I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh / "ab nach Hause"

DRAGAL

1025-1125c „Normannen und Salier“

1. Quellen

2. Mode in der Salierzeit

3. Rekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten

___Info: Aspekte der Kreuzzüge

4a. Rekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes

4b. Gürtel mit Eisenschnallen XI.-XIII. Jh

1125-1250c „Staufer“

5. Quellen

6. Mode in der Stauferzeit

7a. Rekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten

7b. Stoffgürtel mit Bortenstreckern und Zierbeschlägen

8a. Gürtelformen des einfachen Volkes

8b. Rekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes

___Info: Zäsur Romanik - Gotik


Historischer Kontext 1025-1125c:

Zwei Herrschaftsbereiche werden betrachtet, welche auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hatten. Und doch gibt es ein Bindeglied: Das Papsttum. Der Anspruch des westlichen Kaisers und „das Greifen über die Alpen“ war dem Papst nicht weniger geheuer wie die aufstrebende Macht in Süditalien, welche sich erfolgreich gegen Byzanz und Sarazenen durchsetzte.

Im X. Jh herrschten in weiten Teilen Westfrankens geradezu anarchische Zustände. In der Abwehr äußerer Gefahren war der regionale Adel, dem die Hauptabwehr oblag, mächtig geworden und führte nun untereinander Fehden. Die Kirche versuchte mit dem „Gottesfrieden“ jenen Einhalt zu gebieten, welche mit dem Recht des Stärkeren agierten.[1] Durch Reformen gestärkt, wie aus dem burgundischen Cluny, und spätestens mit dem Aufruf zum Kreuzzug gelang es in Frankreich den „miles christi, einen Gottesstreiter, zu bilden, der im Dienst des Christentums, zu dessen Schutz und Verbreitung, kämpfen sollte. Die Idee fand weite Verbreitung und aus renitenten Berufskriegern wurde ein gesellschaftlich anerkannter Stand. Im romanischen Baustil kam die neu gefestigte Macht zum Ausdruck, von einer beschwörenden Grundhaltung tief empfundener Religiösität durchdrungen. Bauten dieser Zeit wurden im Auftrag des hohen Adels oder der Kirche errichtet. Es war die Architektur der Herrschenden, orientiert an spätantiken Formen, die als Spolien bewusst in Bauwerke eingefügt wurden, über allem thronte Christus als Weltenrichter.

Im Ost-Reich der sächsischen Könige herrschten vergleichsweise stabile politische Verhältnisse. Das änderte sich mit den Auseinandersetzungen um die Investitur. Die salische Königsmacht stützte sich, ähnlich wie die der Ottonen, auf das Kirchensystem. Bischöfe, geschult am antiken Bildungsideal, aus adeligem Haus oder mit den Herrschern verwandt, wurden von jenen ins Amt gesetzt, um Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, als Diplomaten zu fungieren und auch militärische Macht zu demonstrieren. Im Gegensatz zum Adel konnten sie ihr Amt nicht an Nachkommen vererben! Bei ihrem Ableben machten sie den Platz frei für einen neuen Günstling des Königs. Der Papst forderte hingegen nach kirchlichem Recht als Oberhaupt die Bischofsernennung. Der Streit um diese „Investitur“ traf einen empfindlichen Punkt des Machtgefüges. Die Auseinandersetzung zwischen geistlicher und weltlicher Macht sollte in der „transalpinen Politik“, die seit karoling. und ottonischen Zeiten immer mehr an Bedeutung zunahm, eine bestimmende Dominante werden, das Verhältnis von Italienern und Deutschen über Jahrhunderte „vergiften“ und enorme Ressourcen an Menschen und Material verschleissen. Der Anspruch des deutschen Königs die imperiale Würde eines westlichen Kaisers zu erfüllen, bedurfte der Zustimmung und Krönung durch den Papst. Das bot hinreichend Konfliktstoff, denn die Päpste verstanden es ihre Autorität auszubauen und Vorrang vor Kaiser und Königen einzufordern.

Dies gelang u.a. mit den „bewaffnete Pilgerfahrten“ (Kreuzzüge), wodurch nach dem Willen Roms militärische Macht in weite Fernen gelenkt wurde. Zugleich bereicherte der gesteigerte Bedarf an Transportmitteln und die Versorgung der bewaffneten Pilger die Hafenstädte, allen voran in Italien, obwohl jene, wie z.B. Amalfi, zu Beginn der Konflikte im Hl Land um ihre Einnahmen aus dem lukrativen Handel mit den Muslimen fürchteten. Weitere Profiteure waren Genua, Pisa oder Venedig und deren Kaufleute sollten mit ihrer Geldwirtschaft machtvolle unabhängige kommunale Stadtrepubliken entstehen lassen.

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1025-1125c

Normannen und Salier

Romanik und „imperialer Stil“ mit italisch-byzantinischen Einflüssen



Die Stadt am Tiber – erneut das Zentrum der westlichen Welt

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Auch nördlich der Alpen gewannen Städte immer mehr an Bedeutung. Privilegien wie Markt oder Münzstätte konnten mit verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Der Landesherr investierte in die Infrastruktur. Im Gegenzug enrichtete der „Bürger“ Steuern, ein Teil wurde für Befestigungsarbeiten verwendet. Das Konzept war sehr erfolgreich und Städte wurden zur wichtigen Einnahmequelle der Grundherrn. Jene versprachen sich militärischen und politischen Beistand zur Absicherung ihrer Herrschaftsgebiete. Das führte Menschen auf engem Raum zusammen und leitete Prozesse ein, welche die Sozialstruktur dieser Zeit vollkommen veränderten. „Innovationen bei Geräten und Techniken des Ackerbaus und die immer erfolgreichere Verwaltung der Ländereien vor allem durch Klöster lieferte Ernteüberschüsse, die nicht nur Leibeigene, Pachtbauern und ihre Feudalherren, sondern auch eine Stadtbevölkerung zu ernähren vermochten. Die Städte stellten wiederum Arbeitskräfte und Handwerker, die landwirtschaftliche Geräte, Kleidung und Luxusgüter produzierten, sowie Händler, die solche Waren einführten“ [DKRo, S. 84]. Das Siedelland wurde ausgeweitet, aber nach wie vor erstreckten sich zwischen den Rodungsinseln riesige unberührte Wälder. Eine verstärkte Ostkolonisation sollte erst im XII. Jh einsetzen mit Rodung und Urbarmachung von Land, Grundlage für ein starkes Freibauerntum.

Salische und staufische Könige, oft mit dem Hochadel in Konflikt, erweiterten ihre Machtbasis mit Hilfe unfreier Dienstmannen (servientes oder ministeriales), die im engen Treueverhältnis zu ihnen standen, im normannischen England sheriffs. Konrad II. (1024-39) band Ministeriale an sich, indem er Lehen vergab, die wirtschaftliche Grundlage für den Kriegsdienst als schwerer Panzerreiter, siehe Details unter Lehnswesen-Ministeriale.

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1. Quellen für die Salierzeit 1025-1125c:

Für Zentraleuropa haben wir vom XI. bis XII. Jh nur wenige sicher datierte archäologisch geborgene metallene Gürtelteile. Abbildungen der salischen Epoche zeigen in der Regel im zivilen Bereich wenig Details und die Mode des Adels mit bodenlangen Gewändern ermöglicht hinzu nur geringe Blicke auf den Gürtel. Er ist vorhanden, wird aber meist von der Fülle des Gewandes überdeckt. Byzantinische Modeformen haben Veränderungen bewirkt mit Bindegürteln nach antikem Schema, bei Griechen und Römern üblich und nach Vorbildern aus dem islamischen Kulturkreis des Vorderen Orients. Sie kamen allesamt ohne Schnalle und Senkel aus. Kostbare Bekleidungsobjekte aus Seide dokumentieren Verbindungen in diesen Raum. Obertägig erhaltene Kunstwerke, vor allem Skulpturen, wirken streng, wie die zeitgleiche Architektur, oder recht grob und ungefüge, siehe bsplw das Steinrelief der Münsterpatrone aus dem XI. Jh in Brixen. Seit der 2. Hälfte des XI. Jhs finden sich vermehrt Bildhauerbelege aus Stein und Holz, darunter auch Großplastik, wie Kruzifixe oder, durch die Reformen in Cluny und später durch die Marienverehrung Bernhards von Clairvaux ausgelöst, Gottesmutterdarstellungen mit Kind, die sedes sapientiae, der „Sitz der Weisheit“. Diese Sitzmadonnen, stilistisch häufig Anleihen aus Byzanz, korrespondierten als Vergegenwärtigungen und liturgische „Bilder“ („Kultbilder“) in den Kirchenräumen mit dem Gekreuzigten, dessen Abbild auf keinem Altar fehlen durfte, siehe dazu die Kleinplastiken aus vergoldetem Buntmetall. Zum XII. Jh sollten sich Belege mehren, oft bargen kleine Pfarrkirchen diesbzgl wahre Schätze an Reliefs und Skulpturen, da an ihnen die „Stürme der Zeiten“ und vor allem aus Kostengründen der „Gotisierungswahn“ manchmal vorbei ging. Reliefierte Reliquienkästchen, Tragaltäre oder Elfenbeinschnitzerein, wie die lotharingische Elfenbeinsitula im Domschatz zu Aachen von 1020c können durchaus Aufschlüsse zu Waffen- oder Ausrüstungsdetails geben. Fein- und Goldschmiedekunst bis hin zum großen Buntmetallguß mit Bronzetüren, Taufbecken oder liturgischem Gerät schufen beständige Werke, die eine bessere „Überlebenschance“ hatten als die Holzplastik, mit der vor allem östlich des Rheins gerechnet werden muß. Kruzifixe sind eine Reihe vorhanden, neben grossen hölzernen vor allem kleine bronzene Ausführungen aus dem Rheinland und Westfalen, siehe anschaulich die Sammlung des Schnütgen Museums in Köln. Nach Auskunft des Bay. Nationalmuseums haben sich rd 700 Kruzifixe (!) der Christenheit aus den Zeiten vor der Gotik erhalten. Sie zeigen übrigens bei Gürteln recht häufig Bindesysteme, nicht nur als „Bruchen-“ oder Lendenschurzgürtel des Gekreuzigten, sondern auch beim vollständig bekleideten „König der Juden“, Details weiter unten siehe Bindegurt. Zur Materialkunde sind wohl auch Querverweise zu obertägig erhaltenen Textilien aus den Kirchenschätzen zulässig. Denn sie wurden nicht selten aus profanen adeligen Verhältnissen in die sakrale Sphäre überführt und umgearbeitet. Schriftquellen öffnen sich, worunter Sittengeschichten, wie der „Ruodlieb“ als Vorläufer der grossen Ritterepen, gegen Ende des XI. Jhs in lat. Hexametern, also im „Hohen Stil“ der Versform, verfasst, Einblicke in die Welt des niederen Adels geben und Sachdetails beschreiben.






2. Mode in der Salierzeit (höfische Formen):

Seit der ausgehenden Ottonenzeit dominierte in der Herrschermode ein byzantinisierender Stil. In dieser Kleidung formulierten westliche Kaiser ihre Herrschaft in Anlehnung an das oström. Kaisertum. Um hinzu seinen Anspruch auf die Investitur und kirchl. Belange zu verdeutlichen trug Heinrich III. (reg. 1039-56) Rangabzeichen und eine Dalmatika in Anleihe an den alttestamentarischen Priesterstand. Er drückte damit Unmittelbarkeit der göttliche Gnade ohne die vermittelnde Instanz des Papstes aus. Bereits die großen „Sternenmäntel“ seiner Vorgänger standen in diesem Kontext und verwiesen auf die Kleidung des Hohepriesters nach Bibelzitaten. Auch Frauen trugen lange Zeit weite Gewänder, dazu den Kopf verhüllende Schleier. Zierborten wurden zuweilen genutzt. Eine unerhört neue Modesitte war das Raffen der Frauengewänder durch Bänder in der Taille [KluM, S. 25] oder mit starkem Faltenwurf, manchmal nur an den Ärmeln, als generationenbedingte Gegenbewegung von weit zu schmal, dann wieder ein Wechsel zu wallend oder lang herab hängenden Überärmeln. Es gab keine „typische Mode“ des XI. oder XII. Jhs, sondern einen stetigen Wechsel mit ein paar erkennbaren Grundlinien für einige Jahrzehnte. Vermutlich waren Heiraten und Wechsel in den Dynastien und die adelige Erziehung der männlichen Jugend an weit entfernten Fürstenhöfen Auslöser für stilbildende Richtungen, so daß sich „modische Epizentren“ an verschiedenen Höfen Europas ausfindig machen lassen müssten. Das gilt selbstverständlich erst recht für die nachfolgenden Jahrhunderte mit der Zunahme an Belegen. Jede Generation kreierte ihren eigenen Stil. Im fortschreitenden Mittelalter scheint vor allem die feudale Jugend, recht früh in verantwortungsvolle Positionen gehoben, den Modestil maßgeblich zu beeinflussen. Also ist so manche Entwicklung in der Moderne nicht wirklich neu, nur spricht man nicht mehr explizit vom Adel, sondern heute von der Welt der „Schönen und Reichen“, dem modernen Großbürgertum. Auch die mittelalterliche Feudalgesellschaft war zu Schönheit und repräsentativem Lebensstil verpflichtet, um das Ansehen zu wahren. Die durch Bild und Skulptur überlieferte Mode war Standesattribut der oberen Zehntausend und hat mit der Alltagskleidung der Masse, den weniger privilegierten Schichten, kaum etwas zu tun.

Höfische Kreise mit ihrem stilvollen Lebenswandel waren Vorbild der Gesellschaft, das bei sozial tiefer stehenden Personen Nachahmung fand, nicht zuletzt bei aufstrebenden Städtern mit den hohen Amtsträgern/Dienstmannen. Südeuropa schritt in diesen Belangen weit voran.[2] Im Reich der West-und Ostfranken nahmen Prozesse der Verstädterung allmählich zu. Personen niederen Standes sind für uns als Individuen fast gar nicht zu erfassen, erscheinen bestenfalls als „Monatsallegorien“ und kleine Figuren an Kapitellen der romanischer Basiliken, architektonisch in den „Dienst des Kirchengebäudes gezwungen“. Sie verschwinden fast vollkommen zugunsten der privilegierten Standespersonen. Falls jene Gründerpersönlichkeiten waren, existieren von ihnen vielfach Bildhauerwerke, allerdings keine lebensnahen Porträts, sondern idealisierte Darstellungen, die erst von den Nachfahren Jahrhunderte später errichtet wurden.

Zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt zählt der Bindegürtel, in der Antike die geläufige Form, anhand von Malerei und Plastik nachweisbar. Er wurde auch in der Spätantike noch häufig getragen, Beispiele auf Reliefs aus dem II. und III. JhAD im Museum in Metz. Sie waren im gesamten Mittelalter üblich, finden sich auf Skulpturen und Abbildungen vom XI. bis zum XIII. Jh besonders häufig, siehe unten Rekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes. Allerdings muß genau hingeschaut werden, denn es gilt von den Falten der Oberbekleidung im Schrittbereich zu unterscheiden. Auf Abbildungen lassen Breite, Art der Drappierung und Muster vermuten, daß das Material möglicherweise Stoff war. Für den militärischen Bereich ist Leder wahrscheinlicher, siehe gebundene Schwertgurte. Wobei Leder auch im zivilen Bereich nicht ausgeschlossen ist. Einfache Bindegürtel aus ungefärbten Leinenstoffen zeigen sich bis in spätere Zeiten mit dem erhaltenen „Mariengürtel“ im Domschatz zu Aachen, nach Deschner Beute aus Konstantinopel 1204 [KC, VII, S. 97]. Ebenso auf verschiedenen Darstellungen Marias und genauso auf dem Elisabethzyklus aus Lübeck von 1440. Gerade bei Heiligen galten sie als Ausdruck besonderer Schlichtheit, sofern dies beabsichtigt war, wie bei Darstellungen der Hl. Elisabeth oft üblich. Aber selbstverständlich werden sie auch als Bruchengürtel der Männer, als Leibriemen bei Kindern, Mägden oder bei den Orden verwendet. Begüterte Schichten trugen möglichst prachtvolle und exklusive Seidengürtel. Wolfram von Eschenbach sollte um 1200 für seinen jungen „Parzival“ selbst für die weisse Unterkleidung einen kostbaren Bruchengürtel (!) aus Gold und Seide beschreiben.

