I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

DRAGAL

1250-1320c

1. Quellen

___Die bewegte Liturgie der Kleriker-Schauspiele

2. Mode in der zweiten Hälfte des XIII. Jhs

3. Rekonstruktionen zur Darstellung gehobener Schichten

4a. Gürtelformen des einfachen Volkes

4b. Rekonstruktionen zur Darstellung des einfachen Volkes

_Fibelreplikate (Spangen) XIII.-XIV. Jh

1320-1350c

5. Quellen

___Parteikämpfe des XIV. Jhs

6. Mode in der ersten Hälfte des XIV. Jhs

7. Rekonstruktionen zur Darstellung gehobener Schichten

8a. Gürtelformen des einfachen Volkes

8b. Rekonstruktionen zur Darstellung des einfachen Volkes

_Gürtel mit Eisenschnallen XIII.-XIV. Jh

-

Historischer Kontext 1250-1320c:

Fast eineinhalb Jahrhunderte hatte die staufische Dynastie die Geschicke großer Teile Europas bestimmt. Durch den dramatischen Untergang des Kaiserhauses Ende der 1260er Jahre verlor das Reich seinen Einfluß südlich der Alpen. Die ehemals stauf. Gebiete fielen an die franz. Anjou, legten den Grund zu einem der mächtigsten Adelshäuser Europas. Frankreich gewann damit in Italien größeres politisches und kulturelles Gewicht, es fasste bald zweimal soviel Einwohner wie das Reich. Durch den Hof Ludwigs IX. (1226-70), dem Förderer der Künste und von vielen als das Ideal eines weltlichen Herrschers angesehen, entstand mit Frkrch eine kulturelle Großmacht. Mit seiner Entwicklung und später auch der Nieder-Burgunds konnte man in Dtld in vielen Belangen erst ab dem XVI./XVII. Jh gleichziehen, angeregt durch die Integration religiös und politisch verfolgter Einwanderer aus Westeuropa.

In nordfranzösischen Bischofsitzen hatte sich im XII. Jh mit dem „opus francigenumein neuer Baustil entwickelt, siehe Exkurs Zäsur Romanik - Gotik. Ein Schub von Sitten und Moden begann auch östlich des Rheins zu wirken. Himmelwärts strebende steinerne Bauprojekte wurden durch Klerus und Adel initiiert, was Wappen im Gewölbe dokumentieren. Auch der einfache Bürger trug seinen Teil bei, um sich das Seelenheil zu erkaufen, aus Angst vor dem Fegefeuer. In den kommenden Zeiten wurden eigene Bauprojekte verwirklicht und ähnlich wie die Bettelorden, welche hohe Akzeptanz in den Bürgergemeinden fanden, schuf man neue Formen mit Saal- und Hallenkirchen, um einer möglichst großen Menschenmenge die Anhörung von Predigten zu gewähren oder als politischer Versammlungsort. Hier gab es keine Chorschranken, welche den Bürger von Geistlichkeit und Allerheiligstem trennten. An solchen Bauwerken wirkten oft mehrere Generationen und so wie manch ehrgeiziges Kathedralprojekt der Bischöfe, konnte auch Bürgerkirchen vielfach nicht vollendet werden. Grundsätzlich waren sie funktionsfähig, wenn Chor und Langhaus standen, aber Gottesdienste fanden quasi auf „Dauerbaustellen“ statt, so in Beauvais, Narbonne, Köln, Prag, Wien, Ulm oder Regensburg. Vielfach fehlten vor allem die Glocken tragende Türme, deren Obergeschosse oder Turmhelme. Sie wurden teilweise erst im Zug der nationalen Begeisterung für das MA im XIX. Jh fertig gestellt (1).

Mehrere Herrschaftswechsel sahen die östlichen Reichsterritorien. Der Staufer Friedrich II. hatte das Herzogtum des letzten Babenbergers als Reichslehen eingezogen und der mächtige Böhmenkönig Ottokar II. dort Gebiete widerrechtlich annektiert. Im Streit um die Reichskrone gelang es einem bislang eher unbedeutenden Grafen Rudolf aus der Nordschweiz, seit 1273 dt. König, diese Gebiete nach der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 für das Reich zurückzufordern und belehnte seine Söhne recht clever mit Österreich und der Steiermark, was den Aufstieg des Hauses Habsburg begründete. Nicht alle sahen hier gerne die Königskrone und es kam bis zum Anf. des XIV. Jhs zu schnellen Herrscherwechseln, einigen Auseinandersetzungen und Schlachten. Nach den Habsburgern setzte sich ab 1308 das Haus Luxemburg durch. Es war geprägt durch eine franz. Erziehung.

1250-1320c

- Früh- und Hochgotik -

Abb. Magdeburger Jungfrauen 1240-50, Töchter der Stadtherren im „franz.-spätstaufischen Stil“

...Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.Matthaeus 25, 13 [Seit Mitte des XIII. Jhs werden „Zehnjungfrauenspiele“ erwähnt, die Wirkung auf das Publikum hatten. Mglw. sehen wir hier die „steingewordenen“ Protagonisten eines solchen Schauspiels? Zumindest erfüllten Mimen und Skulpturen die gleiche Funktion einer Erinnerungskultur in der mittelalterlichen Gesellschaft.]


Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort, ae = ähnlich

Die Geldwirtschaft hatte durch die Kreuzzüge gewaltigen Aufschwung erhalten. Man kämpfte zuletzt nicht mehr für den religiösen Lohn, sondern für Geld ! Die großen Militärorden verstanden sich durch die internationalen Verbindungen hervorragend auf das Geldgeschäft, was den Templern zum Verhängnis werden sollte. Letztere waren im Volk nicht gut angesehen und während die Hospitaliter ihren Kampf von Zypern und Rhodos fortsetzten, fehlte den Templern nach dem Fall des Heiligen Landes eine Machtbasis oder ein entsprechendes Wirkungsfeld, was sich der Deutsche Orden z.B. im Baltikum schuf.

Die Kreuzzüge hatten ein neues Bewußtsein für Raum und Reisen geschaffen. Das Heilige Land war allerdings nicht mehr zurück zu erlangen, obwohl es Aufrufe dazu noch viele geben sollte. Haften blieb die Kenntnis der fernen Gegenden, das Bedürfnis nach lieb gewonnen Waren und die Begehr sie zu erlangen. Das einstige Ziel der bewaffneten Pilgerfahrten sollte versperrt bleiben. Zum hartnäckig verteidigten Jerusalem konnte man nicht mehr vordringen, deshalb entstand die Idee eines überirdischen Jerusalems, wie man einst ein himmlisches Rom erfand.

In Süddtld hatte man gänzlich andere Probleme. Im zweiten Jahrzehnt des XIV. Jhs kam es mehrfach zu schweren Hungersnöten. Für Rottweil z.B. ist in dieser Zeit ein starker Zuzug vom Land nachzuweisen. Verstädterungsprozesse wurden auch auf diese Art angefeuert.


1. Quellen für die zweite Hälfte des XIII. Jhs:

Durch den neuen französischen Kathedralstil erhielten sich Skulpturen mit wirklichkeitsgetreuer und detaillierter Darstellungsweise. Wie bei antiken Vorbildern konnte es Aussparungen im Stein, bzw Löcher geben, in die man z.B. Objekte aus Metall mit Stiften einfügte, sichtbar bsplw an der „Ecclesia“ oder „Königin von Saba“ von 1220c in Winchester, deren Gürtel heute fehlt. Für die jeweilige Datierung ist ihr Standort am Gesamtwerk eine Vorgabe. Denn sie konnten ja erst in ein fertig gestelltes architektonisches Bauteil integriert werden. Allerdings ist das nur ein Anhaltspunkt, denn die Bearbeitung der Skulptur vermochte einige Zeit vor der Fertigstellung der Architekturelemente liegen. Nicht selten meißelten Steinmetze der Bauhütten Standbilder und Reliefs „auf Bereitstellung“, damit sie programmatisch in den Gesamtbau eingefügt wurden! Den Portalen widmete man dabei besondere Aufmerksamkeit, beliebt war die Gegenüberstellung von „Personal“ aus dem Alten und Neuen Testament. Daneben eignen sich als Quelle nach wie vor Wandfresken, obwohl Kathedralen ihrer Wände „verlustig“ gingen, durch den Einzug der riesigen bunten Fenster aus tausenden von kleinen gefassten Scheiben, was die Glasmalerei forderte. Neben Heiligen und Adeligen finden sich bsplw. in Chartres in der 1. Hälfte des XIII. Jhs auch Abbildungen von Steinmetzen oder Hirten als Orientierung für einfache Darstellungen. Eine der wichtigsten Quellengattungen bleibt nach wie vor die Buchmalerei mit den eindrucksvollen „sprechenden Gesten“ von Händen und Fingern der Protagonisten. Die Abbildungen sind wegen der Farbwahl der Künstler mit Vorsicht zu geniessen, denn „blaue und rosa Bäume“ oder Pferde in allen möglichen Farbvarianten sind nicht erst seit Franz Marc zu finden, sondern auch auf mittelalterlichen Illustrationen vor dem XV. Jh nicht selten. Bei solch „expressionistischem Ausdruck“ sind vermutlich weitere Bildinhalte bzgl ihres Realismusgehalts zu hinterfragen.

Neu waren in Frankreich die ersten Stundenbücher für Laien. Im Gegensatz zu geistlichen Schriften wurde hier mehr wert gelegt auf die ästhetische Gestaltung mit einem „unterhaltenden Aspekt“. Bücher wurden zunehmend kostbare und dekorative Kleinkunstwerke. Leider harren einige Handschriften noch unentdeckt in den Archiven oder wurden erst zu einem geringen Teil publiziert.

Die Verstädterung vor allem in Italien und Frankreich brachte die ersten Kleiderordnungen mit sich und der Vorgabe was jedem Stand angemessen zu sein hatte, um soziale Grenzen deutlich aufzuzeigen. Diese Quellen werden sich auch im Reich vom XIV. bis XVI. Jh häufen. Figürliche Grab- und Gedenkmale des Adels, oft berühmte Stifter, eignen sich als Belege. 1287 ließ der Regensburger Patrizier Heinrich Zant mit einem Hochgrab das erste Patriziermausoleum auf dt. Boden errichten. Diese Selbstdarstellungen des Stadtadels sollten zunehmen, nach Anregungen aus Italien mit seinen Stadtrepubliken und dem erstarkten Bürgertum, getragen durch eine finanzkräftige Fernhandelskaufmannsschicht, welche sich auch als Bankiers betätigte. Sie waren in der Lage als Mäzene bedeutende Kunstwerke in Auftrag zu geben.

