V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Zur Einführung eine Zeitenwanderung: "...die Signalhörner hatten auf die Mauern gerufen. Schlaftrunken die meisten, raus aus dem Bett. Gemurmel im Halbdunkel, Aufregung, wildes Durcheinander, nur scheinbar, denn es war oft geübt..."

Untergang und „Fortbestand“ des Römischen Reiches – Prolog mit einer moralischen Komponente, denn wir sind nicht erhaben über alle Zeiten:

In der 2. Hälfte des V. Jhs wurde der Schlussakkord gesetzt in einer der großen Übergangsphasen der europäischen Geschichte. Das weström. Reich brach zusammen, das ist Schulwissen, welche Dramatik sich dahinter verbarg ist für uns heute nur zu erahnen. So ist es wohl, wenn große Reiche, die seit „Ewigkeiten“ Bestand hatten, mit Donnergetöse zusammen brechen. Dann „ächzt der Weltenbau im Dachgefüge“, wenn Giganten sterben! Die Römer der Spätantike werden sich kaum vorgestellt haben, daß ihre imposanten Bauwerke, die gewaltigen Städte und Häfen, das riesige Straßennetzwerk, die vielen Handwerker- und Handelsorte und großen landwirtschaftlich genutzten Gebäudekomplexe zu einem Gutteil verschwinden oder starken Veränderungen unterliegen würden, genauso wenig ist es für uns vorstellbar, daß unsere eigenen gewaltigen architektonischen und verkehrstechnischen Komplexe in den äusseren Formen verschwinden werden, wobei manche unserer Brückenbauten dies schon nach wenigen Jahrzehnten tun, wenn erhaltende Maßnahmen unterbleiben. Römische Monumente waren weithin sichtbare Zeugen der gewaltigen Kultur, solange wie möglich genutzt, dann umgebaut oder umfunktioniert.1 Architektonische und zivilisatorische Errungenschaften der antiken Supermacht sollten lange nachwirken. Jede Zeitepoche in der westlichen Hemisphäre wurde durch die Römer kulturell oder politisch beeinflußt, vom Mittelalter über Renaissance, Barock und Klassizismus, bis in die Moderne, bis zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, Mussolinis Ansprüchen eines „Mare Nostrooder Albert Speers Baustil, um nur einige wenige Orientierungsrichtungen der Neuzeit aufzuzählen, wie auch immer man zu diesen Dingen stehen mag. Überdauern werden vornehmlich geistige Errungenschaften, damals wie heute, falls es die Aufbewahrungsmedien zulassen.

Es gibt allerdings auch eine andere Sichtweise. Das Westreich hatte politisch keinen Bestand mehr, aber die Idee von Rom überlebte in verschiedener Hinsicht. Die Regierungszentren der Römer in der Spätantike lagen mit Mailand, Trier, Ravenna und Konstantinopel näher an den Brennpunkten oder waren besser zu verteidigen, als Rom am Tiber, das nach den Plünderungen durch Goten und Vandalen schwer angeschlagen war. Das Undenkbare war geschehen. Die einst mächtigste Stadt, die „Leuchte des Erdkreises“, war den Barbaren anheim gefallen. Autoren wie Zosimus warfen dies dem Christentum vor, das die alten röm Tugenden aufgeweicht haben soll. Die neue Religion war aus den unteren Schichten der Sklaven, Armen und Soldaten aufgestiegen in die Herrschaftsränge des Reiches. Augustinus bemühte sich wortreich um die Verteidigung des neuen Glaubens, als das bereits abgelegte röm. Heidentum wegen des Versagens der christlich röm Macht erneut Aufwind bekam. Während die Gebäude Roms in Trümmern und zu Asche versanken, begannen Kirchenväter, darunter Salvianus von Marseille, die Idee eines geistigen, vielleicht eher geistlichen Roms, eine himmlische Stadt ohne Mauern zu entwerfen, der Aufstieg eines „christlichen Phoenix“. Pragmatisch wurden von Konstantinopel aus die Amtsgeschäfte weiter fortgeführt, verloren gingen aus der Sichtweise Ostroms die westlichen Provinzen, an barbarische Militärmächte, wobei sie ideell mit dem Reich verbunden blieben. Demnach müsste es heißen: 753 kroch Rom aus dem Ei und 1453 war es vorbei. Das sind über 2000 Jahre römische Geschichte, zuerst mit etruskisch-italischer, dann griechisch-ostmediterraner Prägung ! West- und Ostrom gingen jedoch oft genug eigene Wege, arbeiteten zum Nutzen der Reichsfeinde gegeneinander, wobei Ostrom häufig geschickter vorging oder die größeren finanziellen Mittel besaß. Schwere Stöße erhielt das Ostreich durch die erschöpfenden Auseinandersetzungen mit den Sassaniden und seit der islamischen Expansion im VII. Jahrhundert. Die Ansprüche des Bischofs von Rom als pontifex maximus sorgten für eine Entfremdung mit dem Westen. Herakleios (610-641) erhob Griechisch, im Osten dominierend, zur alleinigen Amtssprache. Zugleich legte er den Titel imperator ab und nannte sich fortan offiziell basileus. So macht es in der Forschung Sinn seit dieser Zeit nicht mehr von „oströmischer“, sondern von einer „byzantinischen“ Geschichte zu sprechen, aber im Eigenverständnis der Zeitgenossen mag man dies anders gesehen haben! Denn die Oströmer/Byzantiner bezeichneten sich selbst in röm Tradition als Romäi.


Innerhalb solch gewaltiger Systeme ist man Teilhaber und Nutznießer oder man hat darunter zu leiden. Vielen muß Rom wie ein gefrässiges Ungeheuer vorgekommen sein, das sich auf Kosten seiner Anrainer bereicherte. So wuchsen und wachsen „Imperien“ mit Raub, Mord, Plünderung, Vergewaltigung und Versklavung, mit allem was Menschen einander antun, in ihrer überlegenen Haltung gegenüber einem vermeintlichen „Untermenschentum“ - keine Fanfaren – kein Tusch ! Das Recht des Siegers ! Die Regierungsform spielt dabei keine Rolle. Auch Demokratien gebärden sich da nicht unbedingt menschenfreundlicher, betrachtet man z.B. die Hegemonie und Machterhaltung Athens im Attisch-Delischen Seebund des V. JhsvC. Jedes Aufbegehren oder Ausscheren seiner Mitglieder aus dem Bund wurde mit allen erdenklichen Mitteln unterdrückt. Despotisch verhielten sich die kolonialen Mächte der Neuzeit, auch unser heutiges Gebaren ist diesbzgl in manchen Dingen bedenklich, schauen wir auf die imperialistischen Bestrebungen der westlichen Mächte im Nahen Osten seit über 100 Jahren, dem Erdöl geschuldet. Jeder unterstützt diese Machenschaften, denn jeder „zapft Sprit“ und wer glaubt eine „saubere Weste“ zu haben, wie der „Stromtanker“, nutzt Plastik und die vielen Erdölprodukte.2 Im „Hier und Jetzt“ gibt es keine neutrale moralische Instanz, jedes Tun wird durch den Herrschenden, den Überlegenen, den Stärkeren seine moralische Rechtfertigung finden. So sollten die Worte des Schweizers Jacob Burckhardt ihre Gültigkeit behalten: „...in einem tiefen Mißtrauen in die bewegenden Kräfte...“, wie Kurt Köster in seiner Huizinga-Ausgabe „Herbst des Mittelalters“ von 1965 voran schrieb.

Roms Geschichte ist unvergleichlich. Ausgehend von einer unbedeutenden Stadt am Tiber mit regional begrenzter Macht hatte sich im 1. Jahrtausend vC ein unglaublicher Aufstieg vollzogen, der alles Bisherige in den Schatten stellte. Im röm. Selbstverständnis war Rom die Welt und die Welt war Rom. Das kolossale Reich bedeutete zivilisatorische Entwicklung, der Rest galt als unzugänglicher Urwald, Wüstenei oder Barbarei. Nur der Osten, der Orient, „Quell des Lichts“, wurde gleichwohl als Ursprung hoher Kultur angesehen, von dem sich bereits die Griechen genährt hatten, ohne die wiederum hohe röm. Kultur undenkbar gewesen wäre. Jahrtausende existierten im Osten in Abfolge große Reiche, nicht zuletzt das der Perser und das kurzzeitige Alexanders III. („des Großen“) von Makedonien. In den Auseinandersetzungen mit den hellenistischen Nachfolgereichen unter den Diadochen richtete sich das Bestreben der Römer seit der späten Republik in den östlichen Mittelmeerraum. Jahrhunderte später erwuchsen dort mit Parthern und Sassaniden gleichrangige Gegner, mit denen um die Herrschaft im Vorderen Orient gerungen wurde. Alle anderen Völker zwang Rom durch seine effiziente administrative und militärische Kraft zu ihm aufzuschauen. Nach dem politischen Ende im Westen 476, wirkten Sprache, Tradition, die reichhaltige Kultur und der daraus resultierende Stolz der röm. Eliten noch lange fort, zumal östliche Reichsteile, wie bereits oben erwähnt, intakt blieben. Mit dem Abstand von Jahrhunderten sollten die Vorgänge im Übergang von der Antike zum Mittelalter in der Forschung als „Transformationsprozesse“ bezeichnet werden, um den Wandlungen der Zeit gerecht zu werden. Aus moderner Sicht scheint es zutreffend...aber vor 1500 Jahren...?

Spätantike – Völkerwanderung – Frühmittelalter. Richten wir den Blick mal etwas genauer auf diese Umbruchzeit. Was verbinden wir damit? Der abgrundtiefe Fall einer blühenden Hochkultur in finstere Barbarei, die Machtübernahme von „wilden Horden“, die sich röm Sachgüter gewaltsam aneigneten, die gut ausgebaute Infrastruktur westlichs des Rheins und südlich der Donau vollkommen zerstörten, Grund und Boden neu verteilten, um Ackerbau und Viehzucht innerhalb der ehemaligen röm Stadtareale zu betreiben? Waren es die „Dark Ages“, wie sie die Engländer, mangels ausreichender britischer Quellen, bezeichnen? Oder sollte man diese Epoche nicht differenzierter betrachten? Waren alle einfallenden Völker wirklich ungezügelte Barbaren, ist diese Aussage nicht zu grob, hunderttausende über einen Kamm zu scheren, weil mißliebige röm Quellen kaum Verständnis für die „kulturlosen Wilden“ entwickeln konnten? Zieht man spätantike Autoren wie Ammianus Marcellinus, Procopius oder Salvianus von Marseille heran, waren für die röm. Zeitgenossen die nicht enden wollenden Bürgerkriege, Thronusurpationen, Glaubensstreitigkeiten, soziale Verwerfungen, Morde und Anschläge eine Zeit großer Unsicherheit bis hin zum persönlichen Martyrium, das schafften die Römer also auch allein. Die inneren Krisen des Reiches nutzten im III. Jh german. Stämme vom Rhein und Donau bis in den Schwarzmeerraum zu Einfällen, plünderten weite Landstriche oder besetzten röm Territorium dauerhaft, wie die Alamannen. Erfolgreiche Beutezüge hatten eine fatale Signalwirkung, da immer neue Scharen über die Grenzen kamen und sich deren Aktionsradien deutlich erweiterten, wenn ihnen auch auf dem Rückweg keine ernsthafte Gefahren drohten. Unter größtem Aufwand und gewaltigen Reformen in Militär und Verwaltung, gelang es Rom die Situation zu stabilisieren. Städte, auch tief im Hinterland, die aufgrund der Pax Romana seit Jahrhunderten keine Mauern gebraucht hatten, mussten nun befestigt werden. Neben lokalen Grenztruppen wurde ein mobiles Feldheer aufgestellt, mit großen Anteilen an Kavalleriekontingenten. Das verschlang Unsummen und brachte nur vorübergehende Erfolge, militärhistorisch jedoch von weitreichenden Folgen. Als die Barbareneinfälle, nun regelrechte Invasionen von großen Volksgruppen, ausgelöst durch das Vordringen der Hunnen, seit Ende des IV. Jhs immer grössere Dimensionen annahmen, mussten alle Grenzregionen die Kriegsgräuel mit Eroberung, Raub, Plünderung, Vergewaltigung, Versklavung, Geiselnahme zur Lösegelderpressung, Enteignung, Verwüstung, Hunger und Seuchen erdulden. Die Zwänge des Verlierers ! Hieronymus um 400 AD: „Mich schaudert in der Seele, wenn ich an den Niedergang unserer Zeit denke. Zwanzig und mehr Jahre sind es nun her, seit von Konstantinopel bis zu den Julischen Alpen täglich römisches Blut vergossen wird...Kirchen wurden zerstört, Altäre Christi zu Pferdeställen gemacht, die Gebeine der Märtyrer aus den Gräbern gerissen. Überall Trauer, überall Seufzen, und weit und breit ein Bild des Todes. Das Römische Reich bricht zusammen.“ Man kann sich kaum vorstellen, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in solchen Zeiten wandelten. Es gab genügend Römer, die mit den Barbaren kollaborierten, z.B. den Weg zu lukrativen Zielen wiesen und sich persönlich bereicherten. Viele Zivilisten und Militärs suchten in diesen chaotischen Zeiten Kapital aus der rechtlosen Situationen zu schlagen. Im V. Jh waren die Belastungen für den röm Staat nicht mehr tragbar, das System kollabierte. Die westlichen Reichsteile in Gallien und Spanien gingen an Westgoten und Sueben verloren. Die Vandalen hatten in Nordafrika die Kornkammer Westroms unter Kontrolle gebracht und bedrohten Italiens Küste, zeitgleich überrannten die Hunnen die röm Grenzverteidigung und legten im Westen ganze Regionen in Schutt und Asche, nachdem sie mehrfach im Donauraum zusammen mit untergebenen german Stämmen geplündert hatten. Es kam faktisch zur Selbstauflösung des weström Heeres, da es an allem mangelte. Die Truppen konnten nicht mehr besoldet werden, es gab Massendesertationen.

Was trieb german. Völker an die röm. Grenzen? Zu unterscheiden ist mit Sicherheit zwischen den Beutezügen der Kriegergruppen in der Frühphase, dem Anwerben von german Söldnerkontingenten und dem Einfall von Volksgruppen in Familienverbänden. Was veranlasste letztere angestammte Siedelgebiete aufzugeben und auf sehr ungewisse Wanderschaft zu gehen? Die Zwänge mussten extrem hoch sein, solch ein Wagnis einzugehen und alles was Sicherheit bedeutete hinter sich zu lassen. War es die Klimaverschlechterung mit dem Zusammenbrechen der Ernährungsgrundlage, drohte nach mehreren Mißernten der Hungertod, so daß kein Ausweg blieb? War es der Sog der hohen röm. Kultur mit ihren Annehmlichkeiten und den mediterranen Feldanbaubedingungen? Waren es die Römer selbst, die immer wieder german. Kontingente zu Hilfe riefen? War es der Druck benachbarter Völker und kriegerische Ereignisse, welche die Germanen zur Auswanderung zwangen, wie durch die Hunnen mehrfach hervor gerufen? Germanen hatten einen nicht unerheblichen Anteil am Niedergang Westroms, aber ihre Führung trachtete in der Mehrheit nicht danach das westliche Reich zu zerstören oder es gar zu übernehmen, dazu waren die einzelnen german. Verbände, die aus Gründen der Ernährung oft „nur“ mehrere Zehntausend Menschen umfassten, gar nicht in der Lage. Zu sehr war man untereinander zerstritten, war die alte Zwietracht unter den german. Völkern der Hemmschuh zu großen Eroberungen. Man wollte in erster Linie die Erhaltung der eigenen Familienverbände sicher stellen durch Land zum Siedeln, in einem weiteren Schritt Teilhabe am röm Reichtum und schlußendlich die Anerkennung des neu errungenen Status innerhalb des Reichsgefüges. Dafür war man bereit gegen Landzuteilung und jährlichen Sold für die Interessen Roms zu kämpfen oder sogar Tribute zu entrichten, für eine Akzeptanz durch Rom. Wie sehr Germanen die röm Oberhoheit anerkannten erweist sich alleine aus dem Kursieren und an Nachprägungen röm Goldmünzen mit Caesarenbildnissen. Münzen sind seit je her ein Symbol von Macht. Die Übernahme bedeutete zugleich Anerkennung. Eine Eigenprägung war Zeichen von politischer und wirtschaftlicher Autonomie. Und es dauerte eine ganze Weile bis german. Herrscherköpfe Goldmünzen zierten. Auf Kleingeld fanden sich eigene Abbilder frühzeitiger. Notgedrungen änderte sich der Blick röm Autoren auf die Neuankömmlinge, als sie begriffen es nicht mit kurzzeitigen Erscheinungen zu tun zu haben, nicht alleine nur mit beutehungrigen Plünderern, sondern daß man sich arrangieren musste, als die Fremden begannen sich mit Frauen, Kindern und Alten auf weström. Territorium einzurichten. Nachdem Rom aus den anfänglichen Katastrophen gelernt hatte, begann es im begrenzten Maß steuernd einzuwirken und rivalisierende Gruppierungen gegeneinander auszuspielen. Denn die Barbaren standen unter dem Zwang ihre Massen auf Wanderung zu ernähren. Das ließ sich nutzen. Romanisierte Barbaren kämpften im Auftrag Roms gegen neu einfallende Barbaren, wie Westgoten gegen Vandalen und Sueben. Die Westgoten waren bereits lange mit den röm Gepflogenheiten vertraut, mit Art und Weise der „hochmütigen röm Diplomatie“, der Arroganz und Ignoranz, der Mischung von Angebot und nachdrücklicher Forderung, der Offenheit und Verschlagenheit des Routiniers auf diesem Gebiet. Trotz der Plünderungen und den enormen Bereicherungen, welche sich die Westgoten auf Reichsgebiet angeeignet hatten, ging Rom mit ihnen Verhandlungen ein, ebenso mit Franken, Burgundern, später mit Vandalen und Ostgoten. Foederatenverträge waren bei den Barbaren von Begehr, denn damit konnten sie sich legal ein Drittel der Erträge und des Steuereinkommens der besetzten oder zugeteilten Provinz sichern, erhielten Ländereien und mussten selbst nicht schweisstreibend arbeiten, wenn man dort ansässige abhängige provinzialröm. Bauern unter Kontrolle behielt. Die Gegenleistung war die Verteidigung der Grenzen im Reichsverbund. Aus röm Sicht schwierig waren die Völker, welche dem unmittelbaren röm Kultureinfluß entzogen waren oder sich weigerten die „Segnungen der Zivilisation“ anzunehmen, wie die Sachsen, Friesen, Alamannen, Langobarden, Heruler oder Gepiden, auch wenn sie von weiter gereichten, bzw verhandelten Gütern der röm Sachkultur profitierten. Es ist natürlich eine grobe Vereinfachung von „Völkern“ als geschlossenen Ethnien auf den Wanderungen zu sprechen. Den Römern standen keine homogenen ethnischen Verbände gegenüber, sondern zusammengewürfelte große Personengruppen, Zweckbündnisse, die eine gemeinsame Identität meist erst durch schriftliche Überlieferungen viel später fanden. Vorwegnehmend werden sich aus diesem Grund nachfolgende Betrachtungen verstärkt auf Gefolgschaften richten, da die alten regionalen Sippenverbände, die an Grund und Boden gebunden waren, in der Bewegungsphase wohl zerfielen und für einige Generationen das Gerüst für die militärisch organisierten barbarischen Gemeinschaften waren. Die Zuordnung von archäologischen Funden nach ethnischen Gesichtspunkten wird heute als fragwürdig angesehen, da es bereits unterwegs zu Angleichungen und Veränderungen im Habitus der Wandernden kam.3










In dieser Umbruchphase wurden grundlegende Entwicklungen zu einer politischen Neuordnung für die kommenden Jahrhunderte gelegt. Hier sollten mit einer gewissen Kontinuität die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und militärischen Fundamente der germanischen Königreiche Westeuropas liegen, legitimiert durch das römische Vorbild. Die Nachfolger saugten begierig und zweckmäßig das Althergebrachte der antiken Welt ein, bedurften der administrativen Kraft des Bestehenden als Werkzeug und Grundlage ihrer neuen Gesellschaftsformen, verführt und geblendet von den kolossalen Hinterlassenschaften, ohne zu erkennen, wie sehr diese Leitbilder in ihren Formen erstarrt, kaum überlebensfähig, aus der Not heraus geboren oder veraltet waren. Es wurde kein Erfolgsmodell vererbt, sondern es war die dürftige Fortführung einer Kultur, die sich eigentlich selbst überlebt hatte, an ihrer schieren Größe litt und aus enormen Zwängen heraus agierte, von Kopisten, welche von der Fülle der antiken Welt über alle Maßen beeindruckt waren, sich mit ihr identifizierten, ihre eigene Herrschaftslegitimation davon ableiteten, so daß sie immer wieder darauf zurückgriffen und mit ihren Mitteln zu erhalten suchten. Dieses einst gewaltige und mächtige Rom war der Urgrund vieler Dinge und lieferte die Saat zu einer Epoche, die wir als „Mittelalter“ bezeichnen, auch wenn diese Saat erst mit den Karolingern aufging, denn mit ihnen wurden viele Standards für die nachfolgenden Jahrhunderte gesetzt.4

Rückblick auf die „Barbaren“ I.-V. Jh

Tacitus „Germania“ Kap 5: „Das Land zeigt zwar im einzelnen einige Unterschiede; doch im ganzen macht es mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck.“ Rom hatte um Christi Geburt große Gebiete östlich des Rheins und damit eigentlich das gesamte Germanien bereits als seine Provinz betrachtet, verfügte über einige Kenntnisse der Region, über seine Bewohner und wusste gut womit man es zu tun hatte. In gewohnter Weise wirkten alle Mechanismen, um die barbarische Oberschicht fügsam zu machen und Kontrolle über den Raum zu gewinnen, es hätte funktioniert, wenn da nicht... Rom besass sehr reiche Provinzen und wird sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, wieviel Wert man diesen bewaldeten Hügeln, schwierig gangbaren Gebieten, den Mooren und Sümpfen beizumessen hatte. Welche Schätze hielt dieses unwirtliche Land bereit, welche Profite würde es abwerfen? Schließlich stellte Rom seine expansiven Unternehmungen Anfang des I. JhsAD ein, nachdem die Feldzüge bis zur Elbe geführt worden waren und sicherte die Grenzen an Rhein und Donau im barbarischen Vorfeld durch umfangreiche politische Maßnahmen. Dies gelang recht gut durch Bündnissysteme, Klientelfürsten auf Gnaden Roms, mit Geiselstellung von german Fürstenkindern und deren Erziehung am Kaiserhof, später auch durch Verleihung des Bürgerrechts, vor allem durch kostbare politisch motivierte Geschenke dank wirtschaftlicher und kultureller Überlegenheit. Es ist ein interessantes Gedankenspiel zu überlegen, wie sich ein Germane auf das Forum Romanum „verfrachtet“, fühlen musste. Die Überlegenheit Roms wird durch kaum etwas augenfälliger zum Ausdruck gebracht worden sein als durch seine imposante steinerne Architektur.

