V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh

Historischer Kontext:

Die Franken beherrschten große Teile des Kontinents. Doch wurde ihr Reich von allen Seiten bedrängt und es gelang nur unter großen Mühen die Angriffe abzuwehren. Die Mittel dazu waren u.a. die Befestigung von Siedlungen und der Ausbau des Feudal- und Lehnwesens, zur finanziellen Absicherung eines Reiteradels, nicht zuletzt die administrativ stabilisierende Struktur der Kirche in den Städten oder das wirtschaftlich starke Klosterwesen des missionierenden Mönchtums auf dem Land, alles prägend für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Die königliche Zentralmacht war oft überfordert, verlor an Macht und Ansehen, während die Sicherungsmaßnahmen dazu beitrugen den regionalen Adel zu stärken. Trotz fortwährender Überfälle mit Schwächung der Wirtschaft und Infrastruktur, auch Gebietsverlusten, blieben die fränk.-karolingischen Herrscher die Herren Westeuropas und prägten, auf Kirche und Christentum begründet, mit ihrer Hinwendung zu antiken Traditionen zu mediterranen und byzantinischen Formen die kulturelle Entwicklung.

Stütze der Macht und Rückgrat der sozialen Hierarchie war das Gefolgschaftswesen. Es zeigte sich bei den Karolingern und in Skandinavien mit den Haustruppen der Könige, Fürsten und Bischöfe, dem Gesinde, angelsächs. „gesiths, bei Karl dem Grossen persönlich die „aulici“, die Hofleute, die oft an der Spitze des Heeres standen. Ihre Ausrüstung wurde vom Gefolgschaftsführer („hersir), Fürst („lord) oder Herrscher („ruler) gestellt, war damit überdurchschnittlich. Im Klosterplan von St. Gallen war ein Gebäude speziell für die Gefolgschaft der vornehmen Reisenden vorgesehen. Notger berichtet von Geschenken am Hof Ludwig des Frommen: „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke ...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“1

800-1025

Abb. eines Grafen und Kirchenstifters in Mals/Vinschgau Anf IX. Jh



Gürtel der Karolinger- / Ottonenzeit IX.-X. Jh

Gürtel der Wikingerzeit IX.-XI. Jh (unten)

Fibelreplikate IX.-XI. Jh (weiter unten)




Abkürzungen unten: eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen und Quellenkritik für die Karolingerzeit:

Auf dem westeuropäischen Kontinent stellte das Auslaufen der Grabbeigabensitte durch die Christianisierung unter den späten Merowingern und Karolingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Bestandteil der Kleidung oder als Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Der archäologische Fundanteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall ist in Westeuropa verschwindend gering, gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der vorangegangenen frühen und mittleren Merowingerzeit. Da die archäologische Quellenlage der Karolingerzeit dürftig ist, neigte man bislang dazu diesen Betrachtungszeitraum grundsätzlich als „buntmetallarm“ anzusehen. Neuere Forschungsergebnisse vermitteln aber ein anderes Bild.2 In den nördlichen und östlichen nicht-christianisierten Bereichen Europas zeigen Grabfunde, daß dort Metalle jeglicher Art in die Erde gekommen sind. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind im gewissen Maß erlaubt, wo sich Metalle in dieser Häufung nicht unmittelbar oder in gänzlich anderem Kontext dokumentieren lassen. Karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Skandinavier, der Slawen und Balten, Polen, Böhmen und Mähren, der Slowenen und Kroaten überdauert. Sie gehörten auf dem westl. Kontinent zum Alltag. Es gab dort kein Bedürfnis sie aufgrund von Bestattungen unter die Erde zu bringen. Christliche Begräbnisse hatten für die Angehörigen den Vorteil keine kostbaren Beigaben, nur aufgrund von gesellschaftlicher Konvention und Prestige, zu verlieren, wie es im Norden und Osten Europas üblich war.3 Es war hinzu kostengünstiger Messen durch Priester lesen zu lassen. Die Hinterlassenschaften wurden vererbt und mit den vorhandenen Ressourcen in wirtschaftliche Kreisläufe eingebunden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe. Altmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Hort-/Depotfunde von kostbarem Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh zeigen viele kostbare fränkische Stücke. Es gibt aber auch Horte von gebräuchlichem Eisen im niederösterr. Thunau um 900. Ein wirtschaftlicher Aufschwung war auf dem Kontinent allgemein zu verzeichnen, nachdem die Drangsal der Awaren-, Slawen-, Wikinger- und Magyarenüberfälle endlich nachließ.

Erwähnenswert ist auch das fränk. Eigenkirchensystem, das eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand.4 Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig in Gallien/Neustrien die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan=ländlich, wurde synonym mit heidnisch), ließ eher ausländische Eiferer von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei den jeweiligen Grundherren fanden. Jene betrachteten, durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung, neu errichtete Kirchen und Klöster als ihr Eigentum (Eigenkirchen) und die erwirtschafteten Erträge kamen ihnen zugute. Es wurde seit dem VII. Jh vermehrt üblich Bestattungen bei und später in diesen Kirchen vorzunehmen.5

Im IX. Jh wurde nach den Sachsenkriegen eine große Reliquientranslation aus England und vor allem aus Nordfrankreich in das Sachsen- und Thüringergebiet von Werden bis nach Hamburg und Freckenhorst bis nach Quedlinburg und Erfurt vorgenommen. Auch Aachen, Hersfeld, Fulda und Würzburg mussten Reliquien abgeben. In den Kirchen- und Klosterschätzen sollten sich im Verlauf des MAs zahlreiche Objekte erhalten. Oft wurden sie dem profanen Bereich entnommen und in die sakrale Sphäre überführt, wie Leuchter, Stoffe, Kästchen, Möbel, etc. und erlauben in begrenztem Maß Einblicke in Aspekte der Alltagskultur gehobener Schichten. So wurden u.a. kostbare Hochzeitsgewänder des Adels nicht selten der Kirche vermacht, die sie zu liturgischen Kleidungsstücken umarbeitete. Mancher Reliquienbehälter diente vorher ganz profanen Zwecken.


Zentralisierung oder Dezentralisierung der Macht?

