V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh

Unsere Quellen für das IX.-X. Jh.:

Auf dem Kontinent stellt das Auslaufen der Grabbeigabensitte unter den Karolingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Kleidungsbeigabe oder Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Der Anteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall ist verschwindend gering, gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der Merowingerzeit. Unter den Karolingern ist die archäologische Quellenlage schwierig, was manche dazu neigen läßt diesen Betrachtungszeitraum grundsätzlich als „buntmetallarm“ anzusehen, da die Buntmetallproduktion dieser Zeit nicht als äquivalent zur alten spätrömischen angesehen wird. Neuere Forschungsergebnisse vermitteln aber ein anderes Bild.1

In den nördlichen und östlichen nicht-christianisierten Bereichen Europas zeigen Grabfunde, daß dort Metalle jeglicher Art in die Erde gekommen sind. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind im gewissen Maß erlaubt, wo sich Metalle in dieser Häufung nicht unmittelbar oder in gänzlich anderen Kontexten dokumentieren lassen. Viele karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Wikinger oder Slawen überdauert. Sie gehörten auf dem westl. Kontinent zum Alltag. Es gab aber dort kein Bedürfnis sie unter die Erde zu bringen und so dem wirtschaftlichen Kreislauf zu entziehen. Hinzu hatten die christlichen Begräbnisse für die Angehörigen den Vorteil keine kostbaren Beigaben, nur aufgrund von gesellschaftlicher Konvention und Prestige, zu verlieren.2 Die Habe wurde vererbt und es war kostengünstiger Messen durch Priester und Mönche lesen zu lassen.

Gut dokumentierte Grab- und Hortfunde stammen aus vielen Teilen Skandinaviens, bsplw. aus Birka oder von Gotland, aus Norwegen und Dänemark. Hinzu kommen aus küstennahen Siedlungen und Handelszentren, wie Helgö, Kaupang, Haithabu, Birka, Ribe oder Dorestad ebenfalls gut datierbare Funde zutage. Aus dem Inneren des Kontinents bringen erst Grabungen in den Stadtneugründungen ab dem XII./XIII. Jh. ähnliche Fundmengen ans Tageslicht. Seit der Spätantike hatten sich die grossen Handelsströme vom Mittelmeerraum an Nord- und Ostsee verlagert. Von dem effektivsten der Handelsträger, dem Schiff, profitierten naturgemäß vornehmlich die Küstenorte, was sie wiederum mancher Begehrlichkeiten aussetzte, durch Personen, die nicht bereit waren für Waren den entsprechenden Gegenwert zu entrichten.

In Kirchen- und Klosterschätzen überdauerten zahlreiche Objekte. Oft wurden sie dem profanen Bereich entnommen und in die sakrale Sphäre überführt, wie Leuchter, Stoffe, Kästchen, Möbel, etc. und erlauben in begrenztem Maß Einblicke in Aspekte der Alltagskultur gehobener Schichten. So wurden u.a. kostbare Hochzeitsgewänder des Adels nicht selten der Kirche vermacht, die sie zu liturgischen Kleidungsstücken umarbeitete.



IX.-X. Jh



Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“



Gürtel Wikinger- und Karolingerzeit IX.-X. Jh

Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Gürtel der Salier- und Stauferzeit XI.-XII. Jh

Gürtel mit flach geschmiedeten Eisenschnallen



[Abb. oben: Hammer aus dem Hafenbecken von Haithabu, kann bei Interesse in me angefertigt werden]

Abkürzungen unten: eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Kontinentales Kerngebiet und die Randzonen:

Es ist wohl legitim anzunehmen, daß die nord- und osteuropäischen Funde nur der Spiegel und wohl ein Bruchteil der Gegenstände sind, die einst auf dem Kontinent im frühmittelalterlichen Alltag üblich und möglich waren. Ähnlich wie das Röm. Reich als Leitkultur einst auf die vordrängenden Südgermanen wirkte, übte die kontinentale Entwicklung unter den Franken auf die Nordgermanen große Anziehungskraft aus. Die heutigen Wikinger-Darsteller vermitteln oft eine scheinbar reiche Phase der nordischen oder östlichen Alltagskultur. Nach Erkenntnissen aus Birka sind sozial hochrangige Personen des IX./X. Jhs im Grabritus zuweilen recht auffallend ausstaffiert worden, um ihren Status deutlich herauszustreichen.3 Skandinavien war nur der „nördliche Ausläufer“ materieller Sachkultur des FMAs. Bereits die Gräberfelder der Merowingerzeit des VI./VII. Jhs verdeutlichen den eigentlichen Schwerpunkt. Und hätte die Christianisierung nicht eingesetzt, ließe sich der Buntmetallreichtum auch für die spätmerowingisch-karolingische Zeit durch Grabfelder auch auf dem Kontinent mühelos dokumentieren. Es wird ein erheblich höheres Formenspektrum gegeben haben, als es uns heute den Anschein macht. Denn Slawen, Awaren, Nordmannen, Sarazenen und Magyaren konzentrierten ihre Begehrlichkeit auf die Quellen dieses Reichtums, durch Handel oder kriegerische Beutezüge. Das Ziel war das vornehmlich fränkisch dominierte Westeuropa, seit 843 endgültig in grosse Herrschaftsbereiche geteilt und durch interne Streitigkeiten geschwächt. Viele Orte, Städte, Klöster und Kirchen wurden geplündert und zerstört. Ganze Landstriche gingen an fremde Eroberer verloren.

Die skandinavischen Plünderer des IX./X. Jhs verfuhren nach einem altbewährten Muster, das ihre Vorfahren auf Küstenbooten bereits zur röm. Kaiserzeit gegen die jütländische Küste und südgermanische Völker, wie die Sachsen im IV./V. Jh gegen die Küsten der röm. Provinzen in Britannien und Gallien angewendet hatten. Die Größe der Schiffe wird dem des Nydam-Boots B entsprochen haben. Solche mit Eisennieten geklinkert beplankten und geruderten Ausführungen der Küstenschiffahrt wurden bei den seegestützten Angriffen von Südskandinavien auf die jütische Halbinsel zwischen 150 und 500 AD genutzt, siehe Moor-/Opferfunde von Illerup. Diese Angriffe, später mglw. auch Invasionen, der späteren „Dänen“ könnte der Grund für die Umsiedlung und Nordseeüberquerung als eine Art der Verdrängung der germanischen Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh gewesen sein, mit weiter entwickelten Schiffstypen, wie aus den Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 AD). Quellen berichten im VI. Jh von skandinavischen Angriffen auch auf die friesische Küste. Die Angriffe auf die weiter entfernten westeurop. Küsten im IX./X. Jh folgten also einem altbekannten Muster, allerdings wurde die Schiffstechnik immer ausgefeilter, die Boote größer und seetüchtiger. Die Dimension möglicher Plünderungszüge wurde erweitert. Die Angelsächs. Chroniken erwähnen die ersten Norweger 789 in ihrer Gefilden und die meisten ihrer Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste. Sie plünderten Ortschaften und Klöster. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl den Großen, Ende des VIII. Jhs, auch in Dänemark mögliche Plünderungsfahrten initiierten. Ab 799 mit dem Angriffen an der Loire und ab 810 an der fränk.-fries. Küste wurde nun das fränk. Reich Ziel von Angriffen. Hier waren nicht die Klöster, sondern die Handelsorte das Ziel. Die Karolinger hatten sich auf Kosten vieler Völker zu den Herren Europas gemacht. Es war ein probates Mittel, um die Franken an empfindlicher Stelle zu treffen. Grabfunde der Wikingerzeit zeigen, vor allem in Dänemark, eine Dezentralisierung der Macht, oft Kennzeichen für starke Gefolgschaftsbindungen, mit einzelnen starken Anführern („hersir“, Herr des Heeres, Heermeister) und einem kaum oder gar nicht ausgeprägten Königtum, ganz im Gegensatz zum Kontinent. Das änderte sich im Laufe des X. Jhs, als sich die Verhältnisse stärker anglichen. Doch bis dahin verlangte der Erhalt der dezentralisierten Machtstrukturen immer neue Beute, kostbare Objekte, Edelmetalle oder Geld, um die Gefolgschaft zu erhalten. Die Ansammlung und der Reichtum weckte nicht nur Begehrlichkeiten untereinander. Später im XI. Jh mussten die dänische, geschwächt durch die Zerrüttung der Bürgerkriege im Königshaus, aber auch die schwedische Küste nun vor wiederholten Angriffen der Slawen geschützt werden.

