V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Historischer Kontext IX. Jh:

Die Franken beherrschten unter Karl dem Großen große Teile des Kontinents. Doch wurde das Reich unter seinen Nachfahren vor allem seeseits von Nord und Süd unablässig bedrängt und lange Zeit konnten die Angriffe so gut wie nicht abgewehrt werden. Einziges Mittel blieb die Befestigung der Küsten- und Ufersiedlungen und gegenüber den Reitervölkern der Ausbau des Feudal- und Lehnwesens zur finanziellen Absicherung eines Reiteradels. Im Innern wirkte die administrativ stabilisierende Struktur der Kirche in den Städten und das wirtschaftlich starke Klosterwesen des missionierenden Mönchtums auf dem Land, prägend für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Die königliche Zentralmacht war überfordert, verlor an Macht und Ansehen, während die Sicherungsmaßnahmen dazu beitrugen den regionalen Adel zu stärken. Trotz fortwährender Überfälle mit Schwächung der Wirtschaft und Infrastruktur, auch anhaltenden Gebietsverlusten, blieben die fränk.-karolingischen Herrscher die Herren Westeuropas und prägten, auf Kirche und Christentum begründet, durch ihre Hinwendung zu antiken Traditionen mit mediterranen und byzantinischen Formen die kulturelle Entwicklung.

Stütze der Macht und Rückgrat jeglicher sozialer Hierarchie war im Reich, wie auch bei seinen Gegnern, das Gefolgschaftswesen. Es zeigte sich bei den Karolingern und in Skandinavien mit den Haustruppen der Könige, Fürsten, Jarls und Bischöfe, dem Gesinde, angelsächs. „gesiths“ und bei Karl dem Großen persönlich die „aulici“, die Hofleute, die oft an der Spitze des Heeres standen. Ihre Ausrüstung wurde vom Gefolgschaftsführer („hersir), Fürst („lord) oder Herrscher („ruler) gestellt und hat damit als überdurchschnittlich zu gelten. Im Klosterplan von St. Gallen war ein Gebäude speziell für die Gefolgschaft der vornehmen Reisenden vorgesehen. Notger berichtet von Geschenken am Hof Ludwig des Frommen (reg 814-40): „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke ...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“1

800-1025

Abb. eines Grafen und Kirchenstifters in Mals/Vinschgau Anf IX. Jh

Gürtel der Karolinger, Slawen, Skandinavier IX. Jh

Gürtel der Magyaren und der Ottonenzeit X. Jh

Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh

Gürtel der Wikingerzeit IX.-XI. Jh

Fibelreplikate IX.-XI. Jh




Abkürzungen unten: eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen und Quellenkritik für die Karolingerzeit:

Auf dem westeuropäischen Kontinent stellte das Auslaufen der Grabbeigabensitte durch die Christianisierung unter den späten Merowingern und Karolingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Bestandteil der Kleidung oder als Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Der archäologische Fundanteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall ist in Westeuropa verschwindend gering, gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der vorangegangenen frühen und mittleren Merowingerzeit. Da die archäologische Quellenlage der Karolingerzeit dürftig ist, neigte man bislang dazu diesen Betrachtungszeitraum grundsätzlich als „buntmetallarm“ anzusehen. Neuere Forschungsergebnisse vermitteln aber ein anderes Bild.2 In den nördlichen und östlichen nicht-christianisierten Bereichen Europas zeigen Grabfunde, daß dort Metalle jeglicher Art in die Erde gekommen sind. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind erlaubt, wo sich Metalle in dieser Häufung nicht unmittelbar oder in gänzlich anderem Kontext dokumentieren lassen, wie bei Siedlungsgrabungen. Karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Skandinavier, der Slawen und Balten, Polen, Böhmen und Mähren, der Slowenen und Kroaten überdauert. Sie gehörten auf dem westl. Kontinent zum Alltag. Es gab dort kein Bedürfnis sie aufgrund von Bestattungen unter die Erde zu bringen. Christliche Begräbnisse hatten für die Angehörigen den Vorteil keine kostbaren Beigaben, nur aufgrund von gesellschaftlicher Konvention und Prestige, zu verlieren, wie es im Norden und Osten Europas üblich war.3 Es war hinzu kostengünstiger Messen durch Priester lesen zu lassen. Die Hinterlassenschaften wurden vererbt oder „recycelt“ und mit vorhandenen Ressourcen in wirtschaftliche Kreisläufe eingebunden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe. Altmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von hptsl. Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Hort-/Depotfunde von kostbarem Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh zeigen viele kostbare fränkische Stücke. Es gibt aber auch Horte von gebräuchlichem Eisen im niederösterr. Thunau um 900. Ein wirtschaftlicher Aufschwung war auf dem Kontinent allgemein zu verzeichnen, nachdem die Drangsal der Awaren-, Slawen-, Wikinger- und Magyarenüberfälle endlich nachließ.

Erwähnenswert für das Sozialsystem und zu Gräbern als „versiegende Quelle“ ist das fränk. Eigenkirchensystem, das eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand.4 Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig in Gallien/Neustrien die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan = ländlich, wurde synonym mit heidnisch), ließ eher „ausländische Eiferer“ von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei den jeweiligen Grundherren fanden. Jene betrachteten, durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung, neu errichtete Kirchen und Klöster auf ihrem Grund und Boden als ihr Eigentum (Eigenkirchen), sie konnten verkauft oder vererbt werden und die erwirtschafteten Erträge kamen ihnen zugute. Das stand eindeutig im Widerspruch zur röm-kathol Lehre von der Einheit des Kirchenvermögens. Es wurde seit dem VII. Jh vermehrt üblich Bestattungen bei und später vom Adel auch in diesen Kirchen vorzunehmen.5

Im IX. Jh wurde nach den Sachsenkriegen eine große Reliquientranslation aus England und vor allem aus Nordfrankreich in das Sachsen- und Thüringergebiet von Werden bis nach Hamburg und Freckenhorst bis nach Quedlinburg und Erfurt vorgenommen. Auch Aachen, Hersfeld, Fulda und Würzburg mussten Reliquien abgeben. In den Kirchen- und Klosterschätzen sollten sich im Verlauf des MAs eine ganze Reihe Objekte erhalten. Oft wurden sie dem profanen Bereich entnommen und in die sakrale Sphäre überführt, wie Leuchter, Stoffe, Kästchen, Möbel, etc. und erlauben in begrenztem Maß Einblicke in Aspekte der Alltagskultur gehobener Schichten. So wurden u.a. kostbare Hochzeitsgewänder des Adels nicht selten der Kirche vermacht, die sie zu liturgischen Kleidungsstücken umarbeitete. Mancher Reliquienbehälter diente vorher ganz profanen Zwecken. Trotz der Fülle heutiger Domschatzkammern sollen nach dem Domschatzmuseum Minden nur 0,2 Prozent aller Kirchenschätze die Zeiten überdauert haben!


Priesterliche Gewandung läßt sich aufgrund der erhaltenen Stücke, aufgrund von archäologischen Funden, Abbildungen und Textquellen gut rekonstruieren. Kostbare Stoffe und Goldborten können, den Abbildungen nach vorausgesetzt werden, um der Würde des geistlichen Amtes Ausdruck zu verleihen. Hrabanus Maurus nahm 819 Bezug auf eine alttestam. Textstelle, beschrieb aber zeitgenössische liturgische Gewänder. Er benannte ausdrücklich ein Cingulum oder Balteus. Mit diesem Gürtel wurde das leinene Untergewand (tunica albea), die Albe, gerafft. Als Oberbekleidung trug der Priester darüber die Dalmatika und bei den Messfeiern noch die Kasel. Die „Albengürtel“ wurden nach „gallischer Variante“ mit einer grösseren Zunge, auf den Oberschenkel herab hängend, getragen. Auf zeitgenössischen Abbildungen des IX. Jhs sind sie deutlich hervorgehoben und wirken sehr breit. Erhaltene Exemplare, mit segnenden Inschriften, zeigen Breiten zwischen 2 und etwas über 4 cm, sind meist aus kostbaren Edelmetallen mit aufwändigen Verzierungen. Die Albe wurde stark gerafft, so daß Schnalle und Gürtel ansonsten nicht zu sehen sind. Die zweite Variante war der „römische Typus“ als Bindegurt mit zwei lose herab hängenden Enden, die unter der Dalmatika in Schienenbein- oder Knöchelhöhe sichtbar waren und in Quasten oder/und quadratischen Beschlägen ausliefen. Bedingt sind Ableitungen zur weltlichen Bekleidung der Oberschicht erlaubt, wie es Abbildungen verdeutlichen.



