Kontinent reichhaltige Grabensembles zeigten, dünnte sich dies durch die früh einsetzende Christianisierung rasch aus. Ohne jene ließe sich ein gewisser Reichtum auch für karolingische Zeit durch Grabfunde auf dem Kontinent mühelos dokumentieren. Das Formenspektrum wird erheblich höher gewesen sein, als es uns heute den Anschein macht. Die „Fundleere“ sollte mit zeitlicher Verzögerung aus denselben Gründen auch europ. Randzonen treffen. Bis dahin dokumentierten Grab- und Hortfunde aus vielen Teilen Skandinaviens, speziell von Gotland, aber auch aus dem slawischen Mittel- und Osteuropa einen breiten Formenreichtum. Nordische Formen verbreiteten sich nach Britannien, Irland, Island, Grönland, in die Normandie, ins Baltikum oder bis nach Rußland. Gut datierbare Funde kommen aus küstennahen Siedlungen und Handelszentren, wie Helgö, Skíringssalr/Kaupang, Sliaswig/Haithabu, Birka, Ripa/Ribe, Dorestad, Starigard, aus den Fundorten des heutigen Groß Strömkendorf, Rostock-Dierkow, Reric/Wismar, Alt Lübeck, Ralswiek auf Rügen, Menzlin/Anklam, Wollin/Wolin oder Truso bei Elblag an der Weichselmündung zutage. Manche dieser Orte verloren ihre Bedeutung und erlebten meist die Jahrtausendwende nicht, da sie aufgrund ihrer geschützten Lage an Flüßen im Landesinneren nur von kleineren Schiffen angelaufen werden konnten. Doch Tonnage und Tiefgang der Transportträger nahm zu, so daß einige dieser Häfen das Nachsehen hatten und neue Standorte an Bedeutung gewannen. Ähnliche Fundmengen sollten auf dem Kontinent erst die Grabungen mit den Stadtneugründungen ab dem XII./XIII. Jh. ans Tageslicht bringen.

Gürtel wurden in der Wikingerzeit nicht unbedingt häufig als Grabbeigabe ausgewählt, nur Gotland zeigt ein hohes Spektrum. Es war schon immer gewagt zu behaupten, daß Frauen keine Gürtel trugen, wenn auch in Männergräbern vielfach keine anzutreffen sind. Erhalten sind kleine Frauen-Statuetten mit Gürteln und ein Textilrest aus Haithabu weist mit Abriebspuren auf der Kleidung darauf hin. Würde man sich an der seit den Zeit Geijers postulierten Aussage festklammern [Birka III, S. 153], dann wäre mit Fug und Recht zu behaupten, daß in Skandinavien überhaupt keine Gürtel getragen wurden. Denn Funde aus Gräbern sind grundsätzlich, bis auf erwähntes Gotland, frappierend gering. Grabinhalte sind eben nicht „Spiegel des Lebens“, sondern stellen eine intentionelle Auswahl dar, siehe Seite V.-VIII./Quellen (und Bestattungssitten). Die Nestorchronik verzeichnet zum Jahr 987 ein interessantes Detail als Fürst Wladimir von Kiew Gesandte zu den umliegenden Völkern schickte, um sie auf ihre Religionsausübung zu prüfen. Die Rus-Gesandten zu den [Wolga-]Bulgaren berichteten, daß jene die Kultfeiern in ihren Gotteshäusern ohne Gürtel ausführten. Erstaunlich, daß dieses Detail als erwähnenswert erachtet wurde. Wirft das nun ein Licht auf die Kultgemeinschaft oder auf die Gürtel selbst, da sie aufgrund der Silberbeschläge Standesbewusstsein ausdrückten, was das Mißfallen der Götter oder Priester erregte und als „Reitergürtel“ oder als „Waffengürtel“ bei sakralen Handlungen nicht erwünscht waren, hinzu auf dem Pferd mehr Sinn machten, da an ihnen Bogenköcher, Säbel und Taschen angelascht waren, also zu Fuß mglw entbehrlich schienen?

Für uns untrennbar mit den Nordmannen verbunden ist eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte: Das Schiff. Nordischer Schiffbau ist seit der Bronzezeit nachweisbar. Bereits Tacitus rühmte die Flotten der Suionen in Skandinavien [Germ, Kap 43]. Konstrukteure des Mittelalters standen somit in langer Entwicklungsreihe und modifizierten die Typen, nicht weniger wie Sachsen oder Friesen. Es wurden schöne und schnelle Schiffe gebaut, die als Kriegsschiffe nur geringen Tiefgang besassen und sehr flexibel agierten. Den Handel übernahmen spezielle Frachter. Es ist kaum zu erahnen, wie solche Transportmittel über lange Zeit das wirtschaftliche und politische Denken dominierte. Keine Zivilisation ohne gute Verkehrsanbindung, das Schiff war Massengut-Transporteur.5

Seit der Spätantike erweiterten sich Verkehrsverbindungen vom Mittelmeer bis in den Nord- und Ostseeraum. Wie sehr auch Flüsse das strategische Denken lenkten, sieht man an der Wahl der Reichsgrenzen Roms und den Vormarschrouten seiner Armeen. Flüsse dienten der Verlegung und Versorgung, daran sollte sich im MA wenig ändern. Nicht umsonst begann Karl d Gr unter immensem Aufwand und Personaleinsatz mit dem Bau eines Kanals zwischen Main und Donau als er die Feldzüge gegen die Awaren führte, sieh auch Heer- und Handelswege im Mittelalter