Den Franken war es unter großen Mühen gelungen, trotz unausgesetzter Angriffe, das kontinentale Zentrum zu sichern. Die Mittel dazu waren u.a der Burgenbau, die Umwehrung von Siedlungen und der Ausbau des Feudal- und Lehnswesens, zur finanziellen Absicherung eines Reiteradels, nicht zuletzt die administrativ stabilisierenden Strukturen der Kirche in den Städten oder das wirtschaftlich starke Klosterwesen des missionierenden Mönchtums auf dem Land, alles prägend für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Die Königshäuser waren oft überfordert, verloren an Macht und Ansehen, während die Sicherungsmaßnahmen dazu beitrugen den regionalen Adel zu stärken. Eine Phase des Überflusses war diese Zeit sicher nicht. Vorhandene Ressourcen wurden in wirtschaftliche Kreisläufe eingebunden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe. Altmetalle waren begehrte Rohstoffe. Das zeigen Hort-/Depotfunde mit Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh und vielen kostbaren fränkischen Stücken, genauso mit Eisen im niederösterr. Thunau um 900. Ein wirtschaftlicher Aufschwung war oft erst zu verzeichnen, nachdem die Drangsal der Awaren-, Wikinger- und Magyarenüberfälle endlich nachgelassen hatte.



Die Schnallen-Präsentation am Stand ist umfangreicher als die kleine Auswahl auf diesen Seiten:



IX.-XI. Jh Birka-,Haithabu- und karol. Formen bz, me

Birka-Gürtel: Bis in die 1980er Jahre wurden rd. 1100 Gräber untersucht. Aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern wurden Gürtelteile geborgen, die teilweise unter fränk.-karolingischen Einflüßen stehen. Hinzu kommen 32 Gräber mit „orientalischen“ Gürteln, um 900 datiert im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine professionelle Kriegerkaste, eine Gefolgschaft, hinweisen. In nur 6,4% aller Gräber waren bislang überhaupt Gürtelteile nachweisbar. Grundsätzlich ist die geschlechtsspezifische Zuordnung manchmal schwierig, da anthropologisches Material meist vergangen ist.

Gotland-Gürtel: Hier ist die Anzahl der Gürtelteile in den ebenfalls 1100 untersuchten Gräbern grösser. Gotland nimmt in der Welt der Wikinger eine Sonderstellung ein. Neben den Gräbern wurden rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlicher Reichtum angehäuft hatte. Das Spektrum unterscheidet sich vielfach von den westlichen Formen und zeigt einen stärkeren Rus-Einfluß, bzw. Formen von nomadischen Völkern aus der russ. Steppe. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern.

IX.-XI. Jh Gotland- und Rus Formen bz, me u vs


IX.

-

XI.

Haithabu

Die dänische Gründung vom Beginn des IX. Jhs weist im Fundgut skandinavische und kontinental-karolingische Formen auf mit slawischen und östlichen Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten nur weniger als 20% überhaupt Beigaben! Die Christianisierung faßte in Haithabu bereits ab Mitte des IX. Jhs und es wird in der Forschung in vielen Dingen eine Symbiose aus neuem und altem Glauben vertreten. Die fürstlichen Kammergräber von 849v bis 950c waren als Ausnahme reichhaltig ausgestattet.4

[Quelle Abb.5 ] Die Schnallenfunde aus der Siedlungsgrabung zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagblechen, nur im Bootkammergrab befanden sich auch welche mit Blechen. Die grössere Eisenschnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch, neben Knochen/Bein, einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind die gebräuchlichsten Materialien dieser Zeit. Aus den Gräberfeldern wurden bislang nur 23 Gürtelteile und Schnallen aus Bronze mit Blechen geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen so klein, daß sie als Taschenverschlüße gelten, wie die bronzene kleine Schnalle in Grab 128 im Flachgräberfeld, vergesellschaftet mit einer bronze-versilberten Scheibenfibel.



IX-XV_15 bis 40_eis

Riemen natur geölt

Schnalle auf Wunsch rund- oder flachstabig

[beides in Haithabu nachweisbar]



IX-XV_20eis mit 20 mm Riemen montiert 29,00 EUR

IX-XV_25eis mit 25 mm Riemen montiert 35,00 EUR

IX-XV_30eis mit 30 mm Riemen montiert 39,00 EUR

IX-XV_40eis mit 40 mm Riemen montiert 49,00 EUR

[Hochwertiges vegetabil gegerbtes Naturleder in Zaumzeugqualität, da es allen Anforderungen genügen soll. Die Schnallen sind angenäht. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Zaumzeug zugerechnet, in Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Zaumzeugschnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite.6 ]


IX.

-

XI.



X_008_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

hier Riemen natur geölt

ohne Zunge, da sie nur selten nachweisbar sind.

Vorläufer siehe fränk. Funde VII. Jh vom Niederrhein,

z. B. in Kaarst, dort Schnalle bz u Blech eis.

X_008_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

mit möglicher Zunge montiert 65,00 EUR








IX.

-

X.





Gotland

Typ Ksp. Hellvi/Gotland




IX-X_01_bz

Typ Hellvi/Gotland, hier allerdings o. Blech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen natur unbehandelt

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 49,00 EUR



IX-X_02_vs

Typ Ksp. Hellvi/Gotland ohne Blech

- Variante mit Blech mit siehe unten -

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 49,00 EUR










IX.

-

X.









Gotland



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 69,00 EUR

[es wäre möglich einen Verteiler anzubringen, wie auf dem Grabungsfoto unten]



IX-X_04_vs

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 65,00 EUR

[auch in bz erhältlich]










X.



Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

hier Riemen dunkelbraun

mit Zunge_bz

montiert 90,00 EUR





mögliche Tragweise








X.




Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich, was keineswegs die Regel ist, denn manchmal sind Gürtel neben die Leiche gelegt. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. Ich würde es als Wikinger-Darsteller darüber hinaus vermeiden den Gürtel mit Schnalle zu schlaufen (kein Beleg vor 1300!), Es ist wohl ratsam das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu lassen und es tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu schieben.










X.









Gotland





Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 129,00 EUR










X.

-

XI.



X-XI_bulgar-chasar_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

[ähnliche Funde auch in Birka]

montiert 59,00 EUR



mögliche Tragweise ohne Schlaufung






tragweise alternativ (in beiden Fällen ohne die spätmittelalterliche „Schlaufung“, für die es nach meiner Kenntnis im Zusammenhang mit Schnallen vor 1300 keine Belege gibt)








IX.

-

X.







Birka



Typ Birka Grab 1030




X_009_Birka_bz

Birka Gr1030ae

hier noch ohne Beschlagblech und ohne Zunge

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

montiert 35,00 EUR








IX.

-

X.





Typ Birka Grab 949



X_011_Birka_bz

Birka Gr949ae

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen natur

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_bz

- momentan nicht lieferbar -



X_001_Birka_me

Birka Gr949ae

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen dunkelbraun

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_me

- momentan nicht lieferbar -






IX.

-

X.





Typ Birka Grab 949

Stilisierte Akanthusblüten zeigen deutlich, daß die Schnalle aus dem Karolingerreich stammt und wie Zungen, Fibeln, Kleeblattverteiler oder Schwerter im Norden begehrte Artikel waren, weiter verwendet oder umgearbeitet wurden.




IX-X_002_Birka_bz oder me

Birka Gr750ae

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

inkl. trapezförmige Zunge_bz od me

[auch Zunge Karo_002_bz rechts mgl.]

montiert 79,00 EUR



mögliche Tragweise

Karo Zunge_002_bz

Einfache rechteckige und „U“-förmige Riemenzungen waren nicht selten in karolingischen Zeiten. Grössere Exemplare wurden in Skandinavien gerne zu Fibeln umgearbeitet. Umgekehrt wurden wohl Teile von Kleeblattverteilern mglw. als Riemenzungen verwendet, da sich im Fundgut auch fragmentierte Verteiler befinden.