Gürtelrekonstruktionen der Karolingerzeit, der Slawen und Skandinavier VIII.-IX. Jh








VII

-

VIII



Slawen / Merowinger

Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind seit der auslaufenden MWZ die geläufige Form. Mglw lag ihr Ursprung bei den Reitervölkern, denn kleine Ausführungen sind gut an Sporengarnituren nachweisbar. Kontakte in den östlichen Raum machen eine Übernahme unter Merowingern und Karolingern erklärbar,

siehe fränk. Funde VII. Jh aus Palenberg/Qualburg bei Kleve oder Kaarst (Schnalle bz u Blech Eisen) [siehe dazu verschiedene Beispiele auf der Seite V.-VIII. Jh], aber auch Funde aus Münster Anf des IX. Jhs. oder der Slowakei (Großmähr. Reich).






VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

ohne Zunge

montiert 49,00 EUR



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR








VII

-

VIII



Merowinger / Skandinavier (Vendel)

D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, Funde aus dem FMA siehe Hirrlingen V./VI. Jh oder Haithabu X./XI. Jh

Zur Zunge links siehe ähnliche Funde in Krefeld-Gellep um 700 und aus Donauwörth mit Ornament im auslaufenden Tierstil II. Die äussere Form ähnelt Stücken der Zaumzeuge in Grab 17 von Beckum I, 575c datiert, und Grab 34 von Beckum II um 600. Hier wurden allerdings davon abweichende schlichtere Dekors verwendet.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Übergang Tierstil II zu III (Vendelzeit),

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Übergang Tierstil II zu III (Vendelzeit),

montiert 85,00 EUR






IX

-

X



Karolinger / Slawen

Fund vom Herrenhof Thunau mit karolingischer Datierung vor 900, die Ausführung hat einen höheren Rahmen als unsere Nachbildung. Der markante „Perlrand“ ist auch noch erheblich später an einer Skulpturenschnalle im Kreuzgang von Arles um 1180 zu finden.



Die rechts verwendete Schnalle hat einen flacheren Korpus als das oben abgebildete Original.



VIIII_XII_005a_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot),

mit mgl Kerbschnitt Zunge U 01_bz

montiert 85,00 EUR



Kerbschnitt Zunge U 01_bz

Zunge nähert sich im Stil einem Bzblech vom Christenberg, nördl von Marburg, vor 800, an. Ähnlichkeit auch zu einem Schwertgurtbeschlag aus Westernkotten bei Unna.









IX

-

X



Karolinger / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien oder skandinav. Exemplare.

Zunge im Stil des Bzblechs vom Christenberg, vor 800. Ähnlichkeit in der Stilistik auch zu einem Schwertgurtbeschlag aus Westernkotten bei Unna.




VIIII_X_001a_bz

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

mit mgl Kerbschnitt Zunge U 01_bz

montiert 95,00 EUR



VIIII_X_001a_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

mit mgl Kerbschnitt Zunge U 01_me

montiert 95,00 EUR








IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien, die der „Birka“-Form und auch weiteren Stücken aus dem dänischen Duesminde-Hort ähnlich ist.



IX-X_001b_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_02_bz od me

montiert 99,00 EUR



Einfache rechteckige und „U“-förmige Riemenzungen sind häufig in karolingischen Zeiten. Kleine Exemplare finden sich bei aufwändigen Sporengarnituren, grössere Exemplare wurden in Skandinavien gerne zu Fibeln umgearbeitet. Auch Teile von Kleeblattverteilern wurden als Riemenzungen verwendet, da sich im Fundgut fragmentiert bearbeitete Verteiler finden.







IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich häufig in reich ausgestatteten Gräbern, wie in Kolin als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh oder paarweise als Bestandteil der Sporengarnitur. In Skandinavien tauchen sie dann einzeln als Gürtelobjekt in den Gräbern auf.



VIIII_X_001c_ me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_03_me

montiert 95,00 EUR



VIIII_X_001b_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv (Abb me)

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_02_bz od me [Alternativbefestigung]

montiert 99,00 EUR






IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen



Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh sehr massiv und etwas grösser dimensioniert.




VIIII_X_004f_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 120,00 (Zunge e) / 110,00 EUR (Zunge f)



Zungenvarianten e und f_bz






IX

-

X



Skandinavier / Slawen

Typ Birka Grab 750

Stilisierte Akanthusblüten zeigen deutlich, daß die Schnalle aus dem Karolingerreich stammt und wie Zungen, Fibeln, Kleeblattverteiler oder Schwerter im Norden begehrte Artikel waren, weiter verwendet oder umgearbeitet wurden.




IX-X_002d_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 (Abb bz)

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

mögliche trapezförmige Zunge_bz od me 6,2 x 1,8 cm

montiert 89,00 EUR



IX-X_002d_me Leder rot








IX

-

X



Skandinavier

Typ Birka Grab 750



Zunge ähnliche Form in Birka, Kombination also durchaus möglich. Im Grab war eine Zunge mit Akanthus-Stilistik vergesellschaftet.



IX-X_002e_bz oder me

Schnalle Birka Gr750 (Abb me)

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

mögliche Zunge Tierkopf_bz od me

montiert 89,00 EUR



mögliche Tragweise IX-X_002d








Zentralisierung oder Dezentralisierung der Macht?

Die Macht der regionalen Fürsten in den westlichen und östlichen karolingischen Reichsteilen war enorm gewachsen, da gerade sie in erster Linie die äusseren Gefahren abwehrten und Grenzregionen sicherten. Es begann sich ein Netz von Befestigungen über ganz Europa zu spannen, was regionale Machthaber stärkte. Denn lange wusste man nur mit einer defensiven Strategie der Mobilität von Invasoren zu begegnen. Der Aufbau einer Offensivwaffe, vornehmlich schwer gepanzerte Kavallerie, war finanziell mit dem Ausbau von Landwirtschaft und Lehnswesen zu erreichen, das erzeugte Abhängigkeiten und stärkte wirtschaftlich letztendlich wiederum den regionalen Adel, sofern das Königshaus nicht treue Mittelsmänner einzusetzen wusste, wie später „Ministeriale“ im Reich oder „Sheriffsin England. Die Zentralmacht der karolingischen Könige war oft nur mehr Anspruch, stützte sich lediglich auf die eigene Hausmacht mit Grund und Boden und war zudem abhängig vom Zuspruch der kirchlichen Vertreter, deren Grundbesitz sich durch „fromme Stiftungen“ stetig vergrößerte. Das gesamte Mittelalter war geprägt vom ständigen Kampf der Legitimation dieser Zentralmacht. Der Hochadel tat alles, um diese Macht zu brechen, die eigene zu erhöhen und genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen. Im X. Jh lösten sich die Ottonen, politisch auf die Kirche gestützt, von den alten westlichen Zentren der karolingisch-fränkischen Macht und der ehemaligen spätrömischen Kultur an Maas, Mosel, Main und Rhein, besannen sich auf ihre Hausmacht der eigenen sächsischen Gebiete an der Elbe, im Harzvorland und wählten Magdeburg als neuen Machtmittelpunkt. Von dort erweiterten sie ihre Territorien und machten die slawischen Stämme zwischen Saale, Mulde und Elbe tributpflichtig. Das war eine neue Zielrichtung der Reichspolitik, genauso wie der häufige „Sprung über die Alpen“, um das Kaisertum zu beleben. Beides war richtungsweisend für kommende Jahrhunderte. Im XII. Jh sollte dann eine verstärkte Ostkolonisation einsetzen mit Rodungen und Urbarmachung von Land. Denn bislang waren die „stolzen Marken“ im Osten eher durch ausgedehnte Waldgebiete gekennzeichnet und weniger durch ausgebaute Infrastruktur. Ortschaften wuchsen und die steigenden Bevölkerungszahlen begünstigten Marktflecken, privilegiert durch die Territorialherren.