Der höhere Lebensstandard auf röm Territorium bedeutete ein enormes Kultur- und Wirtschaftsgefälle in Richtung auf die Grenzen, welche, nun zurückgezogenen und teilweise durch Flüße gesichert, durchlässig waren für Güter von beiden Seiten. Rom wollte den Sieg, nicht kostspielig auf dem Schlachtfeld, sondern durch überlegene Politik und Wirtschaft. Handel und Technologietransfer brachten neue Elemente ins freie Germanien, wandelten Mode und Sitten. Es ist dort anhand der Grabfunde eine deutliche Entwicklung bis ins III. JhAD zu beobachten, hin zu wohlhabenden barbarischen Machthabern anhand von röm Luxusgütern, den neuen Prestige- und Statussymbolen. Geschenke wurden nicht nur durch die Römer verteilt, sondern auch zwischen german. Potentaten untereinander als ehrenvoll angesehen und weiter gereicht, wie es Tacitus betont [Germania, Kap. 15]. Rom wurde weithin akzeptierte Leitkultur für die barbarische Elite, welche begehrlich über die Grenzen blickte. Rom band die german. Aristokratie an sich, verteilte Bestechungsgelder zur Parteinahme oder forderte durch Zahlungen zum Stillhalten bei Auseinandersetzungen auf. Denn im Laufe der Jahrhunderte litt das Reich an schweren inneren Krisen, Destabilisierung durch immer neue Herrscherusurpatoren und den daraus resultierenden Bürgerkriegen. So verlor das Imperium zusehends an Macht und Ansehen als es nicht mehr gelang die äusseren und inneren Konflikte zu bewältigen, während jenseits der Grenzen ernst zu nehmende politische Kräfte entstanden, welche begannen ihre Herrschaft auszuweiten. Die röm Caesaren benötigten willige Kämpfer und ermunterten Einzelne oder ganze Gefolgschaften dazu, vertraglich gebunden oder gezwungen Dienst in der röm Armee zu nehmen. Die Ausweitung des röm Bürgerrechts unter Caracalla 212 AD hatte für Aussenstehende weitere Anreize geschaffen Auskommen, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in der röm Armee zu suchen. Bereits seit geraumer Weile erhielten Auxiliare der einheimischen Hilfstruppen nach Ableistung ihrer 25 Dienstjahre das röm Bürgerrecht, was auch für deren Ehefrauen und die Nachkommen galt. Somit wurde in der röm Kaiserzeit bei vielen Provinzbewohnern der soziale Status angehoben. Reformwillige Herrscher wie Diokletian und Konstantin im III./IV. JhAD versuchten mehr oder weniger erfolgreich den Verfall des Imperiums aufzuhalten, was zu einer grösseren Verstaatlichung, Bürokratisierung, enormen Steuerzwängen und einer statischen Zwangsgesellschaft führte.5 Die katastrophalen Bürgerkriege des III./IV. Jhs machten die Aufnahme von großen kriegswilligen german. Kontingenten in die röm. Armee vonnöten, entblößten die Grenzen an Rhein und Donau und verlockten weitere Barbaren zu Einfällen tief ins Reich, die sich mit Gewalt röm Gebrauchsgüter und Kostbarkeiten aneigneten, die auf anderem Weg für sie kaum zu erlangen waren. Als Abwehr wurden wiederum Germanen in Sold genommen, sofern Gelder zur Verfügung standen, ansonsten Land den kriegsgefangenen und halbfreien Laeten/Laten oder bündnisabhängigen Foederaten unter eigenem Kommando mit röm. Oberhoheit nach Vertrag überlassen, um diese Räume, die formell Reichsgebiet blieben, zu verteidigen und mögliche Plünderer an den Grenzen abzuwehren. Manche german. Besetzung wurde von so nachträglich durch Rom sanktioniert. Germanen profitierten zunehmend von den inneren Streitigkeiten im Imperium, nicht zuletzt durch die massive Aufnahme ins röm. Heer, das einen steten Verfall der Integrität nach sich zog, denn „rein römische“ Einheiten gab es bald gar nicht mehr.6Barbaren“ wollten die Teilhabe an den Segnungen und Schutz der röm Zivilisation durch Landzuweisung, Bundesgenossenschaft, Ämterzuteilung in der röm. Militärhierarchie, grundsätzlich Anerkennung und Entlohnung für Dienste, die man unter röm Standarten bereits seit mehreren Generationen leistete. Nicht zuletzt war es die wirtschaftliche und politische Überanspruchung Roms durch die nicht enden wollenden großen Zuzüge aus dem Barbaricum. In kleinem Maßstab war eine Integration kontrolliert über Jahrhunderte durchaus gelungen, denn dazu hatten einst die zahlreichen Limes-Grenzsicherungen überall im Reich u.a. auch dienen können. Doch nun brachen alle Dämme...

Der erlaubte Übergang der, vor den Hunnen Schutz suchenden Goten über die Donau 376, aber das Unvermögen der regionalen röm Verwaltung Zehntausende von Barbaren aufzunehmen, führte zu Verbitterung auf Seiten der Neuankömmlinge, die um einen Foederatenvertrag gebeten hatten, zu Aufständen, Plünderungszügen und letztlich zur Eroberung Westroms 410, noch 405 hatte man dort einen Ehrenbogen anlässlich der Vernichtung des got. Volkes aufgestellt, soso... . Auch wenn der Regierungssitz in Ravenna lag, war die Eroberung Roms durch die Barbaren einem Erdbeben vergleichbar, was das Westreich bis in alle Fugen der christlichen Gesellschaft erschütterte mit allergrößter Ratlosigkeit: „Wie konnte Gott dies zulassen?“ Fünf Jahrzehnte später wurde die Plünderung wiederholt durch die Vandalen, welche einen der unglaublichsten Züge der Völkerwanderung hinter sich brachten, nach ihrem Rheinübergang von 406/07 und langem Weg über Gallien und Spanien bis nach Nordafrika.7 Nachdem sich nun seit einige Zeit mehrere große feindliche german Verbände plündernd auf Reichsgebiet befanden, musste der röm Oberkommandierende Stilicho die Grenzverteidigung in den Provinzen weiter ausdünnen. Der Abzug von Truppen bewirkte den Zusammenbruch der röm Rheinverteidigung, den die Vandalen nutzten und brachte den Rückzug der politischen Macht Roms in den Provinzen Galliens und Spaniens, sowie die Separierung Britanniens mit sich. Damit fielen gewaltige Steuereinnahmen aus. Mit dem Verlust Nordafrikas war auch die Ernährung der stadtröm Bevölkerung nicht mehr sicher gestellt. Die katastrophale Hunneninvasion in Gallien Mitte des V. Jhs, deren Abwehr ohne westgotische Hilfe undenkbar gewesen wäre, die Usurpation des Odoaker und die Kaiserabsetzung im Westen 476 sind bekannte Eckdaten des endgültigen Niedergangs.

Salvian um 430: „Schauspielvorführungen gibt es jetzt keine mehr...Man spielt nicht in der Stadt Mainz – sie ist verwüstet und zerstört; man spielt nicht in Köln – es ist voll von Feinden; man spielt nicht in der wunderschönen Stadt Trier – sie liegt viermal zerstört am Boden; man spielt schließlich nicht mehr in den meisten Städten Galliens und Spaniens...

Für die röm. Provinzialen mag es im IV. und V. Jh oft schwierig gewesen sein Germanen als Eroberer in habitu barbaro vom Germanen im röm. Dienst zu unterscheiden, denn „Soldat“ und „Barbar“ wurden eins, selbst in den höchsten militärischen Rängen! Manche germanische Söldner kehrten nach Ableistung der Dienstzeit, vertraut mit der Errungenschaften der röm Zivilisation, in die rechtsrheinischen heimatlichen Gebiete zurück und weisen sich heute archäologisch durch röm Relikte in den Gräbern aus. Die Laeten blieben gezwungenermaßen als Siedler und Milizionäre auf Reichsboden, sind erkennbar an ihren Trachtelementen und an der Waffenbeigabe auf den Friedhöfen, streng getrennt von den röm Provinzialen, es gab anfangs wohl Heiratsverbote. Römer bestatteten ohne Waffen. Jedoch übernahmen Germanen die Körperbestattung, rechts des Rheins wurde lange Zeit eher verbrannt, bis auch dort die veränderten Begräbnissitten anlangten. Neuankömmlinge auf Reichsterritorium assimilierten die röm. Kultur, wollten in vielen Dingen Römer sein, akzeptiert werden, wie manche vor ihnen, bewirkten aber auch im gewissen Maß eine Barbarisierung“ der spätantiken röm. Welt, die bereits früh einsetzte. In den nördlichen röm Provinzen zeigte die Götterwelt eine Vermischung mit regionalen Gottheiten, die sich in der provinzialröm. Kunst darstellerisch von der mediterranen entfernte, siehe beispielhaft der Matronenkult. Röm Caesaren begannen seit dem II. Jh „barbarische“ Bärte zu tragen als Spuren der Kriege an Rhein und Donau oder im Vorderen Orient als weiterer grosser Kriegsschauplatz [Parallelen zur männl. Haarpflege der heutigen Zeit haben ähnliche Ursachen]. Viele Artefakte der Spätantike zeigen die bloße Übernahme, manche aber auch eine röm.-german. Synthese, prägend für einige Jahrhunderte. Im Osten blieb die Reichshälfte davon weitaus weniger berührt und hatte im gewissen Sinn bis 1453 Bestand. So haben sich zumindest die Oströmer, die Romäi, die erst in der Forschung „Byzantiner“ genannt werden, immer betrachtet. Sie waren keineswegs Nachfolger, sondern sie waren die Römer, wenn auch hellenisiert, aber das wurde Westrom einst auch. Die Kontinuität des Kaisertums durch oström. Herrscher ist von den Zeitgenossen lange Zeit nicht angefochten worden. Es gab nur einen Kaiser, einen Herrscher der Welt, der saß in Konstantinopel. Der Ostgote Theoderich an den oström Kaiser Anastasios I, Anfang des VI. Jhs: „Ihr aber seid die schönste Zierde aller Reiche. Ihr steht dem ganzen Erdkreis zu seinem Heile vor, und zu Recht erkennen die übrigen Herrscher und vor allem wir dies an...Unser Königtum ist ein Abbild Eurer Herrschaft und insofern wir Eurem guten Vorbild folgen, dem einzigen Beispiel für ein Kaiserreich auf Erden, gehen wir den anderen Völkern voran.“8



...„immer die ollen Öme (Römer)“…

nun geht’s aber los mit dem „Mittelalter“... und das weiter recht ausführlich, denn in der Zeit nach der Völkerwanderung wurden Grundlagen für Jahrhunderte gelegt. Viele Dinge im HMA/SMA waren für mich erst zu verstehen, nachdem deren Ursprünge im FMA erkannt wurden.




Historischer Kontext FMA:

Eine Volksgruppe sollte aus den Wirren dieser Zeit zu den neuen Herren Europas aufsteigen, die Franken. Ursprünglich siedelten sie rechtsrheinisch, überschritten auf Plünderungszügen immer wieder den Rhein in die Germania Secunda, bis Teilstämmen ab Mitte des IV. Jhs nördl. der Straße Köln-Boulogne in „Toxandrien“ Siedelland auf röm Territorium vertraglich überlassen wurde, das sie im Reichsverbund zu verteidigen hatten. Ihre Dienste wurden durch Rom mit Landzuteilungen und barer Münze entlohnt.

Im Gegensatz zu Goten oder Vandalen, die auf ihren langen Wanderungen große Teile des Westreichs durchquerten, hielten Franken ihre Bündnisverträge und Siedelgebiete in den nördlichen Teilen Galliens und Niedergermaniens ein. Das brachte Vorteile. Die Sozialstrukturen konnten sich über Jahrhunderte konsolidieren, während wandernden Völkern dies nicht gelang.9 Die Franken erweiterten ihr Gebiet erst mit dem Verfall der weström. Reichsregierung, nachdem die Soldzahlungen aus Rom ausblieben. Hatte sein Vater Childerich noch im röm Dienst gekämpft, begann mit Chlodwig zum Ende des V. Jhs die große Phase der fränk. Expansion durch Unterwerfung der röm. Rest-Reiche des Syargius und Arbogast in Gallien. Diese Gebiete besaßen eine hohe Urbanität und gute Infrastruktur, auch wenn die Wirtschaft durch Wegfall des Hauptabnehmers, der röm. Armee, schrumpfte. Viele Städte schützte eine steinerne Mauer, wobei nach der fränk. Eroberung ein Rückfall in rustikale Siedlungs- und Wirtschaftsformen zu beobachten war. Trotzdem blieb die gallo-römische Stadtkultur der rechtsrheinischen Stadtentwicklung voraus, ein möglicher Grund für die verfeinerte Kultur im Westen, die dem rechtsrhein. Raum über Jahrhunderte immer neue Impulse geben sollte. Städte Galliens waren Heimstätte für Handwerker, Kaufleute und die alteingesessenen Senatoren, die nunmehr durch die neuen fränk. Herren entmachtet, weniger in der Politik, sondern in der Kirche hohe Ämter besetzten. Das Christentum war seit hundert Jahren im Röm. Reich Staatsreligion, hatte auch nach der german. Eroberung Bestand und kann als „Stadtreligion“ bezeichnet werden, mit für den Gottesdienst umgewandelten Basiliken. Die festen Strukturen der einstigen spätröm Verwaltung mit Praefekturen, Diözesen und Provinzen wirkten in der Kirchenverfassung fort, genauso wie das alte unpersonale Recht der „res publica“ im Kirchenrecht seinen Nachfolger fand. Die fränk. Bistümer übernahmen recht weltliche Aufgaben und waren keineswegs „romhörig“. Fränkische Herrscher bemühten sich um Kirche und Bischöfe mit Ämterzuteilung und durch wertvolle Geschenke in Form von Land, Gewändern, Kleinodien, Sklavinnen oder Reliquien.

Demgegenüber war die fränkische Herrschaft, die vornehmlich den ländlichen Raum erfasste, durch Treueschwüre auf Personen gekennzeichnet. Hier waltete ein personales Recht mit persönlichen Verpflichtungen in den Sippen- oder Gefolgschaftsverbänden, den traditionellen Stützen der german Gesellschaft.10 Die spätere Verschriftlichung der Volksrechte zeigt überwiegend das germanische, bei manchen Völkern, wie den romanisierten Westgoten, aber ebenso den Einfluß des röm. Rechts. Die neuen fränk. Herren übernahmen das röm. Steuer- und Münzwesen und schafften die Sklaverei, den Motor der antiken Wirtschaft, nicht vollends ab. Eigentumsverhältnisse änderten sich. Aus röm Herren wurden Sklaven, sofern sie nicht zur Zusammenarbeit bereit waren. Die röm Bauern-Pächter (Kolonen) fanden neue Herren und bildeten den Grundstock der späteren Hörigen. Das Absinken des sozialen Standes dieser Halb- und Unfreien quasi zu Leibeigenen war die fatale Entwicklung der Folgezeit.

Im ehemalig röm. Gallien waren die Franken in der Unterzahl gegenüber der provinzialrömischen Bevölkerung. Der Übertritt der fränkischen Herren zum röm.-katholischen Christentum um 500 war ein Meilenstein für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Der verordnete Glaubenswechsel betraf zunächst nur die Oberschicht und den engeren Bereich um Chlodwig. Die Leibgarde und sein Hofstaat wurden gleich mitgetauft, damit es keine Unruhen oder religiös motivierte Umstürze in unmittelbarer Nähe des Königs gab. Als „kathol. König“ konnte Chlodwig fortan Bischöfe einsetzen und mit ihrer Hilfe Regionen behaupten. Die Bekehrungen ging sozial von oben nach unten vonstatten. Aber es sollte noch Generationen dauern, bis alle Franken zum kathol. Christentum übertraten. Die letzten Heiden im Raum Lüttich wurden erst um 730 getauft.

Chlodwig musste nach der Taufe allerdings ein paar aussenpolitische Schlappen einstecken und es wundert, daß er sich an der Macht halten konnte. Für viele Germanen war die Friedensbotschaft des Christentums schwierig zu verstehen. Christus musste ein starker Gott sein, zur Abwehr der dämonischen Mächte. Man konnte ihm nur folgen gleich dem Treueverhältnis des Kriegers zu einem erfolgreichen Herrn. Bis in die Romanik findet sich die Darstellung von Christus als König oder Weltenherrscher. Man beachte hinzu den hohen Stellenwert der Soldatenheiligen im FMA, wie Victor, Georg, Gereon, Mauritius und vor allem Martin von Tours, der durch Chlodwig zu einem der wichtigsten Heiligen der Merowinger instrumentalisiert wurde. Er diente als Leitfigur im Kampf gegen die arianischen Westgoten, von Tours aus, dem oft umstrittenen Grenzort an der Loire, bevor er offiziell den Schutz des Königshauses übernahm. Martin wurde Patron vieler Kirchen überall im Reich, die ihre Gründungsdaten in den frühmerowingischen Zeiten hatten.

V.-VIII. Jh



...nach dem Hunnenüberfall („TW Attila“)



Gürtel der Merowingerzeit (MWZ)

Fibelreplikate V.-VII. Jh



eis = Eisen, vz = verzinnt, me = Messing, bz = Bronze, ws = Weißmetallüberzug

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Grundsätzlich galten die german. Franken nun nicht mehr als fremde Barbaren in Gallien und es konnte eine Völkermischung statt finden, die woanders lange Zeit unmöglich war, vielfach auch per Gesetz verboten wurde. Denn West-und Ostgoten oder Vandalen waren Anhänger des christl.-arianischen Glaubens, der im röm. Ostreich stark ausgeprägt war und ostgerman Stämme beeinflußte. Sie standen nach der Wanderung und Inbesitznahme von röm Territorium in Opposition zur röm.-kathol. Bevölkerung (Unterschied lag in der Deutung der Dreifaltigkeit und Person Christi zu Gott als wesensgleich oder -ähnlich). Im Vandalenreich kam es mehrfach zu Katholikenprogromen, ein Grund für die „schlechte Presse“ in der Historie für diese ostgerman Völkergruppe in Nordafrika. Viele der Ausschreitungen waren politisch motiviert, denn es galt die vandal. Herrschaft zu sichern, indem man mit der ehem röm Aristokratie zugleich den kathol Klerus ausschaltete. Auf Dauer waren die Verhältnisse nicht haltbar und die Westgoten folgten dem fränk. Beispiel 589, auch die Langobarden in Italien sollten im VII. Jh so verfahren. In beiden Fällen führte „diese gesellschaftliche Öffnung“ zu einem Verfall der eigenen german. Kultur und zu einer spätröm. Kulturblüte. Ostgoten oder Vandalen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, ihr Reiche hatten keinen Bestand.

Denn unter Justinian (reg 527-565) hatte Ostrom erfolgreiche Feldzüge gegen die Vandalen in Nordafrika und Ostgoten in Italien geführt. Der Kaiser verstand sich als Statthalter Christi auf Erden. Der Papst im Westen galt für ihn als Bischof von Rom, mehr nicht.11 Vor Karl dem Großen erklärte sich kein Germane zum Kaiser! Im Westen war eine klare militärische Rangfolge wichtiger als der anfechtbare Kaisertitel, nur zu oft mußte man erleben, wie schwach diese Position durch immer neue Usurpatoren war. Die Oberhoheit des östlichen Kaisertums blieb unangetastet und hatte vor allem im Osten enorme Wirkung auf Slawen und die frühen Rus-Reiche. Die fränkischen Herrscher erhielten durch eine gemeinsame Frontstellung gegen die Goten Anerkennung und Legitimation vom oströmischen Kaiser, dessen Traum von einer Wiedererrichtung des römischen Reichs im Westen nach ersten beachtlichen Erfolgen letztendlich aber scheiterte. Die Franken betrieben einen Schaukelkurs, offiziell für, inoffiziell gegen den Kaiser. So ließ sich von allen streitenden Parteien das Optimum heraus holen. Im Zuge der Ausrichtung gen Konstantinopel kamen nicht nur finanzielle Zuwendungen, sondern mit diplomatischen Geschenken auch oströmische Modesitten und Sachgüter in den Westen („imitatio imperii), nicht zuletzt durch die Einmischung in die italienischen Auseinandersetzungen oder später im Umweg über Baiuwaren und Langobarden. Das ist archäologisch u.a. an der vermehrten Übernahme goldener almandingeschmückter Objekte erkennbar, die bereits seit dem V. Jh stilbildend den Westen erreicht hatten, der Übernahme der Scheibenfibel in Ablösung der Mehrfibeltracht in der Frauenmode Wende VI./VII. Jh, an Kleidungsstücken aus Seide, nicht nur in Frauengräbern, sondern auch bei Männern (siehe „Herr von Morken“ gegen 600), an den Goldgriffspathen oder verzierten Spangenhelmen, spezifischen Gürtelschnallen und mehrteiligen Gürtelkombinationen uvam.



Europa vor der fränk. Expansion und der Eroberung Italiens durch die Ostgoten Ende V. Jh



Die Datierungen zwischen 450 und 720 folgen der Chronologie von Ament mit einer älteren, bzw der frühen MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) und einer jüngeren, bzw der späten MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh). Genau genommen müsste natürlich auch das „mittelmerowingische“ noch eingeschoben werden, aber die beiden vorgenannten Zeitabschnitte zeigen eine deutliche Zäsur um 600 und das soll damit genügen.



Die fränkische Expansion unter dem Herrscherhaus der Merowinger, unterstützt durch Ostrom

Die Phase der älteren, bzw frühen MWZ: Einleitend Prokop [Gotenkrieg V, 12]: „...röm. Soldaten standen im äussersten Teil Galliens als Besatzung. Da sich diese sagen mussten, daß sie niemals nach Rom zurückkehren würden,...übergaben sie sich und das Land, das sie für den röm. Staat bewachen sollten,...Sie überlieferten ihren Nachkommen die väterlichen Sitten, die diese bis auf meine Zeit [Mitte VI. Jh] ehren und heilig halten. Sie sind heute nach gerade so eingeteilt, wie sie einst im röm. Dienst standen, ziehen mit denselben Feldzeichen in den Kampf und gehorchen immer noch ihren alten Gesetzen. Sie sehen auch ganz wie Römer aus, besonders durch die Kopfbinden, die sie tragen [vermutlich Schutz unter den Helmen ?!].“ Chlodwig erweiterte seine Machtsphäre in der Wende V./VI. Jh nicht nur auf Kosten der ehemaligen reichsröm. Territorien, wie des hier erwähnten Syagrius-Reiches, sondern ging auch skrupellos gegen seine fränkischen Stammesgenossen vor und beseitigte innerhalb von zwei Jahrzehnten ein Kleinkönigtum nach dem anderen durch Bestechung, Hinterhalt, Meuchelmord, Intrigen und Verrat. Seine Nachfolger, Franken aus dem Herrschergeschlecht der Merowinger (vom mythischen Urahn „Merowech“), waren untereinander vielfach zerstritten, sollten sich aber weiterhin extrem aggressiv gegenüber ihren Nachbarn gebaren und eiferten in diesem Punkt dem alten „gefrässigen römischen Raubtier“ der Antike nach. Dieser Expansionsdrang traf auf die ebenfalls expandierenden Alamannen, welche weit nach Osten an den Lech, nach Süden in die heutige Schweiz, ins Elsaß und nach Norden entlang des Rheins bis ins heutige Hessen siedelnd, vorgedrungen waren. Chlodwig schlug sie mehrfach und nur durch das Einschreiten des mächtigen Ostgoten Theoderich, der in Italien residierte, konnten sie vor dem völligen Untergang bewahrt werden. Theoderich bemühte sich ein germanisches Bündnisgefüge durch geschickte Heiraten zustande zu bringen, um durch germanische Einigkeit Ostrom von Rückeroberungsgelüsten abzuhalten. Obwohl Chlodwig seine Schwester Audofleda Theoderich zum Heiratsbund gereicht hatte durchkreuzte er und seine Nachfolger die Pläne des Ostgoten. Die Expansionsgelüste der Franken stifteten ständige Unruhe und brachten die Bemühungen Theoderichs aus dem Gleichgewicht. Der Übertritt Chlodwigs zum katholischen Glauben war geradezu eine Kampfansage (das Großbündnis des Theoderich hatte arianischen Charakter), der fränk Angriff auf die Westgoten erst recht. Letztere hatten bereits Anf. des V. Jhs an der franz Westküste das erste autonome Königreich innerhalb des röm Territoriums gegründet. Theoderich ließ die Provence besetzen, um die Franken vom Mittelmeer fern zuhalten. Franken und Goten entwickelten gewaltige Antipathien, das wusste Konstantinopel geschickt zu nutzen und begann die Franken mit Geschenken zu umgarnen. Ostrom hatte kein Interesse an vereinigten Germanenstämmen, deshalb kam ihm die renitenten Frankenkönige gerade recht ! Als es in Burgund zu Unruhen kam und die Franken eingriffen, konnten die Ostgoten nicht untätig bleiben und mussten sich erneut positionieren, um den Franken Einhalt zu gebieten, was aber nicht lange währte. Denn nach dem Ableben Theoderichs 526 brach dessen Bündnissystem schlagartig zusammen. Die fränk. Königsbrüder fielen genauso über die Burgunder wie über die Thüringer her. In mehreren Feldzügen gerieten sie innerhalb weniger Jahre unter die Herrschaft der Franken, welche von Mosel und Rhein bis an Weser, Werra und Elbe vordrangen, als Angriff auf das ehem. arianisch-gotische Bündnissystem, dem auch die Thüringer angehörten, die, in eigene Thronwirren verwickelt, leichtsinnig die Franken zu Hilfe riefen. Diese kamen, unterwarfen und herrschten nun selbst. Der Verlauf des Vorstoßes läßt sich heute noch an den Ortsnamen ablesen, „Frankfurt“ als Mainübergang war von strategischer Bedeutung, wurde ausgebaut und der Raum blieb bis ins hohe Mittelalter Krondomäne. Die Heerstraße folgte dem Kinzigtal nordostwärts Richtung Fulda, weiter über Hersfeld zur Werra. Auch die fränk. Besiedlungen entlang des Main flußaufwärts über Virteburch/Würzburg ins heutige „Frankenland“ war Folge der sichernden Maßnahmen gegen das Thüringerreich. Es erstreckte sich bis in die nördlichen Teile des heutigen Bayern, bis an den Main, nach anderen Quellen bis an die Donau. Der Merowinger Dagobert I. setzte in der 1. Hälfte des VII. Jhs in Thüringen dux Radulf als Amtsherzog ein, welcher wohl in Würzburg residierte, um das Herzogtum gegen vordrängende Slawen zu sichern. Diese Räume wurden ausschließlich in den Herrschaftsbereichen „frankisiert“. Es fanden, bis auf Sicherung strategisch wichtiger Punkte, kaum nachweisbare Umsiedlungen statt. Die heimische Bevölkerung bekam Herren auf fränk. Gnaden und behielten eine gewisse Eigenständigkeit. Es gelang zwischenzeitlich immer wieder das fränk. Joch abzuschütteln, so daß z.B. das ehemalige westgot. Aquitanien an der Atlantikküste ein eigenständiges Herzogtum mit hochstehender kultureller Blüte entfalten konnte. In der Folgezeit wurde ein fränk. Machtraum geschaffen, der die alte röm. Kulturgrenze an Rhein und Donau weit hinter sich ließ. Abgrenzungen gab es nach Norden und Osten in den Raum der Friesen, Sachsen und Slawen, die lange mit den Franken rangen. Die häufigen Auseinandersetzungen mit den Sachsen, Karls des Großen „Sachsenkriege“ Ende des VIII. Jhs waren nur der Schlußstrich, hatten die Franken über zwei Jahrhunderte gezwungen ihre Vormarschwege strategisch mit Festungen zu sichern. An der Ruhr wurde z.B. die alte sächs. „Syburg“ Instand gesetzt, auf dem Weg von der Wetterau über Nordhessen zur Weser die Missionsorte Amanaburch/Amöneburg, der „Christenberg“, Frankenberg a.d. Eder oder die „Büraburg“ bei Fritzlar befestigt, neben vielen kleinen Sperreinrichtungen, die bsplw Furten sicherten. In Richtung Korbach liegen dann Orte mit dem Namen „Sachsenberg“ und „Sachsenhausen“, in denen vermutlich konzentriert Unterworfene angesiedelt wurden.

