V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV. / XV. / XVI. Jh

Historischer Kontext:

Als Folge der Pest scheinen sich die Macht- und Besitzverhältnisse deutlich geändert zu haben. Von den Wohlhabenden, die überlebten, wurden Prunk und Reichtum zur Schau gestellt, da ihnen schlichtweg viel Erbmasse zugefallen war. Kleiderordnungen dieser Zeit wurden mit großer Schärfe verfasst. Erst zum Ende des Jhs gab es einen Trend zur Schlichtheit. Nach den Dokumenten schürte prunkvolle Zurschaustellung die Kritik vor allem klerikaler Zeitzeugen. Die Pest hatte die Gesellschaftsstrukturen vollkommen gewandelt und mit hohen Menschenverlusten die Basis des Feudalsystems beschnitten. Überlebende der unteren Schichten sollten nun wissen was sie wert waren und begehrten auf, prangerten soziale Ungerechtigkeiten und Mißstände an. In England kam es Ende des Jhs zu Bauernaufständen, den „Peasent Revolts“, die dazu führten, daß dort innerhalb von zwei Generationen die Leibeigenschaft abgeschafft wurde!

Im Reich war die Königsdynastie der westeuropäischen Luxemburger fest im Sattel. Geprägt von ihrer traditionellen franz. Erziehung verbreitete sie auch franz. Modesitten an den dt Höfen und beeinflusste ebenso das Kunstschaffen in den Bürgerstädten. Dank Karl IV., der sieben Jahre in Paris erzogen und in erster Ehe mit einer franz Prinzessin aus dem Haus Valois vermählt war, durch seinen Vater mit der böhm. Krone beerbt, und seit 1347 auch dt. König, wuchs Prag zu einer Großstadt an der Peripherie des Reiches heran. Durch die Bauhütten der Parler entstand ein kulturelles Zentrum, das den neuen „böhmischen Stil“ als Hofstil Prags verbreitete, eine Symbiose aus regionalen und östlichen Elementen mit der franz. Kultur. Kennzeichen waren lang gestreckte manieristische Formen.

Nicht zuletzt durch Karl IV. wurde mehr Blick auf die östl. Höfe gewandt, erfuhr die Kultur der Böhmen und Polen europäische Aufmerksamkeit. Auch Ungarn, mit seinen magyarischen Wurzeln, schloß sich durch das Haus Anjou näher an Europa an.



1350-1400

- Spätgotische Formen -

aus einem Sammelband der Werke Guillaume de Machauts, Paris 1355-60

Zivile Leibgurte 1350-1400

Gürtel mit Eisenschnallen und Blechen

Beutel- und Taschenhalter XIII.-XV. Jh

Knieriemen XII.-XV. Jh


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die 2. Hälfte des XIV. Jhs:

Bedauerlicherweise kam es im XIV. Jh zu vielen Judenprogromen, die, durch die Pest angefacht, uns mit Hortfunden neue Quellen bringen sollten.1

Viele gesellschaftliche Positionen konnten nicht mehr besetzt werden, denn der „Schwarze Tod“ hatte alle Standesgrenzen überwunden. Dem Klerikerstand fehlte vielfach das gut geschulte Latein beherrschende Personal. Was zunächst so unbedeutend klingt, sollte aber gewaltige Folgen nach sich ziehen. Zur gesteigerten geografischen Mobilität der Gesellschaft kam nun eine soziale. Die bis dahin fest gefügte Ordnung wurde durchlässig für Personen aus weniger privilegierten Schichten, „Bildung wurde ins Volk gestreut“, um schnellstmöglich entsprechende Positionen zu besetzen. Das bedeutete „Sprengstoff“ in einer Gesellschaft im Umbruch. Umso stärker war man darauf bedacht im Äusseren durch Maßregeln den Schein zu wahren mit Kleiderordnungen, die regelten wer befugt war bestimmte Tuche, Schnitte und Accessoires zu tragen, wobei das Vermögen, bzw die Steuerleistung nach Bürgerrolle, darüber entschied. Die Erbmasse hatte auch bei den verbliebenen Bürgern eine Vermehrung der Sachkultur bewirkt, einher ging der Anspruch auf politische Mündigkeit durch den hohen Wirtschaftsfaktor, den Städte inzwischen darstellten. Dort konzentrierte sich der Reichtum. Nicht nur Prag, auch Städte wie Nürnberg erfuhren durch Karl IV. starke Förderung, das uns heute in Form von Skulpturen in und an den Stadtkirchen reiche Quellen zur Verfügung stellt. Durch die Kleiderordnungen versuchten weltliche und geistliche Machthaber ihre Positionen zu sichern, wobei im zunehmenden Maße auch die städtische Obrigkeit als Ordnungserlasser erschien.2 So wurden in Erfurt 1364 Junker wegen ihrer kurzen Kleider, langen Mäntel und Schnabelschuhen zu Geldstrafen herangezogen. Bei Zuwiderhandlung konnten auch, regional unterschiedlich „Mauerdienste“, zur Erhaltung der finanziell sehr aufwändigen Stadtmauer, auferlegt werden.








