I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV-XVI. Jh "ab nach Hause"


DRAGAL

Gesellschaftsstrukturen des FMAs – Annäherung über Grabfunde

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aufgrund überschaubarer Strukturierung in der hauptsl. agrarwirtschaftl. Gesellschaft auch für das frühe HMA (Grabausstattungen sind in West- und Mitteleuropa vom IX. bis XI. Jh zu vernachlässigen und weniger von Belang) - die zeitlich folgende Seite über die Ständegesellschaft des HMAs/SMAs wird eine stärkere Differenzierung nach Berufen aufweisen

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1. Gesellschaftliche Strukturen im Wandel von der Antike zum FMA

2. Geschlechterrollen in Spätantike und FMA


...{Einfügen: Differenzierende Aussagen v Brather/Peters zu Tracht u Beigabe}...Vereinfachtes Schema in 5 gesellschaftlichen Rängen nach Grabausstattungen, den Versuchen Christleins 1975 oder Steuers 1982 nicht folgend, in einem stereotypen Modell – kein Abbild historischer Wirklichkeit. Grabinventare entstammen einer idealen Vorstellungswelt, sind intentionell, geben regionale Bestattungssitten wieder und werfen nicht minder ein Licht auf die Trauernden, wie auf den Verstorbenen. Bestattungssitten sind Indizien für Rituale der Hinterbliebenen, wobei sich in der Selektion der Beigaben nicht alleine die Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen äussert, sondern auch das Gebaren, Auftreten vor der Gemeinde, durch bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Verpflichtungen auferlegt. Wir werden also mit Beschönigungen und Idealisierungen zu rechnen haben in einem Dreiecksgeflecht von Verstorbenem/r – Angehörigen – Trauergemeinde (Publikum). Beigaben sind nicht Spiegel des Lebens und geben nur bedingt den Alltag des/der Verstorbenen wieder. Der Bestattete hatte nur geringe oder überhaupt keine Entscheidungsfreiheit darüber was ihn „auf der Jenseitsreise“ begleiten sollte. Es ist eine Sondersituation, sie hat keinen testamentarischen Charakter. Mglw stammten die „Bei-Gaben“ gar nicht alle vom Verstorbenen, sondern wurden als Anerkennung und Abschiedsgeschenk von Hinterbliebenen der Familie/Sippe während der Trauerfeierlichkeiten ins Grab gelegt, wie Keramik, die nicht selten Speisen oder Getränke enthielt, auch Federn, Kissen oder Gefäße mit duftenden Essenzen. So häuften sich mit gehobener sozialer Stellung automatisch mehr Beigaben an! Im magyarischen Fürstengrab von Zemplin aus dem X. Jh wird ein paar Zopfscheiben als Beigabe der Gattin gewertet, da sich 5 Zopfscheiben im Grab befanden und die Ausgräber sich nicht vorstellen konnten, daß ein Mann sie trug oder sie dem Zaumzeug zugerechnet werden könnten (!?) [EM1000_III, S. 326/27 u 332, mglw gilt es sich von allzu modernen Sichtweisen zu lösen]. Falls körpernahe Gegenstände Abnutzungsspuren zeigen, werden sie wohl aus persönlichem Besitz stammen, können aber auch als entbehrlich durch Trauernde „geopfert“ oder im Extremfall sogar ausgetauscht worden sein! Grabbeigaben dokumentieren grundsätzlich die getroffene Auswahl der Hinterbliebenen !!! Gürtelteile zählen in vielen Kulturkreisen nicht zum Erwählten. Wir wissen schlußendlich nicht, was bewußt nicht mitgegeben wurde? Rückschlüsse auf Leben und Alltag des Verstorbenen können nur bedingt durch Beigaben gezogen werden. Solcher „Sperren“ sollten wir uns bewußt sein und für Reenacter vielleicht als „zu umgehende Hindernisse“ bei Vervollständigung der „Charakterequipage“ mit Annäherung über Grabausstattungen beachtet werden. Einschränkungen durch Grabraub wurden bereits an anderer Stelle eingehend erläutert mit der interessanten Beobachtung, daß seit dem VII. Jh, in einer Übergangsphase hin zur beigabenlosen Bestattung, vor allem Christen die Gräber ihrer eigenen Angehörigen plünderten, weil sie mglw nicht bereit waren dauerhaft auf kostbare Objekte zu verzichten und sie der „Walhall-Geschichte“ eh keinen Glauben schenkten, modern pietätlos angefügt: die Bestattung war organisierte „Show“, der Grabraub eine Wiederbeschaffung, wenn die Veranstaltung vorbei war [zum Grabraub siehe Quellen V.-VIII. Jh (und Bestattungssitten) samt Fußnote]. Wenn reiche Familien so verfuhren steht zu vermuten, daß Angehörige ohne Repräsentationszwang unentbehrliche und wiederverwendbare Gegenstände gar nicht erst zur Schau stellten und als Beigabe „deklarierten“, Sachobjekte also unmittelbar an die Nachfahren gingen, im Besitz der/des Verstorbenen lassen sie sich deshalb nicht nachweisen. Gerade die geringe Anzahl von Gürtelobjekten läßt diese Verfahrensweise wahrscheinlich werden.

Orientierungsrichtung für die tabellarische Auflistung unten ist die ländlich geprägte Gesellschaftsordnung des FMAs vornehmlich auf dem Kontinent mit Seitenblicken in die Peripherie Europas, nach Ost und Nord, unter Hinzuziehen der „Urgroßmutter“ Edda und der Sagas. Sicher ist bei einigen Angaben Feinschliff und Nachjustierung vonnöten. Auf regionale oder ethnische Besonderheiten sowie zeitliche Entwicklungsschritte konnte nur bedingt Rücksicht genommen werden, da mit jeder Generation Wandlungen im Sachgut zu erwarten sind. Zwischen 500 und 900 also rein rechnerisch 13 bis 16 hypothetische Zeitabschnitte mit teilweise gravierenden Änderungen als Kriterien zur Datierung eines Grabinhalts! Darauf genau einzugehen würde den Rahmen dieser Seite vollends sprengen und es sei auf Einzeluntersuchungen verwiesen. Es bleibt dem Reenacter m.E. genügend Interpretationsspielraum, denn der durch Schicksalsschläge verarmte Grundbesitzer, der belohnte Gefolgsmann, der sich aus der Grundherrschaft lösende nachgeborene Auswanderer, der begnadete Handwerker in hoher Gunst des Fürsten oder sein alternder gebrechliche Kollege ist hier schlichtweg nicht einzufügen. Die Rolle des Freien änderte sich im Laufe der Zeit von einem bestimmenden Mitglied der Gemeinschaft zum bestenfalls privilegierten Weisungsempfänger unter einem erstarkenden Königtum. Die Kategorien A-E wären zu verifizieren anhand von Reihengräberinventaren vor der Auflassung durch Christianisierung und Grabverlagerung auf Kirchhofareale sowie Wehrgeldern nach verschriftlichten Volksrechten, die jeweils regionale und ethnische Bezüge aufwiesen. Auch die Namensforschung kann im Ansatz herangezogen werden, ist natürlich im SMA wirkkräftiger in der Herausbildung der Nachnamen nach Berufsbezeichnungen. Das nordische FMA konnte nur in Ausschnitten berücksichtigt werden. So finden sich im Nordischen zahlreiche Wetzsteine, die sich auf dem Kontinent m.W. nicht im gleichen Maß dokumentieren lassen, oder ähnliche Detail-Beobachtungen. Hinderlich ist die hohe Zahl von Brandbestattungen im norddeutschen Raum und Skandinavien, in Birka bsplw die Hälfte aller bislang untersuchter Gräber, die immer besondere Behandlungen, bzw Sonderriten erwarten lassen: Anzahl der Gegenstände geringer, Grad der Fragmentierung höher und Aussagekraft über ursprüngliche Nutzung eingeschränkt. Was nicht heißen muß, daß Brandgräber generell uninteressant oder fundärmer sind, denn in Birka stammen die Hälfte der erhaltenen Gürtelteile aus diesen Fundkomplexen.

