V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh

Die ausgehende Antike war geprägt von der Supermacht Rom. Selbst im Niedergang war dieses Gebilde von imponierender Größe. Im röm. Selbstverständnis war Rom die Welt und die Welt war Rom. Das Reich bedeutete die Zivilisation, der Rest galt als unzugänglicher Urwald, Wüstenei oder Barbarei. Nur der Osten und der Orient wurde als gleichwertiger Quell hoher Kultur angesehen, von dem sich bereits die Griechen genährt hatten. Jedes Volk ausserhalb dieses Machtgebildes musste zwangsläufig zu ihm aufschauen. Nach dem politischen Ende wirkten seine Sprache, seine Traditionen, die reichhaltige Kultur und der daraus resultierende Stolz der röm. Eliten noch lange fort. In diese Phase vielfältiger Kontinuität wurden grundlegende Entwicklungen für die kommenden Jahrhunderte eingeleitet. Hier sollten die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und militärischen Fundamente der neuen germanischen Königreiche Westeuropas liegen, vielfach orientiert am römischem Vorbild. Die neuen Gesellschaften saugten begierig und zweckmäßig das Althergebrachte der antiken Welt ein, bedurften der adminstrativen Kraft des Bestehenden und verwendeten es als Werkzeug und Grundlage ihrer neuen Staaten, verführt und geblendet von den kolossalen Hinterlassenschaften, ohne zu erkennen, wie sehr die Leitbilder der alten Welt in ihren äusseren Formen erstarrt, kaum überlebensfähig, aus der Not heraus geboren und veraltet waren. Es wurde kein Erfolgsmodell vererbt, sondern es war die dürftige Fortführung einer Kultur, die sich eigentlich selbst überlebt hatte, an ihrer schieren Größe litt und aus enormen Zwängen heraus agierte, von Kopisten, die von der Fülle der antiken Welt über alle Maßen beeindruckt waren, so daß sie immer wieder darauf zurückgriffen und mit ihren Mitteln zu erhalten suchten.1

Das ursprüngliche Ziel germanischer Heerführer war es allerdings nicht das Röm Reich zu zerstören. Es war nicht die grosse Invasion, die das Röm Reich zu Fall brachte. Es war eher eine beständige Infiltration von Germanen, die Teilhabe wollten an den Segnungen und dem Schutz der röm Zivilisation durch Landzuteilung, Bundesgenossenschaft, Ämterzuteilung in der röm. Militärhierarchie, grundsätzlich Anerkennung und Entlohung für Dienste, die man unter röm Standarten bereits seit mehreren Generationen leistete. Man hatte durchaus Interesse den röm Staatskörper mit seiner hervorragenden Organisation, der man nichts gleichwertiges entgegen zu setzen hatte, zu erhalten. Rom befand sich allerdings seit geraumer Weile in schweren inneren Krisen und im fortgeschrittenen Verfall, den reformwillige Herrscher wie Diokletian und Konstantin im III./IV. Jh aufzuhalten suchten, was zu einer grösseren Verstaatlichung, Bürokratisierung, enormen Steuerzwängen und einer statischen Zwangsgesellschaft führte.2 Die „Wölfin“ war alt und grau geworden, aber keineswegs zahnlos. Ihre Erscheinung war noch immer ungeheuer und imponierend groß. Das Kultur- und Wirtschaftsgefälle über die Grenzen hinweg war enorm und sorgte für einen unablässigen Druck auf diese Grenzen, durch den Sog des höheren Lebensstandards. Der erlaubte Übergang der Westgoten über die Donau, aber die mangelnde Integration und geringe Bereitschaft der Römer die Barbaren, die in vielen Schlachten im Dienste des röm. Staates geblutet hatten, als neue Reichsbürger anzuerkennen führten zu Verbitterung auf Seiten der Goten und Plünderung Roms 410, später auch durch die Vandalen, die sich Nordafrika gewaltsam angeeignet hatten, nach dem massiven Rheinübergang german. Völker von 406/07. Dieser Zusammenbruch der Rheinverteidigung bedingte u.a. den Rückzug aus Britannien, es folgten der Verlust oder die Separierung vieler Provinzen in Gallien, Spanien und auf dem Balkan. Auch die Hunneninvasion, deren Abwehr ohne germanische (hptsl. westgotische) Hilfe undenkbar gewesen wäre und die Kaiserabsetzung im Westen 476 sind bekannte Eckdaten des Niedergangs. Das Reich war nicht überlebensfähig, da es an einer gelähmten Wirtschaft und Gesellschaft krankte, an der Destabilisierung durch diverse Herrscherusurpatoren, am steten Verfall der Integrität, durch die massive Aufnahme von Barbaren ins röm. Heer. Und es mangelte am Willen der Römer die immer wieder neuen gewollten und ungewollten Zuzüge von Bevölkerungsströmen aus dem Barbaricum zu integrieren, was ihnen kontrolliert über Jahrhunderte durchaus gelungen war. Bürgerkriege machten die Aufnahme von weiteren german. Kontingenten in die röm. Armeen vonnöten, entblößte die Grenzen und verlockte neue Barbaren zu Einfällen tief ins Reich. Als Abwehr wurden wiederum Germanen in Sold genommen, sofern überhaupt Gelder zur Verfügung standen, ansonsten Land den kriegsgefangenen und unfreien Laeten mit Zwang oder bündnisabhängigen Foederaten unter röm. Oberhoheit nach Vertrag überlassen, um diese Räume, die formell Reichsgebiet blieben, zu verteidigen und mögliche Nachzügler und Plünderer abzuwehren. Für die röm. Provinzialen mag es oft schwierig gewesen sein den Germanen als Eroberer vom Germanen im röm. Dienst zu unterscheiden, denn „Soldat“ und „Barbar“ wurden eins, selbst in den höchsten militärischen Rängen! Die Neuankömmlinge assimilierten die röm. Kultur, wollten sein wie die Römer, akzeptiert werden, wie bereits viele vor ihnen, bewirkten aber auch im gewissen Maß eine Barbarisierung der spätantiken röm. Welt. Viele Artefakte dieser Zeit zeigen die bloße Übernahme, manche aber auch eine röm.-german. Synthese, prägend für einige Jahrhunderte. Im Osten blieb die Reichshälfte davon nicht unberührt, dort hatte das Röm. Reich bis 1453 Bestand. Und so haben sich die Oströmer, die Romäi, die in der Forschung „Byzantiner“ genannt werden, auch immer betrachtet. Sie waren keineswegs Nachfolger, sondern sie waren die Römer, wenn auch hellenisiert, aber die Kontinuität des röm. Kaisertums durch die oström. Herrscher war von den Zeitgenossen lange Zeit unbestritten.


Ein german. Volk sollte aus den Wirren dieser Zeit zu den neuen Herren Europas aufsteigen, die Franken. Ursprünglich siedelten sie rechtsrheinisch, überschritten auf Plünderungszügen immer wieder den Rhein in die Germania Secunda, bis Teilen des Stammes ab Mitte des IV. Jhs nördl. der Straße Köln-Boulogne in „Toxandrien“ staatliches Siedelland überlassen wurde, das sie im Auftrag Roms im Reichsverbund zu verteidigen hatten.

Im Gegensatz zu Goten oder Vandalen, die auf ihren langen Wanderungen immer neue Räume des ehem. Reichsgebiets durchquerten, erneuerten Franken ihre Bündnisverträge und hielten ihre Siedelgebiete in den nördlichen Teilen Galliens und Niedergermaniens.3 Sie erweiterten ihr Gebiet erst mit dem Verfall der weström. Reichsregierung. Köln und Mainz wurden von fränk. Teilstämmen im V. Jh erobert. Unter Chlodwig begann zum Ende dieses Jhs die Phase der fränk. Expansion mit Unterwerfung der röm. Rest-Reiche des Syargius und Arbogast in Gallien. Diese Gebiete besaßen eine hohe Urbanität und gute Infrastruktur, auch wenn die Wirtschaft durch Wegfall des Hauptabnehmers, der röm. Armee, schrumpfte. Viele Städte wurden durch steinerne Mauern geschützt, wobei nach der fränk. Eroberung eine Verkleinerung und ein Rückfall in rustikale Siedlungs- und Wirtschaftsformen zu beobachten war. Die linksrheinische gallo-römische Stadtkultur aber blieb der rechtsrhein. Stadtentwicklung um Jahrhunderte voraus, u.a. ein Grund für die verfeinerte Kultur im Westen, deren Bewegung innerhalb des Frankenreichs von Süd nach Nord vonstatten ging und später dem rechtsrhein. Raum immer neue Impulse gab. Denn die antike Kultur war in erster Linie eine Stadtkultur, Anregung für die mittelalterliche Urbanität. Die Städte Galliens waren Heimstatt für Sklaven, eine proletarische Unterschicht, Handwerker, Kaufleute und für die alteingesessene Senatorenschicht, die nunmehr durch die neuen fränk. Herren entmachtet, weniger in der Politik, sondern in der röm.-kathol. Kirche hohe Ämter besetzte. Das Christentum war mittlerweile im Röm. Reich Staatsreligion, hatte auch nach der german. Eroberung Bestand und war in erster Linie eine „Stadtreligion“ mit ihren für den Gottesdienst umgewandelten Basiliken. Die Kirche verwendete eine Hierarchie nach dem Vorbild der einstigen röm. Verwaltung. Die festen Strukturen der Bistümer belebten den Handel und um sie kristallisierten sich neue Marktplätze. In dieser „röm. Sphäre“ fand das alte unpersonale Recht der „res publica“ im Kirchenrecht seine Fortführung.

Demgegenüber war die german.-fränkische Herrschaft, die vornehmlich den ländlichen Raum erfasste, durch Treueschwüre auf Personen gekennzeichnet. Hier fasste die Kirche kaum Fuß und es waltete ein personales Recht. Stütze war die traditionelle germanische Form der Gefolgschaft.4 Zukünftige Rechtssysteme sollten eine Synthese aus röm.- und german. Anteilen bilden. Die neuen fränk. Herren übernahmen das röm. Steuer- und Münzwesen und schafften auch die Sklaverei, den Motor der antiken Wirtschaft, nicht ab. Ganz im Gegenteil, die Ausbeutung von Unfreien sollte die neuen german.-röm. Gesellschaften für Jahrhunderte prägen.



V.-VIII. Jh



Provinzialrömische Stadt nach Hunnenüberfall



Gürtelreplikate Merowingerzeit (MWZ)

Fibelreplikate V.-VII. Jh



eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, vm = Vermessingt, vz = Verzinnt, vs = Versilbert

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


In den Expansionsgebieten Galliens waren die Franken in der Unterzahl gegenüber der provinzialrömischen Bevölkerung. Der Übertritt der fränkischen Herrenschicht zum röm.-katholischen Christentum um 500 war ein Meilenstein für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Die german. Franken galten nun nicht mehr als fremde Barbaren in Gallien, sondern es fand eine Völkermischung statt, die woanders lange Zeit unmöglich war, vielfach auch per Gesetz verboten wurde. Denn West-und Ostgoten waren Anhänger des christl.-arianischen Glaubens, der nur im röm. Ostreich stark ausgeprägt war und standen nach der Wanderung in westliche Gefilde in Opposition zu ihrer eigenen unterjochten röm.-kathol. Bevölkerung (Unterschied der beiden Glaubensrichtungen lag in der Deutung der Dreifaltigkeit und Person Christi zu Gott als wesensgleich oder -ähnlich). Die Westgoten folgten den fränk. Beispiel 589 und auch die Langobarden in Italien sollten ähnlich verfahren. In beiden Fällen führte das zu einem Verfall der eigenen german. Kultur und zu einer spätröm. Kulturblüte.