Was war der Motor für diese fast zwanghaft wirkenden Eroberungszüge der Franken, für dieses extrem aggressive Verhalten? Warum verebbte ihr kriegerischer Geist nicht im Laufe der Generationen? Warum kamen sie nicht zum Stillstand und eroberten große Teile Westeuropas, während andere Völker sich zur Ruhe setzten und begannen „die Früchte zu geniessen“? Eine religiöse Motivation, wie später bei den Arabern gab es nicht. Sicherlich lockten Schwächen bei den Nachbarn und günstige Momente, bzw. Machtkonstellationen, aber rechtfertigt dies fortwährende Expansionsbestrebungen? Mglw lag in der Rivalität zu den Goten und der Strategie die Einkreisung des arianischen Bündnissystems des Theoderich zu zerschlagen, der Grundmotor der Expansion? Vom Zerfall des italischen Ostgotenreichs in der Mitte des VI. Jhs, das ihnen solange Einhalt gebot, profitierten die Franken zweifelsohne, welche ihre Machtsphäre nun deutlich in den alpinen Raum erweitern konnten. Die Franken hatten aus den verwinkelten Schachzügen Theoderichs gelernt, der sie mehrfach austrickste, wie beim gemeinsamen Vorgehen gegen die Burgunder. Nun waren sie „lachende Dritte“ im Konflikt zwischen Ostrom und Ostgoten mit Errichtung ihrer Herrschaft bis an die Enns, den Grenzfluß zu den Awaren. Alamannen und Baiuwaren gerieten vollends unter fränkische Kontrolle, obwohl es ihren Herzögen in der Folge immer wieder gelang zeitweilig Unabhängigkeit zu erlangen, um allerdings nach militärischen Niederlagen erneut als Bittsteller ihr Herzogtum auf fränk Gnaden als Lehen erhalten zu müssen. Die Franken setzten südlich der Donau und ostwärts des Lech das Haus der Agilolfinger als Amtsherzöge ein. Der Stammesverband der Baiuwaren hatte den Grabbeigaben nach zu urteilen eine interessante, sehr inhomogene ethnische Zusammensetzung, es finden sich heimisch romano-keltische Relikte genauso wie in der Frühphase des V./VI. Jhs alamannische und thüringische Anteile, hinzu kamen ostgotische und langobardische, wie später awarisch-donauländische Elemente. Wobei wir lange Zeit hergegangen sind und haben Objekte mit Ethnien verbunden, was die moderne Forschung differenzierter betrachtet. Weist die Zangenfibel südlich der Donau auf die Thüringerin hin, auf eine grössere Migration oder die einzelne im Falle einer Heirat? Ist das westgotische Grabensemble mit den markanten Silberblechfibeln in Grab 472 von Rödingen bei Jülich vor den Toren Kölns Zeichen des fränkischen Siegs Anf. des VI. Jhs? Brachte der Franke bloß die fremdartigen Objekte mit nach Hause oder die Frau als kostbare Beute gleich mit? Das Recht des Siegers ! Die Fibeln befanden sich im Grab nicht nach gotischer Sitte an den Schultern, sondern nach fränkischer in Hüfthöhe.12 Hatte sich die Gotin der regionalen Mode angepasst oder war die Positionierung schlichtweg Ausdruck des Bestattungsvorgangs der fränk. Herrin? Denn bestattet haben ihre Angehörigen nach örtlichen Begebenheiten. Genau genommen wurde nur das Totengewand verschlossen, mehr nicht...aber damit sind wir schon bei Detailfragen.

Durch Erbteilung entstanden fränk. Teilreiche, die nicht vollkommen selbständig und in sich geschlossen waren, sondern eher als unterschiedliche Verwaltungssektoren eines gemeinsamen Landes angesehen werden müssen. Die Teilherrscher agierten trotz innerer Zwistigkeiten meist gemeinsam in der Aussenpolitik. Reiche wurden im FMA nicht ausschließlich über die räumliche Ausdehnung definiert, sondern über Personen und deren Stellung zum Herrscher, also über unterschiedliche Tribut-, Klientel- und Vasallenverhältnisse mit mehr oder weniger selbständigen Regionen; vor allem bei nomadischen Völkern waren dies markante Säulen der Herrschaft, denn Ländereien gab es nicht zu verwalten. Stämme konnten ihre Eigenständigkeit und ihre Anführer behalten, wie bsplw Herzog Tassilo bei den Baiuwaren, allerdings kontrolliert durch fränk. königstreue Stellvertreter. Aufstände zeigten, wie fragil die personell „dünne“ Herrschaft oft war, destabilisiert nach jedem Königswechsel und durch immer neue Rivalitäten aufgrund der schlechten Erbteilung im königlich-merowingischen Herrschaftsgefüge. Als probate Mittel der Machtsicherung galten Bündnis- und Heiratspolitik, wie Besetzung strategisch wichtiger Punkte durch fränk. Herren (Grafen und Gefolgschaftsführer) oder paktierende einheimische Adelige, die sich bei Umritten von der alteingesessenen Bevölkerung Treueeide schwören liessen.13 Zukünftig sollte jede Herrschaft ähnliche Formen zeigen. Macht basierte auf personalen Bezügen! Herrschernähe konnte eine mögliche Standeserhöhung mit sich bringen, also wurde sie bewußt gesucht.

Die Teilreiche der Franken unter merowingischen Herrschern Mitte VI. Jh

Die Phase der jüngeren, bzw späten MWZ: Weil das Haus der Merowinger dem german Erbrecht folgte, das heißt der Aufteilung von Herrschaftsgebieten unter den Söhnen, wurden die fränk. Herrschaftsbereiche immer wieder von großen Bruderkriegen erschüttert. Das sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes als verheerend erweisen. Könige wurden ermordet, abgesetzt, junge Nachfolger in die Verbannung oder ins Kloster geschickt. Frauen besassen im Herrschaftsgefüge eine starke Stellung, als Königinnen oft mit eigener Kanzlei und ihren Beamten, beanspruchten sie stellvertretend die Macht, wenn es an geeignetem männlichen Nachfolgern mangelte. Polygame Verhältnisse der merowing. Könige mit mehreren Ehefrauen, hinzu Konkubinen, vereinfachten die familiären Strukturen nicht gerade. Das Haus der Merowinger ist für Historiker ein kompliziertes genealogisches Gebilde, für den Laien schwierig zu durchschauen. Mehrfach gelang es kurzzeitig starken Herrschern, wie bereits Chlothar I. im VI. Jh, auch im VII. Jh mit Chlothar II. (613-29), Dagobert I. (632-39) oder Childerich II. (673-75) die Teilreiche in einer Hand zu einen. Allerdings mussten immer wieder Zugeständnisse an den Adel gemacht werden, wie die Wahl von gräflichen Königsbeamten ausschließlich aus den ansiedelnden Grundbesitzern heraus und Einsetzung von Hausmeiern in den jeweiligen Teilreichen, so daß jene Eigenständigkeiten behielten, was Rivalitäten niemals ausschloß. Erfolgreich und beständig gelang es starken Hausmeiern, wie Karl Martell (714-41) oder Pippin dem Jüngeren die Einigkeit herbei zu führen, nachdem merowingische Könige nur noch als Herrschermarionetten fungierten, damit sind wir bei den „Karolingern“.



Exkurs: Die gesellschaftlichen Strukturen im Wandel von der Spätantike zum FMA

Blick zurück auf die instabilen Zeiten der Völkerwanderung mit Zerfall des röm. Reichsverteidigung im V. Jahrhundert. Röm Provinzkommandeure und Großgrundbesitzer, ebenso german. Gefolgsherrn (neudt. „Warlords“) hielten sich Privatsoldaten, die buccellarii („Brotleute“ von bucella = Zwieback), als Haustruppen und Leibwachen, welche sie besoldeten und ausrüsteten. In der Regel waren diese Elitesoldaten beritten. Zuzug erhielten jene durch junge Krieger, die sich bei den Herren gegen Sold oder Sachleistungen verdingten. Solche Gefolgschaften waren seit der röm. Kaiserzeit archäologisch mit „Herrengräbern“ bei den rechtsrheinischen Germanen zu beobachten, obwohl diese Gesellschaftsform wohl erheblich weiter in die Vergangenheit zurückweist. Sie sollte vor allem für den Kern der Militärstrukturen mit der Völkerwanderung kennzeichnend werden und in den „Ministerialen“ des HMAs mit neuer Rechtsstellung und erweiterten Aufgabenbereichen in abgewandelter Form bestehen bleiben. Eine auf Eid basierende Gefolgschaft wurde zum Rückgrat der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaft, nicht nur in militärischen Belangen. Die Mitglieder werden durch regelmässige Zuwendungen, Donative, Privilegien und Stellung der Waffen durch die Herren besser ausgerüstet gewesen sein, als der freie german Grundbesitzer, der zum Heerbann gezogen wurde und persönlich für seine Bewaffnung aufkam, dafür eine gewisse Abgabenfreiheit genoß [siehe dazu auch Anmerk. unten zu den Illerup-Funden mit einer mgl. erkennbar Hierarchie]. Gefolgschaften befanden sich nicht nur am Königshof, sondern auch bei Herzögen und Grafen, Bischöfen und grossen Grundbesitzern, wer auch immer sich eine Haustruppe, durch Eid gebunden, leisten konnte. Das Gefolge erwartete Gegenleistungen. Die Führer/Herren waren zu Erfolg, Einkommen und Beute verdammt, um ihre Position zu halten. Nicht selten ließ sich der hohe Standard nur durch kriegerische Aktionen halten. Das erklärt manche Kommandounternehmen der Südgermanen zwecks Beutegewinn auf röm. Territorium in der Spätantike, ebenso wie Plünderungen durch ihre Schiffe an den westeuropäischen Küsten (von den Römern generell als „Sachsen“ = Piraten bezeichnet), nach einem Muster, dem später die Nordgermanen, bzw Nordmannen folgen sollten. Auch die Reitervölker, wie die Hunnen oder später die Awaren, standen unter gleichen Zwängen, da deren gesellschaftlich-militärische Strukturen ähnlich aufgebaut waren. Neben den Sippenverbänden wird man von schnell agierenden berittenen Gefolgschaften ausgehen können. Die nomadische Lebensweise erleichterte die rasche Konzentrierung und das flüchtige Auseinanderziehen der einzelnen Gruppierungen. Doch durch die Nähe zur röm Grenze wandelte sich das bisherige friedliche nomadische Leben. Beutezüge und Tributzahlungen Roms machten das Kriegshandwerk zunehmend attraktiver. Grundbesitz war bei allen Gefolgschaften nicht von Interesse, sondern klein dimensionierte oder bewegliche Habe, Rohstoffe, Vieh oder auch Frauen als Beute, eher von „sachlichem Wert“. Sie wurden ausgelost, verschenkt oder als Lohn versprochen und galten keineswegs als erkorenes Ehrgeschenk. Für die Römer mussten solche Überfälle immer kriegerisch motiviert erscheinen, doch für barbarische Gesellschaften, die kein staatliches Gewaltmonopol kannten, waren Raubzüge von kleinen Gruppen probate Mittel, um Beute und Prestige zu gewinnen, damit gesellschaftliche Anerkennung oder die Jugend im Umgang mit Waffen zu schulen. Dahinter standen keineswegs Kriegsabsichten ganzer Stämme, denn deren Anführer hatten auf diese „Waffenübungen“ oder auch das Fehdewesen oft nur wenig Einfluß. Römische Grenzeinheiten (limitanei) als Milizionäre und jegliche Volksaufgebote waren den Berufskriegern der Gefolgschaften nicht gewachsen. Die Aufgabe der „Grenzer“ war die Verteidigung von festen Punkten, bis das reguläre röm Feldheer (comitatenses) nahte. Aus diesem Grund begann Rom germanischen Völkern als Foederaten, vertraglich zugesichert, in den Grenzbereichen Land abzutreten, da ihre kriegerische Lebensart zur Verteidigung des Reiches beitragen sollte. Die Überlegenheit der Berufskrieger und der Gefolgschaften, mit ihrer Sucht nach Anerkennung und Beute, wird in den nachfolgenden Jahrhunderte immer wieder zu beobachten sein, bei den Angriffen der Wikinger, den nomadischen Reitervölkern bis hin zu den Condottiere und ihren Kontingenten des HMAs, bzw Kompanien des SMAs mit Berufsoldaten und Söldnern. Sie standen oft ausserhalb der Gesellschaft, waren nicht saturiert, sondern gewaltbereit und „wollten was“, eine latente Gefahr für jede zivile Gemeinschaft.

Rom siedelte gezielt Germanen an, konnte aber nicht verhindern, daß sich auch ungewollt die ersten barbarischen Königreiche auf röm Reichsboden konsolidierten. Dabei kam es zu gravierenden gesellschaftlichen Umstrukturierungen und Umverteilungen an Grund und Boden gegenüber der einheimischen Provinzbevölkerung. Für die Germanen waren es durchaus schwierige Prozesse aus der Bewegung in die Seßhaftwerdung zu kommen. Prokop Vandalenkrieg III, 5: „Wenn sich aber unter der einheimischen [nordafrikan. röm.] Bevölkerung jemand durch Ansehen und Wohlhabenheit auszeichnete, so machte ihn Geiserich zum Sklaven und schenkte ihn samt seinem ganzen Besitz an Land und anderen Gütern seinen Söhnen ...Den übrigen Libyern nahm er den größten und besten Teil ihrer Ländereien und verteilte sie unter die Vandalen; diese Güter haben bis auf den heutigen Tag den Namen „Ackerlose der Vandalen“ behalten. Die alten Besitzer [Kolonen?] blieben frei und durften, ganz verarmt, ihren Aufenthalt beliebig wählen. Alle Güter, die Geiserich seinen Söhnen oder anderen Vandalen geschenkt hatte, sollten steuerfrei bleiben; wo der Boden schlecht war, überließ er ihn den früheren Eigentümern, legte aber so hohe Steuern darauf, daß ihnen vom Ertrag so gut wie nichts blieb. Viele wurden verbannt oder getötet[vor allem wenn] … jemand sein Geld versteckt halte! So blieb den Libyern keine Mißhandlung erspart.“ Solche Vorgänge werden sich zeitgleich nicht nur in Nordafrika, sondern auch in Süd- und Westeuropa abgespielt haben. Aus Herren wurden Untergebene. Nicht immer mündete das in eine versklavte Leibeigenschaft, viele röm Freie wurden schlichtweg unfrei, manche waren es vorher schon, in der Forschung als „halbfrei“ bezeichnet, befanden sich also bereits in gewisser Abhängigkeit, wenn sie z.B. als Pächter/Kolonen Staatsland bewirtschafteten. Sie zahlten nicht mehr an röm Großgrundbesitzer oder an die Stellvertreter des Kaisers, sondern entrichteten ihre Abgaben nun an eine barbarische Militärelite, eine dünne Herrschaftsschicht gegenüber Millionen von einheimischen Provinzialrömern. So manche Arbeiter auf röm Landgütern werden den Eigentumswechsel kaum spürbar bemerkt haben. Viele angesehene Römer kollaborierten, vor allem in Bereichen der Verwaltung und Steuereintreibung, unverzichtbar für die neuen Herren. Es war wichtig für die neuen barbarischen Königreiche Steuereinnahmen zu erhalten. In Nordafrika wurden, wie oben beschrieben, große Flächen durch Los unter vandalische Freie (vandal froia = Herr) aufgeteilt, die man zum Kriegsdienst im Heerbann verpflichtete, dafür aber Steuerfreiheit erhielten, also keine Einnahmensquelle für den Herrscher. In Nordafrika wurden die Aufteilungsprozesse begünstigt durch den Umstand, daß die größten Ländereien urspl Latifundien des Kaisers oder Eigentum der röm Senatsaristokraten in Rom waren. Die ehem. Nutznießer befanden sich also weit weg. Die neuen barbarischen Grundbesitzer mussten sich nicht zwingend die Hände schmutzig machen, wenn sie röm „Pächter“ auf den Feldern beließen. Germanen übernahmen einfach die funktionierenden röm Mechanismen und glichen sich in vielen anderen Belangen den ehemaligen Herren an. Hier liegt eine der Grundstrukturen für das mittelalterliche Hörigen-System. Wobei es grundsätzlich eine feine Abstufung zwischen Pächtern mit einer gewissen Freizügigkeit, halbfreien Pächtern, welche nicht ohne Zustimmung des Eigentümers handeln durften und weisungsgebundenen Unfreien gab. Das letzte Glied in der Kette bildeten Leibeigene, Knechte, Sklaven. Die Entwicklung im HMA war eine fatale Angleichung der Verhältnisse von Halb- und Unfreien zu Sklaven, eine Verdinglichung zu menschlichen Ressourcen.

G. M. Berndt [DKdVa, S. 181] vermutet, daß sich die militärischen Hierarchien in dieser Phase der Sesshaftwerdung begannen aufzulösen. Das Zweckbündnis der Gefolgschaft auf der Wanderung zerfiel zugunsten einer zivilen Gemeinschaft. Prokop erwähnt in diesem Zusammenhang in den 440er Jahren die Ernennung von 80 Chiliarchen (Tausendschaftsführern) als eine Variante der vandalischen Heeresreform. Wir hätten demnach eine Entwicklung von professionellen Kriegern zurück zu Milizionären im Heerbann, der bekannten Form aus der german. Heimat östlich des Rheins, urspl. mit Hundertschaften, nun erweitert um eine übergeordnete Einheitsgröße, geschult an griech/röm Militärtaktik. Bei den Vandalen musste es aber nicht zum Verschwinden der militärischen Gefolgschaften kommen. Denn eine „Ackerabkömmlichkeit“ der Militärangehörigen war ja gegeben, wenn abhängige Provinzialrömer für sie auf den Feldern arbeiteten. Die vandalischen Beutezüge im Mittelmeer zu Schiff in der Mitte des V. Jh zeigen deutlich, daß es wieder zu Gefolgschaftsstrukturen kam, fixiert auf kurzzeitige Erfolge und Beute, nur nicht im Sattel, sondern „auf der Planke“. Wie bereits am Limes könnten diese begrenzten Beute- und Piratenzüge mit oder ohne Duldung des Herrschers vorgenommen worden sein. Der Rückgriff auf die alt bewährteErwerbsform“ hatte ihre Ursache vielleicht in der Rebellion der Unzufriedenen aus den eigenen Reihen, die bei den Landverteilungen zu kurz gekommen waren? Denn die Quellen berichten von einem Adelsaufstand, den Geiserich mit brutaler Gewalt unterdrückte. Es gab also separatistische Bestrebungen einzelner Vasallen, die ihren König nicht mehr anerkannten. Vielleicht waren sie auch umgekehrt mit den Plünderungen, vor allem der Roms nicht einverstanden, die durch Geiserich aufgrund dynastischer Verbindungen initiiert wurde, da sie begriffen, daß die Zukunft nicht in der Konfrontation, sondern nur in der Koexistenz mit Rom liegen würde, wer weiß...?

Notwendige Sitzung, „Hoch die Hörner“


Unsere Quellen für das V.-VIII. Jh:

Archäologische Funde gelten mit Sicherheit als Hauptquelle dieser Zeit. Aber wir haben unter den Merowingern eine hohe Form der Verschriftlichung erreicht und neben der „Spatenwissenschaft“ gilt es auch die enorm aufwändige Arbeit der Historiker zu würdigen. Textquellen, in der Regel vom Klerus verfasst, in Form von Chroniken (Annalen), von Taten- oder Lebensberichten und Urkunden geben nicht nur Aufschlüße über politische Ereignisse, sondern, in beiläufig erwähnten Details, auch über die Sachkultur. Zeitgenössische Gebrauchsgegenstände werden uns durch Depot- und Einzelfunde, Siedlungsgrabungen oder durch Bestattungsbeigaben vermittelt. Die germanische Welt kannte lange Zeit vielfach nur die Brandbestattung, deshalb sind einige Objekte deformiert und in schlechtem Zustand erhalten geblieben, Textilien fehlen aus diesem Kontext gänzlich. In den röm. Grenzprovinzen erfolgte bereits im III. JhAD eine allmähliche Ablösung der Brand- durch die Körperbestattung. Im rechtsrheinisch freien Germanien war diese Entwicklung mit einer zeitlichen Verzögerung ab der Wende IV./V. Jh zu beobachten. Durch röm Einfluß begann man die Körperbestattungen dann später in Reihen vorzunehmen. In der Regel wird die großflächige Ausbreitung der Reihengräberfelder in Europa allerdings erst mit der Expansion der Franken im VI. Jh gleichgesetzt. Für fast zwei Jahrhunderte wurde ein grosser Teil West- und Mitteleuropas davon erfasst, wobei dies nicht in allen Räumen gleichmässig geschah, so daß man „Reihengräber“ und „Frankenherrschaft“ keineswegs gleichsetzen kann. Ein aufwendiger Totenkult mit den Bestattungsfeierlichkeiten der Trauergemeinde und Grabbeigaben waren auch nach Einführung des röm.-kathol. Christentums zunächst allgemein üblich, teilweise drückten christl. Heilszeichen auf Schmuck und Waffen den neuen Glauben aus, in einem Nebeneinander von Heidentum und Christentum, das für jene Epoche so kennzeichnend war. Die fränk. Kirche duldete Grabbeigaben und stellte Grabraub sogar unter Strafe.14 Auch wenn viele Gräber keine üppige Ausstattung zeigen, besitzen wir durch die Summe tausender von Reihengräberfeldern, manchmal mit mehreren hundert Belegungen, aus der Merowingerzeit von Goten, Franken, Alamannen, Baiuwaren, Thüringern, Langobarden, Burgundern, Herulern, uvam. eine Fülle von Alltagsgütern, Schmuck und Waffen. Sachsen und Friesen behielten längere Zeit Brandbestattungen bei und die Sitte der Körpergräber wurde nur teilweise und recht spät übernommen.

Ab der 2. Hälfte des VII. Jhs bereitete das Christentum der Totenbeigabe allmählich ein Ende, doch blieb sie in manchen östlichen Gebieten zwischen Thüringen, Böhmerwald und Bayerischem Wald, vermutlich durch vermehrten slawischen Einfluß, noch bis ins X. Jh hinein erhalten. Auch in den Randbereichen Europas, auf den Inseln, in Skandinavien und im Osten hatte die Beigabensitte noch lange Bestand. Im Rheinland hingegen ist zum Ende des VII. Jhs ein deutliches Nachlassen der Beigabensitte erkennbar, der westfälische Raum folgte bald nach. Als Nebeneffekt für die Zeitgenossen, wurde dem Grabraub, der oft in zeitlich kurzem Abstand zum Begräbnis erfolgte (!), mit der beigabenlosen Bestattung die Grundlage entzogen und den Hinterbliebenen standen mit dem Erbe mehr Sachgüter als vorher zur Verfügung. Im VII. Jh wurden viele Reihengräberfelder aufgelassen, da man dazu über ging Bestattungen bei den Ortskirchen vorzunehmen. Die Oberschicht hatte diesbzgl. Vorbildfunktion und schuf sich dafür unabhängige Kirchen (Eigenkirchen). Dezente Grabbeigaben waren auch in den nachfolgenden Jahrhunderten mit ausgewählten Objekten, wie Fibeln und Schmuck oder Kleidungsstücken, noch üblich, bsplw. Ring und Ringfibel von der Bestattung auf dem Hainfeld beim späteren Kloster Arnsburg bei Lich in Hessen, Anf. des XIII. Jhs. Aber es wurde natürlich keine vollständigen Totenausstattungen für das Jenseits mehr vorgenommen. Fibeln hatten hinzu immer einen Sonderstatus, da sich mit ihnen die Totenkleidung/Leichentücher zusammenhalten ließen, das heißt sie befanden sich in den Gräbern mglw. an Stellen des Körpers, wo sie zu Lebzeiten nicht getragen worden sind!!!