[Kombination mit X_002_Birka in bz links mögl.]






IX.

-

X.





Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in Skandinavien und den östlichen Bereichen Europas, wie diese Schnalle aus Kroatien, die der „Birka“-Form und auch weiteren Stücken aus dem dänischen Duesminde-Hort sehr ähnlich ist.



IX-X_003_Birka_bz

Birka Gr750ae

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

[Karo Zunge_001_bz rechts möglich]

montiert mit Zunge 65,00 EUR



Karo Zunge_001_bz

Zunge nähert sich Tassilokelchstil an, ähnlich zum Bzblech vom Christenberg Ende VIII. Jh. oder BzBeschlag Bad Westernkotten, Wüstung Ostheim um 800

[Kombination mit X_003_Birka in bz links mögl.]








IX.

-

XII.







Fund vom Herrenhof Thunau mit karolingischer Datierung vor 900, die Ausführung hat steilere Kanten als unsere Nachbildung. Mit dem grossen Perlrand wird eine Schnalle im Kreuzgang Arles noch um 1180 abgebildet, scheint also eine gewisse Beliebtheit gehabt zu haben!














IX-X_karol_bz

[hier noch nicht vernietet]

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

ohne Zunge

montiert 49,00 EUR





IX-X_karol_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

mit Karo Zunge_001_bz

montiert 69,00 EUR








VIII.

-

IX.








Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowingisch-karolingerzeitlichen Funden im Museum Korbach (AO) und auch aus Haithabu bekannt, s.o.



VIII-IX_20-40_eis

in den Breiten 20/30/40 mm,

29,00 / 39,00 / 49,00 EUR je nach Riemenbreite

Grubengerbung natur













Karolinger, West- und Ostfranken, Ottonen im IX.-X. Jh

Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“ Ermoldus Nigellus, Lobgedicht auf König Ludwig den Frommen und Elegien an König Pippin 828c.7

Trotz der Überfälle mit Gebietsverlusten, Schwächung der Wirtschaft und Infrastruktur blieben die fränk.-karolingischen Herrscher die Herren Westeuropas und prägten, durch Kirche und Christentum beeinflußt, mit ihrer bewussten Hinwendung zu antiken Traditionen und mediterranen, bzw. byzantinischen Formen die kulturelle Entwicklung. Die nord- und osteuropäischen Völker orientierten sich in ihrer Gesellschaftsform, in Kleidung, Mode und Sitten an der fränkischen und oström.-byzant. Kultur, profitierten vornehmlich von der Sachkultur. Sie integrierten und formten Gegenstände in ihrem ästhetischem Empfinden um, brachten ihre Formen nach Britannien, Irland, Island, Grönland, in die Normandie, ins Baltikum oder bis tief nach Rußland hinein. Sie unternahmen als Händler extrem lange Reisen, oft monate- und jahrelang unterwegs, um bsplw. das ersehnte Miklagard/Byzanz zu erreichen. Sie besiedelten neue Räume und gaben Impulse für die Gründung neuer Reiche, gestalteten Europa in den nördlichen Randzonen. Die Rus-Reiche gingen einen Sonderweg mit der Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut. Auch die Normandie war ein Sonderfall, da hier die Übernahme kontinentaler Sitten die nordische Kultur überwog, sichtbar am Burgenbau, der Sprache und an der Ausbildung einer effektiven Kavallerie, richtungsweisend für die kommenden Zeiten. [Leider kann ich zu normannischen Gürtelformen keine Belege bringen, da der Bayeux-Teppich nicht aussagekräftig genug ist, der Normandiebesuch weit in meiner Kindheit zurück liegt, ich auf Sizilien und auch in England bislang noch keine Originalfunde gesehen habe. Vielleicht wird mir ein freundlicher Leser eines Tages hierzu Hinweise geben können...] Nachdem sich im XI. Jh, nach fränk. Vorbild, in den skandinavischen Ländern Königtümer etabliert hatten und jene sich untereinander befehdeten, wurden nun ihre Küsten von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach den Zerstörungen in den dänischen Thronwirren Mitte des XI. Jhs das Ziel einer slawischen Attacke 1066 und bewirkte die Umsiedlung der meisten Bewohner nach Schleswig.

Zwei wichtige Punkte sollten nicht unerwähnt bleiben, da sie prägend für den weiteren Verlauf des Mittelalters waren und viele heutige Darsteller, vor allem für das HMA, bzgl. Quelle und Ausstattung berühren werden, auch wenn dies ein Vorgriff ist, liegen die Ursprünge doch in karolingischen Zeiten. 1. Das Gefolgschaftswesen der Spätantike zeigt sich auch bei den Karolingern und in Skandinavien mit den Haustruppen der Könige, Fürsten und Bischöfe, dem Gesinde, angelsächs. „gesiths, bei Karl dem Grossen persönlich die „aulici“, die Hofleute, die oft, auch auf dem Schlachtfeld, an der Spitze des Heeres standen. Ihre Ausrüstung wurde vom Gefolgschaftsführer („hersir), Fürst („lord) oder Herrscher („ruler) gestellt, war damit qualitätvoll und überdurchschnittlich. Im Klosterplan von St. Gallen war ein Gebäude speziell für die Gefolgschaft der vornehmen Reisenden vorgesehen.

Notger berichtet von Geschenken am Hof Ludwig des Frommen: „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“8

2. Erwähnenswert ist auch das fränk. Eigenkirchensystem, das ebenso eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand.9 Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig in Gallien/Neustrien die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan=ländlich wurde synonym mit heidnisch), ließ eher ausländische Eiferer von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei den jeweiligen Grundherren fanden. Jene betrachteten, durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung, neu errichtete Kirchen und Klöster als ihr Eigentum und die erwirtschafteten Erträge kamen ihnen zugute. Es wurde nun üblich Bestattungen in und bei den Kirchen vorzunehmen.10 Den Stiftern sollte noch Jahrhunderte später gedacht werden, so entstanden u.a. Grabskulpturen, die dem hochmittelalterlichen Darsteller als Quelle dienen können. Denn die Ausstattung dieser Skulpturen ist in der Regel, der Entstehungszeit nach, von der Gotik geprägt, auch wenn die Lebensdaten der Dargestellten weit zurück in der Vergangenheit liegen, manchmal bis in karolingische Zeiten. Diese Skulpturen sind Ausdruck eines „Geschäfts um das Seelenheil“, veranschaulichten die Präsenz der Verstorbenen in der Liturgie der Messfeiern, den Lebenden zur Mahnung ihrer gedenkend. Dazu wurde deren Namen und Todestage in Nekrologen (Totenbücher) aufgelistet, die zugleich Privilegien und Schenkungen der Empfänger rechtlich festhielten, sie zur Abhaltung der Messen verpflichteten. Armenspeisung und Zuwendung an die Mönche konnten sich anschließen.

Zentralisierung oder Dezentralisierung ?

Die Macht der regionalen Fürsten in den westlichen und östlichen karolingischen Reichsteilen war enorm gewachsen, da jene zur Abwehr der äusseren Gefahren unverzichtbar waren. Es begann sich ein Netz von frühen Befestigungen über ganz Europa zu spannen, das stärkte die dezentralisierten Regionalmächte. Denn der Mobilität der Invasoren an vielen Punkten war in erster Linie nur mit einer defensiven Strategie zu begegnen. Der Aufbau einer Offensivwaffe, als schwer gepanzerte Kavallerie, war finanziell nur mit dem Ausbau von Landwirtschaft und Lehnswesen zu erreichen, das erzeugte Abhängigkeiten, stärkte letztendlich den regionalen Adel an der Spitze der sozialen Hierarchien. Die Macht der karolingischen Könige war oft nur mehr Anspruch, stützte sich lediglich auf die eigene Hausmacht mit Grund und Boden und war abhängig vom Zuspruch der kirchlichen Vertreter, deren Grundbesitz sich stetig vergrößerte. Das gesamte Mittelalter war geprägt von dem ständigen Kampf der Legitimation einer Zentralmacht, was sich übrigens auch in der Neuzeit nicht geändert hat. Doch der Hochadel tat alles, um diese Macht zu brechen, die eigene zu erhöhen und genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen. Im X. Jh lösten sich die Ottonen, die sich politisch stark auf die Kirche stützten, von den alten Zentren der karolingischen Macht und den Zentren der spätrömischen Kultur an Maas, Mosel, Main und Rhein, verlagerten ihre Hausmacht deutlich in die neuen Gebiete des Ostens an die Elbe. Das war eine neue Zielrichtung der Reichspolitik, genauso wie der häufige „Sprung“ über die Alpen, um das Kaisertum zu beleben. Beides war richtungsweisend für Jahrhunderte.