Strategie und Taktik der Nordmannen

Über Jahrhunderte hatten sich Verkehrsverbindungen über die Gewässer aufgebaut. Vom Schiff profitierten alle Ortschaften in Küsten- oder mit Flußlage, was sie allerdings Begehrlichkeiten aussetzte, falls Personen nicht bereit waren für Güter entsprechende Gegenwerte zu entrichten. Nordmannen verfuhren nach altbewährtem Muster, die bereits zur röm. Kaiserzeit (RKZ) angewendet worden waren, durch Sachsen gegen die Küsten der röm. Provinzen in Britannien und Gallien sowie durch später so benannte „Dänen“ aus Schonen in Südschweden gegen die jütländische Küste. In dieser Zeit genutzte Schiffstypen werden dem des Nydam-Boots B entsprochen haben. Solche geruderten Ausführungen wurden mit Eisennieten geklinkert beplankt [nicht gelascht, wie in der ZAM 2009 behauptet]. Bei den seegestützten Angriffen der „Dänen“ zw 150 und 500 AD fanden sie nachweislich Verwendung, siehe Moor-/Opferfunde mit Heeresausrüstung in Illerup Adal, Nydam Mose, Thorsberg, Ejsbol, Kragehul uvam. Diese Angriffe könnten einst hier siedelnde Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh motiviert haben, neben allgemein postulierter Klimaverschlechterung, im Verdrängungsprozeß die Umsiedlung nach England zu wagen. Denn die Insel im Westen war ihnen durch Raubfahrten gut bekannt und nach Abzug der Römer hinzu schlecht verteidigt. Sachsen, Angeln und Jüten entwickelten gebräuchliche Schiffstypen weiter, wie den Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 bis 625 AD) zu entnehmen ist und den späteren Wikingerschiffen nicht nachstanden, vielleicht sogar Vorbildcharakter hatten? Die erwähnten Angriffe aus Skandinavien beschränkten sich nicht auf Jütland. Zu Zeiten der Merowingerkönige berichten Quellen im VI. Jh auch von Plünderungen der friesische Küste. Um 520 wurde das austrasische Reich Theuderichs I. von „Seekriegern“ heimgesucht, wohl unter dem Dänen Chochilaichus. Während der Zwistigkeiten unter den Merowingern, nach dem Tod des Hausmeiers Pippins II., griffen 716 Friesen an, manche Quellen nennen auch Sachsen, welche mit ihren Schiffen den Rhein hinauf fuhren! Angriffe auf die westeurop. Küsten im IX. Jh sind also keineswegs neuartige Erscheinungen, sondern folgten altbekannten Mustern, allerdings wurden die Kriegsschiffe mit technischer Entwicklung seetüchtiger, ohne daß sie den Vorteil des geringen Tiefgangs verloren. Gotländische Bildsteine des frühen VIII. Jhs zeigen hinzu eine Beseglung.

Angelsächsische Chroniken erwähnen die ersten Norweger 789 in ihrer Gefilden und die meisten ihrer Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste. Die Beutezüge nahmen größere Dimensionen an, Ortschaften und Klöster wurden gezielt aufgesucht. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl den Großen, Ende des VIII. Jhs Skandinavier zu möglichen Plünderungsfahrten aufgefordert haben könnten oder sie selbst gar diese Fahrten unternahmen! Denn ab 799 wurden mit Angriffen an der Loire und ab 810 in Friesland der fränkisch dominierte Kontinent zum Ziel gemacht und nicht Klöster, sondern reiche Handelsorte bevorzugt, was die Wirtschaft schädigte. Die Franken hatten sich auf Kosten vieler Völker zu den Herren Zentraleuropas aufgeschwungen. Es war aufgrund der schweren Kavallerie lange Zeit kaum möglich einer professionellen fränk. Streitmacht auf dem Schlachtfeld Paroli zu bieten, wenn sich das Feldheer einmal in Bewegung gesetzt hatte, aber blitzschnelle Seeangriffe waren ein probates Mittel und trafen an empfindlicher Stelle. Nachdem sich im Norden herumgesprochen hatte, wie gewinnbringend solche Beutezüge waren, folgte Welle auf Welle. Viele Ortschaften, Klöster und Kirchen an Rhein, Mosel, Maas, Schelde, Somme, Seine und Loire, samt ihren Nebenflüßen wurden zum Ziel. Mitte des IX. Jhs starteten Nordmannen organisierte große Heerfahrten, so daß Ostern 845 Paris geplündert wurde. Es gelang große Lager zur Überwinterung und als Stützpunkt weiterer Züge zu errichten. In England etablierte sich das Danelag. Alfred von Wessex zeigte, daß mit Burgen- und Flottenbau adäquate Abwehrmittel gefunden werden konnten. Ferne Beutezüge führten bis ins Mittelmeer, dessen nördliche Küsten nicht nur von Sarazenen, sondern auch von Germanen heimgesucht wurden, wie im V. Jh zu „vandalischen Zeiten“. Gegen Ende des IX. Jhs steigerten sich die Angriffe der Nordmannen, welche bis nach Köln, Andernach und Trier gelangten und seit 879 mit einem großen Heer für mehrere Jahre durch Nordfrankreich zogen, den Raum beherrschten. In den 880er Jahren gelangten sie bis nach Aachen, wo die königliche Kapelle als Pferdestall genutzt wurde. So waren es keineswegs nur Schiffe, auch der Umgang mit Pferden war ihnen wohl vertraut. Viele reich ausgestatteten nordischen Gräber sollten künftig kostbares und prestigeträchtiges Zaumzeug aufweisen als Standesabzeichen der Anführer, wie zu merowingischen Zeiten auf dem Kontinent.

Nordmannen besassen gegenüber Karolingern zu Land keine überlegene oder anders geartete Waffentechnik, wie Sarazenen mit einer hohen Zahl von extrem mobilen Fernkämpfern, im Gegenteil, viele Waffen waren aus dem fränk. Reich in den Norden importiert. Das Waffenembargo Karls fruchtete nicht, ein Leinenembargo klänge plausibel, um nordischen Schiffen die Beseglung zu nehmen, doch wurden auch imprägnierte Wollsegel genutzt. Das Überraschungsmoment durch die Seeangriffe, hohe Reichweite und geringer Tiefgang der Schiffe, hinzu politisch die Reichsteilungen der Franken mit Fehden der Hausmeier und Könige untereinander brachte den Nordmannen entscheidende Vorteile. Hinzu wirkte sich die Umstrukturierung des fränk. Heeres ungünstig aus. Zur Abwehr flexibel agierender arabischer Reiter und mit den Offensivkriegen Karls d Gr war ein Berufskriegertum mit schwer gerüsteter Kavallerie entstanden. Das war kostspielig. Freie zahlten eher Kriegssteuer zugunsten einer kleinen Reiterelite, als daß sie selber kämpften, gerieten zunehmend in Abhängigkeiten der Großgrundbesitzer, welche Reiter stellten und verloren in Folge ihren Status als Freie. Daraus resultierte eine Schwächung der Infanterie, die ehemalig im Kern von gut bewaffneten Freien gestellt wurde. Regional mobilisierte Milizen vermochten erfahrenen und hoch motivierten Kriegern, wie den Nordmannen, nicht erfolgreich gegenüber zu treten, siehe 866 bei Brissarthe oder 882 bei Asloh. So verteidigte man Festungen, um Zeit zu gewinnen, bis Adel oder König das Feldheer gesammelt hatten. Das war zeitraubend, aber eine andere Abwehrmöglichkeit gab es nicht, zumal die Karolinger, in Gegensatz zu den Angelsachsen, trotz diverser Bauanstrengungen, keine nennenswerte Flotte besaßen.

