V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"





Historischer Kontext:

Es gärte in Europa und es kamen zahlreiche Reformbewegungen auf. John Wycliffe hatte die Bibel ins Englische übersetzt, eine Idee, die Jan Hus, der Rektor der Prager Universität, für das Tschechische übernahm. Bislang waren biblische Inhalte nur aus Predigten und der Liturgie bekannt. Religiöse Laienbewegungen regten an selbst etwas für das Seelenheil zu tun. Von der Prager Hohen Schule gewann Gert Groote seine Ansichten zur persönlichen „Nachfolge Christi“. Aus den Niederen Landen verbreitete sich um 1400 die devotio moderna ins Reichsgebiet, u.a. durch das Buch Imitatio Christi von Thomas von Kempen (1410). Laienschriften, wie der „Seelentrost“ und bebilderte „Armenbibeln“ in der neuen Holzschnittechnik, vermittelten Inhalte auch an leseunkundiges Publikum. Wanderprediger, welche die Zustände in der Gesellschaft, Luxus und Prunk des Adels sowie der Geistlichkeit anprangerten, hatten großen Zulauf. Neben die institutionalisierte Religionsausübung traten private Andacht, Meditation oder mystische Versenkung mit Hilfe religiöser Texte oder Figuren und Bildwerken. Heiligennamen, wie „Johannes“, „Michael“ oder „Agnes“ wurden als Rufnamen populär, indem man sich von den alten german. Formen, wie „Erhart“, „Gunthram“, „Rubertus“ oder „Dietlind“ endgültig löste. Die neue Religionsauffassung und sich entwickelnde innovative handwerkliche Techniken in der Herstellung von Kunstwerken, begründet auf starke Mäzene in den mächtigen Städten Flanderns und am Hof der aufstrebenden burgundischen Herzöge, sollten radikale Änderungen hervor bringen und damit auch unsere Sichtweisen auf das Mittelalter grundlegend ändern.

Im Osten des Reiches tobte ein Krieg, der immer grössere Dimensionen annahm, nach der Verurteilung des Jan Hus 1415 auf dem Konstanzer Konzil, zu dem ihm Sigismund, letzter dt König aus dem Haus Luxemburg und König von Ungarn, sicheres Geleit für die Anreise, aber nicht für die Abreise garantiert hatte. Bis 1436 versuchte die kathol. Obrigkeit in fünf Kreuzzügen vergeblich die „Ketzer Böhmens“ zu bekehren. Die südöstl. Reichsgebiete sollten noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege leiden. Künstlerisch dominierten hier in der ersten Hälfte des Jhs. böhmisch-dt. Stilrichtungen, die in der Kunstgeschichte mit dem „weichen Stil“, der fließenden Stofflichkeit, beschrieben werden, eine Formgebung, die in Europa weite Verbreitung fand.

Die Gesellschaft kam nicht mehr zur Ruhe. 1400 schlug der Fürstbischof von Würzburg ein Aufgebot unzufriedener Bürger „seiner Stadt“ bei Bergtheim [„Fürst“-, da die Bischöfe zugleich „Herzöge von Franken“ waren]. Im vollkommen überschuldeten Mainz wurden die patrizischen Geschlechter (ehem. Ministeriale des Erzbischofs) 1444 im Rat entmachtet. Die 34 Zünfte der Stadt übernahmen das Regiment, ohne daß sie der Schuldenlast Herr zu werden vermochten, die ihre Vorgänger aufgehäuft hatten. 1462 kam es zu schweren Auseinandersetzung mit dem Erzbischof, der nach Sieg durch Söldnereinsatz uningeschränkt die Macht übernahm. In beiden Städten hatte sich also die Geistlichkeit durchgesetzt, was manche Rückständigkeit beider Städte in der Neuzeit erklärt. Zum Vergleich wirtschaftlicher Prosperität: Gent in Flandern hatte 72 Zünfte!

1400-1450

- Spätgotik -

Vom böhmischen zum niederländischen oder

vom „weichen“ zum „internationalen“ Stil

= in Bearbeitung =

Hausbuch der Zwölfbrüderstiftung_Nürnberg 1440c

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, ws = Weißmetall, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Durch Heirat hatte im XIV. Jh Herzog Philipp II. von Burgund (westl. der Saone), verwandt mit den franz. Königshaus, die wirtschaftlich starke Grafschaft Flandern (Brügge, Ypern, Gent) und die Freigrafschaft Burgund (östl. der Saone) in seinen Besitz gebracht. Er wurde damit offiziell zum Vasall der franz Krone und gleichzeitig dem röm-dt Kaiser lehnspflichtig. Unter seinen Nachfolgern gelang es durch Heiratspolitik dem Haus Burgund das Erbe der Wittelsbacher (Holland, Zeeland und Hennegau) und das Erbe der Luxemburger mit Brabant zu sichern. Es entstand in der ersten Hälfte des XV. Jhs ein mächtiges Gebilde in Westeuropa mit wirtschaftlich ausserordentlich starken Städten. Der Haken dabei, die so genannten Niederen Lande waren durch das lothringische Reichsterritorium von den Oberen Landen Burgunds abgetrennt – politischer Sprengstoff. In der Mode sollte Burgund bald alle Höfe Europas und gepaart mit dem neuen Kunststil auch den Kunstgeschmack des aufstrebenden Bürgertums dominieren.


1400-1450:

1. Quellen

2. Mode in der ersten Hälfte des XV. Jhs

3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

4a. Gürtelformen des einfachen Volkes

4b. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes (D-E)


1. Quellen für die erste Hälfte des XV. Jhs:

Der Glaube war die zentrale Triebkraft für viele Dinge des spätmittelalterlichen Alltags. Für die private Andacht der Begüterten wurden kleine Kunstwerke geschaffen, die nur dem persönlichen Gebrauch dienten. Mit Hausaltären oder Stundenbüchern für den Laien (Brevier für den Kleriker oder Horae Canonicae) erweitern sich somit unsere Quellen, wobei Frankreich in Bezug auf die prächtigen Buchilluminationen in Europa den Ton angab. Vor allem dort entstanden reich bebilderte Handschriften auf Pergament, deren Produktion an solvente fürstliche Auftraggeber und Höfe gebunden war. Auf Reichsgebiet entstanden im höfischen Bereich weitaus weniger Exemplare, wie die prächtige Wenzelsbibel des Prager Hofes, der durch Erziehung und Kunstgeschmack französisch beeinflußt war. Aber auch an den regionalen dt Fürstenhöfen wurde die Entstehung bebilderter Handschriften gefördert. In Frankreich gab es anerkannte Buchmaler, die eigens dafür an den Höfen besoldet wurden. Das erzeugte eine Sogwirkung, so daß sich auch Talente aus dem Reich, wie elsässische Maler oder z.B. die Brüder Limbourg aus dem Herzogtum Geldern an franz Höfen verdingten.

Für unsere Betrachtungen wird es besonders interessant, wenn die Handschriften keine religiösen, sondern profane Inhalte hatten, wie beim „Livre de Chasse, dem Jagdbuch des Gaston III., Graf von Foix und Vicomte von Bearn am Fuß der Pyrenäen, welcher leidenschaftlich der Jagd frönte und seine Erfahrungen Ende des XIV. Jhs zu Pergament brachte. Rund zwanzig Jahre später wurden Abschriften reich bebildert. Neben dem elegant gekleideten Adel und den Jagdleitern, werden unterschiedlich abgestuft, Jäger, Leithundführer, Schützen, Treiber und junge Jagdpagen dargestellt, also Personen aus dem Volk. Allerdings erlaubten sich die Miniaturmaler einige Abweichungen von den textlichen Vorgaben des Autors, der grüne, braune und graue Farben für die unteren Chargen vorgab, also jagdtaugliche und jahreszeitlich entsprechende Kleidung. Die Maler „kleideten“ die Jagdgesellschaften viel bunter, neben kräftigen Farben auch blaßrosa Kleidungsstücke, Details siehe unten, mglw. um in der Bildsprache soziale Hierarchien besser zu verdeutlichen oder auch um den meist grünen Hintergründen Kontraste zu verleihen. Grundsätzlich erwecken viele Illuminationen den Eindruck, daß Farben bewußt aus kompositorischen Gesichtspunkten gewählt wurden [Jerchel, SBOR, S. 23], wie z.B. auf dem „Kleinen Kalvarienberg“ des Meisters der Hl Veronika in Köln, ebenso ein Freund von rosa Bekleidungsstücken der Protagonisten, gab er sogar den Pferden rosa und mintgrüne Farben. Künstlerischer Ausdruck überwog gegenüber einer nicht beabsichtigten dokumentarischen Wiedergabe !!! Der heutige Reenacter, der sich an solchen Abbildungen orientiert, sollte also mit Bedacht diesen Quellen folgen [und lieber noch ein wenig recherchieren, bevor er seinem Pferd den „passenden Anstrich“ verleiht]1. Man wird wohl durchaus behaupten können, die unteren Chargen gingen nicht unbedingt mit rosa Beinlingen auf die Jagd, obwohl Bilder dies suggerieren, der Text nennt eindeutig gedeckte Farben! Der Adel mag zu diesem Anlaß bunt aufgetreten sein, dies scheint insoweit glaubwürdig, da Farbigkeit grundsätzlich sein Attribut war, wenn auch für die Jagd nicht unbedingt zweckmässig, wobei diese im Verlauf der Zeiten recht ritualisierte Formen annahm und nicht mehr die klassische „Pirsch“ sein musste.