Italien wurde von der neuen „gotischen Richtung“ erst mit dem Machtanwuchs der franz. Anjou erfasst. Bis zum Ende des XIII. Jhs dominierte dort ein antikisierend griech-byzantinischer Stil. Mit der Werkstatt von Giotto di Bondone (1267-1337) setzten nach 1290 große Änderungen ein, die auf das Kunstschaffen ganz Europas gewaltige Auswirkungen haben sollten. Giotto war ein Meister des natürlich Figürlichen, wie keiner vor ihm. Gegenüber der bisherigen pathetischen und teilweise abstrakt wirkenden byzant Überhöhung wurde nun das Menschliche an Christus, Maria und den Heiligen hervor gehoben mit einem neuen Realismus der anatomischen Details und alltäglichen Gegenstände in einer räumlich städtischen Umgebung, Architektur statt Goldhintergründe, zeitgenössisch bürgerliche Mode, statt antikisierende Gewänder. Nur die Apostel und Heiligen trugen auf diesen Bildern noch antike Gewandformen und sind so deutlich erkennbar. Der ital. Stadtbürger wurde in seiner Kleidung thematisiert, wie auf Giottos Fresken gemalt vor 1300, bsplw der „Lossagung des Franziskus von seinem Vater“. Letzterer war ein reicher Kaufmann, der mit kostbaren Stoffen zwischen Frankreich und Assisi handelte und seinen Sohn entsprechend einkleiden wollte, was dieser aber in religiöser Inbrunst deutlich ablehnte. Die oben beschriebene neue Darstellungsart war Ausdruck des gestiegenen bürgerlichen Selbstbewußtseins in den ital. Handelsstädten. Zeitgenössische Abbildungen zeigen eine gänzliche andere Ausrichtung der italienischen gegenüber der deutschen Mode. Im Detail sind Abweichungen der Schnallenformen südlich der Alpen bei Fingerlin in der Wende XIII./XIV. Jh zu erkennen mit viel stärker betonten Ecknoppen in Eichelform als nördlich der Alpen. Pate dafür mögen römisch-kaiserzeitliche Schnallenformen gestanden haben, sie zeigen im II./III. Jh solche Ausprägungen. So ist die italienische Mode-Ausrichtung nicht unerheblich an den äusseren Erscheinungen der späten römischen Kaiserzeit (Spätantike) zu messen. Relikte dieser Epoche mit großen Monumenten wie den Triumphbögen und Siegessäulen, Grabmälern und figürlich geschmückten Sarkophagen waren in Italien zahlreich vor Augen der Kunstschaffenden. Auf Sandro Botticellis Fresko „Bestrafung der Leviter“ von 1482 ist röm Triumphalarchitektur ein beherrschendes Element. Die „Wiedergeburt der Antike“ war Programm und man orientierte sich an der vergangenen Größe des Römischen Imperiums, politisch an der Republik, als Vorbild der aufstrebenden ital. Stadtstaaten und äusserlich an der Kaiserzeit, in welcher die Ursprünge des staatlichen Christentum lagen. Dabei kopierte man sowohl westliche wie östliche Elemente, brachte sie teilweise in einem Bild zusammen, wie Maestro della Cattura di Christo in „Christi Gefangennahme“ von 1290c mit Soldaten, die weström Helme und oströmische Schuppenpanzer tragen. Das sollte im Verlauf recht „bunte Blüten“ zeigen. Turbulent ist bsplw die Darstellung von Piero della Francesca von 1452-60 mit der Schlacht zwischen dem Oströmer Herakleios und dem Sassaniden Chosrau in einem bizarren Stilmix unterschiedlichster Zeiten und Räume.

Immer wichtiger bei den „Kunstwerken“ wurde die Darstellung der Bekleidung, genauer des Stoffmaterials. Was in der Buchmalerei schon lange üblich war, zeigte sich nun auch in der Plastik, die Fältung zur Andeutung der Materialbeschaffenheit. Die Tuchproduktion des Mittelalters war einer der wichtigsten Motoren der Wirtschaft. Der Aufschwung vieler Städte begründete sich auf diesen Handwerkszweig und der Vermarktung der Stoffe. Kannte die Antike in der Kunst einen ausgesprochenen Körperkult, war es im Mittelalter eher ein Gewänderkult. Nicht der Muskel zählte, sondern der Faltenwurf und die Drappierung in der Andeutung von Stoffqualität. Der Körper wurde auf die Haltung beschränkt, mit zunehmender Anleihe bei der antiken Kunst, deshalb gab es in beiden Zeitaltern eine ähnliche Entwicklung von schematisch starr zu natürlich belebt, die sich zur übernatürlichen Beweglichkeit steigerte mit Überhöhung und Idealisierung. Vielleicht sei die Verknappung erlaubt: Antike = Entblößung zugunsten der Erotik und des menschlichen Körpers, Mittelalter = Verhüllung, wobei die zunehmend enger geschnittene Mode auch erotisch zu verhüllen vermochte.

Aus den „Osterspielen“ des X. Jhs als bildhafte und bewegte Liturgie, in denen Kleriker die Rolle der Frauen auf dem Weg zum Grab Christi übernahmen, um dann das Osterereignis in lateinischer Sprache zu verkünden, entstand bald das „Weihnachts-“ oder „Krippen-“ und später das „Dreikönigsspiel“, das sich aus der Epiphanie-Liturgie zum 6. Januar entwickelte. Schauspiele in unserem Sinne waren es lange Zeit nicht, vom antiken Drama hatte man nur vage Vorstellungen. Doch im zunehmenden Maß wurden Nebenhandlungen eingefügt mit Herodes oder Pilatus und weiteren Ausschmückungen als eine Form „handelnder Bildwerke“. Gläubigen sollte die lateinische Liturgie erfahrbar werden. So nahm man an Karfreitag Christus vom Kreuz, setzte ihn in einer „Hl-Grab-Prozession“ bei, um ihn Ostersonntag wieder auferstehen zu lassen. Am Himmelfahrtstag konnte die Christusfigur durch ein „Himmelloch“, eine Gewölbeöffnung in der Kirchendecke, nach oben gezogen werden, z.B. in der ev. Stadtkirche von Wildungen oder in der Marienkirche Gelnhausens im Schlußstein der Vierung. Genauso wurden von dort Engel-Figuren herabgelassen. Erhalten hat sich in Kleve ein hölzerner bekleideter Christus-Korpus von 1476, stark ausgehöhlt, um Gewicht zu sparen, am Rücken mit zwei eisernen Ösen, um das Aufziehen zu ermöglichen. Auch die „Kindheit Christi“ oder „Leben und Himmelfahrt Mariens“ ist thematisiert worden, seit Mitte des XIII. Jhs werden „Zehnjungfrauenspiele“ erwähnt. Aus den in Latein gehaltenen geistlichen Spielen entstanden allmählich Schauspiele in Volkssprache, deren Aufführung mehrere Tage in Anspruch nahm. Aus den Kirchen traten die Spiele in die Öffentlichkeit des Marktplatzes. Ehemals werden die programmatischen Kirchenlettner, wie in Gelnhausen, ähnlich einer antiken Theaterbühne genutzt worden sein. Lettner waren hohe Architekturelemente, welche die frühmittelalterlichen niedrigen Chorschranken aufstockten, um die Gemeinde vom Chorraum zu trennen. Sie waren mit einer Empore ausgestattet, um Texte zu verlesen oder dienten als Sängerbühne. Im Laufe der Zeit wurden sie skulptural ausgeschmückt mit biblischen Szenen. Interessant für einfache Darstellungen sind z.B. die Lettner in Chartres von 1230c mit einem „Hirten“, ca 3 cm breiten Gürtel mit knielangem Zungenteil tragend, oder in Naumburg von 1245c mit der „Magd“, die Petrus verleugnet. Sie trägt einen ca. daumen-, bzw zollbreiten Gürtel, also gute 2,5 cm, der im Bauchumfang plastisch gestaltet aber im „ablaufenden“ Zungenteil nur auf der Kleidung aufgemalt wurde, mglw eine „Beifügung“ späterer Zeiten? Interessant ist ihre massive Mantelschließe, die aufgrund ihres Volumens kaum aus Buntmetall bestanden haben dürfte, sondern eher aus Horn, Bein, Holz, oder ähnlich preisgünstigem und archäologisch meist schwierig nachweisbarem Material [zum Lettner siehe G. Wilbertz, Die Marienkirche in Gelnhausen. Die blauen Bücher, S. 41], zum weiteren histor. Verlauf: Überlegungen zu Tafelbild und Schauspiel im SMA sowie Prozessionen und Aufführungen.

Auf dem breiten Feld der Buchilluminationen seien für die Darsteller der ländlichen Bevölkerung die Monatsbilder vermehrt entstehender Kalender empfohlen. Obwohl Gürtel hier selten thematisiert werden, zeigt doch die franz. Handschrift von Gautier de Coinci, „Miracles de Notre Dame1275c Bauern bei ihren Tätigkeiten mit hellen Gürteln, die bis zum Saum der knielangen Kotte reichen.