Ostrom (Konstantinopel / Byzanz) gelang es die germanischen Elemente aus den eigenen Machtstrukturen heraus zu halten und hatte enormen Einfluß auf die frühen barbarischen Königreiche im Westen, nicht zuletzt durch die erfolgreichen Feldzüge Justinians gegen Vandalen und Goten. Es konnte nach 476 kein erklärtes Ziel germanischer Heerführer im Westen sein den Kaisertitel zu übernehmen, denn der war durch den oström. Kaiser besetzt. Vor Karl dem Großen erklärte sich kein Germane zum Kaiser! Allerdings hatten in der Schlußphase des Westreichs einflußreiche germanische Heerführer Gegenkaiser erhoben. Denn Germanen war die militärische Rangfolge wichtiger als ein anfechtbarer Kaisertitel, nur zu oft hatten sie erlebt, wie schwach diese Position durch immer neue Usurpatoren war. Die Oberhoheit des östlichen Kaisertums blieb unangetastet und hatte im Osten enorme Wirkung auf Slawen und die frühen Rus-Reiche. Zeitweise erhofften sich auch im Westen neue fränk. Herrscher Anerkennung und Legitimation vom oströmischen Kaiser, dessen Traum von einer Wiedererrichtung des römischen Reichs nach den beachtlichen Erfolgen in Italien letztendlich aber gescheitert war, Gebiete dort und in Nordafrika allerdings lange Zeit halten konnte. Im Zuge dieser Anlehnung, durch diplomatische Geschenke aus Konstantinopel und die fränk. Teilnahme an Kriegen in Italien kamen, auch über Langobarden und Baiuwaren, byzantinische Modesitten in den Westen („imitatio imperii), erkennbar bsplw. an der Übernahme der Scheibenfibel in Ablösung der german. Mehrfibeltracht in der Frauenmode Wende VI./VII. Jh, uvam.






Chlodwig erweiterte seine Machtsphäre nicht nur auf ehem. reichsröm. Boden, sondern ging auch aggressiv gegen seine Stammesgenossen vor und beseitigte ein Kleinkönigtum nach dem anderen. Die Franken sollten sich in den folgenden Jahrhunderten weiterhin extrem aggressiv gegenüber ihren Nachbarn gebaren und eiferten auch in diesem Punkt dem alten „gefrässigen römischen Raubtier“ der Antike nach. Dieser Expansionsdrang traf die einstigen Angstgegner der Römer, die Alamannen, welche weit in die heutige Schweiz, ins Elsaß und nach Norden entlang des Rheins bis ins heutige Hessen siedelnd vorgedrungen waren. In mehreren Feldzügen gerieten sie im Laufe des VI. Jhs unter die Abhängigkeit der Franken, auch wenn der Ostgote Theoderich zunächst versuchte dies zu verhindern. Ebenso mussten sich Burgunder und Westgoten den Franken nach mehreren Attacken unterwerfen. Die Westgoten hatten Anf. des V. Jhs in Aquitanien das erste autonome barbarische Königreich innerhalb des röm Territoriums gegründet. Im VI. und VII. Jh. drangen die Franken von Loire und Mosel über den Rhein bis an Weser, Werra und Elbe vor, als Angriff auf das ehem. arianisch-gotische Bündnissystem des Theoderich, dem u.a. auch die Thüringer angehörten, die in eigene Thronwirren verwickelt leichtsinnig die Franken zu Hilfe gerufen hatten. Die Franken kamen, unterwarfen und herrschten nun selbst. Der Verlauf des Vorstoßes läßt sich heute noch an den Ortsnamen ablesen, „Frankfurt“ als Mainübergang war von enormer strategischer Bedeutung und der Raum blieb bis in hohe Mittelalter Krondomäne. Die Heerstraße folgte dem Kinzigtal nordostwärts. Auch die fränk. Besiedlungen entlang des Main flußaufwärts ins heutige „Frankenland“ war eine Zangenbewegung und zielte indirekt nach Norden ins Thüringerreich. In der Folge wurde ein fränk. Kulturraum bis nach Mitteldeutschland geschaffen, der die alte röm. Kulturgrenze am Rhein weit hinter sich ließ. Eine deutliche Abgrenzung gab es nach Osten und Norden in den Raum der Slawen, Friesen und Sachsen, die lange mit den Franken rangen. Die vielen Auseinandersetzungen mit den Sachsen, denn sie dauerten länger an als Karls bekannte „Sachsenkriege“, veranlassten die Franken ihre Vormarschwege entlang der Ruhr und von der Wetterau über Nordhessen (siehe „Christenberg“ oder „Frankenberg“ a.d. Eder) zur Weser strategisch zu sichern. Damit nicht genug, folgte bald die Unterwerfung der Baiuwaren, nachdem sich die Franken auch in die ital.-süddt. Belange eingemischt hatten.

Es entstand jedoch kein grosses „fränk.-merowingisches Reich“, wie vor allem kartografisches Material dies veranschaulicht, sondern unterschiedliche Tribut-, Klientel- und Gefolgschaftsverhältnisse mit mehr oder weniger selbständigen Regionen unterschiedlichster Ethnien. So behielten die Stämme in der Regel ihre Herzöge auf fränk. Gnaden. Aufstände zeigten, wie fragil die personell „dünne“ fränk. Herrschaft eigentlich war, destabilisiert vor allem durch Rivalitäten und schlechte Erbteilung im königlich-merowingischen Herrschaftsgefüge. Als probate Mittel der Machtsicherung galten Bündnis- und Heiratspolitik, wie Besetzung strategisch wichtiger Punkte durch fränk. Herren (Gefolgschaftsführer), die sich bei Umritten von der alteingesessenen Bevölkerung und dessen Adel (sofern nicht geflohen) Treueeide schwören liessen.5 Nicht anders werden zukünftige Herrscher des Mittelalters agieren. Macht basierte auf personalen Bezügen! Herrschernähe konnte hinzu eine mögliche Standeserhöhung mit sich bringen, also wurde sie bewußt gesucht. Mit der Zerfall des röm. Staatsheeres ab Mitte des V. Jhs hielten sich die röm. Provinzkommandeure und Feldherrn, ebenso die german. „Warlords“ oder die großen röm. Grundbesitzer ihre Privatsoldaten, die buccellarii, als Haustruppen und Leibwachen, die sie besoldeten und ausrüsteten. Zuzug erhielten jene durch junge Krieger, die sich bei fremden Herren gegen Sold oder Sachleistungen verdingten. Gefolgschaften waren zunehmend seit der röm. Kaiserzeit auch bei den rechtsrheinischen Germanen zu beobachten. Sie sollten für den Kern der Militärstrukturen in den nachfolgenden Jahrhunderten kennzeichnend werden und in den „Ministerialen“ des HMAs mit neuer Rechtsstellung und erweiterten Aufgabenbereichen weiter bestehen. Eine auf Eid basierende Gefolgschaft wurde zum Rückgrat der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaft, nicht nur in militärischen Belangen. Die Mitglieder waren durch regelmässige Zuwendungen, Donative und Stellung der Ausrüstung durch die Herren besser ausgerüstet, als die freien Wehrbauern der Germanen zur röm. Kaiserzeit, die wohl die Masse des Heerbanns stellten [siehe dazu auch Anmerk. unten zu den Illerup-Funden mit einer mgl. erkennbar Hierarchie]. Gefolgschaften befanden sich nicht nur am Königshof, sondern auch bei Herzögen und Grafen, Bischöfen und grossen Grundbesitzern, wer auch immer sich eine Haustruppe (Gesinde, angelsächs.gesiths), durch Eid gebunden, leisten konnte. Das Gefolge erwartete Gegenleistungen. Die Führer/Herren waren zu Erfolg, Einkommen und mglw. Beute verdammt, um ihre Position zu halten. Nicht selten ließ sich der hohe Standard nur durch Expansion und kriegerische Aktionen halten. Das erklärt manche Kommandounternehmen der Südgermanen zwecks Beutemachen auf röm. Territorium in der Spätantike, ebenso wie Plünderungen auf ihren Schiffen an den westeuropäischen Küsten, nach einem Muster, dem auch die Wikinger folgen sollten, oder auch häufig wiederkehrende Einfälle plündernder Reiterscharen aus dem Osten, deren militärische Strukturen ähnlich aufgebaut waren und somit unter gleichen Zwängen standen.

Erst nachdem der Bauer zunehmend weniger zum Kriegsdienst verpflichtet wurde, begann sich in den folgenden Jahrhunderten die Dreiteilung in Nähr-, Wehr- und Lehrstand auszubilden. Der Bauer war Produzent und kein Krieger mehr. Gefolgschaftsanhänger nahmen die militärische Sicherung und politisch-wirtschaftliche Kontrollaufgaben wahr und leisteten Zeugeneide bei wichtigen Vorgängen und Dokumenten. Zu ihrer finanziellen Absicherung erhielten sie Lehen. Die Geistlichkeit und Klöster wurden unverzichtbar in der Urbarmachung wirtschaftlicher Flächen, Herausbildung des Handwerks, Missionierung, Seelsorge oder Reichsadministration. Über allem thronten die Großgrundbesitzer, Kern des hohen Adels und Nachfolger des german. Kleinkönigtums, die sich in der Verwaltung des Reiches unentbehrlich gemacht hatten und erbliche Herrschaftsverhältnisse aufrecht erhielten. Aus ihnen wurde ein Oberhaupt erkoren, in sakrale Sphären erhoben, ein- und allerdings auch wieder absetzbar. Zumindest schöpfte der Adel aus dieser Legitimation die Begründung mancher Revolte. Eigentum an Grund und Boden ist bis heute für unsere Kultur von entscheidender Bedeutung! Je grösser der Grund, desto mächtiger war das persönliche und das Klientel-Gefolge, denn es wuchs die militärische Schlagkraft, desto höher war die Anzahl der unfreien Hörigen, als Basis der wirtschaftlichen Macht und nicht zuletzt wuchs auch die Schar der Handwerker, die sich an den grossen Höfen sammelte, das brachte höhere Qualität von Ausrüstung und Repräsentationserzeugnissen mit sich. Die wirtschaftliche und rechtliche Stellung von Grund und Boden mag nicht weiter als notwendig vertieft werden, Verpachtung, Beleihung oder Verleihung ist obligatorisch. Problematisch sollte die Vererbbarkeit der Verleihung, die nicht immer schriftlich fixiert wurde, und der unvorhergesehene Eigentumswechsel werden, damit sind wir aber bereits im HMA beim Aufstieg der Ministerialität. In diesem Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten verläuft die Entwicklung der europäischen Gesellschaft bis zur Französischen Revolution und in Dtld bis zur Säkularisierung, Auflösung der Grundherrschaft und Bauernbefreiung, Vorgänge mit denen manche Forscher, bzgl. der sozialen Komponente, aus guten Gründen das Mittelalter um 1800 enden lassen. Die Aufklärung brachte hinzu die Säkularisierung des Geistes und verdrängte das Religiöse als bestimmende Kraft des öffentlichen Lebens [Bosl].

