I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

DRAGAL

Karolingerzeit VIII.-IX. Jh

1. Quellen

___Info: Heeresverfassung vom FMA zum HMA und der Panzerreiter

2. Gürtelrekonstruktionen Karolingerzeit

___Info: Slawen


Zeitalter der thüring.-sächs. Ottonen X. Jh

3. Quellen und Modeeinflüsse

4. Gürtelrekonstruktionen Byzanz, Langobarden, Slawen, Rus und nomadische Völker sowie islamischer Kulturkreis

___Info: Nomaden

Wikingerzeit IX.-XI. Jh

_Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh (Kategorie „D“ und „E“)

5. Quellen

6. Rekonstruktionen westl. Kreis (Nordsee, Angelsachsen, Dk, Haithabu)

7. Gürtelrekonstruktionen Schweden (Vendel, Birka)

8. Gürtelrekonstruktionen östl. Kreis (Gotland, Rus)

___Info: Normandie


Emaille-Fibelreplikate IX.-XI. Jh

___Info: Textilreste in nordischen Gräbern

Die vorangegangene Seite endete mit der späten Merowingerzeit (MWZ), hier folgen karolingische Formen, welche den Kontinent über ein Jahrhundert prägten mit Ausstrahlungskraft in die Peripherie Europas, aus der heutzutage viele Funde stammen. Slawen und Nordmannen waren beeinflusst von kontinentalen Stilen, orientierten sich an denen nomadischer Völker oder an Anregungen aus dem mächtigen Byzanz, was in modischen Dingen unter der sächs.-otton. Herrscherschicht spät. mit Ankunft Theophanus Ende des X. Jhs auch Leitcharakter im Reich bekam. Die „Wikingerzeit“ wird repräsentiert durch westl. Fundregionen von Norwegen über Island, Irland, England sowie Dänemark und Haithabu, dann Schweden mit Vendelzeit und Birka, schließlich Gotland und die Rus-Reiche. Kennzeichen ist Aufnahme german. Tierstile und Blüte im Greiftierstil, um letztendlich in angelsächsischen und normannischen Formen den Schlußakkord zu finden.

Historischer Kontext VIII.-IX. Jh:

Die fränk. Herrschaft, welche sich über große Teile des Kontinents erstreckte, war gekennzeichnet durch das zunehmend schwächer werdende Königshaus der Merowinger mit starken Hausmeiern als zentrale Verwaltungsinstanz sowie mächtigen Adelshäusern von Großgrundeignern. An den Grenzen waren Anrainer-Völker unterworfen und standen in Tributpflicht. In den Städten wirkte die stabilisierende Struktur der Kirche und auf dem Land wirtschaftlich erstarkende Klöster. 751 okkupierte Pippin der Jüngere, seit 741 Hausmeier und Vater Karls (d Gr), auf dem Thron Platz, erstmalig durch einen Bischof zum König gesalbt! Das stärkte die Macht der Kirche, welche durch Ämter, Titel und Landschenkungen beständig wuchs. Die Salbung ersetzte eine legitime Königsnachfolge, die Geblütsheiligkeit der Merowinger. Pippin war nun von „Gottes Gnaden“ (gratia dei rex) zum König berufen.

Karl I. (d Gr) verstand es unmittelbar nach seiner alleinigen Machtübernahme 771/72 die starken inneren Kräfte, welche ihm gefährlich werden konnten, mit Feldzügen ins Sachsenland, nach Italien und Spanien an sich zu binden. Sächs Stämme waren bereits von den Merowingern zur Tributpflicht gezwungen, doch fügten sie sich nicht. Karl hatte wohl kaum mit der sächs. Widerstandskraft gerechnet, die fränk. Offensiv-Armeen mehrere Jahrzehnte beschäftigen sollten. Es gab bis 814 nur zwei Jahre, in denen keine Kriegszüge unternommen wurden. In der Missionierung mit Feuer und Schwert wich Karl deutlich von seinen Vorgängern ab. Durch das fränk. Erbrecht kam es im IX. Jh zu Reichsteilungen und Wiedervereinigungen mit allen daraus resultierenden inneren Konflikten, nominell blieb die Einheit gewahrt. Zunehmend bedrohten Angriffe von Nordmannen die franz Küste und seit den 820ern „razzias“ der Sarazenen Italien, Sizilien und Südfrkrch. Küstensiedlungen wurden befestigt und zur finanziellen Absicherung schwerer Panzerreiter das Feudalwesen ausgebaut. Die Maßnahmen trugen zur Stärkung des regionalen Adels bei. Karl d Gr hatte einst Grafen (comites) ernannt mit Entscheidungsbefugnissen in Fragen des Grenzschutzes, Aufbietung des Heerbanns, in Verwaltung und Rechtsprechung. Privilegien, insbesondere der Markgrafen (marchiones) und Herzöge (duces) wirkte sich bei schwächeren Herrschern negativ auf die königliche Zentralmacht aus. 887 setzte man den letzten gemeinsamen Kaiser Karl III. (d Dicken) wegen Versagens bei der Nordmannen-Abwehr ab, als Ostfranke und Sohn Ludwigs (des Deutschen 843-76) vermochte er die Verteidigung Galliens nicht zu organisieren, jegliche Erfolge blieben ihm versagt. Es wurde kein neues Oberhaupt mehr erkoren, sondern die verbliebenen Teilreiche von eigenen Königen regiert. Ost- und West-Franken gingen mit Arnulf v Kärnten und Odo v Paris, die sich beide im Kampf gegen Nordmannen ausgezeichnet hatten, von nun ab eigene Wege.

Soziales Rückgrat war das Gefolgschaftswesen. Könige, Fürsten, Grafen und Bischöfe hielten sich eine Haustruppe, am Hof Karls (d Gr) gab es die schwer gerüsteten aulici oder scara palatini. Die Bewaffnung wurde vom Herrn gestellt und hat als überdurchschnittlich zu gelten. „Treueschwur - Beute - Geschenk“ galten als Kittmasse in einem komplizierten Beziehungsgeflecht. Geben und Nehmen hatte zeremoniell verpflichtenden Charakter, siehe Hundertschaft-Gefolgschaft-Lehnswesen



Karolingerzeit VIII.-IX. Jh



Abb. eines comes (Grafen) und Kirchenstifters in Mals/Vinschgau Anf IX. Jh


eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort, ae = ähnlich

Ermoldus Nigellus mit Lobgedicht auf Ludwig I. (d Frommen, Sohn Karls I.) 828c: „Herold in weissem Gewande, der geistig auch wiedergeborene, geht in das schimmernde Haus, welches sein Pate bewohnt. Ihm übergibt der erhabene Kaiser die reichsten Geschenke, wie sie der Franken Gebiet nur zu erzeugen vermag“

Notger berichtet vom Hof Ludwig I. (814-40): „An diesem Tage teilte er auch allen, die im Palast aufwarteten und am Hofe des Königs dienten, je nachdem, was der einzelne war, Geschenke aus, so daß er den Vornehmeren allen Wehrgehänge oder Gürtel und wertvolle Kleidungsstücke ...austeilen ließ, den Geringeren aber friesische Mäntel von jeder Farbe gegeben wurden, während Pferdewächter, Bäcker und Köche mit Kleider aus Leinen und Wolle und halblangen Schwertern, wie sie es brauchten, bedacht wurden.“ [THH 84, S. 153f]


1. Quellen für die Karolingerzeit:

Auf dem westeuropäischen Kontinent stellte das Auslaufen der Grabbeigabensitte durch die Christianisierung seit den späten Merowingern eine Zäsur dar. Lediglich Kleinschmuck und Fibeln, als Bestandteil der Kleidung oder als Leichentuchverschluß, lassen sich in Gräbern teilweise noch bis ins hohe Mittelalter nachweisen. Gemessen an der hohen Zahl von Fundstücken aus Reihengräberfeldern der frühen und mittleren MWZ ist der archäologische Fundanteil an geborgenen Gürtelteilen aus Bunt- oder Edelmetall zu karolingischen Zeiten in West- und großen Teilen Mitteleuropas verschwindend gering. Doch darf diese Zeit nach neuere Forschungsergebnissen keineswegs als „buntmetallarm“ angesehen werden [siehe Details unter: Messing und Bronze im FMA]. Karolingische Formen haben vornehmlich in Gräbern der Skandinavier, Balten oder Slawen, wie in Polen, Böhmen und Mähren, Slowenien und Kroatien überdauert. Rückschlüsse auf das fränk. Reichsgebiet sind erlaubt, wo sich Metalle in gänzlich anderem Kontext dokumentieren lassen, z.B. bei Siedlungsgrabungen. Das waren übliche Alltagsgegenstände. Es gab dort kein Bedürfnis sie durch Bestattungen unter die Erde zu bringen. Christliche Begräbnisse hatten für Angehörige den Vorteil keine Beigaben aufgrund gesellschaftlicher Konvention und Prestige zu verlieren, wie es im Norden und Osten Europas üblich war.[1] Hinzu galt es als kostengünstiger Messen durch Priester lesen zu lassen. Hinterlassenschaften wurden vererbt oder „recycelt“, um in den wirtschaftlichen Kreislauf eingebunden zu werden. Fundstellen für die Buntmetall- und auch Eisenproduktion gibt es eine ganze Reihe, bsplw die Eisendeponierung im niederösterr. Thunau um 900. Auch Buntmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Hort-/Depotfunde von kostbarem Silber im dänischen Duesminde auf Lolland aus dem IX. Jh zeigen viele kostbare fränkische Stücke.

Nach der Währungsreform Karls d Gr von der urspl. Gold- auf eine Silberwährung war das Edelmetall in Form von Münzen oder Schmuckstücken im Norden von Begehr, es kursierte. So finden sich relativ wenig erhaltene karolingische Silbermünzen im Norden, weil es akzeptiertes Zahlungsmittel in Richtung auf den Kontinent im Einkauf von Gütern war. Ausfuhrverbote zeigen, daß Nordmannen und Slawen nicht nur versuchten Schwerter und Waffen zu erbeuten, sondern sie auch zu kaufen. Umgekehrt bekam Ludwig II. (der Deutsche, reg 843-876) als Gastgeschenk skandinavische Schwerter überreicht, die sich in der Regel nicht durch hohe Qualität auszeichneten. Er prüfte durch Biegen die Klingen, wovon eine zerbrach, eine andere in ihre ursprüngliche Lage zurück schnellte, also durchaus gute Qualität aufwies [MuK, S. 7]. Die hohe Zahl erhaltener arab. Silber-Dirhems erstaunt nicht, alleine in Birka angeblich 60.000 Münzen. Da jene oft im Boden mit Münzwaagen vergesellschaftet waren, wurden sie nur im Osthandel als offizielles Gewichtsgeld akzeptiert. Mit dem Dirham konnte man in Skandinavien per Gewicht zahlen, auf dem Kontinent nur in slawischen Regionen. Die Metalldeponierungen deuten hinzu auf Einschmelzprozesse hin. Bis zur Mitte des X. Jhs wird man bzgl. der arab. Währung dem Osthandel einen hohen Stellenwert in der nordischen Kultur einräumen. Nachdem Araber den Silbergehalt des Dirhams stark herabsetzten, wurde diese Quelle uninteressant und der Handel verlagert sich u.a. aufgrund neuer politischer Verhältnisse und Ressourcenzugang, z.B. von Silber aus dem Harz, an die kontinentale Ostseeküste.

Erwähnenswert zum Fundkomplex Grab (als „versiegende Quelle“) ist das fränk. Eigenkirchensystem, das eine Übernahme in den neu gegründeten nordischen Reichen in England und in Skandinavien fand. Auf dem Kontinent hatte die frühe röm-kathol. Kirche ihre Stützpunkte traditionell in den Städten, denn die Antike war in erster Linie eine Stadtkultur, und daran sollte sich mit den Bistümern als religiöse Verwaltungsbezirke nichts ändern. Die neue fränk. Kirche missionierte nur unwillig die heidnisch-germanische Landbevölkerung (pagan = ländlich, wurde synonym mit heidnisch), ließ eher „ausländische Eiferer“ von den westlichen Inseln wirken, die Unterstützung bei ihren Klosterbrüdern fanden. Rechtsrheinisch hatten sie als Angelsachsen eindeutig sprachliche Vorteile und konnten sich bei Friesen und Sachsen verständlich machen! Die Grundherren betrachteten durch ihre rechtliche und finanzielle Unterstützung neu errichtete Kirchen und Klöster auf ihrem Grund als ihr Eigentum, welche verkauft oder vererbt werden konnten. Erwirtschaftete Erträge kamen ihnen zugute. Das stand im Widerspruch zur röm-kathol Lehre von der Einheit des Kirchenvermögens. Eigenkirchen sind im Grundriss mglw an kleinen Westemporen zu erkennen, über schmale Stiegen erreichbar. Seit dem VII. Jh wurde es im fränk. Raum üblich adelige Bestattungen bei und später auch in den Kirchen vorzunehmen. Bei Baiuwaren bsplw war diese Sitte bis zum Anf des VIIII. Jhs nicht üblich.[2]

Im IX. Jh wurde nach den Sachsenkriegen eine große Reliquientranslation aus England und vor allem aus Nordfrankreich in das Sachsen- und Thüringergebiet von Werden an der Ruhr bis nach Freckenhorst und Hamburg in den Norden, nach Quedlinburg und Erfurt in den Osten vorgenommen. Aachen, Hersfeld, Fulda und Würzburg mussten Reliquien abgeben. In Kirchen- und Klosterschätzen sollten sich eine Reihe Reliquienbehältnisse in Form von Kästchen, aber auch Stoffe, Möbel, Leuchter etc erhalten. Mancher dieser Gegenstände diente vorher ganz profanen Zwecken und wurde in sakrale Sphären überführt, erlaubt in begrenztem Maß Einblicke in die Alltagskultur gehobener Schichten. So vermachte man kostbare Hochzeitsgewänder nicht selten der Kirche oder Damen gehobener Schichten brachten sie mit in die Klöster, wo sie zu liturgischen Kleidungsstücken umgearbeitet wurden. Trotz der Fülle heutiger Domschatzkammern sollen, nach dem Domschatzmuseum Minden, angeblich nur 0,2 Prozent aller Kirchenschätze die Zeiten überdauert haben, wie auch immer man zu dieser Einschätzung kommt! Man geht allerdings nicht fehl in der Annahme, daß die Begehrlichkeit nachfolgender Generationen auf die kostbaren Materialien sicher hoch war.

Priesterliche Gewandung läßt sich aufgrund erhaltener Stücke oder anhand von archäologischen Funden, Abbildungen und Textquellen meist gut rekonstruieren. Kostbare Stoffe und Goldborten dienten dazu der Würde des geistlichen Amtes Ausdruck zu verleihen. Hrabanus Maurus nahm 819 Bezug auf eine alttestam. Textstelle, beschrieb dazu aber zeitgenössische liturgische Gewänder. Er benannte ausdrücklich ein cingulum bzw balteus. Mit diesem Gürtel wurde das Untergewand aus Leinen, die „Albe“ (tunica albea), gerafft. Als Oberbekleidung trug der Priester darüber die „Dalmatika“ und bei Messfeiern noch eine „Kasel“. Die „Albengürtel“ wurden nach „gallischer Variante“ mit einer grösseren Zunge, auf den Oberschenkel herab hängend, getragen. Auf Abbildungen des IX. Jhs sind sie deutlich hervorgehoben und erhaltene Exemplare aus kostbarem Edelmetall mit aufwändigen Verzierungen oder segnenden Inschriften weisen Breiten bis über 4 cm auf. Die Albe wurde meist so stark gerafft, daß Schnalle und Gürtelband selbst nicht zu sehen waren. Die zweite Variante galt als sogenannter „römische Typus“, ein Bindegurt mit zwei lang herab hängenden Enden, die unter der Dalmatika in Schienenbein- oder Knöchelhöhe sichtbar waren und in Quasten oder/und quadratischen Beschlägen ausliefen. Sie wurden teilweise in „Buchform“ gestaltet, dem würden wohl Funde aus dem Großmährischen Reich zuzuordnen sein. Nur bedingt sind Ableitungen zur weltlichen Bekleidung der Oberschicht erlaubt, denn es waren kirchliche Amtstrachten, in antiker Tradition.






