V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh

Unsere Quellen für das XIV. Jh.:

Diese Zeit war von vielfältigen Umbrüchen gekennzeichnet. Die franz Anjou, welche die Nachfolge der Staufer in Unteritalien übernommen hatten, verloren Sizilien an Aragon, doch erlangten sie 1306 die Thronfolge in Ungarn.1 Während dt Könige, wie Heinrich VII. oder Ludwig der Bayer dem fatalen Kaisertraum nach hingen, wussten neue Mächte, wie England, Burgund oder Polen ihre Chancen militärisch oder durch Heiratspolitik zu nutzen. Innenpolitisch wirkte das Reich unter den Luxemburger Herrschern stabil. Es sank der Einfluß des Adels, das Rittertum erlebte die letzte Blüte vor dem tiefen Fall und die Städte erwachten. Eine Entwicklung, die in Italien, Spanien und Frankreich ihren Ausgang genommen hatte und auch im Reich unumkehrbar war. Die Gesellschaft begann sich zu differenzieren. Eine neue soziale Schicht forderte mehr Mitspracherecht: Der Bürger mit Patriziern, Stadtministerialen, reichen Kaufleuten und zünftisch organisierten Handwerkern.2 Städte waren bereits seit dem XIII. Jh aufstrebende Institutionen, die sich in Bünden vereinigten. Sie erkämpften Freiheiten gegenüber ihren Territorialherrn oder erlangten im Interesse des Königs Reichsunmittelbarkeit. Wohl standen sie auch untereinander in Konkurrenz, genauso wie alle gesellschaftliche Schichten, ein starker Motor für die Entwicklung in wirtschaftlichen und kulturellen Belangen.

Die zunehmende Verstädterung verbessert unsere Quellenlage. Der neue Baustil (Gotik) fand weite Verbreitung. Der Bürger errichtete nun auch weltliche Gebäude im neuen Kathedralstil, wie manch prächtige Rathäuser. „Gotische Formen“ fanden Eingang in die Sachkultur. Der Adel ließ zunehmend Grabmale/-platten erstellen. Sozial niedere Schichten fanden ein wenig mehr Beachtung in der künstlerischen Wiedergabe, natürlich in untergeordneten Rollen. In der Buchmalerei erhielt sich mit der Handschrift im Auftrag der Züricher Familie von Manesse ein besonderen Schatz. Die hier gezeigten Personen waren gehobenen- und mittleren Standes, eine profane Handschrift ohne sakralen Hintergrund, statt Heilige also reale Zeitgenossen!

Vermehrt lassen sich schriftliche Quellen in Form von Zunft- und Kleiderordnungen, s.u. oder Nachläßen und Inventaren heranziehen, die zuweilen Gürtel recht genau beschreiben. Seit Ende des XIII. Jhs gab es die ersten nachweisbaren bürgerlichen Testamente. In Regensburg wurde in oberdeutscher Mundart 1308 ein silberner Gürtel als Erbstück erwähnt. Auch in Dortmund finden sich ab 1326 erste Quellen zur Stadtgeschichte in niederdeutscher Mundart und nicht ausschließlich in Latein.



1. Hälfte XIV. Jh

- Hochgotische Formen -

Cappenberg, 1310-30 (Grabplatte des Grafen Gottfried von Cappenberg, der zu Beginn des XII. Jhs lebte und dem als bedeutenden Stifter Mitte des XIII. Jhs ein Grabmal errichtet wurde, das aber nicht mehr erhalten ist. Inwieweit die hier gezeigte Ausführung des XIV. Jhs der ursprünglichen Fassung folgt, ist nicht zu sagen.

[Wir haben eine eigenartige Mischform vor uns. Der reich beschlagene lange Leibgurt ist zeitgemäß für die Wende um 1300, erstaunlich allerdings der bisher früheste Beleg für eine noch recht unbeholfene „Schlaufung“ nach der Schnalle, die im XIII. Jh so bislang beim Adel nicht nachweisbar ist. Der separate Schwertgurt war im XIII. Jh üblich. Er zeigt allerdings am Ende keinen aufgespleissten Riemen, um ihn zu knoten, sondern endet blank. Der Schwertgurt muss also eine Schnalle aufweisen und damit haben wir in Dtld eine Ausführung des XIV. Jhs vor uns, denn geschnallte Schwertgurte, in Fkrch auch beim Adel schon länger üblich, erscheinen bei uns erst nach 1300. Die Darstellung unterscheidet sich von der mit seinem Bruder Otto, siehe unten links, mit kürzeren breiteren Gürteln, als Kombination von Schwert- und Leibgurt.]