Über Jahrhunderte galt das Individuum nichts, war nie selbst, nur durch das Gemeinsame. In den Gräberfeldern liegen die meisten Bestatteten anonym, stärker durch regelhafte Stereotypen in der Ausstattung geprägt als durch individualistische Züge. Nur selten erfahren wir Namen, erkennen persönliche Vorlieben und Neigungen, Gewohnheiten oder Fähigkeiten. Die Anrufung und Erwähnung eines Namens hat, neben der Besitzerkennung, nicht selten eine magische Komponente. Umgekehrt war Verruf oder die Auslöschung von Bedeutung. Erkennbar sind in der Masse diverse Abhängigkeiten, regionale Besonderheiten und vor allem Identität stiftende Gemeinsamkeiten. Sie liegen in der Zugehörigkeit, nicht im „Ich“, sondern im „Wir“ oder „Uns“ - hat sich nicht grundsätzlich geändert. [Übersteigerter Individualismus ist heutzutage ein Phänomen geschickten Marketings, dem Kunden Einmaligkeit zu suggerieren und ein EGO zu füttern, damit es glaubt nur durch ungebremsten Konsum bestehen zu können. Dabei wird unterschwellig Identifikation oder deutliche Abgrenzung/Trennung angesprochen.] In vergangenen Zeiten war der Sippenverband Identität stiftend und man besann sich auf eine gemeinsame Herkunft. Hofgrablegen schienen auf familiäre Bindungen ausgerichtet zu sein. Temporäre Zweckbünde, wie Gefolgschaften, betonten das Gemeinsame. Erst die gesellschaftliche Ausrichtung auf Zentralgewalten und vor allem die Verstädterungsprozesse im Laufe des HMAs fügten neue Komponenten hinzu, auf dem Zusammenhalt von Tätigkeit und Vermögen beruhend. Schutz gewährleistete nicht mehr allein die Sippe, bzw Familie, sondern das verfestigte Gesetz und die differenzierte ständische Ordnung mit Zunftwesen, Konventen und Bruderschaften, siehe dazu: Ständegesellschaft im HMA/SMA.


Rang

Grabausstattung ideal

A


EDELING / EDELFREIER (ahd. adal = edel)

1. Großgrundeigentümer aus "edlem Geschlecht" mit langer Ahnenfolge [auch Schicht hoher Kleriker]

ahd. furisto, mhd. vorste = Fürst“ als oberer Richter und gewählter Heerführer „Herzog“ = lat. dux

Waffenrecht

Gold, Silber (vergoldet), Eisen tauschiert im VI./VII. Jh, Beigaben:

Frau: Keramik, Metallgefäß, Glas, Kästchen, Ohrringe, Kamm, Perlen, (Haar-)Nadeln, Fibeln, Fingerringe, Ketten, Armspange, Schnalle, (Gürtel-)gehänge mit Messer, Amulett, Zier(scheibe) für Tasche, Schlüssel, Nadelbehälter, Wadenbindengarnitur, Schuhschnallen

Mann: Keramik, Metall- u Holzgefäß, Glas, mehr- o vielteil. Gürtel, Messer, Gürteltasche mit Wetz- o Feuerstein/-stahl, Kamm, Pfriem, Pinzette, etc, „Richterstab“ als Amtszeichen?

Prunk-Spatha mit Goldgriff, Almandin oder Knaufring [für Amtsträger ?, siehe Rigsmal-Zitat], Sax, Axt, Lanze, Speer, Schild, Helm, brunia o lorica (Panzer), Reit- und Jagdausrüstung (u.a. Bogen)

Höchster Amtsträger per Eid

2. Hoher Amtmann [urspl frei, nun weisungsgebunden, da in den Dienst getreten, Amt = ministerium]

- am Fürstenhof (Mundschenk, Marschall, Kämmerer, Herold, Hofmeister, Hausmeier = maior domus)

- auf dem Land (marchiones = Markgraf, comes = Graf, engl. earl, nord. jarl) als Gerichtsherr

Waffenpflicht


Nun sass er und herrschte / in achtzehn Höfen,

Verteilte die Schätze / alle beschenkend

Mit Schmuck und Geschmeide / und schlanken Pferden.

Er spendete Ringe / hieb Spangen entzwei.

Da fuhren Boten / auf feuchten Wegen,

Kamen zur Halle / vom Hersir bewohnt.

Entgegen ging ihnen / die Gürtelschlanke,

Edelige, artliche / Erna geheißen.“ [Rigsmal 35/36]

Oft weisen solche Gräber kostbare Importgüter auf. Weitere mgl Gegenstände: Seidenreste als Hinweis auf kostbare Kleidungsstücke, Spinnwirtel (bei Franken meist Ton), Webschwerter und Webrahmen (i.d.R. vergangen, erhalten jedoch im Bootkammergrab von Oseberg), eiserne Flachsbrechen oder Scheren, Hakenschlüssel, Ringe zur Aufhängung von Utensilien, Umfassungsringe von Zierscheiben oder im Nordischen Umfassungen und Beschläge als mgl Hinweis auf Taschen, Möbelstücke, wie (Klapp-)Hocker oder Totenbetten, letzteres als südlich-mediterraner Einfluß gewertet. Regional unterschiedlich auch Pferd- oder Tiergrab in unmittelbarer Nähe. Grabanlage aufwändig, nicht selten Verschalung zum Kammergrab oder im Nordischen sogar als Bootsgrab. ImRigsmalder Edda wird diese Schicht charakterisiert als Herrscher über eine Anzahl untergebener Hofstellen (also Großgrundeigner), umgeben durch ein persönliches Gefolge („acht Männer Stärke), durch Umgang mit Waffen und edlen Tieren (Hund und Pferd), durch Jagd und Vogelbeize, Verehrung der Ahnen und ererbtes Eigentum, durch repräsentativen Wohnsitz mit Saal/Halle und Tür/Tor, mglw befestigt, im Innern des Hauses der Boden bestreut, das Leinentuch auf dem Tisch mit Blumenschmuck, zur Speise helles Brot in Fladen, in kostbarem Metallgeschirr Speck, Wild, Vögel und Wein, die Besitzer „bei gewissem Zeitvertreib“, der Herr beschäftigt mit dem Jagdutensil, die Dame geschminkt, in Schleier und Schleppe mit blauem Gewand auf weissem (gefälteten) Untergewand und Geschmeide geziert; auch Tücher aus Seide und die Jungfrau „gürtelschlank“ wird erwähnt. Der Trägerrock war vermutlich der Hausherrin vorbehalten. Geijer sah das ovale Fibelpaar im Nordischen als obligatorisch an, ohne genaue Differenzierung wer die Trägerin eigentlich war, gestützt auf Untersuchungen zum reichen Handelsort Birka, daraus wurde quasi eine „Nationaltracht“. Die Fibeln galten aber zunächst wohl als Attribut gehobener Schichten, in Birka waren die Stücke nicht selten vergoldet! Goldzier in Birka ansonsten in Männergräbern, Silber und Seide auch bei Frauen, betraf Besatz auf Kleidung, bzw Kopfbedeckungen [Birka III, S. 138, 142], zu Ovalfibeln siehe nachfolgende Rubrik und:[1]



B


FREIER (ingenuus, fränk./nord. karl / kerl) mit Gefolge als patron (nord. hersir)

1. Freier [kürt nach sozialromantischer Vorstellung denFürsten“, bzw „Herzog“ s.o.]

- Grundeigentümer mit Haushalt/Gesinde „E(familia) [Aufstieg möglich durch Annahme eines Amtes, siehe „A.2, haben eigenes Gefolge „C]

- Fernkaufmann für erlesene Waren, wie Pelze, Edelmetalle oder teure Importprodukte, Gewürze, Seide, etc

- Händler als Botschafter [gen Süden gerichtet nicht selten sprachgewandte Juden]

Waffenpflicht im Heerbann

Silber, Bronze, Eisen tauschiert im VI./VII. Jh, Beigaben:

Frau: Keramik, Metallgefäße, Glas, Kästchen, Ohrringe, Haarnadel, Kamm, Fibeln, Perlen, Schnalle, Messer, (Gürtel-)gehänge, Amulette, Schlüssel, Zier(scheibe) für Tasche, Wadenbinden

Mann: Keramik, Metall- u Holzgefäße, Glas, mehr- o vielteil. Gürtelganitur, Messer, Gürteltasche u div, wie Wetz- o Feuerstein/-stahl, Kamm, Pinzette, etc, „Schulzenstab“ als Amtszeichen?