Der Erhalt von Gefolgschaften verlangte immer neue Beute, kostbare Objekte, Edelmetalle oder Silbergeld: „... mit Waffen und Gewändern / sollen Freunde sich Freude machen / das sieht man an sich selbst / Gabe und Gegengabe begründet Freundschaft …“ Edda, Havamal 41. Reiche Grabfunde lokaler Machthaber des X. Jhs, vor allem in Dänemark, geben Anzeichen für Gefolgschaftsbindungen mit einzelnen starken Anführern („hersir“, Herr des Heeres, Heermeister) und für ein kaum oder gar nicht ausgeprägtes Königtum, was sich erst im Laufe der Zeit, durch Angleichung der Verhältnisse zum Kontinent mit ottonischer Zentralmacht, änderte. Allmählich vollzog sich ein Wandel ausgehend von kleinen regionalen Machthabern und freien Grundbesitzern zu immer stärker werdenden Zentralgewalten mit Unterstützung der Kirche im Laufe der Christianisierung. Seitdem sich im XI. Jh nach kontinentalem Vorbild in den skandinavischen Ländern Königtümer etabliert hatten und jene sich untereinander befehdeten, wurden ihre Küsten nun von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach den Beeinträchtigungen in den dänischen Thronwirren 1066 Ziel einer slawischen Attacke, was die Umsiedlung der meisten Bewohner nach Schleswig bewirkte.






6. Rekonstruktionen aus Haithabu mit kontinentalen und insular westlichen Formen

Die dänische Gründung vom Beginn des VIII. Jhs weist im Fundgut kontinental-karolingische und skandinavische Formen auf mit slawischen und östl. Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten weniger als 20% überhaupt Beigaben! Die Christianisierung wirkte sich in Haithabu seit Mitte des IX. Jhs aus. Nur die fürstlichen Kammergräber von 849v bis 950c waren reichhaltig ausgestattet [HAI, S. 125ff]. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden.



IX

-

XI

Haithabu

[Abb. nach Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197]

Die Schnallenfunde aus den frühen Siedlungsgrabungen zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagbleche, im Bootkammergrab befanden sich eiserne mit Blechen. Grössere Schnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch, neben Knochen/Bein, einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind die gebräuchlichsten Materialien dieser Zeit. Die letzten Sondenbegehungen des Geländes brachten zahlreiche Neufunde hervor, momentan noch unpubliziert. Da erwarten uns also noch einige Überraschungen. Aus den Gräberfeldern wurden bislang weniger als 20 Schnallen aus Eisen, Bronze und Silber, letztere teilweise mit Beschlagblechen, geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen so klein, daß sie allgemein als Taschenverschlüße gelten, wie die bronzene Schnalle in Grab 128 im Flachgräberfeld, vergesellschaftet mit einer bronzenen Scheibenfibel geziert durch Silbereinlagen. Ich sehe sie aber durchaus als Gürtelobjekt an, denn die stark verkrustete ovale Schnalle hat ein Außenmaß von 3,3 cm Breite (!) und eine mögliche Riemen-/Durchzugsbreite von ca. 22 mm, das entspricht in der Größe durchaus anderen als Gürtelteile angesprochenen Funden. [Im Katalog entsprechen die Größenangaben nicht den meinigen, denn bei Schnallen verwende ich Breite zu Länge genau umgekehrt wie Arents/Eisenschmidt. Ich messe die Schnalle quer, also in der Durchzugsbreite des Riemens mit Innen- und Außenmaß, analog zur „Gürtelbreite“. Die „Länge“ wäre dann eher längs mit Außenmaß und einer „Durchlaßhöhe“ anzusehen. Das klingt ein wenig kompliziert ist aber eigentlich anwendungsbezogen logisch und in den meisten Publikationen wird das so gehandhabt, nur Arents/Eisenschmidt weichen von diesem Schema ab]

Haithabu“-Schnallen für einfache Darstellungen siehe auch oben Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh, ansonsten für die Frühphase auch Gürtel der Karolingerzeit möglich, weitere Buntmetallausführungen als Annäherung an Haithabu-Formen auf Anfrage. Die Rubrik hier umfasst neben zentralkontinentalen auch westeuropäische Varianten.





VIII

-

IX

kontinental







Schnalle als bronzene Variante nach dem Typ eines Fundes aus Eisen in Haithabu, Zungen als mögliche Ergänzung.



IX-X_012c_Nietscheiben_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz

montiert 99,00 EUR



IX-X_012f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR

[Zunge im Stil eines spätawar. Zierbeschlags]





IX

-

X

kontinental und westlich









Zunge links mit Annäherung in der trapezförmigen Gestalt an einen ähnlichen Fund in Haithabu aus der Grabung 1937-39



IX-X_012a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 6 x 2 cm

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



IX-X_012k_Niet_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Flecht_bz Typ York

montiert 79,00 EUR





IX

-

X

kontinental und westlich









Links: Zunge insular westlich.

