V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Prolog – Das römische Reich I.-V. Jh

Die römische Sichtweise

Die andere Seite


Das kontinentale FMA

1.a Fränkische Expansion (frühe MWZ)

1.b Machterhalt unter den Merowingern (späte MWZ)

___Exkurs: Gesellschaftliche Strukturen im Wandel

2. Quellen (und Bestattungssitten)

3. Gürtelrekon. V.-VI. Jh (frühe MWZ)

___Exkurs: Grabinhalt und Waffenbeigabe

4. Rekon. mehrteiliger Garnituren VI.-VII. Jh (mittlere MWZ)

___Exkurs: Reitergräber – östl. Einflüsse

5. Rekon. vielteiliger u reduzierter Garnituren VII.-VIII. Jh (späte MWZ)

___Exkurs: Kerbschnitt und Tierstil I

6. Zierscheiben von Frauenausstattungen VII. Jh


7. Fibelreplikate VI.-VII. Jh

___Exkurs 6a: Bronze und Messing von der Spätantike zum FMA

Zur Einführung eine Zeitenwanderung: "...Die Signalhörner hatten auf die Mauer gerufen. Schlaftrunken die meisten, hoch von der Pritsche. Aufregung und Gemurmel im Halbdunkel, alles stolperte übereinander, durcheinander, nur scheinbar, denn es war oft geübt..."-

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Untergang und Fortbestand des Römischen Reiches – Prolog mit moralischer Komponente, denn wir sind nicht erhaben über alle Zeiten:

Wie ist eine Epoche darzustellen, die auf eine der größten Zivilisationen der bisherigen Menschheitsgeschichte folgte, diesen Folgeschritt als solchen leugnete, weil man keinen Wechsel, sondern Kontinuität anstrebte, dabei die Vorgängerkultur zerstörend, wobei man alles dazu tat sie zu erhalten? Das Mittelalter ist verworren und es wurde den Zeitgenossen erst langsam bewußt, daß man in neue Gefilde übergegangen war, als Stimmen aus Italien lauter wurden, die verlorene Pracht, in Relikten ständig vor Augen, wieder herbei sehnten und barbarische Macht schmähten. Germanische Herrscher erhielten ihre Legitimation durch Rückbesinnung und Anknüpfung an bereits Bestehendem. Sie suchten Kontinuität mit Anfängen in mythischen Gefilden. Herrschaft war Recht, war Religion, war Glauben. Trotz politischer Nüchternheit durch die Erstarrung der Jahrhunderte suchte auch Rom ähnlich seine Anfänge im Mythos. Was war untergegangen? Regierungszentren hatten sich verlagert, Grenzen verschoben, die regionalen Dialekte änderten sich, aber die offizielle Regierungssprache blieb im Westen die gleiche, das Christentum war Staatsreligion, es gab einen Kaiser (in Ostrom), viele regionale Herrscher huldigten ihm, Zeremonien wurden dort gestaltet, das Gesellschaftssystem nach Umverteilung von Grund und Boden und das Recht wurden angeglichen, es gab Freie und Unfreie, die Titel der Ämter änderten sich nicht, das Steuerwesen, die Währung (solidi, triens, etc) blieb erhalten, Armee und Bewaffnung blieb die gleiche und Militärtaktiken wurden lange Zeit beibehalten, solange der Gegner keine Änderungen erforderte, die Mode erfuhr Wiederbelebungen von Althergebrachtem. Viele Regionen auf ehem. Reichsboden waren bereits seit langem germanisch besiedelt. Was hatte sich aus deren Sichtweise geändert, woran war ein Umbruch deutlich erkennbar und messbar? Aus römischer Sicht änderten sich die Eigentumsverhältnisse, das bemerkten aber keineswegs alle. Denn für viele war es egal, wenn man ihren Herrn austauschte. In anderen Fällen verstanden es eben jene (Senatoren/Geistliche) rechtzeitig die Fahnen zu wechseln, als sie gewahr wurden, daß man ihrer bedurfte, so daß ihre Verhältnisse unangetastet blieben und ihrer Kultur weiter frönen konnten. Sie spürten den Umbruch der Zeiten. Germanen wussten kaum, was sie gewonnen, Römer aber sehr wohl, was sie verloren hatten.

Die Geschichtsschreibung lehrt: In der 2. Hälfte des V. Jhs ging das weström. Reich unter. Doch war es eine so deutliche Zäsur, wie die Wissenschaft lange Zeit voraus setzte? In den Jahrhunderten weströmischer Kaiserherrschaft kam es wiederholt zu schweren inneren Krisen mit Kaisermorden, Usurpationen, Bürgerkriegen, Abspaltungen und Reichsteilungen, tiefe Spuren im röm Gesellschaftssystem hinterlassend. Die Regierungszentren befanden sich aufgrund dezentralisierter Staatsverwaltung nicht ausschließlich in Rom, sondern in Mailand, Trier, Arles, Lyon, Ravenna oder Konstantinopel. Jene Orte lagen näher an Brennpunkten des Geschehens oder waren besser zu verteidigen als die Stadt am Tiber, nach den Plünderungen durch Goten und Vandalen schwer angeschlagen. Das Undenkbare war geschehen. Die einst mächtigste Stadt, die „Leuchte des Erdkreises“, war den Barbaren anheim gefallen. Spätantike Autoren wie Zosimus oder Marcellinus warfen der neuen Staatsreligion, dem Christentum, vor, daß es die alten röm Tugenden schwäche und aufweiche. Diese Religion war aus den unteren Schichten der Sklaven, Armen und Soldaten aufgestiegen in die Herrschaftsränge des Reiches. Augustinus bemühte sich wortreich um die Verteidigung des neuen Glaubens, als das bereits abgelegte röm. Heidentum wegen des Versagens der christlich röm Macht, welche keine Antworten auf die Bedrohungen des V. Jhs hatte, erneut Aufwind bekam. Während Rom in Asche versank, begannen Kirchenväter, wie Salvianus von Marseille, die Idee eines geistigen, vielleicht eher geistlichen Roms, eine himmlische Stadt ohne Mauern, zu entwerfen, der Aufstieg eines „christlichen Phoenix“, so überlebte die Idee von Rom; und nicht nur die Idee, sondern römisches Machtstreben überhaupt. Senatoren hatten ausserhalb Roms keine Funktion mehr, „überlebten“ aber in hohen geistlichen Ämtern und strebten, allen voran der Bischof von Rom, erneut zu politischer Macht, nun durch das Christentum. Das schärfste Schwert war der Stilus, bzw Griffel oder Gänsekiel. Damit hatte Rom seine Geschichte geschrieben und die Kirche schrieb sie weiter, mit bleibendem Wert. Die Auseinandersetzung von sacerdotium (Hl Stuhl) und regnum barbarorum („tumbe“ Germanen) trug die Kämpfe der Völkerwanderungszeit ein Jahrtausend lang durch das gesamte Mittelalter. Gewinner war der „lachende Dritte“, das Bürgertum.

Ostrom führte seine Amtsgeschäfte ungehindert weiter und aus dessen Perspektive gingen „westliche Provinzen“ an barbarische Militärmächte verloren, die jedoch ideell mit dem Reich verbunden blieben, so daß man sich um eine Rückeroberung des alten Territoriums bemühte. Wäre sie geglückt, hätte die Geschichte einen anderen Verlauf genommen. Denn man sah beide Reichsteile seit 395 als zwei Verwaltungseinheiten unter zwei Machthabern an, nicht ungewöhnlich, denn Rom kannte seit Diokletian mit Praefekturen, Vikariaten, Diözesen abgestufte Verwaltungsebenen. War eine der beiden übergeordneten Stellen vakant, wie nach 476 im Westen, würde der andere Teil vom amtierenden Kaiser übernommen. So war Ostrom legitimiert über beide Hälften oder ein Gesamtreich zu herrschen, je nachdem wie man es sehen möchte. Demnach müsste es heißen: 753 kroch Rom aus dem Ei und 1453 war es vorbei. „753“ liegt ja bekanntlich vor dem Beginn der christl. Zeitrechnung und damit haben wir über 2000 Jahre römische Geschichte, zuerst mit etruskisch-italischer-griechischer, dann ostmediterraner Prägung ! West- und Ostrom waren jedoch oft genug eigene Wege gegangen, arbeiteten zum Nutzen der Reichsfeinde gegeneinander, wobei Ostrom diplomatisch geschickter vorging oder die besseren finanziellen Mittel besaß und Westrom nur mit Mühe eine große militärische Stärke aufrecht zu erhalten, die alle Ressourcen verschlang. Oströmer bezeichneten sich selbst in Anspruch römischer Traditionen als Romäi. Sie waren keine Nachfolger, sondern Herrscher in einem existierenden Ostrom, wenn auch hellenisiert, aber das wurde Westrom einst auch. Die Kontinuität des Kaisertums ist von den Zeitgenossen lange Zeit nicht angefochten worden. Es gab nur einen Kaiser, einen Herrscher der Welt, der saß nun eben in Konstantinopel. Der Ostgote Theoderich an Kaiser Anastasios I, Anfang des VI. Jhs: „Ihr aber seid die schönste Zierde aller Reiche. Ihr steht dem ganzen Erdkreis zu seinem Heile vor, und zu Recht erkennen die übrigen Herrscher und vor allem wir dies an...Unser Königtum ist ein Abbild Eurer Herrschaft und insofern wir Eurem guten Vorbild folgen, dem einzigen Beispiel für ein Kaiserreich auf Erden, gehen wir den anderen Völkern voran“ [DWFMA, S. 6]. Schwere Stöße sollte das Ostreich durch die erschöpfenden Kriege gegen Sassaniden und mit der islamischen Expansion im VII. Jh erfahren. Herakleios (610-641) erhob Griechisch, im Osten dominierend, zur Amtssprache. Zugleich legte er den Titel imperator ab und nannte sich fortan offiziell basileus. Durch die mißglückte Rückeroberung des Westens und die Anstrengungen zur Verteidigung östlicher Provinzen macht es in der Forschung Sinn seitdem nicht mehr von „oströmischer“, sondern von einer „byzantinischen“ Geschichte zu sprechen, aber im Eigenverständnis der Zeitgenossen mag man dies anders gesehen haben!

Innerhalb solch gewaltiger Systeme ist man Teilhaber und Nutznießer. Von aussen betrachtet muß Rom vielen wie ein gefräßiges Ungeheuer vorgekommen sein, das sich über auf Kosten seiner Anrainer bereicherte. So wuchsen und wachsen „Imperien“ mit Raub, Mord, Plünderung, Vergewaltigung und Versklavung, mit allem was Menschen einander antun, in ihrer überlegenen Haltung gegenüber einem vermeintlichen „Untermenschentum“ - keine Fanfaren – kein Tusch ! Das Recht des Siegers ! Die Regierungsform spielt dabei keine Rolle. Auch Demokratien gebärden sich nicht unbedingt menschenfreundlicher, betrachtet man z.B. die Hegemonie und Machterhaltung Athens im Attisch-Delischen Seebund des V. JhsvC. Jedes Aufbegehren oder Ausscheren seiner Mitglieder aus dem Bund wurde mit allen erdenklichen Mitteln unterdrückt. Despotisch verhielten sich die kolonialen Mächte der Neuzeit, auch unser heutiges Gebaren ist diesbzgl in manchen Dingen bedenklich, schauen wir auf die imperialistischen Bestrebungen der westlichen Mächte im Nahen Osten seit über 100 Jahren, dem Erdöl geschuldet. Jeder unterstützt diese Machenschaften, denn jeder „zapft Sprit“ und wer glaubt eine „saubere Weste“ zu haben, wie der „Stromtanker“, nutzt Plastik und die vielen Erdölprodukte.1 Im „Hier und Jetzt“ gibt es keine neutrale moralische Instanz, jedes Tun wird durch den Herrschenden, den Überlegenen, den Stärkeren seine moralische Rechtfertigung finden. So werden die Worte des Schweizers Jacob Burckhardt ihre Gültigkeit behalten: „...in einem tiefen Mißtrauen in die bewegenden Kräfte...“, wie Kurt Köster in seiner Huizinga-Ausgabe „Herbst des Mittelalters“ von 1965 voran schrieb.

Die römische Sichtweise

Roms Geschichte ist unvergleichlich. Ausgehend von einer unbedeutenden Stadt am Tiber hatte sich im 1. Jahrtausend vC ein unglaublicher Aufstieg vollzogen, der alles Bisherige in den Schatten stellte. Es entstand das größte politische Gebilde, was die Menschheit in der westlichen Welt bis dato gesehen hatte: Das Imperium, unüberwindbar, immer während. Im röm. Selbstverständnis war Rom die Welt und die Welt war Rom. Das Reich bedeutete zivilisatorische Entwicklung, der Rest galt als unzugänglicher Urwald, Wüstenei oder Barbarei. Nur der Osten, der Orient, „Quell des Lichts“, wurde gleichwohl als Ursprung hoher Kultur angesehen, von dem sich bereits die Griechen genährt hatten, ohne die wiederum hohe röm. Kultur undenkbar gewesen wäre. Jahrtausende existierten im Osten in Abfolge nicht weniger große Reiche, zuletzt das der Perser und das kurzzeitige Alexanders III. („des Großen“) von Makedonien. Mit den hellenistischen Nachfolgern der Diadochen richtete sich das Bestreben der röm. Republik in den östlichen Mittelmeerraum. Jahrhunderte später erwuchsen dort mit Parthern und Sassaniden gleichrangige Gegner, mit denen um die Herrschaft im Vorderen Orient gerungen wurde. Alle anderen Völker zwang Rom durch seine enorm effiziente administrative und militärische Kraft zu ihm aufzuschauen. Von aussen betrachtet war das Imperium der Kaiserzeit von imponierender Größe, begründet auf Jahrhunderte alte Traditionen. Rom hatte keine nebulösen Vorstellungen seiner eigenen Historie, wie die barbarischen Völker mit ihren oralen Traditionen, sondern pflegte durch die hohe Verschriftlichung ein dezidiertes Bewußtsein für seine Vergangenheit. Römische Autoren sollten lange Zeit als höchste Autoritäten gelten. Sprache, Tradition, die reichhaltige Kultur und der daraus resultierende Stolz der röm. Eliten wirkten fort. Und geistige Errungenschaften werden vornehmlich überdauern, damals wie heute, falls es die Nachfolger oder die Aufbewahrungsmedien zulassen. Jede Zeitepoche in der westlichen Hemisphäre wurde durch die Römer kulturell, künstlerisch oder politisch beeinflußt, vom Mittelalter über Renaissance, Humanismus, Barock und Klassizismus, bis in die Moderne. Römisches Recht floß ein ins Kirchenrecht und in die Rechtssysteme moderner Staaten. Man suchte Anleihen in der röm Republik oder Kaiserzeit, siehe die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, Mussolinis Ansprüche eines „Mare Nostro“ oder Albert Speers monumentaler Baustil, um nur einige sehr unterschiedliche Orientierungsrichtungen aufzuzählen, wie auch immer man zu diesen Dingen stehen mag.

Die Völkerwanderung - was verbinden wir damit? Der abgrundtiefe Fall einer blühenden Hochkultur in finstere Barbarei, die Machtübernahme von „wilden Horden“, die sich röm Sachgüter gewaltsam aneigneten, gut ausgebaute Infrastruktur westlichs des Rheins und südlich der Donau zerstörten, Grund und Boden neu verteilten, um Ackerbau und Viehzucht innerhalb der ehemaligen röm Stadtareale zu betreiben? Waren es die „Dark Ages“, wie sie die Engländer, mangels ausreichender Quellen, bezeichnen? Oder sollte man diese Epoche nicht differenzierter betrachten? Sind alle einfallenden Völker als „ungezügelte, kulturlose Wilde“ anzusehen, von mißliebigen röm Quellen so beschrieben? Zieht man spätantike Autoren wie Ammianus Marcellinus, Procopius oder Salvianus heran, waren für die röm. Zeitgenossen die Bürgerkriege, Thronusurpationen, der Währungsverfall, Glaubensstreitigkeiten mit sozialen Verwerfungen, Morde und Anschläge eine Zeit großer Unsicherheit bis hin zum persönlichen Martyrium, das schafften die Römer also auch allein. Die Krisen des Reiches mit einer hohen Zahl von Soldatenkaisern nutzten im III. Jh german. Stämme von der Rhein- über die Donaugrenze bis in den Schwarzmeerraum zu massiven Einfällen, plünderten weite Landstriche oder besetzten röm Territorium dauerhaft, wie elbgermanische Sippen, die man bald darauf als „Alamannen“ bezeichnen sollte. Das hatte Signalwirkung auf Nachahmer, deren Aktionsradien sich deutlich erweiterten, wenn ihnen auch auf dem Rückweg, mit Plündergut beladen, keine ernsthafte Gefahren drohten. Unter tatkräftigen Herrschern gelang es Rom Exempel zu statuieren, durch tiefe Vorstöße und Rachefeldzüge zeigte es wiederholt Präsenz östlich des Rheins. Mit großem Aufwand wurden Militär und Verwaltung reformiert. Man rückte ab von der ausschließlich starren Grenzverteidigung und schuf ein bewegliches Feldheer, mit steigenden Anteilen von Kavalleriekontingenten. Das verschlang Unsummen und der röm Staat existierte nur noch durch die Armee, alles war darauf ausgerichtet. Die Aufstellung von schweren Reitereinheiten, beeinflußt durch Ausrüstung aus dem nomadisch sarmatischen Milieu und vorderen Orient, denn es dienten zahlreiche Fremd-Einheiten im Heer, sollte militärhistorisch weitreichende Folgen nach sich ziehen. Städte tief im Hinterland, die aufgrund der Pax Romana seit Jahrhunderten keine Mauern gebraucht hatten, wurden nun befestigt, ebenso Gutshöfe durch vermögende Grundbesitzer, die sich selbst mit einem Gefolge von Privatsoldaten zu umgeben vermochten. Diese umwehrten villae dienten eigentlich zur Versorgung des röm Militärs. Nach der Machtübernahme durch german. Eroberer bildeten sie zuweilen den Kern zu Adelssitzen und Siedlungen, wie es in Gallien durch die noch heute gebräuchlichen Ortsnamen „-ville“ und bei uns „-wil“ / „-weil“ / „-weiler“, siehe rotuvilla=Rottweil, nachweisbar ist. Neue ländliche Ansiedlungen des FMAs orientierten sich hauptsächl. an ausreichender Wasserzufuhr für Mensch und Tier. Die Mehrheit der romanischen Bevölkerung suchte Schutz in den Städten oder verließ gefährdete Provinzen, die sich entvölkerten. Wer blieb hatte Unterhalt und Einquartierung des Feldheeres zu erdulden, indem teilweise ein Drittel des Wohnraums den Soldaten zur Verfügung stand. Kleine Militäransiedlungen wurden von Milizen an strategisch wichtigen Punkten bewacht, im IV. Jh zunehmend durch Germanen in röm Diensten, ablesbar an Beigaben führenden Gräbern mit röm-germanischen Formen und Waffen. Römer bestatteten ohne Waffen. Gefangene Germanen (Laeten) siedelten nach der Landflucht der Provinzialen Räume wieder auf. Es entstand hinter den Grenzflüssen Rhein und Maas und südlich der Donau ein tiefgestaffeltes Verteidigungssystem. Als aber zum Ende des IV. Jhs, ausgelöst durch das Vordringen der Hunnen, größere germanische Gruppierungen ins Reich eindrangen und dort Jahrzehnte umher zogen, mussten viele Regionen Kriegsgräuel mit Eroberung, Raub, Plünderung, Vergewaltigung, Versklavung, Geiselnahme zur Lösegelderpressung, Enteignung, Verwüstung, Hunger und Seuchen erdulden, so wie es früher den Völkern ergangen war, wenn sich die röm Soldateska ausgetobt hatte. Aber Rom führte ja immer „nur Verteidigungskriege“, wie sich seine Autoren auszudrücken pflegten. Erfolgreiche Aktionen bescherten starken Anführern Zulauf. Ende des V. Jhs war Theoderich angeblich in der Lage mit über 20.000 Kriegern nach Italien zu ziehen! Eine Feldarmee in dieser Größenordnung war auch für röm Verhältnisse eine imposante Streitmacht. Rom hatte nach der Auflistung der Notitia Dignitatum um 400 für das gesamte Reichsgebiet wohl einige hunderttausend Mann unter Waffen, die Feldarmeen waren aber zahlenmässig auf mehrere zehntausend Mann begrenzt. Im Laufe des V. Jhs verfiel die imposante weström Armee zusehends. Nach großen Gebietsverlusten, den Verwüstungen und damit verbundenen Steuerausfällen war die Finanzierung nicht mehr sicher gestellt. Das entzog dem röm Militärstaat die Grundlagen...

Mit dem Abstand von Jahrhunderten sollten die Vorgänge im Übergang von der Antike zum Mittelalter in der Forschung als „Transformationsprozesse“ bezeichnet werden, um den Wandlungen der Zeit gerecht zu werden. Aus moderner Sicht scheint es zutreffend...aber wie musste man es vor 1500 Jahren empfinden...? In seinen äusseren Formen unterlag das Reich mit den gewaltigen Städten, Häfen, Brücken und Straßennetzwerken, den Handwerker- und Handelsorten und großen landwirtschaftlich genutzten Gebäudekomplexen starken Veränderungen. Aber die Bauwerke sollten noch lange weithin sichtbare imposante Zeugen bleiben, vielfach umgebaut und umfunktioniert.2 Hieronymus um 400 AD: „Mich schaudert in der Seele, wenn ich an den Niedergang unserer Zeit denke. Zwanzig und mehr Jahre sind es nun her, seit von Konstantinopel bis zu den Julischen Alpen täglich römisches Blut vergossen wird...Kirchen wurden zerstört, Altäre Christi zu Pferdeställen gemacht, die Gebeine der Märtyrer aus den Gräbern gerissen. Überall Trauer, überall Seufzen, und weit und breit ein Bild des Todes. Das Römische Reich bricht zusammen.

Was hatte zur dieser katastrophalen Entwicklung geführt? 376 erfolgte der erlaubte Donau-Übergang von gotischen Sippen, welche, vor den Hunnen flüchtend, im Reich um Schutz baten. Sie waren zu diesem Zeitpunkt keine Fremden, sondern offiziell verbündete Vertragspartner der Römer. Das Unvermögen oder die mangelnde Bereitschaft regionaler röm Provinzverwalter Zehntausende dieser Flüchtlinge aufzunehmen, führte zu Verbitterung auf Seiten der Neuankömmlinge. Es kam zu Plünderungen und großen marodierenden Flüchtlingstrecks auf Reichsgebiet, Verfall und Nichteinhaltung von Verträgen nach Herrscherwechseln und letztlich zur Eroberung Westroms 410. Noch fünf Jahre zuvor hatte man dort einen Ehrenbogen anlässlich der Vernichtung got. Scharen aufgestellt, soso... . Auch wenn der Regierungssitz inzwischen in Ravenna lag, war die Eroberung Roms einem Erdbeben vergleichbar, das Westreich bis in alle Fugen der christlichen Gesellschaft erschütternd und große Ratlosigkeit hinterlassend: „Wie konnte Gott dies zulassen?Schwierige Frage, da die Goten Christen war, arianische Christen. War der katholische Glauben der falsche? Fünf Jahrzehnte später wurde die Plünderung wiederholt durch die Vandalen, inzwischen auch arianische Christen, welche einen der unglaublichsten Züge der Völkerwanderung hinter sich gebracht hatten, nach ihrem Rheinübergang von 406/07 und langem Weg über Gallien und Spanien bis nach Nordafrika.3 Große plündernde german Verbände in Italien zwangen den röm Oberkommandierende Stilicho die Truppenpräsenz in den Provinzen auszudünnen. Der Abzug von Einheiten hatte den Zusammenbruch der Rheinverteidigung zur Folge, so daß schwere Einbrüche erfolgen konnten, wie 406/07 bei Mainz. Elbgermanisch-suebischen und westgotischen Verbänden gelang es sich Teile Galliens und Spaniens anzueignen, das brachte den Rückzug der politischen Macht Roms in diesen Provinzen, sowie die Separierung Britanniens, mit sich und ein Ausfall von Steuereinnahmen. In Spanien hatte sich über lange friedliche Jahrhunderte eine florierende Wirtschaft entwickeln können mit exportorientierter Landwirtschaft, dazu kamen unverzichtbare Rohstoffvorkommen. Vandalen unter Geiserich brachten in Nordafrika die „Kornkammer Westroms“ unter ihre Kontrolle, so daß die Ernährung der stadtröm Bevölkerung nicht mehr sicher gestellt und Italiens Küste von Angriffen bedroht war. In den übrig gebliebenen Provinzen gärte es und es kam zu Rebellionen, wie im Nordwesten Galliens als die Bagauden, kelt. „die Streitbaren“, entlaufene Sklaven, Armeedeserteure und in den Ruin getriebene gallische Bauern, welche nicht mehr gewillt waren die drückende Last des röm Steuerwesens zu ertragen, bereits begannen eigene Münzen zu prägen, ein sicheres Zeichen für Eigenständigkeit. Der röm Staat wurde wirtschaftlich stranguliert. Hunnische Verbände mit Germanen in ihrem Gefolge drangsalierten den Donauraum, um hohe Tribute aus Ostrom zu erpressen, wandten sich dann unter Attila nach Westen und plünderten Nordgallien und Norditalien. Aetius, dem Magister Militum per Gallias gelang es Mitte des V. Jhs mit Hilfe westgermanischer Kontingente die Hunnengefahr zu bannen. Nach seinem gewaltsamen Tod stand das weströmische Heer quasi vor der Auflösung. Die Steuerausfälle aufgrund der verlorenen Provinzen waren nicht mehr tragbar, das System kollabierte. Mit dem Auflösen der röm Provinzial- und Kommunalverwaltung begannen Städte zu verwahrlosen oder schrumpften auf ein Minimum. In den christlichen Gemeinden ersetzten kirchliche hohe Würdenträger die Obrigkeit und Bischöfe übernahmen weltliche Aufgaben.

Salvianus um 430: „Schauspielvorführungen gibt es jetzt keine mehr...Man spielt nicht in der Stadt Mainz – sie ist verwüstet und zerstört; man spielt nicht in Köln – es ist voll von Feinden; man spielt nicht in der wunderschönen Stadt Trier – sie liegt viermal zerstört am Boden; man spielt schließlich nicht mehr in den meisten Städten Galliens und Spaniens...

In dieser Zeit wurden grundlegende Entwicklungen zu einer politischen Neuordnung gelegt. Hier sollten mit einer gewissen Kontinuität die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und militärischen Fundamente der germanischen Königreiche liegen, legitimiert durch das römische Vorbild. Die Nachfolger saugten begierig und zweckmäßig das Althergebrachte der antiken Welt ein, bedurften der administrativen Kraft des Bestehenden als Werkzeug und Grundlage ihrer neuen Gesellschaftsformen, verführt und geblendet von den kolossalen Hinterlassenschaften, ohne zu erkennen, wie sehr diese Leitbilder in ihren Formen erstarrt, kaum überlebensfähig, aus der Not heraus geboren oder veraltet waren.4

Es wurde kein Erfolgsmodell vererbt, sondern es war die dürftige Fortführung einer Kultur, die sich selbst überlebt hatte, aus enormen Zwängen heraus agierte, von Kopisten, welche von der Fülle der antiken Welt über alle Maßen beeindruckt waren, sich mit ihr identifizierten, ihre eigene Herrschaftslegitimation davon ableiteten, so daß sie immer wieder darauf zurückgriffen und mit ihren Mitteln zu erhalten suchten. Dieses einst gewaltige und mächtige Rom war der Urgrund vieler Dinge und lieferte die Saat zu einer Epoche, die wir als „Mittelalter“ bezeichnen, auch wenn diese Saat erst mit den Karolingern aufging, denn mit ihnen wurden viele Standards für die folgenden Jahrhunderte gesetzt. Das lässt sich nicht nur an den Schriftquellen und großen politischen Zusammenhänge festmachen, sondern, für unsere Betrachtungen wichtiger, auch an archäologischen Funden zur Sachkultur, an Ausrüstung und Waffentechnik.

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...„immer die ollen Öme (Römer)“… wann geht’s denn endlich los mit dem „Mittelalter“...?