Bestattungssitten scheinen uns ein Spiegel von Jenseitsvorstellungen in der jeweiligen Kultur zu sein. Allerdings sind sie auch, in nicht unerheblichen Maß, ein Indiz für Bestattungsrituale der Hinterbliebenen, wobei sich in der Selektion der Beigaben nicht alleine die Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen äusserte, sondern auch das Gebaren, Auftreten vor der Gemeinde, durch bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Verpflichtungen auferlegt. Seit der Antike sind sehr aufwendige Bestattungsfeierlichkeiten mit Trank- bzw Speiseopfern und einem Totenmahl in allen Kulturen bekannt. Mglw stammten die „Bei-Gaben“ gar nicht alle von dem Verstorbenen, sondern sie wurden als Anerkennung und Abschiedsgeschenk von einzelnen Hinterbliebenen der Familie/Sippe während der Trauerfeierlichkeiten ins Grab gelegt, wie mglw Keramik, auch Federn, Kissen oder Gefäße mit duftenden Essenzen waren möglich. So häuften sich mit gehobener sozialer Stellung automatisch mehr Beigaben an! In diesem Kontext stehen wohl auch miniaturisierte Gegenstände als pars-pro-toto, wie Toilettenbestecke in sächs Männergräbern, die nicht mit dem Trachtzubehör verbrannt, sondern als Miniaturausführungen beigelegt wurden. Wir müssen also eine Sondersituation erkennen, die nur bedingt den Alltag des Verstorbenen wiedergibt. Beigaben sind nicht generell Spiegel einstigen Lebens, denn der Bestattete hatte ja nur geringe oder überhaupt keine Entscheidungsfreiheit darüber, was ihn „auf der Jenseitsreise“ begleiten sollte. Eigene körpernahe Gegenstände stammten vermutlich aus seinem Besitz, wenn sie deutliche Abnutzungsspuren zeigten.15 Aber dies ist nicht zwangsläufig so. Grabbeigaben dokumentieren die getroffene Auswahl der Hinterbliebenen !!! Wir wissen nicht, was bewußt nicht mitgegeben wurde? Unsere Schlußfolgerungen zum Leben und Alltag des Verstorbenen können nur bedingt durch Beigaben ermittelt werden.

Zu beachten gilt, daß wir nur selten vollständig erhaltene Grabensembles bergen und auch nur selten komplette Gräberfelder erfassen können, beides hat Ausschnittcharakter. Oft sind Gräber durch Grabraub gestört, manchmal fast drei Viertel aller untersuchten Gräber, wie in Weißenburg/Bayern oder Westheim in der Nähe. Oberflächennahe Gräber wurden durch Bagger oder Pflüge angeschnitten und zerstört, manche Beigaben unsachgemäss geborgen oder stammen aus vorwissenschaftlichen Altgrabungen.16 Vor allem wichtige Kleinfunde, wie Nieten, Haften, Verbinder, Beschläge, uvam. wurden früher übersehen oder als unwichtig erachtet. Das heißt, wenn z.B. eine Schnalle ohne Blech hier erwähnt wird, kann sie durchaus Nieten oder eine Hafte gehabt haben und war damit nicht automatisch an den Trägerstoff (Leder oder Stoff) angenäht.




In den letzten Jahrzehnten brachten auch Siedlungsgrabungen aufschlußreiche Funde ans Tageslicht. Die german. Siedelweise nutzte gute Ackerböden, Wassernähe oder Verkehrswege in kleineren Siedelstellen und umzäunten Gehöftansammlungen. Selbst grössere Siedlungen beherbergten oft nicht mehr als ein Dutzend Familien mit ihren Nutztieren. Tacitus Germania Kap 5: „Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Schmuck auf der Stirne; die Menge macht den Leuten Freude und die Herden sind ihr einziger und liebster Besitz.Neben Rindern wurden Schweine gehalten, auch Schafe und Ziegen, seltener Geflügel.17 Wildtierknochen fanden sich nur an den „Fürstenhöfen“. In den innerstädtischen Bereichen brachten Kölner Grabungen interessante Details zum Vorschein, wie aus der Latrine der Kanonissen von St. Cäcilien. Die adeligen Damen ernährten sich bevorzugt vom Fleisch junger Tiere, wie Spanferkel, Milchlämmer oder Stubenküken, während aus dem Handwerkerviertel vom Heumarkt die Tierknochen alter Rinder geborgen wurden, deren Fleisch man nur zu Brühe kochen konnte. In Lauchheim war in VI.-VII. Jh zu beobachten, daß die Rinderzucht, die noch zu röm. Zeiten bedeutend war, zurückging. Hinzu hatte die Größe der Tiere abgenommen!18 Für die Erstellung von Ledergürteln sind solche Informationen interessant. Rinderhäute ergeben in der Regel, auch bei weniger großen Tieren, immer recht stabile Gurte, aber kleine Tierarten bedeuten dünnere Häute und kürzere Riemen. Völker, die über weite Strecken wanderten, wie Goten, Sueben oder Vandalen werden vielleicht nur wenig Großvieh mit sich getrieben haben können und wenn, waren es die notwendigen Zugtiere? Kleine Tiersorten, die weniger Nahrung benötigten, waren in dieser Zeit vielleicht nützlicher, so daß bei Neuansiedlungen auf fremden Boden die Tierzucht neu aufgebaut werden musste. Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, daß wandernde Völker in nomadisierender Lebensweise einen ausgeprägten Hang zur Tierzucht entwickelten? Denn Tiere waren eine wertvolle bewegliche Habe. Für die Goten ist es quellenmässig bezeugt, mehrere Generationen waren durch die jahrzehntelangen Wanderungen von jeglicher Landwirtschaft entwöhnt, was aber nicht bedeuten musste, daß sie auch den Umgang mit den Tieren vernachlässigten. Es ist grundsätzlich möglich, daß manche Ledergürtel im FMA dünner waren, als heutzutage, da nicht nur Rind, sondern auch Ziege und Schaf für Gürtel in Betracht gezogen werden müssen? Manche Durchzüge von Originalschnallen sind extrem eng, bzw lassen nur wenig Spiel für einen stabilen Dorn, wie bei Kolbendornschnallen, zu. Im reichen Frauengrab unter dem späteren Kölner Dom gegen Mitte des VI. Jhs ist der Leibgurt leider nicht mehr erhalten, dafür das mit Beschlaghülsen verzierte nur 2 mm starke Leder des Trägerriemens der Messerscheide, was allerdings keine Rückschlüße auf den Leibgurt erlaubt. Auch „gesteppte“, bzw mehrlagige Gürtel machen nur bei dünnerem Leder Sinn, siehe die Gürtelfunde mit zusammen genähten Lederstreifen, welche textile Zwirne in Tunnelzügen aufwiesen, dem Gürtel Stabilität verleihend, wie im Grab 34 von Bruckmühl/Kr. Rosenheim oder vermutlich auch im Klerikergrab 8 unter St. Ulrich und Afra in Augsburg. Für die Kleidung wurden alle möglichen Ledersorten verwendet. Der Tote im „Sängergrab“ von St. Severin in Köln trug über der Leinen- und Wollkleidung ein Wams aus Ziegenleder. Fingerbreite Riemen aus Schafleder umschnürten kreuzartig die Wadenbinden. Die Schuhe waren aus Rindsleder, die Fingerhandschuhe bestanden aus Wildleder mit Stulpen aus Rindsleder. Bei einem überwiegenden Teil der 32 untersuchten Schuhe und Sohlen aus Haithabu war nach den Ergebnissen der Grabung von 1963-64 nicht nur das Oberleder aus Ziege, sondern auch das Sohlenleder, fehlten ausreichend Rinder?

Desweiteren bringen Siedlungsgrabungen wichtige Erkenntnisse bzgl der Buntmetallverarbeitung. Sie läßt sich seit der röm Kaiserzeit (RKZ) an einigen Fundplätzen nachweisen, vor allem durch Werk- und Gußabfälle oder Materialdepots, darunter auch importierte Stücke aus der röm Sphäre ins freie Germanien. Funde an der Nordseeküste bei Westerhammrich, Kr. Leer oder auf der Wurt „Hogenkamp“ südlich von Elsfleth in der Wesermarsch mit vielen röm Kleinmünzen aus Kupfer und Messing, manche mit Zerteilungsspuren, verdeutlichen die Seeverbindung zum Röm Reich, die entweder friedlich (Handel, Tribut) oder kriegerisch (Beute) genutzt wurde. Konzentrationen fanden sich entlang des westfälischen Hellwegs in der unmittelbaren Kontaktzone zum Rhein, so in Kamen-Westick, im FMA ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen nahe der (Hohen-)Syburg und im Stadtbereich Dortmund am Adlerturm. Auch in Thüringen auf dem Herrenhof von Dienstedt bei Stadtilm oder im fränkischen Eggolsheim bei Forchheim ist die Buntmetallverarbeitung vom IV.-IX. Jh gut zu dokumentieren. Durch beständigen Technologietransfer schulten Germanen ihre Fähigkeiten, wobei die Grundlagen des Bronzegusses schon seit vielen Generationen bekannt waren. In der Verarbeitung von Eisen galten Kelten als Meister ihres Fachs mit vielfach nachweisbaren Verhüttungsplätzen, eng gebunden an den unverzichtbaren Energieträger Holz. Keltische Schwerter waren bei den Germanen lange Zeit von hohem Begehr. Man wird aber auch Germanen einen versierten Umgang mit Eisen nicht absprechen können, wenn man sich die Rennöfen aus Gera-Tinz anschaut, wo fast zwei Dutzend Öfen aus der RKZ geborgen wurden und erst recht die über 100.000 Rennöfenfunde der Przeworsk-Kultur (allgemein mit den Vandalen in Verbindung gebracht) aus dem Raum nördlich des heutigen Warschau.19 Wie sieht es mit den Metall-Rohstoffen aus? Kelten betrieben bereits in der vorröm Eisenzeit an vielen Stellen, wie im Siegerland Buntmetallbergbau und Eisenverhüttungen. Kupferbarren wurden über grosse Entfernungen verhandelt. Im Gegensatz dazu ist den Germanen bislang nur an wenigen Stellen Bergbau nach Silber, Kupfer, zinn- oder zinkhaltigen Erzen nachzuweisen, wie die Blei-Silber-Gewinnung aus Oberharzer Erzen im III. JhAD. Wenig später setzte auch die Kupfergewinnung aus Rammelsberger Erzen ein und bereits in der frühen röm Kaiserzeit das Schürfen nach Bleierzen im nördl Sauerland. Blei wurde als Fluß- und Lotmittel in der Buntmetallproduktion benötigt. In den nachchristl. Jhen forcierten vor allem die Römer einen intensiven Bergbau, bzw ließen unterjochte Völker nach Erzen schürfen oder forderten Tribute in Form von Rohstoffen. Tacitus verdeutlichte es für Britannien: metalla pretium victoriaeBodenschätze als Preis des Sieges. In Germanien waren das weniger Edelmetalle, als Blei-, Zink-, Kupfervorkommen. Sie wurden abgebaut in der Nordeifel im Mechernicher Bleierzbezirk, im Aachen-Stolberger Raum, vor allem am Schlangenberg bei Stolberg-Breinigerberg. Das Kupfererzbergwerk Virneberg bei Rheinbreitbach wurde noch in der 1. Hälfte des IV. JhAD ausgebeutet, dann brachen die Tätigkeiten ab und wurden erst wieder im IX. Jh aufgenommen. Auch östlich des Rheins im Siebengebirge bei Königswinter-Oberpleis auf dem Grubengelände Altglück und im Berg. Land bei Rösrath auf dem Lüderich, in der Nähe zum Legionslager in Bonn, ebenso in Overath-Schalken (Berg. Gladbach) in der 1. Hälfte des II. JhAD ist Kupfererzbergbau nachweislich von den Römern betrieben worden. Römische Messing- und Bronzeprodukte waren bei den Germanen von hohem Begehr. Sie wurden über Jahrhunderte durch Handel oder Plünderungen erworben und als Recyclingmaterial eingeschmolzen. Auch wenn das Schürfen nach Erz für manche Zeitabschnitte bisher kaum nachweisbar ist, das Einschmelzen röm. Artefakte ist sicher, wie dies Depots, z.B. bei Klenjena im Burgenlandkreis, verdeutlichen. Römisches Kleingeld aus Messinglegierungen war in einer Zeit des Tauschhandels als Zahlungsmittel östlich des Rheins wenig interessant, aber es eignete sich hervorragend zur Gestaltung neuer Objekte. Es wird diskutiert, ob mangelnder Zugriff auf Rohstoffe/Buntmetallerze im FMA erklären könnte, wie es zur Modesitte der Gürtelgarnituren mit schweren Eisenschnallen ab Ende des VI. Jhs kam? Auf der anderen Seite kamen zeitgleich Bronzeschnallen und -fibeln der Frauen in die Gräber, also waren die Quellen keineswegs versiegt. Zur Zierde wurde bei den Eisenschnallen und -beschlägen nicht selten tauschiertes Silber und Messing (äußerlich goldähnlich) verwendet, beides war damals wertvoll, demnach wäre die Kupfer-/Zinnzufuhr für Bronze sicher, bloß Zink/Galmei für Messing scheint knapp und kostbar gewesen zu sein, so daß letzteres nur durch Einschmelzen von röm Altmaterial erlangt werden konnte. Erst seit den karolingischen Zeiten sollte sich das mit einer neuen Messingproduktion ändern. Siehe auch unten Exkurs 5: Bronze oder Messing im FMA.



Die dörflichen Gemeinschaften waren seßhafte Selbstproduzenten, in vielen Dingen autark, abhängig natürlich von Aussaat und Ernte. Was das Dorf nicht selbst erstellte wurde mglw. durch Wanderhandwerker ergänzt. So sind verschiedene Textil-, Holz-, Horn-, Knochen-, und Lederarbeiten, sowie die Eisenproduktion selbstverständlich. Der Buntmetallguß ist manchmal nachweisbar. Tauschhandel war über lange Zeit Basis des Güter-Austauschs, vor allem für Luxusgüter. Erst mit der Verstädterung des HMAs wurden spezielle Gewerke vonnöten, da der Bürger nicht mehr selbst produzieren konnte, was er zum Leben benötigte. Das brachte neue wirtschaftliche Verhältnisse/Abhängigkeiten und einen grösser werdenden Münzhandel hervor. In der MWZ gab es keinen Handel über kleine Münzeinheiten, wie noch zu römischen Zeiten.








Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen V.-VII. Jh

Die Männergürtelmode des V. Jhs war noch lange Zeit von der römischen Militärausrüstung mit breiten Gürteln, breiten Zierstreckern, Riemenschieber und Zungen dominiert. Durch die Zieren erhielten die Riemen eine Stabilisierung. Mit Riemenschiebern wurden die Zungen zur Seite geführt. In der 2. Hälfte des V. Jhs, bzw. in der Wende zum VI. Jh finden sich einfachere auf reine Schnallen „reduzierte“ Exemplare, manchmal mit Tierkopfverzierung, oft simplen Eisenschnallen oder bronzene Varianten mit Kolben- oder Schilddorn. Durch die Reduzierung auf die Schnalle ist es schwer eine Aussage über die Gürtelbreite zu treffen, wenn das Leder vergangen ist, Stabilisierungen fehlen. Auch die Länge ist ohne Riemenzunge und ohne Wissen über die Fundsituation (Befund), also Lage im Grab, nicht zu bestimmen.

Wie oben erwähnt, folgen die Datierungen der Chronologie von Ament mit älterer und jüngerer Merowingerzeit (MWZ) zwischen 450 und 720. Objekte der älteren MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) sind gut erkennbar daran, daß beim Adel cloisonnierte Gegenstände (mit Almandingranat gefülltes goldenes Zellwerk) beliebt waren. Der Ursprung dieser Modesitte ist im hunnisch-ostgotisch-byzantinischem Raum zu suchen und prägte den Geschmack der Eliten für anderthalb Jahrhunderte. Die wertvollsten Steine dieser Sorte kamen aus dem indischen Raum und vielfach war Konstantinopel der Importeur nach Europa. Durch die oben beschriebenen Bündnisse zwischen den Merowingern und Byzanz floß der Alamandin reichlich, während der Zufluß bei den Ostgoten in Italien durch ihren Krieg gegen Byzanz versiegte. Deshalb gibt es dort Grabfunde, in denen der Stein durch Glas imitiert wurde. Schnallen in diese Richtung werden nicht gezeigt, da meine Rekonstruktionen nicht unbedingt für den Adel gedacht sind, aber die Rosettenfibeln unten zeigen die Richtung.

Nachdem die Quellen des eindrucksvoll schillernden Granats auch für die Merowinger versiegten, änderten sich die Ziergegenstände in der jüngeren MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh) mit tauschierten Objekten, filigranen Verzierungen und der Preßblechtechnik. Die Tierstile drängten durch, Ornamente und Flechtmuster gewannen an Bedeutung, siehe unten Beispiele der großen schweren Gürtelgarnituren. Mglw ausgelöst durch Kontakte zu den Reitervölkern, wie den Awaren mit ihren „Stammes- oder Sippen-Tamgas“, wurden auch Zeichen und Symbole deutlich heraus gehoben, vermutlich vom ursprünglichen Sinn entfremdet.

Die nachfolgenden Rekonstruktionen wären gedacht für Hofherrin und Hofherrn, die Freien (vandal froia, got frauja = Herr), für wohlhabende Kaufleute und einige Handwerker (je nach Gewerbe), bei den meisten, erst recht beim Gesinde und bei den Hörigen wären eher einfache Eisenschnallen oder Bindesysteme zu erwarten. Bei adeligen Formen kann kostbares Material vorausgesetzt werden.


IV

-

V

Frau/Mann




Spätrömische „Bogenschnalle“ aus dem IV. Jh. Diese Formen streuen in den nachfolgenden Jhn durch ganz Europa von Gallien und Norditalien bis nach Osteuropa, wie in Chalons, Krefeld-Gellep, Bonn, Andernach, Asparn, die nördlich der Alpen häufig massiver sind als diese „röm.-ital.-langobardische Variante, wie in Cividale aus dem VII. Jh.

Im XV. Jh werden „hohe“ Bogenschnallen mit weitem Durchlaß wieder aufgenommen und vor allem bei den Houppelande-Gürteln beliebt. Somit haben wir einen schönen „Bogenschlag“ vom Anfang bis zum Ende unseres Betrachtungszeitraums.




IV-V_010_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

[auf dem Bild Blech noch nicht vernietet]

montiert 59,00 EUR




V


Mann




Ein Derivat der breiten röm Militärgürtel des IV./V. Jhs mit Schnalle endend in Tierköpfen. Zunge bekannt aus CCAA (Köln), Krefeld-Gellep und von vielen anderen Fundorten, auch rechts des Rheins. Grabfunden nach zu urteilen wurden solche Gürtel von Germanen in röm Diensten, darunter auch Rückkehrer in die alte Heimat und von deren Gegnern gleichsam getragen.






V_005_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 99,00 EUR










VI








Frau

Die Befestigung durch drei Nieten mit diesem Schnallentyp fand sich z.B. in Dillingen in Frauengräbern, datiert zw. 545-570. Kerndatierung der Schilddornschnallen ist die 2. Hälfte des VI. Jhs., ältere Kolbendornschnallen aus der 1. Hälfte können auf Anfrage angefertigt werden.



VI-VII_030_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit drei strichverzierten Nieten,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 79,00 EUR



...mögliche Tragweise, ohne spätmittelalterliche „Schlaufung“, die Länge ist hypothetisch, vermutlich waren die Riemen erheblich kürzer. Sie wiesen in der Regel keine Zungen auf, so daß die Länge nicht nach der Fundlage im Grab bestimmt werden kann.








VI








Frau/Mann





Dieser Schnallentyp mit Schilddorn und Schilddorn-Haften befand sich z.B. im Frauengrab in Okarben/Wetterau Grab 10 und Männergrab in Okarben Grab 15 mit zwei Haften, beide vor 550. In Dillingen fand er sich sowohl in Männer-, als auch in Frauengräbern in der frühen Form zw. 525-545 mit kolbenförmigen Dorn und mit Schilddorn in der 2. Hälfte VI. Jh. vor 590. Haften als Befestigung haben sich in diesen Fällen nicht erhalten. Ähnliche Funde auch vom Gräberfeld in München-Aubing.




VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 85,00 EUR








VI








Frau/Mann





Der Verbreitungsschwerpunkt der Schild- und Kolbendornschnallen liegt von Nordfrankreich, Niederrhein, Westfalen, in die Mainregion bis südl. der Donau. Sie bestanden überwiegend aus Bronze, in seltenen Fällen aus Silber. Funde aus Bronze in Krefeld-Gellep oder im Museum Ulm, aus Silber in Wünnenberg-Fürstenberg mit drei Haften [nicht aus Weissmetall, wie behauptet wird, denn der Bestattete war von hohem Rang mit reichen Beifunden wie eine Ringknaufspatha]



VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (Grubengerbung natur)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 90,00 EUR








VI

-

VII














Frau/Mann





Eckige Schnallentypen mit festem Beschlag in Durchbruchornamentik waren im byzant. Reich recht häufig und streuten bis weit nach West- und Mitteleuropa, hier verwendeter Typ Fund Kumpfmühl bei Regensburg 2. Hälfte VI. Jh. Eine ähnliche rechteckige Form mit festem Beschlag, aber schlichter, fand sich z.B. in Wölfersheim/Wetterau aus dem VI. Jh, fragmentiert in Nieder-Ingelheim, Frauengrab 1. Ähnliche Funde auch in Krefeld-Gellep oder Feldmoching, identische langobard. Funde heute im Museum Cividale de Friaul_AO. Befestigung, wie bei unserer Ausführung, in der Regel mit Ösen, das heißt sie sind für das Trägermaterial Leder und Stoff gleichermaßen geeignet.



VI-VII_039a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Stegösen auf der Unterseite und Befestigung mit

Holzstiften oder Lederschnüren wie in Pleidelsheim.

Zungen hierzu sind nicht immer nachweisbar

montiert 45,00 EUR (ohne Zunge)






VI

-

VII










Frau/Mann



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 5 x 1,5 cm möglich

montiert 65,00 EUR



VI-VII_039d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien] mgl

montiert 59,00 EUR






Ende

VI

-

VII





Frau/Mann

Angeregt durch die schweren grossen Gürtelensembles der Männer Wende VI./VII. Jh (s.u.) begannen auch Frauen in der jüngeren MWZ im Westen aufwändigere Gürtelgarnituren zu tragen. Nur in den alamannischen Gebieten östlich des Schwarzwaldes und bei den Baiuwaren hielten sich die schmalen Gürtel mit einfachen Schnallen, wie obige Typen.



VII_040_bz im Tierstil II

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Flachnieten,

Zungen hierzu sind manchmal nachweisbar.

montiert 95,00 EUR








Grabinhalt und Waffenbeigabe / Tacitus zeichnet in seiner „Germania“ eine waffenstarrende kriegerische Gemeinschaft der Germanen [Kap 13]. Und wir setzen quasi voraus, daß erst recht die Gesellschaft der Völkerwanderungszeit auf gewaltsamen Erwerb und Erhalt von Gütern und Rechten, Vermehrung von Einfluß und Besitz mit Waffengewalt ausgerichtet war. Deshalb werden von uns Waffen als unverzichtbarer Bestandteil des Lebens in zumeist räumlich weit voneinander getrennten Siedelstellen angesehen. Die Waffe als Kennzeichen des Freien, als Kennzeichen der Freiheit? Wehrfähigkeit ist nach den frühen Volksrechten ein hohes Recht und die Situation war mit Konsolidierung der german. Königreiche nicht rechtlos. Der Einzelne übte nicht unbedingt Selbstjustiz. Nach der älteren Phase eines Sippenrechts wurden „Volksrechte“ verschriftlicht für eine vollkommen anders geartete Gesellschaft, nachdem die Wanderbewegung abgeschlossen und der Boden neu verteilt war. In dieser überwiegend bäuerlich ausgerichteten Lebensweise sollte der Kriegsdienst eigentlich ein Ausnahmefall sein. Der zum Kriegszug verpflichtete Hufeneigentümer konnte im günstigsten Fall auf Beute und Entlohung durch Sachgüter hoffen, einen regelmässigen Sold gab es nicht und über den Winter kam man damit auch nicht unbedingt, vor allem wenn das Feld unbestellt blieb. Den Quellen ist gut zu entnehmen, daß german. Könige befürchteten, ihr Volk werde „unkriegerisch“, wenn es einmal begann von den „Früchten der Eroberung“ zu zehren. Mit jeder nachfolgenden Generation wurde der Kriegsdienst zur unliebsamen Pflicht, wie es Geiserich für die Vandalen beobachtete [Prokop Vandalenkrieg III, 4]. Jungmannschaften für Beutezüge zu finden war sicher jederzeit möglich, aber den Heerbann der Freien einzuberufen war schwer. Jede Aufbaugeneration wusste wofür sie stritt, aber das verlor sich in den Jahrzehnten und es ist immer schwerer Dinge zu erhalten, als sie mit Elan neu zu erschaffen [Hat sich bis heute nicht geändert!]. Im Allgemeinen galt die Völkerwanderungszeit als unruhig und kriegerisch, aber es gab genauso friedliche Perioden, denn man sieht wie sehr sich Germanen um Verträge mit Rom bemühten, um Frieden und Anerkennung von Status und Siedelraum. Unsere Geschichtsschreibung scheint im Schnelldurchgang auf Bruder- Bürger- und Stammeskriege, auf Invasionen, Plünderungen und Verheerung großer Landstriche zu fokussieren. Aber diese Sichtweise ist dem großen zeitlichen Abstand geschuldet.