Unsere Quellen für das V.-VIII. Jh:

Im Laufe des IV./V. Jhs wurden bei verschiedenen german. Völkern, nach einer langen Phase überwiegender Brandbestattung, durch Berührung mit der röm. Kultur, Körperbestattungen konzentriert und später in Reihen vorgenommen. Die Oberschicht hatte diesbzgl. Vorbildfunktion. In der Regel wird die Ausbreitung der Reihengräberfelder in Europa mit der Expansion der Franken gleichgesetzt. Innerhalb der nächsten 200 Jahre wurde ein grosser Teil West- und Mitteleuropas davon erfasst. Grabbeigaben waren auch nach Einführung des röm.-kathol. Christentums zunächst allgemein üblich, teilweise drückten christl. Heilszeichen auf Schmuck und Waffen den neuen Glauben aus, in einem Nebeneinander von Heidentum und Christentum, das für jene Epoche so kennzeichnend war. Die fränk. Kirche duldete anfangs Grabbeigaben und stellte Grabraub sogar unter Strafe.6 Auch wenn viele Gräber keine üppige Ausstattung zeigen, besitzen wir durch die Summe tausender von Reihengräberfeldern, manchmal mit mehreren hundert Belegungen, aus der Merowingerzeit von Goten, Franken, Alamannen, Baiuwaren, Thüringern, Langobarden, Burgundern, Herulern, uvam. eine Fülle von Alltagsgütern, Schmuck und Waffen. Sachsen und Friesen behielten in der Regel Brandbestattungen bei. Die Fülle dieser Funde sollte sich später in Zentraleuropa, mit Verbreitung des Christentums, in dieser Form nie wieder dokumentieren lassen. Nur in den Randbereichen Europas, auf den Inseln, in Skandinavien und im Osten hatte die Beigabensitte noch eine Weile Bestand.

Ab der 2. Hälfte des VII. Jhs bereitete die Kirche der Totenbeigabe allmählich ein Ende, doch blieb sie in manchen östlichen Gebieten zwischen Thüringen, Böhmerwald und Bayerischem Wald, vermutlich durch slawischen Einfluß, noch bis ins X. Jh hinein erhalten. Im Rheinland hingegen ist zum Ende des VII. Jhs ein deutliches Nachlassen der Beigabensitte erkennbar, der westfälische Raum folgte bald nach. Als Nebeneffekt für die Zeitgenossen, wurde dem Grabraub, der oft in zeitlich kurzem Abstand zum Begräbnis erfolgte, mit der beigabenlosen Bestattung die Grundlage entzogen und den Hinterbliebenen stand mit dem Erbe mehr Sachgütern als vorher zur Verfügung. Zudem wurden im VII. Jh viele Reihengräberfelder aufgelassen, da man dazu über ging Bestattungen bei den Ortskirchen vorzunehmen. Dezente Grabbeigaben waren auch in den nachfolgenden Jahrhunderten mit ausgewählten Objekten, wie Fibeln und Schmuck oder Kleidungsstücken, überall noch lange üblich, bsplw. Ring und Ringfibel von der Bestattung auf dem Hainfeld beim späteren Kloster Arnsburg/Lich, Anf. des XIII. Jhs. Aber es wurde natürlich keine vollständigen Totenausstattungen für das Jenseits mehr vorgenommen. Fibeln hatten hinzu immer einen Sonderstatus, da sich mit ihnen die Totenkleidung zusammenhalten ließen, das heißt sie befanden sich in den Gräbern mglw. an Stellen des Körpers, wo sie zu Lebzeiten nicht getragen worden sind!

Bestattungssitten scheinen uns ein Spiegel von Jenseitsvorstellungen in der jeweiligen Kultur zu sein. Allerdings sind sie auch, in nicht unerheblichen Maß, ein Indiz für Bestattungsrituale der Hinterbliebenen, wobei sich in den Beigaben nicht alleine die Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen äusserte, sondern auch das Gebaren, Auftreten vor der Gemeinde, durch bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Verpflichtungen auferlegt. Mglw stammten die „Beigaben“ teilweise gar nicht von dem Verstorbenen, sondern sie wurden als Anerkennung von einzelnen der Familie/Sippe während der Trauerfeierlichkeiten ins Grab gelegt. So häuften sich mit gehobener sozialen Stellung automatisch mehr Beigaben an! Wir müssen also eine Sondersituation erkennen, die nur bedingt den Alltag wiedergibt. Beigaben sind nicht der Spiegel einstigen Lebens, denn der Bestattete hatte ja nur geringe oder überhaupt keine Entscheidungsfreiheit darüber, was ihn „auf der Jenseitsreise“ begleiten sollte. Unsere Schlußfolgerung zum Leben und Alltag des Verstorbenen bleiben spekulativ und können nur bedingt anhand der Beigaben ermittelt werden. Den sozialen Eliten wurde standesgemässe Kleidung mitgegeben, während es aber bei der Masse wohl keine spezielle Totentracht gab und beigegebene Objekte teilweise deutliche Abnutzungsspuren des täglichen Gebrauchs zeigten.7

Zu beachten gilt, daß wir nur selten vollständig erhaltene Grabensembles bergen und auch nur selten komplette Gräberfelder erfassen können. Oft sind Gräber durch Grabraub gestört, durch Bagger oder Pflüge angeschnitten und zerstört, oft unsachgemäss geborgen worden oder stammen aus vorwissenschaftlichen Altgrabungen.8 Vor allem wichtige Kleinfunde, wie Nieten, Haften, Verbinder, Beschläge, uvam. wurden übersehen oder als unwichtig erachtet. Das heißt, wenn z.B. eine Schnalle solo hier erwähnt wird, kann sie durchaus Nieten oder eine Hafte gehabt haben und war damit nicht automatisch an den Trägerstoff (Leder oder Stoff) angenäht.







In den letzten Jahrzehnten brachten auch die wenigen Siedlungsgrabungen aufschlußreiche Funde ans Tageslicht. Die german. Siedelweise nutzte großflächig günstige Ackerböden, Wassernähe oder Verkehrswege in eher kleineren Siedelstellen und umzäunten Gehöftansammlungen. Selbst grössere Siedlungen beherbergten oft nicht mehr als ein Dutzend Familien mit ihren Nutztieren, in erster Linie Rinder, auch Schafe und Ziegen,9 oder Schweine, seltener Geflügel. Wildtierknochen fanden sich nur an den „Fürstenhöfen“. In Lauchheim war in VI.-VII. Jh zu beobachten, daß die Rinderzucht, die noch zu röm. Zeiten bedeutend war, zurückging. Hinzu nahm die Größe der Tiere ab!10 Für die Erstellung von Ledergürteln sind solche Informationen interessant. Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, daß Rindsledergürtel im FMA und lange Zeit im HMA dünner waren, als heutzutage, da die Tiere kleiner gewesen sind und damit dünnere Häute hergaben. Im zunehmenden Maß erstelle ich dünnere Ledergürtel, da auch Ziege und Schaf für Gürtel stärker in Betracht gezogen werden müssen. Für die Kleidung wurden alle möglichen Ledersorten verwendet. Der Tote im „Sängergrab“ von St. Severin in Köln trug über der Leinen- und Wollkleidung ein Wams aus Ziegenleder. Fingerbreite Riemen aus Schafleder umschnürten kreuzartig die Wadenbinden. Die Schuhe waren aus Rindsleder, die Fingerhandschuhe bestanden aus Wildleder mit Stulpen aus Rindsleder. Einige wenige Funde von Gürteln weisen zusammengenähte Lederstreifen mit textilen Zwirnen in Tunnelzügen auf, wie der Fund aus Grab 34 von Bruckmühl/Kr. Rosenheim oder vermutlich auch das Klerikergrab 8 unter St. Ulrich und Afra in Augsburg, die dem Gürtel Stabilität verliehen. Erst im SMA wurden bekanntermaßen erheblich grössere Rinder aus Ungarn importiert, so daß die in dieser Zeit gefundenen 3-4 mm dicken Lederfragmente (vielfach Funde aus den Niederen Landen) erklärbar sind, Infos siehe auf den Seiten der betreffenden Jahrhunderte.

Desweiteren ergeben Siedlungsgrabungen zur Erstellung von Gürteln wichtige Informationen zum Handwerk der Buntmetallverarbeitung. Sie läßt sich rechtsrheinisch für die röm. Kaiserzeit bsplw. in Kamen-Westwick belegen, ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen nahe der Hohensyburg oder im Stadtbereich Dortmund am Adlerturm, im heutigen Frankenland in Eggolsheim bei Forchheim vom IV.-IX. Jh. Die Germanen waren in der Verarbeitung von Eisen versiert und Verhüttungsplätze sind bekannt, die eng gebunden waren an den unverzichtbaren Energieträger Holz.11 Das klärt die Standortfrage der Eisenproduktion, hinzu kamen im SMA Wasserläufe zum Antrieb der Hämmer. Aber wie sieht es mit Buntmetallen aus? Im Gegensatz zu den Kelten ist bei den Germanen zu römischen Zeiten momentan kein eigenständiger Bergbau nach Silber, Kupfer, zinn- oder zinkhaltigen Erzen nachweisbar, wohl aber nach Bleierzen! In der vorangegangenen Urnenfelder-, bzw. Bronzezeit wurde umfangreicher Bergbau in den Alpen (Mitterberg, Hallstatt oder Hallein-Dürnberg) von den Kelten und deren Vorfahren betrieben, für den böhmischen Raum ist dies wahrscheinlich, für den Harz möglich. Kupferbarren wurden über grosse Entfernungen verhandelt. In den frühen nachchristl. Jhen waren es vor allem die Römer, die einen intensiven Bergbau betrieben. Römische Messing- und Bronzeprodukte sind bei den Germanen von hohem Begehr gewesen. Sie wurden über Jahrhunderte durch Handel oder Plünderungen erworben und als Recyclingmaterial eingeschmolzen. Auch wenn das Schürfen nach Erz für manche Zeitabschnitte bisher nicht nachweisbar ist, das Einschmelzen röm. Artefakte ist hingegen sehr sicher anzunehmen. Röm. Kleingeld in Messinglegierung war in einer Zeit des Tauschhandels als Zahlungsmittel uninteressant, aber es eignete sich hervorragend zur Gestaltung neuer Objekte. Es wird diskutiert, ob mangelnder Zugriff auf Rohstoffe erklären könnte, wie es zur Modesitte der schweren silbertauschierten Eisengürtelgarnituren ab Ende des VI. Jhs kam? Auf der anderen Seite ist festzuhalten, daß die Eisengürtelensembles der Männer zeitgleich mit Bronzeschnallen und -fibeln der Frauen in die Gräber kamen, also waren die Quellen keineswegs versiegt.12 Zur Zierde wurde bei den Eisenschnallen und -beschlägen nicht selten tauschiertes Silber und Messing (als äußerlich goldähnlich) verwendet, beides war damals wertvoll, demnach wäre die Kupfer-/Zinnzufuhr für Bronze sicher, bloß Zink/Galmei für Messing scheint knapp und kostbar gewesen zu sein, so daß letzteres nur durch Einschmelzen erlangt werden konnte. Erst ab karolingischen Zeiten sollte sich das mit einer neuen Messingproduktion ändern.

