V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh






Historischer Kontext:

Es gärte in Europa und es kamen zahlreiche Reformbewegungen auf. John Wycliffe hatte die Bibel ins Englische übersetzt, eine Idee, die Jan Hus, der Rektor der Prager Universität, für das Tschechische übernahm. Bislang waren biblische Inhalte nur aus Predigten und der Liturgie bekannt. Religiöse Laienbewegungen regten an, selbst etwas für das Seelenheil zu tun. Von der Prager Hohen Schule gewann Gert Groote seine Ansichten zur persönlichen „Nachfolge Christi“. Und aus den Niederlanden verbreitete sich um 1400 die devotio moderna weiter ins Reichsgebiet, u.a. durch das Buch Imitatio Christi von Thomas von Kempen (1410). Laienschriften wie der „Seelentrost“ und bebilderte „Armenbibeln“ in der neuen Holzschnitttechnik vermittelten Inhalte auch an leseunkundiges Publikum. Neben die institutionalisierte Religionsausübung traten private Andacht, Meditation oder mystische Versenkung mit Hilfe religiöser Texte oder Figuren und Bildwerken.

Im Osten des Reiches standen die Zeichen auf Krieg nach der Verurteilung des Jan Hus 1415 in Konstanz. Auf dem Konzil, zu dem ihm Sigismund, letzter dt König aus dem Haus Luxemburg und König von Ungarn, sicheres Geleit für die Anreise, aber nicht für die Abreise, garantiert hatte. Bis 1436 versuchte die kathol. Obrigkeit in fünf Kreuzzügen die „Ketzer Böhmens“ zu bekehren. Die südöstl. Reichsgebiete sollten noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege leiden. Es dominierten hier in der ersten Hälfte des Jhs. böhmisch-dt. Stilrichtungen, die sich im Künstlerischen mit dem „weichen Stil“, der fließenden Stofflichkeit ausdrückten, eine in Europa weit verbreitete gleichartige Formgebung.



1400-1450

- Spätgotische Formen -

Hausbuch d Zwoelbruederstiftung_Nuernberg 1440c

Gürtel aus der 1. Hälfte des XV. Jhs


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die 1. Hälfte des XV. Jhs:

Der Glaube war die zentrale Triebkraft für viele Dinge des spätmittelalterlichen Alltags. Für die private Andacht der Begüterten wurden besagte kleine Kunstwerke geschaffen, die nur dem persönlichen Gebrauch dienten. Mit Hausaltären oder Stundenbüchern erweitern sich somit unsere Quellen. Diese Religionsauffassung und neue Techniken werden die Kunst des XV. Jhs. radikal verändern und damit auch unsere Sichtweise auf das Mittelalter.

Die großformatigen Bilder der spätgotischen Tafelmalerei konnten für Leseunkundige die Predigten in den Kirchen unterstützen. Seit Ende des XIV. Jhs kamen neue Anregungen der Bildfindung aus Frkrch und beeinflußten auch die westfälische Tafelbildmalerei, siehe Berswordt-Meister oder Conrad von Soest. Die Handlungen schienen, vor allem durch die Kleidung der Protagonisten, der höfischen Welt entlehnt. Gesten und Gefühlsregungen waren bemessen und vornehm zurückhaltend. Es erschienen auf den Bildern vermehrt Auftraggeber und Stifterfiguren, mglw. mit Gattin oder Familie andächtig knieend, als profane Elemente und vage Vorläufer der Porträtmalerei.1 Durch die Stiftungen sammelten sich riesige Vermögenswerte an, die in sachliche Projekte oder soziale Einrichtungen investiert wurden. Der überwiegende Teil der uns heute zur Verfügungen stehenden Quellen gäbe es überhaupt nicht, wenn die Wohlhabenden nicht dem Aufruf gefolgt wären „Christus als Miterben“ einzusetzen. Viele Testamente bezeugen die Furcht vor Höllen- und Fegefeuerqualen. Durch diese Angst wurden künstlerische, architektonische und soziale Vorhaben des Mittelalters finanziert! Es stieg aber auch der Anteil an rein profanen Bildwerken, z.B. auch in der Ausschmückung bürgerlicher Häuser mit Fresken oder Wandteppichen.

