V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

Untergang und „Fortbestand“ des Römischen Reiches – Prolog mit einer moralischen Komponente, denn wir sind nicht erhaben über alle Zeiten:

Dank mühevoller archäologischer Arbeit sind die Spuren des röm. Imperiums an Rhein, Mosel, Main, Neckar und Donau heute nicht zu übersehen, umfangreicher sind sie in Frankreich, Spanien, Griechenland und natürlich in Italien, den mediterranen Reichsteilen, wo zahlreiche Monumente obertägig erhalten blieben und die zivilisatorischen Errungenschaften der antiken Supermacht die Völker bis heute geprägt haben. Die architektonischen Hinterlassenschaften waren lange Zeit weithin sichtbare Zeugen einer gewaltigen Kultur, durch die Nachfahren genutzt, umgebaut oder umfunktioniert. Jede Zeitepoche in der westlichen Hemisphäre wurde durch die Römer kulturell, politisch oder auch künstlerisch beeinflußt, vom Mittelalter über Renaissance, Barock und Klassizismus, bis in die Moderne, bis hin zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, Mussolinis Ansprüchen eines „Mare Nostrooder Albert Speers Baustil, um nur einige wenige Orientierungsrichtungen der Neuzeit aufzuzählen, wie auch immer man zu diesen Dingen stehen mag.


Allzu „tränendrüsig“ und dramatisch soll der Prolog hier nicht sein, aber es werden mal ein paar ungewöhnliche Betrachtungsweisen voran gestellt. Dramatisch war der Untergang des Röm. Reiches sicher. So ist das, wenn große Reiche, die seit „Ewigkeiten“ Bestand hatten, mit Donnergetöse zusammen brechen, wenn Giganten sterben ! Dann „ächzt der Weltenbau bis ins Dachgefüge“. Die Römer der Spätantike werden sich kaum vorgestellt haben, daß die Errungenschaften ihrer Zivilisation mit imposanten Bauwerken, den gewaltigen Städten und Häfen, dem riesigen Straßennetzwerk, den vielen Handwerker- und Handelsorten (vici) und den landwirtschaftlich genutzten Gebäudekomplexen (villae) einst verschwinden würden, genauso wenig ist es für uns vorstellbar, daß unsere eigenen gewaltigen architektonischen und verkehrstechnischen Komplexe in den äusseren Formen verschwinden werden, wobei manche unserer Brückenbauten dies schon nach wenigen Jahrzehnten tun, wenn erhaltende Maßnahmen unterbleiben. Überdauern werden vornehmlich geistige Errungenschaften, damals wie heute, falls es die Aufbewahrungsmedien zulassen. Innerhalb eines solch gewaltigen Systems ist man Teilhaber und Nutznießer, vielleicht ohne zu bedenken wie dieses Gebilde nach aussen wirkt, auf die Ausgegrenzten, die nur in geringem Maß oder gar nicht davon profitieren und mglw. darunter leiden, ihre Freiheit, ihre Gesundheit oder ihr Leben verlieren, damit die überlegene Macht weiter existieren kann.

Jenen muß Rom wie ein gefrässiges Ungeheuer vorgekommen sein, das sich auf Kosten vieler bereicherte. So wuchsen und wachsen „Imperien“ mit Raub, Mord, Plünderung, Vergewaltigung und Versklavung, mit allem was Menschen einander antun, in ihrer überlegenen Haltung gegenüber einem vermeintlichen „Untermenschentum“ - keine Fanfaren – kein Tusch ! Die Regierungsform spielt dabei keine Rolle. Auch Demokratien gebärden sich da nicht unbedingt menschenfreundlicher, betrachtet man z.B. die Hegemonie und Machterhaltung Athens im Attisch-Delischen Seebund des V. JhsvC. Jedes Aufbegehren oder Ausscheren seiner Mitglieder aus dem Bund wurde mit allen erdenklichen Mitteln unterdrückt. Despotisch verhielten sich die kolonialen Mächte der Neuzeit, auch unser heutiges Gebaren ist diesbzgl in manchen Dingen bedenklich, schauen wir auf die imperialistischen Bestrebungen der westlichen Mächte im Nahen Osten seit über 100 Jahren, dem Erdöl geschuldet. Jeder unterstützt diese Machenschaften, denn jeder „zapft Sprit“ und wer glaubt eine „saubere Weste“ zu haben, wie der „Stromtanker“, nutzt Plastik und die vielen Erdölprodukte.1 Im „Hier und Jetzt“ gibt es keine neutrale moralische Instanz, jedes Tun wird durch den Herrschenden, den Überlegenen, den Stärkeren seine moralische Rechtfertigung finden. So sollten die Worte des Schweizers Jacob Burckhardt ihre Gültigkeit behalten: „...in einem tiefen Mißtrauen in die bewegenden Kräfte...“, wie Kurt Köster in seiner Huizinga-Ausgabe „Herbst des Mittelalters“ von 1965 voran schrieb.

Im röm. Selbstverständnis war Rom die Welt und die Welt war Rom. Das Reich bedeutete zivilisatorische Entwicklung, der Rest galt als unzugänglicher Urwald, Wüstenei oder Barbarei. Nur der Osten, der Orient wurde als Quell hoher Kultur angesehen, von dem sich bereits die Griechen genährt hatten, ohne die wiederum hohe röm. Kultur undenkbar gewesen wäre. Seit Jahrtausenden existierten im Osten machtvolle Reiche, nicht zuletzt das der Perser und das kurzzeitige Alexanders III. („des Großen“) von Makedonien. Durch die Diadochen und hellenistischen Nachfolgereiche in Griechenland, Kleinasien und Ägypten wurde das Bestreben der Römer seit der späten Republik nach Osten gewendet. Durch seine effiziente administrative und militärische Kraft zwang Rom jedes Volk ausserhalb des gewaltigen röm. Machtgebildes zu ihm aufzuschauen. Nach dem politischen Ende wirkten seine Sprache, seine Tradition, die reichhaltige Kultur und der daraus resultierende Stolz der röm. Eliten noch lange fort. In dieser Umbruchphase zu einer politischen Neuordnung wurden grundlegende Entwicklungen für die kommenden Jahrhunderte gelegt. Hier sollten mit einer gewissen Kontinuität die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und militärischen Fundamente der germanischen Königreiche Westeuropas liegen, orientiert am römischem Vorbild. Die Nachfolger saugten begierig und zweckmäßig das Althergebrachte der antiken Welt ein, bedurften der administrativen Kraft des Bestehenden als Werkzeug und Grundlage ihrer neuen Gesellschaftsformen, verführt und geblendet von den kolossalen Hinterlassenschaften, ohne zu erkennen, wie sehr diese Leitbilder in ihren Formen erstarrt, kaum überlebensfähig, aus der Not heraus geboren oder veraltet waren. Es wurde kein Erfolgsmodell vererbt, sondern es war die dürftige Fortführung einer Kultur, die sich eigentlich selbst überlebt hatte, an ihrer schieren Größe litt und aus enormen Zwängen heraus agierte, von Kopisten, welche von der Fülle der antiken Welt über alle Maßen beeindruckt waren, sich mit ihr identifizierten, ihre eigene Herrschaftslegitimation davon ableiteten, so daß sie immer wieder darauf zurückgriffen und mit ihren Mitteln zu erhalten suchten. Dieses einst gewaltige und mächtige Rom war der Urgrund vieler Dinge und lieferte die Saat zu einer Epoche, die wir als „Mittelalter“ bezeichnen, auch wenn diese Saat erst mit den Karolingern aufging, denn mit ihnen wurden viele Standards für die nachfolgenden Jahrhunderte gesetzt.2

Mit dem Abstand von Jahrhunderten werden die Vorgänge im Übergang von der Antike zum Mittelalter in der Forschung heute als „Transformationsprozesse“ bezeichnet, um den Wandlungen der Zeit gerecht zu werden. Aus moderner Sicht scheint es zutreffend, zieht man hingegen antike Autoren wie Prokop heran, wirken solche Begriffe verharmlosend, denn für die Zeitgenossen waren die nicht enden wollende Kriege und Bürgerkriege, Thronusurpationen, Morde und Anschläge ein lange Zeit großer Unsicherheit und ein Martyrium. Denn fast jede Generation musste Kriegsgräueln, Eroberungen, Raub, Plünderungen, Verwüstungen, Abschlachtungen, Vergewaltigungen, Versklavungen, Hunger und Seuchen erdulden. Das Röm. Reich starb langsam, wurde nicht durch eine grosse barbarische oder germanische Invasion zu Fall gebracht, obwohl es schon gewaltige „Eruptionen“ dieser Art gab. Germanen hatten einen nicht unerheblichen Anteil am Niedergang, aber sie trachteten nicht unbedingt danach das Reich zu zerstören oder es gar zu übernehmen, zumal ein politischer Zusammenbruch nur im Westen erfolgte. Die östlichen Reichsteile blieben ja intakt.

Tacitus zur Natur östlich des Rheins (Germania Kap 5): „Das Land zeigt zwar im einzelnen einige Unterschiede; doch im ganzen macht es mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck.“ Rom stellte seine expansiven Unternehmungen in das unwirtliche Germanien Anfang des I. JhsAD ein, nachdem die Feldzüge bereits bis zur Elbe geführt worden waren und sicherte die Grenzen an Rhein und Donau im barbarischen Vorfeld durch umfangreiche politische Maßnahmen. Dies gelang einige Zeit durch Bündnissysteme, Klientelfürsten auf Gnaden Roms, Geiseln und Erziehung von german Fürstenkindern, später auch durch Verleihung des Bürgerrechts oder vor allem durch kostbare politisch motivierte Geschenke dank wirtschaftlicher und kultureller Überlegenheit. Es ist für uns heute nur vage zu erahnen, wie sich ein Germane auf das Forum Romanum „verfrachtet“, fühlen musste. Die Überlegenheit Roms wurde durch kaum etwas augenfälliger zum Ausdruck gebracht als durch seine imposante steinerne Architektur. Rom hatte das gesamte Germanien bereits als seine Provinz betrachtet, verfügte über gute Kenntnisse der Region und über seine Bewohner und wusste damit worum man eigentlich stritt. Die zurückgezogenen und teilweise durch Flüße gesicherten Grenzen waren durchlässig für Waren beider Seiten, aber es gab ein enormes Kultur- und Wirtschaftsgefälle durch den höheren Lebensstandard auf röm Territorium. Handel und Technologietransfer brachten neue Elemente ins Barbaricum, bzw. ins freie Germanien, wandelten Mode und Sitten. Es ist dort anhand der Grabfunde eine deutliche Entwicklung bis ins III. JhAD zu beobachten, hin zu wohlhabenden romanisierten Machthabern anhand von röm Luxusgütern, den neuen Prestige- und Statussymbolen. Geschenke wurden nicht nur durch die Römer verteilt, sondern auch zwischen german. Potentaten untereinander als ehrenvoll angesehen, wie es Tacitus betont [Germania, Kap. 15]. Rom wurde weithin akzeptierte Leitkultur für die barbarische Elite, welche begehrlich über die Grenzen blickte. Rom band die german. Aristokratie an sich, verteilte Bestechungsgelder zur Parteinahme oder forderte durch Zahlungen zum Stillhalten bei Auseinandersetzungen auf. Denn das spätantike Reich litt an schweren inneren Krisen, Destabilisierung durch immer neue Herrscherusurpatoren und den daraus resultierenden Bürgerkriegen. So verlor das Imperium zusehends an Macht als es nicht mehr gelang die äusseren und inneren Konflikte zu bewältigen, während jenseits der Grenzen ernst zu nehmende politische Kräfte entstanden, welche ihre Herrschaft ausweiteten. Die röm Caesaren benötigten willige Kämpfer und ermunterten Einzelne oder ganze Gefolgschaften dazu, vertraglich gebunden oder gezwungen Dienst in der röm Armee zu nehmen. Die Ausweitung des röm Bürgerrechts unter Caracalla 212 AD hatte für Aussenstehende weitere Anreize geschaffen Auskommen, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in der röm Armee zu suchen. Bereits seit geraumer Weile erhielten Auxiliare der einheimischen Hilfstruppen nach Ableistung ihrer 25 Dienstjahre das röm Bürgerrecht, was auch für deren Ehefrauen und die Nachkommen galt. Somit wurde in der röm Kaiserzeit bei Hunderttausenden von Provinzbewohnern der soziale Status angehoben. Reformwillige Herrscher wie Diokletian und Konstantin im III./IV. JhAD versuchten mehr oder weniger erfolgreich den Verfall des Imperiums aufzuhalten, was zu einer grösseren Verstaatlichung, Bürokratisierung, enormen Steuerzwängen und einer statischen Zwangsgesellschaft führte.3 Aber die katastrophalen Bürgerkriege des IV. Jhs machten die Aufnahme von großen kriegswilligen german. Kontingenten in die röm. Armee vonnöten, entblößten die Grenzen an Rhein und Donau und verlockten weitere Barbaren zu Einfällen tief ins Reich, die sich mit Gewalt röm Gebrauchsgüter und Kostbarkeiten aneigneten, die auf anderem Weg für sie nicht zu erlangen waren. Als Abwehr wurden wiederum Germanen in Sold genommen, sofern Gelder zur Verfügung standen, ansonsten Land den kriegsgefangenen und unfreien Laeten oder bündnisabhängigen Foederaten unter eigenem Kommando mit röm. Oberhoheit nach Vertrag überlassen, um diese Räume, die formell Reichsgebiet blieben, zu verteidigen und mögliche Plünderer an den Grenzen abzuwehren. So profitierten Germanen zunehmend von den inneren Streitigkeiten im Imperium, das nicht zuletzt am steten Verfall der Integrität krankte, durch die massive Aufnahme von „Barbaren“ ins röm. Heer.4 Es gab es eine beständige Infiltration von „Barbaren“, die Teilhabe wollten an den Segnungen und dem Schutz der röm Zivilisation durch Landzuweisung, Bundesgenossenschaft, Ämterzuteilung in der röm. Militärhierarchie, grundsätzlich Anerkennung und Entlohnung für Dienste, die man unter röm Standarten bereits seit mehreren Generationen leistete.

Der erlaubte Übergang der, vor den Hunnen Schutz suchenden Westgoten über die Donau, aber das Unvermögen und die geringe Bereitschaft der Römer soviel Barbaren gleichzeitig aufzunehmen, führte zu Verbitterung auf Seiten der Goten, zu Aufständen, Plünderungszügen und letztlich zur Eroberung Roms 410, später wiederholt durch die Vandalen, die sich Nordafrika gewaltsam angeeignet hatten und ihr Staats- und Gesellschaftssystem durch Plünderungen im Mittelmeer aufrecht erhielten. Sie hatten einen langen Weg durch Westeuropa hinter sich gebracht, nach ihrem Rheinübergang von 406/07. Der Zusammenbruch der röm Rheinverteidigung, der Abzug von Truppen und Rückzug der politischen Macht Roms brachte die Separierung Britanniens und weiterer Provinzen in Gallien, Spanien und auf dem Balkan mit sich. Auch die Hunneninvasion in Gallien, deren Abwehr ohne germanische Hilfe undenkbar gewesen wäre, die Usurpation des Odoaker und die Kaiserabsetzung im Westen 476 sind bekannte Eckdaten des Niedergangs. Nicht zuletzt war es der mangelnde Wille der Römer die nicht enden wollenden massiven Zuzüge an Bevölkerung aus dem Barbaricum zu integrieren, was ihnen kontrolliert über Jahrhunderte durchaus gelungen war, denn dazu konnten die zahlreichen Limes-Grenzsicherungen überall im Reich u.a. auch dienen. Für die röm. Provinzialen mag es im IV. und V. Jh oft schwierig gewesen sein Germanen als Eroberer vom Germanen im röm. Dienst zu unterscheiden, denn „Soldat“ und „Barbar“ wurden eins, selbst in den höchsten militärischen Rängen! Manche germanische Söldner kehrten nach Ableistung der Dienstzeit, vertraut mit der Errungenschaften der röm Zivilisation, in die rechtsrheinischen heimatlichen Gebiete zurück und weisen sich heute archäologisch durch röm Relikte in den Gräbern aus. Andere blieben als Siedler und Milizionäre auf Reichsboden, sind bsplw erkennbar an Waffenbeigaben auf den gemischten Friedhöfen mit den röm Provinzialen. Römer bestatteten ohne Waffen. Die Neuankömmlinge assimilierten die röm. Kultur, wollten in vielen Dingen Römer sein, akzeptiert werden, wie bereits viele vor ihnen, bewirkten aber auch im gewissen Maß eine „Barbarisierung“ der spätantiken röm. Welt, die bereits früh einsetzte. In den nördlichen röm Provinzen zeigte die Götterwelt eine Vermischung mit regionalen Gottheiten, die sich darstellerisch in der provinzialröm. Kunst von der mediterranen entfernte, siehe beispielhaft der Matronenkult. Röm Caesaren begannen seit dem II. Jh „barbarische“ Bärte zu tragen als Spuren der Kriege an Rhein und Donau oder im Vorderen Orient als weiterer grosser Kriegsschauplatz [Parallelen zur männl. Haarpflege der heutigen Zeit haben ähnliche Ursachen]. Viele Artefakte der Spätantike zeigen die bloße Übernahme, manche aber auch eine röm.-german. Synthese, prägend für einige Jahrhunderte. Im Osten blieb die Reichshälfte davon nicht unberührt, dort hatte das Röm. Reich bis 1453 Bestand. Und so haben sich die Oströmer, die Romäi, die erst in der Forschung „Byzantiner“ genannt werden, auch immer betrachtet. Sie waren keineswegs Nachfolger, sondern sie waren die Römer, wenn auch hellenisiert, aber das wurde Westrom im gewissen Sinne einst auch. Die Kontinuität des röm. Kaisertums durch oström. Herrscher wurde von den Zeitgenossen lange Zeit nicht angefochten. Es gab nur einen Kaiser, einen Herrscher der Welt, der saß in Konstantinopel.



...„immer die ollen Öme (Römer)“…

nun geht’s aber los mit dem „Mittelalter“... und das recht ausführlich, denn in der Zeit nach der Völkerwanderung wurden Grundlagen für Jahrhunderte gelegt. Viele Dinge im HMA/SMA habe ich erst verstanden, nachdem ich deren Ursprünge im FMA erkannte.


Historischer Kontext FMA:

Ein Volk sollte aus den Wirren dieser Zeit zu den neuen Herren Europas aufsteigen, die Franken. Ursprünglich siedelten sie rechtsrheinisch, überschritten auf Plünderungszügen immer wieder den Rhein in die Germania Secunda, bis Teilstämmen ab Mitte des IV. Jhs nördl. der Straße Köln-Boulogne in „Toxandrien“ Siedelland auf röm Territorium vertraglich überlassen wurde, das sie in Roms Auftrag im Reichsverbund zu verteidigen hatten. Ihre Dienste wurden mit barer Münze entlohnt.