Die dörflichen Gemeinschaften waren seßhafte Selbstproduzenten, in vielen Dingen autark, abhängig jedoch von Aussaat und Ernte. Was das Dorf nicht selbst erstellte wurde mglw. durch Wanderhandwerker vorgenommen. So sind verschiedene Textil-, Holz-, Horn-, Knochen-, und Lederarbeiten, sowie die Eisenproduktion selbstverständlich. Der Buntmetallguß ist manchmal nachweisbar. Tauschhandel war über lange Zeit Basis des Güter-Austauschs, vor allem für Luxusgüter. Erst mit der Verstädterung des HMAs wurden spezielle Gewerke vonnöten, da der Bürger nicht mehr selbst produzieren konnte, was er zum Leben benötigte. Das brachte neue wirtschaftliche Verhältnisse/Abhängigkeiten und u.a. einen grösser werdenden Münzhandel hervor.

Die Datierungen folgen in der Regel der Chronologie von Ament mit älterer und jüngerer Merowingerzeit (MWZ) zwischen 450 und 720. Ältere MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) in der beim Adel cloisonnierte (mit Almandin- und Glasfluß gefülltes Zellwerk) und die jüngere MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh) in der tauschierte Objekte, filigrane Verzierungen und die Preßblechtechnik in Mode waren.








Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen V.-VII. Jh


V.

-

VI.

Frau/Mann


Schnallentyp mit Kolbendorn in Frauengräbern in München-Aubing mit geripptem Schnallenbügel, dort allerdings Dorn einfacher, bzw. in Grab 253 verloren. Ähnliche Funde aus Eisen im Männergrab in München-Unterhaching.




V-VI_020_bz

25-30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit drei strichverzierten Nieten,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 55,00 EUR










VI.

-

VII.









Frau

Die Befestigung durch drei Nieten mit diesem Schnallentyp fand sich z.B. in Dillingen in Frauengräbern, datiert zw. 545-570.



VI-VII_030_bz

25-30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit drei strichverzierten Nieten,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 59,00 EUR



...mögliche Tragweise, natürlich ohne spätmittelalterliche „Schlaufung“, die Länge ist hypothetisch, vermutlich waren die Riemen erheblich kürzer. Sie wiesen in der Regel keine Zungen auf, so daß die Länge nicht nach der Fundlage im Grab bestimmt werden kann.








VI.

-

VII.









Frau/Mann







Dieser Schnallentyp mit Schilddorn und Schilddorn-Haften befand sich z.B. im Frauengrab in Okarben/Wetterau Grab 10 und Männergrab in Okarben Grab 15 mit zwei Haften, beide vor 550. In Dillingen fand er sich sowohl in Männer-, als auch in Frauengräbern in der frühen Form zw. 525-545 mit kolbenförmigen Dorn und mit Schilddorn in der 2. Hälfte VI. Jh. vor 590. Haften als Befestigung haben sich in diesen Fällen nicht erhalten. Ähnliche Funde auch vom Gräberfeld in München-Aubing.




VI-VII_035_bz

25-30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 69,00 EUR








VI.

-

VII.









Frau/Mann







Der Verbreitungsschwerpunkt der Schild- und Kolbendornschnallen liegt angeblich von Nordfrankreich, Niederrhein, Westfalen, in den Mainraum bis südl. der Donau. Sie bestanden überwiegend aus Bronze, in seltenen Fällen aus Silber. Funde aus Bronze in Krefeld-Gellep oder im Museum Ulm, aus Silber in Wünnenberg-Fürstenberg mit drei Haften [nicht aus Weissmetall, wie manchmal behauptet wird, die Schnalle der Tasche war aus diesem Material, denn der Bestattete war von hohem Rang mit reichen Beifunden wie einer Ringknaufspatha]



VI-VII_035_bz

25-30 mm Riemen (Grubengerbung natur)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 69,00 EUR










VI.

-

VII.









Frau/Mann









Eckige Schnallentypen mit festem Beschlag waren recht häufig. Ein ähnlicher rechteckiger Typ mit festem Beschlag, aber schlichter, fand sich z.B. in Wölfersheim/Wetterau aus dem VI. Jh, Befestigung, wie bei unserer Ausführung, mit drei Ösen, fragmentiert in Nieder-Ingelheim, Frauengrab 1. Ähnliche Funde auch von Kumpfmühl bei Regensburg oder Feldmoching, absolut identische langobard. Funde im Museum Cividale de Friaul (AO).



Schnalle m festem Beschlag_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Stegösen auf der Unterseite und Befestigung mit

Holzstiften oder Lederschnüren, wie in Pleidelsheim.

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 39,00 EUR






Ende

VI.

-

VII.







Frau







Angeregt durch die schweren grossen Gürtelensembles der Männer im VII. Jh (s.u.) begannen auch Frauen in der jüngeren MWZ im Westen aufwändigere Gürtelgarnituren zu tragen. Nur in den alamannischen Gebieten östlich des Schwarzwaldes und bei den Baiuwaren hielten sich die schmalen Gürtel mit einfachen Schnallen, wie obige Typen.





VII_040_bz

im Tierstil Id

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Flachnieten,

Zungen hierzu sind manchmal nachweisbar.

montiert 85,00 EUR








Wir setzen quasi voraus, daß die Gesellschaft des FMAs auf gewaltsamen Erwerb und Erhalt von Gütern und Rechten, Vermehrung von Einfluß und Besitz mit Waffengewalt ausgerichtet war. Deshalb werden von uns Waffen als unverzichtbarer Bestandteil des Lebens in räumlich weit voneinander getrennten Siedelstellen angesehen. Doch in der überwiegend bäuerlich ausgerichteten Lebensweise war der Kriegsdienst nur ein Ausnahmefall, nachdem die Wanderbewegung abgeschlossen und der Boden neu verteilt war. Eine Waffenbeigabe in den Gräbern ist keineswegs selbstverständlich und in manchen Gegenden sogar vollkommen unüblich, wie bei der Wielbark-Kultur, die nach alter Lehrmeinung den Goten zuzurechnen ist.13 Auch die Goten auf röm. Reichsboden in Gallien, Italien oder Spanien gingen der Waffenbeigabe in der Regel nicht nach, genauso wenig wie es die Römer gehandhabt hatten. Während Franken, Alamannen, Baiuwaren oder Thüringer der Sitte eher anhingen. Nur wenige Bestattete wurden mit einer vollen Waffenausrüstung und Schwert begraben, worin sich der Adelige oder der Freie erkennen läßt, der umgeben war von seinen Gefolgschaftsleuten und den Halb- oder Unfreien. Einfache Gräber enthalten eher Gebrauchsgegenstände, wie Messer, zuweilen eine Lanzenspitze oder eine Saxklinge, meist aber gar keine Waffen, denn Unfreie, also die Mehrheit der Bevölkerung, trug keine Waffen.

Ein Männergrab wird eher durch bestimmte Nutzgegenstände, Feuerstahl, Messer, Wetzstein, Rasiermesser, Kämme, Metallfragmente oder Gürtelteile, bei ungestörtem Befund meist im Taillenbereich, charakterisiert, nicht unbedingt durch eine Waffenbeigabe. Eine gewisse Anzahl Gräber enthielten Lanzen- oder Speerspitzen, Äxte (oft spezielle Streitäxte und keine Holzspaltwerkzeuge), in einem begrenzten Zeitraum einschneidige Hiebmesser (Saxe), selten Pfeilspitzen oder Schildbuckel und ziemlich selten zweischneidige Schwerter (Spathen) oder Zaumzeug mit Reitausrüstung (Sporen, Steigbügel, etc), die immer Kennzeichnen von Fürsten und Gefolgschaftsführern waren.14 Helmfunde sind, nach Wegfall der in Massen produzierenden röm. fabricae im Westen, in Gräbern grundsätzlich äusserst selten, beschränken sich auf die Eliten, da sie als wertvoller Teil der Ausrüstung galten und tauchen deshalb, wie manch kostbare Waffen, Schwerter oder verzierte Lanzenspitzen zuweilen auch als „Opfer-/Gewässerfunde“ auf. Die hier aufgezeigte Reihenfolge wird in der Regel als Ausdruck einer sozialen Hierarchie in Kombination mit unterschiedlich wertigen Metallen verstanden. Manchmal sind Kombinationen der Waffentypen für eine chronologische Abfolge von Belang. Dabei wird deutlich, daß sich die Waffentechnik mit jeder zweiten, spätestens der dritten Generation änderte, ein Hinweis auf neue Militärtaktiken! Neben der großen Masse der beigabenarmen Gräber, damit leider auch oft geschlechtsneutralen Bestattungen, werden wir auch bei den Frauengräbern an der Wertigkeit und Häufigkeit der beigegebenen Metalle für Fibeln, Gürtel, Gürtelgehängen oder die zeitlich begrenzten und seltenen Wadenriemengarnituren der jüngeren MWZ eine vertikale soziale Hierarchie erkennen können. Auch hier halten sich Schmuckformen selten länger als zwei Generationen. Die Grabausstattungen sind also Modesitten unterworfen, wobei die sozialen Eliten in diesen Belangen voranschreiten.

Nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Befunden (Fundsituation), Auflistung der Funde und zeichnerische Abbildung im Katalogteil beschränken sich auch viele Frauengräber auf nur wenige Beigaben, meist Keramik, Kämme aus Bein, Spinnwirtel, hin und wieder Schmuck, wie Perlen, Nadeln oder Fibeln, manchmal nur einfache Ringe, Eisen- oder Buntmetallfragmente, deren Nutzen oft unbestimmt bleibt. An Schnallen der älteren MWZ bis zur Mitte des VI. Jhs finden sich bei Mann und Frau lediglich einfache Typen aus Eisen oder Bronze (s.o.) ohne Beschlagbleche, mit Haften befestigt. Mit Beginn des VII. Jhs, in der jüngeren MWZ, haben wir nur bei den waffentragenden Männern teilweise recht aufwändige Gürtelgarnituren, wobei für Spathen oft zusätzliche Riemen, auch als Schulterriemen, nach röm. Sitte, verwendet wurden. In der 2. Hälfte des VII. Jhs nahmen die Beigaben regional unterschiedlich deutlich ab, als Zeichen veränderter Bestattungssitten. In unseren Populärpublikationen werden allerdings meist beigabenreiche Frauengräber mit Edelmetallschmuck, wie Ohr- und Fingerringe oder Armreifen, Taschen, Ketten, Amulettkapseln, Wadenriemen und die waffenstrotzenden Männergräber exemplarisch herangezogen, der Rest ist auch ziemlich langweilig und würde niemand in eine Ausstellung ziehen oder eine dieser Publikationen erwerben lassen. Es wird nur in wenigen Museen eine grössere Bandbreite gezeigt. Wir sollten uns aber immer die Besonderheit dieser besprochenen Gräber vergegenwärtigen. Sie sind nicht typisch für die breite Masse der frühmittelalterlichen Gesellschaft, sondern oft nur für deren soziale Spitze und die unmittelbar Untergebenen!