Da sind sie gerade vorbei am Bauernlümmel, die Helden seiner Kindheit, …Reiten die Recken, stattlich an Zahl: Hettel und Frute aus Hegelingen, Herwig von Seeland, Siegfried von Morland, Hettels Schwesternsohn Horand von Danmark, Irold von Ortland, Morung von Friesland, der junge Ortwin und der alte Wate aus Stürmen von Danmark, Hugdietrich und Wolfdietrich, Walther vom Wasgenstein, Eckehart, Wittich und Heime auch, Dietleib der Däne, Berchter von Meran, zur Linken trabt Meister Hildebrand von Garden, Bannerträger ist Rüdiger von Bechlarn, es führt Dietrich von Bern. Man wird ihnen nacheifern und über Jahrhunderte die alten Geschichten erzählen, im HMA niederschreiben. In der Völkerwanderungszeit liegen die Ursprünge der Identitätssuche, nachdem die Heimat der Vorväter verloren und eine neue gewonnen...


Exkurs: Heeresverfassung und Gesellschaftsstruktur vom FMA zum HMA und die Ausbildung schwerer Kavallerie

Fortführung von Gesellschaftl. Strukturen im Wandel von der Spätantike zum FMA. Im merowing. Heerbann waren Grundeigner als Freie mit Waffenrecht zum Kriegsdienst verpflichtet. Mussten sie damit auch jedes Frühjahr auf dem Märzfeld erscheinen (?) – vermutlich nicht, oder erst ab einer bestimmten Grundbesitzgröße. Es gilt zu unterscheiden zwischen „jährlichen“ Offensiv-Armeen, gestellt von den Mächtigen im Reich mit Gefolgschaften, welche Distanz-Feldzüge zu führen imstande waren, auf der anderen Seite Defensiv-Armeen, die nur in Notzeiten als allgemeines Aufgebot zur regionalen Verteidigung durch die Grafen einberufen wurden. Beide Armeetypen benötigten die Logistik durch Troß, Diener, Handwerker, Verpfleger; die Offensiv-Armee zudem Versorgungsstützpunkte auf der Strecke. Ein gewichtiger Unterschied lag in Bewaffnung und Ausrüstung. Der Heerbann schrieb eine gewisse Mindestrüstung nach Grundbesitz vor, Gefolgschaften hingegen waren erheblich besser, überdurchschnittlich ausgerüstet, da Mittel durch die Herren zur Verfügung standen. Der Herrscher bemühte sich also besonders um jene, bzw ließ soziale Schlüsselpositionen besetzen, damit Feldzüge möglich blieben. Die Werteauflistung von 45 Kühen für einen Panzerreiter wird oft zitiert, worauf die Schlagkraft der Offensiv-Armee basierte. Sie sicherte den Bestand des Reiches, mit ihr ließen sich Abtrünnnige und Nebenbuhler beseitigen, fällige Tribute eintreiben, säumige Klienten abstrafen. Desweiteren wurden Kontingente unterworfener Völker gentes subactae im Zwangsdienst hinzu gezogen. Grundvoraussetzung war die Züchtung geeigneter Pferderassen - es wurde eine Embargo verhängt, genauso wichtig war die Einführung des Hufeisens um 900, um den Huf zu schonen, aber auch mehr Zugfestigkeit, bzw Wendefähigkeit im Gefecht zu ermöglichen!

Karl I. (d Gr) fügte eine Anzahl Mansen (Güter) zu einer Wehrgemeinschaft zusammen und nötigte nur einen der Besitzer zum Kriegsdienst. Die anderen leisteten das servitium mit Stellung von Lebensmitteln, Karren, etc. Verantwortlich zur Durchführung waren wieder die Grafen. Es gab die Möglichkeit einen Ersatzmann zu stellen, kleine Hofstellen gerieten in Abhängigkeit von Großgrundeignern, wenn sie die Ersatzmann-Regelung durch jene trafen, verloren in Folge ihren Status - Freie wurden zu Halbfreien. Bei den weiträumigen Feldzügen Karls war mehr der gut gerüstete Panzerreiter gefragt, was die Masse zu Abgaben an Naturalien, Diensten und Münze zwang, damit sank die Verteidigungsbereitschaft des Heerbanns. Das „heribannumdegnerierte schließlich zu einer reinen Abgabe und Steuer. Freie zahlten Kriegssteuer zugunsten der Reiterelite, gerieten in Abhängigkeit der Großgrundeigner, welche Reiter zu stellen vermochten. Sie nährten ein Berufskriegertum, durch bessere Ausrüstung und ständige Waffenübung höchst effektiv. Die Armeen wurden professioneller. Für Defensiv-Aufgaben im allg. Heerbann blieb die alte Regelung wirksam mit Einberufung der Freien in Miliz-Kontingenten. Dazu konnten auch Hörige heran gezogen werden, das war bis ins HMA üblich, siehe beispielhaft Fuldaer Fehde 1265 oder Worringen 1288. Das nord. Hirðskrá, Gefolgschaftsrecht aus dem XIV. Jh, wies Hörigen den Waffendienst zu, Knechten nur zur Not. 1156 hatte Friedrich I. Barbarossa Bauern das Tragen von Waffen verboten, der Bay. Landfrieden von 1244 und 1256 erlaubte es größeren Grundeignern, siehe im Detail Gefolgschaft-Lehnswesen


2. Gürtelrekonstruktionen der Karolingerzeit VIII.-IX. Jh

Die Formen sind gleichsam geeignet für karolingische wie slawische Darstellungen und für die Frühphasen Haithabu oder Birka. Schnallen dieser Zeit weisen in der Regel Durchzugbreiten zwischen 2 und 4 cm auf. Schmale Formen wurden auch für Sporengarnituren verwendet, im skandinavischen Norden befinden sie sich teilweise in Frauengräbern (Birka), die bekanntlich keine Sporen enthalten und sind somit Leibgürteln zuzuordnen. Manche Frühformen laufen auf dem Kontinent bereits seit der 2. Hälfte VIII. Jh, also der Zeit karolingischen Aufstiegs. Alle Objekte können durch Oberflächenvergütung in Gold und Silber höheren Darstellungen gerecht werden.

A

B


-

Karolinger / Sachsen / Slawen

Herrenhof Thunau Gr. 129 „um 900“ (Mus. Asparn), Rahmen etwas höher als bei der Nachbildung. Dafür flache vergoldete Ausführung Ende VIII. Jh aus Müstair_CH. Sächsischer Fund Groß-Hesebeck, Gem. Bad Bevesen, bezeichnet als Schnalle mit "gebuckeltem Bügel“, 765 bis 835 datiert.

Markante „Buckel“ sind auch noch später an einer Skulpturenschnalle im Kreuzgang von Arles um 1180 zu finden, hat nur erheblich größere Dimensionen!

-

IX-X_005c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und U-förmige Zunge m Nietblech_bz

montiert 90,00 EUR

-

IX-X_005a_vs

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge vs

montiert 110,00 EUR

A

B


-

Karolinger / Sachsen / Slawen

-rechts: Zunge Direktabguss vom Original, nähert sich im Stil Beschlag von Westernkotten bei Unna und Fund aus der Festung Christenberg nördl. Marburgs an, nimmt im Kerbschnitt Bezug auf den verbreiteten Insularen Stil, der sich zeitgleich auch auf Architekturelementen findet.

Dargestellt ist ein Greif, mglw mit Schlangenschwanz, sowohl im Heiden- als auch im Christentum beliebtes Motiv, das über Jhe gerne zitiert wurde, bis hin zu Bodenfliesen im MFM, Würzburg um 1500. Das Doppelwesen war Hüter und Wächter mit übernatürlicher Kraft.

[Veredelung in Silber oder Gold mgl]

-

IX-X_005b_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot),

und Kerbschnitt-Zunge_bz

montiert 90,00 EUR

-

IX-X_001b vs

20 mm Riemen (natur/braun/rot),

und Kerbschnitt-Zunge_vs

montiert 125,00 EUR

[Echt-Silber für Amgl]

B

(C)


-

Karolinger / Sachsen / Slawen

Karolingische Schnallen und Zungen finden sich hauptsächlich in den Grenzbereichen (Marken), in Osteuropa (abgebildeter Fund aus Kroatien) oder in Schweden und Dänemark. Übernahme im sächs Raum wahrscheinlich, ähnlich zu Fibeltypen. Auch der Insulare Stil der Kerbschnitt-Zunge war im sächs. Grenzraum nicht unbekannt.

[Veredelung in Silber oder Gold für „Amgl]

-

IX-X_001b_me oder bz

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Kerbschnitt Zunge_me oder bz

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_001d_me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_me

montiert 95,00 EUR

B

(C)


-

Karolinger / Slawen / Nordmannen

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten nach Funden aus Großmähren in reich ausgestatteten Gräbern paarweise als Bestandteil von Sporengarnituren. In Skandinavien als Gürtelschnallen, siehe Birka KaGr 750 erste Hälfte X. Jh und weitere Stücke aus dem dän. Duesminde-Hort.

[Veredelung in Silber oder Gold für „Amgl]

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IX-X_001c_Nietblech_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge m Nietblech_bz od me

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_006c_Nietblech_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_me

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Karolinger / Slawen / Nordmannen



Schnallen karolingischer Form mit diversen Funden aus Haithabu und Birka. U“-förmige und rechteckige Riemenzungen sind geläufig in karolingischen Zeiten. Kleine Exemplare finden sich bei aufwändigen Sporengarnituren, grössere wurden in Skandinavien auch zu Fibeln umgearbeitet. Im nordischen Fundgut weisen fragmentierte Verteiler des Zaumzeugs die Richtung.

[Veredelung in Silber oder Gold für „Amgl]

-

IX-X_001c_Niet_bz oder me

Akanthus Schnalle massiv

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz od me [Detailbild]

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_007c_Nietscheiben_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Karolinger / Slawen / Nordmannen





Riemenende als Derivat eines spätawar. Scharnierbeschlags zur Zunge umfunktioniert, wie es in Zweitverwendung zuweilen gemacht wurde.

-

IX-X_001f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im spätawar.Stil_bz

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_007f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im spätawar.Stil_bz

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Karolinger / Slawen / Nordmannen





Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten. Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich wie in Kolin als Schwertriemenschnalle zweite Hälfte IX. Jh. Karoling. Herrscher prägten durch ihre Hinwendung zu mediterranen Formen die kulturelle Entwicklung.


-

IX-X_003c_Nietscheiben_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und U-förmige Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_003f_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im spätawar.Stil_bz

montiert 95,00 EUR

B


-

Karolinger / Slawen

-

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten. ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh.

-

Zungen mit abgefastem Rand sind bereits etwas älter und seit dem VII. Jh in Gebrauch, häufiger Bestandteil von Wadenwickelgarnituren, seit dem VIII. Jh werden sie kürzer, entweder zur U-Form oder spitz zulaufend.

[Oberflächenvergütung in Silber für „Amgl]

-

IX-X_004e oder f_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge e_bz 120,00 EUR [Detailbild li]

oder Zunge f_bz 110,00 EUR [Detailbild re]

-

IX-X_004td_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 110,00 EUR

D

E

siehe Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Zu den Kategorien A-E im Detail: Gesellschaftsstrukturen des FMAs


{im Aufbau} Slawen mit grenznahem Siedelraum zum Reich von der Ostsee, entlang Elbe und Saale, am Ober-Main, über das böhmisch-mährische Becken in den Ostalpenraum und beiderseits der mittleren Donau standen seit karoling. Zeiten in Tributpflicht. Lokale Herrscher übernahmen Repräsentationsformen aus dem Reich. Bei Balten und Esten spiegelten sich skandinavische Formen wider, genauso im polnischen Raum. Die dt. Forschung der 1940er wollte in Objekten mit nordischem Hintergrund unbedingt „Urgermanisches“ sehen. Ethnische Deutungen belasten die Forschung seit dieser Zeit. Ähnlich zur Entwicklung im Reich mit der Protegierung der Liudolfinger in Ostsachsen durch Kg Ludwig (d Deutschen), der lange Krieg mit dem Großmähr. Reich führte und Bündnispartner suchte, begann im IX. Jh in Osteuropa der Aufstieg mächtiger Familien, wie Premysliden in Böhmen, Piasten in Polen und Arpaden in Ungarn, ein Land mit slawisch-magyarischer Mischbevölkerung. Die Übernahme des Christentums stärkte Bindungen in den Westen und damit die Machtstellung dieser Familien. Da es ostfränk.-otton. Herrschern um sichere Reichsgrenzen, aber keine Neulandgewinnung ging, wurden Elb- und Ostseeslawen nicht missioniert, blieben also in ihrer angestammten Welt. Weiter östlich meint „Ukraine“ auf slawisch „Grenzland“. Östliche Slawen nannten Konstantinopel Zargrad. Der Reisende Ibrahim ibn Jakub über Abodriten an der Ostseeküste: „...reich an Pferden, so dass solche von dort exportiert werden...[ihre Herrscher] sind mit Waffen vollständig gerüstet, nämlich mit Panzern, Helmen und Schwertern[EM1000_III, S. 165], siehe unten und für die Frühzeit auch Gürtelrekonstruktionen VII.-VIII. Jh.





Zentralisierung oder Dezentralisierung der Herrschaft?

Das IX. Jh war geprägt durch zahllose Bruderkriege innerhalb der fränk. Reichsgebilde mit Teilungen, Abspaltungen, Wiedervereinigungen, was Angriffe von aussen begünstigte. Die ostfränk. Herrschaft stützte sich auf eine begrenzte Hausmacht sowie den Zuspruch kirchlicher Vertreter, deren Grundbesitz durch Schenkungen stetig wuchs. Konrad I. (911-18) versuchte mit Mühe die mächtigen Stammesherzöge, welche eigenständige Politik betrieben, „auf Linie“ zu bringen. Der Anspruch regionaler Machthaber war gewachsen, da gerade sie äussere Gefahren abzuwehren hatten und Grenzregionen sicherten. Der Aufbau einer Offensivwaffe in Form schwer gepanzerter Kavallerie, bei Franken bereits üblich, für Sachsen seit Heinrich I. (919-36), war finanziell nur mit Ausbau des Lehnswesen möglich. Das erzeugte Abhängigkeiten und stärkte wirtschaftlich wiederum den regionalen Adel. Es war der ständige Kampf um Legitimation einer Zentralmacht mit Wahlkönigtum. Der Hochadel tat alles, um genehmen Vertretern seines Standes den Weg zum Thron zu bahnen. Mehrfach versicherten sich zum Ende des IX. Jhs in den Bruderkriegen fränk. Herrscher magyarischer Kontingente, so auch Arnulf von Kärnten (887-99) im Kampf gegen das Großmähr. Reich. Nachdem aus ehem. Verbündeten Feinde wurden, waren die Einfallswege bekannt...und dieser Gegner sollte mit hoher Mobilität über Jahrzehnte viele Regionen schwer in Mitleidenschaft ziehen. Aus diesem Grund fand Heinrich I., der im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Abwehr zu organisieren wusste, bereitwillige Unterstützung aller Stammesherzöge, förderte damit die Prozesse zur Reichseinigung.