Im Gegensatz zu Goten oder Vandalen, die auf ihren langen Wanderungen immer neue Räume des ehem. Reichsgebiets durchquerten, erneuerten Franken ihre Bündnisverträge und hielten ihre Siedelgebiete in den nördlichen Teilen Galliens und Niedergermaniens ein. Das brachte Vorteile. Die Sozialstrukturen konnten sich über Jahrhunderte konsolidieren, während wandernden Völkern dies nicht gelang.5 Die Franken erweiterten ihr Gebiet erst mit dem Verfall der weström. Reichsregierung, nachdem die Soldzahlungen aus Rom ausblieben. Hatte sein Vater Childerich noch im röm Dienst gekämpft, begann mit Chlodwig zum Ende des V. Jhs die große Phase der fränk. Expansion durch Unterwerfung der röm. Rest-Reiche des Syargius und Arbogast in Gallien. Diese Gebiete besaßen eine hohe Urbanität und gute Infrastruktur, auch wenn die Wirtschaft durch Wegfall des Hauptabnehmers, der röm. Armee, schrumpfte. Viele Städte schützte eine steinerne Mauer, wobei nach der fränk. Eroberung ein Rückfall in rustikale Siedlungs- und Wirtschaftsformen zu beobachten war. Trotzdem blieb die gallo-römische Stadtkultur der rechtsrheinischen Stadtentwicklung voraus, ein möglicher Grund für die verfeinerte Kultur im Westen, die dem rechtsrhein. Raum über Jahrhunderte immer neue Impulse geben sollte. Städte Galliens waren Heimstätte für Handwerker, Kaufleute und die alteingesessenen Senatoren, die nunmehr durch die neuen fränk. Herren entmachtet, weniger in der Politik, sondern in der Kirche hohe Ämter besetzten. Das Christentum war seit hundert Jahren im Röm. Reich Staatsreligion, hatte auch nach der german. Eroberung Bestand und kann als „Stadtreligion“ bezeichnet werden, mit für den Gottesdienst umgewandelten Basiliken. Die festen Strukturen der Bistümer belebten den Handel und um sie kristallisierten sich neue Marktplätze. Fränkische Herrscher bemühten sich um Kirche und Bischöfe mit Ämterzuteilung und durch wertvolle Geschenke in Form von Land, Gewändern, Kleinodien, Sklavinnen oder Reliquien. Die fränk. Bistümer übernahmen recht weltliche Aufgaben und waren keineswegs „romhörig“. Wohl behielten sie die Hierarchie der einstigen röm. Verwaltung bei und führten das alte unpersonale Recht der „res publica“ im Kirchenrecht fort.

Demgegenüber war die fränkische Herrschaft, die vornehmlich den ländlichen Raum erfasste, durch Treueschwüre auf Personen gekennzeichnet. Hier waltete ein personales Recht mit persönlichen Verpflichtungen in den Sippen- oder Gefolgschaftsverbänden, den traditionellen Stützen der german Gesellschaft.6 Die spätere Verschriftlichung der Volksrechte sollten das germanische und nicht das röm. Recht dokumentieren. Auch der alte Glauben hielt sich länger, die Kirche fasste dort kaum Fuß. Die neuen fränk. Herren übernahmen das röm. Steuer- und Münzwesen und schafften auch die Sklaverei, den Motor der antiken Wirtschaft, nicht ab. Die Ausbeutung von Unfreien sollte die neuen Gesellschaften für viele Jahrhunderte prägen, in Form des „Hörigen“-Systems.

Im ehemalig röm. Gallien waren die Franken in der Unterzahl gegenüber der provinzialrömischen Bevölkerung. Der Übertritt der fränkischen Herren zum röm.-katholischen Christentum um 500 war ein Meilenstein für den weiteren Verlauf des Mittelalters. Der verordnete Glaubenswechsel betraf zunächst nur die Oberschicht und den engeren Bereich um Chlodwig. Die Leibgarde und sein Hofstaat wurden gleich mitgetauft, damit es keine Unruhen oder religiös motivierte Umstürze in unmittelbarer Nähe des Königs gab. Als „kathol. König“ konnte Chlodwig fortan Bischöfe einsetzen und mit ihrer Hilfe Regionen behaupten. Die Bekehrungen ging sozial von oben nach unten vonstatten. Aber es sollte noch Generationen dauern, bis alle Franken zum kathol. Christentum übertraten. Die letzten Heiden im Raum Lüttich wurden erst um 730 getauft.

Für viele Germanen war die Friedensbotschaft des Christentums schwierig zu verstehen. Christus musste ein starker Gott sein, zur Abwehr der dämonischen Mächte. Man konnte ihm nur folgen gleich einem Treueverhältnis des Kriegers zu seinem Herrn. Bis in die Romanik findet sich die Darstellung von Christus als König oder Weltenherrscher in der Nachfolge spätröm Herrscher. Man beachte hinzu den hohen Stellenwert der Soldatenheiligen im FMA, wie Victor, Georg, Gereon, Mauritius und vor allem Martin von Tours, der durch Chlodwig zu einem der wichtigsten Heiligen der Merowinger instrumentalisiert wurde. Er diente als Leitfigur im Kampf gegen die arianischen Westgoten, von Tours aus, dem oft umstrittenen Grenzort an der Loire, bevor er offiziell den Schutz des Königshauses übernahm. Martin wurde Patron vieler Kirchen überall im Reich, die weit zurückliegende Gründungsdaten in den frühmerowingischen Zeiten hatten.

V.-VIII. Jh



Provinzialrömische Stadt nach Hunnenüberfall („TW Attila“)



Gürtel der Merowingerzeit (MWZ)

Fibelreplikate V.-VII. Jh



eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, tom = Tombak, vs = Versilbert

[manche Legierungen sind nicht eindeutig rot- oder gelbtonig, sondern bewegen sich, wie früher durch das Einschmelzen von Altmaterial, farblich dazwischen, deshalb „Tombak“ hier aufgenommen. Man kommt damit Originalen sehr nah, denn Handwerker haben damals oft „recycelt“]

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Grundsätzlich galten die german. Franken nun nicht mehr als fremde Barbaren in Gallien und es konnte eine Völkermischung statt finden, die woanders lange Zeit unmöglich war, vielfach auch per Gesetz verboten wurde. Denn West-und Ostgoten waren Anhänger des christl.-arianischen Glaubens, der im röm. Ostreich stark ausgeprägt war und standen nach der Wanderung in westliche Gefilde in Opposition zu ihrer eigenen röm.-kathol. Bevölkerung (Unterschied der beiden Glaubensrichtungen lag in der Deutung der Dreifaltigkeit und Person Christi zu Gott als wesensgleich oder -ähnlich). Auf Dauer waren die Verhältnisse nicht haltbar und die Westgoten folgten dem fränk. Beispiel 589, auch die Langobarden in Italien sollten im VII. Jh so verfahren. In beiden Fällen führte das zu einem Verfall der eigenen german. Kultur und zu einer spätröm. Kulturblüte.

Auch Ostrom sollte es nicht gelingen die barbarischen Elemente aus den eigenen Machtstrukturen heraus zu halten, hohe Heerführer konnten hier ebenso Barbaren sein, siehe Belisar, der die erfolgreichen Feldzüge Justinians gegen Vandalen und Goten führte. Der oström. Kaiser verstand sich als Statthalter Christi auf Erden. Der Papst im Westen galt für ihn als Bischof von Rom, mehr nicht. Vor Karl dem Großen erklärte sich kein Germane zum Kaiser! Germanen war die klare militärische Rangfolge wichtiger als ein anfechtbarer Kaisertitel, nur zu oft hatten sie erlebt, wie schwach diese Position durch immer neue Usurpatoren war. Die Oberhoheit des östlichen Kaisertums blieb unangetastet und hatte vor allem im Osten enorme Wirkung auf Slawen und die frühen Rus-Reiche. Auch im Westen erhofften sich die neuen fränk. Herrscher Anerkennung und Legitimation vom oströmischen Kaiser, dessen Traum von einer Wiedererrichtung des römischen Reichs nach beachtlichen Erfolgen letztendlich aber scheiterte, Gebiete in Italien und Nordafrika allerdings eine Weile halten konnte. Die Franken betrieben einen Schaukelkurs, offiziell für, inoffiziell gegen den Kaiser. So ließ sich von allen streitenden Parteien das Optimum heraus holen. Im Zuge der Ausrichtung gen Konstantinopel kamen, durch diplomatische Geschenke oder die Einmischung in die Kriegen in Italien, auch später im Umweg über Langobarden und Baiuwaren, oströmische Modesitten und Sachgüter in den Westen („imitatio imperii). Das ist archäologisch erkennbar an den goldenen almandingeschmückten Objekten, der Übernahme der Scheibenfibel in Ablösung der Mehrfibeltracht in der Frauenmode Wende VI./VII. Jh, an Kleidungsstücken aus Seide, nicht nur in Frauengräbern, sondern auch bei Männern, siehe „Herr von Morken“ um 600, an den Goldgriffspathen oder verzierten Spangenhelmen, Gürtelschnallen und mehrteiligen Gürtelkombinationen uvam.



Europa vor der fränk. Expansion und der Eroberung Italiens durch die Ostgoten Ende V. Jh



Die Datierungen folgen in der Regel der Chronologie von Ament mit einer älteren, bzw der frühen MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) und einer jüngeren, bzw der späten MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh) grob zwischen 450 und 720. Wer es genau mag sollte natürlich auch das „mittelmerowingische“ noch einschieben.



Die fränkische Expansion unter dem Herrscherhaus der Merowinger

Die Phase der älteren, bzw frühen MWZ: Chlodwig erweiterte seine Machtsphäre in der Wende V./VI. Jh nicht nur auf Kosten der ehemaligen reichsröm. Territorien, wie des Syagrius-Reiches, sondern ging auch skrupellos gegen seine german. Stammesgenossen vor und beseitigte ein Kleinkönigtum nach dem anderen durch Bestechung, Hinterhalt, Meuchelmord, Intrigen und Verrat. Seine Nachfolger, Franken aus dem Herrschergeschlecht der Merowinger (vom mythischen Urahn „Merowech“), waren untereinander vielfach zerstritten, sollten sich aber weiterhin extrem aggressiv gegenüber ihren Nachbarn gebaren und eiferten in diesem Punkt dem alten „gefrässigen römischen Raubtier“ der Antike nach. Dieser Expansionsdrang traf als nächstes die einstigen Angstgegner der Römer, die Alamannen, welche weit nach Osten an den Lech, nach Süden in die heutige Schweiz, ins Elsaß und nach Norden entlang des Rheins bis ins heutige Hessen siedelnd, vorgedrungen waren. In mehreren Feldzügen gerieten sie im Laufe des VI. Jhs unter die Abhängigkeit der Merowinger. Selbst der mächtige Ostgote Theoderich, in Italien residierend, konnte dies nicht verhindern. Ebenso mussten sich Burgunder und Westgoten nach mehreren Attacken unterwerfen. Letztere hatten bereits Anf. des V. Jhs an der franz Westküste das erste autonome Königreich innerhalb des röm Territoriums gegründet. Es gelang ihnen zwischenzeitlich immer wieder das fränk. Joch abzuschütteln, so daß vor allem Aquitanien im Westen ein eigenständiges Herzogtum mit hochstehender kultureller Blüte entfalten konnte. In der ersten Hälfte des VI. Jhs drangen die Franken von Mosel und Rhein bis an Weser, Werra und Elbe vor, als Angriff auf das ehem. arianisch-gotische Bündnissystem des Theoderich, dem auch die Thüringer angehörten, die, in eigene Thronwirren verwickelt, leichtsinnig die Franken zu Hilfe gerufen hatten. Diese kamen, unterwarfen und herrschten nun selbst. Der Verlauf des Vorstoßes läßt sich heute noch an den Ortsnamen ablesen, „Frankfurt“ als Mainübergang war von strategischer Bedeutung, wurde ausgebaut und der Raum blieb bis ins hohe Mittelalter Krondomäne. Die Heerstraße folgte dem Kinzigtal nordostwärts Richtung Fulda, weiter über Hersfeld zur Werra. Auch die fränk. Besiedlungen entlang des Main flußaufwärts über Virteburch/Würzburg ins heutige „Frankenland“ war Folge der sichernden Maßnahmen gegen das Thüringerreich. Es erstreckte sich bis in die nördlichen Teile des heutigen Bayern, bis an den Main. Der Merowinger Dagobert I. setzte in der 1. Hälfte des VII. Jhs in Thüringen dux Radulf als Amtsherzog ein, welcher wohl in Würzburg residierte, um das Herzogtum gegen vordrängende Slawen zu sichern. Diese Räume wurden nur in den Herrschaftsbereichen „frankisiert“. Es fanden, bis auf Sicherung strategisch wichtiger Punkte, kaum nachweisbare Umsiedlungen statt. Die heimische Bevölkerung bekam Herren auf fränk. Gnaden, behielten eine gewisse Eigenständigkeit. In der Folge wurde ein fränk. Machtraum geschaffen, der die alte röm. Kulturgrenze an Rhein und Donau weit hinter sich gelassen hatte. Abgrenzungen gab es nach Norden und Osten in den Raum der Friesen, Sachsen und Slawen, die lange mit den Franken rangen. Die häufigen Auseinandersetzungen mit den Sachsen, Karls des Großen „Sachsenkriege“ Ende des VIII. Jhs waren nur der Schlußstrich, veranlassten die Franken ihre Vormarschwege strategisch mit Festungen zu sichern. An der Ruhr wurde z.B. die alte sächs. „Syburg“ Instand gesetzt, auf dem Weg von der Wetterau über Nordhessen zur Weser die Missionsorte Amanaburch/Amöneburg, der „Christenberg“, Frankenberg a.d. Eder oder die „Büraburg“ bei Fritzlar befestigt, neben vielen kleinen Sperreinrichtungen, die bsplw Furten sicherten. In Richtung Korbach liegen dann Orte mit dem Namen „Sachsenberg“ und „Sachsenhausen“.

Im heutigen Süddtld beanspruchten die Franken die Herrschaft bis an die Alpen und an die Enns, Grenzfluß zu den Awaren, nachdem sie sich in ital.-süddt. Belange einmischten und vom Zerfall des Ostgotenreichs in Italien profitierten. Es gelang jedoch den alamannischen oder baiuwarischen Herzögen immer wieder das Joch der Franken abzuschütteln und zeitweise Unabhängigkeit zu erlangen, um allerdings nach militärischen Niederlagen erneut als Bittsteller ihr Herzogtum auf fränk Gnaden als Lehen erhalten zu müssen. Die Franken setzten südlich der Donau und ostwärts des Lech das Haus der Agilolfinger als Amtsherzöge ein. Der Stammesverband der Baiuwaren hatte den Grabbeigaben nach zu urteilen eine interessante, sehr inhomogene ethnische Zusammensetzung, es finden sich heimisch romano-keltische Relikte genauso, wie in der Frühphase des V./VI. Jhs alamannische, markomannische und thüringische Anteile, hinzu kamen ostgotische und langobardische, wie später awarisch-donauländische Elemente.

Durch Erbteilung entstanden fränk. Teilreiche, die aber nicht vollkommen selbständig und in sich geschlossen waren, sondern eher als unterschiedliche Verwaltungssektoren eines gemeinsamen Landes angesehen werden müssen. Die Teilherrscher agierten trotz innerer Zwistigkeiten meist gemeinsam in der Aussenpolitik. Die Teilreiche waren in ihren Größen variabel und auch in der Spätphase entstand kein grosses „fränk.-merowingisches Reich“, wie es heutiges kartografisches Material scheinbar suggeriert. Reiche wurden nicht ausschließlich über die räumliche Ausdehnung definiert, sondern über die Personen und deren Stellung zum Herrscher, also über unterschiedliche Tribut-, Klientel- und Vasallen-, bzw Gefolgschaftsverhältnisse mit mehr oder weniger selbständigen Regionen. Stämme behielten ihre Eigenständigkeit und ihre Anführer, wie Herzog Tassilo bei den Baiuwaren, allerdings kontrolliert durch königstreue Stellvertreter. Aufstände zeigten, wie fragil die personell „dünne“ fränk. Herrschaft eigentlich war, destabilisiert nach jedem Herrschaftswechsel und durch immer neue Rivalitäten aufgrund der schlechten Erbteilung im königlich-merowingischen Herrschaftsgefüge. Als probate Mittel der Machtsicherung galten Bündnis- und Heiratspolitik, wie Besetzung strategisch wichtiger Punkte durch fränk. Herren (Grafen und Gefolgschaftsführer) oder paktierende einheimische Adelige, die sich bei Umritten von der alteingesessenen Bevölkerung Treueeide schwören liessen.7 Nicht anders sollten zukünftige Herrscher des Mittelalters agieren. Macht basierte auf personalen Bezügen! Herrschernähe konnte eine mögliche Standeserhöhung mit sich bringen, also wurde sie bewußt gesucht.

Die Teilreiche der Franken unter merowingischen Herrschern Mitte VI. Jh

Die Phase der jüngeren, bzw späten MWZ: Weil das Haus der Merowinger dem german Erbrecht folgte, das heißt der Aufteilung von Herrschaftsgebieten unter den Söhnen, wurden die fränk. Herrschaftbereiche immer wieder von großen Bruderkriegen erschüttert. Das sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes als verheerend erweisen. Könige wurden ermordet, abgesetzt, junge Nachfolger in die Verbannung oder ins Kloster geschickt. Frauen besassen im Herrschaftsgefüge eine starke Stellung, als Königinnen oft mit eigener Kanzlei und ihren Beamten, beanspruchten sie stellvertretend die Macht, wenn es an geeignetem männlichen Nachfolgern mangelte. Polygame Verhältnisse der merowing. Könige mit mehreren Ehefrauen, hinzu Konkubinen, vereinfachten die familiären Strukturen nicht gerade. Das Haus der Merowinger ist für den Historiker ein kompliziertes genealogisches Gebilde, für den Laien schwierig zu durchschauen. Mehrfach gelang es kurzzeitig starken Herrschern, wie bereits Chlothar I. im VI. Jh, auch im VII. Jh mit Chlothar II. (613-29), Dagobert I. (632-39) oder Childerich II. (673-75) die Teilreiche in einer Hand zu einen. Allerdings mussten immer wieder Zugeständnisse an den Adel gemacht werden, wie die Wahl von gräflichen Königsbeamten ausschließlich aus den ansiedelnden Grundbesitzern heraus und Einsetzung von Hausmeiern in den jeweiligen Teilreichen, so daß jene Eigenständigkeiten behielten, was Rivalitäten niemals ausschloß. Erfolgreich und beständig gelang es starken Hausmeiern, wie Karl Martell (714-41) oder Pippin dem Jüngeren die Einigkeit herbei zu führen, nachdem merowingische Könige nur noch als Herrschermarionetten fungierten.



Die gesellschaftlichen Strukturen im Wandel von der Spätantike zum FMA

Nach der Völkerwanderung, in den instabilen Zeiten mit Zerfall des röm. Staatsheeres seit Mitte des V. Jhs, hatten sich röm. Provinzkommandeure, ebenso german. „Warlords“ (ndt), besser, dt: Gefolgsherrn oder die großen röm. Grundbesitzer Privatsoldaten gehalten, die buccellarii („Brotleute“ von bucella = Zwieback), als Haustruppen und Leibwachen, die sie besoldeten und ausrüsteten. Zuzug erhielten jene durch junge Krieger, die sich bei fremden Herren gegen Sold oder Sachleistungen verdingten. Gefolgschaften waren seit der röm. Kaiserzeit archäologisch bei den rechtsrheinischen Germanen zu beobachten, obwohl diese Gesellschaftsform wohl erheblich weiter in die Vergangenheit zurückweist. Sie sollte vor allem für den Kern der Militärstrukturen in den nachfolgenden Jahrhunderten kennzeichnend werden und in den „Ministerialen“ des HMAs mit neuer Rechtsstellung und erweiterten Aufgabenbereichen weiter bestehen. Eine auf Eid basierende Gefolgschaft wurde zum Rückgrat der früh- und hochmittelalterlichen Gesellschaft, nicht nur in militärischen Belangen. Die Mitglieder werden durch regelmässige Zuwendungen, Donative, Privilegien und Stellung der Ausrüstung durch die Herren besser ausgerüstet gewesen sein, als freie Wehrbauern der Germanen zur röm. Kaiserzeit, die wohl lange Zeit die Masse des Heerbanns stellten [siehe dazu auch Anmerk. unten zu den Illerup-Funden mit einer mgl. erkennbar Hierarchie]. Gefolgschaften befanden sich nicht nur am Königshof, sondern auch bei Herzögen und Grafen, Bischöfen und grossen Grundbesitzern, wer auch immer sich eine Haustruppe, durch Eid gebunden, leisten konnte. Das Gefolge erwartete Gegenleistungen. Die Führer/Herren waren zu Erfolg, Einkommen und mglw. Beute verdammt, um ihre Position zu halten. Nicht selten ließ sich der hohe Standard nur durch Expansion und kriegerische Aktionen halten. Das erklärt manche Kommandounternehmen der Südgermanen zwecks Beutegewinn auf röm. Territorium in der Spätantike, ebenso wie Plünderungen durch ihre Schiffe an den westeuropäischen Küsten (von den Römern generell als „Sachsen“ = Piraten bezeichnet), nach einem Muster, dem später die Skandinavier folgen sollten. Auch die Reitervölker aus dem Osten mit häufig wiederkehrenden Einfällen standen unter gleichen Zwängen, da deren gesellschaftlich-militärische Strukturen ähnlich aufgebaut waren. Für die Römer mussten diese Überfälle immer kriegerisch motiviert erscheinen, doch für barbarische Gesellschaften, die kein staatliches Gewaltmonopol kannten, waren Raubzüge von kleinen Gruppen probate Mittel, um Beute und Prestige zu gewinnen oder die Jugend im Umgang mit Waffen zu schulen. Dahinter standen keineswegs Kriegsabsichten ganzer Stämme, denn deren Anführer hatten auf diese „Waffenübungen“ oder das Fehdewesen oft nur wenig Einfluß.