Fibelreplikate IX.-XI. Jh








IX.







Birka / Dorestad





Karolingische Kissenfibel

Interessanter Typus aus dem fränkischen Reichsgebiet, der ähnlich auch bei den Sachsen, Friesen und in Birka gefunden wurde (Grab 854). Wohl paarweise getragen, war er bei den Wikingerfrauen begehrt. Wie oben beschrieben lassen sich bestimmte Formen auf dem Kontinent archäologisch nicht in der Zahl nachweisen, wie in Nordeuropa. Doch man wird davon ausgehen können, daß die Anzahl der getragenen Stücke auf dem Kontinent um ein Vielfaches grösser war.

Zum Vergleich siehe etwas aufwändigerer Typus in „Wikinger am Rhein“, S. 153



IX_Kissenfibel_bz

2,2 x 1,5 cm in rot/grün

Paar: 45,00 EUR

- momentan nicht lieferbar -



Die paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht zur röm. Kaiserzeit bei den Germanen üblich und wurde mit der Mehrfibeltracht in Skandinavien und im Baltikum über viele Jahrhunderte beibehalten. Auch Bernstein- und Glasperlenketten waren ebenso Relikte aus frühen germanischen Zeiten und finden sich sowohl in merowingerzeitlichen, als auch in nordischen Frauengräbern. Auf dem Kontinent wurde im Westen durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur einzeln getragenen Scheibenfibel vollzogen. Bis zu 5 cm grosse oft sehr prunkvolle Scheibenfibeln konnten auf dem Kontinent seit dem VII. Jh Bestandteil der Frauentracht gehobener Schichten werden. Einfachere Exemplare in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder etwas aufwändiger in Bronze mit Emaille geziert, fanden auch in die Wikingermode Eingang. Sie wurden seit der Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen:








IX.

-

XI.





Dorestad / Haithabu

Karolinger

Ottonen

Salier




Kreuzfibel mit Emaille, häufige Verbreitung in den nördlichen und westlichen Reichsgebieten (siehe z.B. Funde aus Dorestad, Rijksmuseum Leiden), aber auch in Haithabu und im skandinavischen Raum.

Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, gleicher Fibel-Typus mit Grubenschmelz auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“11 Siehe auch Funde der Entersburg bei Hontheim. Vermutlich sind diese Fibeltypen als Massenprodukte in den Werkstätten des Rheinlandes entstanden.



IX-XI_Kreuzfibel_bz

Durchmesser 2,9 cm

je 35,00 EUR









X.

-

XI.







Ottonen / Salier

Slawen / Rus / Byzantiner



Kreuzornament mit Kreispalmetten, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

...Gruppe von Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzantinischen Goldschmiedekunst übernommen worden.“12 Ähnlich siehe auch die Straubinger Fibel.



X-XI_Scheibenfibel_bz

Durchmesser 3,6 cm

momentan lieferbar nur rot/gelb -

je 35,00 EUR





Exkurs - Textilreste in nordischen Gräbern:

Zum archäologischen Nachweis der Textilien benötigt man gute Erhaltungsbedingungen, wie dies beispielsweise bei koptischen Stoffen in trockenen klimatischen Verhältnissen hervorragend möglich ist. Unter den vielen Funden aus Ägypten wird u.a. ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs auch als Gürtel angesprochen.13 Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren klimatischen Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell. Nur selten lassen sie sich nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- und 228 Wollfragmente geborgen und die Leinenreste erhielten sich in der Mehrzahl nur zufällig durch die Verwendung beim Teeren und Kalfatern der Schiffe im Hafen dieser Handelsstadt. Leinenfragmente wurden in Birka in den reich ausgestatteten Gräbern gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur die Begüterten leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.14 Leinen war in Nordeuropa wohl lange Zeit ein exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. Pflanzliche Stoffreste sind hauptsächlich durch die Ionisierung (Grünspanbildung) und Eintränkung bei Buntmetall- und Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden nur als fossile Bildungen auf der Oberfläche der Korrosionskruste.15 In der Regel beschränkt sich damit die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber der gehobenen sozialen Schichten. Denn nur hier sind in der Regel ausreichend Bunt- und Edelmetalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. In Zusammenhang mit den Ovalfibeln an den Trägerröcken wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete Leinenhemden der sozialen Eliten beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzant. Vorbildern.16 Aus 169 der 1100 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs.17 Die 169 „Textilgräber“ enthielten fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung, mit dem Grundgewebe meist aus Leinen (Flachs) oder Wolle, die fast alle in irgendeiner Form zusätzliche Seiden-, oft Silber- oder seltener Goldfäden aufwiesen! Manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Birka hat viele seiner Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Denn Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der vorangegangenen röm. Kaiserzeit waren ausnahmslos aus Wolle. Die Sagas berichten hingegen von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten. Seit der röm. Spätantike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Diese Sitte wurde von der sozialen Elite der Germanen nachgeahmt und war auch zu merowingisch-karolingischen Zeiten selbstverständlich. Demnach verhielt sich die nordgerman.-skandinavische Führungsschicht nicht anders.

Die Diskussion über Gürtel in Wikinger-Frauengräbern ist bekanntlich ein Dilemma. Oft fehlen uns dort metallene Gürtelreste. Stoffgürtel sind denkbar, aber nur durch Metalle würden sich Stoffreste nachweisen lassen, in der Regel: Ohne Metall - kein Stoffrest. Die Kleidungsstücke von Herjolfsnes und diverse Moorfunde sind Glücksfälle, Stoffgürtel konnten bislang hier nicht entdeckt werden. Als Denkmodell ist ein Stoffgürtel als Bindegürtel ohne Schnalle auch in Skandinavien nicht ausgeschlossen [Belege dazu stehen noch aus, der Rus-Bereich soll sie wohl zeigen, aber auch hier fehlen mir noch eindeutige Belege]. Ein reiner Stoffgürtel vergeht genauso wie der Rest der Kleidung und bleibt damit nicht nachweisbar.

















XI.

-

XII.


Unsere Quellen für das XI.-XII. Jh.:

Für das Reichsgebiet18 wurde die schwierige Quellenlage, aufgrund mangelnder Grabfunde, bereits oben erläutert. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Diese Ortschaften bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und sogar Landwirtschaft (!) betrieben wurden. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben zeitlich breiter gestreute Funde.

Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Auch Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden. Metalle scheinen in der Gürtelmode selten zu sein. Eine Erklärung könnten byzantinische Modeformen sein, mit einer hohen Anzahl von Bindegürteln, s.u., nach Vorbildern aus dem islamischen Kulturkreis, die vollkommen ohne Schnalle und Senkel auskommen.

Skulpturen aus dem X./XI. Jh sind selten, eher grobschlächtig und machen zur Gürtelmode in der Regel kaum Aussagen, wie das Steinrelief der Münsterpatrone in Brixen. Im XII. Jh mehren sich die Belege, siehe unten ...