Die Macht der regionalen Fürsten in den westlichen und östlichen karolingischen Reichsteilen war enorm gewachsen, da gerade sie in erster Linie die äusseren Gefahren abwehrten und Grenzregionen sicherten. Es begann sich ein Netz von Befestigungen über ganz Europa zu spannen, das stärkte die regionalen Machthaber. Denn nur mit einer defensiven Strategie war der Mobilität von Invasoren an vielen Punkten zu begegnen. Der Aufbau einer Offensivwaffe, vornehmlich schwer gepanzerte Kavallerie, war finanziell mit dem Ausbau von Landwirtschaft und Lehnswesen zu erreichen, das erzeugte Abhängigkeiten, stärkte wirtschaftlich letztendlich wiederum den regionalen Adel. Die Zentralmacht der karolingischen Könige war oft nur mehr Anspruch, stützte sich lediglich auf die eigene Hausmacht mit Grund und Boden und war abhängig vom Zuspruch der kirchlichen Vertreter, deren Grundbesitz sich stetig vergrößerte. Das gesamte Mittelalter war geprägt vom ständigen Kampf der Legitimation dieser Zentralmacht. Doch der Hochadel tat alles, um diese Macht zu brechen, die eigene zu erhöhen und genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen. Im X. Jh lösten sich die Ottonen, politisch stark auf die Kirche gestützt, von den alten westlichen Zentren der karolingisch-fränkischen Macht und der ehemaligen spätrömischen Kultur an Maas, Mosel, Main und Rhein, besannen sich auf ihre Hausmacht der eigenen sächsischen Gebiete an der Elbe, im Harzvorland und wählten Magdeburg als neuen Machtmittelpunkt. Von dort erweiterten sie ihre Territorien und machten die slawischen Stämme zwischen Saale, Mulde und Elbe tributpflichtig. Das war eine neue Zielrichtung der Reichspolitik, genauso wie der häufige „Sprung“ über die Alpen, um das Kaisertum zu beleben. Beides war richtungsweisend für kommende Jahrhunderte. Im XII. Jh sollte dann eine verstärkte Ostkolonisation einsetzen mit Rodungen und Urbarmachung von Land. Denn bislang waren die „stolzen Marken“ im Osten eher durch ausgedehnte Waldgebiete gekennzeichnet und weniger durch ausgebaute Infrastruktur. Ortschaften wuchsen und die steigenden Bevölkerungszahlen begünstigten die Stadtgründungen durch die Territorialherren.



Gürtelrekonstruktionen der Karolinger- und Ottonenzeit IX.-X. Jh






VII

-

VIII



Reitervölker / Slawen / Merowinger / Karolinger

Schnallen mit hohem Rahmen sind seit der auslaufenden MWZ die geläufige Form. Mglw lag ihr Ursprung bei den Reitervölkern, denn kleine Ausführungen sind gut an Sporengarnituren nachweisbar. Die häufigen Kontakte in den östlichen Raum machen eine Übernahme unter Merowingern und Karolingern erklärbar,

siehe fränk. Funde VII. Jh aus Palenberg/Qualburg bei Kleve oder Kaarst (Schnalle bz u Blech Eisen) [siehe dazu verschiedene Beispiele auf der Seite V.-VIII. Jh], aber auch Funde aus Münster Anf des IX. Jhs. oder der Slowakei (Großmähr. Reich).



VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

ohne Zunge,

montiert 49,00 EUR

Beispiel für eine östliche Kombination:

VII-VIII_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 65,00 EUR

[auch mehrteilige Garnitur mit vielen Zungen möglich]








VII

-

VIII





Reitervölker / Merowinger / Karolinger / Skandinavier

D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, Funde aus dem FMA siehe Hirrlingen V./VI. Jh oder Haithabu X./XI. Jh

Zur Zunge links siehe ähnliche Funde in Krefeld-Gellep um 700 und aus Donauwörth mit Ornament im auslaufenden Tierstil II. Die äussere Form ähnelt Stücken der Zaumzeuge in Grab 17 von Beckum I, 575c datiert, und Grab 34 von Beckum II um 600. Hier wurden allerdings davon abweichende schlichtere Dekors verwendet.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im späten Tierstil II,

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VII-VIII_012c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 65,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]








IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Skandinavien und in Osteuropa, wie diese Schnalle aus Kroatien, die der „Birka“-Form und auch weiteren Stücken aus dem dänischen Duesminde-Hort ähnlich ist.



IX-X_001b_bz oder me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und U-förmige Zunge_bz od me

montiert 89,00 EUR



Einfache rechteckige und „U“-förmige Riemenzungen sind häufig in karolingischen Zeiten. Kleine Exemplare finden sich bei aufwändigen Sporengarnituren, grössere Exemplare wurden in Skandinavien gerne zu Fibeln umgearbeitet. Auch Teile von Kleeblattverteilern wurden als Riemenzungen verwendet, da sich im Fundgut fragmentiert bearbeitete Verteiler finden.









IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Typ Birka Grab 949

Stilisierte Akanthusblüten zeigen deutlich, daß die Schnalle aus dem Karolingerreich stammt und wie Zungen, Fibeln, Kleeblattverteiler oder Schwerter im Norden begehrte Artikel waren, weiter verwendet oder umgearbeitet wurden.




IX-X_002_Birka_bz oder me

Schnalle Birka Gr750ae

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

mögliche trapezförmige Zunge_bz od me

montiert 89,00 EUR





mögliche Tragweise







IX

-

X



Karolinger / Skandinavier / Slawen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten.

Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, häufig in reich ausgestatteten Gräbern, wie in Kolin als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh oder paarweise als Bestandteil der Sporengarnitur. In Skandinavien tauchen sie dann einzeln als Gürtelobjekt in den Gräbern auf.



IX-X_003_Birka_bz

Birka Gr750ae

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und Karo Zunge_002_bz

montiert mit Zunge 79,00 EUR













IX

-

X



Karolinger

Fund vom Herrenhof Thunau mit karolingischer Datierung vor 900, die Ausführung hat einen höheren Rahmen als unsere Nachbildung. Der markant grosse Perlrand ist noch erheblich später an einer Skulpturenschnalle im Kreuzgang von Arles um 1180 zu finden.






IX-X_karol_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

mit mgl Kerbschnitt Zunge_001_bz

montiert 79,00 EUR



Kerbschnitt Zunge_001_bz

Zunge nähert sich im Stil einem Bzblech vom Christenberg, nördl von Marburg, vor 800 an. Ähnlichkeit auch zu einem Schwertgurtbeschlag aus Westernkotten bei Unna.