Die Männergürtelmode des V. Jhs war noch lange Zeit von der römischen Militärausrüstung mit breiten Gürteln, breiten Zierstreckern, Riemenschieber und Zungen dominiert. Durch die Riemenschieber wurden die Zungen zur Seite geführt. In der 2. Hälfte des V. Jhs, bzw. in der Wende zum VI. Jh finden sich einfachere auf reine Schnallen „reduzierte“ Exemplare, manchmal mit Tierkopfschnallen, oft simplen Eisenschnallen oder bronzenen Varianten mit Kolben- oder Schilddorn, s.o. Durch die Reduzierung auf die Schnalle ist es schwer eine Aussage über die Gürtelbreite zu treffen, wenn das Leder vergangen ist, und ohne Riemenzunge und Fundsituation (Befund), also Lage im Grab, ist auch die Länge nicht zu bestimmen. Ab Ende des VI. Jhs wurden die Gürtel aufwändiger mit Schnallen-, Gegen- und manchmal Rückenbeschlag und teilweise kleinen Riemendurchzügen beschlagen. Die Durchzüge aus Eisen oder oft Bronze (wie teilweise in den Männergräbern 16, 29, 34, 37, 38, 42b, 122 u 127 von Ober-Ingelheim) konnten als Saxhalterungen dienen. Manchmal sind sie auch nur der Hinweis auf die Waffe, wenn das Grab gestört wurde und der Sax fehlt.

Rekonstruktionen nach Männerausstattungen Ende VI.-VII. Jh






Ende

VI.

-

VII.









Diese eher schlichte Form fand sich ähnlich z.B. in Leihgestern IV/Wetterau um 600.



VII_050_vs

35 mm Riemen (braun/natur/rot)

mit Rücken- und Gegenbeschlag,

Zunge angefügt, aber nicht immer nachweisbar,

Befestigung mit „Scheinnieten“, wie häufig belegt

montiert 79,00 EUR



VII_055_vm

35 mm Riemen (braun/natur/rot)

mit Rücken- und Gegenbeschlag,

Zunge angefügt, aber nicht immer nachweisbar,

montiert 79,00 EUR






Ende

VI.

-

VII.







Merowinger / Sachsen / Alamannen / Baiuwaren







Falls keine Eisengarnituren vorliegen, waren diese schlichten Bz-Formen ohne Ziermuster relativ häufig und unterscheiden sich geringfügig in der Form der Beschlagplatten, in der Bügelzier oder verwendeten Befestigungsnieten.



VII_060_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte Nieten

und Gegenbeschlag ohne Rückenbeschlag,

auch eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 115,00 EUR







...ähnlich schlichte Riemendurchzüge u.a. für den Sax sind z.B. aus Beckum, um 600 datiert oder aus Stetten, Ende VII. Jh, bekannt.



VII_60_bz mit Riemendurchzügen Typ 1 optional



VII_70_bz mit Riemendurchzügen Typ 2 optional






Ende

VI.

-

VII.







Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen, oft mit diversen Punzmustern versehen, mit Gegen- und Rückenbeschlag haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich (m. kreuzstrichverzierter Niete z.B. in Trouans) über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.



VII_070_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte Nieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 139,00 EUR




mgl. Tragweise und Rückenbeschlag...





4



Mitte

VII.







Diese grossen schweren Gürtelgarnituren des VII. Jhs wurden vornehmlich aus Eisen mit Tauschierungen gearbeitet, wenige Formen fanden sich auch aus Bronze mit aufwändigem Ziermuster, Gegen- und Rückenbeschlag mit einem Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland.



VII_080_bz

45 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Buckelkopfnieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 179,00 EUR





Rückenbeschlag zu VII_080_bz



In der 2. Hälfte des VII. Jhs wurden im heutigen östlichen Süddtld, angeregt durch Reitervölker, wie die Awaren oder durch langobardischen Einfluß, mehrteilige Gürtelkombinationen genutzt [Rekon. wird folgen]. Sie hatten eine Anzahl angenieteter Nebenriemen mit Zungen, an denen wohl Teile der Schutzbewaffnung, Bogenköcher und weitere Ausrüstung angeschnallt wurden, für Reiter im Sattel ausserordentlich praktisch. Zum VIII. Jh hin wurden die Gürtel deutlich schlichter, wie ein reduziertes Derivat der vielteiligen Garnituren, teilweise nur noch mit einer Gürtelzunge am Riemenende. Breite Formen der Riemenschieber, wie in Hochemmerich oder vom Runden Berg in Urach, führten den Hauptriemen und weisen darauf hin, daß die Gürtelenden nicht lang herabhingen. Breite variable Schieber wurden an Gürteln und schmale an Sporenschnallen fixiert. Sie lassen sich genauso in Wikingergräbern (Birka, Rimsby) nachweisen und finden sich im gesamten mittelalterlichen Fundgut.

Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen VII.-VIII. Jh








VII.

-

VIII.









Frau/Mann









Eine ähnlich schlichte Zunge mit Kreisaugenverzieruung fand sich z.B. in einem Grab des Doms zu Eichstätt und eine bronzene Schnalle in Kaarst am Niederrhein, dort kombiniert mit Blech aus Eisen.



VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Befestigung durch Flachnieten,

Zungen mit Kreisaugenverzierung,

montiert 79,00 EUR






V.

-

VIII.







Frau/Mann





Einfache ovale flach- und rundstabig geschmiedete eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen. Manchmal lagen mehrere unterschiedliche Größen von 2 bis 4 cm in einem Grab, wie in den Frauengräbern 10 u 26 von Ober-Ingelheim.





[Bild folgt]

V-VIII_20_eis

Ovale Schnalle in 20-30 mm Breite,

39,00 EUR

Riemen Grubengerbung natur






VIII.

-

IX.







Mann







Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach (AO). Auch Eisen mit Blechen möglich, siehe z.B. Palenberg I (St. Peter) Grab 13 u 18 in Qualburg bei Kleve VII. Jh.



VIII-IX_20-40_eis

in den Breiten 20/30/40 mm,

29,00 / 39,00 / 49,00 EUR je nach Riemenbreite

Grubengerbung natur



Fibelreplikate V.-VII. Jh



Zur Mode

Die ost- und nordgermanische Frauentracht hielt noch lange am gefibelten Kleid (Peblos) fest, während die westgermanische sich durch den Kontakt mit der römischen Kultur zur Tunika wandelte. Damit benötigten die ostgerman. Frauen mehr Fibeln (u.a. die paarigen Silberblechbügelfibeln der Oberschicht, die sich bei den Westgoten noch lange halten sollten), um das Kleid, bzw. die Schürze zu halten, während im Westen die Fibeln eher zum Verschluß eines Umhangs oder Mantels dienten. Bis ungefähr zur Mitte des V. Jhs dienten Stützarm-, Bügel- oder Gleicharmfibeln, bei den Sachsen auch Armbrustfibeln, manchmal auch röm. Altstücke, als übliche Mantelverschlüsse im Hals- und Schulterbereich. Mit Beginn der älteren Merowingerzeit war die Oberschicht häufig an der Vierfibeltracht zu erkennen, wobei neben einem paar Kleinfibeln am Oberkörper nun grössere Bügelfibeln im Beckenbereich oder am Unterkörper getragen werden konnten, manchmal in Verbindung mit einer Amulett- /Schmuckkette oder einem Gehängeband, das auch am Gürtel befestigt sein konnte. Die Funktion dieser tief getragenen Fibeln ist nach wie vor umstritten und es ist unsicher, ob sie den Mantel oder das Obergewand fixierten, das Gehängeband trugen, einen Stoffgürtel oder eine Schärpe in Form hielten, vielleicht nur das Totengewand schlossen.15 Manchmal haftete ihnen Brettchengewebe an, mglw. das Indiz für den Stoffgürtel oder eine Kantenborte. Diese Fibeln wurden in der Regel aus Bronze oder Silber gegossen und waren nicht selten feuervergoldet, zeigten somit deutlich den Rang der Trägerin. Sowohl bei den Kleinfibeln, in Form von stilisierten Pferden, Vögeln, S-förmigen Wesen und zuletzt kleinen Scheiben, manchmal mit Ketten verbunden, wie in Unterhaching, als auch bei den Bügelfibeln, waren die beiden paarigen nicht immer gleichen Typs. Im Frauengrab 1 aus Heidenheim-Großkuchen des VI. Jhs befanden sich bsplw. zwei vergoldete silberne Bügelfibeln unterschiedlicher Form, ebenso im Grab 10 des Gräberfelds I von Frei-Weinheim bei Ingelheim aus der 1. Hälfte des VII. Jhs. Die Kleinfibeln, und seltener Bügelfibeln, der gehobenen Schichten des VI. Jhs wurden in der Regel nicht durch den Stoff gestochen, sondern mit kleinen Textilschlaufen oder Ösen befestigt, damit der Stoff geschont wurde.16

Ein Kennzeichen des Übergangs zur jüngeren Merowingerzeit war die Ablösung dieses Fibelensembles durch eine einzelne Scheibenfibel, nach byzant. Modesitte, regional unterschiedlich um 600, wobei es im Übergang auch Mischformen der Fibelkombinationen gab, siehe Frei-Weinheim mit Bügel- und Scheibenfibel, oben. Im westlichen Frankenreich fasste die Sitte der einzelnen Fibel bereits Ende des VI. Jhs, während sie im Mittelrheingebiet und in Süddtld teilweise erst Mitte des VII. Jhs übernommen wurde. Tiermotive des Stils II tauchen in der jüngeren MWZ des VII. Jhs auf. Auch von den Scheibenfibeln konnten metallene Ketten hängen mit kugelförmigen Amulettanhängern. Ebenfalls auf Modesitten der byzant. Prunkgewänder läßt sich die vielfältige Verwendung von Perlen auf Strängen oder gestickt auf Gewandung und Gürtel zurückführen. Bei den aufgefädelten Perlenketten wurden in der älteren MWZ grosse und mittlere, in der jüngeren MWZ eher kleinere Glasperlen bevorzugt. Die Glasperlen waren opak oder transluzid, auch Bernstein-, Bergkristall und Amethystperlen, Muschelscheiben und gelochte oder mit Aufhängeösen versehene Münzen möglich.

Bei Männerbestattungen sind Fibeln weitaus weniger zu beobachten als bei Frauen. Möglicherweise wurden eher Knochen-, Geweihnadeln oder Bindesysteme getragen, so daß keine Rückstände nachweisbar sind. Aufgrund der kostbaren Goldbrokatbrote, die den Rand des wollenen Umhangs im Männergrab 143 von Greding-Großhöbing schmückte, ist zu folgern, daß er durch das Knoten von Bändern zusammen gehalten wurde. Auch der Schwertträger in der Kirche St. Benedikt zu Mals im Vinschgau trägt seinen Mantel auf der rechten Schulter geknotet, ähnlich auch noch Abb. in der Viviansbibel Karl des Kahlen Mitte IX. Jh.