Im ehemaligen Heerbann war noch jeder Grundbesitzer und Freie mit Waffenrecht in der Miliz dienstverpflichtet. Das bedingte die Abwesenheit von der Hofstelle für eine geraume Zeit. Karl der Große versuchte dem abzuhelfen, indem jeweils vier Hufen zu einer Wehrgemeinschaft gefügt und nur einer der vier Landwirte abwechselnd zum Kriegsdienst genötigt wurde. Es gab auch die Möglichkeit einen Ersatzmann zu stellen, was aber nur Großgrundbesitzer zu leisten vermochten, die sich ein Privatgefolge leisteten, so daß kleine Hofstellen in deren Abhängigkeit gerieten, wenn sie die Ersatzmannregelung durch jenen Grundbesitzer trafen, aus Freien wurden Halbfreie. Sie konnten über ihr Eigentum nicht mehr nach eigenem Gutdünken verfügen. Die Anzahl der freien Bauernstellen schwand durch das grösser werdende System der Abhängigkeiten und Konzentrierung auf Großgrundbesitzer, um ein Berufskriegertum zu ernähren. Durch die bessere Ausrüstung und ständige Waffenübung war jenes mit einem hohen Grad der Professionalisierung sehr effektiv und das nicht zum Schaden des Herrschers, also gab es keinen Grund auf diese Prozesse steuernd einzuwirken. Es begann sich die Dreiteilung in den Nähr-, Lehr- und Wehrstand auszubilden, nachdem der Bauer zunehmend weniger zum Kriegsdienst heran gezogen wurde und immer stärker in den Rang eines Hörigen und Leibeigenen hinab rutschte. Ein höriger Bauer leistete Abgaben und Frondienste, er war Produzent und kein Krieger, auch wenn er im Notfall immer wieder rekrutiert werden sollte, wie bekannter Maßen im HMA in der Fuldaer Fehde 1265 oder bei Worringen 1288 und bei mancher regionaler Fehde. Die Geistlichkeit und Klöster wurden unverzichtbar in der Urbarmachung wirtschaftlicher Flächen, Herausbildung des Handwerks, Missionierung, Seelsorge oder Reichsadministration. Die professionellen Krieger im Gefolge nahmen die militärische Sicherung und politisch-wirtschaftliche Kontrollaufgaben wahr, bekamen die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs und begannen Zeugeneide bei wichtigen Vorgängen und Dokumenten zu leisten. Je nach Rang und Größe erhielten sie zu ihrer finanziellen Absicherung Lehen. Über allem thronte der hohe Adel, der sich in der Verwaltung des Reiches unentbehrlich machte und erbliche Herrschaftsverhältnisse aufrecht erhielt. Aus ihnen wurde ein Oberhaupt als König erkoren, in sakrale Sphären erhoben, ein- und wieder absetzbar. Zumindest schöpfte der Adel aus dieser Legitimation die Begründung mancher Revolte. Ein schwacher Herrscher oder Bruderkriege wie unter den Merowingern, bot dem Adel reichlich Möglichkeiten der persönlichen Bereicherung und Machterweiterung, darin begründet lag der Aufstieg der karolingischen Hausmeier. Eigentum an Grund und Boden ist bis heute für unsere Kultur von entscheidender Bedeutung! Je grösser der Grund, desto mächtiger war das persönliche und das Klientel-Gefolge, denn es wuchs die militärische Schlagkraft, desto höher war die Anzahl der unfreien Hörigen, als Basis der wirtschaftlichen Macht und nicht zuletzt wuchs auch die Schar der Handwerker, die sich an den grossen Höfen sammelte, das brachte höhere Qualität von Ausrüstung und Repräsentationserzeugnissen mit sich. Die wirtschaftliche und rechtliche Stellung von Grund und Boden mag nicht weiter als notwendig vertieft werden, Verpachtung, Beleihung oder Verleihung ist obligatorisch. Problematisch sollte die Vererbbarkeit der Verleihung werden, die nicht immer schriftlich fixiert worden war, denn nach einer Phase hoher Schriftlichkeit zur Zeit der Karolinger fehlen z.B. für das X. und XI. Jh viele Dokumente. In diesen Fällen war der Nachvollzug des Eigentumswechsel problematisch, wurde oft fingiert, vor allem von Klerikalen, denn sie waren mit der streng reglementierten Abfassung von Urkunden vertraut, damit sind wir aber bereits im HMA, nicht zuletzt beim Aufstieg der Ministerialität. In einem Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten verlief die Entwicklung der europäischen Gesellschaft bis zur Französischen Revolution und in Dtld bis zur Säkularisierung, Auflösung der Grundherrschaft und Bauernbefreiung, Vorgänge mit denen manche Forscher, bzgl. der sozialen Komponente, aus guten Gründen das Mittelalter um 1800 enden lassen. Die Aufklärung brachte hinzu die Säkularisierung des Geistes und verdrängte das Religiöse als bestimmende Kraft des öffentlichen Lebens [Bosl].

Notwendige Sitzungen, „Hoch die Hörner“


Unsere Quellen für das V.-VIII. Jh:

Archäologische Funde gelten mit Sicherheit als Hauptquelle dieser Zeit. Aber wir haben unter den Merowingern eine hohe Form der Verschriftlichung erreicht und neben der „Spatenwissenschaft“ gilt es auch die enorm aufwändige Arbeit der Historiker zu würdigen. Textquellen, in der Regel vom Klerus verfasst, in Form von Chroniken (Annalen), von Taten- oder Lebensberichten und Urkunden geben nicht nur Aufschlüße über politische Ereignisse, sondern in beiläufig erwähnten Details auch über die Sachkultur. Zeitgenössische Gebrauchsgegenstände werden uns durch Depot- und Einzelfunde, Siedlungsgrabungen oder durch Bestattungsbeigaben vermittelt. Die germanische Welt kannte lange Zeit vielfach nur die Brandbestattung, deshalb sind einige Objekte deformiert und in schlechtem Zustand erhalten geblieben, Textilien fehlen aus diesem Kontext gänzlich. In den röm. Grenzprovinzen erfolgte bereits im III. JhAD eine allmähliche Ablösung der Brand- durch die Körperbestattung. Im rechtsrheinisch freien Germanien war diese Entwicklung mit einer zeitlichen Verzögerung ab der Wende IV./V. Jh zu beobachten. Durch röm Einfluß begann man die Körperbestattungen dann später in Reihen vorzunehmen. In der Regel wird die großflächige Ausbreitung der Reihengräberfelder in Europa allerdings erst mit der Expansion der Franken im VI. Jh gleichgesetzt. Für fast zwei Jahrhunderte wurde ein grosser Teil West- und Mitteleuropas davon erfasst, wobei dies nicht in allen Räumen gleichmässig geschah, so daß man „Reihengräberverbreitung“ und „Frankenherrschaft“ keineswegs gleichsetzen kann. Grabbeigaben waren auch nach Einführung des röm.-kathol. Christentums zunächst allgemein üblich, teilweise drückten christl. Heilszeichen auf Schmuck und Waffen den neuen Glauben aus, in einem Nebeneinander von Heidentum und Christentum, das für jene Epoche so kennzeichnend war. Die fränk. Kirche duldete Grabbeigaben und stellte Grabraub sogar unter Strafe.8 Auch wenn viele Gräber keine üppige Ausstattung zeigen, besitzen wir durch die Summe tausender von Reihengräberfeldern, manchmal mit mehreren hundert Belegungen, aus der Merowingerzeit von Goten, Franken, Alamannen, Baiuwaren, Thüringern, Langobarden, Burgundern, Herulern, uvam. eine Fülle von Alltagsgütern, Schmuck und Waffen. Sachsen und Friesen behielten längere Zeit Brandbestattungen bei und die Sitte der Körpergräber wurde nur teilweise übernommen.

Ab der 2. Hälfte des VII. Jhs bereitete das Christentum der Totenbeigabe allmählich ein Ende, doch blieb sie in manchen östlichen Gebieten zwischen Thüringen, Böhmerwald und Bayerischem Wald, vermutlich durch vermehrten slawischen Einfluß, noch bis ins X. Jh hinein erhalten. Auch in den Randbereichen Europas, auf den Inseln, in Skandinavien und im Osten hatte die Beigabensitte noch lange Bestand. Im Rheinland hingegen ist zum Ende des VII. Jhs ein deutliches Nachlassen der Beigabensitte erkennbar, der westfälische Raum folgte bald nach. Als Nebeneffekt für die Zeitgenossen, wurde dem Grabraub, der oft in zeitlich kurzem Abstand zum Begräbnis erfolgte (!), mit der beigabenlosen Bestattung die Grundlage entzogen und den Hinterbliebenen standen mit dem Erbe mehr Sachgüter als vorher zur Verfügung. Im VII. Jh wurden viele Reihengräberfelder aufgelassen, da man dazu über ging Bestattungen bei den Ortskirchen vorzunehmen. Die Oberschicht hatte diesbzgl. Vorbildfunktion und schuf sich dafür unabhängige Kirchen (Eigenkirchen). Dezente Grabbeigaben waren auch in den nachfolgenden Jahrhunderten mit ausgewählten Objekten, wie Fibeln und Schmuck oder Kleidungsstücken, noch üblich, bsplw. Ring und Ringfibel von der Bestattung auf dem Hainfeld beim späteren Kloster Arnsburg bei Lich in Hessen, Anf. des XIII. Jhs. Aber es wurde natürlich keine vollständigen Totenausstattungen für das Jenseits mehr vorgenommen. Fibeln hatten hinzu immer einen Sonderstatus, da sich mit ihnen die Totenkleidung/Leichentücher zusammenhalten ließen, das heißt sie befanden sich in den Gräbern mglw. an Stellen des Körpers, wo sie zu Lebzeiten nicht getragen worden sind!!!

Bestattungssitten scheinen uns ein Spiegel von Jenseitsvorstellungen in der jeweiligen Kultur zu sein. Allerdings sind sie auch, in nicht unerheblichen Maß, ein Indiz für Bestattungsrituale der Hinterbliebenen, wobei sich in der Selektion der Beigaben nicht alleine die Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen äusserte, sondern auch das Gebaren, Auftreten vor der Gemeinde, durch bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Verpflichtungen auferlegt. Mglw stammten die „Bei-Gaben“ gar nicht alle von dem Verstorbenen, sondern sie wurden als Anerkennung und Abschiedsgeschenk von einzelnen Hinterbliebenen der Familie/Sippe während der Trauerfeierlichkeiten ins Grab gelegt, wie mglw Keramik, auch Federn, Duftkissen oder Gefäße mit duftenden Essenzen sind bekannt. So häuften sich mit gehobener sozialer Stellung automatisch mehr Beigaben an! In diesem Kontext stehen wohl auch miniaturisierte Gegenstände als pars-pro-toto, wie Toilettenbestecke in sächs Männergräbern, die nicht mit dem Trachtzubehör verbrannt, sondern als Miniaturausführungen beigelegt wurden. Wir müssen also eine Sondersituation erkennen, die nur bedingt den Alltag des Verstorbenen wiedergibt. Beigaben nicht generell Spiegel einstigen Lebens, denn der Bestattete hatte ja nur geringe oder überhaupt keine Entscheidungsfreiheit darüber, was ihn „auf der Jenseitsreise“ begleiten sollte. Eigene körpernahe Gegenstände stammten vermutlich aus seinem Besitz, wenn sie deutliche Abnutzungsspuren zeigten.9 Aber dies ist nicht zwangsläufig so. Grabbeigaben dokumentieren die getroffene Auswahl der Hinterbliebenen !!! Wir wissen nicht, was bewußt nicht mitgegeben wurde? Unsere Schlußfolgerungen zum Leben und Alltag des Verstorbenen können nur bedingt durch Beigaben ermittelt werden.

Zu beachten gilt, daß wir nur selten vollständig erhaltene Grabensembles bergen und auch nur selten komplette Gräberfelder erfassen können, beides hat Ausschnittcharakter. Oft sind Gräber durch Grabraub gestört, manchmal fast drei Viertel aller untersuchten Gräber, wie in Weißenburg/Bayern oder Westheim in der Nähe. Oberflächennahe Gräber wurden durch Bagger oder Pflüge angeschnitten und zerstört, manche Beigaben unsachgemäss geborgen oder stammen aus vorwissenschaftlichen Altgrabungen.10 Vor allem wichtige Kleinfunde, wie Nieten, Haften, Verbinder, Beschläge, uvam. wurden früher übersehen oder als unwichtig erachtet. Das heißt, wenn z.B. eine Schnalle ohne Blech hier erwähnt wird, kann sie durchaus Nieten oder eine Hafte gehabt haben und war damit nicht automatisch an den Trägerstoff (Leder oder Stoff) angenäht.




In den letzten Jahrzehnten brachten auch Siedlungsgrabungen aufschlußreiche Funde ans Tageslicht. Die german. Siedelweise nutzte gute Ackerböden, Wassernähe oder Verkehrswege in kleineren Siedelstellen und umzäunten Gehöftansammlungen. Selbst grössere Siedlungen beherbergten oft nicht mehr als ein Dutzend Familien mit ihren Nutztieren. Tacitus Germania Kap 5: „Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Schmuck auf der Stirne; die Menge macht den Leuten Freude und die Herden sind ihr einziger und liebster Besitz.Neben Rindern wurden Schweine gehalten, auch Schafe und Ziegen, seltener Geflügel.11 Wildtierknochen fanden sich nur an den „Fürstenhöfen“. In den innerstädtischen Bereichen brachten Kölner Grabungen interessante Details zum Vorschein, wie aus der Latrine der Kanonissen von St. Cäcilien. Die adeligen Damen ernährten sich bevorzugt vom Fleisch junger Tiere, wie Spanferkel, Milchlämmer oder Stubenküken, während aus dem Handwerkerviertel vom Heumarkt die Tierknochen alter Rinder geborgen wurden, deren Fleisch man nur in Brühe kochen konnte. In Lauchheim war in VI.-VII. Jh zu beobachten, daß die Rinderzucht, die noch zu röm. Zeiten bedeutend war, zurückging. Hinzu hatte die Größe der Tiere abgenommen!12 Für die Erstellung von Ledergürteln sind solche Informationen interessant. Rinderhäute ergeben in der Regel, auch bei weniger großen Tieren, immer recht stabile Gurte, aber kleine Tierarten bedeuten dünnere Häute und kürzere Riemen. Völker, die über weite Strecken wanderten, wie Goten, Sueben oder Vandalen werden vielleicht nur wenig Großvieh mit sich getrieben haben können und wenn, waren es die notwendigen Zugtiere? Kleine Tiersorten, die weniger Nahrung benötigten, waren in dieser Zeit vielleicht nützlicher, so daß bei Neuansiedlungen auf fremden Boden die Tierzucht neu aufgebaut werden musste. Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, daß wandernde Völker in nomadisierender Lebensweise einen ausgeprägten Hang zur Tierzucht entwickelten? Für die Goten ist es quellenmässig bezeugt, mehrere Generationen waren durch die jahrzehntelangen Wanderungen von jeglicher Landwirtschaft entwöhnt, was aber nicht bedeuten musste, daß sie auch den Umgang mit den Tieren vernachlässigten. Es ist grundsätzlich möglich, daß manche Ledergürtel im FMA dünner waren, als heutzutage, da nicht nur Rind, sondern auch Ziege und Schaf für Gürtel in Betracht gezogen werden müssen? Manche Durchzüge von Originalschnallen sind extrem eng, bzw lassen nur wenig Spiel für einen stabilen Dorn, wie bei Kolbendornschnallen, zu. Im reichen Frauengrab unter dem späteren Kölner Dom gegen Mitte des VI. Jhs ist der Leibgurt leider nicht mehr erhalten, dafür das mit Beschlaghülsen verzierte nur 2 mm starke Leder des Trägerriemens der Messerscheide, was allerdings keine Rückschlüße auf den Leibgurt erlaubt. Auch „gesteppte“, bzw mehrlagige Gürtel machen nur bei dünnerem Leder Sinn, siehe die Gürtelfunde mit zusammen genähten Lederstreifen, welche textile Zwirne in Tunnelzügen aufwiesen, dem Gürtel Stabilität verleihend, wie im Grab 34 von Bruckmühl/Kr. Rosenheim oder vermutlich auch im Klerikergrab 8 unter St. Ulrich und Afra in Augsburg. Für die Kleidung wurden alle möglichen Ledersorten verwendet. Der Tote im „Sängergrab“ von St. Severin in Köln trug über der Leinen- und Wollkleidung ein Wams aus Ziegenleder. Fingerbreite Riemen aus Schafleder umschnürten kreuzartig die Wadenbinden. Die Schuhe waren aus Rindsleder, die Fingerhandschuhe bestanden aus Wildleder mit Stulpen aus Rindsleder. Bei einem überwiegenden Teil der 32 untersuchten Schuhe und Sohlen aus Haithabu war nach den Ergebnissen der Grabung von 1963-64 nicht nur das Oberleder aus Ziege, sondern auch das Sohlenleder !