Schwertgurte in der 1. Hälfte des XIV. Jhs

Zivile Leibgurte in der 1. Hälfte des XIV. Jhs

Leibgurte in der 2. Hälfte des XIV. Jhs

Knieriemen XII.-XV. Jh

Beutelhalter XIV./XV. Jh


Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Schwertgurte in der 1. Hälfte des XIV. Jhs


Anf.

XIV

Burggraf von Rietenburg“

Zum Vergleich hier ein Schwertgurt aus der Manesse um 1310-20. Im Reich ist der geschlaufte Gurt, ohne Schnalle, lange Zeit ein Standessymbol, Relikt aus vergangenen Tagen. Ein guter Beleg wie „altmodisch“ die Manesse diesbezüglich ist und damit durchaus eine gute Quelle auch für Darsteller zum Ende des XIII.Jhs.



Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der traditionelle Schwertgurt für den Ritteradel

als Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 75,00 EUR



Lettnerfigur Elisabethkirche, Marburg 1320-30

In den ersten Jahrzehnten des XIV. Jhs wird es auch im Reich üblich den adeligen Schwertgurt mit einer Schnalle zu versehen, wie es in Westeuropa bei Rittergurten oder bei nicht-adeligen Schwertträgern schon lange gebräuchlich ist, siehe Kreuzritterbibel oder „Hl. Georg“, Kathedrale Chartres.3 Möglicherweise ist die Sitte im Zuge der Gotik aus Frkrch übernommen worden.


Anf.

XIV

Gottfried u Otto von Cappenberg in der Darstellung von ca. 1324

Der Schwertgurt ersetzt hier den Leibgurt. Ähnlich zur Lettnerfigur aus Marburg, s.o., ist bei den Cappenbergern Gurten eine Randverstärkung zu beobachten, als Hinweis auf einen möglichen Textilgurt! Die Beschläge bestehen hier aus mehrstufigen Blattmustern.

Dom St. Viktor, Xanten, 1. Hälfte XIV. Jh

breiter Schwertgurt mit einfachen stabförmigen Zieren. Der Waffenrock wird durch einen nicht genau definierten Leibriemen kurz darüber deutlich zusammen gerafft.






XIV_001_vm

40 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 5 x 4 cm

montiert 55,00 EUR

Riemenbeschläge „Nr.6269“ optional

[Gürtelausführung auch in silberfarben auf schw. oder rotem Leder möglich]




Zivile Leibgurte in der 1. Hälfte des XIV. Jhs



Ich möchte hier nicht noch einmal alle Gürteltypen vom Ende des XIII. Jhs wiederholen. Darsteller für diese Zeit, bzw. um 1300 können auf beiden Seiten fündig werden, die Manesse-Formen hier verweisen noch deutlich ins XIII. Jh. Man kann es auch anders formulieren, die Jahrhundertwende brachte demnach keinen großen Modewandel mit sich. Die Werkstatt des Grundstockmalers arbeitete zwischen 1300 und 1315, die Nachtragsmaler bis 1340. Der überwiegende Teil der stark beschlagenen Gürtel aus der Manesse wurde von adeligen Männern getragen, mit schmalen und breiten Formen [die breiteren Gürtel siehe Seite XIII. Jh]. Stoffgürtel konnten so lang sein, daß sie fast zweimal um den Körper geschlungen, aber wohl nicht lang herabhängend getragen wurden, siehe „Hl. Florian“ von 1320 in St. Florian, Österreich. [Bild wird folgen]

Bei den Frauen ließ die Modesitte der Surkots oft keine Gürtel sichtbar werden. Nur auf zwei Abbildungen zeigte eine jüngere Frau ohne Übergewand mit offenen Haaren einen stark beschlagenen Gürtel, Bild siehe unten. Das Interesse der Dame an einem solchen Kleinod auf der Abbildung rechts zum Dietmar von Aist, läßt vermuten, daß sie verdeckt unter den Surkots getragen wurden, wie es die spätere Mode mit den grossen Höllenfenstern durchaus belegt, also nur sichtbar waren, wenn die Überbekleidung abgelegt wurde.

Vollkommen neue Formen bei Schnallen und Senkeln erscheinen erst in den 20er/30er Jahren des XIV. Jhs. Frauengürtel wurden teils sehr hoch, weit oberhalb der Taille, getragen, wie es vor allem bei Marienskulpturen bis etwa 1350 üblich war, deren Gürtellänge wurde zugleich mit Jungfräulichkeit und Unberührtheit assoziiert. Ab Mitte des XIV. Jhs werden Gürtel immer häufiger mit der uns so gewohnten „Schlaufung“ nach der Schnalle abgebildet. Die Gürtelteile waren oft recht lang und schmal.