Ist die Beigabe einer Waffe im Grab oder gerade ihr Fehlen das Indiz auf eine waffenführende Gesellschaft?20 Waffenbeigabe, das Hergewäte, war über lange Zeit keineswegs selbstverständlich und in manchen Gegenden sogar vollkommen unüblich, wie bei den Brandbestattungen der Sachsen bis zum V. Jh oder vorher in der Wielbark-Kultur, die nach alter Lehrmeinung den Goten zuzurechnen ist.21 Großformatige Gegenstände sind bei Brandbestattungen in Urnen, es gab auch andere Verfahren, wie die Brandschüttung etc, unpraktisch. Denn sie müssen deformiert werden. Auch als die Goten sich auf röm. Reichsboden in Gallien, Italien oder Spanien aufhielten gingen sie der Waffenbeigabe in der Regel nicht nach, genauso wenig wie es die Römer handhabten, mag das eine Folge der Romanisierung sein. Während Franken, Alamannen, Baiuwaren oder Thüringer der Beigabensitte anhingen. Nur wenige Bestattete wurden allerdings mit einer vollen Waffenausrüstung und schon gar nicht mit Schwert begraben, worin sich nur der Adelige, Gefolgsherr, mglw der wohlhabende Freie erkennen läßt, der umgeben war von seinen Gefolgsleuten und den Halb- oder Unfreien. Einfache Gräber enthalten nur selten eine Lanzenspitze oder eine Saxklinge, mglw der Hinweis auf einen Gefolgsmann oder gewöhnlichen Freien, der im Heerbann zum Kriegsdienst verpflichtet war. Viel eher finden sich Gebrauchsgegenstände, falls Gräber überhaupt verwertbare Materialien aufweisen. Bei einst reich ausgeführten Bestattungen verzerrt uns heute nicht selten der Grabraub den Blick auf die Quellen. In erster Linie zielte diese Tätigkeit aber auf Schmuck und Luxusgegenstände ab, vielleicht auch auf kostbare Spathen oder Helme? Ansonsten werden Lanzen, Ango-Wurfspeere oder Schilde im intakten Zustand unmöglich durch die schmalen Raubschächte zu entwenden gewesen sein. Bzgl der Waffenbeigabe verstellt uns Grabraub den Blick also nur bedingt.

Ein Männergrab wird, bei ungestörtem Befund eines Körpergrabes, in der Regel durch bestimmte Nutzgegenstände, wie Feuerstahl, Messer, Wetzstein, Rasiermesser, Kamm, Metallfragmente oder Gürtelteile charakterisiert. Waffengräber enthalten Lanzen- oder Speerspitzen, Äxte (nicht zwingend als Streitäxte zu betrachten, denn Holzspaltwerkzeuge standen quasi in jedem Haushalt zur Verfügung und erfüllten ihre Funktion als „Schildbrecher“ durchaus, um einen Schildwall zu „knacken“), in einem begrenzten Zeitraum einschneidige Klingen (Saxe), selten Pfeilspitzen oder Schildbuckel und ziemlich selten zweischneidige Schwerter (Spathen) oder Zaumzeug mit Reitausrüstung (Sporen, Steigbügel, etc), die immer Kennzeichnen von Fürsten und Gefolgsherren waren.22 Helmfunde sind, nach Wegfall der in Massen produzierenden röm. fabricae im Westen, in Gräbern grundsätzlich äusserst selten, beschränken sich auf die Eliten, da sie als wertvoller Teil der Ausrüstung gelten und tauchen deshalb, wie manch kostbare Waffen, Schwerter oder verzierte Lanzenspitzen zuweilen auch als „Opfer-/Gewässerfunde“ auf. Die hier aufgezeigte Reihenfolge wird in der Regel als Ausdruck einer sozialen Hierarchie in Kombination mit unterschiedlich wertigen Metallen verstanden. Manchmal ist die Entwicklung von einzelnen Typen, wie vom Kurz- über Schmal-, zum Breit- und Langsax oder die Kombination der Waffentypen für eine chronologische Abfolge von Belang. Dabei wird deutlich, daß sich die Waffentechnik mit jeder, spätestens jeder zweiten Generation änderte, ein Hinweis auf neue Militärtaktiken oder neue Gegnerschaften, auf die man reagieren musste! Neben der großen Masse der beigabenarmen Gräber, damit leider auch oft geschlechtsneutralen Bestattungen, werden wir auch bei den Frauengräbern an der Wertigkeit und Häufigkeit der beigegebenen Metalle für Fibeln, Gürtel, Gürtelgehänge oder die zeitlich begrenzten und seltenen Wadenriemengarnituren der jüngeren MWZ eine soziale Hierarchie erkennen können. Auch hier hielten sich Schmuckformen selten länger über mehrere Generationen.

Nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Befunden (Fundsituation), Auflistung der Funde und zeichnerische Abbildung im Katalogteil beschränken sich auch viele Frauengräber auf nur wenige Beigaben, meist Keramik, Kämme aus Bein, Spinnwirtel, hin und wieder Schmuck, wie Perlen, Nadeln oder Fibeln, manchmal nur einfache Ringe, Eisen- oder Buntmetallfragmente, deren Nutzen oft unbestimmt bleibt. An Schnallen der älteren MWZ bis zur Mitte des VI. Jhs finden sich bei Mann und Frau lediglich einfache Typen aus Eisen oder Bronze (s.o.) ohne Beschlagbleche, mit Haften befestigt. Mit Beginn des VII. Jhs, in der jüngeren MWZ, haben wir meist nur bei den waffentragenden Männern teilweise recht aufwändige Gürtelgarnituren, wobei für Spathen oft zusätzliche Riemen, auch als Schulterriemen, nach röm. Sitte, verwendet wurden. In der 2. Hälfte des VII. Jhs nahmen die Beigaben regional unterschiedlich deutlich ab, als Zeichen veränderter Bestattungssitten. In unseren Populärpublikationen werden allerdings meist beigabenreiche Frauengräber mit Edelmetallschmuck, wie Ohr- und Fingerringe oder Armreifen, Taschen, Ketten, Amulettkapseln, Wadenriemen und die waffenstrotzenden Männergräber exemplarisch herangezogen, der Rest ist auch ziemlich langweilig und würde niemand in eine Ausstellung ziehen oder eine dieser Publikationen erwerben lassen. Es wird nur in wenigen Museen eine grössere Bandbreite gezeigt. Wir sollten uns aber immer die Besonderheit dieser besprochenen Gräber vergegenwärtigen. Sie sind nicht typisch für die Masse der frühmittelalterlichen Gesellschaft, sondern oft nur für deren soziale Spitze, die Führungsriege und die unmittelbar Untergebenen!






Rekonstruktionen gehobener Männerausstattungen Ende VI. bis Mitte VII. Jh

Ab Ende des VI. Jhs wurden die Gürtel aufwändiger mit Schnallen-, Gegen- und manchmal Rückenbeschlag, oft aus Eisen mit tauschiertem Silber, bzw Messing und teilweise mit kleinen Riemendurchzügen. Die Durchzüge aus Eisen oder Bronze (wie zahlreiche in den Gräbern von Ober-Ingelheim) konnten als Saxhalterungen dienen. Manchmal sind sie auch nur der Hinweis auf die Waffe, wenn das Grab gestört wurde und der Sax fehlt. Sie könnten aber auch als Taschenhalterung gedient haben, also für alle Dinge, die man an- und abschnallen wollte. Die Rekonstruktionen sind aus Bronze gefertigt, Varianten in Silber sind auf Anfrage möglich. Seit der II. Hälfte VI. Jh wurde bei den, in Pannonien siedelnden, Langobarden die Spatha nicht mehr am Schulterriemen getragen, sondern an Wehrgehängen mit Schleppriemen, verziert mit Rechteckbeschlägen und Tierornamentik oder anthropomorphen Darstellungen [Menghin, Langobarden, S. 171].




Ende

VI

-

Mitte

VII

Franken / Sachsen / Falen / Alamannen / Baiuwaren

Beckum, fränkisch-sächsisch-fälisch um 600

Falls keine Eisengarnituren vorliegen, finden sich schlichte Bz-Formen ohne Ziermuster. Sie unterscheiden sich geringfügig in der Form der Beschlagplatten, der Bügelzier oder der verwendeten Befestigungsnieten. Schlichte Form z.B. in Leihgestern IV/Wetterau um 600 mit Schnallenbügel ohne Zier.



VII_060_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte oder wahlweise Buckelkopf-Nieten

und Gegenbeschlag ohne Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 125,00 EUR





Riemendurchzüge für den Sax können an allen Kombinationen ergänzt werden. Ähnliche Formen sind z.B. aus Beckum, um 600 oder aus Stetten, Ende VII. Jh bekannt.



VII_61_bz mit Riemendurchzug Typ 1



oder wahlweise Typ 2 an VII_72_bz






Ende

VI

-

Mitte

VII





Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen, oft mit diversen Punzmustern versehen, mit Gegen- und Rückenbeschlag haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich (m. kreuzstrichverzierter Niete z.B. in Trouans) über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.



VII_070_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte Nieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 149,00 EUR




VI

-

VII



Tragweise mit doppeltem Dornstich und zurückgeführtem Riemen, rechts oder mit schmalem Dorn-Überfang, siehe „VII_080_bz“, den ich selber aber nur selten anwende und meist eher auf Kundenwunsch anfertige. Es gibt eine Reihe Schnallen aus der RKZ deren massive Dorne kaum eine andere Befestigungsart zulassen, aber in der MWZ bleibt die Wahl.

und Rückenbeschlag










Ende

VI

-

Mitte

VII











Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen, oft mit diversen Punzmustern versehen, mit Gegen- und Rückenbeschlag haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.



VII_073_bz (leicht veränderter Schnallenbügel und Buckelkopfnieten)

mit Gegen- und Rückenbeschlag an 30 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 149,00 EUR






1.

Halb

VII



Diese grossen schweren Gürtelgarnituren des VII. Jhs wurden vornehmlich aus Eisen mit Tauschierungen gearbeitet, einige Formen fanden sich auch aus Bronze mit aufwändigem Ziermuster und Gegen-, bzw Rückenbeschlag mit einem Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland.

Rückenbeschlag zu VII_080_bz



VII_080_bz

45 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Buckelkopfnieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

montiert 179,00 EUR







Reitergräber / In der 2. Hälfte des VI. Jhs änderten sich die politischen Verhältnisse auf dem Balkan vollkommen. Wie bereits die Hunnen rd 200 Jahre vor ihnen lösten einfallende Awaren eine Völkerwanderungswelle aus.23 Die Langobarden zogen nach Norditalien, was Ostrom in langwierigen Kriegen gerade erst den Goten entrissen hatte, slawische Völker rückten nach Westen Richtung Elbe und nach Süden über die Donau und begannen auf dem Balkan zu siedeln. Alle bisherigen Verhältnisse in Südosteuropa waren in Konfusion. Die Bestrebungen der Awaren im Bündnis mit den Slawen richteten sich vornehmlich gen Konstantinopel, um Tribute an Gold und Silber zu erpressen. Sie zeigten typische Verhaltensmuster nomadischer Völker mit an sie grenzenden sesshaften und staatlich organisierten Gemeinwesen, wenn die Viehzüchter ihre angestammte Lebensweise verloren und dem Kriegshandwerk einen höheren Stellenwert einräumten. Es bildeten sich hierarchische Strukturen unter Führungspersönlichkeiten aus mit einer gewissen materiellen Abhängigkeit von den Ressourcen der sesshaften Kulturen, um die Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten, ein spannungsgeladenes Beziehungsgeflecht [siehe auch “Nomaden“ auf der nachfolgenden Seite]. In der Zeit nach 600 war Ostrom im Vorderen Orient militärisch stark gebunden. Die Sassaniden drangen siegreich vor und eroberten kurzzeitig die reichen Provinzen Syrien und Ägypten. Nachdem Konstantinopel die Herrschaft wieder hergestellt hatte, erschienen die Reiterscharen unter der Fahne des Propheten und profitierten davon, daß die beiden großen Kontrahenten im Stadium totaler Erschöpfung waren. Ostrom sah sich gezwungen an der Donau Tributzahlungen zu leisten, um den Rücken frei zu haben. Man musste sich notgedrungen mit den awarischen Nachbarn arrangieren, zumal jene militärische Vorteile genossen. Denn flexibel agierende berittene Bogenschützen, unterstützt durch schwer gepanzerte Reiter waren nur zu schlagen, indem man sich ihrer Kampfweise im gewissen Sinne anglich. Das betraf Römer, Germanen wie Slawen gleichermaßen. Sie waren über Jahrhunderte gezwungen in schmerzhaften Lernprozessen angepasste Militärtaktiken zu entwickeln. Es war äusserst schwierig die Handhabung des Bogens vom Pferderücken aus zu erlernen, dafür wurden erfahrene reiternomad. Kontingente unter Sold genommen, wie es die Römer beim Aufbau ihrer zunehmend grösser werdenden Kavallerie des mobilen Feldheeres seit dem III. Jh. verstanden. Im Laufe der Zeit gewann die röm Kavallerie immer grössere Bedeutung. Sarmatische Reiter der Iazygen, Roxolanen oder Alanen, später auch hunnische Verbände verrichteten ihren Dienst unter röm Standarten. Zur Abwehr berittener Bogenschützen hatten diese keine statisch schwere Infanterie ausgebildet, sondern mobile gepanzerte Reiter mit zweihändig geführten langen Stoßlanzen. Sie hinterließen überall in Europa mit Teilen der Ausrüstung und in der Militärtaktik ihre Spuren. Germanen verstanden sich bereits seit langer Zeit auf die Pferdehaltung und sind in der frühen röm Kaiserzeit (RKZ) für ihre Reitkünste geachtet worden, doch das war damals leichte Kavallerie auf „unschönen“, wenig schnellen Pferden, mit der Wurflanze, der Frame, ohne Steigbügel, ohne schwere Rüstung, wie es Tacitus in „Germania“ Kap. 6 schildert. Sie ergänzten die taktischen Möglichkeiten der schwerfälligen röm Infanterie durch Aufklärung und Flankenangriffe. Doch zur Abwehr der neuen Gefahren aus dem Osten reichten ihre Möglichkeiten nicht aus.

Die unmittelbare „Frontstellung“ elbgermanisch-donauländischer (bsplw. Sueben, Markomannen, Quaden) und östlicher Germanenstämme, wie Vandalen, Gepiden oder Goten zu den sarmat.-alanischen und später hunnischen Nomadenvölkern hinterließ ihre Spuren. Nach Grabensembles zu urteilen waren Germanen Mittler des „polychromen Stils“ mit der Verwendung von Almandinen auf herausgehobenen Objekten der Sachkultur nach Westeuropa. Erhaltene Ausrüstungselemente des VI./VII. Jhs bei Langobarden, Baiuwaren oder Alamannen lassen hinzu die steigender Bedeutung der gepanzerten Reiter erkennen. Hinter schweren Panzerungen, Helmen, Reiterlanzen, Zaumzeug, Sporen und Steigbügeln, regional in unterschiedlichen Beigabenkombinationen, kann man den Aufbau einer schlagkräftigen Kavallerie vermuten. Wobei einzuräumen ist, daß Reitzubehör alleine noch kein ausschlaggebendes Indiz ist, denn in vielen reich ausgestatteten Gräbern fanden sich Spuren davon als Kennzeichen hochrangiger Personen, selbst bei den Franken, deren Verbände sich traditionell eher auf die Infanterie stützten. Jene waren gezwungen ihr Heer in Berührung mit den Arabern in der 1. Hälfte des VIII. Jhs umzustrukturieren. Das ist in allen Fällen leichter geschrieben als getan. Denn es bedurfte dazu viel Können und auch Erfahrung in der Pferdezucht. So könnte man je nach Region im FMA gezwungen gewesen sein neue Pferderassen zu importieren und zu züchten, welche schwere Panzerreiter zu tragen vermochten und das konnten keine kaltblütigen Ackergäule sein, um mit den genügsamen ausdauernden Steppenpferden oder hochgezüchteten Araberpferden mithalten zu können! Solche Erfahrungen besassen vornehmlich ostgerman. Völker, wie einst die Thüringer, von Vegetius beschrieben, da sie notgedrungen Verbündete der Hunnen wurden, genauso wie die Gepiden oder Goten. Bei Letzteren waren, laut Prokop, nicht nur die Reiter gepanzert, sondern ebenso die Pferde, nach nomad. und byzant. Vorbildern. Auch die Vandalen werden von Prokop als versierte Reiter geschildert, da sie zusammen mit den nomadischen Alanen nach Nordafrika gezogen waren, dort behend agierende Berber und Mauren abwehren mussten und nach ihrer vernichtenden Niederlage 533/34 gegen Belisar aus den Überlebenden fünf große Reitereinheiten gebildet wurden, um im Dienst Konstantinopels an dessen Ostfront zu kämpfen.24 In den Quellen zur Völkerwanderungszeit tauchen Kontingente der Gepiden, Heruler, Taifalen, Skiren oder Rugier auf, daß sie kaum von denen der Reitervölker geschieden werden können, da sie sich notgedrungen mit den östlichen Reittechniken vertraut machen mussten. Die Notwendigkeiten dieser „militärischen Revolution“ vom IV. bis zum VIII. Jh lassen sich am Ausrüstungswandel der Eliten über die Slawen Osteuropas bis nach Skandinavien verfolgen, prägend für die Vendelzeit.



Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen VII.-VIII. Jh

Abbildungen und Grabensembles nach zu urteilen hatten bei den Männern der Reitervölker Gürtel seit je her einen recht hohen Stellenwert, auch in deren Frauengräbern sind sie häufiger erkennbar als bei den westlichen sesshaften Kulturen. In Teilen Mitteleuropas tauchen seit ca. Mitte des VII. Jhs im Rahmen der oben beschriebenen gewandelten Ausrüstung mehrteilige Gürtelkombinationen zur Reiterausstattung vermehrt auf. Im byzant. Reich, dessen reiternomad. Hilfskontingente als Mittler anzusehen sind, fanden sie bereits seit längerer Zeit Verbreitung. Vermutlich dokumentieren archäolog. Funde auf oström Gebiet Stationierungsorte dieser Auxiliareinheiten. Die Gürtel hatten eine Anzahl angenieteter Nebenriemen mit Zungen, an denen der Reiter Teile seiner Bewaffnung, Bogenköcher und weitere Ausrüstung anschnallen/anlaschen konnte, für ein Leben im Sattel ausserordentlich praktisch. Später übernahmen Durchzüge die gleiche Funktion, wenn sich der Riemen am zu tragenden Objekt und nicht mehr am Gürtel befand. Breite Formen der Riemenschieber, wie nach Funden in Hochemmerich oder vom Runden Berg in Urach, führten den Hauptriemen und weisen darauf hin, daß die Gürtelenden nicht unbedingt einfach lang herabhingen. Schmale Schieber wurden seit je her an Sporenriemen verwendet und sind erheblich häufiger nachweisbar. Riemenschieber finden sich genauso in Wikingergräbern (Birka, Rimsby) wie im gesamten kontinentalen mittelalterlichen Fundgut. Zum VIII. Jh hin wurden die Gürtel deutlich schlichter, als ein reduziertes Derivat der vielteiligen Garnituren, teilweise nur noch mit einer Gürtelzunge am Riemenende ohne weitere Beschläge.








ab

Mitte

VII








Langobarden / Baiuwaren / Alamannen



Mehrteilige Gürtelkombination mit Nebenriemen. Die Zungen orientieren sich an Funden aus Ulm, ähnliche Zungen z.B. auch in Krefeld-Gellep, dort allerdings in Frauengräbern



VII_090_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Riemenverbindern_bz und Zungen mit Zier_bz (siehe auch Detailbild).

Auf Anfrage, da gehobene Preisklasse durch die vielen Zungen und Verbinder aus Bronze.








VII

-

VIII



Franken / Alamannen

D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, Funde aus dem FMA siehe Hirrlingen V./VI. Jh oder Haithabu IX./X.Jh

Zur Zunge siehe Funde in Krefeld-Gellep und aus Donauwörth 2. Hälfte und auslaufendes VII. Jh mit Ornament im Tierstil II. Die äussere Form ähnelt Stücken der Zaumzeuggarnituren in Grab 17 von Beckum I, um 575 datiert, und Grab 34 von Beckum II um 600. In beiden Fällen wurden allerdings davon abweichende schlichtere Dekors verwendet.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Tierstil II,

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Tierstil II

montiert 85,00 EUR



Exkurs: Zum Stilempfinden in Spätantike und FMA, Kerbschnitt und Tierstil I. Das Röm Reich wirkte lange Zeit als Leitkultur für die benachbarten Völker, deren Handwerker röm Formen übernahmen oder sich daran anlehnten zu einer Symbiose mit einheimischem Kunstformen. Ein frühes Erzeugnis mag das german verzierte Silberblech der röm Scharnierschnalle aus dem Brandgrab 9/1995 in Hagenow, nordöstl der Elbe sein [Details siehe A. Pesch, Gehörnte Pferde, Elitenkommunikation u. synthetische Tradition am Beginn german. Bildkunst, in: Neue Studien zur Sachsenforschung II, 2011, S. 9-17 ]. Die Autorin entwirft ein, von unserer Zeit deutlich abgehobenes, Kunstempfinden, das nicht durch individuelle kreative Neuschöpfungen gekennzeichnet war, sondern allgemein verständliche tradierte Bedeutungsinhalte reproduzierte. Nicht das Künstlerische, sondern das Handwerkliche wurde betont. Für den heutigen Betrachter läßt sich auf diese Weise ein Motivkanon und ein Stil anhand strenger Darstellungskriterien in der jeweiligen Epoche erkennen. Pesch betont, daß damalige Produzenten und Auftraggeber gemeinsame Regeln und ein ähnlich geschultes Geschmacksempfinden normativ anerkannt haben. So ist die Orientierung der Eliten an röm Formen und Techniken in Europa lange Zeit verbindlich, aus denen sich für uns erkennbar germanische Ableitungen identifizieren lassen. Die Pressbleche des III. Jhs basieren technisch auf röm Vorbildern, inhaltlich drückt sich germanisches Stilempfinden aus. Röm Objekte der Spätantike, wie Bronzegefäße mit Tierfriesen, Kerbschnittbronzen oder Münzen fanden durch Handel, Beute oder als Geschenk Verbreitung bis nach Skandinavien und beeinflußten dortiges Handwerk. Der Kerbschnitt und vor allem der motivisch eng begrenzte Tierstil I seit dem V. Jh, mit seinen abstrahierenden ornamentalen Tierfiguren, wurde angeregt durch naturalistisch anmutende spätröm Tierdarstellungen, wie Löwen, Hippokampen und diverse Fabelwesen, bsplw auf Gürtelgarnituren, die im Barbaricum durch das Soldwesen Verbreitung fanden. Aus dem plastischen röm Stil wurde ein verflachter german Stil mit seitlich im Profil und im Rahmen angeordneten abstrahierenden Tierformen. Doch beschränkte sich die Motivik nicht auf Tierfiguren allein, sondern geometrische Muster, Flecht- und Schlingbänder oder florale Elemente wurden ebenso aus der röm Kunstwelt übernommen, siehe als beispielhafte Anleihen spätantike röm Mosaike. Das prägte den Tierstil II seit dem auslaufenden VI. Jhs ... [weiter siehe Tauschierarbeiten der Merowingerzeit, S. 35-64]








VII

-

VIII







Frau/Mann

Breite D-Schnallen mit hohem Rahmen sind teilweise Derivate der aufwändigen Männergürtelkombinationen mit Blechen und Gegenblechen aus dem VI.-VII. Jh. Nun wurden sie mit einfachen Blechen oder auch ohne solche verwendet, s.u..