Magdeburger Stadtherrentochter 1240-50,

die Struktur des Gürtels weist auf Stoff hin,

Breite ca. 30 mm

Madonna“ Freiburg Ende XIII. Jh,

alternierend beschlagener Gürtel

mit Rauten und Streckern

Grabplatte der Anna Groß“, gest. 1294

Gattin eines Nürnberger Ministerialen (Wappen),

alternierend beschlagener Gürtel

mit Rauten und Streckern


2. Mode in der zweiten Hälfte des XIII. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen):

Gegen Jahrhundertmitte läßt sich anhand von Skulpturen an den frühgotischen Bauwerken der französisch-spätstaufische Modestil gut dokumentieren. Die hohen Herrschaften kleideten sich u.a. mit dem halboffenen Tasselmantel, zusammen gehalten durch zwei miteinander verbundene Scheibenfibeln, seit den ersten Jahrzehnten des XIII. Jhs in Italien und Frankreich zu belegen. Die herkömmliche Überbekleidung mit einer, meist mittig getragenen, Umhangschließe (Fibel oder Agraffe), verschwindet nicht, sondern bleibt im Bürgertum bestehen. Ein weiteres höfisches Element war der in die Zivilmode übernommene ärmellose Waffen- oder Wappenrock, der über der Kotte getragen werden konnte (franz. surcot), begründet in der Heraldik. Es gab Schmuckfibeln, die zentral auf dem surcot sassen, „Fürspane“ oder Vorspangen, durch welche man das Tasselband ziehen konnte. Frühe Quellen in Italien zeigen ärmellose surcots bei der staufischen Herrschaftsschicht, so daß man mglw seit den Allianzen um 1200 von einer neuen „franz-spätstaufischen Mode“ sprechen kann, unmittelbare Quellen auf Reichsgebiet nördl. der Alpen datieren etwas später. Der surcot hielt auch in der Frauenmode Einzug, wobei die hohe Dame darunter liegende Bekleidungen gürtete, gut sichtbar in den zur 2. Hälfte des XIII. Jhs grösser werdenden Armausschnitten, bald als „Höllenfenster“ bezeichnet. Ein wapenroc ist nicht gerade ein vorteilhaftes Kleidungsstück, so daß weibliche Reize erst durch die vergrösserten Ausschnitte mit enger Gürtung der darunter liegenden Kotte zur Geltung kommen. Einen Reitschlitz ließ der weibliche surcot selbstverständlich missen und auch männliche gefütterte Prunkvarianten wiesen ihn nicht unbedingt auf. Der Mann trug meistens den Gürtel über dem surcot, Ausnahmen finden sich u.a. bei „den Naumburger Grafen“, hier werden von einigen Kotten mit Gürtel, von anderen surcots ohne getragen, da eine Gürtung von den Schwertgurten vorgenommen wäre, die aber alle nicht angelegt waren. Der standesgemäße Tasselmantel ist bei allen obligatorisch.

Der bei mittelalterlichen Darstellern beliebte „Gürtel mit Überlänge“ (bis zum Schienbein) erfuhr erstmalig seine Ausformung, blieb als besonderer Schmuck der Gewandung auf die Oberschicht beschränkt! Wobei Frauengürtel in dieser Zeit manchmal recht hoch und betonend in der Taille sassen, vor allem Madonnenstatuen zeigen diese hohe Tragweise, um Gürtel mit Überlänge, als Ausdruck von Keuschheit und Reinheit, besondere Geltung zu verleihen. Nicht nur bei Mariendarstellungen galten sie als Zeichen der Unberührtheit, sondern ähnlich dazu werden in deutlicher Anspielung auch die Juncvrouwen-Gürtel der oft zitierten „Klugen und Törichten Jungfrauen“ an mittelalterlichen Domportalen zu verstehen sein, siehe Beispiel oben links Magdeburg. Dort wurden junge Töchter der adeligen Stadtherren dargestellt. Vorhandene Farbreste an der Gewändern in Gold und Rot verdeutlichen deren gehobene Stellung mit exklusiven Accessoires an Tassel-, Fibel- und Gürtelschmuck. Während die jungen Damen in Magdeburg Mitte des XIII. Jhs noch recht breite Formen zeigen, wie sie in der Regel auch Erwachsene trugen, wurden, nach dem Manessischen Ms, die Gürtel von männlichen und weiblichen Jugendlichen um 1300 deutlich schmaler, oft reich verziert. Grundsätzlich haben wir zum Ende des XIII. Jhs und um 1300 eine Phase, in der Gürtelzieren mit „Spenglin“ sehr beliebt waren, häufig mit alternierenden Formen. Aber wie bereits mehrfach formuliert sind sie nicht allein Ausdruck von Vermögen und gutem Geschmack, sondern Identifikationszeichen und werden deshalb überall, nicht nur auf Gürteln verwendet, vielfach in minderem Material beim Pferdegeschirr und den Sporenriemen, vorrangigen Standesabzeichen. Es besteht ein gewisser Repräsentationszwang, ausgeweitet auf das Gefolge. Im Laufe des XIV. Jhs sollten die Gürtelaccessoires immer länger gezogen werden und dadurch sehr schmal wirken, siehe z.B. die jüdischen Hochzeitsgürtel aus Erfurt gegen Mitte XIV. Jahrhundert. Grundsätzlich gilt es bezüglich der Mode, wie bereits mehrfach erwähnt, feiner abzustufen, denn es ist natürlich jede einzelne Generation, die an die Macht gekommen, neue Moden hervorbrachte und sich von der vorherigen distanzierte.

Die von viele heutzutage angewendete beliebte Schlaufung nach der Schnalle ist an den Oberschichtgürteln auf Abbildungen und an den Statuen des XIII. Jhs nirgendwo festzustellen. Unterschiedliche Schlaufmethoden sind wohl bereits seit dem FMA bekannt, auch beim Pferdegeschirr ist solches zu beobachten, sie unterscheiden sich jedoch von der modern angewandten Form und verdecken kein Schnallenblech. Im Laufe des XIV. Jhs ist die „moderne Variante“ zunehmend nachweisbar, aber sie ist nie (!) die Regel bei mittelalterlichen Gürteln.


3. Gürtelrekonstruktionen zur Darstellung gehobener Schichten 1250-1320c

= Typen, die gegen Mitte des XIII. Jhs aufkamen und sich teilweise bis in die ersten Jahrzehnte des XIV. Jhs hielten =

für Niederadel, bzw Dienstmannen (Ritter, Ministeriale) in gehobenen Positionen (A) üblicherweise mit Spenglin/Zierbeschlägen, bei vermögendem Bürgertum mit Eintrag in die Bürgerrolle und Grundbesitz in der Stadt sowie ratsfähigen Fernkaufleuten (B.2) vielleicht möglich, bei Handwerks-Meistern exklusiver Gewerke (B.3) fraglich, vermutlich eher im Laufe des XIV. Jhs, Baumeister-Darstellungen z.B. zeigen im HMA keine Spenglin auf dem Gürtel. Funde in Mindermaterial stammen nicht unbedingt aus der Sphäre niederer Schichten, sondern vom Zaumzeug und Pferdegeschirr vornehmer Personen und dessen persönlichem Gefolge, den Dienstmannen (C). Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung hohen Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber möglich, doch exquisite „höfische oder hochadelige Formenwerden auf dieser Seite nicht gezeigt, zu den Kategorien A-C siehe Ständegesellschaft HMA/SMA.

A


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OBERSCHICHT

Schwertgurt, Glasfenster Bremen 1250c

cingulum militare

Die traditionsgebundene Form des Schwertgurts findet sich bis Anfang des XIV. Jhs in der Malerei und an Skulpturen, siehe „Paulus“ des ehem. Portals der Liebfrauenkirche in Mainz von 1310c

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Schwertgurt_01 weiß oder sämischgelb Bindung „X“

[Detailbild saemisch, Leder nicht eingeschnitten]

montiert 85,00 EUR

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Burggraf von Rietenburg“ Manesse um 1310-20

Alternativ mit Bindung umgedrehtes Z“ möglich. Im Reich war das Bindesystem ohne Schnalle ein Standessymbol, Relikt aus vergangenen Tagen. In dieser Beziehung ist die Manesse traditionsbehaftet, da die Lebenswelt von Königen, Herzögen, Grafen, Freien Herren und Ministerialen dargestellt wird.

A

B




-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT









Kurze Schnallenbleche tendenziell bis zu den mittleren Jahrzehnten des XIII. Jhs, Zungendatierung zwischen 1230 und 1260

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XIII_009a_vs [Detailbild rotes Leder]

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_vs 12 x 3 cm

montiert 149,00 EUR vs -

-

XIII_008a_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 12 x 3 cm

montiert 129,00 EUR me -

A


-

OBERSCHICHT

XIII „Legende v St Denis“_Chartres 1260c

Vom Ende des XII. bis zum XIV. Jh. werden bei Männern vielfach längliche Formen von Bortenstreckern abgebildet.

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XIII_009a_me oder bz, 30 mm Riemen und Senkel_me oder bz 12 x 3 cm

129,00 EUR me / 135,00 EUR bz (Beutelhalter und Strecker „2610“ optional)



XIII_009d_me (Beutelhalter, Kreuzblüte „7047“ und Strecker „7008“ optional)

A

B




-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT









Kurze Schnallenbleche tendenziell bis zu den mittleren Jahrzehnten und längere in der 2. Hälfte des XIII. Jhs


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XIII_001a_me oder bz [Abb bz]

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_me oder bz 12 x 3 cm

montiert 149,00 EUR me / 155,00 EUR bz

-

XIII_009a_me oder bz_S [Abb bz]

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 12 x 3 cm, Ausführung bz mit verzierten Buckelnieten „S“ [einfache Nieten siehe oben]

montiert 129,00 EUR me / 135,00 EUR bz

A


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OBERSCHICHT

Manesse um 1310-20 mit Ministerialen-Darstellung in der Funktion eines Schenken vor dem Dienstherrn. Er trägt einen Gürtel scheinbar mit Riemenschieber, denn das Gürtelende ist zur Seite geschoben. Diese Tragweise war bereits seit den 1270-80er Jahren zu beobachten, Belege in Maria Laach, Nordhausen, Braunschweig, Strassburg, ua

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XIII_001a_me oder bz, 30 mm Riemen und Senkel_me oder bz 12 x 3 cm

149,00 EUR me / 155,00 EUR bz (Strecker „2610“ optional)



XIII_002b_me mit Schnallenzier „7047“, 30 mm Riemen und Senkel_me 12 x 3 cm

155,00 EUR me (auf Gürtel Kreuzblüte „7047“ und Strecker „2610“ optional)


z.B. 7061 vs

Verfügbare Streckerformen für Gürtelprojekte siehe Stoffgürtel mit Bortenstreckern und Zierbeschlägen

A


-

OBERSCHICHT









Die Schnallenbeschläge wurden in der 2. Hälfte des XIII. Jhs zunehmend länger, Original hier gegen Ende XIII./Anf XIV. Jh


-

XIII-XIV_010_vs [Detailbild quer]

