V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Zur Einführung eine Zeitenwanderung: "...Die Nacht war endlich vorüber, wieder lausig kalt, verdammt kalt, wie auch die Nächte zuvor. Immer wieder hatte es geregnet. Die Hände klamm, die Finger steif und Wasser perlte vom Kragen..."

Historischer Kontext IX. Jh:

Das Geschlecht der Merowinger und ihre Hausmeier hatten sich zu den Herren Europas aufgeschwungen. Es gelang ihnen Araber, Awaren und Slawen, welche die Grenzen bedrängten, abzuwehren. Die meisten Anrainer-Völker standen in Tributpflicht und in gewisser Abhängigkeit zu den Franken. Aufstände, die regelmässig nach Herrscherwechseln aufflammten, wurden unterdrückt. Im Innern wirkte die administrativ stabilisierende Struktur der Kirche in den Städten und die wirtschaftlich erstarkenden Klöster auf dem Land. Mitte des VIII. Jhs hatte Pippin, der ehemalige Hausmeier und Vater Karls d Gr, auf dem Thron Platz genommen und durch die Kirche zum König salben lassen! Das förderte seine Abhängigkeit von dieser Organisation, welche durch Ämter, Titel und Landschenkungen beständig wuchs. Die Salbung sollte die legitime Königsnachfolge, die Geblütsheiligkeit der Merowinger, bislang nicht angefochten, ersetzen. Pippin war nun von „Gottes Gnaden“ (gratia dei rex) zum König berufen. Diese Legitimation galt gegenüber dem fränk. Adel entscheidend, so daß jener nicht mehr vom Thronraub sprechen konnte. Die fränk.-karolingischen Herrscher prägten, auf Kirche und Christentum gestützt, durch ihre Hinwendung zu antiken mediterranen und byzantinischen Formen die kulturelle Entwicklung.

Karl der Große stand in mehrfacher Hinsicht in der Tradition seiner Vorgänger. So gab es nur zwei Jahre seiner Regierungszeit in denen keine Kriegszüge unternommen wurden. Jeder seiner Gegner war auch bereits vor ihm in Konflikte mit den Franken verwickelt. In einem Punkt wich Karl allerdings deutlich von seinen Vorgängern ab. Er war Überzeugungstäter und ließ durch Feuer und Schwert gnadenlos missionieren. Seine Nachfahren vermochten das riesige Reich nicht mehr zusammen zu halten. Wie unter den Merowingern kam es zu Reichsteilungen. In dieser Schwächephase zeigten die Angriffe auf den Kontinent, vor allem seeseits aus Nord und Süd, verheerende Folgen und konnten nur mühsam abgewehrt werden. Küsten-, bzw Ufersiedlungen wurden befestigt und das Feudalwesen weiter ausgebaut zur finanziellen Absicherung der schweren Reiterkontingente. Diese Maßnahmen trugen zur Stärkung des regionalen Adels in den Provinzen bei und schwächten das Königtum. Karl d Gr hatte einst Grafen für die Marken (comes) ernannt, die nur ihm gegenüber verantwortlich waren mit Entscheidungsbefugnissen in Fragen des Grenzschutzes, der Aufbietung des Heerbanns, in der Verwaltung und Rechtsprechung. Die Sonderrechte konnten sich bei nachfolgenden schwächeren Herrschern negativ auf die königliche Zentralmacht auswirken.

Stütze und Rückgrat jeglicher sozialer Hierarchie war im Reich, wie auch bei seinen Gegnern, das Gefolgschaftswesen. Könige, Fürsten, Jarls und Bischöfe hielten sich, wie gewohnt, eine Haustruppe, Karl der Große persönlich die „aulici“, die Hofleute, welche an der Spitze des Heeres standen. Die Ausrüstung wurde vom Herrn (altengl. „hersir), Fürst („lord) oder dem Herrscher („ruler) gestellt und hat damit als überdurchschnittlich zu gelten.

800-1025

Abb. eines Grafen und Kirchenstifters in Mals/Vinschgau Anf IX. Jh

Vendel- bis Karolingerzeit VII.-IX. Jh

Reitervölker bis zur Ottonenzeit VII.-X. Jh

Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh

Wikingerzeit IX.-XI. Jh

Fibelreplikate IX.-XI. Jh

eis = Eisen, vz = verzinnt, me = Messing, bz = Bronze, ws = Weißmetallüberzug

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Notger berichtet von Geschenken am Hof Ludwig des Frommen (reg 814-40): „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke ...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“1


Quellen und Quellenkritik für die Karolingerzeit:

Auf dem westeuropäischen Kontinent stellte das Auslaufen der Grabbeigabensitte durch die Christianisierung seit den späten Merowingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Bestandteil der Kleidung oder als Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise noch bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der frühen und mittleren Merowingerzeit ist der archäologische Fundanteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall zu karolingischen Zeiten in West- und großen Teilen Mitteleuropas verschwindend gering. Neuere Forschungsergebnisse vermitteln, daß trotz der dürftigen archäologischen Quellenlage im Kernland, diese Zeit keineswegs als „buntmetallarm“ angesehen werden darf.2 In den nördlichen und östlichen nicht-christianisierten Bereichen Europas zeigen Grabfunde, daß dort Metalle jeglicher Art in die Erde gekommen sind. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind erlaubt, wo sich Metalle in dieser Häufung nicht unmittelbar oder wenn in gänzlich anderem Kontext dokumentieren lassen, z.B. bei Siedlungsgrabungen. Karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Skandinavier, der Balten und Slawen, wie in Polen, Böhmen und Mähren, Slowenien und Kroatien überdauert. Sie gehörten auf dem westl. Kontinent zum Alltag. Es gab dort kein Bedürfnis sie aufgrund von Bestattungen unter die Erde zu bringen. Christliche Begräbnisse hatten für die Angehörigen den Vorteil keine kostbaren Beigaben, nur aufgrund von gesellschaftlicher Konvention und Prestige, zu verlieren, wie es im Norden und Osten Europas üblich war.3 Hinzu galt es als kostengünstiger Messen durch Priester lesen zu lassen. Hinterlassenschaften wurden vererbt oder „recycelt“, um in die wirtschaftlichen Kreisläufe eingebunden zu werden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe, bsplw die Eisendeponierung im niederösterr. Thunau um 900. Auch Buntmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von hptsl. Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Hort-/Depotfunde von kostbarem Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh zeigen viele kostbare fränkische Stücke. Nach der Währungsreform Karls d Gr von der urspl. Gold- auf die Silberwährung war das Edelmetall in Form von Münzen oder Schmuckstücken im Norden von gewissem Begehr, es kursierte. So finden sich relativ wenig erhaltene karolingische Silbermünzen im Norden, weil es akzeptiertes Zahlungsmittel in Richtung auf den Kontinent im Einkauf von Gütern war. Denn soviele Schwerter oder andere Luxusartikel konnte man gar nicht erbeuten, man suchte sie, teilweise trotz Ausfuhrverbot, zu kaufen. Die hohe Zahl erhaltener arab. Silber-Dirhems erstaunt nicht. Sie wird in der Forschung damit erklärt, daß diese Münzeinheit, oft im Boden vergesellschaftet mit Münzwaagen, als offizielles Gewichtsgeld akzeptiert wurde und nur im Osthandel kursierte. Das würde aber die Deponierung noch nicht hinreichend erklären. Mit dem Dirham konnte man in Skandinavien per Gewicht zahlen, auf dem karolingischen Kontinent aber nur in den slawischen Regionen. Metalldeponierungen deuten hinzu mglw auch auf Einschmelzprozesse hin. Bis zur Mitte des X. Jhs wird man bzgl. der arab. Währung dem Osthandel einen hohen Stellenwert in der nordischen Kultur einräumen. Nachdem die Araber den Silbergehalt des Dirhams stark herab setzten, wurde diese Silberquelle uninteressant und der Osthandel ließ nach, bzw verlagert sich u.a. aufgrund neuer politischer Verhältnisse und Ressourcenzugang z.B. an die kontinentale Ostseeküste.

Erwähnenswert für das Sozialsystem und zum Fundkomplex Grab (als „versiegende Quelle“) ist das fränk. Eigenkirchensystem, das eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand.4 Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan = ländlich, wurde synonym mit heidnisch), ließ eher „ausländische Eiferer“ von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei ihren Klosterbrüdern fanden. Rechtsrheinisch hatten sie als Angelsachsen/Iroschotten eindeutig sprachliche Vorteile und konnten sich bei den Friesen und Sachsen verständlich machen! Die fränk. Grundherren betrachteten durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung neu errichtete Kirchen und Klöster auf ihrem Grund und Boden als ihr Eigentum (Eigenkirchen), welche verkauft oder vererbt werden konnten. Die erwirtschafteten Erträge kamen ihnen zugute. Das stand eindeutig im Widerspruch zur röm-kathol Lehre von der Einheit des Kirchenvermögens. Seit dem VII. Jh wurde es im fränkischen Raum üblich Bestattungen bei und später vom Adel auch in diesen Kirchen vorzunehmen. Bei den Baiuwaren bsplw war diese Sitte bis zum Anf des VIIII. Jhs nicht üblich.5

Im IX. Jh wurde nach den Sachsenkriegen eine große Reliquientranslation aus England und vor allem aus Nordfrankreich in das Sachsen- und Thüringergebiet von Werden an der Ruhr bis nach Freckenhorst und Hamburg in den Norden, bis nach Quedlinburg und Erfurt in den Osten vorgenommen. Auch Aachen, Hersfeld, Fulda und Würzburg mussten Reliquien abgeben. In den Kirchen- und Klosterschätzen sollten sich im Verlauf des MAs eine ganze Reihe Objekte erhalten. Oft stammten sie eigentlich aus dem profanen Bereich und wurden in die sakrale Sphäre überführt, wie Leuchter, Stoffe, Kästchen, Möbel, etc. und erlauben in begrenztem Maß Einblicke in Aspekte der Alltagskultur gehobener Schichten. So wurden u.a. kostbare Hochzeitsgewänder des Adels nicht selten der Kirche vermacht, die sie zu liturgischen Kleidungsstücken umarbeiten ließ. Mancher Reliquienbehälter diente vorher ganz profanen Zwecken. Trotz der Fülle heutiger Domschatzkammern sollen nach dem Domschatzmuseum Minden angeblich nur 0,2 Prozent aller Kirchenschätze die Zeiten überdauert haben, wie auch immer man zu dieser Einschätzung kommt! Man geht allerdings nicht fehl in der Annahme, daß die Begehrlichkeit nachfolgender Generationen auf die kostbaren Materialien sicher sehr hoch war.

Priesterliche Gewandung läßt sich aufgrund erhaltener Stücke oder anhand von archäologischen Funden, Abbildungen und Textquellen meist gut rekonstruieren. Kostbare Stoffe und Goldborten dienten dazu der Würde des geistlichen Amtes Ausdruck zu verleihen. Hrabanus Maurus nahm 819 Bezug auf eine alttestam. Textstelle, beschrieb hingegen zeitgenössische liturgische Gewänder. Er benannte ausdrücklich ein cingulum bzw balteus. Mit diesem Gürtel wurde das Untergewand aus Leinen (tunica albea), die Albe, gerafft. Als Oberbekleidung trug der Priester darüber die Dalmatika und bei den Messfeiern noch die Kasel. Die „Albengürtel“ wurden nach „gallischer Variante“ mit einer grösseren Zunge, auf den Oberschenkel herab hängend, getragen. Auf zeitgenössischen Abbildungen des IX. Jhs sind sie deutlich hervorgehoben mit Breiten zwischen 2 und etwas über 4 cm. Erhaltene Exemplare sind meist aus kostbarem Edelmetall mit aufwändigen Verzierungen oder segnenden Inschriften. Die Albe wurde meist so stark gerafft, daß die Schnalle und das Gürtelband selbst nicht zu sehen sind. Die zweite Variante war der sogenannte „römische Typus“ als Bindegurt mit zwei lang herab hängenden Enden, die unter der Dalmatika in Schienenbein- oder Knöchelhöhe sichtbar waren und in Quasten oder/und quadratischen Beschlägen ausliefen. Bedingt werden Ableitungen zur weltlichen Bekleidung der Oberschicht erlaubt sein, wie es Abbildungen verdeutlichen.






Da sind sie gerade vorbei am Bauernlümmel, die Helden seiner Kindheit, …Reiten die Recken, stattlich an Zahl: Hettel und Frute aus Hegelingen, Herwig von Seeland, Siegfried von Morland, Hettels Schwesternsohn Horand von Danmark, Irold von Ortland, Morung von Friesland, der junge Ortwin und der alte Wate aus Stürmen von Danmark, Hugdietrich und Wolfdietrich, Walther vom Wasgenstein, Eckehart, Wittich und Heime auch, Dietleib der Däne, Berchter von Meran, zur Linken reitet Meister Hildebrand von Garden, Bannerträger ist Rüdiger von Bechlarn, es führt Dietrich von Bern.