Der Trittwebstuhl war im Einsatz und ermöglichte die schnelle und preiswerte Herstellung von Stoffen, wovon alle Schichten profitieren sollten. Seit Jahrhunderten war das Tuch erstellende Gewerbe einer der wichtigsten Zweige der europäischen Wirtschaft. An manch prachtvollen Kleidungsstücken, teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch auf die Tafelbilder der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria, Johannes dem Täufer oder der Heiligen modelliert wurden, glaubt man vielfach die Modeentfaltung der Zeit abzulesen.2 Heilige wurden mit ihren Attributen je nach sozialem Stand dargestellt, meistens mit adeligem Hintergrund. Wenn in der modernen Forschung davon gesprochen wird, daß sich der Kunststil zum Realismus mit Orts- und Zeitbezügen hin änderte, damit der mittelalterliche Mensch die Nähe zur biblischen Geschichte erfahren konnte, dann betraf das als Betrachter bislang vornehmlich die auf den Bilder bevorzugt Dargestellten, nämlich Adel und gehobenes Bürgertum, das dem Adel nacheiferte. Es wurde somit eine Gruppenzugehörigkeit definiert. Für alle übrigen war deren Überhöhung in den Bildern ein Spiegel der gesellschaftlichen Zustände, indem sie bestehende soziale Hierarchien fundamentierte, „Erfahrbarkeit“ für die Masse also nur für den Fügsamen. Aber die Zeiten sollten sich ändern....




XIV_1382c_Hure Babylon_Apokalypse Angers




Mode in der 1. Hälfte des XV. Jhs (höfische u bürgerliche Formen):

Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht und Unmäßigkeit gleich geschehen“3

Folgt man den zeitgenössischen Malern, dann liebten die Wohlhabenden um 1400 die Stoffülle mit reichem Faltenwurf und zunehmender Breite zum Unterkörper.4 Der wohlsituierte bürgerliche Mann5 trug eine knielange oder bodenlange Standardgewandung, dazu einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel mit grossen schlichten runden oder eckigen Schnallen. Überlange Gürtelformen fanden sich nur in speziellen zeremoniellen Situationen im höfischen Umfeld (siehe vorhergehende Seite und weitere Bsple. wie die höfische Szene aus einer Pariser Handschrift Anf. XV. Jh, historisierend auf dem Bartholomäusfries im Dom zu Frankfurt/Main von 1420c oder noch auf dem Babenberg Stammbaum in Klosterneuburg von 1490c), vor allem mit angehängtem Dolch über die Schulter getragen (Bspl einer der Hl. drei Könige in St Johann Prad-Suedtirol von 1420c, Centurio auf dem „Kalvarienberg“ von G. Anglers in der Pina München von 1440c oder „Tempelszene“ auf dem Tafelbild zu Nördlingen 1462c). Aber dies sind Ausnahmen und dem gegenüber stehend hunderte Abbildungen mit viel kürzeren Gürteln, so daß man behaupten kann im normalen Alltag war die Zeit des überlangen Gürtels definitiv vorbei. Manche Gürtelenden reichen noch auf den Oberschenkel, aber oft waren sie nicht viel länger als eine Handspanne, mal mit, mal ohne Schlaufung, dann wurden sie meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben oder hingen frei.

Seit den 30er Jahren des XV. Jhs zeigte die Malerei die allmähliche Ablösung der stoff- und faltenreiche Houppelande mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, durch die Robe, mit engeren Ärmeln.6 Der Gürtel war unentbehrliches Requisit und zu den langen repräsentativen Gewandformen der Bürger wurden das ganze Jh über kurze breiter Gürtelformen bevorzugt. Erst im Laufe des Jhs sollten die pompös-üppigen Gewänder eher sachliche Formen annehmen, dokumentiert durch die neue Malerei, die sich europaweit durchsetzte, in der das Bürgertum in den finanzstarken Niederen Landen mit zunehmenden Einfluß hervortrat. Die Brüder van Eyck waren nicht nur die bevorzugten Hofmaler der burgund. Fürsten, sondern auch die Begründer der bürgerlichen Malerei.

Adelige und wohlhabende Damen, dazu zählten auch die Ehefrauen reicher Bürger, hüllten sich in eine stoffreiche Variante der Houppelande mit weiten Ärmeln und hoher Taille. In West- und Norddeutschland trugen sie zu dieser Kleidung einen kurzen breiten Stoffgürtel hoch unter der Brust geschnürt.7 In Süddeutschland hielt sich, nach italienischem Vorbild, die Sitte eines langen Stoffgürtels in der Taille getragen, wobei Mariendarstellungen, bis ins XV. Jh hinein, extrem lange Gürtel zeigen konnten, deren Senkel auf dem Boden lagen. Die Überlänge war ein Merkmal der Unberührtheit Marias, also eine Überhöhung, und kein Auswuchs modischer Sitten.