Rechts: Zunge mit westlichem Einschlag und Annäherung im Ornament an einen ähnlichen Fund aus Haithabu der Grabung 1963-64



IX-X_007k_Nietscheiben_bz

Schnalle Birka Typ

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Flecht_bz Typ York

montiert 99,00 EUR



IX-X_012p_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR





IX

-

X

kontinental und westlich







[auf den Bildern Zungen im insular westlichen Stil noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gelegt]



IX-X_010k_bz

Schnalle Typ hoher Rahmen klein

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Flecht_bz Typ York

montiert 79,00 EUR



IX-X_011i_bz

Schnalle Typ hoher Rahmen klein

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Flecht_bz Typ York

montiert 95,00 EUR






7. Rekonstruktionen aus Schweden und Birka mit kontinentalen und östlichen Formen

Voran gestellt ist die auslaufende Vendelzeit. Funde aus Birka sind nach der Gründung im VIII. Jh in eine Frühphase (fränk.-karolingischem Einfluß, siehe dazu auch Gürtel der Karolingerzeit) und eine späte mit Wende ins X. Jh unterteilt. Das Siedlungsareal der bis zu 1000 Einwohner zählenden Ortschaft lag, ähnlich wie Haithabu, gut geschützt im Landesinneren mit Anbindung zum Meer und war mit einem Halbkreiswall umgeben. Daran anschließend lag etwas erhöht die Burg, auf einer Terrasse darunter die Garnison. In den östlichen und südlichen Gräberfeldern werden bis zu 3000 Bestattungen vermutet. Bis in die 1980er Jahre wurden rd. 1100 Gräber untersucht und aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern Gürtelteile geborgen. Das Fundspektrum weist viele Importe auf, als Beleg weitreichender Handelskontakte. Ab 875c finden sich in der zweiten Birka-Phase vermehrt Artefakte der Rus und Reitervölker, darunter jene aus 32 Gräbern mit „orientalischen“ Gürteln, um 900 datiert aus dem Bereich der Garnison, was mglw. auf eine Gefolgschaft östlicher Bogenschützen-Söldner hinweist. Vielleicht übernahmen sie ähnliche Aufgaben wie einst skythische Bogner in Athen? Gürtel gehören in Birka nicht zu den typischen Grabbeigaben. Weniger als 7% aller Gräber wiesen bislang Gürtelteile auf. Eine geschlechtsspezifische Zuordnung ist schwierig ohne anthropologisches Überreste, Aussagen ergeben sich nur aus der Vergesellschaftung mit spezifischen Werkzeugen, Schmuckformen oder Waffen.

Ende des X. Jhs erfolgte der Niedergang Birkas. Osthandel und Silbernachschub über die arab. Dirhems waren lange Zeit Motor der Entwicklung gewesen. Nachdem sich aufgrund politischer Entwicklungen im Reich der Rhos/Rus die Handelswege änderten und arab. Währung an Silbergehalt verlor, verlagerten sich die Handelsströme in Richtung der Ostseeküste z.B. nach Wolin. Dort wirtschafteten Slawen mit Silber aus dem Harz als weithin akzeptierte Währung. Nach der Verlandung der Zufahrt begann Sigunta die Rolle Birkas als politisches und wirtschaftliches Zentrum zu übernehmen.







VII

-

VIII



Vendelzeit





D-Schnallen mit dreieckigem, quadratischem, bzw rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze wurden von den Germanen zur röm Kaiserzeit übernommen und sollten sich lange Zeit halten, siehe auch oben Fund aus Haithabu IX./X. Jh

Zunge im auslaufenden Tierstil II gegen 700 nach Funden in Vendel und Vallstenarum/Gotland. In nordischen Gräbern der älteren Vendelzeit ist die Übernahme des Tierstils II und der jüngeren Vendelzeit des Tierstils III (insularer-, bzw Tassilokelch-Stil) markantes Erkennungszeichen.

Das Motiv der windenden Schlange könnte im Nordischen schamanistische Wurzeln angesprochen haben.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 79,00 EUR



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 85,00 EUR





IX

-

X



Birka früh

Typ Birka Grab 750

Stilisierte Akanthusblüten zeigen deutlich, daß die Schnalle aus dem Karolingerreich stammt und wie Zungen, Fibeln, Zaumzeugverteiler oder Klingen im Norden begehrte Artikel waren, weiter verwendet oder umgearbeitet wurden.

Das Original war vergesellschaftet mit einem rechteckigen Beschlag als „Zunge“. Ähnlich Abschlüße mit markantem Akanthus-Muster z.B. Fund in der Slowakei, Anf. des VIII. Jahrhunderts.



IX-X_001a_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 [Abb bz]

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz od me 6 x 2 cm

montiert 89,00 EUR



IX-X_001a_me Leder rot

[Veredlung in Silber auf Anfrage]








IX

-

X



Birka früh

Typ Birka Grab 750

Karolingischer Schnallentyp mit Funden im schwed. Birka, Ostra Paboda und im dän. Duesminde, Sonderjyllas oder Nora Vedby auf Alsen.



Ähnliche Formen der Zunge mit Tierkopfabschlüssen in Birka.



IX-X_001q_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 [Abb me]

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Tierkopf_bz od me

montiert 89,00 EUR



mögliche Tragweise IX-X_001a






IX

-

X





Birka










IX-X_012q_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Tierkopf_bz

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]












X



Birka spät

Typ Birka Grab 949



X_011_Birka_bz

Birka Gr949ae

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 65,00 EUR



X_001_Birka_me

Birka Gr949ae

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

- momentan nicht lieferbar -









X

Birka

IX.-XI. Jh Birka-,Haithabu- und karol. Formen bz, me Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden.

[siehe auch Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh]



Typ Birka Grab 1030




X_009_Birka_bz

Birka Gr1030ae m. Bandgeflecht im Borrestil

hier noch ohne Beschlagblech und ohne Zunge

[neue Varianten mit Blech, auf Anfrage]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

montiert 39,00 EUR






8. Rekonstruktionen der gotländischen Wikingerzeit und der Rus mit östlichen Formen

Auf Gotland ist die Anzahl der Gürtelteile in den 1100 untersuchten Gräbern recht groß. Die Insel vor der schwedischen Küste nahm eine Sonderstellung ein. Neben den Gräbern wurden hinzu rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlich hoher Reichtum angehäuft hatte, spricht aber auch für häufige Bedrohungsszenarien und Invasionen. Denn aus „Spaß vergräbt man nix“. Das Fundspektrum zeigt einen starken Rus-Einfluß, bzw. Formen von reiternomadischen Völkern des Balkans oder der russ. Steppe. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern. Auch die Anzahl von aufwändigen Fibelensembles mit den speziellen Tierkopf-Fibeln ist ungewöhnlich hoch. In den Rus-Reichen sind ovale Schalenfibeln zu finden und werden als besondere Traditionsbeflissenheit der Frauen gewertet, während Männer scheinbar schneller östlichen oder oriental. Modesitten folgten [Birka III, S. 150].









X



Gotland

Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

mit Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





mögliche Tragweise







IX

-

X


Gotland / Rus / Slawen

IX.-XI. Jh div.Gotland- und Rus Formen. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden.