Spatha und/oder Sax, Axt, Lanze, Speer, Schild, Bogen, Reitausrüstung [Panzer u Helm vielleicht mgl, durch Grabfunde nicht nachweisbar]

Ernannter Funktionsträger, unfrei (serviens)

2. Gehobener Dienstmann [mglw durch besondere Verdienste aus dem Gefolge erwählt], z.B.:

- Pfleger oder Vogt (advocatus) als Verwalter in Land- und Forstwirtschaft, Steuerwesen, etc

- Schultheiß in grösserer Ortschaft als Unter-Richter, Aufseher über Steuer, Markt und Münze

- Dorfschultheiß, niedere Gerichtsbarkeit [? ehem. huntarius, centenarius, nord. hundare-Thingherr ?]

- Schultheiß (schulthaisse, schulte) je nach Region auch synonym verwendet für

- Meier [maior villicus, Gutsverwalter des Fron-/Oberhofs, dem Hörige als Hintersassen auf Hufenland zuarbeiten, zugleich Aufseher über Leibeigene in der Eigenbewirtschaftung auf Salland und Sammlung der Naturalabgaben an den Grundherrn]

Waffenpflicht



..im „Rigsmal“ der Edda wird der Freie charakterisiert durch Viehzucht und Ackerland, Hausbau und Erstellung eigener Gerätschaften wie Wagen und Pflug oder Textilien, ein gepflegtes Äusseres (Haar- und Barttracht), gut sitzende Kleidung, Leinen, Haube sowie Halsschmuck oder Schlüssel und einen Besitzstand in der Truhe. In Birka, der quirligen Stadt des Handwerks und Handels, ließe sich Ehefrauen der reichen Kaufleute und Amtsträger mglw bronzene ovale Schalenfibeln zuweisen, in den sozialen Schichten darunter schwieriger, Hinweise darauf wären mögliche Ausführungen in Eisen oder Zinn - bislang aber noch keine Funde zu Gesicht bekommen. In den Rus-Reichen werden Ovalfibeln als Ausdruck der Tradition einer statuarischen Frauenmode gewertet, während reiche Männer östlichen und oriental. Modesitten folgten [Birka III, S. 150]. Der arabische Reisende Ibn Fadlan soll noch im XII. Jh (!) in der Wolga-Region ähnlich geschlossene Fibelformen in Eisen, Kupferlegierung, Silber und Gold an jeder (vermutlich freien) Rus-Frau wahrgenommen haben, ob dies Rückschlüsse auf frühere Zeiten und den skandinavischen Raum zuläßt ist schwierig zu beurteilen. Wurde in der Fremde ein Zustand „eingefroren“ oder wurde er überbetont, wie es bei Auswanderergenerationen häufig zu beobachten ist? Die Anzahl der Ovalfibeln in den Gräbern Birkas nahm von der Frühzeit des VIII. Jhs zum X. Jh deutlich zu. Ausgehend von individuellen Stücken entwickelte sich eine Serienfertigung, zeigen die Verhältnisse an der Wolga den Schlußakkord, wo sich jede freie Frau diese Fibeln leistete? Solche Modesitten wären der Moderne nicht unähnlich, vom exklusiven Design zur Stangenware.



C


GEFOLGE (bucellarii, comitatus, nord. rod oder lidi) / geschworene Funktionsgehilfen

Unfreie Dienstmannen u abhängiges Handwerk an Herren- u Klosterhöfen, z.B.:

- Persönl. Gefolge, Ausstattung durch den Herrn [brunia o lorica (Pz) mgl, in Gräbern nicht nachweisbar]

- Silber- oder Goldschmiede / Elfenbeinschnitzer

- Bronze- und Glockengießer

- Waffenschmiede / sarwürker

- Bootsbauer / Bogner, etc [gehobenes Holzhandwerk]

- Fisch- und Jagdmeister / Brau- und Winzermeister / Hafnermeister

- Bildhauer [meist aus mediterranem Raum]

- (mit Stadtentwicklung) Kaufleute für tägl. Bedarf mit Laden(-theke) [caupo ahd. koufo, der Kaufmann]

- Hebammen (urspl. Großmutter als amma) [gesellschaftlich angesehen]

- Knappen / Dienstboten (ehalten) / Zofen (ancillae) [Ausstattung durch Herrn (fron) / Herrin]

nur Gefolgschaftsangehörige waffenbefugt

Bronze, Eisen verzinnt, Beigaben:

Frau: Keramik, Haarnadel, Kamm, Fibeln, Perlen, Schnalle, Messer

Mann: Keramik, Schnalle, Messer

mgl Waffe: Axt und einschneidige Klinge (Sax), Lanze, Schild, Bogen

eher Hinweis auf Tätigkeit, wie Schmiede- oder Feinwerkzeug, Ahle, Pfriem, Wetzstein, Spinnwirtel, Nadel



Zinn, erst seit der zweiten Hälfte des XIII. Jhs auf Reichsgebiet in Groß-Produktion, in Haithabu mit ein paar Scheibenfibeln nachweisbar, wurde fast nie rein verarbeitet, sondern meistens legiert, anfangs mit Blei, später auch mit Kupfer, Antimon oder Bismut. Zinn läßt sich leicht zur weiteren Verwendung einschmelzen, so daß wir heute nur einen minimalen Bruchteil der damals genutzten Gegenstände wahr nehmen. Objekte aus stabilerem Material wurden zuweilen mit einer Zinnschicht überzogen, in diesem Fall wird auf den Seiten die Angabe ws=Weißmetall gemacht.



D


UNFREIE, HALBFREIE u FREIGELASSENE (laten / laeten / litii / sächs. frilinge)

Gewerbe in und um Siedlungen oder auf Reisen [gewisser Besitzstand durch Werkstatt u Werkzeug], z.B.:

- Hörige (engl. bondsmen) mit Schollenbindung der Hufe, Fronhof zuarbeitend, Dienst u Naturalabgabe

- Leinen- und Wollweber (oft hörige Bauern im Nebenerwerb)

- Weber / Färber / Spinner / Seiler / Wäscher

- Bäcker / Fleischer / Müller / Fischer / Schankleute

- Transportgewerbe von Schiffs- und Fuhrwerksbesitzern

- Krämer [von kram = urspl Plane über dem Karren im Fernhandel, später die Ware]

- Hucker [von der Traglast im Nahhandel]

- Gerber / Lederer / Schuster / Sattler

- Pergamentmacher

- Holzhandwerker / Schreiner / Keramikhandwerker

- Steinmetze [nördl. der Alpen nicht selten urspl. aus nordital./mediterranem Raum]

- Beinschnitzer / Horndrechsler

- Zinn und Bleigießer

- Fein-, Klein- und Blechschmiede

- Schwarz- und Hufschmiede / Wagner / Esser

- Grobschmiede (scheider) / Bergleute / Köhler

Waffe im Ausnahmefall beim Defensiv-Aufgebot

Eisen Schwarzmetall, Zinn, Beigaben:

Frau: Keramik, Haarnadel, Kamm, Perlen, Zinn-Fibeln, Schnalle, Messer

Mann: Keramik, Schnalle, Messer

keine Waffe im Grab

vielleicht Werkzeug mit Hinweis auf Tätigkeit, wie Schmiede- oder Feingerät, Ahle, Pfriem, Wetzstein, Spinnwirtel



Wetzsteine dienten nicht nur dazu Waffen oder Messer zu schärfen, sondern auch Sicheln und Sensen, verweisen damit auf den tätigen Landwirt. Sie wurden mit Aufhängung oder in der Gürteltasche, aber auch in sonstigen Behältnissen am Gürtel getragen, siehe „Sensenschwinger“ im Martyrologium Wandalberts von Prüm aus der 1. Hälfte X. Jh bis hin zum „Vogeldieb“ Breughels des Älteren von 1568 mit Horn am Gürtel, in welchem sich nach Auskunft modern tätiger Landwirte bis zum Beginn des XX. Jh Wasser und Wetzstein befinden konnten.