Man wird ihnen nacheifern und über die nächsten Jahrhunderte die alten Geschichten erzählen, im HMA niederschreiben. Zwischen Völkerwanderung und Karolingerzeit liegen die Ursprünge so mancher Mär auf der Suche nach der Identität, nachdem die Heimat der Vorväter verloren und eine neue gewonnen...



Exkurs: Die gesellschaftlichen Strukturen vom FMA zum HMA

Im Heerbann war jeder Grundeigentümer und Freie mit Waffenrecht zum Kriegsdienst verpflichtet. Das bedingte die Abwesenheit von der Hofstelle für eine geraume Zeit. Karl der Große versuchte dem abzuhelfen, indem jeweils vier Hufen zu einer Wehrgemeinschaft gefügt und nur einer der vier Landwirte abwechselnd zum Kriegsdienst genötigt wurde. Es gab auch die Möglichkeit einen Ersatzmann zu stellen, was aber nur Großgrundbesitzer zu leisten vermochten, die sich ein Privatgefolge leisteten, so daß kleine Hofstellen in deren Abhängigkeit gerieten, wenn sie die Ersatzmannregelung durch jenen Grundherrn trafen, aus Freien wurden Halbfreie. Sie konnten über ihr Eigentum nicht mehr nach eigenem Gutdünken verfügen. Die Anzahl der freien Bauernstellen schwand durch das grösser werdende System der Konzentrierung auf die Großgrundbesitzer, um ein Berufskriegertum zu ernähren. Durch die bessere Ausrüstung und ständige Waffenübung war es mit einem hohen Grad der Professionalisierung sehr effektiv und das nicht zum Schaden des Herrschers, also gab es keinen Grund auf diese Prozesse steuernd einzuwirken. Im Laufe der Zeit begann sich die Dreiteilung in den Nähr-, Lehr- und Wehrstand auszubilden, nachdem der Bauer zunehmend weniger zum Kriegsdienst heran gezogen wurde und immer stärker in den Rang eines Hörigen hinab rutschte, knapp über dem Stand eines Knechts oder Leibeigenen. Ein höriger Bauer leistete Abgaben und Frondienste, er war Produzent und kein Krieger, auch wenn er im Notfall immer wieder rekrutiert werden sollte, wie im HMA in der Fuldaer Fehde 1265 oder bei Worringen 1288 und anderen regionalen Auseinandersetzungen. Klöster richteten ihre Bemühungen auf Rodung und Urbarmachung wirtschaftlicher Flächen, Missionierung und Seelsorge. Die hohe Geistlichkeit war unverzichtbar in der Förderung von Handel und Handwerk, ebenso in der Reichsadministration. Die Gefolgschaft nahm Aufgaben der militärischen Sicherung und politisch-wirtschaftliche Kontrolle wahr, bekam die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs und begann Zeugeneide bei wichtigen Vorgängen und Dokumenten zu leisten. Je nach Rang erhielt sie zu ihrer finanziellen Absicherung Lehen. Über allem thronte der hohe Adel, der sich in der Verwaltung des Reiches unentbehrlich machte und erbliche Herrschaftsverhältnisse aufrecht erhielt. Aus ihnen wurde ein Oberhaupt als König erkoren, in sakrale Sphären erhoben, ein- und wieder absetzbar. Zumindest schöpfte der Adel aus dieser Legitimation die Begründung mancher Revolte. Ein schwacher Herrscher oder Bruderkriege, wie unter den Merowingern, bot dem Adel reichlich Möglichkeiten der persönlichen Bereicherung und Machterweiterung, darin begründet lag der Aufstieg der karolingischen Hausmeier.

Eigentum an Grund und Boden ist bis heute für unsere Kultur von entscheidender Bedeutung! Je grösser der Grund, desto mächtiger war das persönliche und das Klientel-Gefolge, denn es wuchs die militärische Schlagkraft, desto höher war die Anzahl der unfreien Hörigen, als Basis der wirtschaftlichen Macht und nicht zuletzt wuchs auch die Schar der Handwerker, die sich an den grossen Höfen sammelte, das brachte höhere Qualität von Ausrüstung und Repräsentationserzeugnissen mit sich. Die wirtschaftliche und rechtliche Stellung von Grund und Boden mag nicht weiter als notwendig vertieft werden, Verpachtung, Beleihung oder Verleihung ist obligatorisch. Problematisch sollte die Vererbbarkeit der Verleihung werden, die nicht immer schriftlich fixiert worden war, denn nach einer Phase hoher Schriftlichkeit zur Zeit der Karolinger fehlen z.B. für das X. und XI. Jh viele Dokumente. In diesen Fällen war der Nachvollzug des Eigentumswechsel problematisch, wurde oft fingiert, vor allem von Klerikalen, denn sie waren mit der streng reglementierten Abfassung von Urkunden vertraut, damit sind wir aber bereits im HMA, nicht zuletzt beim Aufstieg der Ministerialität. In einem Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten verlief die Entwicklung der europäischen Gesellschaft bis zur Französischen Revolution und in Dtld bis zur Säkularisierung, Auflösung der Grundherrschaft und Bauernbefreiung, Vorgänge mit denen manche Forscher, bzgl. der sozialen Komponente, aus guten Gründen das Mittelalter um 1800 enden lassen. Die Aufklärung brachte hinzu die Säkularisierung des Geistes und verdrängte das Religiöse als bestimmende Kraft des öffentlichen Lebens [Bosl].



Gürtelrekonstruktionen von der späten Merowinger-,

Vendel- bis zur Karolingerzeit VII.-IX. Jh

Voran gestellt ist die auslaufende Merowinger- bzw Vendelzeit. Die nachfolgenden Formen sind geeignet für karolingische und slawische Darsteller, ebenso für die Frühphasen Haithabu und Birka. Es ist mangels Funden schwierig exakt einen karolingischen Leibgurt zu rekonstruieren. Die hier verwendeten Schnallen stammen vielfach von Sporengarnituren, in einigen Fundensembles vom Balkan werden sie allerdings Gürteln zugesprochen. Im skandinavischen Norden sind sie nur Gürteln zuzuordnen, da sie teilweise in Frauengräbern liegen, die bekanntlich keine Sporen aufweisen, zumal Sporengarnituren im Norden vielfach später datiert werden und damit andere Schnallenformen Verwendung fanden. Die Bezeichnung „IX./X. Jh“ wurde gewählt, da die Spätdatierungen „um 900“ liegen mit Verbreitung in der europäischen Peripherie, durch slawische Gräber dokumentiert. Viele „karolingische Formen“ laufen aber auf dem kontinentalen Zentrum selbstverständlich bereits seit dem VIII. Jh., also der Zeit karolingischen Aufstiegs.







VII

-

VIII



Merowinger / Slawen





Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind seit der auslaufenden MWZ eine geläufige Form. Mglw lag ihr Ursprung bei den Reitervölkern, denn kleine Ausführungen sind gut an Sporengarnituren nachweisbar. Kontakte in den östlichen Raum machen eine Übernahme unter Merowingern und Karolingern erklärbar,

siehe fränk. Funde VII. Jh aus Palenberg/Qualburg bei Kleve oder Kaarst (Schnalle bz u Blech Eisen) [siehe dazu verschiedene Beispiele auf der Seite V.-VIII. Jh], aber auch Funde aus Münster Anf des IX. Jhs. oder der Slowakei (Großmähr. Reich).




VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

ohne Zunge

montiert 49,00 EUR



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR







VII

-

VIII



Merowinger / Skandinavier (Vendelzeit)







D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, siehe Haithabu IX./X. Jh

Zunge mit Ornament im auslaufenden Tierstil II gegen 700. Ornamentik nach Funden in Vendel und Vallstenarum/Gotland.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 85,00 EUR





IX

-

X

Karolinger / Sachsen / Slawen

Fund vom Herrenhof Thunau Gr. 129 mit Datierung Museum Asparn „vor/um 900“ und einem etwas höheren Rahmen als unsere Nachbildung. Der markante „Perlrand“ ist auch noch später an einer Skulpturenschnalle im Kreuzgang von Arles um 1180 zu finden, hat nur erheblich größere Dimensionen.

Das Original war vergesellschaftet mit einem rechteckigen Zaumzeugbeschlag als „Zunge“. Rechteckige Beschläge, allerdings mit markantem Akanthus-Muster, z.B. bei einem Fund in der Slowakei, Anf. des VIII. Jhs datiert.



IX-X_005a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot),

und Kerbschnitt-Zunge U 01_bz

montiert 85,00 EUR



Kerbschnitt Zunge U 01_bz

Zunge nähert sich im Stil einem Bzblech vom Christenberg, nördl von Marburg an, vor 800 datiert. Ähnlichkeit auch zu einem Schwertgurtbeschlag aus Westernkotten bei Unna.



Dargestellt ist ein Greif, sowohl im Heiden- als auch im Christentum ein beliebtes Motiv. Das Doppelwesen war Hüter und Wächter, ausgestattet mit übernatürlicher Kraft.





IX

-

X



Karolinger / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien oder skandinav. Exemplare.

Zunge im Stil des Bzblechs vom Christenberg, vor 800. Ähnlichkeit in der Stilistik auch zu einem Schwertgurtbeschlag aus Westernkotten bei Unna.




IX-X_001a_bz

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Kerbschnitt Zunge U 01_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_001a_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Kerbschnitt Zunge U 01_me

montiert 95,00 EUR





IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen



Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien, die der „Birka“-Form und auch weiteren Stücken aus dem dänischen Duesminde-Hort ähnlich ist.



IX-X_001b_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 02_bz od me

[Zungen-Befestigung mit Nieten]

montiert 99,00 EUR



U“-förmige und rechteckige Riemenzungen sind geläufig in karolingischen Zeiten. Kleine Exemplare finden sich bei aufwändigen Sporengarnituren, grössere wurden in Skandinavien auch zu Fibeln umgearbeitet. Im nordischen Fundgut weisen fragmentierte Verteiler des Zaumzeugs die Richtung.






IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich häufig in reich ausgestatteten Gräbern, wie in Kolin als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh oder paarweise als Bestandteil der Sporengarnitur. In Skandinavien tauchen sie dann einzeln als Gürtelobjekt in den Gräbern auf.



IX-X_001d_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv [Abb me]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 02_bz od me

[Alternativbefestigung mit Blech und Nieten]

montiert 99,00 EUR



IX-X_001g_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 03_me

montiert 95,00 EUR





IX

-

X





Karolinger / Skandinavier / Slawen




IX-X_007c_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

[kl. Bz-Nieten sind im Guß, um Me zu ersetzen]



IX-X_006c_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 02_me

[Zungen-Befestigung mit Nietscheiben]

montiert 99,00 EUR





IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen







Ableitung von einer Sporenschnalle aus Biskupija in Kroatien, IX. Jh



IX-X_006d_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 02_me

[Zungen-Befestigung mit Blech und Nieten oben]

montiert 99,00 EUR



IX-X_006e_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge U 02_me

[Zungen-Befestigung mit Blech und Nieten unten]

montiert 99,00 EUR





VIII

-

IX



Karolinger / Skandinavier / Slawen







Riemenende als Derivat eines spätawar. Scharnierbeschlags zur Zunge umfunktioniert, wie es in Zweitverwendung zuweilen gemacht wurde.



IX-X_001f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_007f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.




IX-X_003c_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

[kl. Bz-Nieten sind im Guß, um Me zu ersetzen]



IX-X_003f_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR

[Zunge im Stil spätawar. Scharnierbeschläge]





IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh sehr massiv und etwas grösser dimensioniert.



U-förmige Zungen mit abgefastem Rand sind bereits etwas älter und seit dem VII. Jh in Gebrauch.



IX-X_004e_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 120,00 EUR



IX-X_004f_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 110,00 EUR


Da Slawen häufig eine „Mittlerrolle“ einnehmen und „starkes Gewicht“ bei der Rekonstruktion von Gürtelteilen haben, die Fund- und damit Siedelräume an der Ostsee und östlich von Elbe und Saale, am Oberlauf des Mains, vom böhmisch-mährischen Becken in den Ostalpenraum und beiderseits der mittleren Donau lagen, soll ihnen auch von den Hintergrundinformationen mehr Raum zugedacht werden. Hier der Anfang mit dem Reisebericht des Ibrahim ibn Jakub über das Land der westslawischen Abodriten an der Ostseeküste: „...reich an Pferden, so dass solche von dort exportiert werden...[ihre Krieger] sind mit Waffen vollständig gerüstet, nämlich mit Panzern, Helmen und Schwertern.“ Europas Mitte um 1000, III, S. 165





Zentralisierung oder Dezentralisierung der Herrschaft?