[siehe auch Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh]

Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich und war wohl angelegt, was keineswegs die Regel ist, manchmal sind Gürtel neben oder auf der Leiche platziert. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. War der Zungenteil länger wurde er nach dem Umschlingen der Leiche also nicht unbedingt schön nach unten Richtung Knie drapiert, sondern zur Seite gelegt, vielleicht auch so getragen, wie es Abbildungen von skythischen Reiternomaden zeigen. Denn nur östlich beeinflußte Gürtelformen können längere Zungenteile aufweisen. Bei einer westlichen Gürtelform im Flachgräberfeld von Haithabu Grab 59 fanden sich Schnalle mit Beschlagblech und Zunge fast unmittelbar nebeneinander im rechten Beckenbereich. Da gab es wohl keinen längeren Zungenabschnitt.

Hinweis auf eine seitliche Tragweise mögen Riemenschieber sein, die sich manchmal im Fundgut finden, kleine Ausführungen bei Sporengarnituren, größere bei Gürteln. Ich würde es als Wikinger-Darsteller eher vermeiden den Gürtel nach der Schnalle in der für viele gewohnten Art zu schlaufen. Es scheint bei westlichen Darstellungen angeraten das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu halten und es als Tragweise tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu zwängen, wenn kein Riemenschieber benutzt wird, da jener in der Reenactment-Szene allgemein Ablehnung findet, obwohl durch archäologische Funde zu belegen. Bei östlichen Darstellungen werden die Zungenabschnitte mglw länger gehalten werden können, was aber nicht unbedingt heißt, daß sie lose herab hingen, sondern wiederum mit dem Leibriemen verbunden oder untergeschoben worden sein mögen. Grundsätzlich kennt das FMA Schlaufmethoden, auch beim Pferdegeschirr ist solches zu beobachten, sie unterscheiden sich jedoch von der modern angewandten Form und verdecken kein Schnallenblech.









X









Gotland



Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/braun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 139,00 EUR







IX

-

X







Gotland / Rus / Slawen



Schnallen mit einem „abgesetzten Steg“, die keinen Dornschlitz im Leder erfordern, haben eine sehr lange Geschichte. Abb hier hinzu durch Befestigung mit gefalztem Blech. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker in den Westen, Übernahme in Byzanz und hohe Verbreitung in Mitteleuropa bis ins HMA



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zungenblech_bz 7 x 2 cm

montiert 79,00 EUR

[es wäre möglich einen Verteiler anzubringen, wie auf dem Grabungsfoto oben]



IX-X_04_bz oder vs

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_ws 4 x 2 cm

bz 69,00 / 79,00 vs EUR

[in bz oder mit Oberflächenveredlung in Silber (Abb.)]







IX

-

X





Gotland

Typ Ksp. Hellvi/Gotland






IX-X_01_bz

Typ Hellvi/Gotland, hier allerdings o. Blech

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

hier Riemen natur unbehandelt

mit Zunge_bz 4 x 2 cm

montiert 55,00 EUR



IX-X_02_vs

Typ Ksp. Hellvi/Gotland ohne Blech

- Variante mit Blech siehe oben -

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

mit Zunge_ws 4 x 2 cm

montiert 55,00 EUR

[Veredlung in Silber]


Weitere von Rus genutzte Formen siehe oben unter Rekonstruktionen Byzanz, Slawen, Rus, Reitervölker

Kiew, Hauptstadt eines großen Rus-Reichs war bereits zur Zeit des Ostgotenkönigs Ermanerich (350-76 AD) von gewisser Bedeutung. Es hieß damals Danparstadir (Dnjeprstadt) und wurde skandinavisch später Kaenugardr oder Kiangorod genannt [H. Schreiber, Auf den Spuren der Goten, S. 78.]





Nordmannen in der Normandie

Folgenschwer war die Überlassung von Siedelgebieten an der franz Küste an Skandinavier nach 911. Es handelte sich nicht um irgendwelche Gebiete in Nordwestfrkch, sondern mit Rouen am Unterlauf der Seine um die seegestützte Hauptverkehrsader nach Paris, welche die Nordmannen nun kontrollierten! Dort begann die Übernahme kontinentaler Sitten die nordische Kultur umzuformen, sichtbar an Sprache und Religion, am Burgenbau und am Feudalwesen mit der Ausbildung einer effektiven richtungweisenden Kavallerie. Das expansive Wesen der Normannen verebbte nicht und sollte sich im XI. Jh keineswegs nur auf England beschränken, sondern erreichte auch Süditalien, Sizilien, Nordafrika, Teile Griechenlands und letztendlich das Heilige Land „Normannisches Blut“ strömte in den Adern vieler Königshäuser. Selbst der Staufer Friedrich II. wird eine Mutter aus normannischem Hause haben.

[Normannische Schnallenformen chronologisch unter „Salierzeit“ auf der nachfolgenden Seite XI.-XII. Jh]

Als Hilfs-Sonderaktion wegen der Marktausfälle wäre ein Gobelin mit Ausschnitten aus dem berühmten Teppich zu beziehen über...und Info Preis - Bild anklicken (XI_04 Bayeux „Einschiffung“ 115 x 58 cm)






Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Die paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht vor und während der röm. Kaiserzeit bei den Germanen üblich. In Skandinavien und im Baltikum hielt sich eine Mehrfibeltracht länger als auf dem Kontinent, wo sich durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur Tunika mit Umhang/Mantel und der einzeln getragenen Scheibenfibel in der Wende um 600 vollzog. Bestandteil der gehobenen Frauentracht wurden bis zu 5 cm grosse prunkvolle Scheibenfibeln aus wertigen Edelmetallen. Einfache Exemplare waren in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder etwas aufwändiger in Bronze mit Emaille gearbeitet. Sie fanden auch Eingang in die südskandinavische Mode und konnten zur Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen werden. Daneben kannte man Ringfibeln, Ringnadeln, Knochen-Nadeln, vielleicht auch hölzerne Varianten und vor allem Bindesysteme, siehe „Schnurmantel“ [Birka III, S. 149 u paarweise Abschlusstücke von Prunkmänteln S. 142]. In manchen Teilen Nordeuropas und in den Weiten der Rus-Reiche wurde die Mehrfibeltracht erst gegen Mitte des X. Jhs zugunsten der einen Fibel abgelegt. Auch Bernstein- und Glasperlenschnüre, Relikte aus frühen germanischen Zeiten, fanden sich ebenso in merowingerzeitlichen sowie in nordischen und östlichen Frauengräbern, nicht selten mit Schmuckstücken und Anhängern kombiniert. In gehobenen Frauengräberensembles konnten auch Metallkettenschnüre germanischer Zeiten ihre Nachfolger finden, durch Kettenverteiler zu mehreren Strängen kombiniert.