Zeitalter der Ottonen X. Jh













Quellen und Quellenkritik für die Ottonenzeit im X. Jh:

Für das Reichsgebiet6 ändert sich an der schwierigen Quellenlage, aufgrund mangelnder Grabfunde, nichts. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Diese Ortschaften bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und Landwirtschaft betrieben wurden, da dörfliche Strukturen überwogen. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben demnach zeitlich breiter gestreute Funde.

Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Letztere dienten in den meist beigabenarmen Gräbern als Leichentuchverschlüsse. Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Bzgl der Gürtelmode sind Metalle nur schwer zu dokumentieren. Grabfunde scheiden auf Reichsgebiet aus und lassen sich nur exterritorial erfassen, Skulpturen und Abbildungen sind selten oder zu „grob gearbeitet“, daß solche Details meist untergehen.

Der byzantinisch-italienische Einfluß in der westfränkischen und ottonischen Mode und die Verwendung von Seide:

Die Gewandung der unteren Volksschichten und der Kleriker war traditionell auf die Spätantike zurückzuführen. Wobei die sakralen Kulttrachten ehrwürdiges Alter, Privilegien und Unantastbarkeit ausdrückten. Auch die Herrscher folgten antiken Traditionen, um Legitimation oder auch Ansprüche zu verdeutlichen, so wusste man sich in ausgewählten Repräsentationsmomenten durchaus standesgemäß „römisch“ zu kleiden. Das hieß speziell im Fall des Westfranken Karl (II.) dem Kahlen (reg. 843-877) bei seiner Kaiserkrönung in Rom 875 oder 876 anläßlich einer Kirchenversammlung im oströmischen Gewand mit dalmatischem Talar und vermutlich oben skizzierten Bindegürtel, der bis zu den Knöcheln reichte. Zu Beginn der Kirchenversammlung war Karl der Kahle noch in fränkischer Tracht erschienen.7 Er provozierte mit der „griechischen Gewandung“ bewußt die übrigen Herrscher Europas, formulierte seinen Machtanspruch in Anlehnung an das byzant. Kaiserhaus, was sich brüskiert sehen musste, denn der Basileus in Konstantinopel verstand sich als einziger legitimer Nachfolger der röm Caesaren seit Augustus. Über Jahrhunderte war dies ein probates Mittel auch der Ostfranken und den Ottonen seit der Erneuerung des westlichen Kaisertums und noch die Staufer sollten dieser Traditionslinie folgen. Herrscherkleidung musste in der Öffentlichkeit beredt sein, meist konservativ und konnte auch völkische Elemente beinhalten, wie von Karl dem Großen oder Otto I. bekannt, schwächere Herrscher konnten sich das später nicht mehr erlauben. Das einfache Volk blieb den kürzeren Tunikaformen behaftet, die vom Adel als „altfränkisch“ = unmodern angesehen wurden. Denn Adel und Hofstaat waren die Vorreiter in modischen Dingen. Auch von der Herrschergattin wurden kostenaufwändige modische Extravaganzen erwartet, die ihrem Ehemann nicht gestattet waren, da Tradition in seinem Fall äusserlich sichtbare Zeichen der Stabilität bedeuteten! Neue Moden stammten vielfach aus Italien, das unter dem Einfluß der Kulturgüter des mächtigen oströmischen Byzanz stand. Byzantinische Sitten und Mode gelangten nicht zuletzt 972 mit der Heirat Ottos II. (reg. 973-983) und der byzant. Kaisernichte Theophanu in den Westen. Man vermutet, daß das Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen mglw aus dem Brautschatz der Theophanu stammte, der Mutter Ottos III. (reg. 983-1002), jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten.

Jahrtausende lang lag auf der begehrten Seide ein chinesisches Monopol und der kostbare Stoff durfte das Land nicht verlassen. Seide galt in China als Zahlungsmittel und es verlockte Mehrwert zu schaffen, ein Zahlungsmittel mit begrenzter Haltbarkeit (!), der Wunschtraum vieler Ökonomen. Irgendwann setzte ein Handel über grössere Distanzen ein und die Wege, Transporteure und Händler waren streng reglementiert, aber es gab viele Versuche das chines. Monopol zu brechen. Mächtige nomadische Anrainer erpressten von den Chinesen Tributleistungen in Form von Seide. Diese gelangte über Zentralasien und den Vorderen Orient bis in den Westen. Die Einfallstore nach Europa waren vor allem Byzanz und dessen Ableger „Venedig“, bis es iranischen Völkern und den Byzantinern gelang selbst in die Seidenproduktion einzusteigen. Die kostbaren Stoffe waren nicht selten Erzeugnisse der kaiserlichen Staatsweberei in Zeuxippos. Bereits im IX. Jh sollen Kenntnisse der Seidenraupenzucht mit der sarazenischen Eroberung von Nordafrika nach Sizilien gelangt sein. Die Seidenweberei ist dort seit dem X. Jh nachweisbar und erweiterte sich 1147 mit der zwangsweisen Deportation von Seidenhandwerkern aus Theben und Korinth nach Palermo. Rohseide und fertige Gewebe wurde Ende des XII. Jhs nach Lucca verhandelt. Die dortigen Handwerker übernahmen islamische Motive. Abgewandelt wurden sie zu einem Markenzeichen der Seidenweberstadt, die im XIII. Jh einen besonderen Ruf in der Färbung der kostbaren Seide erlangte, bis die Weber nach Venedig abwanderten.8 Friedrich II. legte 1215 einen Seidenstoff bei der Verschließung in den Aachener Karlsschrein, den er wohl aus seiner sizilianischen Heimat mitgebracht hatte. Die Staufer besaßen mit Sizilien, und insbesondere mit Palermo, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Edle Stoffe werden im XII. und XIII. Jh häufig als Tribut, Abgabe und auch als Beutestück von Italien nach Dtld gelangt sein. Denn die dt Könige „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen, das verschlang Unsummen und musste finanziert werden. Die Entlohnung bestand nicht selten aus kostbarem Gut jeglicher Art, das den ausgeplünderten italienischen Städten gewaltsam genommen wurde. Enorme Werte hatte allein Heinrich VI. 1194/95 auf 150 Saumtieren, nach Erlangung der sizilianischen Königswürde, von Sizilien nach Dtld bringen lassen, der erst später aufgefundene Schatz König Rogers noch gar nicht mitgerechnet.9








Gürtelrekonstruktionen der Magyaren und der Ottonenzeit X. Jh










X





Magyaren / Slawen

Schnallen mit „hohem Rahmen“ sind bei den Reitervölkern eine geläufige Form, kleine Ausführungen stammen von Sporengarnituren. Sie streuen seit dem VIII./IX. Jh in den Westen, siehe Funde aus Münster Anf des IX. Jhs. oder aus der Slowakei (Großmähr. Reich).





Massive schwere Zungen finden sich bei den Reitervölkern seit sassanidischen Zeiten des VII. Jhs und gelangen in abgewandelten Formen immer wieder in den Westen.