Die Macht der regionalen Fürsten in den karolingischen Reichsteilen war enorm gewachsen, da gerade sie die äusseren Gefahren abwehren mussten und die Grenzregionen (Marken) sicherten. Zur Stärkung bei trug das Netz von Befestigungen, welches sich über Westeuropa zu spannen begann. Der zu verteidigende Raum war riesig, mögliche Angreifer flexibel und mobil, so daß man lange nur mit defensiver Strategie Invasoren zu begegnen wusste. Der Ausbau einer Offensivwaffe in Form schwer gepanzerter Kavallerie war finanziell mit dem Ausbau von Landwirtschaft und Lehnswesen möglich. Das erzeugte Abhängigkeiten und stärkte wirtschaftlich wiederum den regionalen Geblütsadel, sofern das Königshaus nicht treue Mittels- und Dienstmänner einzusetzen wusste, wie die karolingischen Comes, die Grafen oder später die „Ministeriale“ im salischen Reich und „Sheriffsim normannischen England. Doch die Herrschaft der karolingischen Könige war oft nur mehr Anspruch, stützte sich lediglich auf die eigene Hausmacht mit Grund und Boden und war zudem abhängig vom Zuspruch der kirchlichen Vertreter, deren Grundbesitz sich durch „fromme Schenkungen“ stetig vergrößerte. Das gesamte Mittelalter war geprägt vom ständigen Kampf der Legitimation einer Zentralmacht. Der Hochadel tat alles, um diese zu brechen und genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen.

Im X. Jh lösten sich die Ottonen, politisch auf die Kirche gestützt, von den alten westlichen Zentren der karolingisch-fränkischen Herrschaft und der ehemaligen spätrömischen Kultur an Maas, Mosel, Main und Rhein, besannen sich auf ihre eigene Hausmacht der sächsischen Gebiete an der Elbe, im Harzvorland und wählten Magdeburg als neuen Machtmittelpunkt. Damit wandelte sich dieser Raum von einer karolingischen Mark zum ottonischen Kernland. Von dort wurden slawische Stämme zwischen Saale, Mulde und Elbe tributpflichtig gemacht. Das gab der Reichspolitik eine neue Zielrichtung, während der „Sprung über die Alpen“ in karolingischer Tradition stand, um das Kaisertum Karls des Großen zu beleben. Beides in Kombination war richtungsweisend für die kommenden Jahrhunderte.

Es gab also eine deutlich Zielrichtung Ost, so daß slaw. Gräber Aufschlüße über Sachgüter im Reich geben können, ähnlich wie in der Spätantike südgermanische zur röm Kaiserzeit (RKZ). Allerdings sollte erst im XII. Jh eine verstärkte Ostkolonisation einsetzen mit Rodung und Urbarmachung von Land. Denn bislang waren die „stolzen Marken“ im Osten eher durch ausgedehnte Waldgebiete gekennzeichnet und weniger durch ausgebaute Infrastruktur.

Reitervölker und das Zeitalter der Ottonen bis X. Jh

Otto III. Reichenau Ende X. Jh

eis = Eisen, vz = verzinnt, me = Messing, bz = Bronze, ws = Weißmetallüberzug

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Ein wirtschaftlicher Aufschwung war auf dem Kontinent allgemein zu verzeichnen, nachdem die Drangsal der Slawen-, Wikinger- und Magyarenüberfälle endlich nachließ. Ortschaften wuchsen und die steigenden Bevölkerungszahlen begünstigten Marktflecken, privilegiert durch die Territorialherren. Diese bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und Landwirtschaft betrieben wurden, da dörfliche Strukturen überwogen. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken.
















Quellen und Quellenkritik für die Ottonenzeit im X. Jh:

Für das Reichsgebiet6 ändert sich an der schwierigen Quellenlage bezogen auf mangelnde Grabfunde, nichts. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben demnach zeitlich breiter gestreute Funde. Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Letztere dienten in den meist beigabenarmen Gräbern als Leichentuchverschlüsse. Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Bzgl der Gürtelmode sind Metalle nur schwer zu dokumentieren. Grabfunde scheiden auf Reichsgebiet aus und lassen sich nur exterritorial erfassen, Skulpturen und Abbildungen sind selten oder zu „grob gearbeitet“, daß solche Details meist untergehen.

Der byzantinisch-italienische Einfluß in der westfränkischen und ottonischen Mode unter Verwendung von Seide:

Die Gewandung der unteren Volksschichten und der Kleriker war traditionell auf die Spätantike zurückzuführen. Wobei die sakralen Kulttrachten ehrwürdiges Alter, Privilegien und Unantastbarkeit ausdrückten. Auch die Herrscher folgten antiken Traditionen, um Legitimation oder auch Ansprüche zu verdeutlichen, so wusste man sich in ausgewählten Repräsentationsmomenten durchaus standesgemäß „römisch“ zu kleiden. Das hieß speziell im Fall des Westfranken Karl (II.) dem Kahlen (reg. 843-877) bei seiner Kaiserkrönung in Rom 875 oder 876 anläßlich einer Kirchenversammlung im oströmischen Gewand mit dalmatischem Talar und vermutlich oben skizzierten Bindegürtel, der bis zu den Knöcheln reichte. Zu Beginn der Kirchenversammlung war Karl der Kahle noch in fränkischer Tracht erschienen.7 Er provozierte mit der „griechischen Gewandung“ bewußt die übrigen Herrscher Europas, formulierte seinen Machtanspruch in Anlehnung an das byzant. Kaiserhaus, was sich brüskiert sehen musste, denn der Basileus in Konstantinopel verstand sich als einziger legitimer Nachfolger der röm Caesaren seit Augustus. Bereits die merowingischen Goldmünzen mit eigenem Herrscherabbild galten als Affront und Angriff auf die Stellung des oströmischen Kaisers. Diese Herausforderungen waren über Jahrhunderte probate Mittel der Franken und Ottonen eigene Geltung nach Erneuerung des westlichen Kaisertums zu beanspruchen, auch Salier und Staufer sollten dieser Traditionslinie folgen. Herrscherkleidung musste in der Öffentlichkeit beredt sein, meist konservativ und konnte auch völkische Elemente beinhalten, wie von Karl dem Großen oder Otto I. bekannt, schwächere Herrscher durften sich das später nicht mehr erlauben. Das einfache Volk blieb den kürzeren Tunikaformen behaftet, die vom Adel als „altfränkisch“ = unmodern angesehen wurden. Denn Adel und Hofstaat waren die Vorreiter in modischen Dingen. Auch von der Herrschergattin wurden kostenaufwändige modische Extravaganzen erwartet, die ihrem Ehemann nicht gestattet waren, da Tradition in seinem Fall äusserlich sichtbare Zeichen der Stabilität bedeuteten! Neue Moden stammten vielfach aus Italien, das unter dem Einfluß der Kulturgüter des mächtigen oströmischen Byzanz stand. Seit den fränk-merowingischen Herrschern war ein beständiger Strom byzantinischer Sitten und Mode in den Westen gelangten, im X. Jh nicht zuletzt 972 mit der Heirat Ottos II. (reg. 973-983) und der byzant. Kaisernichte Theophanu. Man vermutet, daß das Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen mglw aus dem Brautschatz der Theophanu stammte, der Mutter Ottos III. (reg. 983-1002), jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten.

Über ein gutes Jahrtausend lag auf der begehrten Seide ein chinesisches Monopol und der kostbare Stoff durfte das Land nicht verlassen. Seide galt in China als Zahlungsmittel und es verlockte Mehrwert zu schaffen. Es war ein Zahlungsmittel mit begrenzter Haltbarkeit (!), der Wunschtraum vieler Ökonomen. Irgendwann setzte ein Handel über grössere Distanzen ein und die Wege, Transporteure und Händler waren streng reglementiert, aber es gab viele Versuche das chines. Monopol zu brechen. Mächtige nomadische Anrainer erpressten von den Chinesen Tributleistungen in Form von Seide. Diese gelangte über Zentralasien und den Vorderen Orient bis in den Westen. Die Einfallstore nach Europa waren vor allem Byzanz und dessen Ableger „Venedig“, bis es iranischen Völkern und den Byzantinern gelang selbst in die Seidenproduktion einzusteigen. Die kostbaren Stoffe waren nicht selten Erzeugnisse der kaiserlichen Staatsweberei in Zeuxippos. Bereits im IX. Jh sollen Kenntnisse der Seidenraupenzucht mit der sarazenischen Eroberung von Nordafrika nach Sizilien gelangt sein. Die Seidenweberei ist dort seit dem X. Jh nachweisbar und erweiterte sich 1147 mit der zwangsweisen Deportation von Seidenhandwerkern aus Theben und Korinth nach Palermo. Rohseide und fertige Gewebe wurde Ende des XII. Jhs nach Lucca verhandelt. Die dortigen Handwerker übernahmen islamische Motive. Abgewandelt wurden sie zu einem Markenzeichen der Seidenweberstadt, die im XIII. Jh einen besonderen Ruf in der Färbung der kostbaren Seide erlangte, bis die Weber nach Venedig abwanderten.8 Friedrich II. legte 1215 einen Seidenstoff bei der Verschließung in den Aachener Karlsschrein, den er wohl aus seiner sizilianischen Heimat mitgebracht hatte. Die Staufer besaßen mit Sizilien, und insbesondere mit Palermo, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Edle Stoffe werden im XII. und XIII. Jh häufig als Tribut, Abgabe und auch als Beutestück von Italien nach Dtld gelangt sein. Denn die dt Könige „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen, das verschlang Unsummen und musste finanziert werden. Die Entlohnung bestand nicht selten aus kostbarem Gut jeglicher Art, das den ausgeplünderten italienischen Städten gewaltsam genommen wurde. Enorme Werte hatte allein Heinrich VI. 1194/95 auf 150 Saumtieren, nach Erlangung der sizilianischen Königswürde, von Sizilien nach Dtld bringen lassen, der erst später aufgefundene Schatz König Rogers noch gar nicht mitgerechnet.9






Gürtelrekonstruktionen der Baiuwaren, Langobarden, der nomadischen Völker, aus Byzanz, dem islamischen Kulturkreis und Slawen bis zur Ottonenzeit X. Jh

Langobarden und Baiuwaren sind hier aufgeführt, da sich ihre Formen teilweise von den fränk-merowingischen deutlich schieden, sie in Italien unmittelbar Umgang mit Byzanz und den Grabensembles nach zu urteilen Kontakte mit Reitersöldnern im byzant. Dienst oder den Awaren pflegten. Den osteurop. Raum hatten Germanen, eher römisch beeinflußt, zum größten Teil verlassen und machten Slawen Platz, die zu einem großen Teil orthodox-griechisch geprägt wurden. Rekonstruktionen orientieren sich an Funden aus dem Alpen- und Balkanraum, aus Osteuropa, dem Baltikum bis nach Skandinavien. Mit „Reitervölker“, also Pferdezüchter, seien vornehmlich Awaren, Bulgaren und Magyaren gemeint, später aber auch Chazaren, Usbeken, Petschenegen, Kumanen oder Seldschuken. An Rekonstruktionen für die „Herren der Wüste“, die nicht nur Pferde, sondern auch Esel oder Kamele nutzten und damit streng genommen nicht zu den „Reitervölkern“ zählen, wie Araber, Beduinen (badawi = Wüstenbewohner), Berber, Mauren und Sarazenen aus dem islamischen Kulturraum wird gearbeitet, insofern sie mit westlichen Ausführungen kompatibel sind. Sassanidische Formen können für deren östliche Vertreter eine Orientierung sein, byzant-vandalische für Nordafrika. Ansonsten herrschen im islamischen Kulturraum mit Bindesystemen und „Koppelschlössern“ vollkommen eigene Gürtelkonstruktionen vor, die mehr nach Indien und Fernost verweisen. Manche der nachfolgend aufgeführten Rekonstruktionen sind als vereinfachte Formen von mehrteiligen Garnituren mit Nebenriemen aufzufassen. Sie können mit einem gewissen Aufwand ergänzt werden, wie auf der vorangegangenen Seite die Kombination „VII_090_bz“. Späte Formen verwendeten statt der Nebenriemen Durchzüge, Rekonstruktion auch in diese Richtung möglich. Gürtel spielten bei nomad. Völkern aus verschiedenen Gründen eine wichtige Rolle, da sie nicht zuletzt die männlichen Kleidungsstücke, oft Klappenröcke, schlossen.





VI

-

VII






Byzanz / Langobarden / Baiuwaren / Slawen



Diese Schnallentypen mit festem Beschlag und Durchbruchornamentik streuen über große Räume, ausgehend vom byzant Reich gibt es Funde auf dem Balkan, in Italien und von Süd- bis nach Westdtld. Befestigung, wie bei unserer Ausführung, in der Regel mit Ösen, das heißt sie sind für das Trägermaterial Leder und Stoff gleichermaßen geeignet.