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_vs oder bz 8 x 3 cm [hypothetisch]

montiert 149,00 EUR vs

-

XIII-XIV_010_bz [Detailbild quer]

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_bz oder bz 8 x 3 cm [hypothetisch]

montiert 129,00 EUR bz

A


-

OBERSCHICHT









Die Schnallenbeschläge wurden in der 2. Hälfte des XIII. Jhs zunehmend länger und erhielten nicht selten aufgesetzte Zieren


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XIII_002a_vs mit Schnallenzier „7029“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel_vs 12 x 3 cm [Zier mgl]

montiert 169,00 EUR vs

-

XIII_002b_me mit Schnallenzier „7047“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und Senkel mit Zier_me 12 x 3 cm

montiert 155,00 EUR me

A


-

OBERSCHICHT









Um 1300 erscheinen die in der gotischen Architektur verwendeten Paßformen erstmalig an Gürtelblechen


-

XIII-XIV_003a_me mit Zier „7029“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und langes Ortblech_me 10 x 3 cm

montiert 149,00 EUR

[Borte auf spezielle Anfrage, ansonsten Leder]

-

XIII-XIV_006b_me mit Zier „7092“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz/rot)

und langes Ortblech_me 10 x 3 cm

montiert 139,00 EUR

[ausgeprägte Paßformen Wende XIII./XIV. Jh]

A

B




-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT









schlichte abgerundete konvexe Zunge siehe Fund auf Isenburg, bzw. Neu-Isenburg vor 1288, Zier „7010“ ergänzt

[Veredlung in Silber auf Anfrage]

-

XIII_007e_me mit Zier „7010“

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 8 x 2,5 cm

montiert 135,00 EUR me

-

XIII_007e_me mit Zier „7010“

(Strecker „7009“ und Blüte „7010“ optional)

2.

Halb

XIII

Gattin des Niederadeligen oder höheren Dienstmanns (Ministerialen)

oval profiliert 2. Hälfte XIII. Jh.

z.B. Fund Burg Wartenberg/Hessen vor 1265, die hier verwendete Form ist etwas „geglättet“, zeitlich also ein wenig später



Fund „Rautenlilie“ orig. Raffenburg, Hagen/Westf.

Diese Lilienform fand als Stempelverzierung, vor allem nach erhaltenen Messerscheidenfragmenten in London und Schleswig zu schließen, einen gewissen Grad der Beliebtheit.



XIII_021f_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und verzierter Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 99,00 EUR

Rautenlilie „7034“ optional



XIII_021f_me

Strecker „7060“ optional

Ende

XIII

-

Anf

XIV


Gattin des höheren Dienstmanns (Ministerialen), des ratsfähigen Fernkaufmanns oder Handwerksmeisters





Schnalle mit kleinen Eckkugeln seit Mitte XIII. Jh nachweisbar, Magdeburg 1250c

auch an den Straßburgen Skulpturen 1280-90 findet sich dieser Schnallentyp noch recht häufig, ebenso in Nürnberg, „Grabplatte der Anna Groß“, gest. 1294, s.o.




XIII-XIV_016e_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und verzierter Senkel_me 4 x 2 cm

montiert 85,00 EUR

Eingekerbte Riemenzunge z.B. an der Holzplastik des Pfalzgrafen Heinrich II. in Maria Laach um 1275.

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]



XIII-XIV_021e_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

[hier natur geölt]

und verzierter Senkel_me 4 x 2 cm

montiert 85,00 EUR

2.

Halb

XIII


Hohe Dienstmannen (Ministeriale), „betuchte“ Bürger, Fernkaufleute, ratsfähige Handwerksmeister, nebst ihren erenbaeren Vrouven







Schnallentyp XIII. bis Anf XIV. Jh








XIII_000_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 9 x 2,5 cm

montiert 75,00 EUR



XIII_009e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen dunkelbraun

und Senkel_me 9 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR

XIII

-

XIV


Juncvrouve eines Edelfreien, Niederadeligen oder höheren Dienstmanns (Ministerialen)



Maness. Ms 1310-20 [312r]

die tanzende Juncvrouve, mglw die Tochter des edelfreien Herren, trägt einen reich beschlagenen schmalen Gürtel mit Überlänge






XIII-XIV_011g_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag und Senkel_me 4 x 1 cm

montiert 75,00 EUR

Blüten „Nr. 7025“ und Beutelhalter „W03“ optional

XIII-XIV_011g_me getragen

hier Riemen schwarz

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]

XIII

-

XIV


Juncvrouve eines Niederadeligen oder höheren Dienstmanns (Ministerialen)





Schnallentyp ab Mitte XIII. Jh








XIII-XIV_011a_me [leicht gekerbt]

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 69,00 EUR

- Spenglin nicht mehr lieferbar, Alternative vorhanden -

XIII-XIV_011a_me

mit Spenglin

XIII

-

XIV


Juncvrouve eines Niederadeligen oder höheren Dienstmanns (Ministerialen)





Schnallentyp XIII. bis Anf XIV. Jh






XIII-XIV_012e_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4 x 1 cm

montiert 75,00 EUR



XIII-XIV_011f_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4 x 1 cm

montiert 75,00 EUR

XIII

-

XIV


Juncvrouve eines Niederadeligen oder höheren Dienstmanns (Ministerialen)





Schnallentyp ab Mitte XIII. Jh, die hier u.a. verwendete späte Form mit ausgeprägten „Hörnchen“ Ende XIII./Anf XIV. Jh








XIII-XIV_013b_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen dunkelbraun

und Senkel_me 4 x 1 cm

montiert 69,00 EUR



XIII-XIV_011e_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4 x 1 cm

montiert 69,00 EUR







4a. Gürtelformen des einfachen Volkes 1250-1320c


Gürtel der niederen sozialen Schichten wird man als recht schlicht ansehen müssen. Oft wurde er auf Abbildungen durch die Taillenraffung der Kleidung nur angedeutet. Das würde einen schlichten kurzen Riemen implizieren, bei knielangen Männerbekleidung reichen sie, falls erkennbar, maximal bis zum Saum. Er wies mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Spenglin oder Zungen auf, bestenfalls kurze Ortbleche, das sollte sich erst in den nachfolgenden Jahrhunderten ändern (2). Details sind allerdings oft schwierig zu erkennen, wenn Abbildungen bestenfalls nicht mehr als ein Strich auf der Kleidung zeigen, als angedeuteter Gürtel, über das Knie nicht hinaus reichend. Möglicherweise hatte die Länge auch mit dem verwendetem Material zu tun. Der Adel konnte sich exklusive Stoffgürtel leisten, deren Länge variabel war. Rindslederhäute wurden von den Rot-/Lohgerbern in erster Linie für die Schuhsohlen gegerbt, so daß für Gürtel, vor allem bei den einfacheren Schichten wie seit der Spätantike und im FMA eher Leder von Ziege oder Schaf, aus der reichlich vorhandenen Kleintierzucht, mglw. auch Kalbsleder, den Vorzug hatte, wenn der Bedarf der Pergamenthersteller und Weißgerber gedeckt war. Hinzu gilt es zu bedenken, daß alle Nutztierarten durchschnittlich kleiner waren als unsere heutigen Rassen, damit waren die Häute kürzer und auch dünner. Erst ab 1350 trieb man jährlich zehntausende von Rindern aus Ungarn oder Dänemark ins Reich, die im Verhältnis grösser als unsere einheimischen Tiere beschrieben werden, so daß die Lederproduktion mglw. vollkommen verändert wurde, siehe dazu auch Seite XIV.-XV. Jh. Erhaltene Ledergürtelreste des Spätmittelalters konnten in Ausnahmefällen Stärken bis zu max 4 mm aufweisen, dazu wurden entsprechend grosse Tiere benötigt, meist liegen die Stärken zwischen 2 und 3 mm.






4b. Gürtelrekonstruktionen zur Darstellung des einfachen Volkes 1250-1320c

(für Handwerker, Krämer, Dienstmannen in mittleren Positionen, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Söldner, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen als aufwändige Variante, Schnalle ansonsten nur angenäht.

XIII

-

XIV




Dienstmann in mittlerer Position, Krämer, Handwerker









mit kurzen Schnallenblechen, statt den bei der Oberschicht üblichen länglichen Formen und kurzen Ortblechen als Abschluß




XIII-XIV_025f_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und kurzes Ortblech_me 2,5 x 3 cm

montiert 99,00 EUR



/

XIII-XIV_025d_me oder XIII-XIV_026e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

kurzes Ortblech_me 2,5 x 3 cm (Riefen od. eingeschnitten)

montiert je 90,00 EUR

Ende

XIII

-

Anf

XIV

Dienstmann in mittlerer Position, nebst Wib










länglicher Schnallentyp ohne Zier mit modisch länglicher Zunge oder kurzem Ortblech in Bronze



XIII-XIV_020c_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Ortblech lang_bz 6 x 2 cm

montiert 90,00 EUR



XIII-XIV_020d_bz

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Ortblech kurz_bz 3 x 2 cm

montiert 85,00 EUR

2.

Halb

XIII


Wib des einfachen Dienstmanns, Krämers oder Handwerkers







Schnallentyp „Perlstab“ ab Mitte XIII. Jh.

Schnallen mit Perlstab, profiliertem Dornrast oder kl. „Hörnchen“ blieben bis in die ersten Jahrzehnte des XIV. Jhs recht beliebt.



XIII_022a_me Kerbe

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 75,00 EUR



XIII_024a_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

hier Riemen natur, geölt

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 75,00 EUR

2.