Desweiteren bringen Siedlungsgrabungen wichtige Erkenntnisse bzgl der Buntmetallverarbeitung. Sie läßt sich seit der röm Kaiserzeit (RKZ) an einigen Fundplätzen nachweisen, vor allem durch Werk- und Gußabfälle oder Materialdepots, darunter auch importierte Stücke aus der röm Sphäre ins freie Germanien. Funde an der Nordseeküste bei Westerhammrich, Kr. Leer oder auf der Wurt „Hogenkamp“ südlich von Elsfleth in der Wesermarsch mit vielen röm Kleinmünzen aus Kupfer und Messing, manche mit Zerteilungsspuren, verdeutlichen die Seeverbindung zum Röm Reich, die entweder friedlich (Handel, Tribut) oder kriegerisch (Beute) genutzt wurde. Konzentrationen fanden sich entlang des westfälischen Hellwegs in der unmittelbaren Kontaktzone zum Rhein, so in Kamen-Westick, im FMA ab dem VIII. Jh in Soest auf dem Plettenberg, ab dem IX. Jh in Schwerte-Kückshausen nahe der (Hohen-)Syburg und im Stadtbereich Dortmund am Adlerturm. Auch in Thüringen auf dem Herrenhof von Dienstedt bei Stadtilm oder im fränkischen Eggolsheim bei Forchheim ist die Buntmetallverarbeitung vom IV.-IX. Jh gut zu dokumentieren. Durch beständigen Technologietransfer schulten Germanen ihre Fähigkeiten, wobei die Grundlagen des Bronzegusses schon seit vielen Generationen bekannt waren. In der Verarbeitung von Eisen galten sie weniger künstlerisch als ihre kelt. Nachbarn, deren vielfach nachweisbare Verhüttungsplätze eng an den unverzichtbaren Energieträger Holz gebunden waren. Keltische Schwerter waren bei den Germanen lange Zeit von hohem Begehr. Man wird aber auch Germanen einen versierten Umgang mit Eisen nicht absprechen können, wenn man sich die „Batterien“ von Rennöfen aus Gera-Tinz anschaut, wo fast zwei Dutzend Öfen aus der RKZ geborgen wurden.13 Wie sieht es jedoch mit den Metall-Rohstoffen aus? Kelten betrieben bereits in der vorröm Eisenzeit an vielen Stellen, wie im Siegerland Buntmetallbergbau und Eisenverhüttungen. Kupferbarren wurden über grosse Entfernungen verhandelt. Im Gegensatz dazu ist den Germanen bislang nur an wenigen Stellen Bergbau nach Silber, Kupfer, zinn- oder zinkhaltigen Erzen nachzuweisen, wie die Blei-Silber-Gewinnung aus Oberharzer Erzen im III. JhAD. Wenig später setzte auch die Kupfergewinnung aus Rammelsberger Erzen ein und bereits in der frühen röm Kaiserzeit das Schürfen nach Bleierzen im nördl Sauerland. Blei wurde als Fluß- und Lotmittel in der Buntmetallproduktion benötigt. In den nachchristl. Jhen forcierten vor allem die Römer einen intensiven Bergbau, bzw ließen unterjochte Völker nach Erzen schürfen oder forderten Tribute in Form von Rohstoffen. Tacitus verdeutlichte es für Britannien: metalla pretium victoriaeBodenschätze als Preis des Sieges. In Germanien waren das weniger Edelmetalle, als Blei-, Zink-, Kupfervorkommen. Sie wurden abgebaut in der Nordeifel im Mechernicher Bleierzbezirk, im Aachen-Stolberger Raum, vor allem am Schlangenberg bei Stolberg-Breinigerberg. Das Kupfererzbergwerk Virneberg bei Rheinbreitbach wurde noch in der 1. Hälfte des IV. JhAD ausgebeutet, dann brachen die Tätigkeiten ab und wurden erst wieder im IX. Jh aufgenommen. Auch östlich des Rheins im Siebengebirge bei Königswinter-Oberpleis auf dem Grubengelände Altglück und im Berg. Land bei Rösrath auf dem Lüderich, in der Nähe zum Legionslager in Bonn, ebenso in Overath-Schalken (Berg. Gladbach) in der 1. Hälfte des II. JhAD ist Kupfererzbergbau nachweislich von den Römern betrieben worden. Römische Messing- und Bronzeprodukte waren bei den Germanen von hohem Begehr. Sie wurden über Jahrhunderte durch Handel oder Plünderungen erworben und als Recyclingmaterial eingeschmolzen. Auch wenn das Schürfen nach Erz für manche Zeitabschnitte bisher kaum nachweisbar ist, das Einschmelzen röm. Artefakte ist sicher, wie dies Depots, z.B. bei Klenjena im Burgenlandkreis, verdeutlichen. Römisches Kleingeld aus Messinglegierungen war in einer Zeit des Tauschhandels als Zahlungsmittel östlich des Rheins wenig interessant, aber es eignete sich hervorragend zur Gestaltung neuer Objekte. Es wird diskutiert, ob mangelnder Zugriff auf Rohstoffe/Buntmetallerze im FMA erklären könnte, wie es zur Modesitte der Gürtelgarnituren mit schweren Eisenschnallen ab Ende des VI. Jhs kam? Auf der anderen Seite kamen zeitgleich Bronzeschnallen und -fibeln der Frauen in die Gräber, also waren die Quellen keineswegs versiegt. Zur Zierde wurde bei den Eisenschnallen und -beschlägen nicht selten tauschiertes Silber und Messing (äußerlich goldähnlich) verwendet, beides war damals wertvoll, demnach wäre die Kupfer-/Zinnzufuhr für Bronze sicher, bloß Zink/Galmei für Messing scheint knapp und kostbar gewesen zu sein, so daß letzteres nur durch Einschmelzen von röm Altmaterial erlangt werden konnte. Erst seit den karolingischen Zeiten sollte sich das mit einer neuen Messingproduktion ändern. Siehe auch unten Exkurs 5: Bronze oder Messing im FMA.



Die dörflichen Gemeinschaften waren seßhafte Selbstproduzenten, in vielen Dingen autark, abhängig natürlich von Aussaat und Ernte. Was das Dorf nicht selbst erstellte wurde mglw. durch Wanderhandwerker ergänzt. So sind verschiedene Textil-, Holz-, Horn-, Knochen-, und Lederarbeiten, sowie die Eisenproduktion selbstverständlich. Der Buntmetallguß ist manchmal nachweisbar. Tauschhandel war über lange Zeit Basis des Güter-Austauschs, vor allem für Luxusgüter. Erst mit der Verstädterung des HMAs wurden spezielle Gewerke vonnöten, da der Bürger nicht mehr selbst produzieren konnte, was er zum Leben benötigte. Das brachte neue wirtschaftliche Verhältnisse/Abhängigkeiten und einen grösser werdenden Münzhandel hervor. In der MWZ gab es keinen Handel über kleine Münzeinheiten, wie noch zu römischen Zeiten.








Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen V.-VII. Jh

Die Männergürtelmode des V. Jhs war noch lange Zeit von der römischen Militärausrüstung mit breiten Gürteln, breiten Zierstreckern, Riemenschieber und Zungen dominiert. Durch die Zieren erhielten breite Riemen eine Stabilisierung. Mit Riemenschiebern wurden die Zungen zur Seite geführt. In der 2. Hälfte des V. Jhs, bzw. in der Wende zum VI. Jh finden sich einfachere auf reine Schnallen „reduzierte“ Exemplare, manchmal mit Tierkopfverzierung, oft simplen Eisenschnallen oder bronzene Varianten mit Kolben- oder Schilddorn. Durch die Reduzierung auf die Schnalle ist es schwer eine Aussage über die Gürtelbreite zu treffen, wenn das Leder vergangen ist, Stabilisierungen fehlen. Auch die Länge ist ohne Riemenzunge und ohne Wissen über die Fundsituation (Befund), also Lage im Grab, nicht zu bestimmen.

Wie bereits erwähnt folgen die Datierungen der Chronologie von Ament mit älterer und jüngerer Merowingerzeit (MWZ) zwischen 450 und 720. Objekte der älteren MWZ (spätes V. bis Ende VI. Jh) sind gut erkennbar daran, daß beim Adel cloisonnierte Gegenstände (mit Almandingranat- und Glasfluß gefülltes goldenes Zellwerk) beliebt waren. Der Ursprung dieser Modesitte ist im hunnisch-ostgotisch-byzantinischem Raum zu suchen und prägte den Geschmack der Eliten für anderthalb Jahrhunderte. Die wertvollsten Steine dieser Sorte kamen aus dem indischen Raum und Konstantinopel war der Importeur nach Europa. Im Fall eines Bündnisses zwischen den Merowingern und Byzanz floß der Alamandin reichlich, während der Zufluß bei den Ostgoten in Italien durch ihren Krieg gegen Byzanz versiegte. Deshalb gibt es dort Grabfunde, in denen der Stein durch Glas imitiert wurde. Schnallen in diese Richtung werden nicht gezeigt, da meine Rekonstruktionen nicht für den Adel gedacht sind, aber die Rosettenfibel unten zeigt die Richtung.

Nachdem die Quellen des eindrucksvoll schillernden Granats auch für die Merowinger versiegten, änderten sich die Ziergegenstände in der jüngeren MWZ (VII. Jh bis Anf. VIII. Jh), in der tauschierte Objekte, filigrane Verzierungen und die Preßblechtechnik in Mode kamen. Die Tierstile drängten durch, Ornamente und Flechtmuster gewannen an Bedeutung, siehe unten Beispiele der großen schweren Gürtelgarnituren. Mglw ausgelöst durch Kontakte zu den Reitervölkern, wie den Awaren mit ihren „Stammes- oder Sippen-Tamgas“, wurden auch Zeichen und Symbole deutlich heraus gehoben.


IV

-

V

Frau/Mann




Spätrömische „Bogenschnalle“ aus dem IV. Jh. Diese Formen streuen in den nachfolgenden Jhn durch ganz Europa von Gallien und Norditalien bis nach Osteuropa, wie in Chalons, Krefeld-Gellep, Bonn, Andernach, Asparn, die nördlich der Alpen häufig massiver sind als diese „röm.-ital.-langobardische Variante, wie in Cividale aus dem VII. Jh.

Im XV. Jh werden „hohe“ Bogenschnallen mit weitem Durchlaß wieder aufgenommen und vor allem bei den Houppelande-Gürteln beliebt. Somit haben wir einen schönen „Bogenschlag“ vom Anfang bis zum Ende unseres Betrachtungszeitraums.




IV-V_010_tom

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

[auf dem Bild Blech noch nicht vernietet]

montiert 59,00 EUR




V


Mann




Ein Derivat der breiten röm Militärgürtel des IV./V. Jhs mit Schnalle endend in Tierköpfen. Zunge bekannt aus CCAA (Köln), Krefeld-Gellep und von vielen anderen Fundorten, auch rechts des Rheins. Grabfunden nach zu urteilen wurden solche Gürtel von Germanen in röm Diensten, darunter auch Rückkehrer in die alte Heimat und von deren Gegnern gleichsam getragen.






V_005_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 99,00 EUR










VI








Frau

Die Befestigung durch drei Nieten mit diesem Schnallentyp fand sich z.B. in Dillingen in Frauengräbern, datiert zw. 545-570. Kerndatierung der Schilddornschnallen ist die 2. Hälfte des VI. Jhs., ältere Kolbendornschnallen aus der 1. Hälfte können auf Anfrage angefertigt werden.



VI-VII_030_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit drei strichverzierten Nieten,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 79,00 EUR



...mögliche Tragweise, ohne spätmittelalterliche „Schlaufung“, die Länge ist hypothetisch, vermutlich waren die Riemen erheblich kürzer. Sie wiesen in der Regel keine Zungen auf, so daß die Länge nicht nach der Fundlage im Grab bestimmt werden kann.








VI








Frau/Mann





Dieser Schnallentyp mit Schilddorn und Schilddorn-Haften befand sich z.B. im Frauengrab in Okarben/Wetterau Grab 10 und Männergrab in Okarben Grab 15 mit zwei Haften, beide vor 550. In Dillingen fand er sich sowohl in Männer-, als auch in Frauengräbern in der frühen Form zw. 525-545 mit kolbenförmigen Dorn und mit Schilddorn in der 2. Hälfte VI. Jh. vor 590. Haften als Befestigung haben sich in diesen Fällen nicht erhalten. Ähnliche Funde auch vom Gräberfeld in München-Aubing.




VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 85,00 EUR








VI








Frau/Mann





Der Verbreitungsschwerpunkt der Schild- und Kolbendornschnallen liegt von Nordfrankreich, Niederrhein, Westfalen, in die Mainregion bis südl. der Donau. Sie bestanden überwiegend aus Bronze, in seltenen Fällen aus Silber. Funde aus Bronze in Krefeld-Gellep oder im Museum Ulm, aus Silber in Wünnenberg-Fürstenberg mit drei Haften [nicht aus Weissmetall, wie manchmal behauptet wird, denn der Bestattete war von hohem Rang mit reichen Beifunden wie eine Ringknaufspatha]



VI-VII_035_bz

30 mm Riemen (Grubengerbung natur)

Befestigung mit Hafte,

Zungen hierzu sind nicht nachweisbar.

montiert 90,00 EUR








VI

-

VII














Frau/Mann





Eckige Schnallentypen mit festem Beschlag in Durchbruchornamentik waren im byzant. Reich recht häufig und streuten bis weit nach West- und Mitteleuropa, hier verwendeter Typ Fund Kumpfmühl bei Regensburg 2. Hälfte VI. Jh. Eine ähnliche rechteckige Form mit festem Beschlag, aber schlichter, fand sich z.B. in Wölfersheim/Wetterau aus dem VI. Jh, fragmentiert in Nieder-Ingelheim, Frauengrab 1. Ähnliche Funde auch in Krefeld-Gellep oder Feldmoching, identische langobard. Funde heute im Museum Cividale de Friaul_AO. Befestigung, wie bei unserer Ausführung, in der Regel mit Ösen, das heißt sie sind für das Trägermaterial Leder und Stoff gleichermaßen geeignet.



VI-VII_039a_tom

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

Stegösen auf der Unterseite und Befestigung mit

Holzstiften oder Lederschnüren wie in Pleidelsheim.

Zungen hierzu sind nicht immer nachweisbar

montiert 45,00 EUR (ohne Zunge)






VI

-

VII










Frau/Mann



VI-VII_039d_tom/bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 5 x 1,5 cm möglich

montiert 65,00 EUR



VI-VII_039d_tom/bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

und Zunge_bz 3,5 x 2 cm [FO Norditalien] mgl

montiert 59,00 EUR






Ende

VI

-

VII





Frau/Mann

Angeregt durch die schweren grossen Gürtelensembles der Männer Wende VI./VII. Jh (s.u.) begannen auch Frauen in der jüngeren MWZ im Westen aufwändigere Gürtelgarnituren zu tragen. Nur in den alamannischen Gebieten östlich des Schwarzwaldes und bei den Baiuwaren hielten sich die schmalen Gürtel mit einfachen Schnallen, wie obige Typen.



VII_040_bz im Tierstil II

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Flachnieten,

Zungen hierzu sind manchmal nachweisbar.

montiert 95,00 EUR








Waffenbeigabe / Tacitus zeichnet in seiner „Germania“ eine waffenstarrende kriegerische Gemeinschaft der Germanen [Kap 13]. Und wir setzen quasi voraus, daß erst recht die Gesellschaft der Völkerwanderungszeit auf gewaltsamen Erwerb und Erhalt von Gütern und Rechten, Vermehrung von Einfluß und Besitz mit Waffengewalt ausgerichtet war. Deshalb werden von uns Waffen als unverzichtbarer Bestandteil des Lebens in zumeist räumlich weit voneinander getrennten Siedelstellen angesehen. Doch die Situation war mit Konsolidierung der german. Königreiche nicht rechtlos und der Einzelne übte keine Selbstjustiz, zumindest war es ihm nicht gestattet. Nach der älteren Phase eines Sippenrechts wurden nun Volksrechte definiert für eine vollkommen anders geartete Gesellschaft, nachdem die Wanderbewegung abgeschlossen und der Boden neu verteilt war. In der überwiegend bäuerlich ausgerichteten Lebensweise sollte der Kriegsdienst eigentlich ein Ausnahmefall sein. Der zum Kriegszug verpflichtete Freie, bzw Hufenbesitzer konnte im günstigsten Fall auf Beute und Entlohung durch Sachgüter hoffen, einen regelmässigen Sold gab es nicht und über den Winter kam man damit auch nicht unbedingt, wenn das Feld unbestellt blieb. Die Zeit galt als unruhig und kriegerisch, die friedlichen Jahrzehnte werden ausser acht gelassen. Denn unsere Geschichtsschreibung fokussiert auf Bruder- Bürger- und Stammeskriege, auf Invasionen, Plünderungen und Verheerung großer Landstriche. Ist die Beigabe einer Waffe im Grab oder gerade ihr Fehlen das Indiz auf eine waffenführende Gesellschaft?14 Waffenbeigabe, das Hergewäte, war über lange Zeit keineswegs selbstverständlich und in manchen Gegenden sogar vollkommen unüblich, wie bei den Brandbestattungen der Sachsen bis zum V. Jh oder vorher in der Wielbark-Kultur, die nach alter Lehrmeinung den Goten zuzurechnen ist.15 Auch die Goten auf röm. Reichsboden in Gallien, Italien oder Spanien gingen der Waffenbeigabe in der Regel nicht nach, genauso wenig wie es die Römer gehandhabt hatten. Während Franken, Alamannen, Baiuwaren oder Thüringer der Beigabensitte anhingen. Nur wenige Bestattete wurden allerdings mit einer vollen Waffenausrüstung und schon gar nicht mit Schwert begraben, worin sich nur der Adelige oder Freie erkennen läßt, der umgeben war von seinen Gefolgsleuten und den Halb- oder Unfreien. Einfache Gräber enthalten nur selten eine Lanzenspitze oder eine Saxklinge, viel eher Gebrauchsgegenstände, wenn sie überhaupt verwertbare Materialien aufweisen. Bei einst reicher ausgestatteten Bestattungen verzerrt uns heute nicht selten der Grabraub den Blick auf die Quellen. In erster Linie zielte diese Tätigkeit aber auf Schmuck und Luxusgegenstände, vielleicht auch auf kostbare Spathen ab? Ansonsten werden Waffen, wie Lanzen, Ango-Wurfspeere oder Schilde im intakten Zustand unmöglich durch die schmalen Raubschächte zu entwenden gewesen sein. Grabraub verstellt uns bzgl der Waffenbeigabe den Blick nur bedingt.

Ein Männergrab wird, bei ungestörtem Befund eines Körpergrabes, in der Regel durch bestimmte Nutzgegenstände, wie Feuerstahl, Messer, Wetzstein, Rasiermesser, Kamm, Metallfragmente oder Gürtelteile charakterisiert. Einige Gräber enthalten Lanzen- oder Speerspitzen, Äxte (nicht zwingend als Streitäxte zu betrachten, denn Holzspaltwerkzeuge standen quasi in jedem Haushalt zur Verfügung und erfüllten ihre Funktion als „Schildbrecher“ durchaus, um einen Schildwall zu „knacken“), in einem begrenzten Zeitraum einschneidige Klingen (Saxe), selten Pfeilspitzen oder Schildbuckel und ziemlich selten zweischneidige Schwerter (Spathen) oder Zaumzeug mit Reitausrüstung (Sporen, Steigbügel, etc), die immer Kennzeichnen von Fürsten und Gefolgschaftsführern waren.16 Helmfunde sind, nach Wegfall der in Massen produzierenden röm. fabricae im Westen, in Gräbern grundsätzlich äusserst selten, beschränken sich auf die Eliten, da sie als wertvoller Teil der Ausrüstung galten und tauchen deshalb, wie manch kostbare Waffen, Schwerter oder verzierte Lanzenspitzen zuweilen auch als „Opfer-/Gewässerfunde“ auf. Die hier aufgezeigte Reihenfolge wird in der Regel als Ausdruck einer sozialen Hierarchie in Kombination mit unterschiedlich wertigen Metallen verstanden. Manchmal ist die Entwicklung von einzelnen Typen, wie vom Kurz- über Schmal-, zum Breit- und Langsax oder die Kombination der Waffentypen für eine chronologische Abfolge von Belang. Dabei wird deutlich, daß sich die Waffentechnik mit jeder zweiten, spätestens der dritten Generation änderte, ein Hinweis auf neue Militärtaktiken oder neue Gegnerschaften, auf die man reagieren musste! Neben der großen Masse der beigabenarmen Gräber, damit leider auch oft geschlechtsneutralen Bestattungen, werden wir auch bei den Frauengräbern an der Wertigkeit und Häufigkeit der beigegebenen Metalle für Fibeln, Gürtel, Gürtelgehänge oder die zeitlich begrenzten und seltenen Wadenriemengarnituren der jüngeren MWZ eine soziale Hierarchie erkennen können. Auch hier hielten sich Schmuckformen selten länger als zwei Generationen.

Nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Befunden (Fundsituation), Auflistung der Funde und zeichnerische Abbildung im Katalogteil beschränken sich auch viele Frauengräber auf nur wenige Beigaben, meist Keramik, Kämme aus Bein, Spinnwirtel, hin und wieder Schmuck, wie Perlen, Nadeln oder Fibeln, manchmal nur einfache Ringe, Eisen- oder Buntmetallfragmente, deren Nutzen oft unbestimmt bleibt. An Schnallen der älteren MWZ bis zur Mitte des VI. Jhs finden sich bei Mann und Frau lediglich einfache Typen aus Eisen oder Bronze (s.o.) ohne Beschlagbleche, mit Haften befestigt. Mit Beginn des VII. Jhs, in der jüngeren MWZ, haben wir meist nur bei den waffentragenden Männern teilweise recht aufwändige Gürtelgarnituren, wobei für Spathen oft zusätzliche Riemen, auch als Schulterriemen, nach röm. Sitte, verwendet wurden. In der 2. Hälfte des VII. Jhs nahmen die Beigaben regional unterschiedlich deutlich ab, als Zeichen veränderter Bestattungssitten. In unseren Populärpublikationen werden allerdings meist beigabenreiche Frauengräber mit Edelmetallschmuck, wie Ohr- und Fingerringe oder Armreifen, Taschen, Ketten, Amulettkapseln, Wadenriemen und die waffenstrotzenden Männergräber exemplarisch herangezogen, der Rest ist auch ziemlich langweilig und würde niemand in eine Ausstellung ziehen oder eine dieser Publikationen erwerben lassen. Es wird nur in wenigen Museen eine grössere Bandbreite gezeigt. Wir sollten uns aber immer die Besonderheit dieser besprochenen Gräber vergegenwärtigen. Sie sind nicht typisch für die breite Masse der frühmittelalterlichen Gesellschaft, sondern oft nur für deren soziale Spitze, die Führungsriege und die unmittelbar Untergebenen!






Rekonstruktionen gehobener Männerausstattungen Ende VI. bis Mitte VII. Jh

Ab Ende des VI. Jhs wurden die Gürtel aufwändiger mit Schnallen-, Gegen- und manchmal Rückenbeschlag, oft aus Eisen mit tauschiertem Silber, bzw Messing und teilweise mit kleinen Riemendurchzügen. Die Durchzüge aus Eisen oder Bronze (wie zahlreiche in den Gräbern von Ober-Ingelheim) konnten als Saxhalterungen dienen. Manchmal sind sie auch nur der Hinweis auf die Waffe, wenn das Grab gestört wurde und der Sax fehlt. Sie könnten aber auch als Taschenhalterung gedient haben, also für alle Dinge, die man an- und abschnallen wollte. Die Rekonstruktionen sind aus Bronze gefertigt, Varianten in Silber sind auf Anfrage möglich.




Ende

VI

-

Mitte

VII

Franken / Sachsen / Falen / Alamannen / Baiuwaren

Beckum, fränkisch-sächsisch-fälisch um 600

Falls keine Eisengarnituren vorliegen, finden sich schlichte Bz-Formen ohne Ziermuster. Sie unterscheiden sich geringfügig in der Form der Beschlagplatten, der Bügelzier oder der verwendeten Befestigungsnieten. Schlichte Form z.B. in Leihgestern IV/Wetterau um 600 mit Schnallenbügel ohne Zier.



VII_060_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte oder wahlweise Buckelkopf-Nieten

und Gegenbeschlag ohne Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 125,00 EUR





Riemendurchzüge für den Sax können an allen Kombinationen ergänzt werden. Ähnliche Formen sind z.B. aus Beckum, um 600 oder aus Stetten, Ende VII. Jh bekannt.



VII_61_bz mit Riemendurchzug Typ 1



oder wahlweise Typ 2 an VII_72_bz






Ende

VI

-

Mitte

VII





Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen, oft mit diversen Punzmustern versehen, mit Gegen- und Rückenbeschlag haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich (m. kreuzstrichverzierter Niete z.B. in Trouans) über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.



VII_070_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch strichverzierte Nieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

eine Zunge hierzu ist nicht nachweisbar.

montiert 149,00 EUR




VI

-

VII



Tragweise mit doppeltem Dornstich und zurückgeführtem Riemen, rechts oder mit schmalem Dorn-Überfang, siehe „VII_080_bz“, den ich selber aber nur selten anwende und meist eher auf Kundenwunsch anfertige. Es gibt eine Reihe Schnallen aus der RKZ deren massive Dorne kaum eine andere Befestigungsart zulassen, aber in der MWZ bleibt die Wahl.

und Rückenbeschlag










Ende

VI

-

Mitte

VII











Schmale trianguläre Gürtelbeschläge aus Bronze gegossen, oft mit diversen Punzmustern versehen, mit Gegen- und Rückenbeschlag haben ein Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland vom späten VI. bis in die erste Hälfte VII. Jh.



VII_073_bz (leicht veränderter Schnallenbügel und Buckelkopfnieten)

mit Gegen- und Rückenbeschlag an 30 mm Riemen (braun/natur/rot)

montiert 149,00 EUR






1.

Halb

VII



Diese grossen schweren Gürtelgarnituren des VII. Jhs wurden vornehmlich aus Eisen mit Tauschierungen gearbeitet, einige Formen fanden sich auch aus Bronze mit aufwändigem Ziermuster und Gegen-, bzw Rückenbeschlag mit einem Verbreitungsgebiet von Nordfrankreich über den Rhein-Main Raum bis nach Süddeutschland.

Rückenbeschlag zu VII_080_bz



VII_080_bz

45 mm Riemen (braun/natur/rot)

Befestigung durch Buckelkopfnieten,

mit Gegen- und Rückenbeschlag,

montiert 179,00 EUR







Reitergräber / Seit dem Ende des VI. Jhs hatten sich die politischen Verhältnisse auf dem Balkan vollkommen verändert. Wie bereits die Hunnen vor ihnen lösten die einfallenden Awaren17 eine Völkerwanderung aus. Ganze Volksgruppen wurden ausgelöscht oder aufgesogen. Die Langobarden zogen nach Norditalien, slawische Völker drückten aus dem Norden über die Donau. Alle bisherigen Verhältnisse waren in Konfusion. Die Baiuwaren mussten sich notgedrungen über zwei Jahrhunderte mit ihren neuen awarischen Nachbarn arrangieren. Denn die schwer gepanzerten Reiter, unterstützt durch behende agierende berittene Bogenschützen waren kaum zu schlagen. Glücklicherweise richteten sich deren Bestrebungen, im Bündnis mit den Slawen, eher nach Konstantinopel, um von dort große Summen an Gold und Silber zu erpressen. Bei Langobarden, Baiuwaren, Alamannen und Slawen hinterließ das Reitervolk nachhaltigen Eindruck und prägte deren Ausrüstung und Kriegstaktik im VI./VII. Jahrhundert. Schwere Panzerungen, Helme, Reiterlanzen, Zaumzeug und Steigbügel in den Gräbern kennzeichnen den Aufbau einer schlagkräftigen Kavallerie, im Gegensatz zu den traditionell eher auf Infanterie gestützten Frankenverbänden. Jene waren gezwungen ihr Heer in Berührung mit den Arabern in der 1. Hälfte des VIII. Jhs umzustrukturieren. Das ist in allen Fällen leichter geschrieben als getan. Denn es bedurfte dazu viel Können und auch Erfahrung in der Pferdezucht. Erfahrungen, die nur wenige german. Völker, wie einst die Thüringer besassen, wie es von Vegetius berichtet wird, da sie Umgang mit den Hunnen pflegten, genauso wie die Goten. Bei ihnen waren, laut Prokop, nicht nur die Reiter gepanzert, sondern auch die Pferde, nach byzant. Vorbild. Germanen waren bereits in der röm Kaiserzeit (RKZ) für ihre Reitkünste geachtet, doch das war leichte Kavallerie auf unschönen, wenig schnellen Pferden, mit der Wurflanze, der Frame, ohne Steigbügel, ohne schwere Rüstung [nach Tacitus Germania Kap. 6]. Sie ergänzten die Möglichkeiten der schwerfälligen röm Infanterie. Die Römer nahmen auch östliche Reitervölker in Dienst. Ihre Hauptbewaffnung war der Bogen und zur Abwehr hatten diese keine statisch schwere Infanterie ausgebildet, sondern mobile schwere Panzerreiter mit Lanzen. Sie hinterließen überall in Europa in der Militärtaktik ihre Spuren. So war man im FMA u.a. gezwungen neue Pferderassen zu züchten, welche schwere Panzerreiter zu tragen vermochten und das konnten keine kaltblütigen Ackergäule sein, um mit den genügsamen ausdauernden Steppenpferden oder hochgezüchteten Araberpferden mithalten zu können! [Die Bedeutung des Pferdes kann im FMA nicht hoch genug eingeschätzt werden, siehe bekannte Pferdegräber. Trotz aller gesammelten Erkenntnisse ist dies sicher noch ein Defizit in der modernen Forschung. Es wird meist auf die Waffentechnik abgesehen, aber selten auf eine entscheidende Grundlage der feudalen mittelalterlichen Militärtaktik: Die Pferdezucht.]



Rekonstruktionen nach Frauen- und Männerausstattungen VII.-VIII. Jh

Grob seit der Mitte des VII. Jhs wurden im Rahmen der gewandelten Ausrüstung mehrteilige Gürtelkombinationen auch nördlich der Alpen genutzt. Im byzant. Reich, was wohl als einer der Hauptmittler anzusehen ist, waren sie seit fast hundert Jahren in Gebrauch. Sie hatten eine Anzahl angenieteter Nebenriemen mit Zungen, an denen der Reiter wohl Teile seiner Bewaffnung, Bogenköcher und weitere Ausrüstung anschnallen/anlaschen konnte, für ein Leben im Sattel ausserordentlich praktisch. Später übernahmen Durchzüge die gleiche Funktion, wenn sich der Riemen am zu tragenden Objekt und nicht mehr am Gürtel befand. Breite Formen der Riemenschieber, wie nach Funden in Hochemmerich oder vom Runden Berg in Urach, führten den Hauptriemen und weisen darauf hin, daß die Gürtelenden nicht unbedingt einfach lang herabhingen. Schmale Schieber wurden an Sporenriemen verwendet und sind erheblich häufiger nachweisbar. Riemenschieber finden sich genauso in Wikingergräbern (Birka, Rimsby) wie im gesamten kontinentalen mittelalterlichen Fundgut. Zum VIII. Jh hin wurden die Gürtel deutlich schlichter, wie ein reduziertes Derivat der vielteiligen Garnituren, teilweise nur noch mit einer Gürtelzunge am Riemenende ohne weitere Beschläge.








ab

Mitte

VII








Langobarden / Baiuwaren / Alamannen



Mehrteilige Gürtelkombination mit Nebenriemen. Die Zungen orientieren sich an Funden aus Ulm, ähnliche Zungen z.B. auch in Krefeld-Gellep, dort allerdings in Frauengräbern



VII_090_bz

30 mm Riemen (braun/natur/rot)

Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Riemenverbindern_bz und Zungen mit Zier_bz (siehe auch Detailbild).

Auf Anfrage, da gehobene Preisklasse durch die vielen Zungen und Verbinder aus Bronze.








VII

-

VIII



Franken / Alamannen

D-Schnallen mit dreieckigem oder rautenförmigem Querschnitt aus Eisen und Bronze sind bereits seit der röm Kaiserzeit in Verwendung, wurden von den Germanen übernommen und sollten sich lange Zeit halten, Funde aus dem FMA siehe Hirrlingen V./VI. Jh oder Haithabu IX./X.Jh

Zur Zunge siehe Funde in Krefeld-Gellep und aus Donauwörth 2. Hälfte und auslaufendes VII. Jh mit Ornament im Tierstil II. Die äussere Form ähnelt Stücken der Zaumzeuggarnituren in Grab 17 von Beckum I, um 575 datiert, und Grab 34 von Beckum II um 600. In beiden Fällen wurden allerdings davon abweichende schlichtere Dekors verwendet.



VII-VIII_012d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige kantige Schnalle_bz

und Zunge im Tierstil II,

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild noch nicht vernietet]



VII-VIII_010d_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und Zunge im Tierstil II

montiert 85,00 EUR



Zum Stilempfinden in Spätantike und FMA, Kerbschnitt und Tierstil I. Das Röm Reich wirkte lange Zeit als Leitkultur für die benachbarten Völker, deren Handwerker röm Formen übernahmen oder sich daran anlehnten zu einer Symbiose mit einheimischem Kunstformen. Ein frühes Erzeugnis mag das german verzierte Silberblech der röm Scharnierschnalle aus dem Brandgrab 9/1995 in Hagenow, nordöstl der Elbe sein [Details siehe A. Pesch, Gehörnte Pferde, Elitenkommunikation u. synthetische Tradition am Beginn german. Bildkunst, in: Neue Studien zur Sachsenforschung II, 2011, S. 9-17 ]. Die Autorin entwirft ein, von unserer Zeit deutlich abgehobenes, Kunstempfinden, das nicht durch individuelle kreative Neuschöpfungen gekennzeichnet war, sondern allgemein verständliche tradierte Bedeutungsinhalte reproduzierte. Nicht das Künstlerische, sondern das Handwerkliche wurde betont. Für den heutigen Betrachter läßt sich auf diese Weise ein Motivkanon und ein Stil anhand strenger Darstellungskriterien in der jeweiligen Epoche erkennen. Pesch betont, daß damalige Produzenten und Auftraggeber gemeinsame Regeln und ein ähnlich geschultes Geschmacksempfinden normativ anerkannt haben. So ist die Orientierung der Eliten an röm Formen und Techniken in Europa lange Zeit verbindlich, aus denen sich für uns erkennbar germanische Ableitungen identifizieren lassen. Die Pressbleche des III. Jhs basieren technisch auf röm Vorbildern, inhaltlich drückt sich germanisches Stilempfinden aus. Röm Objekte der Spätantike, wie Bronzegefäße mit Tierfriesen, Kerbschnittbronzen oder Münzen fanden durch Handel, Beute oder als Geschenk Verbreitung bis nach Skandinavien und beeinflußten dortiges Handwerk. Der Kerbschnitt und vor allem der motivisch eng begrenzte Tierstil I seit dem V. Jh, mit seinen abstrahierenden ornamentalen Tierfiguren, wurde angeregt durch naturalistisch anmutende spätröm Tierdarstellungen, wie Löwen, Hippokampen und diverse Fabelwesen, bsplw auf Gürtelgarnituren, die im Barbaricum durch das Soldwesen weite Verbreitung fanden. Aus dem plastischen röm Stil wurde ein verflachter german Stil mit seitlich im Profil und im Rahmen angeordneten abstrahierenden Tierformen. Doch beschränkte sich die Motivik nicht auf Tierfiguren allein, sondern geometrische Muster, Flecht- und Schlingbänder oder florale Elemente wurden ebenso aus der röm Kunstwelt übernommen, siehe als beispielhafte Anleihen spätantike röm Mosaike. Das prägte den Tierstil II seit dem auslaufenden VI. Jhs ... [weiter siehe Tauschierarbeiten der Merowingerzeit, S. 35-64]








VII

-

VIII







Frau/Mann

Breite D-Schnallen mit hohem Rahmen sind teilweise Derivate der aufwändigen Männergürtelkombinationen mit Blechen und Gegenblechen aus dem VI.-VII. Jh. Nun wurden sie mit einfachen Blechen oder auch ohne solche verwendet, s.u..



Eine Zunge mit Kreisaugenverzieruung fand sich z.B. in einem Grab des Doms zu Eichstätt, ähnliche Formen mit Verbreitung in Süd- und Westdtld, so in Krefeld-Gellep bereits seit Ende VI. Jh.



VII-VIII_010a_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 85,00 EUR



VII-VIII_011a_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

Breite D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Zunge mit Kreisaugenverzierung,

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild Zunge u Blech noch nicht vernietet]








VII

-

VIII





Frau/Mann

D-Schnallen mit hohem Rahmen aus Bronze und Eisen sind seit der auslaufenden MWZ zu beobachten, siehe auch Funde aus Tübingen um 700.

Die lanzettförmigen Zungen haben recht unterschiedliche Ausformungen, manchmal tragen sie Verzierungen. Sie sind nicht römischen Ursprungs, sondern stammen aus dem Osten, von den Reitervölkern, so u.a. bei den Sassaniden im VII. Jh nachweisbar. Es finden sich ähnliche Formen bei den Langobarden in Italien, die sie, wie Heruler und Gepiden im Donauraum kennen gelernt haben mögen und bei den mehrteiligen Gürtelkominationen, s.o. Verwendung fanden. Abgewandelte Formen auch nördlich der Alpen.



VII-VIII_010c_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge klein,

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild Zunge noch nicht vernietet]



VII-VIII_011b_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz

und lanzettförmige Zunge groß (siehe auch Detailbild),

montiert 85,00 EUR








VII

-

VIII





Frau/Mann

Schlichte bronzene D-Schnalle mit hohem Rahmen z.B. Kaarst am Niederrhein, dort kombiniert mit Blech aus Eisen oder aus dem VII. Jh Palenberg/Qualburg bei Kleve. Es gibt auch Funde ohne Bleche.



VII-VIII_010_bz

20 mm Riemen (braun/natur/rot)

D-förmige Schnalle mit kurzem Blech_bz,

Befestigung durch Flachkopfnieten,

ohne Zunge,

montiert 49,00 EUR



VII-VIII_011_bz

25 mm Riemen (braun/natur/rot),

hohe D-förmige Schnalle Bronze ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR






VII

-

XI



Rundstabig geschmiedete D-förmige Eisenschnallen nach spätmerowing.-karoling. Funden im Museum Korbach_AO. Auch Eisen mit Blechen möglich, siehe z.B. Palenberg I (St. Peter) Grab 13 u 18 in Qualburg bei Kleve VII. Jh.

Einfache ovale meist rundstabig geschmiedete eiserne Schnallen wurden über den gesamten Zeitraum von Männern und Frauen getragen. Manchmal lagen mehrere unterschiedliche Größen von 2 bis 4 cm in einem Grab, wie in den Frauengräbern 10 u 26 von Ober-Ingelheim.



Eis_20 „D“ rundstabig

lieferbar nur 20 mm Riemen ohne Zunge

Schnalle angenäht 39,00 EUR

[30 mm „D“ rundstabig nicht mehr lieferbar]



Eis_30 oval rundstabig

30 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 49,00 EUR

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Eis_20 oval rundstabig [Typ siehe Abb. links]

20 mm Riemen (braun/natur/rot) ohne Zunge

angenäht 35,00 EUR








Zierscheiben von Frauenausstattungen VII. Jh

Rund 1000 (!) Zierscheiben wurden in West- und Mitteleuropa bislang gefunden, vereinzelt auch in Skandinavien, es gibt nur wenig gleiche. In Gräbern sind sie zuweilen von einem Umfassungsring unterschiedlichen Materials umgeben, welcher Analysen zufolge auch aus kostbarem Elefantenelfenbein bestehen konnte, ein Hinweis auf Importe dieses Artikels aus dem byzantinischen Wirtschaftsraum.18 Die Frage nach Gürtelziergegenstand oder Taschenverschluß, bzw Zier auf einem Taschendeckel, ist in der Forschung umstritten, letzteres scheint mir aber im Zusammenhang mit den Umfassungsringen nicht unwahrscheinlich.








VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer







Die Zierscheiben liegen in den Gräbern in recht unterschiedlicher Höhe, von einer Lage im Beckenbereich knapp unterhalb des Leibgurts (tendenziell in westlichen Gebieten), über Funde in Kniehöhe, wie in Krefeld-Gellep Grab 2743, bis hin zu sehr tiefen Positionen unterhalb des Knies, was eher typisch für den alamannisch-baiuwarischen Raum ist.



VII Zierscheibe 01_bz

Durchmesser 6,5 cm

15,00 EUR






VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer



Zierscheibe

ähnlich in Aichach, 2. Hälfte VII. Jh., Schlangen-Dreierwirbel auch Fund in Raesfeld/Niederrhein und Variante im RG-Mus Köln, FO unbekannt



War die Schlange mglw ein Symbol für die Unsterblichkeit, wegen der Häutung oder der Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit, ein Hüter von Dingen, die im Boden verborgen...?