Die Gürtelformen des einfachen Volkes waren erheblich einfacher, und sind manchmal ablesbar an Steinmetzskulpturen der Handwerker in den neuen Kathedralen oder auf Abbildungen, falls mehr erkennbar ist als der übliche „Strich“, der der Kleidung symbolisch in der Taille rafft. Langgürtel wurden von den unteren Volksschichten nicht getragen.

Dietmar von Aist, Manesse 1310-20



= hier nun Gürteltypen, die bereits zum Ende des XIII. Jhs aufkommen und sich teilweise bis zur Mitte des XIV. Jhs halten, wobei der Schwerpunkt auf den Frauengürteln liegt. Die Männergürtel waren oft breiter, siehe Ende XIII. Jh. =




1.

Hälfte

XIV



ab Mitte XIII. bis Mitte XIV. Jh



XIII-XIV_002_me [mit Wellenschliff/Schwalbenschwanz]

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4,3 x 1 cm

montiert 65,00 EUR



XIII-XIV_003_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4,3 x 1 cm

montiert 69,00 EUR


1.

Hälfte

XIV




XIII-XIV_006_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen dunkelbraun

und Senkel_me 4,3 x 1 cm

montiert 65,00 EUR


Bspl Riemen rot

mit Senkel_me 4,3 x 1 cm

und

Spenglin „Nr.7734“

[Funde aus Hagen und London]


1.

Hälfte

XIV

aus der Manesse um 1310-20

die jugendliche Tänzerin trägt einen reich beschlagenen schmalen längeren Gurt



XIII-XIV_005_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4,3 x 1 cm

montiert 69,00 EUR

Spenglin „Nr.7025“ und Beutelhalter optional

XIII-XIV_005_me getragen

hier Riemen schwarz

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]




1.

Hälfte

XIV





Typ 2. Hälfte XIII. Jh bis Mitte XIV. Jh




XIII-XIV_014_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 4,3 x 1 cm

montiert 69,00 EUR




XIV_009_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 7 x 1,4 cm

montiert 55,00 EUR




1.

Hälfte

XIV





Typ ab ca 1330 nachweisbar bis Anfang XV. Jh



XIV_012_me

a) Schnalle (wie in XIV_10_me)

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 10 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR

b) inkl. 10 Spenglin Nr. „7016“ auf Anfrage






XIV_010_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 7 x 1,4 cm

montiert 59,00 EUR

Spenglin „Nr.7072“ optional


1.

Hälfte

XIV



Zunge ab 1. Hälfte XIV. Jh






XIV_013_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 11 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR



XIV_015_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 11 x 1,5 cm

montiert 79,00 EUR





Unsere Quellen für das XIV. Jh.:

Als Folge der Pest scheinen sich die Macht- und Besitzverhältnisse geändert zu haben. Von den Wohlhabenden, die überlebten, wurden Prunk und Reichtum deutlich zur Schau gestellt, da ihnen schlichtweg viel Erbmasse zufiel. Erst zum Ende des Jhs gab es einen Trend zur Schlichtheit. Nach den Dokumenten schürte prunkvolle Zurschaustellung die Kritik klerikaler Zeitzeugen. Die Pest hatte die Gesellschaftsstrukturen gewandelt und die Basis des Feudalsystems furchtbar beschnitten. Überlebende, auch die der unteren Schichten, wussten was sie wert waren und begehrten auf, prangerten soziale Ungerechtigkeiten und Mißstände an. In England kam es Ende des Jhs zu grossen Bauernaufständen, den „Peasent Revolts“, die dazu führten, daß dort innerhalb von zwei Generationen die Leibeigenschaft abgeschafft wurde.

Bedauerlicherweise kam es im XIV. Jh zu vielen Judenprogromen, die, durch die Pest noch einmal angefacht, uns mit Hortfunden neue Quellen bringen sollten.4

Die Dynastie der Luxemburger war fest im Sattel. Geprägt von einer franz. Erziehung verbreitete sie auch franz. Modesitten an den dt Höfen und beeinflussten ebenso das Kunstschaffen in den Bürgerstädten. Dank Karl IV., der sieben Jahre in Paris erzogen und in erster Ehe mit einer franz Prinzessin vermählt war, wuchs Prag zu einer Großstadt an der Peripherie des Reiches heran. Durch die Parler entstand ein kulturelles Zentrum, das den neuen „böhmischen Stil“ verbreitete, eine Symbiose aus regionalen und östlichen Elementen mit der franz. Kultur. Vor allem Nürnberg erfuhr durch Karl IV. starke Förderung, das uns heute in Form von Skulpturen in und an den Stadtkirchen reiche Quellen zur Verfügung stellt.