...{neu: Entwicklung aus dem gebundenen Handwerk an Herrensitzen und Klosterhöfen zu wachsenden dörflichen Strukturen mit Handwerk auf Bedürfnisse der Land- und Forstwirtschaft zugeschnitten}...



E


UNFREIE (servii / schalke - Knechte) / LEIBEIGENE / GESINDE (angelsächs. gesiths)

für spezielle Aufgaben angeworben oder mit besonderen Fähigkeiten [besitzlos], z.B:

- Leibeigene, Landarbeiter auf dem Salland der Fron- (=Herren), bzw Oberhöfe

- Schäfer / Hirten / Waldarbeiter

- Schiffer / Flößer / Fuhrknechte (kärcher)

- Kriegs-, Reitknechte / Wächter / Pförtner

- Gesellen / Stall- und Küchenburschen / Mägde (ancillae)

- Tagelöhner (haistaldi) / Abdecker

Waffe nur durch den Herrn im Rahmen best. Aufgaben

Eisen, Bein, Bindesysteme, Beigaben:

Keramik

keine Waffe im Grab



...im „Rigsmalder Edda charakterisiert durch Tätigkeiten wie Äcker misten, Hecken anlegen, Schweinemast, Schafe und Ziegen hüten, Torf graben, mit Ernährung/Speise durch gekochtes Fleisch in der Brühe. Bedienstete sind nach ihren Haushalten zu werten, weil die Herrschaft für sie sorgte. Deshalb z.B. Dienstboten/Zofen vom Gesinde getrennt und oben unter „C“ kategorisiert, da gehobene Ausstattung bei jenen wahrscheinlich, genauso sind „Schalke“ mglw auch als persönliches Gefolge zu beurteilen. Es hängt alles vom Brotgeber ab, wie heißt es doch so schön, der Herr gibt’s und ...




SONDER:

- Sänger und Dichter

- Vaganten / Akrobaten / Spielleute


Entlohnung über Sachgüter mgl




Gesellschaftliche Strukturen im Wandel von der Spätantike zum FMA mit Ausbildung des Hörigen-Systems

Blick zurück auf die instabilen Zeiten der Völkerwanderung mit Zerfall der röm Reichsverteidigung im V. Jahrhundert. Röm Provinzkommandeure und Großgrundbesitzer hielten sich Privatsoldaten, buccellarii („Brotleute“ von bucella = Zwieback), als Haustruppen und Leibwachen, welche sie besoldeten und ausrüsteten. In der Regel waren diese Elitesoldaten beritten. Auch im rechtsrheinischen Germanien sind Gefolgschaften in der röm Kaiserzeit archäologisch durch reiche Gräber von „Gefolgsherrn“ (neudt „Warlords“) mit umgebenen einfacher ausgestatteten Grabstätten zu beobachten, obwohl diese Gesellschaftsform erheblich weiter in die Vergangenheit zurückweist. Sie sollte für die Militärstrukturen der Völkerwanderungszeit kennzeichnend werden und in „Ministerialen“ des HMAs mit neuer Rechtsstellung und erweitertem Aufgabenbereich in abgewandelter Form bestehen bleiben. Ein Gefolge befand sich nicht nur am Königshof, sondern auch bei Herzögen und Grafen, Bischöfen und grossen Grundbesitzern, wer auch immer sich eine Haustruppe, durch Eid gebunden, leisten konnte. Die auf Eid basierende Gefolgschaft wurde zum Rückgrat der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaft, nicht nur in militärischen Belangen. Die Mitglieder waren durch regelmässige Zuwendungen, Donative, Privilegien und Stellung von Waffen durch die Herren besser ausgerüstet, als der freie german Grundbesitzer, der zum Heerbann gezogen wurde und persönlich für seine Bewaffnung aufkam [siehe Anmerk. zu Illerup-Funden mit möglich erkennbarer Hierarchie]. Grundsätzlich waren Donative seit der Antike bekannt als Bindung zum Herrscherhaus oder Kommandeur und ein röm Legionär rechnete zu besonderen Anläßen mit solchen Geschenken.

Für seine Loyalität erwartete das Gefolge Gegenleistungen. Die Führer waren zu Erfolg, Einkommen und Beute verdammt, um ihre Position zu behaupten. Nicht selten ließ sich der hohe Standard nur durch gewaltsame Aktionen halten. Das erklärt „Kommandounternehmen“ von Südgermanen zwecks Beutegewinn auf röm Territorium in der Spätantike, ebenso wie Plünderungen durch ihre Schiffe an den westeuropäischen Küsten (von den Römern generell als „Sachsen“ = Piraten bezeichnet), nach einem Muster, dem später Nordmannen folgen sollten. Für Römer mussten solche Überfälle immer kriegerisch motiviert erscheinen, doch für barbarische Gesellschaften, die kein staatliches Gewaltmonopol kannten, waren Raubzüge von kleinen Gruppen probate Mittel, um Beute und Prestige zu gewinnen, damit gesellschaftliche Anerkennung, was vor allem die Jugend anspornte. Dahinter standen keineswegs Kriegsabsichten, denn Stammesführer hatten auf solche „Waffenübungen“ oder auch das Fehdewesen oft nur wenig Einfluß. Römische Grenzeinheiten (limitanei) als Milizionäre mussten mobile berittene Gefolgschaften abwehren. Die Lebensweise an der Grenze erzeugte in der Regel einen harten Menschenschlag, jederzeit zum Kampf bereit. Aufgabe der „Grenzer“ war in erster Linie die Verteidigung fester Punkte, bis das reguläre röm Feldheer (comitatenses) nahte. Aus diesem Grund begann Rom germanische Verbände als Laeten in gefährdeten Bereichen zu formieren und Sippen/Stämmen als Foederaten vertraglich zugesichert Land abzutreten, da ihre kriegerische Lebensart zur Verteidigung des Reiches beitragen sollte.

Rom konnte aber nicht verhindern, daß sich auch ungewollt erste barbarische Königreiche auf röm Reichsboden konsolidierten. In diesen Fällen kam es zu gravierenden gesellschaftlichen Umbrüchen mit Umverteilung an Grund und Boden gegenüber der einheimischen Provinzbevölkerung. Prokop Vandalenkrieg III, 5: „Wenn sich aber unter der einheimischen [nordafrikanisch röm] Bevölkerung jemand durch Ansehen und Wohlhabenheit auszeichnete, so machte ihn Geiserich [gaiza = Lanzenspitze, also der Mann vieler Lanzen] zum Sklaven und schenkte ihn samt seinem ganzen Besitz an Land und anderen Gütern seinen Söhnen ...Den übrigen Libyern nahm er den größten und besten Teil ihrer Ländereien und verteilte sie unter die Vandalen; diese Güter haben bis auf den heutigen Tag den Namen „Ackerlose der Vandalen“ behalten. Die alten Besitzer [Kolonen?] blieben frei und durften, ganz verarmt, ihren Aufenthalt beliebig wählen. Alle Güter, die Geiserich seinen Söhnen oder anderen Vandalen geschenkt hatte, sollten steuerfrei bleiben; wo der Boden schlecht war, überließ er ihn den früheren Eigentümern, legte aber so hohe Steuern darauf, daß ihnen vom Ertrag so gut wie nichts blieb. Viele wurden verbannt oder getötet[wenn] … jemand sein Geld versteckt halte! So blieb den Libyern keine Mißhandlung erspart.“