Zum Stilempfinden in Spätantike und FMA, Kerbschnitt und Tierstil I. Das Röm Reich galt lange Zeit als Leitkultur für die benachbarten Völker, deren Handwerker röm Formen übernahmen oder sich daran anlehnten zu einer Symbiose mit einheimischem Kunstformen, mit Sicherheit nicht ohne religiöse Komponente. Ein frühes Erzeugnis mag das german verzierte Silberblech der röm Scharnierschnalle aus dem Brandgrab 9/1995 in Hagenow, nordöstl der Elbe sein [Details siehe A. Pesch, Gehörnte Pferde, Elitenkommunikation und synthetische Tradition am Beginn german. Bildkunst, in: Neue Studien zur Sachsenforschung II, 2011, S. 9-17 ]. Die Autorin betont ein sich von unserer Zeit deutlich abhebendes Kunstempfinden, das nicht durch individuelle kreative Neuschöpfungen gekennzeichnet war, sondern allgemein verständliche tradierte Bedeutungsinhalte reproduzierte, somit wurde nach unserem Verständnis nicht das Künstlerische, sondern das Handwerkliche betont. Für den heutigen Betrachter läßt sich auf diese Weise ein Motivkanon und ein Stil anhand strenger Darstellungskriterien in einer bestimmten Epoche erkennen. Pesch streicht heraus, daß damalige Produzenten und Auftraggeber gemeinsame Regeln und ein ähnlich geschultes Geschmacksempfinden normativ anerkannt haben müssen. So ist die Orientierung an röm Formen und Techniken der Eliten in Europa verbindlich, aus denen sich für uns erkennbar germanische Ableitungen identifizieren lassen. Die Pressbleche des III. Jhs basieren technisch auf Vorbildern der antiken Supermacht, inhaltlich drückt sich germanisches Stilempfinden aus. Röm Objekte der Spätantike, wie Bronzegefäße mit Tierfriesen, Kerbschnittbronzen oder Münzen, fanden durch Handel, als Beute oder wertvolle Geschenke Verbreitung bis nach Skandinavien und beeinflußten dortiges Handwerk. Der Kerbschnitt und vor allem der motivisch eng begrenzte Tierstil I seit dem V. Jh mit seinen abstrahierenden ornamentalen Tierfiguren wurde angeregt durch naturalistisch anmutende spätröm Tierdarstellungen, wie Löwen, Hippokampen und andere Fabelwesen, bsplw auf Gürtelgarnituren, die im Barbaricum durch das Soldwesen weite Verbreitung fanden. Aus dem plastischen röm Stil wurde ein verflachter german Stil mit im Profil und im Rahmen angeordneten abstrahierenden Tierformen. Doch beschränkte sich die Motivik nicht auf Tierfiguren allein, sondern geometrische Muster, Flecht- und Schlingmuster oder florale Elemente wurden ebenso aus der röm Kunstwelt übernommen, siehe als beispielhafte Anleihen spätantike röm Mosaike... [weiter siehe Tauschierarbeiten der Merowingerzeit, S. 35-64]


















Quellen und Quellenkritik für die Ottonenzeit im X. Jh:

Für das Reichsgebiet6 ändert sich an der schwierigen Quellenlage, aufgrund mangelnder Grabfunde, nichts. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Diese Ortschaften bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und Landwirtschaft betrieben wurden, da dörfliche Strukturen überwogen. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben demnach zeitlich breiter gestreute Funde.

Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Letztere dienten in den meist beigabenarmen Gräbern als Leichentuchverschlüsse. Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Bzgl der Gürtelmode lassen sich Metalle allerdings nur schwer dokumentieren. Grabfunde scheiden aus, Skulpturen und Abbildungen sind selten und lassen solche Details meist vermissen.

Der byzantinisch-italienische Einfluß in der westfränkischen und ottonischen Mode und die Verwendung von Seide:

Die Gewandung der unteren Volksschichten und der Kleriker war traditionell auf die Spätantike zurückzuführen. Wobei die sakralen Kulttrachten ehrwürdiges Alter, Privilegien und Unantastbarkeit ausdrückten. Auch die Herrscher folgten antiken Traditionen, um Legitimation oder auch Ansprüche zu verdeutlichen, so wusste man sich in ausgewählten Repräsentationsmomenten durchaus standesgemäß „römisch“ zu kleiden. Das hieß speziell im Fall des Westfranken Karl (II.) dem Kahlen (reg. 843-877) bei seiner Kaiserkrönung in Rom 875 oder 876 anläßlich einer Kirchenversammlung im oströmischen Gewand mit dalmatischem Talar und einem Gürtel, der bis auf die Füße hing. Er provozierte mit dieser „griechischen Gewandung“ bewußt die übrigen Herrscher Europas und formulierte seinen Machtanspruch in Anlehnung an das byzant. Kaiserhaus. Über Jahrhunderte war dies ein probates Mittel auch der Ostfranken seit der Erneuerung des westlichen Kaisertums und noch die Staufer sollten dieser Traditionslinie folgen. Zu Beginn der Kirchenversammlung war Karl der Kahle noch in fränkischer Tracht erschienen.7 Herrscherkleidung musste in der Öffentlichkeit beredt sein, meist konservativ und konnte auch völkische Elemente beinhalten, wie von Karl dem Großen oder Otto I. bekannt, schwächere Herrscher konnten sich das später nicht mehr erlauben. Das einfache Volk blieb den kürzeren Tunikaformen behaftet, die vom Adel als „altfränkisch“ = unmodern angesehen wurden. Denn Adel und Hofstaat waren die Vorreiter in modischen Dingen. Auch von der Herrschergattin wurden kostenaufwändige modische Extravaganzen erwartet, die ihrem Ehemann nicht gestattet waren, da Tradition in seinem Fall äusserlich sichtbare Zeichen der Stabilität bedeuteten! Neue Moden stammten vielfach aus Italien, das unter dem Einfluß der Kulturgüter des mächtigen oströmischen Byzanz stand. Byzantinische Sitten und Mode gelangten nicht zuletzt 972 mit der Heirat Ottos II. (reg. 973-983) und der byzant. Kaisernichte Theophanu in den Westen. Man vermutet, daß das Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen mglw aus dem Brautschatz der Theophanu stammte, der Mutter Ottos III. (reg. 983-1002), jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten.

Jahrtausende lang lag auf der begehrten Seide ein chinesisches Monopol und der kostbare Stoff durfte das Land nicht verlassen. Doch mächtige nomadische Anrainer verlangten von den Chinesen Tributleistungen in Form von Seide. Diese gelangte über Zentralasien und den Vorderen Orient bis in den Westen. Seide galt in China als Zahlungsmittel und es verlockte Mehrwert zu schaffen, ein Zahlungsmittel mit begrenzter Haltbarkeit (!), der Wunschtraum vieler Ökonomen. Irgendwann setzte ein Handel über grössere Distanzen ein und die Wege, Transporteure und Händler waren streng reglementiert, aber es gab viele Versuche das chines. Monopol zu brechen. Die Einfallstore nach Europa waren vor allem Byzanz und dessen Ableger „Venedig“, bis es iranischen Völkern und den Byzantinern gelang selbst in die Seidenproduktion einzusteigen. Die kostbaren Stoffe waren nicht selten Erzeugnisse der kaiserlichen Staatsweberei in Zeuxippos. Bereits im IX. Jh sollen Kenntnisse der Seidenraupenzucht mit der sarazenischen Eroberung von Nordafrika nach Sizilien gelangt sein. Die Seidenweberei ist dort seit dem X. Jh nachweisbar und später nachdem Seidenhandwerker aus Theben und Korinth 1147 zwangsweise nach Palermo deportiert wurden. Rohseide und fertige Gewebe wurde Ende des XII. Jhs nach Lucca verhandelt. Die dortigen Handwerker übernahmen islamische Motive. Abgewandelt wurden sie zu einem Markenzeichen der Seidenweberstadt, die im XIII. Jh auch einen besonderen Ruf in der Färbung der kostbaren Seide erlangte, bis die Weber nach Venedig abwanderten.8 Friedrich II. legte 1215 einen Seidenstoff bei der Verschließung in den Aachener Karlsschrein, den er wohl aus seiner sizilianischen Heimat mitgebracht hatte. Die Staufer besaßen mit Sizilien, und insbesondere mit Palermo, eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Edle Stoffe werden im XII. und XIII. Jh häufig als Tribut, Abgabe und auch als Beutestück von Italien nach Dtld gelangt sein. Denn die dt Könige „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen und die Entlohnung bestand nicht selten aus kostbarem Gut jeglicher Art, das den ausgeplünderten italienischen Städten gewaltsam genommen wurde. Enorme Werte hatte allein Heinrich VI. 1194/95 auf 150 Saumtieren, nach Erlangung der sizilianischen Königswürde, von Sizilien nach Dtld bringen lassen, der erst später aufgefundene Schatz König Rogers noch gar nicht mitgerechnet.9