Das neue thüring.-sächsische Herrschergeschlecht, mit guten dynastischen Verbindungen zu den Angelsachsen, stärkte seine eigene Hausmacht an der Elbe und im Harzvorland. Die Verlagerung des Reichsmittelpunkts nach Osten gewährleistete nicht nur die Magyarenabwehr, sondern auch sichere Grenzen zu slawischen Stämmen östlich Saale und Elbe, in zähen Kriegen tributpflichtig gemacht. Magdeburg wurde unter Heinrichs Sohn Otto (936-73) Machtmittelpunkt, Erzbistum ab 968. Damit wandelte sich der Raum von einer karolingischen Mark zum neuen Kernland, bislang eher gekennzeichnet durch weite Waldgebiete, weniger durch gut ausgebaute Infrastruktur. Die Sicherung der Ostgrenze gab der Reichspolitik eine neue Zielrichtung, während der „Sprung über die Alpen“ in karolingischer Tradition stand. Beides war richtungsweisend für kommende Jahrhunderte.

Bischöfe und Äbte erhielten weltliche Machtbefugnisse und Rechte, wurden vielfach zu Reichsfürsten erhoben und galten als reichsunmittelbar, nur dem König lehnsabhängig. Als Herren mit großer wirtschaftlicher Macht stellten sie einen Gutteil der neuen Panzerreiter. Die hohen Würdenträger stammten zur Sicherung der Königsmacht häufig aus der eigenen Herrscherfamilie. Zum Feldzug Ottos III. 990 gegen Böhmen die Bemerkung Thietmars, daß alle Streiter in Eisen gewesen seien, also handelte es sich ausschließlich um die Offensiv-Armee der Mächtigen im Reich mit ihrem gepanzertem Gefolge.

Zeitalter der thüring.-sächs. Ottonen X. Jh

Otto III. (reg 983-1002), Szepter mit Victoria und Himmelsglobus als „christl. Kosmos“

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Zur Eindämmung der Magyarengefahr verfügte Heinrich I. die Befestigung von Klöstern, Pfalzen und Ortschaften sowie die Neuanlage von Fluchtburgen. Jeder neunte Lehnsmanns der milites agrarii wurde zu Unterhalt und Instandhaltung dorthin verlegt. Das war nicht mit Stadtgründung oder Verleihung von Privilegien verbunden. Doch sollten dort zukünftig Versammlungen, Märkte und Gerichtstage von Grafen und Schultheissen dort abgehalten, was eine Stadtbildung förderte, zumal Militär nun ausreichend Schutz bot. Man wird vielleicht darin den Ursprung der späteren „Stadtministerialität“ zu suchen haben? Warum sollte sonst jemand freiwillig vom Land in die Stadt ziehen? [-Schmunzel-] Vielfach wird von Wall-Palisadenanlagen, zwischen denen man Handwerk und Landwirtschaft betrieb, als von steinernen Umwehrungen auszugehen sein. Nur Klöster und Bistumszentren waren oft stärker gesichert.
















3. Quellen für die Ottonenzeit:

Für das „Reichsgebiet“ ändert sich an der schwierigen Quellenlage bezogen auf mangelnde Grabfunde nichts[3]. Sie lassen sich nur exterritorial erfassen. Meist sind wir auf Burg-, Motten- und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung. Ehemals römische Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen in der Kontinuität zeitlich breit gestreuter Funde, ähnlich in Italien und Frankreich. Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl exakt datierter archäologischer Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Zahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln. Letztere konnten in Gräbern als Leichentuchverschlüsse dienen. Senkel sind in diesem Zeitraum auf Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde, Sporen und Zaumzeugteile durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Skulpturen und Abbildungen sind selten oder „grob gearbeitet“, daß Details meist untergehen. In der byzantinisch orientierten Mode des Adels konnte zum Ende des X. Jhs ein reich verzierter und besetzter breite Stoffgürtel Bestandteil der Kleidung sein.

Byzant.-italienischer Einfluß in der westfränkisch-ottonischen Mode: Kleidung unterer Volksschichten war traditionell auf germanisch- und die der Kleriker auf römisch-spätantik zurück zu führen. Wobei sakrale Kult-Tracht ehrwürdiges Alter, Privilegien und Unantastbarkeit ausdrückte. Auch Herrscher folgten antiken Traditionen, um Legimation oder Ansprüche zu verdeutlichen, so wusste man sich in besonderen Repräsentationsmomenten standesgemäß „römisch“ zu kleiden. Karl I. (d Gr.) erschien am Weihnachtstag 800 in Rom nicht in „fränk. Tracht“, sondern mit langer Tunica und der „chlamys, dem röm-hell. Mantel. Während der Krönungszeremonie warf Karl die „chlamysab und schwang sich das purpurfarbene Ornat des oström Kaisers über. Auch der Karl II. (der Kahle 843-77) verfuhr nach ähnlichem Muster, zur Kaiserkrönung in Rom trug er 875/76 anläßlich einer Kirchenversammlung ein Gewand mit dalmatischem Talar. Bei Ankunft in Rom war Karl noch in „fränk. Tracht“ erschienen.[4] Beide provozierten mit der „griechischen Gewandung“ bewußt, formulierten ihren Machtanspruch in Anlehnung an das oström. Kaiserhaus, was sich brüskiert sehen musste, denn der Basileus in Konstantinopel verstand sich als einziger legitimer Nachfolger der Caesaren. Bereits merowingische Goldmünzen mit eigenem Herrscherabbild galten als Affront und Angriff auf die Stellung des oströmischen Kaisers. Über Jahrhunderte waren dies probate Mittel von Franken und Ottonen eigene Geltung nach Erneuerung des westlichen Kaisertums zu beanspruchen, auch Salier und Staufer sollten dieser Tradition folgen. Herrscherkleidung musste in der Öffentlichkeit beredt sein, meist konservativ und konnte auch völkische Elemente beinhalten, wie von Karl (d Gr) oder Otto I. (936-973) bekannt, schwache Herrscher durften sich das nicht erlauben. Kurze Tunicaformen blieben dem einfachen Volk behaftet, vom Adel als „altfränkisch= unmodern angesehen. Auch von der Herrschergattin wurden aufwändige Extravaganzen erwartet, von ihrem Ehemann nicht zwingend, da Tradition in seinem Fall äusserlich sichtbare Zeichen der Stabilität bedeuteten! Neue Moden stammten vielfach aus Italien, das unter oström. Einfluß stand. Byzantinische Sitten und Mode fanden seit der Zeit fränkischer Herrscher ihren Weg über die Alpen, unter den Sachsen nicht zuletzt durch die Heirat Ottos II. (973-983) mit der byzant. Kaisernichte Theophanu 972, die mglw nicht unerheblich an Ottos Idee wirkte Rom und Italien als Mittelpunkt des neuen „Sacrum Imperiumszu machen. Man vermutet, daß Seidengewebe mit sassanidischen Motiven, wie der „Elefantenstoff“ im Karlsschrein zu Aachen mglw aus dem Brautschatz von Theophanu stammten, der Mutter Ottos III. (983-1002), jener ließ im Jahr 1000 das Karlsgrab öffnen und das Tuch über die Gebeine breiten, siehe auch ROM-Byzanz-Seide-Italien.






4a Gürtelrekonstruktionen Byzanz, Langobarden, Slawen, Rus und nomadische Völker sowie aus dem islamischen Kulturkreis bis in die Ottonenzeit X. Jh

Langobarden, im Donauraum byzant. und reiternomadischen Einflüssen ausgesetzt, zogen ab 568 nach Italien. Der osteurop. Raum war größtenteils von Germanen verlassen worden und Slawen rückten nach. Sie gerieten im Westen in röm-kathol und im Süden in griechisch-orthodoxe Einflußbereiche, behielten aber Teile ihrer ganz eigenen materiellen Kultur. Baiuwaren unterhielten Verwandschaftsbeziehungen zum langobard. Herrscherhaus. Nach dem Ende der Agilofinger Herzöge Ende des VIII. Jhs nahm der karolingische Einfluß zu, viele oben aufgeführte karolingische Formen stammen vor allem aus dem baiuwar.-slawischen Grenzraum. Nachfolgend aufgeführte Rekonstruktionen orientieren sich an Funden aus dem ost- und süddeutschen-, dem Alpen- und Balkan-Raum, aus Osteuropa, dem Baltikum bis nach Skandinavien. Mit „Reitervölker“, also Pferdezüchter, seien vornehmlich Awaren, Magyaren und Bulgaren gemeint, später auch Chazaren, Usbeken, Petschenegen, Kumanen oder Seldschuken. An Rekonstruktionen für die „Herren der Wüste“, die nicht nur Pferde, sondern auch Esel oder Kamele nutzten und damit streng genommen nicht zu den „Reitervölkern“ zählen, wie Araber, Beduinen (badawi = Wüstenbewohner), Berber, Mauren und Sarazenen aus dem islamischen Kulturraum wird gearbeitet. Byzant-vandalische Formen können für Nordafrika und sassanidische für östliche Vertreter eine Orientierung vorgeben. Ansonsten herrschen mit Bindesystemen und „Koppelschlössern“ vollkommen eigene Gürtelformen vor, die nach Indien und Fernost verweisen. Manche der unten aufgeführten Rekonstruktionen sind als vereinfachte vielteilige Garnituren mit Nebenriemen aufzufassen. Sie können ergänzt werden, wie auf der vorangegangenen Seite die Kombination „VII_090_bz. Auch aufwändige Varianten mit Scharnierkonstruktionen möglich. Magyaren verwendeten statt der Nebenriemen Durchzüge, deshalb gab es keine Nebenriemenzungen, in der skand. Forschung als „orientalische“ oder „bulgarische“ Gürtel bezeichnet. Die hohe Anzahl gegossener Beschläge, bis zu 50 Stück meist sivg, weist auf den hohen Rang der Träger hin [Beschläge mgl]. Bislang sind an 143 magyar. Fundorten 184 Gräber mit diesen Gürteln bekannt, die sich nicht gleichen, das heißt es sind Sippen-, Familien- oder individuelle Besitzzeichen [EM1000_III_316]. Gürtel spielten bei nomad. Völkern grundsätzlich eine wichtige Rolle, zum Anlaschen der Ausrüstung und nicht zuletzt um Kleidungsstücke der Männer, meist Klappenröcke, zu schliessen. Eine Kategorisierung von A-E erweist sich für Reiternomaden als schwierig, da sie ein eigenes Gesellschaftssystem prägt, für Slawen und Rus aber durchaus angebracht.

Obwohl Grabausstattung für „Ottonen“ ohne Belang, sei zu den Kategorien A-E aufgrund überschaubarer Strukturierung verwiesen auf die: Gesellschaftsstrukturen des FMAs

B

(C)


-

Byzanz / Langobarden / Baiuwaren / Slawen / Rus

-

Byzantinische Formen mit festem Beschlag und Durchbruchornamentik seit dem VI. Jh im gesamten Mittelmeerraum von Spanien, Nordafrika bis nach Syrien verbreitet. Ebenso zahlreiche Funde in Italien, auf dem Balkan, in Süddtld, von Osteuropa bis in die Rus-Reiche. Ausführung rechts Befestigung mit Ösen für Trägermaterial Leder und Stoff.

Zungen sind zu diesen Schnallen nicht immer nachweisbar, hier also ergänzt

-

VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mgl Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 59,00 EUR

-

VII-VIII_002b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR

B

(C)


-

Byzanz / Awaren / Langobarden / Baiuwaren / Slawen

-

Schnalle mit verziertem Scharnierbeschlag ähnlich zu Fund aus spätawarischem Gräberfeld von Szekkutas, Hodmezövasarhely oder aus langobard. Gräbern. Solche Schnallen werden teilweise als byzant. Auftragsarbeiten für die Märkte nördlicher Anrainervölker gewertet.

[vielteilige Garnitur mgl]

-

VII-VIII_001b_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mögliche Zunge_bz 5 x 1,5 cm

montiert 79,00 EUR

-

VII-VIII_001d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und mgl Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien]

montiert 75,00 EUR

B

C


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Reitervölker / Slawen / Langobarden / Ottonen / Islamischer Raum

-rechts: Schnallen mit „vorgezogenem Dornrast“ sind typische Formen der Reitervölker, vom Vorderen Orient, Byzanz bis nach Ungarn. Funde in unserem Raum, siehe eiserne tauschierte Variante vom Ufer-Handelsplatz in Mainz.

Lanzettförmige Zungen mit abgefastem Rand finden sich seit sassanidischen Zeiten und gelangten in abgewandelten Formen in den Westen, vielteilige Garnitur mgl.

Riemenende ganz rechts als Derivat eines spätawar. Scharnierbeschlags zur Zunge umfunktioniert, wie es in Zweitverwendung gemacht wurde.

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VII-X_013c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und lanzettförmige Zunge_bz

montiert 75,00 EUR

-

IX-X_012f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im spätawar.Stil_bz

montiert 85,00 EUR

B


-

Reitervölker / Slawen / Langobarden

-

Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten. Ähnliche Funde aus dem Großmährischen Reich, als Schwertriemenschnalle 2. Hälfte IX. Jh.

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Zunge rechts siehe Funde aus Norditalien, ähnl. Personendarstellungen auch aus dem Großmährischen Reich. Zunge ganz rechts magyarischer Stil.

-

IX-X_004g_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_004i_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Reitervölker / Slawen / Rus

-

Die magyarische Zunge ganz rechts zeigt Ähnlichkeit zu berühmten sivg Taschenbeschlägen und Mützenspitzen aus der Landnahmezeit um 900. Die Anregung stammte von Seidenstoffen aus dem asiatisch-sogdischen Raum. Nutzer der Taschen waren Gefolgsherren, welche die Ursprungsmotive wohl noch aus eigener Anschauung vor Ort kennen gelernt hatten [EM1000_III, S. 310f].

Beschläge mit Durchzügen zum Anlaschen von Gerät für Oberschichtengürtel waren in der Regel gegossen, für die Kleidung auch aus sivg Zierbleche. Die Zunge ist in Bronze einfach gehalten, kann durch Oberflächenveredelung höheren Darstellungen gerecht werden.

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X-XI_003f_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im spätawar.Stil_bz

montiert 79,00 EUR

-

X-XI_003i_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im magyarischen Stil_bz

montiert 79,00 EUR

B

(C)


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Reitervölker / Slawen / Rus

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Rechts: Schnalle mit stilisierten Akanthusblüten kombiniert mit Zunge im bulgarischen Stil



Ganz rechts: Schnalle mit „hohem Rahmen“ und reiternomad. Hintergund kombiniert mit magyarischer Zunge.

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IX-X_003h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00

-

IX-X_011i_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge im magyarischen Stil_bz

montiert 95,00 EUR

B

C


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Reitervölker / Slawen / Nordmannen





Zungen im bulgarischen Stil

[auf den Bildern Schnallenbeschlag noch nicht vernietet, nur lose auf das Leder gesteckt]

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IX-X_007g_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

-

IX-X_007h_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

B

C


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Reitervölker / Rus / Birka







Orientalische“, bzw „bulgarische“ Gürtelformen in Haithabu nachweisbar und in Birka nach 900 als Grabfunde im Bereich der Garnison, oft Bestandteil vielteiliger Garnituren



[Gürtel als Derivat einer vielteiligen Garnitur, Zierbeschläge mgl]

-

X-XI_009_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Oriental. Typus“ mit Zunge_bz

montiert 69,00 EUR

-

mögliche Tragweise als Alternative zur häufig angewandten „Reenacter-Schlaufung“, für die es m.E. im Gürtelbereich keine eindeutigen Belege vor 1300 gibt, abgewandelte Formen sind in Sonderbereichen, wie beim Pferdegeschirr, allerdings bekannt

B

(C)


-

Otton. Reichsgebiet / Slawen





nach Funden aus dem westslaw.- und Ostsee-Raum. Sowohl Akanthus-, als auch Tiermuster auf Reichsgebiet häufig, hinzu dynastische Verbindung in den angelsächs. Raum und Kontakte nach Skandinavien, meist über Dk.