Die Grundidee dieses Gürteltyps weist mit Übernahme griech-röm Formen in die Antike, geografisch auch in den islamischen Kulturraum, nach Persien und über Indien nach China, wurde von Byzanz in griech. Tradition beibehalten, siehe z.B. Jesus Kindergürtel der Marienikone um 1230 in der Gnadenkapelle zu Regensburg. Auf Kruzifixen des „Viernageltypus“ (Füße nebeneinander) werden Bindegürtel häufig dargestellt, nicht nur als Bruchen- bzw Lendentuchgürtel, wo diese Form selbstverständlich ist. Aus Byzanz importiert oder angeregt wurden frühe Darstellungen des Gekreuzigten als „König der Juden“, voll bekleidet, einen Stoffgürtel tragend, Beispiele des XII. Jhs in Lucca, Barcelona oder Braunschweig. Erst bei den gotischen Formen des „Dreinageltypus“ (Füße übereinander), zum Ende des XIII. Jhs, verschwindet der Gürtel und es bleibt nur das Lendentuch.[3]


Schloß Tirol, profane Darstellung 1138c

(einfache kurze Binde-Variante)

Krypta Naumburger Dom

Kg der Juden“ (Imervardkreuz) Dom Braunschweig 1173c

(herrschaftlich langer Binde-Gurt)


3. Gürtelrekonstruktionen 1025-1125c für die Darstellung gehobener Schichten

Schwertgurt-Bindesysteme mit langer Laufzeit XI.-XIII. Jh siehe unter 7a Rekonstruktionen

Obwohl Grabausstattung ohne Belang, sei zu den Kategorien A-E aufgrund überschaubarer Strukturierung verwiesen auf die: Gesellschaftsstrukturen des FMAs

Alle Objekte können durch Oberflächenvergütung hohen Darstellungen gerecht werden, Veredelung in Gold und Silber ist möglich

(A)

B


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Angelsachsen / Normannen





Rechts: Roman. Schnallentyp und ergänztes Blech in Kombination mit durchbrochener Zunge im Winchester-Stil bis 1. Hälfte XI. Jh, ganz rechts: in Kombination mit Zunge nach normann. Zier

[Veredelung in Gold und Silber mgl]


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XI-XII_002bs_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge im Winchester-Stil_bz

montiert 90,00 EUR

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XI-XII_002ba_bz Sz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR

(A)

B


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Angelsachsen / Normannen





Rechts: Roman. Schnallentyp in Kombination mit durchbrochener Zunge im Winchester-Stil bis 1. Hälfte XI. Jh, ganz rechts: in Kombination mit Zunge nach normann. Zier

[Veredelung in Gold und Silber mgl]


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XI-XII_004as_bz Ha

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge im Winchester-Stil_bz

montiert 99,00 EUR

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XI-XII_004aa_bz Ha

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge mit Zier_bz 6 x 2,5 cm

montiert 110,00 EUR

B


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Normannen / Salier





Romanische Schnallentypen, Blechverzierung nach typisch romanischen Architekturelementen

[Veredelung in Silber mgl]


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XI-XII_003at_bz Sz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 3 x 2 cm

montiert 95,00 EUR

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XI-XII_004at_bz Ha

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 3 x 2 cm

montiert 99,00 EUR

B


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Normannen / Salier



Romanischer Schnallentyp

[Schnallenblech nach Warrior „Norman Knight“, Veredelung in Silber]


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XI-XII_003at_bz Kerb

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 3 x 2 cm

montiert 95,00 EUR

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XI-XII_003aa Kerb

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 6 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR

B


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Normannen / Salier





rechts: Romanischer Schnallentyp, Blech und Zunge mit Zier nach romanischen Architekturelementen, ganz rechts mit Flechtmuster nach insular westlichem Stil.



[Veredelung in Silber mgl]


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XI-XII_003aa_bz Sz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

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XI-XII_003ak_bz Sz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 95,00 EUR

(A)

B


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Nordmannen / Normannen / Angelsachsen



Rechts: Roman. Schnallentyp in Kombination mit Tierkopf-Zunge, am Hals Strichgravur wie auf Funden oder Abb. in der Buchmalerei bis ins XI. Jh, ganz rechts mit Flechtmuster nach insular westlichem Stil.

[Veredelung in Gold und Silber mgl]


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XI-XII_002axa_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Tierkopf-Zunge_bz

montiert 99,00 EUR

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XI-XII_002ak_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 85,00 EUR

(B)

C


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Normannen / Salier



rechts: Schnalle mit „gebuckeltem“ Bügel bis ins XII. Jh nachweisbar, in Kombination mit Zungenzier nach roman. Architekturornamenten, ganz rechts insular westlicher Stil.

[Veredelung in Silber]


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XI-XII_005aa_bz Kerb

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 90,00 EUR

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XI-XII_005ak_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Zunge Typ York_bz

montiert 79,00 EUR

B

C


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Normannen / Salier





Roman. Schnallentyp in Kombination mit Zungenzier nach Architekturornamenten


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XI-XII_002aa_bz Sz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 90,00 EUR

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XI-XII_002aa_bz

20 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz 6 x 2 cm

montiert 79,00 EUR

C


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Normannen / Salier





Roman. Schnallentyp in Kombination mit schlichtem Ortblech


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XI-XII_003ad_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Ortblech Kerbe_bz

montiert 85,00 EUR

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XI-XII_003ad_bz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und Ortblech Riefen_bz

montiert 85,00 EUR

B


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Späte Salierzeit / Übergang Stauferzeit





Roman. Schnallentypen in Kombination mit Zunge nach Fund in London, wird angeblich auf 2. Hälfte XIII. Jh datiert, aber nichts daran ist „gotisch“, eine ältere Datierung dieses Typs ist anzunehmen

[Veredelung in Silber mgl]


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XI-XII_003au_bz Sz

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 90,00 EUR

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XI-XII_004au_bz Ha

25 mm Riemen (natur/braun/rot)

und mögliche Zunge_bz

montiert 99,00 EUR


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Romanische Zieren

links: St. Trinite, Caen_Normandie

rechts: Gran/Esztergom_Ungarn




Aspekte der Kreuzzüge: [mit Detailinfos in den Anmerk./Fußnoten]

Welche Bedeutung hatten bewaffneten Pilgerfahrten für das europäische HMA? Im Reich stand man den Kreuzzugsanfängen zunächst abwartend gegenüber, bis auf diejenigen, welche sich dem Armenzug anschlossen, Donau abwärts zogen und in Ungarn scheiterten oder erste Rheinländer, welche mit dem Heer Gottfrieds von Bouillon zogen, aber es sollten bald weitere Deutsche folgen.[4]

Es ist für viele kaum zu ermessen, was es hieß seinen Besitz zu verkaufen oder zu verpfänden, alle Brücken hinter sich abzureissen, seine Angehörigen auf unbestimmte Zeit zu verlassen und sich auf riskante Reisen in ferne Länder zu begeben. Ungewiss war die Rückkehr, einigen war Ruhm und Reichtum vergönnt, viele aber kamen gezeichnet oder gebrochen zurück, falls ihnen die Heimkehr jemals möglich war, die Quellen machen deutliche Aussagen. Wieviele starben qualvoll für ihre fanatischen religiösen Träume oder fristeten ihr Dasein als Sklaven in Ländern, von denen sie niemals zuvor gehört und deren Eroberung sich als unmöglich erwiesen hatte. Es steht vollkommen ausser Frage, daß Pilgerfahrten ins Hl. Land, bewaffnet oder unbewaffnet, gewaltige Bewußtseinsveränderungen in Gang setzten, wie alle Unternehmungen, welche in ferne Gegenden führten. Teilnehmern wurden die ungeheuren geografischen Dimensionen bewusst, sie nahmen viele Fremdartigkeiten wahr. Das schlug unweigerlich auf Europa zurück, sichtbar in der Kartografie oder in der Beschäftigung mit Asien, siehe „Alexanderromane“ oder wagemutige Reisen von Gesandten und Kaufleuten, wie den Polos aus Venedig und nicht zuletzt mit der Gründung von Militärorden, welche von ihren Kommenden aus regen Austausch mit dem Hl Land pflegten. Pilger sahen riesige Städte und prachtvolle Gebäude, lernten Moscheen, Krankenhäuser und Apotheken kennen, intensive Körperpflege oder die Seife aus Aleppo und viele Dinge mehr von den dortigen Suqs/Basaren wie kostbare Stoffe, Gewürze mit ungewohnten Gerüchen und Geschmacksrichtungen und neuartige Keramik- und Glasformen.[5]

Kreuzfahrer, die sich in Outremer („Land jenseits des Meeres“) nieder liessen unterlagen einer unvermeidlichen „Orientalisierung“ in Kleidung, Essgewohnheit und landesüblichen Tagesabläufen, wohl auch in Bewaffnung und Kampfweise. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, inwieweit „internationale Unternehmungen“ dieser Größenordnung einen Austausch von Formen zwischen den beteiligten Nationen Europas bewirkten? „Nation“ nicht im modernen politischen Sinn verstanden, sondern als Ausdruck von Sprache und Kultur. Vorwegnehmend ergab das Quellenstudium den Eindruck, daß „Grenzen“ klar gezogen waren, die einen Austausch eher schwierig machten. So wurden sich Franzosen und Deutsche selten untereinander einig. Die Übernahme von orientalische Formen mag aus militärischen Gründen zur Lebenserhaltung unter den schwierigen Bedingungen des dortigen Klimas und Terrains sinnvoll gewesen sein, da hatten Franzosen einen Erfahrungsvorteil, aber kaum sind sie Ausdruck der Begeisterung über das gegenseitige Miteinander christlicher Streiter. Eine gewisse „Internationaliät“ wiesen Militärorden auf, die sich untereinander ebenso „nicht grün“ waren. Wie sah es ansonsten aus? Nutzte der Deutsche eine „französische“ oder der Franzose eine „deutsche“ Ausstattung? Dass sie Unterschiede aufwies, kann man daraus ablesen, daß französische Ritter vermieden abgesessen zu kämpften, im Gegensatz waren Deutsche dazu bereit, wie es seit der Spätantike und auch im STRATEGIKON Anfang des VII. Jhs von german. Reitern grundsätzlich bezeugt ist. Der Kampf zu Fuß erforderte eine angepasste Ausrüstung, z.B. kürzere Schwerter, kürzere Kettenhemden oder andere Schildformen, aber das sind Spekulationen „Delbrückscher Manier“. Schaut man sich Schildformen aus der 1. Hälfte des XII. Jhs nach Abbildungen aus Paderborn, Meißen, Zürich, Xanten oder Halberstadt an, sind sie „tropfenförmig“ und durchaus kürzer als westeurop. normann. Schilde. Nicht unerheblich wirkten Standesdünkel. Franzosen blickten auf andere Nationen herab, wähnten sich allen anderen überlegen und taten dies deutlich zur Schau. Französische Quellen liessen nur selten ein „gutes Haar“ an den blindwütigen Teutonen/Allemands, die nicht selten alles durch ihre ungestüme Art vermasselten, wie im II. Kreuzzug. Erst nach 1200 scheinen sich Franzosen und Staufer durch die gemeinsame Allianz angenähert zu haben. Die franz. Ritterschaft, lange Zeit Hauptträger der Kreuzzüge, besaß im Orient hohe Erfahrung und sah diese Unternehmung in erster Linie als die ihrige an. Quellen schildern sie überheblich nicht nur gegenüber Muslimen, sondern auch gegenüber anderen Kreuzfahrern. So bestanden mit Engländern Feindseligkeiten wegen Aquitanien und Italiener wurden als „Krämer und Wucherer“ angesehen [KziA, S. 184]. Zwischen Deutschen und Italienern ergaben sich durch die Bestrebungen des salischen Königshauses in Italien ernsthafte Differenzen, welche „an die Staufer vererbt“ zu unüberbrückbar große Kluften führte. Wohl machte man Geschäfte miteinander, keine Frage, Geld überwindet jede Grenze. Man wird wohl davon ausgehen können, daß sich Deutsche in Italien aufgrund der klimatischen Verhältnisse regionalen Begebenheiten und den Modesitten anpassten sowie die hohe Qualität der Waffenproduktion lombard. Städte schätzen lernten.

Die Beteiligung der ital. Seestädte war von größter Bedeutung in der schwierigen Lage der Kreuzfahrerstaaten, vor allem nach dem Fall von Jerusalem 1187. Die kontrollierten Gebiete reduzierten sich seitdem auf den Küstensaum und die Häfen der Levante. Ohne Flotte, vornehmlich aus Frankreich, Italien und Byzanz, wäre kein Nachschub an Menschen und Material möglich gewesen, erwähnt werden auch Schiffe von Friesen, Engländern und Skandinaviern. Der Rückweg ermöglichte den Transport von seltenen Waren, die auf den Märkten Europas teuer gehandelt wurden. Manch ital. Handelshaus wird seinen Aufstieg darin begründet haben. Untereinander verstanden sich die Kaufleute von Amalfi, Genua, Pisa und Venedig als lästige Konkurrenz, vor allem wenn hinzu noch Schiffe aus Marseille, Montpellier, Barcelona oder Konstantinopel auftauchten. Man versuchte den schwer ringenden Kreuzfahrerstädten Privilegien abzutrotzen, mit Befreiung von Zoll- und Marktabgaben oder die Einrichtung von Handelsquartieren (fondachi), in denen man den Winter verbringen musste. Die Passagen waren lange Zeit ein Saisongeschäft bis der Einsatz neuer Gerätschaften, wie der Bussole, der „genuesischen Magnetnadel“ (Kompass) oder der Portulane (Seekarten) Fahrten auch bei schwierigen Wetterbedingungen erlaubte. In Städten im Outremer entstanden kleine europ. Enklaven, eigene „Stadtviertel“, die sich streng voneinander abgrenzten, ähnlich handhabten es zivile und militärische Orden, Armenier, Juden, Kopten oder Muslime, uvam.

Es ist schwierig sich von den ungeheuren Dimensionen der Kreuzzüge oder auch des Dschihads ein Bild zu machen. Übliche Zahlenkürzungen wird man wohl vornehmen müssen bei dem Bericht des Abd-allatif über das Lager Salah al-Dins (Saladin) vor Akkon um 1190: Auf dem großen Platz in der Mitte des Lagers seien 140 (!) Hufschmiede mit ihren Werkstätten anzutreffen gewesen, bei einer Armee mit zahlenmäßig starken Reiterkontingenten ist schon ein gewisse Anzahl zu erwarten, 140 ist schon „eine Hausnummer“. Bis zu 7000 (!) Läden der Händler hätten einen Eintrag beim Marktaufseher gehabt und die meisten sollen erheblich grösser gewesen sein als die üblichen Verkaufsstände. Es gab einen großen Markt für alte und neue Kleider, rund 1000 Bäder soll das Lager aufgewiesen haben, eines mit tönernem Schwimmbecken, von einem Zaun und Matten umgeben, das die Badenden den Blicken der Neugierigen entzog...[KziA, S. 226]. Wie glaubwürdig sind solche Zahlen? Realistisch werden die Heeresgrößen auf einige 10000 Mann zu schätzen sein. Bei den obigen Zahlen der Händler wird man wohl, wie üblich, die Null am Ende streichen müssen, denn sonst wäre ca. jeder 10. Teilnehmer ein Händler gewesen oder 7 bis 8 Mann hätten sich ein „Bad“ teilen können. Ein solcher Troß sprengt ja alle Dimensionen. Kämpfern ist immer eine hohe Zahl von Nicht-Kämpfern anzufügen. Der Krieg der Muslime in ihrer Heimat war von anderer Art als jener der Kreuzfahrer in den okkupierten Gebieten. Moslems erhielten über den Winter Beurlaubungen und das Heer löste sich quasi auf, um für das Frühjahr neu zu sammeln. Nicht nur spätere Chronisten und ihre Kopisten verfälschten Zahlen, sondern sie wurden bewußt von Zeit- und Augenzeugen manipuliert. Baha`ad-Din erwähnt, daß Balian ibn Barzan (christl. Fürst) gegenüber Anhängern im Gefolge Salah al-Dins die Zahl von fast 600.000 Menschen (!) im christlichen Heer bei Tyros angab, um den Muslimen wohl das Fürchten zu lehren, da der Nachzug aus Europa angeblich unerschöpflich sei. Auch wenn der Anteil an Nichtkämpfern auf bewaffneten Pilgerfahrten extrem hoch war, man schätzt ihn fünfmal höher als den der Soldaten, ist diese Zahl für mittelalterliche Verhältnisse ziemlich utopisch. Menschenmassen in dieser Größenordnung auf einem Punkt versammelt, wären auf christlicher Seite unmöglich zu ernähren gewesen [Kreuzzüge aus arab. Sicht, S. 141]. Aus gleicher Quelle ist auch mit Interesse zu vernehmen, wie führende Muslime an ihre Untergebenen als Gastgeschenke oder zur Schlichtung von Streitigkeiten, neben Pferden oder Waffen, wertvolle Kleidungsstücke vergaben, auch der oben erwähnte „Altkleidermarkt“ auf dem Feldzug (!) scheint mir interessant. Solche Marktformen gab es im Westen auch. Mainz mit seinen 26 Marktplätzen hatte spät. 1356 einen für Altkleider. [Darsteller für den Orient mögen bzgl Rekonstruktionen bitte auf der vorangegangenen Seite unter „Turk-, bzw Reitervölker“ schauen]


Kloster Müstair/CH


4a. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes 1025-1125c

Raimund von Agiles schildert während des I. Kreuzzuges, als das Christenheer 1098 in Antiochia eingeschlossen war, das Auffinden der „Hl. Lanze“ durch einen provenzialischen Bauernjungen: „Als der junge Mensch, der von der Lanze gesprochen hatte, sah, daß wir ermüdeten, legte er seinen Gürtel und seine Schuhe ab, und barfüßig und im Hemd stieg er in die Grube, die wir gegraben hatten, .... Es wird zwar nicht vom Material des Gürtels gesprochen, aber es ist wahrscheinlich, daß er aus Leder war, denn ein Strick hätte keiner Erwähnung bedurft. Die Schuhe werden geschont und auch der Gürtel. Für jemanden, der auf beschwerlicher bewaffneter Pilgerfahrt war, ist die Ausstattung Teil seiner „Lebensversicherung“ [gut, daß so wenig Deutsche an diesem Unternehmen teilhatten, denn ihnen wäre die Hl. Lanze, die ja in ihrer Heimat Königsreliquie war, vergraben in weiter Ferne, sicher seltsam vorgekommen]. Die Kreuzigung aus Girona von 975 zeigt bei Longinus und Stephanton eine Art zwei bis drei Finger breiten Militärgürtel, kurz, ohne herabhängende Zunge, mglw mit Beschlägen und bei einem weiteren Schergen einen ebenso breiten Gürtel, der bis auf den Saum der knielangen Gewandung herab hängt. Auf dem Bayeux-Teppich werden in der Regel einfache Gurte ohne jegliche Überlänge gezeigt. Ansonsten maximal Länge Oberschenkel, klerikale und herrschaftliche Varianten zeigen Überlängen.