Einen kleinen Augenblick noch, denn in dieser frühen Phase wurden Grundlagen für Jahrhunderte gelegt. Viele Dinge im HMA/SMA waren für mich erst zu verstehen, nachdem deren Ursprünge im Übergang Spätantike-FMA erkannt wurden.


Die andere Seite: Jenseits und Diesseits der Grenzen - Die Aneignung röm Kultur

Das Land zeigt zwar im einzelnen einige Unterschiede; doch im ganzen macht es mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck [Tacitus „Germania“ Kap 5]. Rom hatte um Christi Geburt die Gebiete östlich des Rheins und damit eigentlich das gesamte Germanien bereits als seine Provinz betrachtet, nachdem Feldzüge bis zur Elbe geführt worden waren, verfügte über gute Kenntnisse der Region, über seine Bewohner und wusste womit man es zu tun hatte. Die röm Angriffe hatten Stämme in Bewegung gebracht, wie die später im thüringisch-mainfränkischen Raum siedelnden Hermunduren, urspl vom Unterlauf der Elbe, welche in den letzten Jahrzehnten vor Christi dem röm Druck elbeaufwärts ausgewichen waren. Mglw sind unter jenen Elbgermanen auch langobard. Sippen im Quellgebiet der Elbe fassbar, das würde Jahrhunderte später noch manche Ähnlichkeit von Sachobjekten der Thüringer und Langobarden erklären. Rom besass sehr reiche Provinzen und wird sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, wieviel Wert man diesen bewaldeten Hügeln, schwierig gangbaren Gebieten, den Mooren und Sümpfen beizumessen hatte. Welche Schätze hielt dieses unwirtliche Land bereit, welche Profite würde es abwerfen? Nach Niederlagen und verlustreichen Unternehmungen stellte Rom die Expansion Anfang des I. JhsAD ein, sicherte die Grenzen an Rhein und Donau im Vorfeld durch umfangreiche politische Maßnahmen, um Kontrolle über den Raum zu behalten. Dies gelang durch kostbare politisch motivierte Geschenke an die „barbarische Oberschicht“, dank wirtschaftlicher und kultureller Überlegenheit, Bündnissysteme, Klientelfürsten auf Gnaden Roms, mit Geiselstellung von german Fürstenkindern und deren Erziehung am Kaiserhof, später auch durch Verleihung des Bürgerrechts. Es ist ein interessantes Gedankenspiel zu überlegen, wie sich ein Germane auf das Forum Romanum „verfrachtet“, fühlen musste. Die Überlegenheit Roms wird durch kaum etwas augenfälliger zum Ausdruck gebracht worden sein als durch seine imposante steinerne Architektur.

Der höhere Lebensstandard auf röm Territorium bedeutete ein enormes Kultur- und Wirtschaftsgefälle in Richtung auf die Grenzen, welche, nun zurückgezogenen und teilweise durch Flüße gesichert, durchlässig waren für Güter von beiden Seiten. Rom wollte den Sieg, nicht kostspielig auf dem Schlachtfeld, sondern durch überlegene Politik und Wirtschaft. Handel und Technologietransfer brachten neue Elemente ins freie Germanien, wandelten Mode und Sitten. Es ist dort anhand der Grabfunde eine deutliche Entwicklung bis ins III. JhAD zu beobachten, hin zu wohlhabenden germanischen Machthabern anhand von röm Luxusgütern, den neuen Prestige- und Statussymbolen. Geschenke wurden nicht nur durch die Römer verteilt, sondern auch zwischen german. Potentaten untereinander als ehrenvoll angesehen und weiter gereicht, wie es Tacitus betont [Germania, Kap. 15]. Rom wurde weithin akzeptierte Leitkultur für die Elite jenseits von Rhein und Donau, welche begehrlich über die Grenzen blickte. Rom band die german. Aristokratie an sich, verteilte Bestechungsgelder zur Parteinahme oder forderte durch Zahlungen zum Stillhalten bei Auseinandersetzungen auf. Denn im Laufe der Jahrhunderte litt das Reich an schweren inneren Krisen, Destabilisierung durch immer neue Herrscherusurpatoren und den daraus resultierenden Bürgerkriegen. So verlor das Imperium an Ansehen als es nicht mehr gelang die äusseren und inneren Konflikte zu bewältigen, während jenseits der Grenzen ernst zu nehmende politische Kräfte entstanden, welche begannen ihre Herrschaft auszuweiten. Rom hatte diese Machtpositionen erst ermöglicht, nun schlugen sie auf das Imperium zurück !

Durch einen spürbaren Mangel an röm Rekruten ermunterten röm Caesaren willige Kämpfer einzeln oder in Gefolgschaften, vertraglich gebunden oder notfalls gezwungen Dienst in der röm Armee zu nehmen, welche damit detaillierte Einblicke in die röm Armeestrukturen und Ausrüstung gewannen. Die Ausweitung des röm Bürgerrechts unter Caracalla 212 AD, was u.a. dazu diente das Steueraufkommen des Staates zu erhöhen, schuf darüber hinaus für Aussenstehende Anreize Auskommen, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in der röm Armee zu suchen. Bereits seit geraumer Weile erhielten Auxiliare der Hilfstruppen nach Ableistung ihrer 25 Dienstjahre das röm Bürgerrecht, was auch für deren Ehefrauen und die Nachkommen galt. Das hob in der röm Kaiserzeit bei vielen Provinzbewohnern den sozialen Status. Nach den Bürgerkriegen des III. Jhs versuchten reformwillige Herrscher wie Diokletian und Konstantin in der Wende um 300 AD mehr oder weniger erfolgreich den Verfall des Imperiums aufzuhalten, was zu einer grösseren Verstaatlichung, Bürokratisierung, enormen Steuerzwängen und einer statischen Zwangsgesellschaft führte. In der Forschung wird damit die Zeit der „Spätantike“ eingeleitet.5 Die katastrophalen Bürgerkriege hatten die Aufnahme von großen german. Kontingenten in die röm. Armee vonnöten gemacht, innerrömische Feldzüge entblößten die Grenzen an Rhein und Donau und verlockten aussenstehende Germanen zu Einfällen ins Reich, um sich mit Gewalt röm Gebrauchsgüter und Kostbarkeiten anzueignen, wenn sie nicht auf anderem Weg zu erlangen waren. Als Abwehr wurden wiederum Germanen in Sold genommen, sofern Gelder zur Verfügung standen, ansonsten Land den kriegsgefangenen und halbfreien Laeten/Laten oder bündnisabhängigen Foederaten unter eigenem Kommando mit röm. Oberhoheit nach Vertrag überlassen, um diese Räume, die formell Reichsgebiet blieben, zu verteidigen und mögliche Plünderer an den Grenzen abzuwehren. Germanen profitierten also zunehmend von den inneren Streitigkeiten im Imperium, nicht zuletzt durch die massive Aufnahme ins röm. Heer, das einen steten Verfall der Integrität nach sich zog, bis es in der Schlußphase „rein römische“ Einheiten eigentlich nicht mehr gab.6

Man wollte die Teilhabe an den Segnungen und an dem Schutz der röm Zivilisation durch Landzuweisung, Bundesgenossenschaft, Ämterzuteilung in der röm. Militärhierarchie, grundsätzlich Anerkennung und Entlohnung für Dienste, die man unter röm Standarten bereits seit mehreren Generationen leistete. Nicht zuletzt war es die wirtschaftliche und politische Überanspruchung Roms durch die nicht enden wollenden großen Zuzüge aus dem Barbaricum. In kleinem Maßstab war eine Integration kontrolliert über Jahrhunderte durchaus gelungen, denn dazu hatten einst die zahlreichen Limes-Grenzsicherungen überall im Reich u.a. auch dienen können. Doch nun brachen alle Dämme...

Für die röm. Provinzialen (Romanen) mag es im IV. und V. Jh oft schwierig gewesen sein Germanen als Eroberer in habitu barbaro vom Germanen im röm. Dienst zu unterscheiden, denn „Soldat“ und „Barbar“ wurden eins, selbst in den höchsten militärischen Rängen! In den äusseren Erscheinungsformen war der röm. Soldat schon lange von dem landläufigen Bild eines Schienenpanzer tragenden miles der frühen Kaiserzeit entfernt. Man trug nun allgemein, wie vorher nur in den auxilia, als leicht Bewaffneter Tunica und Filzkappe, lange Hosen und Wadenwickel, der schwer Bewaffnete hinzu Kettenpanzer und Helm, der Offizier seit Mitte des IV. Jhs einen breiten Gürtel, der das Tragen des Kettenhemdes erleichterte. Manch germanischer Söldner kehrte nach Ableistung der Dienstzeit, vertraut mit der Errungenschaften der röm Zivilisation, in die rechtsrheinischen Gebiete zurück und weist sich heute archäologisch durch röm Relikte im Grab aus. Laeten blieben gezwungenermaßen als Siedler und Milizionäre auf Reichsboden, sind ihrerseits erkennbar an Trachtelementen in den Gräbern auf eigenen Arealen, getrennt von den röm Provinzialen, wie an den bis 10 cm breiten Offiziersgürteln mit Kerbschnittzier um 400 und an der Waffenbeigabe, darunter in dieser Zeit recht häufig Äxte, Römer bestatteten ohne Waffen. Bei den german. Frauen fanden sich kleine Bügel- oder Vogelfibeln. Eine Südgrenze der Funde zieht sich durch Gallien entlang der Loire über die Champagne bis nach Burgund, was sich mit den nachfolgend erwähnten german Siedelräumen deckt. Germanen übernahmen die Körperbestattung, rechts des Rheins wurde lange Zeit verbrannt, bis auch dort im III. Jh veränderte Begräbnissitten anlangten [siehe fürstliches Frauengrab von Haßleben, nördlich Erfurt Ende III. Jh mit vielen röm Importwaren, oder Details siehe Böhme, German. Grabfunde des IV. bis V. Jhs zw. unterer Elbe und Loire, 1974]. Neuankömmlinge auf Reichsterritorium assimilierten die röm. Kultur, wollten in vielen Dingen Römer sein, akzeptiert werden, wie manche vor ihnen, bewirkten aber auch eine „Barbarisierung“ der spätantiken röm. Welt, die bereits früh einsetzte. In den nördlichen röm Provinzen zeigte die Götterwelt eine Vermischung mit regionalen Gottheiten, die sich in der provinzialröm. Kunst darstellerisch von der mediterranen entfernte, siehe beispielhaft der Matronenkult. Röm Caesaren begannen seit dem II. Jh „barbarische“ Bärte zu tragen als Spuren der Kriege an Rhein und Donau oder im Vorderen Orient als weiterer grosser Kriegsschauplatz [Parallelen zur männl. Haarpflege der heutigen Zeit]. Es gibt später Abbildungen von Germanen in röm Diensten mit rasiertem Kinn, während die herrschenden Römer Bärte trugen. Die Bestattete in Rommersheim Grab 6 bekam für ihre Jenseitsreise ein in röm. Technik gefertigtes gewundenes Trinkhorn aus grünem Waldglas mit, heute im Landes-Museum Mainz, ältere Formen auch aus Köln bekannt. Viele Artefakte der Spätantike verdeutlichen die bloße Übernahme, manche aber auch eine röm.-german. Synthese, prägend für einige Jahrhunderte.

Was hatte barbarische Völker an die röm. Grenzen getrieben? Zu unterscheiden ist mit Sicherheit zwischen den Beutezügen von Kriegergruppen in der Frühphase, dem Anwerben von german Söldnerkontingenten im Interesse Roms und schlussendlich dem Einfall von großen Volksgruppen mitsamt ihrer Familien. Was veranlasste letztere angestammte Siedelgebiete aufzugeben und auf ungewisse Wanderschaft zu gehen? Die Zwänge mussten extrem hoch sein, um alles was Sicherheit bedeutete hinter sich zu lassen. Lagen die Gründe in der Klimaverschlechterung mit dem Zusammenbruch der Ernährungsgrundlage, drohte nach mehreren Mißernten der Hungertod, so daß kein Ausweg blieb? Waren es skandinavische Völker, welche vor Jahrhunderten flüchteten und Völkerverschiebungen in Norddtld und Osteuropa auslösten? Zwangen diese länger andauernden Prozesse mit Druck benachbarter Völker, wie mglw Langobarden auf die Sueben/Alamannen an der Elbe, Goten auf die Lugier/Vandalen an der Weichsel und Vandalen auf die Burgunder an der Oder zur Auswanderung, schließlich die reiternomadischen Alanen und Hunnen im IV. Jahrhundert? Dann wäre an manchen Ursprungsmythen ein Körnchen Wahrheit. Auf röm Territorium trachteten die germanischen Anführer nicht danach das röm Reich zu zerstören oder es gar zu übernehmen, dazu waren die einzelnen Verbände, die aus Gründen der Ernährung überschaubar gehalten werden mussten, gar nicht in der Lage. Man wollte in erster Linie den Erhalt sicher stellen durch Land zum Siedeln, den Schutz durch das röm Gemeinwesen und die Anerkennung des neu errungenen Status innerhalb des Reichsgefüges. Dafür war man bereit gegen Sold und Landzuteilung, wie fränk. Fürsten in Toxandria (belgisch-niedergerman. Gebiet westl. des Niederrheins), burgundische Verbände im Raum Wetterau/Main und gotische in Dakien nördlich der unteren Donau für die Interessen Roms zu kämpfen, für eine Akzeptanz durch Rom, welches nun seine Grenzen nicht mehr im german. Vorfeld sicherte, sondern gefährdete Grenzbereiche neuen Bündnispartnern überließ. Mit Foederatenverträgen konnten sich Germanen legal ein Drittel der Erträge und des Steuereinkommens der zugeteilten Provinz sichern, wenn man dort ansässige abhängige provinzialröm. Bauern unter Kontrolle behielt. Die Gegenleistung war die Verteidigung der Grenzen im Reichsverbund.7 Wie sehr man die röm Oberhoheit anerkannte erweist sich alleine aus dem Kursieren und Nachprägen röm Goldmünzen mit Caesarenbildnissen. Münzen sind seit je her ein Symbol von Macht. Die Übernahme bedeutete Anerkennung. Eine Eigenprägung war Zeichen von politischer und wirtschaftlicher Autonomie. Und es dauerte eine ganze Weile bis german. Herrscherköpfe Goldmünzen zierten. Auf Kleingeld fanden sich eigene Abbilder wohl frühzeitiger. Notgedrungen änderte sich der Blick röm Autoren auf die Neuankömmlinge, als sie begriffen es nicht mit kurzzeitigen Erscheinungen zu tun zu haben, nicht alleine nur mit beutehungrigen Plünderern, sondern daß man sich arrangieren musste, als die Fremden begannen mit Frauen, Kindern und Alten auf weström. Territorium zu siedeln.

Nachdem Rom aus den anfänglichen Katastrophen gelernt hatte, begann es im begrenzten Maß steuernd einzuwirken und rivalisierende german. Gruppierungen gegeneinander auszuspielen. Denn sie standen alle unter dem gleichem Zwang ihre Scharen in der schwierigen oft lange währenden Wandersituation zu ernähren. Germanen waren keine angestammten Nomaden, die Lebensweise war ihnen fremd. Plündern konnte auf Dauer keine Lösung für die prekäre Ernährungslage sein, denn irgendwann hatte man große Gebiete kahl gefressen. Rom lieferte Lebensmittel und sicherte Bündnisverträge zu, um „romanisierte Barbaren“ nun gegen neu einfallende Barbaren kämpfen zu lassen, wie Verbände der Franken und Burgunder gegen rechtsrheinische Alamannen oder Verbände der Westgoten gegen Vandalen und Sueben in Spanien. Die westgot. Anführer, mit ihren Sippen vier Jahrzehnte von Griechenland über Italien nach Gallien und Spanien gezogen, waren mit den röm Gepflogenheiten vertraut, der Art und Weise „hochmütiger röm Diplomatie“, der Arroganz und Ignoranz, der Offenheit und Verschlagenheit des Routiniers auf diesem Gebiet. Trotz der Eroberung von Rom und den Bereicherungen, welche sich Westgoten auf Reichsgebiet angeeignet hatten, ging die Römer mit ihnen Verhandlungen ein. Ihnen standen keine homogenen ethnische Verbände gegenüber, sondern zusammengewürfelte Personengruppen, Zweckbündnisse, Sippen, Familien, „Fahrgemeinschaften“, die eine gemeinsame Identität erst durch schriftliche Überlieferungen viel später fanden. Es ist also schwierig und eine grobe Vereinfachung von „Völkern“ zu sprechen. Die Zuordnung von archäologischen Funden nach ethnischen Gesichtspunkten wird heute vorsichtig beurteilt, da es in der Bewegung zu Angleichung und Veränderung im Habitus der Wandernden kam. Nachfolgende Betrachtungen werden sich verstärkt auf Gefolgschaften richten, da sie für einige Generationen das soziale Gerüst der militärisch organisierten barbarischen Gemeinschaften waren und die alten regionalen Sippenverbände, an Grund und Boden gebunden, in der Bewegungsphase nicht unbedingt den Zusammenhalt wahren konnten, um auf erobertem Territorium neue Zusammensetzung zu finden.

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Zur Einführung die Zeitenwanderung: "...Es war schon spät und Sunnas Strahlen stachen nicht mehr durch das fahle Gewölk. Windstöße trieben kühl in den Rücken, trockneten unangenehm den Schweiss im Nacken...."-


Historischer Kontext FMA:

Auf eine Volksgruppe sei besonderes Augenmerk in den Wirren dieser Zeit gerichtet, den Franken. Ursprünglich siedelten sie rechtsrheinisch, überschritten auf Plünderungszügen immer wieder den Rhein in die Germania Secunda, bis Sippen ab Mitte des IV. Jhs nördl. der Straße Köln-Boulogne in „Toxandrien“ Siedelland auf röm Territorium vertraglich überlassen wurde, das sie im Reichsverbund zu verteidigen hatten.

Im Gegensatz zu got. oder vandalischen Verbänden, die auf ihren langen Wanderungen große Teile des Westreichs durchquerten, hielten fränkische Fürsten ihre Bündnisverträge und damit ihre Siedelgebiete in den nördlichen Teilen Galliens ein. Das brachte Vorteile. Regionale Sozialstrukturen konnten sich über Jahrhunderte konsolidieren, während wandernde Volksgruppen immer neue Herausforderungen meistern mussten.8 Erst mit dem Zerfall der weström. Reichsregierung erweiterten fränk. Fürsten ihr Gebiet, nachdem Soldzahlungen aus Rom ausblieben. Hatte sein Vater Childerich noch im röm Dienst gekämpft, begann Chlodwig zum Ende des V. Jhs die röm. Rest-Reiche des Syargius und Arbogast in Gallien zu unterwerfen, Räume mit hoher Urbanität und guter Infrastruktur. Viele Städte schützte eine steinerne Mauer, wobei durch die fränk. Eroberung ein Rückfall in rustikale Siedlungsformen zu beobachten und die Wirtschaft nach Wegfall des Hauptabnehmers, der röm. Armee, im Niedergang begriffen war. Trotzdem blieb die gallo-römische Stadtkultur der rechtsrheinischen Entwicklung voraus, ein Impulsgeber über Jahrhunderte, schaut man auf künstlerische Erzeugnisse in Stein und Metall, die Mode und verfeinerte Kultur. Städte Galliens waren Heim für Handwerker und Kaufleute, hatten mit alteingesessenen Senatoren eine Stadtverwaltung. Ihrer eigentlichen kommunalen Aufgaben nun beraubt, besetzten sie in der röm-kathol. Kirche hohe Ämter. Als Bischöfe leiteten sie die Geschicke ihrer Gemeinwesen auch in weltlichen Dingen. Das Christentum war seit geraumer Weile im Röm. Reich Staatsreligion, hatte nach der german. Eroberung Bestand und kann durchaus als „Stadtreligion“ bezeichnet werden, mit für den Gottesdienst umgewandelten Basiliken. Die festen Strukturen der einstigen spätröm Verwaltung mit Praefekturen, Diözesen und Provinzen wirkten in der Kirchenverfassung fort, wie das alte unpersonale Recht der „res publica“ im Kirchenrecht seinen Nachfolger fand.

Demgegenüber war die fränkische Herrschaft, die vornehmlich den ländlichen Raum erfasste, durch Treueschwüre auf Personen gekennzeichnet. Hier waltete ein personales Recht mit persönlichen Verpflichtungen in den Sippen- oder Gefolgschaftsverbänden, den traditionellen Stützen der german Gesellschaft.9 Die Verschriftlichung der Volksrechte zeigt überwiegend das germanische, bei manchen Völkern, wie den romanisierten Westgoten, auch den Einfluß des röm. Rechts. Die neuen fränk. Herren übernahmen das röm. Steuer- und Münzwesen und schafften die Sklaverei, den Motor der antiken Wirtschaft, nicht vollends ab. Eigentumsverhältnisse änderten sich. Die röm Bauern-Pächter (Kolonen) fanden neue Herren und bildeten den Grundstock der späteren Hörigen. Das Absinken des sozialen Standes dieser Halb- und Unfreien quasi zu Leibeigenen war eine fatale Entwicklung der Folgezeit.

Im ehemalig röm. Gallien waren die Franken in der Unterzahl gegenüber der provinzialrömischen Bevölkerung. Der Übertritt der fränkischen Herren zum röm.-katholischen Christentum um 500 war ein Meilenstein für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Der verordnete Glaubenswechsel betraf zunächst nur die Oberschicht, die Leibgarde und den Hofstaat Chlodwigs, damit es keine Unruhen oder religiös motivierte Umstürze in unmittelbarer Nähe des Königs gab. Chlodwig hatte sich für seinen Glaubensübertritt Sonderrechte ausbedungen, als Grundlage für eine fränk. Staatskirche mit dem König als Oberhaupt, welcher fortan Bischöfe einsetzte, die keineswegs „romhörig“ waren. Mit ihrer Hilfe wurden weltliche Aufgaben wahrgenommen und Regionen behauptet. Fränkische Herrscher bemühten sich um die Bischöfe mit wertvollen Geschenken in Form von Land, Gewändern, Kleinodien, Sklavinnen oder Reliquien. Die Bekehrung ging, im Gegensatz zum röm Christentum, sozial nicht von unten nach oben, sondern umgekehrt vonstatten. Aber es sollte noch Generationen dauern, bis alle Franken zum kathol. Christentum übertraten. Die letzten Heiden im Raum Lüttich wurden erst um 730 getauft. Für viele Germanen war die Friedensbotschaft des Christentums schwierig zu verstehen. Christus musste ein starker Gott sein, zur Abwehr der dämonischen Mächte. Man konnte ihm nur folgen gleich dem Treueverhältnis des Kriegers zu einem erfolgreichen Herrn. Es finden sich Darstellungen von Christus als gerüsteter Kaiser und König oder als Weltenherrscher bis in die Romanik.

Man beachte hinzu den hohen Stellenwert der Soldatenheiligen im FMA, wie Victor, Georg, Gereon, Mauritius und Martin von Tours, letzterer durch Chlodwig zu einem der wichtigsten merowing. Heiligen instrumentalisiert. Er diente als Leitfigur im Kampf gegen die arianischen Westgoten, von Tours aus, dem oft umstrittenen Grenzort an der Loire, bevor er offiziell den Schutz des Königshauses übernahm. Martin wurde Patron vieler Kirchen im fränk. Reich, die ihre Gründungsdaten in den frühmerowingischen Zeiten hatten.

V.-VIII. Jh



...nach dem Hunnenüberfall („TW Attila“)



Gürtel der Merowingerzeit (MWZ)

Fibelreplikate VI.-VII. Jh



eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, ws = Weißmetallüberzug

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Grundsätzlich galten die german. Franken nun nicht mehr als fremde Barbaren in Gallien und es fand eine Völkermischung statt, die woanders lange Zeit unmöglich war, vielfach auch per Gesetz verboten wurde. Denn West- und Ostgoten oder Vandalen waren Anhänger des christl.-arianischen Glaubens, der nur im röm. Ostreich stark ausgeprägt und deshalb von ostgerman. Stämmen übernommen worden war. Sie standen nach der Wanderung und Inbesitznahme von weström Territorium in Opposition zur kathol. Bevölkerung (Unterschied lag in der Deutung der Dreifaltigkeit und Person Christi zu Gott als wesensgleich oder -ähnlich). Im Vandalenreich kam es mehrfach zu Katholikenprogromen, ein Grund für die „schlechte Presse“ in der Historie für diese ostgerman Völkergruppe in Nordafrika. Viele der Ausschreitungen waren politisch motiviert, denn es galt die vandal. Herrschaft zu sichern, indem man mit dem kathol Klerus zugleich die ehem röm Aristokratie ausschaltete. Auf Dauer waren die Verhältnisse nicht haltbar und die Westgoten folgten dem fränk. Beispiel 589, auch die Langobarden in Italien sollten im VII. Jh so verfahren. In beiden Fällen führte die gesellschaftliche Öffnung zu einem Verfall der eigenen german. Kultur. Ostgoten oder Vandalen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, ihre Herrschaft war ohne Bestand.

Denn zur Herstellung der alten Reichseinheit hatte Ostrom unter Justinian (reg 527-565) erfolgreiche Feldzüge gegen diese beiden Gegner in Nordafrika und in Italien geführt, später auch in Spanien. Es hatte absolut kein Interesse an vereinigten Germanenstämmen, wie es sich Theoderich wünschte und protegierte die Franken, welche sich dem Theodrich-Bündnis nicht angeschlossen hatten. Die Klammer Franken-Byzanz hielt bis in die Zeit Karls des Großen. Der oström Kaisertitel war bis dahin unangefochten und vor Karl wagte es kein Germane sich diese Krone aufs Haupt zu setzen! Im Westen galt eine klare militärische Rangfolge wichtiger als der Caesarentitel, nur zu oft hatte man erlebt, wie schwach diese Position durch immer neue Usurpatoren war. Die Oberhoheit des östlichen Kaisertums hatte nicht unerhebliche Wirkung auf Slawen und die frühen Rus-Reiche. Justinian verstand sich als Statthalter Christi auf Erden. Der Papst im Westen galt für ihn als Bischof von Rom, mehr nicht.10 Fränkische Herrscher erhielten als Bündnispartner Ostroms Anerkennung und Legitimation vom Kaiser, dessen Traum von einer Wiedererrichtung des West-Reichs nach ersten beachtlichen Erfolgen allerdings scheiterte. Die Franken betrieben einen Schaukelkurs, offiziell für, inoffiziell gegen Ostrom. Im Zuge dieser Ausrichtung erreichten nicht nur finanzielle Zuwendungen, diplomatische Geschenke und Sachgüter, sondern auch fremde Modesitten den Westen („imitatio imperii), auch durch die Einmischung in die italienischen Auseinandersetzungen oder im Umweg über Langobarden und Baiuwaren. Das ist archäologisch an der Übernahme goldener almandingeschmückter Objekte erkennbar, die bereits seit dem V. Jh vermittelt durch Hunnen und Ostgermanen stilbildend den Westen erreicht hatten, die Übernahme der Scheibenfibel in Ablösung der Mehrfibeltracht in der Frauenmode Wende VI./VII. Jh und an Kleidungsstücken aus Seide, auch bei den Männern (siehe „Herr von Morken“ an der Erftfurt gegen 600), nicht zuletzt an den Goldgriffspathen oder verzierten Spangenhelmen, auch vielteiligen Gürtelkombinationen und spezifischen byzant. Gürtelschnallen.


Die Ausgangslage Ende V. Jh vor der fränk. und ostgotischen Expansion. Angeln, Sachsen und Jüten siedeln in Britannien, in Westgallien ist das röm Reich des Syagrius noch existent. Westgoten und Burgunder teilen sich den Süden Galliens. Das Maingebiet ist alamannisch-thüringischer Grenzraum. Das Reich des Odoaker erstreckt sich über Italien und bis zur Donau mit den ehem. röm Provinzen Raetien und Norikum. Der ostgotische Einfall unter Theoderich, im Auftrag des oström. Kaisers, steht unmittelbar bevor...


Die Datierungen zwischen 480 und 750 unterscheiden zwischen einer frühen (spätes V. bis Ende VI. Jh), einer mittleren (Wende VI./VII. Jh) und einer späten (VII. bis Mitte VIII. Jh) Merowingerzeit (MWZ). Grundsätzlich läßt sich anhand der Grabfunde eine deutliche Zäsur um 600 festmachen. Die Aspekte, welche diesen Wandel kennzeichnen werden unten zur Gürtel- und Fibelmode im Einzelnen beschrieben.