Halb

XIII


Einfacher Dienstmann, Krämer, Handwerker, nebst seinem Wib oder der Juncfrouwe





Schnallentyp seit Mitte XIII. Jh






XIII_011a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 65,00 EUR



XII-XIII_030_me

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun),

ohne Ortblech,

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[hier provisorisch mit ungewachstem Leinenzwirn]

Ende

XIII

-

Anf

XIV

Wib des Dienstmanns, Krämers oder Handwerkers








Schnallentypen seit der 2. Hälfte XIII. Jh geläufig, Senkel oder Ortblech mit einfacher Zier



XIII-XIV_021a_me („Kerben“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm (gekerbt)

montiert 79,00 EUR



/

XIII-XIV_023a_me oder XIII-XIV_023d_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Senkel_me 6 x 2 oder Ortblech_me 3 x 2 cm (gekerbt)

montiert je 79,00 EUR

Ende

XIII

-

Anf

XIV

Wib des Dienstmanns, Krämers oder Handwerkers








Schnallentyp rechts seit Ende XIII. Jh geläufig, Senkel oder Ortblech



XIII-XIV_021d_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Ortblech_me 3 x 2 cm (gekerbt)

montiert 79,00 EUR



/

XIII-XIV_024a_me oder XIII-XIV_024d_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Senkel_me 6 x 2 oder Ortblech_me 3 x 2 cm (gekerbt)

montiert je 79,00 EUR




Die Jahrhundertwende wird modisch nicht als einschneidende Wende angesehen, sondern ein Wechsel erst zwei Jahrzehnte später angesetzt. Bis zur Mitte des XIV. Jhs tauchen eine Reihe neuer Formen auf, die in einem eigenen Zeitabschnitt betrachtet werden sollen, deshalb die Unterteilung.

Historischer Kontext 1320-1350:

Die franz Anjou, als Nachfolger der Staufer in Unteritalien, hatten Sizilien Ende des XIII. Jhs an Aragon verloren, doch erlangten sie 1306 die Thronfolge in Ungarn (3).Das Reich war zerrissen durch die Interessen mächtiger Adelshäuser, der Luxemburger, der Habsburger, der Wittelsbacher mit Königen und Gegenkönigen, durch die Ansprüche der weltlichen und geistlichen Kurfürsten, durch Päpste und Gegenpäpste, die alle um ihre Vorteile rangen. Heinrich VII. v Luxemburg (dt König bis 1313) hing dem imperialen Kaisertraum an, der seit den Staufern eigentlich ausgeträumt war, und nicht nur von Heinrich, sondern auch vom Reich teuer bezahlt werden musste, nach wie vor unglaubliche Ressourcen verschlang. Sein Sohn Johann, König von Böhmen, konnte sich als dt. König nicht durchsetzen, jedoch sollte er wiederum seinem Sohn Karl (den späteren IV.) den Weg ebnen. Wie alle Luxemburger Hochadelige genossen sie die in Europa weithin gerühmte Bildung durch den franz. Hof. Die enge Bindung an Frankreich ist auch der Grund, weshalb der blinde Johann auf einem franz. Schlachtfeld des 100jährigen Krieges sein Ende fand. Ludwig IV. der Bayer (reg. bis 1347), von den meisten Kurfüsten bevorzugt, musste fast ein Jahrzehnt mit dem Gegenkönig Friedrich d Schönen aus dem Haus Habsburg um den dt Thron kämpfen. Die Entscheidung fiel bei Mühldorf am Inn im Sept 1322. Ludwigs Kaisertraum brachte ihn mit den Päpsten in Avignon in Konflikt, soweit, daß der Papst einen Kreuzzug gegen Ludwig predigte!

Neue Mächte, wie England, Burgund oder Polen wussten ihre Chancen militärisch oder durch Heiratspolitik zu nutzen, gewannen politisch und ökonomisch an Bedeutung. Das Rittertum erlebte die letzte Blüte vor dem tiefen Fall und die Städte wurden immer mächtiger, nicht selten befehdeten beide einander. Der Aufstieg des Bürgertums war eine Entwicklung, die in Italien, Spanien und Frankreich ihren Ausgang genommen hatte und auch im Reich unumkehrbar war. Die Gesellschaft begann sich zu differenzieren und neue soziale Schichten forderten Mitspracherecht: Der selbstbewusste Bürger mit dem städtischen Adel, den Stadtministerialen und neu hinzu, reichen Kaufleuten sowie zünftisch organisierten Handwerksmeistern, siehe auch Bürger-Stadteinwohner. Städtebündnisse wurden zu einer festen politischen Größe im Reich. Die Gemeinwesen erkämpften sich Freiheiten gegenüber den Territorialherrn oder erlangten im Interesse des Königs Reichsunmittelbarkeit. Wohl standen sie auch untereinander in Konkurrenz, genauso wie alle gesellschaftliche Schichten, ein Motor für die Entwicklung in wirtschaftlichen und kulturellen Fragen.

Ähnlich der großen Wallfahrtszentren hatten sich auch Städte unter den Schutz von Heiligen gestellt, deren Reliquien in den Pfarrkirchen aufbewahrt wurden. Sie tauchten auf Stadtsiegeln symbolisch auf oder sollten, wie in Dortmund durch den mythischen Ritterheiligen Reinoldus seit Anf. des XIV. Jhs mit einem Holzbildhauerwerk verehrt, der Stadt Schutz gewähren.

Die Bevölkerungszahlen um 1300 werden für das Reichsgebiet auf rd 12,5 Millionen Menschen geschätzt, davon max 10 % in den Städten lebend. Um 1302 hatten von diesen Orten aber nur 50 mehr als 5000 Einwohner. Mainz, Augsburg und Speyer mit rd 25000, Erfurt mit 30000 und Köln mit 54000 Einwohnern waren die Großstädte. Zum Vergleich, Florenz hatte bereits 1265 ca. 60-70000 Einwohner (4).

1320-1350

- Hochgotik -

Cappenberg, 1310-30 (Graf Gottfried von Cappenberg, der zu Beginn des XII. Jhs lebte und dem als bedeutenden Stifter erstmalig Mitte des XIII. Jhs ein Grabmal errichtet wurde, das aber leider nicht mehr erhalten ist. Die hier gezeigte Ausführung stammt aus dem XIV. Jh. Inwieweit sie der ursprünglichen Fassung folgt, ist nicht zu sagen.)

[Der reich beschlagene Gürtel mit Überlänge ist zeitgemäß für die Wende um 1300. Erstaunlich ist der bisher früheste Beleg für eine recht „unbeholfene Schlaufung“ nach der Schnalle, die im XIII. Jh so bislang nicht nachweisbar war. Der Schwertgurt ist separiert, am Ende aber nicht aufgespleisst, um ihn zu knoten, sondern endet blank. Er muss also eine Schnalle aufweisen und damit haben wir in Dtld eine Ausführung des XIV. Jhs vor uns, denn geschnallte Schwertgurte, in Fkrch beim Adel schon länger üblich, erscheinen bei uns erst nach 1300. Auch die Schildform weist auf das XIV. Jh hin. Die Darstellung unterscheidet sich von der Variante zusammen mit seinem Bruder Otto, siehe unten, mit kurzen breiten Gürteln, als Kombination von Schwert- und Leibgurt.]

Inhalt:

5. Quellen

6. Mode in der ersten Hälfte des XIV. Jhs

7. Rekonstruktionen zur Darstellung gehobener Schichten

8a. Gürtelformen des einfachen Volkes

8b. Rekonstruktionen zur Darstellung des einfachen Volkes

_Gürtel mit Eisenschnallen XIII.-XIV. Jh

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vs = versilbert, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort




5. Quellen gegen Mitte des XIV. Jhs:

Die zunehmende Verstädterung verbessert unsere Quellenlage. Die Gotik fand immer weiter Verbreitung in unterschiedlichen künstlerischen Formen durch die Stiftungen solventer kirchlicher Vertreter, aber auch finanzstarker Orden, des Adels und vermehrt von Bürgern oder Zünften, die an den großen Gemeinschaftsprojekten mitwirkten. Manch weltliches Gebäude wurde im neuen Baustil errichtet, wie die repräsentativen Rathäuser als Ausdruck bürgerlicher Macht. Die reichen Tuchstädte Flanderns erlaubten sich in den nächsten Jahrzehnten wahrhaft „profane Kathedralen“ überall mit Maßwerk überzogen. Hier wurden u.a. Gerichtsversammlungen abgehalten, wenn Stadträte die städtische Gerichtsbarkeit übernommen hatten. Gab es keine grossen öffentlichen Gebäude tagten Magistrat, Zünfte, Gilden und Bruderschaften schon mal in den Bürgerkirchen, da diese Gebäude nicht nur klerikalem Nutzen dienten. „Gotische Formen“ fanden vielfach Eingang in die Alltags- und Sachkultur. Adeligen Stiftern großer Bauprojekte wurden Grabmalplatten und figürliche Plastiken erstellt, um ihr Gedenken zu erhalten. Die Ausstattung dieser Bildhauerwerke ist in dieser Zeit von der Gotik geprägt, auch wenn die Lebensdaten der Dargestellten weit zurück in der Vergangenheit lagen, manchmal bis in karolingische Zeiten reichten, als der Adel begonnen hatte Kirchen und Klöster, nicht ohne Eigennutz, zu stiften, siehe fränk. Eigenkirchensystem auf der Seite „IX-XI 800-1025“. Es war ein „Geschäft um das Seelenheil“. Stiftungen richteten sich vornehmlich an die Heiligen als Kirchenpatrone, welche gegenüber Gott als Fürbitter agieren sollten. Die Nähe zu den Heiligen wurde als wichtig erachtet, so daß die Errichtung eines Grabmals im Kirchenumfeld notwendig war. Zugleich ermöglichte man den Verstorbenen eine gewisse Präsenz in der Liturgie der Gedenk- und Messfeiern, den Lebenden zur Mahnung. Dazu wurde deren Namen und Todestage in Nekrologen (Totenbücher) aufgelistet, die zugleich Privilegien und Schenkungen an die Empfänger rechtlich festhielten, sie zur Abhaltung der Messen verpflichteten. Armenspeisung und Zuwendung an die Mönche konnten sich anschließen. Die Belege für große Altarretabeln mehren sich, wobei auf Reichsgebiet hölzerne Schnitz- und Wandelaltäre mit Flügeltüren bevorzugt werden sollten, während in Italien eher mit Gold und Rahmenwerk versehene Schaualtäre prunkten. Sie waren programmatische Zeichen der gesellschaftlichen Stellung der Stifter.