IX





Sachsen / Friesen / Karolinger / Skandinavier



Karolingische Kissenfibel

Interessanter Typus aus dem fränkischen Reichsgebiet, der ähnlich auch bei Sachsen, Friesen und in Birka (Grab 854) gefunden wurde. Paarweise getragen, war er bei den Wikingerfrauen begehrt. Wie oben beschrieben lassen sich einige Formen auf dem Kontinent archäologisch nicht in der Zahl nachweisen, wie in Nordeuropa. Doch man wird davon ausgehen können, daß die Anzahl der getragenen Stücke auf dem Kontinent um ein Vielfaches grösser war, als die wenigen Funde dies vermuten lassen.

Zum Vergleich siehe etwas aufwändigerer Typus in „Wikinger am Rhein“, S. 153



IX_Kissenfibel_bz

2,2 x 1,5 cm in rot/grün

55,00 EUR [definitiv das letzte Paar]





IX

-

X





Skandinavier / Sachsen / Slawen

Rautenfibel

Funde aus Uppkra, Menzlin, Birka, Haithabu und als südlicher Vertreter: Lippspringe um 900.



[Veredlung in Silber auf Anfrage]



IX-X_Rautenfibel_bz und vs

bz 15,00 und ws 17,00 EUR







IX

-

XI







Karolinger / Skandinavier / Ottonen






Scheibenfibel Kreuz mit Emaille, häufige Verbreitung in den nördlichen und westlichen Reichsgebieten, siehe Funde aus Dorestad, Haithabu, im nahe gelegenen Schuby und im skandinavischen Raum, aber auch vom Handelsplatz am Rheinufer in Mainz oder sehr ähnlich aus der Umgebung des Königshofs in Rohr östl. von Meiningen nach 975.

Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“ [Sal, S. 132] Fund der Entersburg bei Hontheim.



IX-XI_Scheibenfibel Kreuz_bz

gelbes Kreuz auf grünem Grund

oder

rotes Kreuz auf grünem Grund

Durchmesser 2,9 cm

je 35,00 EUR







X

-

XI







Byzantiner / Rus / Slawen / Ottonen / Salier



Kreuzornament mit Peltas, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

...Gruppe von Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzantinischen Goldschmiedekunst übernommen worden.“ [Sal, S. 119]. Siehe Straubinger Fibel, Fund vom Domberg in Bamberg, annähernd auch Form in Schleswig mit drei Pelten ohne Emaille, die sich ähnlich auch auf dem Handelsplatz in Mainz fand. Eine Verbreitung über den slawischen Raum scheint hinzu wahrscheinlich..



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz

Durchmesser 3,6 cm

je 39,00 EUR

in dunkelblau/gelb oder rot/grün oder rot/gelb

[auf speziellen Kundenwunsch neu aufgelegt]




X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz gelb/dunkelblau luzid, fast schwarz

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/grün opak

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/gelb opak

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR












Exkurs 5: Textilreste in nordischen Gräbern

Vorab: Bis heute ist das nordische Klima von sehr plötzliche Wetterumschwüngen gekennzeichnet ist. Mit anderen Worten - der Nordmann muss gegen jeden Wechsel gewappnet sein. Das wird sich in der landeseigenen Tracht niedergeschlagen haben. Zum archäologischen Nachweis von Textilien benötigt man grundsätzlich gute Erhaltungsbedingungen, wie dies beispielsweise bei koptischen Stoffen in trockenen klimatischen Verhältnissen möglich ist. Unter den ägypt. Funden wird u.a. ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs als Gürtel angesprochen. Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren klimatischen Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell. Nur selten lassen sie sich nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- und 228 Wollfragmente geborgen und die Leinenreste erhielten sich in der Mehrzahl zufällig durch die Verwendung beim Teeren und Kalfatern der Schiffe im Hafen dieser Handelsstadt. Leinen wurde im Norden nicht zuletzt für Segel benötigt, obwohl es auch Varianten aus stark imprägnierter Wolle gab, die den Vorteil hatten leichter zu sein als das Tuch aus Pflanzenfasern. Leinenfragmente wurden in Birka in reich ausgestatteten Gräbern gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur die Begüterten leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.6 Leinen war in Nordeuropa wohl lange Zeit ein exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Flachs ist eine anspruchsvolle Kulturpflanze, bedingt einen gut ausgebildeten Ackerbau und erfordert viele Arbeitsgänge mit speziellen Werkzeugen. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. In den besten Qualitätsvarianten wurden beide Stoffe im Norden importiert, wie die berühmten „friesischen Tuche“, die mglw nicht nur in Friesland, sondern zu beiden Seiten des Ärmelkanals aufgrund der Fortführung hoch entwickelter spätröm. Produktionsmethoden mit Züchtung geeigneter Schafrassen noch Jahrhunderte später florierte [Birka III, S. 42]. Pflanzliche Stoffreste sind hauptsächlich durch die Ionisierung (Grünspanbildung) und Eintränkung bei Buntmetall- und Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden nur als fossile Bildungen auf der Oberfläche einer Korrosionskruste.7 Damit beschränkt sich die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber der gehobenen sozialen Schichten. Nur hier sind ausreichend Bunt- und Edelmetalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. Mglw unterliegen wir also einem Trugschluß. Leinen könnte auch von einfachen Leuten getragen worden sein, ist in deren Gräbern aber aufgrund fehlender Metallbeigaben nicht nachweisbar. Demnach wären die Zuordnung Leinen = Oberschicht nicht zwingend !? In Zusammenhang mit ovalen Schalenfibeln an Trägerröcken der sozialen Eliten wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete/plissierte Leinenhemden beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzantinischem Vorbild [TTHS, S. 70 u 124]. Aus 169 der 1100 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs [Birka III, S. 14ff]. Fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung haben sich erhalten, mit Grundgewebe aus Leinen oder Wolle, die meist zusätzliche Seiden-, oft Silber- oder Goldfäden aufwiesen! Manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Nach Erkenntnissen aus den Birka-Gräbern sind sozial hochrangige Personen des IX./X. Jhs im Grabritus zuweilen recht auffallend ausstaffiert worden, um ihren Status deutlich herauszustreichen [Birka III, S. 138]. Birka hat viele seiner Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Erhaltene Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der röm. Kaiserzeit (RKZ) waren ausnahmslos aus Wolle, wobei oben genannte Erhaltungsbedingungen sicher eine Rolle spielen. In Birka war goldene Zier vornehmlich in Männergräbern zu finden [Birka III, S. 138]. Die Sagas berichten von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten. Eine geschlechtsspezifische Zurodung wäre zu überprüfen. Seit der Antike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Die Sitte wurde von sozialen Eliten der Germanen nachgeahmt und war auch zu merowingisch-karolingischen Zeiten selbstverständlich. Dementsprechend verhielt sich die nordgerman.-skandinavische Führungsschicht nicht anders.