VII-X_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[mehrteilige Garnitur möglich]



VII-X_010b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge groß,

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild Zunge noch nicht vernietet]










X





Magyaren / Slawen

Schnallen mit „vorgezogenem Dornrast“ sind typische Formen bei den Reitervölkern. So finden sie sich auch bei den Turkvölkern im Vorderen Orient, halten sich bei den Ungarn bis ins SMA und gelangen von in den Westen, so daß dort Schnallenformen seit dem XIV. Jh in diese Richtung beeinflußt werden.



VIIII-X_013c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[mehrteilige Garnitur möglich]



VIIII-X_013b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit vorgezogenem Dornrast_bz

und lanzettförmige Zunge groß,

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild Zunge noch nicht vernietet]








Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh

Eisen, aus den Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Erst im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs 8 - Eisenproduktion vom HMA zum SMA.






VII

-

XI



Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO.



Einfache ovale, D-förmige oder quadratische meist rund- oder flachstabig geschmiedete eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen.



Eis_20 „D“ rundstabig

lieferbar nur 20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[30 mm „D“ rundstabig nicht mehr lieferbar]



Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

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Eis_20 oval rundstabig [Typ siehe Abb. links]

20 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR






VII

-

XI




Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 35,00 EUR



Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 45,00 EUR



Eis_30 flachstabig mit Blech

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenietet 59,00 EUR






VII

-

XI



D“-förmig Eisen original Forchheim datiert XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet, deshalb lassen sie sich auch nur schwer genau datieren, kommen aber bei vielen Grabungen ans Tageslicht. Flache, rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung und für alle militärische Zwecke. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Pferdegeschirr zugerechnet. In Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Schnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite vor.10



Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 49,00 EUR



Eis_40 flachstabig

40 mm Riemen natur/braun ohne Zunge

momentan nicht lieferbar





Historischer Kontext:

Es ist legitim anzunehmen, daß die archäologischen Funde Nord- und Osteuropas ein Spiegel und Bruchteil der Gegenstände sind, die einst auf dem Kontinent im karolingischen Alltag üblich und möglich waren. Ähnlich wie das Röm. Reich als Leitkultur einst auf die vordrängenden Südgermanen wirkte, übte die kontinentale Entwicklung unter den Franken auf die Nordgermanen große Anziehungskraft aus. Nach Erkenntnissen aus den Birka-Gräbern sind sozial hochrangige Personen des IX./X. Jhs im Grabritus zuweilen recht auffallend ausstaffiert worden, um ihren Status deutlich herauszustreichen.11 Skandinavien war in dieser Zeit der „nördliche Ausläufer“ materieller Sachkultur. Die Gräberfelder der Merowingerzeit des VI./VII. Jhs geben Hinweis auf den ursprünglichen Schwerpunkt. Es ist wohl nicht gewagt zu behaupten: Hätte die Christianisierung nicht eingesetzt, ließe sich der Buntmetallreichtum auch für die spätmerowingisch-karolingische Zeit durch Grabfelder auf dem Kontinent mühelos dokumentieren. Es wird ein erheblich höheres Formenspektrum gegeben haben, als es uns heute den Anschein macht. Denn Sachsen, Awaren, Nordmannen, Sarazenen, Magyaren und Slawen konzentrierten ihre Begehrlichkeit auf die Quellen dieses Reichtums, durch Handel oder kriegerische Beutezüge. Das Ziel war das fränkisch dominierte Westeuropa, seit 843 endgültig in grosse Herrschaftsbereiche geteilt und durch interne Streitigkeiten geschwächt. Gerade in diese Zeit gegen Mitte des IX. Jhs fallen gewaltige Einfälle der Nordmannen, so daß Ostern 845 sogar Paris erobert und geplündert wurde. Viele Orte, Städte, Klöster und Kirchen an Rhein, Mosel, Maas, Schelde, Somme, Seine und Loire, samt ihren Nebenflüßen sollten in den folgenden Jahrzehnten Ziel dieser Beutefahrten werden. Es gelang den Nordmannen große Lager zur Überwinterung und als Stützpunkt weiterer Züge zu errichten, ohne daß sie behelligt wurden. Sie kontrollierten große Gebiete und ganze Landstriche gingen an die fremden Eroberer verloren.

In der Folge orientierten sich die nord- und osteuropäischen Völker in ihrer Gesellschaftsform, in Kleidung, Mode und Sitten an der fränkischen oder oström.-byzant. Kultur. Sie integrierten und formten Gegenstände in ihrem ästhetischem Empfinden um, brachten wiederum ihre Formen nach Britannien, Irland, Island, Grönland, in die Normandie, ins Baltikum oder bis tief nach Rußland hinein. Sie unternahmen als Händler extrem lange Reisen, oft monate- und jahrelang unterwegs, um bsplw das ersehnte Zargrad/Byzanz zu erreichen. Die Nordmänner machten Völker im Westen und Osten tributpflichtig, besiedelten die Räume und gaben Impulse für die Gründung eigener Reiche, gestalteten Europa in den Randzonen. Die Rusgründungen gingen einen „exotischen“ Sonderweg mit der Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut.

800-1066

- Wikingerzeit -

Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“



Gürtel der Wikingerzeit aus Haithabu und Birka

Gürtel der gotländischen Wikingerzeit und der Rus

[Rekonstruktionen des IX. Jhs, die unter „Karolinger“ aufgelistet sind werden hier nicht noch einmal wiederholt]




Quellen und Quellenkritik für die Wikingerzeit:

Gut dokumentierte Grab- und Hortfunde stammen aus vielen Teilen Skandinaviens, bsplw. aus Birka oder von Gotland, aus Norwegen, Dänemark, aber auch aus dem slawischen Mittel- und Osteuropa. Hinzu kommen aus küstennahen Siedlungen und Handelszentren, wie Helgö, Kaupang, Haithabu, Birka, Ribe, Dorestad, Starigard, aus den Fundorten des heutigen Groß Strömkendorf, Rostock-Dierkow, Ralswiek, Menzlin oder Wolin ebenfalls gut datierbare Funde zutage. Aus dem Inneren des Kontinents bringen erst Grabungen in den Stadtneugründungen ab dem XII./XIII. Jh. ähnliche Fundmengen ans Tageslicht.

Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“ Ermoldus Nigellus, Lobgedicht auf König Ludwig den Frommen und Elegien an König Pippin 828c.12


Die Bedeutung der Schiffe: Seit der Spätantike erweiterten sich die grossen Handelsströme vom Mittelmeer in den Nord- und Ostseeraum. Von dem effektivsten der Handelsträger, dem Schiff, profitierten naturgemäß vornehmlich die Küsten- und Flußhäfen, was sie wiederum mancher Begehrlichkeiten aussetzte, durch Personen, die nicht bereit waren für die Güter entsprechende Gegenwerte zu entrichten. Die skandinavischen Plünderer des IX./X. Jhs verfuhren nach einem altbewährten Muster, das ihre Vorfahren bereits zur röm. Kaiserzeit gegen die jütländische Küste oder die Sachsen im IV./V. Jh gegen die Küsten der röm. Provinzen in Britannien und Gallien angewendet hatten.