VII Zierscheibe 02_bz

Durchmesser 4,5 cm

12,50 EUR






VII





Franken / Alamannen / Baiuwaren / Sachsen / Thüringer





Zierscheibe

ähnlich zu Fund Fort St. Vincent VII. Jh in eis si tauschiert, aus Meckenheim, Rhein-Sieg Kreis, Original bz oder vom alamann. FO Schaan.








VII Zierscheibe 03_vs

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR






VII





Für moderne Zeitgenossen





Zierscheibe mit Öse

ähnlich zu Fund Fort St. Vincent VII. Jh in eis si tauschiert, aus Meckenheim, Rhein-Sieg Kreis, Original bz oder vom alamann. FO Schaan.



VII Zierscheibe 04_vs als Anhänger

[Material Zamak, leider nicht anders erhältlich]

Durchmesser 4 cm

10,00 EUR








Gehobene Frauenausstattungen Fibelreplikate VI.-VII. Jh



Zur Mode

Die ost- und nordgermanische Frauentracht hielt noch lange am gefibelten Kleid (Peblos) fest, während die westgermanische sich durch den Kontakt mit der römischen Kultur zur Tunika wandelte. Damit benötigten ostgerman. Frauen mehr Fibeln, nachweisbar im Falle von Körperbestattungen, wie im III. Jh in Haßleben, nördl. von Erfurt mit einem kostbaren Fibelpaar auf den Schultern oder in Dienstedt bei Stadtilm, auch die paarigen Silberblechbügelfibeln der westgot. Oberschicht fanden sich noch lange, um das Kleid, bzw. die Schürze zu halten, während im Westen die Fibeln eher zum Verschluß eines Umhangs oder Mantels dienten. Bis ungefähr zur Mitte des V. Jhs dienten Stützarm-, Bügel- oder Gleicharmfibeln, bei den Sachsen auch Armbrustfibeln, manchmal auch röm. Altstücke, als übliche Mantelverschlüsse im Hals- und Schulterbereich. Seit Beginn der älteren Merowingerzeit war nach Grabfunden die Oberschicht häufig an der Vierfibeltracht zu erkennen, wobei neben einem paar Kleinfibeln am Oberkörper grössere Bügelfibeln im Beckenbereich oder am Unterkörper getragen werden konnten, manchmal in Verbindung mit einer Amulett- /Schmuckkette oder einem Gehängeband, das teilweise auch am Gürtel befestigt war. Die Funktion der „tief getragenen“ Fibeln ist nach wie vor umstritten und es ist unsicher, ob sie den Mantel oder das Obergewand fixierten, das Gehängeband trugen, einen Stoffgürtel oder eine Schärpe in Form hielten, vielleicht nur das Totengewand schlossen!19 Manchmal haftete ihnen Brettchengewebe an, mglw. das Indiz für den Stoffgürtel oder eine Kantenborte. Diese Fibeln wurden in der Regel aus Bronze oder Silber gegossen und waren nicht selten feuervergoldet, zeigten somit deutlich den Rang der Trägerin. Sowohl bei den Kleinfibeln, in Form von stilisierten Pferden, Vögeln, S-förmigen Wesen und zuletzt kleinen Scheiben, manchmal mit Ketten verbunden, wie in Unterhaching, als auch bei den Bügelfibeln, waren die beiden paarigen nicht immer gleichen Typs. Im Frauengrab 1 aus Heidenheim-Großkuchen des VI. Jhs befanden sich bsplw. zwei vergoldete silberne Bügelfibeln unterschiedlicher Form, ebenso im Grab 10 des Gräberfelds I von Frei-Weinheim bei Ingelheim aus der 1. Hälfte des VII. Jhs. Die Kleinfibeln, und zuweilen auch Bügelfibeln, der gehobenen Schichten des VI. Jhs wurden in der Regel nicht durch den Stoff gestochen, sondern mit kleinen Textilschlaufen oder Ösen befestigt, damit der Stoff geschont wurde.20

Ein Kennzeichen des Übergangs zur jüngeren Merowingerzeit war die Ablösung dieses Fibelensembles durch eine einzelne Scheibenfibel, nach byzant. Modesitte, vermitteln mglw durch die Langobarden in Italien, welche die Vierfibeltracht nach dem Ende ihres Zuzugs aus dem Donauraum aufgaben. Der Wandel erfolgte nördlich der Alpen regional unterschiedlich um und nach 600, wobei es im Übergang auch Mischformen der Fibelkombinationen gab, siehe Frei-Weinheim mit Bügel- und Scheibenfibel, oben. Im westlichen Frankenreich fasste die Sitte der einzelnen Fibel bereits Ende des VI. Jhs, während sie im Mittelrheingebiet und in Süddtld teilweise erst Mitte des VII. Jhs übernommen wurde. Tiermotive des Stils II tauchen in der jüngeren MWZ des VII. Jhs auf. Auch von den Scheibenfibeln konnten metallene Ketten hängen mit kugelförmigen Amulettanhängern. Ebenfalls auf Modesitten der byzant. Prunkgewänder läßt sich die vielfältige Verwendung von Perlen auf Strängen oder gestickt auf Gewandung und Gürtel zurückführen. Bei den aufgefädelten Perlenketten wurden in der älteren MWZ grosse und mittlere, in der jüngeren MWZ eher kleinere Glasperlen bevorzugt. Die Glasperlen waren opak oder transluzid, auch Bernstein-, Bergkristall und Amethystperlen, Muschelscheiben und gelochte oder mit Aufhängeösen versehene Münzen möglich.















Weitere Infos zur Kleidung im FMA siehe: „Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau“, S. 88ff und „Am liebsten schön bunt! Kleidung im Frühen MA“.

Abb. Einfibeltracht aus „Stuttgarter Psalter“ Anf. IX. Jh, ältere aussagekräftige Bildquellen selten











V




Goten / Langobarden / Baiuwaren / Franken



Vogelfibel

Funde in Metz, Burgund und Limburg/NL ähnlich



schöner Beleg für die starken östlichen Einflüße, die modisch über Europa fluteten...im Original mit Almadineinlagen.



V_Vogelfibel_bz mit rotem Glasluß

3,4 x 1,6 cm

- nicht mehr lieferbar -






VI





Langobarden / Baiuwaren / Alamannen





Rechtsläufige S-Fibel mit Raubvogelköpfen nach Funden in Altenerding, Künzing Bruck 2. Hälfte VI. Jh und Langenenslingen bei Biberach, ähnlich auch langobard. im Museum Cividale de Friaul,

auch hier ist der „östliche Einschlag“ unverkennbar, statt Almandin ist nur noch die Kittmasse erhalten.



VI_S-Fibel_bz

Länge 3,7 cm

Paar 45,00 EUR








VI





Franken / Baiuwaren





Kl. Scheibenfibel

Funde in Inzing, Lezoux und Limburg/NL ähnlich, ebenso Annäherung an Fund in Grab 213 von München-Aubing.



VI_Scheibenfibel_bz mit rotem Glasfluß

Durchmesser 2,2 cm

- nicht mehr lieferbar -






VI





Alamannen / Baiuwaren





Rosettenscheibenfibel

Funde im süddt. Raum häufig. Rekonstruktion orientiert sich an Beständen der Archäolog. Staatssammlung in München (AO). Die frühen Formen Ende des V. Jhs waren eher kreisrund, während die späteren des VI. Jhs diese Rosettenform annahmen.



VI_Rosettenfibel_bz m. rotem Glasfluß als Almandinersatz

Durchmesser 3,8 cm

Paar 45,00 EUR








VI






Alamannen / Langobarden / Baiuwaren / Franken / Sachsen / Angelsachsen





Bügelfibel mit rechteckiger Spiralplatte mit hoher Verbreitung

Funde dieses Typs in Lauchheim/Wasserfurche und Nordendorf bei Augsburg, Menzelen-Rill bei Duisburg, ähnlich in Krefeld-Stratum alle aus der 1. Hälfte VI. Jh, Okarben/Wetterau Grab 11 Mitte VI. Jh, ähnlich Freundorf/NÖ 2. Hälfte VI. Jh und im VII. Jh in Kent, sowohl einzeln, als auch paarweise.



VI_Rechteckspiralplattenfibel_bz oder vs

Länge 9 cm

Paar bz 85,00 oder vs 90,00 EUR








VI








Franken / Langobarden







Bügelfibel mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und länglichem Tierkopf nach Typ Mainz 2. Hälfte VI. Jh.




VI_Bügelfibel rechteck u Tierkopf_bz

Länge 8 cm

- auf Anfrage -










VI










Franken










Bügelfibel mit halbrunder, knopfverzierter Spiralplatte und endständigem Tierkopf, ähnlich zu Funden in Ostheim/Butzbach und in Weimar 2. Hälfte VI. Jh.

[Wobei das Fibelpaar der fränk Oberschicht zugerechnet wird und speziell in Weimar eben dieser als Besatzer oder einer einheimischen Kollaborateurin zugedacht werden muss, denn typisch für die Thüringer ist sie nicht]



VI_Bügelfibel halbrund u Tierkopf_bz

Länge 10 cm

- auf Anfrage -






VI

-

VII







Franken





Bügelfibel mit rechteckiger, knopfverzierter Spiralplatte und breitem Tierkopf, ähnlich zu Funden in Krefeld-Gellep, 2. Hälfte des VI. Jhs, in Köln, Soest, Mainz oder Würzburg bis um 600. Ein ähnliches recht spätes Exemplar aus Frei-Weinheim bei Ingelheim, 1. H. VII. Jh, war aus Bronze gegossen und wurde nicht vergoldet, wie sonst oft üblich bei kostbaren Silbervarianten.



[Wobei das Fibelpaar der fränk Oberschicht zugerechnet wird und speziell in Soest eben dieser als Eroberer oder einer einheimischen Kollaborateurin zugedacht werden muss, denn „typisch sächsisch“ ist sie nicht]




VI-VII_Bügelfibel rechteck u Tierkopf_bz

Länge 8,5 cm

- auf Anfrage -



Die hier gezeigten Fibeltypen kommen je nach Region zum Ende des VI. oder erst im Laufe des VII. Jhs aus der Mode. Bis zu 5 cm grosse Scheibenfibeln waren nun Bestandteil der gehobenen Frauentracht. Seit der Karolingerzeit wurden teilweise kleinere und einfachere Exemplare auch von Männern getragen, siehe auf den Seiten IX.-XII. Jh. Nach Befunden der letzten Reihengräberfelder und Abbildungen gemäß läßt sich folgern, daß Frauen ihre Übergewandung mit den Scheibenfibeln unter dem Hals, bzw. auf der Brust und Männer auf der rechten Schulter schlossen, sofern keine Nadeln oder Bindesysteme, s.u., genutzt wurden, die für einfache Darstellungen mit Sicherheit eher angebracht sind.




VIII

-

IX

Mals/Vinschgau

Männerbestattungen weisen in der MWZ fast überhaupt keine Fibeln auf. Möglicherweise wurden eher Knochen-, Geweihnadeln oder Bindesysteme getragen, so daß keine Rückstände blieben. Aufgrund der kostbaren Goldbrokatborte, die den Rand des wollenen Umhangs im Männergrab 143 von Greding-Großhöbing schmückte, ist zu folgern, daß er durch das Knoten von Bändern zusammen gehalten wurde. Auch der Graf (!) in der Kirche St. Benedikt zu Mals im Vinschgau [siehe Bild links] trug noch um 800 seinen Mantel auf der rechten Schulter geknotet, ohne daß hier eine kostbare Fibel schloß. Eine Kombination aus beidem scheint sich bei den Höflingen auf der Abbildung Karls des Kahlen in der Vivianusbibel Mitte des IX. Jhs anzudeuten. Die Bänder sind Zusatz oder „degenerieren“ zu Zierquasten. Das IX. Jh wird aber durchaus Fibelformen für Männer kennen, siehe nachfolgende Seite...








Exkurs 5a: Bronze oder Messing im FMA

Bronze oder Messing sind nicht nur divergierende Legierungen, sondern auch unterschiedliche Produktionsverfahren. Der Bronzeguß (Kupfer/Zinn, eher Rotguß) war in unserem Raum im FMA bereits seit Jahrtausenden bekannt und technisch weit entwickelt. Der Messingguß (Kupfer/Zink, eher Gelbguß) soll aus Kleinasien stammen und wurde erst von den Römern in Westeuropa zur Kaiserzeit verbreitet, berühmte Gelbgießerwerkstätten waren in Capua ansässig, nördlich der Alpen Nachweise z.B. in Xanten. Augustus hatte für die Kleinmünzen sestertius, dupondis und semis die Kupfer-Zink-Legierung orichalcum eingeführt mit einem maximalen Zinkanteil von 26-27%. Bei schwierigem Formenguß konnte auch die Zugabe von Blei als Flußmittel nachgewiesen werden. Die Römer verwendeten Messing-Legierungen in unterschiedlicher Zusammensetzung, u.a. für diverse Ausrüstungsteile der Armee in der frühen Kaiserzeit, Helme im III. Jh oder Gürtelteile im IV. Jahrhundert. Oft wurden diese Objekte verzinnt, wie es auch bei eisernen geläufig war. Es wird in der Forschung diskutiert inwieweit auf der Messingproduktion ein Staatsmonopol lag, um Münzfälschungen zu unterbinden. Bis in das HMA wurde Messing als „auricalcum“ („Niedergold“ bei Th. Presbyter Anf. XII. Jh) geschätzt, da es einen „goldigen“ Glanz aufwies. Der Zinkanteil kann in der Moderne zwischen 5 und 45% schwanken. Bei einem Zinkgehalt unter 18 % hat Messing eine rötlichere Farbe, sogenanntes „Goldmessing“ oder „Tombak“. Zink gewinnt man hptsl aus Galmei-Vorkommen (ZnCO3). Das Material war erheblich seltener und schwieriger zu beschaffen als Zinnerze Für viele Jahrhunderte sollte die Maasregion und der Aachener Raum wegen seiner Galmei-Vorkommen und der Messingproduktion eine zentrale Rolle in Europa spielen. Spätestens seit dem II. JhAD beuteten Provinzialrömer die Vorkommen bei Gressenich in der Nähe von Aachen aus. Ein Niedergang war mit der Völkerwanderung zu verzeichnen, mglw durch den ausfallenden Kleingeldhandel, in der MWZ ist Messing durchaus nachweisbar, bei relativ kostbaren Erzeugnissen, wie tauschierten Gürtelschnallen mit Einlagen von Silber und Messing oder bei einer Scheibenfibel in Mühlacker-Dürrmenz, wo das Messingblech der Schauseite verzinnt worden ist. Ein allgemeiner Aufschwung erfolgte zu karolingischen Zeiten. Mehrere Messingbarren und ein zum ovalen Messingring geformter Zierdraht [Grabung 1963-64] wurden u.a. auch in Haithabu gefunden. Entlang des Hellwegs vom Rhein bis nach Paderborn war durch die Zäsur der fränk. Eroberung die Messingproduktion nun nachweisbar. Galmeivorkommen zeigen sich auch im nördl Sauerland bei Brilon und Iserlohn, wobei unsicher ist, ab wann diese ausgebeutet wurden. Nach Bleierzen wurde dort bereits in der röm Kaiserzeit geschürft, das mit den Bleierzen auftretende Galmei wurde allerdings in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt. Für den Ramsbecker Raum am Bastenberg sind Stollen aus dem HMA bekannt, die bereits im XIII. Jh aufgelassen wurden. Allgemein erfolgte der Abbau im Sauerland bis ins XIX. Jh und hat die Spuren der Vorgängerbaue vielfach verwischt. Im Eisacktal, südlich des Brenners, ist bei Villanders oberhalb von Klausen der Abbau von Silber mit der ältesten Bergbauurkunde Tirols seit 1140 nachweisbar. Doch wurde allerdings weniger das begehrte Edelmetall gefunden, als vielmehr Kupfer, Blei und Zinkerz, dessen Abbau unter den Fuggern um 1500 die Blütezeit erreichte.

Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit eine strenge Trennung in Gelb- oder Rotguß über grosse Zeiträume und zunehmender Entfernung zum anstehenden Rohmaterial beibehalten werden konnte, wenn bsplw. Altmaterial verarbeitet wurde. Altmetalle waren seit römischen Zeiten begehrte Rohstoffe und wurden immer wieder eingeschmolzen, das zeigen metallurgische Untersuchungen mit anteiligen Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink und Blei. Die strenge Trennung unserer heutigen Legierungen gab es in dieser Form kaum. Mischformen sind im Mittelalter häufig. Ohne metallurgische Untersuchungsverfahren bezeichnen moderne Publikationen Funde in Buntmetallen deshalb generell als "Kupferlegierungen", in England "copper alloy". Neben Bronze, Messing wird auch „gun metal“ oder Tombak so genannt, also Mischformen von Kupfer, Zinn, Zink, bzw. Legierungen, hinzu mit unterschiedlichen prozentualen Anteilen, bzw. „Verunreinigungen“ durch Antimon, Arsen, Blei oder Silber. Letztere waren häufig absichtlich beigefügte Flußmittel. Nur in wenigen unserer Veröffentlichungen, ausgenommen die neueren Datums, werden spezifizierte Angaben gemacht, wie bsplw. die metallurgischen Analysen in den Londoner Dress Accessories, S. 387ff. Im 3. JtsdvC wurden bereits Flußmittel wie Arsen verwendet, denn „Ötzi“ zeigt eine nicht unerhebliche Arsenanreicherung im Körper. [Zur Messingproduktion siehe auch Lammers, Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. 48]










Quellen und weiterführende Literatur (und die ausführlichen bibliografischen Infos [fett] zu oben genutzten Kurzformen):

- Ade, D./ Rüth, B./Zekorn, A.: Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau, Stuttgart 2008.

- Bosl, K.: Europa im Mittelalter (1970), Ausgabe Darmstadt 2005.

- Dannheimer, H.: Das baiuwarische Reihengräberfeld von Aubing, Stadt München, Stuttgart 1998.

- Delbrück, H.: Geschichte der Kriegskunst, Bd. II Die Germanen (1901-21), Nachdruck der Neuausgabe 2008.

- Grütter, T./Jung, P./Stephan-Maser, R.: Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und FMA an Rhein und Ruhr. Katalog zur Ausstellung, Essen 2015.

- Haas-Gebhard, B.: Unterhaching. Eine Grabgruppe der Zeit um 500 n.Chr. bei München. Arch. Staatssammlung München 2013.

- Ilkjaer, J.: Gegner und Verbündete in Nordeuropa während des 1. bis 4. Jhs, in: Norgard-Jorgensen, A. u Clausen B.L. (Hrsg.), Military Aspects of Scandinavian Society in a European Perspective, AD 1-1300. Copenhagen 1997, S. 55 ff.

- Haedeke, H.-U.: BERG und MARK. Menschen, Eisen und Kohle. Wirtschaft, Handel und Wandel, Solingen 2000.

- Kulikowski, M.: Die Goten vor Rom, dt. Stuttgart 2009, engl. Rome´s Gothic Wars. From the Third Century to Alaric, Cambridge 2007.

- Lammers, D.: Das karoling.-otton. Buntmetallhandwerker-Quartier auf dem Plettenberg in Soest, S. Beiträge zur Archäol., Bd. 10, Soest 2009.

- Perin/Menghin/Wieczorek/vWelck: Die Franken Wegbereiter Europas 5. bis 8. Jh. n. Chr., Ausstellungskatalog Mainz 1997.

- Pirling, R.: Römer und Franken in Krefeld-Gellep [RFiKG], Mainz 1986

- Ravaux, J.P.: La Collection Archeologique de Mme Perrin de la Boullaye, Chalons-en-Champagne 1992.

- Springer, T.: Frühgeschichte. Archäolog. Funde von den Römern bis zum MA im GNM, Nürnberg 2014.

- Thiedmann, A.: Die merowingerzeitlichen Grabfunde in der Wetterau. Materialien zur Vor- u Frühgeschichte von Hessen, Wiesbaden 2008.

- Walter, S./Peek, C./Gillich, A.: Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, Esslingen 2008.