Die Wohlhabenden ließen ihre Schnallen aus Silber herstellen; Gold oder Vergoldungen blieben in der Regel dem Hochadel vorbehalten. Riemenzierbeschläge aus Edelmetall waren zu Beginn des Jhs, wie im XIV. Jh, bei den Begüterten üblich, wobei sich auch Beschläge mit symbolischer Bedeutung, wie Devisen, Embleme oder Monogramme Beliebtheit erfreuten. Kettengürtel als ceinture longues des vorangegangenen Jahrhunderts erfuhren kleine Abwandlungen zum demi ceint (siehe Abb. oben), als Kombinationen von Stoff/Leder/Metall und blieben beim Adel in kostbaren Ausführungen das ganze XV. Jh über modisch. Genauso finden wir auch reine Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel, manchmal kurz, ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge, oft wurde die Zunge vom Stoff verdeckt, so daß man über die Gesamtlänge nur bedingt Aussagen machen kann. Stoffgürtel des Adels konnten mit Perlen bestickt sein.

Der Adel war prunksüchtig, erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile mehr oder weniger erfolgreich ein Normenzwang auferlegt wurde. Es ging um die äusseren Formen des Machterhalts. Im Reich wurde dem Bürger Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires der Kleidung durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgegeben. Insgesamt haben wir eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung.




Doppelschnalle aus Kupferlegierung mit Blech [C] um 1410

[A -Lochspenglin, B – Rinke/Schnalle und D - Ort/Zunge]




Es wird oft behauptet, daß Schnallen im XV. Jh direkt ans Leder genäht wurden. Gut erhaltene archäologische „Feuchtraum“-Funde aus den Niederen Landen zeigen ein hohes Spektrum unterschiedlicher Gürtelvarianten, bzw. -fragmente, darunter die Befestigung mit Blechen. Auf Abbildungen fällt es manchmal schwer Aussagen darüber zu machen, da man im SMA häufig Doppelschnallen verwendete, oder Riemenschieber, die das Zungenende parallel über den Riemen am Leib führten wie bei einem modernen Gürtel, da hing also überhaupt kein Zungenende herunter. Schnallen für Stoff- und Houppelande-Gürtel wurden definitiv mit Blechen versehen, um den Stoff zu schonen. Da ich nach den mittelalterlichen Statuten eines „Gürtlers“ arbeite und kein „Riemer“ bin, setze ich, bis auf wenige Ausnahmen, Bleche. So ist meine Entscheidung diesbezüglich gefallen. Das einfache Annähen hätte damals nicht zu meinen Aufgaben gezählt und so handhabe ich es auch heute meistens...genauso nähe ich keine Lederstücke zu Riemen zusammen und punziere Leder nicht. Fingerlin behauptete noch Anfang der 1970er Jahre, daß nur wenige zusammengenähte Gürtelexemplare des HMAs und SMAs erhalten seien und nur wenige trügen eingepresste oder geritzte Muster. Die neuen archäologischen Funde der letzten Jahrzehnte erweiterten jedoch das Spektrum diesbezüglich. Und für die erstgenannte Technik gibt es hinzu Belege nach Handwerksverordnungen, wie in Riga.8

Gürtelformen des einfachen Volkes in der 1. Hälfte des XV. Jhs:

Handwerker und Bauern wurden in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Obergewand dargestellt, das erst in der 2. Hälfte des Jhs. immer kürzer und enger wurde, jedenfalls relativ stark bedeckt. Der Gürtel war deutlich kürzer als beim Adel oder Bürger und in der Regel zwischen drei bis fünf cm breit. Vor allem Kriegsknechte zeigen sehr breite Gürtelformen. „Josef“, als Handwerker trägt oft einen ca 3 cm breiten Gurt mit einfacher Schnalle und sehr kurzem Zungenende, das einfach aus der Schnalle lappt. Andere Formen zeigen maximal Knielänge, wie der „Josef“ auf dem Wildunger Altar des Conrad vSoest, der sich kniet, um am offenen Feuer fürsorglich seiner jungen Familie einen Brei zu kochen. Dazu hat er den längeren Zungenteil seines zwei bis drei Finger breiten Gürtels, durch ein paar verzinnte Lochösen geschmückt, nach hinten unten den Leibriementeil gezogen. Josef ist hier als „Handwerker“ recht ordentlich gekleidet ist, sogar mit vier Knöpfen am Ärmel seiner Schecke. Untere soziale Schichten beginnt man durch abgetragene und zerschlissene Kleidung mit Flicken, Rissen und Löchern zu charakterisieren, das wird sich bis ins XVI. Jh ziehen.