1.a Fränkische Expansion, unterstützt durch Ostrom/Byzanz (frühe MWZ vor 600AD)

Einleitend Prokop [Gotenkrieg V, 12]: „...röm. Soldaten standen im äussersten Teil Galliens als Besatzung. Da sich diese sagen mussten, daß sie niemals nach Rom zurückkehren würden,...übergaben sie sich und das Land, das sie für den röm. Staat bewachen sollten,...Sie überlieferten ihren Nachkommen die väterlichen Sitten, die diese bis auf meine Zeit [Mitte VI. Jh] ehren und heilig halten. Sie sind heute nach gerade so eingeteilt, wie sie einst im röm. Dienst standen, ziehen mit denselben Feldzeichen in den Kampf und gehorchen immer noch ihren alten Gesetzen. Sie sehen auch ganz wie Römer aus, besonders durch die Kopfbinden, die sie tragen [vermutlich Schutz unter den Helmen ?!].“ Chlodwig erweiterte seine Machtsphäre in der Wende V./VI. Jh nicht nur auf Kosten der ehemaligen röm. Territorien, das „Reich des Syagrius“ ist im Quellenzitat gemeint, sondern ging auch skrupellos gegen fränkische Fürsten vor und beseitigte innerhalb von zwei Jahrzehnten ein Kleinkönigtum nach dem anderen durch Bestechung, Hinterhalt, Meuchelmord und Intrigen. Seine Nachfolger aus dem Geschlecht der Merowinger (nach dem mythischen Urahn „Merowech“), waren untereinander oft zerstritten, eiferten in ihrem aggressiven Verhalten gegenüber den Nachbarn dem alten „gefrässigen römischen Raubtier“ der Antike nach. Dieser Expansionsdrang traf auf alamannische Fürsten, welche weit nach Osten an den Lech, nach Süden in die heutige Schweiz, ins Elsaß und nach Norden entlang des Neckars und vermutlich bis in den Main-Raum vorgedrungen waren. Chlodwig schlug diese Herrscher einzeln, denn es fehlte eine übergeordnete Führung und nur durch das Einschreiten des Ostgoten Theoderich, der von Italien aus im oströmischen Auftrag das Voralpenland, den raetischen und norischen Raum unter seinem Schutz hatte, konnten sie vor dem Untergang bewahrt werden, so daß Franken in die Mainregion vorstiessen und das nördliche Alamannien besetzten. Theoderich akzeptierte die Oberherrschaft des oström Kaisers, sichtbar an Münzprägungen in dessen Namen. Doch schien er jenem nicht zu trauen und bemühte sich ein Bündnisgefüge durch geschickte Heiraten zustande zu bringen, um mit germanischer Einigkeit Ostrom von Rückeroberungsgelüsten abzuhalten. Ostrom beabsichtigte nicht stellvertretend durch german Fürsten zu herrschen, sondern selbst im Westen das Imperium neu zu errichten. Obwohl Theoderich die Schwester Chlodwigs, Audofleda, geheiratet hatte, durchkreuzte der Franke die Pläne des Ostgoten. Fränkische Expansionsgelüste stifteten Unruhe und brachten die Bemühungen Theoderichs aus dem Gleichgewicht. Der Übertritt Chlodwigs zum kathol. Glauben war geradezu eine Kampfansage (das Großbündnis des Theoderich hatte arianischen Charakter), der fränk Angriff auf die Westgoten erst recht. Letztere hatten bereits Anf. des V. Jhs an der franz Westküste ein autonomes Königreich auf röm Boden gegründet. Theoderich ließ die Provence besetzen, um Chlodwig vom Mittelmeer fern zuhalten. Die beiden entwickelten gewaltige Antipathien, das wusste Ostrom zu nutzen und begann die Franken mit Geschenken zu umgarnen, um die Rückeroberung Italiens vorzubereiten. Der Kaiser hatte Interesse an Zwietracht unter den Germanenstämmen, deshalb kam ihm der renitente Frankenkönig gerade recht! Als es in Burgund politisch unruhig wurde und die Franken eingriffen, konnten die Ostgoten nicht untätig bleiben und mussten sich erneut positionieren, um der fränk. Armee Einhalt zu gebieten, was aber nicht lange währte. Nach dem Ableben Theoderichs 526 brach dessen Bündnissystem schlagartig zusammen.

{...statt allgemeiner Historie stärker auf Regionen eingehen...} Die Nachfolger Chlodwigs, fielen vereint über Burgund her, als deren ostgotische Schutzmacht durch die Bedrohung der byzant. Invasion gebunden war. Damit verloren auch die Thüringer, welche dem ehem. arianisch-gotischen Bündnissystem angehört hatten mit vielfältigen Verflechtungen zu den Ostgoten, ihren Beistand und gerieten in den gefährlichen fränk. Einflußbereich. In den eigenen Thronwirren rief eine Seiten leichtsinnig die Franken zu Hilfe. Diese kamen, unterwarfen und herrschten nun selbst, obwohl es bislang durch Verwandschaft und Heirat gute Beziehungen zu thüring. Fürsten gegeben hatte. Die Franken waren damit in mehreren Feldzügen von Rhein/Main bis an Weser, Werra und Unstrut vorgestossen. Der Verlauf läßt sich heute noch an Ortsnamen ablesen, „Frankfurt“ als Mainübergang war von strategischer Bedeutung, wurde ausgebaut und der Raum blieb bis ins hohe Mittelalter Krondomäne. Die Heerstraße, später der berühmte Fernhandelsweg von Frankfurt nach Leipzig, folgte dem Kinzigtal nordostwärts Richtung Fulda, weiter über Hersfeld zur Werra. Die fränk. Besetzung entlang des Main flußaufwärts über Virteburch/Würzburg bis ins heutige „Frankenland“ war eine Übernahme ehemaliger thüringischer Herrschaftsgebiete. Seit der frühen Kaiserzeit hatte es einen „hermundurischen Kulturkreis“ gegeben, der sich bis an den Main erstreckte. Der Thüringer Wald war mit einem guten Dutzend Päße zu überwinden, also kein trennender Gebirgszug. Von Würzburg aus wurde der Main-Raum „frankisiert“ und missioniert. Die moderne Forschung behauptet, daß kaum Umsiedlungen stattfanden, doch es fehlt vielfach der Nachweis auf Siedlungen überhaupt. Ortsnamen könnten Aufschlüße bringen, vor allem „-heim“-Orte sind vielfach an strategisch wichtigen Punkten der Wegsicherung zu beobachten! Die einheimische Bevölkerung bekam Herren auf fränk. Gnaden, entweder Franken, deren Verbündete oder kollaborierende Fürsten, konnten aber gewisse kulturelle Eigenständigkeit bewahren. In Unruhezeiten gelang immer wieder das fränk. Joch abzuschütteln und zeitweilig Unabhängigkeit zu erreichen, so entfaltete das ehemalige westgot. Aquitanien an der Atlantikküste eine hochstehende kulturelle Blüte eigener Prägung. Der fränk. Machtraum hatte die alte röm. Kulturgrenze an Rhein und Donau weit hinter sich gelassen. Abgrenzungen gab es nach Norden und Osten in den Raum der Friesen, Slawen und Sachsen, die über zwei Jahrhunderte mit den Franken rangen. Langsam drangen jene vor, gezwungen die Marschwege strategisch mit Festungen zu sichern. An der Ruhr ist die „Syburg“ Instand gesetzt worden, von der Wetterau zur Weser wurden die Missionsorte Amanaburch/Amöneburg, der „Christenberg“ bei Münchhausen, Frankenberg a.d. Eder oder die „Büraburg“ bei Fritzlar befestigt, neben vielen kleinen Sperreinrichtungen, die Furten sicherten. Die „Sachsenkriege“ Karls des Großen Ende des VIII. Jhs waren der Schlußstrich. Bei Korbach liegen Orte mit Namen „Sachsenberg“ und „Sachsenhausen“, in denen vermutlich konzentriert Unterworfene angesiedelt wurden. Das Vordringen und Bewegen in den unendlichen Wäldern östlich des Rheins entlang befestigter Etappenstationen war schwierig, deshalb sollten Flußläufe zur Versorgung der Truppe sowie zur Errichtung von Infrastruktur noch lange Zeit besondere Bedeutung behalten [Details unter Heer- und Handelswege im Mittelalter].

Was trieb die Franken zu der fast zwanghaft wirkenden Expansion? Drohte mit jeder Eroberung ein neuer Gegner, wie es bereits die Römer erlebt hatten? Es schienen Schwächen bei den Fürsten der Nachbarn zu locken, die sich selten zu grösseren Koalitionen zusammen schlossen. Im Fall von Herrscherwechseln und Thronstreitigkeiten griffen die Franken zu, wie in Burgund oder Thüringen. In der Rivalität zu den Goten lag sicher die Hauptmotivation, da es galt das arianische Bündnissystem des Theoderich zu zerschlagen. Vom Zerfall des italischen Ostgotenreichs durch den Eroberungszug Ostroms profitierten die Franken, welche ihre Machtsphäre nun in den alpinen Raum erweitern konnten. Die Schirmherrschaft über Raetien und das Norikum war 536/37 per Vertrag vom Ostgotenkönig Witiges an die Franken übergegangen, damit Goten zur Römerabwehr mehr Kräfte freimachen konnten. Jene standen mit dem Rücken zur Wand und hatten keine Wahl. Merowinger waren „lachende Dritte“ in diesem Konflikt und brachten alamannische und baiuwarische Fürsten, der ostgotischen Schutzherrschaft beraubt, nach Übernahme der Provinzen südlich der Donau bis an die Enns unter ihre Kontrolle. Franken vergaben die Räume als Lehen an ihnen genehme Familien. In Alamannien setzte sie einen Amtsherzog ein und ostwärts des Lech einen aus der Familie der Agilolfinger, mit Verwandtschaft zum langobardischen Königshaus. Damit schufen Franken alamannische und baiuwarische Herzogtümer, die vorher nicht existent waren. Im Laufe des VII. Jhs wuchsen ihre Machtbereiche erheblich und gewannen in fränk. Schwächephasen zunehmend Unabhängigkeit. Starke Merowinger-Herrscher und später die Karolinger setzten Herzöge ab oder zwangen sie erneut in die Lehnsabhängigkeit. Grabbeigaben nach zu urteilen zeigt der gesamte süddt. Raum recht unterschiedliche Einflüße. Es finden sich romano-keltische Relikte, wie in der Frühphase thüringisch-langobardische und ostgotische Anteile, hinzu kamen nach der Besetzung ab 536 fränkische wie später awarisch-donauländische Elemente. In der Forschung wurden Objekte lange Zeit mit bestimmten Ethnien verbunden [so noch bei Schulze-Dörrlamm, German. Kriegergräber mit Schwertbeigabe in Mitteleuropa aus dem späten III. und der ersten Hälfte des IV. Jhs, 1985], was die moderne Wissenschaft differenzierter betrachtet. Weisen die Zangenfibeln an einem Fundort im alamannischen Raum wirklich auf die Thüringerin hin, auf Zwangsumsiedelungen, eine grössere Migration, oder die einzelne im Falle einer Heirat? Oder stammen sie von Langobarden aus Italien, die ein alamannischer Anführer im Dienst der Franken dort in irgendeiner Form erwarb? Oder hatte ein thüringischer vielleicht auch baiuwarischer Amtsträger im fränkischen Auftrag die Kontrolle des betreffenden Raums inne, der wie sein Herzog im Treueeid gegenüber den Merowingern stand? Sind die markanten Silberblechfibeln im Grab 472 von Rödingen bei Jülich vor den Toren Kölns eine fränk. Siegestrophäe als Zeichen der westgotischen Niederlage Anfang des VI. Jhs in Aquitanien? Unsicher ist, ob der am Heerzug teilgenommene Franke bloß die fremdartigen Objekte mit nach Hause brachte oder die Frau als kostbare Beute gleich mit? Das Recht des Siegers ! Die Fibeln befanden sich im Grab nicht nach gotischer Sitte an den Schultern, sondern nach fränkischer in Hüfthöhe [Die Franken, Bd I, S. 148/149]. Hatte sich die Gotin regionaler Mode angepasst oder war die Positionierung der übliche Ausdruck im Bestattungsvorgang der fränkischen Gemeinde? Die Bestattungsweise oblag den Angehörigen, sie folgten den üblichen Gepflogenheiten vor Ort. Genau genommen wurde nur das Totengewand verschlossen, mehr nicht...aber damit sind wir schon bei Detailfragen. Zur Ethnie stellen wir sie erst in der Moderne, ein Relikt der Forschung des XIX. Jhs im nationalpatriotischen Auftrag. Denn vor 1500 Jahren war es eigentlich egal. Es zählte nicht die Herkunft, sondern die Treue. Seit der Völkerwanderungszeit wurde nicht gefragt woher man kam, sondern wohin man gemeinsam gehen wollte ! [Vielleicht kein schlechtes Motto für einer neuen Zeit und zukünftige Generation...]

1.b Machterhalt unter den Merowingern (späte MWZ nach 600AD)

Durch Erbteilung entstanden fränk. Teilreiche mit eigenen Königen, die nicht selbständig und in sich geschlossen, sondern eher Verwaltungssektoren darstellten. Die Teilherrscher agierten trotz innerer Zwistigkeiten meist gemeinsam in der Aussenpolitik. Reiche wurden im FMA über Personen und deren Stellung zum Herrscher, also über unterschiedliche Tribut-, Klientel- und Vasallenverhältnisse definiert. Aufstände zeigten, wie fragil die personell „dünne“ Herrschaft oft war, destabilisiert nach jedem Königswechsel und durch Rivalitäten aufgrund der schlechten Erbteilung im merowingischen Herrschaftsgefüge. Als probate Mittel der Machtsicherung galten Bündnis- und Heiratspolitik, wie Besetzung strategisch wichtiger Punkte durch fränk Herren (Grafen und Gefolgschaftsführer), deren Verbündete oder paktierende einheimische Adelige, die sich bei Umritten von der alteingesessenen Bevölkerung Treueeide schwören liessen. Macht basierte auf personalen Bezügen! Herrschernähe konnte eine mögliche Standeserhöhung mit sich bringen, also wurde sie bewußt gesucht.11

Weil das Haus der Merowinger dem german Erbrecht folgte, das heißt der Aufteilung von Gebieten unter den Söhnen, wurden die fränk. Herrschaftsbereiche immer wieder von großen Bruderkriegen erschüttert. Das sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes als verheerend erweisen. Könige wurden ermordet, abgesetzt, junge Nachfolger in die Verbannung oder ins Kloster geschickt. Frauen besassen im Herrschaftsgefüge eine starke Stellung, als Königinnen oft mit eigener Kanzlei und ihren Beamten, beanspruchten sie stellvertretend die Macht, wenn es an geeignetem männlichen Nachfolgern mangelte. Polygame Verhältnisse der merowing. Könige mit mehreren Ehefrauen, hinzu Konkubinen, vereinfachten die familiären Strukturen nicht gerade. Das „Haus der Merowinger“ ist für Historiker ein kompliziertes genealogisches Gebilde, für den Laien schwierig zu durchschauen. Mehrfach gelang es kurzzeitig starken Herrschern, wie bereits Chlothar I. im VI. Jh, auch im VII. Jh mit Chlothar II. (613-29), Dagobert I. (632-39) oder Childerich II. (673-75) die Teilreiche in einer Hand zu einen. Allerdings mussten immer wieder Zugeständnisse an den Adel gemacht werden, wie die Wahl von gräflichen Königsbeamten ausschließlich aus den ansiedelnden Grundbesitzern heraus und Einsetzung von Hausmeiern in den jeweiligen Teilreichen, so daß jene Eigenständigkeiten entwickelten, was Rivalitäten niemals ausschloß. Erfolgreich und beständig gelang es starken Hausmeiern, wie Karl Martell (714-41) oder Pippin dem Jüngeren die Einigkeit herbei zu führen, nachdem merowingische Könige nur noch als Herrschermarionetten fungierten, damit sind wir bei den „Karolingern“.

Exkurs: Die gesellschaftlichen Strukturen im Wandel von der Spätantike zum FMA

Blick zurück auf die instabilen Zeiten der Völkerwanderung mit Zerfall des röm. Reichsverteidigung im V. Jahrhundert. Röm Provinzkommandeure und Großgrundbesitzer, ebenso german. Gefolgsherrn (neudt. „Warlords“) hielten sich Privatsoldaten, die buccellarii („Brotleute“ von bucella = Zwieback), als Haustruppen und Leibwachen, welche sie besoldeten und ausrüsteten. In der Regel waren diese Elitesoldaten beritten. Zuzug erhielten jene durch junge Krieger, die sich bei den Herren gegen Sold oder Sachleistungen verdingten. Solche Gefolgschaften waren seit der röm. Kaiserzeit archäologisch mit „Herrengräbern“ bei den rechtsrheinischen Germanen zu beobachten, obwohl diese Gesellschaftsform wohl erheblich weiter in die Vergangenheit zurückweist. Sie sollte vor allem für den Kern der Militärstrukturen mit der Völkerwanderung kennzeichnend werden und in den „Ministerialen“ des HMAs mit neuer Rechtsstellung und erweiterten Aufgabenbereichen in abgewandelter Form bestehen bleiben. Eine auf Eid basierende Gefolgschaft wurde zum Rückgrat der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaft, nicht nur in militärischen Belangen. Die Mitglieder werden durch regelmässige Zuwendungen, Donative, Privilegien und Stellung der Waffen durch die Herren besser ausgerüstet gewesen sein, als der freie german Grundbesitzer, der zum Heerbann gezogen wurde und persönlich für seine Bewaffnung aufkam, dafür eine gewisse Abgabenfreiheit genoß [siehe dazu auch Anmerk. unten zu den Illerup-Funden mit einer mgl. erkennbar Hierarchie]. Grundsätzlich waren Donative bereits seit röm Zeiten bekannt und selbst ein Legionär der röm Armee konnte zu besonderen Anläßen mit einem Donativ rechnen, um den Sold aufzubessern. Gefolgschaften befanden sich nicht nur am Königshof, sondern auch bei Herzögen und Grafen, Bischöfen und grossen Grundbesitzern, wer auch immer sich eine Haustruppe, durch Eid gebunden, leisten konnte. Das Gefolge erwartete Gegenleistungen. Die Führer/Herren waren zu Erfolg, Einkommen und Beute verdammt, um ihre Position zu halten. Nicht selten ließ sich der hohe Standard nur durch kriegerische Aktionen halten. Das erklärt manche Kommandounternehmen der Südgermanen zwecks Beutegewinn auf röm. Territorium in der Spätantike, ebenso wie Plünderungen durch ihre Schiffe an den westeuropäischen Küsten (von den Römern generell als „Sachsen“ = Piraten bezeichnet), nach einem Muster, dem später die Nordgermanen, bzw Nordmannen folgen sollten. Auch die Reitervölker, wie die Hunnen oder später die Awaren, standen unter gleichen Zwängen, da deren gesellschaftlich-militärische Strukturen ähnlich aufgebaut waren. Neben den Sippenverbänden wird man von schnell agierenden berittenen Gefolgschaften ausgehen können. Die nomadische Lebensweise erleichterte die rasche Konzentrierung und das flüchtige Auseinanderziehen der einzelnen Gruppierungen. Durch die Nähe zur röm Grenze wandelte sich das bisherige friedliche nomadische Leben. Beutezüge und Tributzahlungen Roms machten das Kriegshandwerk zunehmend attraktiver. Grundbesitz war bei allen Gefolgschaften nicht von Interesse, sondern klein dimensionierte oder bewegliche Habe, Rohstoffe, Vieh oder auch Frauen als Beute, eher von „sachlichem Wert“. Sie wurden ausgelost, verschenkt oder als Lohn versprochen und galten keineswegs als erkorenes Ehrgeschenk. Für die Römer mussten solche Überfälle immer kriegerisch motiviert erscheinen, doch für barbarische Gesellschaften, die kein staatliches Gewaltmonopol kannten, waren Raubzüge von kleinen Gruppen probate Mittel, um Beute und Prestige zu gewinnen, damit gesellschaftliche Anerkennung oder die Jugend im Umgang mit Waffen zu schulen. Dahinter standen keineswegs Kriegsabsichten ganzer Stämme, denn deren Anführer hatten auf diese „Waffenübungen“ oder auch das Fehdewesen oft nur wenig Einfluß. Römische Grenzeinheiten (limitanei) als Milizionäre und jegliche Volksaufgebote waren den Berufskriegern der Gefolgschaften kaum gewachsen, obwohl die Lebensweise an der Grenze einen harten Menschenschlag erzeugte, jederzeit zum Kampf bereit. Die Aufgabe der „Grenzer“ war in erster Linie die Verteidigung von festen Punkten, bis das reguläre röm Feldheer (comitatenses) nahte. Aus diesem Grund begann Rom germanischen Völkern als Foederaten, vertraglich zugesichert, in den Grenzbereichen Land abzutreten, da ihre kriegerische Lebensart zur Verteidigung des Reiches beitragen sollte. Der Aggressionswille von Berufskriegern in Gefolgschaften, mit ihrer Sucht nach Anerkennung und Beute, wird in den nachfolgenden Jahrhunderte immer wieder zu beobachten sein, bei den Angriffen der Wikinger, den nomadischen Reitervölkern bis hin zu den Condottiere und ihren Kontingenten des HMAs, bzw Kompanien des SMAs mit Berufsoldaten und Söldnern. Sie standen oft ausserhalb der Gesellschaft, waren nicht saturiert, sondern gewaltbereit und „wollten was“, eine latente Gefahr für jede zivile Gemeinschaft.

Rom siedelte gezielt Germanen an, konnte aber nicht verhindern, daß sich auch ungewollt die ersten barbarischen Königreiche auf röm Reichsboden konsolidierten. Dabei kam es zu gravierenden gesellschaftlichen Umstrukturierungen und Umverteilungen an Grund und Boden gegenüber der einheimischen Provinzbevölkerung. Für die Germanen waren es durchaus schwierige Prozesse aus der Bewegung in die Seßhaftwerdung zu kommen. Prokop Vandalenkrieg III, 5: „Wenn sich aber unter der einheimischen [nordafrikan. röm.] Bevölkerung jemand durch Ansehen und Wohlhabenheit auszeichnete, so machte ihn Geiserich zum Sklaven und schenkte ihn samt seinem ganzen Besitz an Land und anderen Gütern seinen Söhnen ...Den übrigen Libyern nahm er den größten und besten Teil ihrer Ländereien und verteilte sie unter die Vandalen; diese Güter haben bis auf den heutigen Tag den Namen „Ackerlose der Vandalen“ behalten. Die alten Besitzer [Kolonen?] blieben frei und durften, ganz verarmt, ihren Aufenthalt beliebig wählen. Alle Güter, die Geiserich seinen Söhnen oder anderen Vandalen geschenkt hatte, sollten steuerfrei bleiben; wo der Boden schlecht war, überließ er ihn den früheren Eigentümern, legte aber so hohe Steuern darauf, daß ihnen vom Ertrag so gut wie nichts blieb. Viele wurden verbannt oder getötet[vor allem wenn] … jemand sein Geld versteckt halte! So blieb den Libyern keine Mißhandlung erspart.“ Solche Vorgänge werden sich zeitgleich nicht nur in Nordafrika, sondern auch in Süd- und Westeuropa abgespielt haben. Aus Herren wurden Untergebene. Nicht immer mündete das in eine versklavte Leibeigenschaft, viele röm Freie wurden schlichtweg unfrei, manche waren es vorher schon, in der Forschung als „halbfrei“ bezeichnet, befanden sich also bereits in gewisser Abhängigkeit, wenn sie z.B. als Pächter/Kolonen Staatsland bewirtschafteten. Sie zahlten nicht mehr an röm Großgrundbesitzer oder an die Stellvertreter des Kaisers, sondern entrichteten ihre Abgaben nun an eine barbarische Militärelite, die dünne Herrschaftsschicht gegenüber der Masse einheimischer Provinzialrömer. So manche Arbeiter auf röm Landgütern werden den Eigentumswechsel kaum spürbar bemerkt haben. Viele angesehene Römer kollaborierten, vor allem in Bereichen der Verwaltung und Steuereintreibung, unverzichtbar für die neuen Herren. Es war wichtig für die neuen barbarischen Königreiche Steuereinnahmen zu erhalten. In Nordafrika wurden, wie oben beschrieben, große Flächen durch Losverfahren unter vandalische Freie (vandal froia = Herr) aufgeteilt, die man zum Kriegsdienst im Heerbann verpflichtete, dafür aber Steuerfreiheit erhielten, also keine Einnahmensquelle für den Herrscher. In Nordafrika wurden die Aufteilungsprozesse begünstigt durch den Umstand, daß die größten Ländereien urspl Latifundien des Kaisers oder Eigentum der röm Senatsaristokraten in Rom waren. Die ehem. Nutznießer befanden sich also weit weg. Die neuen barbarischen Grundbesitzer mussten sich nicht zwingend die Hände schmutzig machen, wenn sie röm „Pächter“ auf den Feldern beließen. Germanen übernahmen einfach die funktionierenden röm Mechanismen und glichen sich in vielen anderen Belangen den ehemaligen Herren an. Hier liegt eine der Grundstrukturen für das mittelalterliche Hörigen-System. Wobei es grundsätzlich eine feine Abstufung zwischen Pächtern mit einer gewissen Freizügigkeit, halbfreien Pächtern, welche nicht ohne Zustimmung des Eigentümers handeln durften und weisungsgebundenen Unfreien gab. Das letzte Glied in der Kette bildeten Leibeigene, Knechte, Sklaven. Die Entwicklung im HMA war eine fatale Angleichung der Verhältnisse von Halb- und Unfreien zu Sklaven, eine Verdinglichung zu menschlichen Ressourcen.

G. M. Berndt [DKdVa, S. 181] vermutet, daß sich die militärischen Hierarchien in dieser Phase der Sesshaftwerdung begannen aufzulösen. Das Zweckbündnis der Gefolgschaft auf der Wanderung zerfiel zugunsten einer Gemeinschaft mit regionaler Gliederung durch die Landaufteilungen. Prokop erwähnt in diesem Zusammenhang in den 440er Jahren die Ernennung von 80 Chiliarchen (Tausendschaftsführern) als eine Variante der vandalischen Heeresreform. Wir hätten demnach eine Entwicklung von professionellen Kriegern zurück zu Milizionären im Heerbann, der bekannten Form aus der german. Heimat östlich des Rheins, urspl. mit Hundertschaften, nun erweitert um eine übergeordnete Einheitsgröße, geschult an griech/röm Militärtaktik. Bei den Vandalen musste es aber nicht zum Verschwinden der militärischen Gefolgschaften kommen. Denn eine „Ackerabkömmlichkeit“ der Militärangehörigen war ja gegeben, wenn abhängige Provinzialrömer für sie auf den Feldern arbeiteten. Die vandalischen Beutezüge im Mittelmeer zu Schiff in der Mitte des V. Jh zeigen deutlich, daß es wieder zu Gefolgschaftsstrukturen kam, fixiert auf kurzzeitigen Erfolg und Beute, nur nicht im Sattel, sondern „auf der Planke“. Wie bereits am Limes könnten diese begrenzten Beute- und Piratenzüge mit oder ohne Duldung des Herrschers vorgenommen worden sein. Der Rückgriff auf die alt bewährteErwerbsform“ hatte ihre Ursache vielleicht in der Rebellion der Unzufriedenen aus den eigenen Reihen, die bei den Landverteilungen zu kurz gekommen waren? Denn die Quellen berichten von einem Adelsaufstand, den Geiserich [gaiza = Lanzenspitze, also der Mann mit vielen Lanzen im Gefolge] mit brutaler Gewalt unterdrückte. Es gab separatistische Bestrebungen einzelner Vasallen, die ihren König nicht mehr anerkannten. Vielleicht waren sie auch umgekehrt mit den Plünderungen, vor allem der Roms nicht einverstanden, die durch Geiserich aufgrund dynastischer Verbindungen initiiert wurde, da sie begriffen, daß die Zukunft nicht in der Konfrontation, sondern nur in der Koexistenz mit Rom liegen würde, wer weiß...?