Die Größe der sächsischen Schiffe könnte dem des Nydam-Boots B entsprochen haben. Solche geruderten Ausführungen der Küstenschiffahrt, mit Eisennieten geklinkert beplankt, wurden bei den seegestützten Angriffen von Südskandinavien auf die jütische Halbinsel zwischen 150 und 500 AD genutzt, siehe Moor-/Opferfunde von Illerup Adal, Nydam Mose, Thorsberg, Ejsbol, Kragehul und viele weitere Opferfunde mit Heeresausrüstung. Die Angriffe, später mglw. auch regelrechte Invasionen der späteren „Dänen“ könnte, neben der allgemein postulierten Klimaverschlechterung, mit ein Grund für die Verdrängung/Umsiedlung und Nordseeüberquerung der germanischen Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh gewesen sein, deren Weiterentwicklung der Schiffstypen aus den Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 AD) zu entnehmen ist. Quellen berichten im VI. Jh auch von skandinavischen Angriffen auf die friesische Küste. Die Angriffe auf die westeurop. Küsten im IX./X. Jh folgten also einem altbekannten Muster, allerdings wurde die Schiffstechnik ausgefeilter, die Boote waren größer und seetüchtiger. Die Nestorchronik berichtet zu Olegs Feldzug gegen Konstantinopel 907 von Schiffen mit 40 Ruderern. Angelsächsische Chroniken erwähnen die ersten Norweger 789 in ihrer Gefilden und die meisten ihrer Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste. Die Plünderungszüge nahmen größere Dimensionen an, Ortschaften und Klöster wurden gezielt aufgesucht. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl den Großen, Ende des VIII. Jhs Skandinavier zu möglichen Plünderungsfahrten aufgefordert haben könnten. Denn ab 799 wurden mit den Angriffen an der Loire und ab 810 an der fränk.-fries. Küste auch der fränk. dominierte Kontinent zum Ziel gemacht, und nicht Klöster, sondern reiche Handelsorte wurden bevorzugt, was die fränk. Wirtschaft schädigte. Die Karolinger hatten sich auf Kosten vieler Völker zu den Herren Europas aufgeschwungen. Und es wäre ein probates Mittel gewesen nun die Franken an empfindlicher Stelle zu treffen. Nachdem sich im Norden herumgesprochen hatte, wie gewinnbringend solche Plünderungsfahrten waren, folgte Welle auf Welle. Gegen Ende des IX. Jhs steigerten sich die Angriffe der Nordmannen eines letztes Mal, die bis nach Köln und Aachen, Andernach und Trier gelangten und ab 879 mit einem großen Heer für mehrere Jahre durch Nordfrankreich zogen, den Raum komplett beherrschten. In den 880er Jahren gelangten sie bis nach Aachen, wo die königliche Kapelle von den Nordmannen als Pferdestall genutzt wurde. So waren es keineswegs nur die Schiffe, welche ihnen eine hohe Mobilität gab, sondern der Umgang mit Pferden war ihnen nicht unbekannt. Alle reich ausgestatteten nordischen Gräber zeigen kostbares und prestigeträchtiges Zaumzeug. Sieht man von den Schiffen ab, besassen die Nordmannen gegenüber den Karolingern keine überlegene oder anders geartete Waffentechnik, wie die Sarazenen mit einer hohen Zahl von extrem mobilen Fernkämpfern, denn im Gegenteil viele Waffen waren aus dem fränk. Reich importiert, der Vorteil lag in der Überraschung. Was die Karolinger hinzu traf, war die Umstrukturierung ihres Heeres. Aufgrund der Abwehr der Sarazenengefahr unter den Pippiniden und der langen Offensivkriege Karls des Gr war als Novum eine schwer gerüstete Kavallerie entstanden. Dazu benötigte man viel Geld. Die Freien, welche nicht als Reiter dienten, zahlten nun eher Kriegssteuer zugunsten der kleinen Reiterelite, als daß sie selber kämpften. Daraus resultierte eine Schwächung der meisten regionalen Infanterieeinheiten und die Franken haben seit jeher auf ihre starke Infanterie gesetzt. Das erschwerte die Verteidigung, denn mobilisierte Milizen und Bauern vermochten erfahrenen Kriegern in einer Feldschlacht nicht gegenüber zu treten. So verteidigten sie Festungen, um Zeit zu gewinnen, bis man ein mobiles Feldheer gesammelt hatte. Das war zeitraubend, aber eine andere Abwehrmöglichkeit gab es nicht, zumal die Karolinger keine nennenswerte Flotte besaßen.

Reiche Grabfunde lokaler Machthaber der Wikingerzeit verdeutlichen, vor allem in Dänemark, Anzeichen für starke Gefolgschaftsbindungen mit einzelnen starken Anführern („hersir“, Herr des Heeres, Heermeister) und einem kaum oder gar nicht ausgeprägten Königtum. Das änderte sich im Laufe der Zeiten, als sich die Verhältnisse zum Kontinent mit starker ottonischer Zentralmacht im X. Jh anglichen. Doch bis dahin verlangte der Erhalt der dezentralisierten Machtstrukturen immer neue Beute, kostbare Objekte, Edelmetalle oder Silbergeld, um Gefolgschaften zu erhalten. Die Ansammlung und der Reichtum weckte nicht nur Begehrlichkeiten untereinander. Nachdem sich im XI. Jh, nach fränk. Vorbild, in den skandinavischen Ländern Königtümer etabliert hatten und jene sich untereinander befehdeten, wurden nun ihre Küsten von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach den Zerstörungen in den dänischen Thronwirren Mitte des XI. Jhs das Ziel einer slawischen Attacke 1066 und bewirkte die Umsiedlung der meisten Bewohner nach Schleswig.







Gürtelrekonstruktionen der Wikingerzeit aus Haithabu

Die dänische Gründung vom Beginn des IX. Jhs weist im Fundgut skandinavische und kontinental-karolingische Formen auf mit slawischen und östlichen Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten nur weniger als 20% überhaupt Beigaben! Die Christianisierung faßte in Haithabu bereits ab Mitte des IX. Jhs. Nur die fürstlichen Kammergräber von 849v bis 950c waren als Ausnahme besonders reichhaltig ausgestattet.13




IX

-

XI

Haithabu

[Abb. nach Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 19714]

Die Schnallenfunde aus der Siedlungsgrabung zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagbleche, nur im Bootkammergrab befanden sich auch eiserne mit Blechen. Grössere Schnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch, neben Knochen/Bein, einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind die gebräuchlichsten Materialien dieser Zeit. Aus den Gräberfeldern wurden bislang weniger als 20 Schnallen aus Eisen, Bronze und Silber, letztere teilweise mit Beschlagblechen, geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen so klein, daß sie allgemein als Taschenverschlüße gelten, wie die bronzene Schnalle in Grab 128 im Flachgräberfeld, vergesellschaftet mit einer bronzenen Scheibenfibel mit Silbereinlagen. Ich sehe sie aber durchaus als Gürtelschnalle an, denn die stark verkrustete ovale Schnalle hat ein Außenmaß von 3,3 cm Breite und eine mögliche Riemen-/Durchzugsbreite von ca. 22 mm, das entspricht in der Größe durchaus anderen als Gürtelteile angesprochenen Fundobjekten. [Im Fundkatalog entsprechen die Größenangaben nicht den meinigen, denn bei Schnallen verwende ich Breite zu Länge genau umgekehrt wie Arents/Eisenschmidt. Ich messe die Schnalle in der Durchzugsbreite des Riemens, denn ich spreche ja auch von „Gürtelbreite“. Die Höhe wäre dann eher das Außenmaß der „Durchlaßhöhe“. Aber das ist der Unterschied zw. Anwendern und der Theorie vom Schreibtisch aus, wo Objekte losgelöst vom Verwendungszweck isoliert betrachtet werden].

[„Haithabu“-Schnallen siehe obige Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh]








Gürtelrekonstruktionen der Wikingerzeit aus Birka

Bis in die 1980er Jahre wurden in Birka rd. 1100 Gräber untersucht. Aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern wurden Gürtelteile geborgen, die teilweise unter fränk.-karolingischen Einflüßen stehen (s.o.). Hinzu kommen 32 Gräber mit „orientalischen“ Gürteln (s.u.), um 900 datiert, im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine Gefolgschaft östlicher Söldner, hinweisen. In nur 6,4% aller Gräber waren bislang überhaupt Gürtelteile nachweisbar. Grundsätzlich ist die geschlechtsspezifische Zuordnung manchmal schwierig, da anthropologisches Material meist vergangen ist.