Eine Zunge mit Kreisaugenverzieruung fand sich z.B. in einem Grab des Doms zu Eichstätt, ähnliche Formen mit Verbreitung in Süd- und Westdtld, so in Krefeld-Gellep seit Ende VI. Jh.



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR



VII-VIII_011a_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Breite D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild Zunge u Blech noch nicht vernietet]








VII

-

VIII





Frau/Mann

D-Schnallen mit hohem Rahmen aus Bronze und Eisen sind seit der auslaufenden MWZ zu beobachten, siehe auch Funde aus Tübingen um 700.

Die lanzettförmigen Zungen haben recht unterschiedliche Ausformungen, manchmal tragen sie Verzierungen. Sie sind nicht römischen Ursprungs, sondern stammen aus dem Osten, von den Reitervölkern, so u.a. bei den Sassaniden im VII. Jh nachweisbar. Es finden sich ähnliche Formen bei den Langobarden in Italien, die sie, wie Heruler und Gepiden im Donauraum kennen gelernt haben mögen und bei den mehrteiligen Gürtelkominationen, s.o. Verwendung fanden. Abgewandelte Formen auch nördlich der Alpen.



VII-VIII_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild Zunge noch nicht vernietet]



VII-VIII_011b_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge groß (siehe auch Detailbild),

montiert 85,00 EUR








VII

-

VIII





Frau/Mann

Schlichte bronzene D-Schnalle mit hohem Rahmen z.B. Kaarst am Niederrhein, dort kombiniert mit Blech aus Eisen oder aus dem VII. Jh Palenberg/Qualburg bei Kleve. Es gibt auch Funde ohne Bleche.



VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Befestigung durch Flachkopfnieten,

ohne Zunge,

montiert 49,00 EUR



VII-VIII_011_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot),

hohe D-förmige Schnalle Bronze ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR






VII

-

XI



Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO. Auch Eisen mit Blechen möglich, siehe z.B. Palenberg I (St. Peter) Grab 13 u 18 in Qualburg bei Kleve VII. Jh.

Einfache ovale meist rundstabige eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen. Manchmal lagen mehrere unterschiedliche Größen von 2 bis 4 cm in einem Grab, wie in den Frauengräbern 10 u 26 von Ober-Ingelheim.



Eis_20 „D“ rundstabig

lieferbar 20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[30 mm „D“ rundstabig nicht mehr lieferbar]



Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

------

Eis_20 oval rundstabig [siehe kleinerer Typ Abb. links]

20 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR








Zierscheiben von gehobenen Frauenausstattungen VII. Jh

Rund 1000 (!) Zierscheiben wurden in West- und Mitteleuropa bislang gefunden, vereinzelt auch in Skandinavien, es gibt nur wenig gleiche. In Gräbern sind sie zuweilen von einem Umfassungsring unterschiedlichen Materials umgeben, welcher Analysen zufolge auch aus kostbarem Elefantenelfenbein bestehen konnte, ein Hinweis auf Importe dieses Artikels aus dem byzantinischen Wirtschaftsraum.25 Die Frage nach Gürtelziergegenstand oder Taschenverschluß, bzw Zier auf einem Taschendeckel, ist in der Forschung umstritten, letzteres scheint mir aber im Zusammenhang mit den Umfassungsringen nicht unwahrscheinlich.








VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer







Die Zierscheiben liegen in den Gräbern in recht unterschiedlicher „Körperhöhe“, von einer Lage im Beckenbereich knapp unterhalb des Leibgurts (tendenziell in westlichen Gebieten), über Funde in Kniehöhe, wie in Krefeld-Gellep Grab 2743, bis hin zu sehr tiefen Positionen unterhalb des Knies, was eher typisch für den alamannisch-baiuwarischen Raum ist.



VII Zierscheibe 01_bz

Durchmesser 6,5 cm

15,00 EUR






VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer



Zierscheibe

ähnlich in Aichach, 2. Hälfte VII. Jh., Schlangen-Dreierwirbel auch Fund in Raesfeld/Niederrhein und Variante im RG-Mus Köln, FO unbekannt



War die Schlange mglw ein Symbol für die Unsterblichkeit, wegen der Häutung oder der Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit, ein Hüter von Dingen, die im Boden verborgen...?



VII Zierscheibe 02_bz

Durchmesser 4,5 cm

12,50 EUR






VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer





Zierscheibe

ähnlich zu eis si tauschiertem Fund von Fort St. Vincent VII. Jh oder aus Bronze in Meckenheim, Rhein-Sieg Kreis oder vom alamann. FO Schaan.








VII Zierscheibe 03_ws

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR






VII





Für moderne Zeitgenossen





Zierscheibe mit Öse

ähnlich zu eis si tauschiertem Fund von Fort St. Vincent VII. Jh oder aus Bronze in Meckenheim, Rhein-Sieg Kreis oder vom alamann. FO Schaan.



VII Zierscheibe 04_ws als Anhänger

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR








Gehobene Frauenausstattungen Fibelreplikate VI.-VII. Jh



Zur Mode

Die ost- und nordgermanische Frauentracht hielt scheinbar noch lange am gefibelten Kleid (Peblos) fest, während die westgermanische sich durch den Kontakt mit der römischen Kultur zur Tunika wandelte. Damit benötigten ostgerman. Frauen mehr Fibeln, nachweisbar im Falle von Körperbestattungen, wie im III. Jh in Haßleben, nördl. von Erfurt mit einem kostbaren Fibelpaar auf den Schultern oder in Dienstedt bei Stadtilm. Auch die paarigen Silberblechbügelfibeln der westgot. Oberschicht fanden sich noch lange, um das Kleid, vielleicht aber auch den Umhang, zu halten, während im Westen die Fibeln auf jeden Fall zum Verschluß eines Umhangs oder Mantels dienten. Neuere Rekonstruktionen gehen davon aus, daß auch die Doppelfibeln einen Umhang halten konnten und somit nicht zwingend auf ein Peplos hinweisen müssen! Bis ungefähr zur Mitte des V. Jhs dienten Stützarm-, Bügel- oder Gleicharmfibeln, bei den Sachsen auch Armbrustfibeln, manchmal auch röm. Altstücke, als übliche Mantelverschlüsse im Hals- und Schulterbereich. Seit Beginn der älteren Merowingerzeit war nach Grabfunden die Oberschicht häufig an der Vierfibeltracht zu erkennen, wobei neben einem paar Kleinfibeln am Oberkörper grössere Bügelfibeln im Beckenbereich oder am Unterkörper getragen werden konnten, manchmal in Verbindung mit einer Amulett- /Schmuckkette oder einem Gehängeband, das teilweise auch am Gürtel befestigt war. Die Funktion der „tief getragenen“ Fibeln ist nach wie vor umstritten und es ist unsicher, ob sie den Mantel oder das Obergewand fixierten, das Gehängeband trugen, einen Stoffgürtel oder eine Schärpe in Form hielten, vielleicht nur das Totengewand schlossen!26 Manchmal haftete ihnen Brettchengewebe an, mglw. das Indiz für den Stoffgürtel oder eine Kantenborte. Diese Fibeln wurden in der Regel aus Bronze oder Silber gegossen und waren nicht selten feuervergoldet, zeigten somit deutlich den Rang der Trägerin. Sowohl bei den Kleinfibeln, in Form von stilisierten Pferden, Vögeln, S-förmigen Wesen und zuletzt kleinen Scheiben, manchmal mit Ketten verbunden, wie in Unterhaching, als auch bei den Bügelfibeln, waren die beiden paarigen nicht immer gleichen Typs. Im Frauengrab 1 aus Heidenheim-Großkuchen des VI. Jhs befanden sich bsplw. zwei vergoldete silberne Bügelfibeln unterschiedlicher Form, ebenso im Grab 10 des Gräberfelds I von Frei-Weinheim bei Ingelheim aus der 1. Hälfte des VII. Jhs. Die Kleinfibeln, und zuweilen auch Bügelfibeln, der gehobenen Schichten des VI. Jhs wurden in der Regel nicht durch den Stoff gestochen, sondern mit kleinen Textilschlaufen oder Ösen befestigt, damit der Stoff geschont wurde.27

Ein Kennzeichen des Übergangs zur jüngeren Merowingerzeit war die Ablösung dieses Fibelensembles durch eine einzelne Scheibenfibel, nach byzant. Modesitte, vermitteln mglw durch die Langobarden in Italien, welche die Vierfibeltracht nach dem Ende ihres Zuzugs aus dem Donauraum aufgaben. Der Wandel erfolgte nördlich der Alpen regional unterschiedlich um und nach 600, wobei es im Übergang auch Mischformen der Fibelkombinationen gab, siehe Frei-Weinheim mit Bügel- und Scheibenfibel, oben. Im westlichen Frankenreich fasste die Sitte der einzelnen Fibel bereits Ende des VI. Jhs, während sie im Mittelrheingebiet und in Süddtld teilweise Mitte des VII. Jhs übernommen wurde. Der Norden Europas folgte später nach, die letzten Regionen in den Rus Reichen erst gegen Mitte des X. Jahrhunderts. Tiermotive des Stils II tauchen in der jüngeren MWZ des VII. Jhs auf. Auch von den Scheibenfibeln konnten metallene Ketten hängen mit kugelförmigen Amulettanhängern. Ebenfalls auf Modesitten der byzant. Prunkgewänder läßt sich die vielfältige Verwendung von Perlen auf Strängen oder gestickt auf Gewandung und Gürtel zurückführen. Bei den aufgefädelten Perlenketten wurden in der älteren MWZ grosse und mittlere, in der jüngeren MWZ eher kleinere Glasperlen bevorzugt. Die Glasperlen waren opak oder transluzid, auch Bernstein-, Bergkristall und Amethystperlen, Muschelscheiben und gelochte oder mit Aufhängeösen versehene Münzen möglich.















Weitere Infos zur Kleidung im FMA siehe: „Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau“, S. 88ff und „Am liebsten schön bunt! Kleidung im Frühen MA“.

Abb. Einfibeltracht aus „Stuttgarter Psalter“ Anf. IX. Jh, ältere aussagekräftige Bildquellen selten. Die meisten Aussagen zu dieser Trageweise stützen sich auf archäologischen Funden.




...Urzeit war es, Aare schrien...“







V




Goten / Langobarden / Baiuwaren / Franken



Vogelfibel

Funde in Metz, Burgund und Limburg/NL ähnlich



Raubvögel, wie der Adler, als starke Symboltiere in den nordischen und östlichen Steppenkulturen. Im Original mit Almandineinlage als Beleg für die nomadischen Einflüße, die seit der Hunnenzeit modisch über Europa fluteten...



V_Vogelfibel_bz mit rotem Glasluß

3,4 x 1,6 cm

- nicht mehr lieferbar -






VI





Langobarden / Baiuwaren / Alamannen





Rechtsläufige S-Fibel mit Raubvogelköpfen nach Funden in Altenerding, Künzing Bruck 2. Hälfte VI. Jh und Langenenslingen bei Biberach, ähnlich auch langobard. im Museum Cividale de Friaul,

auch hier ist der „östliche Einschlag“ unverkennbar, statt Almandin ist nur die Kittmasse erhalten.



VI_S-Fibel_bz

Länge 3,7 cm

Paar 45,00 EUR








VI





Franken / Baiuwaren





Kl. Scheibenfibel

Funde in Inzing, Lezoux und Limburg/NL ähnlich, ebenso Annäherung an Fund in Grab 213 von München-Aubing.



VI_Scheibenfibel_bz mit rotem Glasfluß

Durchmesser 2,2 cm

- nicht mehr lieferbar -






VI





Alamannen / Baiuwaren





Rosettenscheibenfibel

Funde im süddt. Raum häufig. Rekonstruktion orientiert sich an Beständen der Archäolog. Staatssammlung in München (AO). Die frühen Formen Ende des V. Jhs waren eher kreisrund, während die späteren des VI. Jhs diese Rosettenform annahmen.



VI_Rosettenfibel_bz m. rotem Glasfluß als Almandinersatz

Durchmesser 3,8 cm

Paar 45,00 EUR








VI






Alamannen / Langobarden / Baiuwaren / Franken / Sachsen / Angelsachsen





Bügelfibel mit rechteckiger Spiralplatte

Hohe Verbreitung, siehe Funde dieses Typs in Lauchheim/Wasserfurche und Nordendorf bei Augsburg, Menzelen-Rill bei Duisburg, ähnlich in Krefeld-Stratum alle aus der 1. Hälfte VI. Jh, Okarben/Wetterau Grab 11 Mitte VI. Jh, ähnlich Freundorf/NÖ 2. Hälfte VI. Jh und im VII. Jh in Kent, sowohl einzeln, als auch paarweise.



VI_Rechteckspiralplattenfibel_bz oder ws

Länge 9 cm

Paar bz 85,00 oder ws 90,00 EUR

[Weißmetallüberzug mit hohem Silbergehalt]








VI








Franken / Langobarden







Bügelfibel mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und länglichem Tierkopf nach Typ Mainz 2. Hälfte VI. Jh.




VI_Bügelfibel rechteck u Tierkopf_bz

Länge 8 cm

- auf Anfrage -










VI










Franken










Bügelfibel mit halbrunder, knopfverzierter Spiralplatte und endständigem Tierkopf, ähnlich zu Funden in Ostheim/Butzbach und in Weimar 2. Hälfte VI. Jh.

[Wobei das Fibelpaar der fränk Oberschicht zugerechnet wird und speziell in Weimar eben dieser als Besatzer oder einer einheimischen Kollaborateurin zugedacht werden muss, denn typisch für die Thüringer ist sie nicht]



VI_Bügelfibel halbrund u Tierkopf_bz

Länge 10 cm

- auf Anfrage -






VI

-

VII







Franken





Bügelfibel mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und breitem Tierkopf, ähnlich zu Funden in Krefeld-Gellep, 2. Hälfte des VI. Jhs, in Köln, Soest, Mainz oder Würzburg bis um 600. Ein ähnliches recht spätes Exemplar aus Frei-Weinheim bei Ingelheim, 1. H. VII. Jh, war aus Bronze gegossen und wurde nicht vergoldet, wie sonst oft üblich bei kostbaren Silbervarianten.



[Wobei das Fibelpaar der fränk Oberschicht zugerechnet wird und speziell in Soest eben dieser als Eroberer oder einer einheimischen Kollaborateurin zugedacht werden muss, denn „typisch sächsisch“ ist sie nicht]




VI-VII_Bügelfibel rechteck u Tierkopf_bz

Länge 8,5 cm

- auf Anfrage -



Die hier gezeigten Fibeltypen kommen je nach Region zum Ende des VI. oder erst im Laufe des VII. Jhs aus der Mode. Bis zu 5 cm grosse Scheibenfibeln waren nun Bestandteil der gehobenen Frauentracht. Seit der Karolingerzeit wurden teilweise kleinere und einfachere Exemplare auch von Männern getragen, siehe auf den Seiten IX.-XII. Jh. Nach Befunden der letzten Reihengräberfelder und Abbildungen gemäß läßt sich folgern, daß Frauen ihre Übergewandung mit den Scheibenfibeln unter dem Hals, bzw. auf der Brust und Männer auf der rechten Schulter schlossen, sofern keine Nadeln oder Bindesysteme, s.u., genutzt wurden, die für einfache Darstellungen mit Sicherheit eher angebracht sind.




VIII

-

IX

Mals/Vinschgau

Männerbestattungen weisen in der MWZ fast überhaupt keine Fibeln auf. Möglicherweise wurden eher Knochennadeln oder Bindesysteme getragen, so daß keine Rückstände blieben. Aufgrund der kostbaren Goldbrokatborte, die den Rand des wollenen Umhangs im Männergrab 143 von Greding-Großhöbing schmückte und die man nicht mit Nadeln durchstieß, ist zu folgern, daß er durch das Knoten von Bändern zusammen gehalten wurde. Auch der Graf (!) in der Kirche St. Benedikt zu Mals im Vinschgau [siehe Bild links] trug noch um 800 seinen Mantel auf der rechten Schulter geknotet, ohne daß hier eine kostbare Fibel schloß. Eine Kombination aus beidem scheint sich bei den Höflingen auf der Abbildung Karls des Kahlen in der Vivianusbibel Mitte des IX. Jhs anzudeuten. Die Bänder sind Zusatz oder „degenerieren“ zu Zierquasten. Das IX. Jh wird durchaus Fibelformen für Männer kennen, siehe nachfolgende Seite...








Exkurs 5a: Bronze oder Messing im FMA

Bronze oder Messing sind nicht nur divergierende Legierungen, sondern auch unterschiedliche Produktionsverfahren. Der Bronzeguß (Kupfer/Zinn, eher Rotguß) war in unserem Raum im FMA seit Jahrtausenden bekannt und technisch weit entwickelt. Der Messingguß (Kupfer/Zink, eher Gelbguß) soll aus Kleinasien stammen und wurde erst von den Römern in Westeuropa zur Kaiserzeit verbreitet, berühmte Gelbgießerwerkstätten waren in Capua ansässig, nördlich der Alpen Nachweise z.B. in Xanten. Augustus hatte für die Kleinmünzen sestertius, dupondis und semis die Kupfer-Zink-Legierung orichalcum eingeführt mit einem maximalen Zinkanteil von 26-27%. Bei schwierigem Formenguß konnte auch die Zugabe von Blei als Flußmittel nachgewiesen werden. Die Römer verwendeten Messing-Legierungen in unterschiedlicher Zusammensetzung, u.a. für diverse Ausrüstungsteile der Armee in der frühen Kaiserzeit, Helme im III. Jh oder Gürtelteile im IV. Jahrhundert. Oft wurden diese Objekte verzinnt, wie es auch bei eisernen geläufig war. Es wird in der Forschung diskutiert inwieweit auf der Messingproduktion ein Staatsmonopol lag, um Münzfälschungen zu unterbinden. Bis in das HMA wurde Messing als „auricalcum“ („Niedergold“ bei Th. Presbyter Anf. XII. Jh) geschätzt, da es einen „goldigen“ Glanz aufwies. Der Zinkanteil kann in der Moderne zwischen 5 und 45% schwanken. Bei einem Zinkgehalt unter 18 % hat Messing eine rötlichere Farbe, sogenanntes „Goldmessing“ oder „Tombak“. Zink gewinnt man hptsl aus Galmei-Vorkommen (ZnCO3). Das Material war erheblich seltener und schwieriger zu beschaffen als Zinnerze Für viele Jahrhunderte sollte die Maasregion und der Aachener Raum wegen seiner Galmei-Vorkommen und der Messingproduktion eine zentrale Rolle in Europa spielen. Spätestens seit dem II. JhAD beuteten Provinzialrömer die Vorkommen bei Gressenich in der Nähe von Aachen aus. Ein Niedergang war mit der Völkerwanderung zu verzeichnen, mglw durch den ausfallenden Kleingeldhandel, in der MWZ ist Messing durchaus nachweisbar, bei relativ kostbaren Erzeugnissen, wie tauschierten Gürtelschnallen mit Einlagen von Silber und Messing oder bei einer Scheibenfibel in Mühlacker-Dürrmenz, wo das Messingblech der Schauseite verzinnt worden ist. Ein allgemeiner Aufschwung erfolgte zu karolingischen Zeiten. Mehrere Messingbarren und ein zum ovalen Messingring geformter Zierdraht [Grabung 1963-64] wurden u.a. auch in Haithabu gefunden. Entlang des Hellwegs vom Rhein bis nach Paderborn war durch die Zäsur der fränk. Eroberung die Messingproduktion nun nachweisbar. Galmeivorkommen zeigen sich auch im nördl Sauerland bei Brilon und Iserlohn, wobei unsicher ist, ab wann diese ausgebeutet wurden. Nach Bleierzen wurde dort bereits in der röm Kaiserzeit geschürft, das mit den Bleierzen auftretende Galmei wurde allerdings in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt. Für den Ramsbecker Raum am Bastenberg sind Stollen aus dem HMA bekannt, die im XIII. Jh aufgelassen wurden. Allgemein erfolgte der Abbau im Sauerland bis ins XIX. Jh und hat die Spuren der Vorgängerbaue vielfach verwischt. Im Eisacktal, südlich des Brenners, ist bei Villanders oberhalb von Klausen der Abbau von Silber mit der ältesten Bergbauurkunde Tirols seit 1140 nachweisbar. Doch wurde allerdings weniger das begehrte Edelmetall gefunden, als vielmehr Kupfer, Blei und Zinkerz, dessen Abbau unter den Fuggern um 1500 die Blütezeit erreichte.

Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit eine strenge Trennung in Gelb- oder Rotguß über grosse Zeiträume und zunehmender Entfernung zum anstehenden Rohmaterial beibehalten werden konnte, wenn bsplw. Altmaterial verarbeitet wurde. Altmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Mischformen sind im Mittelalter häufig. Ohne metallurgische Untersuchungsverfahren bezeichnen moderne Publikationen Funde in Buntmetallen deshalb generell als "Kupferlegierungen", in England "copper alloy". Neben Bronze, Messing wird auch „gun metal“ oder Tombak so genannt, also Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink, bzw. Legierungen, hinzu mit unterschiedlichen prozentualen Anteilen, bzw. „Verunreinigungen“ durch Antimon, Arsen, Blei oder Silber. Letztere waren häufig absichtlich beigefügte Flußmittel. Nur in wenigen unserer Veröffentlichungen, ausgenommen die neueren Datums, werden spezifizierte Angaben gemacht, wie bsplw. die metallurgischen Analysen in den Londoner Dress Accessories, S. 387ff. Im 3. JtsdvC wurden bereits Flußmittel wie Arsen verwendet, denn „Ötzi“ zeigt eine nicht unerhebliche Arsenanreicherung im Körper. [Zur Messingproduktion siehe auch Lammers, Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. 48]










Quellen und weiterführende Literatur (und die ausführlichen bibliografischen Infos [fett] zu oben genutzten Kurzformen):

- Ade, D./ Rüth, B./Zekorn, A.: Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau, Stuttgart 2008.

- Bosl, K.: Europa im Mittelalter (1970), Ausgabe Darmstadt 2005.

- Dannheimer, H.: Das baiuwarische Reihengräberfeld von Aubing, Stadt München, Stuttgart 1998.

- Delbrück, H.: Geschichte der Kriegskunst, Bd. II Die Germanen (1901-21), Nachdruck der Neuausgabe 2008.

- Grütter, T./Jung, P./Stephan-Maser, R.: Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und FMA an Rhein und Ruhr. Katalog zur Ausstellung, Essen 2015.

- Haas-Gebhard, B.: Unterhaching. Eine Grabgruppe der Zeit um 500 n.Chr. bei München. Arch. Staatssammlung München 2013.

- Hattler, C.: Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen, Ausstellungskatalog Bad. LM Karlsruhe 2009 [DKdVa].

- Ilkjaer, J.: Gegner und Verbündete in Nordeuropa während des 1. bis 4. Jhs, in: Norgard-Jorgensen, A. u Clausen B.L. (Hrsg.), Military Aspects of Scandinavian Society in a European Perspective, AD 1-1300. Copenhagen 1997, S. 55 ff.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Kulikowski, M.: Die Goten vor Rom, dt. Stuttgart 2009, engl. Rome´s Gothic Wars. From the Third Century to Alaric, Cambridge 2007.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Menghin, W.: Die Langobarden. Geschichte und Archäologie, LizAusg Wiesbaden o. J.

- Perin/Menghin/Wieczorek/vWelck: Die Franken - Wegbereiter Europas 5. bis 8. Jh. n. Chr., Ausstellungskatalog Mainz 1997.

- Pirling, R.: Römer und Franken in Krefeld-Gellep, Mainz 1986 [RFiKG]

- Ravaux, J.P.: La Collection Archeologique de Mme Perrin de la Boullaye, Chalons-en-Champagne 1992.

- Springer, T.: Frühgeschichte. Archäolog. Funde von den Römern bis zum MA im GNM, Nürnberg 2014.

- Thiedmann, A.: Die merowingerzeitlichen Grabfunde in der Wetterau. Materialien zur Vor- u Frühgeschichte von Hessen, Wiesbaden 2008.

- Walter, S./Peek, C./Gillich, A.: Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, Esslingen 2008.

- Wenzel, A.: Zwischen Childerich u. Karl d. Gr. Der Ingelheimer Raum in fränk. Zeit. Katalog zur Ausstellung Nieder-Ingelheim 1997.

- Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog der Villa Hügel Essen 1956.