2. Quellen V.-VIII. Jh (und Bestattungssitten):

Wir haben unter den Merowingern eine hohe Form der Verschriftlichung erreicht und neben der „Spatenwissenschaft“ gilt es die aufwändige Arbeit der Historiker ebenso zu würdigen. Textquellen, in der Regel vom Klerus verfasst, in Form von Chroniken (Annalen), von Taten- oder Lebensberichten und Urkunden geben nicht nur Aufschlüße über politische Ereignisse, sondern, in beiläufig erwähnten Details, auch über die Sachkultur. Archäologische Funde bleiben aber Hauptquelle dieser Zeit, die uns Gebrauchsgegenstände durch Bestattungsbeigaben, Depot- und Einzelfunde oder Siedlungsgrabungen vermitteln. Der germanische Raum kannte seit der Urnenfelderzeit vielfach nur die Brandbestattung, deshalb sind Beigaben deformiert und in schlechtem Zustand erhalten geblieben, Textilien fehlen aus diesem Kontext gänzlich. Körperbestattungen praktizierte man in der vorchristl. Latene-Zeit partiell, wie zwischen Saale und Orla nachweisbar [UFTh, S. 100]. Den entscheidenden Umschwung brachte aber erst die Christianisierung, so ist auf röm. Territorium ab dem III. JhAD eine allmähliche Ablösung der Brand- durch die Körperbestattung zu beobachten. Im rechtsrheinisch freien Germanien folgte man dieser Entwicklung, in der Mehrzahl aber mit einer zeitlichen Verzögerung ab Wende IV./V. Jahrhundert. In den röm Provinzen wurden Körperbestattungen in Reihen vorgenommen. Eine großflächige Ausbreitung der Reihengräberfelder wird mit der Expansion der Franken im VI. Jh gleichgesetzt und ein grosser Teil West- und Mitteleuropas davon erfasst. Sachsen und Friesen behielten lange Zeit Brandbestattungen bei und die Sitte der Körpergräber wurde nur teilweise und recht spät übernommen. Ein aufwändiger Totenkult und Bestattungsfeierlichkeiten der Trauergemeinde mit Grabbeigaben waren auch nach Einführung des Christentums allgemein üblich, teilweise drückten christl. Heilszeichen auf Schmuck und Waffen den neuen Glauben aus, in einem Nebeneinander von Heidentum und Christentum, das für jene Epoche so kennzeichnend war. Die fränk. Kirche duldete Grabbeigaben und stellte Grabraub sogar unter Strafe. Doch oft sind Gräber gestört, manchmal fast die Hälfte bis drei Viertel eines Grabungsareals, wie in Weißenburg/Bayern oder im nah gelegenen Westheim. Im alamannischen Raum nahm der Zugriff durch zeitgenössische Grabräuber vom V./VI. Jh zum VII. Jh deutlich zu. So werden nur selten vollständig erhaltene Grabensembles geborgen und auch nur selten komplette Gräberfelder erfasst, beides hat Ausschnittcharakter. Oberflächennahe Bestattungen wurden durch Bagger oder Pflüge angeschnitten, manche Beigaben unsachgemäss gehoben oder stammen aus vorwissenschaftlichen Altgrabungen. Vor allem Details, wie Nieten, Haften, Verbinder, Beschläge, uvam. wurden früher übersehen oder als unwichtig erachtet. Damit könnte eine Schnalle, die ohne Blech erwähnt wird, durchaus Nieten oder eine Hafte gehabt haben und war nicht automatisch an den Trägerstoff (Leder oder Stoff) angenäht. Auch wenn viele Bestattungen nicht sonderlich üppig waren, meist eher durch Keramik statt Metall gekennzeichnet, besitzen wir durch die Summe der Gräberfelder, manchmal mit mehreren hundert Belegungen, aus der Merowingerzeit eine Fülle von Alltagsgütern, Schmuck und Waffen.12

Seit der 2. Hälfte des VII. Jhs verebbte die Sitte der Totenbeigabe allmählich, blieb aber in Osteuropa, vornehmlich slawischen Siedelgebieten, noch bis ins X. Jh erhalten, auch auf den westlichen Inseln oder in Skandinavien hatte der Brauch noch Bestand. Im Rheinland war hingegen ein deutliches Nachlassen erkennbar, der westfälische Raum folgte bald nach. Als Nebeneffekt für die Zeitgenossen wurde dem Grabraub, der oft in zeitlich kurzem Abstand zum Begräbnis erfolgte (!), mit der beigabenlosen Bestattung die Grundlage entzogen und den Hinterbliebenen standen mit dem Erbe mehr Sachgüter als vorher zur Verfügung. Im VII. Jh wurden viele Reihengräberfelder nicht weiter belegt, da man dazu über ging Bestattungen bei den Ortskirchen vorzunehmen. Die Oberschicht ließ dafür eigens Kirchen errichten [siehe Eigenkirchen]. Dezente Grabbeigaben sollten auch in nachfolgenden Jahrhunderten mit ausgewählten Objekten, wie Fibeln, Schmuck oder Kleidungsstücken durchaus üblich bleiben, siehe Ring und Ringfibel der Bestattung Anfang des XIII. Jhs auf dem Hainfeld beim späteren Kloster Arnsburg nahe Lich in Hessen. Aber es wurde keine vollständige Totenausstattung für das Jenseits mehr vorgenommen. Fibeln hatten hinzu immer einen Sonderstatus, da sich mit ihnen die Totenkleidung/Leichentücher zusammenhalten ließen, das heißt sie befanden sich in den Gräbern mglw. an Stellen des Körpers, wo sie zu Lebzeiten nicht getragen worden sind!!!

Bestattungssitten öffnen Einblicke in die Jenseitsvorstellungen einer Kultur. Allerdings sind sie auch, in nicht unerheblichen Maß, ein Indiz für Rituale der Hinterbliebenen, wobei sich in der Selektion der Beigaben nicht alleine die Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen äusserte, sondern auch das Gebaren, Auftreten vor der Gemeinde, durch bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Verpflichtungen auferlegt. Wir werden also mit Beschönigungen und Idealisierungen zu rechnen haben in einem Dreiecksgeflecht von Verstorbenen – Angehörigen – Trauergemeinde (Publikum). Bestattungsfeierlichkeiten mit Trank- bzw Speiseopfern und Totenmahl sind schon lange bekannt. Es ist eine Sondersituation zu erkennen, die nur bedingt den Alltag des Verstorbenen wiedergibt. Beigaben sind nicht generell Spiegel einstigen Lebens, denn der Bestattete hatte ja nur geringe oder überhaupt keine Entscheidungsfreiheit darüber, was ihn „auf der Jenseitsreise“ begleiten sollte. Mglw stammten die „Bei-Gaben“ gar nicht alle von dem Verstorbenen, sondern sie wurden als Anerkennung und Abschiedsgeschenk von einzelnen Hinterbliebenen der Familie/Sippe während der Trauerfeierlichkeiten ins Grab gelegt, wie mglw Keramik, die nicht selten Speisen oder Getränke enthielt, auch Federn, Kissen oder Gefäße mit duftenden Essenzen. So häuften sich mit gehobener sozialer Stellung automatisch mehr Beigaben an! Objekte wurden speziell für die Grablege gefertigt, wie miniaturisierte Gegenstände als pars-pro-toto, vergleiche Toilettenbestecke in sächs Männergräbern oder minderwertig verarbeitete Fibeln in den Gräbern 21 und 151 in Ingelheim [ZCuK, S. 36 u 89]. Falls körpernahe Gegenstände deutliche Abnutzungsspuren zeigen, werden sie wohl aus persönlichem Besitz stammen, können aber auch als entbehrlich durch den Trauernden „geopfert“ worden sein. Grabbeigaben dokumentieren grundsätzlich die getroffene Auswahl der Hinterbliebenen !!! Wir wissen nicht, was bewußt nicht mitgegeben wurde? Folgerungen zum Leben und Alltag des Verstorbenen können nur bedingt durch Beigaben ermittelt werden.



In den letzten Jahrzehnten brachten auch Siedlungsgrabungen aufschlußreiche Funde ans Tageslicht. Die german. Siedelweise nutzte Wassernähe, gute Ackerböden, oft nahe Verkehrswege in kleinen Siedelstellen und umzäunten Gehöftansammlungen. Selbst grössere Siedlungen beherbergten oft nicht mehr als ein Dutzend Familien mit ihren Nutztieren. Tacitus Germania Kap 5: „Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Schmuck auf der Stirne; die Menge macht den Leuten Freude und die Herden sind ihr einziger und liebster Besitz.Neben Rindern wurden Schweine gehalten, auch Schafe und Ziegen, seltener Geflügel.13 Wildtierknochen fanden sich nur an den „Fürstenhöfen“. In den innerstädtischen Bereichen brachten Kölner Grabungen interessante Details zum Vorschein, wie aus der Latrine der Kanonissen von St. Cäcilien. Die adeligen Damen ernährten sich bevorzugt vom Fleisch gebratener junger Tiere, wie Spanferkel, Milchlämmer oder Stubenküken, während aus dem Handwerkerviertel vom Heumarkt die Tierknochen alter Rinder geborgen wurden, deren Fleisch man nur zu Brühe kochen konnte. In Lauchheim war in VI.-VII. Jh zu beobachten, daß die Rinderzucht, die zu röm. Zeiten in diesem Raum bedeutend war, zurückging. Hinzu hatte die Größe der Tiere abgenommen!14 Für die Erstellung von Ledergürteln sind solche Informationen interessant. Rinderhäute ergeben in der Regel, auch bei weniger großen Tieren, immer recht stabile Gurte, aber kleine Tierarten bedeuten dünnere Häute und kürzere Riemen. Völker, die über weite Strecken wanderten, wie Goten, Sueben oder Vandalen werden vielleicht nur wenig Großvieh mit sich getrieben haben können und wenn, waren es sicher notwendige Zugtiere. Kleine Tiersorten, die weniger Nahrung benötigten, waren in dieser Zeit vielleicht nützlicher, so daß bei Neuansiedlungen auf fremden Boden die Tierzucht neu aufgebaut werden musste. Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, daß wandernde Völker in nomadisierender Lebensweise einen ausgeprägten Hang zur Tierzucht entwickelten? Denn Tiere waren eine wertvolle bewegliche Habe. Für die Goten ist es quellenmässig bezeugt, mehrere Generationen waren durch die jahrzehntelangen Wanderungen von jeglicher Landwirtschaft entwöhnt, was aber nicht bedeuten musste, daß sie auch den Umgang mit den Tieren vernachlässigten. Es ist grundsätzlich möglich, daß manche Ledergürtel im FMA dünner waren, als heutzutage, da nicht nur Rind, sondern auch Ziege und Schaf für Gürtel in Betracht gezogen werden müssen? Manche Durchzüge von Originalschnallen sind extrem eng, bzw lassen nur wenig Spiel für einen stabilen Dorn, wie bei Kolbendornschnallen, zu. Im reichen Frauengrab unter dem späteren Kölner Dom gegen Mitte des VI. Jhs ist der Leibgurt leider nicht mehr erhalten, dafür das mit Beschlaghülsen verzierte nur 2 mm starke Leder des Trägerriemens der Messerscheide, was allerdings keine Rückschlüße auf den Leibgurt erlaubt. Auch „gesteppte“, bzw mehrlagige Gürtel machen nur bei dünnerem Leder Sinn, siehe die Gürtelfunde mit zusammen genähten Lederstreifen, welche textile Zwirne in Tunnelzügen aufwiesen, dem Gürtel Stabilität verleihend, wie im Grab 34 von Bruckmühl/Kr. Rosenheim oder vermutlich auch im Klerikergrab 8 unter St. Ulrich und Afra in Augsburg. Für die Kleidung wurden alle möglichen Ledersorten verwendet. Der Tote im „Sängergrab“ von St. Severin in Köln trug über der Leinen- und Wollkleidung ein Wams aus Ziegenleder. Fingerbreite Riemen aus Schafleder umschnürten kreuzartig die Wadenbinden. Die Schuhe waren aus Rindsleder, die Fingerhandschuhe bestanden aus Wildleder mit Stulpen aus Rindsleder. Bei einem überwiegenden Teil der 32 untersuchten Schuhe und Sohlen aus Haithabu war nach den Ergebnissen der Grabung von 1963-64 nicht nur das Oberleder aus Ziege, sondern auch das Sohlenleder, fehlten ausreichend Rinder? Desweiteren bringen Siedlungsgrabungen vornehmlich Erkenntnisse zur Verarbeitung von Eisen und in einigen Fällen auch zur Buntmetallgewinnung. Siehe dazu unten Exkurs 6a: Bronze und Messing im FMA.


Die dörflichen Gemeinschaften waren seßhafte Selbstproduzenten, in vielen Dingen autark, abhängig natürlich von Aussaat und Ernte. Verschiedene Textil-, Holz-, Horn-, Knochen-, und Lederarbeiten, sowie die Eisenproduktion ist meist selbstverständlich, der Buntmetallguß manchmal nachweisbar, eher an Herrenhöfe gebunden. Tauschhandel war über lange Zeit Basis des Güter-Verbreitung, vor allem für Luxusartikel. Erst mit der Verstädterung des HMAs wurden spezielle Gewerke vonnöten, da der Bürger nicht mehr selbst produzieren konnte, was er zum Leben benötigte. Das brachte neue wirtschaftliche Verhältnisse/Abhängigkeiten und einen grösser werdenden Münzhandel hervor. In der MWZ gab es kaum nachweisbaren Handel über kleine Münzeinheiten, wie noch zu römischen Zeiten. Ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten dieser dörflichen Gemeinschaften bieten die überschaubaren Grabfunde aus Eichstetten im Breisgau, detailliert und sehr anschaulich präsentiert im Archäolog. Landesmus Aussenstelle Konstanz.






3. Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen V.-VI. Jh

Gürtel spielen in der archäologischen Forschung im Übergang von der Spätantike zum FMA als aussagekräftige Fundgattung eine erhebliche Rolle. Bis in das V. Jh dominieren Gürtel der römischen Militärausrüstung mit Kerbschnittzier. Längliche Stabilisatoren hielten die breiten Gurte in Form. Mit einem Riemenschieber wurde verzierte Zunge zur Seite geführt. In der 2. Hälfte des V. Jhs, bzw. in der Wende zum VI. Jh finden sich einfache auf reine Schnallen „reduzierte“ Exemplare, manchmal mit Tierkopfenden am Schnallenbügel, vielfach simple Eisenschnallen oder bronzene Varianten mit Kolben- und Schilddorn. Durch die Reduzierung auf die Schnalle wird es schwer eine Aussage über die Gürtelbreite zu treffen, wenn das Leder vergangen ist, da nun Stabilisierungen in Form von Zieren fehlten. Ohne Riemenzunge und ohne Kenntnis der Fundsituation (Befund), also Lage im Grab, ist auch die Gürtellänge kaum zu bestimmen.

Objekte der frühen MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) sind daran erkennbar, daß beim Adel cloisonnierte Gegenstände (mit Almandingranat gefülltes goldenes Zellwerk) beliebt waren. Der Ursprung dieser Modesitte ist im hunnisch-ostgotisch-byzantinischem Raum zu suchen und prägte den Geschmack der Eliten für anderthalb Jahrhunderte. Die wertvollsten Steine dieser Sorte kamen aus dem indischen Raum und vielfach war Konstantinopel der Importeur nach Europa. Durch die oben beschriebenen Bündnisse zwischen den Merowingern und Byzanz floß der Almandin reichlich, während der Zufluß bei den Ostgoten in Italien durch ihre Kriege gegen Byzanz versiegte. Deshalb gibt es dort Grabfunde, in denen der Stein durch Glas imitiert wurde. Schnallen in diese Richtung werden nicht gezeigt, da meine bisherigen Rekonstruktionen nicht unbedingt für den Adel gedacht sind, die Rosettenfibeln unten zeigen eine mögliche Richtung.

Nachdem die Quellen des eindrucksvoll schillernden Granats auch für die Merowinger versiegten (eine zeitlang wurden böhmische Granate verwendet), änderten sich die Ziergegenstände in der späten MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh) mit tauschierten Objekten, filigranen Verzierungen und der Preßblechtechnik. Die Tierstile drängten durch, Ornamente und Flechtmuster gewannen an Bedeutung, siehe unten die Beispiele der mehrteiligen Gürtelgarnituren. Mglw ausgelöst durch Kontakte zu den Reitervölkern, wie den Awaren mit ihren „Stammes- oder Sippen-Tamgas“, wurden auch Zeichen und Symbole deutlich heraus gehoben, vermutlich vom ursprünglichen Sinn entfremdet.

Die nachfolgenden Rekonstruktionen wären gedacht für Hofherrin und Hofherrn, die Freien (vandal froia, got frauja = Herr), für wohlhabende Kaufleute und vielleicht einige Handwerker. Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung auch höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber ist möglich. Bei Gesinde und Hörigen wären sicher einfache Eisenschnallen, manchmal mit Weissmetallüberzug, oder Bindesysteme zu erwarten.

IV

-

V

Frau/Mann




Spätrömische „Bogenschnalle“ aus dem IV. Jh. Diese Formen streuen von Gallien, der Rheingrenze bis nach Norditalien und in den Osten. Funde wie in Chalons, Krefeld-Gellep, Bonn oder Andernach sind manchmal massiver als diese Variante aus Cividale.

Die Form bleibt noch lange erhalten, wird im VI./VII. Jh meist in massiven Eisenausführungen gefertigt, wie bsplw in München-Aubing häufig nachzuweisen.

Im XV. Jh werden „hohe“ Bogenschnallen mit weitem Durchlaß wieder aufgenommen und vor allem bei den Houppelande-Gürteln beliebt. Somit haben wir einen schönen „Bogenschlag“ vom Anfang bis zum Ende unseres Betrachtungszeitraums.




IV-V_010_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

[auf dem Bild Blech noch nicht vernietet]

montiert 59,00 EUR

V


Mann




Ein Derivat der breiten röm Militärgürtel um 400 mit Schnallenbügel endend in Tierköpfen an der Dornachse. Denn im Laufe des V. Jhs wurden die Gürtel einfacher und schmaler. Zunge bekannt aus CCAA (Köln), Krefeld-Gellep und Fundorten auch rechts des Rheins. Solche Gürtel wurden von Germanen in röm Diensten (Laeten/Foederaten) und von deren Gegnern gleichsam getragen. Böhme ging 1974 noch davon aus, daß rechtsrheinisch nur im Norden lanzettförmige Zungen getragen wurden, inzwischen haben eine Reihe Funde aus dem alamannischen Raum diese These widerlegt.






V_005_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 99,00 EUR







VI








Frau

Die Befestigung durch drei Nieten mit diesem Schnallentyp fand sich z.B. in Dillingen in Frauengräbern, datiert zw. 545-570 oder Zorneding Grab 19. Der Schnallentyp ist so häufig, daß man unmöglich alle Fundorte aufzählen kann. Kerndatierung der Schilddornschnallen ist die 2. Hälfte des VI. Jhs., ältere Kolbendornschnallen aus der 1. Hälfte können auf Anfrage angefertigt werden.



VI-VII_030_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit drei strichverzierten Nieten,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 79,00 EUR



...mögliche „lose“ Tragweise ohne „Schlaufung“, die Länge ist hypothetisch, vermutlich waren die Riemen kürzer. Sie wiesen in der Regel keine Zungen auf, deshalb kann die Länge nicht nach möglicher Fundlage im Grab bestimmt werden.







VI








Frau/Mann





Dieser Schnallentyp mit Schilddorn und Schilddorn-Hafte befand sich z.B. im Frauengrab in Okarben/Wetterau Grab 10 und Männergrab in Okarben Grab 15 mit zwei Haften, beide vor 550. In Dillingen lag dieser Typ sowohl in Männer-, als auch in Frauengräbern in der frühen Form zw. 525-545 mit kolbenförmigen Dorn und mit Schilddorn aus der 2. Hälfte VI. Jh. Haften als Befestigung haben sich in diesen Fällen nicht erhalten. Ähnliche Funde auch vom Gräberfeld in München-Aubing. Bekannt ist die seltene goldene Variante aus dem Grab von Planig bei Kreuznach um 525.

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]




VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 85,00 EUR







VI








Frau/Mann





Der Verbreitungsraum der Schild- und Kolbendornschnallen liegt von Nordfrankreich, Niederrhein, Westfalen, in die Mainregion bis südl. der Donau. Sie bestanden überwiegend aus Bronze, in seltenen Fällen aus Silber. Funde aus Bronze in Krefeld-Gellep oder im Museum Ulm, aus Silber in Wünnenberg-Fürstenberg mit drei Haften [nicht aus Weissmetall, wie behauptet wird, denn der Bestattete war von hohem Rang mit reichen Beifunden wie eine Ringknaufspatha]



VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (Grubengerbung natur)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 90,00 EUR







VI

-

VII














Frau/Mann





Eckige Schnallentypen mit festem Beschlag in Durchbruchornamentik waren im byzant. Reich recht häufig und streuen bis weit nach West- und Mitteleuropa, hier verwendeter Typ Fund Kumpfmühl bei Regensburg 2. Hälfte VI. Jh. Eine ähnliche rechteckige Form mit festem Beschlag, aber schlichter, fand sich z.B. in Wölfersheim/Wetterau aus dem VI. Jh und fragmentiert in Nieder-Ingelheim, Frauengrab 1. Ähnliche Funde auch in Krefeld-Gellep oder Feldmoching, identische langobard. Funde heute im Museum Cividale de Friaul_AO. Befestigung, wie bei unserer Ausführung, in der Regel mit Ösen, das heißt sie sind für das Trägermaterial Leder und Stoff gleichermaßen geeignet.



VI-VII_039a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Stegösen auf der Unterseite und Befestigung mit

Holzstiften oder Lederschnüren wie in Pleidelsheim.

Zungen hierzu sind nicht immer nachweisbar

montiert 45,00 EUR (ohne Zunge)





VI

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VII










Frau/Mann



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 5 x 1,5 cm möglich

montiert 65,00 EUR



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien] mgl

montiert 59,00 EUR






Exkurs: Grabinhalt und Waffenbeigabe Tacitus zeichnet in seiner „Germania“ das Bild einer waffenstarrenden kriegerischen Gemeinschaft [Kap 13]. Durch Grabfunde läßt sich das zu seiner Zeit nicht belegen! Für die Völkerwanderungszeit setzen wir voraus, daß führende Schichten nicht nur mit dem gewaltsamen Erwerb, sondern auch zum Erhalt von Gütern und Rechten auf Waffengewalt ausgerichtet waren. Die Waffe als Kennzeichen des Freien, Symbol der Freiheit? Wehrfähigkeit ist ein hohes Recht, in dessen Genuß nicht alle kamen. Es sollte eigentlich vermieden werden, daß der Einzelne im Fehdewesen Selbstjustiz übte, alle Quellen wiesen Richterämter zentrale Ordnungsfunktionen zu. Verschriftlichte „Volksrechte“ geben die gewandelte Sozialordnung wieder, nachdem die Migrationsbewegung abgeschlossen und der Boden neu verteilt war. In der überwiegend bäuerlich ausgerichteten Lebensweise sollte der Waffendienst möglichst zum Ausnahmefall werden. Der zum Kriegszug verpflichtete Hufeneigentümer konnte im günstigsten Fall auf Beute und Entlohung durch Sachgüter hoffen, einen regelmässigen Sold gab es nicht. Konnte bei einem kleineren Landbesitzer die Familie das Feld nicht bestellen, hatte man Sorge über den Winter zu kommen. Den Quellen ist zu entnehmen, daß german. Herrscher befürchteten, ihr Volk werde „unkriegerisch“, wenn es einmal begann von den „Früchten der Eroberung“ zu zehren. Mit jeder nachfolgenden Generation wurde der Kriegsdienst zur unliebsamen Pflicht, wie es Geiserich für seine Vandalen kritisch beobachtete [Prokop Vandalenkrieg III, 4]. Jungmannschaften für Beutezüge zu finden war jederzeit möglich, aber den Heerbann der Freien einzuberufen schwierig. Die Aufbaugeneration wusste wofür sie stritt, aber das verlor sich mit den Jahrzehnten. Es ist immer schwerer Dinge zu erhalten, als sie mit Elan neu zu erschaffen [Hat sich bis heute nicht geändert!].

Welches Indiz weist auf eine waffenführende Gesellschaft hin, die Beigabe einer Waffe im Grab oder gerade ihr Fehlen? Die Waffenbeigabe, das Hergewäte, war über lange Zeit keineswegs selbstverständlich und in manchen Gegenden sogar vollkommen unüblich, wie bei sächs. Brandbestattungen bis zum V. Jh oder vorher in der Wielbark-Kultur im Weichselraum, die nach alter Lehrmeinung den Goten zuzurechnen ist.15 Auch als jene sich auf röm. Reichsboden in Gallien, Italien und Spanien niederließen, gingen sie der Waffenbeigabe nicht nach, eine Folge der Wanderung oder der Romanisierung? Im ostgot. Italien hatte Theoderich ausdrücklich ein Verbot erlassen [MuK, S. 16]. Im fränk., alamann., baiuwar. und thüringischen Raum hing man der Beigabensitte an, wobei höchstens 2 bis 5 % der Gräber eine volle Waffenausrüstung oder eine Spatha als Beigabe enthielten [AlaO, S. 123]. Darin ließ sich der Adelige, der Gefolgsherr, der Großgrundbesitzer erkennen, der im Leben wie im Tod umgeben war von seinen Gefolgsleuten und den Halb- oder Unfreien. In Ostrom galt ein spatharius (Schwertträger) von hohem Rang, dem man Gesandtschaften anvertraute [Annales Bertiniani 839AD]. Einfache Gräber enthalten zuweilen einen Axtkopf, Lanzenspitze oder Saxklinge, mglw der Hinweis auf einen Gefolgsmann oder gewöhnlichen Freien, der im Heerbann zum Kriegsdienst verpflichtet war. Häufiger finden sich Keramik oder geschlechtsspezifische Gebrauchsgegenstände. Bei einst reich ausgeführten Bestattungen mag Grabraub den Blick auf die Quellen verzerren. In erster Linie zielte diese Tätigkeit auf Schmuck und Luxusgegenstände ab, vielleicht auf kostbare Spathen oder Helme? Lanzen, Ango-Wurfspeere oder Schilde werden im intakten Zustand unmöglich durch die schmalen Raubschächte zu entwenden gewesen sein. Bei Brandbestattungen in Urnen und Gefässen waren großformatige Gegenstände unpraktisch, es gilt zu ergänzen, daß es diesbzgl auch andere Verfahren gab, wie die offene Brandschüttung oder das Grubengrab mit Aschedeponierung. Große Objekte wurden unter den Urnen oder deformiert darin geborgen, was manche bizarre Formengebung eines archäologischen Fundes erklärt.