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Falls untere Volksschichten keine Gürtel aus Leder trugen, dann aus Wolle, Hanf oder Leinen durch die eigene handwerkliche Produktion, in allen Fällen ist ein Bindesystem möglich. Einfache Varianten siehe u.a. Relief Dom Speyer von 1080c, den „Wächter“ im Kreuzgang der Abbaye St-Foy von Conques aus dem XII. Jh oder Abel und Kain von Anzy-le-Duc in Burgund, die Löwenskulptur mit dem „Mann im Maul“ in Speyer um 1100, den „Träger/Atlant“ vom Eulenturm in Hirsau um 1120, das Handwerkerkapitell aus Vezelay von ca. 1135, etwas unsicher das Relief am Südportal Kloster Ilbenstadt in der Wetterau nach 1122, Abbildungen im Stuttgarter Passionale von ca. 1150, Portalplastik der Kapelle von Schloss Tirol von 1138 [siehe Abb. rechts oben], in der St. Michaelis Kirche Schleswig um 1150 oder Apostel an der Schottenkirche in Regensburg vor 1180, die grosse Bronzeplastik des „menschlichen Leuchters“ um 1157, heute im Dom zu Erfurt, Handwerker auf der Bronzetür Magdeburg-Nowgorod 2. Hälfte XII. Jh., die Löwenskulptur mit „Mann im Maul“ von St. Zeno in Reichenhall um 1200 (heute im Bay Nationalmus. München), Relief aus der Kirche in Schöngraberg vom Beginn des XIII. Jhs oder Wandbilder aus dem Kloster Müstair/Schweiz, hier Personen unterschiedlichen Ranges mit Bindegürteln.[6] Den Abbildungen nach sind sie noch bis ins XVI. Jh üblich (siehe den oben erwähnten Elisabethzyklus aus Lübeck von 1440, das Passionsretabel in Chalons-en-Champ von 1420, Skulptur der Kirche in Avioth aus dem XV. Jh., Bouts Kreuzigung, heute in Granada, von ca. 1470 oder Baegerts Heilige Sippe in Dortmund von 1520, uvam). Vor allem die Renaissance-Malerei in Italien stellt besonders oft Bindegürtel aus Stoff dar, um den dargestellten biblischen Handlungen historisierend ihr zeitlich und örtlich entrücktes Gepräge zu verleihen.

Jedermann“

XI_XIII_000 „Godfather of belts“

Bindegurt aus hochwertigem Leder und Alternative zum Stoffgürtel

je nach Breite (20-40 mm) 29,00 bis 39,00 EUR

[Eine der ältesten denkbaren Gürtelformen der Menschheitsgeschichte seit der altsteinzeitlichen Tierjagd]

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XI-XII_010b_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun),

und mögliches Ortblech mit Riefen

montiert 85,00 EUR -

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XII-XIII_030_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun),

ohne Zunge,

Schnalle angenäht 49,00 EUR

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XI-XII_020_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun),

ohne Zunge,

Schnalle angenäht 39,00 EUR




4b. Gürtel mit Eisenschnallen XI.-XIII. Jh

Eisen, aus den Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig verbog sich das Eisen. Erst im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs 8 - Eisenproduktion vom HMA zum SMA.


D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Bei den Grabungen auf den Isenburgen in Hattingen und Essen, datiert 1226-88, war über 90% des metallenen Fundmaterials aus Eisen. Der Rest verteilte sich auf Buntmetall, Blei und Zinn. Flache und rundstabige D-Formen, ovale oder eckige Varianten sind im HMA nachweisbar und gut geeignet für einfache Darstellungen, alle militärischen Zwecke und natürlich wie eh und je für das Pferdegeschirr. Wobei dazu auch Rollschnallen mit drehbarem Dornrast oder Hülsen in Gebrauch waren, wie sie heute noch sehr ähnlich verwendet werden.[7]

[...es erstaunt ein wenig, daß solch ältere ovale Formen rechts unten auch auf dem Krak des Chevaliers in Syrien gefunden wurde, Fundkomplex S14.3 XII. Jh]

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Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun) ohne Zunge

Schnalle angenäht 35,00 EUR

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Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun) ohne Zunge

Schnalle angenäht 45,00 EUR

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Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun) ohne Ortblech/Zunge

angenäht 49,00 EUR

[hier provisorisch mit ungewachstem Leinenzwirn]

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Eis_20 flachstabig mit Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/braun) ohne Zunge

Schnalle (Typ Schleswig) 39,00 EUR

[Probestück, noch nicht vernietet]

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Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun) ohne Zunge

Schnalle angenäht 49,00 EUR

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Eis_30 flachstabig mit Schnallenblech

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

Schnalle angenietet 65,00 EUR ohne Zunge

[Detailbild mit Zunge 90,00 EUR]


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Zur Einführung eine Zeitenwanderung: Am heiligen Pfingsttag aber trugen Herr Friedrich, Kaiser der Römer, und die Kaiserin mit großer und gebührender Feierlichkeit die Krone...,“


Historischer Kontext 1125-1250:

Der Staufer Friedrich I. (Barbarossa) versuchte den Anspruch des Papstes als Oberhaupt der Christenheit zurück zu drängen und ließ mit Hilfe von Gelehrten aus Bologna die Idee eines rechtlich fundamentierten sacrum imperium ausarbeiten. Damit sollte dem Kaisertum gleichberechtigte Geltung verschafft werden. Doch erwies sich Rom als unüberwindbar und an dem Streben der Staufer nach Italien sollte dieses Geschlecht scheitern, mit weitreichenden Folgen. Die Machtübernahme Heinrichs VI. in Süditalien, durch das normannische Erbe seiner Gattin legitimiert und finanziert mit der ungeheuren Summe des Lösegelds für Richard I. (Löwenherz), machte die Päpste zu erbitterten Gegnern, die sich von den Staufern in ihren territorialen Ansprüchen eines Kirchenstaats „umklammert“ sahen.[8]

Das Reich war um 1200 die größte Macht Europas bis zum Thronstreit der Staufer und Welfen. Territorial erstreckte es sich von Flandern und Lothringen mit Metz und Toul über Burgund und Arles im Westen bis nach Pommern, über Böhmen nach Wien und Graz im Osten, im Norden grenzte es an Schleswig und im Süden umfasste es Nord- und Unteritalien, samt Sizilien. Ein Gebiet vieler Herren, die sich kaum auf einen übergeordneten Herrscher einigen konnten, vor allem wenn der Papst intrigierte. Ganze Landstriche wurden immer wieder von gegnerischen Heeren verwüstet, wie zu Beginn des XIII. Jhs vom Elsaß bis zum Niederrhein und von Thüringen bis zum Harz durch den Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp (von Schwaben). Die Herrschaft des Welfenkaisers Otto IV. währte nur kurz, bis zur verlorenen Schlacht von Bouvines 1214 gegen die stauf-franz. Allianz. Mit dem Zurückdrängen der Plantagenets aus dem Westen Frkrchs unter Philipp II. (1180-1223) wuchs die franz Königsmacht, welche neben dem kulturellen nun auch politisches Gewicht erhielt. Im Reich brachte die Herrschaft Friedrichs II. und seiner Söhne bis Mitte des XIII. Jhs, sowohl in Dtld, als auch in Italien zerstörerische Bürgerkriege, u.a. durch päpstlich arrangierte Gegenkönige. Beide Seiten verliehen Privilegien an Fürsten und Städte, verkauften und verpfändeten Haus- und Reichsgut, um Bündnispartner zu gewinnen und die Kriegszüge zu finanzieren, was regionale Mächte erheblich stärkte und das Königtum schwächte.

Kreuzzüge“ wurden nun überall geführt gegen Ungläubige und Ketzer, gegen Katharer, Slawen, Prussen, Muslime. Mit päpstlicher Legitimierung eroberten Dänen großer Teile der slaw. Ostseeküste. Auch Christen gerieten ins Visier, nämlich freie Stedinger Bauern in Norddtld und orthodoxe Russen oder die Einwohner von Konstantinopel. Die Eroberung brachte 1204 einen Schub byzant. Waren in den Westen, neben Seidenstoffen mit vorderoriental. Motiven, Kleinkunstwerke, kostbare Reliquien und deren Behälter.

Stiftungen von liturgischen Geräten durch Geistliche aus wohlhabenden Fürstenhäusern waren Zeichen des Machtanspruchs und minderten die Sorge um das eigene Seelenheil, siehe große Reliquienschreine im Maas-Rhein-Raum aus vergoldeten Blechen mit Emaille-Einlagen im Limoger Stil, wie der Dreikönigenschrein in Köln, ab 1190 erstellt durch Nikolaus von Verdun (auf kölsch „Joldkess), für die in Mailand „geklauten“ Reliquien, welche Köln gewaltigen Zulauf an Pilgerscharen brachten.



1125-1250c

Staufer

Vom „romanisch-imperialen“ zum französisch-spätstaufischen Stil der Gotik

Speculum virginum 1200c

Inhalt:

5. Quellen für die Stauferzeit

6. Mode in der Stauferzeit

7a. Rekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten

7b. Stoffgürtel mit Metallbeschlägen

8a. Gürtelformen des einfachen Volkes in der Stauferzeit

8b. Rekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes

___Info: Zäsur Romanik - Gotik

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Manche Stiftungen geschahen aber nicht ganz freiwillig. Seit der Wende XII./XIII. Jh waren „blut- und beutegierigen Schergen“ im Auftrag des Apostolischen Stuhls und in Namen der INQUISITION unterwegs. Wer verdächtig wurde und ihnen in die Hände fiel war chancenlos. Kein weltliches Gericht konnte gegen ein „Ketzerurteil“ Berufung einlegen, ganz im Gegenteil, die weltliche Obrigkeit konspirierte mit der Kirche, darunter gekrönte Häupter wie der Welfe Otto IV., die Staufer Heinrich VI. und Friedrich II., in Frankreich Ludwig VIII. und Ludwig IX. (der Heilige, na ja). Denn es ging in der Inquisition um die Umverteilung von Reichtum und Besitz in ungeheurem Ausmaß, um Denunzierung und Auslieferung mißliebiger politischer Gegner, Geschäftskonkurrenten oder Gläubiger. Mit anderen Worten es ging mal wieder um Macht und Geld![9]


5. Quellen für die Stauferzeit 1125-1250c:

Nach einem geringen Aufkommen an Buntmetall vom IX.-XII. Jh. ist um 1200 eine drastische Zunahme in allen Bereichen festzustellen. Diese hängt ebenso mit technischen Innovationen zusammen, wie mit einem Zuwachs der Sachkultur und Stadtneugründungen[Krabath, S. 337]. Nördlich der Alpen wurde das Strassennetz dichter und den großen Waldgebieten der Schrecken genommen, indem man immer weiter siedelnd in sie vordrang. Unruhige Zeiten brachten es mit sich, daß auch Dörfer und Kirchen mit Wall und Palisaden umgeben wurden, siehe Zunahme an Wehrkichen im SMA. Nicht allen Orten war ein Aufstieg vergönnt, viele Stadtwüstungen zeugen heutzutage von ihrem Scheitern, im XIII./XIV. Jh. kam es zu einer Welle dieser Mißerfolge. Während dörfliche Gemeinschaften Selbstproduzenten waren in einer an Abgaben gebundenen Naturalwirtschaft, konnten die zunehmenden Bürgergemeinden in den Städten nicht mehr alles selbst produzieren, was sie zum Leben benötigten. Die Prozesse der Verstädterung bringen uns heute zahlreiche archäologische Siedlungsfunde, die sich in den Grabungsschichten sicher datieren lassen. Neue wirtschaftliche Verhältnisse mit Rechts-, Geld- und Handelssystemen schufen die Grundlagen für einen „Mittelstand“ als aufstrebende soziale Schicht. An seiner Spitze erlaubten sich die zu Wohlstand Gelangten, analog zu den adeligen Eliten, ein „behagliches Umfeld des guten Geschmacks“. Die neuen Schichten emanzipierten sich, begehrten politisch auf, erhoben sich auch notfalls gegen Bischöfe und Fürsten, um eigene Ansprüche durchzusetzen. Diese Entwicklung war in Norditalien, auf das die staufische Politik abzielte, weit fortgeschritten. Die Wiederherstellung des „Imperium Sacrumbeinhaltete auch die Unterwerfung lombardischer Kommunen, doch war der kaiserliche Machtanspruch faktisch nicht mehr durchsetzbar. Während Frankreich oder Spanien starke Impulse aus dem Kampf gegen den Islam bezogen, war es in Dtld eher das „Greifen über die Alpen“, was nicht unwesentlich zum Entwicklungsschub beitrug, sollte aber für das Reich erhebliche politische Konsequenzen nach sich ziehen. Italien war zerrissen, zwischen Gegnern und Anhängern der Staufer, die Grenzen verliefen zwischen Nord und Süd, zwischen den Städten, aber auch innerhalb der Stadtrepubliken, zwischen Stadtvierteln, bekannt z.B. in Genua zischen Guelfen und Ghibellinen.

Grosse Motoren der Wirtschaft waren, je nach regionaler Begebenheit, die Tuchproduktion, die Gewinnung von Färbemitteln oder von mineralischen Ressourcen. Salz wäre sicher an erster Stelle zu nennen und Orte mit „Hal-“, „Heil-“ und „Sal-“ im Namen sind dafür bekannt, aber auch Lüneburg, Werl, Soest, Nauheim, wobei nicht nur die Produktion, sondern auch der Transport und die damit verbundenen Zölle von Belang waren, wie im Fall von München.[10] Von besonderer Bedeutung galten auch Metallerze, wie in Aachen, Goslar, Iserlohn, Freiberg, uvam. Städte ermöglichten durch angesiedeltes Handwerk die Verarbeitung der Rohstoffe zu Halb- oder Fertigprodukten und die „wirtschaftsstrategische Lage“ bzgl Verkehrsweg und Abnehmer sollte über Aufstieg oder Fall entscheiden, siehe dazu Die Feudal- und Landesherren waren beglückt, daß ihnen Städte nicht die üblichen Abgaben in Naturalien brachten, sondern in Form von barer Münze, damit ließ sich gänzlich anders wirtschaften! Reichsunmittelbare Städte wirtschafteten für den König. Nach dem Reichssteuerverzeichnis von 1241 zahlte das für die Staufer strategisch wichtige Rottweil jährlich 100 Mark Silber. Es gehörte zu den hoch besteuerten Königsstädten und zahlte mehr als Ulm oder Villingen. Von dieser Steuersumme durfte die Stadt 40 Mark behalten, um die Befestigung weiter auszubauen, ähnlich wurde dies beim Aufbau von Freiburg oder Murten gehalten. Auch auf dem Land nahm der Geldverkehr mit Münzen zu, um Naturalabgaben von weit entfernten Höfen an die Grundherrn zu ersetzen, deren abgabepflichtiger Besitz oft weit im Reichsgebiet verstreut lag. Im Mittelmeerraum waren im XII. Jh gesteigerte monetäre Finanzsysteme zur großen Blüte gelangt, wo es auch üblich wurde mit Hilfe von Wechseln große Summen zu transferieren, u.a. ein einträgliches Betätigungsfeld der immer mächtiger werdenden Militärorden des Heiligen Landes, die Schutz für Pilger und Geld gewährleisteten. Auch in der Landwirtschaft trat neben Fron und Naturalabgabe der Zins, wie es in Palästina bereits seit der christlichen Eroberung üblich war. Dort fehlten Bauern, um dem Feudalsystem die notwendige Stütze zu geben, so wurden Städte in die Landesdomänen einbezogen und jene lieferten Geld. Das wurde zum Vorbild der europ. Entwicklung. Nur trachteten Städte in unseren Breiten darauf sich vom Feudalherrn zu lösen und Eigenständigkeit zu erlangen [zu Wirtschaft und Verkehrswegen siehe auch Exkurs: Bronze und Messing im HMA und Exkurs: Heer- und Handelswege im Mittelalter].

Zahlreiche schriftliche Quellen von Klerus und Adel „wetterten“ gegen den Kleiderluxus und versuchten unangemessene Gewandträger in ihre gesellschaftlichen Schranken zu weisen, ohne daß man bereits von Kleiderordnungen sprechen könnte. Im Reich gewann eine vollkommen neue Quellenart zunehmend an Bedeutung, die ritterlich-höfische Dichtung der Minnesänger im „Hohen Stil“, also in Versform, siehe Kürenberger, Dietmar von Aist oder andere uns aus der späteren Manesse wohlbekannte Namen aus adeligem Hause oder ministerialer Abstammung. Aus Frankreich und der Bretagne kamen neue erzählerische Motive und Stoffe, die in deutschen Übersetzungen ritterliches Leben, ein Sittenideal und die hohe Minne ausschmückten. Das Bild der Frau wurde in der höfischen Gesellschaft zur „holden Weiblichkeit“ deutlich aufgewertet. Schönheit wurde mit Tugend gleich gesetzt, Minnedienst und Waffenehre miteinander verknüpft. Versreiche Epen beschreiben Gewandungen der Protagonisten teils detailliert, da Kleidung der Identifikation mit dem Hörer/Leser diente. Gottfried von Straßburg, neben Heinrich von Veldeke („Eneit“), Wolfram von Eschenbach („Parzival“) und Hartmann von Aue („Erec“, „Iwein“), einer der großen Altmeister/Übersetzer/Dichter „teutscher“ Zunge, kleidete in seinem „Tristan“ um 1210 die „holde Juncfrouwe Isolt“ in ein eng geschnürtes Gewand nach „französischem Schnitt“, auch Farbe, Material, Silber- oder Goldlahn und Pelze werden genannt. Bereits erwähnt wurde der kostbare goldseidene Bruchengürtel für das weisse Untergewand Parzivals, dazu kamen rote Beinlinge aus „schimmerndem Scharlach“, die lange Obergewandung von einem prächtigen Gürtel gerafft und der Mantel aus braunem „Scharlach“, mit unterschiedlichen Pelzsorten gefüttert und einer prachtvollen Spange geschmückt [MiM, S. 97/98 u 112]. Nicht selten waren kostbare Handschriften hochgestellten weiblichen Persönlichkeiten gewidmet, als Geschenk angefertigt oder durch sie beauftragt. Die Abbildung oben links stammt aus dem Ingeborg-Psalter [zweite Gattin von Philippe II. Auguste von Fkrch, reg 1180-1223]. Darstellung der Salbung des Leichnams Jesu mit dem „bürgerlichen“ Nikodemus am Kopf und dem Adeligen Josef von Arimathea zu Füßen. Letzterer trägt einen beschlagenen Gürtel. Die Darstellung der beiden Personen soll in den folgenden Jahrhunderten weiter beobachtet werden, denn ihre Abbildung gibt Aufschlüße über Unterschiede in der bürgerlichen und adeligen Ausstattung.