Zungen sind zu diesen Schnalle nicht immer nachweisbar



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 59,00 EUR





VI

-

VII








Byzanz / Langobarden / Baiuwaren / Slawen







Byzantinische Form mit festem Beschlag und Durchbruchornamentik im gesamten Mittelmeerraum von Spanien, Nordafrika bis nach Syrien verbreitet. Zahlreiche Funde in Italien, auf dem Balkan, in Süddtld, von Osteuropa bis nach Skandinavien und in den späteren Rus-Bereich.



VII-VIII_002b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR





VII

-

VIII






Awaren / Byzanz / Langobarden / Baiuwaren / Slawen



Schnalle mit verziertem Scharnierbeschlag ähnlich zu Fund aus spätawar. Gräberfeld von Szekkutas, Hodmezövasarhely oder aus langobard. Gräbern. Solche Schnallen werden teilweise als byzant. Auftragsarbeiten für die Märkte der nördl. Anrainervölker gewertet.



VII-VIII_001b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 79,00 EUR



VII-VIII_001d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 75,00 EUR









VII

-

X





Reitervölker / Slawen / Langobarden / Islamischer Raum

Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind bei den Reitervölkern eine geläufige Form, kleine Ausführungen stammen von Sporengarnituren. Sie streuen seit dem VIII./IX. Jh in den Westen, siehe Funde aus Münster Anf des IX. Jhs. oder aus der Slowakei (Großmähr. Reich).



Massive schwere Zungen mit abgefastem Rand finden sich seit sassanidischen Zeiten und gelangten in abgewandelten Formen mit den Reitervölkern immer wieder in den Westen. Awarische Ausführungen folgen wohl der äusseren Form, haben in den Prunkgräbern aber eine markante Ornamentik. Sie sind also hier nur für sozial „einfache Darstellungen“ gedacht.



VII-X_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[mehrteilige Garnitur möglich]



VII-X_010b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge groß,

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild Zunge noch nicht vernietet]







VII

-

X





Reitervölker / Slawen / Langobarden / Islamischer Raum

Schnallen mit „vorgezogenem Dornrast“ sind typische Formen bei den Reitervölkern. So finden sie sich im Vorderen Orient, in Byzanz, hielten sich bei den Ungarn bis ins SMA und gelangten in den Westen, so daß dort Schnallenformen spätestens seit dem XIV. Jh in diese Richtung beeinflußt wurden.





[auf den Bildern Beschläge noch nicht vernietet]



VII-X_013c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[mehrteilige Garnitur möglich]



VII-X_013b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge groß,

montiert 85,00 EUR





VII

-

X



Reitervölker / Slawen / Langobarden



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh sehr massiv und etwas grösser dimensioniert.



Zunge links siehe dazu Funde aus Norditalien und ähnliche Motive aus dem Großmähr. Reich. Zunge rechts magyarischer Stil.



IX-X_004g_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR



IX-X_004h_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR





IX

-

X



Reitervölker / Slawen / Rus







Zungen im awarischen, bzw magyarischen Stil.



X-XI_003f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_003h_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR





IX

-

X



Reitervölker / Slawen / Rus







Zungen im awarischen, bzw magyarischen Stil.



IX-X_010f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



IX-X_011h_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

-

X





Reitervölker / Slawen / Skandinavier



IX-X_003g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00



IX-X_003h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00





IX

-

X



Reitervölker / Slawen / Skandinavier









[auf den Bildern Beschläge noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gesteckt]



IX-X_007g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



IX-X_007h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





IX

-

X



Reitervölker / Slawen / Skandinavier









[auf den Bildern Beschläge noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gesteckt]



IX-X_012g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



IX-X_012h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR





X

-

XI



Reitervölker / Slawen / Ottonen



Schnallen mit einem „abgesetzten Steg“, also ohne Dornschlitz im Leder, haben eine sehr lange und interessante Geschichte. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker in den Westen, Übernahme in Byzanz und hohe Verbreitung in Mitteleuropa bis ins HMA. Mögliche „Zunge“ mit Greif nach einem Steigbügelbeschlag, in situ auf dem ottonisch-magyarischen Steigbügel im LM Mainz



X-XI_001b_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_001a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 85,00 EUR





X

-

XI



Reitervölker / Slawen / Ottonen







Schnallenform mit „abgesetztem Steg“ siehe Beschreibung oben, ebenso die mögliche „Zunge“ mit Greifen-Darstellung



X-XI_002b_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR



X-XI_002c_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Möglicher Beschlag und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR


Nomaden (griech. „nomas= weiden) waren von den sesshaften Kulturen vielfach unverstanden und letztere blickten gewöhnlich auf sie herab. Der Lebensraum war die riesige eurasische Steppe, aber weltweit diverse Übergangszonen von fruchtbarem Ackerland zu unwegsamen Wüsten- oder Gebirgsregionen. Der lat Begriff für Ackerbau „cultivare, davon abgeleitet „Kultur“, schließt streng genommen nomadische Völker als Kulturschöpfer aus. Ungeachtet dessen lagen die Ursprünge der drei westlichen Hochreligionen im Nomadismus begründet! Die östlichen asiatischen Steppengebiete, recht hoch gelegen, sind klimatisch rau durch lange schneereiche Winter mit tiefen Temperaturen. Die südlichen und westlichen Gebiete bieten ein annehmbares Klima, wenn auch mit heißen Sommern und langen Trockenperioden. Dies veranlasste in der Historie Steppenvölker des Ostens immer wieder zu Wanderungen nach Süden, in Richtung auf die chines. Flusslandschaften, in den Raum südlich des Urals (Usbekistan, Tadschikistan, etc.) und weiter in den europ. Westen in die heutigen russischen, ukrainischen, bzw ungarischen Ebenen. Abgesehen von diesen klimatisch bedingten großen Wanderungen, die sich über Jahrtausende abspielten, denn die Forschung kann sie bereits seit dem Übergang Jungsteinzeit/Bronzezeit nachweisen, bestand grundsätzlich die Notwendigkeit den Zuchtviehbestand durch jahreszeitlichen Wechsel der Weiden zu erhalten. Der Besitz von Pferden oder Kamelen ermöglichte große Distanzen zu überwinden. Häufig waren Nomaden Mittler im Etappenhandel, so daß sie kostbare Materialien, dessen Transport Gewinn versprach, aus weit entfernten Gebieten zusammen führen bzw weitergeben konnten. Das raue Dasein brachte einen abgehärteten Menschenschlag hervor, der sein Vieh, den Treck oder auch die Handelskarawane sorgsam schützte. Gleichzeitig war es möglich, daß man bei unliebsamen Nachbarn oder sesshaften Völkern auf Beutezug (arab. ghazw, ghazwa = Razzia) ging, eine Art „sportliche Betätigung“, vor allem der jungen Männer. Hohe Anspruchlosigkeit und ständige Kampfbereitschaft kennzeichnen die Nomaden. Auch Frauen wirkten bei Kämpfen mit, wie es seit der Antike diverse Quellen bezeugen. Ansonsten lag ihr Hauptaufgabengebiet rund um die heimische Jurte. Hundezähne als Amulette tauchen in magyarischen Gräbern nur bei Frauen auf. Der Hund als Wächtersymbol in einer Gesellschaft die Tieren, verbunden mit dem Schamanismus, einen hohen Stellenwert einräumt. Darstellung des Hundes auch auf Pferdegeschirrbeschlag in einem Frauengrab in Ungarn [Europas Mitte um 1000 III, S. 70].

Nomaden haben einen sehr guten Orientierungssinn und sind extrem anpassungsfähig, was z.B. bei abrupten Wetterwechseln, ausgelöst durch die starken Winde in der Steppe, zwingend notwendig ist. Die Herde und der Viehbestand ist im Familien- oder Sippenbesitz, dem große Achtung beigemessen wird und daraus resultiert das Wertesystem für Führungspositionen. Persönliches Eigentum zählt ansonsten nicht sonderlich viel. Das kann zu starken Divergenzen führen, wenn nomadische und sesshafte Kultur aufeinander treffen, denn letztere misst individuellem Privatbesitz extrem hohe Bedeutung bei. Interessant sind für den Nomaden vornehmlich Dinge, welche das Leben des Familien- und Sippenverbandes in unwirtlicher Gegend ermöglicht. Nur der Zusammenhalt garantiert das Überleben in einer lebensfeindlichen Umwelt, die kaum Fehler verzeiht. Die Gesellschaft hat im Normalzustand keine stark ausgeprägten hierarchischen Strukturen. Auf Weideland besteht oft lang tradiertes Nutzungsrecht, wird aber durchaus tolerant mit anderen Gemeinschaften geteilt. Oft gab es spannungsgeladene Angleichungsprozesse, wenn sesshafte Kultur und Nomadentum aufeinander prallten. Nomaden waren Mittler von Gütern und Ideen aus weit entfernten Gegenden, die Sesshaften boten Agrarprodukte, Metalle und weitere Ressourcen oder die handwerkliche Verarbeitung der Rohstoffe. Der Austausch konnte friedlich über Märkte vonstatten gehen oder durch bereits erwähnte Beutezüge, so daß früher von einem „Raubnomadentum“ gesprochen wurde, wie man es Hunnen, Awaren oder Mongolen zusprach. Heute sieht man darin eher kurzzeitige Erscheinungsformen, da nomadische Gesellschaften nicht auf Dauer von Beute allein leben konnten. Unterdrückung und Erpressung von Tributen macht beide Seiten fatal abhängig. In den kriegerischen Phasen bildeten sich starke hierarchische Strukturen unter Führungspersönlichkeiten aus, mit einer materiellen Abhängigkeit von der sesshaften Kultur, um die Machtverhältnisse, gestützt auf Gefolgschaften, aufrecht zu erhalten. Im Extremfall konnten sesshafte Völker zur Migration und damit zu einem Nomadentum gezwungen werden, wenn die Lebensverhältnisse unhaltbar wurden, wie in den Völkerwanderungen vom IV. bis zum VI. Jahrhundert, die Europa so nachhaltig prägten. Nomadische Gesellschaften, die von ihren Ursprungsgebieten und damit von ihrer herkömmlichen Daseinsform abgeschnitten waren, unterlagen immer wieder dem Integrationszwang in sesshafte Zivilisationen.






Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh

Eisen, aus den Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Schmiede besassen, aufgrund ihrer Fähigkeiten, in den frühen Gesellschaftsformen hohes Ansehen. Im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs 8 - Eisenproduktion vom HMA zum SMA.





VII

-

XI





Einfache ovale, D-förmige oder quadratische meist rund- oder flachstabig geschmiedete eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen.




Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

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Eis_20 oval rundstabig [Typ siehe Abb. links]

20 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR



Eis_20 „D“ rundstabig

lieferbar nur 20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[30 mm „D“ rundstabig nicht mehr lieferbar]



Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO.





VII

-

XI




Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 35,00 EUR



Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 45,00 EUR



Eis_30 flachstabig mit Blech

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenietet 59,00 EUR





VII

-

XI



D“-förmig Eisen original Forchheim datiert XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet, deshalb lassen sie sich auch nur schwer genau datieren, kommen aber bei vielen Grabungen ans Tageslicht. Flache, rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung und für alle militärische Zwecke. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Pferdegeschirr zugerechnet. In Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Schnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite vor.10



Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 49,00 EUR



Eis_40 flachstabig

40 mm Riemen natur/braun ohne Zunge

- momentan nicht lieferbar -





Historischer Kontext:

Das fränkisch dominierte Westeuropa war seit 843 in unterschiedliche Herrschaftsbereiche geteilt und durch interne Querelen geschwächt. Die Jahrhunderte währende Tributpflicht und die Unterdrückung durch die Franken konnte nun ein Ende finden. Den angrenzenden Völkern der Sachsen, Friesen, Nordmannen, Sarazenen, Magyaren und Slawen wurden verlockende Ziele geboten. Sie konzentrierten ihre Begehrlichkeit auf die Quellen des fränkischen Reichtums, manche friedlich durch Handel, andere durch kriegerische Beutezüge.


Nachdem sich allgemein herum sprach, mit welchen Kostbarkeiten der Kontinent lockte, sollten viele Ortschaften, Klöster und Kirchen an Rhein, Mosel, Maas, Schelde, Somme, Seine und Loire, samt ihren Nebenflüßen Ziel kleiner Beutezüge, aber auch groß organisierter Heeresfahrten werden, äusserst lukrative Angelegenheiten. In diese Zeit gegen Mitte des IX. Jhs starteten die Nordmannen gut organisierte Einfälle, so daß Ostern 845 sogar Paris erobert und geplündert wurde. Später gelang es den Nordmannen große Lager zur Überwinterung und als Stützpunkt weiterer Züge zu errichten, ohne daß sie behelligt wurden. Ferne Züge führten bis ins Mittelmeer, dessen nördliche Küsten nicht nur von Sarazenen, sondern nun auch von nördlichen Barbaren heimgesucht wurden, wie zu Zeiten der Vandalen im V. Jahrhundert.