IX

-

X



Birka

Typ Birka Grab 949



X_011_Birka_bz

Birka Gr949ae

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_bz

montiert 65,00 EUR



X_001_Birka_me

Birka Gr949ae

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_me

- momentan nicht lieferbar -








IX

-

X

Birka

IX.-XI. Jh Div Birka-,Haithabu- und karol. Formen bz, me

[„Birka“-Schnallen finden sich auch in obiger Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh]



Typ Birka Grab 1030




X_009_Birka_bz

Birka Gr1030ae

hier noch ohne Beschlagblech und ohne Zunge

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

montiert 39,00 EUR








Gürtelrekonstruktionen der gotländischen Wikingerzeit und der Rus

Auf Gotland ist die Anzahl der Gürtelteile in den 1100 untersuchten Gräbern recht groß. Die Insel vor der schwedischen Küste nahm in der Welt der Wikinger eine Sonderstellung ein. Neben den Gräbern wurden hinzu rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlich hoher Reichtum angehäuft hatte. Das Spektrum unterscheidet sich vielfach von den westlichen Formen und zeigt einen stärkeren Rus-Einfluß, bzw. Formen von reiternomadischen Völkern aus der russ. Steppe. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern.










X



Gotland

Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

mit Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





mögliche Tragweise










IX

-

X


Gotland/Rus

IX.-XI. Jh div.Gotland- und Rus Formen



[„Gotland u Rus“-Schnallen finden sich auch in obiger Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VII.-XI. Jh]

Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich, was keineswegs die Regel ist, manchmal sind Gürtel neben die Leiche gelegt. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. War der Zungenteil länger wurde er nach dem Umschlingen der Leiche also nicht unbedingt schön nach unten Richtung Knie drapiert, sondern zur Seite gelegt, mglw auch so getragen, wie es Abbildungen von skythischen Reiternomaden zeigen. Denn nur östlich beeinflußte Gürtelformen können längere Zungenteile aufweisen. Bei einer westlichen Gürtelform im Flachgräberfeld von Haithabu Grab 59 fanden sich Schnalle mit Beschlagblech und Zunge fast unmittelbar nebeneinander im rechten Beckenbereich. Da gab es wohl keinen längeren Zungenabschnitt.

Hinweis auf eine seitliche Tragweise mögen Riemenschieber sein, die sich manchmal im Fundgut finden, kleine Ausführungen bei Sporengarnituren, größere bei Gürteln. Ich würde es als Wikinger-Darsteller hinzu vermeiden den Gürtel nach der Schnalle zu schlaufen (denn kein Beleg vor 1300!). Es scheint bei westlichen Darstellungen angeraten das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu halten und es als Tragweise tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu zwängen, wenn kein Riemenschieber benutzt wird, da jener in der Reenactment-Szene allgemein Ablehnung findet, obwohl durch archäologische Funde zu belegen. Bei östlichen Darstellungen werden die Zungenabschnitte mglw länger gehalten werden können, was aber nicht unbedingt heißt, daß sie lose herab hingen, sondern wiederum mit dem Leibriemen verbunden oder untergeschoben worden sein können.










X









Gotland





Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/braun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 139,00 EUR










IX

-

X









Gotland



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 79,00 EUR

[es wäre möglich einen Verteiler anzubringen, wie auf dem Grabungsfoto oben]



IX-X_04_vs oder bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 69,00 EUR

[auch in bz erhältlich]








IX

-

X





Gotland

Typ Ksp. Hellvi/Gotland




IX-X_01_bz

Typ Hellvi/Gotland, hier allerdings o. Blech

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

hier Riemen natur unbehandelt

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR



IX-X_02_vs

Typ Ksp. Hellvi/Gotland ohne Blech

- Variante mit Blech siehe oben -

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR










X

-

XI

Reitervölker / Rus / Birka

X-XI_bulgar-chasar_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

[ähnliche Funde dieser „orientalischen“ Formen als Handelsgut in Haithabu, auch in Birka um 900 als Grabfunde im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine ausländische Kriegergefolgschaft hinweisen, oft Bestandteil mehrteiliger Garnituren / Beschläge dazu auf Wunsch möglich]

montiert 69,00 EUR



mögliche Tragweise

[Gürtel als Derivat einer mehrteiligen Garnitur]






tragweise alternativ (in beiden Fällen ohne die spätmittelalterliche „Schlaufung“, für die es nach meiner Kenntnis vor 1300 keine Belege gibt)















XI

Nordmannen in Frkrch/Normandie

Die Überlassung von Siedelgebieten in Nordwestfrkch an Skandinavier war folgenschwer. Dort begann die Übernahme kontinentaler Sitten die angekommene nordische Kultur gänzlich umzuformen, sichtbar an Sprache, am Burgenbau und am Feudalwesen mit der Ausbildung einer effektiven Kavallerie, richtungsweisend für die kommenden Zeiten. Das expansive Wesen der Normannen sollte sich nicht nur auf England beschränken, sondern erreichte auch Süditalien, Sizilien, Nordafrika, Teile Griechenlands und das Heilige Land während der Kreuzzüge. Letztlich strömte „normannisches Blut“ in den Adern vieler Königshäuser, selbst der Staufer Friedrich II. sollte eine Mutter aus normannischem Hause haben.

[Normannische Schnallenformen siehe unter „Salierzeit“ auf der nachfolgenden Seite XI.-XII. Jh]

Abb. vom Bayeux-Teppich mit geschnallten Schwertgurten und Zunge








Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Die paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht vor und zur röm. Kaiserzeit auch bei den Germanen üblich und wurde mit der Mehrfibeltracht in Skandinavien und im Baltikum über viele Jahrhunderte beibehalten. Auch Bernstein- und Glasperlenketten waren ebenso Relikte aus frühen germanischen Zeiten und finden sich sowohl in merowingerzeitlichen, als auch in nordischen Frauengräbern. Auf dem Kontinent wurde im Westen durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur Tunika und Umhang/Mantel mit der einzeln getragenen Scheibenfibel vollzogen. Bis zu 5 cm grosse oft sehr prunkvolle Scheibenfibeln aus wertigen Edelmetallen konnten auf dem Kontinent seit dem VII. Jh Bestandteil der gehobenen Frauentracht sein. Einfache Exemplare in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder etwas aufwändiger in Bronze mit Emaille geziert, fanden auch in die skandinavische Mode Eingang. Sie wurden seit der Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen.








IX







Sachsen / Friesen / Karolinger / Skandinavier



Karolingische Kissenfibel

Interessanter Typus aus dem fränkischen Reichsgebiet, der ähnlich auch bei den Sachsen, Friesen und in Birka gefunden wurde (Grab 854). Wohl paarweise getragen, war er bei den Wikingerfrauen begehrt. Wie oben beschrieben lassen sich bestimmte Formen auf dem Kontinent archäologisch nicht in der Zahl nachweisen, wie in Nordeuropa. Doch man wird davon ausgehen können, daß die Anzahl der getragenen Stücke auf dem Kontinent um ein Vielfaches grösser war.

Zum Vergleich siehe etwas aufwändigerer Typus in „Wikinger am Rhein“, S. 153



IX_Kissenfibel_bz

2,2 x 1,5 cm in rot/grün

- nicht mehr lieferbar -






IX

-

X





Sachsen / Skandinavier

Rautenfibel

Funde aus Uppkra, Menzlin, Birka, Haithabu und als südlicher Vertreter: Lippspringe um 900.




IX-X_Rautenfibel_bz und vs

bz 15,00 und vs 17,00 EUR








IX

-

XI







Karolinger / Skandinavier / Ottonen






Scheibenfibel Kreuz mit Emaille, häufige Verbreitung in den nördlichen und westlichen Reichsgebieten (siehe z.B. Funde aus Dorestad, Rijksmuseum Leiden), aber auch in Haithabu oder im nahe gelegenen Schuby und im skandinavischen Raum.

Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, gleicher Fibel-Typus mit Grubenschmelz auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“15 Siehe Funde der Entersburg bei Hontheim. Vermutlich sind diese Fibeltypen als Massenprodukte in den Werkstätten des Rheinlandes entstanden.