Gürtel mit Eisenschnallen

Eisen aus den Rennöfen gewonnen musste durch weiteres Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Erst im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs 8 - Eisenproduktion vom HMA zum SMA.













Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO.



VIII-XI_20-30_eis

in den Breiten 20/25/30 mm

VIII-XI_20eis an 20 mm Riemen montiert 35,00 EUR

VIII-XI_25eis an 25 mm Riemen montiert 39,00 EUR

VIII-XI_30eis an 30 mm Riemen montiert 45,00 EUR

Leder Grubengerbung natur







D“-förmig Eisen original Forchheim datiert XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet, deshalb lassen sie sich auch nur schwer genau datieren, kommen aber bei vielen Grabungen ans Tageslicht. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung, für alle militärische Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr.



XI-XV_30-40_eis

Riemen natur geölt

[Schnalle flachstabig]



XI-XV_30eis an 30 mm Riemen montiert 39,00 EUR

XI-XV_40eis an 40 mm Riemen montiert 49,00 EUR

[Hier hochwertiges vegetabil gegerbtes Naturleder, Schnalle angenäht. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Pferdegeschirr zugerechnet. In Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Schnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite vor.10 ]





Historischer Kontext:

Es ist legitim anzunehmen, daß die archäologischen Funde Nord- und Osteuropas ein Spiegel und Bruchteil der Gegenstände sind, die einst auf dem Kontinent im frühmittelalterlichen Alltag üblich und möglich waren. Ähnlich wie das Röm. Reich als Leitkultur einst auf die vordrängenden Südgermanen wirkte, übte die kontinentale Entwicklung unter den Franken auf die Nordgermanen große Anziehungskraft aus. Nach Erkenntnissen aus den Birka-Gräbern sind sozial hochrangige Personen des IX./X. Jhs im Grabritus zuweilen recht auffallend ausstaffiert worden, um ihren Status deutlich herauszustreichen.11 Skandinavien war der „nördliche Ausläufer“ materieller Sachkultur des FMAs. Die Gräberfelder der Merowingerzeit des VI./VII. Jhs verdeutlichen den eigentlichen Schwerpunkt. Es ist wohl nicht gewagt zu behaupten: Hätte die Christianisierung nicht eingesetzt, ließe sich der Buntmetallreichtum auch für die spätmerowingisch-karolingische Zeit durch Grabfelder auf dem Kontinent mühelos dokumentieren. Es wird ein erheblich höheres Formenspektrum gegeben haben, als es uns heute den Anschein macht. Denn Slawen, Awaren, Nordmannen, Sarazenen und Magyaren konzentrierten ihre Begehrlichkeit auf die Quellen dieses Reichtums, durch Handel oder kriegerische Beutezüge. Das Ziel war das vornehmlich fränkisch dominierte Westeuropa, seit 843 endgültig in grosse Herrschaftsbereiche geteilt und durch interne Streitigkeiten geschwächt. Viele Orte, Städte, Klöster und Kirchen wurden geplündert und zerstört. Ganze Landstriche gingen an fremde Eroberer verloren.

Die nord- und osteuropäischen Völker orientierten sich in ihrer Gesellschaftsform, in Kleidung, Mode und Sitten an der fränkischen oder oström.-byzant. Kultur. Sie integrierten und formten Gegenstände in ihrem ästhetischem Empfinden um, brachten wiederum ihre Formen nach Britannien, Irland, Island, Grönland, in die Normandie, ins Baltikum oder bis tief nach Rußland hinein. Sie unternahmen als Händler extrem lange Reisen, oft monate- und jahrelang unterwegs, um bsplw das ersehnte Zargrad/Byzanz zu erreichen. Die Nordmänner machten Völker im Westen und Osten tributpflichtig, besiedelten neue Räume und gaben Impulse für die Gründung eigener Reiche, gestalteten Europa in den Randzonen. Die Rusgründungen gingen einen „exotischen“ Sonderweg mit der Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut.

800-1066

- Wikingerzeit -

Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“

Gürtel der Wikingerzeit aus Haithabu und Birka

Gürtel der gotländischen Wikingerzeit und der Rus

[Abb. oben: Hammer aus dem Hafenbecken von Haithabu, kann bei Interesse in me angefertigt werden]



Quellen und Quellenkritik für die Wikingerzeit:

Gut dokumentierte Grab- und Hortfunde stammen aus vielen Teilen Skandinaviens, bsplw. aus Birka oder von Gotland, aus Norwegen, Dänemark, aber auch aus dem slawischen Mittel- und Osteuropa. Hinzu kommen aus küstennahen Siedlungen und Handelszentren, wie Helgö, Kaupang, Haithabu, Birka, Ribe, Dorestad, Starigard, aus den Fundorten des heutigen Groß Strömkendorf, Rostock-Dierkow, Ralswiek, Menzlin oder Wolin ebenfalls gut datierbare Funde zutage. Aus dem Inneren des Kontinents bringen erst Grabungen in den Stadtneugründungen ab dem XII./XIII. Jh. ähnliche Fundmengen ans Tageslicht.

Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“ Ermoldus Nigellus, Lobgedicht auf König Ludwig den Frommen und Elegien an König Pippin 828c.12