Solche Vorgänge spielten sich zeitgleich nicht nur in Nordafrika, sondern auch in Süd- und Westeuropa ab. Aus Herren wurden Untergebene. Nicht immer mündete das in eine versklavte Leibeigenschaft, viele röm Freie wurden schlichtweg unfrei, viele waren es vorher schon, in der Forschung bestenfalls als „halbfrei“ bezeichnet, befanden sich in einem Patronatsverhältnis zum „Schutzherrn“ und gewisser Abhängigkeit, auch wenn sie als Pächter/Kolonen Staatsland bewirtschafteten. Sie zahlten nicht mehr an röm Großgrundbesitzer oder an Stellvertreter des Kaisers, sondern entrichteten ihre Abgaben an die barbarische Militärelite, eine dünne Herrschaftsschicht gegenüber der Masse einheimischer Provinzialrömer. So manche Arbeiter auf röm Landgütern werden den Eigentumswechsel kaum spürbar bemerkt haben. Viele angesehene Römer kollaborierten, vor allem in Bereichen der Verwaltung und Steuereintreibung, unverzichtbar für die neuen Herren. Es regierte nicht ausschließlich eine Militärelite über „ackernde“ Untergebene. In Nordafrika wurden Flächen durch Losverfahren unter vandalische Freie (vandal froia, got frauja) geteilt, zum Kriegsdienst im Heerbann verpflichtet, mit Steuerfreiheit versehen, somit keine Einnahmequelle für den Herrscher darstellend. Die Aufteilungsprozesse waren begünstigt durch den Umstand, daß große Ländereien urspl Latifundien des Kaisers oder Eigentum der röm Senatsaristokratie in Rom waren. Ehemalige Nutznießer befanden sich also nun sehr weit weg. Barbarische Grundbesitzer mussten sich nicht zwingend „die Hände schmutzig machen“, wenn sie röm Pächter“ auf den Feldern beließen. Germanen übernahmen funktionierende röm Mechanismen und glichen sich in vielen Belangen ehemaligen Herren an. Hier liegt eine der Grundstrukturen für das mittelalterliche Hörigen-System. Wobei es grundsätzlich eine feine Abstufung zwischen Pächtern mit einer gewissen Freizügigkeit, halbfreien Pächtern, welche nicht ohne Zustimmung des Eigentümers handeln durften und weisungsgebundenen Unfreien gab. Das letzte Glied in der Kette bildeten Leibeigene, Knechte, Sklaven. Die Entwicklung im HMA war durch die Schollenbindung und Rechtsprechung eine fatale Angleichung der Verhältnisse von Halb- und Unfreien zu Sklaven, die Verdinglichung einer menschlichen Ressource. Prozesse, die sich im SMA aber umkehren sollten.

G. M. Berndt [DKdVa, S. 181] vermutet, daß sich militärische Hierarchien in der Phase der Sesshaftwerdung begannen aufzulösen. Das Zweckbündnis der Gefolgschaft auf der Wanderung zerfiel zugunsten einer Gemeinschaft mit regionaler Gliederung durch Landaufteilungen. Prokop erwähnt in den 440er Jahren die Ernennung von 80 Chiliarchen (Tausendschaftsführern) als eine Variante der vandalischen Heeresreform. Wir hätten demnach eine Entwicklung von professionellen Kriegern zurück zu Milizionären im Heerbann, eine altbekannte Form aus der german. Heimat östlich des Rheins, urspl. mit „Hundertschaften“, nun erweitert auf die übliche Einheitsgröße geschult an griech/röm Militärtaktik (legio = milia = 1000 Mann). Bei Vandalen musste das aber nicht zum Verschwinden von Gefolgschaften führen. Denn eine „Ackerabkömmlichkeit“ der Militärangehörigen war ja gegeben, wenn abhängige Provinzialrömer für sie auf den Feldern arbeiteten. Vandalische Angriffe im Mittelmeer zu Schiff in der Mitte des V. Jh zeigen deutlich, daß es zu solchen „Beute-Unternehmungen“ kam, fixiert auf kurzzeitigen Erfolg, nun nicht im Sattel, sondern „auf der Planke“. Wie bereits am Limes könnten solch begrenzten Züge mit oder ohne Duldung des Herrschers vorgenommen worden sein. Der Rückgriff auf die alt bewährte „Erwerbsform“ hatte ihre Ursache vielleicht in der Rebellion von Unzufriedenen aus den eigenen Reihen, die bei Landverteilungen zu kurz gekommen waren? Quellen berichten von einem Adelsaufstand, den Geiserich mit brutaler Gewalt unterdrückte. Es gab separatistische Bestrebungen einzelner Vasallen, die ihren König nicht anerkannten. Vielleicht waren sie auch umgekehrt mit Plünderungen, vor allem der Roms nicht einverstanden, die durch Geiserich aufgrund dynastischer Verbindungen initiiert wurde, da sie begriffen, daß die Zukunft nicht in der Konfrontation, sondern nur in der Koexistenz mit Rom liegen würde, wer weiß...?

Auch Reitervölker, wie Hunnen oder später Awaren, standen unter den Zwängen des Beutegewinns, wenn sich gesellschaftlich-militärische Strukturen unter starken Führungspersönlichkeiten hierarchisch aufbauten. Die nomadische Lebensweise erleichterte eine rasche Konzentrierung sowie das flüchtige Auseinanderziehen einzelner Gruppierungen. An der Grenze zu sesshaften Kulturen begann sich friedliches nomadisches Leben zu wandeln, wenn Beutezüge und Tributzahlungen das Kriegshandwerk zunehmend attraktiver machten. Grundbesitz war nicht von Interesse, sondern klein dimensionierte und auch bewegliche Habe, Rohstoffe, Vieh oder Frauen, eher von „sachlichem Wert“. Sie wurden ausgelost, verschenkt oder als Lohn versprochen. Der Aggressionswille von Berufskriegern in Gefolgschaften, mit Sucht nach Anerkennung und Beute, wird in nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder zu beobachten sein, bei Angriffen von Nordmannen, Magyaren, Mauren, Sarazenen, Mongolen bis hin zu den Condottiere und ihren Kompanien des SMAs mit Berufssoldaten und Söldnern. Sie standen ausserhalb der Gesellschaft, waren nicht saturiert, sondern gewaltbereit und „wollten was“, eine latente Gefahr für jede zivile Gemeinschaft, Literatur und Quellen:[2]

Fortführung: Heeresverfassung und Gesellschaftsstruktur vom FMA zum HMA


Stuttgarter Psalter“ Anf. IX. Jh,


Geschlechterrollen in Spätantike und FMA

Männer waren hptsl. Handelnde bei politischen Vorgängen und ihre soziale Rolle wurde damit hinlänglich erörtert, Frauen eher bei Modefragen und Accessoires erwähnt. Nun sei herausragenden weiblichen Persönlichkeiten das berühmte „letzte Wort“ angedacht. Nicht nur Sieger schrieben Geschichte, auch der Mann nahm sich dieses Recht in patriarchalischen Gesellschaftsformen heraus. Eine geschlechtliche Gleichsetzung musste hintenan rangieren, solange Emanzipation keine Frage des Geschlechts, sondern des Standes überhaupt war, ein Großteil der Bevölkerung in „verdinglichten“ Verhältnissen lebte. Vielleicht ist Gleichberechtigung, neben der Idee von Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe, das größtes Verdienst des Christentums, zumindest in der Theorie. Für die praktische Umsetzung kann das Mittelalter nur als Negativ-Beispiel dienen. Die moderne geschlechtliche Emanzipation arbeitet an der Auflösung verkrusteter patriarchalischer Strukturen, meint vielfach das Eindringen der Frau in männliche Domänen, das bedeutet nicht selten den „Sprung ins Haifischbecken“. Deshalb neigen Frauen in solchen Fällen zu „männliche Sichtweisen“, um bestehen zu können, müssten nicht ganz andere Maßstäbe angelegt werden? Sind wir nicht alle zu sehr determinierten Denkmustern verhaftet? Nach dem Grundgesetz (Art. 3) sind Männer und Frauen gleichberechtigt und die tatsächliche Durchsetzung soll durch den Staat gefördert werden. So haben westlich orientierte Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten „Türen geöffnet“, in vielen anderen Teilen der Welt ist allerdings nicht mal mehr die Tür erkennbar!