Mode in der 2. Hälfte des XIV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

In der zweiten Hälfte des Jhs. setzten viele Neuerungen ein. Frauen- und Männerkleidung ließ sich nun genauer differenzieren. Beim adeligen Mann hatte, ausgelöst durch militärische Entwicklungen, das kurze Gewand Verbreitung gefunden, von oberschenkel- bis knielang. Rüstungen mit Panzerelementen hatten das lange Kettenhemd ersetzt. Die neuen Rüstungsteile erforderten das kurze Gewand, das hauptsächlich von der adeligen jungen, waffenfähigen Generation übernommen wurde. Dadurch geriet die Beinbekleidung des Mannes ins Blickfeld. Mit den kürzeren Gewandformen begannen sich bei den Männern der Oberschichten auch die Gürtel allmählich bis auf Oberschenkel-, zuweilen auch Knielänge einzukürzen. Die Gürtel waren oft breit, wirkten massiv und schwer, mit grossen Beschlägen versehen, bis hin zum Metallgurt dem Dusing. Die überlangen Varianten aus der Wende XIII./XIV. Jh, wie in der Manesse oder Weingartner Liederhandschrift abgebildet, verschwanden, bis auf einige Beispiele bei speziellen ritualisierten Handlungen am Hof und in Adelskreisen oder historisierende Darstellungen, die noch überlange Gürtelformen erforderten, vor allem mit angehängtem Dolch über die Schulter getragen (Bspl. Abb. der Cortes von Barcelona Mitte oder Darstellung der Kurfürsten vor König Karl IV. aus Geldern Ende XIV. Jh).

Nicht nur die städtische Kleiderordnung entschied über das Gewand, sondern auch das Lebensalter. Zu festlichen Anlässen und in gehobener Gesellschaft, waren nach wie vor lange Gewänder Pflicht, beim Adel manchmal durchgehend geknöpft. Trotz der langen Gewandung blieb die Gürtelform mit Oberschenkel- bis Knielänge eher kurz. Provokant und schockierend präsentierten sich jugendliche Adelige gelegentlich bewußt ohne standesgemäßes Obergewand, um die eng anliegenden körperbetonten modischen Kurzgewänder zu zeigen. Das war dem Bürger aber noch lange nicht erlaubt. Es zeigten Stoff, Verbrämung, Kopfbedeckung und viele Details wer welchem Stand angehörte. Folgt man den zeitgenössischen Malern, dann liebten die Wohlhabenden um 1400 die Stoffülle mit reichem Faltenwurf.3 Diese Mode hielt sich noch eine gute Weile im XV. Jh und sollte als offizielle Kleidung des gestandenen Bürgers in den Städten lange vorherrschend bleiben. Der bürgerliche Mann trug dazu einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel oft mit schlichter runder oder eckiger Schnalle. War das Gürtelende länger als eine Handspanne, zeigten breite Gürtel gelegentlich die Schlaufung, ansonsten wurde es, bei den schmaleren Gürteltypen sowieso, meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben. Zur Zivilgewandung konnte von den Oberschichten auch der schwere Metall-Dusing getragen werden, wie der nun häufig thematisierte adelige Josef von Arimathea bei den Kreuzabnahmebildern zeigte. Sein „Partner und die helfende Hand“ war der einfacher gekleidete bürgerliche Nikodemus.

Auch die adelige Frau trug nun eine figurbetonte Kleidung. Durch Schnürungen und das vermehrte Setzen von Knöpfen war ein enger Sitz der Kleidungsstücke möglich. Brust, Taille und Hüfte wurden herausgestellt. Die Kirche wetterte gegen diese noch nie da gewesenen Freizügigkeiten. Ihre Attacken gegen die modischen Auswüchse stehen uns als Quellen aus den Protokollen der Konzile und Synoden zur Verfügung. Die Kirche versuchte, oft vergebens, auf die Gewandung Einfluß zu nehmen. Manchmal gelang es ihr auf Umweg über die Kleiderordnungen.4 Der Frauengürtel wurde auf recht unterschiedlicher Höhe getragen und war mit bis zu zwei Finger Breite etwas schmaler als die männliche Variante. Neben einer hohen Tragweise unterhalb der Brust und der auf Taillenhöhe, rutschte er allmählich auf die Hüfte und wurde bei der adeligen Frau oft durch die reiche Fältung des Übergewands verdeckt, kam nur durch die Höllenfenster zum Vorschein. Hier waren auch breite Metallgürtel möglich, oft kunstvoller verziert als der schwere ritterliche Dusing.

Leder, Stoff, Metall, alle Gürtelvarianten waren vorhanden. Es erweiterte sich das Spektrum an Gürtellängen und -typen erheblich. In der zweiten Hälfte des Jhs. tauchten gotische Architekturelemente vermehrt in der Alltagskultur auf, so auch beim Gürtelschmuck. Mglw ist dies eine Folge des Selbstverständnisses der sozialen Schichten, die zum Bau der Kathedralen im neuen Stil beitrugen.5 Gürtelapplikationen wurden nicht mehr zwingend verwendet um dünnes Trägermaterial zu stabilisieren, sondern konnten auch nur der reinen Zier dienen. Der Adel ließ seine Stoffgürtel auch mit Perlen besticken, unterstrich damit seinen gesellschaftlichen Rang.






Erfurt um 1360.