Nicht zuletzt durch Karl IV. wurde mehr Blick auf die östl. Höfe gewandt, erfuhr die Kultur der Böhmen und Polen europäische Aufmerksamkeit. Auch Ungarn, mit seinen magyarischen Wurzeln, schloß sich durch das Haus der Anjou näher an Europa an.



2. Hälfte XIV. Jh

- Spätgotische Formen -



aus einem Sammelband der Werke Guillaume de Machauts, Paris 1355-60



Zivile Leibgurte in der 2. Hälfte des XIV. Jhs

Knieriemen XII.-XV. Jh

Beutelhalter XIV./XV. Jh



Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Viele gesellschaftliche Positionen konnten nicht mehr besetzt werden, denn der „Schwarze Tod“ hatte alle Standesgrenzen überwunden. Dem Klerikerstand fehlte vielfach das gut geschulte, Latein beherrschende Personal. Was zunächst so unbedeutend klingt, sollte aber gewaltige Folgen nach sich ziehen. Zur gesteigerten geografischen Mobilität der Gesellschaft kam nun eine soziale. Die bis dahin fest gefügte soziale Ordnung wurde durchlässig für Personen aus weniger privilegierten Schichten, Bildung wurde ins Volk gestreut, um schnellstmöglich entsprechende Positionen zu besetzen. Das bedeutete „Sprengstoff“ in einer Gesellschaft im Umbruch. Umso stärker war man darauf bedacht im Äusseren durch Maßregeln den Schein zu wahren, wie Kleiderordnungen, die regelten wer befugt war bestimmte Tuche, Schnitte und Accessoires zu tragen, wobei zuerst das Vermögen, bzw die Steuerleistung nach Bürgerrolle, darüber entschied. Die Erbmasse hatte auch bei den verbliebenen Bürgern eine Vermehrung der Sachkultur bewirkt, einher ging der Anspruch auf politische Mündigkeit durch den hohen Wirtschaftsfaktor, den Städte inzwischen darstellten. Durch die Kleiderordnungen versuchten weltliche und geistliche Machthaber ihre Positionen zu sichern, wobei im zunehmenden Maße auch die städtische Obrigkeit als Ordnungserlasser erschien.5 Bei Zuwiderhandlung wurden, regional unterschiedlich, Geldstrafen oder z.B. „Mauerdienste“, zur Erhaltung der finanziell sehr aufwändigen Stadtmauer, auferlegt.



Gürtel und Mode in der 2. Hälfte des XIV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

In der zweiten Hälfte des Jhs. setzten viele Neuerungen ein. Frauen- und Männerkleidung ließ sich nun genauer differenzieren. Beim adeligen Mann hatte, ausgelöst durch militärische Entwicklungen, das kurze Gewand Verbreitung gefunden, von knielang bis oberschenkellang. Rüstungen mit Panzerelementen ersetzten zunehmend das lange Kettenhemd. Die neuen Rüstungsteile erforderten das kurze Gewand, das hauptsächlich von der adeligen jungen, waffenfähigen, Generation übernommen wurde. Dadurch geriet die Beinbekleidung des Mannes ins Blickfeld. Auch die adelige Frau trug nun eine figurbetonte Kleidung. Durch Schnürungen und das vermehrte Setzen von Knöpfen war ein enger Sitz der Kleidungsstücke möglich. Brust, Taille und Hüfte wurden herausgestellt. Die Kirche wetterte gegen diese noch nie da gewesenen Freizügigkeiten. Ihre Attacken gegen die modischen Auswüchse stehen uns als Quellen aus den Protokollen der Konzile und Synoden zur Verfügung. Die Kirche versuchte, oft vergebens, auf die Gewandung Einfluß zu nehmen.6 Manchmal gelang es ihr auf Umweg über die Kleiderordnungen. So wurden in Erfurt 1364 Junker wegen ihrer kurzen Kleider, langen Mäntel und Schnabelschuhen zu Geldstrafen herangezogen.