Im Gegensatz zu Frankreich hatte dieser Zweig des Kunstschaffens im Reich einen anderen Stellenwert. In den südwestlichen Regionen, wie im Basel-Freiburger Raum, folgte man der innovativen Buchgestaltung franz. Vorbilder ab dem zweiten, dritten Jahrzehnt des XV. Jhs und es entstanden durch Schreiber, Sekretäre und Scriptorien im Auftrag von Bischöfen, Pröpsten und Chorherren bebilderte Handschriften auf Pergament. Da in Frankreich Buch- und Tafelmaler in den Zünften gemeinsam organisiert waren und beide hohes Ansehen genossen, war die Verbreitung von Bildinhalten über größere Distanzen dort leichter als auf Reichsgebiet. Man wird der Buchmalerei im Verlauf des SMAs wohl eine gewisse Rolle in der Übertragung von Ideen und Motiven zugestehen können, sofern Bücher nicht als äusserst kostbar in der Privatbibliothek der Mäzene „verschwanden“ und einen gewissen Umlauf mit Nachahmungsmöglichkeiten finden konnten. Der Bildaufbau bei den franz Illuminationen war klar gegliedert mit bühnenartigen Innenräumen, architektonischen Elementen, wie Baldachinen und Stadtbildern oder Landschaften über die sich ein blauer Himmel wölbte, dem farblich Tiefe verliehen wurde. Die handelnden Figuren trugen vermehrt gemusterte Stoffe. Neu war auch die Darstellung von Personen, ihren täglichen Verrichtungen nachgehend, die als kleine Randfiguren in den Bildern auftauchten. Dichtes Rankenwerk begann immer mehr Text und gesamtes Blatt zu umschlingen. Gegen Mitte des XV. Jhs wurde in der Buchkunst die neue niederländische Malerei eine dominierende Stilrichtung von internationalem Gepräge.

In Südwestdtld überwogen zu Beginn des Jhs noch die kostengünstigeren Papierhandschriften meist mit Federzeichnungen, laviert, unlaviert und mal mit Deckfarben, deren Autoren, meist Pfarrer, Klosterbrüder, Lehrer, Universitätsgelehrte, Doktore, Notare, und andere Bürger aus dem städtischen Umfeld zur Illumination nicht auf zünftisch organisierte Buchmalergilden, wie in Frkrch üblich, zurückgreifen konnten. Schreiber und Maler mussten sich bei uns in Schreibstuben organisieren, manchmal wurden Wanderhandwerker heran gezogen, manchmal konnten, je nach Auftragslage, Tafelbild- oder Freskenmaler für Projekte gewonnen werden, denn Korrelationen und regionale Bezüge zwischen den großen Werken und Miniaturen sind bekannt, zuweilen mit zeitlicher Verzögerung, als Nachweis und Wirkung für die weite überregionale Verbreitungsmöglichkeit der Illuminationen. Es gibt Anweisungen der Autoren in lateinischer Sprache welche Szenen ihres Werkes darzustellen seien, daraus wurden Überlegungen angestellt inwiefern eine internationale Beteiligung von Malern ableitbar wäre. Man wird Latein aber eher als Hinweis auf den klösterlich/kirchlichen Kontext anzusehen haben, in dem viele Handschriften entstanden, da die Produktion hptsl in den Stadtklöstern und im Reich überhaupt nur in den Städten stattfand. In den Reichslanden waren nicht die Höfe, sondern die Städte zu neuen Kulturzentren geworden.2


Die Bilder der spätgotischen Tafelmalerei, die nun gewaltige Dimensionen erreichten mit lebensgroßen Gestalten,erzählten“ für Leseunkundige die Geschichten aus der Bibel oder aus den Jesus- und Marienleben oder stellten Heilige dar, die Mittlerfunktionen für den Heilsuchenden dieser Zeit erfüllten. Obwohl die Themen überschaubar gleich waren, wurden sie von den Malern, die im gewissen Sinne in Konkurrenz zueinander standen, abgewandelt und neu interpretiert. Beliebte Motive wurden kopiert oder man versuchte sie künstlerisch zu übertreffen. Wir sehen die Bilder heute als eigenständige Kunstwerke an, aber in erster Linie waren sie Bestandteil eines Altars und damit in Liturgie und Kult eingebunden! Vor allem der „Wandelaltar“, so benannt wegen der großen klappbaren Bildtafeln, der je nach Alltag oder Festlichkeit andere Seiten zeigte, unterstützte den Moment der Feierlichkeit, des Kults. Die ursprüngliche Bildaussage sollte also immer vor diesem Hintergrund betrachtet werden. Auch in diesem Fall kamen seit Ende des XIV. Jhs neue Anregungen der Bildfindung aus Frkrch, mit ihrem Ursprung in Norditalien, und beeinflußten zuerst die westfälische Tafelbildmalerei, siehe Berswordt-Meister oder Conrad von Soest, in Nordtld stehe dafür Meister Francke aus Hamburg. Die Handlungen der Protagonisten scheinen, vor allem durch die auffällig gemusterte Kleidung aus gewebten Seidenstoffen einer höfischen Welt entlehnt. Die kostbaren Stoffe waren oft Direktimporte aus Italien. Über franz. Anregungen fanden sie künstlerische Aufnahme in das Repertoire der Maler und physisch vermutlich auch in den Besitz der begüterten Betrachtenden. Gesten und Gefühlsregungen der Protagonisten waren bemessen und vornehm zurückhaltend. Der süddeutsche Raum hing, regionalen Bildern nach zu urteilen, länger der tradierten böhmischen Stilrichtung an und pflegte bis in die 1430er Jahre den „weichen Stil“. Besondere Kennzeichen waren hier weich fließenden Gewänder ohne Musterung, im Gegensatz zu den auffällig gemusterten Gewändern nach ital-franz Vorbild auf den westfälischen Bildern. Es zeigt sich also ein vollkommen anderer Modestil. Hinzu wirkten die antiquierten Goldhintergründe sperrig und drückten keine Räumlichkeit aus. Gegen Mitte des XV. Jhs folgten auch die Süddeutschen mit Lukas Moser oder Konrad Witz aus Rottweil, letzterer hptsl in Konstanz und Basel wirkend, der neuen westeuropäischen Stilrichtung, übernahmen die Gewandungsdarstellung und gestalteten Raum in ihren Bildern. Nur partiell beeinflußt wirkte auch Stefan Lochner in Köln mit einem strengen plastischen Stil, auch er stammte urspl aus dem eher rückständigen Bodenseeraum und hatte wohl in Tournai und Flandern die neuen Richtungen gesehen. Seine Werke waren nicht unbedingt innovativ, eher eine Synthese aus oberrhein., niederländ. und westfälisch-kölner Tradition. Aber er traf den Geschmack seiner Zeit mit der prachtvollen Darstellung von Goldhintergründen, liturgischen Geräten und kostbaren Gewändern. Denn er bekam ehrenvolle Aufträge.

Es erschienen nun auf den Bildern vermehrt Auftraggeber und Stifterfiguren des solventen Klerikeradels oder aus der bürgerlichen Führungsschicht, nebst Gattin und Familie meist andächtig knieend in standesgemäßer oder Büßer-Kleidung als vage Vorläufer der Porträtmalerei.3 Durch Stiftungen sammelten sich große Vermögenswerte an, die in sachliche Projekte oder soziale Einrichtungen investiert wurden. Der überwiegende Teil der uns heute zur Verfügungen stehenden Quellen gäbe es überhaupt nicht, wenn die Wohlhabenden nicht dem Aufruf gefolgt wären „Christus als Miterben“ einzusetzen. Viele Testamente bezeugen die Furcht vor Höllen- und Fegefeuerqualen. Zum Tode Verurteilten wurde in England und Frkrch die Beichte verweigert, um durch die Gewißtheit der Höllenstrafen Ängste um die Rettung der Seele zu schüren. Angst war eine der Motivationen, aus der heraus sich künstlerische, architektonische und soziale Investitionen des Mittelalters entwickelten! Kaiser Sigismund ließ 1417, also zur Zeit des Konzils von Konstanz, in der sich viele anerkannte Maler in der Stadt aufhielten, die Augustinerkirche mit Fresken ausmalen. Buchminiaturen und Bilder der Reisealtärchen im Besitz von Prälaten und Geistlichkeit verhalfen regionalen Künstler im Bodenseeraum zur Zeit des Konzils zu neuen Eindrücken und werden Aufträge eingebracht haben. Ein reger Austausch von Ideen und Bildern kann vorausgesetzt werden, bei einem jahrelangen Treffen von internationalem Rang. Bzgl der Handschriften hätten oben sicher auch die illuminierten Nachschriften der, nicht mehr im Original erhaltenen, Konzilchronik des Ulrich von Richenthal erwähnt werden sollen. Diese sind durch die zeitliche Verzögerung gute Quellen für die zweite Hälfte des XV. Jhs, denn diese Illuminationen entstanden alle ein bis zwei Generationen nach Richenthal. In der ersten Hälfte des XV. Jhs stieg auch der Anteil an rein profanen Bildwerken im öffentlichen und privaten Raum, z.B. auch in der Ausschmückung bürgerlicher Häuser mit Fresken oder Wandteppichen.