[Probebilder - Schnallenbeschlag noch nicht gebohrt und vernietet]

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IX-XI_012ay_bz oder me

18 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz oder me

montiert 95,00 EUR

-

IX-XI_013axb / [Detailbild: 013axa]_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Otton. Reichsgebiet / Slawen / Nordmannen



nach Funden aus dem westslaw.- und Ostsee-Raum, Schnallentypen aus Birka. Die Zunge zeigt eine Strichgravur wie auf Funden Wende X./XI. Jh häufig, deutlich feiner als beim Jellinge-Stil.

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[Probebilder - Beschlagblech noch nicht gebohrt und vernietet]

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X-XI_007ad / [Detailbild: 008ad]_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliches Ort_bz oder me

montiert 99,00 EUR

-

X-XI_008axa / [Detailbild: 007axa]_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz oder me

montiert 99,00 EUR

B

(C)


-

Byzanz / Otton. Reichsgebiet / Slawen / Normannen



Zunge in Kombination von Tierkopf und Kreuz mit Verbreitung in Osteuropa und in Kombination mit Schnalle auch für südital.-byzant.-normann. Raum.



[Veredelung in Silber mgl für A]

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X-XI_001a_bz

18 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR

-

X-XI_001axa_bz

18 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 85,00 EUR

B

(C)


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Byzanz / Otton. Reichsgebiet / Slawen / Normannen

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Schnallen mit „abgesetztem Steg“ bedürfen keines Dornschlitzes im Leder und haben eine lange Geschichte. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker in den Westen mit hoher Verbreitung nach Mitteleuropa bis ins HMA. Die „vorspringende“ Dornachse erinnert an Schnallen der RKZ, als byzant. Form häufig – in Kombination mit Tierkopf-Zunge für südnormann. Raum.

[Veredelung in Silber mgl für A]

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X-XI_001b_bz

18 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 79,00 EUR

-

X-XI_001n_bz oder vs

18 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz oder vs [Detailbild]

montiert 69,00 EUR bz / 90,00 EUR vs

B

(C)


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Reitervölker / Otton. Reichsgebiet / Slawen



Schnallenform mit „abgesetztem Steg“ siehe Beschreibung oben. Mögliche Zunge „Greif“ nach einem Steigbügelbeschlag im LM Mainz, Beutestück aus den langen Magyaren-Kriegen nach erfolgreichen Abwehrschlachten wie Riade oder Lechfeld...

[Veredelung in Silber mgl für A]

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X-XI_002b_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_me

montiert 79,00 EUR

-

X-XI_002c_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Möglicher Beschlag und mögliche Zunge_me

montiert 99,00 EUR


Nomaden (griech. „nomas= weiden) sind sesshaften Kulturen vielfach unverstanden und letztere blicken gewöhnlich auf sie herab. Der lat Begriff für Ackerbau „cultivare, davon abgeleitet „Kultur“, schließt mit Überheblichkeit nomadische Völker als Kulturschöpfer aus. Ungeachtet dessen lagen die Ursprünge der drei westlichen Hochreligionen im Nomadismus begründet! Der Vordere Orient bot über Jahrtausende viehzüchtenden Wandervölkern Lebensraum. Überheblichkeit der Sesshaften scheint unangebracht. Denn vielfach gewannen Nomaden die Oberhand. Frühe Beispiele mögen semitische Volksstämme aus dem heutigen Syrien oder halbnomadische Bergvölker des Zagros-Gebirges sein, die zur Bronzezeit nach Mesopotamien einfielen und die Kontrolle im Zweistromland übernahmen, ein Hochzentrum urbaner Zivilisation! Sie zerstörten die Städte nicht, sondern forderten Tribute und glichen ihre Kultur der sesshaften an, ließen sich nieder. In den nächsten zwei Jahrtausenden folgten erneute Einwanderungen aus Regionen nördlich des Kaukasus und östlich des Kaspischen Meeres, mit Pferd und Wagen (Hyksos, Hurriter, etc) sowie Reflexbögen und Waffen aus Eisen statt aus Bronze (Kimmerer, Skythen, etc) technologisch und metallurgisch überlegen. Die eurasische Steppe gilt als eine der größten nomadischen Lebensräume mit teilweise sehr unwegsamen Wüsten- und Gebirgsregionen. Fernöstliche Steppengebiete, recht hoch gelegen, sind klimatisch rau durch schneereiche Winter mit tiefen Temperaturen. Südliche und westliche Regionen bieten ein annehmbares Klima, wenn auch mit heißen Sommern und Trockenperioden. Jahreszeitlich bedingte Wanderzüge dienten dazu den Zuchtviehbestand durch Wechsel der Weiden zu erhalten. Notsituationen veranlassten Steppenvölker des Ostens aber immer wieder zu grossen Wanderungen in Richtung auf die chines. Flusslandschaften, in den Raum südlich des Urals (Usbekistan, Tadschikistan, etc.) oder man suchte Weidegründe in den „südrussischen“ Ebenen, selbst der Kaukasus wurde überschritten. Der Besitz von Pferden oder Kamelen ermöglichte große Distanzen zu überwinden. Häufig waren Nomaden Mittler im Etappenhandel, so daß sie kostbare Materialien, dessen Transport Gewinn versprach, aus weit entfernten Gebieten zusammen führen und weitergeben konnten. Das raue Dasein brachte einen abgehärteten Menschenschlag hervor, der sein Vieh, den Treck oder auch die Karawane sorgsam schützte. Gleichzeitig war es möglich, daß man bei unliebsamen „Nachbarn“ oder sesshaften Völkern auf Beutezug (arab. ghazw, ghazwa = Razzia) ging, eine Art „sportliche Betätigung“ junger Männer. Hohe Anspruchslosigkeit und ständige Kampfbereitschaft kennzeichnen Nomaden. Auch Frauen wirkten bei Kämpfen mit, wie es seit der Antike diverse Quellen bezeugen. Ansonsten lag ihr Hauptaufgabengebiet rund um die heimische Jurte. Hundezähne als Amulette tauchen in magyarischen Gräbern nur bei Frauen auf. Der Hund als Wächtersymbol in einer Gesellschaft welche dem Tier, verbunden mit dem Schamanismus, einen hohen Stellenwert einräumte, siehe auch Darstellung des Hundes auf Pferdegeschirrbeschlag in einem Frauengrab in Ungarn [EM1000 III, S. 70].

Nomaden haben einen sehr guten Orientierungssinn und sind extrem anpassungsfähig, was z.B. bei abrupten Wetterwechseln, ausgelöst durch starke Winde in der Steppe, zwingend notwendig ist. Der Viehbestand ist im Familien- oder Sippenbesitz, dem große Achtung beigemessen wird und daraus resultiert das Wertesystem für Führungspositionen. Persönliches Eigentum zählt ansonsten nicht viel. Das kann zu starken Divergenzen führen, wenn nomadische und sesshafte Kultur aufeinander treffen, denn letztere misst individuellem Besitz extrem hohe Bedeutung bei. Interessant sind für den Nomaden vornehmlich Dinge, welche das Leben des Familien- und Sippenverbandes in unwirtlicher Gegend ermöglicht. Nur der Zusammenhalt garantiert das Überleben in einer lebensfeindlichen Umwelt, die kaum Fehler verzeiht. Auf Weideland besteht oft lang tradiertes Nutzungsrecht, wird aber durchaus tolerant mit anderen Gemeinschaften geteilt. Oft gab es spannungsgeladene Angleichungsprozesse, wenn sesshafte Kultur und Nomadentum aufeinander prallten. Nomaden waren Mittler von Gütern und Ideen aus weit entfernten Gegenden, die Sesshaften boten Agrarprodukte, Rohstoffe, wie Erze und Metalle und deren handwerkliche Verarbeitung. Der Austausch konnte friedlich über Märkte vonstatten gehen oder durch Beutezüge, so daß früher von einem „Raubnomadentum“ gesprochen wurde, wie man es Hunnen, Awaren, Magyaren oder Mongolen vorwarf. Heute sieht man darin eher kurzzeitige Erscheinungsformen, da nomadische Gesellschaften nicht auf Dauer von Beute allein leben können. Unterdrückung und Erpressung von Tributen macht beide Seiten abhängig. In kriegerischen Phasen bildeten sich hierarchische Strukturen unter Führungspersönlichkeiten aus, mit Klientel- und Vasallenverhältnissen als markante Säulen der Herrschaft, denn Ländereien gab es nicht zu verwalten, hingegen unterjochte Sesshafte zu kontrollieren und Tribute abzufordern. Materiell gerieten sie in Abhängigkeit der sesshaften Kultur, um Machtverhältnisse, gestützt auf Gefolgschaften, aufrecht zu erhalten. Nomadische Gesellschaften, die von ihrer herkömmlichen Daseinsform abgeschnitten waren, unterlagen immer wieder dem Integrationszwang in sesshafte Zivilisationen. Umgekehrt konnten sesshafte Völker im Extremfall zur Migration und damit zu einem Nomadentum gezwungen werden, wenn die Lebensverhältnisse unhaltbar wurden, wie in den Völkerwanderungen vom IV. bis zum VI. Jh, die Europa so nachhaltig prägten.




4b - Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Eisen, aus Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Mit Handhämmern wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Anteil. War der Gehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Schmiede besassen hohes Ansehen. An Schnallen sind flache oder rundstabige D-Formen, ovale und eckige Varianten nachweisbar und geeignet für alle einfachen Darstellungen sowie militärische Zwecke. Breiten von über 4 cm werden archäologisch meist dem Pferdegeschirr zugerechnet. In Grimstrup Reitergrab A, Südwestdänemark, lagen Schnallen zw. 5,5 bis 7 cm Breite vor [Stoumann, Ryttergraven fra Grimstrup, S166]. Im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs Eisenproduktion vom HMA zum SMA.

D

E


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Eis_20 oval rundstabig

20 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR

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Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 35,00 EUR

-

-

Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 45,00 EUR

D

E


-

Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen braun/natur ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

-

Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 49,00 EUR

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Eis_30 flachstabig mit Schnallenblech

30 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenietet 65,00 EUR


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Zur Einführung die Zeitenwanderung: "...Die Nacht war endlich vorüber, lausig kalt. Immer wieder hatte es geregnet, wie auch die Nächte zuvor. Die Hände klamm, die Finger steif und Wasser perlte vom Haar "

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Historischer Kontext IX.-XI.Jh:

Eine frühe Besiedlung Skandinaviens setzte in der Jungsteinzeit ein. Der Golfstrom sorgte für ein erträgliches Klima. Während der hohe Norden nomadisch geprägt war, folgten im Süden Entwicklungen wie auf dem Kontinent mit Megalithkultur, Hügelgräber-Bronzezeit und Übergang, bzw Ergänzung durch Brandgräber. Bootsförmige Steinsetzungen und Felszeichnungen gelten als besondere Hinterlassenschaften, welche mit Jagd-Darstellungen schamanistische Wurzeln, den Schiffs- sowie Kriegsszenen soziale Hierarchien vermuten lassen. Skandinavier waren klimatischen Änderungen mit Auswirkung auf Flora und Fauna besonders ausgesetzt, so daß es wiederholt zu Brüchen in Wirtschaft, Mode und Sitten oder im Extremfall zu Auswanderungen kam, stellvertretend seien Kimbern und Goten genannt. Einige südgerman. Stämme werden ihre Wurzeln im Norden haben. Eisen konnte anfangs nur mühsam aus Moorerzen gewonnen werden und war lange, ähnlich wie Kupfer, begehrtes Importgut, schuf Abhängigkeiten zum römisch dominierten Kontinent. Für das MA konnten inzwischen zahlreiche Fe-Produktionsstätten analysiert werden, Eisen wurde Exportgut - Kupfer bleibt schwierig und wurde erst seit der frühen Neuzeit, z.B. aus dem schwed. Falun, in großen Mengen gewonnen.[5]

Die folgenden Betrachtungen differenzieren zwischen einem westlich zur Nordsee ausgerichteten Kreis einschließlich Dänemark und Haithabu, der schwed. Region und einem östlichen Kreis von Gotland zu den Rus.

Nordseeanrainer (Norweger, Dänen) machten ab ca 800 durch Beutezüge auf sich aufmerksam und bekamen in den Chroniken eine „schlechte Presse“. Das fränkisch dominierte Westeuropa war durch lange Bruderkriege innerlich zermürbt und geschwächt. Nordmannen boten sich verlockende Ziele mit Beutezügen auf die Quellen fränkischen Reichtums. Der Ostseeraum war eher durch Handel geprägt. Aufgrund hoher Mobilität mit technisch ausgefeilten Transportmitteln galten Nordmannen als perfekte Handelspartner. Güter zu schützen galt als „a und o“ im Fernhandel. Wagemut und Risikofreude sollten sich gewinnträchtig auszeichnen. Wie Sachsen einst Wege zu westl. Inseln gewiesen hatten, folgten schwedische Waräger den Spuren ihrer gotischen Vorfahren, die bereits vor Jahrhunderten tief in osteurop. Weiten vordrangen, mglw riss die Verbindung niemals ab! Sie unternahmen mit speziellen Flussbooten monatelange Reisen, um bsplw das ersehnte Zargrad/Byzanz zu erreichen oder Etappen- und Fernhandel mit Waren aus Bagdad zu treiben. Die Rus-Reiche gingen einen „exotischen“ Sonderweg mit Symbiose aus nordischem, slawischem, byzantinischem und nomadischem Kulturgut.

Das Gefolgschaftswesens zwang zur Verpflichtung der Entlohnung mit Beute einbringenden Fahrten, wie bereits im Kap. „Nomaden“ geschildert, ergaben sich Abhängigkeiten. Könige, mächtige Herren und Jarls hielten sich eine Haustruppe, nord. hird oder lidi, dän. huscarl (Hauskerl). Die Bewaffnung wurde vom Herrn (altengl. hersir) gestellt und hat als überdurchschnittlich zu gelten. „Treueschwur - Beute - Geschenk“ galten als Kittmasse in einem komplizierten Beziehungsgeflecht. Geben und Nehmen hatte zeremoniell verpflichtenden Charakter, siehe Hundertschaft-Gefolgschaft-Lehnswesen

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800-1066

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Mjölnir

wurd die Waffe / Thors genannt

weit im Wurf / Riesen übermannt

Heil Dir Thor / Segner der Saaten

Ruhmreich raunen / des Asen Taten

Skalden Sang / im Edda-Liede

Siege was aus / Zwergen Schmiede.

Seid Ihr einst / zu Sternen Stunde

geladen Gast / in Walhalls Runde

zählet dann zu / Thors Gesinde

bevor der Christen Gott Euch binde.“

[...anstabend und mit Endreim, keine wortgewaltige Skalden-Kraft]

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Gürtel der (Vendel-) und Wikingerzeit

[Rekonstruktionen, die unter „Karolinger“ oder „Reitervölker“ gelistet und vielfach aus skandinavischen Fundkomplexen stammen, werden unten nicht noch einmal wiederholt.]