Gürtelformen des einfachen Volkes in der 2. Hälfte des XIV. Jhs:

Die immer kürzer werdende Männerkleidung der unteren Schichten, von Knie- auf Oberschenkellänge, brachte kurze meist relativ breite Gürtelformen mit sich, so tragen die Schergen der „Gethsemane-Szene“ des Magdeburger Chorgestühls von 1363 zwei bis drei Finger breite Gürtel von mittlerer Länge, die Zunge zur Seite geschlungen. Die Gürtel dargestellter Bauleute der „Konsolfiguren im Michaelschor“ der Frauenkirche zu Nürnberg von 1363 waren ein gutes Stück breiter. Auch die Knechte auf dem Berswordt-Altar der Marienkirche zu Dortmund von 1385 tragen ca 3 bis 5 cm breite Gürtel ohne Überlängen. Kriegsknechte des „Kalvarienbergs von Wittingau“ von 1380 zeigen maximal oberschenkellange zwei bis drei Finger breite Gürtel, ähnlich zur Abbildung in „St. Johann zu Taufers in Tirol“ von 1385 mit grossen runden rosetten- bzw plattenförmigen Beschlägen versehen.

Ausnahmen für einen Gürtel mit Überlänge, dessen Zunge also deutlich über den Gewandsaum ragt, finden wir bei Meister Bertrams „Grabower Altar“ urspl in der Petrikirche, heute Kunsthalle Hamburg von 1379-83 in der „Kain-Abel-Szene“! Kain ist hier ausgesprochen gut gewandet und trägt den überlangen Gürtel. Einer der Schergen hinter dem Hauptmann auf dem Altar zu Netze von 1365 trägt gleich zwei Gürtel, neben dem kurzen drei Finger breiten, teilweise reich beschlagenen oder bestickten, den sonst alle anderen handelnden männlichen Personen tragen, darunter auch schwere Dusinge, einen extrem langen beschlagenen dünnen Gürtel. Da dieser Gürtel so einmalig dasteht, wird man dahinter eine Aussage vermuten können, mglw. eine Unschuldsgeste, ähnlich bei Madonnen-Darstellungen dieser Zeit? Auf dem Hamburger Retabel ist auch die „Isaak-Esau-“, bzw. „Isaak-Jakob-Szene“ interessant. Esau wird des Vaters Segen verweigert, indes Jakob ihn erhält. Während der kriegerische Esau, mit Bogen, seinen Gürtel reich mit Metallbeschlägen versehen hat, findet sich im Gegensatz zur zivilen Darstellung bei dem jüngeren Jakob davon nichts. Für Marine-Liebhaber sei auch nebenbei auf die „Noah-Szene“ hingewiesen, wo Werkzeuge für den Schiffbau korrekt angewendet werden. In einer Stadt wie Hamburg wäre alles andere auch sehr unglaubwürdig.

Auf manchen Retabeln wurde die Szene des Kalvarienbergs zunehmend mit handelnden Personen aufgewertet. Für die einfachen Volksschichten rücken dabei die „Würfler“, die sich um den Rock Christi stritten, meistens rechts im Bildvordergrund, in unseren Betrachtungsschwerpunkt. Diese Szene wurde in der Buchillumination interessanterweise bereits Anf des IX. Jhs im Stuttgarter Psalter thematisiert, tauchte auf Retabeln in der 2. Hälfte des XIV. Jhs wieder auf und sollte ab der Jahrhundertwende zum XV. Jh dort nun unverzichtbarer Bestandteil werden. Auch den Schergen und Kriegsknechte bei Jesus Gefangennahme oder verschiedene Wächterfiguren, wie die am Grab Jesu sollten Beachtung verdienen.

Frauen der Unterschichten wurden in der Kunst eher selten abgebildet. Jugendliche Darstellungen mit offenen Haare trugen, ähnlich wie in der „Manesse“ (aber auch hier haben wir Oberschicht), eher schmalere Formen, ältere Frauen breitere. Aber das ist eine Grundsatzaussage, die sich durch das gesamte HMA/SMA zieht. Bei Mariendarstellungen verschwindet der Zungenteil unter den Gewändern, also sind auch Längenangaben schwer und Maria konnte relativ einfach dargestellt werden („Siehe, ich bin des Herrn Magd...“ Lukas 1,38), mutierte aber im Laufe der Zeit zur „Himmelskönigin“. Die Gattin des „Hl Serverus in der Severikirche“ zu Erfurt von 1365 (Oberschicht) trägt einen ca zwei cm schmalen Gürtel mit Zungenteil bis unterhalb des Knies. Eindeutig einfach gehalten ist der Gürtel der „Elisabeth v Thueringen“ auf einer Abbildung von 1390, daumenbreit, D-Schnalle und simple Zunge mit Zungenteil von max. Handspannenlänge. Ihre Gürtelformen sind in der Regel immer schlicht, oft meist nur einfache Stoffbindevarianten.

Grundsätzlich könnte Rindsleder nun in zunehmend grösseren Mengen als bisher zur Verfügung gestanden haben. Denn nach dem Tiefpunkt der Jahrhundertmitte des XIV. Jhs haben wir deutlich steigende Konsumentenzahlen. Zur Fleischversorgung der grossen Städte betrieb man von 1350 bis 1750 einen transkontinentalen Ochsenhandel. Der Beginn dieses Handels ist in der zweiten Hälfte des XIV. Jhs nachweisbar. Konkrete Zahlen liegen aber hptsl aus dem XVI. Jh vor.6








Gürtelrekonstruktionen 1350-1400

= Hier nun Gürteltypen, welche um die Mitte des XIV. Jhs aufkamen =










2.