Das ungestörte Körpergrab eines Mannes wird in der Regel durch bestimmte Nutzgegenstände, im allgemeinen Keramik, speziell durch Feuerstahl, Messer, Wetzstein, Rasiermesser, Kamm, Metallfragmente oder Gürtelteile charakterisiert. Waffengräber enthalten Lanzen- oder Speerspitzen und Äxte, nicht zwingend als „Streitäxte“ zu bezeichnen, denn Holzspaltwerkzeuge standen quasi in jedem Haushalt zur Verfügung und erfüllten ihre Funktion als „Schildbrecher“ durchaus, um einen Schildwall zu „knacken“. Die Deponierung im Grab räumt diesem „Werkzeug“ jedoch eine Sonderstellung ein. Die „Franziska“ war eine spezielle Form der Distanzwaffe und kein gewöhnliches Werkzeug – jedem, dem es vergönnnt war eine gut geschäftete Wurfaxt zu begutachten weiss, „daß sie förmlich aus der Hand will“. Im begrenzten Zeitraum finden sich einschneidige Klingen (Saxe), selten Pfeilspitzen oder Schildbuckel und nicht weniger selten zweischneidige Klingen (Spathen) sowie Zaumzeug mit Reitausrüstung (Sporen, Steigbügel, etc), Kennzeichnen von Fürsten oder Gefolgsherren.16 In der erste Hälfte VII. Jh, mit der späten MWZ, haben wir bei den waffentragenden Männern teilweise recht aufwändige vielteilige Leibgürtelgarnituren. Für Spathen wurden eigene Trageeinrichtungen verwendet, bislang meist als Schulterriemen nach röm. Sitte, nun abgelöst durch den Spathagurt in Leibgürtung mit einem variablen Schleppriemensystem, was für einen Schwert tragenden Reiter Sinn macht, vor allem in Kombination mit dem Sax. Denn ein fast in die Waagerechte gebrachtes Schwert vereinfacht die Handhabung im Sattel, ist aber zu Fuß nicht unbedingt praktisch, so daß eine Verstellmöglichkeit zurück in die Vertikale sinnvoll erscheint. Dazu diente der Schleppriemen. Die Aufhängung der Spatha musste diese Bewegung erlauben, so daß eine Hilfskonstruktion mit Bändern und „Pyramidenknöpfen“ vonnöten war [siehe dazu Lüppes 2010]. Das geht wohl auf eine byzant. Tragweise, bzw auf reiternomad. byzant. Hilfstruppen zurück. Helmfunde sind, nach Wegfall der in Massen produzierenden röm. fabricae im Westen, in Gräbern grundsätzlich äusserst selten, beschränken sich auf die Eliten als wertvoller Teil der Ausrüstung und können deshalb, wie manch kostbare Schwerter oder verzierte Lanzenspitzen zuweilen auch als „Opfer-/Gewässerfunde“ auftreten. Helme des VI./VII. Jhs stammen vielfach aus der ostgot.-byzant. Sphäre. Die oben angedeutete Reihenfolge der Waffentypen wird in der Regel als Ausdruck einer sozialen Hierarchie in Kombination mit unterschiedlich wertigen Metallen verstanden. Manchmal ist die Entwicklung von einzelnen Typen, wie vom Kurz- über Schmal-, zum Breit- und Langsax oder die Kombination der Waffen für eine chronologische Abfolge von Belang. Dabei wird deutlich, daß Änderungen spätestens mit jeder zweiten Generation einsetzten, ein Hinweis auf neue Militärtaktiken oder neue Gegner, auf die man reagieren musste! Neben der großen Masse der beigabenarmen Gräber, meist nur Keramik und kaum Metall, damit leider oft geschlechtsneutralen Bestattungen, werden wir auch bei den Frauengräbern an der Wertigkeit und Häufigkeit der beigegebenen Fibeln, Gürtel, Gürtelgehänge oder die zeitlich begrenzten und seltenen Wadenriemengarnituren der späten MWZ eine soziale Hierarchie erkennen können. Auch hier hielten sich Schmuckformen selten über mehrere Generationen.

Nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Befunden (Fundsituation), Auflistung der Funde und zeichnerische Abbildung im Katalogteil beschränkt sich die Mehrzahl der Frauengräber auf wenige Beigaben, meist Keramik, Kämme aus Bein, Spinnwirtel, hin und wieder Schmuck, wie Perlen, Nadeln oder Fibeln, manchmal nur einfache Ringe, Eisen- oder Buntmetallfragmente, deren Nutzen oft unbestimmt bleibt. An Schnallen der frühen MWZ bis zur Mitte des VI. Jhs finden sich bei Mann und Frau meist einfache Typen aus Eisen oder Bronze (s.o.) ohne Beschlagbleche, mit Haften befestigt. In unseren Populärpublikationen werden allerdings meist beigabenreiche Frauengräber der Oberschicht mit Edelmetallschmuck, wie Ohr- und Fingerringe oder Armreifen, Taschen, Ketten, Amulettkapseln, Wadenriemen und die waffenstrotzenden Männergräber exemplarisch herangezogen, der Rest ist auch ziemlich langweilig und würde niemand in eine Ausstellung ziehen oder eine dieser Publikationen erwerben lassen. Es wird nur in wenigen Museen eine grössere Bandbreite gezeigt. Wir sollten uns aber immer die Besonderheit dieser besprochenen Gräber vergegenwärtigen. Sie sind nicht typisch für die Masse der frühmittelalterlichen Gesellschaft, sondern oft nur für deren soziale Spitze, die Führungsriege und die unmittelbar Untergebenen!




4. Rekonstruktion zwei- und dreiteiliger Gürtelgarnituren Ende VI. bis Mitte VII. Jh

Ein Kennzeichen für den Wandel von der frühen zur späten MWZ ist in den Männergräbern ein Wechsel in der Bewaffnung von Ango und Axt hin zum Sax. Zum Ende des VI. Jhs wurden die Gürtel aufwändiger mit Schnallen-, Gegen- und manchmal Rückenbeschlag, oft aus Eisen mit tauschiertem Silber, bzw Messing und teilweise mit kleinen Riemendurchzügen aus Eisen oder Bronze. Sie werden als Saxhalterung gewertet und als Hinweis auf die Waffe, wenn das Grab gestört wurde und der Sax fehlt. Sie könnten aber auch als Taschenhalterung gedient haben, also für alle Dinge, die man an- und abschnallen wollte. Die nachfolgend aufgeführten Gürtelrekonstruktionen sind aus Bronze gefertigt, Varianten in Silber oder die Versilberung wäre auf Anfrage möglich. Bei den Gräbern der Elite dokumentiert sich ein Wechsel in der Spatha Tragweise. Bei den in Pannonien siedelnden Langobarden konnte man bereits beobachten, daß sie seit der 2. Hälfte VI. Jh die Spatha nicht mehr am Schulterriemen trugen, sondern am Leibgurt, bzw Wehrgehänge mit Schleppriemen, verziert mit Rechteckbeschlägen und Tierornamentik oder anthropomorphen Darstellungen [Menghin, Langobarden, S. 171]. Ein Hinweis auf eine zunehmende Reitausstattung? Schulterschwertriemen kamen nicht vollends aus der Mode und hielten sich durchaus, sind sowohl im Nordischen, als auch in Byzanz, dort sogar bis ins XII. Jh (Abb auf Kästchen in Süditalien) nachweisbar.





Ende

VI

-

Mitte

VII



Frau/Mann

Wende VI./VII. Jh begannen auch Frauen aufwändigere Garnituren zu tragen. In alamannischen Gebieten östlich des Schwarzwaldes und bei den Baiuwaren hielten sich in Mehrzahl die oben aufgeführten schmalen Gürtel mit einfachen Schnallen länger, obwohl auch hier erste Schnallen mit Beschlägen, wie in Peigen nähe Isar, auftauchten.

Tragweisen mit doppeltem Dornstich (o) oder mit Dorn-Überfang, siehe unten „VII_060_bz“ möglich. Es gibt Schnallen aus der RKZ deren massive Dorne letztere Befestigungsart vermuten lassen (Snartemo Gr 5), in der MWZ bleibt die Wahl.



VII_040_bz im Tierstil II

Befestigung wahlweise durch strichverzierte- oder Kugelkopf Nieten [Abb. Kugel],

mit Gegen-, aber ohne Rückenbeschlag an 30 mm Riemen (braun/natur/rot),

Zungen sind in einer späten Phase manchmal nachweisbar,

montiert 95,00 EUR



Ende

VI

-

Mitte

VII

Franken / Sachsen / Falen / Alamannen / Baiuwaren

Beckum, fränkisch-sächsisch-fälisch um 600

Falls keine Eisengarnituren vorliegen, finden sich schlichte Bz-Formen ohne Ziermuster. Sie unterscheiden sich geringfügig in der Form der Beschlagplatten, der Bügelzier oder der verwendeten Befestigungsnieten. Schlichte Form z.B. in Leihgestern IV/Wetterau um 600 mit Schnallenbügel ohne Zier.



VII_060_bz

Befestigung wahlweise durch Kugelkopf-, Perlrand oder strichverzierte Nieten me oder bz [Abb. Strich bz],

mit Gegen-, aber ohne Rückenbeschlag an 30 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 125,00 EUR




Riemendurchzüge für den Sax können an allen Kombinationen auf Anfrage ergänzt werden. Ähnliche schlichte Formen, wie die hier verwendeten, sind z.B. aus Beckum um 600 oder von Grab 2 aus Altheim Saar-Pfalz-Kreis, aus Stetten Ende VII. Jh, aus Zorneding Grab 9 und München-Aubing Grab 131 bekannt.



Riemendurchzug Schnalle linke Hand



Riemendurchzüge Schnalle linke Hand





Ende

VI

-

Mitte

VII





Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich (m. kreuzstrichverzierter Niete z.B. in Trouans) über den Rhein-Main Raum bis nach Thüringen (Alach, Kr. Erfurt) und Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.

Rückenbeschlag zu VII_070_bz



VII_070_bz

Befestigung wahlweise durch Kugelkopf-, Perlrand oder strichverzierte Nieten me oder bz [Abb. Strich bz],

mit Gegen- und Rückenbeschlag an 30 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 149,00 EUR





Ende

VI

-

Mitte

VII





Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich (m. kreuzstrichverzierter Niete z.B. in Trouans) über den Rhein-Main Raum bis nach Thüringen (Alach, Kr. Erfurt) und Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.

Rückenbeschlag zu VII_073_bz



VII_073_bz (leicht veränderter Schnallenbügel)

Befestigung wahlweise durch Kugelkopf-, Perlrand oder strichverzierte Nieten me oder bz [Abb. Buckel me],

mit Gegen- und Rückenbeschlag an 40 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 149,00 EUR





1.

Halb

VII



Diese grossen Gürtelgarnituren des VII. Jhs wurden vornehmlich aus Eisen mit Tauschierungen gearbeitet, einige Formen fanden sich aus Bronze mit aufwändigem Ziermuster und Gegen-, bzw Rückenbeschlag mit einem Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland.

Rückenbeschlag zu VII_080_bz



VII_080_bz

Befestigung wahlweise durch Kugelkopf-, Perlrand oder strichverzierte Nieten me oder bz [Abb. Buckel bz],

mit Gegen- und Rückenbeschlag an 50 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 179,00 EUR


Exkurs Reitergräber [Keimzelle des mittelalterlichen „Ritters“ ?] In der 2. Hälfte des VI. Jhs änderten sich die politischen Verhältnisse auf dem Balkan vollkommen. Wie bereits die Hunnen rd 200 Jahre vor ihnen lösten einfallende Awaren eine Völkerwanderungswelle aus.17 Langobarden zogen nach Norditalien, das Ostrom in langwierigen Kriegen gerade erst der gotischen Herrschaft entrissen hatte, slawische Stämme rückten auf West Richtung Elbe und nach Süd über die Donau und begannen auf dem Balkan zu siedeln. Alle bisherigen Verhältnisse in Südosteuropa waren in Konfusion. Die Bestrebungen der Awaren im Bündnis mit Slawen richteten sich vornehmlich gen Konstantinopel, um Tribute an Gold und Silber zu erpressen, typische Verhaltensmuster nomadischer Völker mit an sie grenzenden sesshaften und staatlich organisierten Gemeinwesen, wenn sie ihre angestammte Lebensweise aufgaben und dem Kriegshandwerk einen höheren Stellenwert einräumten. Es bildeten sich hierarchische Strukturen unter Anführern, mit materieller Abhängigkeit von den Ressourcen sesshafter Kulturen, um die Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten - ein spannungsgeladenes Beziehungsgeflecht [siehe auch nachfolgende Seite Nomaden“]. Um 600 war Ostrom im Vorderen Orient militärisch gebunden. Sassaniden drangen siegreich vor und eroberten die reichen Provinzen Syrien und Ägypten. Nachdem Konstantinopel die Herrschaft wieder herzustellen vermochte, erschienen die Reiter unter der grünen Fahne des Propheten und profitierten davon, daß sich beide große Kontrahenten im Stadium totaler Erschöpfung befanden. Ostrom sah sich gezwungen an der Donau Tributzahlungen zu leisten, um der neuen Gefahr in Syrien zu begegnen. Wie alle Reitervölker waren auch die Awaren nur schwer zu überwinden, da sie sich in die Tiefe des Raums zurückziehen konnten und genossen mit ihren flexibel agierenden berittenen Bogenschützen, unterstützt durch schwer gepanzerte Reiter, militärische Vorteile. Sie waren nur zu schlagen, indem man sich ihrer Kampfweise anglich. Das betraf Römer, Germanen wie Slawen gleichermaßen, zwang sie in schmerzhaften Lernprozessen angepasste Militärtaktiken zu entwickeln. Statische Infanterieabwehr zwang automatisch in die Defensive, war also keine Antwort. Die Handhabung des Bogens vom Pferderücken aus zu erlernen war ausgeschlossen, dazu wurden erfahrene reiternomad. Kontingente unter Sold genommen, wie es die Weströmer beim Aufbau ihres mobilen Feldheeres seit dem III. Jh. verstanden. Sarmatische Reiter der Iazygen, Roxolanen oder Alanen, später auch hunnische Verbände verrichteten ihren Dienst unter röm Standarten. Zur Abwehr gegnerischer Bogenschützenreiter verließen sich diese Völker nicht auf die statische lanzengespickte Infanterie, sondern bildete mobile gepanzerte Reiter mit zweihändig geführten langen Stoßlanzen aus, wie es Skythen seit vorchristlichen Zeiten vorexerzierten. Das hinterließ in der Militärtaktik tiefe Spuren. Germanen verstanden sich bereits seit langer Zeit auf die Pferdehaltung und sind in der frühen röm Kaiserzeit (RKZ) für ihre Reitkünste geachtet worden, doch das waren damals leichte Reiter auf „unschönen“, wenig schnellen Pferden, mit der Wurflanze, der Frame, ohne Steigbügel, ohne schwere Rüstung, wie es Tacitus in „Germania“ Kap. 6 schildert. Sie kämpften beritten oder nach Germanenart abgesessen oder in Kombination mit leichter Infanterie, je wie es die Situation erforderte, man kann also nicht eigentlich von „Kavallerie“ sprechen, wenn sie „wie Dragoner“ fochten. Ihre Aufgabe war es als Söldner Roms die taktischen Möglichkeiten der ehemals schwerfälligen röm Infanterie durch Aufklärung, Flankenangriffe und Scharmützel zu unterstützen. Doch die Zeiten hatten sich gewandelt, die röm Infanterie gab es in der altbekannten Form nicht mehr und zur Abwehr der neuen Gefahren aus dem Osten reichten die Fähigkeiten leichter Reiter nicht aus.

{Bearbeiten – elbgerm-thüring u donauländ Einflüße Ende V. Jh bei Franken/Alamannen} Schaut man sich im Vergleich Grabbeigaben elbgermanischer (Sueben, Markomannen, Quaden) zu denen östlicher Germanenstämme (Vandalen, Gepiden, Goten, Heruler, Taifalen, Skiren oder Rugier) an, ist die unmittelbare „Frontstellung“ letzterer zu Sarmaten, Alanen und Hunnen abzulesen. Die Artefakte zeigen teilweise eine Übernahme östlicher Reitelemente und in der Bewaffnung, vor allem aber ein Angleichen des Geschmacksempfindens in Kunst- und Bestattungselementen. Ostgermanische Stämme gelten als Mittler des „polychromen Stils“ mit der Verwendung von Almandinen auf herausgehobenen Objekten der Sachkultur. Das waren nicht selten Tribute, welche Hunnen Ostrom abzupressen vermochten, aus Werkstätten rund um das Schwarze Meer. Das Präsentationsgehabe des Kaiserhofs färbte auf die barbarischen Fürsten ab. In der Folge zeigten deren gehobene Grabausstattungen u.a. kostbares oström Tafelgeschirr und damit eine neue Ausrichtung, Zeichen des neuen Eigenverständnisses. Siehe für die 2. Hälfte des V. Jhs beispielhaft reiche Beigaben gepidischer Fürsten in den Gräbern von Apahida. Auch die künstliche Schädeldeformierung bei german Frauen läßt sich ursprünglich auf die Reitervölker zurückführen, siehe das Grab an der Ilmfurt bei Oßmannstedt aus der 2. Hälfte des V. Jhs mit ostgot-reiternomad. Beigaben, wie Almandinadlerfibel, gold. Alamandinschnalle, hunn. Bronzespiegel, etc [UFTh, S. 146f].

In den nachfolgenden Jahrhunderten lassen erhaltene Ausrüstungselemente, vornehmlich in süddeutschen und nordital. Gräbern, eine steigende Bedeutung gepanzerter Reiter durch die oben skizzierte neue awarische Bedrohung erahnen. Gemäß den Schätzklassen der langobard. Heerschildordnung des Aistulf (749-756) hatten einfach Begüterte und Händler mit Pferd, Lanze und Schild anzutreten und reiche Grundbesitzer und vermögende Händler gepanzert und beritten. Das Pferd bekam, neben schweren Panzerungen, Helmen, Reiterlanzen, Zaumzeug, Sporen und Steigbügeln, regional in unterschiedlichen Beigabenkombinationen, einen neuen Stellenwert. Es wäre verfrüht von „Kavallerie“ zu sprechen, denn man kämpfte auf- wie abgesessen, so daß Pferde oft nur schnelle Transportträger waren. Auf jeden Fall ist Reitzubehör ein Statussymbol und zusammen mit Pferdegräber ein Kennzeichen hochrangiger Personen. Das ist nicht begrenzt auf Langobarden, Baiuwaren oder Alamannen, sondern schließt die Franken, als Herren Westeuropas mit ein, auch wenn vornehmlich deren Infanterie in den Quellen gerühmt wird, siehe Krefeld Gellep Gr 1782 um 525. Der Ritt war unerlässlich zur Ausführung der Amtsgeschäfte der Funktionsträger. Bei fränk. Gräbern im „sicheren Binnenland“ finden sich nicht unbedingt Hinweise auf eine Reitausrüstung, wie in Planig bei Kreuznach an der ehem. röm Fernverbindung von Bingen auf Speyer oder Flonheim bei Alzey. Im VII. Jh zeigen fränk Gräber der Wetterau Anteile an Reitgeschirr, wie im Fall von Windecken um 675. Es bedurfte viel Können und Erfahrung eine eigene Pferdezucht aufzubauen. So könnte man je nach Region gezwungen gewesen sein neue Pferderassen zu importieren, welche schwere Panzerreiter überhaupt zu tragen vermochten und das können keine kaltblütigen Ackergäule gewesen sein, um mit genügsamen ausdauernden Steppenpferden oder hochgezüchteten Araberpferden mithalten zu können! Solche Erfahrungen besassen seit dem V. Jh vornehmlich ostgerman. Stämme, wie Thüringer, deren gute Pferde Vegetius lobte [UFTh, S. 141]. Ab den 530er Jahren waren sie den Franken tributpflichtig. Wie auch Gepiden oder Goten waren sie ehemals Verbündete der Hunnen. Goten panzerten, laut Prokop, nicht nur die Reiter, sondern ebenso die Pferde, nach nomad. und byzant. Vorbildern. Auch die Vandalen werden von Prokop als versierte Reiter geschildert, da sie zusammen mit den nomadischen Alanen nach Nordafrika gezogen waren, dort behend agierende Berber und Mauren abzuwehren wussten und nach ihrer vernichtenden Niederlage 533/34 gegen den Oströmer Belisar aus den Überlebenden fünf Reitereinheiten gebildet wurden, um im Dienst Konstantinopels an dessen Ostfront zu kämpfen. Die reiterfahrenen Sassaniden nötigten ihre Gegner Prozesse der Angleichung in Ausrüstung und Taktik vorzunehmen.18 Zwänge dieser „militärischen Revolution“ vom V. bis zum VIII. Jh lassen sich am Wandel der Ausrüstung germanischer Eliten, über slawische Stämme Osteuropas bis nach Skandinavien verfolgen, prägend für die Vendelzeit.


5. Rekonstruktion vielteiliger und reduzierter Garnituren VII.-VIII. Jh

Abbildungen und Grabensembles nach zu urteilen hatten bei den Männern der Reitervölker Gürtel seit je her einen recht hohen Stellenwert, auch in deren Frauengräbern sind sie häufiger erkennbar als bei westlichen sesshaften Kulturen. In Teilen Mitteleuropas tauchen seit ca. Mitte des VII. Jhs im Rahmen der oben beschriebenen beeinflussten Ausrüstung vielteilige Gürtelkombinationen zur Reiterausstattung vermehrt auf. Im byzant. Reich, dessen reiternomad. Hilfskontingente als Mittler anzusehen sind, fanden sie bereits seit längerer Zeit Verwendung. Vermutlich dokumentieren archäologische Funde auf oström Gebiet Stationierungsorte dieser Auxiliareinheiten. Die Gürtel hatten eine Anzahl angenieteter Nebenriemen mit Zungen, an denen der Reiter Teile seiner Bewaffnung, Bogenköcher und weitere Gegenstände anschnallen/anlaschen konnte, für ein Leben im Sattel ausserordentlich praktisch. Später übernahmen Durchzüge die gleiche Funktion, wenn sich der Riemen am zu tragenden Objekt und nicht mehr am Gürtel befand. Breite Formen der Riemenschieber, wie nach Funden in Hochemmerich oder vom Runden Berg in Urach, führten den Hauptriemen und weisen darauf hin, daß die Gürtelenden nicht unbedingt einfach lang herabhingen. Schmale Schieber wurden seit je her an Sporenriemen verwendet und sind erheblich häufiger nachweisbar. Riemenschieber finden sich genauso in Wikingergräbern (Birka, Rimsby) wie im gesamten kontinentalen frühmittelalterlichen Fundgut. Zum VIII. Jh hin wurden die Gürtel deutlich schlichter, als ein reduziertes Derivat der vielteiligen Garnituren, teilweise nur noch mit einer Gürtelzunge am Riemenende ohne weitere Beschläge.







ab

Mitte

VII








Langobarden / Baiuwaren / Alamannen / Franken



Vielteilige Gürtelkombination mit Nebenriemen. Die Zungen orientieren sich an Funden aus Ulm, ähnlich z.B. auch in Krefeld-Gellep oder München-Aubing. Buntmetallausführungen sind allerdings in der Regel in Frauengräbern.

Nebenriemen absichtlich lang gelassen, um die Möglichkeit zu nutzen Utensilien anzulaschen, wie östl Quellen häufig zu entnehmen, wird sie nicht genutzt, können die Riemen auch kürzer ausfallen und dienen rein dekorativen Zwecken.



VII_090_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

mit Riemenverbindern_bz und verzierten Zungen_bz (siehe auch Detailbild).

Auf Anfrage, da gehobene Preisklasse durch die vielen Zungen und Verbinder aus Metall.







VII

-

VIII



Franken / Alamannen

D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, Funde aus dem FMA siehe Hirrlingen V./VI. Jh oder Haithabu IX./X.Jh

Zur Zunge siehe Funde in Krefeld-Gellep und aus Donauwörth 2. Hälfte und auslaufendes VII. Jh mit Ornament im Tierstil II. Die äussere Form ähnelt Stücken der Zaumzeuggarnituren in Grab 17 von Beckum I, um 575 datiert, und Grab 34 von Beckum II um 600. In beiden Fällen wurden allerdings davon abweichende schlichtere Dekors verwendet. Identische Ornamentik nach Funden in Vendel und Vallstenarum/Gotland.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Tierstil II

montiert 79,00 EUR



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Tierstil II

montiert 85,00 EUR


Exkurs: Zum Stilempfinden in Spätantike und FMA, Kerbschnitt und Tierstil I. Das Röm Reich wirkte lange Zeit als Leitkultur für die benachbarten Völker, deren Handwerker röm Formen übernahmen oder sich daran anlehnten zu einer Symbiose mit einheimischem Kunstformen. Ein frühes Erzeugnis mag das german verzierte Silberblech der röm Scharnierschnalle aus dem Brandgrab 9/1995 in Hagenow, nordöstl der Elbe sein [Details siehe A. Pesch, Gehörnte Pferde, Elitenkommunikation u. synthetische Tradition am Beginn german. Bildkunst, in: Neue Studien zur Sachsenforschung II, 2011, S. 9-17 ]. Die Autorin entwirft ein, von unserer Zeit deutlich abgehobenes, Kunstempfinden, das nicht durch individuelle kreative Neuschöpfungen gekennzeichnet war, sondern allgemein verständliche tradierte Bedeutungsinhalte reproduzierte. Nicht das Künstlerische, sondern das Handwerkliche wurde betont. Für den heutigen Betrachter läßt sich auf diese Weise ein Motivkanon und ein Stil anhand strenger Darstellungskriterien in der jeweiligen Epoche erkennen. Pesch betont, daß damalige Produzenten und Auftraggeber gemeinsame Regeln und ein ähnlich geschultes Geschmacksempfinden normativ anerkannt haben. So ist die Orientierung der Eliten an röm Formen und Techniken in Europa lange Zeit verbindlich, aus denen sich für uns erkennbar germanische Ableitungen identifizieren lassen. Die Pressbleche des III. Jhs basieren technisch auf röm Vorbildern, inhaltlich drückt sich germanisches Stilempfinden aus. Röm Objekte der Spätantike, wie Bronzegefäße mit Tierfriesen, Kerbschnittbronzen oder Münzen fanden durch Handel, Beute oder als Geschenk Verbreitung bis nach Skandinavien und beeinflußten dortiges Handwerk. Der Kerbschnitt und vor allem der motivisch eng begrenzte Tierstil I seit dem V. Jh, mit seinen abstrahierenden ornamentalen Tierfiguren, wurde angeregt durch naturalistisch anmutende spätröm Tierdarstellungen, wie Löwen, Hippokampen und diverse Fabelwesen, bsplw auf Gürtelgarnituren, die im Barbaricum durch das Soldwesen Verbreitung fanden. Aus dem plastischen röm Stil wurde ein verflachter german Stil mit seitlich im Profil und im Rahmen angeordneten abstrahierenden Tierformen. Doch beschränkte sich die Motivik nicht auf Tierfiguren allein, sondern geometrische Muster, Flecht- und Schlingbänder oder florale Elemente wurden ebenso aus der röm Kunstwelt übernommen, siehe als beispielhafte Anleihen spätantike röm Mosaike. Das prägte den Tierstil II seit dem auslaufenden VI. Jhs ... [weiter siehe Menghin (Hrsg), Tauschierarbeiten der Merowingerzeit, S. 35-64]







VII

-

VIII







Frau/Mann

D-Schnallen mit hohem Rahmen sind teilweise Derivate der aufwändigen Männergürtelkombinationen mit Blechen und Gegenblechen aus dem VI.-VII. Jh. Nun wurden sie mit einfachen Blechen oder auch ohne solche verwendet, s.u..



Eine Zunge mit Kreisaugenverzieruung fand sich z.B. in einem Grab des Doms zu Eichstätt, ähnliche Formen mit Verbreitung in Süd- und Westdtld, so in Krefeld-Gellep seit Ende VI. Jh und die etwas gekürzte Variante in Grab 10 von München-Aubing.



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR



VII-VIII_011a_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Breite D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild Zunge u Blech noch nicht vernietet]







VII

-

VIII





Frau/Mann

D-Schnallen mit hohem Rahmen aus Bronze und Eisen, siehe Funde in Kaarst am Niederrhein, dort kombiniert mit Blech aus Eisen, aus dem VII. Jh Palenberg/Qualburg bei Kleve oder Funde aus Tübingen um 700.

Die lanzettförmigen Zungen dieser Zeit haben recht unterschiedliche Ausformungen, manchmal tragen sie Verzierungen, sind leicht abgerundet oder spitz zulaufend. Letzere sind zuerst bei Reitervölkern, u.a. bei Sassaniden nachweisbar. Nördl der Alpen z.B. spitze Form in Grab 6 Überauchen um 700. Eher rundliche Formen finden sich bei Langobarden in Italien, die sie, wie Heruler und Gepiden, im Donauraum kennen gelernt haben mögen und zur Erstellung der vielteiligen Gürtelkominationen Verwendung fanden. Nördlich der Alpen, z.B. Grab 1360 in Altenerding, Grab 20 in Iffezhem bei Rastatt mit einer leichten Randzier um 600, Grab 32 in Peigen nahe Isar, Grab 428 in München-Aubing als Einzelfund aber mit Hinweis auf eine vielteilige Garnitur oder Grab 387 in Straubing Bajuwarenstrasse paarweise mit Zier [auf Anfrage möglich].



VII-VIII_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[vielteilige Garnitur auf Anfrage]



VII-VIII_011b_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge groß (siehe auch Detailbild),

montiert 85,00 EUR







VII

-

VIII



Frau/Mann

Eiserne quadratische, hoch- oder langrechteckige Schnallen bsplw aus den Gräbern 42, 97, 190, 368, 596 in München-Aubing oder Peigen nahe Isar Frauengrab 34 mit schmalem Beschlag [auf Anfrage umsetzbar]. Auch häufig im alamannischen Raum, siehe Frauengrab in Langenau VI. Jh zwischen Niederstotzingen und Ulm.