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort, ae = ähnlich,

KaGr = Kammergrab, BrGr = Brandgrab


5. Quellen für die „Wikingerzeit“:

Aufgrund der klimatischen Verhältnisse zeigen sich in Nordeuropa recht eigenständige Entwicklungen. Aber immer wieder erreichten neue Modewellen den Norden, Einfallstor war nicht selten der dänische Raum, dessen Einflußzone sich bis nach Norwegen und Schweden erstreckte, die alte Heimat der „Dänen“. Grabbeigaben aus Metall dokumentieren, daß Sachgüter und Fremdobjekte des Kontinents in die eigene Kultur integriert, nach ästhetischem Empfinden durch Feinschmiede, aurificis an den Höfen umgeformt und Eigenkreationen geschaffen wurden, um Ansehen und Ruhm ihrer Herren zu mehren. Begehrt waren Standessymbole der kontinentalen Elite. Ähnlich wie das Röm. Reich in der Spätantike im „Freien Germanien“ wirkte, übte fränkische Kultur auf Nordgermanen Anziehungskraft aus. Wäre dem nicht so gewesen, hätte man sich jegliche Beutezüge sparen können. Während Gräberfelder der MWZ des VI./VII. Jhs auf dem Kontinent reichhaltige Grabensembles zeigen, begann mit der Christianisierung eine Übergangsphase der Ausdünnung. Dies traf mit zeitlicher Verzögerung auch europäische Randzonen. Bis dahin dokumentieren Grab- und Hortfunde aus vielen Teilen Skandinaviens, speziell von Gotland, aber auch aus dem slawischen Osteuropa einen breiten Formenreichtum. Gut datierbare Siedlungsfunde kommen aus küstennahen Handelszentren wie Nidaros/Trondheim, Skíringssalr/Kaupang, Ripa/Ribe, Sliesthorp/Heddeby/Haithabu, Björkö/Birka oder aus Orten entlang der slaw Ostseeküste z.B. Oldenburg/Starigard, Reric/Wismar oder des heutigen Alt Lübeck, Groß Strömkendorf, Rostock-Dierkow, Ralswiek auf Rügen, Menzlin/Anklam, Wollin/Wolin oder Truso bei Elblag an der Weichselmündung zutage. Manche dieser Orte verloren ihre Bedeutung und erlebten die Jahrtausendwende nicht, da sie aufgrund geschützter Lage an Flüßen im Landesinneren nur von kleineren Schiffen angelaufen werden konnten. Doch Tonnage und Tiefgang der seegängigen Transporter nahm zu und diese Häfen hatten das Nachsehen, neue Standorte gewannen an Bedeutung...

Gürtel wurden in der „Wikingerzeit“ nicht häufig als Grabbeigabe ausgewählt, nur Gotland zeigt ein hohes Fundspektrum. Es fehlen, vor allem aus Frauengräbern, Gürtelreste aus Metall. In Sagas wird von einem Kleid berichtet, das seine Trägerin in der Taille schnürte, ohne einen Gürtel speziell zu erwähnen. Als Denkmodell wären grundsätzlich Stoffgürtel mit Bindesystem ohne Schnalle nicht ausgeschlossen. Ein reiner Stoffgürtel vergeht wie der Rest der Kleidung und bleibt damit kaum nachweisbar, wenn nicht die Möglichkeit des Erhalts durch Metalle gegeben war, siehe Textilreste. Im Rus-Bereich soll es wohl eindeutige Belege für diese Gürtelart geben, mir momentan aber noch nicht bekannt. Gute Verbindungen über den Etappenhandel zum Vorderen Orient, in einen Raum mit zahlreichen textilen Gürtelvarianten, macht die Annahme wahrscheinlich. Es war allerdings schon immer gewagt zu behaupten, daß Frauen keine Gürtel trugen [Geijer Birka III, S. 153], wenn auch in Männergräbern meist keine anzutreffen sind! Vielfach sprechen wir über Brandgräber mit besonderen Bestattungsriten. Erhalten sind kleine gegürtete Frauen-Statuetten und in Haithabu weist ein Textilrest mit Abriebspuren an der Kleidung darauf hin. Gräber können zur Frage der Gürtelnutzung kaum Erkenntnisse liefern. Grabinhalte sind eben nicht „Spiegel des Lebens“, sondern stellen eine intentionelle Auswahl dar, siehe Gesellschaftsstrukturen des FMAs. Die Nestorchronik verzeichnet zum Jahr 987 ein interessantes Detail als Fürst Wladimir von Kiew Botschafter zu den umliegenden Völkern schickte, um deren Religionsausübung zu prüfen. Die Gesandten zu den Bulgaren berichteten, daß jene Kultfeiern in Gotteshäusern ohne Gürtel ausführten; erstaunlich, daß man dies erwähnenswert fand. An den Silber beschlagenen „Reitergürteln“ waren Bogenköcher, Säbel und Taschen angelascht, deshalb legte man wohl alles zusammen ab. Auch nordische heilige Stätten wurden ohne Waffen betreten und gleichfalls, wohl unter Aufsicht, deponiert. Noch im XIV. Jh wird zu schwed. Kirchen das sogenannte „Vapenhus“ erwähnt, wie an der Südseite des Langhauses der Kirche von Dalby im Süden von Skane/Schonen, in welchem Kirchenbesucher sich der Bewaffnung entledigten, auch hier ist mit dem Abschnallen von Waffengurten zu rechnen und keineswegs mit einem „Depot von Klingen“.





Herzog Harold mit abgeschnalltem Spathagurt in der Verhandlung mit Graf Wido [rechts, nicht sichtbar],

im Hintergrund links das Gefolge Harolds angeschnitten, in diesem Fall das einschneidige Hiebschwert abgeschnallt, 2. H. XI. Jh

Der Blick auf Norwegen ist untrennbar verbunden mit dem Schiff. Manche Orte an der zerklüfteten Küste waren nur zur See erreichbar. Nicht viel anders begünstigten die 500 Inseln Dänemarks oder das Gewässerreiche Schweden mit seinen Seen und Schären eine ausgeprägte Küstenschiffahrt. Nordischer Bootsbau ist seit der Bronzezeit nachweisbar, siehe Felszeichnungen, oder aus der frühen Eisenzeit das dän. Hjortspring-Boot. Tacitus rühmte Flotten der Suionen [Germ, Kap 44]. Konstrukteure des Mittelalters standen somit in langer Tradition und modifizierten zahlreiche Typen, nicht weniger Sachsen oder Friesen. Es wurden schöne und schnelle Schiffe gebaut, die mit weniger als einem Meter nur geringen Tiefgang besassen und sehr flexibel agieren konnten. Die norweg. Funde von Oseberg (1.H. IX. Jh) und Gokstad (Wende IX./X. Jh) waren Küstenschiffe und vermitteln höchste Professionalität. Interessant sind Details zur Stellung der Frau in Oseberg oder zu Vorlieben des Bestatteten in Gokstad mit 8 Hunden samt Schlitten (!) und Beigabe von Möbeln, Textilien sowie 12 bestatteten Pferden, welche wohl das Schiff auf Land gezogen hatten und im Ritus geopfert wurden. Den Handel übernahmen spezielle Frachter, vor allem für schwierige „Ostfahrten“. Über lange Zeit dominierten Transportmittel wirtschaftliches und politisches Denken - keine Zivilisation ohne gute Verkehrsanbindung, das Schiff war Massengut-Transporteur.[6]

Davon profitierten alle Ortschaften in Küsten- oder mit Flußlage, was sie allerdings Begehrlichkeiten aussetzte, falls Personen nicht bereit waren für Güter entsprechende Gegenwerte zu entrichten. Vor allem Norweger und Dänen kamen damit ins Blickfeld westlicher Quellen, da sie bei Beutezügen geschickt Flüße nutzten, um tief ins Landesinnere vorzustoßen. Wie sehr Flüsse strategisches Denken lenkten, sieht man an der Wahl der Reichsgrenzen Roms und Vormarschrouten seiner Armeen. Flüsse dienten der Verlegung und Versorgung, daran sollte sich im MA wenig ändern. Nicht umsonst begann Karl d Gr unter immensem Aufwand mit dem Bau eines Kanals zwischen Main und Donau als er gegen die Awaren zu Felde zog, siehe auch Heer- und Handelswege im Mittelalter

Beutezüge per Schiff verfuhren nach altbewährtem Muster, einst durch Sachsen gegen die röm. Provinzen Britannien und Gallien zur röm. Kaiserzeit (RKZ) angewendet sowie gegen die jütländische Küste durch Völker aus Südschweden und von den Inseln, welche man später „Dänennannte. Die genutzten Schiffstypen werden dem des Nydam-Boots B entsprochen haben, geklinkert beplankt, ohne Segel, gerudert, mglw auch gepaddelt [Nydam hatte Dollen, aber Tacitus erwähnt zu seiner Zeit „lose Ruder“ und „Nutzung wie auf Flüssen“]. Bei Angriffen auf die jütländische Küste fanden sie Verwendung, siehe Mooropferfunde mit Heeresausrüstung in Illerup Adal, Thorsberg, uvam. Hölzerne Seeblockaden aus Jütland sind bekannt aber bislang keine Zerstörungshorizonte. Es ist fraglich inwieweit die Abwehr erfolgreich war - Opferung als Zeichen des Sieges oder verzweifelte Bitte um göttlichen Beistand? Im negativen Fall motivierten sie vielleicht einst hier siedelnde Angeln, Sachsen und Jüten im V. Jh zur Umsiedlung nach England? Die Insel im Westen war gut bekannt, nach Abzug der Römer schlecht verteidigt und Einheimische uneins, so daß jene sächs Kontingente anheuerten und anlockten. Angelsächs. Schiffstypen basierten auf dem Nydam-Boot, wie Gräbern von Sutton Hoo oder Snape in East Anglia (ca. 600 bis 625 AD) zu entnehmen ist, über Besegelung keine Aussage möglich, da nur die Schiffsform durch Klinkernägel erhalten war. Doch Segel erfordern einen starken Kiel, die bisherige Bauweise war dafür vollkommen ungeeignet, deshalb konnte man Segel, wie man sie bereits von den Römern kannte, nicht einfach übernehmen.

Oben erwähnte Attacken auf den Kontinent beschränkten sich nicht auf Jütland. Zu Zeiten der Merowingerkönige berichten Quellen im VI. Jh von Plünderungen der friesische Küste. Um 520 wurde das Reich Theuderichs I. von „Seekriegern“ heimgesucht, wohl unter dem Dänen Chochilaichus. Während der Zwistigkeiten nach dem Tod des Hausmeiers Pippins II., griffen 716 Friesen an, manche Quellen nennen auch Sachsen, welche mit ihren Schiffen den Rhein hinauf fuhren! Angriffe auf die westeurop. Küste im IX. Jh ist also keine neuartige Erscheinung, sondern steht in langer Tradition, allerdings wurden die Schiffe seetüchtiger, ohne daß sie den Vorteil des geringen Tiefgangs, weniger als 1 m, verloren.[7] Gotländische Bildsteine des frühen VIII. Jhs zeigen nun eine Besegelung, dazu bedurfte es der neuartigen Schiffskonstruktion mit starkem Kiel. Die Ruderfähigkeit musste für Schlechtwetter oder um flußaufwärts zu gelangen erhalten bleiben, Name „Rus“ mglw abgeleitet vom gemeinschaftlichen Rudervorgang an Bord. In Westeuropa bestand auch die Möglichkeit Treidelpfade mit erbeuteten Pferden zu nutzen, denn die Versorgung großer Armeen bedurfte Planung.

Nordmannen besassen gegenüber Karolingern zu Land keine überlegene Waffentechnik, wie Mauren und Sarazenen mit sehr mobilen Fernkämpfern, im Gegenteil, Waffen wurden im Norden teilweise aus dem fränk. Reich importiert. Das Embargo Karls I. (d Gr) fruchtete nicht, ein „Leinen-Embargo“ hätte vielleicht erfolgversprechend geklungen, um nordischen Schiffen die Besegelung zu nehmen, doch wurden imprägnierte Wollsegel genutzt in Kombination mit Leinen-/Lederstreifen, um ein Dehnen zu verhindern, daraus resultierten wohl die Rautenmuster auf gotländ. Bildsteinen. Das Überraschungsmoment der „raids“ zur See bei geringem Tiefgang der Schiffe brachte Nordmannen Vorteile. Die Abwehr oblag üblicherweise regionalen Grafen mit Befestigung der Küstenorte, während der Westfranke Karl II. (d Kahle 843-877) sein schwer gerüstetes Offensivheer mit den Panzerreitern eher bei inneren Thron- und Gebietsstreitigkeiten einsetzte, sich mit Gebietsausweitung nach Lotharingen sowie Italien beschäftigte und der Ostfranke Ludwig (d Deutsche 843-76) durch Feldzüge gegen Slawen gebunden war. Hatten sich Nordmannen einmal mit großem Heer fest gesetzt, beherrschten sie alle Künste in Angriff und Verteidigung mit dem Bau von Kriegsmaschinen oder Anlage von Feldbefestigungen und waren dem fränk. Defensiv-Aufgebot (militia - Miliz) meist überlegen. Eine entschlossener Führung konnte Erfolge gegen Nordmannen erzielen, an der es aber nur zu häufig mangelte, 845 und 873 gelang es Friesen, 866 wiederum nicht, auch Franken waren 880 und 881 erfolgreich, Sachsen 880 nicht. Als Lothar II. (855-869) von Lotharingen 864 anregte Schiffe zu rüsten, um Nordmannen von den Rheininseln zu vertreiben, fand sein Vorschlag keine Zustimmung. Die Zahlung von erheblichen Summen an Tributen und damit das Eingeständnis einer Niederlage spornte nur weitere Nordmannen an, sich solch lukrativen Unternehmungen anzuschließen.

Der Gefolgschaftserhalt verlangte ständig Beute, kostbare Objekte oder Edelmetalle: „... mit Waffen und Gewändern / sollen Freunde sich Freude machen / das sieht man an sich selbst / Gabe und Gegengabe begründet Freundschaft …“ [Edda, Havamal 41]. Kostbare Grabfunde und aufwändige Kammergräber des X. Jhs waren Anzeichen für reiche freie Grundbesitzer als lokale Machthaber oder Regionalbefugte des Königs in Angleichung der Verhältnisse zum Kontinent. Eine Wandel vollzog sich durch Machtkonzentration auf wenige Familien hin zu einer Zentralgewalt mit Unterstützung der Kirche im Zuge der Christianisierung, in Dänemark früher als in Schweden. Seitdem sich im XI. Jh in den skandinavischen Ländern Königtümer etablierten und jene sich untereinander befehdeten, wurde die Küste von plündernden Slawen angegriffen. So war auch Haithabu nach der Beeinträchtigung in den dän. Thronwirren 1066 Ziel einer slaw. Attacke, was die Umsiedlung der Bewohner nach Schleswig bewirkte. Der Gegenschlag auf Rügen wies die Richtung für kommende Jahrhunderte mit der Ausbreitung des dän. Machtbereichs entlang der Ostseeküste unter einem geeinten Königtum.






6. Rekonstrukt. westl. Kreis (Nordseeanrainer, Angelsachsen, Dänemark, Haithabu)

Durch ihre Verbundenheit zum Meer zog es Norweger gen Westen. Sie fanden den Weg auf die Orkneys, nach Irland und England, Anfang der 870er selbst ins weit entfernte Island und darüber hinaus. Seit den 860ern waren Angelsachsen gezwungen eine norweg.-dän. Besiedlung in England und die Errichtung des Danelags zu akzeptieren. Wie bereits skizziert scheinen Dänen im Ursprung aus dem schwed. Skane/Schonen zu stammen und setzten im Laufe der Völkerwanderung nach Jütland über. Die Verbindung nach Schweden riss nie ganz ab. Über Jahrhundert erstreckte sich der dänische Machtbereich auch auf das südliche Norwegen. Die Entwicklung Dänemarks war stärker an das fränk-otton. Reich gebunden und von anderen Formen geprägt als der Rest Skandinaviens. Feudale Strukturen hinterliessen ihre Spuren mit der Ausbildung des gepanzerten berittenen Streiters nach kontinentalem Vorbild. So barg man neben Knebellanzen und Sporen aus dän Gräbern z.B. aufwändige Pferdetrensen mit Seitenstangen und -backen, oft verziert, Zeichen von hochrangigen Nutzern, während aus dem Rest Skandinaviens oder slaw. Raum eher schlichte asymmetrische „Wassertrensen“ bekannt waren.