Seit der Spätantike erweiterten sich die grossen Handelsströme vom Mittelmeer in den Nord- und Ostseeraum. Von dem effektivsten der Handelsträger, dem Schiff, profitierten naturgemäß vornehmlich die Küsten- und Flußhafenorte, was sie wiederum mancher Begehrlichkeiten aussetzte, durch Personen, die nicht bereit waren für Waren den entsprechenden Gegenwert zu entrichten. Die skandinavischen Plünderer des IX./X. Jhs verfuhren nach einem altbewährten Muster, das ihre Vorfahren bereits zur röm. Kaiserzeit gegen die jütländische Küste oder die Sachsen im IV./V. Jh gegen die Küsten der röm. Provinzen in Britannien und Gallien angewendet hatten. Die Größe der sächsischen Schiffe könnte dem des Nydam-Boots B entsprochen haben. Solche geruderten Ausführungen der Küstenschiffahrt, mit Eisennieten geklinkert beplankt, wurden bei den seegestützten Angriffen von Südskandinavien auf die jütische Halbinsel zwischen 150 und 500 AD genutzt, siehe Moor-/Opferfunde von Illerup Adal, Nydam Mose, Thorsberg, Ejsbol, Kragehul und viele weitere Opferfunde mit Heeresausrüstung. Diese Angriffe, später mglw. auch regelrechte Invasionen der späteren „Dänen“ könnte, neben der allgemein postulierten Klimaverschlechterung, mit ein Grund für die Verdrängung/Umsiedlung und Nordseeüberquerung der germanischen Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh gewesen sein, deren weitere Entwicklung der Schiffstypen aus den Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 AD) zu entnehmen ist. Quellen berichten im VI. Jh auch von skandinavischen Angriffen auf die friesische Küste. Die Angriffe auf die westeurop. Küsten im IX./X. Jh folgten also einem altbekannten Muster, allerdings wurde die Schiffstechnik ausgefeilter, die Boote größer und seetüchtiger. Die Nestorchronik berichtet zu Olegs Feldzug gegen Konstantinopel 907 von Schiffen mit 40 Ruderern. Angelsächsische Chroniken erwähnen die ersten Norweger 789 in ihrer Gefilden und die meisten ihrer Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste. Die Plünderungszüge nahmen größere Dimensionen an, Ortschaften und Klöster wurden geplündert. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl den Großen, Ende des VIII. Jhs Skandinavier zu möglichen Plünderungsfahrten aufgefordert haben könnten. Denn ab 799 wurden mit den Angriffen an der Loire und ab 810 an der fränk.-fries. Küste auch der fränk. dominierte Kontinent zum Ziel gemacht, und nicht Klöster, sondern reiche Handelsorte wurden bevorzugt, was die fränk. Wirtschaft schädigte. Die Karolinger hatten sich auf Kosten vieler Völker zu den Herren Europas gemacht. Und es wäre ein probates Mittel gewesen nun die Franken an empfindlicher Stelle zu treffen. Gegen Ende des IX. Jhs steigerten sich die Angriffe der Nordmannen, die bis nach Köln und Aachen, Andernach und Trier (!) gelangten und mit einem großen Heer Paris belagerten. Reiche Grabfunde lokaler Machthaber der Wikingerzeit verdeutlichen, vor allem in Dänemark, Anzeichen für starke Gefolgschaftsbindungen mit einzelnen starken Anführern („hersir“, Herr des Heeres, Heermeister) und einem kaum oder gar nicht ausgeprägten Königtum. Das änderte sich im Laufe der Zeiten, als sich die Verhältnisse zum Kontinent mit starker ottonischer Zentralmacht anglichen. Doch bis dahin verlangte der Erhalt der dezentralisierten Machtstrukturen immer neue Beute, kostbare Objekte, Edelmetalle oder Geld, um Gefolgschaften zu erhalten. Die Ansammlung und der Reichtum weckte nicht nur Begehrlichkeiten untereinander. Nachdem sich im XI. Jh, nach fränk. Vorbild, in den skandinavischen Ländern Königtümer etabliert hatten und jene sich untereinander befehdeten, wurden nun ihre Küsten von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach den Zerstörungen in den dänischen Thronwirren Mitte des XI. Jhs das Ziel einer slawischen Attacke 1066 und bewirkte die Umsiedlung der meisten Bewohner nach Schleswig.







Gürtelrekonstruktionen der Wikingerzeit aus Haithabu

Die dänische Gründung vom Beginn des IX. Jhs weist im Fundgut skandinavische und kontinental-karolingische Formen auf mit slawischen und östlichen Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten nur weniger als 20% überhaupt Beigaben! Die Christianisierung faßte in Haithabu bereits ab Mitte des IX. Jhs. Nur die fürstlichen Kammergräber von 849v bis 950c waren als Ausnahme besonders reichhaltig ausgestattet.13




IX

-

XI

Haithabu

[Abb. nach Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 19714]

Die Schnallenfunde aus der Siedlungsgrabung zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagbleche, nur im Bootkammergrab befanden sich auch welche mit Blechen. Die grössere Eisenschnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch, neben Knochen/Bein, einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind die gebräuchlichsten Materialien dieser Zeit. Aus den Gräberfeldern wurden bislang weniger als 20 Schnallen aus Eisen, Bronze und Silber, teilweise mit Beschlagblechen, geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen so klein, daß sie allgemein als Taschenverschlüße gelten, wie die bronzene Schnalle in Grab 128 im Flachgräberfeld, vergesellschaftet mit einer bronzenen Scheibenfibel mit Silbereinlagen. Ich sehe sie aber durchaus als Gürtelschnalle an, denn die stark verkrustete ovale Schnalle hat ein Außenmaß von 3,3 cm Breite und eine mögliche Riemen-/Durchzugsbreite von ca. 22 mm, das entspricht in der Größe durchaus anderen als Gürtelteile angesprochenen Fundobjekten [im Fundkatalog sind die Angaben eigenartig, denn bei Schnallen verwende ich Breite zu Länge genau umgekehrt wie Arents/Eisenschmidt, ich nehme den Schnallenkorpus quer zur Messung der Breite, denn ich spreche ja auch von „Gürtelbreite“].

[Beispiele für Gürtel mit Eisenschnallen, siehe darüber]








Gürtelrekonstruktionen der Wikingerzeit aus Birka

Bis in die 1980er Jahre wurden in Birka rd. 1100 Gräber untersucht. Aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern wurden Gürtelteile geborgen, die teilweise unter fränk.-karolingischen Einflüßen stehen (s.o.). Hinzu kommen 32 Gräber mit „orientalischen“ Gürteln (s.u.), um 900 datiert im Bereich der Garnison, die mglw. auf eine professionelle Kriegerkaste, eine Gefolgschaft östlicher Söldner, hinweisen. In nur 6,4% aller Gräber waren bislang überhaupt Gürtelteile nachweisbar. Grundsätzlich ist die geschlechtsspezifische Zuordnung manchmal schwierig, da anthropologisches Material meist vergangen ist.








IX

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X



Birka

Typ Birka Grab 949



X_011_Birka_bz

Birka Gr949ae

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen natur

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_bz

montiert 65,00 EUR



X_001_Birka_me

Birka Gr949ae

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen dunkelbraun

inkl. Zunge als mögl. Ergänzung_me

- momentan nicht lieferbar -








IX

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X



Birka

IX.-XI. Jh Div Birka-,Haithabu- und karol. Formen bz, me



Typ Birka Grab 1030




X_009_Birka_bz

Birka Gr1030ae

hier noch ohne Beschlagblech und ohne Zunge

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

montiert 39,00 EUR








Gürtelrekonstruktionen der gotländischen Wikingerzeit und der Rus

Auf Gotland ist die Anzahl der Gürtelteile in den 1100 untersuchten Gräbern recht groß. Die Insel vor der schwedischen Küste nahm in der Welt der Wikinger eine Sonderstellung ein. Neben den Gräbern wurden hinzu rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlich hoher Reichtum angehäuft hatte. Das Spektrum unterscheidet sich vielfach von den westlichen Formen und zeigt einen stärkeren Rus-Einfluß, bzw. Formen von reiternomadischen Völkern aus der russ. Steppe. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern.