Auf dem „Altar in Wildungen“ von 1403 finden wir auch einen recht seltenen Gürtel mit Überlänge in der Kreuzigungsszene bei dem ein Knecht dem blinden Longinus mit der Führung der Lanze hilft. Conrad vSoest folgte in der Darstellung der Kriegsknechte dem Maler des „Altars von Netze“ von 1365, der einen Kriegsmann aus dem Gefolge des Hauptmann mit überlangem Gürtel darstellt. Auch die Josefsszenerie und die Art und Weise wie der leidende Christus am Kreuz hängt wurde eindeutig vom Netzer Meister beeinflußt. Desweiteren gibt es in Wildungen mehrere Gürtel, die ähnlich zur Josefsdarstellung Knielänge erreichen würden, aber mit dem Zungenteil nach hinten unter den Leibriemen geschlungen wurden, so bei „Jakobus“ und „Petrus“. Auch ein Scherge hat den Zungenteil seines drei bis vier cm breiten Gürtel mit drei bis vier verzinnten Dornlochbeschlägen unter den Leibgurt geschlungen. Alle anderen Formen sind kurz und breit oder schwere Dusinge. Einfache unverzierte Dornlochbeschläge, meist Eisen verzinnt, finden sich auch bei einem der „Geißler“ auf dem Jacobialtar in Göttingen von 1402, verschiedene Male in Wildungen 1403, beim „Josef“ auf dem Marienaltar des Conrad vSoest in Dmund 1420, uvam. Eine viel einfachere Gürtelform zeigt der Hirte in der „Geburtsszene“ in Wildungen, mglw. ist hier ein Rufhorn am Gürtel befestigt. Grundsätzlich bilden vor allem die zeitlich nun folgenden Tafelbilder mit zahlreich erscheinenden „Hirten“ eine gute Orientierung für alle „ländlichen“ Darstellungen.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Jesus Gefangennahme und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für das Schwert, oder die „Wehr“, konnte ein zusätzlicher Gürtel getragen werden, so daß Leib- und Schwertgurt zuweilen deutlich getrennt wurden. Adelige Schwertgurte, um 1400 noch recht breit, werden im Laufe des XV. Jhs in der Regel sehr schmal. Waffengurte von Knechten und Söldnern fielen unterschiedlich aus. Zu Beginn des Jhs waren sie tendenziell etwas breiter, werden dann aber in den folgenden Jahrzehnten ebenso schmaler (siehe auch Seite 2. Hälfte XV. Jh). Allerdings ist das nicht die Regel, denn sie können zuweilen mehrere Finger breit sein und werden in diesen Fällen sicher als „Allrounder“ gedient haben, mit Taschen und alltäglichen Nutzgegenständen behängt (als Ausblick auf die 2. Hälfte XV. Jh siehe Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem Altarbild zusammengeführt rechter Flügel Marienaltar Salzburg von 1485c oder Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Erhaltene Gürtel aus dem militärischen Kontext zeigen recht stabile und schlichte Schnallenformen.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Beschläge finden sich noch auf den Gürteln der Wöchnerinnen auf der „Geburt Christi“ aus Salzburg von 1400c als Überbleibsel der opulenten Gürtelphase der 2. Hälfte des XIV. Jhs. Im XV. Jh sind Beschläge, natürlich beim Adel, ansonsten eher bei begüterten bürgerlichen Frauen und weniger bei den unteren Chargen auf Gürteln erkennbar. Eine der wenigen Ausnahmen ist die einfach gekleidete Person auf dem Sebaldusteppich in Nürnberg von 1425 mit Beschlägen, mglw. recht einfache verzinnte Lochscheiben ohne grosse Zier, wie sie auch bei den Männern verwendet wurden. Ansonsten wurden beschlagene Gürtel manchmal von Bürgerinnen und scheinbar auch von Huebschlerinnen getragen, Beispiele siehe 2. Hälfte XV. Jh.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze waren geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitete ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiteten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Zierrat am Gürtel ist bei den unteren Schichten zuweilen den Abbildungen zu entnehmen, dazu wurden Spenglin oft als einfache Lochverstärkungen (Dornösen, Lochspenglin, siehe Gürtelbspl. oben um 1410 [A]) und durchlochte Rosetten, verwendet. In den Niederen Landen zeigten archäolog. Untersuchungen an Beschlägen, daß ähnlich wie in London, Kupferlegierungen, meist Messing, aber hinzu auch Ausführungen aus pewter, also Hartzinn, gefunden wurden. In Küstennähe, in Seeland waren sie bis ins XVI. Jh mit einem grossen pewter-Anteil üblich.9