XI.-XII. Jh

- Romanische Formen -

Geschnallte Schwertgurte auf dem Bayeux-Teppich XI. Jh

Gürtel der Salier- und Stauferzeit XI.-XII. Jh

Eisensporen



Der byzantinisch-italienische Einfluß in der Mode:

Die Gewandung der unteren Volksschichten und der Kleriker war traditionell auf die Spätantike zurückzuführen. Das einfache Volk blieb den kürzeren Tunikaformen behaftet, die vom Adel als „altfränkisch“ = unmodern angesehen wurden. Neue Moden stammten vornehmlich aus Italien, das unter dem Einfluß der Kulturgüter des mächtigen oströmischen Byzanz stand. Nicht erst die Krönung Karls des Kahlen in Rom 875 19 oder die Heirat Ottos II. mit der byzant. Kaisernichte Theophanu 972 brachten byzantinische Sitten und Mode in den Westen. Man vermutet, daß das Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen (zw 976-1025 datiert) mglw. aus dem Brautschatz der Theophanu stammt, der Mutter Ottos III., jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten. Die kostbaren Stoffe waren nicht selten Erzeugnisse der kaiserlichen Staatsweberei in Zeuxippos. Bereits im IX. Jh sollen Kenntnisse der Seidenraupenzucht mit der sarazenischen Eroberung von Nordafrika nach Sizilien gelangt sein. Die Seidenweberei ist dort seit dem X. Jh nachweisbar, auch nachdem Seidenhandwerker aus Theben und Korinth 1147 zwangsweise nach Palermo deportiert wurden. Rohseide wurde Ende des XII. Jhs nach Lucca verhandelt, wohin wohl auch fertige Gewebe gelangten. Die dortigen Handwerker übernahmen islamische Motive. Abgewandelt wurden sie zu einem Markenzeichen der Seidenweberstadt, die im XIII. Jh auch einen besonderen Ruf in der Färbung der kostbaren Seide erlangte, bis die Weber nach Venedig abwanderten.20 So legte Friedrich II. 1215 einen Seidenstoff bei der Verschließung in den Karlsschrein, den er wohl aus seiner sizilianischen Heimat mitgebracht hatte. Die Staufer besaßen mit Sizilien, und insbesondere mit Palermo, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Edle Stoffe werden im XII. und XIII. Jh sehr häufig als Tribut, Abgabe und auch als Beutestück von Italien nach Dtld gelangt sein. Denn die dt Könige „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen und die Entlohnung bestand nicht selten aus kostbarem Gut jeglicher Art, das den ausgeplünderten italienischen Städten gewaltsam genommen wurde. Enorme Werte hatte allein Heinrich VI. 1194/95 auf 150 Saumtieren, nach Erlangung der siz. Königswürde, von Sizilien nach Dtld bringen lassen, der später aufgefundene Schatz König Rogers noch gar nicht mitgerechnet.21


Gürtel verdeckt, leider häufig auf Abbildungen des XII. Jhs

Bindegürtel sind auf Statuen bereits in der Spätantike nachweisbar, z.B. aus dem II. und III. Jh. in Metz, Bindegürtel waren auch im gesamten Mittelalter üblich, finden sich auf Skulpturen und Abbildungen besonders häufig vom XI. bis zum XIII. Jh.. Allerdings muß genau hingeschaut werden, denn es gilt klar von der Stofffältelung der Oberbekleidung im Schrittbereich zu unterscheiden. Bei den Bindegürteln war, Abbildungen nach, das Material meist Stoff, im militärischen Bereich auch Leder, siehe die gebundenen Schwertgurte. Ähnliche Formen könnten allerdings auch im zivilen Bereich getragen worden sein? Bindegürtel aus einfachen ungefärbten Leinenstoffen waren Zeichen besonderer Schlichtheit, wie der „erhaltene Mariengürtel“ im Domschatz zu Aachen (Beute aus Konstantinopel 1204)22 oder auf dem Elisabethzyklus Lübeck von 1440. Sie werden auch als Bruchengürtel der Männer, als Leibriemen bei Kindern, Mägden oder bei den Orden verwendet. Bei den begüterten Schichten waren exklusive Seidengürtel seit dem FMA üblich.

Die Grundidee dieser Gürtelart weist sowohl in die Antike, als auch in den islamischen Kulturraum, nach Persien und über Indien bis nach China und wurde von Byzanz fortgeführt, siehe z.B. Jesus Gürtel auf der Marienikone um 1230 in der Gnadenkapelle der Alten Kapelle in Regensburg. Auf Kruzifixen werden Bindegürtel vielfach dargestellt, nicht nur als Bruchen- bzw Lendentuchgürtel. In der frühen Phase der, aus Byzanz importierten oder angeregten, Christusdarstellungen ist der „König der Juden“ oft voll bekleidet und trägt einen Stoffgürtel, Beispiele in Lucca, Barcelona oder Braunschweig aus dem XII. Jh. Auch bei den, mit einem Lendentuch bekleideten, Darstellungen des „Viernageltypus“ (Füße nebeneinander) ist der Stoffgürtel noch üblich. Erst bei den gotischen Formen des „Dreinageltypus“ (Füße übereinander), zum Ende des XIII. Jhs, verschwindet der Gürtel und es bleibt nur das Lendentuch.23 Untere Volksschichten werden eher Gürtel aus Wolle oder Leinen aus eigener handwerklicher Produktion getragen haben. Sie hierzu Kreuzigung aus Girona von 975, aus dem XII. Jh. Wächter im Kreuzgang der Abbaye St-Foy von Conques oder Abel und Kain von Anzy-le-Duc in Burgund, den „Träger“ vom Eulenturm in Hirsau, das Handwerkerkapitell aus Vezelay von ca. 1135, Stuttgarter Passionale von ca. 1150, Portalplastik der Kapelle von Schloss Tirol von 1138, in der St. Michaelis Kirche Schleswig um 1150 oder Apostel an der Schottenkirche Regensburgs vor 1180, Handwerker auf der Bronzetür Magdeburg-Nowgorod 2. Hälfte XII. Jh., Skulptur aus der Kirche in Schoengraberg vom Beginn des XIII. Jhs oder Wandbilder aus dem Kloster Müstair/Schweiz, auch hier Knechte und niederrangige Personen mit Bindegürteln.24 Den Abbildungen nach sind sie noch bis ins XVI. Jh üblich (siehe den oben erwähnten Elisabethzyklus aus Lübeck von 1440, das Passionsretabel in Chalons-en-Champ von 1420, Skulptur der Kirche in Avioth aus dem XV. Jh., Bouts Kreuzigung, heute in Granada, von ca. 1470 oder Baegerts Heilige Sippe in Dortmund von 1520, uvam).


Imervardkreuz_Braunschweiger Dom um 1173

Krypta_Naumburger Dom

Schloß Tirol, profane Darstellung um 1150








XI.

-

XII.

Bindegurte und Schnallengürtel in der Romanik:

Für Zentraleuropa haben wir vom XI. bis XII. Jh nur wenige sicher datierbare archäologisch geborgene metallene Gürtelteile. Die Gründe sind vielfältig und nicht ausschließlich auf die geänderten Grabsitten der Christianisierung zurückzuführen. Wie bereits angesprochen, müssen wir teilweise mit gänzlich anderen, sehr speziellen Gürteltypen rechnen. In obertägig erhaltenen Kunstwerken, vor allem zeitgenössischen plastischen Darstellungen, darunter auch Kruzifixe, sind oben beschriebene Bindesysteme, recht häufig. Zur Materialkunde halte ich Querverweise zu Textilresten in den Birkagräbern oder zu obertägig erhaltenen Textilien aus den Kirchenschätzen für zulässig. Die Oberschichten zeigen auf Abbildungen recht breite Stoffgürtel, die man sicher eher als Schärpe bezeichnen würde, wie in der byzant. Mode seit dem X. Jh üblich, ohne Überlänge, eng um die Taille geschlungen, vom Muster elegant auf die Gewandsäume abgestimmt. Seide galt als wichtiger Bestandteil dieser textilaufwändigen und stoffreichen „imperialen Mode“ der Ottonen, Salier und Staufer.