X



Gotland

Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

hier Riemen dunkelbraun

mit Zunge_bz

montiert 95,00 EUR





mögliche Tragweise










IX

-

X






IX.-XI. Jh div.Gotland- und Rus Formen

Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich, was keineswegs die Regel ist, manchmal sind Gürtel neben die Leiche gelegt. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. War der Zungenteil länger wurde er nach dem Umschlingen der Leiche also nicht unbedingt schön nach unten Richtung Knie drapiert, sondern zur Seite gelegt, mglw auch so getragen, wie es Abbildungen von skythischen Reiternomaden zeigen. Denn nur östlich beeinflußte Gürtelformen können längere Zungenteile aufweisen. Bei einer westlichen Gürtelform im Flachgräberfeld von Haithabu Grab 59 fanden sich Schnalle mit Beschlagblech und Zunge fast unmittelbar nebeneinander im rechten Beckenbereich. Da gab es wohl keinen längeren Zungenabschnitt.

Hinweis auf eine seitliche Tragweise mögen Riemenschieber sein, die sich manchmal im Fundgut finden, kleine Ausführungen bei Sporengarnituren, größere bei Gürteln. Ich würde es als Wikinger-Darsteller hinzu vermeiden den Gürtel nach der Schnalle zu schlaufen (denn kein Beleg vor 1300!). Es scheint bei westlichen Darstellungen angeraten das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu halten und es als Tragweise tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu zwängen, wenn kein Riemenschieber benutzt wird, da jener in der Reenactment-Szene allgemein Ablehnung findet, obwohl durch archäologische Funde zu belegen. Bei östlichen Darstellungen werden die Zungenabschnitte mglw länger gehalten werden können, was aber nicht unbedingt heißt, daß sie lose herab hingen, sondern wiederum mit dem Leibriemen verbunden oder untergeschoben worden sein können.










X









Gotland





Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 139,00 EUR










IX

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X









Gotland



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 79,00 EUR

[es wäre möglich einen Verteiler anzubringen, wie auf dem Grabungsfoto oben]



IX-X_04_vs oder bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 69,00 EUR

[auch in bz erhältlich]








IX

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X





Gotland

Typ Ksp. Hellvi/Gotland




IX-X_01_bz

Typ Hellvi/Gotland, hier allerdings o. Blech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

hier Riemen natur unbehandelt

mit Zunge_bz 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR



IX-X_02_vs

Typ Ksp. Hellvi/Gotland ohne Blech

- Variante mit Blech siehe oben -

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

mit Zunge_vs 4,2 x 1,9 cm

montiert 55,00 EUR










X

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XI

Reitervölker / Rus / Birka

X-XI_bulgar-chasar_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

[ähnliche Funde dieser „orientalischen“ Formen als Handelsgut in Haithabu, auch in Birka um 900 im Bereich der Garnison, die mglw. auf ausländische Krieger in der Gefolgschaft hinweisen.]

montiert 69,00 EUR



mögliche Tragweise ohne Schlaufung






tragweise alternativ (in beiden Fällen ohne die spätmittelalterliche „Schlaufung“, für die es nach meiner Kenntnis vor 1300 keine Belege gibt)















XI

Nordmannen in Frkrch/Normandie

Die Normandie ging einen Sonderweg. Die Übernahme kontinentaler Sitten begann die nordische Kultur gänzlich umzuformen, sichtbar an Sprache, am Burgenbau und am Feudalwesen mit der Ausbildung einer effektiven Kavallerie, richtungsweisend für die kommenden Zeiten.

[Leider kann ich zu normannischen Gürtelformen bislang keine Belege bringen, da der Bayeux-Teppich nicht aussagekräftig genug ist, auch der zweite Normandiebesuch keine entscheidenden Ergebnisse brachte, ich auf Sizilien und in England bislang noch keine Originalfunde vor Augen hatte. Vielleicht wird mir ein freundlicher Leser eines Tages hierzu Hinweise geben können...]

Abb. vom Bayeux-Teppich mit geschnallten Schwertgurten und Zunge








Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Die paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht zur röm. Kaiserzeit auch bei den Germanen üblich und wurde mit der Mehrfibeltracht in Skandinavien und im Baltikum über viele Jahrhunderte beibehalten. Auch Bernstein- und Glasperlenketten waren ebenso Relikte aus frühen germanischen Zeiten und finden sich sowohl in merowingerzeitlichen, als auch in nordischen Frauengräbern. Auf dem Kontinent wurde im Westen durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur Tunika und Umhang/Mantel mit der einzeln getragenen Scheibenfibel vollzogen. Bis zu 5 cm grosse oft sehr prunkvolle Scheibenfibeln konnten auf dem Kontinent seit dem VII. Jh Bestandteil der gehobenen Frauentracht sein. Einfache Exemplare in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder etwas aufwändiger in Bronze mit Emaille geziert, fanden auch in die skandinavische Mode Eingang. Sie wurden seit der Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen.








IX







Sachsen / Friesen / Karolinger / Wikinger



Karolingische Kissenfibel

Interessanter Typus aus dem fränkischen Reichsgebiet, der ähnlich auch bei den Sachsen, Friesen und in Birka gefunden wurde (Grab 854). Wohl paarweise getragen, war er bei den Wikingerfrauen begehrt. Wie oben beschrieben lassen sich bestimmte Formen auf dem Kontinent archäologisch nicht in der Zahl nachweisen, wie in Nordeuropa. Doch man wird davon ausgehen können, daß die Anzahl der getragenen Stücke auf dem Kontinent um ein Vielfaches grösser war.

Zum Vergleich siehe etwas aufwändigerer Typus in „Wikinger am Rhein“, S. 153



IX_Kissenfibel_bz

2,2 x 1,5 cm in rot/grün

- nicht mehr lieferbar -






IX

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X





Sachsen / Wikinger

Rautenfibel

Funde aus Uppkra, Menzlin, Birka, Haithabu und als südlicher Vertreter: Lippspringe um 900.




IX-X_Rautenfibel_bz und vs

bz 15,00 und vs 17,00 EUR








IX

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XI







Karolinger / Wikinger / Ottonen






Scheibenfibel Kreuz mit Emaille, häufige Verbreitung in den nördlichen und westlichen Reichsgebieten (siehe z.B. Funde aus Dorestad, Rijksmuseum Leiden), aber auch in Haithabu, im nahen Schuby und im skandinavischen Raum.

Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, gleicher Fibel-Typus mit Grubenschmelz auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“15 Siehe auch Funde der Entersburg bei Hontheim. Vermutlich sind diese Fibeltypen als Massenprodukte in den Werkstätten des Rheinlandes entstanden.