Durch die Sachgüter, welche in die europ. Peripherie wanderten, aber auch durch die Kenntnis der Zustände in der europ. Kernregion begannen nord- und osteuropäische Völker sich nicht nur in Kleidung, Mode und Sitten, sondern auch in ihrer Gesellschaftsform entweder an der fränkischen oder an der oström.-byzant. Kultur zu orientieren. Grabbeigaben dokumentieren, daß sie Gegenstände in ihre eigene Sachkultur integrierten und nach ihrem ästhetischem Empfinden umformten.

In der Folgezeit brachten sie eigene Formen nach Britannien, Irland, Island, Grönland, in die Normandie, ins Baltikum oder bis tief nach Rußland hinein. Denn neben einem ausgeprägt kriegerischen Geist, der durch das Gefolgschaftswesen motiviert wurde (der Zwang und die Pflicht zur Beute und Entlohnung wurde ja bereits mehrfach erörtert), galten Nordmänner aufgrund ihrer hohen Mobilität als perfekte Handelspartner. Waren zu transportieren und sie gleichzeitig schützen zu können war lange Zeit das A und O im Fernhandel. Wagemut und Risikofreude sollten sich, wie immer im Handel, gewinnträchtig auszeichnen. Nordische Händler unternahmen extrem lange Reisen, oft monate- und jahrelang unterwegs, um bsplw das ersehnte Zargrad/Byzanz zu erreichen.

Es gelang den Nordmannen Völker im Westen und Osten tributpflichtig zu machen, neue Räume zu besiedeln und Impulse für die Gründung eigener Reiche zu geben. Sie begannen Teile West- und Osteuropas zu gestalten. Wie die Sachsen einst die Wege und Möglichkeiten in westliche Richtung gewiesen hatten, folgten die Waräger den Spuren ihrer gotischen Vorfahren, die bereits vor Jahrhunderten tief in die russ. Weiten vordrangen. Die Reichsgründungen der Rus gingen einen „exotischen“ Sonderweg mit der Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut.

800-1066

- Wikingerzeit -



= Momentan in Bearbeitung =

Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“



Gürtel der Wikingerzeit aus Haithabu und Birka

Gürtel der gotländischen Wikingerzeit und der Rus



[Rekonstruktionen, die oben unter „Karolingern“ oder „Reitervölkern“ gelistet und vielfach aus skandinavischen Fundkomplexen bekannt sind, werden hier nicht noch einmal wiederholt]


Quellen und Quellenkritik für die Wikingerzeit:

Es ist legitim anzunehmen, daß ein Teil der Funde Nord- und Osteuropas Spiegel von Gegenständen sind, die einst auf dem Kontinent bei den fränkischen Eliten übliche Standessymbole waren. Ähnlich wie das Röm. Reich als Leitkultur in der Spätantike auf die Südgermanen wirkte, übte die kontinentale Entwicklung unter den Franken auf die Nordgermanen in der Anfangsphase eine gewisse Anziehungskraft aus. Nach Erkenntnissen aus den Birka-Gräbern sind sozial hochrangige Personen des IX./X. Jhs im Grabritus in einem kontinentalen Stil zuweilen recht auffallend ausstaffiert worden, um ihren Status deutlich herauszustreichen.11 Die Gräberfelder der Merowingerzeit des VI./VII. Jhs zeigen teilweise reichhaltige Grabensembles. Durch die früh einsetzende Christianisierung ergibt sich in der Forschung für die nachfolgenden Jahrhunderte ein „schiefes Bild“. Es ist wohl nicht gewagt zu behaupten: Hätte die Christianisierung nicht eingesetzt, ließe sich der Buntmetallreichtum auch für die karolingische Zeit durch Grabfunde auf dem Kontinent mühelos dokumentieren. Es wird ein erheblich höheres Formenspektrum gegeben haben, als es uns heute den Anschein macht. Die „Fundleere“ sollte mit zeitlicher Verzögerung dann auch die europ. Randzonen betreffen. Bis dahin dokumentierten Grab- und Hortfunde aus vielen Teilen Skandinaviens, bsplw. aus Birka oder von Gotland, aus Norwegen, Dänemark, aber auch aus dem slawischen Mittel- und Osteuropa einen gewissen Reichtum. Hinzu kommen aus küstennahen Siedlungen und Handelszentren, wie Helgö, Skíringssalr/Kaupang, Sliaswig/Haithabu, Birka, Ripa/Ribe, Dorestad, Starigard, aus den Fundorten des heutigen Groß Strömkendorf, Rostock-Dierkow, Reric/Wismar, Alt Lübeck, Ralswiek auf Rügen, Menzlin/Anklam, Wollin/Wolin oder Truso bei Elblag an der Weichselmündung ebenfalls gut datierbare Funde zutage. Manche dieser Orte verloren ihre Bedeutung und erlebten meist die Jahrtausendwende nicht, da sie aufgrund ihrer geschützten Lage nur von kleineren Schiffen angelaufen werden konnten. Doch die Tonnage und damit der Tiefgang der Transportträger nahm zu, so daß einige dieser Häfen in Bedeutungslosigkeit versanken und andere Standorte an Bedeutung gewannen. Aus dem Inneren des Kontinents bringen erst Grabungen in den Stadtneugründungen ab dem XII./XIII. Jh. ähnliche Fundmengen ans Tageslicht.

Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“ Ermoldus Nigellus, Lobgedicht auf König Ludwig den Frommen und Elegien an König Pippin 828c.12

Gürtel wurden in der Wikingerzeit nicht unbedingt häufig als Grabbeigabe ausgewählt, nur Gotland zeigt ein höheres Fundspektrum. Die Nestorchronik verzeichnet zum Jahr 987 ein interessantes Detail als Fürst Wladimir von Kiew Gesandte zu den umliegenden Völkern schickte, um sie auf ihre Religionsausübung zu prüfen. Die Rus-Gesandten zu den [Wolga-]Bulgaren berichteten, daß jene die Kultfeiern in ihren Gotteshäusern ohne Gürtel ausführten. Erstaunlich, daß dieses Detail als erwähnenswert erachtet wurde. Wirft das nun ein Licht auf die Kultgemeinschaft oder auf die Gürtel selbst, die als „Reitergürtel“ oder als „Waffengürtel“ bei sakralen Handlungen mglw nicht erwünscht waren?

Für uns untrennbar mit den Nordmannen verbunden ist eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte, das Schiff: Es ist kaum zu ermessen, wie sehr dieses Transportmittel über lange Zeit das wirtschaftliche und politische Denken dominierte. Kaum eine Zivilisation war möglich ohne gute Verkehrsanbindungen und das Schiff galt als Massenguttransportträger (!!). Eine Rolle, die in Europa später sinnvoller Weise der Eisenbahnverkehr und heute der wohl flexible, aber gemessen am Aufwand, wenig effektive Lastwagenverkehr übernommen hat.13

Seit der Spätantike erweiterten sich die grossen Handelsströme urspl. vom Mittelmeer nun auch auf den Nord- und Ostseeraum. Wie sehr auch Flüsse das strategische Denken lenkten, sieht man an der Wahl der röm Reichsgrenzen oder den Vormarschrouten von Armeen. Flüsse dienten schon immer der Verlegung und Versorgung. Nicht umsonst begann Karl d Gr unter immensem Aufwand und Personaleinsatz mit dem Bau eines Kanals im Baiuwarenland als er gerade die Feldzüge gegen die Awaren auf dem Balkan führte!

Warum waren die Nordmannen so erfolgreich?

Von dem sehr effektiven Handelsträger, dem Schiff, profitierten naturgemäß vornehmlich Küsten- und Flußhäfen, was sie wiederum mancher Begehrlichkeiten aussetzte, durch Personen, die nicht bereit waren für Güter entsprechende Gegenwerte zu entrichten. Die Skandinavier des IX./X. Jhs verfuhren nach einem altbewährten Muster, das ihre Vorfahren bereits zur röm. Kaiserzeit gegen die jütländische Küste („Dänen“ von Schonen aus) oder die Sachsen gegen die Küsten der röm. Provinzen in Britannien und Gallien angewendet hatten. Der Schiffstyp, den die Sachsen in der Spätantike nutzten, wird dem des Nydam-Boots B entsprochen haben. Solche geruderten Ausführungen der Küstenschiffahrt wurden mit Eisennieten geklinkert beplankt [nicht gelascht, wie in der ZAM 2009 behauptet]. Bei den seegestützten Angriffen aus Südskandinavien, von später als „Dänen“ bezeichneten Völkern, auf die jütische Halbinsel zwischen 150 und 500 AD fanden sie Verwendung, siehe Moor-/Opferfunde mit Heeresausrüstung wie in Illerup Adal, Nydam Mose, Thorsberg, Ejsbol, Kragehul uvam. Diese Angriffe könnten die einst hier siedelnden Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh dazu veranlaßt haben, neben der allgemein postulierten Klimaverschlechterung, solchermaßen verdrängt die Nordseeüberquerung nach England als Umsiedlung zu wagen. Denn das Land im Westen war ihnen ja durch ihre Kaperfahrten wohl bekannt und nach Abzug der Römer hinzu schlecht verteidigt. Sachsen, Angeln und Jüten entwickelten die gebräuchlichen Schiffstypen weiter, wie den Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 AD) zu entnehmen ist.

Die frühen Angriffe aus Skandinavien beschränkten sich nicht auf Jütland. Zu Zeiten der Merowingerkönige berichten Quellen im VI. Jh auch von Plünderungen der friesische Küste. In den 520er Jahren wurde das östliche, austrasische Reich Theuderichs I. von nordischen oder eher sächs. Seekriegern heimgesucht. Sein Sohn Theudebert vermochte sie zu schlagen. Während der Zwistigkeiten unter den Merowingern, nach dem Tod des Hausmeiers Pippins II., wurden 716 die Friesen, manche Quellen nennen auch Sachsen, zu Hilfe gerufen, die mit ihren Schiffen den Rhein hinauf fuhren! Die Angriffe auf die westeurop. Küsten im IX./X. Jh sind also keineswegs neuartige Erscheinungen, sondern folgten einem altbekannten Muster, allerdings schritt die Entwicklung der Schiffstechnik weiter voran und die Boote wurden immer größer und seetüchtiger. Gotländische Bildsteine des frühen VIII. Jhs zeigen eindeutig eine Beseglung. Angelsächsische Chroniken erwähnen die ersten Norweger 789 in ihrer Gefilden und die meisten ihrer Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste. Die Beutezüge nahmen größere Dimensionen an, Ortschaften und Klöster wurden gezielt aufgesucht. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl den Großen, Ende des VIII. Jhs Skandinavier zu möglichen Plünderungsfahrten aufgefordert haben könnten! Denn ab 799 wurden mit den Angriffen an der Loire und ab 810 an der fränk.-fries. Küste auch der fränk. dominierte Kontinent zum Ziel gemacht und nicht Klöster, sondern reiche Handelsorte wurden bevorzugt, was die fränk. Wirtschaft schädigte. Durch ständige Kriegszüge hatten die Franken ihr Territorium immer weiter ausgedehnt und sich auf Kosten vieler Völker zu den Herren Europas aufgeschwungen. Es war aufgrund der inzwischen entwickelten schweren fränk Kavallerie lange Zeit kaum möglich einer professionellen fränk. Streitmacht auf dem Schlachtfeld Paroli zu bieten, wenn sich deren Feldheer einmal in Bewegung gesetzt hatte, aber blitzschnelle Seeangriffe waren ein probates Mittel, um die Franken an empfindlicher Stelle zu treffen. Nachdem sich im Norden herumgesprochen hatte, wie gewinnbringend solche Beutezüge waren, folgte Welle auf Welle. Gegen Ende des IX. Jhs steigerten sich die Angriffe der Nordmannen gewaltig, die bis nach Köln und Aachen, Andernach und Trier gelangten und seit 879 mit einem großen Heer für mehrere Jahre durch Nordfrankreich zogen, den Raum komplett beherrschten. In den 880er Jahren gelangten sie bis nach Aachen, wo die königliche Kapelle von den Nordmannen als Pferdestall genutzt wurde. So waren es keineswegs nur die Schiffe, welche ihnen eine hohe Mobilität gab, sondern der Umgang mit Pferden war ihnen nicht unbekannt. Viele reich ausgestatteten nordischen Gräber sollten in der zweiten Phase kostbares und prestigeträchtiges Zaumzeug aufweisen.