Erst in der 2. Hälfte des XII. Jhs mehren sich Nachweise für Gürtelschnallen auf Abbildungen, hptsl. aus England oder Frankreich, schon mal auf Reichsgebiet, wie die „Rittermarionettenspieler“ 1185 im Hortus Deliciarum_V. Abbildungen der ottonischen oder salischen Epoche zeigen in der Regel im zivilen Bereich wenig Details und die Mode des Adels mit bodenlangen Gewändern ermöglicht hinzu nur geringe Einblicke in die Gürtelmode. Der Gürtel ist vorhanden, aus Leder oder Stoff, wird aber meist von der Fülle des Gewandes überdeckt. Im militärischen Bereich ist, neben dem gebundenen Schwertgurt, durchaus schon mal ein zusätzlicher geschnallter Gurt zu sehen z.B. in der Biblia Sacra_151v vor 1175. Nur wenige Statuen der romanischen Baukunst auf Reichsgebiet stehen als aussagekräftige Quellen zur Verfügung, wie in Arles, Schwäbisch Gmünd oder Konstanz. Frankreich und Spanien sind da ergiebiger. In den nächsten Jahren werde ich meine Forschung in diese Richtung intensivieren. Schnallen und viele Ausrüstungsgegenstände scheinen, gemessen an späteren Erscheinungsformen, oft grob und überdimensioniert, Objekte der höheren Gesellschaftsschichten zuweilen recht opulent und ausdrucksstark. Erst in der zweiten Hälfte des XIII. Jhs werden die Formen eindeutig schlichter. Sie sind im HMA nie „smoothie“ wie unsere Reenactment-Varianten, wirken eher „sperrig“. [Ich stoße bei Reenactern oft auf Ablehnung, je enger man sich Originalen annähert. Unsere wunderbar geglättete heutige Formensprache, an denen unsere Augen gewöhnt sind, können viele nicht überwinden...]

Vorhandenen Skulpturen dieser Zeit wirken geheimnisvoll, wie das Portal der Schottenkirche in Regensburg, datiert vor 1180, „streng“ und oft wenig detailfreudig, siehe z.B. Maria und Johannes in der Domschatzkammer Fritzlar vor 1200. Veränderungen wird erst der neue Baustil der „Gotik“ mit sich bringen. Die Strenge der Skulpturen offenbart eine autoritäre Welt. Farbigkeit minderte einst die Strenge, vermittelte Lebendigkeit, uns heute aber oft vergangen, so daß die ursprüngliche Aussage verzerrt wirkt. Man baute wehrhafte Gottesburgen, in denen nur Platz für gottesfürchtige Werke war. Überhaupt ist die Überlieferung der „romanischen“ Kultur und ihrer Formen vornehmlich an die geistliche Welt gebunden. Das einfache Volk nehmen wir, sehr einseitig geschildert, oft nur durch seine religiösen Verhaltensweisen wahr, bsplw. in der Massenbewegung des Pilgerwesens, des Reliquienkults oder der Kreuzzüge. Und doch ist es der Träger des Systems. Ohne die Arbeitsleistung der Masse wären die Großbauten nicht möglich gewesen, Adel und Klerus nicht zu Reichtum gekommen und das Feudalwesen zusammengebrochen.



Bindegürtel aus Stoff Chartres um 1150



Schnallengürtel

mit runden und rautenförmigen Beschlägen

oder Nachahmung eines Musters (!)

Schwäbisch-Gmünd um 1180-90


Schnallengürtel Kreuzgang Arles um 1180



Gürtel mit flach geschmiedeten geschwärzten Eisenschnallen

Das Eisen, was aus den Rennöfen gewonnen wurde musste durch weiteres Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Erst im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe weiter auf der Seite XIV-XV. Jh.






XI.

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XV.

D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet, deshalb lassen sie sich auch nur schwer genau datieren, kommen aber bei vielen Grabungen ans Tageslicht. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind im HMA nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung, für alle militärische Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr.25 Wobei bei letzteren auch Rollschnallen mit Hülsen oder drehbarem Dornrast in Gebrauch waren, wie sie heute aus div. Material ebenso noch verwendet werden.



IX-XV_15 bis 40_eis

Riemen natur geölt

[Schnalle flachstabig]



IX-XV_20eis an 20 mm Riemen montiert 29,00 EUR

IX-XV_25eis an 25 mm Riemen montiert 35,00 EUR

IX-XV_30eis an 30 mm Riemen montiert 39,00 EUR

IX-XV_40eis an 40 mm Riemen montiert 49,00 EUR

[Hier hochwertiges vegetabil gegerbtes Naturleder in Zaumzeugqualität, da es allen Anforderungen genügen soll. Die Schnallen sind angenäht. Breiten von über 4 cm werden archäologisch in der Regel dem Zaumzeug zugerechnet]



Gürtelrekonstruktionen XII. Jh








XII.


Staufer

Nach Krabath sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar. „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.“26



XII-XIII_01_me

mit 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR



mögliche Senkel-Verzierungen

[kann natürlich auch auf den Schnallenblechen angebracht werden, damit die Kombinationen harmonisch wirken, archäologisch sind allerdings eher Schnallenbleche nachweisbar und es fehlen uns meist dazugehörige Senkel]











XII.




Schnalle XII.-XIII. Jh.

Quelle: Winchester Grabung,

schlichter Typus, auch im Reich geläufig, siehe

Zierbeschlag nach D. Ellger (Hrsg.), Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des Mittelalters in Westfalen I, 1979



XII-XIII_05_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 85,00 EUR




XII-XIII_06_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 6,5 x 2,2 cm

montiert 90,00 EUR

Die Schwarzfärbung des Riemens ist für das XIII. Jh. sicher nachweisbar, für das XII. Jh. scheint möglw. ein Riemen in natur oder dunkelbraun sinnvoller, obwohl es technisch sicher genauso möglich war. Meine älteste Abb. eines schw. Riemens stammt von ca. 1220-30, die Manesse zeigt eine Reihe jener und letztendlich wird Schwarz Modefarbe im Spätmittelalter, so daß man es m. E. bei früheren Darstellungen mglw. meiden sollte, um sich deutlich von späteren abzugrenzen.












XII.

-

XIII.







1200c Speculum virginum

Der weisse Schwertgurt aus Wildleder war ein Standessymbol und stammt aus einer Zeit vor dieser Abbildung, in der das Binden von Gürteln schlichtweg üblich war.



Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der Schwertgurt für den Ritteradel

Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 75,00 EUR

Der weisse Gurt ist ausschließlich dem „Ritter“ vorbehalten. Im Reich bis zum Anf. des XIV. Jhs wird er nur geschlauft. In anderen Ländern sind auch Schnallen beim Rittergurt üblich.



Schwertgurt_02_natur

50mm Riemen Hirsch natur

bspwl. für Ordensbrüder

montiert 75,00 EUR

Knechte tragen wohl eher geschnallte Schwertgurte mit angenähten Schwertscheiden, ohne geschlaufte X-oder Z-Bindung, siehe Reliefs „Kindsmörder“ vom Portal aus Arles 1180 oder aus dem Kreuzgang der Abbey de Fontcaude XIII. Jh, siehe auch Abb. aus Bilderbibel_Fkrch 1200c oder aus dem Kristina Psalter_Daenemark 1230.










Eisensporen original 1190-1226c Burg Nienbrügge, Hamm27

Quelle: Ausstellung „Aufruhr“, Herne.

Die geraden Bügelschenkel weisen auf einen älteren Sporentypen hin. Leider ist die Riemenbefestigung nicht erhalten.


Eisensporen IX.-XII. Jh

mit geraden Schenkeln, langer Dornstange und einfacher konischer Spitze

inkl. Riemen und Schnallen,

optimal für Normannen bis Darsteller Salierzeit, wurden aber auch noch danach getragen, siehe Bspl. aus Nienbrügge.

montiert 60,00 EUR








XI.

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XIII.