Haithabu, die dän. Gründung vom Beginn des VIII. Jhs weist im Fundgut kontinentale und skandinavische Formen auf mit slawischen Einflüßen. Von rund 1350 untersuchten Gräbern enthielten weniger als 20% Beigaben! Nachdem Heinrich I. ab 934 die Oberhoheit des Nordalbinger Raums, zwischen Dänen und Sachsen immer hart umstritten, übernahm und die alte karoling. Grenzmark wieder aufrichtete, setzte mit der Taufe des unterworfenen lokalen Machthabers König Knuba (aus schwed. Dynastie) eine gezielte Missionierung ein, die sich in Haithabu auswirkte. Reichhaltig waren nur die fürstlichen Kammergräber ausgestattet [HAI, S. 125ff]. 1025 trat Konrad II. das Eidergebiet an Knut (d Gr) ab.

VIII

-

XI


Haithabu

über fast hundert Jahre Teil des ostfränk. Reichs

[Abb. nach Schietzel, Spurensuche Haithabu, S. 197]

Schnallenfunde aus frühen Grabungen zeigen in der Mehrzahl unspektakuläre eiserne Schnallentypen ohne Beschlagbleche, im Bootkammergrab befanden sich eiserne mit Blechen. Grössere Schnallen werden in der Regel dem Pferdegeschirr zugerechnet. Eisen wäre aber auch - neben Knochen/Bein - einfachen Darstellungen angemessen, denn das sind gebräuchliche Materialien dieser Zeit. Die letzten Sondenbegehungen des Geländes brachten zahlreiche Neufunde hervor, momentan noch unpubliziert. Es erwarten uns also noch einige Überraschungen. Aus den Gräberfeldern wurden bislang weniger als 20 Schnallen aus Eisen, Bronze und Silber geborgen. Davon waren 3 Gräber durch Perlen weiblichen Toten zuzuordnen und die Schnallen wurden von der Forschung als Taschenverschlüße angesehen, wie die bz Variante aus Grab 128 im Flachgräberfeld (FGF), vergesellschaftet mit einer bz Scheibenfibel durch Silbereinlagen geziert. Vermutlich ist es aber ein Gürtelobjekt, denn die stark verkrustete ovale Schnalle hat ein Außenmaß von 33 mm Breite (!) und eine mögliche Riemen-/Durchzugbreite von ca. 22 mm, das entspricht in der Größe durchaus anderen als Gürtelteile angesprochenen Funden. [Im Katalog verwirren die Größen, denn die Angaben von Arents/Eisenschmidt von Breite zu Länge der Schnallen ist genau umgekehrt wie man es als Anwender eigentlich erwartet. Es ist sinnvoll eine Schnalle quer, also in der Durchzugsbreite des Riemens mit Innen- und Außenmaß, analog zur „Gürtelbreite“ anzugeben. Die „Länge“ wäre demnach längs mit Blech- und Außenmaß und einer „Durchlaßhöhe“. Das ist in der Anwendung logisch und wird in den meisten Publikationen auch so gehandhabt, nur Arents/Eisenschmidt weichen von diesem Schema ab].

Haithabu“-Schnallen für einfache Darstellungen siehe Gürtel mit Eisenschnallen, ansonsten für die Frühphase Gürtel der Karolingerzeit, weitere Ausführungen als Annäherung an Haithabu-Formen in Arbeit. Die Rubrik hier umfasst zunächst neben kontinentalen auch westeuropäisch-insulare Varianten. Alle Objekte können durch Oberflächenvergütung in Silber höheren Darstellungen (A/B) gerecht werden, zu den Kategorien A-E im Detail siehe: Gesellschaftsstrukturen des FMAs

A

B


-

Dänen / Danelag / Haithabu







Rechts: Karol.-kontinentaler Schnallentyp mit einer Reihe von Belegen im dän. Bereich, ganz rechts: Schnalle Typ Haithabu, Zunge dänisch-englisch




-

IX-X_005q_bz oder vs [Abb.]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Tierkopf_vs

montiert 85,00 EUR bz / 110,00 EUR vs



IX-X_012q_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Tierkopf_bz oder me

montiert 90,00 EUR--

(A)

B


-

Dänen / Danelag / Haithabu

-

Karolingischer Schnallentyp mit stilisierten Akanthusblüten, Funde im dän. Duesminde, Sonderjyllas oder Nora Vedby auf Alsen, im schwed. Birka und Ostra Paboda, in Haithabu Variante mit degeneriertem Muster, als Statussymbole im Norden begehrt, wie Zungen, Fibeln, Zaumzeug oder Klingen.

Ganz rechts: Schnallentyp mit Flechtbandzier, Zunge dänisch-englisch

[Veredelung in Silber mgl]

-

-

IX-X_001q_bz oder me [Abb me]

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Tierkopf_bz od me

montiert 99,00 EUR

-

X-XI_022k_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge Tierkopf_bz

montiert 79,00 EUR

B


-

Norweger / Dänen / Danelag







Zunge rechts „Typ York“ noch nicht vernietet, wahlweise Variante Nietscheiben ganz rechts oder mit „Nietblech“ siehe oben ähnlich IX-X_005c




-

X-XI_022k_bz kurzes Blech

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 79,00 EUR

-

X-XI_022k_bz langes Blech

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 79,00 EUR

B

(C)


-

Norweger / Dänen / Danelag







Rechts: Karol.-kontinentaler Schnallentyp, Funde auch in Birka, Zunge „Typ York“, wahlweise Variante Nietscheiben oder mit „Nietblech“ siehe oben ähnlich IX-X_005c




-

IX-X_007k_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 99,00 EUR

-

-

IX-X_011k_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 95,00 EUR--

B


-

Angelsachsen / Danelag





Rechts: Schnalle „abgesetzter Steg“ in Kombination mit durchbrochener Zunge im Winchester-Stil aus Wessex (Wende X./XI. Jh), ganz rechts: in Kombination mit Schnalle nach normann. Typus

[Veredelung in Gold für Amgl]


-

-

X-XI_002s_me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge im Winchester-Stil_me

montiert 65,00 EUR

-

XI-XII_002as_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge im Winchester-Stil_bz

montiert 79,00 EUR

B

C


-

Dänen / Haithabu







Rechts: Schnalle als Buntmetall-Variante nach dem Fund aus Eisen in Haithabu Ende IX. Jh, Zunge in trapezförmiger Gestalt nach Fund in Haithabu aus der Grabung 1937-39, ganz rechts: in Kombination mit Ortblech Typ Birka (im Westen mgl)




-

-

IX-X_012a_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge 6 x 2 cm_bz oder me

montiert 90,00 EUR

-

IX-X_012da_bz oder me

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ Birka_bz oder me

montiert 95,00 EUR

D

E

siehe Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Zu den Kategorien A-E im Detail: Gesellschaftsstrukturen des FMAs

VIII

-

X


7. Rekonstruktionen Schweden (Vendel, Birka)

Das großflächige Befestigungswesen Schwedens zur Völkerwanderungszeit wird mit Fluchtburgen als Zeichen kriegerischer Ereignisse gewertet, zugleich sind daran wohl verfestigte hierarchische Strukturen erkennbar. Die heutigen 25 Provinzen gehen auf Herrschergeschlechter im I. JtsdAD zurück, wie zur Vendelzeit VI.-VIII. Jh. mit weitreichenden Kontakten. Zugleich war vor allem im landwirtschaftlich geprägten Süden die Anzahl freier Herren hoch, so daß alleine in Skane/Schonen heute noch rd 1000 Herrenhäuser (-hus) gezählt werden. Die Grundherren waren Eigentümer, keine Lehnsnehmer, mit persönlichem Gefolge, Hörigen, Gesinde, so daß sich in Schweden erst spät die Feudalherrschaft mit Land vergebendem König ausprägen konnte.

Funde aus Birka (verm. von bjórBiber“), auf einer Insel im Mälarsee westl. des heutigen Stockholm, sind nach Gründung im VIII. Jh in eine Frühphase (karoling. Einfluß, siehe dazu Gürtel der Karolingerzeit) und eine späte ab Ende IX. Jh zu unterteilen. Das Areal der im Schnitt rd 500 Einwohner zählenden Siedlung lag, ähnlich wie Haithabu, geschützt im Landesinneren mit Anbindung zum Meer, von einem Halbkreiswall umgeben, die „Schwarze Erde“. Daran schloß sich etwas erhöht die Burg an, auf einer Terrasse darunter die Garnison. In den östl. und südl. Gräberfeldern wurden bislang 1255 Gräber untersucht mit Konzentrierung auf die Hälfte der Bestattungen in „Hemlanden“ östlich des Walls und einem Viertel im Umfeld von Burg/Garnison. Ältere Gräberfelder streuen über die Insel (bis zu 3000 Bestattungen vermutet), jüngere wohl erst im XI. Jh von Dorfbewohnern nach Untergang der Stadt genutzt, weisen nur wenig Beigaben auf. Registriert bis dato: 113 herausgehobene Kammergräber [die Hälfte davon mit Waffen], 202 Kisten-, 210 Skelett- und 629 Brandgräber, plus 71 Sonstige. Das Fundspektrum belegt durch Importe weitreichende Handelskontakte, besonders aus den gut ausgestatteten Kammergräbern vor Mitte des X. Jhs. Bislang wurden nur aus 29 Männer- und 3 Frauengräbern Gürtelteile geborgen, die Hälfte davon Brandgräber, damit weisen bislang weniger als 2,5% der Gräber Schnallen und/oder Zungen auf. Ab 875c finden sich in der zweiten Birka-Phase vermehrt Artefakte der Rus und Reitervölker aus Gräbern im Bereich der Garnison mit „orientalischen Objekten“, deshalb unter Nomadische Gürtel aufgeführt. Zu den typischen Grabbeigaben gehören Gürtel in Birka, wie überhaupt im Nordischen - Ausnahme Gotland, nicht. Aufgrund der Altgrabung vom Ende des XIX. Jhs ist eine Geschlechts-Zuordnung nur nach den Aufzeichnungen Stolpes durch Vergesellschaftung spezifischer Werkzeuge, Schmuckformen oder Waffen möglich.

In der zweiten Hälfte des X. Jhs erfolgte der allmähliche Niedergang des „vicus Birca“ [Bez. nach Rimberts „Vita Anskarii“]. Osthandel und Silbernachschub über arab. Dirhems waren lange Zeit Motor der Entwicklung. Nachdem sich aufgrund politischer Entwicklungen bei den Rhos/Rus die Handelswege änderten und arab. Währung an Silbergehalt verlor, verlagerten sich die Handelsströme in Richtung der Ostseeküste z.B. nach Wolin. Dort wirtschafteten Slawen mit Silber aus dem Harz als weithin akzeptierte Währung. Nach der Erschwerung der Zufahrt in den Mälarsee, es bildeten sich durch Absinken des Wasserspiegels wohl Stromschnellen, wurde die Umladestelle von See- auf Flußschiff zur Keimzelle des späteren Stockholm, das aber erst im XIV. Jh im Hansehandel und im Export von Eisen und Kupfer grössere Bedeutung erlangte. Für gotländische Häfen begann der Aufstieg als neue wirtschaftliche Zentren, was reichhaltige Funde auf der östlich dem Festland vorgelagerten Insel dokumentieren.

B




-

Vendelzeit

charakterisiert durch mächtige Regionalherrscher mit weitreichenden Handelskontakten.



Rechts: D-Schnallen mit dreieckigem, bzw rautenförmigem Querschnitt wurden von Germanen zur RKZ übernommen und sollten sich lange Zeit halten, siehe auch oben Fund aus Haithabu; ganz rechts: Mit hohem Rahmen eher reiternomad. Usprungs

Zunge im auslaufenden Tierstil II nach Funden in Vendel und Vallstenarum/Gotland 700c. In nordischen Gräbern ist die Übernahme markantes Erkennungszeichen auf dem Weg zum Greiftierstil.

Motiv der windenden Schlange könnte im Nordischen schamanistische Wurzeln angesprochen haben.

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VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 79,00 EUR

-

VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge im Tierstil II (Vendelzeit),

montiert 85,00 EUR

(A)

B




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Birka

Karolingischer Typ im KaGr 750

Original Ausführung in Silber, aufwändig wie Schwert, Zaumzeug oder Doppelbestattung in Kammergrab, Gattin ovale Schalenfibeln bzvg

Das Original mit einem rechteckigen Beschlag als „Zunge“. Ähnliche Abschlüsse mit markantem Akanthus-Muster z.B. Fund in der Slowakei, Anf. des VIII. Jh und im dän. Duesminde, in Birka durch Münz-Datierung erste Hälfte X. Jh

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IX-X_001a_bz oder me

Schnallentyp nach KaGr 750 [Abb bz]

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und schlichte Zunge 6 x 2 cm_bz od me

montiert 99,00 EUR

-

mögliche Tragweise IX-X_001a

[Veredelung in Silber für „Amgl]

(A)

B




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Birka

BrGr 369

mit zahlreichen Beschlägen in unterschiedlichen Ausführungen [Mix aus Borre u Jellinge], teilweise vergoldet, Variante im Borrestil möglich

[Vergütung für „A“ in Silber oder Gold mgl]



X_XI_024o_bz

Schnallentyp nach BrGr 369

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Tierkopfzunge Kettengeflecht_bz

montiert 69,00 EUR



X_XI_024n_bz

Schnallentyp nach BrGr 369

15 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Tierkopfzunge Gr 918 oder 949ae_bz

montiert 69,00 EUR

B




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Birka

Grab 1030, aber statt umgefalztem Ortblech Zunge mit Geflecht wie in Gräbern 369, 917, 918 oder 949ae

[lange Ort- oder Schnallenbleche mgl]

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X-XI_022m_bz

Schnallentyp nach Gr 1030 [mit kurzem Blech]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Birka Geflecht breit_bz

montiert 79,00 EUR

[Langes Schnallenblech z.B. oben X-XI_022k_bz]

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X-XI_022k_bz

Schnallentyp nach Gr 1030 [mit kurzem Blech]

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Birka Geflecht schmal_bz

montiert 75,00 EUR

B


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Birka

KaGr 949

[BzNadel und Saxaufhängungen mgl]



[Probebilder, Schnallenblech noch nicht poliert]

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X-XI_025m_bz oder me

Schnallentyp nach KaGr 949

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Birka Geflecht breit_bz

montiert 110,00 EUR

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X-XI_025rb_me

Schnallentyp nach KaGr 949

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge schmal lang_bz

montiert 110,00 EUR

B


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Birka

KaGr 949

[Saxaufhängungen aus KaGr 949 mgl]



[Probebilder, Schnallenblech noch nicht poliert]

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X-XI_025a_bz oder me

Schnallentyp nach KaGr 949

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und langes Ortblech schmal_bz

montiert 110,00 EUR

-

X-XI_025ra_me

Schnallentyp nach KaGr 949

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Birka Geflecht_bz

montiert 110,00 EUR

B


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Birka

Rechts KaGr 1076 Schnalle mit Borre-Geflecht, das Original mit breitem Ortblech als Zunge [Detailbild alternativ schmales Ortblech]