Der liegende Trittwebstuhl war seit einigen Jahrzehnten im Einsatz und ermöglichte die schnelle und preiswerte Herstellung von Stoffen, wovon alle Schichten profitieren sollten. Seit Jahrhunderten war das Tuch erstellende Gewerbe einer der wichtigsten Zweige der europäischen Wirtschaft. Für den Adel wurde es schwieriger seine textile Exklusivität zu wahren, da nicht nur die Produktionssteigerung mit ausgedehnten Handelsnetzen, sondern auch neue kaufkräftige Schichten seine Stellung gefährdeten. An den prachtvollen Kleidungsstücken, teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch auf die Tafelbilder der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria oder der Heiligen modelliert wurden, glaubt man vielfach die Modeentfaltung der Zeit abzulesen.4 Sofern der Auftraggeber aus höfischem Umfeld kam, war es Pflicht in den Bildern eine gewisse modische Extravaganz auszudrücken, wie es eine Frage der Etikette war am Hof Pracht und Luxus auszuleben. Heilige wurden mit ihren Attributen je nach sozialem Stand dargestellt, oft entstammten sie in der Spätantike einem sozial höheren Rang, vergleichbar mit dem Adel des Mittelalters. Wenn in der modernen Forschung davon gesprochen wird, daß sich der Kunststil zum Realismus mit Orts- und Zeitbezügen hin änderte, damit der mittelalterliche Mensch die Nähe zur biblischen Geschichte erfahren konnte, dann betraf das als Betrachter bislang vornehmlich die auf den Bilder bevorzugt Dargestellten, nämlich Adel und gehobenes Bürgertum, bzw Stadtadel. Es ging um die Verschönung des aristokratischen Lebens in idealisierten Formen, damit wurde eine Gruppenzugehörigkeit definiert. Für alle übrigen war deren Überhöhung in den Bildern ein Spiegel der gesellschaftlichen Zustände, indem sie die bestehende soziale Hierarchie zementierte. Die „Erfahrbarkeit“ war für die Masse nur sehr begrenzt möglich. Denn sie wurde in den Bildern lediglich als Randstatisten angesprochen. Hingegen begann das gehobene Bürgertum im Kunstgeschmack den Adel abzulösen, vom alten Goldadel zum neuen Geldadel.



Links der „bürgerliche“ Nikodemus und der Adelige Josef von Arimathea rechts, Dom Fkft/Main 1435c


2. Mode in der ersten Hälfte des XV. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen):

In der Jahrhundertwende um 1400 war bei den begüterten Schichten die Houppelande oder Robe longue mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, teilweise gezaddelt, recht beliebt.5 Ein Kleidungsstück was dem flämischen Namen nach in den Oberen Landen Burgunds seinen Ursprung hatte und schnell vom Hof auf das Bürgertum in den Niederen Landen übersprang. Folgt man den zeitgenössischen Malern, dann liebten die Wohlhabenden die Stoffülle mit reichem Faltenwurf und zunehmender Breite zum Unterkörper. Es gab knie- und bodenlange Varianten. Der wohlsituierte bürgerliche Mann6 trug zu dieser Standardgewandung einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel mit grossen schlichten runden oder eckigen Schnallen, bei Hofe wurden eher Stoffgürtel getragen. Meist im höfischen Umfeld fanden sich auch überlange Gürtelformen in speziellen zeremoniellen Situationen (siehe vorhergehende Seite und weitere Bsple. wie die höfische Szene aus einer Pariser Handschrift Anf. XV. Jh, historisierend auf dem „Bartholomäusfries“ im Dom zu Frankfurt/Main von 1420c oder noch auf dem „Babenberger Stammbaum“ in Klosterneuburg von 1490c), vor allem mit angehängtem Dolch über die Schulter getragen (Bspl einer der Hl. drei Könige in St Johann Prad-Suedtirol von 1420c, Centurio auf dem „Kalvarienberg“ von G. Angler in der Pina München von 1440c oder „Tempelszene“ auf dem Tafelbild zu Nördlingen 1462c). Aber dies sind Ausnahmen und dem gegenüber stehen hunderte Abbildungen mit viel kürzeren Gürteln, so daß man behaupten kann im normalen Alltag war die Zeit des überlangen und auch langen Gürtels definitiv vorbei. Manche Gürtelenden reichen noch auf den Oberschenkel, aber oft waren sie nicht viel länger als eine Handspanne, mal mit, mal ohne Schlaufung, falls keine wurden sie meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben oder hingen lose herunter. Beschläge waren bei den Begüterten ähnlich wie in der 2. Hälfte des XIV. Jhs recht häufig und die Bandbreite reichte von derb wirkenden großen Scheiben bis zu recht filigranen Ausführungen. So trägt der Baumeister in den Grandes Chroniques de France vom Beginn des Jhs in Erläuterungen zur Aachener Pfalzkapelle gegenüber Karl dem Großen begriffen zur seiner langen geschlossenen Robe einen breiten und kurzen Gürtel, ohne erkennbar herabhängende Zunge, mit recht großen Beschlägen, während die Handwerker in kurzer Gewandung keine Gürtelform besonders hervorheben oder irgendwelche Spenglin zeigen.

Auf Stefan Lochners Darstellung der „Hln. Ambrosius und Augustinus“ ist der Laienbruder und bei Lövenich begüterte Ritter der Kölner Johanniter-Kommende „St. Johannes und Cordula“ als Stifter in schwarzer Ordenskleidung Fr[ater] Heynricus Zeuwelgyn laycus abgebildet. Der ca. zwei Finger breite Gürtel zeigt keine erkennbare Überlänge, dafür schlichte Scheiben oder große Lochspenglin als Beschläge. Als Stifter können auch Frauen auftreten wie Elisabeth von Reichenstein seit 1443 Äbtissin des Kölner Stifts „St. Cäcilia“. Sie war eine recht streitbare Persönlichkeit, die sich mit Kaiser und Papst anzulegen getraute und sogar die Exkommunikation in Kauf nahm. Auf ihrem gestifteten Gemälde „Madonna mit dem Veilchen“ trägt sie, wie üblich verkleinert dargestellt und andächtig vor der Gottesmutter knieend, zum pelzgefütterten Chormantel einen eng beschlagenen Gürtel ohne erkennbare Überlänge. Sie vermittelt einen hochbürgerlichen Eindruck. Denn weitere Hinweise auf ihr Amt, wie Kette, Ring, Stab oder Brustkreuz fehlen. Vom gleichen Maler, nämlich Stefan Lochner, stammt die berühmte „Tempeldarbringung“ von 1447, heute in Darmstadt, mit dem Deutschordensherrn als Stifter im weißen Habbit, rotem gut zwei Finger breiten Gürtel ohne jegliche Überlänge und goldfarbenen großen Beschlagscheiben. Mglw verbirgt sich dahinter der Patrizier Werner Overstolz, seit 1443 Ordensmitglied. Sensationell und vollkommen ungewöhnlich ist dessen Platzierung mitten im Geschehen direkt hinter dem „Hohepriester“ als lebensgroße und mitwirkende Gestalt (!) ursprünglich einen dreidimensional gearbeiteten kreuzförmigen Reliquienbehälter präsentierend. Alle hervorgehobenen Darsteller sind dem Anlaß entsprechend gut gekleidet. Selbst Joseph mimt eher den betuchten Bürger in pelzbesetzter knielanger Schecke, modischen offenen Halbschuhen, beschlagenem drei Finger breitem Leibgurt und geöffneter Tasche, als den sonst üblichen Handwerker. Auch die jungen Meßdiener im Vordergrund mit modisch langen Roben, Zaddelungen und Trippen tragen beschlagene Gürtel. Die Längen sind nicht zu ermitteln, da sie dem Betrachter den Rücken zukehren. Der Kleidung nach scheinen die Knaben aus der gehobenen Bürgerschaft zu stammen. Der Bewegung nach, Kerzen haltend, stellen sie eine Prozession dar, was die Ähren und Stechpalmenblätter auf dem Boden erklären würde [Zehnder, Lochner, S. 25 u 51].

Seit den 1430er Jahren zeigte die Malerei die allmähliche Ablösung der stoff- und faltenreiche Houppelande oder Robe longue mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, durch eine Variante mit engeren Ärmeln [KuM, S. 108]. Anfangs noch recht farbenfroh, begannen gedeckte Farben zu dominieren und endeten im Schwarz in der 2. Hälfte des XV. Jhs. Diese Männeroberbekleidung war nach wie vor kostspielig, denn dazu wurden bis zu 5 m Wollstoff und Innenfutter, hinzu meist Pelzbesatz von bis zu 2,5 m Länge, benötigt. Den Tafelbildern nach zu urteilen hing die süddeutsche Mode, dargestellt durch den „böhmisch weichen Stil“ gut eine Generation hinter den westdeutschen Formen zurück, die durch den neuen burg-franz-niederländischen Stil geprägt war. In allen Fällen war der Gürtel unentbehrliches Requisit und zu den langen repräsentativen Gewandformen der Bürger wurden das ganze Jahrhundert über kurze breite Gürtelformen bevorzugt. Die pompös-üppigen Gewänder nahmen in den Niederen Landen Burgunds, in Frankreich und Westdtld also eher sachliche Formen an, dokumentiert durch die neue Malerei, in der das finanzstarke Bürgertum der Niederen Lande mit zunehmenden Einfluß hervortrat. Die Brüder van Eyck (Jan c1390-1441) waren die bevorzugten Hofmaler der burgund. Fürsten.