V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Zahlreiche Monumente wurden umfunktioniert oder dienten als Materialquelle. Im Zuge der Barbareneinfälle vom III. bis zum V. Jh verbauten Römer in gefährdeten Provinzen z.B. Spolien in Stadtbefestigungen und nahmen ähnliche Sicherungsmaßnahmen vor. Durch die Christianisierung wurden Tempel, Thermen und Basiliken zu Kirchen umfunktioniert und in Nordafrika zu vandalischen Zeiten Keramikmanufakturen in ehem Badeanstalten eingerichtet oder in ihnen Kalkbrennöfen betrieben. Nach der Rückereroberung sicherten Oströmer im VI. Jh nordafrikanische Städte gegen Berber- und Maureneinfälle u.a. durch die Befestigung von Foren oder Theatern. Der Statthalterpalast in CCAA (Köln) blieb nach der Übernahme durch ripuarischen Franken ihr Herrschaftssitz. Vermutlich sind verfallene steinerne Bauelemente durch Holzkonstruktionen ausgebessert worden. Mit anderen Worten, die blühende spätantike Stadtlandschaft war bald kaum wieder zu erkennen. Sie veränderte ihr Antlitz grundlegend.



2/Es ist der Kampf um Ressourcen, von unserem Wirtschaftssystem verlangt, ohne innere Bremse - auch Covid 19 wird keine lang andauernde sein - wahrscheinlich bis zur völligen Erschöpfung des Planeten, zumindest einige seiner Bewohner. Für den „Stromtanker“ gibt es momentan einen „politischen Vorteil“, aber kein „reines Gewissen“, solange er nicht erneuerbare Energien nutzt, denn „Tanken aus dem Atom- oder Kohlekraftwerk“ ist nur eine Problemverlagerung, sofern das von Belang.



3/Zu den Tributen siehe Prokop Vandalenkrieg III, 4: „ [Geiserich] schloß mit Kaiser Valentinian Frieden, versprach einen jährlichen Tribut zu zahlen und stellte einen seiner Söhne, Hunerich, als Geisel.“ Eine gute Einführung ins Thema der Übergangszeit von der Spätantike ins FMA und mglw mit einer „Prise Exotik gewürzt“ durch das ungewöhnliche Germanenreich rund um Karthago, bietet der lesenswerte Ausstellungskatalog „Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen[DKdVa] des Landemus. Karlsruhe von 2009, daraus zitiert R. Prien, Archäolog. Migrationsforschung, S. 140 und verknappt S. 100, die Gründe von A. Demandt warum das Westreich unterging: Aufstieg des Christentums mit fatalem Mentalitätswandel, sozialökonomische und naturwissenschaftliche Ursachen (Klimawandel), drückende Steuerlasten, Versagen von Staat und Verwaltung mit allgemeiner Dekadenz bei dem Verfall der eigenen Wehrhaftigkeit gegenüber einem gesteigerten Kampfpotential auf barbarischer Seite.



4/Übernommen und erhalten wurde es vornehmlich von denjenigen, die davon profitierten. Wie im Röm. Reich die Masse besteuert und die soziale Elite privilegiert wurde, änderte sich in der Nachfolge an diesem System nichts, die Kirche sorgte für die moralische Rechtfertigung, spendete mit dem üblichen „Mummenschanz“ [Deschner] den Nicht-Privilegierten Trost und verwies auf das Jenseits, um die Masse gefügig zu halten. Vor der Übernahme des römischen soll das germanische Gesellschaftssystem angeblich freier und offener gewesen sein. Ob das eine romantische Verklärung ist oder auf historischen Tatsachen beruht, möchte ich für mich zukünftig klären. „Klären“ und möglichst nicht „verklären“ ist für mich die Aufgabe, die natürlich eine subjektive Sichtweise in sich trägt, objektiv schreibt niemand. Desweiteren sei angemerkt, daß im folgenden „Germanen“ thematisiert werden und ich zunächst durchaus Probleme der Annäherung hatte, wie viele moderne deutsche Zeitgenossen. Aber es gibt einen eleganten Weg, ohne politisch irgendwo anzuecken. So wird heutzutage dem Begriff keine ethnische Zuweisung gegeben, „Germanen“ also nicht als ein Volk angesehen, sondern als archäologisch-wissenschaftliche „Kultur“, wie dies durch Gemeinsamkeiten in Sitten und Artefakten für bestimmte Räume z.B. für „Rhein/Weser-Germanen“ oder „Elb-Germanen“ gebräuchlich ist. So betonte D. Berenger im Jahr 2000 die Unmöglichkeit durch die Gleichförmigkeit der „Rhein/Weser-Kultur“ germanische Stämme, wie sie bsplw Tacitus in seiner „Germania“ nennt archäologisch deutlich voneinander zu scheiden. Zumal „Völker“ überhaupt höchst instabile Gebilde sind, die ständigen Veränderungen unterliegen, politisch motiviert und durch komplexe Prozesse Identitäten bildend, wie dies bereits der Althistoriker Mischa Meier formulierte. Noch in den 70er Jahren musste deutlich formuliert werden: „Germanentum und Deutschtum sind nicht identisch“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Die unerlaubte Gleichsetzung entsprang den nationalen Ideen des XIX. Jhs, erfuhr im Kaiserreich nach 1871 eine Überhöhung und erst recht unter dem Nationalsozialismus. Quellen aus dieser Zeit gilt es kritisch zu hinterfragen, genauso jegliche verherrlichende Anschauung und Literatur dieses Zeitraums, das heißt aus Kossinas Dt. Vorgeschichte von 1941 mögen z.B. Zeichnungen von Fibeln oder Abbildungen vom röm. Denkmal aus Adamklissi interessant sein, viel mehr aber nicht. Die von ihm vorgenommene Gleichsetzung von Völkerstämmen mit Kulturgebieten anhand von archäologischen Funden wird heute zu recht verworfen. Die moderne Archäologie sucht nicht mehr nach diesen vermeintlichen Siedlungsgebieten, sondern sieht in den Verbreitungsmustern von Funden eher Hinweise auf soziale Komponenten von einzelnen Individuen, deren Abhängigkeiten im sozialen Gefüge oder Hinweise auf Mobilität. Ähnlich betrachte ich meine private Forschung hinsichtlich der Gefolgschaften, um Aussagen über die Ausrüstung bzgl der Gürtelteile zu machen. Moderne Autoren, wie Jörg Jarnut fordern hinzu eine komplette Neuorientierung der althergebrachten Anschauungen [siehe seine Schrift: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der Frühmittelalterforschung, in: Walter Pohl (Hrsg.), Die Suche nach den Ursprüngen]. Für die Beschäftigung mit der römischen Kaiserzeit (RKZ) und der Spätantike aus einer Sichtweise fernab des Imperiums scheint mir die aktuelle Publikation zur Ausstellung SAXONES in Hannover und Braunschweig 2019 empfehlenswert, obwohl hier der Aspekt des „Netzwerks“ sozialer Eliten im Barbaricum m.E. aus einer zu modernen Sichtweise überstrapaziert wird. Wenn man sich damit beschäftigt, wird man wohl erkennen müssen, daß Netzwerke eigentlich nach anderem Muster funktionieren. Die „Netzwerker“ der germanischen Oberschicht waren sich untereinander selten einig, vernetzten sich nur bedingt und blickten alle gemeinsam „im Netz“ auf die Spinne im Zentrum, nämlich ROM. Der einzige Hinweis auf ein Miteinander ist der Austausch von röm Statussymbolen über Stammesgrenzen hinweg, so daß röm Objekte weit nach Osten „wanderten“, sofern sie nicht über die berühmte Bernsteinstrasse liefen. Vielleicht wurden Begehrlichkeiten bei Völkern geschaffen, die sonst weniger Umgang mit den Römern pflegten.

Nebenbei bemerkt, bin ich mir über die Bedeutung der 12 Jahre nationalsozial. Herrschaft bis in unseren heutigen politischen und kulturellen Alltag im klaren. Aber unsere zeitlich weit entfernten Vorfahren, um die es hier geht, konnten nichts dazu, es gibt keine direkte Entwicklungslinie dahin, keinen Automatismus. In Nord- und Mitteleuropa haben wir seit der Römerzeit bis heute eine Völkermischung erfahren, daß von einem damals beschworenen „germanischen Urtypus“ kaum noch etwas übrig ist. Wenn etwas typisch ist, dann sind es die klimatisch-räumlichen Bedingungen, die jedes Volk prägen. Sie verbinden Völker mental oder entfernen sie voneinander. In unserer Gegenwart ist dies ein nicht unerhebliches Problem der EU. Wie kann ein Finne grundsätzlich Verständnis entwickeln für die Probleme eines Sizilianers? ... Es ist bereits für uns Einzelne schwer über persönliche Erfahrungen, daraus resultierende Anschauungen, Werte und Grenzen hinweg zu sehen, ungleich schwerer ist es für eine kollektive Gemeinschaft, wo noch ganz andere übergeordnete Mechanismen wirken.



5/Die folgenden Begrifflichkeiten mögen vielen bekannt vorkommen: Nach den Reformen der beiden Herrscher beruhte seit dem IV. Jh die größten Einnahme des Staates auf der Grundsteuer des landwirtschaftlichen Besitzes, hinzu kam die Kopfsteuer, die alle 15 Jahre nach dem Steuerkataster neu geschätzt wurde. Auch indirekte Steuern und die Zölle füllten die Kassen. Dazu kamen die persönlichen Hand- und Spanndienste bei Großbauten, die Herbergs-, Quartier- und Versorgungspflicht für reisende Beamte oder die Armee, die Stellung von Zugtieren für die Post, uvam. Nur die Mittel- und Unterschichten wurden für diese Leistungen herangezogen. Senatoren, Großgrundbesitzer und die „junge Kirche“ waren von diesen Lasten befreit! Dafür leisteten jene ehrenamtliche Dienste in der Verwaltung, hafteten mit ihrem Privatvermögen für die Schwächen ihrer Amtsführung [...sollte man mal wieder einführen...] oder für die Aufbringung des Steuersolls und zahlten die Reststeuerschuld aus ihrem Vermögen. Um eine Ämterflucht zu verhindern wurde die städtische Verwaltung, neben anderen Dienstpflichten, zum erblichen Frondienst für den „Bürger“ als Stadteinwohner. Auch Staatsdiener und Soldaten wurden erblich an ihren Beruf gebunden ! Viele Großunternehmen, wie Bergwerke, Waffenfabriken, Tuchwebereien, Brennöfen, Münzstätten, etc. befanden sich in Staatshand, somit waren die Beschäftigten zwangsverpflichtet und hatten keine freie Berufswahl. Es entstand ein staatliches Zunftwesen und eine statische Gesellschaftsordnung von strengen „Kasten“, ohne Dynamik, ohne soziale Mobilität oder Aufstieg. Die Privatinitiative in der Wirtschaft erlag, so daß der Staat wiederum als Hauptabnehmer, vor allem durch die Armee, einspringen musste. Handel und Geldwirtschaft gingen zurück, zunehmende Naturalwirtschaft erzwang die Steigerung landwirtschaftlicher Produktion. Aber auf dem Land herrschte ein Mangel an Arbeitskräften, da Jahrhunderte lang Sklaven diese Dienste verrichtet hatten und der „Nachschub“ mangels grosser Eroberungen und Siege ausblieb. Das freie Kleinbauerntum verfiel stetig, einher ging die Monopolisierung durch senatorische Großgrundbesitzer, die aufgekauftes Land verpachteten. Der nun abhängige Bauer wurde durch Erbpacht an seinen Grund gebunden (Schollenbindung), damit der Boden nicht brach fiel und die Grundsteuer, als Hauptsteuer des Staates, erbracht werden konnte. Der Bauer galt als unveränderliches Zubehör von Hof und Gut, ein Vorbild für die mittelalterliche Grundherrschaft. Ganze Landstriche lagen durch kriegerische Handlungen, Flucht und sinkende Zahlen der Landbevölkerung wüst. Freigelassene ehem. Kriegsgefangene wurden dort heimisch gemacht. Seit dem Beginn des IV. Jhs wird vermehrt von diesen „Laetenberichtet, die Kriegsschäden beseitigten, in speziellen Militärsiedlungen Landwirtschaft betrieben und als Halbfreie der Wehrpflicht unterworfen waren. Ganzen Völkergruppen wurde Grenzland angeboten, im Gegenzug für die Verteidigung dieser Räume, wie im Fall der Franken in Toxandrien oder der Goten auf dem östl. Balkan und später sogar tief im Reichsgebiet, in Aquitanien. Durch die Vergabe von Land an diese Foederaten entfielen dem Staat die Steuereinnahmen der einstigen römischen Grundbesitzer. Durch die fehlenden Gelder konnten Soldaten in röm. Diensten oft nicht mehr besoldet werden, so daß die Reichsverteidigung immer stärker durch selbständige barbarische Kontingente übernommen wurde, die kein Sold, sondern Land zur Eigenbewirtschaftung verlangten. Die Foederatenverträge sprachen den Barbaren ein Drittel der Einnahmen sowie des Grund und Bodens der jeweiligen besetzten Provinzen zu. Dafür leisteten sie Kriegsdienste. Es war im Endeffekt erheblich günstiger Barbaren auf diese Art und Weise zu entlohnen als röm Soldaten jährlich unter festen Sold zu halten! Den Westgoten wurde bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. Nicht anders handhabten es die großen röm. Grundbesitzer durch ihre Privatsoldaten, den buccellarii, mit denen sie auch die niedere Gerichtsbarkeit durchsetzten und, ähnlich wie die angesiedelten Germanen, allmählich eigene Machtzellen im Staat bildeten. In den Provinzen lag seit jeher das wirtschaftliche, politische und militärische Schwergewicht. Sie wurden beherrscht von immer selbständiger werdenden Grundbesitzern, Statthaltern und Generälen, von barbarischen Heerführern, neudt. den „Warlords“, oder besser Gefolgschaftsführern, die für Sold und Beute stritten, so daß der Einfluß der zentralen Regierung in den vier grossen Präfekturen schwand. „...bereits in der ausgehenden Antike erwuchs eine feudale Gesellschaftsordnung,“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Übrige Ausführungen nach Bosl 1970, heute bzgl. der Frage des „Zwangsstaats“ in der Forschung nicht unbestritten, denn verglichen mit der modernen Bürokratisierung waren die Mittel und Möglichkeiten in der Spätantike eher moderat. Die neuere Forschung distanziert sich von dieser althergebrachten Lehrmeinung. Demnach sei keine soziale Erstarrung und vor allem kein wirtschaftlicher Niedergang festzustellen, die Produktivität soll im IV. Jh gestiegen sein, mglw mal wieder eine Schönrechnerei mit Prozentzahlen, wer weiß ?!



6/Das römische Heer war ein kritischer Faktor für die Stabilität des röm Staats der Kaiserzeit. Ein Staat, der eigentlich eine Militärmonarchie war. Mit den Siegen Octavians und der Anerkennung zum Augustus, also gleich zu Beginn des Prinzipats (des späteren „Kaisertums“), war die Armee Garant der Macht, denn Octavian hatte seine Kontrahenten nur mit Hilfe des Militärs niederringen können. Kein Kaiser sollte zukünftig herrschen ohne Zustimmung der Armee. So war es wichtig, daß die Militärs mit der Grenzsicherung, Ausbau der Infrastruktur in den Provinzen und immer neuen Kriegen beschäftigt waren, damit sich ihre Ambitionen nicht ins Innere des Staates richten konnten. Jeder Herrscherwechsel bedeutete Unruhe und Unsicherheit, falls es Heeresteilen gefiel einen eigenen Gegenherrscher auszurufen. Es gab Jahre mit bis zu vier gleichzeitigen „Kaisern“. Truppenmassierungen, bei denen Stimmung und Meinung von Gewicht waren, sind für die röm Machthaber also immer kritisch gewesen und man versuchte möglichst die Legionen auseinander zu ziehen, was aber durch die ständigen Feldzüge an Rhein und Donau oder Euphrat und Tigris nur bedingt gelingen konnte. Die röm Armee hatte seit spätrepublikanischen Zeiten eine multi-ethnische Zusammensetzung, wobei die Zuordnung mit Hilfstruppen/Auxilien oder Truppen der Bundesgenossen und den eigentlichen Legionen lange Zeit klar getrennt war. Doch in der ausgehenden Spätantike lösten sich diese Strukturen auf, so daß barbarische Kontingente, die unter eigenen Befehlshabern kämpften und erheblich kostengünstiger für den röm Staat waren als eigene Truppen, immer stärkeres Gewicht in der Reichsverteidigung bekamen.



7/Bzgl des Rheinübergangs wird spekuliert inwieweit dieser Zug ins Ungewisse aus der Not heraus geboren war, auf Zwang stattfand ausgeübt mglw durch die mächtigen Alanen, die ihre Bündnispartner Sueben und Vandalen „mitschleiften“ oder auf Betreiben eines lokalen röm Machthabers und Usurpatoren, welcher die Barbaren in seine Vorhaben einzubinden gedachte. Für die weitere Wanderung und den Einfall über die Pyrenäen in den spanischen Raum ist die Einmischung in innerröm. Auseinandersetzungen durch Prokop bezeugt. Die Zentralverwaltung in Rom wollte die Eindringlinge aus Spanien vertreiben und zwang die Westgoten durch Abschnürung der Nahrungslieferungen zum Kampf gegen Alanen, Vandalen und Sueben. Die Westgoten erhielten als Dank für ihre Dienste den begehrten Foederatenvertrag und Siedelgebiete in Südwestfrankreich. Trotz hoher Verluste konnten sich die Vandalen halten, doch scheinbar war der erneute Ruf eines röm Regionalmachthabers für sie der Grund die riskante Überfahrt nach Nordafrika zu wagen. Sie kamen, sahen (die Reichtümer) und blieben. Stück für Stück eigneten sie sich die ehem reichen röm Provinzen bis 439 an. Sie errichteten ihr neues Staats- und Gesellschaftssystem nach Umverteilung der Eigentumsverhältnisse, nicht ohne skrupellose Mißhandlungen der ehem. röm Besitzer, sofern jene nicht zur Zusammenarbeit bereit waren, zumal jene der gegnerischen kathol. Religionsrichtung angehörten, was ihnen u.a. die „schlechte Presse“ bescherte. Kurzzeitig fanden sie notgedrungen Anerkennung durch die röm Regierung, nach katastrophaler Verschlechterung der Beziehung kam es, angeblich wieder auf Ruf und Bitte mit Einmischung in innerröm Zwistigkeiten, zur Plünderung Roms und in der Folgezeit zu ausgedehnten Beutezüge der Vandalen per Schiff erst im westlichen, dann auch im östlichen Mittelmeer, so daß sie durch röm Autoren vollends ihren Ruf bei der Nachwelt weg hatten. Geschickt war auch nicht gerade ihr Umgang mit den übrigen german. Völkern. Die Ehe Hunerichs mit der Tochter des Westgotenkönigs wurde unter dem Vorwand gelöst, daß sie versucht haben soll Geiserich zu vergiften. Man schickte sie mit abgeschnittener Nase und abgeschnittenen Ohren zu ihrem Vater zurück ! Amalafrieda, die Schwester Theoderichs des Großen, der versuchte german Völker durch Bündnisse gegen Ostrom zu einen, wurde in vandalischer Haft ermordet. Vandalen fügten sich, ähnlich wie die Franken im Norden, nicht dem ostgotischen Bündnissystem, deshalb rührten weder West- noch Ostgoten einen Finger, als Ostrom begann Nordafrika den Vandalen zu entreissen, ganz im Gegenteil sie leisteten eher Hilfestellung.



8/zitiert aus M. Grant/U. Vones-Liebenstein, Die Welt des frühen Mittelalters, Ostfildern 2003, S. 6



9/Auch den Alamannen war es im III. Jh gelungen Siedelgebiete auf ehem röm Territorium in Besitz zu nehmen, doch keineswegs mit dem Einverständnis Roms. Alamannen blieben immer argwöhnisch beäugte Nachbarn an Roms Grenzen und militärische Auseinandersetzungen sollten zahlreiche folgen. Sie nutzten jede Gelegenheit zu weiteren Expansionen in alle Richtungen. Einhalt geboten ihnen erst die ebenfalls expandierenden Franken im V. Jahrhundert. Beide Völker machten unterschiedliche Entwicklungen in der Ausprägung ihrer Gesellschaftsstrukturen durch. Ursprünglich waren die „Alamannen“ suebische Stämme, die ähnlich wie Burgunder und Langobarden, weite Wanderungen aus dem Elbe-Raum auf sich nahmen. Alamannen überschritten den Limes in Richtung auf das heutige Südwestdtld. und führten weite Kriegszüge ins Röm. Reich bis über die Alpen. So bildeten sich in der Spätantike german. Großverbände, mglw. ausgelöst durch den starken militärischen Druck der Römer oder die röm. Politik der protegierten Klientelfürsten, welche, mit luxuriösen Geschenken versehen, Anhängerschaften sammeln konnten und röm Strukturen nachahmten. Das röm Imperium setzte in der frühen Kaiserzeit mit wirtschaftlicher Stabilität darauf, die eigene Hegemonie auf das Barbaricum möglichst friedlich auszudehnen, nachdem Feldzüge gescheitert waren oder nur kurzzeitige Erfolge brachten. Es galt jenseits der Grenzen einen „Schutzgürtel“ treuer Fürsten zu schaffen und die Interessen der übrigen gegeneinander ausspielen. Erfolgreich gelang dies bsplw bei den Naristen oder auch bei den Hermunduren und Turonen (wohl die späteren Thüringer), die treue Bündnispartner der Römer tief im Barbaricum waren, was Vorteile brachte, da unliebige german Grenzanrainer so „in die Zange“ genommen werden konnten. Die Hermunduren profitierten in vielfacher Hinsicht von ihrer Treue zu Rom. Beispielhaft sei nur die Töpferei von Haarhausen in Thüringen erwähnt, die Drehscheibenware nach röm Muster produzierte. Rom löste die Zentralisierungsprozesse im Barbaricum vermutlich aus, die sich im ungünstigen Fall nun gegen das Imperium selbst wenden konnten, siehe die Einfälle der Quaden und Markomannen Ende des II. Jhs oder die Seeüberfälle der Sachsen in der Folgezeit. Diese Mechanismen wirkten nicht nur in Germanien, sondern bei allen Grenzanrainern, von den Reitervölkern der Sarmaten und Hunnen, über iranische Völkerschaften und Araber im Vorderen Orient bis zu den Berbern und Mauren in Nordafrika. Als die Vandalen im V./VI. Jh die röm Herren in Nordafrika abgelöst hatten bekamen sie die gleichen Probleme mit den erstarkenden Gruppierungen der einheimischen Völker jenseits ihrer Grenzen. Mit grossen Heerscharen, aber oft auch nur in Kommandounternehmungen, wurde Beute aus dem Reich eingetrieben, um Nutznießer von röm. Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs oder der Waffentechnologie zu werden. Als die Alamannen im III. Jh in die ehem. röm Provinzen Obergermanien und in Teile Raetiens einfielen, vertrieben sie die provinzialröm. Bevölkerung vom Land, so daß sich in den wenigen verbliebenen Städten röm. Rückzugs- und Kulturinseln bildeten, wie in Konstanz, Basel, Bregenz, Zürich, Kempten oder Augsburg. Es läßt sich noch heute sprachlich fassen, daß sich das german. Element im südwestdt. Raum stärker als im linksrheinischen Gallien oder weiter auf röm. Reichsterritorium erwies. Dort waren die eingefallenen Germanen gegenüber der provinzialröm. Bevölkerung eindeutig in der Unterzahl. Pirenne, [Europa im MA, S. 23] weist deutlich darauf hin, daß sich von der Sprache der Eroberer auf dem ehemaligen röm. Reichsboden kaum etwas erhalten hat, nur in den Grenzbereichen, in Flandern, am Niederrhein, im Elsaß und im Alpenraum wurde die german. Sprache heimisch, ansonsten ging die german. Kultur innerhalb weniger Generationen in der der römischen Provinzialen auf, die Sprache wurde latinisiert und romanisiert! Die Romanischen Sprachen obsiegten im Westen mit Französisch, Provenzialisch, Spanisch, Portugiesisch, Rätoromanisch und Italienisch. Somit brachte eine längere konsolidierende Besiedlungsphase von eroberten Territorien noch keine eindeutigen Vorteile, wenn nur der german. Bevölkerungsanteil davon profitierte. Integrations- und Verschmelzungsprozesse waren von erheblicher Bedeutung. Burgunder, West- und Ostgoten, Sueben, Vandalen, Alamannen und später auch die Langobarden hatten in der Regel aus der röm., bzw. provinzialröm. Bevölkerung keinen Rückhalt und galten als fremde Besatzer und Barbaren, während hingegen die Franken um 500 ihren Glauben auf die ehemalige Reichsreligion ausrichteten, brachten sie die christl. Bischöfe und die ehemaligen provinzialröm. Senatoren auf ihre Seite, förderten sie das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bevölkerungsteile. Darin liegt vermutlich das Fundament ihres Aufstiegs begründet und es bedurfte nur eines machthungrigen Potentaten, wie Chlodwig, der diese Entwicklung eingeleitet, auch geschickt und skrupellos nutzte, indem er sich vorhandener Reste des einst mächtigen röm Staatsapparats und seiner kulturellen Errungenschaften bediente. Die Laienkultur, die Schriftlichkeit, das Steuer-, Rechts- und Münzwesen besaßen nicht mehr ihren ursprünglichen Stellenwert und waren im Zerfall begriffen. Um die Reste zu erhalten und für sich zu nutzen war die provinzialröm. Bevölkerung für die Franken unentbehrlich.