Wöchnerinnen mit reichhaltig beschlagenen Gürteln, die Überlängen aufweisen

1400c „Geburt Christi“_Salzburg (im boehmischen Stil)

kurze breite Gürtelform mit kleiner Zunge und Lochspenglin bei unteren Schichten

1444-47 Lüneburg



Gürtelrekonstruktionen 1400-1450

= Hier nun Gürteltypen, die sich teilweise das gesamte XV. Jh über halten, einfache rechteckige oder quadratische Schnallenformen sind bereits im XIV. Jh nachweisbar und haben recht lange Laufzeiten, manche bis zum Anf. des XVI. Jhs, ebenso die halbmondförmigen Gürtelabschlüsse (werden mglw. etwas irreführend in den Quellen als „Ort“ bezeichnet und weniger als „Senkel/Zunge“). Die zu den Bildern genannten Datierungen und Aufbewahrungsorte sind zu relativieren. Denn manche Tafelbilder hatten einen langen Weg hinter sich, um am heutigen Aufstellort zu landen, meint also die Zeitnähe ist höher zu werten als die des Orts. =








um

1400



Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und Festtagsgürtel des gehobenen Bürgertums



Typ Leierschnalle nach Fingerlin 1375 bis 1420, abgewandelte Formen laufen noch bis zum Ende des XV. Jhs, siehe hierzu Fingerlin od. Krabath

Riemenzunge ab 1350 bis Anfang XV. Jh



XIV-XV_020_bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Ausführung in me siehe unten



XIV-XV_024_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 89,00 EUR

Spenglin links „Nr.7183“ u „Nr.7184“ rechts auf Anfrage










um

1400



Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und Festtagsgürtel des gehobenen Bürgertums



Leierförmige Schnalle Dijon vor 1405



XIV-XV_023_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin „Nr.7184“ auf Anfrage


XIV-XV_026_me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,3 x 2,3 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin rund „Nr.7035“ oder schmal „Nr.7116“

und Beutelhalter W05 XIV-XV auf Anfrage








XV





Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur und gehobenes Bürgertums



XV_185_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR



XV_099_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

[hier provisorisch Borte]

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und gr. „Halbmond“-Ort 5 x 3 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR










XV



Handwerkergattin, Magd



lange trapezförmige Schnalle mit Zier

verwendet seit Anf XV. Jh



XV_130_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Trapezform (nach 1400) angenäht

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR



XV_125_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (in Italien seit Ende XIV, in Dtld später)

und Senkel 3,5 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR










XV









Festtagsgürtel Bürgerin



XV_129_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR

Spenglin „Nr.7026“ auf Anfrage



XV_135_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 75,00 EUR

Spenglin „Nr.7025“ auf Anfrage














XV


Bürgerin


Halbmond“-Ort an Frauengürteln

z.B. St. Sebalduskir. Nürnberg 1400c, hier Rottweil 1430c, Eichstätt 1449v, Nürnberg 1490c, Kalkar 1499c, Salzburg 1520c



kl. doppeltrapezförmige Schnalle

in der ausgeschwungenen Form an Frauengürteln in Salzburg 1430c, Brixen 1470, hier Konstanz 1488

in Doppeltrapez oder einfacher gerade Doppelschnalle auch an Schwertgurten oder als Rüstschnallen der Männer zu finden, siehe Anglers „Kalvarienberg“ Pina_München 1440, Eichstätt 1445c, St. Florian 1485, Schenk v Neideck St Blasius_Regensburg 1504