Adelige und wohlhabende Damen (Ehefrauen reicher Bürger) hüllten sich in stoffreiche Varianten der Houppelande mit weiten Ärmeln und hoher Taille oder später in die engere Robe. In West- und Norddeutschland trugen sie zu dieser Kleidung einen kurzen breiten Stoffgürtel hoch unter der Brust geschnürt [MS, S. 152]. In Süddtld hielt sich, nach italienischem Vorbild, die Sitte eines langen Stoffgürtels in der Taille getragen, wobei Mariendarstellungen, bis ins XV. Jh hinein, extrem lange Gürtel zeigen konnten, deren Senkel auf dem Boden lagen. Die Überlänge war ein Merkmal der Unberührtheit Marias, also eine Überhöhung, und kein Auswuchs modischer Sitten.

Die Wohlhabenden, und dazu zählten immer mehr „betuchte Bürger“ in den Städten, ließen ihre Schnallen aus Silber herstellen; Gold oder Vergoldungen blieben dem Hochadel und dem gehobenen Patriziat vorbehalten. Riemenzierbeschläge aus Edelmetall waren zu Beginn des Jhs, wie im XIV. Jh, bei den Begüterten üblich und recht häufig, wobei sich auch Beschläge mit symbolischer Bedeutung, wie Devisen, Embleme oder Monogramme gewisser Beliebtheit erfreuten. Kettengürtel als ceinture longues des vorangegangenen Jahrhunderts erfuhren kleine Abwandlungen zum demi ceint (siehe Abb. „Hure Babylon“ oben), als Kombinationen von Stoff/Leder/Metall und blieben beim Adel in kostbaren Ausführungen das ganze XV. Jh über modisch. Genauso finden wir auch reine Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel, manchmal kurz, ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge, oft wurde die Zunge vom Stoff verdeckt, so daß man über die Gesamtlänge nur bedingt Aussagen machen kann. Stoffgürtel des Adels konnten mit Perlen bestickt sein.

Der Adel war prunksüchtig und ständig bemüht in modischen Dingen den Vorsprung zu wahren, erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile mehr oder weniger erfolgreich ein Normenzwang auferlegt wurde. Es ging um die äusseren Formen des Machterhalts. Im Reich wurde dem Bürger Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires der Kleidung durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgegeben. Wie erfolgreich solche Maßnahmen waren, steht auf einem anderen Blatt. Die „Lesbarkeit“ der Kleidung und Zuordnung der Stände waren das Ziel und gefordert wurde eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung.



Apokalypse“ Angers 1382c


3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

gedacht für Bürger mit Eintrag in Bürgerrolle, höherem Steueraufkommen und Grundbesitz in der Stadt, die man dem Patriziat zurechnen würde (A.1), weiter Amtsleute in gehobenen Positionen (A.2 u B.1), ratsfähige Fern- und Großkaufleute (B.2), Zunftmeister exklusiver Gewerke (B.3) und einfache Dienstmannen (C). Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber ist möglich, zu den Kategorien A-C im Detail siehe: Ständegesellschaft.

Falls keine Spenglin abgebildet wurden, sind sie in der Kategorie A üblich, in B möglich, in C als Dornlochösen, in begrenzter Stückzahl, möglich. Als Gürtelabschluß einschliesslich B.2 eher aufwändig gegossene Zungen und für B.3 und C einfache Ortbleche oder Halbmonde, manchmal mit Ösen zum Einhängen von kurzen Kettenstücken.

[Manche Formen in der Wende um 1400 befinden sich auf der Seite „XIV 1350-1400“ und werden hier nicht noch einmal wiederholt]

Demi ceint mit Medaillonbeschlägen seit Wende XIV./XV. Jh in der Frauenmode (A.1/A.2), siehe Abb. aus Angers, umgangssprachlich „Kettengürtel“ wurden bislang einige erstellt, tauchen aber auf diesen Seiten nicht auf, da seltene Stücke, bitte spezielles Angebot anfordern. Auch die gehobene Männerwelt nutzte den demi ceint, in diesem Fall mit einer kurzen Verbindungskette, dafür wären die Ortabschlüsse mit Ösen geeignet.







um

1400



Mittlere Bürgerschicht in Bronze oder Messing, für das gehobene Bürgertum und den Adel auch Ausführung mit Veredlung in Silber oder Gold möglich



Typ Leierschnalle nach Fingerlin 1375 bis 1420, abgewandelte Formen laufen noch bis zum Ende des XV. Jhs, siehe hierzu Fingerlin od. Krabath




XIV-XV_020_bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Ausführung in me siehe rechts

[auch Ausführung in Silber und mit Weißmetallüberzug mgl.]



XIV-XV_023_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin „Nr.7184“ optional









um

1400



Mittlere Bürgerschicht in Bronze oder Messing, für das gehobene Bürgertum und den Adel auch Ausführung mit Veredlung in Silber oder Gold möglich



Leierförmige Schnalle auf der Moses Darstellung von C. Sluter 1395-1403 aus Champmol, dem Sitz der Hz von Burgund in den Oberen Landen (heute in Dijon)



Passförmige Riemenzungen ca ab Mitte XIV. Jh bis Anfang XV. Jh



XIV-XV_026_me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,3 x 2,3 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin „Nr.7035“, Strecker „Nr.7116“

und Beutelhalter „W05“ optional



XIV-XV_024_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 89,00 EUR

Spenglin links „Nr.7183“ u „Nr.7184“ rechts optional







B

-

obere MITTELSCHICHT



Funde in London belegen, dass man gewissen Formen längere Laufzeiten zuerkennen muss. Einfache Strichzieren sind bis gegen 1400 nachweisbar.



Burgundischer Ort links als Direktabguß von einem Original.

[Veredlung in Silber auf Anfrage]



XIV-XV_041f_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Burgunder-Ort 5 x 3 cm [Feuerstahl u Funkenschlag]

montiert 99,00 EUR



XIV-XV_041f_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und verzierter „Halbmondort“ 3,5 x 3,5 cm

montiert 99,00 EUR







B

-

obere MITTELSCHICHT



Grosse runde Schnallen kommen in der ersten Hälfte des XV. Jhs auf und halten sich als „bürgerliche Variante“ das gesamte Jahrhundert.

Quelle Schnalle: Ross Whitehead

auf Abbildungen werden sie sehr hell dargestellt, Veredlung in Silber auf Anfrage



XV_206a_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und verzierter Halbmondort 3,5 x 3 cm

montiert 99,00 EUR



XV_206b_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[Verbindungskette für demi ceint möglich]







B


-

obere MITTELSCHICHT



Die grossen runden Schnallen kommen in der ersten Hälfte des XV. Jhs auf und halten sich als „bürgerliche Variante“ bis in das XVI. Jahrhundert.

Quelle Schnalle re: Ross Whitehead

auf Abbildungen werden sie recht hell glänzend dargestellt, Veredlung in Silber auf Anfrage



XV_185a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm

montiert 99,00 EUR



XV_206d_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und Blech

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]







B

(A)

-

obere MITTELSCHICHT



Motive, wie der schreitende Löwe, finden sich als Keramikware (Kacheln, Fliesen) im zunehmenden Maße auch in den gehobenen bürgerlichen Haushalten und sind kein Vorrecht des Adels mehr. Schnalle könnte aber in vergoldeter Ausführung der Adelswelt noch zugeordnet werden, für den Bürger in vs oder me.

Burgundischer Ort links als Direktabguß von einem Original.

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]



XV_185f_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Burgunder-Ort 5 x 3 cm [Feuerstahl u Funkenschlag]

montiert 99,00 EUR



XV_185c_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR







B

-

obere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen. Die beiden Kombinationen halten sich das gesamte XV. Jh über.

[Weißmetall und Veredlung in Silber, bzw re Veredlung in Silber für B.2 auf Anfrage]



XV_202a_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR



XV_179a_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier

und Senkel 3 x 2 cm

montiert 79,00 EUR







B

-

obere MITTELSCHICHT





Li Burgundischer Senkel aus den Niederen Landen nach einem Flußfund aus der Schelde Anf. XV. Jh von einer Versteigerung 1933 in Antwerpen.

Re nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaunne gegen Mitte des XV. Jhs in zwei verschiedenen Ausführungen, Kette für demi ceint möglich.

[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



XV_187a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR

-

XV_187c_me mR / oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ mit Ring 2,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR

[Detailbild Halbmondort ohne Ringöse]







B

-

obere MITTELSCHICHT





Li Burgundischer Senkel aus den Niederen Landen nach einem Flußfund aus der Schelde Anf. XV. Jh von einer Versteigerung 1933 in Antwerpen.

Re nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaunne gegen Mitte des XV. Jhs in zwei verschiedenen Ausführungen, Kette für demi ceint möglich.