Gürtelformen Bronzezeit und Antike: In der Wikingerzeit fehlen uns vor allem aus den Frauengräbern Gürtelreste aus Metall. In den Sagas wird von einem Kleid berichtet, das seine Trägerin in der Taille schnürte, ohne einen Gürtel speziell zu erwähnen. Als Denkmodell wären grundsätzlich Stoffgürtel mit Bindesystem ohne Schnalle nicht ausgeschlossen. Ein reiner Stoffgürtel vergeht genauso wie der Rest der Kleidung und bleibt damit nicht nachweisbar, wenn nicht die Möglichkeit des Erhalts durch Metalle, s.o., gegeben war. Im Rus-Bereich soll es wohl Belege für diese Gürtelart geben, mir momentan aber noch unbekannt. Die guten Verbindungen über den Etappenhandel zum Vorderen Orient, in einen Raum mit zahlreichen textilen Gürtelvarianten, macht die Annahme wahrscheinlich. Bindegürtel gehören grundsätzlich zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt und waren in allen frühen Kulturen selbstverständlich. Das läßt sich für die klassische Antike bei Griechen und Römern anhand von plastischen Werken und Malerei einwandfrei belegen. So erscheinen Bindegürtel an Prunkrüstungen. Für den zivilen Bereich mögen hierzu der mit einem Bindegürtel umschlungene Grabstein eines Zeus-Priesters in Aspendos in Pamphylien an der heutigen türk. Südküste, ein etruskischer Tonsarkophag aus Chiusi vom Ende des III. JhvC mit Darstellung einer liegenden Dame im edlen Gewand mit Bindegürtel [Forrers Reallexikon, S. 50] oder der Grabstein aus Narbonne „Bastion Montmorency“ vom II. JhAD exemplarisch gelten. Für die nördlichen Breiten wird diese Gürtelform seit der Bronze-/Eisenzeit durch Moorfunde gestützt. Bei einem Blick so weit in die Vergangenheit zurück, seien aber ebenso die speziellen Gürtel-Hakenvarianten mit breiten Bronzeblechen der Urnenfelder- und Eisenzeit vor allem im Vorderen Orient und mediterranen Raum genannt, die in unseren Breiten Bestandteil der Hallstattkultur waren und sich zur Latenezeit in schlankere und meist einfache Hakenformen wandelten. Diese jüngere Form ist auch bei den Germanen der vorrömischen Eisenzeit gut nachweisbar, bis durch die Berührung mit der röm Kultur deren Schnallenformen übernommen und abgewandelt wurden. Woher die uns geläufige Schnallenform überhaupt stammt, ist mir momentan noch unbekannt? Erlaubt sei der Blick ins Persische Reich des V.-IV. JhvC. Es wird davon berichtet, daß die Jahresabgabe einiger syrischer Dörfer dazu verwendet wurde, um der pers. Königin einen Gürtel (!) anzufertigen. Es muß also ein recht kostbares Stück gewesen sein. In Persien war es üblich diese regionalen Abgaben Personen und einem bestimmten Gebrauch zuzuweisen. Zum anderen gehe der Blick nach Persepolis, oder „Parsa“ wie die einheimischen Völker die Stadt selbst nannten. Auf den Seitenwangen der Treppenaufgänge zu einem der Audienzsäle werden Tribut leistende Völker dargestellt, darunter wohl auch Reitervölker (Saken-Skythen und frühe iranische Völker, wie Meder, Baktrer, Sogdier, etc). Sie tragen längere zur Seite geschlungene Gürtelformen als Wehrgehenk, an denen Taschen und Dolche befestigt sind. Hier ist ein zentraler Verschluß sichtbar in Form von Knopf, Haken, Durchzug oder Schnalle (?), der in der Lage ist ein gewisses Gewicht zu tragen, eindeutig kein Knoten. Zum Material des Gürtels ist keine Aussage zu machen. Mglw bevorzugten nomadische Völker grundsätzlich stabile Lederausführungen, da Viehbesitz obligatorisch war und Leder zum Grundmaterial seit der Altsteinzeit zählte, um das Überleben des Menschen zu sichern. Inwieweit nomadische Völker lang andauernde pflanzliche Gerbprozesses auszuführen in der Lage waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Fettgerbungen, wie bei den Germanen üblich, scheinen wohl in jeder Hinsicht glaubhafter. Oft trugen die Reiternomaden einen Teil der Ausrüstung, wie Bögen und Pfeile in Köchern am Gürtel, hinzu Dolche oder Schwerter, Taschen, Beutel und Dinge des täglichen Gebrauchs. Sie benötigten stabile Tragevarianten, siehe auch Fund aus dem VIII. Jh in der Moscevaja Balka. Seßhafte Völker hatten seit der Jungsteinzeit das Spektrum um textile Gürtelvarianten aus Wolle und Leinen erweitert. In Asien kannte man auch Baumwolle und Seide, beides erreichte den Westen, wobei Seide als urspl. chines. Exportartikel seit der Antike eine herausragende Stellung zukam und Baumwolle im SMA mit der süddt. Barchent-Produktion gewaltigen Aufschwung erfuhr. Seide war in erster Linie Bestandteil der Kleidung gehobener Schichten oder ihre Fäden dienten im Detail als Verzierungselement. Nomadische Völker gelangten durch Tributleistungen, Handel und als Transporteure in Besitz des kostbaren Guts, durch skythische und hunnische Grabinventare zu belegen...