Der Umbruch in eine neue Zeit:

Viele Bauten der „Romanik“ wurden im Auftrag des hohen Adels oder der Kirche errichtet. Es war eine Architektur der Herrschenden, als Ausdruck der neu gefestigten Macht, nachdem in Europa seit dem X. Jh vielfach anarchische Zustände geherrscht hatten. Denn in der Abwehr äußerer Gefahren, gegen Nordmannen und Magyaren, war der regionale Adel gegenüber den Königshäusern sehr mächtig geworden und führte untereinander Fehden. Diese Bürgerkriege liessen Europa über Jahrhunderte kaum zur Ruhe kommen. Die Kirche versuchte mit dem „Gottesfrieden“ jenen Einhalt zu gebieten, die mit dem Recht des Stärkeren agierten. Durch innere Reformen gestärkt und letztlich mit dem Aufruf zum Kreuzzug gelang es vorübergehend einen „miles christi, den Gottesstreiter, zu bilden, der im Dienst des Christentums, zu dessen Schutz und Verbreitung, kämpfen sollte. So wurde aus dem Berufskrieger eine von Kirche und Gesellschaft anerkannte Person, die ein eigenes Standesbewußtsein entwickelte. Salische und staufische Könige, oft mit dem Hochadel in Konflikt, bauten ihre Macht auf den niederen Ritteradel und auf die unfreien Dienstmannen (servientes oder ministeriales) im engen Treueverhältnis. Diese Amtsleute wurden vom Grundherrn (König, Fürst, weltliche oder geistliche Macht) als abhängige Vertreter eingesetzt, die Steuern eintrieben, Verwaltungsaufgaben übernahmen, ein Lehen erhalten oder sogar niederes Recht sprechen konnten. Unter Konrad II. (1024-39) begann die Herausbildung der Ministerialen, indem er an unfreie Dienstmannen Lehen vergab, als wirtschaftliche Basis für die Ableistung des Kriegsdienstes mit Rüstung und Pferd. Sie bewohnten befestigte Wirtschaftshöfe oder Stadtburgen, zunächst aus Holz errichtet, später aus Stein, wie die ihrer adeligen Vorbilder. Der Ausbau der Befestigungen war Ausdruck des gestiegenen Selbstbewußtseins und der wachsenden rechtlichen und sozialen Stellung. Im Gegensatz zu den befestigten Sitzen des Hochadels bevorzugten Ministeriale die Nähe zu ländlichen Siedlungen, was ihre ursprüngliche Herkunft deutlich unterstreicht. In den Städten waren sie als Bürger zugelassen und konnten bis ins Patriziat aufsteigen.28 Sie gewannen Ansehen und vermochten zuweilen als fromme Stifter für die Ausstattung von Kirchen aufzutreten, wie der Schultheiß (Richter) Wolfram und seine Ehefrau Hiltiburc, die die grosse Bronzeskulptur des „menschlichen Leuchters“ (mit Bindegürtel) um 1157 im Dom zu Erfurt stifteten. Der Hintergrund der Stiftung war, wie so oft, die Ableistung einer Buße und keine großzügige Gefälligkeit! Ministeriale besassen als Lehnnehmer/-träger das Privileg der Steuerfreiheit. Sie brauchten keine regelmässigen Abgaben zu entrichten, wurden jedoch bei Übertragung oder Erlöschung der Lehnspflicht, bei Mannfall, Herrenfall oder Heimfall zu teilweise recht hohen Gebühren herangezogen.29 Ministeriale konnten in entscheidenden Situationen enorme politische Bedeutung gewinnen, wie Diepold von Schweinspeunt, der während der Thronwirren in Dtld nach 1200 in Süditalien Reichsinteressen in Abwesenheit der Oberhäupter vertrat, allerdings mehrmals die Seiten wechselte, zum Grafen aufstieg und durch Otto IV. kurzzeitig mit dem Herzogtum Spoleto belehnt wurde.30

Die feudalen Kreise mit ihrem stilvollen Lebenswandel wurden zum Vorbild der Gesellschaft, das bei sozial tiefer stehenden Personen in vielerlei Hinsicht Nachahmung fand, nicht zuletzt bei der aufstrebenden Schicht des Bürgers.31 In den Städten schuf man sich ein behagliches Umfeld des guten Geschmacks. Personen niederen Standes, sind für uns als Individuen nur schwer fassbar und erscheinen bestenfalls als „Monatsallegorien“ und kleinen Figuren an Kapitellen romanischer Basiliken, architektonisch in den „Dienst des Kirchengebäudes gezwungen“, verschwinden in der Masse fast vollkommen zugunsten einiger weniger privilegierter Standespersonen. Auch von jenen existieren mit den Steinskulpturen meist keine lebensnahen Porträts, wie viele glauben, sondern idealisierte Darstellungen, die erst von den Nachfahren, manchmal hundert Jahre später, errichtet wurden.





Quellen und weiterführende Literatur:

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde. Stockholm 1986.

- Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog Westfäl. Landesmuseum Herne, Mainz 2010.

- Das Reich der Salier 1024-1125. Katalog zur Ausstellung d. Landes Rh.-Pfalz, RGZM u Diözesanmuseum Mainz, Sigmaringen 1992.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern. Uppsala 1938.

- Goll, J. / Exner, M. / Hirsch, S.: Müstair. Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkirche, Zürich 2007.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015.

- Hinz, B.: Dom St. Peter zu Fritzlar. Stift, Kloster und Domschatz, Kassel 2002.

- Krabath, St.: Die hoch- u spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Küppers-Braun, U.: Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen, Essen 4. Aufl 2008.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus. Haithabu, Schleswig 2012.

- Leenen, St.: Die Isenburgen an der Ruhr, Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Bd. 52, Darmstadt 2011.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Wald-Michelbach 1998.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter. Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg. Sydvestjyske Museer 2009.

- Weinfurter, S. (Hrsg.): Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im ma Europa. Ausstellungskatalog Mannheim 2010.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.





V.-VIII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Grundsätzlich gilt es zwischen Messing- und Bronzeprodukten zu unterscheiden. Während Bronze (Kupfer/Zinn) seit Jahrtausenden hergestellt wurde, da Kupfervorkommen häufig und Zinn in Europa zumindest an mehreren Orten zugänglich war, galt Messing (Kupfer/Zink) als erheblich schwieriger zu produzieren, weil das notwendige Galmei nur in wenigen Regionen anstand, wie an der Maas. Im Sauerland gab es Vorkommen, aber der Abbau ist nachweisbar erst für das XVI. Jh in Iserlohn sicher belegt, hingegen für Kupfer bereits für das XII. Jh. Nach aktuellen Forschungsstand war ein Niedergang der röm. Messingproduktion mit der Völkerwanderung zu verzeichnen, während ein Aufschwung zu karolingischen Zeiten erfolgte. Zur Buntmetallverarbeitung siehe Beispiele ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen, nahe der Hohensyburg, oder im heutigen Stadtbereich Dortmund am Adlerturm, in Braunschweig oder im heutigen Frankenland in Eggolsheim bei Forchheim vom IV.-IX. Jh, uvam. [siehe Details auch Anmerkung auf der V_VIII-Seite]

2/Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung im Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Wichtiger war möglicherweise das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen.

3/Geijer, Birka III, S. 138.

4/Maixner, Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten, S. 125ff.

5/Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197.

6/Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166.

7/nach Ausstellung im WikMus. Haithabu.

8/Haegg, Inga: Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu. Ausgrabungsbericht Nr. 20, 1984, S. 153f

9/Grundsätzlich kurz eingeschoben mal eine Anmerkung in eigener Sache: Die Kirche und das Christentum müssen auf diesen Seiten notwendigerweise angeführt werden, da sie im Themenkomplex „Mittelalter“ unvermeidlich sind. Ich will damit aber keine „Lanze“ brechen für die Kirche, dazu stehe ich dieser Institution zu fern und weiß um deren verursachte Gräuel und Lügen in der Geschichte, wie oft, wenn Religion und Staat miteinander verknüpft sind. Denn es geht um Machterhalt und da ist „Wahrheit“ ein sehr subjektiver und dehnbarer Begriff. Mag Religion einem gesellschaftlichen Zweck für ethische Normative dienen, immer ist sie „man-made“ und damit lächerlich störanfällig, als daß sich dahinter wahrhaft Göttliches erkennen liesse. Egal wie die persönliche Einstellung dazu ist, die meisten werden in der Darstellung mit dem Christentum zu tun haben, Ihr liebe „Wikinger“ übrigens irgendwann auch, he, he..., also liebe Heiden, freut Euch des Lebens, irgendwann wird es freudlos bieder. Die Harfe dürft Ihr später wohl mitnehmen, aber jubiliert wird nur noch in den höchsten Tönen...

10/Bereits ab dem VII. Jh verstärkte sich die Tendenz bei den Kirchen zu bestatten. Die Bestattung in der Kirche war ursprünglich nur Geistlichen, den Laien-Stiftern und -Eignern vorbehalten. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen erweiterte sich im SMA der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen so oft frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren, siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41.

11/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 132.

12/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 119.

13/Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106.