Weitere Infos zur Kleidung im FMA siehe: Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau, S. 88ff und Am liebsten schön bunt! Kleidung im Frühen MA.







V.

-

VI.





Goten / Langobarden / Baiuwaren / Merowinger





Vogelfibel

Funde in Metz, Burgund und Limburg/NL ähnlich



VI_Vogelfibel_bz

3,4 x 1,6 cm

- momentan nicht lieferbar -






VI.





Langobarden / Baiuwaren / Alamannen





Rechtsläufige S-Fibel mit Raubvogelköpfen nach Funden in Altenerding und ähnlich Künzing Bruck 2. Hälfte VI. Jh, ähnlich auch langobard. im Museum Cividale de Friaul (AO).



VI_S-Fibel_bz

Länge 3,7 cm

Paar 45,00 EUR






VI.





Franken / Merowinger / Baiuwaren





Kl. Scheibenfibel

Funde in Inzing, Lezoux und Limburg/NL ähnlich, ebenso Annäherung an Fund in Grab 213 von München-Aubing.



VI_Scheibenfibel_bz

Durchmesser 2,2 cm

- momentan nicht lieferbar -






VI.





Alamannen / Baiuwaren





Rosettenscheibenfibel

Funde im süddt. Raum häufig. Rekonstruktion orientiert sich an Beständen der Archäolog. Staatssammlung in München (AO). Die frühen Formen Ende des V. Jhs waren eher kreisrund, während die späteren des VI. Jhs diese Rosettenform annahmen.



VI_Rosettenscheibenfibel_bz m. rotem Glasfluß

Durchmesser 3,8 cm

das Paar 45,00 EUR






VI.

-

VII.





Alamannen / Langobarden / Baiuwaren / Merowinger / Sachsen / Angelsachsen





Bügelfibel mit rechteckiger Kopfplatte

Funde dieses Typs in Lauchheim/Wasserfurche bereits Ende V. Jh, aus dem VI. Jh Nordendorf bei Augsburg, ähnlich Freundorf/NÖ 2. Hälfte VI. Jh, Okarben/Wetterau Grab 11 Mitte VI. Jh, Menzelen-Rill bei Duisburg, ähnlich in Krefeld-Stratum und im VII. Jh in Kent, sowohl Einzelfunde, als auch paarweise.



VI-VII_Rechteckkopffibel_bz oder vs

Länge 9 cm

Paar bz 85,00 oder vs 90,00 EUR






VI.

-

VII.







Alamannen / Baiuwaren / Merowinger







Bügelfibel mit halbrunder, knopfverzierter Kopfplatte und endständigem Tierkopf. Bereits seit dem ausgehenden V. Jh sind Bügelfibeln mit Tierkopf nachweisbar.




VI-VII_Bügelfibel_bz oder vs (Bild anklicken)

Länge 7,2 cm

das Paar 50,00 / vs 55,00 EUR






VI.

-

VII.





Alamannen / Baiuwaren / Merowinger / Langobarden







Bügelfibel mit rechteckiger, knopfverzierter Kopfplatte und endständigem Tierkopf. Das Exemplar aus Frei-Weinheim war aus Bronze gegossen und wurde nicht vergoldet.




[Bild folgt]

VI-VII_Bügelfibel rechteck u Tierkopf_bz

Länge ... cm

das Paar 110,00 EUR






VI.

-

VII.





Alamannen / Baiuwaren / Merowinger / Langobarden







Bügelfibel mit halbrunder, knopfverzierter Kopfplatte und endständigem Tierkopf.




[Bild folgt]

VI-VII_Bügelfibel halbrund u Tierkopf_bz

Länge ... cm

das Paar 110,00 EUR








Die hier gezeigten Fibeltypen kommen im VII. Jh, regional unterschiedlich, aus der Mode. Bis zu 5 cm grosse Scheibenfibeln waren nun Bestandteil der Frauentracht, seit den Karolingern wurden sie auch von Männern getragen, teilweise kleinere und einfachere Exemplare siehe auf den Seiten IX.-XII. Jh. Nach Funden der letzten Reihengräberfelderbelegungsphase und Abbildungen gemäß läßt sich folgern, daß Frauen ihre Übergewandung mit diesen Fibeln unter dem Hals, bzw. auf der Brust und Männer auf der rechten Schulter schlossen, sofern keine Nadeln oder Bindesysteme genutzt wurden, die für einfache Darstellungen mit Sicherheit eher angebracht sind.










Quellen und weiterführende Literatur:

- Ade, D./ Rüth, B./Zekorn, A.: Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau, Stuttgart 2008.

- Bosl, K.: Europa im Mittelalter (1970), Ausgabe Darmstadt 2005.

- Dannheimer, H.: Das baiuwarische Reihengräberfeld von Aubing, Stadt München, Stuttgart 1998.

- Grütter, T./Jung, P./Stephan-Maser, R.: Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und FMA an Rhein und Ruhr. Katalog zur Ausstellung, Essen 2015.

- Haas-Gebhard, B.: Unterhaching. Eine Grabgruppe der Zeit um 500 n.Chr. bei München. Arch. Staatssammlung München 2013.

- Ilkjaer, J.: Gegner und Verbündete in Nordeuropa während des 1. bis 4. Jhs, in: Norgard-Jorgensen, A. u Clausen B.L. (Hrsg.), Military Aspects of Scandinavian Society in a European Perspective, AD 1-1300. Copenhagen 1997, S. 55 ff.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Kulikowski, M.: Die Goten vor Rom, dt. Stuttgart 2009, engl. Rome´s Gothic Wars. From the Third Century to Alaric, Cambridge 2007.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Perin/Menghin/Wieczorek/vWelck: Die Franken Wegbereiter Europas 5. bis 8. Jh. n. Chr., Ausstellungskatalog Mainz 1997.

- Ravaux, J.P.: La Collection Archeologique de Mme Perrin de la Boullaye, Chalons-en-Champagne 1992.

- Springer, T.: Frühgeschichte. Archäolog. Funde von den Römern bis zum MA im GNM, Nürnberg 2014.

- Thiedmann, A.: Die merowingerzeitlichen Grabfunde in der Wetterau. Materialien zur Vor- u Frühgeschichte von Hessen, Wiesbaden 2008.

- Walter, S./Peek, C./Gillich, A.: Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, Esslingen 2008.

- Wenzel, A.: Zwischen Childerich und Karl dem Großen. Der Ingelheimer Raum in fränk. Zeit. Katalog zur Ausstellung Nieder-Ingelheim 1997.

- Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog der Villa Hügel Essen 1956.









IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh



zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite

1/Gleich vorweg: Übernommen und erhalten wurde es vornehmlich von denjenigen, die davon profitierten. Wie im Röm. Reich die Masse besteuert und die soziale Elite privilegiert wurde, änderte sich in den Nachfolgestaaten an diesem System nichts, die Kirche sorgte für die moralische Rechtfertigung, spendete den Nicht-Privilegierten Trost und verwies auf das Jenseits. Vor der Übernahme soll das Gesellschaftssystem der Germanen angeblich freier und offener gewesen sein. Ob das eine romantische Verklärung ist oder auf historischen Tatsachen beruht, möchte ich für mich zukünftig noch klären. „Klären“ und möglichst nicht „verklären“ ist für mich die Aufgabe, die natürlich eine subjektive Sichtweise in sich trägt, objektiv schreibt niemand. Auch hatte ich lange Zeit Probleme mich dem „Germanischen“ überhaupt anzunähern, da mir die Beschäftigung damit anrüchig erschien. Das habe ich inzwischen abgelegt. „Germanentum und Deutschtum sind nicht identisch“, [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Die unerlaubte Gleichsetzung war ein Kerngedanke in den 12 Jahre unserer jüngeren Vergangenheit, der sich aber innerhalb so grosser Entwicklungszeiträume problemlos ausklammern läßt, wenn man dazu auch jegliche verherrlichende Anschauung und Literatur dieses Zeitraums ausklammert oder kritisch hinterfragt, das heißt aus Kossinas Dt. Vorgeschichte von 1941 mag eine Abb. vom röm. Denkmal aus Adamklissi interessant sein, mehr aber auch nicht. Ich bin mir über die Bedeutung dieser 12 Jahre bis in unseren heutigen politischen und kulturellen Alltag vollkommen im klaren. Aber unsere zeitlich weit entfernten Vorfahren, um die es mir ja geht, konnten nichts dazu, sie haben die Saat nicht gesät und es gibt keine direkte Entwicklungslinie dahin, keinen Automatismus. In Nord- und Mitteleuropa haben wir germanische, keltische und slawische Wurzeln aus vorchristlichen Zeiten und seit den Römern bis heute eine enorme Völkermischung erfahren. Von dem oft beschworenen „Urtypus“ ist also kaum noch etwas übrig, das ist nationales Gedankengut des XIX. Jhs. Wenn etwas typisch ist, dann sind es die klimatisch-räumlichen Bedingungen, die jedes Volk prägen. Sie verbinden Völker mental oder entfernen sie voneinander. In unserer Gegenwart ist dies ein nicht unerhebliches Problem der EU. Wie kann ein Finne grundsätzlich Verständnis entwickeln für die Probleme eines Sizilianers? ... Es ist bereits für uns Einzelne schwer über persönliche Erfahrungen, daraus resultierende Anschauungen, Werte und Grenzen hinweg zu sehen, ungleich schwerer ist es für eine kollektive Gemeinschaft, wo noch ganz andere übergeordnete Mechanismen wirken.