Hälfte

XIV



Bürger und Bürgerin


Typ ab ca 1330 nachweisbar bis Anfang XV. Jh



Zunge ab 2. Hälfte XIV. Jh



XIV_021_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 8,5 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR



XIV_027_me

[lange Bleche sind im XIV. Jh recht häufig]

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 8,5 x 1,7 cm

montiert 79,00 EUR

Spenglin „Nr.7021“ optional










2.

Hälfte

XIV



Bürger und Bürgerin



Typ mit festem Schnallenbeschlag 1350-1450

6,5 x 3,5 cm, me für 20 mm Riemen



XIV-XV_012_me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm (Fund Ende des XIV. Jhs)

momentan nicht lieferbar




XIV-XV_015_me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 2 cm (Fund Ende des XIV. Jhs)

montiert 75,00 EUR












2.

Hälfte

XIV





Adel und Patriziat Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und gehobenes Bürgertum



Riemenzunge 2. Hälfte XIV. bis Anfang XV. Jh






XIV_026_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallenform seit Wende XIII./XIV. bekannt, Blech zeitgemäß

und Senkel 5 x 2 cm mit Vierpaß

montiert 75,00 EUR



XIV_025_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,5 x 1,7 cm

montiert 75,00 EUR










2.

Hälfte

XIV





Adel und Patriziat Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und gehobenes Bürgertum



Riemenzunge 2. Hälfte XIV. bis Anfang XV. Jh






XIV_030_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallenform seit Wende XIII./XIV. bekannt, Blech zeitgemäß

und Senkel 5 x 2 cm mit Vierpaß

montiert 79,00 EUR



XIV_033_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm mit Vierpaß

montiert 79,00 EUR










2.

Hälfte

XIV






Adel und Patriziat Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und gehobenes Bürgertum



XIV_035_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,5 x 1,7 cm

montiert 79,00 EUR

Spenglin „Nr. 6537“ optional

Tragweise überlang








2.

Hälfte

XIV




Festtagsgürtel Bürgerin



Quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln z.B. Madonna in St. Jakob/Regensburg 1360c, Severikirche Erfurt 1365, Lauterbach 1370-80, Lorenzkapelle Rottweil 1375c,



XV_149_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR



XV_150_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR









Eisenschnalle Fränk. Schweiz XIV.-XV. Jh

Schnallen und Zungen aus reinem Zinn oder Zinn/Blei-Kombinationen werden in London nicht vor dem späten XIV. Jh datiert. Allerdings wurden Buntmetall- und Eisenschnallen bereits seit dem FMA verzinnt und ihnen ein silbriger Glanz verliehen als Rostschutz und optische Wertsteigerung.



Gürtelrekonstruktionen mit Schnallen aus Eisen



Eisenschnallen tauchen bei Siedlungs- und Burggrabung auf. Jeder Dorfschmied konnte sie erstellen. Für das SMA und die frühe Neuzeit ist belegt, daß auch viele Bauern ihr Gebrauchsgut selbst fertigten, aufgrund des Vertriebs von Halbzeugen, die sie entsprechend weiter verarbeiteten. Geschwärzte flach geschmiedete Eisenschnallen finden sich auf meiner Seite IX.-XII. Jh. Es hatte sich im Laufe des Mittelalters grosse Eisenproduktionszentren entwickelt, wie im Siegerland, im südlichen Westfalen, in der Oberpfalz, im Thüringer Wald, in Kärnten oder in der Steiermark.7 Wie bereits in vielen anderen mittelalterlichen Gewerken machte man sich ab dem XIV. Jh auch hier die Wasserkraft zu nutze, wie sie die Römer zum Kornmahlen verwendet hatten und sich für diesen Zweck seit dem X./XI. Jh überall verbreiteten. Bislang bestimmten die Erzvorkommen und ausreichend Wald für die Verkohlung eine Rolle, nun aber wanderte das Hüttengewerbe von den Höhen in die wasserführenden Täler und wurde zum Standortfaktor Nummer Eins. Wassermühlräder trieben die Blasebälge an, erhöhten so die Ofentemperatur und schonten die menschliche Kraft durch den Antrieb der Pochhämmer, auch die Klingenschleifer sollten davon profitieren. Grössere Öfen wurden errichtet, so daß nun sogar „Flosseisen“ gewonnen wurde durch die Erniedrigung des Schmelzpunktes und erhöhte Aufnahme von Kohlenstoff. In Rennöfen war lediglich die Schlacke flüssig geworden. Die neuen Verfahren ermöglichten die starke Aufkohlung, Verstählung und lieferten härtere Eisenprodukte. Stahl kannte man bereits schon lange, wurde aber bislang nur für hochwertige Objekte in der Waffentechnik verwendet. In der Wende zum XV. Jh konnte nun bei vielen Eisenprodukten der Karbonanteil auf über 0,5-0,8 % gesteigert werden.8 Stahl war widerstandsfähig, so daß Rüstungsteile z.B. dünner und gewichtsmässig leichter produziert wurden, Klingen zum Hieb und Stoß gleichermassen taugten. Ein neuer Schub in der Kriegstechnik...