IX-XI_Scheibenfibel Kreuz_bz

Durchmesser 2,9 cm

je 35,00 EUR











X

-

XI







Byzantiner / Rus / Slawen / Ottonen / Salier



Kreuzornament mit Peltas, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

...Gruppe von Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzantinischen Goldschmiedekunst übernommen worden.“16 Ähnlich siehe die Straubinger Fibel IX.-X. Jh



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz

Durchmesser 3,6 cm

je 39,00 EUR

in dunkelblau/gelb oder rot/grün oder rot/gelb

auf speziellen Wunsch neu aufgelegt






X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz gelb/dunkelblau luzid, fast schwarz

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/grün

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz rot/gelb opak

Durchmesser 3,6 cm

39,00 EUR














Exkurs 6: Textilreste in nordischen Gräbern

Zum archäologischen Nachweis der Textilien benötigt man gute Erhaltungsbedingungen, wie dies beispielsweise bei koptischen Stoffen in trockenen klimatischen Verhältnissen möglich ist. Unter den vielen Funden aus Ägypten wird u.a. ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs als Gürtel angesprochen.17 Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren klimatischen Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell. Nur selten lassen sie sich nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- und 228 Wollfragmente geborgen und die Leinenreste erhielten sich in der Mehrzahl nur zufällig durch die Verwendung beim Teeren und Kalfatern der Schiffe im Hafen dieser Handelsstadt. Leinenfragmente wurden in Birka in den reich ausgestatteten Gräbern gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur die Begüterten leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.18 Leinen war in Nordeuropa wohl lange Zeit ein exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Flachs ist eine anspruchsvolle Kulturpflanze, bedingt einen gut ausgebildeten Ackerbau und erfordert viele Arbeitsgänge mit speziellen Werkzeugen. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. Pflanzliche Stoffreste sind hauptsächlich durch die Ionisierung (Grünspanbildung) und Eintränkung bei Buntmetall- und Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden nur als fossile Bildungen auf der Oberfläche der Korrosionskruste.19 In der Regel beschränkt sich damit die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber der gehobenen sozialen Schichten. Denn nur hier sind in der Regel ausreichend Bunt- und Edelmetalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. In Zusammenhang mit den Schalenfibeln an den Trägerröcken wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete Leinenhemden der sozialen Eliten beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzantinischem Vorbild.20 Aus 169 der 1100 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs.21 Die 169 „Textilgräber“ enthielten fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung, mit dem Grundgewebe meist aus Leinen (Flachs) oder Wolle, die fast alle in irgendeiner Form zusätzliche Seiden-, oft Silber- oder seltener Goldfäden aufwiesen! Manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Birka hat viele seiner Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Denn erhaltene Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der vorangegangenen röm. Kaiserzeit waren ausnahmslos aus Wolle, wobei oben genannte Erhaltungsbedingungen sicher eine Rolle spielen. Die Sagas berichten von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten. Seit der röm. Spätantike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Diese Sitte wurde von der sozialen Elite der Germanen nachgeahmt und war auch zu merowingisch-karolingischen Zeiten selbstverständlich. Demnach verhielt sich die nordgerman.-skandinavische Führungsschicht nicht anders.

Gürtelformen seit Bronzezeit und Antike: Gürtel wurden in der Wikingerzeit nicht häufig als Grabbeigabe gewählt, nur Gotland zeigt ein höheres Fundspektrum. Die Nestorchronik verzeichnet zum Jahr 987 ein interessantes Detail als Fürst Wladimir von Kiew Gesandte zu den umliegenden Völkern schickte, um sie auf ihre Religionsausübung zu prüfen. Zu den (Wolga?-)Bulgaren wurde vermerkt, daß sie die Kultfeiern in ihren Gotteshäusern ohne Gürtel ausführten. Sakrale Handlungen bedurften dort also keines Gürtels, keines Schmucks? Den Rus-Gesandten war dies ungewöhnlich. Wirft das nun ein Licht auf die Kultgemeinschaft oder auf die Gürtel selbst, die mglw sonst recht auffällig waren? In der Wikingerzeit fehlen uns vor allem aus deutlich erkennbaren Frauengräbern Gürtelreste aus Metall. In den Sagas wird von einem Kleid berichtet, daß seine Trägerin in der Taille zusammen schnürte, ohne den Gürtel speziell zu erwähnen. Als Denkmodell wären grundsätzlich Stoffgürtel mit Bindesystem ohne Schnalle nicht ausgeschlossen. Ein reiner Stoffgürtel vergeht genauso wie der Rest der Kleidung und bleibt damit nicht nachweisbar, wenn nicht die Möglichkeit des Erhalts durch Metalle, s.o., gegeben war. Im Rus-Bereich soll es wohl Belege für diese Gürtelart geben, mir momentan aber noch unbekannt. Die guten Verbindungen über den Etappenhandel zum Vorderen Orient, in einen Raum mit zahlreichen textilen Gürtelvarianten, macht die Annahme wahrscheinlich. Bindegürtel gehören grundsätzlich zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt und waren in allen frühen Kulturen selbstverständlich. Das läßt sich für die klassische Antike bei Griechen und Römern anhand von plastischen Werken und Malerei einwandfrei belegen. So erscheinen Bindegürtel an Prunkrüstungen. Für den zivilen Bereich mögen hierzu der mit einem Bindegürtel umschlungene Grabstein eines Zeus-Priesters in Aspendos in Pamphylien an der heutigen türk. Südküste oder ein etruskischer Tonsarkophag aus Chiusi vom Ende des III. JhvC mit Darstellung einer liegenden Dame im edlen Gewand mit Bindegürtel [Forrers Reallexikon, S. 50] exemplarisch gelten. Für die nördlichen Breiten wird diese Gürtelform seit der Bronze-/Eisenzeit durch Moorfunde gestützt. Bei einem Blick so weit in die Vergangenheit zurück, seien aber ebenso die speziellen Gürtel-Hakenvarianten mit breiten Bronzeblechen der Urnenfelder- und Eisenzeit vor allem im Vorderen Orient und mediterranen Raum genannt, die in unseren Breiten Bestandteil der Hallstattkultur waren und sich zur Latenezeit in schlankere und meist einfache Hakenformen wandelten. Diese jüngere Form ist auch bei den Germanen der vorrömischen Eisenzeit gut nachweisbar, bis durch die Berührung mit der röm Kultur deren Schnallenformen übernommen und abgewandelt wurden. Woher die uns geläufige Schnallenform überhaupt stammt, ist mir momentan noch unbekannt? Erlaubt sei der Blick ins Persische Reich des V.-IV. JhvC. Zum einen wurde die Jahresabgabe von einigen syrischen Dörfern dazu verwendet, um der pers. Königin einen Gürtel (!) anzufertigen. Es muß also ein recht kostbares Stück gewesen sein und in Persien war es üblich diese Abgaben Personen und einem bestimmten Gebrauch zuzuweisen. Zum andere gehe der Blick nach Persepolis, oder „Parsa“ wie die einheimischen Völker die Stadt selbst nannten. Auf den Seitenwangen der Treppenaufgänge zu einem der Audienzsäle werden Tribut leistende Völker dargestellt, darunter wohl auch Reitervölker (Saken-Skythen und frühe iranische Völker, wie Meder, Baktrer, Sogdier, etc). Sie tragen längere zur Seite geschlungene Gürtelformen als Wehrgehenk, an denen Taschen und Dolche befestigt sind. Hier ist ein zentraler Verschluß sichtbar in Form von Knopf, Haken, Durchzug oder Schnalle (?), der in der Lage ist ein gewisses Gewicht zu tragen, eindeutig kein Knoten. Zum Material des Gürtels ist keine Aussage zu machen. Mglw bevorzugten nomadische Völker grundsätzlich stabile Lederausführungen, da Viehbesitz obligatorisch war und Leder zum Grundmaterial seit der Altsteinzeit zählte, um das Überleben des Menschen zu sichern. Inwieweit nomadische Völker pflanzliche Gerbprozesses, die oft jahrelang dauerten, auszuführen in der Lage waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Fettgerbungen scheinen wohl in jeder Hinsicht glaubhafter. Oft trugen die Reiternomaden einen Teil der Ausrüstung, wie Bögen und Pfeile in Köchern am Gürtel, hinzu Dolche oder Kurzschwerzer, Taschen, Beutel und Dinge des täglichen Gebrauchs. Sie benötigten stabile Tragevarianten, siehe auch Fund aus dem VIII. Jh in der Moscevaja Balka. Seßhafte Völker hatten seit der Jungsteinzeit das Spektrum um textile Gürtelvarianten aus Wolle und Leinen erweitert. In Asien waren auch Baumwolle und Seide bekannt, wobei letztere als urspl. chines. Exportartikel im europ. Westen seit der Antike eine herausragende Stellung zukam. Seide war in erster Linie Bestandteil der Kleidung gehobener Schichten oder diente als Verzierungselement. Nomadische Völker gelangten durch Tributleistungen, Handel und als Transporteure in den Westen in Besitz des kostbaren Guts, wie skythische und hunnische Grabinventare belegen...