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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde, Stockholm 1986.

- Das Reich der Salier 1024-1125 [Sal]. Katalog zur Ausstellung d. Landes Rh.-Pfalz, RGZM u Diözesanmuseum Mainz, Sigmaringen 1992.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums [KC], Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002. [Aufgrund des Umfangs von 10 Bänden eigentlich Bücher für die „einsame Insel“, um sie im vollen Umfang zu lesen. Allerdings verlieren sie dort ihren Sinn, soviel Leid und Kritik verträgt kaum jemand, man verliert förmlich die Lust an Geschichte, beginnt alles zu hinterfragen und grollt jeglicher Macht. Wenn man nun auch keinen seiner Artgenossen mehr sieht, wäre doch der Band über das Holzfällerhandwerk besser gewesen...]

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern [Birka III], Uppsala 1938.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle [BuM], Solingen 2000 und Menschen und Klingen. Geschichte u Geschichten [MuK], Solingen 1994

- Hägg I.: Die Textilfunde aus d. Hafen v. Haithabu. Bericht Nr. 20 [THH], 1984 /// Textilien u Tracht in Haithabu u Schleswig. Die Ausgr. in H. Bd 18 [TTHS], Kiel/Hbg 2015.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2016.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus [HAI]. Haithabu, Schleswig 2012.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter, Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg [RyfG]. Sydvestjyske Museer 2009.

- Wieczorek, A. u Hinz H.-M.: Europas Mitte um 1000 [EM1000]. Ausstellungskatalog in 2 Bdn u Katalog, Stuttgart 2000.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.


V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung für das Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Wichtiger war möglicherweise das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen. Karolingische Formen und vor allem prestigeträchtige Luxusgüter waren in den Randzonen Europas begehrt, wurden allerdings selten in ihren ursprünglichen Funktionszusammenhängen belassen, sondern nach eigenem Geschmacksempfinden umgeformt. Vielen werden die Zaumzeugverteiler bekannt sein, die in Skandinavien zu Fibeln oder Gürtelzungen umgearbeitet wurden.



2/ Landadelige als Kirchen-Eigner hatten also deutliche Vorteile. In den Stadt- und Klosterkirchen wurde um die Grablege lange gerungen. Zunächst war sie nur hochgestellten Geistlichen wie Bischöfen gestattet, hinzu kamen Äbte, verdiente Priester, später erst fromme Laien, wie Landesherren und adelige Laien-Stifter. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen an die Kirchen, bzw konkret an die heiligen Patrone jeweiliger Kirchen, erweiterte sich der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger im SMA. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchenraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen damit häufig frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren [siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41]. Die Gedenkfeiern und Messen erforderten eine zunehmende Zahl von Priestern der Konvente und mehrten die Zahl der Altäre in den Kirchengebäuden. Dabei ging es wie immer um viel Geld. Die Zisterzienser bsplw änderten erst ab Mitte des XII. Jhs ihre abwehrende Einstellung, denn bislang war es Weltlichen nicht gestattet in ihren Kirchen dauerhaft zu ruhen, um Unabhängigkeit gegenüber machtvollen Landesherren und Adeligen zu wahren. Dadurch entgingen ihnen bis zur Lockerung dieser Grundhaltung die Memorialstiftungen.



3/ „Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 u Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].



4/ Scott, Kleidung und Mode, S. 16 und Jan Keupp, Mode im MA, S. 133. Keupp weist anhand von Königssiegeln die Traditionsgebundenheit des Herrscherornats nach, S. 136f. Die Abbildung im Sakramentarfragment aus Paris von ca 869 zeigt Karl den Kahlen in Krönungs-Zusammenhang in dieser „fränkischer Tracht“ mit Umhang und Scheibenfibel, kurzer kostbarer Tunica, welche Knieriemen sehen läßt, Stiefeln und einem kürzeren „gallischen Gürtel“, siehe Wamers, Die Macht des Silbers, S. 93.



5/ Eine Rolle, die in Europa später sinnvoller Weise der Eisenbahnverkehr und heute der wohl flexible, aber gemessen am Aufwand, wenig effektive Lastwagenverkehr übernommen hat. Nach dem Durchbruch der vergangenen zwei Jahrhunderte m.E. ein Rückschritt mit der Autobahn. Ich hatte vor langer Zeit mal einiges mit dem Transportgewerbe zu tun und fand in den 1980ern die Entwicklung mit Containern und Ladebrücken, die flexibel durch verschiedene Transporteinheiten genutzt werden konnten, gut. Doch diese Experimente funktionieren nur noch im Schiffsfernverkehr, auf der Schiene bedingt und auf der Straße gar nicht mehr, dort dominieren inzwischen lange unflexible Auflieger, denn die sind leichter zu rangieren als KFZ mit Anhängern. Die alten Fahrzeuge stellten höhere Anforderungen an das Bedienungspersonal und heute brauchen wir hingegen massenhaft Fahrer. Manche Entwicklungen sind eigenartig, aber erklärbar. Man wäre vor nicht allzu langer Zeit auch nicht auf die Idee gekommen Versuche zu starten extrem große Autos in bislang ausreichend dimensionierten Parkhäusern, die aber nun als zu klein gelten, abzustellen ! Wenn die Gründe nicht so offensichtlich wären. Hurra, wir waren Export-Weltmeister, osä....aber nun stehen ja große Änderungen ins Haus...



6/ Zu den ägypt. Funden siehe Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106, zu Leinen Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinerne Tuniken trugen auf dem Kontinent auch die gut ausgestatteten sozial höherstehenden Kleriker in den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg VII. Jh, genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Auch in diesen Fällen waren die Erhaltungsbedingungen durch überdurchschnittliche Grabausstattung oder besondere Grabanlage zu erklären.



7/ Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark [RyfG, S. 51]. Durch die Beifunde mit Schwert und Pferdegeschirr haben wir einen Vertreter der Oberschicht, als Gefolgsherr oder Fürst. In der Regel sorgen Eisenkorrodierungen lediglich durch den Abdruck der Textilien und für schlechtere Forschungsergebnisse als bei der Grünspanbildung, bei der Textilreste und -schichten erhalten bleiben. Hinzu sacken Eisengeräte mit ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und erlauben so nur geringe stratigrafische Aussagen [TTHS, S. 64f].