Nicht nur die städtische Kleiderordnung entschied über das Gewand, sondern auch das Lebensalter. Zu festlichen Anlässen, in gehobener Gesellschaft, waren nach wie vor lange Gewänder Pflicht, beim Adel manchmal durchgehend geknöpft. Provokant und schockierend präsentierte sich der Adel gelegentlich bewußt ohne standesgemäßes Obergewand, um sein eng anliegendes körperbetontes modisches Kurzgewand zu zeigen. Das war dem Bürger aber noch lange nicht erlaubt. Es zeigten der Stoff, die Verbrämung, die Kopfbedeckung und viele Details wer welchem Stand angehörte. Neben der hohen Tragweise saß der Frauengürtel nicht mehr ausschließlich oberhalb oder in der Taille, sondern konnte allmählich auf die Hüfte „rutschen“ und wurde bei der adeligen Frau oft durch die reiche Fältung des Übergewands verdeckt, kam nur durch die Höllenfenster zum Vorschein. Hier waren auch Metallgürtel möglich, allerdings reicher verziert als der schwere ritterliche Dusing.

Leder, Stoff, Metall, alle Gürtelvarianten waren vorhanden. Es erweiterte sich das Spektrum an Gürtellängen und -typen erheblich. In der zweiten Hälfte des Jhs. tauchten gotische Architekturelemente vermehrt in der Alltagskultur auf, so auch beim Gürtelschmuck. Mglw ist dies eine Folge des Selbstverständnisses der sozialen Schichten, die zum Bau der Kathedralen im neuen Stil beitrugen.7 Gürtelapplikationen wurden nicht mehr zwingend verwendet um dünnes Trägermaterial zu stabilisieren, sondern konnten auch nur der reinen Zier dienen. Mit dem kürzeren Gewand beim Mann kürzte sich auch der Gürtel und die Faustregel besagt, nie länger als der Gewandsaum, oft war er kürzer. Trotz der fehlenden Länge finden wir nun zuweilen die Schlaufung des Zungenendes. Frauen trugen Gürtel in allen Längen- und Breitenvarianten, angepaßt an den Stand, Adel und gehobener Bürgerstand lang, die unteren Schichten, wie üblich, erheblich kürzer.



= hier nun Gürteltypen, die erst um die Jahrhundertmitte aufkommen und sich teilweise bis Anf. des XV. Jhs halten =

Zivile Leibgurte in der 2. Hälfte des XIV. Jhs










2.

Hälfte

XIV





Typ ab ca 1330 nachweisbar bis Anfang XV. Jh



Zunge ab 2. Hälfte XIV. Jh



XIV_021_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 8,5 x 1,7 cm

montiert 65,00 EUR



XIV_027_me

[lange Bleche sind im XIV. Jh recht häufig]

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 8,5 x 1,7 cm

montiert 75,00 EUR

Spenglin „Nr.7021“ optional










2.

Hälfte

XIV









Riemenzunge 2. Hälfte XIV. bis Anfang XV. Jh






XIV_026_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallenform seit Wende XIII./XIV. bekannt, Blech zeitgemäß

und Senkel 5 x 2 cm (ab ca. 1350 gebräuchlich)

montiert 69,00 EUR



XIV_025_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,5 x 1,7 cm

montiert 75,00 EUR










2.

Hälfte

XIV









Riemenzunge 2. Hälfte XIV. bis Anfang XV. Jh






XIV_030_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallenform seit Wende XIII./XIV. bekannt, Blech zeitgemäß

und Senkel 5 x 2 cm (ab ca. 1350 gebräuchlich)

montiert 79,00 EUR



XIV_033_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 75,00 EUR










2.

Hälfte

XIV





XIV_035_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,5 x 1,7 cm

montiert 79,00 EUR

Spenglin „Nr. 6537“ optional



Tragweise lang








2.

Hälfte

XIV








Quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln z.B. Madonna in St. Jakob/Regensburg 1360c, Severikirche Erfurt 1365, Lauterbach 1370-80, Lorenzkapelle Rottweil 1375c,



XV_149_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR



XV_150_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR



Weitere Gürteltypen siehe die folgende Seite XIV.-XV.Jh. Wie die hier abgebildeten wurden jene bereits in den letzten Jahrzehnten des XIV. Jhs bis in die ersten Jahrzehnte des XV. Jhs getragen. Denn Jahrhundertwenden ergeben keine plötzliche Zäsur in der Mode, sondern wir haben in der Regel allmähliche Übergänge. Und ich möchte nicht alle Gürteltypen zum Ende des einen und Beginn des neuen Jahrhunderts doppelt aufführen.