Die Wende XII./XIII. Jh kannte weitere prächtige Psalter mit Darstellungen aus dem Alten Testament und der Heilsgeschichte, wie den der Blanka von Kastilien [Gattin des franz Königs Ludwig VIII., reg 1223-26] oder die Bible Moralisee, in Dtld den Bamberger Psalter mit der berühmten „Goliath“-Initiale oder den Elisabeth Psalter mit den bekannten Monatsallegorien. Meist wurden nicht nur Initialen hervor gehoben, sondern es gab auch detaillierte textbegleitende Illustrationen. Es mehren sich Nachweise für Gürtelschnallen auf solchen Abbildungen, hptsl. aus England oder Frankreich, schon mal auf Reichsgebiet, siehe links Hortus Deliciarum aus der Zeit vor 1185 [Abb. Rekonstruktion aus dem XIX. Jh], mit den jungen „Marionettenspielern“ oder manche „Rüstszenen“ mit weiteren Schnallen- und Bindegürteln. Im XII. Jh bis in die 1. Hälfte des XIII. Jhs waren zur Illustration Federzeichnungen recht beliebt, oft mit farbiger Tinte oder leichten Kolorierungen. Fresken sind meist nicht mehr gut erhalten, oder wurden im XIX. Jh durch Restaurierungen „verunstaltet“, wie in Regensburg-Prüfening, so daß sie für Aussagen zur Gürtelmode nur bedingt herangezogen werden können, oft bleibt nicht mehr als relativ breite Gürtel zu beobachten, ohne Details wie Schnallen oder Senkel genau zu erkennen. Im militärischen Bereich ist, neben dem gebundenen Schwertgurt, durchaus schon mal ein zusätzlicher geschnallter Gürtel zu sehen z.B. in der Biblia Sacra_151v vor 1175. Schnallen und viele Ausrüstungsgegenstände scheinen, gemessen an späteren Erscheinungsformen, oft recht grob, was mit der romanischen Darstellungsweise zu tun haben könnte. Objekte der höheren Gesellschaftsschichten wirken trotzdem opulent und ausdrucksstark. Sie sind im romanischen HMA nie „smoothiewie unsere Reenactment-Varianten, wirken eher „sperrig“. Erst gegen Mitte des XIII. Jhs werden die Formen mit der Gotik unseren „modernen Augen“ gefälliger.[11]

Eine neue Quellengattung war das Altarretabel, Bildwerke aus Holz, Stein oder seltener aus Metall, die für Feierlichkeiten auf dem Altartisch („Mensa) selbst oder fest montiert hinter ihm Aufstellung fanden, deshalb „re-tabelals rückwärtiges Bild, im Gegensatz zum „Antependium, meist ein Tuch, das man vorne an der Tischkante befestigte. Ursprünglich stand auf dem Altartisch, der die Erinnerung an das Abendmahl vor dem Tod Jesu wach halten sollte, nur das Meßgerät. Dann wurde es im IX. Jh durch Reliquienbehälter ergänzt und ab dem XI. Jh holte man die Bilder des Hintergrunds nach vorne auf den Altar. Die ältesten Exemplare auf Reichsgebiet stammten aus dem XII. Jh. Im Laufe der kommenden Jahrhunderte sollten Altar und Retabel miteinander verschmelzen und sich die Belege deutlich mehren mit einem Höhepunkt ab der 2. Hälfte des XV. Jhs bis in Renaissance und Barock.

Eine überschaubare Anzahl von Skulpturen der romanischen Baukunst steht auf Reichsgebiet als aussagekräftige Quelle bzgl der Gürtelmode in situ zur Verfügung, wie in Schwäbisch Gmünd (Abb. unten Mitte) oder Konstanz. Verstreut finden sich Exemplare in Museen, wie bsplw im „Bayer. National“ in München oder im „Schnütgen“ zu Köln. Der mediterrane Raum mit Spanien, Mittel- und Südfrankreich oder Süditalien ist um einiges ergiebiger. [Ich kann mich noch gut an mein Staunen über die Skulpturen im Kreuzgang von Arles (Abb. rechts unten) erinnern, diese Perfektion zum Ende des XII. Jhs, bei uns kannte ich nichts Vergleichbares]. Die Bildhauerkunst wies in Südfrankreich ein hohes Qualitätsniveau auf, da die Arbeit mit diesem Material seit Jahrhunderten in ungebrochener Tradition stand, gebildet an antiken Relikten. Zeugen der Vergangenheit waren mit Statuen, Sarkophagen oder Kleinplastik z.B. an röm Grabmälern noch reichlich vorhanden. Quellen bezeugen immer wieder, daß man sich für steinerne Projekte nördlich der Alpen Spezialisten aus dem Süden, auch Lombarden wurden dazu angeworben, kommen ließ. Unser Material war über Jahrtausende Holz, nicht Stein.

Vorhandene Statuen und Reliefs wirken geheimnisvoll, durch ihre Starre geradezu unheimlich, meist an den Portalen konzentriert, wie an der Schottenkirche in Regensburg, datiert vor 1180, „streng“ und manchmal wenig detailfreudig, siehe Werke in Holz „Maria und Johannes der Täuferin der Domschatzkammer Fritzlar oder aus Sonnenberg im Pustertal, heute im Schnütgen Mus Köln, beide geschaffen vor 1200. Mit Christus am Kreuz folgte diese Dreiergruppierung, als „Deesis“ bezeichnet, Anregungen aus Byzanz. Romanische Arbeiten suggerieren eine autoritäre Welt. Farbigkeit minderte die Strenge, vermittelte Lebendigkeit, dem heutigen Betrachter oft vergangen, so daß die ursprüngliche Aussage verzerrt wirken mag. Man baute wehrhafte Gottesburgen, in denen Platz für gottesfürchtige Werke war. Die Überlieferung der „romanischen“ Formen ist vornehmlich an die geistliche Welt gebunden. Einfaches Volk, meist aus städtischem Umfeld, nehmen wir als tragende Kapitell- und als Lettnerfiguren oder sehr einseitig geschildert, nur durch seine religiösen Verhaltensweisen wahr, bsplw. in der Massenbewegung des Pilgerwesens, des Reliquienkults oder der Kreuzzüge. Und doch ist es Träger des Feudalsystems. Ohne die Arbeitsleistung der Masse wären Großbauten nicht möglich gewesen, Adel und Klerus nicht zu Reichtum gekommen und das Feudalwesen zusammengebrochen.

Frommen Stiftern sakraler Bauprojekte wurden seit geraumer Weile Reliefs oder Gedenksteine errichtet. Stiftungen wurden nicht einfach der Kirche vermacht, sondern dem Heiligen als Kirchenpatron, welchem das Kirchengebäude geweiht war. Ihm oblag es als Fürbitter vor Gott zu agieren. Stiftungen wurden gleichsam als ein „Vertrag“ mit dem Übernatürlichen angesehen. Lebensgrosse liegende figürliche Grabmale aus Holz oder Stein erschienen in Frkrch seit der Mitte des XII. Jhs, im Reich ein wenig später, wie das Doppelgrabmal Heinrichs des Löwen mit seiner Gattin, nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1227-40, oder das Dedos, Markgraf der Lausitz nebst Gattin 1230-35. Meist wurden sie lange nach den Lebenszeiten der Dargestellten errichtet und bislang war es undenkbar, daß sie ihre Aufstellung in Kirchengebäuden fanden. Seit der 2. Hälfte des XIII. Jhs entstanden sie unmittelbar nach der Beisetzung der Verstorbenen oder noch zu deren Lebzeiten, wie angeblich das Grabmal König Rudolf I. von Habsburg (reg. 1273-91) in der Krypta des Speyrer Doms, das keinen kraftvollen jungen Mann, sondern einen vom Alter gezeichneten abbildet, da die Skulptur angeblich unmittelbar nach seinem Abbild geschaffen wurde [schwer vorstellbar, denn die Physiognomie hat Züge einer Karikatur]. Bischöfe ließen sich große flache bronzene Grabplatten giessen, in einem speziellen Gußverfahren ähnlich zu Bronzetüren, Taufbecken oder Glocken. Neben den klassischen Zinn-Bronzen (Anteile in % von Kupfer 85, Zinn 9-10, Blei und/oder Zink gering) wurde vor allem im SMA ein höherer Anteil an Zink beigegeben, um den Platten ein „goldiges“ Aussehen zu verleihen mit Anteilen in % von Kupfer 75-85, Zinn 1-7, Blei 1-3 und Zink bis zu 12 [Untersuchung von Grabplatten in Hildesheim 1279-1519 in M. Brandt, Kirchenkunst des MAs. Erhalten und erforschen. Ausstellungskatalog Diözesan-Mus Hildesheim, 1989, S. 233ff ].

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textile Bindegürtel Chartres 1150c

Schnallengürtel

mit runden und rautenförmigen Beschlägen

oder Nachahmung eines Musters (?!)

Schwäbisch-Gmünd 1180-90

[Beachtung verdient auch die Zunge]

Schnallengürtel Kreuzgang Arles 1180c


6. Mode in der Stauferzeit (höfische Formen):

In den Epen wurden Schönheitsideale formuliert, denen es nachzueifern galt. Die besungene Schönheit der höfischen Dame spornte den „reisigen Helden“ zu tugendhaften Benehmen an und zwang ihn sein Äusseres, trotz Reise-, Kampf- und Rüstungsstaub im galanten Umgang mit der Weiblichkeit nicht zu vernachlässigen. Die Oberschicht zeigte auf Abbildungen gegen Mitte des XII. Jhs zuweilen breite Stoffgürtel, die man eher als Schärpe bezeichnen würde, wie in der byzant. Mode seit dem X. Jh üblich, ohne Überlänge, eng um die Taille geschlungen, vom Muster elegant auf die Zieren am Gewandsaum abgestimmt. Seide galt als wichtiger Bestandteil dieser textilaufwändigen und stoffreichen „imperialen Mode“ der Ottonen, Salier und frühen Staufer. Kritische Stimmen sagten, daß die männliche Mode „weibische Auswüchse“ angenommen hätte und mit ihrer Länge an Armen und Beinen die Träger an der natürlichen Bewegung hindere. Solche Aussagen scheinen glaubhaft, denn Repräsentationskleidung ist selten bequem und dient nur dem Zweck Betrachtern zu imponieren. Seit Anfang des XIII. Jhs wird die neue französisch-spätstaufische Mode in den Epen erwähnt und fand an den deutschen Höfen schnell Verbreitung. Denn mit dem architektonischen Baustil der Gotik dokumentieren sich Skulpturen in dieser neuen Gewandung vom Westen bis in die östlichen Reichsteile. Der Gürtel wurde dazu genutzt, um die Reize des weiblichen Körpers mit enger Taille hervor zu heben. Auch der männliche Körper erhielt durch den Gürtel mehr Kontur. Dieses Kleidungsaccessoire bekam eine deutliche Aufwertung. Ein weiteres Element war der in die Zivilmode übernommene ärmellose Waffen- oder Wappenrock, der in recht langen Ausführungen über der Kotte (von franz cotte = Rock) getragen wurde, also der Rock über dem Rock (franz. surcot), oder anders formuliert der Waffenrock wurde seiner Ärmel verlustig, es gab im XII. Jh Ausführung mit und ohne jene. Das Panzerhemd franz = cotte mailles wurde noch gar nicht so lange mit Überrock getragen. Das mag durch die aufgekommene Heraldik oder das „Bekennen von Farbe“ bei den zahlreichen kriegerischen Tumulten in der Wende XII./XIII. Jh ausgelöst worden sein. Zu welchem Herrn bekannte man sich, für wen wurde gestritten, im Reich für oder gegen die staufische Partei? Zur Zeit der franz-staufischen Allianz (Schlacht von Bouvines 1214), wäre vielleicht eine Angleichung der beiden Waffenpartner möglich gewesen, so daß eine neue „franz-spätstaufischen Mode“ begründet wurde? Die staufische Herrschaftsschicht übernahm die Tragweise des surcots, wie dies Quellen aus Italien belegen. Für die Übernahme beim Reichsadel mögen u.a. „die Naumburger Grafen“ stehen, einige tragen ihn, die anderen nur die bislang übliche Kotte. Als kleiner Vorgriff: Der surcot hielt bald auch in der Frauenmode Einzug, wobei die darunter liegende Bekleidung gegürtet wurde, sichtbar in den zur 2. Hälfte des XIII. Jhs grösser werdenden Armausschnitten, als „Höllenfenster“ bezeichnet.

In der ersten Hälfte des XIII. Jhs waren in der Oberschicht kräftig breite Gürtel aus Textil oder Leder üblich, wurden geknotet oder mit schweren, grossen und ausdrucksstarken Schnallen geschlossen. Damit sind nicht die historisierenden Gürtelformen des XIX. Jhs gemeint, die häufig derbe große Formen zeigen, wie viele der Skulpturen am 1880 fertig gestellten Kölner Dom, sondern Originale und Abbildungen aus der Wende XII./XIII. Jh. wie das „Königsrelief“ in der Kathedrale San Valentino in Bitonto/Apulien um 1229 oder die vielen Gürtelbeispiele der Skulpturen an der Kathedrale von Reims. Der Durchschnitt der Frauengürtel lag in der Breite bei fast zwei Fingern, in wenigen Fällen nur bei Daumenbreite. Männer trugen eher drei bis vier Finger breite Gürtel. Die Länge variierte von Knie- bis Schienbeinlänge, letztere vor allem bei adeligen Jugendlichen. Überlänge war, neben dem offenen Haar, vor allem ein Zeichen der Unberührtheit und Keuschheit von Juncvrouwen. Adelige Erwachsene trugen Gürtel meist kaum länger als bis zum Knie. Hin und wieder zeigten sie längere Gürtel, benutzten aber Riemenschieber und/oder trugen die Gürtelzunge (wie bei einen modernen Gürtel) zur Seite gezogen, siehe Bildhauerwerke in Reims, St. Denis, Straßburg, Magdeburg, Ebstorf, Braunschweig, Nordhausen oder auch Ferrara. Der soziale Stand war ablesbar am Gewand und bestimmte somit auch den Gürtel, die Qualität des Leders oder des Stoffs. Der Textilgürtel, der lange Zeit mit reinem Bindesystem getragen worden ist, wurde seit der Wende zum XIII. Jh durch eine Schnalle geschlossen und mit weiteren Metallteilen zur Stabilisierung kombiniert, dazu verwendete der Adel „Bortenstrecker“, Spenglin und Zungen (Senkel). Die meist stabförmigen Gürtelapplikationen dienten also einem Zweck. Gürtelbeschläge behielten auch in den nachfolgenden Jahrhunderten ihren Nutzwert zur Stabilisierung, vor allem bei Stoffgürteln und das Formenspektrum erweiterte sich erheblich. So lassen sich vor allem im SMA runde ösenartige Spenglin nachweisen, um das Trägermaterial z.B. an den Dornlöchern zu schonen, ähnliche Techniken gab es bereits allerdings schon im HMA. Die Kombination von Stoffgürteln mit Metallen mag eine neue Modesitte aus Frankreich sein, die möglw. auf die häufige Verwendung von Seide hinweist, mit feinem Gold- oder Silberlahn durchzogen. Das waren Gürtel, die einer Stabilisierung bedurften. Bislang wurde Seide meist aus Italien importiert, meist wohl legal, aber manchmal nicht unbedingt bezahlt. Denn die Staufer „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen, um die fälligen Tribute einzufordern. So könnte Seide nicht zuletzt nach 1204 durch das Beutegut aus Konstantinopel und in der Zeit der lateinisch-fränkischen Herrschaft vermehrt auf ital. und franz. Märkte gekommen sein. Große Seidenproduktionstätten befanden sich in Palermo oder in Tripoli im Hl. Land. Zum Ende der christlichen Besetzung, also im auslaufenden XIII. Jh, soll es dort 4000 (!) Seidenweber gegeben haben [KziA, S. 123].