Blick zurück, was ist den Quellen zu entnehmen, wie zwischen den Zeilen zu lesen? Welche Rollen waren zu erfüllen, wie „Geschlechtergrenzen“ gezogen? Was vermochte das durch sein betörendes Wesen schöne - und manchmal nicht weniger durch seine Beharrlichkeit starke - Geschlecht? Während Männer sich innerhalb selbst definierter Hierarchien bewegten, galt ihre geschlechtliche Rolle als unangetastet, die Frau, offiziell diesem System unterworfen, verwendete ihre Mittel, um eigene Ansprüche durchzusetzen. In frühen Gesellschaften agierten Männer tendenziell statuarisch Traditionen behaftet, deutlich in der Mode bei herrschenden Schichten bis ins HMA als Ausdruck von Machterhalt, eine kreativ innovative Note wurde eher von der Gattin erwartet. Im SMA ist höfische Mode Geschlechter übergreifend Motor der Entwicklung, da es grundsätzlich galt sich von sozialen „Nachrückern“ deutlich abzugrenzen.

Vorbild für das herrschaftliche Bild der Frau lag in der römischen Kaiserzeit. Bereits zu Zeiten der Republik spielten Frauen in der Selbstdarstellung führender Familien eine nicht unerhebliche Rolle, man denke nur an die Lobreden Caesars auf seine weibliche Verwandtschaft, denn eine Gattin aus „gutem Haus“ hob auch das Ansehen des Ehemanns. Wie im politisch agilen Griechenland hatten Frauen kein Wahlrecht, in religiösen Dingen aber durchaus Bedeutung, siehe Göttinnen, Priesterinnen, Nymphen, Parzen, etc, so daß nach ihnen Stätten und Städte benannt wurden, nicht zuletzt das mächtige „Athen“. Auch „Roma“ war, wie „Nike“ als Siegesgöttin, eine weibliche Personifikation. Im öffentlichen Auftreten wurde vom weiblichen Ehe-Part mit der pudicita Treue, Bescheidenheit und absolute Ergebenheit gegenüber dem Gatten erwartet, wohl wissend, daß eine Beeinflussung des männlichen Entscheidungsträgers wahrscheinlich war - offiziell betrieben Frauen keine Politik. Es galt durchaus nicht als Schande, wenn sich röm Politiker auf einen weiblichen Ratschlag beriefen, falls Ansehen und Kompetenz der Ratgeberin allgemein Anklang fand. Cassius Dio hob lobend hervor, wie sehr Pompeia Plotina, die Gattin des Kaisers Traian, dessen Ruhm mehrte, indem sie ihm zu bestimmten Verwaltungsmaßnahmen riet. Eine starke indirekte Einflussnahme wurde stillschweigend von der zweiten Rolle der Frau voraus gesetzt, nämlich aus der fecunditas heraus, der Rolle als Mutter. Sie war fundamental zur Erhaltung der Familie. Kinderlosigkeit galt, vor allem im Herrscherhaus, als großer Makel. Mütter hatten hohe moralische Autorität. Tugendhaftes Benehmen, Sittenreinheit und die Vermeidung unpassenden Verhaltens wurden nicht nur von ihr selbst erwartet, sondern auch in der vermittelnden Erziehung an die Nachkommenschaft. Die Befolgung mütterlicher Ratschläge und Erfüllung von Bitten schmückte und zierte nicht nur den Sohn, sondern „adelte“ ihn geradezu, siehe den Nachhall in mittelalterlichen Versepen (Ruodlieb, Parzival). Fügten sich Herrscherinnen den zugedachten Rollen im Sinne des Staates wurden sie zur röm Kaiserzeit durch „Divinisierung“ (göttliche Verehrung) in allerhöchste Ränge befördert, erhielten eigene Münzbilder, Feierlichkeiten und sogar Tempel zu ihren Ehren. Die Ernennung zur Diva Augusta, wurde auch im nachhinein vollzogen, damit die kaiserliche Familie vom Kult um diese neue moralische Instanz profitierte; sich auf göttliche Abstammung zu berufen brachte Prestigegewinn. Falls Frauen den Rollen nicht entsprachen, verunglimpfte sie die Geschichtsschreibung und stempelte sie zu Intrigantinnen oder wahren Monstren, wie Augustus Propaganda gegen Cleopatra VII. betreiben ließ, ihr Verhalten als unmoralisch verurteilend, weil sie Antonius zum Sklaven gemacht hatte. Auch oben erwähnte Plotina fiel in der Gunst der Geschichtsschreibung, da sie als Hadrians Schwiegermutter angeblich massiv auf die Thronbesteigung des Schwiegersohns einwirkte. Legenden rankten sich um die Macht der Mütter auch bei den Herrscherantritten von Tiberius oder Nero. Weibliche Familienmitglieder zu diskreditieren durch das Nachsagen von Intrigen oder erotischen Ausschweifungen warf immer einen Schatten auf politisch agierende Männer. Wie Hildegard Temporini sicher zu recht anmerkt sagte ein historigraphischer Verruf eigentlich nichts über tatsächliche Verhältnisse aus, sondern eher, daß Frauen in entsprechenden Positionen zu wirkungsvollem politischem Handeln fähig waren. Eine indirekte Einflußnahme wurde öffentlich toleriert, eine direkte Aktivität aber ohne den Gatten an der Seite galt in Rom im politischen Bereich als Verstoß gegen die „guten Sitten“ [zitiert nach FuTr, S. 45-51].

Es ist ein wenig „billig“ aber wohl allzu selbstverständlich mittelalterliche Betrachtungen im Blickwinkel auf die breite Masse damit zu beginnen, daß Frauen traditionell die „Hausarbeit“ zugewiesen wurde. In der Schicht der Freien stand zusätzlich die gemeinschaftliche Sorge um das Gedeihen des Nachwuchses an oder um das anvertraute Gesinde, um Haus und Hof samt Tieren im alltäglichen Kampf ums Dasein. Es galt die Arbeit der Mägde zu organisieren und zu überwachen, welche kochten und wuschen und in die Vorrats- sowie Landwirtschaft eingebunden waren. Auch die Anfertigung von Textilien wurde Frauen zugesprochen, dahinter konnte sich bei den gehobenen Schichten manch künstlerische Profession, in Klöstern nicht nur auf Stoff, sondern auch auf Pergament und Papier verbergen. Hochgestellte Persönlichkeiten waren Auftraggeberinnen, Stifterinnen und Sammlerinnen von Kunstfertigkeiten, das Schmückende und Zierende war von je her weibliches Terrain. Das betraf auch die Person selbst, so ist die weibl. Rolle in Herrscherfamilien, nach röm Vorbild, äusserlich nicht unerheblich auf die Zier und zur Ruhmes-Mehrung des Gatten reduziert worden. Spezielle Aufmerksamkeit erhielten Frauen, wenn sie eindeutig in Männerdomänen vorstießen. Schriftliche Quellen werfen Schlaglichter auf streitbare hohe Persönlichkeiten, die für den verstorbenen, bzw abwesenden Gatten oder unmündigen Sohn das Regiment führten. Ehefrauen jeglichen Standes und Herrscherinnen oblag die Führung des Haushalts, bzw des Hofstaats, wenn der Gatte politischen oder militärischen Pflichten nachkam, das erforderte Durchsetzungswille und Repräsentationsvermögen. Im merowingischen Herrschaftsgefüge besassen Frauen eine starke Stellung, als Königinnen oft mit eigener Kanzlei und Beamten, beanspruchten sie stellvertretend die Macht, wenn es an geeigneten männlichen Nachfolgern mangelte ...{Brunichildis, Bathildis, Plektrudis näher ausführen}... Radegunde, die junge Nichte des Thüringer Herrschers Herminafried wurde als Beute durch Chlothar entführt, der sie zwischen 535 bis 540 zu seiner Frau nahm als Zeichen der Anwartschaft auf das Thüringerreich. Die Ehe blieb kinderlos. Radegunde trennte sich 550 von ihrem Gatten als sie von den Hintergründen der Ermordung ihres Onkels 534 in Zülpich durch Chlothar erfuhr und ließ sich in Noyon von Bischof Medardus zur Nonne weihen. Chlothar versuchte sie an den Hof zurück zu holen, was aber nicht gelang. Radegunde gründete vor den Mauern von Poitiers das Frauenkloster St. Marie. Herminafried war durch Mörderhand gestorben, galt aber selbst auch nicht zimperlich gegenüber seinen Brüdern, welche vorher mit fränk. Hilfe „beseitigt“ worden waren. Bei dieser Partie hatte das gesamte Führungspersonal „Dreck am Stecken“.