Knieriemen XII.-XV. Jh



Knieriemen des XI. bis XIII. Jhs sind für den heutigen Betrachter nur schwierig zu erfassen. Denn auf Abbildungen werden sie im zivilen Bereich nicht gezeigt und ähnlich wie Unterwäsche behandelt. Das einfache Volk mochte Unterwäsche zeigen, für alle übrigen galt es als unschicklich. Einfaches Volk wurde aber nur selten detailliert abgebildet. Knieriemen mögen getragen worden sein, wie es bereits seit Jahrhunderten üblich war, als Derivat der aufwändigen Wadengarnituren bei Frauen im VII. Jh und Männern bis zu den karolingischen Zeiten. Durch die kürzeren Männertuniken nach „fränkischer Tracht“ waren sie damals deutlich sichtbar, in den nachfolgenden Jahrhunderten wurden sie aber von der längeren Gewandung verdeckt. Erst mit dem kurzen Gewand im XIV. Jh wurde es üblich sie mit den Beinkleidern sichtbar zur Schau zu stellen. Sie bekamen sogar betonte Bedeutung, man denke nur an die Gründung des „Hosenbandordens“ (Order of the Garter) durch Edward III. Mitte des Jhs, nach der Schlacht von Crecy. Das Band war aus Seide (26 hochadelige Mitglieder) und keineswegs aus „blauem Leder“, wie in einer TV-Dokumentation behauptet wird. Für das XV. Jh mehren sich die Belege an Knierriemen, siehe „Monat Februar“ in den Tres Riches Heures von 1412-16, „Monat Oktober“ im Stundenbuch des Berry vor 1416, das Martyrium der Hl Margareta von ca. 1445 im Domschatz zu Eichstaett, die Oswaldlegende vor 1485 im Belvedere Wien oder den Rochus-Sebastian-Altar von 1499 in der Lorenzkirche zu Nürnberg. Hinzu kommen die heruntergerollten Beinlinge der unteren Volksschichten auf vielen Abbildungen, die ohne Knieriemen kaum halten würden.

Für das XII.-XIII. Jh mögen Belege aus dem militärischen Bereich herangezogen werden, siehe Biblia Sacra_151v vor 1175 oder „Goliath“-Darstellung vor 1230 aus dem Bamberger Psalter_63r beide mit weissem Schwertgurt und braunen Knieriemen. Auch bei der Skulptur „Torso eines Ritters“ vom Ende des XIII. Jhs [Skulpturenkatalog Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, S. 23] wird erwähnt, daß am rechten Bein über dem Kettenbeinling in Kniehöhe ein umlaufend erhabenes ringförmiges Band erkennbar ist.8 Im De Civitate dei, Schulpforta von ca. 1180 trägt ein Bauer seine lange Bruche ohne Beinlinge deutlich sichtbar unter dem Knie zusammengebunden.9








Knie

riemen




Knieriemen_002_me

10 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

und kleinen Zungen

montiert 45,00 EUR



Knieriemen_003_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh mit Blechen

und kleinen Zungen

montiert 59,00 EUR



Knieriemen_006_vs

15 mm Riemen (alaunweiss)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

Zungen mgl.

[auf Anfrage, da unsicher, ob ich die Schnallen noch einmal erhalten kann, die weissen Riemen aber sind grundsätzlich vorrätig]






Knie

riemen








Knieriemen_005_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIII.-XIV. Jh angenäht

ohne Zungen

montiert 29,00 EUR

[Zunge mgl. siehe Knieriemen 002 od 003]



Knieriemen_007_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen Typ XIV.-XV. Jh angenäht

ohne Zungen

montiert 35,00 EUR

[Zunge mgl. siehe Knieriemen 002 od 003]






Knie

riemen




Knieriemen_010_eis

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-förmige „zeitlose“ Eisenschnallen angenäht

ohne Zungen

montiert 35,00 EUR









Beutel- und Taschenhalter XIV./XV. Jh

Diese Halter dienten dazu das „teschelin“ oder franz. „bourse“, den Almosenbeutel am Gürtel zu befestigen. Frühen Abbildungen nach sind sie zunächst dem Adel zuzuordnen. In den Stadtgrabungen, also in der bürgerlichen Sphäre, tauchen sie erst im XIV. und XV. Jh auf.











W02_me

Raute ca 3 cm hoch + Befestigung

für Riemenbreiten ab 15 mm

20,00 EUR

[Datierung ins XIII.-XIV. Jh nach ähnlichen zeitgleichen Rauten-Schlüsselformen]



W03_me

ca. 1,8 cm im Durchmesser

alternativ mit Befestigung „Rosette“ oder „Zierstab“

für Riemenbreiten 10 bis 20 mm

je 15,00 EUR

[kommen in me oder zi bei archäolog. Stadtgrabungen in den Schichten des XIV.-XV. Jhs zutage]






W05_me

ca. 3 cm im Duchmesser

für Riemenbreiten 10 bis 20 mm

20,00 EUR

[die gotischen Mehrpaßformen sind typisch für das XIV. und XV. Jh.]