Im archäologischen Fundgut des XIII. Jhs mehren sich Zierbeschläge/Spenglin. Die Bunt- und Edelmetalle konnten aus Blech gestanzt und über ein Model gepresst oder gegossen sein, letztere Technik wurde hptsl. bei Zinnvarianten angewendet, aber auch bei stabilen Streckern aus Bronze und Silber. Aber beileibe nicht alle Beschläge stammten von Gürteln. Wie die Funde aus London zeigen wurden preiswerte Varianten für Sporenriemen genutzt und häufig adeliges Pferdegeschirr beschlagen! Der Verlust einzelner Spenglin oder „Klapperbleche“ scheint gerade in diesem Zusammenhang aufgrund hoher Belastung erklärbar und damit manch archäologischer Fund im Burghof, bei den Stallungen, nach Entsorgung des Strohs an den Abfallstellen, an Furten und ehemaligen Lagerplätzen, wo das Auf- und Absatteln vonnöten war. Spenglin waren keine reine Zier, sondern hatten vielfach emblematische Funktion und heraldische Wirkung, um den Träger und dessen Gefolge kenntlich zu machen mit einer Wiederholung von Wappentieren oder Symbolen, wie mehrblättrige Rosetten und schildförmige Objekte. Ministeriale übernahmen als Gefolgsleute Wappenelemente ihres Herrn, um kenntlichen zu machen unter wessen Banner und Farbe man stritt. Auch Rüstungsteile, Schildriemen, Möbelstücke, Truhen, Kästchen und Bucheinbände wurden verziert, Altardecken und liturgische Kleidung mit aufgenähten dünnen Zierblechen versehen. Da sie im klerikalen Umfeld in Zweitverwendung standen, ist der vorherige profane Nutzen denkbar, wie bsplw Schmuckbleche auf dem „Brautkleid“ der Königin Agnes im schweizerischen Kloster Sarnen [Fi, S. 12].

Es ist nach plastischen Arbeiten und Abbildungen von Gürteln schwer abzuschätzen von welcher Beschaffenheit das Trägermaterial des Vorbildes einst war. Aufschlüsse darüber können manchmal die farblich unterschiedlich dargestellten Vorder- und Rückseiten der Gürtel geben. Im Tauchbad gefärbtes Leder wird eher gleichfarbig sein, während bei Stoffgürteln aufgrund einer untergenähten stabilisierenden Schicht mit farblichen Abweichungen zu rechnen ist. Doch wurde nicht nur Stoff stabilisiert, sondern auch dünnes Leder mehrlagig zusammen genäht, wovon einzelne Schichten eingefärbt sein konnten. Zu Repräsentationszwecken wurde feines Leder verwendet, beim Adel oft Wild, wie beim Schwertgurt üblich. Der Adel besaß das Jagdrecht! Übrigens, die von uns heute angewendete beliebte Schlaufung nach der Schnalle ist an Oberschichtgürteln des XIII. Jhs nirgendwo festzustellen [Unterschiedliche Schlaufmethoden sind seit dem FMA bekannt, auch beim Pferdegeschirr ist solches zu beobachten, sie unterscheiden sich jedoch von der modern angewandten Form und verdecken kein Schnallenblech. Ab dem XIV. Jh. ist die „moderne Variante“ zunehmend nachweisbar, aber sie ist nie (!) die Regel bei mittelalterlichen Gürteln.] Dünnes, weiches Leder fällt, ähnlich wie Stoff, auch ohne Schlaufung aus der Schnalle. Als Träger eines Gürtels mit Überlänge, welcher Bestandteil der Repräsentationskleidung war, bewegte man sich gemessenen Schrittes. Eine Alltags- oder Hausvariante könnte auch bei der sozialen Elite schlichter gehalten worden sein, wo der Nutz- gegenüber dem Zierwert überwog.

Aktuelle Untersuchungen gehen von einem gleichförmigen Schnallenstil mit europaweit „internationaler“ Verbreitung aus, das heißt ähnliche Formen finden sich von Österreich bis nach Dänemark. Die Formulierung mutet etwas modern an. In mittelalterlicher Betrachtung würde man nicht von „Internationalisierung“, sondern von gleichförmiger Verbreitung auf „Reichsgebiet“ sprechen. Das umfasste nämlich halb Europa! Auf Reichsgebiet scheint es für ein paar Generationen ziemlich einheitliche Schnallen gegeben zu haben. Schaut man über die Grenzen hinweg, kann man in Frankreich oder Ungarn vollkommen eigenständige Typen finden, die sich im Reich nicht belegen lassen. Abgesehen von universellen D-Formen läßt sich eine „europaweite Verbreitung“ nicht so ohne weiteres konstatieren. Auffallend ist der Umstand, daß archäologische Buntmetall-Schnallenfunde aus Abfallgruben oder von städtischen Straßengrabungen (siehe z.B. Bern) mit Breiten unter 2 cm eher schmal dimensioniert sind, während Schnallen nach Abbildungen und Skulpturen oder aus Depotfunden in Edelmetallen erheblich größere Formen zeigten! Auch Bortenstrecker konnten Dimensionen bis zu fast 4 cm aufweisen. Daraus lassen sich unterschiedliche Nutzungszusammenhänge ableiten, sprich Verluste bei Ausrüstung oder Reitzubehör wahrscheinlich, Entsorgung von Buntmetall aus gehobenem Haushalt möglich, während Edelmetalle auf jeden Fall weiter verwendet wurden und nur selten bei Stadtgrabungen auftauchen, in London z.B. nur eine Schnalle aus Silber, Spezialfall London siehe Fußnote: Ständegesellschaft HMA/SMA.

vor

Mitte

XIII


Ecclesia“ Dom Bamberg 1237v

schmale Gürtel von 15 bis 20 mm werden in dieser Zeit eher selten dargestellt

Paris 1230c

Bindegürtel „franz.“ Art

Ecclesia“ Strassburg 1225-35

Gürtelbreite ca. 25 mm, gut eine Daumenbreite (Zoll), bis zu 30 mm Breite auch bei Frauengürteln durchaus üblich



7a. Gürtelrekonstruktionen 1125-1250c für die Darstellung gehobener Schichten

Alle Objekte können durch Oberflächenvergütung hohen Darstellungen gerecht werden, Veredelung in Gold und Silber ist möglich.

A


-

OBERSCHICHT

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cingulum militare

alternative Bindung „Z“ oder umgedrehtes „Z“

Der weisse Gurt war Standessymbol und ausschließlich dem berittenen miles, dem Ritter sowie Schwertadel vorbehalten. Im Reich wurde er bis zum Anf. des XIV. Jhs nach alter Tradition gebunden, in Westeuropa im XIII. Jh aber hinzu auch gechnallt. Ausführung natur u.a. für Ordensbrüder oder Funktionsträger und -gehilfen.

-

Schwertgurt_01 weiß oder sämischgelb Bindung „X“

[Detailbild „Universal“-Bindung saemisch, „Universal“, falls das Scheidenleder nicht angehoben werden kann]

montiert 85,00 EUR

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Schwertgurt_02 natur Bindung „X“

montiert 85,00 EUR

Für B und (C) Bindung oder Schnalle, letztere siehe Relief „Kindsmörder“ vom Portal in Arles 1180 oder im Kreuzgang der Abbey de Fontcaude XIII. Jh, ebenso Abb aus „Kristina Psalter“ Dänemark von 1230

A


--

OBERSCHICHT

Westeurop. Waffengurt in weiss

Kreuzritterbibel“ Fol28r


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Neben gebundenen weißen Schwertgurten gab es in Westeuropa auch die geschnallte Variante. Aber es blieb vor 1300 eine engl-franz. Besonderheit, die sich z.B. in der franz. Handschrift der „Kreuzritterbibel“ dokumentiert. In westl. Grenzregionen des Reiches kann man geschnallte Gurte eher voraus setzen, denn es gab Lehnsnehmer, die auf beiden Seiten der Grenze Besitztümer hatten. Für alle übrigen sind Details dieser Handschrift nicht ohne weiteres auf Verhältnisse im Reich übertragbar, Info zur Kreuzritterbibel siehe [12]

Kreuzritterbibel“ Fol29v

-

XII-XIII_007a_me

30 mm Riemen (weiß)

und mögliche Zunge_me 6,5 x 2,5 cm

montiert 139,00 EUR

Schnallenform „D“, ähnlich zum Waffengurt des franz Königs im Louvre, hier nur aus Messing ohne Edelstein

A


Fund aus der Judengasse 10 in Salzburg. Die abgelösten Gürtelteile wurden mit c28000 Münzen (!) geborgen, deren älteste aus der 1. Hälfte des XIII. Jhs stammt und die jüngste um 1290 geprägt wurde. Das Original [u.] zeigt deutliche Abnutzungsspuren mit Reparaturstellen, deshalb auf die 1. Hälfte des XIII. Jhs datiert. Der Gurt hatte einen Riemenschieber und zur Seite geführt. Es gibt breite und schmalere Strecker, damit kann man einen Langgürtel voraus setzen.

-

XIII_005a_me mit Kreuzblüte „7047“, Streckern „2520“ u Halter „M08“ im Kundenauftrag

A

B.1


-

Das Metall war „geblackmalet- norddt. Begriff für das Niellieren mit Silber-, Kupfer- und Bleisulfiden in byzantinischer Technik, seit dem XI. Jh. im Westen nachweisbar [AsS, S. 299].

-

XIII_005a_me oder vs

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und möglicher Senkel_bz 5,5 x 4,5 cm

montiert 165,00 EUR me / 190,00 EUR vs

-

XIII_005a_bz

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und möglicher Senkel_bz 5,5 x 4,5 cm

montiert 169,00 EUR

[Veredelung in Gold mgl]

A


-

OBERSCHICHT

-

Wilhelmus comes

(Wilhelm Graf von Camburg), Naumburg 1245c

-

XIII_005a_me oder bz [Abb], Strecker „7065“ optional [Trägermaterial Stoff oder Leder]

A

B.1


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT





XII-XIII_028_me

Geriefte Schnallentypen im XII. Jh geläufig, mit Motiv-Beschlag gegen Ende XII. Jh


-

XII-XIII_027a_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 12 x 3 cm

[aufgesetztes Spenglin optional]

montiert 130,00 EUR me

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XII-XIII_040a_me

40 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 12 x 3 cm

montiert 135,00 EUR me

[Formen mit „Hörnchen“ waren bereits zu spätröm. Zeiten üblich, passen deshalb gut in den romanischen Kontext]

A


-

OBERSCHICHT



XII-XIII_008b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_me 12 x 3 cm

montiert 129,00 EUR

-

XII-XIII_008b_me

Beutelhalter „M04“, gr Blüten „7092“ und Strecker „7061“ optional

Streckeralternativen siehe unten 7b „Stoffgürtel“

XII-XIII_008c_me und Senkel_me 8 x 2,5 cm

montiert 120,00 EUR

Beutelhalter „M06“, gr Blüten „7092“ und Strecker „2610“ optional

A


-

OBERSCHICHT

Winchester Beschlag - Typus im XII. Jh auch im Reich geläufig [D. Ellger, Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des MAs in Westfalen I, 1979], mit gleichem Muster als hochmittelalterlicher Lesefund aus Schuby, westlich von Schleswig an der Schlei und nach Fund der Burg Wartenberg/Hessen vor 1265, Blütenzier ergänzt. Zungenform im XIII. Jh geläufig

[Veredelung in Gold oder Silber mgl]

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XII-XIII_007e_me „7037“ u „7061“ optional

-

XII-XIII_007e_me „7041“ u „2610“ optional



XII-XIII_007e_me o vs mit Schnallenzier „7037“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me oder vs 8 x 2,5 cm

montiert 139,00 EUR me / 165,00 EUR vs [Detailbild]-

A

B


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT





Eine schlichte D-Form dieser Art wird auch auf dem Grabmal des Markgrafen Dedo in Wechselburg von ca 1235 dargestellt. Wertiges Material kann vorausgesetzt werden. Zungenform bereits etwas älter

[Veredelung in Gold oder Silber mgl]


-

XII-XIII_007a_bz oder vs

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Zunge mit Zier bz oder vs 6,5 x 2,5 cm

montiert 139,00 EUR bz / 165,00 EUR vs [Detailbild]

-

XII-XIII_007a_me oder Nieten strichverziert

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Zunge mit Zier me 6,5 x 2,5 cm

135,00 EUR me / 139,00 EUR me Strich [Detailbild]

A

B.1


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT









frühe Schnallenformen in Kombination mit Motivblech und Zungenzier nach romanischen Architekturelementen

[Veredelung in Gold und Silber mgl]

-

XII-XIII_003ba_bz Ha

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Zunge mit Zier bz 6,5 x 2,5 cm

montiert 129,00 EUR bz

-

XII-XIII_003ba_bz Sz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Zunge mit Zier bz 6,5 x 2,5 cm

montiert 129,00 EUR bz

A

B.1


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT

Schwarzgefärbte Riemen sind für das XIII. Jh. sicher nachweisbar, für das XII. Jh ist mglw ein Riemen in natur oder dunkelbraun sinnvoller, obwohl die Färbung technisch genauso möglich war. Meine älteste Abb. eines schw. Riemens stammt von 1220-30, die Manesse zeigt eine Reihe und letztendlich wird Schwarz Modefarbe im SMA, so daß man es m. E. bei frühen Darstellungen viell. meiden sollte? [Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß man nach wissenschaftl. und technischen Gesichtspunkten Leder seit der Antike auf alle Farbtöne bringen konnte. Silber-Rot war im antiken ROM begehrte Modefarbe und rotes Leder wurde bei Tributen und Geschenken explizit aufgeführt]

[Veredelung in Silber mgl]

-

XII-XIII_003bu_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz

montiert 110,00 EUR bz

-

XII-XIII_003br_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Zunge mit Zier bz 6,5 x 2,5 cm

montiert 110,00 EUR bz

A

B


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT





recht frühe Schnallenform, bereits seit frühstaufischer Zeit bekannt in Kombination mit verziertem Schnallenblech und Zungenzier nach romanischen Architekturelementen

[Veredelung in Gold mgl]

- Probebilder, Bleche noch nicht befestigt -


-

XI-XII_002ca_bz Kerb

Schnalle mit Zierbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR bz / 125,00 EUR vs [Detailbild]

-

XI-XII_002ca_bz Sz

Schnalle mit Zierbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR bz / 125,00 EUR vs [Detailbild]

A

(B)


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT







frühe Schnallenformen in Kombination mit Motivblech und Zungenzier nach romanischen Architekturelementen

[Veredelung in Gold mgl]

- Detailbilder Motivblech quer -


-

XII-XIII_002ea_bz Sz

Schnalle mit Moivbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR bz / 125,00 EUR vs mgl

-

XII-XIII_005ea_bz Sz

Schnalle mit Motivbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR bz / 125,00 EUR vs [Detailbild]

A

(B)


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT



Formen mit „Hörnchen“ oder „Knöpfchen“ waren bereits zu spätröm. Zeiten üblich, passen deshalb gut in den „romanischen Kontext“ aus stauf. Zeit.

Magdeburg 1240-50

[Veredelung in Gold oder Silber mgl]

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XII-XIII_017a_me

Schnalle mit Motivbeschlag

18 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 85,00 EUR

-

XII-XIII_017f_me

Schnalle mit Motivbeschlag

18 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 90,00 EUR

A

(B)


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT







[archäologisch sind grundsätzlich eher Schnallen nachweisbar und es fehlen meist dazugehörige Senkel]

[Veredelung in Gold oder Silber mgl]


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XII-XIII_018f_me

Schnalle mit Motivbeschlag

18 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 3,5 x 2 cm

montiert 90,00 EUR

-

XII-XIII_011eh_me

Schnalle mit Motivbeschlag

18 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 3,5 x 2 cm

montiert 90,00 EUR

(A)

B


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT







Nach Krabath [Buntmetallfunde nördl. der Alpen, S. 137] sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar: „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh“


-

XII-XIII_011ba_me Sz

Schnalle mit Zierbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR me / 125,00 EUR vs [Detailbild]

-

XII-XIII_011bf_me

Schnalle mit Zierbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_me 6,5 x 2 cm

montiert 99,00 EUR me / vs mgl

B

(C)


-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT





Schnallen mit „gebuckeltem“ Bügel sind seit karol.-ottonischen Zeiten überliefert und tauchen in nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder auf



- Probebilder, Bleche noch nicht befestigt -


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XII-XIII_006ar_me Ha

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und mögliche Zunge_me 3 x 2 cm

montiert 95,00 EUR me / 120,00 EUR vs [Detailbild]

-

XII-XIII_006au_me oder vs

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_me oder vs

montiert 90,00 EUR me / 115,00 EUR vs

B

C


-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT





Schnalle mit „gebuckeltem“ Bügel in Kombination mit verziertem Schnallenblech und Zungenzier nach romanischen Architekturelementen



- Probebilder, Bleche noch nicht befestigt -


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XII-XIII_006aa_me Ha

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_me 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR me / 125,00 EUR vs [Detailbild]

-

XII-XIII_006aa_me Kerb

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR me / 125,00 EUR vs [Detailbild]

B

C


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obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT





Schnallen mit „gebuckeltem“ Bügel sind seit karol.-ottonischen Zeiten überliefert und tauchen in nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder auf






-

XII-XIII_006ae_me Ha

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und schildförmiger Senkel_me 3,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR me / 115,00 EUR vs [Detailbild]

-

XII-XIII_006ae_me Kerb

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_bz 6 x 2 cm

montiert 90,00 EUR me / 115,00 EUR vs [Detailbild]

B

C


-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT







Schnallen mit abgesetztem Steg haben den Vorteil, daß man sie auch problemlos für Stoffgürtel verwenden kann, da kein Dornschlitz benötigt und die Schnalle angenäht wird. Im Hl. Land ähnliche Form auf dem Krak de Chevalier.