In London fanden sich eine Reihe Eisenschnallen in D- oder in rechteckigen Formen, das Gros zwischen 20 und 40 mm Breite. Oft waren sie in der Oberfläche verzinnt. Als Zungen gab es einfache umgefalzte Eisenbleche, ebenso mit leicht silbrigen Glanz, wobei die Riemenbreiten hier zwischen 6 und 30 mm variierten. Diese Riemen wurden also nicht nur für Gürtel, sondern auch für alle möglichen Rüst- und Ausrüstungsteile, sehr schmale Ausführungen ab Anf. des XV. Jhs wohl auch für das Schuhwerk genutzt, hier wurden sie zu kleinen Zinn/Blei-Schnallen getragen.9 Zungen spielten allerdings eher im militärischen als im zivilen Bereich eine Rolle, denn die Riemen mussten strapazierfähiger sein, deshalb die Verwendung von Eisen. Im zivilen Bereich dominierten in der bürgerlichen Sphäre Kupferlegierungen, manchmal verzinnt (tin coated) oder aus Zinn/Blei-Legierungen.

Nicht selten wurden metallene Lochverstärkungen (Dornösen) aus Zinn oder Eisen gesetzt, wie auf dem Bild hier gezeigt. Vor allem im Spätmittelalter finden sich diese Verstärkungen auf Abbildungen recht häufig. Auf Anfrage können sie bei allen Gürtelvarianten gesetzt werden.

Es finden sich unten eine Reihe von Riemen mit diversen Eisen-/Metallkombinationen:






XIV

-

XV






Bauer, Handwerker und Söldner



einfache D-förmige helle Schnallen aus Eisen oder Eisen verzinnt bei der einfachen Bevölkerung um 1400, auch komplett runde Varianten möglich, siehe oben, Fund aus der Fränkischen Schweiz. Die Schnallen wurden vermutlich angenäht und nicht mit Blechen befestigt.



X-XV_25-30_eis rund

Rundstabige Eisenschnallen, Leder Grubengerbung natur

X-XV_20eis rund an 20 mm Riemen montiert 35,00 EUR

X-XV_25eis rund an 25 mm Riemen montiert 39,00 EUR

X-XV_30eis rund an 30 mm Riemen montiert 45,00 EUR

Rundstabige eiserne Schnallen sind auf Anfrage in folgenden Breiten möglich: 20/25/30/40 mm.






XIV

-

XV




Bauer, Handwerker und Söldner

Nicht nur im militärischen Bereich, bei Rüst- und Sporenriemen wurden als Zungen und manchmal auch zur Befestigung der Schnallen einfache unverzierte Bleche mit gerader Kante gesetzt, London Nr. 595, 1350-1400.

Der gerade Kantenabschluß findet sich genauso noch im XV. Jh.




XIV-XV_20_eisst

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 65,00 EUR



XV_103_eisstzi

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 65,00 EUR










XIV

-

XV



Bauer, Handwerker, Söldner, Bürger



Die kerbstrichverzierte Zunge London Nr. 591, wird zw. 1270-1350 datiert und weist eine gerade Kante auf. „Schwalbenschwänze“ mit rundlich geschweiften Paßformen bei Schnallenblechen und Zungen finden sich hptsl. im XIV. und vereinzelt noch im XV. Jh.




XIV-XV_25_eisvs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Eisen, Beschlag und Senkel Eisen verzinnt

montiert 79,00 EUR

[Probestück, noch nicht vernietet]



XIV-XV_25_eisst

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Eisen, Beschlag und Senkel Zinn

montiert 79,00 EUR






XIV

-

XV





Bauer, Handwerker, Söldner, Bürger



XIV-XV_30_eisst

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR



XIV-XV_40_eisst

40 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 95,00 EUR









Beutel- und Taschenhalter XIII.-XV. Jh

Diese Halter dienten dazu das „teschelin“ oder franz. „bourse“, den Almosenbeutel am Gürtel zu befestigen. Frühen Abbildungen nach sind sie zunächst dem Adel zuzuordnen. Das Verteilen von Almosen war keine reine Nächstenliebe, sondern resultierte aus der Furcht der Wohlhabenden vor dem Fegefeuer und diente der Rettung des eigenen Seele, neben finanziellen Leistungen in sozialen Belangen zählten dazu auch Sach- und Güterstiftungen, oder Stiftungen für Messen und Gebete. In den Stadtgrabungen, also in der bürgerlichen Sphäre, tauchen die Halter erst im XIV. und XV. Jh auf.