M05_me

5 cm lang

für Riemenbreiten von 15 bis 30 mm

20,00 EUR

[archäologisch in der bürgerlichen Sphäre Londons ab dem XIV.-XV. Jh nachweisbar, vorher, Abbildungen nach, ausschließlich vom Adel getragen]



W05_me

ca. 2 cm Durchmesser mit unterschiedl. Aufhängungen

Riemenbreiten ab 15 mm möglich

je. 10,00 EUR

[einfache Ringformen bereits seit der Antike bei röm. Ausrüstung in Benutzung, kommen in me oder zi bei archäolog. Stadtgrabungen in mittelalterlichen Horizonten des XIV.-XV. Jh zutage, paarig auch für Taschen]




M07_vz

5,5 cm lang für Riemenbreiten ab 20 mm

35,00 EUR

[archäologisch in der bürgerlichen Sphäre Londons ab dem XIV.-XV. Jh nachweisbar, vorher, Abbildungen nach, ausschließlich vom Adel getragen]





Die Gürtel auf dieser Seite stellen nur eine Auswahl dar. Die Schnallen-Präsentation am Stand ist umfangreicher, aber ändert sich saisonal:




XIV. bis Anf. XV. Jh me




Quellen und weiterführende Literatur:

- Becks, J. u Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Gr. Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse). Dig. Version Universitätsbibliothek Heidelberg 2004.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Köln-Weimar-Wien 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Legner, A. (Hrsg.): Die Parler u d schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern. Ausstellung Schnütgen Mus., Köln 1978.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik I 1320-1370, Wald-Michelbach 2000.

- Preising, D./Rief, M./Villwock, U.: Skulpturenkatalog d. Suermondt-Ludwig-Mus. Bildwerke d. Köln-Lütticher Raumes 1180-1430 (Aachen oJ)

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zw. 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.



V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Aus Ungarn stammen eine ganze Reihe bedeutender Gürtelfunde, die Ilse Fingerlin nennt. Die osteuropäischen Formen unterscheiden sich in der Regel von den bei uns gebräuchlichen. Aber über den Hochadel könnte eine gegenseitige Beeinflußung und ein Formenaustausch mit Westeuropa möglich gewesen sein.

2/Allerdings konnten meist nur die reichen Handwerker, die Zunftmeister, im Laufe des XIV. Jhs einen Ratssitz erwerben, wie in Braunschweig, allen voran ging in vielen Städten das Tuchgewerbe. In der, durch den Waidhandel florierenden Stadt, Mülhausen/Thüringen hatte im SMA ausschließlich der Ältestenrat (Bürgermeister und einflussreiche Ratsherren) die eigentliche Regierungsgewalt inne. Dieser entzog sich dem jährlichen Ratswechsel und jeglicher demokratischer Kontrolle, indem er in geheimen Sitzungen das Geschick der Stadt bestimmte. Es regierte eine Oligarchie der Reichen in den Städten über alle Einwohner, wobei auch verstreut liegende Dörfer den Städten zugehörig sein konnten. Grundsätzlich waren die Bürger eine Schwurgemeinschaft, Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben. Man vermutet, daß in spätmittelalterlichen Städten nur maximal die Hälfte der Einwohner „Bürger“ waren, die anderen arbeiteten dort als Gesellen, verdingten sich als Mägde, Knechte, Tagelöhner oder kleine Handwerker in gemieteten Werkstätten. Für die Bürger bestand Wehrpflicht im Dienste der Stadt-, bzw. Grundherren. Ab einem gewissen Vermögen mussten sie, nach Heerschauliste, eine eigene Schutzbewaffnung (Harnisch) stellen und wurden finanziell zu Kriegsleistungen, z.B. für die Pferdehaltung, oder auch zu städtischen Bauprojekten herangezogen [siehe Roelen in: Derick Baegert, S. 14f]. Jede Zunft wurde in der Regel zur Verteidigung eines bestimmten Tores, Turms oder Mauerabschnitts der Stadt verantwortlich gemacht. Aus dem 16. Jh stammte die gesellschaftliche Dreiteilung: „Item nach dem in stetten gemeynlich dreierley Burger und innwoner seind als gemeyne Burger und Handtwercker, kauf und gewerbsleut und andere so im Radt von geschlechten oder sunst ehrlich herkommen und irer zinss und renthen sich erneren.“ [aus Die Welt des Hans Sachs, S. XVIII] Bürger in Waffen bedeuteten für die Obrigkeit aber ein gewisses Risiko, auch wurde es üblich sich vom Kriegsdienst freizukaufen. Deshalb wurden zunehmend Söldner unter Vertrag genommen, die der Bürger dann bezahlen musste. Karl IV. richtete Verkündigungen an die Städte seines Reichs nicht ausschließlich an Räte und das Patriziat, eben an „alle Bürger“, sondern auch an „alle Insassen“, hier wurden nicht wahlberechtigte Einwohner direkt angesprochen, unerhört (!).