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XII-XIII_046f_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 3,5 x 2 cm

angenäht und Senkel montiert 69,00 EUR

-

XII-XIII_046g_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me 3 x 2 cm

angenäht und Senkel montiert 69,00 EUR




7b. Stoffgürtel mit Bortenstreckern und Zierbeschlägen XIII. bis Anf XIV. Jh

Stoffgürtel der gehobenen Schicht wurden im HMA/SMA mit Metallbeschlägen stabilisiert. Stabilisatoren wurden bereits an Gürteln der röm Kaiserzeit verwendet. Auf Abbildungen lassen bunte und reich beschlagene Gürtelvarianten die Wiedergabe von Textil vermuten. Auf Skulpturen ist der Nachweis schwierig, da die Farbschichten meist vergangen sind. Es steht zu vermuten, daß die stark beschlagenen Leibgürtel der hochadeligen Naumburger Stifterfiguren Stoff wiedergeben sollten. Tendenziell zeigen Gürtelformen in der 1. Hälfte des XIII. Jhs Schnallenbefestigungen mit kurzen quadratischen Blechen und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs. eher langgestreckte Formen, aber es gibt natürlich für beide Richtungen Gegenbelege. Nächste Zeile: Verfügbare Streckerformen für Gürtelprojekte ab 1. Hälfte XIII. Jh, Veredelung in Gold oder Silber mgl.

XIII

-

XIV

-

Eckehardus marchio

Markgraf Ekkehard v Meissen, Naumburg 1245c-

-

7015 / 7060 / 7009 / 7061 / 2610 / 7008 / 7065 / 2520

Strecker me von 20 bis 45 mm Breite

-

7009 / 7061 / 2610 / 7008 / 7065 / 2520 -

Strecker bz von 25 bis 45 mm Breite

A


-

Magdeburg, Ratsherrntochter 1245c

Die Gürtel des höfischen Gewandes bestanden aus feinem Gewebe, das durch Bortenstrecker in seiner Form gehalten wurde“ [NauM, S. 984]



Die Gürtelborten sind alle auffallend lang, Rautenmusterung scheint bevorzugt...von Männern und Frauen in gleicher Weise getragen...“[Fi, S. 57]

Stoffgürtel wurden in Leinwandbindung auf einem Webstuhl oder mit Hilfe der Brettchenwebtechnik erstellt. Für gehobene Darstellungen Gürtel aus Seide mit Edelmetallzieren, ansonsten Leinen oder Wolle mit Buntmetallbeschlägen denkbar. In Köln wurden seit dem XIII. Jh weithin bekannte Seidenborten auf Leinengrund produziert mit individuellen Wappen als dekoratives Element, im SMA auch biblische Szenen im Auftrag reicher Kaufmannsfamilien. Schlichte Funde ohne Ornament aus Seide mit Leinwandbindung, siehe Fund von der Isenburg in Hattingen/Ruhr aus der Zeit vor 1225 mit einfachen Stabstreckern. Die Borte aus dem Schatzfund von Dune auf Gotland aus der 1. Hälfte des XIV. Jhs war in Brettchenwebtechnik mit mehrfarbiger Seide gearbeitet Der Gürtel aus Colmar wurde in Leinwandbindung ausgeführt mit Schußfäden aus Baumwolle und Kettfäden aus Goldlahn, eine Reihe silbervergoldeter Beschläge stützen das Gewebe.[13]

XII-XIII_102_bz Emaille blau mit Lochblüte „7029“ und Streckern „7065“ auf 40 mm Kundenborte Seide

Aufwändige Arbeiten mit Silber- und Goldfäden, Perlen und farbigen Steinen wurden im XIII. Jh in Pariser Werkstätten (Faiseuses d`Aumonières Sarrazinoises) nach importierten Mustern aus dem Orient gefertigt, von dort gelangten solche Luxusartikel, in Form von Gürteln und Almosenbeutel an die Höfe Europas. Ein kostbarer Gürtel befand sich im Grab des kastilischen Kronprinzen Ferdinand de la Cerda im Kloster Las Huelgas/Burgos, gefertigt wohl um 1260 in Frankreich, wohl über seine Mutter Blanche, Tochter von Ludwig IX.

XII-XIII_100_bz Emaille grün mit Streckern „7065“ auf 40 mm Kundenborte Seide

A


Seidene Stoffgürtel wurden broschiert und mit Silber- und Goldfäden durchwoben (Brokat) oder man zog Häutchensilber und -gold um eine Leinenseele (Lampas). Wenige Exemplare sind als kostbare Erbstücke erhalten oder durch „Schatzdepots“. Strecker wurden irgendwann vom Trägermaterial gelöst und aufgrund ihres Materialwerts aufgehoben.

Pommern-Dk, mit slaw-osteurop. Muster, Seidenbrokat mit vergoldeten Silberfäden, Bortenstrecker Silber vergoldet mit Halbedelsteinen XIII.-XV. Jh. [Kopenhagen_AO]

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XII-XIII_103_bz Emaille grün

mit Streckern „2610“ und Halter „M06“

auf 30 mm Leinenborte rot/gelb

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XIII_058_me mit Blüte „7092“ und Streckern „7008“

auf 30 mm Leinenborte rot/gelb

A


Benediktinische Liederhandschrift 1200c

Seifried Helbling spottete in der 2. Hälfte des XIII. Jhs mit der Anmaßung des Ministerialen über die Unmöglichkeit Hörige zum Ritter zu machen: „...der Schild möge dem Bauern in diesem Augenblick zum Streichbrett des Pfluges, das Schwert zur Pflugschar, der ritterliche Seitenbeutel zum Säetuch, die Gürtelborte zum hanfenen Futterstrick sich wandeln.“ [DelMA, S. 287]

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XIII_070_me mit Streckern „7008“ auf 30 mm Leinenborte [Detailbild XIII_060]

Funde aus dem bürgerlichen Umfeld von London, Keramikphase 9 (ab 1270), zeigen Gürtel in Brettchenwebtechnik, mit der gleichen Herstellungsmethode wie die hier gezeigten. Nur selten läßt sich Leinen archäologisch nachweisen, da Pflanzenfasern im Boden recht schnell vergehen. Seifried Helbling gibt den Hinweis, daß Borten auch aus Pflanzenfasern bestanden. Der „Gürtel Marias“ im Domschatz zu Aachen besteht aus einfachem ungefärbtem Leinen, ohne jegliche Beschläge, angeblich dem zweifelnden Apostel Thomas nach der Himmelfahrt Marias von einem Engel überreicht [bei „Luftpost“ haben Stoffgürtel sicher einen günstigeren Tarif als schwere Lederausführungen].

XIII-XIV_003a_me mit Lochblüten „7029“, Streckern „7008“ und Halter „M04“ auf 40 mm Leinenborte rot/gelb

A


Rautenmuster und Kreuzschraffuren waren im XIII.-XIV. Jh. beliebt, siehe z.B. Taschen aus der Kreuzfahrerbibel_Fol29v oder in der Manesse.

..., dass Gürtelborten des 13. Jhs als repräsentative Accessoires auffallend lang waren und Rautenmuster bevorzugt verwendet wurden...“[NauM, S. 1036 u Fi, S. 57]

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Strecker „7009“

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Lochblüten „7055“ und Strecker „7061“

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Lochblüten „7029“ und Strecker „7061“


Borten Farbmuster Beispiele

(blau-gelb, rotbraun-gelb, zart grün-rot, kräftig grün-rot, violettrot-grün) diverse Farben mgl

Auch Leinen galt in manchen Bereichen Europas lange Zeit als exklusiver Stoff und dicht gewebte Garne aus Flachsfasern können, wie unsere Exemplare, mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern.

- perfekt hinterlegt -


Beschlagene Stoffgürtel sind vielleicht als „Projektgürtel“ anzusehen mit zunächst weiten Streckerabständen, um nach und nach in die Zwischenräume Ergänzungen durch weitere Strecker oder Blüten einzufügen. Gelochte Blüten haben den Vorteil als Dornschutz zu fungieren. Beutelhalter sollten gesetzt werden, denn ein lose um die Borte geschlungenes Taschenband kann an dieser Stelle die Metallzier heraus drücken! Schlußendlich ist eine rückwärtige Stabilisierung durch ungefärbtes Leinen, wie beim Original in Kopenhagen, zwingend notwendig, auch feines Leder wie beim Schwertgurt des Sancho IV. von Kastilien nach 1295 ist möglich [Entscheidung und Handwerksarbeit des Kunden].


Kloster Schwarzach Monatsallegorien Bauern 1225c


8a. Gürtelformen des einfachen Volkes in der Stauferzeit 1125-1250c

Details bei Gürtelformen unterer Schichten sind oft schwierig zu erkennen, da die Kleidung über lange Zeit nicht Körper betonend geschnitten war. Gürtel oder Stricke wurden dazu genutzt Kleidung in Form zu halten, damit verdeckte der Stoff den Gurt. Vor allem bei arbeitsintensiven Vorgängen musste Kleidung zur Seite gerafft, vom Boden hochgenommen oder durch Kittel und Schürzen geschützt werden, wobei deren Bindung die Funktion eines Gürtels übernehmen konnte.


Der Prämonstratenser Philipp von Harvengt forderte zum Ende des XII. Jhs, daß jeder Stand und Beruf durch die Kleidung erkennbar sein solle und der Franziskaner Bertold von Regensburg entwarf in seinen Predigten im XIII. Jh eine gottgewollte Ständeordnung nach dem Vorbild der himmlischen Engelchöre. Jedem wurde nach göttlichem Entschluß sein gesellschaftlicher Platz zugedacht, der unverrückbar sei. Wer durch Abänderung seines Gewands die deutlich sichtbaren Grenzen überschreite, der begehe Hoffart und gefährde sein Seelenheil. Appelle zum maßvollen Umgang mit der Kleidung, die auf den Klerus zurück gingen, wirkten alle ähnlich. Neben der verordnenden Vorschrift beinhalteten sie eine moralische Komponente, die einem Gesetz allerdings immer zu eigen ist, wenn es in einer Gesellschaft, die ethische Normen erhebt, wirken soll. Es wurden auch fiktive Kleiderordnungen aufgestellt, welche, um ehrwürdiges Alter bemüht, angeblich auf Karl den Großen zurückgehen sollten, indem Bauern schwarze und graue Gewänder mit Keilen nur an den Seiten und nicht in Front oder Rücken zugedacht seien. Auf dem vierten Laterankonzil von 1215 wurde verfügt, daß Andersgläubige durch äussere Abzeichen gekennzeichnet sein sollten. Neben dem bereits länger getragenen Judenhut wurden bald europaweit unterschiedliche Zeichen wie aufgenähte runde gelbe Ringe und Kreise oder später verschiedenfarbige Radzeichen für die gesellschaftliche Randgruppe eingeführt.[14]

Atlant“ Kathedrale Reims vor 1221

(„die arbeitende Bevölkerung“)

Gürtelbreite ca. 25 bis 30 mm, etwas mehr als ein Zoll






8b. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes 1125-1250c

(für einfache Dienstmannen, Freibauern, Handwerker, Krämer, Hörige, Kriegsknechte, Schergen, Gesellen, Mägde, Gesinde)

Varianten aus Eisen werden nicht noch einmal wiederholt, siehe oben Gürtel mit Eisenschnallen XI.-XIII. Jh

C


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MITTELSCHICHT







[Schnalle nach 8 m hohem Fresko „Christophorus“ in der Michaelsbasilika in Altenstadt bei Schongau südlich von München, datiert vor 1200, leider ist dort das Gürtelende nicht zu sehen. In der Rekonstruktion wurden schlichte Ortblechformen verwendet]

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XII-XIII_004ad_bz Kerbe

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Ortblech „Kerbe“ bz 2 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

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XII-XIII_004ad_bz Riefen

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Ortblech „Riefen“ bz 2 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

C

D


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MITTELSCHICHT und untere MITTELSCHICHT

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XII-XIII_025ae_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und schildförmiger Senkel_me 3,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR

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XII-XIII_025ad_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und gekerbtes Ortblech_me 2,5 x 3 cm

oder Ortblech „Riefen“ XII-XIII_025d [Detailbild]

montiert je 90,00 EUR

C

D


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MITTELSCHICHT und untere MITTELSCHICHT







Diese Schnallenform mit abgesetztem Steg hat den Vorteil, daß man sie auch problemlos für Stoffgürtel verwenden kann, da kein Dornschlitz benötigt und die Schnalle eh angenäht wird.

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XII-XIII_045a_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und Senkel_bz 6 x 2 cm

montiert 75,00 EUR

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XII-XIII_045b_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und verzierter Senkel_bz 6 x2 cm

montiert 85,00 EUR

C

D


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MITTELSCHICHT und untere MITTELSCHICHT







[Die nur provisorisch an das Leder gefügten Bleche werden selbstverständlich aufgenietet]

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XII-XIII_046a_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 70,00 EUR

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XII-XIII_046c_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

und Ortblech 4 x 2 cm

montiert 75,00 EUR

C

D


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MITTELSCHICHT und untere MITTELSCHICHT



Rechts: Nach Krabath [Buntmetallfunde nördl. der Alpen, S. 137] sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar: „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.“

Ganz rechts: Schnallenform tendiert in die auslaufende Stauferzeit und ist mit anderen Blechzieren (Paßformen) noch um 1300 zu finden

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XII-XIII_011aa_me Schweif

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 85,00 EUR

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XIII_023ad_me Schweif

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und kurzes Ortblech „Schweif“_me 1,5 x 2 cm

montiert 80,00 EUR

D

E


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untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE





siehe auch:

Gürtel mit Eisenschnallen XI.-XIII. Jh“

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XII-XIII_030_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

ohne Zunge, Schnalle angenäht 49,00 EUR

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XI-XII_020_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun)

ohne Zunge, Schnalle angenäht 39,00 EUR



Zäsur Romanik - Gotik

Die Kreuzzüge und die intensive Berührung mit der islamischen Kultur im Vorderen Orient und in Spanien zeigten deutliche Folgen. In der Architektur schlug sich das im experimentierfreudigen „opus francigenum“ nieder, wie der neue Baustil genannt wurde, erst viel später als „Gotik“ bezeichnet, was als ein ital. Voruteil und „Hieb gegen die scheußliche teutsche Kunst nördlich der Alpen“ gedacht war. Die Anregungen lagen u.a. bei muslimischen Formen, wie Kreuzrippen, Bündelpfeilern oder Spitzbögen, die im Hl Land weit verbreitet waren, bei Moscheen, aber auch in Kreuzfahrerburgen, wie „Kerak“ oder „Schaubeck“ im heutigen Jordanien.[15] Auf christlicher Seite war Frankreich die dominante europ Macht in Outremer. Der Überträger oriental Architekturelemente in den Westen mögen aber Normannen gewesen sein. Denn der neue Baustil an den französischen Bischofskirchen (cathedrales) nahm Anleihen bei der Architektur der Normandie und Englands (Rippengewölbe) sowie partiell Burgunds (Spitzbogen) Anf. des XII. Jhs mit engen Bezügen nach Italien. Der neu kreierte franz. Stil hob die Schwere der Wände mit einer Vielzahl von Durchbrüchen und riesigen „himmlisches Licht“ spendenden Fenstern auf. Er fasste durch Abwandlungen in der Architektur auf Reichsgebiet mit erheblicher Verzögerung. Skulpturen und die Protagonisten der programmatischen Fensterzyklen als Gebäudeschmuck geben uns Einblicke in neue Modeströmungen.

1137 wurde mit der Abteikirche der Benediktiner in St. Denis bei Paris der erste „gotische“ Kathedralbau begonnen („franz. Frühgotik“). Initiator war Abt Suger von St. Denis (1081-1151), in Abwesenheit Ludwigs VII. 1147-49 auf dem II. Kreuzzug der franz. Reichsverwalter. Die nun einsetzende Bauwelle stärkten Macht und Prestige des fördernden franz. Königshauses, bislang territorial relativ unbedeutend. Der politische Aufstieg erfolgte erst mit dem Zurückdrängen der Plantagenets aus dem Westen Frkrchs unter Philipp II. (1180-1223). Es folgten in der 2. Hälfte des XII. Jhs zahlreiche Kathedralen, wie in Sens, Noyon, Senlis, Laon, Paris, Bourges, Chartres und Soissons, alleine in Frankreich bis 1270 rd 80 dieser städtischen Bischofskirchen, die vielen Pfarr- und Abteikirchen gar nicht mitgerechnet. 1212-95 Bau der Kathedrale von Reims im „franz. Hochgotischen Stil“, ebenso die Kathedralen in Rouen, Dijon, Beauvais oder Albi.