Sieht man von den Schiffen ab, besassen die Nordmannen gegenüber den Karolingern keine überlegene oder anders geartete Waffentechnik, wie die Sarazenen mit einer hohen Zahl von extrem mobilen Fernkämpfern, im Gegenteil, viele Waffen waren aus dem fränk. Reich in den Norden importiert. Der Vorteil lag in der Überraschung eines konzentrierten Angriffs. Was die Karolinger im Laufe des IX. Jhs schwächte waren die Reichsteilungen und Fehden untereinander, hinzu wirkte sich die Umstrukturierung ihres Heeres ungünstig aus. Aufgrund der Abwehr arabischer Reiter unter den Hausmeiern und der Offensivkriege Karls d Gr war, wie bereits oben erwähnt, ein Berufskriegertum und die schwer gerüstete Kavallerie entstanden. Dazu benötigte man viel Geld. Die Freien, welche nicht als Reiter dienten, zahlten eher Kriegssteuer zugunsten der kleinen Reiterelite, als daß sie selber kämpften, verloren in Folge ihren Status als Freie und gerieten zunehmend in Abhängigkeiten der Großgrundbesitzer, welchen es möglich war Reiter zu stellen. Daraus resultierte eine Schwächung der regionalen Infanterieeinheiten und die Franken hatten seit jeher auf ihre starke Infanterie gesetzt, aber die Zeiten waren längst vorbei. Das schuf neuartige Probleme in der Heeresstruktur, denn regional rasch mobilisierte Milizen vermochten erfahrenen und hoch motivierten Kriegern, wie den Nordmannen, in einer Feldschlacht nicht erfolgreich gegenüber zu treten, siehe 866 bei Brissarthe oder 882 bei Asloh. So verteidigten die Franken Festungen, um Zeit zu gewinnen, bis Adel oder König ein mobiles Feldheer gesammelt hatten. Das war zeitraubend, aber eine andere Abwehrmöglichkeit gab es nicht, zumal die Karolinger keine nennenswerte Flotte besaßen.

Reiche Grabfunde lokaler Machthaber der Wikingerzeit verdeutlichen, vor allem in Dänemark Anzeichen für Gefolgschaftsbindungen mit einzelnen starken Anführern („hersir“, Herr des Heeres, Heermeister) und einem kaum oder gar nicht ausgeprägten Königtum. Das änderte sich im Laufe der Zeit, als sich die Verhältnisse zum Kontinent mit starker ottonischer Zentralmacht im X. Jh anglichen. Doch bis dahin verlangte der Erhalt der dezentralisierten Machtstrukturen immer neue Beute, kostbare Objekte, Edelmetalle oder Silbergeld, um Gefolgschaften zu erhalten. Die Ansammlung und der Reichtum weckte nicht nur Begehrlichkeiten untereinander. Nachdem sich im XI. Jh, nach kontinentalem Vorbild, in den skandinavischen Ländern Königtümer etabliert hatten und jene sich untereinander befehdeten, wurden nun ihre Küsten von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach den Beeinträchtigungen in den dänischen Thronwirren Mitte des XI. Jhs kurz darauf 1066 Ziel einer slawischen Attacke, was die Umsiedlung der meisten Bewohner nach Schleswig bewirkte.






Rekonstruktionen aus Haithabu mit kontinentalen Formen, hinzu insulare Ergänzungen

Die dänische Gründung vom Beginn des VIII. Jhs weist im Fundgut kontinental-karolingische und skandinavische Formen auf mit slawischen und östlichen Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten nur weniger als 20% überhaupt Beigaben! Die Christianisierung faßte in Haithabu bereits ab Mitte des IX. Jhs. Nur die fürstlichen Kammergräber von 849v bis 950c waren als Ausnahme besonders reichhaltig ausgestattet.14



IX

-

XI

Haithabu

[Abb. nach Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 19715]

Die Schnallenfunde aus der frühen Siedlungsgrabungen zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagbleche, nur im Bootkammergrab befanden sich auch eiserne mit Blechen. Grössere Schnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch, neben Knochen/Bein, einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind die gebräuchlichsten Materialien dieser Zeit. Die letzten Sondenbegehungen des Geländes brachten zahlreiche Neufunde hervor, die momentan noch unpubliziert sind. Da erwarten uns also noch einige Überraschungen. Aus den Gräberfeldern wurden bislang weniger als 20 Schnallen aus Eisen, Bronze und Silber, letztere teilweise mit Beschlagblechen, geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen so klein, daß sie allgemein als Taschenverschlüße gelten, wie die bronzene Schnalle in Grab 128 im Flachgräberfeld, vergesellschaftet mit einer bronzenen Scheibenfibel mit Silbereinlagen. Ich sehe sie aber durchaus als Gürtelschnalle an, denn die stark verkrustete ovale Schnalle hat ein Außenmaß von 3,3 cm Breite und eine mögliche Riemen-/Durchzugsbreite von ca. 22 mm, das entspricht in der Größe durchaus anderen als Gürtelteile angesprochenen Fundobjekten. [Im Fundkatalog entsprechen die Größenangaben nicht den meinigen, denn bei Schnallen verwende ich Breite zu Länge/Höhe genau umgekehrt wie Arents/Eisenschmidt. Denn ich messe die Schnalle in der Durchzugsbreite des Riemens, denn ich spreche ja auch von „Gürtelbreite“. Die Länge wäre dann eher das Außenmaß der „Durchlaßhöhe“. Aber das ist der Unterschied zw. Anwendern und der Theorie vom Schreibtisch aus, wo Objekte losgelöst vom Verwendungszweck isoliert betrachtet werden].

[„Haithabu“-Schnallen für einfache Darstellungen siehe obige Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh], für gehobene auch karolingische Typen in der Frühphase möglich, weitere Buntmetallausführungen als Annäherung an Haithabu-Formen sind in Vorbereitung und umfassen neben zentralkontinentalen auch westeuropäische Varianten]





VIII

-

IX

kontinental







Schnalle als bronzene Variante nach dem Typ eines Fundes aus Eisen in Haithabu, Zungen als mögliche Ergänzung in unterschiedlichen Kombinationen, aber natürlich wäre ein Gürtel auch ohne Zunge machbar.



VIIII-X_012c_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

[kl. Bz-Nieten sind im Guß, um Me zu ersetzen]



VIIII-X_012f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 95,00 EUR

[Zunge im Stil eines spätawar. Zierbeschlags]





IX

-

X

kontinental und westlich









Zunge links mit Annäherung in der trapezförmigen Gestalt an einen ähnlichen Fund in Haithabu aus der Grabung 1937-39



VIIII-X_012a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VIIII-X_012i_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Flecht_bz nach Typ York

montiert 79,00 EUR





IX

-

X

kontinental und westlich







Links: Schnalle ähnliche Form auch in Birka, Zunge insular westlich.

Rechts: Zunge ebenfalls mit westlichem Einschlag, aber mit Annäherung im Ornament an einen ähnlichen Fund in Haithabu aus der Grabung 1963-64

[künftig werden kl me-Nieten durch Ausführungen in bz ersetzt]



IX-X_007i_bz

Schnalle Birka Typ

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Flecht_bz nach Typ York

montiert 99,00 EUR



VIIII-X_012d_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR





IX

-

X

kontinental und westlich







[auf den Bildern Zungen im insular westlichen Stil noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gelegt]



IX-X_010i_bz

Schnalle Typ hoher Rahmen klein

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Flecht_bz nach Typ York

montiert 79,00 EUR



IX-X_011i_bz

Schnalle Typ hoher Rahmen klein

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Flecht_bz nach Typ York

montiert 95,00 EUR






Rekonstruktionen aus Birka mit kontinentalen und östlichen Formen

Das Siedlungsareal der bis zu 1000 Einwohner lag, ähnlich wie Haithabu, gut geschützt im Landesinneren mit Anbindung zum Meer und war mit einem Halbkreiswall umgeben. Daran anschließend lag etwas erhöht eine Befestigung mit Garnison. In den umliegenden Gräberfeldern werden bis zu 3000 Bestattungen vermutet. Bis in die 1980er Jahre wurden rd. 1100 Gräber untersucht. Aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern wurden Gürtelteile geborgen, die in der frühen Phase des Handelsorts teilweise unter fränk.-karolingischen Einflüßen standen (siehe nachfolgend und Beispiele karoling. Rubrik oben). Das Fundspektrum in Birka weist insgesamt viele Importe auf, die weitreichende Handelskontakte belegen. Ab ca 875 treten in der zweiten Birka-Phase vermehrt Objekte der Rus und Artefakte der Reitervölker auf, darunter jene aus den 32 Gräbern mit „orientalischen“ Gürteln (s.u.), um 900 datiert. Auffallend ist die Häufung im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine Gefolgschaft östlicher Söldner hinweist. Gürtel gehören in Birka ansonsten nicht zu den typischen Grabbeigaben. In nur 6,4% aller Gräber waren bislang überhaupt Gürtelteile nachweisbar. Grundsätzlich ist die geschlechtsspezifische Zuordnung schwierig, da anthropologisches Material meist vergangen ist, so bleibt meist nur die Vergesellschaftung mit weiteren Gegenständen zu beobachten, über die genauere Aussagen gemacht werden können, wie bsplw. spezifische Werkzeuge, Schmuckformen oder Waffen.

Der Niedergang Birkas gegen Ende des X. Jhs hatte mehrere Gründe. Der Osthandel und der Silbernachschub über die arab. Dirhems waren lange Zeit Motor der Entwicklung Birkas. Nachdem sich mit den politischen Verhältnissen im Reich der Rus die Handelswege änderten und die arab. Währung an Silbergehalt verlor, verlagerten sich die Handelsströme in Richtung auf das Baltikum und zur Ostseeküste z.B. nach Wolin. Dort handelten eher Nicht-Skandinavier mit Silber aus dem Harz als feste, weithin akzeptierte Währung. Nach Verlandung von Zufahrten begann hinzu Sigunta die Rolle Birkas als politisches und wirtschaftliches Zentrum zu übernehmen.





IX

-

X



Birka früh

Typ Birka Grab 750

Stilisierte Akanthusblüten zeigen deutlich, daß die Schnalle aus dem Karolingerreich stammt und wie Zungen, Fibeln, Zaumzeugverteiler oder Schwerter im Norden begehrte Artikel waren, weiter verwendet oder umgearbeitet wurden.

Das Original war vergesellschaftet mit einem rechteckigen Zaumzeugbeschlag als „Zunge“. Rechteckige Beschläge mit markantem Akanthus-Muster z.B. bei Fund in der Slowakei, Anf. des VIII. Jahrhunderts.



IX-X_002a_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 (Abb bz)

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz od me 6,2 x 1,8 cm

montiert 89,00 EUR



IX-X_002a_me Leder rot








IX

-

X



Birka früh

Typ Birka Grab 750



Rechts: Zunge ähnliche Form in Birka gefunden, Kombination also durchaus möglich. Im Grab war mit obiger Schnalle eine rechteckige „Zunge“ mit Akanthus-Stilistik vergesellschaftet.



IX-X_002e_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 (Abb me)

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Tierkopf_bz od me

montiert 89,00 EUR



mögliche Tragweise IX-X_002a






X

-

XI





Birka










VIIII-X_012e_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]












X



Birka spät

Typ Birka Grab 949



X_011_Birka_bz

Birka Gr949ae

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 65,00 EUR



X_001_Birka_me

Birka Gr949ae

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

- momentan nicht lieferbar -









X

Birka

IX.-XI. Jh Div Birka-,Haithabu- und karol. Formen bz, me

[Einfache „Birka“-Schnallen finden sich auch in obiger Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh]



Typ Birka Grab 1030




X_009_Birka_bz

Birka Gr1030ae

hier noch ohne Beschlagblech und ohne Zunge

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

montiert 39,00 EUR






Rekonstruktionen der gotländischen Wikingerzeit und der Rus mit östliche Formen

Auf Gotland ist die Anzahl der Gürtelteile in den 1100 untersuchten Gräbern recht groß. Die Insel vor der schwedischen Küste nahm in der Welt der Wikinger eine Sonderstellung ein. Neben den Gräbern wurden hinzu rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlich hoher Reichtum angehäuft hatte. Das Spektrum unterscheidet sich vielfach von den westlichen Formen und zeigt einen stärkeren Rus-Einfluß, bzw. Formen von reiternomadischen Völkern des Balkans oder der russ. Steppe. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern.









X



Gotland

Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

mit Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





mögliche Tragweise







IX

-

X


Gotland / Rus / Slawen

IX.-XI. Jh div.Gotland- und Rus Formen



[„Gotland u Rus“-Schnallen finden sich auch in obiger Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh]

Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich, was keineswegs die Regel ist, manchmal sind Gürtel neben die Leiche gelegt. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. War der Zungenteil länger wurde er nach dem Umschlingen der Leiche also nicht unbedingt schön nach unten Richtung Knie drapiert, sondern zur Seite gelegt, mglw auch so getragen, wie es Abbildungen von skythischen Reiternomaden zeigen. Denn nur östlich beeinflußte Gürtelformen können längere Zungenteile aufweisen. Bei einer westlichen Gürtelform im Flachgräberfeld von Haithabu Grab 59 fanden sich Schnalle mit Beschlagblech und Zunge fast unmittelbar nebeneinander im rechten Beckenbereich. Da gab es wohl keinen längeren Zungenabschnitt.