Als weltliche Erbin konnte eine Frau enormes finanzielles oder politisches Gewicht gewinnen, „hingen an ihr“ im Extremfall ganze Königreiche. Herrscher verheirateten ihre Schwestern, Cousinen, Nichten und Töchter aus politischen Gründen, um Bündnissen Bestand zu verleihen, Ansprüche zu legitimieren oder Unterwerfung zu signalisieren. „Unpassender Verwandtschaft“ - das Geschlecht spielt dabei keine Rolle - entledigte man sich durch Offerierung an ein Kloster, oft mit angemessener Güterschenkung. Seit karolingischen Zeiten ist das Aufblühen „weibl. Klosterkultur“ mit Gründung von Frauenklöstern und -konventen (conventus=Zusammenkunft) zu beobachten, das Rheinland, Westfalen und Sachsen als neue Zentren. Mancher Potentat bestimmte ein Frauenkloster zur Grablege, mit Stiftungen nahm er Einfluß, nicht selten durch Ernennung der Vorsteherinnen oder manipulierte Wahlverfahren, welche eigentlich „frei“ innerhalb der Klostergemeinschaft sein sollten. Die fränk. Adelige Emhilt von Milz in Südthüringen, selbst Gründerin und Äbtissin des Benediktinerinnenklosters von Milz, vermochte um 800 der Abtei Fulda 30 Ortschaften zu schenken, sie wird wohl selbst Erbin der Ländereien gewesen sein. Äbtissinen wurden als ebbedischen im zweiten Heerschild aufgeführt, als Vorsteherinnen der Frauenklöster, ein Zeichen des Respekts gegenüber Damen, welche im politischen Geschäft nicht unwesentlich mitwirkten. Es wird behauptet, daß die Kirche Frauen große Entfaltungsmöglichkeiten bot [KruS, S. 17]. Doch sind hier enge Grenzen zu ziehen und nur höher gestellte Persönlichkeiten profitierten davon, ansonsten war die Welt hinter den Klostermauern ein Spiegel äusserer Verhältnisse. Im Rahmen finanzieller Möglichkeiten sorgten geistliche Würdenträgerinnen für das Gedeihen von Bildung und Kultur. So war Nonnen begrenzt der Zugang zu Bildung möglich, herausragendes Beispiel aus dem HMA Hrotsvith im Kloster Gandersheim, welche gelehrte lateinische Verse in dramatisierender Dialogform im Stil des Terenz mit christlich-moralischer Ausrichtung schrieb. Auch die sieben freie Künste und Architektur waren hier nicht keine reine Männerdomäne mehr, obwohl nicht selten Bibliothek und Teile der Verwaltung sowie die Messfeiern von Klerikern übernommen wurden. Viele weibliche Konvents-Angehörige entstammten höchsten sozialen Rängen, so daß durch Verwandtschaft Einflußnahmen in beide Richtungen Frauenklöster und Politik eng verbanden. Nur Äbtissinnen waren auch bei strengster Klausur Außenkontakte möglich. Sie führten eigene Haushaltungen, nicht zwingend an das Konvent gebunden, vertraten das Kloster mit ihrer Kanzlei, prägten Münzen und Siegel mit ihren Namen. Sie besassen eine Art „Hofstaat“ mit Ämtern, wie der Pröpstin (Priorin/Dekanin), welche das Konvent leitete, oft die Nachfolgerin der Äbtissin und damit nicht selten ihr Gegenpart, die Cellerarin übernahm die wirtschaftliche Verwaltung, die Scholastika das Lehramt, die Thesauria oder Küsterin das Schatzamt [KruS, S. 164]. Vermutlich waren vor allem Frauen Mittler des Frühen Christentums. Ihnen wird die im Ursprung gewaltlose Religion zugesagt haben. Getaufte Menschen waren untereinander gleich und die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde dadurch aufgewertet. Quellen berichten oft, daß in den Familien Frauen überzeugte Anhänger waren und auf ihre Angehörigen einwirkten, so bei Augustinus, dem späteren Bischof von Hippo oder bei Martin, später Bischof von Tours. In beiden Fällen waren die Mütter treibende Kräfte. Im Ur-Christentum sollten soziale Schranken aufgehoben werden. Das Kapitel der Glaubensstreiterinnen hat im Mittelalter erhebliches Gewicht und würde den Rahmen der kurzen Auflistung hier vollkommen sprengen.

Nach Oxenstierna, S. 128 könnte im norwegischen Bootsgrab von Oseberg (Anf. IX. Jh) Asa gelegen haben, da Oseberg früher „Asuberg“ hieß. Um sie zu gewinnen hatte Gudröd Veidekonge ihren Vater und Bruder getötet und sie geraubt. Asa rächte die Tat nach zwei Jahren durch eine Meuchelei mit Hilfe eines Mörders, als ihr Mann betrunken war und regierte allein auf Vestfold. Ihr kurz vor dem Mord geborener Sohn könnte also der Vater von Harald I. („Schönhaar“ c852-932/3) und sie somit seine Großmutter gewesen sein. Im fränk. Reich führte Ludwig I. (der Fromme), Sohn Karls I. (d Gr), nach dem Tod seiner erster Gemahlin Irmgard 818 eine zweite Ehe mit Judith aus welfischem Haus. Der ersten Ehe waren drei Söhne entsprossen, der zweiten u.a. einer mit Karl II. (der Kahle). Noch zu Lebzeiten erliess Ludwig Teilungsanordnungen seines Reiches für die erbberechtigten Söhne. Judith brachte sich massiv hier ein, indem sie dafür sorgte, daß Ludwigs I. jüngster Sohn, ebenfalls Ludwig genannt, Hemma, die Schwester Judiths heiratete [siehe Grabmahl in St. Emmeran, Regensburg aus dem XIII. Jh] und ihre eigener Sohn Karl mit ausreichenden Ländereien versorgt wurde (hptsl. in Westfranken). Die vorsorgliche Teilung schuf mehr Probleme als Lösungen und die Söhne befehdeten sich auf Jahrzehnte.