Auch sozial niedere Schichten fanden ein wenig mehr Beachtung in der künstlerischen Wiedergabe, natürlich in untergeordneten Rollen. In der Buchmalerei erhielt sich mit der Handschrift im Auftrag der Züricher Familie von Manesse ein besonderen Schatz. Die hier gezeigten Personen waren gehobenen Standes mit ihren Untergebenen, eine profane Handschrift ohne sakralen Hintergrund, statt Heilige also reale Zeitgenossen! Um zu erkennen, welche Methoden das MA in Abbildungen verwendet, mag die Darstellung der Schlacht von Mühldorf am Inn 1334 im Manuskript des Willehalm von Oranse ein Beispiel sein. Im Kontingent des Habsburgers Friedrich des Schönen befanden sich auch kumanische Reiter (östl. Nomaden), die in der Abbildung ein ungewöhnliches Aussehen erhielten durch die Andeutung von Schuppen(-panzern?) über dem Kettenhemd, spitzen Helmformen. Wolfsköpfen oder Tierfratzen auf Schilden und Bannern, hinzu bewaffnet mit einer Art gefiedertem Wurfspeer (?!). Die Scharen König Ludwigs von Bayern haben ein deutlich westlicheres Gepräge.

Vermehrt lassen sich schriftliche Quellen in Form von Zunft- und Kleiderordnungen heranziehen, so in Speyer und Frankfurt 1336 oder Göttingen 1340, bzw 1342 oder Nachläße, Rechnungen und Inventare, die zuweilen Gürtel beschreiben, wenn das Material kostbar war. Seit Ende des XIII. Jhs gab es die ersten nachweisbaren bürgerlichen Testamente. In Regensburg wurde in oberdeutscher Mundart 1308 ein silberner Gürtel als Erbstück erwähnt. Auch in Dortmund finden sich ab 1326 erste Quellen zur Stadtgeschichte in niederdeutscher Mundart und nicht ausschließlich in Latein.

Parteikämpfe des XIV. Jhs Aus dem Fehdewesen des HMAs, verleitet von Stolz, Ehre und Rachsucht, entstanden im XIV. Jh überall Parteikämpfe, wie sie in den Stadtrepubliken Norditaliens bereits an der Tagesordnung waren. „...In dem Maße, wie sich nun die Macht des Staates befestigt und ausbreitet, treten all diese Familienfehden gewissermaßen in ein bestimmtes Verhältnis zur landesherrlichen Gewalt; und nun ballen sie sich zu Parteien zusammen...“ [Huizinga, HdM, S. 18]. Das war Motivation für eine zunehmende Ausbreitung von Wappenfarben, Livrees, Emblemen, Abzeichen als Ausdruck von Fürstentreue, Interessengemeinschaft und Parteiung, bekannt z.B. das „Andreaskreuz“ der Burgunder oder der „Eber“ von York. Es galt deutlich Farbe zu bekennen. Das wurde nicht nur vom Gefolge verlangt, von den Herren mit viel Aufwand ausgerüstet, sondern auch als freiwillige Leistung von Bürgern, Sympathisanten, Parteianhängern erbracht. Der Einfluß auf die Mode war unverkennbar. Mehrfarbig gestreifte Kleidung in Stadtfarben oder nach Wappenfarben der hohen Herren verwiesen auf Dienstverhältnisse, je schmaler die Streifen, desto geringer der Stand, in den bebilderten Manuskripten des Sachsenspiegels ab 1300c gut ablesbar. Auch die Manesse zeigt deutlich Rangabstufungen. So ist der nicht-adelige und in seiner Zeit umstrittene Dichter Frauenlob wohl königlich „auf den Dichterthron erhoben“ [399r]. Diese Anmaßung wird aber durch sein Gewand relativiert und er selbst auf den Boden der Tatsachen zurück geführt, wo die Riege der Spielleute gleichfalls im mi-parti ein Ständchen gibt. Der mittelalterliche Betrachter weiss mit dieser „Saturnalie“ sofort, was Sache ist. Auch im Fall von Meister Johannes Hadlaub [371r] ging dessen Ansinnen mglw über den Stand hinaus, da er als Bürger von Zürich (erwarb 1302 Besitz am Neumarkt), wohl Ministeriale (Wappen, Gefolge, exklusives mi-parti) aber nicht ausreichend von Stand war und seine Angebetete bereits vergeben. Der „Pilgertrick“ funktioniert nicht, da sie Richtung Klostertor entschwindet.









XIII

-

XIV



Herr (Edelfreier) Dietmar von Aist, Manessisches Ms 1310n [64r]

Abb. zeigt Formen der sich in der zweiten Hälfte des XIII. Jhs verfestigenden „französ.-staufischen Moderichtung“

Als vorzügliche Quelle ist die in Abbildungen vielen zugängliche Manessische Handschrift aus Zürich bekannt. Sie wurde durch den Ministerialen/Ritter Rüdiger Manesse (gest. 1304) und nachfolgend seinen Sohn Johannes in Auftrag gegeben. Die Bilder im hochgotischen Stil ohne Räumlichkeit sind stark auf handelnde Personen reduziert und weisen einige Elemente des ausgehenden XIII. Jhs auf, eingeflossen sind Ornamente, die in der zeitgenössischen gotischen Architektur üblich waren. Neben standesgemässen und lang tradierten Formen (z.B. Binde-Schwertgurte) zeigt die Manesse aber auch Neuartiges. Im militärischen Kontext sind es Teile der Schutzbewaffnung, u.a. Schild- und Helmformen, im zivilen bsplw die Kopfbedeckungen mancher Männer, hier taucht eine Art Sendelbinde auf. Von der Mode und den Wappen nach sind die in der Regel prächtiger gekleideten Könige, Herzöge, Grafen, Edelfreien und Hofämter von einfachen Ministerialen und „Meistern“ zu scheiden. Stark beschlagene Gürtel werden von Männern genannter Schichten getragen, in einem Fall auch vom königl. Gefolge [303r]. Im Aufbau folgt die Manesse weitgehend der Heerschildordnung. Der Grundstockmaler arbeitete zwischen 1300 und 1315, Nachtragsmaler wohl bis 1340?

Kreuzabnahme“ ZürichAO Anf XIV. Jh

Links der adelige Josef von Arimathea und rechts der „bürgerliche“ Nikodemus mit Judenhut, beide (!) mit Beschlägen auf dem Gürtel. Bei den Darstellungen zur Grablege wechseln sie meist die Position, siehe dazu „Hl. Grab“ aus Frkft 1435 auf der ersten Seite/Quellen.


6. Mode gegen Mitte des XIV. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen):

Bei den erwachsenen Frauen ließ die Modesitte der surcots oft keine Gürtel sichtbar werden. Nur auf zwei Abbildungen der Manesse zeigen jüngere Frauen ohne Übergewand mit offenen Haaren einen stark beschlagenen Gürtel, Bildbeispiel siehe weiter oben abgebildete „Jugendliche Tänzerin“ eines Edelfreien [312r]. Das Interesse der Dame an einem solchen Kleinod auf der Abbildung oben links zum „Dietmar von Aist“ [64r], läßt vermuten, daß sie vielfach verdeckt unter den Surkots getragen wurden, wie es die spätere Mode mit den grossen Höllenfenstern durchaus belegt, also nur sichtbar waren, wenn dieser Teil der Oberbekleidung abgelegt wurde oder später eben weiter ausgeschnitten war.

Interessant sind die Gürtel von Nikodemus und Joseph von Arimathea auf dem Bildtäfelchen der „Kreuzabnahme“ im Kunsthaus Zürich aus den ersten Jahrzehnten des XIV. Jhs. Die Länge ist nicht zu beurteilen, da die Zungenteile durch die bewegte Gewandung verdeckt werden. Stoffgürtel konnten so lang sein, daß sie fast zweimal um den Körper geschlungen, aber wohl nicht unbedingt lang herabhängend getragen wurden, siehe „Hl. Florianvon 1320 in St. Florian, Österreich. Zur Züricher Kreuzabnahme ist anzumerken, daß beide Protagonisten sehr ähnlich ausgestattet sind, sieht man vom Judenhut des Nikodemus (Darsteller mit Zange), einmal ab. Beide tragen stark beschlagene Gürtel. In vielen späteren Darstellungen vergrößert sich die Kluft, während Joseph v Arimathea sein adeliges Gepräge behielt, wurde Nikodemus ein deutlicher Vertreter des Bürgertums, wie es biblischer Text und Legenden vorgaben. Es ist nicht unbedingt davon auszugehen, daß hier der „reiche Jude“ eine überzogene Darstellung finden sollte. Die beiden Protagonisten werden in den mittelalterlichen Quellen nicht verunglimpft und haben eine recht positives Image.

Vollkommen neue Formen von Schnallen und Senkeln erschienen erst in den 20er/30er Jahren des XIV. Jhs, deshalb die Rubrik „1320-1350“. Frauengürtel wurden teils sehr hoch, weit oberhalb der Taille, getragen, vor allem bei Mariendarstellungen bis etwa 1350 üblich, die Gürtellänge ist mit Jungfräulichkeit und Unberührtheit assoziiert worden. Die hohe Tragweise stilisierte lang gezogene Silhouette als Schönheitsideal. Ab Mitte des XIV. Jhs wurden Gürtel immer häufiger mit der uns so gewohnten „Schlaufung“ nach der Schnalle abgebildet, also die Tragweise, die von vielen Reenactern grundsätzlich verwendet wird. Zivile Gürtelteile waren im XIV. Jh recht lang und schmal. Dem gegenüber wirken Männergürtel im militärischem Kontext eher breit. Adelige Schwertgurte erhielten als novum auch auf Reichsgebiet Schnallen und konnten Zierbeschläge aufweisen.


7. Gürtelrekonstruktionen zur Darstellung gehobener Schichten 1320-1350c

Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber ist möglich.









1.

Halb

XIV

Die hergebrachte Form des Bindegurts wurde zunehmend ersetzt durch geschnallte Schwertgurte

Dom St. Viktor, Xanten, 1. Hälfte XIV. Jh

breiter Gurt mit einfachen stabförmigen Zieren. Der Waffenrock wird durch einen nicht genau definierten Leibriemen, etwas oberhalb, zusammen gerafft.



XIV_001_vm

40 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 5 x 4 cm

montiert 69,00 EUR

Riemenbeschläge „6269“ optional (Zamak)

[neue Schnallenausführung mit Blech vorhanden]

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]



Gottfried u Otto von Cappenberg 1324c



Der Schwertgurt ersetzt hier den Leibgürtel. Ähnlich zur Lettnerfigur aus Marburg, s.u., ist bei den Cappenberger Gurten eine Randverstärkung zu beobachten, Hinweis auf einen möglichen Textilgurt! Die Beschläge bestehen hier aus mehrstufigen Blattmustern.