14 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Ort (nach 1400)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_155_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_156_me offen (Bild anklicken)

montiert 55,00 EUR



XV_160_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 59,00 EUR








XV


Festtagsgürtel Bürgerin



Quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln bereits seit dem XIV. Jh gebräuchlich, z.B. Madonna in St. Jakob/Regensburg 1360c, Severikirche Erfurt 1365, Lauterbach 1370-80, Lorenzkapelle Rottweil 1375c, in Regensburg 1450c, hier Rottweil 1450c



XV_149_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 75,00 EUR



XV_150_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 75,00 EUR










XV




Unverziertes Schnallenblech für einfache Darstellungen, Spenglin für die etwas höhere Position und verziertes Blech für das gehobene Bürgertum.



kleine eckig trapezförmige Schnallen

an Frauengürteln hier in Regensburg 1450c oder Rottweil 1450c




XV_166_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit unverziertem Blech

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR

Spenglin „Nr.7020“ auf Anfrage



XV_165_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 75,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7022“ optional










XV





Gehobenes Bürgertum




Schnalle mit gegossener Befestigung und Dekor

ähnlich in Salzburg 1470c, Wien 1495v



XV_140_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und Senkel 3 x 2 cm (nach 1400)

momentan nicht lieferbar

Spenglin „Nr.7001“ optional



XV_180_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (1450)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 79,00 EUR








XV


Bürger und Bürgerin mit aufwändigem Ort (Zunge), Handwerker und Söldner besser einfache Variante



große eckig trapezförmige Schnalle

an Männergürteln auf Abb aus Nordwestdtld 1410-20, Metz 1400c, Ebstorf 1410c, Eichstätt 1415c, Sattlerabb. im Hausbuch der 12brüderstiftung Nürnberg 1425, Feltre 1473

an Frauengürteln in Ulm 1450c



XV_190_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR



XIV-XV_35_eisstzi

30-35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 89,00 EUR










XV



Bürger, Handwerker und Söldner



grosse eckige Doppelschnalle an Männergürteln in Straßburg 1420-30, Ingolstadt 1430c, „Wurzacher Altar“ 1437, Eichstaett 1445 (Bild), Nürnberg 1450c, Aachen 1450n, Münster 1470c, Wien 1470c, Lorch 1475c, Münster 1485c, Wesel 1494, Schw. Gmünd 1500, Zwiefalten 1516v, Mecheln 1520


an Frauengürteln in Lübeck 1400, Salzburg 1408, Polen ohne Ort 1415v, Niederbayern ohne Ort 1440, Marburg 1470c, Bern 1500n




XV_102_eisstzi und Blech mit Schweif

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR



die Form konnte im Laufe des XV. Jh stärker „ausschwingen“

XV_100_zi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400) angenäht

und Senkel halbrund 3 x 3 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR

Lochspenglin „Nr. 3014“ optional

z.B. Bürgerdarstellung der Stadt Strassburg von 1420-30








XV



Handwerker und Söldner



Bleche mit gerader Kante finden sich sehr häufig. Es wurden Schnallen mit einfachen D-Formen oder eckige und rundliche Doppel-Schnallen gesetzt. Manchmal finden wir Metallkombinationen, wie bei dieser Schnalle aus einer Kupferlegierung mit hellem Eisen-/Stahlblech und Eisendorn, London Nr. 457, 1350-1400, alles war verzinnt. [Die Öse ist interessant und verweist auf einen militärischen Nutzen, mglw. urspl. zum Einhängen des Schwertschleppriemens]



XV_101_eisstzi und Blech gerade Kante

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_103_eisstzi

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 65,00 EUR








XV



Handwerker und Söldner





Flach geschweifte Wellenformen mit Einschnitt bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow.



XV_20_eisst

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_30_eisst

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR




1440-45 Znaimer Altar mit Kreuzigung im Stil des „gemalten Reliefs“, Centurio mit Gürtel-Riemenschieber











Quellen und weiterführende Literatur:

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.

- Wöllenstein, H.: Von Angesicht zu Angesicht. Der Wildunger Altar des Conrad von Soest, Kassel 2003.