Bei Kriegshandlungen gehör(t)en Frauen zu den großen Verlierern, waren es nicht Familienangehörige, so mussten sie den Verlust der körperlichen Unversehrtheit oder der wirtschaftlichen Grundlage hinnehmen, bis zum Verlust des eigenen Lebens. Im umgekehrten Fall durch den Mann mit fremder Beute beglückt zu werden, war ein Geschenk mit Beigeschmack. Denn jeder „männliche Sieg“ sät Haß mit dem Schrei nach Vergeltung, entsprechende Folgen waren also nicht ausgeschlossen. Ein Umgang mit Waffen ist Frauen nicht grundsätzlich abzusprechen. Bei Kriegshandlungen sind sie in der Verteidigung fester Punkte, teilweise in herausragender Funktion, erwähnt. Bei nomadischen Völkern hatten sie mit den Familien, aufgrund der beweglichen Kriegsführung automatisch höheren Anteil an Auseinandersetzungen, Nahrung für den „Amazonen-Mythos“, hinter dem sich mehr als das Körnchen Wahrheit verbirgt. Seit der Antike werden Frauen in den Heeren erwähnt, selbst beim „Zug der Zehntausend“, meint griech. Söldner, welche um 400vC in pers. Thronstreitigkeiten verwickelt waren und sich tief aus Mesopotamien nach Norden zur Schwarzmeerküste durch gebirgiges und feindliches Terrain bei Schnee und Eis kämpfen mussten, werden sie zahlreich im Troß genannt, in alten Übersetzungen als „Buhldirnen“ bezeichnet und damit vermutlich als Beute anzusehen. Eigentlich hätten sie nach dem Willen der Befehlshaber aufgrund der schwierigen Marschverhältnisse und um den Troß beweglich zu machen, zusammen mit den „schönen Knaben“, aus dem Heer entfernt werden sollen, was aber in beiden Fällen unterblieb, um die Hopliten bei Laune zu halten [Xenophon, Anabasis]. Bei Völkerwanderungen wurden Frauen unvermeidlich in Auseinandersetzungen gerissen. Der Forschung schienen nach Grabbefunden des FMAs auch in germanischen Siedelräumen Frauen mit Waffen bei Gruppen-, bzw Doppelbestattungen lange Zeit möglich gewesen zu sein, wobei die Dame in Niederstotzingen Grab 3 nun „ausfällt“, da sie sich nach neuen Untersuchungen als Mann herausgestellt hat [ungeklärt bleiben noch Grab 490 aus Straubing-Bajuwarenstr, Grab 202 aus Fridingen, Grab 9 von Aschheim-Wasserturm und mglw eine Mehrfachbestattung in Kirchheim/Ries]. Gemeinsame „Doppelbestattungen“ von Mann und Frau schaffen in der Deutung oft Probleme, vor allem, wenn Gräber gestört wurden oder die Berichte dazu aus Altgrabungen stammen, zuweilen erscheint ein Geschlecht anthropologisch „wie weggewischt“ und die Hinterlassenschaften verwirren. In der Mongolei wurde eindeutig ein Frauengrab aus dem XIV. Jh geborgen mit Beil, Messer sowie Sattel und Steigbügel. Die Ausgräber betonen den kräftigen Körperbau und 1,80m Körperhöhe der Dame aus der Oberschicht [AiD 02/2021, S. 73]. Beschwerliche Wanderungen, bzw Fahrten nahmen Frauen mit den unbewaffneten Pilgerfahrten auf sich, die bereits früh einsetzten, man denke nur an Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, Initiatorin der Fahrten, wobei man ihr wohl einige Annehmlichkeiten angediehen ließ. Bewaffnete Pilgerfahrten sind eindeutig ein späteres Kapitel (Kreuzzüge), an den Frauen nicht unbeteiligt waren und teilweise erheblich auf die Verläufe einwirkten, aber das ist eine andere Geschichte...,Quellen:[3]

Fortführung Geschlechterrollen unter: Ständegesellschaft im HMA/SMA




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1/ Zu den ovalen Schalenfibeln: Im ethnisch stark gemischten Haithabu mit früh einsetzender Christianisierung nur in 17 Gräbern, in den bislang 1255 untersuchten Birka-Gräbern rd 160 Fibelpaare über einen Zeitraum von ca 200 Jahren (Mitte VIII. bis Ende X. Jh), also bis zu 8 Generationen! Rein rechnerisch ergäben sich pro Generation demnach bislang etwas über 20 Gräber mit dem aufwändigen Ensemble. Doch so einfach funktioniert das System natürlich nicht. Es ist zu beobachten, daß die wenigen ältere Formen aus der Vendel- in die frühe Wikingerzeit individuell ausgeprägt und von hoher Qualität waren, während man bei späteren Ausführungen in der jüngeren Birkaphase (JBS) teilweise von einer „Massenproduktion“ sprechen kann. Der Typ P 51 sticht mit fast der Hälfte aller Ovalfibelfunde (76 Gräber) besonders hervor, welcher grundsätzlich von Irland über Skandinavien bis nach Rußland als einer der gebräuchlichste Typen angesehen werden kann. Dadurch ergibt sich zusammen mit dem Typ P 52/55 (25 Gräber) eine Steigerung der Schalenfibelfunde in der ersten Hälfte des X. Jahrhundert. Stellte sich also zunächst nur die soziale Oberschicht im Grabritus derartig zur Schau, ist damit zu rechnen, daß es in der Folgezeit vielleicht auch wohlhabenden Kaufleuten möglich war dem Beispiel zu folgen. Rein rechnerisch ergäbe sich für das X. Jh mit nur 3 Generationen bis 970c, als Birka seine Bedeutung verlor, eine Anhäufung auf über 30 Gräber pro Generation. Auch die Waffenausstattung bei den Männern vermittelt zunächst eine Bindung an die Oberschicht. Bislang rd 100 Waffengräber, die Hälfte davon Kammergräber! Pro Generation also im Schnitt kaum mehr als 12 Bestattungen mit einer Waffe. Die aussagekräftigen ortsnahen Gräber sind geborgen, so daß weitere Grabungen in davon entfernten Arealen, mit bislang geringerem Fundaufkommen, zukünftig kaum andere Verhältnisse zutage bringen werden. An den Verweisen auf die Oberschicht, wird sich bei einer hypothetischen Einwohnerschaft von zeitgleich durchschnittlich etwas über 500 Personen, wenig ändern [Birka II_1, S. 45f].



2/ Angaben zum Gesellschaftssystem u.a. nach Arwidsson G. (Ed.): Birka II:1 Systematische Analysen der Gräberfunde [Birka II_1], Stockholm 1984 / Geijer, A.: Birka III. Die Textilfunde aus den Gräbern [Birka III], Uppsala 1938 / Hattler, C.: Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen [DkdVa], Ausstellungskatalog Bad. LM Karlsruhe 2009 / Ilkjaer, J.: Gegner und Verbündete in Nordeuropa während des 1. bis 4. Jhs, in: Norgard-Jorgensen, A. u Clausen B.L. (Hrsg.), Military Aspects of Scandinavian Society in a European Perspective, AD 1-1300, Copenhagen 1997, S. 55 ff / Krausse, D. (Hrsg.): Die Alamannen auf der Ostalb [AlaO], Ausstellungsband Ellwangen 2010 / Simrock, K.: Die Edda, Rigsmal – Das Lied von Rigr, Ausg 1990 / Wieczorek, A. u Hinz H.-M.: Europas Mitte um 1000 [EM1000]. Ausstellungskatalog in 2 Bdn u Katalog, Stuttgart 2000



3/ Angaben zu den Geschlechterrollen u.a. nach Archäologie in Dtld, vierteljähr Zeitschrift [AiD] / E. Graf Oxenstierna: Die Nordgermanen. dt, Stuttgart 1957 (4. Aufl 1965) / Krone und Schleier. Kunst aus ma Frauenklöstern [KruS], Ausstellungskatalog Essen-Bonn, München 2005 / Temporini, H. – Gräfin Vitzthum, Frauen im Bild der domus Augusta unter Traian [FuTr], in: Schallmayer, E. (Hrsg.): Traian in Germanien. Traian im Reich. Saalburg-Schriften 5 1999, S. 45-53 / Wahl, J: Neue Erkenntnisse zur fma Separatgrablege von Niederstotzingen, Kreis Heidenheim