[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



XV_220a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

-

XV_220c_me oR / mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

[Detailbild Halbmondort mit Ringöse]







XV


Aufstrebende Bürgerin


Quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln bereits seit dem XIV. Jh gebräuchlich, z.B. Madonna in St. Jakob/Regensburg 1360c, Severikirche Erfurt 1365, Lauterbach 1370-80, Lorenzkapelle Rottweil 1375c, in Regensburg 1450c, hier Rottweil 1450c



XV_149c_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR



XV_150c_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag und Senkel 6 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR









XV



Aufstrebende Bürgerin


kl. doppeltrapezförmige Schnalle

in der ausgeschwungenen Form an Frauengürteln in Salzburg 1430c, Brixen 1470, hier Konstanz 1488 [Fam. des angesehenen Malers F. Herlin, der 1467 das Nördlinger Bürgerrecht erwarb]




XV_160_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400 bis Ende XV)

und Senkel 8 x 0,8 cm

montiert 59,00 EUR



XV_165_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag und Senkel 4,3 x 1,1 cm

montiert 75,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7038“ optional









XV



Aufstrebende Bürgerschicht











[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]

-

XV_135_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 75,00 EUR

Spenglin „Nr.7025“ optional



XV_180_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 79,00 EUR







C

-

MITTELSCHICHT/Funktionsgehilfen








Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.




XV_187b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR



XV_187d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR







C

-

MITTELSCHICHT/Funktionsgehilfen








Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.




XV_220b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR



XV_220d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR







XV




Mittlere Bürgerschicht



Schnalle Quelle: Ross Whitehead



XV_203h_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Blüte angenäht

und Senkel 5,5 x 2,5 cm

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_203d_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Blüte angenäht

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 69,00 EUR

[Ort Eisenblech mit Weißmetallüberzug]






Doppelschnalle aus Kupferlegierung mit Blech [C] um 1410, [A] Lochspenglin, [B] Rinke/Schnalle und [D] Ort/Zunge.

Erhaltene archäologische „Feuchtraum“-Funde aus den Niederen Landen zeigen ein hohes Spektrum unterschiedlicher Gürtelvarianten, bzw. -fragmente, darunter die Befestigung mit Blechen. Auf Abbildungen fällt es manchmal schwer Aussagen darüber zu machen, da man im SMA häufig Doppelschnallen verwendete oder Riemenschieber, die das Zungenende parallel über den Leibriemen führten wie bei einem modernen Gürtel, da hing also kein Zungenende herunter. Schnallen für Stoff- und Houppelande-Gürtel wurden mit Blechen versehen, um den Stoff zu schonen. Bei einfachen ledernen Gürtelvarianten der unteren Schichten nähte man die Schnallen allerdings oft nur an, wie es ein „Riemer“ getan hätte. Für das Vernähen gibt es Belege nach Handwerksverordnungen der Riemer, z.B. aus Riga. Mein Gewerbe fordert Bleche nach den mittelalterlichen Statuten eines „Gürtlers“. Das einfache Annähen hätte damals nicht zu meinen Aufgaben gezählt und so handhabe ich es auch heute ähnlich...nur falls Originale diese Vorgabe machen und auf ausdrücklichen Wunsch wird die Schnalle angenäht. Genauso nähe ich keine Lederstücke zu Riemen zusammen und punziere Leder nicht. Fingerlin kam Anfang der 1970er Jahre aufgrund von Grabfunden hochgestellter Persönlichkeiten zu der Aussage nur wenig zusammengenähte Gürtelexemplare des HMAs und SMAs erkannt zu haben und nur wenige trügen eingepresste oder geritzte Muster. Archäologische Funde aus Stadtgrabungen in den 1990erJahren publiziert (Schleswig u Konstanz) erweiterten das Spektrum an Lederfragmenten mit Mustern erheblich, in den meisten Fällen allerdings ohne eindeutige Gürtelzuordnungen. Sie stammten oft von Messer-, Dolch- oder Schwertscheiden.7


4a. Gürtelformen des einfachen Volkes


Gürtelformen des einfachen Volkes in der ersten Hälfte des XV. Jhs:

Zur Darstellung der ländlichen Bevölkerung sei wieder auf die Kalender verwiesen mit den entsprechenden „Monatsbildern“. Handwerker und Bauern wurden in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Obergewand dargestellt, das erst zum Ende des XV. Jhs kürzer und enger wurde, jedenfalls relativ stark bedeckt. Im „Livre de Chasse“, dem Jagdbuch des Gaston Phoebus, illuminiert zu Beginn des XV. Jhs werden Jäger, Jagdhelfer, Treiber und Jagdpagen (im Alter von 7 bis 14 Jahren), letztere erkennbar an fehlender Kopfbedeckung, gezeigt. Die Farben der Kleidung der Beteiligten wurden vom Autor auf grün im Sommer, vor allem für die Schützen, auf grau für den Herbst und Winter festgelegt und vom Maler nur bedingt angepaßt mit allen möglichen bunten Farbkombinationen im Sommer bei der Hatz auf Rot-, Hoch- und Niederwild und gedeckten Farben im Herbst bei der Hatz auf Wildschwein, Bär und Wolf. Die einfachen Gürtel sind zwei bis drei Finger breit, die der Jagdmeister, Jagdleiter und Leithundführer (mit Kopfbedeckung und eleganter langer Kleidung) manchmal breiter und/oder scheinbar aus Stoff. Die Leibgürtel umschlingen meist gerade die Protagonisten, aber es gibt in zwei Fällen auch Überlängen. Einfache Beschläge zeigen sich hingegen auch bei den unteren Chargen, die Zieren an den breiten Gürteln des gehobenen Personenstandes werden aufwändiger dargestellt. Auch die breiter Bänder der Jagdhörner werden beschlagen abgebildet.8 Einfache Gürtel dieser Zeit sind meist deutlich kürzer als beim Adel oder Bürger und in der Regel zwischen drei bis fünf cm breit. Kriegsknechte zeigen oft sehr breite Gürtelformen. Auf Abbildungen trägt „Josef“ als Handwerker zuweilen einen ca 3 cm breiten Gurt mit einfacher Schnalle und sehr kurzem Zungenende, das aus der Schnalle lappt. Andere Formen zeigen maximal Knielänge, wie der „Josef“ auf dem Wildunger Altarretabel des Conrad vSoest, der sich, nach franz. Vorbild, kniet, um am offenen Feuer fürsorglich seiner jungen Familie einen Brei zu kochen. Dazu hat er den langen Zungenteil seines zwei bis drei Finger breiten Gürtels, durch ein paar verzinnte Lochösen geschmückt, nach hinten unten den Leibriementeil gezogen. Josef ist hier als Handwerker ordentlich gekleidet, sogar mit vier Knöpfen am Ärmel seiner Schecke. Untere soziale Schichten werden hingegen durch abgetragene und zerschlissene Kleidung mit Flicken, Rissen und Löchern charakterisiert, wie es bereits bei den Hirten Giotto di Bondones auf dem Fresko „Der Traum des Joachim“ von 1303-05 in Padua zu sehen war. So gesehen und übernommen wurden die Hirten auf der Verkündigungsszene von den Brüdern Limbourg in den „Les Tres Riches Heures“ oder die Bauerndarstellung auf dem Märzblatt vor 1416.

Barchent, eine Köperbindung aus leinener Kette mit Schuß aus Baumwolle, letztere im Mittelmeerraum schon lange bekannt und Baumwolle selbst seit dem FMA nachweisbar partiell auch nördlich der Alpen, hatte nicht nur die deutschen Märkte erobert, sondern wurde vor allem in Süddtld fleissig gefertigt. Baumwolle musste seit dem XIII. Jh vor allem aus Venedig importiert werden. Die Fasern hatten eine geringe Länge und Festigkeit, deshalb war die Kombination mit Leinen sinnvoll. Das schräg verlaufende Gewebemuster wurde beim Färben betont, da Leinen Farbe weniger an nahm als die Baumwolle. Barchent (parchat, sardoch, schürlitz) war die Ableitung vom arab. barrakan, was eigentlich „grober Stoff“ meinte. Es entwickelten sich Produktionszentren vom Bodenseeraum, südlich der Donau bis nach Böhmen, Wien und Schlesien. In Augsburg mit den tradiert guten Venedig-Kontakten nahm die Familie der Fugger, die sich später in vielen Gewerken umtun sollte, als Leinen- und Barchentweber ihren Anfang [Palla, S. 32 u StHB, S. 46].9