Auf Reichsgebiet ist Notre Dame in Lausanne am Genfer See aus den letzten Jahrzehnten des XII. Jhs der erste gotische Bau. Das wirkte zurück auf Burgund und die Zisterzienser. Der gut organisierte Orden übernahm in seinen Bauten got. Stilelemente, wie in Maulbronn um 1220 und Walkenried im Harz. Seit 1209 arbeitete Albrecht II., Erzbischof von Magdeburg, der franz. Kathedralen aus eigener Anschauung während seines Studienaufenthalts in Paris kannte, an einem neuen Dom. Die Verpflichtung zisterziensischer Bauleute veränderte das Gebäude in ungeahnte Richtungen, so daß gotische Elemente in den ansonsten spätromanischen Bau einflossen, am besten im 1266 vollendeten Chor ablesbar. Weiter im Osten des Reichs ließ Leopold VI. (Hz 1198-1230) in seiner Residenz in Klosterneuburg als Palastkirche die „capella speciosa“ errichten. 1222 geweiht, war es der erste Bau gotischer Prägung in dem jungen Herzogtum, vormals Markgrafschaft Österreich. Diese Palastkapellen als Mini-Kathedralen wurden oft kopiert und fanden mit der berühmten „Sainte-Chapelle“, 1246 geweiht, im königlichen Cite-Palast zu Paris ihren wirkungsvollen Höhepunkt. Ludwig IX., der Heilige nahm 1248 auf seinem Kreuzzug gegen Ägypten Baumeister ins Gefolge auf, welche die Architektur des Orients näher studieren sollten. In den ersten Jahrzehnten des XIII. Jhs systematische Anwendung von gotischen Elementen in den Reichsstädten Toul, Verdun, Metz des Erzbistums Trier (dort Liebfrauenkirche ab 1230er), das unmittelbar an die franz. Regionen mit ihrem revolutionären neuen Baustil grenzte. Linksrheinisch folgten bald Köln und Straßburg. Im Rheinland und rechts des Rheins war ein allmählicher Wechsel von der rheinischen Spätromanik zu frühgotischen Formen ablesbar, wie in Limburg seit den 1230er Jahren, ebenfalls im Bistum Trier. Weiter lahnaufwärts ließ der Deutsche Orden in Marburg ab 1235 eine Hallenkirche zu Ehren der heiligen Elisabeth errichten. Der kompakt und ruhig wirkende Bau, 1283 geweiht, diente darüber hinaus der Grablege hess-thüringischer Landgrafen. Obwohl nur wenige Skulpturen diese Kirche verschönern, sei der Blick mal auf die „Atlanten“ als Träger der Wasserspeier empfohlen, ein typisch gotisches Motiv mit Aussagekraft für einfache Darstellungen.

Bürgeraufstände in Reims gegen Erzbischof und Kathedralkapitel sollen in den 1230er Jahren erheblich zur Ausbreitung des neuen franz. Stils in Europa beigetragen haben. Steinmetze der Reimser Kathedrale zogen bis ins Reich [NauM, Bd I, S. 474 u 505]. Die weit fortgeschrittene franz. Plastik fand nun Anwendung in Bremen, Halberstadt, Magdeburg, Bamberg, Straßburg, Mainz, Naumburg (Dom seit 1210 in Bau) und Meißen. Die Gotik fasste in Dtld mit den Frühformen unter den Staufern, aber erst Wende XIII./XIV. Jh. flächendeckend bis in alle Winkel des Reiches. Die Ablösung des spätromanischen Stils in der Alltagskultur war ablesbar in der Fibel- und Gürtelmode durch Passformen (Vierpass, Sechspass, etc siehe Fibelreplikate XIII.-XIV. Jh), abgeleitet vom architektonischen Maßwerk.

Der Kathedralbau benötigte hohes Erfahrungswissen, das Studium antiker Künste, die Anwendung technischer Hilfsmittel von der Knotenschnur bis zum Kran und das Experimentieren mit Material, Form und physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Hugo von St. Viktor (1097c-1141) sah die Beschäftigung mit Vitruvs de architectura als unerläßlich an [NauM I, S. 116f]. Zum ersten Mal dokumentierte sich vorbereitende Planung durch maßstäblich verkleinerte Zeichnungen. Die Baumeister beschäftigten sich intensiv mit der Geometrie, die als „freie Kunst“ galt und hoben die Architektentätigkeit aus dem Stand der als niedrig angesehenen „mechanischen Künste“ empor. Sinnhaftes Symbol war Gott als „Baumeister der Welt“ mit dem Zirkel in der Hand. Geometrisches Ornament des Maßwerks wurde quasi zum Leitmotiv der „Kunst“. Man kann vereinfacht sagen Gotik = angewandte Geometrie. Das bedeutete eine Konzentration auf Wesentliches durch genaue Beobachtung der Natur, z. B. mit der Darstellung von steinernem Blattwerk an „dienenden“, bzw tragenden Elementen. Geometrie wurde als das Ideal der beobachteten Formen verstanden mit Symmetrien und der Ästhetik von Regelmässigkeit oder kontrapunktischen Asymmetrien. Dazu verwendete man technische Hilfsmittel, wie Zollstock und Zirkel, mit denen zeichnerisch Ornamente entworfen wurden, die im Maßwerk ihre Vollendung fanden, in der Architektur, im nachahmenden Goldschmiedehandwerk und letztlich in Elementen der illusionistischen Malerei des SMAs. Effizient war die Verwendung vorgefertigter steinerner Architekturteile mit Hilfe von Schablonen, so daß man in Modulen zu bauen verstand.

Architektur und Steinbildhauerei gingen eine Symbiose ein. Erfolgreichen Baumeistern, vor allem denen aus Frankreich, die überall in Europa gefragt wurden, war sozialer Aufstieg vergönnt und im Zuge dessen bekamen auch begnadete Handwerker der „zutragenden“ Künste mehr Aufmerksamkeit, welche aus dem gigantischen Bauwerk ein Gesamtkunstwerk formten. Dazu zählten neben den bereits genannten Gewerken natürlich auch die Glas- und Freskenmaler, Holzbildhauer oder div Metallarbeiter, neben Schmieden auch das Buntmetall verarbeitende Handwerk [DKGo, S. 103ff].




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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

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- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums [KC], Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Egan, G. u Pritchard, F. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London [DressLo], London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters [Fi], München Berlin 1971.

- Flüeler, M. u N. (Hrsg.): Stadtluft, Hirsebrei u Bettelmönch – Die Stadt um 1300 [StHB]. Ausstellung Zürich-Stuttgart 1992.

- Goll, J. / Exner, M. / Hirsch, S.: Müstair. Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkirche [MueKlo], Zürich 2007.

- Grote, U. u Maas, E.: Auswahlkatalog Stiftsmuseum Xanten 2010.

- Haedeke, H.-U.: Schmuck aus drei Jahrtausenden. Smlg H.-U. Haedeke, Köln 2000 sowie BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle [BuM], Solingen 2000.

- Hinz, B.: Dom St. Peter zu Fritzlar. Stift, Kloster und Domschatz, Kassel 2002.

- Humburg, N. u Schween, J. (Hrsg.): Die Weser – Ein Fluß in Europa. Bd. 1. Leuchtendes Mittelalter, Holzminden 2000.

- Husty, P. u Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum [AsS], Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik [KliM], Köln-Weimar-Wien 2010.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter [MiMA], Darmstadt 2016.

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- Leenen, St.: Die Isenburgen an der Ruhr, Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Bd. 52, Darmstadt 2011.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Wald-Michelbach 1998.

- Pernoud, R. (Hrsg.): Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten [KziA], 4. Aufl München 1977 [eines der Bücher aus meinen Jugendtagen]

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- Schubert, A.: Richard Löwenherz. König-Ritter-Gefangener [RL]. Ausstellungskatalog des Hist. Museums der Pfalz Speyer 2018.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter [KluM], dt. Ausgabe Darmstadt 2009.

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- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.

- Toman, R. (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur-Skulptur-Malerei [DKRo], Köln 1996 / Die Kunst der Gotik. Architektur-Skulptur-Malerei [DKGo] Köln 1998

- Weinfurter, S. (Hrsg.): Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im ma Europa. Ausstellungskatalog Mannheim 2010.

- Zimmer, J./Meyer, W./Boscardin, L.: Krak des Chevaliers in Syrien. Archäologie und Bauforschung 2003 bis 2007, Koblenz 2011.


I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ In Frankreich kam es zu Volksaufständen gegen den kriegerischen Adel. Die hauptleittragenden Bauern organisierten mit Hilfe der Kirche bewaffnete Milizen, um weltliche Machthaber Grenzen aufzuzeigen. Allerdings geriet diese Bewaffnetenschar ausser Kontrolle und nach einigen Plünderungen zerschlug der Adel die Milizkontingente. Wie mächtig der westeurop. Adel dieser Zeit war zeigt sich darin, daß Anführer des I. Kreuzzuges ab 1096 lediglich Grafen, bzw Barone waren, welche sich wie Raymond von Toulouse oder Bohemund von Tarent keinem Herrscher gegenüber verpflichtet sahen, sie erhoben eigene Steuern, prägten Münzen oder erließen eigene Gesetze. Ursprünglich waren Grafen zu karolingischen Zeiten Beamte des Königs, die in seinem Namen Gebiete als Lehen verwalten sollten. Davon war man inzwischen weit entfernt [Peter Milger, Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes 1988].



2/ Im span. Aragonien bekam die bürgerliche Oberschicht (Stadtadel) Saragossas bereits 1118 alle Rechte geborener Hidalgos, niedriger landbesitzender Adeliger! Wie in vielen europ. Ländern stützten sich auch hier die Könige auf die neu aufstrebenden Städte gegen den revoltierenden Uradel (ricoshombres) und Niederadel (hidalgos). Die Städte erhofften sich Frieden, Recht und sicheren Handel. Dazu gründeten sie Bünde (hermandades), wie auch im Reich und stellten sich in den Dienst der Monarchie gegen den Adel und die Grundherren. Abgesandte der Städte sassen seit dem XIII. Jh neben Adel und Geistlichkeit in den Cortes und konnten, ähnlich wie später in den Niederen Landen, zu Zeiten der Thronwirren des XIV. Jhs den Königen Konzessionen abtrotzen. Mit Erlangung gehobener rechtlicher Stellung ist die Übernahme feiner Sitten und Moden in den Städten nur allzu nachvollziehbar.



3/ Inhaltlich erfolgte damit ein grosser Umbruch. Der ältere „Viernageltypus“ ermöglichte es Christus stehend darzustellen, so daß er die Arme triumphal ausbreiten konnte. Beim „Dreinageltypus“ nahm der durch beide Füße getriebene Nagel die aufrechte Haltung und demonstrierte das Hängen und Leiden des Körpers [siehe Hinz, Dom Fritzlar, S. 38]. Christus wurde als König und strenger Weltenrichter abgelöst durch Christus den Leidenden mit der Dornenkrone, in der Betonung der Wunden und der Passionswerkzeuge. Die menschliche Natur Christi stand nun im Vordergrund. Der Betrachter sollte am Leiden Christi Anteil nehmen zur Nachempfindung. Die imitatio Christi war Teil des neuen Armutideals, das seit dem XII. Jh immer wieder gefordert und nicht zuletzt durch Wanderprediger und die neuen Bettelorden seit Anfang des XIII. Jhs propagiert wurde. Päpste, wie Innozenz III., setzten das neue Ideal ein, um auf „friedlichem Wege“ Häretiker der unteren Schichten in den „Schoß der Kirche“ zurückzuführen.



4/ Bezug nehmend auf die Ereignisse des I. Kreuzzugs der franz. und normannischen Grafen (unter der Führung waren keine höheren Ränge als Grafen oder Edelfreie, franz. „Barone“, zu verzeichnen), bzw. auf den voraus gegangenen Armenzugs unter Peter von Amiens mit Progromen und Plünderungen unter Graf Emicho von Leiningen. Gottfried von Bouillon war im Gegensatz zu den übrigen Teilnehmern ein Lehnsmann von Kaiser Heinrich IV., der fernab in Italien weilte, so fanden sich aus dem Reich zunächst nur Ritter des Maas-Rheingebiets unter den Kreuzfahrern der ersten Stunde. Aber auch die übrigen Reichsteile wurden bald von der Kreuzzugsbegeisterung erfasst. Nur dauerten die Vorbereitungen länger, so daß viele Kontingente später aufbrachen und das Heer im Hl Land zu verstärken suchten, als die Kämpfe bereits in vollem Gange waren, bzw Jerusalem in der Hand der Christen; sofern man denn die Stätte erreichte, denn viele dieser „Fahrten“ scheiterten im seldschukisch beherrschten Anatolien, vor allem, wenn die Unterstützung von Byzanz ausblieb. Jenes war Kreuzfahrern gegenüber sehr argwöhnisch eingestellt. Man hatte keine neuen christlichen Fürstentümer im Hl Land erwartet, sondern eine Erneuerung der byzant. Herrschaft in der Levante erhofft. Auch Schotten, Friesen, Dänen oder Norweger versuchten das Hl Land zu erreichen, ganz Europa war in Euphorie. Der Anteil an Nichtkämpfern war extrem hoch, man schätzt ihre Zahl fünfmal höher als die der Soldaten. Auch Frauen nahmen an Kreuzzügen teil, teils von edler Herkunft und manche verloren dabei ihr Leben, wie die Tochter des Herzogs von Burgund, wurden versklavt oder landeten im Harem, wie Ida, Markgräfin und Mutter Leopolds III. von Österreich, falls das Unternehmen mißlang. Neben kleinen bewaffneten Pilgerfahrten in der 1. Hälfte des XII. Jhs mit Beteiligung einiger dt. Kontingente, die in der Geschichtsschreibung nicht eigenständig gezählt werden, fand erst der II. Kreuzzug 1147-49 auch gekrönte Häupter und Herzöge in der Führung. Der franz König Ludwig VII. hatte sich in der Auseinandersetzung mit dem Grafen der Champagne den Zorn der Kirche zugezogen. Er nahm durch die Vermittlung Bernhards von Clairvaux zur Buße das Kreuz. Jener überzeugte die Massen in Vezelay und selbst den dt. König Konrad III. Weihnachten 1146 in Speyer zur bewaffneten Pilgerfahrt im „Namen des Herrn“. Wieder waren Juden die ersten, welche „dran glauben“ mussten. Es kam zu zahlreichen Progromen im Reich. Rheinische Juden sollen überlebten haben, da sie dem Erzbischof von Köln eine Burg abkaufen konnten. Im „Kreuzzug der Könige“ folgte Katastrophe auf Katastrophe. Das deutsche Kontingent wurde in Kleinasien fast vollkommen aufgerieben, weil man nicht auf den Ratschlag hörte besser die Küstenroute zu nehmen, im Hl. Land wurde statt wie geplant Edessa das befreundete Damaskus vergeblich angegriffen, Verhängnis über Verhängnis. Man munkelt, daß sich der Fürst von Antiochia, welcher auf die ursprünglich vereinbarten Kriegsziele Aleppo und Edessa drängte, mit der Gattin des franz Königs eingelassen habe, was das Verhältnis der beiden Männer schlagartig abkühlte und Ludwig VII. sich gleichzeitig vom Fürsten, wie vom urspl. Ziel, abwandte. So gesellte sich zu den militärischen Niederlagen im franz Herrscherhaus noch ein familiäres Debakel. Wenn an den Gerüchten etwas Wahres ist, hatte seine unvorsichtige Gattin Eleonore von Aquitanien im Bett „Kriegsgeschichte geschrieben“, da es ihr Verhalten war, was dem Kreuzzug eine neue ungeahnte Richtung gab. Hinzu votierte eine weitere Frau, nämlich Melisande, Mutter und Stellvertreterin des noch jungen Balduin III. von Jerusalem, als Ziel des Kreuzzuges das wohlhabende Damaskus ins Auge zu fassen. Eleonore wurde nach der Scheidung in Frankreich 1152 die Gattin des späteren engl. Königs Heinrich II. und Mutter u.a. von Richard Löwenherz und Johann Ohneland. Damit Frauen bzgl ihrer „Kreuzzugsaktivitäten“ nicht zu einseitig beurteilt werden, möge uns Eschiva, die Gattin Raymonds III. von Tripolis ein Gegenbeispiel ausserordentlich beherzten Verhaltens sein. Sie hielt der Belagerung ihrer Stammburg in Tiberias im Juli 1187 stand, eingeschlossen von einer Übermacht der Truppen Saladins. Ihr eigener Gatte riet dem König von Jerusalem von einem Entsatz ab (!), da man zum Erreichen der eingeschlossenen Feste wasserlose Gebiete durchqueren musste, doch man traute Raymond nicht und unterstellte ihm mit den Muslimen zu paktieren, was arab. Chronisten bestätigten, brach auf und das Ergebnis bei den „Hörnern von Hattin“ ist bekannt... [teilw aus Peter Milger, Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes 1988, A. Konstam, Die Kreuzzüge 2007 u Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht 1975].



5/ Die Grabungsergebnisse der archäologischen Untersuchungen auf dem Krak des Chevaliers 2003 bis 2007 brachten bzgl der glasierten Keramik hohe toxische Werte an Blei und Kadmium zutage. So war man mit dem in Europa weit verbreiteten Holzgeschirr vielleicht doch besser gestellt? [Krak des Chevaliers in Syrien, S. 324]



6/ Es soll deutlich betont werden, daß die stoff-und faltenreiche Oberbekleidung des XII. Jhs auch Formen zeigt, die einen Bindegürtel vortäuschen können. Es war üblich die Tunika im Schritt in grosse Falten zu legen, wie beim Relief am Suedportal von Kloster Ilbenstadt in der Wetterau nach 1122, auch konnte sie einen Reitschlitz aufweisen, siehe Relief der Kreuzabnahme von den Externsteinen oder das Pfeilerrelief aus Zürich in Das Reich der Salier, S. 493. Es gilt also genau hinzusehen.



7/ Um 1150 musste Eggihard zu Haarhausen im Tal der Wupper bei Barmen an seinen Grundherrn, die Abtei Werden, neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch Kessel und andere eiserne Geräte liefern. Das Schmiedehandwerk wurde von den Bauern vielfach im Nebenerwerb betrieben und an grösseren Herren-/Oberhöfen können diverse Handwerker vorausgesetzt werden, Schmiede waren unverzichtbar. Bauern erhielten Halbzeuge von den Grobschmieden, also Barrenware, welche sie weiter ausarbeiteten [BuM, S. 35].