Quellen und weiterführende Literatur:

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde. Stockholm 1986.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern. Uppsala 1938.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2016.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus. Haithabu, Schleswig 2012.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter. Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg. Sydvestjyske Museer 2009.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.





V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Zitat nach Inga Haegg, Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu. Ausgrabungsbericht Nr. 20, 1984, S. 153f

2/Es war schwierig im frühen Mittelalter das hohe Niveau der spätrömischen Buntmetallproduktion zu erreichen. Diesbezüglich gilt es allerdings zwischen Messing- und Bronzeprodukten zu unterscheiden. Während Bronze (Kupfer/Zinn) seit Jahrtausenden hergestellt wurde, da Kupfervorkommen häufig und Zinn in Europa zumindest an mehreren Orten zugänglich war, galt Messing (Kupfer/Zink) als erheblich schwieriger zu produzieren, weil das notwendige Galmei nur in wenigen Regionen anstand, wie an der Maas. Im Sauerland gab es Vorkommen, aber der Abbau ist erst für das XVI. Jh in Brilon und Iserlohn sicher belegt, hingegen für Kupfer bereits für das XII. Jh. Die Römer hatten die Produktion von Messing aus Anatolien übernommen und für ihre Bedürfnisse standardisiert. Nach aktuellem Forschungsstand war ein Niedergang der röm. Messingproduktion mit der Verfall der Produktionsstätten in den westeurop. Provinzen seit der Völkerwanderung zu verzeichnen, während ein Aufschwung erst zu karolingischen Zeiten erfolgte. Zur Buntmetallverarbeitung siehe Beispiele ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen, nahe der Hohensyburg, oder im heutigen Stadtbereich Dortmund am Adlerturm, in Braunschweig oder im heutigen Frankenland in Eggolsheim bei Forchheim vom IV.-IX. Jh, uvam. [siehe Details auch Anmerkung auf der V_VIII-Seite]

3/Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung für das Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Wichtiger war möglicherweise das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen.

4/Grundsätzlich kurz eingeschoben mal eine Anmerkung in eigener Sache: Die Kirche und das Christentum müssen auf diesen Seiten notwendigerweise angeführt werden, da sie im Themenkomplex „Mittelalter“ unvermeidlich sind. Ich will damit aber keine „Lanze“ brechen für die Kirche, dazu stehe ich dieser Institution zu fern und weiß um deren verursachte Gräuel und Lügen in der Geschichte, wie oft, wenn Religion und Regierung miteinander verknüpft sind. Denn es geht um Machterhalt. Mag Religion einem gesellschaftlichen Zweck für ethische Normative dienen, immer ist sie „man-made“ und damit lächerlich störanfällig, als daß sich dahinter wahrhaft Göttliches erkennen liesse. Religion befriedigt den Bedarf an Übersinnlichem mit dem Blick auf das Überirdische, ist aber in erster Linie irdische Ordnungsmacht, hält die Masse fügsam und gehorsam. Egal wie die persönliche Einstellung dazu ist, die meisten werden in der Darstellung mit dem Christentum zu tun haben. Ihr liebe „Wikinger“ übrigens irgendwann auch, ..., also liebe Heiden, freut Euch des Lebens, irgendwann wird es freudlos bieder. Die Harfe dürft Ihr später wohl mitnehmen, aber jubiliert wird nur noch in den höchsten Tönen...

5/Um den Punkt der Bestattung in Kirchen wurde lange gerungen. So war sie nach ersten Lockerungen zunächst nur hochgestellten Geistlichen, wie Bischöfen gestattet, hinzu kamen Äbte, verdiente Priester, dann später frommen Laien, wie den Landesherren und adelige Laien-Stifter. Da hatten Adelige als Kirchen-Eigner deutliche Vorteile. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen erweiterte sich im SMA der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchenraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen so häufig frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren, siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41. Diese Messen und Gedenkfeiern erforderten eine zunehmende Zahl von Priestern in den Konventen und mehrte die Zahl der Altäre in den Kirchengebäuden. Dabei ging es um viel Geld, das fromme Stifter vor ihrem Ableben der Kirche vermachten. Die Zisterzienser bsplw änderten ab Mitte des XII. Jhs ihre abwehrende Einstellung, denn bislang war es Weltlichen nicht gestattet in ihren Kirchen dauerhaft zu ruhen, um Unabhängigkeit gegenüber machtvollen Landesherren und Adeligen zu wahren. Dadurch entgingen ihnen bis zur Lockerung dieser Grundhaltung die Memorialstiftungen.

6/„Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 u Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].

7/Scott, Kleidung und Mode, S. 16 und Jan Keupp, Mode im MA, S. 133. Keupp weist anhand von Königssiegeln die Traditionsgebundenheit des Herrscherornats nach, S. 136f. Die Abbildung im Sakramentarfragment aus Paris von ca 869 zeigt Karl den Kahlen in Zusammenhang mit der Krönung in dieser „fränkischer Tracht“ mit Umhang und Scheibenfibel, kurzer kostbarer Tunica, welche die Knieriemen sehen läßt, Stiefeln und einem kürzeren „gallischen Gürtel“, siehe Wamers, Die Macht des Silbers, S. 93.

8/Weinfurter, Die Staufer und Italien, Bd. II, S. 78f.

9/Deschner, Kriminalgeschichte VII, 27.

10/Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166.

11/Geijer, Birka III, S. 138.

12/nach Ausstellung im WikMus. Haithabu.

13/Maixner, Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten, S. 125ff.

14/Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197.

15/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 132.

16/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 119.

17/Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106.

18/Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinerne Tuniken trugen auf dem Kontinent auch die gut ausgestatteten sozial höherstehenden Kleriker in den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg VII. Jh, genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Aber auch in diesen Fällen waren die Erhaltunsgbedingungen überdurchschnittlich.

19/Hägg_2015, S. 64f. Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark, siehe Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S. 51. Durch die Beifunde mit Schwert und Pferdegeschirr haben wir hier einen Vertreter der Oberschicht vor uns, als Gefolgschaftsführer oder Fürst. In der Regel sorgen Eisenkorrodierungen lediglich durch den Abdruck der Textilien für schlechtere Forschungsergebnisse als bei der Grünspanbildung, wobei Textilreste und -schichten erhalten bleiben. Hinzu sacken Eisengeräte mit ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und erlauben so nur geringe stratigrafische Aussagen.

20/Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015, S. 70 u 124. Im IX. Jh wurde in Birka meist Wollstoff für den Trägerrock verwendet und im X. Jh eher Leinen. Versuche für die Erklärung des Modewandels liegen in den engeren Beziehungen Birkas zu den Kiewer Rus, den Slawen und byzantinischen Anregungen.

21/Geijer, Birka III, S. 11ff.