3/In England gibt es bereits erste Schwertaufhängungen mit Ringen und Haken, siehe Grab des Sir John de Creke_Westly Church von 1325, der Randverstärkung und den Zieren nach zu schliessen, vermutlich ein mit Stoff überzogener Gurt.

4/Juden, die vorher aus England und Frkrch vertrieben worden waren und sich in Dtld eine neue Heimstatt erhofft hatten, begannen nach nur zwei Generationen in Massen nach Polen und Litauen auszuwandern, da der versprochene Schutz durch die Obrigkeit nicht ausreichend gewährt wurde. So unterstützte Karl IV. bsplw die Nürnberger Bürgerschaft, gegen die innerstädtischen Juden, die eigentlich unter seinem Schutz standen. Das Ergebnis war ein geräumtes Stadtviertel, die Errichtung des neuen Marktplatzes und der Frauenkirche. In Würzburg ergab sich eine ähnliche Situation. In vielen Fällen sorgte die Abwanderung für eine Schwächung der regionalen Wirtschaft, den Abzug von Kapital und einen Verlust an kulturellen, kaufmännischen und handwerklichen Fähigkeiten, die einst zum Aufstieg der Städte mit beigetragen hatten.

5/In der Züricher Kleiderordnung von 1357 durfte der Wert eines Frauengürtels fünf Pfund Pfennige nicht überschreiten, auch Gewänder mit aufgenähtem Gold, Silber und Edelsteinen waren verboten. Den Männern wurde die Länge der Kapuze festgelegt und das Tragen von gestreiften Beinlingen und die Zaddeltracht untersagt. Auch angesehene Mitglieder des Patriziats waren in Nürnberg Ende des Jhs. nicht vor Strafen ausgenommen, wegen zu schwerer Gürtel oder zu schwerer silberner Ketten, zu kostbarem Schleier, zu weiter Ärmel, wegen eines seidenen Wamses oder eingenähtem seidenen Futter. In Göttingen wurden 1354 allen Frauen, die mehr Geschmeide trugen, als erlaubt war, die silberne Gürtel oder pelzgefütterte Mäntel ihr Eigentum nannten, eine finanzielle Beteiligung der städtischen Pferdehaltung auferlegt, siehe H. Kühnel, Alltag im SMA, S. 46-48.

6/Wie sehr die Kirche sich durch ihre Maßregeln den Zorn der Bürger zuziehen konnte, ein Beispiel aus der Zeit der „Albigenserkreuzzüge“. 1211 wurde auf dem Konzil zu St. Gilles gegen die Einwohner der Grafschaft Toulouse verfügt, daß alle Bürger und Adeligen fortan keine modischen Kleider mehr tragen durften, sondern nur noch grobgewebte dunkelbraune Kutten, da sie, allen voran der Graf von Toulouse selbst, die Häretiker unterstützt und sich unbotmäßig gegenüber den Weisungen des Papstes gezeigt hatten. Neben anderen päpstlichen Maßnahmen verstärkte dies den Widerstand in der südfranz. Region [Deschner, Kriminalgeschichte d. Christentums, Bd. VII, S. 157]. Das Kölner Provinzialkonzil von 1360 verurteilte den Knopf als Grundursache für die viel zu engen und figurbetonten Kleidungsstücke. Geistlichen und Nonnen wurde das Knöpfen verboten [Parler III, S. 137]. Auch der in unseren Augen als fortschrittlich geltende Johannes Hus wetterte gegen die Modetorheiten seiner Zeit und verglich die Modenarren mit dem gehörnten Tier der Apokalypse.

7/Die sakralen gotischen Bauprojekte waren vielfach auf die Schenkungen und Stiftungen der Gläubigen aus allen Schichten angewiesen. Wer nicht bar bezahlte oder Teile der Kirchenausstattung stiftete, half mit Zug- und Spanndiensten. Als Ausdruck der Volksfrömmigkeit war die gesamte Bevölkerung an diesen Bauten beteiligt.

8/Skulpturenkatalog d. Suermondt-Ludwig-Mus. Bildwerke d. Köln-Lütticher Raumes 1180-1430, S. 23.

9/Siebert, Der Naumburger Meister, Bd I, S. 681 (siehe Lit. XIII. Jh.)