V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Diese Bilder dienten häufig als Altarretabeln hinter den Altären als große klappbare hölzerne Bildtafeln („Tafelmalerei“) mit biblischen Szenen oder Themen nach der „Legenda Aurea“ auf Außen- und Innenseiten. Sie wurden, wie andere Ausstattungsstücke der Kirche, meist von Privatpersonen oder Gemeinschaften, wie den Zünften, gestiftet. Im HMA stammten die Stifter noch eher aus den klerikalen und adeligen Schichten, im SMA vielfach aus den profan-bürgerlichen. Stiftungen waren Ausdruck schierer Angst um die eigene Seele. Durch gute Werke erhoffte man sich eine Verringerung der Sündenstrafen, es war eine Art Geschäft. Stiftungen waren oft mit Messen verbunden, die nach dem Tod des Stifters für dessen Seelenheil abgehalten werden sollten. Darüber wachte u.a. der Stadtrat, siehe „Memorienbuch“ um 1500 mit den Eintragungen der Seelenmessen für die Stifter im Stadtarchiv Hildesheim. Retabeln dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft wanderten sie nach der Säkularisierung aber auch in diverse Sammlungen, leider manchmal vollkommen auseinander gerissen. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle sein, regionale Bezüge wären allerdings eingeschränkt, wenn das Retabel einen weiten Weg hinter sich hatte! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben und sie sich so einen Motivfundus aneigneten [siehe hierzu auch das Wiener Musterbuch aus dem 1. Viertel des XV. Jhs.]. Eine Reise in die Niederen Lande war für viele obligatorisch. Möglicherweise veranlassten Auftraggeber Künstler zu Reisen, um berühmte Kunstwerke bewußt zu kopieren und selbst den Genuß der Betrachtung zu erlangen oder sich im Besitz von Gleichwertigem zu rühmen. Diese Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in Details, über grosse Distanzen ähnelten oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Beabsichtigt und erleichtert wurde die genaue Identifizierbarkeit der Protagonisten durch bestimmte Farben oder personenbezogene Attribute. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel natürlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].

2/Lange Zeit wurde der Kleidung der Heiligen durch die Künstler keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt und sie eher antikisierend dargestellt [Ars Sacra, S. 131]. Seit Beginn des XV. Jhs änderte sich das und die Kleidung der Protagonisten wurde modisch und textilaufwändig, bei überliefertem höheren sozialen Stand auch recht prunkvoll. Die Technik des plastischen Aufmodellierens mit Füllmasse war bereits etwas älter. Auch Arbeiten mit Punze und Stichel auf dem Grund sind üblich gewesen. Symmetrien wurden durch Schablonen und Einsatz des Zirkels erzeugt. Dadurch sind Accessoires, bsplw. mit zusätzlichen Versilberungen oder Vergoldungen, besonders hervorgehoben worden, um die Bedeutung ihrer Träger zu erhöhen. An den Gewändern wurde Goldbrokat imitiert, bei Tafelbildern durch Bemalungen oder Preßbrokaten und bei Skulpturen teilweise durch Schnitzwerk. Deren Gewänder konnten auch durch Preßbrokate, auf Modeln mit Werg in Zinnfolie hergestellt, beklebt werden. [Techniken siehe Publikationen des Landesmuseums Württemberg zu den mittelalterlichen Skulpturen und Ausstellung im Stadtmuseum Ulm_2015]

3/Zeitgenössische dt Chronik, Zitat aus Thiel, Geschichte des Kostüms, S. 149

4/Limburger Chronik 1389: „Auch führten Ritter, Knechte und Burger lange Schecken und Scheckenröcke geschlitzet hinten und neben, mit großen weiten Armen, und die Prischen an den Armen hatte eine halbe Elle und mehr. Das hing den Leuten über die Hände. Wann man wollte schlug man sie auf...fürder trugen die Manne Arme an Wamsen, an Schopen und an anderer Kleidung, die hatten Stauchen beinah bis auf die Erden, und wer die allerlängsten trug, der war ein Mann. Die Frauen trugen behemsche Kogeln, die gingan da in diesen Landen. Die Kogeln stürzete ein Fraue über ihr Haupt, und stunden ihn vorn auf zu Berge über dem Haupte, als man die Heiligen malet mit Diademanten (Heiligenscheine).“ [zitiert aus Parler III, S. 138]