IX-XI_Scheibenfibel Kreuz_bz

Durchmesser 2,9 cm

je 35,00 EUR











X

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XI









Byzantiner / Rus / Slawen / Ottonen / Salier



Kreuzornament mit Peltas, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

...Gruppe von Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzantinischen Goldschmiedekunst übernommen worden.“16 Ähnlich siehe auch die Straubinger Fibel oder mit deutlichem Kreuz, statt Pelta, im Domschatz zu Bamberg IX.-X. Jh



X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz

Durchmesser 3,6 cm

je 45,00 EUR

- nicht mehr lieferbar -















Exkurs 6: Textilreste in nordischen Gräbern

Zum archäologischen Nachweis der Textilien benötigt man gute Erhaltungsbedingungen, wie dies beispielsweise bei koptischen Stoffen in trockenen klimatischen Verhältnissen hervorragend möglich ist. Unter den vielen Funden aus Ägypten wird u.a. ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs als Gürtel angesprochen.17 Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren klimatischen Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell. Nur selten lassen sie sich nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- und 228 Wollfragmente geborgen und die Leinenreste erhielten sich in der Mehrzahl nur zufällig durch die Verwendung beim Teeren und Kalfatern der Schiffe im Hafen dieser Handelsstadt. Leinenfragmente wurden in Birka in den reich ausgestatteten Gräbern gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur die Begüterten leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.18 Leinen war in Nordeuropa wohl lange Zeit ein exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Flachs ist eine anspruchsvolle Kulturpflanze, bedingt einen gut ausgebildeten Ackerbau und erfordert viele Arbeitsgänge mit speziellen Werkzeugen. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. Pflanzliche Stoffreste sind hauptsächlich durch die Ionisierung (Grünspanbildung) und Eintränkung bei Buntmetall- und Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden nur als fossile Bildungen auf der Oberfläche der Korrosionskruste.19 In der Regel beschränkt sich damit die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber der gehobenen sozialen Schichten. Denn nur hier sind in der Regel ausreichend Bunt- und Edelmetalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. In Zusammenhang mit den Schalenfibeln an den Trägerröcken wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete Leinenhemden der sozialen Eliten beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzant. Vorbildern.20 Aus 169 der 1100 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs.21 Die 169 „Textilgräber“ enthielten fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung, mit dem Grundgewebe meist aus Leinen (Flachs) oder Wolle, die fast alle in irgendeiner Form zusätzliche Seiden-, oft Silber- oder seltener Goldfäden aufwiesen! Manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Birka hat viele seiner Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Denn erhaltene Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der vorangegangenen röm. Kaiserzeit waren ausnahmslos aus Wolle, wobei oben genannte Erhaltungsbedingungen sicher eine Rolle spielen. Die Sagas berichten von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten. Seit der röm. Spätantike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Diese Sitte wurde von der sozialen Elite der Germanen nachgeahmt und war auch zu merowingisch-karolingischen Zeiten selbstverständlich. Demnach verhielt sich die nordgerman.-skandinavische Führungsschicht nicht anders.

Gürtelformen seit Bronzezeit und Antike: Gürtel wurden in der Wikingerzeit nicht häufig als Grabbeigabe ausgewählt, nur Gotland zeigt ein höheres Fundspektrum. Die Nestorchronik verzeichnet zum Jahr 987 ein interessantes Detail, als Fürst Wladimir von Kiew Gesandte zu den umliegenden Völkern schickte, um sie auf ihre Religionsausübung zu prüfen. Zu den (Wolga?-) Bulgaren wurde extra vermerkt, daß sie die Kultfeiern in ihren Gotteshäusern ohne Gürtel ausführten. Sakrale Handlungen bedurften dort also keines Gürtels, keines Alltagsgegenstandes, keines Schmucks? Den Rus-Gesandten war dies auffällig. Wirft das nun ein Licht auf die Kultgemeinschaft oder auf die Gürtel selbst, die mglw sonst recht auffällig waren? In der Wikingerzeit fehlen uns vor allem aus deutlich erkennbaren Frauengräbern Gürtelreste aus Metall. Als Denkmodell wären Stoffgürtel mit Bindesystem ohne Schnalle nicht ausgeschlossen. Ein reiner Stoffgürtel vergeht genauso wie der Rest der Kleidung und bleibt damit nicht nachweisbar, wenn nicht die Möglichkeit des Erhalts durch Metalle, s.o., gegeben war. Im Rus-Bereich soll es wohl Belege für diese Gürtelart geben, mir momentan aber noch unbekannt. Die guten Verbindungen über den Etappenhandel zum Vorderen Orient, in einen Raum mit zahlreichen textilen Gürtelvarianten, macht die Annahme wahrscheinlich. Bindegürtel gehören grundsätzlich zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt und waren in allen frühen Kulturen selbstverständlich. Das läßt sich für die klassische Antike bei Griechen und Römern anhand von Skulptur und Malerei einwandfrei belegen. So erscheinen Bindegürtel an Prunkrüstungen. Für den zivilen Bereich mögen hierzu der mit einem Bindegürtel umschlungene Grabstein eines Zeus-Priesters in Aspendos in Pamphylien an der heutigen türk. Südküste oder ein etruskischer Tonsarkophag aus Chiusi vom Ende des III. JhvC mit Darstellung einer liegenden Dame im edlen Gewand mit Bindegürtel [Forrers Reallexikon, S. 50] exemplarisch gelten. Für die nördlichen Breiten wird diese Gürtelform seit der Bronze-/Eisenzeit durch Moorfunde gestützt. Bei einem Blick so weit in die Vergangenheit zurück, seien aber ebenso die speziellen Gürtel-Hakenvarianten mit breiten Bronzeblechen der Urnenfelder- und Eisenzeit vor allem im Vorderen Orient und mediterranen Raum genannt, die in unseren Breiten auch Bestandteil der Hallstattkultur waren und sich zur Latenezeit in schlankere und meist einfache Hakenformen wandelten. Diese jüngere Form ist auch bei den Germanen der vorrömischen Eisenzeit gut nachweisbar, bis durch die Berührung mit der röm Kultur deren Schnallenformen übernommen und abgewandelt wurden. Woher die uns geläufige Schnallenform überhaupt stammt, ist mir momentan noch unbekannt? Erlaubt sei diesbzgl der Blick ins V.-IV. JhvC nach Persepolis, oder „Parsa“ wie die einheimischen Völker die Stadt selbst nannten. Auf den Seitenwangen der Treppenaufgänge zu einem der Audienzsäle werden Tribut leistende Völker dargestellt, darunter wohl auch Reitervölker (Saken-Skythen und frühe iranische Völker, wie Meder, Baktrer, Sogdier, etc). Sie tragen längere zur Seite geschlungene Gürtelformen als Wehrgehenk, an denen Taschen und Dolche hängen. Hier ist ein zentraler Verschluß sichtbar in Form von Knopf, Haken, Durchzug oder Schnalle (?), der in der Lage ist ein gewisses Gewicht zu tragen, eindeutig kein Knoten. Zum Material des Gürtels ist keine Aussage zu machen. Mglw bevorzugten nomadische Völker grundsätzlich stabile Lederausführungen, da Viehbesitz obligatorisch war und Leder zum Grundmaterial seit der Altsteinzeit zählte, um das Überleben des Menschen zu sichern. Oft trugen die Reiternomaden einen Teil der Ausrüstung, wie Bögen und Pfeile in Köchern am Gürtel, hinzu Dolche oder Kurzschwerzer, Taschen, Beutel und Dinge des täglichen Gebrauchs. Sie benötigten also stabile Tragevarianten, siehe auch Fund aus dem VIII. Jh in der Moscevaja Balka. Seßhafte Völker hatten seit der Jungsteinzeit das Spektrum um textile Gürtelvarianten aus Wolle und Leinen erweitert. In Asien waren auch Baumwolle und Seide bekannt, wobei letztere als urspl. chines. Exportartikel im europ. Westen seit der Antike eine herausragende Stellung zukam. Seide war in erster Linie Bestandteil der Kleidung gehobener Schichten oder diente als Verzierungselement. Nomadische Völker gelangten durch Tributleistungen, Handel und als Transporteure in den Westen in Besitz des kostbaren Guts, wie skythische und hunnische Grabinventare belegen...