XIII

-

XV








W01_zi

ca. 2 cm im Duchmesser

für Riemenbreiten ab 20 mm

10,00 EUR

[eine der ältesten archäolog. nachweisbaren Formen, siehe London Nr. 1193]



W02_me

Raute ca 3 cm hoch + Befestigung

für Riemenbreiten ab 15 mm

20,00 EUR

[Datierung ins XIII.-XIV. Jh nach ähnlichen zeitgleichen Rauten-Schlüsselformen]



W05_me

ca. 2 cm Durchmesser mit unterschiedl. Aufhängungen

Riemenbreiten ab 15 mm möglich

je. 15,00 EUR

[einfache Ringformen bereits seit der Antike mit röm. Ausrüstung in Gebrauch, kommen auch bei archäolog. Stadtgrabungen in mittelalterlichen Horizonten des XIV.-XV. Jh zutage, manchmal paarig angebracht auch mit kurzen Kettenstücken für Taschen]








XIII

-

XV



M05_me

5 cm lang

für Riemenbreiten von 15 bis 30 mm

nicht mehr lieferbar – neues Modell




M07_vz

5,5 cm lang für Riemenbreiten ab 20 mm

35,00 EUR

[archäologisch in der bürgerlichen Sphäre Londons ab dem XIV.-XV. Jh nachweisbar, vorher, Abbildungen nach, ausschließlich vom Adel getragen]




M06_me

7,5 cm lang für Riemenbreiten ab 30 mm

35,00 EUR stabile Vollmessingausführung

auch in Bronze erhältlich (XIII-XIV_M07_bz)

[einfachere Ausführung, aber in der Form ähnlich zum Halter im Grab des kastilischen Infanten, gest. 1275, Strecker ähnlich zu denen der Madonna in Mainz 1250c]








XIV

-

XV




W04_me

für Riemenbreiten ab 15-20 mm

nach Fund London Nr. 1192

15,00 EUR



W03_me

ca. 1,8 cm im Durchmesser

alternativ mit Befestigung „Rosette“ oder „Zierstab“

für Riemenbreiten 10 bis 20 mm

je 15,00 EUR




W05_me

ca. 3 cm im Duchmesser

für Riemenbreiten 10 bis 20 mm

20,00 EUR

[gotische Mehrpaßformen im XIV. und XV. Jh.]








Knieriemen XII.-XV. Jh

Knieriemen des XI. bis XIII. Jhs sind für den heutigen Betrachter nur schwierig zu erfassen. Denn auf Abbildungen werden sie im zivilen Bereich nicht gezeigt und ähnlich wie Unterwäsche behandelt. Das einfache Volk mochte Unterwäsche zeigen, für alle übrigen galt es als unschicklich. Einfaches Volk wurde aber nur selten detailliert abgebildet. Knieriemen mögen getragen worden sein, wie es bereits seit Jahrhunderten üblich war, als Derivat der aufwändigen Wadengarnituren vor allem bei den Frauen im VII. Jh, aber auch bei Männern zu karolingischen Zeiten. Durch die kürzeren Männertuniken nach „fränkischer Tracht“ waren sie damals deutlich sichtbar, in den nachfolgenden Jahrhunderten wurden sie von der längeren Gewandung der gehobenen Schichten verdeckt. Erst mit dem kurzen Gewand im XIV. Jh wurden sie mit den Beinkleidern wieder sichtbar zur Schau zu stellen. Sie bekamen sogar besondere Bedeutung, man denke nur an die Gründung des „Hosenbandordens“ (Order of the Garter) durch Edward III. Mitte des Jhs, nach der Schlacht von Crecy. Das Band war aus Seide (26 hochadelige Mitglieder) und keineswegs aus „blauem Leder“, wie in einer TV-Dokumentation behauptet wird. Für das XV. Jh mehren sich die Belege an Knierriemen, siehe „Monat Februar“ in den Tres Riches Heures von 1412-16, „Monat Oktober“ im Stundenbuch des Berry vor 1416, das Martyrium der Hl Margareta von 1445c im Domschatz zu Eichstaett, die Oswaldlegende 1485v im Belvedere Wien oder den Rochus-Sebastian-Altar von 1499 in der Lorenzkirche zu Nürnberg. Hinzu kommen die heruntergerollten Beinlinge der unteren Volksschichten auf vielen Abbildungen, die ohne Knieriemen kaum halten würden.

Aus dem militärischen Bereich gibt es im Zusammenhang mit Rüstzeug für das XII.-XIII. Jh Belege, wie aus den Psalterfragmenten Abraham u Melchisedech Berlin AO und London AO beide aus dem XII. Jh, Abb. mit Rüstzeug vom Klosterneuburger Altar des Nikolaus v Verdun 1181, aus der Biblia Sacra_151v vor 1175 oder „Goliath“-Darstellung vor 1230 aus dem Bamberger Psalter_63r, dort tragen beide Gerüstete weisse Schwertgurte und braune Knieriemen. Auch zum „Torso eines Ritters“ vom Ende des XIII. Jhs [Skulpturenkatalog Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, S. 23] wird erwähnt, daß am rechten Bein über dem Kettenbeinling in Kniehöhe ein umlaufend erhabenes ringförmiges Band erkennbar war.10 Eine Bauer-Darstellung aus dem De Civitate dei, Schulpforta von ca. 1180 trägt seine lange Bruche ohne Beinlinge deutlich sichtbar unter dem Knie zusammengebunden.11








Knie

riemen




Knieriemen_002_me

10 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

und kleinen Zungen

montiert 45,00 EUR



Knieriemen_003_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh mit Blechen

und kleinen Zungen

montiert 59,00 EUR



Knieriemen_006_vs od. bz

15 mm Riemen (alaunweiss)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

versilbert oder Bronze

montiert 39,00 EUR

[Zungen mgl.]