Schlichte bronzene D-Schnalle mit hohem Rahmen z.B. Kaarst am Niederrhein oder Gr 801 in Aubing, dort allerdings aus Eisen und aus dem IX. Jh aus slaw. Siedelgebieten südl. des Thüringer Waldes [Truckenthal].



Eis_25 quadratisch

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun) ohne Zunge

angenäht 45,00 EUR



VII-VIII_011_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot),

hohe D-förmige Schnalle Bronze ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR





VII

-

VIII



Frau/Mann

Einfache ovale meist rundstabige eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen. Manchmal lagen mehrere unterschiedliche Größen von 2 bis 4 cm in einem Grab, wie in den Frauengräbern 10 u 26 von Ober-Ingelheim.

Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO. Auch Eisen mit Blechen möglich, siehe z.B. Palenberg I (St. Peter) Grab 13 u 18 in Qualburg bei Kleve VII. Jh.



Eis_20 oval rundstabig [Abb. kl Typ links]

20 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR



Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR





VII

-

VIII





Frau/Mann

Form so extrem häufig, daß Fundorte nicht gelistet. Kein Gräberfeld ohne ovale rundstabige Eisenschnallen. Althergebrachtes Schmelztauchverfahren im flüssigen Zinn als Weißmetallüberzug, wie aus Gräbern dieser Zeit häufig überliefert.



Eis_25 oval rundstabig ws

25 mm Riemen ohne Zunge [hier kräftig rot]

angenäht 55,00 EUR



Eis_30 oval rundstabig ws

30 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge [hier dunkelrot]

angenäht 59,00 EUR






6. Zierscheiben von gehobenen Frauenausstattungen VII. Jh

Rund 1000 (!) Zierscheiben wurden in West- und Mitteleuropa bislang gefunden, vereinzelt auch in Skandinavien, es gibt nur wenig gleiche. In Gräbern sind sie zuweilen von einem Umfassungsring unterschiedlichen Materials umgeben, welcher Analysen zufolge auch aus kostbarem Elefantenelfenbein bestehen konnte, ein Hinweis auf Importe dieses Artikels aus dem byzantinischen Wirtschaftsraum. Die Frage nach Gürtelziergegenstand oder Taschenverschluß, bzw Zier auf einem Taschendeckel, ist in der Forschung umstritten, letzteres scheint mir aber im Zusammenhang mit den Umfassungsringen nicht unwahrscheinlich [siehe auch J. Drauschke, Zur Herkunft und Vermittlung „byzantinischer Importe“ der MWZ in Nordwesteuropa, in: Zwischen Spätantike und FMA, RGA-E Band 57, S. 367-423].







VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer



Zierscheiben liegen in den Gräbern in recht unterschiedlicher „Körperhöhe“, von einer Lage im Beckenbereich knapp unterhalb des Leibgurts (tendenziell in westlichen Gebieten), über Funde in Kniehöhe, wie in Krefeld-Gellep Grab 2743, bis hin zu sehr tiefen Positionen unterhalb des Knies, was eher typisch für den alamannisch-baiuwarischen Raum ist. Dadurch, daß sie immer aus Bronze gearbeitet sind, auch wenn andere Teile der Ausstattung aus Silber waren, hat man die Scheiben nicht „angeglichen“. Daraus ist mglw zu folgern, daß sie verdeckt getragen wurden, also tatsächlich der Stabilisierung eines Taschendeckels dienten und hinzu einen Amulettcharakter hatten, der ausschließlich der Trägerin galt und deshalb nicht offen gezeigt werden musste.



VII Zierscheibe 01_bz

Durchmesser 6,5 cm

15,00 EUR





VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer



Zierscheibe

ähnlich in Aichach, 2. Hälfte VII. Jh., Schlangen-Dreierwirbel auch Fund in Raesfeld/Niederrhein und Variante im RG-Mus Köln, FO unbekannt.

Die Schlange stand nicht selten im Zusammenhang mit Bestattungsriten, denkt man an die Holzsärge im alamannischen Zoebingen, von denen jeder zweite ein Schlangensymbol trug. War die Schlange Zeichen für die Unsterblichkeit, wegen der Häutung oder der Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit, ein Hüter von Dingen, die im Boden verborgen...?



VII Zierscheibe 02_bz

Durchmesser 5 cm

12,50 EUR





VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer



Zierscheibe

ähnlich zu dem eis si tauschiertem Fund von Fort St. Vincent VII. Jh, ansonsten aus Bronze in Meckenheim, Rhein-Sieg Kreis oder vom alamann. FO Schaan/Raetien, in Süddtld.



VII Zierscheibe 04_ws als Anhänger

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR



VII Zierscheibe 03_ws

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR


-

Zur Einführung eine Zeitenwanderung: "...Sie war ein Geschenk, in ihre schönsten Kleider gehüllt, die Augen geschminkt, silberne Fibeln sassen an den schmalen Schultern, die Haare hatte man ihr in fremder Art hochgesteckt, durch Nadeln gehalten, einen roten Seidengürtel umgebunden, ein Geschenk...“-


7. Gehobene Frauenausstattungen Fibelreplikate VI.-VII. Jh


Die Antike kannte in der Frauenmode als Peplosverschluß das paarweise Tragen von Fibeln auf den Schultern. Teilweise wurden diese durch Zierketten verbunden, oft in Edelmetall, ergänzt durch Bernstein oder Edelsteine, früher Beleg siehe Fund von 420-400 vC aus dem griechischen Elis. Mode und Tragweise wurde von Kelten und Germanen übernommen. Im ost- und nordgermanischen Raum hielt sich die Sitte länger, während in der westgermanischen Mode durch den Kontakt mit zur römischen Kultur die tunica Einzug hielt, welche Fibeln anders setzte. Sie waren dort nun Mantelverschlüsse mit variabler Anzahl bei gleichzeitiger Tragweise. Die ostgermanische Variante ist nachweisbar bei Körperbestattungen, wie in Haßleben, nördl. von Erfurt im III. Jh mit einem kostbaren Fibelpaar auf den Schultern oder in Dienstedt bei Stadtilm. Auch die paarigen Silberblechbügelfibeln der gotischen Oberschicht hielten sich noch lange, um das Kleid, vielleicht aber auch den Umhang, zu schließen, denn die paarige Tragweise implizierte in der späteren Form nicht automatisch den Peplos. Es werden Mantelverschlüsse sein, wie im Westen bis zur Mitte des V. Jhs mit Stützarm-, Bügel- oder Gleicharmfibeln, bei den Sachsen auch Armbrustfibeln, oder röm. Altstücke.


In der frühen MWZ fand sich in den Frauengräbern der Oberschicht ein Vierfibelensemble. Der Begriff der „Vierfibeltracht“ wird absichtlich nicht verwendet. Denn von der Lage im Grab ist in diesem speziellen Fall nicht automatisch auf die Tragweise am lebenden Körper zu schließen. Neben einem paar Kleinfibeln am Oberkörper fanden sich regelhaft grössere paarige Bügelfibeln im Beckenbereich oder am Unterkörper, manchmal in Verbindung mit einer Amulett- /Schmuckkette oder einem Gehängeband, das teilweise aber auch am Gürtel befestigt sein konnte. In Eichstetten, Gräber 15 u 44 aus dem VI. Jh lagen die paarigen Bügelfibeln knapp oberhalb des Beckens. Die Funktion von erheblich tiefer sitzenden Fibeln ist umstritten und es ist unsicher, ob sie den Mantel, das Obergewand oder Gehängeband fixierten, einen Stoffgürtel oder eine Schärpe in Form hielten, vielleicht aber auch nur von den Angehörigen gesteckt wurden, um das Totengewand zu schliessen!19 Manchmal haftete ihnen Brettchengewebe an, mglw ein Indiz für den Stoffgürtel oder eine Kantenborte. Diese Fibeln wurden in der Regel aus Bronze oder Silber gegossen, letztere feuervergoldet, zeigten somit deutlich den Rang der Trägerin. Sowohl bei den Kleinfibeln, in Form von stilisierten Pferden, Vögeln, S-förmigen Wesen und zuletzt kleinen Scheiben, manchmal mit Ketten verbunden, wie in Unterhaching, als auch bei den Bügelfibeln, waren die beiden paarigen nicht unbedingt gleichen Typs. Im Frauengrab 1 aus Heidenheim-Großkuchen des VI. Jhs befanden sich bsplw. zwei vergoldete silberne Bügelfibeln unterschiedlicher Form, ebenso im Grab 10 des Gräberfelds I von Frei-Weinheim bei Ingelheim aus der 1. Hälfte des VII. Jahrhunderts. Die Kleinfibeln und zuweilen auch Bügelfibeln der gehobenen Schichten des VI. Jhs wurden in der Regel nicht durch den Stoff gestochen, sondern mit kleinen Textilschlaufen oder Ösen befestigt, um den Stoff der schweren Wollmäntel zu schonen [KFM, S, 31ff u AlaO, S. 88ff].





Abb. Einfibeltracht aus „Stuttgarter Psalter“ Anf. IX. Jh, ältere aussagekräftige Bildquellen selten. Die meisten Angaben zu dieser Trageweise stützen sich auf archäologische Funde.


Ein Kennzeichen des Übergangs zur späten MWZ war die Ablösung dieses Fibelensembles aus Bügel- und Kleinfibeln durch eine einzelne Scheibenfibel, nach byzant. Modesitte, vermitteln mglw durch die Langobarden in Italien, welche die Vierfibeltracht bereits nach dem Ende ihres Zuzugs aus dem Donauraum aufgaben. Der Wandel erfolgte nördlich der Alpen regional unterschiedlich um und nach 600, wobei es im Übergang auch Mischformen der Fibelkombinationen gab, siehe Frei-Weinheim mit Bügel- und Scheibenfibel. Im westlichen Frankenreich (Neustrien) fasste die Sitte der einzelnen Fibel bereits Ende des VI. Jhs, während sie im Mittelrheingebiet und in Süddtld teilweise erst Mitte des VII. Jhs übernommen wurde. Der Norden Europas folgte später, die letzten Regionen lagen im Osten bei einigen Slawenvölkern oder teilweise auch in den Rus Reichen, mit einer Umstellung zur Mitte des X. Jahrhunderts. Auch von den Scheibenfibeln konnten metallene Ketten hängen mit kugelförmigen Amulettanhängern. Ebenfalls auf Modesitten der byzant. Prunkgewänder läßt sich die vielfältige Verwendung von Perlen auf Strängen oder gestickt auf Gewandung und Gürtel zurückführen. Bei den aufgefädelten Perlenketten wurden in der frühen MWZ grosse und mittlere, in der späten MWZ eher kleinere Glasperlen bevorzugt. Die Glasperlen waren opak oder transluzid, auch Bernstein-, Bergkristall und Amethystperlen, Muschelscheiben und gelochte oder mit Aufhängeösen versehene Münzen möglich.





V




Goten / Langobarden / Baiuwaren / Franken

...Urzeit war es, Aare schrien...“

Vogelfibel

Funde in Metz, Burgund und Limburg/NL ähnlich



Raubvögel, wie der Adler, als starke Symboltiere in den nordischen und östlichen Steppenkulturen. Im Original mit Almandineinlage als Beleg für die nomadischen Einflüße, die seit der Hunnenzeit modisch über Europa fluteten...



V_Vogelfibel_bz mit rotem Glasluß

3,4 x 1,6 cm

- nicht mehr lieferbar -





VI





Langobarden / Baiuwaren / Alamannen





Rechtsläufige S-Fibel mit Raubvogelköpfen nach Funden in Altenerding, Künzing Bruck 2. Hälfte VI. Jh und Langenenslingen bei Biberach, ähnlich auch langobard. im Museum Cividale de Friaul,

auch hier ist der „östliche Einschlag“ unverkennbar, statt Almandin ist nur die Kittmasse erhalten.



VI_S-Fibel_bz

Länge 3,7 cm

Paar 45,00 EUR







VI





Franken / Baiuwaren





Kl. Scheibenfibel

Funde in Inzing, Lezoux und Limburg/NL ähnlich, ebenso Annäherung an paarweisen Fund in Grab 213 von München-Aubing.



VI_Scheibenfibel_bz mit rotem Glasfluß

Durchmesser 2,2 cm

- nicht mehr lieferbar -





VI





Alamannen / Baiuwaren



Rosettenscheibenfibel

Funde im süddt. Raum häufig. Rekonstruktion orientiert sich an Beständen der Archäolog. Staatssammlung in München. Frühe Formen V./VI. Jh waren eher kreisrund, während die in der Wende VI./VII. Jhs Rosettenformen annahmen, wie paarweise in Grab 270 in München Aubing (si), aus Albstadt-Ebingen oder Bopfingen Gräber 65, 148 und 153.

[Veredlung in Silber auf Anfrage]



VI_VII_Rosettenfibel_bz mit Almandinersatz

Durchmesser 3,8 cm

Paar 45,00 EUR







VI






Alamannen / Langobarden / Baiuwaren / Franken / Sachsen / Angelsachsen





Bügelfibel mit rechteckiger Kopfplatte

Hohe Verbreitung, siehe ähnliche Funde in Menzelen-Rill bei Duisburg, in Krefeld-Stratum, aus Köln Müngersdorf und Junkersdorf, Würzburg (FO Theresienklinik), Lauchheim/Wafu und Nordendorf bei Augsburg, alle aus der ersten Hälfte VI. Jh, Okarben/Wetterau Grab 11 Mitte VI. Jh, sehr ähnlich Freundorf/NÖ und Täbingen bei Balingen aus der zweiten Hälfte VI. Jh und VII. Jh in Kent_England.



VI_Rechteckkopffibel_bz oder vs

Länge 9 cm

Paar bz 80,00 oder Paar vs 85,00 EUR

[Veredlung in Silber auf Anfrage]









VI

-

VII






VI_Bügelfibel_bz mit halbrunder, knopfverzierter Spiralplatte und Tierkopf, ähnlich zu Funden in Ostheim/Butzbach und in Weimar 2. Hälfte VI. Jh. [Länge 10 cm]

- auf Anfrage -

[nach den Eroberungszügen verbreiteten sich im Laufe des VI. Jhs überall fränk. Formen]



VI_Bügelfibel_bz mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und länglichem Tierkopf nach Typ Mainz 2. Hälfte VI. Jh, ähnlich auch in München-Aubing Grab 186.

Länge 8 cm

- auf Anfrage -



VI-VII_Bügelfibel_bz mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und Tierkopf, ähnlich zu Funden in Krefeld-Gellep, 2. Hälfte des VI. Jhs, in Köln, Soest, Mainz oder Würzburg bis um 600. Ein ähnliches recht spätes Exemplar aus Frei-Weinheim bei Ingelheim, 1. H. VII. Jh, war aus Bronze gegossen und wurde nicht vergoldet, häufig bei Silbervarianten gemacht [Länge 8,5 cm].

[Veredlung in Silber auf Anfrage]


Die hier gezeigten Fibeltypen kommen je nach Region zum Ende des VI. oder erst im Laufe des VII. Jhs aus der Mode. Bis zu 5 cm grosse Scheibenfibeln waren nun Bestandteil der gehobenen Frauentracht. Seit der Karolingerzeit wurden teilweise kleinere und einfache Exemplare auch von Männern getragen, siehe.Fibelreplikate IX.-XI. Jh. Nach Befunden der letzten Reihengräberfelder und Abbildungen gemäß läßt sich folgern, daß Frauen ihre Übergewandung mit den Scheibenfibeln unter dem Hals, bzw. auf der Brust und Männer auf der rechten Schulter schlossen, sofern keine Nadeln oder Bindesysteme, s.u., genutzt wurden, die für einfache Darstellungen mit Sicherheit eher angebracht sind.



VIII

-

IX

Graf Hunfried II., Mals/Vinschgau

Männerbestattungen weisen in der MWZ keine Fibeln auf. Das erstaunt ein wenig, denn aus der RKZ sind sie bekannt und Tacitus schildert, daß das german sagum (Umhang) mit einer Fibel zusammengehalten wurde, betrifft aber wohl höhere Chargen. Möglicherweise verwendete man ansonsten Knochennadeln oder Bindesysteme, so daß keine Rückstände blieben. Das scheint auch im FMA zutreffend. Aufgrund der kostbaren Goldbrokatborte, die den Saum des wollenen Umhangs im Männergrab 143 von Greding-Großhöbing schmückte und man nicht mit Nadeln durchstieß, ist zu folgern, daß er durch das Knoten von Bändern zusammen gehalten wurde. Selbst ein comes, Graf (!) trug nach der Abbildung in der Kirche St. Benedikt zu Mals im Vinschgau [siehe Bild links] noch um 800 seinen Mantel auf der rechten Schulter geknotet, ohne daß hier eine kostbare Fibel schliessen musste. Eine Kombination aus beidem scheint sich bei den Höflingen auf der Abbildung Karls des Kahlen in der Vivianusbibel Mitte des IX. Jhs anzudeuten. Die Bänder sind Zierquasten, deren paarweise Abschlussstücke auch Geijer in Birka aufgefallen sind [Birka III, S. 142]. Das IX. Jh sollte durchaus Fibelformen für Männer kennen, siehe nachfolgende Seite...






Exkurs 6a: Bronze und Messing von der Spätantike zum FMA

Die Kupferschmelze war in unserem Raum seit Jahrtausenden bekannt, allerdings mit regional stark eingeschränkten Rohstoffvorkommen, so daß seit der Bronzezeit ein europaweiter Handel mit Metallerzen betrieben wurde. Das Arbeiten mit Bronze oder Messing meint nicht nur divergierende Legierungen, sondern auch unterschiedliche Produktionsverfahren. Alle damaligen Zusammensetzungen unterschieden sich von den heute verwendeten. Ein reiner Bronzeguß (Kupfer/Zinn) wurde seit der Antike für Großprojekte angewendet, im FMA war das vornehmlich der Glockenguß. Alle anderen Legierungen bestanden hptsl. aus Kupfer/Zinn und Zink mit Anteilen von kleineren Mengen an Blei, Eisen, Nickel, Silber, Antimon oder Arsen als Flußmittel oder durch die „natürliche Verunreinigung“. „Ötzi“ aus dem 3. JtsdvC zeigte eine nicht unerhebliche Arsenanreicherung im Körper. Der Messingguß (Kupfer/Zink) soll aus Kleinasien stammen und wurde erst von den Römern in Westeuropa zur Kaiserzeit verbreitet, berühmte Werkstätten waren in Capua ansässig, nördlich der Alpen z.B. in Xanten. Augustus hatte für die Kleinmünzen sestertius, dupondis und semis diese Legierung als orichalcum eingeführt mit einem maximalen Zinkanteil von 26-27%. Die Römer verwendeten Messing in unterschiedlichen Zusammensetzungen, u.a. für Ausrüstungsteile der Armee in der frühen Kaiserzeit, Helme im III. Jh oder Gürtelteile im IV. Jahrhundert. Oft wurden diese Objekte verzinnt, wie es auch bei eisernen geläufig war. In der Forschung wird diskutiert inwieweit auf der Messingproduktion ein Staatsmonopol lag, um Münzfälschungen zu unterbinden. Bis in das HMA wurde Messing als „auricalcum“ („Niedergold“ bei Th. Presbyter Anf. XII. Jh) geschätzt. Bei einem Zinkgehalt unter 18 % hat Messing eine rötliche Farbe, als „Goldmessing“ bezeichnet, ansonsten eher ein „kaltes Gelb“. Zink gewinnt man hptsl aus Galmei (ZnCO3). Das Material war erheblich seltener und schwieriger zu beschaffen als Zinnerze. Für viele Jahrhunderte sollte die Maasregion und der Aachener Raum wegen seiner Galmei-Vorkommen und der Messingproduktion eine zentrale Rolle in Europa spielen. Spätestens seit dem II. JhAD beuteten Provinzialrömer die Vorkommen bei Gressenich in der Nähe von Aachen aus. Ein Niedergang war mit der Völkerwanderung zu verzeichnen, mglw durch den Wegfall des römischen Kleingeldhandels.

Eine Buntmetallverarbeitung läßt sich im „freien Germanien“ seit der röm Kaiserzeit (RKZ) durch Werk- und Gußabfälle oder Materialdepots an vielen Fundplätzen nachweisen, siehe z.B. Depot bei Klenjena im Burgenlandkreis oder die Arbeitsstätten in Thüringen auf dem Herrenhof von Dienstedt bei Stadtilm in Richtung auf die Pässe des Thüringer Waldes, im westfäl. Kamen-Westick, auf dem ehem. Gelände der Zeche Erin in Castrop-Rauxel, in Bochum-Harpen, in Dortmund und Warburg-Daseburg oder im fränkischen Eggolsheim bei Forchheim. Römische Messing- und Bronzeprodukte waren von hohem Begehr und wurden als Recyclingmaterial eingeschmolzen. Auch wenn das Schürfen nach Erz aufgrund von Nachnutzung und Sicherheitsverfüllungen schwierig nachweisbar ist, das Einschmelzen röm. Artefakte ist sicher. Kleingeld aus Messing war zu Zeiten des Tauschhandels als Zahlungsmittel weit östlich des Rheins wenig interessant, aber es eignete sich hervorragend zur Gestaltung neuer Objekte, wie dies Funde im Solling bei Northeim, Schwabhausen im Kreis Gotha, an der Nordseeküste bei Westerhammrich, Kr. Leer oder auf der Wurt „Hogenkamp“ südlich von Elsfleth in der Wesermarsch mit vielen röm Münzen aus Kupfer, Messing und Edelmetall, manche mit Zerteilungsspuren, verdeutlichen. Ein Bergbau nach Silber, Kupfer, zinn- oder zinkhaltigen Erzen ist rechtsrheinisch nur an wenigen Stellen nachzuweisen, wie die Gewinnung aus Oberharzer und Rammelsberger Erzen ab dem III./IV. JhAD oder das Schürfen nach Bleierzen in der frühen röm Kaiserzeit im nördl Sauerland. Blei wurde als Fluß- und Lotmittel in der Buntmetallproduktion benötigt und die Güße weisen teils sehr hohe Bleiwerte auf, wie der Henkel der frühen kelt-etrusk. Bronzekanne von Borsch aus dem Wartburgkreis [UFTh, S. 101]. Der Thüringer Wald scheint wohl in dieser Zeit Quelle für Kupfererze gewesen zu sein, wie es an der oberen Saale durch Kelten belegt ist, daneben stand die Gewinnung von Raseneisenerz. Kelten galten in der Verarbeitung von Eisen lange Zeit als Meister ihres Fachs mit gut nachweisbaren Verhüttungsplätzen, alleine im Siegerland hunderte von Schmelzstätten, eng gebunden an den unverzichtbaren Energieträger Holz.20 Auch Germanen betrieben einen versierten Umgang mit Eisen. In Gera-Tinz wurden fast zwei Dutzend Rennöfen aus der RKZ geborgen, südlich der Ostsee ganze Batterien von mehreren hundert bis tausend Rennöfen in Göhlen (Meck-Vorpom) und Wolkenberg (Brdburg), auch im Raum des heutigen Berlin sind zahlreiche Funde gemacht worden, nördlich des heutigen Warschau angeblich über 100.000 Rennöfen der Przeworsk-Kultur (allgemein mit den Vandalen in Verbindung gebracht).21 Ein forcierter Bergbau ist erst mit den Römern nachweisbar und ihren Forderungen nach Tributen in Form von Rohstoffen. Tacitus formulierte für Britannien: metalla pretium victoriaeBodenschätze als Preis des Sieges, in Germanien war das hptsl. Blei, Zink und Kupfer. Sie wurden in der Nordeifel im Mechernicher Bleierzbezirk, im Aachen-Stolberger Raum, vor allem am Schlangenberg bei Stolberg-Breinigerberg abgebaut. Das Kupfererzbergwerk Virneberg bei Rheinbreitbach wurde noch in der 1. Hälfte des IV. JhAD ausgebeutet, dann brachen die Tätigkeiten ab und wurden erst wieder im IX. Jh aufgenommen. Auch östlich des Rheins im Siebengebirge bei Königswinter-Oberpleis auf dem Grubengelände Altglück und im Bergischen Land bei Rösrath auf dem Lüderich, in der Nähe zum Legionslager in Bonn, ebenso in Overath-Schalken (Berg. Gladbach) betrieben Römer in der 1. Hälfte des II. JhAD nachweislich den Kupfererzbergbau. Im Mittelalter ist ab dem XII. Jh der Abbau von Buntmetallerzen im rechtsrheinischen Bensberger Revier gut zu belegen, wozu erfahrene Bergleute aus dem Harz ins Bergische Land geholt wurden [Krabath, S. 304]. Blei kam im HMA über den Hellweg nach Köln, eines der großen Zentren des Metallwarenumschlags. Im SMA führte man dort ab ca 1400 vermehrt Blei aus der Eifel ein.

Es wird diskutiert, ob mangelnder Zugriff auf Buntmetallerze im FMA erklären könnte, wie es zur Modesitte der grossen eisernen Gürtelgarnituren ab Ende des VI. Jhs kam? Unbeachtet scheint dabei zu sein, daß zeitgleich im nicht unerheblichen Maß Bronzeschnallen und -fibeln in Frauengräbern deponiert wurden, also waren die Quellen keineswegs versiegt. Zur Zierde legte man in Eisenschnallen und -beschlägen nicht selten tauschiertes Silber und äußerlich goldähnliches Messing ein. Die Untersuchungen in Menghin (Hrsg), Tauschierarbeiten der Merowingerzeit, S. 161 ergaben recht hohe Zinkbeigaben von durchschnittlich 16 bis 25%, allerdings bei stark schwankenden Zinnanteilen von unter 1 bis fast 8 %. Das könnte ein Hinweis darauf sein, daß Altmaterial eingeschmolzen wurde, welches erst einmal erlangt werden musste, denn eine laufende röm. Produktion gab es ja nicht mehr. Nachschub über einen geregelten Abbau von Galmeierzen gab es wohl auch nicht. Somit könnte Messing nur über römisches Altmaterial zu beschaffen gewesen sein, was das Recyclingmaterial wertvoll machte. Umso wertvoller erscheint die Messingschnalle mit Beschlägen burgund. Ursprungs Ende VI. Jh aus dem Klerikergrab 8 der Krypta von St. Ulrich und Afra in Augsburg. Ein regelhafter Galmei-Abbau und Aufschwung erfolgte zu karolingischen Zeiten. Entlang des westfälischen Hellwegs vom Rhein bis nach Paderborn wurde nach der fränk. Eroberung im VIII.-IX. Jh die Messingproduktion üblich mit Fundstellen bei dem bereits genannten Kamen-Westick, in Soest auf dem Plettenberg, in Schwerte-Kückshausen nahe der (Hohen-)Syburg und im Stadtbereich Dortmunds am Adlerturm [Lammers, S. 48f]. Diese Produktionsstätten stützten sich wohl auf Galmei von der Maas, vielleicht auf Vorkommen im Sauerland. Mehrere Messingbarren und ein zum ovalen Messingring geformter Zierdraht wurden in Haithabu gefunden [Grabung 1963-64]. Es war üblich auch eingeschmolzenes Altmetall in Barren zu gießen, vermutlich um den Handel zu erleichtern [WR, S. 103]. Galmeivorkommen dokumentieren sich im nördl Sauerland bei Müsen (Altenberg spät. seit XIII. Jh), Brilon und Iserlohn, wobei oft nicht sicher ist, ab wann diese ausgebeutet wurden, Krabath nennt einen Köln-Iserlohner Streitfall von 1487 mit Galmei, welches hptsl. nach Holland und Hessen ausgeführt wurde [S. 304]. Nach Bleierzen wurde dort bereits in der röm Kaiserzeit geschürft, das oft mit Bleierzen auftretende Galmei wird allerdings in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt. Für den Ramsbecker Raum am Bastenberg sind Stollen aus dem HMA bekannt, die im XIII. Jh aufgelassen wurden. Allgemein erfolgte der Abbau im Sauerland bis ins XIX. Jh und hat die Spuren der Vorgängerbaue vielfach verwischt. Häufiger anstehendes Kupfer wurde bsplw im Marsberger Raum an der Diemel gewonnen, in welchem die Abtei Corvey Bergbau- und Münzrechte besass und Rohmaterial ins nahgelegene Höxter am Weserübergang brachte [Krabath, S. 300f]. Silber gewann man sowohl im Raum Hagen/Westfalen, als auch in Siegen, erheblich ergiebiger aus den Rammelsberger Gruben im Harz, aus dem viele Münzen spät. seit den berühmten Otto-Adelheid-Pfennigen des X. Jhs geprägt wurden oder aus den Freiberger Gruben (Zinn/Silber), aus dem Schwarzwald und den Vogesen [Krabath, S. 305ff].