14/Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinerne Tuniken trugen auf dem Kontinent auch die gut ausgestatteten sozial höherstehenden Kleriker in den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg VII. Jh, genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Aber auch in diesen Fällen waren die Erhaltunsgbedingungen überdurchschnittlich.

15/Hägg_2015, S. 64f. Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark, siehe Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S. 51. Durch die Beifunde mit Schwert und Zaumzeug haben wir hier einen Vertreter der Oberschicht vor uns, als Gefolgschaftsführer oder Fürst. In der Regel sorgen Eisenkorrodierungen lediglich durch den Abdruck der Textilien für schlechtere Forschungsergebnisse als bei der Grünspanbildung, wobei Textilreste und -schichten erhalten bleiben. Hinzu sacken Eisengeräte mit ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und erlauben so nur geringe stratigrafische Aussagen.

16/Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015, S. 70 u 124. Im IX. Jh wurde in Birka meist Wollstoff für den Trägerrock verwendet und im X. Jh eher Leinen. Versuche für die Erklärung des Modewandels liegen in den engeren Beziehungen Birkas zu den Kiewer Rus, den Slawen und byzantinischen Anregungen.

17/Geijer, Birka III, S. 11ff.

18/„Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162].

19/Scott, Kleidung und Mode, S. 16.

20/Weinfurter, Die Staufer und Italien, Bd. II, S. 78f.

21/Deschner, Kriminalgeschichte VII, 27.

22/Deschner, Kriminalgeschichte VII, S. 97.

23/Inhaltlich erfolgte damit ein grosser Umbruch. Der ältere „Viernageltypus“ ermöglichte es Christus stehend darzustellen, so daß er die Arme triumphal ausbreiten konnte. Beim „Dreinageltypus“ nahm der durch beide Füße getriebene Nagel die aufrechte Haltung und demonstrierte das Hängen und Leiden des Körpers [siehe auch Hinz, Dom Fritzlar, S. 38]. Christus wurde als König und strenger Weltenrichter abgelöst durch Christus den Leidenden mit der Dornenkrone, in der Betonung der Wunden und der Passionswerkzeuge. Die menschliche Natur Christi stand nun im Vordergrund. Der Betrachter sollte am Leiden Christi Anteil nehmen und dies nachempfinden. Diese imitatio Christi war Teil des neuen Armutideals, das seit dem XII. Jh immer wieder gefordert und nicht zuletzt durch Wanderprediger und die neuen Bettelorden seit Anfang des XIII. Jhs propagiert wurde. Päpste, wie Innozenz III., setzten das neue Ideal ein, um auf „friedlichem Wege“ Häretiker der unteren Schichten in den „Schoß der Kirche“ zurückzuführen.

24/Ich möchte betonen mir durchaus bewusst zu sein, daß die sehr stoff-und faltenreiche Oberbekleidung in der Mode des XII. Jhs auch Formen zeigt, die einen Bindegürtel vortäuschen können. Es war wohl üblich die Tunika im Schritt in grosse Falten zu legen, auch konnte sie einen Reitschlitz aufweisen, siehe Skulpturen der Kreuzabnahme von den Externsteinen oder das Pfeilerrelief aus Zürich in Das Reich der Salier, S. 493. Es gilt also genau hinzusehen.

25/Haedeke, BERG und MARK, S. 35. Um 1150 musste Eggihard zu Haarhausen an seinen Grundherrn, die Abtei Werden, neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch Kessel und andere eiserne Geräte liefern. Das Schmiedehandwerk wurde von den Bauern vermutlich im Nebenerwerb betrieben und an den grösseren Herren-/Oberhöfen können diverse Handwerker vorausgesetzt werden, Schmiede waren unverzichtbar.

26/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 137.

27/Die Burg Nienbrügge an der Lippe westlich des heutigen Hamm, wurde um 1190 erstmals erwähnt, vermutlich durch Graf Arnold von Altena-Isenberg errichtet und vor März 1226 zusammen mit der dazugehörigen Siedlung zerstört, siehe Leenen, Die Isenburgen a d Ruhr, S. 107.

28/Das „Patriziat“ ist der Stadtadel gewesen. Im Namen war er nicht immer durch ein „von“ gekennzeichnet. Konrad Grünemberg (c1442-94), Verfasser des Reiseberichts einer Pilgerfahrt nach Jerusalem 1486 war Baumeister, Ratsmitglied und mehrfach Bürgermeister, entstammte einem Patriziergeschlecht der Stadt Konstanz. Heute sind die Standessymbole der Patrizier, die „Geschlechter-Türme“ der Stadtburgen, zunächst in Holz, später in Stein errichtet, in manchen Städten Italiens und Dtlds, wie in Karden/Eifel, in Trier („Frankenturm“ um 1100) oder mehrfach in Regensburg, noch deutlich sichtbar. Scheinbar konkurrierten die adeligen Familien untereinander nach dem Motto „wer hat den höchsten...“.

29/Der Lehnsträger oder -nehmer war durch Treueid verpflichtet sich mit der ganzen Person in Rat und Tat für die Interessen des Lehnsherrn einzusetzen. Mannfall bedeutete den Tod des Lehnsträgers und der Erbberechtigte musste binnen eines Jahrs und Tags die Neubelehnung einholen. Es wurde verlangt, daß Pferd und Harnisch, Heergewäte oder Herwardium durch den Rechtsnachfolger des Verstorbenen herausgegeben wurde, das zeigt deutlich, daß Lehen und Ausrüstung nur zeitweilig im Besitz des Nehmers und Eigentum des Lehnsherren waren! Beim Herrenfall verstarb der Lehnsherr und der Lehnsträger hatte ein Geschenk in Form einer Gold- oder Silbermünze zu entrichten für die Recognitio als Vasall, dazu kamen die Kanzleigebühren für die Neuerstellung des Lehnsbriefs. Der Heimfall bedeutete eine grundsätzliche Neubelehnung, nachdem alle Rechte an den Lehnsherrn zurückgefallen waren, was aber wohl nur selten vorkam. Die Erbfolge wurde durch das Dienstmannrecht oder Manngutrecht geregelt, bei letzterem waren nur männliche Nachkommen erbberechtigt, bei erstem auch weibliche Verwandte als Kunkel- oder Weiberlehen, die aber eine „Vermannungspflicht“ hatten, um einen waffenfähigen Dienstmann zu stellen. Dazu wurden im Stift Essen z.B. im XIV. Jh Lehnprotokolle schriftlich fixiert. Durch Wegfall/Entfremdung vieler Lehen an Grund und Boden wurden sie dort später auch auf Ämter, Gerichtshoheit, Zehnte, diverse Einkünfte, Höfe, Bachläufe, Fischereien, Mühlen, etc. ausgedehnt. Noch im 18. Jh waren seit dem MA tradierte Symbole bei der Besitzergreifung des Lehens üblich, wie das Ausbrechen und die Übergabe eines Stückchen Holzes aus dem Türrahmen bei Übernahme eines Hofes, Übergabe eines Zweiges bei einem Waldstück, Torf bei einer Wiese oder Halm bei einem Feld, usw., siehe Küppers-Braun, Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen, S. 30ff.

30/Deschner, Kriminalgeschichte VII, S. 57.

31/Südeuropa schritt in diesen Belangen weit voran. In Aragonien bekam die bürgerliche Oberschicht Saragossas bereits 1118 alle Rechte geborener Hidalgos, niedriger Adeliger! Wie in vielen europ. Ländern stützten sich auch hier die Könige auf die neu aufstrebenden Städte gegen den revoltierenden Uradel (ricoshombres) und Niederadel (hidalgos). Die Städte erhofften sich Frieden, Recht und sicheren Handel. Dazu gründeten sie Bünde (hermandades), wie auch im Reich und stellten sich in den Dienst der Monarchie gegen den Adel und die Grundherren. Abgeordnete des Bürgertums sassen seit dem XIII. Jh neben Adel und Geistlichkeit in den Cortes und konnten, ähnlich wie in den Niederen Landen, zu Zeiten der Thronwirren des XIV. Jhs den Königen Konzessionen abtrotzen. Mit Erlangung gehobener rechtlicher Stellungen ist die Übernahme feiner Sitten nur allzu nachvollziehbar.