Auf dem „Altarretabel in Wildungen“ von 1403 finden wir auch einen recht seltenen Gürtel mit extremer Überlänge in der Kreuzigungsszene ein Knecht dem blinden Longinus mit der Führung der Lanze helfend. Conrad vSoest folgte in der Darstellung der Kriegsknechte dem Maler des „Altars von Netze“ von 1365, der einen Kriegsmann aus dem Gefolge des Hauptmann mit überlangem Gürtel darstellte. Auch die Josefsszenerie und die Art und Weise wie der leidende Christus am Kreuz hängt wurde eindeutig vom Netzer Meister beeinflußt. Desweiteren gibt es in Wildungen mehrere Gürtel, die ähnlich wie bei der Josefsdarstellung Knielänge erreichen würden, aber mit dem Zungenteil nach hinten unter den Leibriemen geschlungen wurden, so bei „Jakobus“ und „Petrus“. Interessant ist bei „Jacobus“ auch das angehängte Schreibzeug, sehr ähnlich wird der Gürtel von Jesus als Kind im „Paradiesgärtlein“ von 1410-1420 von einem oberrhein. Meister (heute Städel/Frkft) dargestellt mit Zungenteil unten den Leibriemen nach hinten geschoben, aber schlichter, ohne Spenglin oder Zunge, dafür mit einer Art kl. Lederdose behangen. Diese Bildfindung ist kein Zufall! In Wildungen hat auch ein Scherge den Zungenteil seines drei bis vier cm breiten Gürtel, in diesem Fall mit drei, vier verzinnten Dornlochbeschlägen, unter den Leibriemen geschlungen. Alle anderen Formen sind kurz und breit oder es sind schwere Dusinge. Einfache unverzierte Dornlochbeschläge, archäologische Fundexemplare meist Zinn/Blei oder Eisen verzinnt, finden sich auch bei einem der „Geißler“ auf dem „Jacobialtar“ in Göttingen von 1402, verschiedene Male in Wildungen 1403, beim „Josef“ auf dem „Marienaltar“ des Conrad vSoest in Dmund 1420, uvam. Eine einfache Gürtelform zeigt der Hirte in der „Geburtsszene“ in Wildungen, mglw. ist hier ein Rufhorn am Gürtel befestigt. Grundsätzlich bilden vor allem die zeitlich nun folgenden Tafelbilder mit häufig erscheinenden Hirten eine gute Orientierung für alle „ländlichen“ Darstellungen.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Jesus Gefangennahme und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für das Schwert, oder die „Wehr“, konnte ein zusätzlicher Gürtel getragen werden, so daß Leib- und Schwertgurt zuweilen deutlich getrennt wurden. Adelige Schwertgurte, um 1400 noch recht breit, werden im Laufe des XV. Jhs in der Regel deutlich schmaler. Waffengurte von Knechten und Söldnern fielen unterschiedlich aus. Zu Beginn des Jhs waren sie tendenziell etwas breiter, werden dann aber in den folgenden Jahrzehnten ebenso schmaler (siehe auch Seite 2. Hälfte XV. Jh). Allerdings ist das nicht die Regel, denn sie können zuweilen mehrere Finger breit sein und werden in diesen Fällen sicher als „Allrounder“ gedient haben, mit Taschen und alltäglichen Nutzgegenständen behängt (als Ausblick auf die 2. Hälfte XV. Jh siehe Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem gemeinsamen Altarbild, wie auf dem rechten Flügel Marienaltar“ Salzburg von 1485c oder dem Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Erhaltene Gürtel aus dem militärischen Kontext zeigen recht stabile und schlichte Schnallenformen.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Beschläge finden sich noch auf den Gürteln der Wöchnerinnen auf der Geburt Christi“ aus Salzburg von 1400c als Überbleibsel der opulenten Gürtelphase der 2. Hälfte des XIV. Jhs. Im XV. Jh sind Beschläge, natürlich beim Adel, ansonsten eher bei begüterten bürgerlichen Frauen und weniger bei den unteren Chargen auf Gürteln erkennbar. Eine der wenigen Ausnahmen ist die einfach gekleidete Person auf dem Sebaldusteppich“ in Nürnberg von 1425 mit Beschlägen, mglw. recht einfache verzinnte Lochscheiben ohne grosse Zier, wie sie auch bei den Männern verwendet wurden. Ansonsten wurden beschlagene Gürtel manchmal von Bürgerinnen und scheinbar auch von Huebschlerinnen getragen, Beispiele siehe 2. Hälfte XV. Jh.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze waren geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitete ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiteten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Zierrat am Gürtel ist bei den unteren Schichten auf Abbildungen eigentlich nicht zu entnehmen, lediglich einfache Lochverstärkungen (Dornösen, Lochspenglin, siehe Gürtelbspl. oben um 1410 [A]) sind nachweisbar. In den Niederen Landen, ähnlich in London, zeigen archäolog. Untersuchungen, daß Kupferlegierungen, aber hinzu auch Ausführungen aus pewter, also Hartzinn, verwendet wurden.10 In Küstennähe, in Seeland war bis ins XVI. Jh ein grosser pewter-Anteil üblich. Über mögliche Oberflächenvergütungen werden allerdings meist kaum Aussagen gemacht, obwohl die technischen Möglichkeiten in den wenigen Handwerkerleitfäden erwähnt werden. In Seeland wirken einige der Gegenstände vergoldet. Die Zuordnung nach sozialen Gesichtspunkten ist in der betreffenden Publikation schwierig. Alle erläuternden Abbildungen stammen, bis auf die Hausbücher, aus höheren Sphären. „Pewter“ suggeriert einfach, wurde aber nach einem Fund aus Dordrecht (S. 27) in nicht unerheblicher Stückzahl auf einem Seidengurt angebracht, das setzt schon einen gewissen Besitzstand des Trägers oder der Trägerin voraus. Aus London ist bekannt, daß Zinn/Pewter vor allem für Sporenriemen und Reitzubehör genutzt wurde, also ebenfalls nicht zwingend Bestandteil der Kleidung niederer Schichten seien müssen.



Mägde oder Zofen der Himmelskönigin“ aus ihrem persönlichen Gefolge, anders können die reich beschlagenen Gürtel kaum gewertet werden, ziemlich einmalige Darstellung

1400c „Geburt Christi“, Salzburg (im boehmischen Stil)

Kurze breite Gürtelform gegen Mitte des XV. Jhs mit kleinem Ort und Lochspenglin. In diesem Fall wird keine Unterschicht dargestellt, sondern eine von Alter und Krankheit „gebeugte“ Bürgerin in urspl. edlem Gewand.

1444-47 Lüneburg


4b. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes (D-E)

(Handwerker, Krämer, Dienstmannen ohne Bürgerrecht, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Söldner, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, Schnalle ansonsten angenäht. Statt aufwändigen Zungen oft nur umgefalzte Bleche und schlichte halbmondförmige Ortabschlüße. Spenglin als schlichte Lochösen meist in geringer Anzahl im Dornlochbereich für einfache Handwerker möglich, bei Gesinde, also Knechten und Mägden allerdings nie.

Manche Schnallentypen hielten sich teilweise das gesamte XV. Jh über, einfache rechteckige oder quadratische Schnallenformen waren bereits im XIV. Jh nachweisbar und hatten recht lange Laufzeiten, manche bis zum Anf. des XVI. Jhs, ebenso die halbmondförmigen Gürtelabschlüsse. Sie werden in den Quellen als „monden zu senkel“ benannt. Ich werde sie eher als kurz abschließenden „Ort“ bezeichnen, wie ein Gurt umfassendes „Ortblech“, im Gegensatz zum länger herabhängenden „Senkel“ als Zunge.







XV


Handwerker, Dienstmann


große eckig trapezförmige Schnalle

an Männergürteln auf Abb Wittingau bereits 1380, aus Nordwestdtld 1410-20, Metz 1400c, Ebstorf 1410c, Eichstätt 1415c, Sattlerabb. im Hausbuch der 12brüderstiftung Nürnberg 1425, Feltre 1473






XV_190c_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

und ehem. Schwertaufhängung 7,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_190d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Bleche mit rundlichen Paßformen

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]







XV

Handwerker, Dienstmann



in Doppeltrapez oder einfacher gerade Doppelschnalle auch an Schwertgurten oder als Rüstschnallen der Männer zu finden, siehe Anglers „Kalvarienberg“ Pina_München 1440, Eichstätt 1445c, St. Florian 1485, Schenk v Neideck in der St Blasius Kir Regensburg 1504

die Form konnte im Laufe des XV. Jh stärker „ausschwingen“



XV_100_zi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle angenäht und Senkel halbrund 3 x 3 cm [o. Abb]

montiert 69,00 EUR

Lochspenglin „Nr. 3014“ optional

siehe Bürgerdarstellung der Stadt Strassburg von 1420-30, allerdings wird das Material dort kein Zinn gewesen sein









XV

Handwerker, Dienstmann


grosse eckige Doppelschnalle an Männergürteln in Straßburg 1420-30, „Wurzacher Altar“ 1437, Eichstaett 1445 (Bild)

an Frauengürteln in Lübeck 1400, Salzburg 1408, Polen ohne Ort 1415v, Niederbayern ohne Ort 1440, Marburg 1470c, Bern 1500n



XV_102_ws und Blech rundliche Paßform

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR



XIV-XV_35_ws

30-35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 89,00 EUR







XV

Handwerker, Dienstmann, nebst Wib


Bleche mit gerader Kante finden sich sehr häufig. Es wurden Schnallen mit einfachen D-Formen oder eckige und rundliche Doppel-Schnallen gesetzt. Manchmal finden wir Metallkombinationen, wie bei dieser Schnalle aus einer Kupferlegierung mit hellem Eisen-/Stahlblech und Eisendorn, London Nr. 457, 1350-1400, alles war verzinnt. [Die Öse ist interessant und verweist auf einen militärischen Nutzen, mglw. urspl. zum Einhängen des Schwertschleppriemens]



XV_101_ws und Blech gerade Kante

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR

[Weißmetallüberzug auf den Eisen-Objekten]



XV_103_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

- momentan nicht lieferbar -







XV



für Darsteller mit militärischem Hintergrund





Flach geschweifte Wellenformen bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow.