8/ In England war die Geldwirtschaft im XII. Jh weit fortgeschritten und mehrfach erreichten Summen englischen Silbers in Münz- und Barrenform den Kontinent. Das Lösegeld für Richard Löwenherz (rd 100.000 Mark Silber = doppelt so hoch wie die Jahreseinnahmen der engl. Krone) gab Heinrich VI. für seine Italien-Expansion aus, vieles wurde für Rüstungsausgaben, wie den Flottenbau in Genua verwendet. Der österr. Herzog Leopold V. wirtschaftete mit seinem Anteil recht clever, befestigte und vergrößerte Städte, schob das monetäre System in seinem Herzogtum an, auch der Welfe Otto IV. hatte vor 1214 beträchtliche Summen engl. Silbers durch König Johann (Ohneland) erhalten. So waren engl. „Sterlinge“ im Reich wohl bekannt und die stabile Währung wurde als gleichwertig mit dem „Kölner Pfennig“ angesehen. Der gesteigerte Fernhandel mit England sorgte in den Niederen Landen und am Niederrhein für eine starke Verbreitung der engl. Währung, so daß es zu Nachprägungen vor allem in Westfalen kam, wo der „Sterling“ bis weit in die 2. Hälfte XIII. Jh begehrtes Zahlungsmittel war [RL, S 282-285].



9/ Unter der Inquisition, eine Einrichtung, die jeden bzgl Mittelalter und Kirche nur zutiefst entfremden kann [jedes diktatorische Machtsystem verwendete seine Mittel, da stehen Nazi- oder SED-Regime auf gleicher Stufe], entstand ein „blühender Geschäftszweig“, der darauf abzielte Menschen gnadenlos auszubeuten, also über das Maß hinaus, was im MA als erträglich und unabwendbar hingenommen wurde. Die Toleranzschwelle im MA lag hoch. Das Gerichtswesen war nicht zimperlich, weltliche sowie geistliche Potentaten standen sich diesbzgl. in nichts nach. Die Staufer hielten ihre Herrschaft in Italien recht drastisch aufrecht. Friedrich II. ließ im Kampf gegen den Papst, auch durch seinen illegitimen Sohn Enzio, ungezählte Italiener hinrichten, manchmal auf bestialische Art und Weise, zur Abschreckung weiterer „Aufrührer“ der päpstlichen Guelfen, welche die Stauferherrschaft in Italien nicht akzeptierten. Was zählte damals ein Menschenleben, hinzu das eines politischen Gegners, wenn schon eigene Leute „verdinglicht“, wie Vieh verkauft, versklavt, nach Gutdünken mißhandelt werden konnten. Die Inquisition wurde legales Druckmittel der Obrigkeit und diente nicht selten dazu auch politische Gegner aus dem Weg zu räumen. 1233 eroberte und zerstörte man die Burg Wilnsdorf im Siegerland auf Beschluß eines „Ketzergerichts“ - das brachte uns den bekannten „Eisenhut“ als archäologisches Relikt [Museum Wilnsdorf]. Kein Geschäft der Welt konnte so schnell Reichtümer und Besitzungen umverteilen. Das Bespitzeln, Aushorchen, Denunzieren wurde systematisch betrieben. Angst und Arglist untergruben jedes Vertrauen zwischen den Menschen, zwischen Geschäftspartnern, zwischen Familienmitgliedern, zwischen Nachbarn. Wie oft hat einer den anderen denunziert, um nicht selbst an die Reihe zu kommen oder um sich mißliebiger Zeugen oder Schulden zu entledigen. Manche Stiftung dieser Zeit wird darauf zurückzuführen sein, daß man seine Frömmigkeit und Hörigkeit gegenüber der Kirche unter Beweis stellte, um ja nicht in Verdacht zu geraten. Terror, der Terror erzeugte! Terror, der geschäftliche Existenzen zerstörte. Deschner, VII, S. 271: „Es gibt vermutlich nichts im Christentum, das mit soviel Furcht und Abscheu erduldet wurde wie die Inquisition, und wohl wenig, das mit solcher Intensität und Erbarmungslosigkeit betrieben worden ist.“ Bei H. Wollschläger und K.H. Deschner fallen Vergleiche mit der Grausamkeit in den KZs unter dem Nationalsozialismus [damit sind wir in Dtld verbal auf „gefährlichem Terrain“]. Aber es scheint keineswegs übertrieben zu sein. Während die BRD als Nachfolgestaat die Verbrechen seines Vorgängers als „ewige Schuld“ auf sich bürdete, ist mir von Seiten der Kirche bzgl der Inquisition solches nicht bekannt! Wurden Güter zurückgegeben und Konfiskationen rückgängig gemacht, wurden die Nachfahren der Opfer entschädigt? Es existieren Gerichtsakten, viele Vorfälle wurden protokollarisch festgehalten. Das starke karitative Engagement der „modernen“ Kirche wirkt wie Buße und Reinwaschungsfeldzug der Wiedergutmachung. Aber dazu würden sicher auch noch einige andere Punkte in der Waagschale zählen. Es ist besser hier abzubrechen und jedem selbst das Urteil zu überlassen, nur kurz angefügt: Die BRD soll angeblich der Kirche Entschädigungen zahlen für die Verluste aus dem Reichsdeputationshauptschluß von 1803 (!), also einer Entscheidung Napoleons gegenüber dem Reich... da bleibt nur eine gewisse Ratlosigkeit… mit offenem Mund und mehr als betroffen, der Vorhang fällt und alle Fragen offen [Zitat in Abwandung von M.R.Ranitzki].



10/ Die Gründung von München war ein Beispiel der Ränke von Territorialherren. Die Salzstraße von Reichenhall nach Augsburg querte lange Zeit bei dem Marktflecken Föhring die Isar. Dort erhob Bischof Otto von Freising vom Salzverkehr zur Flußüberquerung Brückenzoll. Herzog Heinrich der Löwe wollte an dem profitablen Geschäft teil haben. So ließ er die Brücke und den Ort Föhring zerstören und leitete nun den Verkehr über den Ort „Munichen“ (bei den Mönchen). Bischof Otto von Freising klagte vor dem Kaiser. Nach dem Urteil vom 14. Juni 1158 blieb der Salzweg in München, aber ein Drittel der Zolleinnahmen musste der Herzog dem Bischof abtreten. Das Urteilsdatum wird seither als Gründungstag Münchens gefeiert [nach Karin Schäfer, Salz = Das weiße Gold, Karfunkel 50, S. 114].



11/ Gotische Formen werden allseits akzeptiert und haben unsere Vorstellung vom Mittelalter extrem stark geprägt, romanische aber noch lange nicht. Hinzu vermögen viele die wunderbar geglättete heutige Formensprache, an die wir gewöhnt sind, kaum zu überwinden...kleine Gußfehlstellen oder „Unebenheiten“ werden als störend wahr genommen, doch gerade sie verleihen vielen Replikaten einen mittelalterlichen Charakter. Bleche sind nicht exakt rechtwinklig oder Nieten sitzen absolut nicht symmetrisch, usw...Unsere Mittelalterrezeption im Reenactment bewegt sich meist in relativ „eingefahrenen Bahnen“. Die einen zeigen Begeisterung für frühmittelalterliche Tierstile, verstrickt zu undurchdringlichen Mustern hoher Abstraktion mit einer geheimnisvoll kreativen Note. Andere mögen Flechtmuster und sehen darin heidnisches, obwohl sie vielfach aus christlichem Kontext stammen und über die Römer tradiert hoher Bestandteil der Romanik sind. Viele bevorzugen gotische Formen mit mathematisch-geometrischen Grundverhältnissen und Zirkelschlägen, in der Architektur gepaart mit fratzenhafter Verzerrung und Übertreibung, Auge und Geist des modernen Menschen gleichzeitig ansprechend. Zu diesen Stilrichtungen gibt es genügend Replikate für den Reenacter, einer guten Darstellung sind theoretisch die Wege geebnet. Aber trotz allem muss man doch ernsthaft fragen, wo bleiben die zivilen Darsteller der Romanik, militärische gibt es eine ganze Reihe, als Franko-Flamen oder für die Kreuzzüge. Eine Zeitepoche, die doch eigentlich historisch interessant erscheint mit Saliern, Welfen und Staufern, interessanter als die 2. Hälfte des XIII. Jhs, oft dargestellt, ästhetisch ansprechend, aber m.E. historisch langweilig...Sind es politische Gründe? Die vergangene nationale Identitätsfindung in Dtld hat der romanischen Zeitepoche hohes Gewicht beigemessen, dem „Imperium“ und Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst. Gilt diese Auffassung als verpönt, überholt, politisch unkorrekt? Die gotische Stilepoche kam man durchaus unpolitischer rezipieren. Lokale Machthaber und Besonderheiten spielten eine größere Rolle als Kaiser und Reich, welche im Niedergang begriffen waren und wichtige politische Ereignisse in den neuen Nationalstaaten Westeuropas oder den Monarchien Osteuropas statt fanden. Es bedarf für die romanische Zeitepoche sicher einer höheren Form der Eigenrecherche, denn hier sind keine Wege geebnet. Und es fällt wohl schwer diese ständige Ausrichtung nach Rom und krude Ideen von „imperialer Größe“ zu verstehen. Es gibt kaum Begeisterung für die schwerfälligen Formen, welche als äussere Zeichen der Zementierung herrschaftlicher Verhältnisse zu werten sind. Ähnlich schwierig erscheint die byzant. Malerei mit ihren flächigen Formen vor Goldhintergründen, die wir ästhetisch erfassen, aber kaum wirklich begreifen können, denn von dieser tief empfundenen Gottesnähe ist heute, aus verständlichen Gründen, kaum jemand mehr durchdrungen.



12/ In der Regel wird Ludwig IX. (1214-1270, 1297 heilig gesprochen) als Adressat für die „Kreuzritterbibel“ angesehen. Es gibt unterschiedliche Datierungsansätze. Die frühe Variante läge bei 1245-48 und würde die Ausstattung des franz Heeres bei der Ausfahrt zum Kreuzzug wieder geben. Denn nach der Eroberung Jerusalems im Aug. 1244 durch die Muslime hatte sich Ludwig IX. im Dezember gleichen Jahres entschlossen das Kreuz zu nehmen. In diesem Zusammenhang könnte die reich bebilderte Handschrift mit den Szenen aus dem Alten Testament, als „innere Vorbereitung“, neben den vielen organisatorischen Maßnahmen, anzusehen sein. Ludwig förderte in dieser Zeit einige Projekte, u.a. St. Chapelle in Paris, 1246 geweiht, als „gigantischer Schrein“ für die Neuerwerbung an Reliquien, damit das franz. Königtum in die Nachfolge des byzant. Kaisertums trete. Offiziell gab es in Konstantinopel momentan keinen byzant. Herrscher, denn es existierte ja das „Lateinische Königreich“ nach der Eroberung von 1204. Ähnlich wie die „Kreuzritterbibel“ sind die Fensterbilder in St. Chapelle programmatisch an das Alte Testament gebunden. Im Aug 1248 brach der König auf und kehrte erst sechs Jahre später geschlagen von seinem Ägypten-Fiasko zurück. Während seines Aufenthalts in der Levante soll ein Psalter angefertigt worden sein, vielleicht auch die „Kreuzritterbibel“ ? Somit käme mglw 1250 bis 1254 in Betracht. Es ist allerdings fraglich, ob dem König im Anschluß an die militärische Katastrophe die blutrünstigen Kriegsszenen Freude bereitet haben werden? Wobei das MA diesbzgl weniger zart beseitet war. Ein weiterer Ansatz läge zeitlich deutlich nach der bewaffneten Pilgerfahrt eher in den 1260er Jahren, stilistisch nicht unwahrscheinlich. Unmittelbare Erfahrungen des Kampfes gegen die Muslime könnten in die Bilder eingeflossen sein. Das würde die anschaulich „erschreckende Genauigkeit“ erklären. Interessant ist, daß viele untere Chargen Darstellung fanden, erkennbar an der hohen Zahl von Personen mit Gambesons, deren Rüstung war nicht unbedingt Eisen, sondern oft nur gefütterter Stoff. Zur Zeit des III. Kreuzzugs Anfang der 1190er Jahre berichtet eine muslim. Quelle über Christen, daß sie gegen Pfeilbeschuß relativ unempfindlich und teilweise mit leichten seldschukischen Pfeilen gespickt waren, da sie unter dem Kettenpanzer eine Art dichten Filz trugen. Das kann eigentlich kaum Erstaunen ausgelöst haben. In nah- und vor allem fernöstliche Armeen waren gefütterte Jacken bereits seit längerem eine häufig genutzte Schutzkleidung. Die Ursprünge liegen wohl in China um Christi Geburt. Seneschall Joinville, der 1249 mit einigen Leuten eine kleine Brücke im Nildelta verteidigte, berichtete, daß Sarazenen die Franzosen unaufhörlich mit Pfeilen beschossen. Es gelang ihm einen mit Werg gefütterten Rock der Ungläubigen als Schutz zu nutzen, so daß er nur von 5 Pfeilen getroffen wurde, während sein Pferd aber 15 (!) Wunden davon trug. Wenn er sich dieses Beutestückes bediente, hatte er also demnach vorher keinen Gambeson an oder zog er ihn zusätzlich über den Panzer? Joinville erwähnt darüber hinaus seinen Eisenhut, den er gegen den schweren Helm des Königs tauschte, damit jener Luft holen konnte. Eisenhüte werden zahlreich in der „Bibel“ dargestellt.



13/ Baumwolle nördlich der Alpen mglw bereits seit VII. Jh nachweisbar mit Resten aus dem Frauengrab von St. Laurentius zu Bülach bei Zürich, in Italien Ende des XII. Jhs häufig verwebt, im Nahen Osten selbstverständlich weit verbreitet mit Mischgeweben aus Baumwolle und Seide, da Koran angeblich muslim. Männern reine Seide verbot, Import durch ital. Händler, vor allem aus Venedig [KluM, S. 40 u 58]. Flachs wurde im Haus- und Nebenerwerb zu Leinen verarbeitet, fand nicht nur in den Niederen Landen und Westfalen, sondern auch im Bodenseeraum gute Anbaubedingungen. Seit Anf. des XIII. Jhs Vertrieb aus Konstanz, Lindau, Ravensburg oder St. Gallen. Baumwolle kam über die Alpenpässe, das erklärt, warum in Bozen bereits 1242 die Barchentproduktion (Baumwolle/Leinen) nachzuweisen ist und südlich der Donau seit der 2. Hälfte des XIV. Jhs einen gewaltigen Aufschwung erfuhr, in Nördlingen ab 1368, Augsburg ab 1372, Landshut ab 1375, etc. Die Baumwollweberei wurde dort zu einem der wichtigsten Gewerbezweige [StHB, S. 46].



14/ Zu den Mahnungen der Kleriker [MiM, S. 19 u 28/29], Details zum „Aufwandgesetz“ Karls des Großen von 808, in dem geregelt wurde, wieviel jeder Stand für seine Kleidung ausgeben dürfe [MiM, S. 41] und zur Judenkennzeichnungspflicht [MiM, S. 121]. Wie sehr die Kirche sich durch Maßregeln den Zorn der Bürger zuziehen konnte, sei ein Beispiel aus der Zeit der „Albigenser- Kreuzzüge“ angeführt. 1211 wurde auf dem Konzil zu St. Gilles gegen die Einwohner der Grafschaft Toulouse verfügt, daß alle Bürger und Adeligen fortan keine modischen Kleider mehr tragen durften, sondern nur noch grobgewebte dunkelbraune Kutten, da sie, allen voran der Graf von Toulouse, die Häretiker unterstützt und sich unbotmäßig gegenüber den Weisungen des Papstes gezeigt hätten. Neben anderen päpstlichen Maßnahmen verstärkte dies den Widerstand in der südfranz. Region [Deschner, KC VII, S. 157].



15/ Die Burgen gehörten Reynald/Reinhold de Chatillon [berüchtigter „Bösewicht“ in einem bekannten Hollywoodstreifen], durch clevere Heirat Fürst von Antiochia, bis zu seiner Gefangenschaft im seldschukischen Aleppo. Nach der Freilassung gelang es ihm durch eine zweite clevere Heirat südöstl. des Toten Meeres an der wichtigen Karawanenroute die beiden Burgen zu übernehmen [im Film ist es „Krak des Chevaliers“ in Syrien, das lag aber im Norden und befand sich in der Hand seines politischen Gegners, des Johanniterordens, oder in den Quellen: „Herren des Spitals“.] Trotz aller historischen Unstimmigkeiten im „Königreich der Himmel“, und da gibt es eine Menge, ein sehenswerter Film (sieht man von der romantischen Balian-Sibylla-Affäre ab, denn die histor. weibliche Person war noch weitaus geschickter als im Film und agierte aus nüchternem Machtkalkül heraus, um die Krone Jerusalems zu erlangen; die heilige Stadt, um die im Film in gewaltigen Szenen gestritten wird, was pyrotechnisch etwas entgleitet und mehr an die Landung in der Normandie 1944 erinnert als an den Oktober 1187. Doch der Film macht klar, woran die Christenheit im Hl Land scheiterte: Uneinigkeit der Führung, Thronstreitigkeiten im Königreich Jerusalem, Unabhängigkeitsstreben der Militärorden und deren Inakzeptanz der weltlichen Herrschaft, borniertes Standesbewußtsein der Ritterschaft, vor allem der französischen, und Feindseligkeit gegenüber einer hoch stehenden Kultur, die von heimisch gewordenen Franken akzeptiert, aber von den Nachzüglern aus Europa als „barbarisch“ tituliert und behandelt wurde. Neuankömmlinge verstanden die Gepflogenheiten im Hl Land nicht, kamen mit Einwohnern, Klima und rauen Terrain nur selten klar. [Ich habe Tage und Nächte in der Wüste zugebracht, mit bitterkalten Erfahrungen und weiss, daß Westler dort eigentlich nix zu suchen haben - wenn da kein Erdöl wäre, das „Blut“ im Wirtschaftskreislauf des XX. Jhs.]