Hinweis auf eine seitliche Tragweise mögen Riemenschieber sein, die sich manchmal im Fundgut finden, kleine Ausführungen bei Sporengarnituren, größere bei Gürteln. Ich würde es als Wikinger-Darsteller hinzu vermeiden den Gürtel nach der Schnalle zu schlaufen (denn kein Beleg vor 1300!). Es scheint bei westlichen Darstellungen angeraten das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu halten und es als Tragweise tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu zwängen, wenn kein Riemenschieber benutzt wird, da jener in der Reenactment-Szene allgemein Ablehnung findet, obwohl durch archäologische Funde zu belegen. Bei östlichen Darstellungen werden die Zungenabschnitte mglw länger gehalten werden können, was aber nicht unbedingt heißt, daß sie lose herab hingen, sondern wiederum mit dem Leibriemen verbunden oder untergeschoben worden sein mögen.









X









Gotland



Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/braun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 139,00 EUR







IX

-

X









Gotland / Rus / Slawen



Schnallen mit einem „abgesetzten Steg“, also ohne Dornschlitz im Leder, in diesem Fall Befestigung mit gefalztem Blech, haben eine sehr lange und interessante Geschichte. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker in den Westen, Übernahme in Byzanz und hohe Verbreitung in Mitteleuropa bis ins HMA



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 79,00 EUR

[es wäre möglich einen Verteiler anzubringen, wie auf dem Grabungsfoto oben]



IX-X_04_ws oder bz [Abb. ws]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_ws 4,2 x 1,9 cm

montiert 69,00 EUR

[Weißmetallüberzug mit hohem Silbergehalt,

Kombi auch in bz erhältlich]







IX

-

X





Gotland

Typ Ksp. Hellvi/Gotland




IX-X_01_bz

Typ Hellvi/Gotland, hier allerdings o. Blech

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

hier Riemen natur unbehandelt

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR



IX-X_02_ws

Typ Ksp. Hellvi/Gotland ohne Blech

- Variante mit Blech siehe oben -

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

mit Zunge_ws 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR

[Weißmetallüberzug mit hohem Silbergehalt]







X

-

XI



Reitervölker / Rus / Birka







Ähnliche Funde „orientalischer“ Formen als Handelsgut in Haithabu, auch in Birka um 900 als Grabfunde im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine ausländische Kriegergefolgschaft hinweisen, oft Bestandteil mehrteiliger Garnituren mit Nebenriemen [Beschläge auf Wunsch möglich]




X-XI_bulgar-chasar_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

montiert 69,00 EUR

[Gürtel als Derivat einer mehrteiligen Garnitur]



mögliche Tragweise ohne die häufig angewandte „Schlaufung“, für die es nach meiner Kenntnis im Gürtelbereich keine eindeutigen Belege vor 1300 gibt, „Vorformen“ sind allerdings bekannt


Kiew, Hauptstadt eines der großen Rus-Reiche war wohl bereits zur Zeit des Ostgotenkönigs Ermanerich (350-76 AD) von gewisser Bedeutung. Sie hieß damals Danparstadir (Dnjeprstadt), skandinavisch wurde sie später Kaenugardr oder Kiangorod genannt.16





Nordmannen in Frkrch/Normandie

Die Überlassung von Siedelgebieten an der franz Küste an Skandinavier nach 911 war folgenschwer. Es waren auch nicht irgendwelche Gebiete in Nordwestfrkch, sondern mit Rouen der Unterlauf der Seine, die Hauptverkehrsader nach Paris, welche die Nordmannen nun kontrollierten! Dort begann die Übernahme kontinentaler Sitten die angekommene nordische Kultur gänzlich umzuformen, sichtbar an Sprache und Religion, am Burgenbau und am Feudalwesen mit der Ausbildung einer effektiven Kavallerie, richtungsweisend für die kommenden Zeiten. Das expansive Wesen der Normannen sollte sich nicht nur auf England beschränken, sondern erreichte auch Süditalien, Sizilien, Nordafrika, Teile Griechenlands und das Heilige Land während der Kreuzzüge. Letztlich strömte „normannisches Blut“ in den Adern vieler Königshäuser. Selbst der Staufer Friedrich II. sollte eine Mutter aus normannischem Hause haben.

[Normannische Schnallenformen siehe unter „Salierzeit“ auf der nachfolgenden Seite XI.-XII. Jh]

Als Hilfs-Sonderaktion wegen der Marktausfälle wäre der Gobelin zu beziehen über...Bild anklicken (XI_04 Bayeux „Einschiffung hoch“ 115 x 58 cm), weitere Ausschnitte aus dem berühmten Teppich im Querformat siehe nachfolgende Seite XI.-XII. Jh






Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Die paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht vor und zur röm. Kaiserzeit bei den Germanen üblich und wurde mit der Mehrfibeltracht in Skandinavien und im Baltikum über viele Jahrhunderte beibehalten. Auch Bernstein- und Glasperlenschnüre waren ebenso Relikte aus frühen germanischen Zeiten und finden sich sowohl in merowingerzeitlichen, als auch in nordischen Frauengräbern. Auf dem Kontinent vollzog sich im Westen durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur Tunika und Umhang/Mantel mit der einzeln getragenen Scheibenfibel in der Wende um 600. In Teilen Nordeuropas oder in den Weiten der Rus-Reiche wurde die Mehrfibeltracht erst gegen Mitte des X. Jhs zugunsten der einen Fibel abgelegt. Bis zu 5 cm grosse oft sehr prunkvolle Scheibenfibeln aus wertigen Edelmetallen konnten auf dem Kontinent seit dem VII. Jh Bestandteil der gehobenen Frauentracht sein. Einfache Exemplare in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder etwas aufwändiger in Bronze mit Emaille geziert, fanden vielfach auch Eingang in die südskandinavische Mode. Sie wurden seit der Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen.







IX





Sachsen / Friesen / Karolinger / Skandinavier



Karolingische Kissenfibel

Interessanter Typus aus dem fränkischen Reichsgebiet, der ähnlich auch bei den Sachsen, Friesen und in Birka gefunden wurde (Grab 854). Wohl paarweise getragen, war er bei den Wikingerfrauen begehrt. Wie oben beschrieben lassen sich bestimmte Formen auf dem Kontinent archäologisch nicht in der Zahl nachweisen, wie in Nordeuropa. Doch man wird davon ausgehen können, daß die Anzahl der getragenen Stücke auf dem Kontinent um ein Vielfaches grösser war.

Zum Vergleich siehe etwas aufwändigerer Typus in „Wikinger am Rhein“, S. 153



IX_Kissenfibel_bz

2,2 x 1,5 cm in rot/grün

- nicht mehr lieferbar -





IX

-

X





Skandinavier / Sachsen / Slawen

Rautenfibel

Funde aus Uppkra, Menzlin, Birka, Haithabu und als südlicher Vertreter: Lippspringe um 900.




IX-X_Rautenfibel_bz und ws

bz 15,00 und ws 17,00 EUR







IX

-

XI







Karolinger / Skandinavier / Ottonen






Scheibenfibel Kreuz mit Emaille, häufige Verbreitung in den nördlichen und westlichen Reichsgebieten (siehe z.B. Funde aus Dorestad, Rijksmuseum Leiden), aber auch in Haithabu oder im nahe gelegenen Schuby und im skandinavischen Raum.

Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, gleicher Fibel-Typus mit Grubenschmelz auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“17 Siehe Funde der Entersburg bei Hontheim. Vermutlich sind diese Fibeltypen als Massenprodukte in den Werkstätten des Rheinlandes entstanden.



IX-XI_Scheibenfibel Kreuz_bz

gelbes Kreuz auf grünem Grund

oder

rotes Kreuz auf grünem Grund

Durchmesser 2,9 cm

je 35,00 EUR







X

-

XI







Byzantiner / Rus / Slawen / Ottonen / Salier



Kreuzornament mit Peltas, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

...Gruppe von Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzantinischen Goldschmiedekunst übernommen worden.“18 Siehe auch Straubinger Fibel IX.-X. Jh, Fund vom Domberg in Bamberg, annähernd allerdings auch Form in Schleswig mit drei Pelten ohne Emaille und möglicher Verbreitung über den slawischen Raum bis in den Norden.



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz

Durchmesser 3,6 cm

je 39,00 EUR

in dunkelblau/gelb oder rot/grün oder rot/gelb

[auf speziellen Kundenwunsch neu aufgelegt]




X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz gelb/dunkelblau luzid, fast schwarz

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/grün

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/gelb opak

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR












Exkurs 6: Textilreste in nordischen Gräbern

Zum archäologischen Nachweis der Textilien benötigt man gute Erhaltungsbedingungen, wie dies beispielsweise bei koptischen Stoffen in trockenen klimatischen Verhältnissen möglich ist. Unter den vielen Funden aus Ägypten wird u.a. ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs als Gürtel angesprochen. Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren klimatischen Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell. Nur selten lassen sie sich nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- und 228 Wollfragmente geborgen und die Leinenreste erhielten sich in der Mehrzahl nur zufällig durch die Verwendung beim Teeren und Kalfatern der Schiffe im Hafen dieser Handelsstadt. Leinenfragmente wurden in Birka in den reich ausgestatteten Gräbern gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur die Begüterten leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.19 Leinen war in Nordeuropa wohl lange Zeit ein exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Flachs ist eine anspruchsvolle Kulturpflanze, bedingt einen gut ausgebildeten Ackerbau und erfordert viele Arbeitsgänge mit speziellen Werkzeugen. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. Pflanzliche Stoffreste sind hauptsächlich durch die Ionisierung (Grünspanbildung) und Eintränkung bei Buntmetall- und Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden nur als fossile Bildungen auf der Oberfläche der Korrosionskruste.20 In der Regel beschränkt sich damit die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber der gehobenen sozialen Schichten. Denn nur hier sind in der Regel ausreichend Bunt- und Edelmetalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. In Zusammenhang mit den Schalenfibeln an den Trägerröcken wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete Leinenhemden der sozialen Eliten beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzantinischem Vorbild.21 Aus 169 der 1100 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs [Geijer, Birka III, S. 11ff.]. Die 169 „Textilgräber“ enthielten fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung, mit dem Grundgewebe meist aus Leinen (Flachs) oder Wolle, die fast alle in irgendeiner Form zusätzliche Seiden-, oft Silber- oder seltener Goldfäden aufwiesen! Manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Birka hat viele seiner Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Denn erhaltene Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der vorangegangenen röm. Kaiserzeit waren ausnahmslos aus Wolle, wobei oben genannte Erhaltungsbedingungen sicher eine Rolle spielen. Die Sagas berichten von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten. Seit der röm. Spätantike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Diese Sitte wurde von der sozialen Elite der Germanen nachgeahmt und war auch zu merowingisch-karolingischen Zeiten selbstverständlich. Demnach verhielt sich die nordgerman.-skandinavische Führungsschicht nicht anders.