[Weißmetallüberzug auf den Eisen-Objekten]



XV_20_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_30_ws

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR







XV



Gesinde




Einfache D-Form mit ausgeprägter Dornachse, getreppt oder mit Riefen, nach Abbildungen die häufigste Schnallenvariante für Männergürtel im XV. bis weit in das XVI. Jh.. Wollte man die Quellen alle namentlich auflisten, würde der Platz hier definitiv nicht ausreichen, also absoluter Klassiker...



XV_212b_me oder ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert me 69,00 EUR / 85,00 EUR ws

[auf dem Bild provisorisch angenäht, Ort nicht vernietet]



XV_201d_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 69,00 EUR

[Ort Eisenblech mit Weißmetallüberzug]







XV



Handwerkergattin



trapezförmige Schnalle mit Zier

verwendet seit Anf XV. Jh



XV_131_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle Trapezform (nach 1400) angenäht

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR



XV_125_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle (in Italien seit Ende XIV, in Dtld später)

und Senkel 3,5 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR

[Die Schnalle geht auf eine byzant. Form zurück und ist deshalb für Darsteller mit Italienbezügen oder für den alpinen und süddt. Raum gut geeignet]









XV




Handwerkergattin und Magd

kleine eckig trapezförmige Schnallen

an Frauengürteln in Regensburg 1450c (Abb) oder Rottweil 1450c,


große an Frauengürteln in Ulm 1450c



Halbmond“-Ort an Frauengürteln

z.B. St. Sebalduskir. Nürnberg 1400c, Rottweil 1430c (Abb), Eichstätt 1449v, Nürnberg 1490c, Kalkar 1499c, Salzburg 1520c




14 mm Riemen (natur/dunkelbraun/schwarz)

Schnalle und Ort (nach 1400)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_155_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_156_me offen (Bild anklicken)

montiert 55,00 EUR








1440-45 Znaimer Altar mit Kreuzigung im Stil des „gemalten Reliefs“, Centurio mit Gürtel-Riemenschieber





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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

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- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters [Fi], München Berlin 1971.

- Flüeler, M. u N. (Hrsg.): Stadtluft, Hirsebrei u Bettelmönch – Die Stadt um 1300 [StHB]. Ausstellung Zürich-Stuttgart 1992.

- Huizinga, J.: Herbst d. MAs. Studien ü. Lebens- u. Geistesformen des XIV. u. XV. Jhs in Frkrch u. i. d. Niederlanden [HdM] (1919), Stuttgart 1987

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Jerchel, H.: Spätmittelalterliche Buchmalereien am Oberlauf d. Rheins [SBOR], in: Oberrhein. Kunst. Jahrbuch d. oberrhein. Museen, Freiburg 1932.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Mück, H.D.: Ich Wolkenstein 1377-1445. Begleitbuch zur Ausstellung im Schloss Tirol (2 Bde), Bozen 2011.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Musper, H.Th.: Altdeutsche Malerei, Köln 1970.

- Palla, R.: Das Lexikon der untergegangenen Berufe. Von Abdecker bis Zokelmacher, Fkft/M 1998.

- Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter [KuM], dt. Ausgabe Darmstadt 2009.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart [GdK], Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht [MS], Herne 2010.

- Wöllenstein, H.: Von Angesicht zu Angesicht. Der Wildunger Altar des Conrad von Soest, Kassel 2003.

- Zehnder, F.G. (Hrsg.): Stefan Lochner. Meister zu Köln. Herkunft-Werke-Wirkung, Katalog zur Ausst. Wallraf-Richartz-Mus, Köln 1993.







V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



mail-kontakt siehe HINWEIS auf der ersten Seite


Anmerkungen und Quellenverweise:

1/ … was in der Anfangsphase des I. Weltkriegs auf Seiten Österreichs-Ungarns durchaus gemacht wurde. Man hat bei den k.u.k. Husaren,- Dragoner- und Ulanenregimentern, die ihre schwungvollen Attacken gegen massierten Feuerwaffeneinsatz und MGs mit sehr hohen Verlusten bezahlten, zur Aufklärung, denn dazu waren Reiter noch in der Lage, auffällige Schimmel dunkel eingefärbt. Das führte dazu, daß es im Herbst 1914 in Galizien nach lang anhaltenden Regengüssen violette Pferde gab.



2/ Jerchel, SBOR, S. 18, 51. So werden auch illuminierte Nonnenarbeiten erwähnt, die aber wohl das Niveau der bekannten Illustratoren nicht erreichten und ähnlich wie die Nadelarbeiten als „kreativer Zeitvertreib“ angesehen wurden, siehe ebenda S. 43, Fußnote 72. Interessant ist auch der Hinweis auf den Schuhmacher (!) Jocop Leistemacher aus dem elsässischen Schlettstadt, der dort 1430 eine Papierhandschrift erstellte, die illuminiert wurde, ebenda S. 47 und 79: „dis buch vart volbraht un us-geschribe von mir jocop Leistemache´ ein schumacher zu sletzstat uff sonnedag stüge zwischent der stude sechs un sübenen all´nehst nach bartholomei in de´jor do ma zalt vo ds gebuts xpt tusentvierhundert u XXX ior chedencket durch got.“



3/ Diese Bilder dienten als Altarretabeln hinter den Altären als große klappbare hölzerne Bildtafeln („Tafelmalerei“), im Ausnahmefall wurde auch auf leder- und leinwandbezogene Tafeln gemalt, mit biblischen Szenen oder Themen nach der „Legenda Aurea“ auf Außen- und Innenseiten. Sie wurden, wie andere Ausstattungsstücke der Kirche, meist von Privatpersonen oder Gemeinschaften, wie den Zünften, gestiftet. Oft verbergen sich die Stifter hinter den Wappen auf den Bildrändern, die aber leider nicht immer zu identifizieren sind. Im HMA stammten die Stifter fast ausschließlich aus den klerikalen und adeligen Schichten, auch im SMA waren ranghohe und kapitalkräftige Geistliche die Hauptauftraggeber, aber es kamen nun vermehrt hochrangige Personen aus profan-bürgerlichem Umfeld dazu. Stiftungen waren Zeichen des Standesbewußtseins und Repräsentationswillen, aber auch Ausdruck schierer Angst um die eigene Seele. Durch gute Werke erhoffte man sich eine Verringerung der Sündenstrafen, als eine Art Geschäft. Angesprochen wurden die Patrone und Heiligen, denen Kirchen geweiht waren. Sie galten als Mittler bei Gott und Fürsprecher in Zweifelsfragen, mit ihnen wurde eine Art Vertrag geschlossen. Stiftungen sollten mit Messen verbunden sein, die nach dem Tod des Stifters für dessen Seelenheil abgehalten wurden. Darüber wachte u.a. der Stadtrat, siehe „Memorienbuch“ um 1500 im Stadtarchiv Hildesheim mit den Eintragungen der Seelenmessen für die Stifter. Retabeln dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft wanderten sie nach der Säkularisierung in diverse Sammlungen, leider manchmal vollkommen auseinander gerissen. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle für die zeitliche Orientierung sein, regionale Bezüge wären allerdings eingeschränkt, wenn das Retabel, wie so oft, einen weiten Weg zwischen Werkstatt und Aufstellort hinter sich hatte! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben. Sie eigneten sich so einen Motivfundus an [siehe hierzu auch das Wiener Musterbuch aus dem 1. Viertel des XV. Jhs.]. Eine Reise in die Niederen Lande war für viele obligatorisch. Möglicherweise veranlassten Auftraggeber Künstler zu Reisen, um berühmte Kunstwerke bewußt zu kopieren und selbst den Genuß der Betrachtung zu erlangen oder sich im Besitz von Gleichwertigem zu rühmen. Diese Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in Details, über grosse Distanzen ähnelten oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Beabsichtigt und erleichtert wurde die genaue Identifizierbarkeit der Protagonisten durch bestimmte Farben oder personenbezogene Attribute. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel selbstverständlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].