- Wenzel, A.: Zwischen Childerich u. Karl d. Gr. Der Ingelheimer Raum in fränk. Zeit. Katalog zur Ausstellung Nieder-Ingelheim 1997.

- Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog der Villa Hügel Essen 1956.





V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Für den „Stromtanker“ gibt es nur einen „politischen Vorteil“, aber kein „reines Gewissen“, solange er nicht erneuerbare Energien nutzt, denn „Tanken aus dem Atom- oder Kohlekraftwerk“ ist nur Schönrederei und eine Problemverlagerung, sofern das von Belang.



2/Übernommen und erhalten wurde es vornehmlich von denjenigen, die davon profitierten. Wie im Röm. Reich die Masse besteuert und die soziale Elite privilegiert wurde, änderte sich in der Nachfolge an diesem System nichts, die Kirche sorgte für die moralische Rechtfertigung, spendete mit dem üblichen „Mummenschanz der Liturgien“ den Nicht-Privilegierten Trost und verwies auf das Jenseits, um die Masse gefügig zu halten. Vor der Übernahme des römischen soll das germanische Gesellschaftssystem angeblich freier und offener gewesen sein. Ob das eine romantische Verklärung ist oder auf historischen Tatsachen beruht, möchte ich für mich zukünftig klären. „Klären“ und möglichst nicht „verklären“ ist für mich die Aufgabe, die natürlich eine subjektive Sichtweise in sich trägt, objektiv schreibt niemand. Desweiteren sei angemerkt, daß im folgenden „Germanen“ thematisiert werden und ich zunächst durchaus Probleme der Annäherung hatte. Aber es gibt einen eleganten Weg ohne politisch irgendwo anzuecken. So wird heutzutage dem Begriff keine ethnische Zuweisung gegeben, „Germanen“ also nicht als ein Volk angesehen, sondern als archäologisch-wissenschaftliche „Kultur“, wie dies durch Gemeinsamkeiten in Sitten und Artefakten für bestimmte Räume z.B. für „Rhein/Weser-Germanen“ oder „Elb-Germanen“ gebräuchlich ist. So betonte D. Berenger im Jahr 2000 die Unmöglichkeit durch die Gleichförmigkeit der „Rhein/Weser-Kultur“ germanische Stämme, wie sie bsplw Tacitus in seiner „Germania“ nennt archäologisch deutlich voneinander zu scheiden. Zumal „Völker“ höchst instabile Gebilde sind, die ständigen Veränderungen unterliegen, politisch motiviert und durch komplexe Prozesse Identität bildend waren und sind, wie dies bereits der Althistoriker Mischa Meier formulierte. Noch in den 70er Jahren musste deutlich formuliert werden: „Germanentum und Deutschtum sind nicht identisch“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Die unerlaubte Gleichsetzung entsprang den nationalen Ideen des XIX. Jhs, erfuhr im Kaiserreich nach 1871 eine Überhöhung und erst recht unter dem Nationalsozialismus. Quellen aus dieser Zeit gilt es kritisch zu hinterfragen, genauso jegliche verherrlichende Anschauung und Literatur dieses Zeitraums, das heißt aus Kossinas Dt. Vorgeschichte von 1941 mögen z.B. Zeichnungen von Fibeln oder Abbildungen vom röm. Denkmal aus Adamklissi interessant sein, viel mehr aber nicht. Die von ihm vorgenommene Gleichsetzung von Völkerstämmen mit Kulturgebieten anhand von archäologischen Funden wird heute zu recht verworfen. Die moderne Archäologie sucht nicht mehr nach diesen vermeintlichen Siedlungsgebieten, sondern sieht in den Verbreitungsmustern von Funden eher Hinweise auf soziale Komponenten von einzelnen Individuen, deren Abhängigkeiten im sozialen Gefüge oder Hinweise auf Mobilität. Ähnlich betrachte ich meine private Forschung hinsichtlich der Gefolgschaften, um Aussagen über die Ausrüstung bzgl der Gürtelteile zu machen. Moderne Autoren, wie Jörg Jarnut fordern hinzu eine komplette Neuorientierung der althergebrachten Anschauungen [siehe seine Schrift: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der Frühmittelalterforschung, in: Walter Pohl (Hrsg.), Die Suche nach den Ursprüngen]. Empfehlenswert für die Beschäftigung mit der römischen Kaiserzeit und der Spätantike in Nordwesteuropa scheint mir die aktuelle Publikation zur Ausstellung SAXONES in Hannover und Braunschweig 2019, obwohl hier der Aspekt des „Netzwerks“ sozialer Eliten im Barbaricum m.E. aus einer zu modernen Sichtweise überstrapaziert wird. Wenn man sich damit beschäftigt wird man wohl erkennen müssen, daß Netzwerke eigentlich nach anderem Muster funktionieren. Die „Netzwerker“ der germanischen Oberschicht waren sich untereinander selten einig, vernetzten sich kaum, sondern blickten alle gemeinsam „im Netz“ auf die Spinne im Zentrum, nämlich ROM. Der einzige Hinweis auf ein Miteinander ist der Austausch von röm Statussymbolen über Stammesgrenzen hinweg, so daß röm Objekte weit nach Osten „wanderten“.

Neben bei bemerkt, bin ich mir über die Bedeutung der 12 Jahre nationalsozial. Herrschaft bis in unseren heutigen politischen und kulturellen Alltag im klaren. Aber unsere zeitlich weit entfernten Vorfahren, um die es hier geht, konnten nichts dazu, es gibt keine direkte Entwicklungslinie dahin, keinen Automatismus. In Nord- und Mitteleuropa haben wir seit der Römerzeit bis heute eine Völkermischung erfahren, daß von einem beschworenen „Urtypus“ kaum noch etwas übrig ist. Wenn etwas typisch ist, dann sind es die klimatisch-räumlichen Bedingungen, die jedes Volk prägen. Sie verbinden Völker mental oder entfernen sie voneinander. In unserer Gegenwart ist dies ein nicht unerhebliches Problem der EU. Wie kann ein Finne grundsätzlich Verständnis entwickeln für die Probleme eines Sizilianers? ... Es ist bereits für uns Einzelne schwer über persönliche Erfahrungen, daraus resultierende Anschauungen, Werte und Grenzen hinweg zu sehen, ungleich schwerer ist es für eine kollektive Gemeinschaft, wo noch ganz andere übergeordnete Mechanismen wirken.



3/Die folgenden Begrifflichkeiten mögen vielen bekannt vorkommen: Nach den Reformen der beiden Herrscher beruhte seit dem IV. Jh die größten Einnahme des Staates auf der Grundsteuer des landwirtschaftlichen Besitzes, hinzu kam die Kopfsteuer, die alle 15 Jahre nach dem Steuerkataster neu geschätzt wurde. Auch indirekte Steuern und die Zölle füllten die Kassen. Dazu kamen die persönlichen Hand- und Spanndienste bei Großbauten, die Herbergs-, Quartier- und Versorgungspflicht für reisende Beamte oder die Armee, die Stellung von Zugtieren für die Post, uvam. Nur die Mittel- und Unterschichten wurden für diese Leistungen herangezogen. Senatoren, Großgrundbesitzer und die „junge Kirche“ waren von diesen Lasten befreit! Dafür leisteten jene ehrenamtliche Dienste in der Verwaltung, hafteten mit ihrem Privatvermögen für die Schwächen ihrer Amtsführung [sollte man mal wieder einführen] oder für die Aufbringung des Steuersolls und zahlten die Reststeuerschuld aus ihrem Vermögen. Um eine Ämterflucht zu verhindern wurde die städtische Verwaltung, neben anderen Dienstpflichten, zum erblichen Frondienst für den „Bürger“ als Stadteinwohner. Auch Staatsdiener und Soldaten wurden erblich an ihren Beruf gebunden ! Viele Großunternehmen, wie Bergwerke, Waffenfabriken, Tuchwebereien, Brennöfen, Münzstätten, etc. befanden sich in Staatshand, somit waren die Beschäftigten zwangsverpflichtet und hatten keine freie Berufswahl. Es entstand ein staatliches Zunftwesen und eine statische Gesellschaftsordnung von strengen „Kasten“, ohne Dynamik, ohne soziale Mobilität oder Aufstieg. Die Privatinitiative in der Wirtschaft erlag, so daß der Staat wiederum als Hauptabnehmer, vor allem durch die Armee, einspringen musste. Handel und Geldwirtschaft gingen zurück, zunehmende Naturalwirtschaft erzwang die Steigerung landwirtschaftlicher Produktion. Aber auf dem Land herrschte ein Mangel an Arbeitskräften, da Jahrhunderte lang Sklaven diese Dienste verrichtet hatten und der „Nachschub“ mangels grosser Eroberungen und Siege ausblieb. Das freie Kleinbauerntum verfiel stetig, einher ging die Monopolisierung durch senatorische Großgrundbesitzer, die aufgekauftes Land verpachteten. Der nun abhängige Bauer wurde durch Erbpacht an seinen Grund gebunden (Schollenbindung), damit der Boden nicht brach fiel und die Grundsteuer, als Hauptsteuer des Staates, erbracht werden konnte. Der Bauer galt als unveränderliches Zubehör von Hof und Gut, ein Vorbild für die mittelalterliche Grundherrschaft. Ganze Landstriche lagen durch kriegerische Handlungen, Flucht und sinkende Zahlen der Landbevölkerung wüst. Da man einwandernde Barbaren nicht dauerhaft abhalten konnte, wurde ihnen Grenzland angeboten, im Gegenzug für die Verteidigung dieser Räume, wie im Fall der Franken in Toxandrien oder der Goten auf dem östl. Balkan und später sogar tief im Reichsgebiet, in Aquitanien. Durch die Vergabe von Land an diese Foederaten entfielen dem Staat die Steuereinnahmen der einstigen römischen Grundbesitzer. Durch die fehlenden Gelder konnten Soldaten in röm. Diensten oft nicht mehr besoldet werden, so daß die Reichsverteidigung immer stärker durch selbständige barbarische Kontingente übernommen wurde, die kein Sold, sondern Land zur Eigenbewirtschaftung verlangten. Den Westgoten wurde bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. Nicht anders handhabten es die großen röm. Grundbesitzer mit ihren Privatsoldaten, den buccellarii, mit denen sie auch die niedere Gerichtsbarkeit durchsetzten und, ähnlich wie die angesiedelten Germanen, allmählich eigene Machtzellen im Staat bildeten. In den Provinzen lag seit jeher das wirtschaftliche, politische und militärische Schwergewicht. Sie wurden beherrscht von immer selbständiger werdenden Grundbesitzern, Statthaltern und Generälen, von barbarischen Heerführern, neudt. den „Warlords“, oder besser Gefolgschaftsführern, die für Sold und Beute stritten, so daß der Einfluß der zentralen Regierung in den vier grossen Präfekturen schwand. „...bereits in der ausgehenden Antike erwuchs eine feudale Gesellschaftsordnung,“ [Gebhardt, Handbuch der dt. Geschichte, Bd. II, S. 14]. Übrige Ausführungen nach Bosl 1970, heute bzgl. der Frage des „Zwangsstaats“ in der Forschung nicht unbestritten, denn verglichen mit der modernen Bürokratisierung waren die Mittel und Möglichkeiten in der Spätantike eher moderat. Die neuere Forschung distanziert sich von dieser althergebrachten Lehrmeinung. Demnach sei keine soziale Erstarrung und vor allem kein wirtschaftlicher Niedergang festzustellen, die Produktivität soll im IV. Jh gestiegen sein, mglw mal wieder eine Schönrechnerei mit Prozentzahlen, wer weiß ?!



4/Das römische Heer muß für den röm Staat der Kaiserzeit in jeder Beziehung kritisch betrachtet werden. Denn dieser Staat war trotz aller zivilen Gebaren eine Militärmonarchie. Mit den Siegen Octavians und der Anerkennung zum Augustus, also gleich zu Beginn des Prinzipats (des späteren „Kaisertums“), war die Armee Garant der Macht, denn Octavian hatte seine Kontrahenten nur mit Hilfe des Militärs nieder ringen können. Kein Kaiser sollte zukünftig herrschen ohne Zustimmung der Armee. So war es wichtig, daß die Militärs mit der Grenzsicherung, Ausbau der Infrastruktur in den Provinzen und immer neuen Kriegen beschäftigt waren, damit sich ihre Ambitionen nicht ins Innere des Staates richten konnten. Jeder Herrscherwechsel bedeutete Unruhe und Unsicherheit, falls es Heeresteilen gefiel einen eigenen Gegenherrscher auszurufen, es gab Jahre mit bis zu vier gleichzeitigen „Kaisern“. Truppenmassierungen, bei denen Stimmung und Meinung von Gewicht waren, sind für die röm Machthaber also immer kritisch gewesen und man versuchte möglichst die Legionen auseinander zu ziehen, was aber durch die ständigen Feldzüge an Rhein und Donau oder Euphrat und Tigris nur bedingt gelingen konnte. Die röm Armee hatte seit spätrepublikanischen Zeiten eine multi-ethnische Zusammensetzung, wobei die Zuordnung mit Hilfstruppen/Auxilien oder Truppen der Bundesgenossen und den eigentlichen Legionen lange Zeit klar getrennt war. Doch in der ausgehenden Spätantike lösten sich diese Strukturen auf, so daß barbarische Kontingente, die unter eigenen Befehlshabern kämpften, immer stärkeres Gewicht in der Reichsverteidigung bekamen.



5/Im Gegensatz zu vielen anderen german. Völkern blieben auch die Alamannen in enger fassbaren Räumen. Doch unterlagen ihre Gesellschaftstsrukturen anderen Entwicklungen als bei den Franken. Ursprünglich waren die „Alamannen“ suebische Stämme, die aus dem Elbe-/Saaleraum vor Jahrhunderten Richtung Südwestdtld. gezogen waren. So bildeten sich in der Spätantike german. Großverbände, mglw. ausgelöst durch den starken militärischen Druck der Römer oder die röm. Politik der protegierten Klientelfürsten, welche, mit luxuriösen Geschenken versehen, Anhängerschaften sammeln konnten und röm Strukturen nachahmten. Das röm Imperium setzte in der frühen Kaiserzeit mit wirtschaftlicher Stabilität darauf die eigene Hegemonie auf das Barbaricum möglichst friedlich auszudehnen, nachdem direkte Feldzüge gescheitert waren oder nur kurzzeitige Erfolge brachten. Es galt jenseits der Grenzen einen „Schutzgürtel“ treuer Fürsten zu schaffen und die Interessen der übrigen gegeneinander ausspielen. Rom löste Zentralisierungsprozesse im Barbaricum mglw. aus, die sich im ungünstigen Fall nun gegen das Imperium selbst wenden konnten. Diese Mechanismen wirkten nicht nur in Germanien, sondern bei allen Grenzanrainern, von den Reitervölkern der Sarmaten und Hunnen, über iranische Völkerschaften und Araber zu den Berbern in Nordafrika. In West- und Mitteleuropa waren neben „Franken“, „Sachsen“, „Thüringer“, u.a. die „Alamannen“ (ob Selbstbezeichnung ist unklar) einer dieser Großverbände, die in der 2. Hälfte des III. Jhs die Römer aus dem südwestdt. Raum drängten und weite Kriegszüge ins Röm. Reich bis über die Alpen führten. Mit grossen Heerscharen, aber oft auch nur in kleinen Kommandounternehmungen, wurde Beute aus dem Reich eingetrieben, um Nutznießer von röm. Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs oder der Waffentechnologie zu werden. In den neu eroberten ehem. röm Provinzen Obergermanien und Teilen Raetiens wurde die provinzialröm. Bevölkerung durch die Alamannen vom Land vertrieben und bildete in den wenigen verbliebenen Städten röm. Kulturinseln, wie in Konstanz, Basel, Bregenz, Zürich, Kempten oder Augsburg. Es läßt sich noch heute sprachlich fassen, daß sich das german. Element im südwestdt. Raum stärker als im linksrheinischen Gallien oder weiter auf röm. Reichsterritorium erwies. Dort waren die eingefallenen Germanen gegenüber der provinzialröm. Bevölkerung in der Unterzahl. Pirenne, [Europa im MA, S. 23] weist deutlich darauf hin, daß sich von der Sprache der Eroberer auf dem ehemaligen röm. Reichsboden kaum etwas erhalten hat, nur in den Grenzbereichen, in Flandern, am Niederrhein, im Elsaß und im Alpenraum wurde die german. Sprache heimisch, ansonsten ging die german. Kultur innerhalb weniger Generationen in der der römischen Provinzialen auf, die Sprache wurde latinisiert und romanisiert! Die Romanischen Sprachen obsiegten im Westen mit Französisch, Provenzialisch, Spanisch, Portugiesisch, Rätoromanisch und Italienisch. Eine lange Besiedlungsphase von erobertem Territorium brachte noch keine eindeutigen Vorteile, wenn nur die german. Bevölkerungsanteile davon profitierte, wie bei den Alamannen. Integrations- und Verschmelzungsprozesse waren von erheblicher Bedeutung. Burgunder, West- und Ostgoten, Sueben, Langobarden, Alamannen uvam. hatten in der Regel aus der röm., bzw. provinzialröm. Bevölkerung keinen Rückhalt und galten als fremde Besatzer und Barbaren, während hingegen die Franken um 500 ihren Glauben auf die ehemalige Reichsreligion ausrichteten, brachten sie die christl. Bischöfe und die ehemaligen provinzialröm. Senatoren auf ihre Seite, förderten sie das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bevölkerung. Darin liegt vermutlich das Fundament ihres Aufstiegs begründet und es bedurfte nur eines machthungrigen Potentaten, wie Chlodwig, der diese Entwicklung eingeleitet, auch geschickt und skrupellos für sich nutzte, indem er sich der vorhandenen Reste des einst mächtigen röm Staatsapparats und seiner kulturellen Errungenschaften bediente. Die Laienkultur, die Schriftlichkeit, das Steuer-, Rechts- und Münzwesen besaßen nicht mehr ihren ursprünglichen Stellenwert und waren im Zerfall begriffen. Um die Reste zu erhalten und für sich zu nutzen war die provinzialröm. Bevölkerung für die Franken unentbehrlich.



6/Diese personellen Bindungen erklären vielleicht, weshalb Germanen in der Spätantike vom III. bis V. Jh innerhalb der röm Ämterhierarchie sehr hohe Positionen als Heermeister einnehmen konnten. Die Söhne german. Anführer wurden als Geiseln bereits seit langem in die röm Welt eingeführt, durch und durch romanisiert, mit röm Ämtern und Titeln versehen. Bereits der röm Kaiser Konstantin hatte ihnen den Weg in die höchsten militärischen Ämter geöffnet. Mglw. stand dahinter die Überlegung die german. Kontingente unter röm Fahnen durch ihre eigenen Befehlshaber zu halten, um Massendesertationen zu vermeiden. Da Germanen niemals dem unpersönlichen Staat, sondern nur gegenüber Personen die Treue halten würden.



7/Vielfach waren die Franken in den neuen Regionen in der Unterzahl und bestrebt die lokalen Herren zu „frankisieren“, sofern diese Prozesse nicht durch die Unterworfenen automatisch statt fanden, um Akzeptanz bei den Herrscherhäusern zu gewinnen. Durch Eide wurde gebunden. Denn “Eid und Treue“ waren der Kitt in den frühen Gesellschaften, begrifflich verklärend mit fataler Wirkung bis in unsere jüngere Vergangenheit. Auch die Kirche und unsere moderne Strukturen bauen im Recht und bei Dienstverhältnissen auf den „Eid“ und die „Vereidigung“. „Meineid“ steht auch heutzutage unter Strafe.