[Saxaufhängungen aus KaGr 1076 mgl]

Ganz rechts Schnallentyp ähnlich nach Gräbern 157 und 373, das Original ohne erhaltene Zunge oder Ortblech, hier ergänzte Variante [Detailbild breites Ortblech]

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X-XI_021a_bz oder me

Schnallentyp nach KaGr 1076

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

und breites Ortblech_bz [Detailbild schmal]

montiert 110,00 EUR

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X-XI_027a_bz

Schnallentyp ähnlich Gr 157 und 373

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und schmales Ortblech_bz [Detailbild breit]

Variante mit Zier 110,00 EUR / o.Z. 99,00 EUR

B

C


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Birka

BrGr 229, das Original ohne erhaltene Zunge oder Ortblech, hier ergänzte Variante [Detailbild schmales Ortblech]

Ganz rechts: Zunge Geflecht wie in Gräbern 369, 917, 918 oder 949ae

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X-XI_026a_bz

Schnallentyp nach BrGr 229

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und breites Ortblech_bz [Detailbild schmal]

montiert 99,00 EUR

-

X-XI_026m_bz

Schnallentyp nach BrGr 229

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Birka Geflecht breit_bz

montiert 99,00 EUR



...der Anfang ist gemacht...weiteres wird folgen


D

E

siehe Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh

Zu den Kategorien A-E im Detail: Gesellschaftsstrukturen des FMAs

IX

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XI


8. Rekonstruktionen östl Kreis (Gotland, Rus)

Auf Gotland ist die Anzahl der Gürtelteile in den rd 1100 untersuchten Gräbern recht groß. Die Insel vor der schwed. Küste nahm eine Sonderstellung ein. Neben Grab- wurden hinzu rund 700 Depotfunde gemacht, ein Indiz, daß sich auf der Insel überdurchschnittlich hoher Reichtum angehäuft hatte, spricht aber auch für häufige Bedrohungsszenarien. Denn „aus Spaß vergräbt man nix“. Das Fundspektrum zeigt einen starken Rus-Einfluß, bzw. Formen von reiternomadischen Völkern. Der Vergesellschaftung mit Ringfibeln und Waffen nach zu urteilen, stammen die meisten Gürtelensembles aus Männergräbern. Auch die Anzahl von aufwändigen Frauen-Fibelkombinationen mit speziellen Tierkopf-Varianten ist ungewöhnlich hoch. In den Rus-Reichen werden ovale Schalenfibeln als besondere Traditionsbeflissenheit der Oberschicht-Frauen gewertet, während reiche Männer scheinbar schneller östlichen und oriental. Modesitten folgten [Birka III, S. 150]. Es wäre sicher wünschenswert, wenn man weitab von westlichen Traditionen die Römer nicht erwähnen müsste. Aber die russ. Geschichtsschreibung unter den Rurikiden verband das Herrscherhaus genealogisch mit dem röm Kaiser Augustus, um die Legitimation des Zarentums von den Caesaren abzuleiten. Mit dem orthodoxen Christentum bedeutete dies ganz praktisch die Hinwendung der Herrscher zum oström Konstantinopel. In der Mode zeigen die später rekonstruierten Fresken im Festsaal des Moskauer Facettenpalastes im XV./XVI. Jh byzantinische Modeeinflüsse, wie sie im Westen bis zur Wende XII./XIII. Jh zu beobachten waren mit perlen- bzw edelsteinbesetzter Kleidung und breiten Schärpengürteln. Andere Gürtelformen waren Anleihen bei Reitervölkern, zugleich Handelspartner und Bedrohung, bis zur Überwindung durch Iwan III. gegen Ende des XV. Jhs.









X



Gotland

Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11



X_Kopparsvik_S304_bz

30 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Kopparsvik/Gotland, Grab 11

mit Zunge_bz

montiert 95,00 EUR



mögliche Tragweise

IX

-

XI


Gotland / Rus / Slawen

IX.-XI. Jh div.Gotland- und Rus Formen. Alle Objekte können durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden.



[siehe auch Rubrik Gürtel mit Eisenschnallen VIII.-XI. Jh]

Auf diesem Grabungsfoto sieht man einen reich beschlagenen gotländischen Gürtel in situ (Fundlage). Der Gürtel liegt im Beckenbereich und war wohl angelegt, was keineswegs die Regel ist, manchmal sind Gürtel neben oder auf der Leiche platziert. Die Zunge befindet sich nicht zwischen den Knien, sondern an der Seite des linken Beckenknochens. War der Zungenabschnitt länger wurde er nach dem Umschlingen der Leiche also nicht unbedingt schön nach unten Richtung Knie drapiert, sondern zur Seite gelegt, vielleicht auch so getragen, wie es Abbildungen von skythischen Reiternomaden zeigen. Denn östlich beeinflußte Gürtelformen weisen längere Zungenabschnitte auf. Bei einer westlichen Gürtelform im Flachgräberfeld von Haithabu Grab 59 fanden sich Schnalle mit Beschlagblech und Zunge fast unmittelbar nebeneinander im rechten Beckenbereich.

Hinweis auf eine seitliche Tragweise mögen Riemenschieber sein, die sich manchmal im Fundgut finden, kleine Ausführungen bei Sporengarnituren, größere bei Gürteln. Es wäre für Darsteller dieser Zeit bei westlichen Darstellungen vielleicht ratsam das Zungenstück des Riemens relativ kurz zu halten und es als Tragweise tendenziell seitlich unter den Leibriemen zu zwängen, wenn kein Riemenschieber benutzt wird, da jener in der Reenactment-Szene nicht gern genutzt wird, obwohl durch archäologische Funde zu belegen. Bei östlichen Darstellungen werden die Zungenabschnitte mglw länger gehalten werden können, was aber nicht unbedingt heißt, daß sie lose herab hingen, sondern wiederum mit dem Leibriemen verbunden oder untergeschoben worden sein mögen. Grundsätzlich kennt das FMA Schlaufmethoden, auch beim Pferdegeschirr ist solches zu beobachten, sie unterscheiden sich jedoch von der modern angewandten Form und verdecken kein Schnallenblech.









X









Gotland



Visby Ksp. Kopparsvik/Gotland,

Gräberfeld o. Grabnr.

ähnlich auch Ksp. Hellvi/Gotland, Grab 226



X_Kopparsvik_S322_me

30 mm Riemen (natur/braun)

mit drei Zungen_me [im Kundenauftrag]

montiert 139,00 EUR







IX

-

X



Gotland / Rus / Slawen

Ganz rechts: Typ Ksp. Hellvi/Gotland



Schnallen mit einem „abgesetzten Steg“, die keinen Dornschlitz im Leder erfordern, haben eine sehr lange Geschichte. Abb hier durch Befestigung mit gefalztem Blech. Frühe Formen sind aus Ostasien um Christi Geburt (nach westl Zeitrechnung) bekannt, Transfer über Reitervölker, Übernahme in Byzanz und Verbreitung in Ost- und Mitteleuropa



IX-X_Ksp_Väte_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Väte/Gotland

mit Zungenblech_bz 7 x 2 cm

montiert 79,00 EUR

[Verteiler, wie auf dem Grabungsfoto oben mgl]



IX-X_04_vs oder bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

Typ Ksp. Hellvi/Gotland

mit Zunge_ws 4 x 2 cm

montiert 79,00 EUR vs / 69,00 EUR bz


Weitere von Rus genutzte Formen siehe oben unter Rekonstruktionen Byzanz, Slawen, Rus, Reitervölker

Entlang der osteurop. Flüße legten Schweden befestigte Stationen (gardariki) an, aus denen sich regionale Machtzentren entwickelten, wie z.B. Smolensk, in dessen Nähe Gräberfelder mit 5000 Bestattungen gefunden wurden, in der Masse mit slawischem Hintergrund, einige aber eindeutig nordisch. Kiew, Hauptstadt eines großen Rus-Reichs war bereits zur Zeit des Ostgotenkönigs Ermanerich (350-76 AD) von gewisser Bedeutung. Es hieß damals Danparstadir (Dnjeprstadt) und wurde skandinavisch später Kaenugardr oder Kiangorod genannt [H. Schreiber, Auf den Spuren der Goten, S. 78.]




Nordmannen in der Normandie

Folgenschwer war die Überlassung von Siedelgebieten an der franz Küste an Skandinavier nach 911. Offiziell waren sie damit Lehnsnehmer und Vasallen von König Karl IV. der romana francia (Westfranken). Es handelte sich nicht um irgendeinen Küstensaum in Nordwestfrkch, sondern mit der Region um Rouen am Unterlauf der Seine um eine der Hauptverkehrsadern nach Paris, welche Nordmannen nun kontrollierten und abzuschnüren vermochten! Auch die Tiefwasserhäfen Dieppe oder Fecamp in kleinen Buchten an der Steilküste boten optimale Standortbedingungen, so daß der Handel florierte. In der Normandie begann die Übernahme kontinentaler Sitten die nordische Kultur umzuformen, sichtbar an Sprache und Religion, am Burgenbau und Feudalwesen mit der Ausbildung einer effektiven Kavallerie. Die Leibeigenschaft kannten Normannen nicht, das Vasallenrecht war einmalig. Das expansive Wesen der Nordmannen beschränkte sich im XI. Jh keineswegs nur auf England, sondern hatte bereits Süditalien und Sizilien erreicht, später Nordafrika, Teile Griechenlands und letztendlich das Heilige Land. „Normannisches Blut“ sollte einst in den Adern vieler Königshäuser strömen, selbst der Staufer Friedrich II. wird eine Mutter aus normannischem Hause haben. [Normannische Schnallenformen für den Raum Süditalien siehe oben unter 4aX-XI_001axa“ oder „X-XI_001n“, weitere unter „Normannen und Salier“ auf der nachfolgenden Seite XI.-XII. Jh]






Emaille-Fibelreplikate IX.-XI. Jh

Eine paarweise Anordnung von Fibeln war durch die Peblostracht vor und während der röm. Kaiserzeit bei Germanen üblich. In Skandinavien und im Baltikum hielt sich die Mehrfibeltracht länger als sonst auf dem Kontinent, wo sich durch röm./byzant. Einfluß der Übergang zur Tunica mit Umhang und der einzeln getragenen Scheibenfibel in der Wende um 600 vollzog. Bestandteil der gehobenen Frauentracht wurden bis zu 5 cm grosse prunkvolle Scheibenfibeln aus wertigen Edelmetallen. Einfache Exemplare waren in Zinn-Blei-Legierung und Pressblechtechnik oder aufwändiger in Bronze mit Emaille gearbeitet. Sie fanden Eingang in die südskandinavische Mode und konnten zur Karolingerzeit von Frauen und Männern getragen werden. Daneben kannte man Ringfibeln, Ringnadeln, Knochen-Nadeln, vielleicht auch hölzerne Varianten (?) und vor allem Bindesysteme, siehe „Schnurmantel“ [Birka III, S. 149, mit paarweisen Abschlusstücken von Prunkmänteln S. 142]. In manchen Teilen Nordeuropas und in den Weiten der Rus-Reiche wurde die Mehrfibeltracht erst gegen Mitte des X. Jhs zugunsten der einen Fibel abgelegt. Auch Bernstein- und Glasperlenschnüre als Halsschmuck, Relikte aus frühen germanischen Zeiten, fanden sich ebenso in merowingerzeitl. wie in nordischen und östl. Oberschicht-Frauengräbern, nicht selten mit Münzen und Anhängern kombiniert. In gehobenen Frauengräberensembles fanden auch zierliche Metallketten antiker Zeiten ihre Nachfolger, durch Kettenverteiler zu Strängen kombiniert.

B

(C)


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Karolinger / Nordmannen / Otton. Reichsgebiet





Scheibenfibel Kreuz mit Emaille, häufige Verbreitung in nördlichen und westlichen Reichsgebieten, siehe Funde aus Dorestad, Haithabu, im benachbarten Schuby und skandinavischen Raum, aber auch aus dem Raum Hagen/Ruhr und vom Handelsplatz am Rheinufer in Mainz oder sehr ähnlich aus der Umgebung des Königshofs in Rohr östl. von Meiningen nach 975.



Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 2, A 7, auch von Burg Harpelstein bei Horath (1080 zerstört)...

..., daß dieser im 9./10. Jh. entstandene Fibeltyp durchaus noch im 11. Jh. (!) getragen worden ist.“ [Sal, S. 132] Fund der Entersburg bei Hontheim, auch die Variante aus Hagen wird ins X./XI. Jh datiert.

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IX-XI_Scheibenfibel Kreuz_bz

wahlweise gelbes oder rotes Kreuz auf grünem Grund

Durchmesser 2,9 cm

je 39,00 EUR

B

(C)


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Byzanz / Rus / Slawen / Otton.-salisches Reichsgebiet

...Kreuzemailfibeln der Stufe Köttlach II, die vorwiegend im Osten und Südosten des Reiches verbreitet war...Das Kreuzornament aus Kreispalmetten ist wahrscheinlich aus der byzant. Goldschmiedekunst übernommen worden.“ [Sal, S. 119].

Ursprung bei krimgotischen Beschlägen mit Verbreitung über Byzanz. Inzwischen eine Reihe Funde der Pelta-Fibeln, die weit nach Norden und Westen streuen, siehe Schatzfund von Klein Roschaden SW Oldenburg aus dem X. Jh.

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Kreuzornament mit Peltas, Salierausstellung 1992, Raum 2, Vitrine 1, B 7

Weiter siehe Straubinger Fibel, Fund vom Domberg in Bamberg, annähernd auch Form in Schleswig mit nur drei Pelten ohne Emaille, die sich ähnlich auf dem Handelsplatz in Mainz fand. Auch Verbreitung im slawischen Raum wahrscheinlich. Letztendlich nimmt der Terslev-Stil Peltas mit der „Brezel“-Form auf.