4/ Lange Zeit schenkten Künstler der Kleidung von Heiligen keine grosse Aufmerksamkeit und stellten sie eher antikisierend dar [Ars Sacra, S. 131]. Seit Beginn des XV. Jhs änderte sich das und die Kleidung der Protagonisten wurde modisch und textilaufwändig, sofern ein hoher sozialer Stand überliefert war. Das plastische Aufmodellieren mit Füllmasse (Pastiglia) war bereits seit geraumer Weile üblich. Hinzu kamen Metallauflagen für die Darstellung von Rüstungen, Gürtel und Borten mit Schwarzlotzeichnungen oder Arbeiten mit Punze und Stichel auf dem Grund. Symmetrien erzeugte man durch Schablonen und den Einsatz des Zirkels. Accessoires konnten durch zusätzliche Versilberungen oder Vergoldungen besonders hervorgehoben werden, um die Bedeutung des Trägers zu erhöhen. Auf den Tafelbildern wurde an den Gewändern Goldbrokat imitiert, durch Bemalung oder Preßbrokat, mit Werg in Zinnfolie hergestellt. Auch bei Bildhauerwerken wurden die Gewänder mit Preßbrokaten beklebt [Techniken siehe Publikationen des Landesmuseums Württemberg zu den mittelalterlichen Skulpturen und Ausstellung im Stadtmuseum Ulm_2015]



5/ Bereits zum Ende des XIV. Jhs berichtete die Limburger Chronik 1389: „Auch führten Ritter, Knechte und Burger lange Schecken und Scheckenröcke geschlitzet hinten und neben, mit großen weiten Armen, und die Prischen an den Armen hatte eine halbe Elle und mehr. Das hing den Leuten über die Hände. Wann man wollte schlug man sie auf...fürder trugen die Manne Arme an Wamsen, an Schopen und an anderer Kleidung, die hatten Stauchen beinah bis auf die Erden, und wer die allerlängsten trug, der war ein Mann. Die Frauen trugen behemsche Kogeln, die gingan da in diesen Landen. Die Kogeln stürzete ein Fraue über ihr Haupt, und stunden ihn vorn auf zu Berge über dem Haupte, als man die Heiligen malet mit Diademanten (Heiligenscheine).“ [zitiert aus Parler III, S. 138]



6/ Der Bürger ist streng genommen Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen. Man vermutet, daß in spätmittelalterlichen Städten maximal ein Drittel der Einwohner „Bürger“, mit Eintrag in die Bürgerrolle waren, der überwiegende andere Teil arbeitete dort als Geselle, verdingte sich als Magd, Knecht oder Tagelöhner, das waren keine Bürger. Aber man konnte sich „Hochschlafen“. Denn manche (Zweck-)Heirat hatte die Aufnahme in die Bürgerrolle zur Folge. Der angesehene Maler Hans Schnatterpeck (1450c-1510c) wurde 1472 Bürger von Füssen. 1479 übersiedelte er von Sterzing nach Meran, wo er erst „Niedersitzer“ und 1492 „Bürger“ der Stadt wurde. Später war er Mitglied im Meraner Stadtrat. Berühmte Maler genossen oft besondere Bürgerrechte, wie Hans Multscher in Ulm ab 1427 oder Friedrich Herlin in Nördlingen ab 1467, wenn ihnen das Bürgerrecht ohne Bürgen, kostenlos und ohne damit verbundene Abgaben oder sonstige Bürgerpflichten verliehen wurden. Nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden so abgebildet, bzw. Menschen bei starker körperlicher Betätigung. Die Abbildungen Talhoffers von 1467 stellen bsplw. Sondersituationen dar, mit Kämpfern zu Fuß ungegürtet in Nestelwams und Hose, wobei an den Ärmeln, unter der Achsel und im Brustbereich Unterwäsche hervorlugt. Im Kampf zu Roß werden hingegen Streiter, sozial über dem einfach Fußknecht stehend, meist mit gegürtetem Schwert, mit kurzer geschlossener Joppe dargestellt. Auf anderen Abbildungen sehen wir Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberbekleidung entledigen, auch bei Schanzarbeiten wird das üblich gewesen sein, denn im Feld gelten andere Regeln. Ungefähr ab Mitte und vor allem in der zweiten Hälfte des XV. Jhs ist es üblich, daß Knechte auf Passionsbildern deutlich Unterwäsche zeigen (bis in die 20er Jahre des XV. Jhs noch undenkbar). Sie leisten „schweißtreibende Arbeit“, beim Geisseln oder bei der Kreuzanheftung. Auf Bildern von Hans Hirtz („Karlsruher Passion“) 1440c und dem Meister des Sterzinger Altars vor 1460 lugt Unterwäsche unter dem Wams deutlich hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf, Strigel, Schüchlin oder Altdorfer gegen oder um 1500 wird immer mehr gewagt. In allen Fällen haben wir Sondersituationen. Im Gegensatz zu Bauern oder Knechten zeigen „Bürger“, wie Handwerker, Kaufleute oder gar Patrizier, in der Öffentlichkeit und zu offiziellen Anläßen großflächig keine Unterwäsche. Denn das wäre äusserst unschicklich. Zumal Maler selbst nicht selten angesehene Bürger in den Städten waren, die oft hohe Ämter inne hatten, s.o. Sie mussten in ihren Bildern deutlich Konventionen wahren und konnten nur mit den „niederen Randfiguren“ über die Strenge schlagen, was sie dann wiederum gerne taten. In der 2. Hälfte des XV. Jhs begann auch die Bürgersfrau am tiefen Halsausschnitt und an den Ärmeln ein Stück des Untergewands zu zeigen. Der Adel, und durch ihn eingekleidete Höflinge, nahmen sich seit geraumer Weile die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling, Frueauf dem Älteren oder das berühmte adelige Liebespaar aus Gotha um 1480/85 mit „offener“ Bekleidung von Wams und Kleid, die viel Seide an Ärmeln, auf Brust und Brustlatz sehen läßt und mit „Gesperr“ geschlossen wird.



7/ Fingerlin, Gürtel, S. 33. mit dem Forschungsstand von 1971. Ihr Hauptbetrachtungsfeld lag auf Grabfunden und obertägig erhaltenen prunkvollen Gürtelvarianten. Dazu benutzte man selten Leder. Schnack unterscheidet bei den Schleswig-Funden in Riemen, Gürtel und Gurte. Dünne Riemen wurden im Mittelalter gefaltet oder schlauchförmig zusammengenäht, siehe auch Fragmente aus Leiden. Riemen, also Lederstücke von geringer Breite, waren aber nicht unbedingt Gürtel, sondern wurden für Schuhe, Taschen, Sporen, etc genutzt. Pferdegeschirr, Zaumzeug und stark belastete Gurte für Kriegs- oder Jagdzwecke wurden doppelt vernäht, in diesen Kontext gehört auch der Rüstgürtel von der Churburg um 1400. Funde aus Schleswig können deutliche Stichmuster im Leder aufweisen, vermutlich wurden Fäden zur Zier eingefügt. Aus London und den heutigen Niederlanden gibt es Belege punzierter Lederfragmente, die teilweise Gürteln zugeordnet werden. Punzierungen, bzw Stempelverzierungen wurden allerdings eher bei Messer- und Schwertscheiden vorgenommen, weniger bei Gürteln, bzw es sind erheblich mehr Scheidenfragmente erhalten! Im FMA und HMA konnten die Scheiden mit Steppereien, Ausstanzungen oder Relief- und Ritzverzierungen versehen sein, die Messerscheidenkanten wurden ab ca 1200 in Schleswig gefranst oder zipfelig gestaltet, zuweilen bis zum XI. Jh mit Metallbeschlägen meist aus Eisen versehen und vernietet (im slaw Kulturraum auch aus Bronze). Lederschnitt und Punzierungen waren im HMA nicht häufig, aber möglich. Im SMA wurden aufwändige Lederbearbeitungen an Bucheinbänden, Schachteln und Kästchen, Taschen oder Schwertscheiden meist im Lederschnittverfahren ausgeführt, Originale im Ledermuseum Offenbach, in London oder Dordrecht.



8/ Kritisch gilt anzumerken, daß die Maler der Illuminationen die Textausführung zur Jagd nicht eindeutig verstanden und exakt umgesetzt haben, scheinbar gab es Verständnisprobleme, da die meisten illuminierten Handschriften einige Jahre nach der Textausgabe und nach dem Tod des Autors erstellt wurden. So wurden Vereinfachungen vorgenommen, indem z.B. alle Jagdleiter zu Pferd, die immer von links nach rechts reiten (mglw. um mit Lesegewohnheit Geschwindigkeit anzudeuten, denn bei der Jagd ist dies ein nicht unerheblicher Faktor), ihre langen Schwerter auf der „falschen Seite“ also rechts tragen, damit ihre gehobene Stellung und ihr Mut zum Ausdruck kam. Denn es galt in Südwestfrkrch als besondere Geschicklichkeit den Wolf oder das Wildschwein mit dem Schwert zu erlegen, dazu mussten, wie beim Stierkampf, einstudierte Abwehrbewegungen geritten werden können. Die einfachen Jäger zu Fuß trugen eher kürzere Jagddolche, bzw -messer und in einem Fall den einschneidigen Krummsäbel. Siehe Details Gaston Phoebus: Das Buch der Jagd MS M.1044 der Pierpont Morgan Library, New York. Kommentarband I, ab S. 51 Die Beschreibung der Miniaturen. Faksimile Verlag Luzern 2005.



9/ Zur Baumwolle: Obwohl es eigentlich nicht hier hingehört, finde ich es so klasse, daß es erwähnt werden sollte, vielen wohl auch bekannt: 1873 ließ ein deutsch-jüdischer Einwanderer in San Francisco einen französischen Baumwollstoff, importiert aus Nimes, namens denim indigoblau färben. Daraus fertigte er ein Kleidungsstück nach dem Muster einer Matrosenhose aus Genua, die Genes. Zusätzlich erwarb er das Patent die stark beanspruchten Stellen der Hose mit Kupfernieten zu versehen. Der Name des Deutschen war Levi Strauss aus Buttenheim in der Nähe von Bamberg [Palla, S. 37/38].



10/ Willemsen u Ernst, Hundreds of...Medieval Chic in Metal. Decorative mounts on belts and purses from the Low Countries, 1300-1600. Der Titel suggeriert, ähnlich wie Egans, Dress Accessories das Bekleidungsrepertoire und lässt den großen Bereich von Reitzubehör und Sporenriemen ausser Betracht, ein gravierender Fehler, welcher soziale Zuordnungen sperrt.