10/Diese personellen Bindungen erklären vielleicht, weshalb Germanen in der Spätantike vom III. bis V. Jh innerhalb der röm Ämterhierarchie sehr hohe Positionen als Heermeister einnehmen konnten. Die Söhne german. Anführer wurden als Geiseln bereits seit langem in die röm Welt eingeführt, durch und durch romanisiert, mit röm Ämtern und Titeln versehen. Der röm Kaiser Konstantin hatte begonnen ihnen den Weg in die höchsten militärischen Ämter zu öffnen. Mglw. stand dahinter die Überlegung die german. Kontingente unter röm Fahnen durch ihre eigenen Befehlshaber zu halten, um Massendesertationen zu vermeiden. Da Germanen niemals dem unpersönlichen Staat, sondern nur gegenüber Personen die Treue halten würden. Zu den schriftlich fixierten german Rechten: Codex Euricianus seit 475c als Vorläufer der Lex Romana Visigothorum von 506 mit den hohen Anteilen röm Rechts siehe „Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen“, S. 153.



11/Genau genommen war er einer von fünf Patriarchen, nämlich die Bischöfe von Alexandria, Antiochia, Jerusalem, Konstantinopel und Rom. Vier der fünf Bischofsitze war ehrwürdig alt und einst von Aposteln gegründet. Rom sah sich nur selbst als den wichtigsten an.



12/Die Franken - Wegbereiter Europas, Bd I, S. 148/149.

13/Vielfach waren die Franken in den neuen Regionen in der Unterzahl und bestrebt die lokalen Herren zu „frankisieren“, sofern diese Prozesse nicht durch die Unterworfenen automatisch statt fanden, um Akzeptanz bei den Herrscherhäusern zu gewinnen. Durch Eide wurde gebunden. Denn “Eid und Treue“ waren der Kitt in den frühen Gesellschaften, begrifflich verklärend mit fataler Wirkung bis in unsere jüngere Vergangenheit. Auch die Kirche und unsere moderne Strukturen bauen im Recht und bei Dienstverhältnissen auf den „Eid“ und die „Vereidigung“. „Meineid“ steht auch heutzutage unter Strafe.

Archäologisch werden z.B. Bestattungen mit Ringknaufspathen als „Herren“-Gräber bezeichnet, in denen vermutlich Gefolgschaftsführer lagen, oft mit Pferdegeschirr, bzw Zaumzeug und weiteren standesgemässen Insignien, beispielhaft siehe Grab 1782 in Krefeld-Gellep aus der 1. Hälfte VI. Jh mit einer frühen almandinverzierten Ringknaufspatha. Über 80 solcher Schwerter sind nicht nur aus dem Frankenreich, sondern auch aus Südengland, Skandinavien oder Norditalien bekannt. Pirling: „In nordischen Sagen werden Ringe am Schwert gelegentlich erwähnt und ein Ehrenname für den König ist „Ringspender“...“ [RfiKG, S. 158]. Weitere bekannte reiche Grabensembles stammen vom „Herrn von Morken“ oder aus Wünneberg, von Beckum, uvam. Es werden Franken oder kollaborierende einheimische Adelige und Funktionsträger gewesen sein. Bei den Einheimischen steht zu vermuten, daß sie sich in Stil und Ausrüstung schnellstmöglich den herrschenden Gebräuchen anpassten, so wäre ein führender Alamanne oder Sachse nach der fränk. Eroberung den Beigaben nach vermutlich gar nicht mehr als solcher zu erkennen! Wie wichtig Umritte für die Amtsausführung waren, verdeutlicht der Umstand, daß im VI. Jh der Alamannenherzog Uncelen, wegen Ermordung des burgundischen Hausmeiers Protadius, durch Königin Brunichilde mit Abschlagung eines Fußes amtsunfähig gemacht wurde. Damit war das Gehen erschwert und bedingt auch das Reiten, denn Steigbügel sind im archäologischen Fundgut nachweisbar. Das „Heil“ des Heerführers war absichtlich beschädigt, mglw. hatte dieser Umstand mehr Gewicht als die Beeinträchtigung in der Bewegung. 902/03 machte der begüterte vir venerabilis Joseph dem Bistum Freising eine Schenkung für sein Seelenheil: „Joseph kam zum Freisinger Bischof Waldo nach Stiefern und übergab ihm und dessen Vogt Engilhart in diesem Ort Besitzungen, die Joseph dem Bischof und dessen Gefolge durch Umreitung zuwies.“ Bis ins HMA verdeutlichen erhaltene Siegel wie sehr Macht und Status durch den herrschaftlichen Ritt symbolisiert wurden, so daß sich auch Herzogin Sophia von Brabant, 1248 bis 1275 Landgräfin von Thüringen und Herrin von Hessen, in dieser Form zu Pferd darstellen ließ.



14/Auf den Gräberfeldern von Ingelheim wurde beobachtet, daß von den Grabräubern Gegenstände mit christlichen Zeichen bewußt im Grab zurückgelassen wurden, während andere Beigaben entnommen wurden! Christen hatten mglw. keinen Respekt vor „heidnischen Grabbräuchen“, entnahmen wertvolle Güter der Sachkultur, ließen aber Objekte mit Heilszeichen unberührt. Den Respekt haben wir als Christen und „moderne Grabräuber im Dienst der Wissenschaft“ nicht wiedergewonnen. Zur Verteidigung wird angeführt, daß mit den archäologisch geborgenen Funden bis dato viele Gegenstände erhalten blieben, die sonst die Zeiten nicht überdauert hätten, sich im Boden ohne konservatorische Maßnahmen weiter zersetzen würden. Allerdings ist ein Großteil der geborgenen Funde in den Magazinen, aufgrund der Masse unmittelbar vom Verfall bedroht, da oft nicht ausreichende Mittel zu deren Erhaltung zur Verfügung stehen. Der Ausbau unserer Infrastruktur macht den Einsatz von Archäologen mit Notgrabungen notwendig, um Relikte der Vergangenheit nicht für alle Zeiten zu vernichten. Doch das Anrüchige des „Grabfrevels“ bleibt nach ethischen Gesichtspunkten, denn was erhebt die christliche Religionsanschauung über alle anderen?



15/Für die Franken im Ingelheimer Raum siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 36. Auch ist es denkbar, daß neben den Miniaturgegenständen weitere Objekte speziell für die Grablege gedacht waren, z.B. minderwertig verarbeitete Fibeln in den Gräbern 21 und 151 in Ingelheim, ebenda, S. 89.



16/Aus den Gräberfeldern rund um die spätere Kaiserpfalz von Ingelheim und den mittelalterlichen Rheinhafen Frei-Weinheim wurden aus der MWZ rd. 160 Gräber wissenschaftlich untersucht, davon waren die meisten gestört, so daß nur wenige Edelmetallgegenstände geborgen werden konnten. Nach Schätzungen wird von 800 bis 1000 Gräbern insgesamt ausgegangen, die größtenteils unerkannt unter der modernen Überbauung und Infrastruktur liegen, siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 29f.



17/Nach Kulikowski, Goten vor Rom, S. 94 sind Schafe und Ziegen archäologisch kaum zu unterscheiden. In der erste Hälfte des 1. JahrtausendsAD war bei den Völkern der norddeutschen Tiefebene die Rinderzucht weit verbreitet. In der Wurt Feddersen Wierde ging vom I. bis zum V. JhAD der Ackerbau, aufgrund von Klimaverschlechterungen, zugunsten einer intensiven Weidewirtschaft zurück. Neben Rindern wurden Schafe gehalten, die in den Marschen ausreichend Grünfutter fanden. Weiter im Landesinneren war die Schweinezucht mit Waldweiden möglich.



18/Zu Köln siehe Begleitband zur Ausstellung König Konrad I. - Herrschaft und Alltag. 911 Köln - Stadtentwicklung zwischen Kirchen und Kaufleuten, S. 180. Info nach Dauerausstellung Ellwangen 2015. Siehe auch Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, S. 200 mit einem Vergleich der Widerristhöhe heutiger und damaliger Haustiere, beim Rind z.B. von 135 cm auf nur 110 cm. Ein ausgewachsenes Rind erreichte demnach nur heutige Kälbergröße. Bereits Tacitus erwähnte im IV. Buch, Kap. 72 seiner Annalen zum I. JhAD, daß das Zuchtvieh der Germanen nur von mässiger Größe sei, hingegen die Wälder voll riesiger Jagdtiere, wie Auerochsen.



19/Zu Gera-Tinz siehe Dusek, Ur- und Frühgeschichte Thüringens, S. 126/27, dort auch der Hinweis auf das Verhältnis von Materialaufwand und Ergebnis; polnische Versuchsschmelzen ergaben, daß man bei einem Einsatz von 200 kg Erz und 200 kg Holzkohle etwas 15 bis 20 kg Roheisenmaterial gewinnen konnten. Das reichte für die Herstellung von fast 10 Schwertern oder 12 Pflugscharen oder 70-80 Lanzenspitzen. Zu den Verhüttungsplätzen im heutigen Polen siehe Hattler, DKdVa, S. 128. Zur Eisenverhüttung fehlen in einigen Gebieten, die sich im Laufe des Mittelalters zu Zentren der Eisenverarbeitung und der Rüstungsschmieden entwickelten aus der german. Frühzeit die Belege. Im Siegerland sind aus vorchristlichen Zeiten die genannten keltischen Verhüttungsplätze bekannt, denen zu german. Zeiten bislang keine Kontinuität nachzuweisen war. Auch im südlichen Westfalen und im Märkischen befinden sich grosse Eizenerzvorkommen, die sicher bestätigt erst zu karolingischen Zeiten ausgebeutet wurden, Haedecke, Berg und Mark, S. 9. Allerdings muss man sich fragen, inwieweit nicht Vorgängerschürfungen überdeckt wurden. Bezüglich der Buntmetallverarbeitung macht sich M. Becker interessante Gedanken über die Mengen des benötigten Rohmaterials im freien Germanien im Zeitraum einer Generation, von ca. 30 Jahren, wenn Buntmetalle bsplw durch Fibeln als Grabbeigaben immer wieder dem Wirtschaftskreislauf entzogen wurden. Er prognostizierte einen Bedarf von ca 75 to, entspricht 2,5 to Buntmetall pro Jahr. Der Fund von Neupotz mit ca. 220 kg Metall zugrunde gelegt, würden also pro Jahr 10 bis 12 „Lieferungen“ dieser Art rechts des Rheins benötigt. Auch macht er sich Gedanken über die Lotmengen, die german Schmiede benötigten und kommt auf jährlich 5 to Blei und Zinn! Betrachtet man die Grabbeigaben, Deponierungen, Kriegsbeuteopfer mit großen Mengen und sorglosem Umgang an Buntmetall, kann von großen Zufuhren aus dem Röm Reich ausgegangen werden, siehe M. Becker, Verborgener röm. Import, in: Das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Kulturen. Neue Studien zur Sachsenforschung Bd 2, S. 54.



20/Welches Bild hinterlassen wir Heutigen der Nachwelt? Die Gräber sind waffenleer, doch unsere TV-Sendungen vermitteln ein anderes Bild, ein gruseliges, wenn unsere Gesellschaft in Jahrhunderten danach beurteilt werden sollte, falls bsplw Gerichtsakten aus irgendwelchen Gründen nicht mehr erhalten sind. Pro Tag „sterben im westeurop. Fernsehen“ hunderte von Menschen, so daß hochgerechnet auf ein Jahr zahlenmässig ganze Stadien voll Bürger ausgerottet sein müssten. Wird da eine Gesellschaft nicht bis an die Zähne bewaffnet gewesen sein oder ergaben sich alle der Ohnmacht des Staates, um irgendwann an der Reihe zu sein? Falls man solche Filmdokumente in der Zukunft betrachten wird, könnte man sich ernsthaft fragen, wieso das XXI. Jh immer noch Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatte...



21/Nach neuerer Forschung wird eine Zuordnung nach Stämmen/Völkern/Ethnien anhand von Sachgütern nur ungern vorgenommen. Formen sind nicht ausschließlich an bestimmte Völker gebunden. Konzentrationen im Auftreten werden eher durch „Kulturkreise“ benannt, wobei manche Gegenstände weit davon entfernt streuen können, ohne gleich an Migrationshintergründe zu denken, siehe dazu Führer zu archäologischen Denkmälern in Dtld. Bd. 27 Hanau und der Main-Kinzig-Kreis, S. 88, siehe fortführende Literatur zu diesem Aspekt M. Kulikowski, Die Goten vor Rom. Auch wird aus dem Bestatteten in Grab Verf. 60 im niederösterr. Freundorf aus dem VI. Jh inmitten eines als langobardisch angesprochenen Gräberfelds durch die Beigabe eines Ango-Wurfspeers noch kein Franke, wie ernsthaft diskutiert wurde.



22/Zaumzeug wurde nicht selten mit wertigen Preßblechen aus Silber beschlagen und verdeutlicht den gehobenen Rang des einstigen Nutzers als Adeliger oder Gefolgschaftsführer. Auch Sporen waren immer Zeichen des privilegierten Standes. Bereits bei den Kriegsbeutefunden aus dem Moor von Illerup A um 200 AD wurden Pferdegeschirrteile für zehn Pferde teilweise aus silbernen Pressblechen gefunden, während von 60 Schwertgurtgarnituren sieben mit Schnallen aus Silber, der Rest aus Bronze und die der weiteren persönlichen Ausrüstung aus Bronze und Eisen gefertigt wurden. Kaum Schwertgurtgarnituren hatten eiserne Schnallen oder Beschläge. Rund 300 eiserne, 30-40 bronzene Schildbuckel und 7 prunkvolle silberne Schildgarnituren mit Halbedelsteinen, Glas und Pressblechen aus vergoldetem Silber besetzt, wurden geborgen. Daraus folgerte man, daß Gefolgschaftsführer beritten waren und silberne Ausrüstungsteile zur Schau stellten, während die Gefolgschaftsanhänger bronzene Ausrüstungsgegenstände trugen, aber auch Schwerter, und sich damit vom Gros des Heeres absetzten. In den Publikationen wird von „Bronze“ gesprochen, ohne daß spezifische metallurgische Untersuchungen erwähnt werden, also wäre vielleicht auch Messing möglich? Denn ich kann mich erinnern, daß bsplw. viele der Funde aus dem Nydam-Moor vor 350 AD, heute im Museum in Schleswig, gelblich schimmerten, Farbabbildungen in den betreffenden Publikationen vermitteln den gleichen Eindruck. Die Ausrüstungsteile sind vor der Deponierung bewußt deformiert und zerstört worden. Bei den silbernen Teilen des Pferdegeschirrs wurde ein besonders hoher Fragmentierungs- und Zerstörungsgrad beobachtet, was mit „Sonderbehandlungen“ für die Anführer erklärt wurde, ohne zu bedenken, daß Teile des Pferdegeschirrs nach einem Kampf von schweren toten Tierleibern entfernt werden mussten, die man kaum hin- und her gewendet haben wird, sondern logischerweise in viele kleine Teile zerschnitt. Aus allen nordeuropäischen Mooropferfunden mit Ausrüstungs- und Waffenteilen von seegestützten Kampfverbänden des III.-IV. JhAD wird aufgrund der prozentualen Verteilung von Eisen, Bunt- und Edelmetallen eine Dreiteilung der Nutzer abgelesen. Röm Quellen der Kaiserzeit nennen bei den Germanen drei Schichten Bewaffneter mit „princeps“, „comites“ und „pedites“ oder „regales“, „optimates“ und „armatores“, meint „Fürsten“ als Oberkommandierende, Offiziere und schließlich Fußsoldaten/Gewappnete. Zu den Funden der persönlichen Ausrüstung zählen nicht nur Reparaturwerkzeuge für die Waffen, sondern auch Nadeln, Knochensägen und weitere chirurgische Instrumente an den Fundplätzen Vimose auf Fünen vor 200AD und in Illerup in Jütland nach 200AD, die sogar die Möglichkeit einer ärztlichen Notversorgung belegen könnten! Dabei ist auch eine Frauenbeteiligung an den Kriegszügen denkbar, wenn nicht unmittelbar an den Kampfhandlungen beteiligt, sind sie zur Versorgung der Truppe oder bei medizinischen Behandlungen vorstellbar. Frauenfibeln wurden an allen Fundplätzen geborgen, meist werden sie allerdings durch separate Opferhandlungen erklärt. Die Kampfverbände vermitteln insgesamt aufgrund der grossen Anzahl der Ausrüstungsteile eine hohe Professionalität und sind keineswegs Hinterlassenschaften eines allgemeinen Heerbanns [Brock/Homann, Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges, Sonderheft 2/2011 AiD, Stuttgart 2011, S. 55].

Illerup, Platz A brachte als Kriegsopferbeutedeponierung des III./IV. Jhs eine hohe Anzahl an Waffen zutage, dort standen 410 Speer- und 366 Lanzenspitzen rund 100 Schwertfunde gegenüber. Zeitgenössische Grabfunde vermitteln ein gänzlich anderes Bild. In der röm Kaiserzeit um 200 fehlen Waffen in den Brandgräbern der nord- und westdeutschen Regionen fast gänzlich. Weiter östlich enthielten reiche elbgerman. Körpergräber durchaus Waffen und Reitausrüstungen. Allgemein wurde meist allerdings in Brandgräbern bestattet, die eher spärliche Beigaben aufwiesen, hin und wieder waren deformierte Waffenteile vorhanden. Vermutlich strahlte die röm Sitte waffenlos zu bestatten auch in das benachbarte Barbaricum aus, ähnlich wie später die Sitte der Körperbestattungen. Von 582 Gräbern in Großromstedt bei Apolda/Thüringen der frühen röm. Kaiserzeit (RKZ) enthielten innerhalb von 50 Jahren nur 6% eine Schwertausrüstung, etwas häufiger fanden sich Teile von Lanzen oder Schilde. Aufgrund der Brandgrabsitte waren die Waffenteile vielfach absichtlich deformiert.

Zwischen dem V. bis VII. Jh haben wir in Norddtld Waffengräber nur sehr vereinzelt. In Bremen-Mahndorf wurden von 260 Bestattungen nur drei mit Schwert oder Sax ausgestattet, bei Drantum, nahe Kloppenburg wurden in 540 Gräbern nur zwei Saxe gefunden, auf dem Gräberfeld von Cleverns im Kreis Friesland enthielten von 220 Gräbern nur drei Hiebwaffen und bei Zetel, Kreis Friesland fanden sich in über 700 Gräbern nur sieben Schwerter und Saxe, bei Dunum in Ostfriesland mit rund 800 Gräbern nur zwei Schwerter, in Katzendorf bei Haarburg mit ca 500 Gräbern gar keine Waffen. Im fränkischen Raum sah es etwas anders aus. Aus den rd. 160 untersuchten Gräbern im Raum Ingelheim, hptsl. aus der jüngeren MWZ des VII. Jhs, vielfach gestört, wurden rd. 40-50 unterschiedliche Waffenteile geborgen, davon gab es 3 Hinweise auf Spathen, 16 Saxklingen, 2 Franzisken, 12 Lanzenspitzen, Pfeilspitzen aus fünf Gräbern und 9 Schildfragmente. In Westheim bei Weißenburg/Bayern mit Gräbern des VI./VII. Jhs fanden sich in den 250 untersuchten Gräbern (Frau/Mann zahlenmässig ungefähr gleich vertreten) 20 Spathen, 45 Lanzenspitzen, 39 Kurz- und Breitsaxe, 24 Schildbuckel, 5 Franzisken, 3 Äxte und 2 Angonen. Demnach enthielt also fast jedes Männergrab eine Waffe, bestattet wurden hier wohl Franken, keine Baiuwaren, denn Gräberfelder südlich der Donau wiesen andere Beigaben auf [Menghin, Frühgeschichte Bayerns, S. 84].



23/Die Awarenzeit ist in Österreich und Ungarn eines der großen Themen der FMA-Forschung. Kein Wunder, über 70000 Funde sind vornehmlich aus Gräbern bekannt. Objekte awarischer Herkunft streuen durch große Teile Mitteleuropas, obwohl Awaren das europ. Kernland weit weniger in Mitleidenschaft zogen als ihre Nachfolger, die Magyaren. Bezüglich der weiteren Ausführungen kann die Bedeutung des Pferdes im FMA nicht hoch genug eingeschätzt werden, siehe dazu auch die Besonderheit der Pferdegräber. Trotz aller gesammelten Erkenntnisse ist dies wohl noch ein Defizit in der modernen Forschung. Es wird meist auf die Waffentechnik abgesehen, aber selten auf eine Grundlage der feudalen mittelalterlichen Militärtaktik: Die Pferdezucht, zumindest ist mir bislang keine Arbeit in diese Richtung bekannt...



24/Zu Fragen der Reitausstattung in merowingerzeitlichen Gräbern siehe u.a. A. Rettner, Sporen der älteren MWZ in „Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Zeuzleben (Lkr. Schweinfurt). Die Grabbeigaben; Gesamtauswertung der Funde und Befunde“, S. 133-157. Zu den Vandalen geht H. Castritius in „Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen“, S. 198 davon aus, daß ein hptsl. aus Reitertruppen bestehendes vandalisches Heer schlecht geeignet gewesen sei, die Kontrolle in Nordafrika zu wahren und Aufstände der Berber und Mauren nieder zu schlagen. Ich würde sagen es war aufgrund der geforderten hohen Mobilität in diesen Räumen optimal dafür geeignet. Regionale Milizen fanden so Unterstützung durch herbeieilende vandal. reguläre Truppen. Die einheimischen Nordafrikaner waren gefährlich flexibel und mit den extremen klimatischen Bedingungen vertraut. Ihre Reiter waren seit den ersten Berührungen mit den Römern gefürchtet und maurische Kavalleriekontingente diente später zahlreich in röm Heeren. In frühmittelalterlichen Zeiten wird man sich vermutlich von modernen Vorstellungen einer Kavallerietruppe lösen müssen. Wir sprechen hier nicht über eine spezifische Waffengattung, sondern über mobile Kämpfer, die ebenso gut absitzen und zu Fuß kämpfen konnten, wie es für Germanen oft bezeugt wurde. Der Vorteil bestand also im schnellen Ortswechsel. In Nordafrika, wo die fruchtbaren Küstenzonen unmittelbar an die Wüste grenzen, sind Reittiere in irgendeiner Form unverzichtbar, dort bewegt man sich „hot“, „mot“ oder gar nicht [„hot“ als Pendant zur Inf Div mot(orisiert) und verballhornte Klassifizierung bespannter Volkssturmeinheiten gegen Ende des II. WKs (wurden natürlich nicht in Nordafrika im Rahmen des „Afrika Korps“ eingesetzt)].



25/siehe dazu J. Drauschke, Zur Herkunft und Vermittlung „byzantinischer Importe“ der MWZ in Nordwesteuropa, in: Zwischen Spätantike und FMA, RGA-E Band 57, S. 367-423.



26/Nach der Beobachtung, daß sich nur an der Rückseite von Kleinfibeln einfache leinwandbindige Stoffe nachweisen ließen, während dieses Gewebe auf den Bügelfibeln auch auf der Schauseite auftauchte, läßt sich folgern, daß Kleinfibeln schlichte (Woll-)mäntel schlossen, während die Bügelfibeln darunter an der Oberbekleidung (Tunika, Kleid) hafteten. Denn an letzteren ließen sich auf der Unterseite regelmässig gemustere Gewebe in verschiedenen komplexen Köperbindungen nachweisen oder Reste feiner Brettchenborte, die vom Stoffgürtel oder Gewandsaum stammen könnte [siehe Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 39.] Zu den Gehängebändern mit Amulettcharakter des VI. Jhs, versehen mit kleinen Schnallen, Zungen aus Bunt- und Edelmetall und Ringen aus Edelmetall oder Eisen siehe ebenda, S. 41ff. Hinzu die interessante Beobachtung, daß die tief getragenen Gehänge gleichzeitig mit der Aufgabe der Bügelfibeln zum Ende des VI. Jhs verschwanden und durch Brustgehänge mit diversen (Glas-)Perlen, Bernstein und metallenen Anhängern in der jüngeren MWZ ersetzt wurden. Davon zu unterscheiden sind Gürtelgehänge mit Zierscheiben, kleinen Täschchen und diverse Utensilien des täglichen Gebrauchs.



27/Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 31ff. Noch einmal ein Indiz für die unterschiedliche Verwendung von Klein- und Bügelfibeln. Während letztere Stoffe in irgendeiner Form zusammen steckten, bzw. hielten, durften die Kleinfibeln schwere Wollmäntel an den Einstichstellen nicht ausreissen, also wurden Schlaufen oder Ösen gesetzt.