Quellen und weiterführende Literatur:

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde. Stockholm 1986.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern. Uppsala 1938.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2016.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus. Haithabu, Schleswig 2012.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter. Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg. Sydvestjyske Museer 2009.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.





V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Zitat nach Inga Haegg, Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu. Ausgrabungsbericht Nr. 20, 1984, S. 153f

2/Es war schwierig im frühen Mittelalter das hohe Niveau der spätrömischen Buntmetallproduktion zu erreichen. Diesbezüglich gilt es allerdings zwischen Messing- und Bronzeprodukten zu unterscheiden. Während Bronze (Kupfer/Zinn) seit Jahrtausenden hergestellt wurde, da Kupfervorkommen häufig und Zinn in Europa zumindest an mehreren Orten zugänglich war, galt Messing (Kupfer/Zink) als erheblich schwieriger zu produzieren, weil das notwendige Galmei nur in wenigen Regionen anstand, wie an der Maas. Im Sauerland gab es Vorkommen, aber der Abbau ist erst für das XVI. Jh in Iserlohn sicher belegt, hingegen für Kupfer bereits für das XII. Jh. Die Römer hatten die Produktion von Messing aus Anatolien übernommen und für ihre Bedürfnisse standardisiert. Nach aktuellem Forschungsstand war ein Niedergang der röm. Messingproduktion mit der Verfall der Produktionsstätten in den westeurop. Provinzen seit der Völkerwanderung zu verzeichnen, während ein Aufschwung erst zu karolingischen Zeiten erfolgte. Zur Buntmetallverarbeitung siehe Beispiele ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen, nahe der Hohensyburg, oder im heutigen Stadtbereich Dortmund am Adlerturm, in Braunschweig oder im heutigen Frankenland in Eggolsheim bei Forchheim vom IV.-IX. Jh, uvam. [siehe Details auch Anmerkung auf der V_VIII-Seite]

3/Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung für das Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Wichtiger war möglicherweise das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen.

4/Grundsätzlich kurz eingeschoben mal eine Anmerkung in eigener Sache: Die Kirche und das Christentum müssen auf diesen Seiten notwendigerweise angeführt werden, da sie im Themenkomplex „Mittelalter“ unvermeidlich sind. Ich will damit aber keine „Lanze“ brechen für die Kirche, dazu stehe ich dieser Institution zu fern und weiß um deren verursachte Gräuel und Lügen in der Geschichte, wie oft, wenn Religion und Staat miteinander verknüpft sind. Denn es geht um Machterhalt. „Wahrheiten“ sind da sehr subjektive und dehnbare Begriffe. Mag Religion einem gesellschaftlichen Zweck für ethische Normative dienen, immer ist sie „man-made“ und damit lächerlich störanfällig, als daß sich dahinter wahrhaft Göttliches erkennen liesse. Religion befriedigt den Bedarf an Übersinnlichem, ist aber in erster Linie Ordnungsmacht, hält die Masse fügsam und gehorsam. Egal wie die persönliche Einstellung dazu ist, die meisten werden in der Darstellung mit dem Christentum zu tun haben. Ihr liebe „Wikinger“ übrigens irgendwann auch, ..., also liebe Heiden, freut Euch des Lebens, irgendwann wird es freudlos bieder. Die Harfe dürft Ihr später wohl mitnehmen, aber jubiliert wird nur noch in den höchsten Tönen...

5/Die Bestattung in der Kirche war ursprünglich nur Geistlichen, den Laien-Stiftern und -Eignern vorbehalten. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen erweiterte sich erst im SMA der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen so oft frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren, siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41.

6/„Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 u Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].

7/Scott, Kleidung und Mode, S. 16 und Jan Keupp, Mode im MA, S. 133. Keupp weist anhand von Königssiegeln die Traditionsgebundenheit des Herrscherornats nach, S. 136f

8/Weinfurter, Die Staufer und Italien, Bd. II, S. 78f.

9/Deschner, Kriminalgeschichte VII, 27.

10/Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166.

11/Geijer, Birka III, S. 138.

12/nach Ausstellung im WikMus. Haithabu.

13/Maixner, Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten, S. 125ff.

14/Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197.

15/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 132.

16/Zitat aus: Das Reich der Salier, S. 119.

17/Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106.

18/Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinerne Tuniken trugen auf dem Kontinent auch die gut ausgestatteten sozial höherstehenden Kleriker in den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg VII. Jh, genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Aber auch in diesen Fällen waren die Erhaltunsgbedingungen überdurchschnittlich.

19/Hägg_2015, S. 64f. Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark, siehe Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S. 51. Durch die Beifunde mit Schwert und Pferdegeschirr haben wir hier einen Vertreter der Oberschicht vor uns, als Gefolgschaftsführer oder Fürst. In der Regel sorgen Eisenkorrodierungen lediglich durch den Abdruck der Textilien für schlechtere Forschungsergebnisse als bei der Grünspanbildung, wobei Textilreste und -schichten erhalten bleiben. Hinzu sacken Eisengeräte mit ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und erlauben so nur geringe stratigrafische Aussagen.

20/Hägg I.: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig. Die Ausgrabungen in Haithabu Band 18, Kiel/Hamburg 2015, S. 70 u 124. Im IX. Jh wurde in Birka meist Wollstoff für den Trägerrock verwendet und im X. Jh eher Leinen. Versuche für die Erklärung des Modewandels liegen in den engeren Beziehungen Birkas zu den Kiewer Rus, den Slawen und byzantinischen Anregungen.

21/Geijer, Birka III, S. 11ff.