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X-XI_Scheibenfibel Pelta_bz

Durchmesser 3,6 cm [Varianten siehe unten]

je 45,00 EUR


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gelb/dunkelblau luzid (fast schwarz)_bz

Durchmesser 3,6 cm

45,00 EUR

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rot/grün opak_bz

Durchmesser 3,6 cm

45,00 EUR

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rot/gelb opak_bz

Durchmesser 3,6 cm

45,00 EUR








Exkurs 5: Textilreste in nordischen Gräbern

Bis heute ist nordisches Klima von sehr plötzliche Wetterumschwüngen gekennzeichnet. Mit anderen Worten - Skandinavier müssen gegen jeden Wechsel gewappnet sein. Das wird sich in der landeseigenen Tracht niedergeschlagen haben. Zum archäologischen Nachweis von Textilien benötigt man gute Erhaltungsbedingungen, perfekt beispielsweise bei koptischen Stoffen aus trockenen klimatischen Verhältnissen. Unter den ägypt. Funden wird ein Wollgewebe in Leinwandbindung des IX. Jhs als Gürtel angesprochen. Im Gegensatz zu Woll- oder Seidenstoffe tierischen Ursprungs vergehen in unseren Breiten Pflanzenfasern aus Hanf oder Flachs im Boden recht schnell und lassen sich schwer nachweisen. In Haithabu wurden bislang 14 Leinen- gegenüber 228 Wollfragmente geborgen und Leinen erhielt sich teilweise durch die Verwendung beim Kalfatern der Schiffe im Hafen, im Beiboot aus Gokstad benutzte man dazu Wolle. Leinen wurde im Norden nicht zuletzt als Segeltuch geschätzt, obwohl es Varianten aus imprägnierter Wolle gab, die angeblich leichter sein sollten als das Tuch aus Pflanzenfasern. Leinenfragmente wurden in reichen Gräbern Birkas gefunden, mit der Erklärung, daß sich dies nur Begüterte leisten konnten, während die übrigen Wolle trugen.[8] Leinen galt in Nordeuropa wohl als exklusiver Stoff und dicht gewebte Garne aus Flachsfasern konnten mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern. Flachs ist eine anspruchsvolle Kulturpflanze und erfordert gute Wachstumsbedingungen, die der Norden kaum bot. Zur Zeit Karls des Grossen war Flachs angeblich dreimal so teuer wie Wolle. Beide Stoffe wurden in hohen Qualitätsvarianten im Norden importiert, wie „friesische Tuche“, die mglw nicht alle Friesland stammten, sondern von beiden Seiten des Ärmelkanals kamen, aufgrund der Fortführung hoch entwickelter spätröm. Produktionsmethoden mit Züchtung geeigneter Schafrassen [Birka III, S. 42]. Pflanzliche Stoffreste sind durch Ionisierung oder Oxidierung (Grünspanbildung) von Buntmetall-, bzw Silberfunden nachzuweisen und bei Eisenfunden als fossile Bildung auf der Oberfläche einer Korrosionskruste.[9] Damit beschränkt sich die Nachweismöglichkeit für Leinen auf Gräber gehobener sozialer Schichten. Nur hier sind ausreichend Metalle mit Fibeln und Gürtelteilen beigegeben. Mglw unterliegen wir einem Trugschluß ! Leinen könnte auch von einfachen Leuten getragen worden sein, ist in deren Gräbern aber aufgrund fehlender Beigaben nicht nachweisbar. Die Zuordnung Leinen = Oberschicht ist plausibel, aber nicht zwingend. Bei ovalen Schalenfibeln an Trägerröcken der sozialen Elite wurden für das IX. Jh exklusive fein gefältete/plissierte Leinenhemden beobachtet, mglw. als Übernahme von Modesitten der Kiewer Rus, bzw. nach byzantinischem Vorbild [TTHS, S. 70 u 124]. Aus 169 der 1255 untersuchten Gräber in Birka hat man Spuren von Textilien geborgen, 70 davon sind pflanzlichen Ursprungs [Birka III, S. 14ff]. Fast 60 brettchengewebte Borten zur Gewänderverzierung haben sich erhalten, mit Grundgewebe aus Leinen oder Wolle, die oft zusätzliche Seiden-, Silber- oder Goldfäden aufwiesen, manchmal bestand auch das Grundgewebe aus Seide. Goldene Zier war in Birka vornehmlich in Männergräbern zu finden [Birka III, S. 138]. Seit der Antike betonten golddurchwirkte Stoffe den sozialen Rang des Trägers. Hochrangige Personen des IX./X. Jhs wurden im Grabritus recht auffallend ausstaffiert, um den Status herauszustreichen [Birka III, S. 138]. Erhaltene Vergleichsfunde von Borten aus Skandinavien, bzw. germanische Funde aus der röm. Kaiserzeit (RKZ) waren ausnahmslos aus Wolle, wobei die Erhaltungsbedingungen sicher eine Rolle spielen. Die Sagas berichten von Stoffen mit kostbaren Zierborten, die den Birkafunden wohl entsprochen haben könnten.


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Quellen und weiterführende Literatur (Information für verwendete Kürzel [fett]): (Archäologie in Dtld [AiD])

- Arwidsson, G,: Birka II.2 Systematische Analysen der Gräberfunde, Stockholm 1986.

- Das Reich der Salier 1024-1125 [Sal]. Katalog zur Ausstellung d. Landes Rh.-Pfalz, RGZM u Diözesanmuseum Mainz, Sigmaringen 1992.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums [KC], Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002. [Aufgrund des Umfangs von 10 Bänden eigentlich Bücher für die „einsame Insel“, um sie im vollen Umfang zu erfassen. Allerdings verlieren sie dort ihren Sinn, soviel Leid und Kritik verträgt kaum jemand, man verliert förmlich die Lust an Geschichte, beginnt alles zu hinterfragen und grollt jeglicher Macht. Wenn man hinzu keinen seiner Artgenossen mehr sieht, wäre doch der Band über das Holzfällerhandwerk besser gewesen...]

- Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern [Birka III], Uppsala 1938.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle [BuM], Solingen 2000 und Menschen und Klingen. Geschichte u Geschichten [MuK], Solingen 1994

- Hägg I.: Die Textilfunde aus d. Hafen v. Haithabu. Bericht Nr. 20 [THH], 1984 /// Textilien u Tracht in Haithabu u Schleswig. Die Ausgr. in H. Bd 18 [TTHS], Kiel/Hbg 2015.

- Heinrichs, W.: Schweden – Vielfalt von Kunst und Landschaft im Herzen Skandinaviens [S], DuMont Köln 91

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter [MiMA], Darmstadt 2016.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Maixner, B.: Haithabu. Fernhandelszentrum zwischen den Welten. Begleitband zur Ausstellung im WikMus [HAI]. Haithabu, Schleswig 2012.

- Paetz, A.: Aus Gräbern geborgen. Koptische Textilien aus eigener Sammlung. Ausstellung des dt. Textilmuseums Krefeld 2003.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter [KluM], Darmstadt 2009.

- Schietzel, K.: Spurensuche Haithabu. Dokumentation u Chronik 1963-2013, Neumünster/Hamburg 2014.

- Stoumann, I.: Ryttergraven fra Grimstrup og andre vikingetidsgrave ved Esbjerg [RyfG]. Sydvestjyske Museer 2009.

- Wieczorek, A. u Hinz H.-M.: Europas Mitte um 1000 [EM1000]. Ausstellungskatalog in 2 Bdn u Katalog, Stuttgart 2000.

- Willemsen, A.: Wikinger am Rhein 800-1000, Stuttgart 2004.


I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



mail-kontakt siehe HINWEIS auf der ersten Seite


Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ Reiche Grabbeigaben als adäquate Totenausstattung für das Jenseits zu werten ist lediglich ein Teilaspekt. Nicht weniger wichtiger galt das Ansehen der Angehörigen gegenüber den eigenen Verwandten, der Gemeinde und Trauergesellschaft zu wahren. Prunk ehrte den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gleichermassen. Karolingische Formen und vor allem prestigeträchtige Luxusgüter waren in den Randzonen Europas begehrt, wurden allerdings selten in ihren ursprünglichen Funktionszusammenhängen belassen, sondern nach eigenem Geschmacksempfinden umgeformt. Hinreichend bekannt sind die Zaumzeugverteiler, welche in Skandinavien zu Fibeln oder Gürtelzungen umgearbeitet wurden.



2/ Landadelige als Kirchen-Eigner hatten also deutliche Vorteile. In Stadt- und Klosterkirchen wurde um die Grablege lange gerungen. Zunächst war sie nur hochgestellten Geistlichen wie Bischöfen gestattet, hinzu kamen Äbte, verdiente Priester, später erst fromme Laien, wie Landesherren und adelige Laien-Stifter. Durch Geschenke und finanzielle Zuwendungen an die Kirchen, konkret an die heiligen Patrone der Kirchen, erweiterte sich der Kreis auf adelige Familienmitglieder und reiche Bürger im SMA. Die Grabfülle in den Kirchen sorgte immer wieder für Platzräumungen, so daß Fußbodengrabplatten oder Thumbengräber beseitigt und an die Wände oder ausserhalb des Kirchenraums aufgestellt werden mussten. Leider gingen damit häufig frühe Grabmale verloren, obwohl wir aus den Nekrologen (Totenbüchern) wissen, daß Gebete und Jahres-Feiern an diesen Gräbern durch Stiftungen vorgeschrieben waren [siehe Hinz, Dom St. Peter zu Fritzlar, S. 41]. Die Gedenkfeiern und Messen erforderten eine zunehmende Zahl von Priestern der Konvente und mehrten die Zahl der Altäre in den Kirchengebäuden. Dabei ging es wie immer um Geld. Die Zisterzienser bsplw änderten erst ab Mitte des XII. Jhs ihre abwehrende Einstellung, denn bislang war es Weltlichen nicht gestattet in ihren Kirchen dauerhaft zu ruhen, um Unabhängigkeit gegenüber machtvollen Landesherren und Adeligen zu wahren. Dadurch entging ihnen bis zur Lockerung dieser Einstellung die Memorialstiftungen.



3/ „Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ war erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 / Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].



4/ Zu Karl d Gr siehe Wagner, Neuer Bildatlas zur Dt Geschichte, S. 52, zu Karl dem Kahlen siehe auch Abbildung im Sakramentarfragment aus Paris von 869c in „fränkischer Tracht“ mit Umhang und Scheibenfibel, kurzer kostbarer Tunica, welche Knieriemen sehen läßt, Stiefeln und einem kürzeren „gallischen Gürtel“ in Wamers, Die Macht des Silbers, S. 93. Keupp weist anhand von Königssiegeln die Traditionsgebundenheit des Herrscherornats nach [MiMA, S. 133, 136f und KluM, S. 16].



5/ Zur frühen Rohstofflage siehe E. Graf Oxenstierna: Die Nordgermanen. dt. Stuttgart 1957 (4. Aufl 1965), S. 17 und zu Norwegen speziell Jan Bill, Revisiting Gokstad. Interdisciplinary investigations of a find complex excavated in the 19th century, in: Brather/Krausse, Fundmassen, S. 75-86.



6/ Eine Rolle, die in Europa später sinnvoller Weise der Eisenbahnverkehr und heute der wohl flexible, aber gemessen am Aufwand, wenig effektive Lastwagenverkehr übernommen hat. Nach dem „Durchbruch auf Schienen“ der vergangenen zwei Jahrhunderte m.E. ein Rückschritt mit der Autobahn. Die Liberalisierung der Märkte und Osterweiterung, Rückgang der Lagerhaltung vom produzierenden Gewerbe durch „just in time“ brachte den Güterverkehr auf die Straße, es ging um Schnelligkeit, Effektivität und Gewinnmaximierung der Unternehmen. Die Zeche für die Zerstörung der Infrastruktur durch den Schwerlastverkehr zahlen wir alle. Ich hatte vor langer Zeit mal einiges mit dem Transportgewerbe zu tun und fand in den 1980ern die Entwicklung mit Containern und Ladebrücken, die flexibel durch verschiedene Transporteinheiten genutzt werden konnten, gut. Doch diese Experimente funktionieren nur noch im Schiffsfernverkehr, auf der Schiene bedingt und auf der Straße gar nicht mehr, dort dominieren inzwischen lange unflexible Auflieger, denn die sind leichter zu rangieren als KFZ mit Anhängern. Die alten Fahrzeugtypen stellten höhere Anforderungen an das Bedienungspersonal, heute brauchen wir hingegen massenhaft Fahrer. Manche Entwicklungen sind eigenartig, aber erklärbar. Man wäre vor nicht allzu langer Zeit auch nicht auf die Idee gekommen Versuche zu starten große Autos in bislang ausreichend dimensionierten Parkhäusern, die aber nun als zu klein gelten, abzustellen ! Wenn die Gründe nicht so offensichtlich wären. Hurra, wir waren Export-Weltmeister, osä....aber nun stehen ja große Änderungen ins Haus...nach neuesten Meldungen begann der Paketdienst DHL seit Herbst 2021 einen Teil des Verkehrs mit Containern zurück auf die Schiene zu erlegen!



7/ Angelsächsische Chroniken erwähnen erste Norweger 789 in ihrer Gefilden. Jene Fahrten richteten sich gegen die engl. und irische Küste, zunächst Klöster aufsuchend. Die Idee ist bestechend, daß sächsische Flüchtlinge der Kriege gegen Karl d Gr, Ende des VIII. Jhs Dänen, welche sich kurzzeitig mit den Sachsen verbündet hatten – ansonsten war das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn nicht sonderlich gut - zu ähnlichen Raubfahrten gegen fränk. Territorium bewegt haben könnten? Der dän. Kg Godofridus beanspruchte den heutigen norddt. Raum als sein Gebiet. Diese Unternehmungen zielten vornehmlich auf Beute ab, das heißt kein Landgewinn, sondern Eintreiben von Tributen und Anerkennen seiner Oberhoheit. Seit 799 erfolgten Angriffe auf den fränkischen Raum, nicht Klöster, sondern reiche Handelsorte bevorzugend, was im Nebeneffekt die kontinentale Wirtschaft schädigte - strategisches Handeln ist vermutlich zu weit gedacht. Auf jeden Fall nötigte es Karl d Gr die Küste aufwändig befestigen zu lassen. Dem professionellen fränk. Feldheer auf dem Schlachtfeld Paroli zu bieten war, aufgrund seiner schweren Kavallerie, kaum möglich, aber Seeangriffe versprachen Erfolg. Nach der schwächenden Reichsteilung der Karolinger folgte Welle auf Welle. Viele Ortschaften, Klöster und Kirchen an Rhein, Mosel, Maas, Schelde, Somme, Seine und Loire, samt ihren Nebenflüßen wurden zum Ziel. Mitte des IX. Jhs starteten Nordmannen organisierte Heerfahrten, so daß Ostern 845 Paris geplündert wurde! Es gelang zur Überwinterung und Versorgung der Züge große Lager zu errichten und zog erst mit Einbringung fränk. Tribute ab. In England etablierte sich das Danelag. Mit Burgen- und Flottenbau versuchte Alfred von Wessex die Abwehr zu organisieren. Seit 879 plünderte ein großes nordisches Heer für mehrere Jahre Frankreich. Gegen Ende des IX. Jhs gelangten Nordmannen bis nach Köln, Andernach und Trier, in den 880er Jahren nach Aachen, wo die königliche Kapelle als Pferdestall genutzt wurde. Im Umgang mit Pferden wohl vertraut, sollten bald ihre reich ausgestatteten Gräber kostbares und prestigeträchtiges Zaumzeug aufweisen als Standesabzeichen der Anführer, wie zu merowing. Zeiten auf dem Kontinent.



8/ Zu ägypt. Funden siehe Paetz, Aus Gräbern geborgen, S. 106, zu Leinen Arwidsson, Birka II.2, S. 51. Leinengewebe erhielt sich an den kostbaren Pressblech-Scheibenfibeln und an der bronzenen Riemenzunge, vergesellschaftet mit Schnalle aus Eisen und 132 Perlen der Fibelverbindungskette, im Frauengrab bei Steinfurth/Nähe Greifswald aus der 1. Hälfte des V. Jahrhunderts [AiD21-2, S. 56], genauso wie Leinenreste in reich ausgestatteten Gräbern des VI./VII. Jhs in Köln und Trossingen zum Vorschein kamen. Leinerne Tuniken trugen im VII. Jh die sozial höherstehenden Kleriker nach den Gräbern unter St. Ulrich und Afra in Augsburg. Die Erhaltungsbedingungen waren durch Grabanlage in Kirchen und überdurchschnittliche Grabausstattung mit Metallbeigabe zu erklären.



9/ Ist der Eisenfund grossflächig genug, so lassen sich durchaus auch hier Stoffreste dokumentieren, wie 35 Textilfragmente unter dem Schwert aus Reitergrab A in Grimstrup bei Esbejrg in Südwestdänemark [RyfG, S. 51]. Durch die Beifunde mit Schwert und Pferdegeschirr zeigt sich ein Vertreter der Oberschicht als Gefolgsherr oder Fürst. In der Regel sorgen Eisen-Korrodierungen lediglich mit Abdruck der Textilien für schlechtere Forschungsergebnisse als bei Grünspanbildung mit Erhaltung der Textilreste und -schichten. Hinzu sacken Eisengeräte aufgrund ihrer Schwere durch den verwesenden Körper nach unten und beschränken so stratigrafische Aussagen [TTHS, S. 64f].