Wie bereits erwähnt konnte eine strenge Trennung der Legierungen im heutigen Sinne aus verschiedenen Gründen kaum eingehalten werden. Erze waren in allen möglichen Kombinationen „verunreinigt“, was hingenommen wurde. Ausröstungsprozesse erbrachten keine reinen Buntmetalle, bei Edelmetallen lag der Fall anders. Hinzu wurde sehr häufig Altmaterial verarbeitet, was ja bereits legiert war. Metallurgische Untersuchungen zeigen deutliche Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Im spätmittelalterlichen Magdeburg kostete eyn czentner naw kupper x [zehn] rinische gulden, Altmaterial war nur halb so teuer. Bei manchen Großprojekten wurde fast nur Eingeschmolzenes verwendet und ein Fünftel bis ein Zehntel „frisches“ Material zugesetzt [Krabath, S. 298]. Eine genaue Trennung, ähnlich unserer heutigen Legierungen, setzt erst mit den Zunftordnungen nachweisbar ein. Viele ältere Publikationen bezeichnen Funde aus Buntmetall oft generell als „Bronze“, die neueren Datums als "Kupferlegierung", "copper alloy" oder „alliage cuivreux. Es sind damit genau genommen alle Mischformen gemeint. In zunehmenden Maß werden in Veröffentlichungen spezifizierte Angaben gemacht, wie metallurgische Analysen in den Londoner Dress Accessories, S. 387ff oder Veröffentlichungen aus dem GNM, Nürnberg, [siehe auch Exkurs 10: Handelswege im Mittelalter].



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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

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V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ Es ist der Kampf um Ressourcen, von unserem Wirtschaftssystem verlangt, ohne innere Bremse - auch Covid 19 wird keine lang andauernde sein - wahrscheinlich bis zur völligen Erschöpfung des Planeten, zumindest einige seiner Bewohner. Für den „Stromtanker“ gibt es momentan einen „politischen Vorteil“, aber kein „reines Gewissen“, solange er nicht erneuerbare Energien nutzt, denn „Tanken aus dem Atom- oder Kohlekraftwerk“ ist nur eine Problemverlagerung, sofern das von Belang.



2/ Bereits mit der Verbreitung des Christentums als Staatsreligion wurden zahlreiche Tempel, Thermen und Basiliken zu Kirchen umgestaltet. Im Zuge der Barbareneinfälle vom III. bis zum V. Jh dienten viele Monumente als Materialquelle, verbaute man in gefährdeten Provinzen Spolien, wie Grab- und Weihesteine in Stadtbefestigungen, so in Mainz nach 250 AD, verkleinerte die Tore und nahm diverse Sicherungsmaßnahmen vor. In Provinzen, welche sich anschließend im Besitz germanischer Eroberer befanden, wie in Nordafrika, richtete man Keramikmanufakturen in ehemaligen Badeanstalten ein oder betrieb in ihnen Kalkbrennöfen. Nach der Rückeroberung sicherte Ostrom im VI. Jh nordafrikanische Städte gegen Berber- und Maureneinfälle u.a. durch die Befestigung von Foren oder Theatern, die vorher zur Freizeitunterhaltung von romanisierten Vandalen besucht worden waren. Der ehemalige provinzialrömische Statthalterpalast in CCAA (Köln) blieb nach der Übernahme durch ripuarische Franken ihr Herrschaftssitz. Der Bischof von Konstanz richtete um 600 seinen Amtssitz in den nicht verfallenen militärischen röm Anlagen auf dem Münsterhügel ein, als ummauerte repräsentative Bischofsburg. Vermutlich besserte man vielfach steinerne Bauelemente durch Holzkonstruktionen aus. Die spätantike Stadtlandschaft veränderte ihr Antlitz, war aber in Grundzügen, nicht selten auf konzentrierten und verkleinerten Arealen, noch vorhanden. In Konstanz nutzte man später für das Münster die Fundamente der röm Kastellmauer. Nicht selten bildeten im HMA stabile unterirdische röm Relikte die Grundlage für himmelwärts strebende mittelalterliche Bauprojekte.



3/ Bzgl des Rheinübergangs wird spekuliert inwieweit dieser Zug ins Ungewisse aus der Not heraus geboren war, auf Zwang stattfand, ausgeübt mglw durch die mächtigen Alanen, die ihre Bündnispartner Sueben und Vandalen „mitschleiften“ oder auf Betreiben eines lokalen röm Machthabers und Usurpatoren, welcher die Barbaren in seine Vorhaben einzubinden gedachte. Für den Einfall über die Pyrenäen in den spanischen Raum ist die Einmischung in innerröm. Auseinandersetzungen durch Prokop bezeugt. Die Zentralverwaltung in Rom wollte die Eindringlinge aus Spanien vertreiben und zwang die Westgoten, welche sich auf röm Territorium befanden, durch Abschnürung der Nahrungslieferung zum Kampf gegen die eingedrungenen Alanen, Vandalen und Sueben. Die Westgoten erhielten als Dank für ihre Dienste den begehrten Foederatenvertrag und Siedelgebiete in Südwestfrankreich. Trotz hoher Verluste konnten sich die Vandalen in Spanien halten, doch scheinbar war der erneute Ruf eines röm Regionalmachthabers für sie der Grund die riskante Überfahrt nach Nordafrika zu wagen. Sie kamen, sahen (die Reichtümer) und blieben. Stück für Stück eigneten sie sich die ehemalig reichen röm. Provinzen bis 439 an. Sie errichteten ihr neues Staats- und Gesellschaftssystem nach Umverteilung der Eigentumsverhältnisse, nicht ohne skrupellose Mißhandlungen der ehem. röm Besitzer, sofern jene nicht zur Zusammenarbeit bereit waren, zumal jene der gegnerischen kathol. Religionsrichtung angehörten, was ihnen die „schlechte Presse“ bescherte. Kurzzeitig fanden sie notgedrungen Anerkennung durch die röm Regierung. Nach Verschlechterung der Beziehung kam es, angeblich wieder auf Ruf und Bitte mit Einmischung in innerröm Zwistigkeiten, zur Plünderung Roms und in der Folgezeit zu ausgedehnten Beutezüge der Vandalen per Schiff erst im westlichen, dann auch im östlichen Mittelmeer, so daß sie durch röm Autoren vollends ihren Ruf bei der Nachwelt weg hatten. Geschickt war auch nicht gerade ihr Umgang mit den übrigen german. Völkern. Die Ehe Hunerichs mit der Tochter des Westgotenkönigs wurde unter dem Vorwand gelöst, daß sie versucht haben soll Geiserich zu vergiften. Man schickte sie mit abgeschnittener Nase und abgeschnittenen Ohren zu ihrem Vater zurück ! Amalafrieda, die Schwester Theoderichs des Großen, der versuchte german Völker durch Bündnisse gegen Ostrom zu einen, wurde in vandalischer Haft ermordet. Vandalen fügten sich, ähnlich wie die Franken im Norden, nicht dem ostgotischen Bündnissystem, deshalb rührten weder West- noch Ostgoten einen Finger, als Ostrom mit Belisar begann Nordafrika den Vandalen zu entreissen, ganz im Gegenteil sie leisteten oström Truppen Hilfestellung.



4/ Übernommen und erhalten wurde es vornehmlich von denjenigen, die davon profitierten. Wie im Röm. Reich die Masse besteuert und die soziale Elite privilegiert wurde, änderte sich in der Nachfolge an diesem System nichts, die Kirche sorgte für die moralische Rechtfertigung, spendete mit dem üblichen „Mummenschanz“ [Deschner] den Nicht-Privilegierten Trost und verwies auf das Jenseits, um die Masse gefügig zu halten. Vor der Übernahme des römischen soll das germanische Gesellschaftssystem angeblich freier und offener gewesen sein. Ob das eine romantische Verklärung ist oder auf historischen Tatsachen beruht, soll noch geklärt werden. „Klären“ und möglichst nicht „verklären“ ist die Aufgabe, die natürlich eine subjektive Sichtweise in sich trägt, objektiv schreibt niemand. Desweiteren sei angemerkt, daß hier „Germanen“ thematisiert werden und es durchaus Probleme der Annäherung geben kann. Aber es öffnet sich ein eleganter Weg, indem man dem Begriff keine ethnische Zuweisung gibt, „Germanen“ also nicht als ein Volk ansieht, sondern archäologisch als „regionale Kultur“, wie dies durch Gemeinsamkeiten in Sitten und Artefakten für bestimmte Räume z.B. für „Rhein/Weser-Germanen“ oder „Elb-Germanen“ gebräuchlich ist. So betonte D. Berenger im Jahr 2000 die Unmöglichkeit durch die Gleichförmigkeit der „Rhein/Weser-Kultur“ germanische Stämme, wie sie bsplw Tacitus in seiner „Germania“ nennt, archäologisch deutlich voneinander zu scheiden. Der Althistoriker Mischa Meier merkte an, daß „Völker“ höchst instabile Gebilde sind, die ständig Veränderungen unterliegen, politisch motiviert und durch komplexe Prozesse Identitäten bildend. Noch in den 70er Jahren musste deutlich formuliert werden: „Germanentum und Deutschtum sind nicht identisch“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Die unerlaubte Gleichsetzung entsprang den nationalen Ideen des XIX. Jhs, erfuhr im Kaiserreich nach 1871 eine Überhöhung und der Nationalsozialismus führte dies fort. Literatur dieser Zeit gilt es kritisch zu hinterfragen. Das bedeutet aus Kossinas Dt. Vorgeschichte von 1941 mögen Zeichnungen von Fibeln oder Abbildungen, wie vom röm. Denkmal aus Adamklissi, interessant sein, mehr aber nicht. Die von ihm vorgenommene Gleichsetzung von Völkerstämmen mit Kulturgebieten anhand von archäologischen Funden wird heute verworfen. Die moderne Archäologie sucht nicht mehr nach vermeintlichen Siedlungsgebieten, sondern sieht in den Verbreitungsmustern von Funden eher Hinweise auf soziale Komponenten von Individuen, deren Abhängigkeiten im sozialen Gefüge oder Hinweise auf Mobilität. Ähnlich soll auf diesen Seiten die private Forschung hinsichtlich der Gefolgschaften betrachtet werden, um Aussagen über Ausrüstung und Gürtelteile zu machen. Für die Beschäftigung mit der römischen Kaiserzeit (RKZ) aus einer Sichtweise jenseits der Grenzen des Imperiums scheint die Publikation zur Ausstellung SAXONES in Hannover und Braunschweig 2019 empfehlenswert, obwohl hier der Aspekt des „Netzwerks“ sozialer Eliten im Barbaricum m.E. aus einer zu modernen Sichtweise etwas überstrapaziert wird. Die „Netzwerker“ der germanischen Oberschicht waren sich untereinander oft wenig einig und in einem Netz gewisser Abhängigkeiten wird man erkennen müssen, daß alle gemeinsam „auf die Spinne“ im Zentrum blickten, nämlich ROM. Deutlicher Hnweis ist der Austausch von Statussymbolen über Stammesgrenzen hinweg, so daß röm Objekte weit nach Osten „wanderten“. Es wurden Begehrlichkeiten geschaffen, auch bei Stämmen, die sonst wenig direkten Umgang mit den Römern pflegten. Autoren, wie Jörg Jarnut fordern die radikale Neuorientierung althergebrachter Anschauungen [siehe: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der Frühmittelalterforschung, in: Walter Pohl (Hrsg.), Die Suche nach den Ursprüngen].

Nebenbei soll bemerkt werden, daß die Bedeutung der 12 Jahre nationalsozialistischer Herrschaft bis in unseren heutigen politischen und kulturellen Alltag eine sehr schwere Bürde ist, die noch einigen Generationen immer neue Erklärungs- und Deutungsmuster abverlangen wird. Unsere zeitlich weit entfernten Vorfahren, um die es auf diesen Seiten geht, haben nichts zur Entstehung des Nationalsozialismus beigetragen, es gibt keine direkte Entwicklungslinie dahin, keinen Automatismus. Es die Pest des Nationalismus, welche den Urgrund liefert. Es ist die Instrumentalisierung von Vergangenheit und ihrer Erforschung im Dienst der Politik. Es gab und gibt keine Gutmenschen. Zivilisation ist immer nur ein dünnes Deckmäntelchen über das Tier in uns. Das schlimmste Raubtier, was diese Welt jemals sah. Zur Verknüpfung von „Germanen“ und irgendwelchen abstrusen Rassegedanken wird man anzumerken haben, daß wir in Mitteleuropa seit der Zeit der Römer, die nicht unerheblich dazu bei trugen, bis heute über zwei Jahrtausende eine extreme und positive Mischung von Menschen unterschiedlichster Herkunft erfahren haben, daß von einem „germanischen Urtypus“ kaum noch etwas übrig sein kann. Wenn es etwas Typisches gibt, dann sind es die klimatisch-räumlichen Bedingungen, denen jeder unterliegt. Sie verbinden Einwohner bestimmter Regionen mental oder entfernen sie voneinander. In unserer Gegenwart ist dies ein nicht unerhebliches Problem der EU. Wie kann ein Finne grundsätzlich Verständnis entwickeln für die Probleme eines Sizilianers? ... Es ist bereits für uns Einzelne schwer über persönliche Erfahrungen, daraus resultierende Anschauungen, Werte und Grenzen hinweg zu sehen, ungleich schwerer ist es für eine kollektive Gemeinschaft, wo noch ganz andere übergeordnete Mechanismen wirken.



5/ Die folgenden Begrifflichkeiten mögen vielen bekannt vorkommen: Nach den Reformen der beiden Herrscher beruhte seit dem IV. Jh die größten Einnahme des Staates auf der Grundsteuer des landwirtschaftlichen Besitzes, hinzu kam die Kopfsteuer, die alle 15 Jahre nach dem Steuerkataster neu geschätzt wurde. Auch indirekte Steuern und die Zölle füllten die Kassen. Dazu kamen die persönlichen Hand- und Spanndienste bei Großbauten, die Herbergs-, Quartier- und Versorgungspflicht für reisende Beamte oder die Armee, die Stellung von Zugtieren für die Post, uvam. Nur die Mittel- und Unterschichten wurden für diese Leistungen herangezogen. Senatoren, Großgrundbesitzer und die „junge Kirche“ waren von diesen Lasten befreit! Dafür leisteten jene ehrenamtliche Dienste in der Verwaltung, hafteten mit ihrem Privatvermögen für die Schwächen ihrer Amtsführung [...sollte man mal wieder einführen...] oder für die Aufbringung des Steuersolls und zahlten die Reststeuerschuld aus ihrem Vermögen. Um eine Ämterflucht zu verhindern wurde die städtische Verwaltung, neben anderen Dienstpflichten, zum erblichen Frondienst für den „Bürger“ als Stadteinwohner. Auch Staatsdiener und Soldaten wurden erblich an ihren Beruf gebunden ! Viele Großunternehmen, wie Bergwerke, Waffenfabriken, Tuchwebereien, Brennöfen, Münzstätten, etc. befanden sich in Staatshand, somit waren die Beschäftigten zwangsverpflichtet und hatten keine freie Berufswahl. Es entstand ein staatliches Zunftwesen und eine statische Gesellschaftsordnung von strengen „Kasten“, ohne Dynamik, ohne soziale Mobilität oder Aufstieg. Die Privatinitiative in der Wirtschaft erlag, so daß der Staat wiederum als Hauptabnehmer, vor allem durch die Armee, einspringen musste. Handel und Geldwirtschaft gingen zurück, zunehmende Naturalwirtschaft erzwang die Steigerung landwirtschaftlicher Produktion. Aber auf dem Land herrschte ein Mangel an Arbeitskräften, da Jahrhunderte lang Sklaven diese Dienste verrichtet hatten und der „Nachschub“ mangels Siege ausblieb. Das freie Kleinbauerntum verfiel stetig, einher ging die Monopolisierung durch senatorische Großgrundbesitzer, die aufgekauftes Land verpachteten. Der nun abhängige Bauer wurde durch Erbpacht an seine Scholle gebunden, damit der Boden nicht brach fiel und die Grundsteuer, als Hauptsteuer des Staates, erbracht werden konnte. Der Bauer galt als unveränderliches Zubehör von Hof und Gut, ein Vorbild für die mittelalterliche Grundherrschaft. Ganze Landstriche lagen durch die Bürgerkriege, Flucht und sinkende Zahlen der Landbevölkerung wüst. Freigelassene, ehem. Kriegsgefangene wurden dort heimisch gemacht. Seit dem Beginn des IV. Jhs wird vermehrt von diesen „Laetenberichtet, die Kriegsschäden beseitigten, in speziellen Militärsiedlungen Landwirtschaft betrieben und als Halbfreie der Wehrpflicht unterworfen waren. Ganzen Völkergruppen wurde vertraglich Grenzland angeboten, im Gegenzug für die Verteidigung dieser Räume, wie im Fall der Franken in Toxandrien oder der Goten in Dakien und später auf dem östl. Balkan oder in Aquitanien. Durch die Vergabe von Land an die als Foederaten bezeichneten, entfielen dem Staat die Steuereinnahmen der einstigen römischen Grundbesitzer. Durch die fehlenden Gelder konnten Soldaten in röm. Diensten nicht mehr besoldet werden, so daß die Reichsverteidigung immer stärker durch selbständige barbarische Kontingente übernommen wurde, die kein Sold, sondern Land zur Eigenbewirtschaftung erhielten. Die Foederatenverträge sprachen den Barbaren ein Drittel der Einnahmen sowie des Grund und Bodens der jeweiligen besetzten Provinzen zu. Dafür leisteten sie Kriegsdienste. Es war im Endeffekt erheblich günstiger Barbaren auf diese Art und Weise zu entlohnen als röm Soldaten jährlich unter festen Sold zu halten! Den Westgoten wurde bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. Nicht anders handhabten es die großen röm. Grundbesitzer durch ihre Privatsoldaten, den buccellarii, mit denen sie auch die niedere Gerichtsbarkeit durchsetzten und, ähnlich wie die angesiedelten Germanen, allmählich eigene Machtzellen im Staat bildeten. In den Provinzen lag das wirtschaftliche, politische und militärische Schwergewicht. Sie wurden beherrscht von immer selbständiger werdenden Grundbesitzern, Statthaltern und Generälen, von barbarischen Heerführern, neudt. „Warlords“ oder besser Gefolgschaftsführern, die für Sold und Beute stritten, so daß der Einfluß der zentralen Regierung in den vier grossen Präfekturen schwand. „...bereits in der ausgehenden Antike erwuchs eine feudale Gesellschaftsordnung,“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Übrige Ausführungen nach Bosl 1970, heute bzgl. der Frage des „Zwangsstaats“ in der Forschung nicht unbestritten, denn verglichen mit der modernen Bürokratisierung waren die Mittel und Möglichkeiten in der Spätantike eher moderat. Die neuere Forschung distanziert sich von der althergebrachten Lehrmeinung. Demnach sei keine soziale Erstarrung und vor allem kein wirtschaftlicher Niedergang festzustellen, die Produktivität soll im IV. Jh gestiegen sein, mglw mal wieder eine Schönrechnerei mit Prozentzahlen, wer weiß ?!



6/ Das römische Heer war ein kritischer Faktor für die politische Stabilität zur Kaiserzeit; in einem Staat, der eine Militärmonarchie war. Mit den Siegen Octavians und der Anerkennung zum Augustus, gleich zu Beginn des Prinzipats (das spätere „Kaisertum“), war die Armee Garant der Macht, denn Octavian hatte seine Kontrahenten nur mit Hilfe des Militärs niederringen können. Kein Kaiser sollte zukünftig herrschen ohne Zustimmung der Armee. So war es wichtig, daß die Militärs mit der Grenzsicherung, Ausbau der Infrastruktur in den Provinzen und immer neuen Kriegen beschäftigt waren, damit sich ihre Ambitionen nicht ins Innere des Staates richten konnten. Jeder Herrscherwechsel bedeutete Unruhe und Unsicherheit, falls es Heeresteilen gefiel einen eigenen Gegenherrscher auszurufen. Es gab Jahre mit bis zu vier gleichzeitigen „Kaisern“. Truppenmassierungen, bei denen Stimmung und Meinung von Gewicht waren, sind für die röm Machthaber also immer kritisch gewesen und man versuchte möglichst die Legionen auseinander zu ziehen, was aber durch die ständigen Feldzüge an Rhein und Donau oder Euphrat und Tigris nur bedingt gelingen konnte. Die röm Armee hatte seit spätrepublikanischen Zeiten eine multi-ethnische Zusammensetzung, wobei die Zuordnung mit Hilfstruppen/Auxilien oder Truppen der Bundesgenossen und den eigentlichen Legionen lange Zeit klar getrennt war. Doch in der ausgehenden Spätantike lösten sich diese Strukturen auf, so daß barbarische Kontingente, die unter eigenen Befehlshabern kämpften und erheblich kostengünstiger für den röm Staat waren als eigene Truppen, immer stärkeres Gewicht in der Reichsverteidigung bekamen.



7/ Germanen waren auch umgekehrt bereit Tribute zu entrichten, siehe Prokop Vandalenkrieg III, 4: „ [Geiserich] schloß mit Kaiser Valentinian Frieden, versprach einen jährlichen Tribut zu zahlen und stellte einen seiner Söhne, Hunerich, als Geisel.“ Eine gute Einführung ins Thema der Übergangszeit von der Spätantike ins FMA und mglw mit einer „Prise Exotik gewürzt“ durch das ungewöhnliche Germanenreich rund um Karthago, bietet der lesenswerte Ausstellungskatalog DKdVa, daraus bzgl der Ethnien zitiert R. Prien, Archäolog. Migrationsforschung, S. 140 und verknappt S. 100, die Gründe von A. Demandt warum das Westreich wankte: Aufstieg des Christentums mit fatalem Mentalitätswandel, sozialökonomische und naturwissenschaftliche Ursachen (Klimawandel), drückende Steuerlasten, Versagen von Staat und Verwaltung mit allgemeiner Dekadenz bei dem Verfall der eigenen Wehrhaftigkeit gegenüber einem gesteigerten Kampfpotential auf barbarischer Seite. Empfehlenswert auch der Artikel von H. Wolfram, Kontinuität und Diskontinuität am Übergang von der Spätantike zum FMA, in: Attila und die Hunnen. Ausstellungskatalog des Hist. Museums der Pfalz Speyer 2007, S. 149-153.



8/ Auch Alamannen war es im III. Jh gelungen Siedelgebiete auf ehem röm Territorium in Besitz zu nehmen, doch keineswegs mit Einverständnis Roms. Alamannen blieben immer argwöhnisch beäugte Nachbarn an Roms Grenzen und militärische Auseinandersetzungen sollten zahlreiche folgen. In der Herkunft waren es elbgermanisch-suebische Stämme, welche den Limes in Richtung auf das heutige Südwestdtld. überschritten hatten und weite Züge ins Röm. Reich bis über die Alpen führten. In der Spätantike bildeten sich german. Großverbände, mglw. ausgelöst durch die röm. Politik der protegierten Klientelfürsten, welche, mit luxuriösen Geschenken versehen, große Anhängerschaften sammeln konnten. Das röm Imperium setzte in der frühen Kaiserzeit mit wirtschaftlicher Stabilität darauf, die eigene Hegemonie auf das Barbaricum möglichst friedlich auszudehnen. Es galt jenseits der Grenzen einen „Schutzgürtel“ treuer Fürsten zu schaffen und die Interessen der übrigen gegeneinander ausspielen. Erfolgreich gelang dies bsplw bei Naristern oder Hermunduren, bzw Turonen, die späteren Thüringer, welche treue Bündnispartner der Römer im Barbaricum waren. Jene profitierten von ihrer Treue zu Rom, viele ihrer Gräber zeigen röm Importstücke und nur am Rande sei die Töpferei von Haarhausen in Thüringen erwähnt, die Keramik nach röm Muster produzierte, die Töpferscheibe war dort seit der Latenezeit bekannt [UFTh, S. 134f]. Rom hatte im Barbaricum Zentralisierungsprozesse ausgelöst, die sich im Konfliktfall gegen das Imperium selbst wendeten, siehe Kriege mit Quaden und Markomannen Ende des II. Jhs oder die sächsische Seeüberfälle in der Folgezeit. Nicht immer mit grossen Heerscharen, sondern oft nur in Kommandounternehmungen, wurde Beute aus dem Reich eingetrieben, um Nutznießer von röm. Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs oder der Waffentechnologie zu werden. Diese Mechanismen wirkten bei allen Grenzanrainern, von den Reitervölkern der Sarmaten und Hunnen, über iranische Völkerschaften und Araber im Vorderen Orient bis zu den Berbern und Mauren in Nordafrika. Als Vandalen im V./VI. Jh die röm Herren in Nordafrika ablösten, bekamen sie die gleichen Probleme mit erstarkenden Gruppierungen einheimischer Völker jenseits ihrer Grenzen. Alamannen, welche im III. Jh in die ehem. röm Provinzen Obergermanien und in Teile Raetiens einfielen, vertrieben die provinzialröm. Bevölkerung vom Land, so daß sich in den wenigen verbliebenen Städten röm. Rückzugs- und Kulturinseln bildeten, wie in Konstanz, Basel, Bregenz, Zürich, Kempten oder Augsburg. Es läßt sich noch heute sprachlich fassen, daß sich das german. Element im südwestdt. Raum stärker als im linksrheinischen Gallien erwies. Dort waren eingefallene Germanen gegenüber der provinzialröm. Bevölkerung eindeutig in der Unterzahl. Pirenne, [Europa im MA, S. 23] weist darauf hin, daß sich von der Sprache der Eroberer auf ehemaligem röm. Reichsboden kaum etwas erhalten hat, nur in den Grenzbereichen, in Flandern, am Niederrhein, im Elsaß und im Alpenraum wurde die german. Sprache heimisch, ansonsten ging die german. Kultur innerhalb weniger Generationen in der der römischen Provinzialen auf, die Sprache wurde latinisiert und romanisiert! Die Romanischen Sprachen obsiegten im Westen mit Französisch, Provenzialisch, Spanisch, Portugiesisch, Rätoromanisch und Italienisch. Integrations- und Verschmelzungsprozesse waren also von erheblicher Bedeutung. Die meisten german Eroberer hatten aus der röm., bzw. provinzialröm. Bevölkerung kaum Rückhalt und galten als fremde Besatzer und Barbaren, die zumal dem arianische Christentum anhingen, während hingegen Franken um 500 ihren Glauben auf die ehemalige Reichsreligion ausrichteten. So brachten sie die christl. Bischöfe und ehemalige provinzialröm. Senatoren auf ihre Seite, förderten das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bevölkerungsteile. Darin liegt vermutlich das Fundament ihres Aufstiegs begründet und es bedurfte nur eines machthungrigen Potentaten, wie Chlodwig, der diese Entwicklung eingeleitet, auch geschickt und skrupellos nutzte, indem er sich vorhandener Reste des einst mächtigen röm Staatsapparats und seiner kulturellen Errungenschaften bediente. Die Laienkultur, die Schriftlichkeit, das Steuer-, Rechts- und Münzwesen besaßen nicht mehr ihren ursprünglichen Stellenwert und waren im Zerfall begriffen. Um die Reste zu erhalten und für sich zu nutzen war die provinzialröm. Bevölkerung für die Franken unentbehrlich.



9/ Diese personellen Bindungen erklären vielleicht, weshalb Germanen in der Spätantike vom III. bis V. Jh innerhalb der röm Ämterhierarchie sehr hohe Positionen als Heermeister einnehmen konnten. Die Söhne german. Anführer wurden als Geiseln bereits seit langem in die röm Welt eingeführt, durch und durch romanisiert, mit röm Ämtern und Titeln versehen. Der röm Kaiser Konstantin hatte begonnen ihnen den Weg in die höchsten militärischen Ämter zu öffnen. Mglw. stand dahinter die Überlegung german. Kontingente unter röm Fahnen durch ihre eigenen Befehlshaber zu halten, um Massendesertationen zu vermeiden. Da Germanen niemals dem unpersönlichen Staat, sondern nur gegenüber Personen die Treue halten würden. Zu den schriftlich fixierten german Rechten: Codex Euricianus seit 475c als Vorläufer der Lex Romana Visigothorum von 506 mit den hohen Anteilen röm Rechts [DKdVa, S. 153].