Knie

riemen



Knieriemen_010_eis

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-förmige „zeitlose“ Eisenschnallen angenäht

ohne Zungen

montiert 35,00 EUR



Knieriemen_005_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

ohne Zungen

montiert 29,00 EUR

[Zunge mgl. siehe Knieriemen 002 od 003]



Knieriemen_007_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIV.-XV. Jh angenäht

ohne Zungen

montiert 35,00 EUR

[Zunge mgl. siehe Knieriemen 002 od 003]








Quellen und weiterführende Literatur:

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Legner, A. (Hrsg.): Die Parler u d schöne Stil 1350-1400. Europ. Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellung Schnütgen Museum, Köln 1978.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik II 1370-1420, Wald-Michelbach 2003.

- Liebhardt, W.: Zum Internationalen Ochsenhandel im südbayerischen Raum. Kulturspiegel Altomünster, Ausg. 33, 2009.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterlichen Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Loades, M.: The Longbow, Osprey Weapon 030, Oxford 2013.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.








V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XV. / XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Juden, die vorher aus England und Frkrch vertrieben worden waren und sich in Dtld eine neue Heimstatt erhofft hatten, begannen nach nur zwei Generationen in Massen nach Polen und Litauen auszuwandern, da der versprochene Schutz durch die Obrigkeit nicht ausreichend gewährt wurde. So unterstützte Karl IV. bsplw die Nürnberger Bürgerschaft, gegen die innerstädtischen Juden, die eigentlich unter seinem Schutz standen. Das Ergebnis war ein geräumtes Stadtviertel zur Errichtung des neuen Marktplatzes und der Frauenkirche. In Würzburg ergab sich eine ähnliche Situation. In vielen Fällen sorgte die Abwanderung für eine Schwächung der regionalen Wirtschaft, den Abzug von Kapital und einen Verlust an kulturellen, kaufmännischen und handwerklichen Fähigkeiten, die einst zum Aufstieg der Städte mit beigetragen hatten.

2/In der Züricher Kleiderordnung von 1357 durfte der Wert eines Frauengürtels fünf Pfund Pfennige (also 5 x 240 Pfennige, eine ordentliche Summe!) nicht überschreiten, auch Gewänder mit aufgenähtem Gold, Silber und Edelsteinen waren verboten. Den Männern wurde die Länge der Kapuze festgelegt und das Tragen von gestreiften Beinlingen und die Zaddeltracht untersagt. Auch angesehene Mitglieder des Patriziats waren in Nürnberg Ende des Jhs. nicht von Strafen ausgenommen, wegen zu schwerer Gürtel oder zu schwerer silberner Ketten, zu kostbarem Schleier, zu weiter Ärmel, wegen eines seidenen Wamses oder eingenähtem seidenen Futter. In Göttingen wurden 1354 allen Frauen, die mehr Geschmeide trugen, als erlaubt war, die silberne Gürtel oder pelzgefütterte Mäntel ihr Eigentum nannten, eine finanzielle Beteiligung der städtischen Pferdehaltung auferlegt, siehe H. Kühnel, Alltag im SMA, S. 46-48.

3/Limburger Chronik 1389: „Auch führten Ritter, Knechte und Burger lange Schecken und Scheckenröcke geschlitzet hinten und neben, mit großen weiten Armen, und die Prischen an den Armen hatte eine halbe Elle und mehr. Das hing den Leuten über die Hände. Wann man wollte schlug man sie auf...fürder trugen die Manne Arme an Wamsen, an Schopen und an anderer Kleidung, die hatten Stauchen beinah bis auf die Erden, und wer die allerlängsten trug, der war ein Mann. Die Frauen trugen behemsche Kogeln, die gingan da in diesen Landen. Die Kogeln stürzete ein Fraue über ihr Haupt, und stunden ihn vorn auf zu Berge über dem Haupte, als man die Heiligen malet mit Diademanten (Heiligenscheine).“ [zitiert aus Parler III, S. 138]

4/Wie sehr die Kirche sich durch ihre Maßregeln den Zorn der Bürger zuziehen konnte, ein Beispiel aus der Zeit der „Albigenserkreuzzüge“. 1211 wurde auf dem Konzil zu St. Gilles gegen die Einwohner der Grafschaft Toulouse verfügt, daß alle Bürger und Adeligen fortan keine modischen Kleider mehr tragen durften, sondern nur noch grobgewebte dunkelbraune Kutten, da sie, allen voran der Graf von Toulouse selbst, die Häretiker unterstützt und sich unbotmäßig gegenüber den Weisungen des Papstes gezeigt hatten. Neben anderen päpstlichen Maßnahmen verstärkte dies den Widerstand in der südfranz. Region [Deschner, Kriminalgeschichte d. Christentums, Bd. VII, S. 157]. Das Kölner Provinzialkonzil von 1360 verurteilte den Knopf als Grundursache für die viel zu engen und figurbetonten Kleidungsstücke. Geistlichen und Nonnen wurde das Knöpfen verboten [Parler III, S. 137]. Auch der in unseren Augen als fortschrittlich geltende Johannes Hus wetterte gegen die Modetorheiten seiner Zeit und verglich die Modenarren mit dem gehörnten Tier der Apokalypse.