Gürtelformen seit Bronzezeit und Antike: In der Wikingerzeit fehlen uns vor allem aus den Frauengräbern Gürtelreste aus Metall. In den Sagas wird von einem Kleid berichtet, das seine Trägerin in der Taille zusammen schnürte, ohne den Gürtel speziell zu erwähnen. Als Denkmodell wären grundsätzlich Stoffgürtel mit Bindesystem ohne Schnalle nicht ausgeschlossen. Ein reiner Stoffgürtel vergeht genauso wie der Rest der Kleidung und bleibt damit nicht nachweisbar, wenn nicht die Möglichkeit des Erhalts durch Metalle, s.o., gegeben war. Im Rus-Bereich soll es wohl Belege für diese Gürtelart geben, mir momentan aber noch unbekannt. Die guten Verbindungen über den Etappenhandel zum Vorderen Orient, in einen Raum mit zahlreichen textilen Gürtelvarianten, macht die Annahme wahrscheinlich. Bindegürtel gehören grundsätzlich zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt und waren in allen frühen Kulturen selbstverständlich. Das läßt sich für die klassische Antike bei Griechen und Römern anhand von plastischen Werken und Malerei einwandfrei belegen. So erscheinen Bindegürtel an Prunkrüstungen. Für den zivilen Bereich mögen hierzu der mit einem Bindegürtel umschlungene Grabstein eines Zeus-Priesters in Aspendos in Pamphylien an der heutigen türk. Südküste oder ein etruskischer Tonsarkophag aus Chiusi vom Ende des III. JhvC mit Darstellung einer liegenden Dame im edlen Gewand mit Bindegürtel [Forrers Reallexikon, S. 50] exemplarisch gelten. Für die nördlichen Breiten wird diese Gürtelform seit der Bronze-/Eisenzeit durch Moorfunde gestützt. Bei einem Blick so weit in die Vergangenheit zurück, seien aber ebenso die speziellen Gürtel-Hakenvarianten mit breiten Bronzeblechen der Urnenfelder- und Eisenzeit vor allem im Vorderen Orient und mediterranen Raum genannt, die in unseren Breiten Bestandteil der Hallstattkultur waren und sich zur Latenezeit in schlankere und meist einfache Hakenformen wandelten. Diese jüngere Form ist auch bei den Germanen der vorrömischen Eisenzeit gut nachweisbar, bis durch die Berührung mit der röm Kultur deren Schnallenformen übernommen und abgewandelt wurden. Woher die uns geläufige Schnallenform überhaupt stammt, ist mir momentan noch unbekannt? Erlaubt sei der Blick ins Persische Reich des V.-IV. JhvC. Es wird davon berichtet, daß die Jahresabgabe einiger syrischer Dörfer dazu verwendet wurde, um der pers. Königin einen Gürtel (!) anzufertigen. Es muß also ein recht kostbares Stück gewesen sein. In Persien war es üblich diese regionalen Abgaben Personen und einem bestimmten Gebrauch zuzuweisen. Zum anderen gehe der Blick nach Persepolis, oder „Parsa“ wie die einheimischen Völker die Stadt selbst nannten. Auf den Seitenwangen der Treppenaufgänge zu einem der Audienzsäle werden Tribut leistende Völker dargestellt, darunter wohl auch Reitervölker (Saken-Skythen und frühe iranische Völker, wie Meder, Baktrer, Sogdier, etc). Sie tragen längere zur Seite geschlungene Gürtelformen als Wehrgehenk, an denen Taschen und Dolche befestigt sind. Hier ist ein zentraler Verschluß sichtbar in Form von Knopf, Haken, Durchzug oder Schnalle (?), der in der Lage ist ein gewisses Gewicht zu tragen, eindeutig kein Knoten. Zum Material des Gürtels ist keine Aussage zu machen. Mglw bevorzugten nomadische Völker grundsätzlich stabile Lederausführungen, da Viehbesitz obligatorisch war und Leder zum Grundmaterial seit der Altsteinzeit zählte, um das Überleben des Menschen zu sichern. Inwieweit nomadische Völker pflanzliche Gerbprozesses, die oft jahrelang dauerten, auszuführen in der Lage waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Fettgerbungen scheinen wohl in jeder Hinsicht glaubhafter. Oft trugen die Reiternomaden einen Teil der Ausrüstung, wie Bögen und Pfeile in Köchern am Gürtel, hinzu Dolche oder Kurzschwerzer, Taschen, Beutel und Dinge des täglichen Gebrauchs. Sie benötigten stabile Tragevarianten, siehe auch Fund aus dem VIII. Jh in der Moscevaja Balka. Seßhafte Völker hatten seit der Jungsteinzeit das Spektrum um textile Gürtelvarianten aus Wolle und Leinen erweitert. In Asien waren auch Baumwolle und Seide bekannt, beides erreichte den Westen, wobei Seide als urspl. chines. Exportartikel seit der Antike eine herausragende Stellung zukam. Sie war in erster Linie Bestandteil der Kleidung gehobener Schichten oder ihre Fäden dienten im Detail als Verzierungselement. Nomadische Völker gelangten durch Tributleistungen, Handel und als Transporteure in den Westen in Besitz des kostbaren Guts, durch skythische und hunnische Grabinventare zu belegen...




Quellen und weiterführende Literatur:

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde. Stockholm 1986.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern. Uppsala 1938.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2016.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus. Haithabu, Schleswig 2012.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter. Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg. Sydvestjyske Museer 2009.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.


V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite


Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Zitat nach Inga Haegg, Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu. Ausgrabungsbericht Nr. 20, 1984, S. 153f

2/Ohne Zweifel war es schwierig im frühen Mittelalter das hohe Niveau der spätrömischen Buntmetallproduktion zu halten. Allerdings muss zwischen Messing- und Bronzeprodukten differenziert werden. Während Bronze (Kupfer/Zinn) seit Jahrtausenden hergestellt wurde, da Kupfervorkommen häufig und Zinn in Europa zumindest an mehreren Orten zugänglich war, galt Messing (Kupfer/Zink) als erheblich schwieriger zu produzieren, weil das notwendige Galmei nur in wenigen Regionen anstand, wie an der Maas. Im Sauerland gab es Vorkommen, aber der Abbau ist erst für das XVI. Jh in Brilon und Iserlohn sicher belegt. Die Römer hatten die Produktion von Messing aus Anatolien übernommen und für ihre Bedürfnisse standardisiert. Nach aktuellem Forschungsstand war ein Niedergang der röm. Messingproduktion mit der Verfall der Produktionsstätten in den westeurop. Provinzen seit der Völkerwanderung zu verzeichnen, während ein Aufschwung erst zu karolingischen Zeiten erfolgte. Mehrere Messingbarren und ein zum ovalen Messingring geformter Zierdraht [Grabung 1963-64] wurden u.a. auch in Haithabu gefunden. Zur Buntmetallverarbeitung siehe Beispiele ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen, nahe der Hohensyburg, oder im heutigen Stadtbereich Dortmund am Adlerturm, in Braunschweig oder im heutigen Frankenland in Eggolsheim bei Forchheim vom IV.-IX. Jh, uvam. [siehe Details auch Anmerkung auf der V_VIII-Seite]



3/Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung für das Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Wichtiger war möglicherweise das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen. Karolingische Formen und vor allem prestigeträchtige Luxusgüter waren in den Randzonen Europas begehrt, wurden allerdings selten in ihren ursprünglichen Funktionszusammenhängen belassen, sondern nach eigenem Geschmacksempfinden umgeformt. Vielen werden die Zaumzeugverteiler bekannt sein, die in Skandinavien zu Fibeln oder Gürtelzungen umgearbeitet wurden.



4/Grundsätzlich kurz eingeschoben mal eine Anmerkung in eigener Sache: Die Kirche und das Christentum müssen auf diesen Seiten notwendigerweise angeführt werden, da sie im Themenkomplex „Mittelalter“ unvermeidlich sind. Ich will damit aber keine „Lanze“ brechen für die Kirche, dazu stehe ich dieser Institution zu fern und weiß um deren verursachte Gräuel und Lügen in der Geschichte, wie oft, wenn Religion und Regierung miteinander verknüpft sind. Denn es geht um Machterhalt. Mag Religion einem gesellschaftlichen Zweck für ethische Normative dienen, immer ist sie „man-made“ und damit lächerlich störanfällig, als daß sich dahinter wahrhaft Göttliches erkennen liesse. Religion befriedigt den Bedarf an Übersinnlichem mit dem Blick auf das Überirdische, ist aber in erster Linie irdische Ordnungsmacht, hält die Masse fügsam und gehorsam. Egal wie die persönliche Einstellung dazu ist, die meisten werden in der Darstellung mit dem Christentum zu tun haben. Ihr liebe „Wikinger“ übrigens irgendwann auch, ..., also liebe Heiden, freut Euch des Lebens, irgendwann wird es freudlos bieder. Die Harfe dürft Ihr später wohl mitnehmen, aber jubiliert wird nur noch in den höchsten Tönen...



5/Um die Bestattung in Kirchen wurde lange gerungen. Zunächst war sie nur hochgestellten Geistlichen wie Bischöfen gestattet, hinzu kamen Äbte, verdiente Priester, dann erst später fromme Laien, wie die Landesherren und adelige Laien-Stifter. Da hatten Adelige als Kirchen-Eigner deutliche Vorteile. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen an die Kirchen, bzw konkret an die heiligen Patrone der jeweiligen Kirchen, erweiterte sich im SMA der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchenraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen so häufig frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren [siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41]. Diese Messen und Gedenkfeiern erforderten eine zunehmende Zahl von Priestern in den Konventen und mehrte die Zahl der Altäre in den Kirchengebäuden. Dabei ging es um viel Geld, das fromme Stifter vor ihrem Ableben der Kirche vermachten. Die Zisterzienser bsplw änderten ab Mitte des XII. Jhs ihre abwehrende Einstellung, denn bislang war es Weltlichen nicht gestattet in ihren Kirchen dauerhaft zu ruhen, um Unabhängigkeit gegenüber machtvollen Landesherren und Adeligen zu wahren. Dadurch entgingen ihnen bis zur Lockerung dieser Grundhaltung die Memorialstiftungen.



6/„Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 u Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].



7/Scott, Kleidung und Mode, S. 16 und Jan Keupp, Mode im MA, S. 133. Keupp weist anhand von Königssiegeln die Traditionsgebundenheit des Herrscherornats nach, S. 136f. Die Abbildung im Sakramentarfragment aus Paris von ca 869 zeigt Karl den Kahlen in Zusammenhang mit der Krönung in dieser „fränkischer Tracht“ mit Umhang und Scheibenfibel, kurzer kostbarer Tunica, welche die Knieriemen sehen läßt, Stiefeln und einem kürzeren „gallischen Gürtel“, siehe Wamers, Die Macht des Silbers, S. 93.



8/Weinfurter, Die Staufer und Italien, Bd. II, S. 78f.



9/Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums VII, 27. Zu Deschner würde man eigentlich sagen, daß sind die Bücher, die man auf die „einsame Insel“ mitnehmen müsste, um sie im ganzen Umfang zu würdigen. Allerdings verlieren sie dort ihren Sinn, soviel Kulturkritik und Leid verträgt kaum jemand, man verliert förmlich die Lust an der Geschichte, fängt an alles zu hinterfragen und grollt jeglicher Macht. Wenn man hinzu keinen seiner Artgenossen mehr sieht, wäre doch der Band über das Holzfällerhandwerk besser gewesen...



10/Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166.

11/Geijer, Birka III, S. 138.

12/nach Ausstellung im WikMus. Haithabu.



13/Nach dem Durchbruch der vergangenen zwei Jahrhunderte mit der Eisenbahn m.E. ein Rückschritt mit der Autobahn. Ich hatte vor langer Zeit mal einiges mit dem Transportgewerbe zu tun und fand in den 1980ern die Entwicklung mit Containern und Ladebrücken, die flexibel durch verschiedene Transporteinheiten genutzt werden konnten, gut. Doch diese Experimente funktionieren nur noch im Schiffsfernverkehr, auf der Schiene bedingt und auf der Straße gar nicht mehr, dort dominieren inzwischen lange unflexible Auflieger, denn die sind leichter zu steuern und zu rangieren als Fahrzeuge mit Anhängern. Die alten Fahrzeuge stellten höhere Anforderungen an das Bedienungspersonal, heute brauchen wir massenhaft Fahrer. Über das Verhältnis von Masse und Klasse möchte ich mich nicht weiter auslassen. Manche Entwicklungen sind eigenartig aber erklärbar. Man wäre vor nicht allzu langer Zeit auch nicht auf die Idee gekommen Versuche zu starten extrem große Autos in bislang ausreichend dimensionierten Parkhäusern abzustellen ! Wenn die Gründe nicht so offensichtlich wären. Hurra, wir waren Export-Weltmeister, osä....aber es wird sich nun alles ändern ...



14/Maixner, Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten, S. 125ff.

15/Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197.

16/H. Schreiber, Auf den Spuren der Goten, S. 78.

17/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 132.

18/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 119.



19/Zu den ägypt. Funden siehe Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106, zu Leinen Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinerne Tuniken trugen auf dem Kontinent auch die gut ausgestatteten sozial höherstehenden Kleriker in den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg VII. Jh, genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Aber auch in diesen Fällen waren die Erhaltunsgbedingungen überdurchschnittlich.



20/Hägg_2015, S. 64f. Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark, siehe Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S. 51. Durch die Beifunde mit Schwert und Pferdegeschirr haben wir hier einen Vertreter der Oberschicht vor uns, als Gefolgsherr oder Fürst. In der Regel sorgen Eisenkorrodierungen lediglich durch den Abdruck der Textilien für schlechtere Forschungsergebnisse als bei der Grünspanbildung, wobei Textilreste und -schichten erhalten bleiben. Hinzu sacken Eisengeräte mit ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und erlauben so nur geringe stratigrafische Aussagen.



21/Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015, S. 70 u 124. Im IX. Jh wurde in Birka meist Wollstoff für den Trägerrock verwendet und im X. Jh eher Leinen. Versuche für die Erklärung des Modewandels liegen in den engeren Beziehungen Birkas zu den Kiewer Rus, den Slawen und byzantinischen Anregungen.