5/Der Bürger ist streng genommen Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen (man vermutet, daß in spätmittelalterlichen Städten maximal die Hälfte der Einwohner „Bürger“, mit Eintrag in die Bürgerrolle, waren, die anderen arbeiteten dort als Gesellen, verdingten sich als Mägde, Knechte oder Tagelöhner, das waren keine Bürger). Aber man konnte sich „Hochschlafen“. Denn manche (Zweck-)Heirat hatte die Aufnahme in die Bürgerrolle zur Folge. Nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden so abgebildet, bzw. Menschen bei starker körperlicher Betätigung. Die Abbildungen Talhoffers von 1467 stellen bsplw. Sondersituationen dar, mit Kämpfern zu Fuß ungegürtet in Nestelwams und Hose, wobei an den Ärmeln, unter der Achsel und im Brustbereich Unterwäsche hervorlugt. Im Kampf zu Roß werden hingegen Streiter, sozial über dem einfach Fußknecht stehend, meist mit gegürtetem Schwert, mit kurzer geschlossener Joppe dargestellt. Auf anderen Abbildungen sehen wir Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberbekleidung entledigen, auch bei Schanzarbeiten wird das üblich gewesen sein, denn im Feld gelten andere Regeln. In der zweiten Hälfte des XV. Jhs ist es üblich, daß Knechte auf Passionsbildern deutlich Unterwäsche zeigen (bis in die 20er Jahre des XV. Jhs noch undenkbar). Sie leisten „schweißtreibende Arbeit“, beim Geisseln oder bei der Kreuzanheftung. Auf Bildern von Multscher um 1460 lugt Unterwäsche unter dem Wams deutlich hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf, Strigel, Schüchlin oder Altdorfer gegen oder um 1500 wird immer mehr gewagt. In allen Fällen haben wir Sondersituationen. Im Gegensatz zu Bauern oder Knechten zeigen „Bürger“, wie Handwerker, Kaufleute oder gar Patrizier, in der Öffentlichkeit und zu offiziellen Anläßen großflächig keine Unterwäsche. Denn das wäre äusserst unschicklich. Zumal Maler selbst nicht selten angesehene Bürger in den Städten waren, die oft hohe Ämter inne hatten. Sie mussten in ihren Bildern deutlich Konventionen wahren und konnten nur mit den „niederen Randfiguren“ über die Strenge schlagen, was sie dann wiederum gerne taten. In der 2. Hälfte des XV. Jhs begann auch die Bürgersfrau am tiefen Halsausschnitt und an den Ärmeln ein Stück des Untergewands zu zeigen. Der Adel, und durch ihn eingekleidete Höflinge, nahmen sich seit geraumer Weile die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling oder Frueauf dem Älteren. Aber der Adel läßt sich ja nur ungern durch Kleiderordnungen reglementieren.

6/Scott, Kleidung und Mode, S. 108.

7/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.

8/Fingerlin, Gürtel, S. 33. mit dem Forschungsstand von 1971! Ihr Hauptbetrachtungsfeld lag damals auf obertägig erhaltenen prunkvollen Gürtelvarianten. Dazu benutzte man selten Leder. Bei den vor ihr besprochenen Schnallen bedarf es schon gründlicher Untersuchungen um festzustellen auf welchem Trägermaterial sie saßen. Bei Altgrabungen wurde dieser Aspekt oft nicht berücksichtigt, sondern man hatte die archäologischen Stücke schlichtweg gereinigt (!). Dünnere Riemen wurden im HMA/SMA durchaus schlauchförmig zusammengenäht, siehe Fragmente aus Leiden (AO). Auch Zaumzeug und stark belastete Lederstücke wurden vernäht, siehe Beispiel des Rüst-Gürtels von der Churburg um 1400. Funde aus Schleswig zeigen deutliche Stichmuster im Leder, vermutlich wurden Fäden zur Zier eingefügt. Aus London und den heutigen Niederlanden gibt es auch Belege punzierter Lederfragmente, die teilweise Gürteln zuzuordnen sind. Punzierungen wurden angeblich häufiger bei Messerscheiden vorgenommen, weniger bei Gürteln, bzw es sind eindeutig mehr Messerscheidenfragmente erhalten, wohl aufgrund der geringeren Abmessungen! Desweiteren finden sich im SMA aufwändige Lederbearbeitungen an Bucheinbänden, bezogenen Schachteln und Kästchen, Taschen oder Schwertscheiden, die meist im Lederschnittverfahren ausgeführt wurden, Originale z.B. Ledermus Offenbach. Für Gürtel gibt es auch dafür einige wenige Belege, wie z.B. aus London oder Dordrecht.

9/Willemsen - Ernst, Hundreds of...Medieval Chic in Metal. Decorative mounts on belts a purses from the Low Countries, 1300-1600, S. 13. Die von den Autorinnen vorgenommene strengere Trennung der Materialien nach Orten, läßt sich allerdings anhand der Abbildungen in diesem Band nicht stützen.