5/Die sakralen gotischen Bauprojekte waren vielfach auf die Schenkungen und Stiftungen der Gläubigen aus allen Schichten angewiesen. Wer nicht bar bezahlte oder Teile der Kirchenausstattung stiftete, half mit Zug- und Spanndiensten. Als Ausdruck der Volksfrömmigkeit war die gesamte Bevölkerung an diesen Bauten beteiligt. Hinter dieser Zwanghaftigkeit wirkte die schiere Angst, denn es ging um die Erlangung des Seelenheils, dem Entkommen der ewigen Verdammnis oder des Fegefeuers, eine Art kollektiver Psychoterror.

6/Im XVI. Jh wurden bis zu 200000 Ochsen Schlachtvieh jährlich aus den Fürstentümern Moldau und Walachei und der ungar. Tiefebene zur Hälfte in die großen oberital. Städte, die andere Hälfte entlang der Donau nach Wien (Sammelpunkt der grossen Karawanen), St. Pölten, Amstetten, Enns nach Regensburg und über Nürnberg bis nach Frankfurt und Bingen, gelegentlich bis nach Köln und Aachen, getrieben. Der Name „Ochsenfurt“ entstammt dem Teil der Route beim Mainübergang. Auch die südbayerischen Städte waren am Ochsenimport beteiligt. Im Raum Dachau wird heute noch ein Teil des Ochsenwegs als „Dachauer Oxenweg“ touristisch genutzt (1560 orderten Augsburger Metzger 2700 Stück, 1578 bestellten ihre Wiener Kollegen 6000 Stück Vieh, 1600 kamen 100000 Ochsen nach Dtld). Aber dieser Import reichte nicht aus, so daß aus Jütland und von den dänischen Inseln pro Jahr 100000 Ochsen zum Niederrhein und in die Niederlande getrieben wurden. Auch Polen und die Eidgenossen führten Ochsen aus, siehe Kühnel, Alltag im SMA, S. 77 und Liebhardt, Zum Internationalen Ochsenhandel.

7/1387 waren in der Oberpfalz 97 Eisenhüttenwerke nachzuweisen mit einer Produktion von über 5000 to im Jahr im späten XV. Jh, ebenso in der Steiermark. Im Thüringer Wald sind Bergbau, Eisenerzschürfung und -Verhüttung sicher seit dem XIV. Jh nachweisbar, Waffen- und Harnischproduktion konzentrierte sich bis ins XIX. Jh in Suhl mit der Hennebergischen Schlagmarke. In Kärnten lag das Zentrum rund um Hüttenberg. Das Siegerland wies an der Wende zum XVI. Jh 43 Werke auf mit einer Jahresproduktion von über 1000 to. In der Regel wurde für jede Menge rohem Eisenstein die vierfache Menge Holzkohle benötigt. Da aber erst drei Einheiten Holz eine Einheit Holzkohle ergaben war das Verhältnis Eisen zu Holz 1 : 12. Der Holzbedarf war enorm. Steinkohle war zwar bekannt, aber in den obertägigen Flözen nur von geringer Qualität und der untertägige Abbau war lange Zeit mit zu hohen Kosten verbunden. An der Emscher ist die Steinkohlegewinnung bereits seit 1302 nachweisbar, doch erst im XVI. Jh kam der Steinkohlebergbau im Reich allmählich in die Gänge. Bauern waren oft die ersten, die als Nutzungsberechtigte die ersten Bergwerke betrieben, siehe Haedeke, BERG und MARK, S. 31ff.

8/Loades, The Longbow, S. 12 und Haedeke, BERG und MARK, S. 23ff. Bereits 1311 ist für das Siegerland das erste wasserbetriebene Hüttenwerk nachweisbar, an der Nette bei Altena 1395. Die Eisenproduktionsstätten lagen in den wald- und wasserreichen Gegenden am Rande der damaligen Zivilisation. Die Halbzeuge wurden an die Handels- und Handwerkszentren, wie Köln, Dortmund oder Soest in Westfalen geliefert, oder in Süddtld. aus der Oberpfalz nach Regensburg. Dort wurden daraus fertige Produkte erstellt und weiter exportiert. Für die Waffentechnik waren diese Produktionsstätten existenziell. Von Köln aus, der Stadt mit den berühmten „kölnischen Schwertern“ des XI./XII. Jhs, entstand in der Folgezeit ein vollständiger Produktionszweig in der „Einöde“, abseits der grossen Verkehrswege, wie das Schwerthandwerk in Solingen. In Altena, Iserlohn und Schwerte wurde Eisendraht gezogen und die Eisenringe für Kettenhemden gefertigt, in Cronenberg, Remscheid, Lüttringhausen einfache Gebrauchsklingen, Sicheln und Sensen, in Breckerfeld Messer, Dolche und Sporen, wobei hier noch lange ohne Wasserkraft gearbeitet wurde.

9/Egan, Dress Accessories, S. 124-126.

10/Skulpturenkatalog d. Suermondt-Ludwig-Mus. Bildwerke d. Köln-Lütticher Raumes 1180-1430, S. 23.

11/Siebert, Der Naumburger Meister, Bd I, S. 681 (siehe Lit. XIII. Jh.)