2/Die folgenden Begrifflichkeiten mögen vielen bekannt vorkommen: Nach den Reformen der beiden Herrscher beruhten die größten Einnahmen des Staates auf der Grundsteuer des landwirtschaftlichen Besitzes, hinzu kam die Kopfsteuer, die alle 15 Jahre nach dem Steuerkataster neu geschätzt wurde. Auch indirekte Steuern und die Zölle füllten die Kassen. Dazu kamen die persönlichen Hand- und Spanndienste bei Großbauten, die Herbergs-, Quartier- und Versorgungspflicht für reisende Beamte oder die Armee, die Stellung von Zugtieren für die Post, uvam. Nur die Mittel- und Unterschichten wurden für Dienste und Steuern hptsl. herangezogen. Senatoren, Großgrundbesitzer und die Kirche waren von diesen Lasten befreit! Dafür leisteten jene ehrenamtliche Dienste in der Verwaltung und hafteten mit ihrem Privatvermögen für die Schwächen ihrer Amtsführung (!), für die Aufbringung des Steuersolls und zahlten die Reststeuerschuld aus ihrem Vermögen. Um eine Ämterflucht zu verhindern wurde die städtische Verwaltung, neben anderen Dienstpflichten, zum erblichen Frondienst für den „Bürger“ als Stadteinwohner. Auch Staatsdiener und Soldaten wurden erblich an ihren Beruf gebunden. Viele Großunternehmen, wie Bergwerke, Waffenfabriken, Tuchwebereien, Brennöfen, Münzstätten, etc. befanden sich in Staatshand, somit waren die Beschäftigten zwangsverpflichtet und hatten keine freie Berufswahl. Es entstand ein staatliches Zunftwesen und eine statische Gesellschaftsordnung von strengen „Kasten“, ohne Dynamik, ohne soziale Mobilität oder Aufstieg. Die Privatinitiative in der Wirtschaft erlag, so daß der Staat wiederum als Hauptabnehmer, vor allem durch die Armee, einspringen musste. Handel und Geldwirtschaft gingen zurück, zunehmende Naturalwirtschaft erzwang die Steigerung landwirtschaftlicher Produktion. Aber auf dem Land herrschte ein Mangel an Arbeitskräften, da Jahrhunderte lang Sklaven diese Dienste verrichtet hatten und der Nachschub mangels grosser Eroberungen und Siege ausblieb. Das freie Kleinbauerntum verfiel stetig, einher ging die Monopolisierung durch senatorische Großgrundbesitzer, die aufgekauftes Land verpachteten. Der nun abhängige Bauer wurde durch Erbpacht an seinen Grund gebunden (Schollenbindung), damit der Boden nicht brach fiel und die Grundsteuer, als Hauptsteuer des Staates, erbracht werden konnte. Der Bauer galt als unveränderliches Zubehör von Hof und Gut, ein Vorbild für die mittelalterliche Grundherrschaft. Ganze Landstriche lagen durch kriegerische Handlungen, Flucht und sinkende Zahlen der Landbevölkerung wüst. Da man die zuziehenden Barbaren nicht dauerhaft abhalten konnte, wurde ihnen Grenzland angeboten, im Gegenzug für die Verteidigung dieser Räume, wie im Fall der Franken in Toxandrien oder der Goten auf dem östl. Balkan und später sogar tief im Reichsgebiet, in Aquitanien. Durch die Vergabe von Land an diese Foederaten entfielen dem Staat aber die Steuereinnahmen der einstigen römischen Grundbesitzer. Durch die fehlenden Gelder konnten Soldaten in röm. Diensten oft nicht mehr besoldet werden, so daß die Reichsverteidigung immer stärker durch selbständige barbarische Kontingente übernommen wurde, die kein Sold, sondern Land zur Eigenbewirtschaftung verlangten. Den Westgoten wurde bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. Nicht anders handhabten es die großen röm. Grundbesitzer mit ihren Privatsoldaten, den buccellarii, mit denen sie auch die niedere Gerichtsbarkeit durchsetzten und, ähnlich wie die angesiedelten Germanen, allmählich eigene Machtzellen im Staat bildeten. In den Provinzen lag seit jeher das wirtschaftliche, politische und militärische Schwergewicht. Sie wurden beherrscht von immer selbständiger werdenden Grundbesitzern, Statthaltern und Generälen, von barbarischen Heerführern, den „Warlords“, die für Sold und Beute stritten, so daß der Einfluß der zentralen Regierung in den vier grossen Präfekturen schwand. „...bereits in der ausgehenden Antike erwuchs eine feudale Gesellschaftsordnung,“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14], [ansonsten nach Bosl 1970, heute bzgl. der Frage des „Zwangsstaats“ in der Forschung nicht unbestritten, denn verglichen mit der modernen Bürokratisierung waren die Mittel und Möglichkeiten in der Spätantike eher moderat].

3/Auch die Alamannen blieben in eng umgrenzten Räumen. Ursprünglich waren es suebische Stämme, die aus dem Elbe-/Saaleraum vor Jahrhunderten Richtung Südwestdtld. gezogen waren. Durch weitere Zuzüge bildeten sich in der Spätantike german. Großverbände, mglw. ausgelöst durch den starken militärischen Druck der Römer oder die röm. Politik der protegierten german. Klientelfürsten, die mit Geschenken versehen, große Anhängerschaften sammeln konnten. Rom wollte urspl. german. Interessen gegeneinander ausspielen und es hatte diesen Zentralisierungsprozeß mglw. selbst ausgelöst, welche die neuen german. Mächte schuf. Neben „Franken“, „Sachsen“, „Thüringer“, etc., waren die „Alamannen“ (ob Selbstbezeichnung ist unklar) einer dieser Großverbände, die in der 2. Hälfte des III. Jhs die Römer aus dem südwestdt. Raum drängten und weite Kriegszüge ins Röm. Reich bis über die Alpen führten. Mit grossen Heerscharen, aber oft auch nur in kleinen Kommandounternehmungen, wurde Beute aus dem Reich eingetrieben, um Nutznießer von röm. Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs oder der Waffentechnologie zu werden. In den eroberten ehem. röm Provinzen Obergermanien und Teilen Raetiens wurde die provinzialröm. Bevölkerung vom Land vertrieben und bildete in den wenigen verbliebenen Städten röm. Kulturinseln, wie in Konstanz, Basel, Bregenz, Zürich, Kempten oder Augsburg. Es läßt sich noch heute sprachlich fassen, daß sich das german. Element im südwestdt. Raum stärker als im linksrheinischen Gallien oder weiter auf röm. Reichsterritorium erwies. Dort waren die eingefallenen Germanen gegenüber der provinzialröm. Bevölkerung in der Unterzahl. Pirenne, [Europa im MA, S. 23] weist deutlich darauf hin, daß sich von der Sprache der Eroberer auf dem ehemaligen röm. Reichsboden kaum etwas erhalten hat, nur in den Grenzbereichen, in Flandern, am Niederrhein, im Elsaß und im Alpenraum wurde die german. Sprache heimisch, ansonsten ging die german. Kultur innerhalb weniger Generationen in der der römischen Provinzialen auf, die Sprache wurde latinisiert und romanisiert! Die Romanischen Sprachen obsiegten im Westen mit Französisch, Provenzialisch, Spanisch, Portugiesisch, Rätoromanisch und Italienisch. Alamannen, Burgunder, West- und Ostgoten, Sueben, Langobarden uvam. hatten in der Regel aus der röm., bzw. provinzialröm. Bevölkerung keinen Rückhalt und galten als fremde Besatzer und Barbaren, während hingegen die Franken um 500 ihren Glauben auf die ehemalige Reichsreligion ausrichteten, förderten sie das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bevölkerung. Darin liegt vermutlich das Fundament ihres Aufstiegs begründet und es bedurfte nur eines machthungrigen Potentaten, wie Chlodwig, der diese Entwicklung eingeleitet, auch geschickt und skrupellos für sich nutzte, indem er sich der vorhandenen Reste des einst mächtigen röm Staatsapparats und seiner kulturellen Errungenschaften bediente. Die Laienkultur, die Schriftlichkeit, das Steuer-, Rechts- und Münzwesen besassen nicht mehr ihren ursprünglichen Stellenwert und waren im Zerfall begriffen. Um die Reste zu erhalten und für sich zu nutzen galt die provinzialröm. Bevölkerung für die Franken als unentbehrlich.

4/Diese personellen Bindungen erklärt vielleicht, weshalb Germanen bereits vorher vom III. bis V. Jh innerhalb der röm Ämterhierarchie sehr hohe Positionen als Heermeister einnehmen konnten. Die Söhne german. Anführer wurden als Geiseln bereits seit langem in die röm Welt eingeführt, durch und durch romanisiert und mit röm Ämtern und Titeln versehen. Und bereits Konstantin hatte ihnen den Weg in die höchsten militärischen Ämter geöffnet. Mglw. stand dahinter die Überlegung die german. Kontingente unter röm Fahnen nur durch ihre eigenen Befehlshaber zu halten, um Massendesertationen zu vermeiden. Da jene niemals dem unpersönlichen Staat die Treue, sondern nur gegenüber Personen, halten würden.

5/Vielfach waren die Franken in den neuen Regionen in der Unterzahl und sie waren bestrebt die lokalen Herren zu „frankisieren“. Durch Eide wurde gebunden. Denn “Eid und Treue“ waren der Kit im german. Heerwesen, mit fataler Wirkung bis in unsere jüngste Vergangenheit. Auch die Kirche und unsere moderne Gesellschaft bauen im Recht und bei Dienstverhältnissen auf den „Eid“ und die „Vereidigung“. „Meineid“ steht auch heutzutage unter Strafe.

Die Gefolgschaftsführer lagen vermutlich in den „Herren“-Gräbern, oft mit Zaumzeug und weiteren standesgemässen Insignien. Sie werden in unseren Publikationen immer wieder beispielhaft herangezogen, siehe der „Herr von Morken“, die „reichen Gräber“ von Wünneberg, von Beckum, uvam. Es werden Franken oder kollaborierende einheimische Adelige gewesen sein. Wie wichtig Umritte für die Amtsausführung waren, verdeutlicht der Umstand, daß der Alamannenherzog Uncelen, wegen Ermordung des burgundischen Hausmeiers Protadius, durch Königin Brunichilde mit Abschlagung eines Fußes amtsunfähig gemacht wurde. Damit war das Gehen erschwert und bedingt auch das Reiten, denn Steigbügel sind im archäologischen Fundgut nachweisbar. Das Heil des Heerführers war absichtlich beschädigt, mglw. wog dieser Umstand noch schwerer.

6/Auf den Gräberfeldern von Ingelheim wurde beobachtet, daß von den Grabräubern Gegenstände mit christlichen Zeichen bewußt im Grab zurückgelassen wurden, während andere Beigaben entnommen wurden! Christen hatten mglw. keinen Respekt vor „heidnischen Grabbräuchen“, entnahmen wertvolle Güter der Sachkultur, ließen aber Objekte mit Heilszeichen unberührt. Den Respekt haben wir Christen und „moderne Grabräuber im Dienst der Wissenschaft“ nicht wiedergewonnen. Zur Verteidigung wird angeführt, daß mit den archäologisch geborgenen Funden bis dato viele Gegenstände erhalten blieben, die sonst die Zeiten nicht überdauert hätten, sich im Boden weiter zersetzen würden, ohne konservatorische Maßnahmen. Der Ausbau unserer Infrastruktur macht den Einsatz von Archäologen mit Notgrabungen notwendig, um Relikte der Vergangenheit nicht für alle Zeiten zu vernichten. Doch das Anrüchige des „Grabfrevels“ bleibt nach ethischen Gesichtspunkten, denn was erhebt die christliche Religionsanschauung über alle anderen?

7/Für die Franken im Ingelheimer Raum siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 36. Auch ist es denkbar, daß bestimmte Objekte speziell für die Grablege gedacht waren, z.B. minderwertig verabeitete Fibeln in den Gräbern 21 und 151 in Ingelheim, ebenda, S. 89.

8/Aus den Gräberfeldern rund um die spätere Kaiserpfalz von Ingelheim und den mittelalterlichen Rheinhafen Frei-Weinheim wurden aus der MWZ rd. 160 Gräber wissenschaftlich untersucht, davon waren die meisten gestört, so daß nur wenige Edelmetallgegenstände geborgen werden konnten. Nach Schätzungen wird von 800 bis 1000 Gräbern insgesamt ausgegangen, die größtenteils unerkannt unter der modernen Überbauung und Infrastruktur liegen, siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 29f.

9/Nach Kulikowski, Goten vor Rom, S. 94 archäologisch kaum zu unterscheiden.