1.

Halb

XIV



Adeliger Schwertgurt geschnallt





Einfache kurze Waffengurte finden sich auf den überlebensgroßen Skulpturen der Heerschildordnung mit König Ludwig dem Bayern und den sieben Kurfürsten, alle in Rüstung, vom ehem Kaufhaus Brand in Mainz 1330c. Sie zeigen schlichte quadratische und rechteckige Schnallenformen, nur in einem Fall mit Beschlägen und einmal mit deutlicher Überlänge zur Seite geschoben, ansonsten keine herab hängende Zungen. [Die Museumsdatierung 1317 vom LM Mainz scheint zu früh. Ludwig beurkundete den Mainzern in diesem Jahr wohl das Stapelrecht. Die Rüstungselemente datieren aber eindeutig später.]



XIV-XV_050d_me

40 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Bleche mit rundlichen Paßformen

und gr. Ortblech 2,5 x 4 cm

montiert 99,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]

Ehem. Lettnerfigur Elisabethkirche, Marburg 1320-30

In Westeuropa war der geschnallte Schwertgurt beim Adel schon lange gebräuchlich, siehe Kreuzritterbibel oder „Hl. Georg“, Kathedrale Chartres (5). Möglicherweise ist die Sitte im Zuge der Gotik aus Frkrch übernommen worden.







1.

Halb

XIV

Gattin des Niederadeligen, Ministerialen oder gehobenen Dienstmanns



Zunge ab 1. Hälfte XIV. Jh






XIV_013_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 11 x 1,5 cm

montiert 85,00 EUR



XIV_015_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Zierbeschlag und Senkel 11 x 1,5 cm

montiert 89,00 EUR







gegen

Mitte

XIV

Gattin des Niederadeligen, Ministerialen oder gehobenen Dienstmanns



Schnallentyp im Reich ab ca 1330 nachweisbar bis Anf. XV. Jh





XIV_012_me

Schnalle (siehe XIV_10_me)

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 11 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR

Blüte „7016“ optional



XIV_010_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 7 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR






8a. Gürtelformen des einfachen Volkes 1320-1350c


Diese Formen sind manchmal erkennbar an Werken der Steinmetzhandwerker oder an den gestifteten Glasfenstern der Zünfte in den neuen Kathedralen, zuweilen auf Buchilluminationen, falls mehr erkennbar ist als der übliche „Strich“, welcher die Kleidung symbolisch in der Taille raffte. Gürtel mit Überlänge wurden von den unteren Volksschichten nicht getragen. Die Männerkleidung hat ungefähr Knielänge. Im Luttrell Psalter von 1335v lugt das Zungenende eines Bauern als Sähmann so gerade aus der Schnalle, die Gürtel der Vogelfänger und die der Bogenschützen sind alle kurz, ohne jegliche Überlänge. Interessanterweise sind ihre Gürtel beschlagen. Allerdings sollten engl. Quellen mit Vorsicht genossen werden. Alleine durch den problemlosen Zugang zu kostengünstigem Zinn sind hier andere Möglichkeiten gegeben, als im zinnärmeren Dtld. Metallanalysen bei Pilgerabzeichen, die ein Massenartikel darstellten, zeigen auf dem Kontinent einen viel höheren Bleianteil als in England. Man streckte also das Material durch preiswertes Blei. So zeigen westeuropäische Abbildungen aus England und Frankreich auch bei den unteren Chargen, bei Kriegsknechten des 100jährigen Krieges beispielsweise, grundsätzlich einen höheren Anteil an Beschlägen als auf Reichsgebiet. Einfache Darstellungen in Frankreich werden z.B. in der „Chronik des Gilles li Muisis“ aus Tournai von 1349-53 thematisiert. Die Gürtel der Männer sind zwei bis drei cm breit, auch hier sind keine Überlängen festzustellen. Beschläge scheinen auf ein paar Exemplaren angebracht zu sein, meine Abbildungen und deren Kopien sind zur näheren Begutachtung allerdings zu schlecht. Taschenformen aus der Mitte des XIV. Jhs sind in dieser Quelle hingegen gut erkennbar.

Vorbilder für Kriegsknechte und Schergen bieten auch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Jesus-Gefangennahme und -Vorführung in Buchilluminationen und den allmählich detaillierter ausgearbeiteten Altarretabeln, wie bsplw. auf den Passionsretabel der Altäre in Klosterneuburg/Austria von 1330c oder in Heilsbronn südwestl von Nürnberg von 1340.


8b. Gürtelrekonstruktionen zur Darstellung des einfachen Volkes 1320-1350c

(für Handwerker, Krämer, untere Dienstmannen, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Söldner, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen als aufwändige Variante, Schnalle ansonsten nur angenäht.

Unten „Langläufer“ über gute eineinhalb Jahrhunderte: Gürtel mit Eisenschnallen XIII.-XIV. Jh





1.

Halb

XIV


Dienstmann in mittlerer Position, Krämer oder Handwerker





mit kurzen Schnallenblechen, statt den bei der Oberschicht üblichen länglichen Formen

Abschluß (Ort) kerbstrichverziertes Blech, Bspl London Nr. 591, zwischen 1270-1350 datiert.



XIII_029a_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und kurzes Ortblech_me 4 x 3 cm

montiert 110,00 EUR



/

XIII-XIV_026d_me oder XIII-XIV_026e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

kurzes Ortblech_me 2,5 x 3 cm (Riefen od. eingeschnitten)

montiert je 85,00 EUR





gegen

Mitte

XIV




Dienstmann in mittlerer und einfacher Position (re.), Krämer oder Handwerker, Söldner









Paßformen bei der Oberschicht seit Wende XIII./XIV. Jh, nach ein, zwei Generationen sicher nun auch bei den unteren Schichten möglich, jedoch mit kurzen Schnallenblechen, statt den modischen länglichen Formen




XIV-XV_040d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Bleche mit Paßformen, Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 110,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XII-XIII_030_me

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun),

ohne Zunge,

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[hier provisorisch mit ungewachstem Leinenzwirn]





1.

Halb

XIV


Wib des Dienstmanns in mittlerer Position, Krämers oder Handwerkers








Schnallentyp gefunden z.B. auf dem Schlachtfeld von Mühldorf am Inn 1334, Schnallenbleche leider nicht erhalten



XIII-XIV_021a_me („Schweif“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 79,00 EUR



/

XIII-XIV_021a_me oder XIII-XIV_021d_me („Schwalbe“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm oder Ortblech_me 3 x 2 cm

montiert je 79,00 EUR





1.

Halb

XIV


Wib des Dienstmanns in mittlerer Position, Krämers oder Handwerkers








Schnallentyp bereits seit der 2. Hälfte des XIII. Jhs geläufig



XIII-XIV_023c_me („Schwalbe“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und langes Ortblech_me 5 x 2 cm

montiert 79,00 EUR



/

XIII-XIV_023a_me („Schwalbe“ oder „Schweif“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert je 79,00 EUR





1.

Halb

XIV


Wib des Dienstmanns in mittlerer Position, Krämers oder Handwerkers











XIII-XIV_024a_me („Schweif“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm

montiert 79,00 EUR



/

XIII-XIV_024a_me oder XIII-XIV_024d_me („Schwalbe“)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 6 x 2 cm oder Ortblech_me 3 x 2 cm

montiert je 79,00 EUR







gegen

Mitte

XIV


Juncfrouwe und Wib des einfachen Dienstmanns, Krämers oder Handwerkers






Schnallentyp Langläufer

XIII. bis Mitte XIV. Jh,

die Zunge mit Eichel ist seit ca Mitte XIV. Jh nachweisbar



XIV_009_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und Senkel_me 7 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR



XIV_020d_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und gefalztes Ortblech 3 x 2 cm

montiert 75,00 EUR




Gürtel mit Eisenschnallen XIII.-XIV. Jh

Eisen, aus den Rennöfen gewonnen, musste durch Ausheizen und mühsames Schlagen erst von Verunreinigungen befreit werden. Durch Handhämmer wurde es zu viereckigen, relativ weichen, kohlenstoffarmen Barren, den sogenannten „Osemund-Stäben“ geformt und ging als Halbzeug in den Handel. Es war ein schmiedbares Schweißeisen, meist mit weniger als 0,1% Kohlenstoff-Anteil. Nur vereinzelt zeigen Funde eine grössere Stahlhärte von über 0,5% Kohlenstoff-Gehalt. War der Kohlenstoffgehalt zu hoch, wurde das Eisen spröde und brach leicht, war er zu niedrig konnte es sich verbiegen. Erst im SMA erfuhr die Stahlerzeugung einen schwunghaften Aufstieg, nicht zuletzt durch die Nutzung der Wasserkraft für den Betrieb von Blasebälgen und Hämmern, siehe dazu Exkurs Eisenproduktion vom HMA zum SMA.






Ausführungen in Schwarzmetall oder mit Weißmetallüberzug

D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Bei den Grabungen auf den Isenburgen in Hattingen und Essen, datiert 1226-88, war über 90% des metallenen Fundmaterials aus Eisen. Der Rest verteilte sich auf Buntmetall, Blei und Zinn. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten von Schnallen sind im HMA und SMA nachweisbar und gut geeignet für einfache Darstellungen, alle militärischen Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr. Wobei dazu auch Rollschnallen mit drehbarem Dornrast oder Hülsen in Gebrauch waren, wie sie heute noch verwendet werden.