10/ Genau genommen war der Papst einer von fünf Patriarchen. Sie besetzten die Bistümer Alexandria, Antiochia, Jerusalem, Konstantinopel und Rom. Vier der fünf Bischofsitze waren ehrwürdig alt und einst von Aposteln gegründet. Rom sah sich nur selbst als den wichtigsten an.



11/ Vielfach waren Franken in neu gewonnen Regionen bestrebt lokale Herren zu „frankisieren“, sofern diese Prozesse bei den Unterworfenen nicht automatisch statt fanden, um Akzeptanz bei den neuen Machthabern zu gewinnen. Durch Eide wurde gebunden. “Eid und Treue“ waren der Kitt in den frühen Gesellschaften, begrifflich verklärend mit fataler Wirkung bis in unsere jüngere Vergangenheit. Auch die Kirche und unsere moderne Strukturen bauen im Recht und bei Dienstverhältnissen auf den „Eid“ und die „Vereidigung“. „Meineid“ steht auch heutzutage unter Strafe.

Archäologisch werden z.B. Bestattungen mit Ringknaufspathen als „Herren“-Gräber bezeichnet, in denen vermutlich Gefolgschaftsführer lagen, oft mit Pferdegeschirr, bzw Zaumzeug und standesgemässen Insignien, beispielhaft Grab 1782 in Krefeld-Gellep aus der 1. Hälfte VI. Jh mit einer almandinverzierten Ringknaufspatha. Über 80 solcher Schwerter sind nicht nur aus dem Frankenreich, sondern aus Südengland, Skandinavien oder Norditalien bekannt. Pirling: „In nordischen Sagen werden Ringe am Schwert gelegentlich erwähnt und ein Ehrenname für den König ist „Ringspender“...[RfiKG, S. 158]. Es steht zu vermuten, daß es in der herrschenden Schicht (Adel und hohe Funktionsträger) schnell zu Anpassungsprozesse in Stil und Ausrüstung kam. So ist ein führender Alamanne oder Sachse nach der fränk. Eroberung den Beigaben nach vermutlich gar nicht mehr als solcher zu erkennen! Wie wichtig Umritte für die Amtsausführung waren, verdeutlicht der Umstand, daß im VI. Jh der Alamannenherzog Uncelen, wegen Ermordung des burgundischen Hausmeiers Protadius, durch Königin Brunichilde mit Abschlagung eines Fußes amtsunfähig gemacht wurde. Damit war das Gehen erschwert und bedingt auch das Reiten, denn Steigbügel sind im archäologischen Fundgut nachweisbar. Das „Heil“ des Heerführers war beschädigt, mglw. hatte dieser Umstand mehr Gewicht als die Beeinträchtigung in der Bewegung. 902/03 machte der begüterte vir venerabilis Joseph dem Bistum Freising eine Schenkung für sein Seelenheil: „Joseph kam zum Freisinger Bischof Waldo nach Stiefern und übergab ihm und dessen Vogt Engilhart in diesem Ort Besitzungen, die Joseph dem Bischof und dessen Gefolge durch Umreitung zuwies.“ Bis ins HMA verdeutlichen erhaltene Siegel wie sehr Macht und Status durch den herrschaftlichen Ritt symbolisiert wurden, so daß sich auch Herzogin Sophia von Brabant, 1248 bis 1264 Landgräfin von Thüringen und Herrin von Hessen, in dieser Form zu Pferd darstellen ließ, Details siehe Ständegesellschaft.



12/ Aus den Gräberfeldern rund um die spätere Kaiserpfalz von Ingelheim und dem mittelalterlichen Rheinhafen Frei-Weinheim wurden aus der MWZ rd. 160 Gräber wissenschaftlich untersucht, davon waren die meisten gestört, so daß nur wenige Edelmetallgegenstände geborgen werden konnten. Nach Schätzungen wird von 800 bis 1000 Gräbern insgesamt ausgegangen, die größtenteils unerkannt unter der modernen Überbauung und Infrastruktur liegen. In Ingelheim wurde beobachtet, daß von den Grabräubern Gegenstände mit christlichen Zeichen bewußt im Grab zurückgelassen wurden, während andere Beigaben entnommen wurden [ZCuK, S. 29f]. Ähnlich verfuhr man bei den Gräbern in Lauchheim-Mittelhofen aus der Zeit 680-720. Von den 78 Hof-Bestattungen waren viele beraubt, die meisten nicht lange nach dem Begräbnis und das für alle sichtbar im Ort [AlaO, S. 116-117]. Vielfach war zu beobachten, daß Skelettverlagerungen durch Grabschächte und Beraubungen noch im Sehnenverband geschahen, also nicht allzu lange nach der Beisetzung. Christen hatten den Respekt vor „heidnischen Grabbräuchen“ verloren, denn für sie gab es kein „Walhall“ und der Verstorbene benötigte nichts im Jenseits. Sie entnahmen wertvolle Güter der Sachkultur, ließen aber Objekte mit Heilszeichen unberührt, das schloß Goldblattkreuze mit ein, die ja einen gewissen Wert aufwiesen. Das korrespondiert mit der Beobachtung, daß der Grabraub vom V./VI. Jh zum VII. Jh deutlich zunahm. Den Respekt haben wir als Christen und „moderne Grabräuber im Dienst der Wissenschaft“ nicht wiedergewonnen. Zur Verteidigung wird angeführt, daß mit den archäologisch geborgenen Funden viele Gegenstände erhalten bleiben, die sonst die Zeiten nicht überdauert hätten, sich im Boden ohne konservatorische Maßnahmen weiter zersetzen würden. Allerdings ist ein Großteil der geborgenen Objekte in den Magazinen, aufgrund der Masse des Fundanfalls unmittelbar vom Verfall bedroht, da oft nicht ausreichende Mittel zu deren Erhaltung zur Verfügung stehen. Der Ausbau unserer Infrastruktur macht den Einsatz von Archäologen mit Notgrabungen notwendig, um Relikte der Vergangenheit nicht für alle Zeiten zu vernichten. Doch das Anrüchige des „Grabfrevels“ bleibt nach ethischen Gesichtspunkten.



13/ Nach Kulikowski sind Schafe und Ziegen archäologisch kaum zu unterscheiden [DGvR, S. 94]. In der erste Hälfte des 1. JahrtausendsAD war bei den Völkern der norddeutschen Tiefebene die Rinderzucht weit verbreitet. In der Wurt Feddersen Wierde ging vom I. bis zum V. JhAD der Ackerbau, aufgrund von Klimaverschlechterungen, zugunsten einer intensiven Weidewirtschaft zurück. Neben Rindern wurden Schafe gehalten, die in den Marschen ausreichend Grünfutter fanden. Weiter im Landesinneren war die Schweinezucht mit Waldweiden möglich.



14/ Zu Köln siehe Begleitband zur Ausstellung König Konrad I. - Herrschaft und Alltag. 911 Köln - Stadtentwicklung zwischen Kirchen und Kaufleuten, S. 180. Info nach Dauerausstellung Ellwangen 2015. Siehe auch Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, S. 200 mit einem Vergleich der Widerristhöhe heutiger und damaliger Haustiere, beim Rind z.B. von 135 cm auf nur 110 cm. Ein ausgewachsenes Rind erreichte demnach nur heutige Kälbergröße. Bereits Tacitus erwähnte im IV. Buch, Kap. 72 seiner Annalen zum I. JhAD, daß das Zuchtvieh der Germanen nur von mässiger Größe sei, hingegen die Wälder voll riesiger Jagdtiere, wie Auerochsen.



15/ In der neueren Forschung wird eine Zuordnung nach Stämmen/Völkern/Ethnien anhand von Sachgütern nur ungern vorgenommen. Objektkonzentrationen werden eher durch „Kulturkreise“ bezeichnet, wobei manche Gegenstände weit davon entfernt streuen können, ohne gleich an Migrationshintergründe zu denken, siehe dazu Führer zu archäologischen Denkmälern in Dtld, Bd. 27 „Hanau und der Main-Kinzig-Kreis“, S. 88. Grundsätzlich sollte bei allen Überlegungen der Aspekt des Verteilens von Beute, die mit neuem Besitzer weite Wege zurücklegen konnte, nicht unterschätzt werden. So wird aus dem Bestatteten in Grab Verf. 60 im niederösterr. Freundorf aus dem VI. Jh inmitten eines als langobardisch angesprochenen Gräberfelds durch die Beigabe eines Ango-Wurfspeers nicht unbedingt ein Franke, wie einst ernsthaft diskutiert wurde. Wie ist allerdings die Franziska in Grab 186 in Eichstetten im Breisgau aus dem VI. Jh zu beurteilen? Weist sie im alamannischen Grenzraum auf den fränkischen lokalen Machthaber hin? Die Runenritzung auf dessen Spatha-Scheide wendete sich an Christus und Wodan zugleich. Die Alamannenmission setzte erst Ende des VI. Jhs ein, so daß es unwahrscheinlich klingt, daß sich ein Alamanne die Anrufung von Christus erlaubte. Franzisken finden sich mit hoher Streuung im alamannischen und thüringischen Raum. Stehen dahinter die fränk. Besatzer, wie in Alach westl. von Erfurt auf dem Weg zur Feste Petersberg in einem Grab mit voller Waffenausstattung von Spatha, Ango und Zaumzeug. Ist die hohe Zahl von Franzisken [10 Stück] aus Bopfingen, einem wichtigen Kreuzungsort alter römischer Fernverbindungen am Rand des Ries westl. von Nördlingen, ähnlich zu werten? Der Hofherr in Grab 177 besaß einen bzvg Schnallentyp, dessen Vergleiche aus dem fränk. Kulturraum stammen. In Grab 145 B von 525-50 war in einem Doppelgrab dem Bestatteten mit Franziska eine Münze des oström Kaisers, geprägt unter Theoderich, mitgegeben worden, schließt das den Franken aus? War es ein Alamanne mit angeeigneter fränk Bewaffnung? Es gab unterschiedlich separierte Grabareale. Das könnte eine Erklärung sein [AlaO, S. 120ff]. In Fridingen bei Tuttlingen fanden sich drei Franzisken, wobei die Ausstattung in Grab 136 um 550 auffallende Nähe zum fränk. Kulturraum zeigte [AlaSND, S. 50] und [DGvR].



16/ Bereits in hallstattzeitlichen Hügelgräbern, wie im Kammergrab 6 in Römhild/Thüringen gehörte Pferdegeschirr zum Bestandteil reicher Bestattungen, wobei dies in jener Zeit oft mit Wagen in Zusammenhang zu bringen ist. Zaumzeug wurde nicht selten mit wertigen Zieren aus Silber beschlagen und verdeutlicht den gehobenen Rang des einstigen Nutzers als Adeliger oder Gefolgschaftsführer. Auch Sporen waren seit der RKZ Zeichen des privilegierten Standes. Bei den Kriegsbeuteopfern aus dem Moor von Illerup A um 200 AD wurden Geschirrteile für zehn Pferde teilweise aus silbernen Pressblechen gefunden, während von 60 Schwertgurtgarnituren sieben mit Schnallen aus Silber, der Rest aus Bronze und die der weiteren persönlichen Ausrüstung aus Bronze und Eisen gefertigt wurden. Kaum Schwertgurtgarnituren hatten eiserne Schnallen oder Beschläge. Rund 300 eiserne, 30-40 bronzene Schildbuckel und 7 prunkvolle silberne Schildgarnituren mit Halbedelsteinen, Glas und Pressblechen aus vergoldetem Silber besetzt, wurden geborgen. Daraus folgerte man, daß Gefolgschaftsführer beritten waren und silberne Ausrüstungsteile zur Schau stellten, während Gefolgsleute bronzene Ausrüstungsgegenstände trugen, aber auch Schwerter, und sich damit vom Gros des Heeres absetzten. Nebenbei bemerkt wird in den Fachpublikationen von „Bronze“ gesprochen, ohne daß spezifische metallurgische Untersuchungen erwähnt werden, es wird sich aber um die übliche Mischlegierung handeln, siehe Bronze und Messing von der Spätantike zum FMA. Denn ich kann mich bei meinem Besuch in Schleswig erinnern, daß viele der Funde aus dem Nydam-Moor vor 350 AD gelblich schimmerten, Farbabbildungen in den betreffenden Publikationen vermitteln den gleichen Eindruck. Viele Ausrüstungsteile wurden vor der Deponierung bewußt deformiert und zerstört. Bei den silbernen Teilen des Pferdegeschirrs ist ein besonders hoher Fragmentierungsgrad beobachtet worden, was mit „Sonderbehandlung“ für die Anführer erklärt wurde, ohne zu bedenken, daß Teile des Pferdegeschirrs nach einem Kampf von schweren toten Tierleibern entfernt werden mussten, die man kaum hin- und her gewälzt haben wird, sondern sinnvollerweise in kleine Teile zerschnitt. Aus allen Mooropferfunden mit Ausrüstungs- und Waffenteilen von seegestützten Kampfverbänden des III.-IV. JhAD wird aufgrund der prozentualen Verteilung von Eisen, Bunt- und Edelmetallen eine Dreiteilung der Nutzer abgelesen. Röm Quellen der Kaiserzeit nennen bei den Germanen drei Schichten Bewaffneter mit „princeps, „comitesund „peditesoder „regales, „optimatesund „armatores, meint wohl Könige, Herzöge, Adelige als Oberkommandierende, dann hohe Funktionsträger, Freie, Offiziere und schließlich Fußsoldaten/Gewappnete. Zu den Funden der persönlichen Ausrüstung zählen nicht nur Reparaturwerkzeuge für die Waffen, sondern auch Nadeln, Knochensägen und chirurgische Instrumente an den Fundplätzen Vimose auf Fünen und in Illerup in Jütland um 200AD. Dabei ist auch eine Frauenbeteiligung denkbar, wenn nicht unmittelbar an den Kampfhandlungen beteiligt, sind sie zur Versorgung der Truppe oder bei medizinischen Behandlungen vorstellbar. Frauenfibeln wurden an allen Fundplätzen geborgen, meist werden sie allerdings durch separate Opferhandlungen erklärt, die nichts mit den Waffenopfern zu tun hatten. Die Kampfverbände vermitteln aufgrund der hohen Anzahl von qualitätvollen Ausrüstungsteilen eine gewisse Professionalität und wirken nicht wie Hinterlassenschaften des allgemeinen Heerbanns [Brock/Homann, Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges, Sonderheft 2/2011 AiD, Stuttgart 2011, S. 55].

Wir haben mit Illerup, Platz A als Kriegsopferbeutedeponierung des III./IV. Jhs eine Sondersituation vor uns mit hoher Anzahl an Waffen. Dort standen 410 Speer- und 366 Lanzenspitzen rund 100 Schwertfunde gegenüber. Zeitgenössische Grabfunde vermitteln ein gänzlich anderes Bild. In der frühen röm Kaiserzeit fehlen Waffen in den Brandgräbern der nord- und westdeutschen Regionen um 200 noch fast gänzlich. Reiche elbgerman. Körpergräber weiter im Osten enthielten wohl Waffen und Reitausrüstungen. Allgemein wurde meist allerdings in Brandgräbern bestattet, die eher spärliche Beigaben aufwiesen, hin und wieder waren deformierte Waffenteile vorhanden. Von 582 Gräbern in Großromstedt, östl von Weimar in Thüringen, der frühen röm. Kaiserzeit (RKZ) enthielten innerhalb von 50 Jahren nur 6% eine Schwertausrüstung, etwas häufiger fanden sich Teile von Lanzen oder Schilde. Aufgrund der Brandgrabsitte waren die Waffenteile auch hier vielfach absichtlich deformiert. Erst in der späten röm Kaiserzeit ab Wende III./IV. Jh häufen sich im Barbaricum Waffenbeigaben, ähnlich wie die Sitte der Körperbestattungen scheinen Einflüsse vom röm Territorium auszustrahlen.

Zwischen dem V. bis VII. Jh finden wir in Norddtld nicht viele Waffengräber. In Bremen-Mahndorf wurden von 260 Bestattungen nur drei mit Schwert oder Sax ausgestattet, bei Drantum, nahe Kloppenburg wurden in 540 Gräbern nur zwei Saxe gefunden, auf dem Gräberfeld von Cleverns im Kreis Friesland enthielten von 220 Gräbern nur drei Hiebwaffen und bei Zetel, Kreis Friesland fanden sich in über 700 Gräbern nur sieben Schwerter und Saxe, bei Dunum in Ostfriesland mit rund 800 Gräbern nur zwei Schwerter, in Katzendorf bei Haarburg mit ca 500 Gräbern gar keine Waffen. Im fränkischen Raum sah es etwas anders aus. Aus den rd. 160 untersuchten Gräbern im Raum Ingelheim, hptsl. aus der späten MWZ des VII. Jhs, vielfach gestört, wurden rd. 40-50 unterschiedliche Waffenteile geborgen, davon gab es 3 Hinweise auf Spathen, 16 Saxklingen, 2 Franzisken, 12 Lanzenspitzen, Pfeilspitzen aus fünf Gräbern und 9 Schildfragmente. In Westheim bei Weißenburg/Bayern mit Gräbern des VI./VII. Jhs fanden sich in den 250 untersuchten Gräbern (Frau/Mann zahlenmässig ungefähr gleich vertreten, also rd 120 Männergräber) 20 Spathen, 45 Lanzenspitzen, 39 Kurz- und Breitsaxe, 24 Schildbuckel, 5 Franzisken, 3 Äxte und 2 Angonen. Dort enthielt also fast jedes Männergrab eine Waffe. Bestattet wurden hier wohl Franken, keine Baiuwaren, denn Gräberfelder südlich der Donau wiesen andere Beigaben auf [FrBa, S. 84]. In Eichstetten im Breisgau finden sich bei 300 Bestattungen aus dem VI./VII. Jh, etwa 60 pro Generation, nur rund eine Handvoll Waffengräber, drei davon mit Spatha, so daß man behaupten könne nur die führende Persönlichkeit der dörflichen Gemeinschaft sei mit Waffen bestattet worden [Details Mus. Konstanz]. Auffallend viele Waffengräber kamen in Beffendorf bei Oberndorf nördlich von Rottweil an der strategisch wichtigen Kinzigtalstraße zu den Schwarzwald-Päßen zutage. Franken könnten die wichtige Straßenstation im alamannischen Raum gesichert haben [AlaSND, S. 52]. Auf dem Gräberfeld von Dieue-sur Meuse (an der Maas) fanden sich bei den fast 20 waffenführenden Bestattungen 2 Spathen, 6 Saxe, 5 Axtköpfe, 7 Lanzenspitzen und 2 Hinweise auf Pfeil und Bogen, in 10 Männer- und in 4 Frauengräbern lagen Gürtelschnallen.



17/ Die Awarenzeit ist in Österreich und Ungarn eines der großen Themen der FMA-Forschung. Kein Wunder, über 70.000 Funde sind vornehmlich aus Gräbern bekannt. Objekte awarischer Herkunft streuen durch große Teile Mitteleuropas, obwohl Awaren das europ. Kernland weit weniger in Mitleidenschaft zogen als ihre Nachfolger, die Magyaren. Bezüglich der weiteren Ausführungen kann die Bedeutung des Pferdes seit dem FMA nicht hoch genug eingeschätzt werden, siehe dazu auch die Besonderheit der Pferdegräber [z.B. AlaO, S. 112f]. Trotz aller gesammelten Erkenntnisse scheint das in der modernen Forschung kein Schwerpunkt zu sein. Es wird meist auf die Waffentechnik abgesehen, selten aber auf die Grundlage feudaler mittelalterlicher Militärtaktik: Die Pferdezucht. Zumindest sind mir bislang, bis auf eingestreute Untersuchungen zu den Tierbestattungen, kaum Arbeiten in diese Richtung bekannt. Aus den Pferdegräbern der Adelsgrablege von Niederstotzingen konnte man die Erkenntnis ziehen, daß oriental. Pferderassen eingekreuzt worden waren [AlaO, S. 131]. Solche Aussagen sind möglich, wenn die Skelette vollständig aufgenommen werden können. Erschwerend für die Erforschung ist der Umstand, daß man im VII. Jh den Pferdeleichen oft den Kopf abschlug, wohl um sie auf Stangen in Grabnähe aufzupflocken, wie Pfostenlöcher dies vermuten lassen. Die Sitte kannten die vorherigen Jahrhunderte weitaus weniger, in Niederstotzingen wurde sie nicht gepflegt.



18/ Dadurch begannen nicht nur Ausrüstungsteile über Byzanz nach Europa zu streuen, sondern auch die erwähnte Einkreuzung von oriental. Pferden in einheimische Rassen aus byzant.-langobard.-almannischen Fundzusammenhängen mag auf diesen Umstand zurückzuführen sein oder verweist auf die Awaren? Zu Fragen der Reitausstattung in merowingerzeitlichen Gräbern siehe u.a. A. Rettner, Sporen der älteren MWZ in „Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Zeuzleben (Lkr. Schweinfurt). Die Grabbeigaben; Gesamtauswertung der Funde und Befunde“, S. 133-157. Zu den Vandalen geht H. Castritius davon aus, daß ein hptsl. aus Reitertruppen bestehendes vandalisches Heer schlecht geeignet gewesen sei, die Kontrolle in Nordafrika zu wahren und Aufstände der Berber und Mauren nieder zu schlagen [DKdVa, S. 198]. Ich würde sagen es war aufgrund der geforderten hohen Mobilität in diesen Räumen optimal dafür geeignet. Regionale Milizen fanden so Unterstützung durch herbeieilende vandal. reguläre Truppen. Die einheimischen Nordafrikaner, gefährlich flexibel und mit den extremen klimatischen Bedingungen vertraut, waren seit den ersten Berührungen mit den Römern gefürchtet und maurische Kavalleriekontingente diente später zahlreich in röm Heeren. In frühmittelalterlichen Zeiten wird man sich, wie bereits angemerkt, von modernen Vorstellungen einer Kavallerietruppe lösen müssen. Wir sprechen hier nicht über eine spezifische Waffengattung, sondern über mobile Kämpfer, die ebenso gut absitzen und zu Fuß kämpfen konnten, wie es für Germanen oft bezeugt wurde. Der Vorteil bestand also im schnellen Ortswechsel zu Pferd. In Nordafrika, wo die fruchtbaren Küstenzonen unmittelbar an die Wüste grenzen, sind Reittiere unverzichtbar, dort bewegt man sich „hot“, „mot“ oder gar nicht [kl. Scherz, „hot“ als Pendant zur Inf Div „mot(-orisiert)“ und verballhornte Klassifizierung bespannter Volkssturmeinheiten].



19/ Nach der Beobachtung, daß sich nur an der Rückseite von Kleinfibeln einfache leinwandbindige Wollstoffe nachweisen ließen, während dieses Gewebe auf den Bügelfibeln auch auf der Schauseite auftauchte, läßt sich folgern, daß Kleinfibeln schlichte (Woll-)mäntel schlossen, während die Bügelfibeln darunter an der Oberbekleidung (Tunika, Kleid) hafteten. Denn an letzteren ließen sich auf der Unterseite regelmässig gemustere Gewebe in verschiedenen komplexen Köperbindungen nachweisen oder Reste feiner Brettchenborte, die vom Stoffgürtel oder Gewandsaum stammen könnte [siehe Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 39.] Zu den Gehängebändern mit Amulettcharakter des VI. Jhs, versehen mit kleinen Schnallen, Zungen aus Bunt- und Edelmetall und Ringen aus Edelmetall oder Eisen siehe ebenda, S. 41ff. Hinzu die interessante Beobachtung, daß die tief getragenen Gehänge gleichzeitig mit der Aufgabe der Bügelfibeln zum Ende des VI. Jhs verschwanden und durch Brustgehänge mit diversen (Glas-)Perlen, Bernstein und metallenen Anhängern in der späten MWZ ersetzt wurden. Davon zu unterscheiden sind Gürtelgehänge mit Zierscheiben, kleinen Täschchen und diverse Utensilien des täglichen Gebrauchs.



20/ Keltische Schwerter waren bei den Germanen von hohem Begehr, siehe Fund von Lindholmgard II.-I. JhvC im Nationalmuseum Kopenhagen. Die Angaben von Polybios zur Biegsamkeit der langen Hiebschwerter mag eine Ausschnittsverzerrung sein, da die Römer es mit einem Gegner, der sich fernab eigener Ressourcen bewegte, zu tun hatten. Röm Gladii fussten als Stichschwerter ebenso auf keltischen Waffen, wie dem iberischen Fronton-Dolch. Man wird die Aussage des Polybios nicht verallgemeinern können. Kelten wussten um unterschiedliche Eisenqualitäten, im Chiemgau stand ihnen, nachdem der Schock der Verwüstung überwunden, das reinstes Eisen überhaupt zur Verfügung, Meteoreisen. Sie wussten um die Kohlenstoffanreicherung, sprich Verstählung. Alle keltischen Schwerter im Klingen-Mus SG werden als „stählern“ bezeichnet. Allerdings sind die Behauptungen zur Biegsamkeit wohl nicht ganz aus der Luft gegriffen, auch später noch wird in isländischen Sagas von unliebsam gebogenen Schwertern berichtet, die mit dem Fuß wieder zurecht gebogen werden mussten [MuK, S. 7]. Aus diesem Grund waren in Skandinavien, das meist nur mässige Schwertqualität bot, die Klingen aus dem Frankenreich und dem Rheintal begehrt.



21/ Zu Gera-Tinz siehe UFTh, S. 126/27, dort auch Hinweise auf das Verhältnis von Materialaufwand und Ergebnis der Eisenschmelze. Polnische Versuche ergaben, daß man bei einem Einsatz von 200 kg Erz und 200 kg Holzkohle etwas 15 bis 20 kg Roheisenmaterial gewinnen konnte. Das reichte für die Herstellung von fast 10 Schwertern oder 12 Pflugscharen oder 70-80 Lanzenspitzen. Zu den Verhüttungsplätzen im heutigen Polen siehe Hattler, DKdVa, S. 128. Eine Konzentration entlang der Ostseeküste wäre mglw damit zu erklären, daß man für den Export nach Skandinavien arbeitete, denn dort war man vielfach auf Moorerze angewiesen und Eisen galt lange Zeit als kostbares Importgut. Zur Eisenverhüttung fehlen in vielen Gebieten, die sich im Laufe des Mittelalters zu Zentren der Eisenverarbeitung und der Rüstungsschmieden entwickelten aus der Frühzeit die Belege. Im Siegerland sind aus vorchristlichen Zeiten die genannten keltischen Verhüttungsplätze bekannt, denen zu german. Zeiten bislang keine Kontinuität nachzuweisen war. Auch im südlichen Westfalen und im Märkischen befinden sich grosse Eizenerzvorkommen, die sicher bestätigt erst zu karolingischen Zeiten ausgebeutet wurden [BuM, S. 9]. Allerdings muss man sich fragen, inwieweit nicht Vorgängerschürfungen überdeckt wurden. Bezüglich der Buntmetallverarbeitung spekulierte M. Becker über die Mengen des benötigten Rohmaterials im freien Germanien im Zeitraum einer Generation von ca. 30 Jahren, wenn Buntmetalle bsplw durch Fibeln als Grabbeigaben immer wieder dem Wirtschaftskreislauf entzogen wurden. Er prognostizierte einen Bedarf von ca 75 to, entspricht 2,5 to Buntmetall pro Jahr. Der Fund von Neupotz mit ca. 220 kg Metall zugrunde gelegt, würden also pro Jahr 10 bis 12 „Lieferungen“ dieser Art rechts des Rheins benötigt. Auch macht er sich Gedanken über die Lotmengen, die german Schmiede benötigten und kam auf jährlich 5 to Blei und Zinn! Betrachtet man die Grabbeigaben, Deponierungen, Kriegsbeuteopfer mit riesigen Mengen und „sorglosem Umgang“ an Buntmetall, müsste von sehr großen Zufuhren aus dem Röm Reich ausgegangen werden [siehe M. Becker, Verborgener röm. Import, in: Das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Kulturen. Neue Studien zur Sachsenforschung Bd 2, S. 54].