10/Info nach Dauerausstellung Ellwangen 2015. Siehe auch Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, S. 200 mit einem Vergleich der Widerristhöhe heutiger und damaliger Haustiere, beim Rind z.B. von 135 cm auf nur 110 cm. Ein ausgewachsenes Rind erreichte demnach nur heutige Kälbergröße.

11/Allerdings fehlen in manchen Gebieten, die sich im Laufe des Mittelalters zu Zentren der Rüstungsschmieden entwickelten aus der german. Frühzeit die Nachweise. Im Siegerland sind aus vorchristlichen Zeiten keltische Verhüttungsplätze bekannt, die nach wenigen Jahrhunderten zu german. Zeiten keine Kontinuität fanden. Auch im südlichen Westfalen und im Märkischen befinden sich grosse Eizenerzvorkommen, die erst zu karolingischen Zeiten ausgebeutet wurden, Haedecke, Berg und Mark, S. 9.

12/Bronze oder Messing sind nicht nur divergierende Legierungen, sondern auch unterschiedliche Produktionsverfahren. Der Bronzeguß (Kupfer/Zinn, eher Rotguß) war im FMA bereits seit Jahrtausenden bekannt und technisch hoch entwickelt. Der Messingguß (Kupfer/Zink, eher Gelbguß) soll aus Kleinasien stammen und wurde erst von den Römern in Westeuropa zur Kaiserzeit verbreitet, Nachweis z.B. in Xanten. Augustus führte für die Kleinmünzen sestertius, dupondis und semis die Kupfer-Zink-Legierung orichalcum ein. Diese Legierung hatte, aufgrund des Produktionsprozesses, einen maximalen Zinkanteil von 26-27%, bei schwierigem Formenguß konnte auch die Zugabe von Blei nachgewiesen werden. Die Römer verwendeten Messing-Legierungen in unterschiedlicher Zusammensetzung, u.a. für diverse Ausrüstungsteile der Armee in der frühen Kaiserzeit, Helme im III. Jh oder Gürtelteile im IV. Jh. Oft wurden Objekte, wie Gürtelteile, verzinnt, wie es bei eisernen geläufig war. Es wird in der Forschung diskutiert inwieweit auf der Messingproduktion ein Staatsmonopol lag, um Münzfälschungen zu unterbinden. Bis in das HMA wurde Messing als „auricalcum“ („Niedergold“ bei Th. Presbyter Anf. XII. Jh) geschätzt, da es einen „goldigen“ Glanz aufweist. Der Zinkanteil kann in der Moderne zwischen 5 und 45% schwanken. Bei einem Zinkgehalt unter 18 % hat Messing eine rötlichere Farbe, sogenanntes „Goldmessing“. Zink gewinnt man aus Galmei-Vorkommen (ZnCO3). Das Material war erheblich seltener und schwieriger zu beschaffen als Zinn! Für viele Jahrhunderte sollte die Maasregion und der Aachener Raum wegen seiner Galmei-Vorkommen und der Messingproduktion eine zentrale Rolle in Europa spielen. Ein Niedergang war wohl mit der Völkerwanderung zu verzeichnen, mglw. durch den ausfallenden Kleingeldhandel, während ein Aufschwung zu karolingischen Zeiten erfolgte, zumindest entlang des Hellwegs vom Rhein bis nach Paderborn ist dieser nachweisbar. Messingbarren wurden u.a. auch in Haithabu gefunden. Doch es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit eine strenge Trennung in Gelb- oder Rotguß über grosse Zeiträume und zunehmender Entfernung zum anstehenden Rohmaterial beibehalten werden konnte, wenn bspwl. Altmaterial eingeschmolzen wurde. Es wird also im Mittelalter mit Mischformen zu rechnen sein. Ohne metallurgische Untersuchungsverfahren bezeichnen moderne Publikationen Funde in Buntmetallen deshalb vorsichtig als "Kupferlegierungen", in England "copper alloy". Damit können Bronze, Messing, aber auch „gun metaloder Tombak gemeint sein, also Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink, bzw. Legierungen mit unterschiedlichen prozentualen Anteilen, bzw. „Verunreinigungen“ durch Antimon, Arsen, Blei oder Silber. Letztere waren häufig absichtlich beigefügte Flußmittel. Nur in wenigen unserer Veröffentlichungen, ausgenommen die neueren Datums, werden spezifizierte Angaben gemacht, wie bsplw. die metallurgischen Analysen in den Londoner Dress Accessories, S. 387ff. Im 3. JtsdvC wurden bereits Flußmittel wie Arsen verwendet, denn „Ötzi“ zeigt eine nicht unerhebliche Arsenanreicherung im Körper. [Zur Messingproduktion siehe auch Lammers, Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. 48]

13/Nach neuerer Forschung wird eine Zuordnung nach Stämmen/Völkern/Ethnien bei den Sachgütern nur bedingt vorgenommen. Führer zu archäologischen Denkmälern in Dtld. Bd. 27 Hanau und der Main-Kinzig-Kreis, S. 88, siehe fortführende Literatur zu diesem Aspekt M. Kulikowski, Die Goten vor Rom. Auch wird aus dem Bestatteten in Grab Verf. 60 im niederösterr. Freundorf aus dem VI. Jh inmitten eines als sicher langobardisch angesprochenen Gräberfelds durch die Beigabe eines Angonen noch kein Franke, wie ernsthaft diskutiert wird.

14/Zaumzeug wurde nicht selten mit wertigen Preßblechen aus Silber oder Bronze beschlagen und verdeutlicht den gehobenen Rang des einstigen Nutzers als Adeliger oder Gefolgschaftsführer. Auch Sporen waren immer Zeichen des privilegierten Standes. Bereits bei den Funden aus dem Moor von Illerup A um 200 AD wurden Pferdegeschirrteile für zehn Pferde teilweise aus silbernen Pressblechen gefunden, während von 60 Schwertgurtgarnituren sieben mit Schnallen aus Silber, der Rest aus Bronze und die der perönlichen Ausrüstung aus Bronze und Eisen gefertigt wurden. Kaum Schwertgurtgarniturn hatten eiserne Schnallen oder Beschläge. Rund 300 eiserne, 30-40 bronzene Schildbuckel und 7 prunkvolle silberne Schildgarnituren mit Halbedelsteinen, Glas und Pressblechen aus vergoldetem Silber besetzt wurden geborgen. Daraus wurde gefolgert, daß Gefolgschaftsführer beritten waren und silberne Ausrüstungsteile zur Schau stellten, während die Gefolgschaftsleute bronzene Ausrüstungsgegenstände trugen, aber auch Schwerter, und sich damit vom Gros des Heeres absetzten. In den Publikationen wird von „Bronze“ gesprochen, ohne daß spezifische metallurgische Untersuchungen erwähnt werden, also wäre vielleicht auch Messing möglich? Denn ich kann mich erinnern, daß bsplw. die Funde aus dem Nydam-Moor vor 350 AD, heute im Museum in Schleswig, alle in Messing gehalten sind. Aus diversen nordeuropäischen Mooropferfunden mit Ausrüstungs- und Waffenteilen von seegestützten Kampfverbänden des III.-IV. JhAD läßt sich aufgrund der prozentualen Verteilung von Eisen, Bunt- und Edelmetallen eine Dreiteilung der Nutzer herauslesen. Röm Quellen der Kaiserzeit nennen bei den Germanen drei Schichten Bewaffneter mit „princeps“, „comites“ und „pedites“ oder „regales“, „optimates“ und „armatores“, übersetzt „Fürsten“ als Oberkommandierende, Offiziere und Fußsoldaten/Gewappnete. Zu den Funden der Ausrüstung zählen nicht nur Reparaturwerkzeuge für die Waffen, sondern auch Nadeln, Knochensägen und weitere chirurgische Instrumente, die sogar die Möglichkeit einer ärztlichen Versorgung belegen könnten! Die Kampfverbände vermitteln aufgrund der grossen Anzahl der Ausrüstungsteile eine hohe Professionalität und sind keineswegs Hinterlassenschaften eines allgemeinen Heerbanns [Brock/Homann, Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges, Sonderheft 2/2011 AiD, Stuttgart 2011, S. 55].

Zu den Waffenbeigaben: In der röm Kaiserzeit um 200 fehlen Waffengräber in den nord- und westdeutschen Regionen fast gänzlich, auch enthielten reiche elbgerman. Körpergräber nicht unbedingt Waffen, aber durchaus eine Reitausrüstung. Überwiegend wurde dort in Brandgräbern bestattet, die eher spärliche Beigaben aufwiesen, hin und wieder waren deformierte Waffenteile vorhanden. In Illerup, Platz A standen 410 Speer- und 366 Lanzenspitzen rund 100 Schwertfunden gegenüber. Von 582 Bestattungen in Großromstedt/Thüringen der röm. Kaiserzeit enthielten innerhalb von 50 Jahren nur 6% eine Schwertausrüstung, etwas häufiger fanden sich Teile von Lanzen oder Schilde. Aus den rd. 160 untersuchten Gräbern im Raum Ingelheim, hptsl. aus der jüngeren MWZ des VII. Jhs, vielfach gestört, wurden rd. 40-50 unterschiedliche Waffenteile geborgen, davon gab es nur 3 Hinweise auf Spathen, 16 Saxklingen, 2 Franzisken, 12 Lanzenspitzen, Pfeilspitzen aus fünf Gräbern und 9 Schildfragmente.

15/Nach der Beobachtung, daß sich nur an der Rückseite von Kleinfibeln einfache leinwandbindige Stoffe nachweisen ließen, während dieses Gewebe auf den Bügelfibeln auch auf der Schauseite auftauchte, läßt sich folgern, daß Kleinfibeln schlichte (Woll-)mäntel schlossen, während die Bügelfibeln darunter an der Oberbekleidung (Tunika, Kleid) hafteten. Denn an letzteren ließen sich auf der Unterseite regelmässig gemustere Gewebe in verschiedenen komplexen Köperbindungen nachweisen oder Reste feiner Brettchenborte, die vom Stoffgürtel oder Gewandsaum stammen könnte [siehe Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 39.] Zu den Gehängebändern mit Amulettcharakter des VI. Jhs, versehen mit kleinen Schnallen, Zungen aus Bunt- und Edelmetall und Ringen aus Edelmetall oder Eisen siehe ebenda, S. 41ff. Hinzu die interessante Beobachtung, daß die tief getragenen Gehänge gleichzeitig mit der Aufgabe der Bügelfibeln zum Ende des VI. Jhs verschwanden und durch Brustgehänge mit diversen (Glas-)Perlen, Bernstein und metallenen Anhängern in der jüngeren MWZ ersetzt wurden. Davon zu unterscheiden sind Gürtelgehänge mit Zierscheiben, kleinen Täschchen und diverse Utensilien des täglichen Gebrauchs.

16/Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 31ff. Noch einmal ein Indiz für die unterschiedliche Verwendung von Klein- und Bügelfibeln. Während letztere Stoffe in irgendeiner Form zusammen steckten, bzw. hielten, durften die Kleinfibeln schwere Wollmäntel an den Einstichstellen nicht ausreissen, also wurden Schlaufen oder Ösen gesetzt.