D

E


-

Eis_20 flachstabig

20 mm Riemen ohne Zunge/Ortblech

Schnalle angenäht 35,00 EUR

-

Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen ohne Zunge/Ortblech

Schnalle angenäht 45,00 EUR

-

-

Eis_30 flachstabig

30 mm Riemen ohne Zunge/Ortblech

Schnalle angenäht 49,00 EUR

D

E


-

Eis_20 flachstabig mit Schnallenblech

20 mm Riemen ohne Zunge/Ortblech

Schnalle angenietet 39,00 EUR

-

Eis_30 quadratisch mit Schnallenblech

30 mm Riemen und Ortblech

montiert 90,00 EUR

-

Eis_30 flachstabig mit Schnallenblech

30 mm Riemen und Ortblech

montiert 90,00 EUR

D

E




-



Eis_30 flachstabig mit Schnallenblech

30 mm Riemen ohne Zunge/Ortblech

Schnalle angenietet 65,00 EUR

-

Eis_30 quadratisch mit Schnallenblech

30 mm Riemen und Ortblech rustikal verzinnt

montiert 99,00 EUR

[statt üblichem Schwarzmetall ein rustikaler Weißmetallüberzug von Zinn, Blechstärke hoch, Vorbehandlung umfangreich]

-

Eis_30 flachstabig mit Schnallenblech

30 mm Riemen und

Ortblech-Variante A (schmal)

oder Variante B (breit) [Detailbild]

montiert 99,00 EUR

[rustikaler Weißmetallüberzug im althergebrachten Schmelztauchverfahren mit flüssigem Zinn]






Fibelreplikate (Spangen) XIII.-XIV. Jh

Alle Fibeln können mit zwei unterschiedlichen Nadeltypen angeboten werden. Regulär wird die stabile Ausführung verwendet, wie auf den Abbildungen ersichtlich, sollten vielleicht Nestellöcher in der Kleidung erstellt werden, um den Stoff zu schonen [es vereinfacht hinzu das Anlegen der Fibel]. Originalkleidungsstücke zeigten alternativ auch kleine Schlingschlaufen. Auf Wunsch sind Ausführungen mit feiner Nadel zu erhalten. Sie dienen eher der Zier, wie zusätzliche viurspane/fürspane auf dem surcot getragen. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höchsten Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold ist möglich.





XIII


-

Spange für den Kragenschlitz

Kragenfibel mit häufiger Verbreitung

gegen Mitte und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs

[Haedecke Abb. 184]



XIII_Kragenfibel_me massiv

innen 2,2 cm / aussen 3,6 cm

20,00 EUR



XIII_Kragenfibel_vs massiv

innen 2,2 cm / aussen 3,6 cm

25,00 EUR





XIII


-

Spange für den Kragenschlitz



Raute“ nach Fuchsenhof/Austria gegen Mitte und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs



[Detailabb. me ungeschwärzt, stabile Nadelstärke erkennbar]



XIII_Rautenfibel_me oder bz geschwärzt

3,5 x 3,5 cm

20,00 EUR



XIII_Rautenfibel_vs geschwärzt

3,5 x 3,5 cm

25,00 EUR







XIII


-

Spange für den Kragenschlitz

Eva m Schlange“ Nordquerhaus Reims 1240c

östlich des Rheins erschienen „gotische Formen“ vermehrt ab der 2. Hälfte des XIII. Jhs, mit regional unterschiedlicher Übernahme



XIII_Vierpassfibel_me oder bz

innen 2,5 cm / aussen 3 cm

20,00 EUR



XIII_Vierpassfibel_vs

innen 2,5 cm / aussen 3 cm

23,00 EUR





XIII

-

XIV


-

Spange für den Umhang



Stern“ gegen Mitte und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs



auch als zusätzliche Schmuckfibel fürspan (Vorspange) auf dem surcot getragen möglich, durch welche(n) die Tasselschnur gezogen werden kann, auf Wunsch mit feiner Nadel



XIII_Sternfibel_me oder bz [Abb. me]

Innendurchmesser 2,5 cm

25,00 EUR



XIII_Sechspassfibel_vs

Innendurchmesser 2,5 cm

29,00 EUR





XIII

-

XIV


-

Spange für den Umhang



östlich des Rheins erschienen „gotische Formen“ vermehrt ab der 2. Hälfte des XIII. Jhs, mit regional unterschiedlicher Übernahme

auch als zusätzliche Schmuckfibel („Fürspan“) auf dem surcot getragen möglich, durch welche(n) die Tasselschnur gezogen werden kann, nur mit stabiler Nadelausführung

[Veredlung in Silber möglich für 29,00 EUR]



XIII_Sechspassfibel_me massiv

Innendurchmesser 4,5 cm

25,00 EUR



XIII_Sechspassfibel_bz massiv

Innendurchmesser 4,5 cm

27,00 EUR






Was nun folgte war die PEST, für uns bislang kaum vorstellbar, was sich dahinter an Leid, Elend und sozialen Verwerfungen verbarg. Die Welt wurde vollkommen ungekrempelt. Es sollte danach nichts mehr so sein wie es war...


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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

- Egan, G. u Pritchard, F. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London [DressLo], London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters [Fi], München Berlin 1971.

- Gr. Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse). Dig. Version Universitätsbibliothek Heidelberg 2004.

- Huizinga, J.: Herbst d. MAs. Studien ü. Lebens- u. Geistesformen des XIV. u. XV. Jhs in Frkrch u. i. d. Niederlanden [HdM] (1919), Stuttgart 1987

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik [KliM], Köln-Weimar-Wien 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Legner, A. (Hrsg.): Die Parler u d schöne Stil 1350-1400. Europ. Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellung Schnütgen Mus., Köln 1978.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik I 1320-1370, Wald-Michelbach 2000.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Preising, D./Rief, M./Villwock, U.: Skulpturenkatalog d. Suermondt-Ludwig-Mus. Bildwerke d. Köln-Lütt. Raumes 1180-1430 (Aachen oJ)

- Puhle, M. (Hrsg.): Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom u d späte Stauferzeit. Katalog Landesausstellung Sachsen-A., Mainz 2009.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zw. 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.


I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ Manche Projekte waren zu ehrgeizig und kostenintensiv. Was trieb die Bürger von Ulm dazu einen gigantischem Turm zu planen, der alle anderen überragen sollte? Die Stadt hatte eine Pfalz, war aber weder Bischofs- noch Fürstensitz und nicht einmal das Ziel großer Wallfahrten, welche Geld brachten, wie in Aachen oder Köln? Wohl sicherten diese Bauvorhaben Handwerkern und ihren Familien Lohn und Brot, den Bürgern und der Stadt Ansehen, auch dienten sie dem Wohlgefallen und dem Höchsten zur Ehr, falls „der liebe Gott in seinem himmlischen Schloß mal aus dem Fenster geschaut hat, aber meist hat er dazu vermutlich kaum Zeit, denn, wenn er sich verhält wie diejenigen, welche nach seinem Ebenbild geschaffen wurden, muß er ja kommunizieren, wahrscheinlich mit einem höheren Wesen...



2/ Schaut man sich das Ergebnis der Londoner Grabung an, ist der Anteil an gegossenen Zungen des XIII. Jhs aus dieser scheinbar „bürgerlichen Sphäre“ mit 4 Stücken begrenzt [Egan, DressLo, S. 126, No. 623 u 630 scheinen zu passen, No 612 u 767 ohne Abbildung von 12 bzw 21 mm Breite können Gürteln gar nicht zwingend zugeordnet werden]. Das zeigt wie spezifisch die Londoner Grabung zu betrachten ist mit extrem hohen Anteil an Objekten aus dem Pferdegeschirrbereich. Aufgrund dieser Quelle können dem gestandenen Londoner Bürger archäologisch kaum Zungen zugewiesen werden, noch viel schwieriger für niedere soziale Schichten. Für die Oberschicht ist verständlich, daß Objekte aus Edelmetall nicht einfach entsorgt wurden. Es gibt nur eine (!) Silberschnalle im gesamten Fundgut. Viele andere Objekte aus Buntmetall und vor allem aus Zinn stammen nicht aus dem Bekleidungsrepertoire, von daher ist der Titel des Buches irre führend, sondern vom Reitzubehör oder von Rüstriemen. Spenglin in situ haften nicht selten sehr schmalen stabilen Riemen an. Es sind Sporenriemen, siehe dazu Fußnote/Anmerkung unter Ständegesellschaft. Nur breite Formen, deutlich über 2 cm, bei den Spenglin nicht allzu viele, und mittelbreite Schnallen werden mglw relativ sicher Gürteln zugewiesen werden können. Ab dem XIV. Jh erweitert sich diesbzgl auch das Spektum an mittelbreiten Zungen und Ortblechen. Mit dem Lutrell Psalter gibt es für das XIV. Jh in England Abbildungen von Landleuten mit Spenglin auf dem Gürtel, Ausführung schwierig zu beurteilen, wohlmöglich Zinn? Es gilt zu berücksichtigen, daß wir auf der Insel diesbzgl eine gute Rohstoffversorgung und andere gesellschaftliche Verhältnisse haben, mit einem starken Freibauerntum, den Yeoman.



3/ Aus Ungarn stammen eine ganze Reihe bedeutender Gürtelfunde, die Ilse Fingerlin in ihrer Publikation von 1970 verwendet. Nach dem derzeitigen Forschungsstand kamen in Ungarn besondere Formen in die Gräber, die sich bei uns bislang nicht nachweisen lassen, da solch aufwändige Beigaben in Westeuropa selten waren. Ein Abgleich mit unseren Quellen gestaltet sich oft schwierig. Osteuropäische Formen unterscheiden sich in der Regel von den bei uns gebräuchlichen. Aber es ist denkbar, daß über den Hochadel eine gegenseitige Beeinflußung und ein Formenaustausch mit Westeuropa möglich gewesen ist.



4/ Diverse Angaben über Bevölkerungszahlen im Reich, auch auf den folgenden Seiten, aus D. Planck (Hrsg.): Archäologie in Baden-Württemberg. Das Archäologische Landesmus., Außenstelle Konstanz, Stuttgart 1994, S. 64. Henning ging 1972 nur von der Hälfte der Gesamteinwohnerschaft aus, siehe Henning, Das Vorindustrielle Deutschland 1972. Diese Zahlen stammen aus der Ausstellung des gleichnamigen Museums in Konstanz. Bevölkerungszahlen der Städte aus Puhle, Aufbruch in die Gotik, S. 461. Die Ausstellung im Stadt-/Zitadellenmus. Mainz nennt für das Jahr 1463 noch rd 5000 Einwohner, also ein ziemlicher Verfall dieser erzbischöflichen Stadt nach dem im Text erwähnten Hoch um 1250.



5/ In England gab es bereits erste Schwertaufhängungen mit Ringen und Haken, siehe Grab des Sir John de Creke_Westly Church von 1325. Der Randverstärkung und den Zieren nach zu urteilen, vermutlich ein mit Stoff überzogener Gurt.