Archäologisch werden z.B. Bestattungen mit Ringknaufspathen als „Herren“-Gräber bezeichnet, in denen vermutlich Gefolgschaftsführer lagen, oft mit Pferdegeschirr, bzw Zaumzeug und weiteren standesgemässen Insignien, beispielhaft siehe Grab 1782 in Krefeld-Gellep aus der 1. Hälfte VI. Jh mit einer frühen almadinverzierten Ringknaufspatha. Über 80 solcher Schwerter sind nicht nur aus dem Frankenreich, sondern auch aus Südengland, Skandinavien oder Norditalien bekannt. Pirling: „In nordischen Sagen werden Ringe am Schwert gelegentlich erwähnt und ein Ehrenname für den König ist „Ringspender“...“ [RfiKG, S. 158]. Weitere bekannte reiche Grabensembles stammen vom „Herrn von Morken“ oder aus Wünneberg, von Beckum, uvam. Es werden Franken oder kollaborierende einheimische Adelige und Funktionsträger gewesen sein. Bei den Einheimischen steht zu vermuten, daß sie sich in Stil und Ausrüstung schnellstmöglich den herrschenden Gebräuchen anpassten, so wäre ein führender Alamanne oder Sachse nach der fränk. Eroberung den Beigaben nach vermutlich gar nicht mehr als solcher zu erkennen! Wie wichtig Umritte für die Amtsausführung waren, verdeutlicht der Umstand, daß im VI. Jh der Alamannenherzog Uncelen, wegen Ermordung des burgundischen Hausmeiers Protadius, durch Königin Brunichilde mit Abschlagung eines Fußes amtsunfähig gemacht wurde. Damit war das Gehen erschwert und bedingt auch das Reiten, denn Steigbügel sind im archäologischen Fundgut nachweisbar. Das „Heil“ des Heerführers war absichtlich beschädigt, mglw. hatte dieser Umstand mehr Gewicht als die Beeinträchtigung in der Bewegung. 902/03 machte der begüterte vir venerabilis Joseph dem Bistum Freising eine Schenkung für sein Seelenheil: „Joseph kam zum Freisinger Bischof Waldo nach Stiefern und übergab ihm und dessen Vogt Engilhart in diesem Ort Besitzungen, die Joseph dem Bischof und dessen Gefolge durch Umreitung zuwies.“ Bis ins HMA verdeutlichen erhaltene Reitersiegel wie sehr Macht und Status durch den herrschaftlichen Ritt symbolisiert wurden, so daß sich auch Herzogin Sophia von Brabant, 1248 bis 1275 Landgräfin von Thüringen und Herrin von Hessen, in dieser Form zu Pferd darstellen ließ.



8/Auf den Gräberfeldern von Ingelheim wurde beobachtet, daß von den Grabräubern Gegenstände mit christlichen Zeichen bewußt im Grab zurückgelassen wurden, während andere Beigaben entnommen wurden! Christen hatten mglw. keinen Respekt vor „heidnischen Grabbräuchen“, entnahmen wertvolle Güter der Sachkultur, ließen aber Objekte mit Heilszeichen unberührt. Den Respekt haben wir als Christen und „moderne Grabräuber im Dienst der Wissenschaft“ nicht wiedergewonnen. Zur Verteidigung wird angeführt, daß mit den archäologisch geborgenen Funden bis dato viele Gegenstände erhalten blieben, die sonst die Zeiten nicht überdauert hätten, sich im Boden ohne konservatorische Maßnahmen weiter zersetzen würden. Allerdings ist ein Großteil der geborgenen Funde in den Magazinen, aufgrund der Masse unmittelbar vom Verfall bedroht, da oft nicht ausreichende Mittel zu deren Erhaltung zur Verfügung stehen. Der Ausbau unserer Infrastruktur macht den Einsatz von Archäologen mit Notgrabungen notwendig, um Relikte der Vergangenheit nicht für alle Zeiten zu vernichten. Doch das Anrüchige des „Grabfrevels“ bleibt nach ethischen Gesichtspunkten, denn was erhebt die christliche Religionsanschauung über alle anderen?



9/Für die Franken im Ingelheimer Raum siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 36. Auch ist es denkbar, daß neben den Miniaturgegenständen weitere Objekte speziell für die Grablege gedacht waren, z.B. minderwertig verarbeitete Fibeln in den Gräbern 21 und 151 in Ingelheim, ebenda, S. 89.



10/Aus den Gräberfeldern rund um die spätere Kaiserpfalz von Ingelheim und den mittelalterlichen Rheinhafen Frei-Weinheim wurden aus der MWZ rd. 160 Gräber wissenschaftlich untersucht, davon waren die meisten gestört, so daß nur wenige Edelmetallgegenstände geborgen werden konnten. Nach Schätzungen wird von 800 bis 1000 Gräbern insgesamt ausgegangen, die größtenteils unerkannt unter der modernen Überbauung und Infrastruktur liegen, siehe Wenzel, Zwischen Childerich und Karl dem Großen, S. 29f.



11/Nach Kulikowski, Goten vor Rom, S. 94 sind Schafe und Ziegen archäologisch kaum zu unterscheiden. In der erste Hälfte des 1. JahrtausendsAD war bei den Völkern der norddeutschen Tiefebene die Rinderzucht weit verbreitet. In der Wurt Feddersen Wierde ging vom I. bis zum V. JhAD der Ackerbau, aufgrund von Klimaverschlechterungen, zugunsten einer intensiven Weidewirtschaft zurück. Neben Rindern wurden Schafe gehalten, die in den Marschen ausreichend Grünfutter fanden. Weiter im Landesinneren war die Schweinezucht mit Waldweiden möglich.



12/Zu Köln siehe Begleitband zur Ausstellung König Konrad I. - Herrschaft und Alltag. 911 Köln - Stadtentwicklung zwischen Kirchen und Kaufleuten, S. 180. Info nach Dauerausstellung Ellwangen 2015. Siehe auch Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, S. 200 mit einem Vergleich der Widerristhöhe heutiger und damaliger Haustiere, beim Rind z.B. von 135 cm auf nur 110 cm. Ein ausgewachsenes Rind erreichte demnach nur heutige Kälbergröße. Bereits Tacitus erwähnte im IV. Buch, Kap. 72 seiner Annalen zum I. JhAD, daß das Zuchtvieh der Germanen nur von mässiger Größe sei, hingegen die Wälder voll riesiger Jagdtiere, wie Auerochsen.



13/Zu Gera-Tinz siehe Dusek, Ur- und Frühgeschichte Thüringens, S. 126/27, dort auch der Hinweis auf das Verhältnis von Materialaufwand und Ergebnis; polnische Versuchsschmelzen ergaben, daß man bei einem Einsatz von 200 kg Erz und 200 kg Holzkohle etwas 15 bis 20 kg Roheisenmaterial gewinnen konnten. Das reichte für die Herstellung von fast 10 Schwertern oder 12 Pflugscharen oder 70-80 Lanzenspitzen. Zur Eisenverhüttung fehlen in einigen Gebieten, die sich im Laufe des Mittelalters zu Zentren der Eisenverarbeitung und der Rüstungsschmieden entwickelten aus der german. Frühzeit die Belege. Im Siegerland sind aus vorchristlichen Zeiten die genannten keltischen Verhüttungsplätze bekannt, denen zu german. Zeiten bislang keine Kontinuität nachzuweisen war. Auch im südlichen Westfalen und im Märkischen befinden sich grosse Eizenerzvorkommen, die sicher bestätigt erst zu karolingischen Zeiten ausgebeutet wurden, Haedecke, Berg und Mark, S. 9. Allerdings muss man sich fragen, inwieweit nicht Vorgängerschürfungen überdeckt wurden. Bezüglich der Buntmetallverarbeitung macht sich M. Becker interessante Gedanken über die Mengen des benötigten Rohmaterials im freien Germanien im Zeitraum einer Generation, von ca. 30 Jahren, wenn Buntmetalle bsplw durch Fibeln als Grabbeigaben immer wieder dem Wirtschaftskreislauf entzogen wurden. Er prognostizierte einen Bedarf von ca 75 to, entspricht 2,5 to Buntmetall pro Jahr. Der Fund von Neupotz mit ca. 220 kg Metall zugrunde gelegt, würden also pro Jahr 10 bis 12 „Lieferungen“ dieser Art rechts des Rheins benötigt. Auch macht er sich Gedanken über die Lotmengen, die german Schmiede benötigten und kommt auf jährlich 5 to Blei und Zinn! Betrachtet man die Grabbeigaben, Deponierungen, Kriegsbeuteopfer mit großen Mengen und sorglosem Umgang an Buntmetall, kann von großen Zufuhren aus dem Röm Reich ausgegangen werden, siehe M. Becker, Verborgener röm. Import, in: Das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Kulturen. Neue Studien zur Sachsenforschung Bd 2, S. 54.



14/Welches Bild hinterlassen wir Heutigen der Nachwelt? Die Gräber sind waffenleer, doch unsere TV-Sendungen vermitteln ein anderes Bild, ein gruseliges, wenn unsere Gesellschaft in Jahrhunderten danach beurteilt werden sollte, falls bsplw Gerichtsakten aus irgendwelchen Gründen nicht mehr erhalten sind. Pro Tag „sterben im westeurop. Fernsehen“ hunderte von Menschen, so daß hochgerechnet auf ein Jahr zahlenmässig ganze Stadien voll Bürger ausgerottet sein müssten. Wird da eine Gesellschaft nicht bis an die Zähne bewaffnet gewesen sein oder ergaben sich alle der Ohnmacht des Staates, um irgendwann an der Reihe zu sein? Falls man solche Filmdokumente in der Zukunft betrachten wird, könnte man sich ernsthaft fragen, wieso das XXI. Jh immer noch Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatte...



15/Nach neuerer Forschung wird eine Zuordnung nach Stämmen/Völkern/Ethnien anhand von Sachgütern nur ungern vorgenommen. Formen sind nicht ausschließlich an bestimmte Völker gebunden. Konzentrationen im Auftreten werden eher durch „Kulturkreise“ benannt, wobei manche Gegenstände weit davon entfernt streuen können, ohne gleich an Migrationshintergründe zu denken, siehe dazu Führer zu archäologischen Denkmälern in Dtld. Bd. 27 Hanau und der Main-Kinzig-Kreis, S. 88, siehe fortführende Literatur zu diesem Aspekt M. Kulikowski, Die Goten vor Rom. Auch wird aus dem Bestatteten in Grab Verf. 60 im niederösterr. Freundorf aus dem VI. Jh inmitten eines als langobardisch angesprochenen Gräberfelds durch die Beigabe eines Ango-Wurfspeers noch kein Franke, wie ernsthaft diskutiert wurde.



16/Zaumzeug wurde nicht selten mit wertigen Preßblechen aus Silber beschlagen und verdeutlicht den gehobenen Rang des einstigen Nutzers als Adeliger oder Gefolgschaftsführer. Auch Sporen waren immer Zeichen des privilegierten Standes. Bereits bei den Kriegsbeutefunden aus dem Moor von Illerup A um 200 AD wurden Pferdegeschirrteile für zehn Pferde teilweise aus silbernen Pressblechen gefunden, während von 60 Schwertgurtgarnituren sieben mit Schnallen aus Silber, der Rest aus Bronze und die der weiteren persönlichen Ausrüstung aus Bronze und Eisen gefertigt wurden. Kaum Schwertgurtgarnituren hatten eiserne Schnallen oder Beschläge. Rund 300 eiserne, 30-40 bronzene Schildbuckel und 7 prunkvolle silberne Schildgarnituren mit Halbedelsteinen, Glas und Pressblechen aus vergoldetem Silber besetzt, wurden geborgen. Daraus folgerte man, daß Gefolgschaftsführer beritten waren und silberne Ausrüstungsteile zur Schau stellten, während die Gefolgschaftsanhänger bronzene Ausrüstungsgegenstände trugen, aber auch Schwerter, und sich damit vom Gros des Heeres absetzten. In den Publikationen wird von „Bronze“ gesprochen, ohne daß spezifische metallurgische Untersuchungen erwähnt werden, also wäre vielleicht auch Messing möglich? Denn ich kann mich erinnern, daß bsplw. viele der Funde aus dem Nydam-Moor vor 350 AD, heute im Museum in Schleswig, gelblich schimmerten, Farbabbildungen in den betreffenden Publikationen vermitteln den gleichen Eindruck. Die Ausrüstungsteile sind vor der Deponierung bewußt deformiert und zerstört worden. Bei den silbernen Teilen des Pferdegeschirrs wurde ein besonders hoher Fragmentierungs- und Zerstörungsgrad beobachtet, was mit „Sonderbehandlungen“ für die Anführer erklärt wurde, ohne zu bedenken, daß Teile des Pferdegeschirrs nach einem Kampf von schweren toten Tierleibern entfernt werden mussten, die man kaum hin- und her gewendet haben wird, sondern logischerweise in viele kleine Teile zerschnitt. Aus allen nordeuropäischen Mooropferfunden mit Ausrüstungs- und Waffenteilen von seegestützten Kampfverbänden des III.-IV. JhAD wird aufgrund der prozentualen Verteilung von Eisen, Bunt- und Edelmetallen eine Dreiteilung der Nutzer abgelesen. Röm Quellen der Kaiserzeit nennen bei den Germanen drei Schichten Bewaffneter mit „princeps“, „comites“ und „pedites“ oder „regales“, „optimates“ und „armatores“, meint „Fürsten“ als Oberkommandierende, Offiziere und schließlich Fußsoldaten/Gewappnete. Zu den Funden der persönlichen Ausrüstung zählen nicht nur Reparaturwerkzeuge für die Waffen, sondern auch Nadeln, Knochensägen und weitere chirurgische Instrumente an den Fundplätzen Vimose auf Fünen vor 200AD und in Illerup in Jütland nach 200AD, die sogar die Möglichkeit einer ärztlichen Notversorgung belegen könnten! Dabei ist auch eine Frauenbeteiligung an den Kriegszügen denkbar, wenn nicht unmittelbar an den Kampfhandlungen beteiligt, sind sie zur Versorgung der Truppe oder bei medizinischen Behandlungen vorstellbar. Frauenfibeln wurden an allen Fundplätzen geborgen, meist werden sie allerdings durch separate Opferhandlungen erklärt. Die Kampfverbände vermitteln insgesamt aufgrund der grossen Anzahl der Ausrüstungsteile eine hohe Professionalität und sind keineswegs Hinterlassenschaften eines allgemeinen Heerbanns [Brock/Homann, Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges, Sonderheft 2/2011 AiD, Stuttgart 2011, S. 55].

Illerup, Platz A brachte als Kriegsopferbeutedeponierung des III./IV. Jhs eine hohe Anzahl an Waffen zutage, dort standen 410 Speer- und 366 Lanzenspitzen rund 100 Schwertfunde gegenüber. Zeitgenössische Grabfunde vermitteln ein gänzlich anderes Bild. In der röm Kaiserzeit um 200 fehlen Waffen in den Brandgräbern der nord- und westdeutschen Regionen fast gänzlich. Weiter östlich enthielten reiche elbgerman. Körpergräber durchaus Waffen und Reitausrüstungen. Allgemein wurde meist allerdings in Brandgräbern bestattet, die eher spärliche Beigaben aufwiesen, hin und wieder waren deformierte Waffenteile vorhanden. Vermutlich strahlte die röm Sitte waffenlos zu bestatten auch in das benachbarte Barbaricum aus, ähnlich wie später die Sitte der Körperbestattungen. Von 582 Gräbern in Großromstedt bei Apolda/Thüringen der frühen röm. Kaiserzeit (RKZ) enthielten innerhalb von 50 Jahren nur 6% eine Schwertausrüstung, etwas häufiger fanden sich Teile von Lanzen oder Schilde. Aufgrund der Brandgrabsitte waren die Waffenteile vielfach absichtlich deformiert.

Zwischen dem V. bis VII. Jh haben wir in Norddtld Waffengräber nur sehr vereinzelt. In Bremen-Mahndorf wurden von 260 Bestattungen nur drei mit Schwert oder Sax ausgestattet, bei Drantum, nahe Kloppenburg wurden in 540 Gräbern nur zwei Saxe gefunden, auf dem Gräberfeld von Cleverns im Kreis Friesland enthielten von 220 Gräbern nur drei Hiebwaffen und bei Zetel, Kreis Friesland fanden sich in über 700 Gräbern nur sieben Schwerter und Saxe, bei Dunum in Ostfriesland mit rund 800 Gräbern nur zwei Schwerter, in Katzendorf bei Haarburg mit ca 500 Gräbern gar keine Waffen. Im fränkischen Raum sah es etwas anders aus. Aus den rd. 160 untersuchten Gräbern im Raum Ingelheim, hptsl. aus der jüngeren MWZ des VII. Jhs, vielfach gestört, wurden rd. 40-50 unterschiedliche Waffenteile geborgen, davon gab es 3 Hinweise auf Spathen, 16 Saxklingen, 2 Franzisken, 12 Lanzenspitzen, Pfeilspitzen aus fünf Gräbern und 9 Schildfragmente. In Westheim bei Weißenburg/Bayern mit Gräbern des VI./VII. Jhs fanden sich in den 250 untersuchten Gräbern (Frau/Mann zahlenmässig ungefähr gleich vertreten) 20 Spathen, 45 Lanzenspitzen, 39 Kurz- und Breitsaxe, 24 Schildbuckel, 5 Franzisken, 3 Äxte und 2 Angonen. Demnach enthielt also fast jedes Männergrab eine Waffe, bestattet wurden hier wohl Franken, keine Baiuwaren, denn Gräberfelder südlich der Donau wiesen andere Beigaben auf [Menghin, Frühgeschichte Bayerns, S. 84].



17/Die Awarenzeit ist in Österreich und Ungarn eines der großen Themen der FMA-Forschung. Kein Wunder, über 70000 Funde sind vornehmlich aus Gräbern bekannt. Objekte awarischer Herkunft streuen durch große Teile Mitteleuropas, obwohl Awaren das europ. Kernland weit weniger in Mitleidenschaft zogen als ihre Nachfolger, die Magyaren.



18/siehe dazu J. Drauschke, Zur Herkunft und Vermittlung „byzantinischer Importe“ der MWZ in Nordwesteuropa, in: Zwischen Spätantike und FMA, RGA-E Band 57, S. 367-423.



19/Nach der Beobachtung, daß sich nur an der Rückseite von Kleinfibeln einfache leinwandbindige Stoffe nachweisen ließen, während dieses Gewebe auf den Bügelfibeln auch auf der Schauseite auftauchte, läßt sich folgern, daß Kleinfibeln schlichte (Woll-)mäntel schlossen, während die Bügelfibeln darunter an der Oberbekleidung (Tunika, Kleid) hafteten. Denn an letzteren ließen sich auf der Unterseite regelmässig gemustere Gewebe in verschiedenen komplexen Köperbindungen nachweisen oder Reste feiner Brettchenborte, die vom Stoffgürtel oder Gewandsaum stammen könnte [siehe Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 39.] Zu den Gehängebändern mit Amulettcharakter des VI. Jhs, versehen mit kleinen Schnallen, Zungen aus Bunt- und Edelmetall und Ringen aus Edelmetall oder Eisen siehe ebenda, S. 41ff. Hinzu die interessante Beobachtung, daß die tief getragenen Gehänge gleichzeitig mit der Aufgabe der Bügelfibeln zum Ende des VI. Jhs verschwanden und durch Brustgehänge mit diversen (Glas-)Perlen, Bernstein und metallenen Anhängern in der jüngeren MWZ ersetzt wurden. Davon zu unterscheiden sind Gürtelgehänge mit Zierscheiben, kleinen Täschchen und diverse Utensilien des täglichen Gebrauchs.



20/Kleidung im Frühen MA. Am liebsten schön bunt! Porträt Archäologie 3, S. 31ff. Noch einmal ein Indiz für die unterschiedliche Verwendung von Klein- und Bügelfibeln. Während letztere Stoffe in irgendeiner Form zusammen steckten, bzw. hielten, durften die Kleinfibeln schwere Wollmäntel an den Einstichstellen nicht ausreissen, also wurden Schlaufen oder Ösen gesetzt.