V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh






Historischer Kontext:

Es gärte in Europa und es kamen zahlreiche Reformbewegungen auf. John Wycliffe hatte die Bibel ins Englische übersetzt, eine Idee, die Jan Hus, der Rektor der Prager Universität, für das Tschechische übernahm. Bislang waren biblische Inhalte nur aus Predigten und der Liturgie bekannt. Religiöse Laienbewegungen regten an, selbst etwas für das Seelenheil zu tun. Von der bereits erwähnten Prager Hohen Schule gewann Gert Groote seine Ansichten zur persönlichen „Nachfolge Christi“. Und aus den Niederlanden verbreitete sich um 1400 die devotio moderna weiter ins Reichsgebiet, u.a. durch das Buch Imitatio Christi von Thomas von Kempen (1410). Laienschriften wie der „Seelentrost“ und bebilderte „Armenbibeln“ in der neuen Holzschnitttechnik vermittelten Inhalte auch an leseunkundiges Publikum. Neben die institutionalisierte Religionsausübung traten private Andacht, Meditation oder mystische Versenkung mit Hilfe religiöser Texte oder Figuren und Bildwerken. Diese neue Religionsauffassung und sich entwickelnde innovative handwerkliche Techniken in der Herstellung von Kunstwerken sollten radikale Änderungen hervor bringen und damit auch unsere Sichtweisen auf das Mittelalter grundlegend ändern.

Im Osten des Reiches gärte ein Krieg nach der Verurteilung des Jan Hus 1415 auf dem Konstanzer Konzil, zu dem ihm Sigismund, letzter dt König aus dem Haus Luxemburg und König von Ungarn, sicheres Geleit für die Anreise, aber nicht für die Abreise, garantiert hatte. Bis 1436 versuchte die kathol. Obrigkeit in fünf Kreuzzügen die „Ketzer Böhmens“ zu bekehren. Die südöstl. Reichsgebiete sollten noch Jahrzehnte unter den Folgen der Hussitenkriege leiden. Es dominierten hier in der ersten Hälfte des Jhs. böhmisch-dt. Stilrichtungen, die in der Kunstgeschichte mit dem „weichen Stil“, der fließenden Stofflichkeit beschrieben werden, eine Formgebung, die in Europa weite Verbreitung fand.

1400-1450

- Spätgotik -

Hausbuch d Zwoelbruederstiftung_Nuernberg 1440c



= SEITE IN BEARBEITUNG =

Hochbürgerliche Gürtelformen (oben)

Niederbürger und einfaches Volk (unten)


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen und Quellenkritik für die 1. Hälfte des XV. Jhs:

Der Glaube war die zentrale Triebkraft für viele Dinge des spätmittelalterlichen Alltags. Für die private Andacht der Begüterten wurden kleine Kunstwerke geschaffen, die nur dem persönlichen Gebrauch dienten. Mit Hausaltären oder Stundenbüchern (Brevier oder Horae Canonicae) erweitern sich somit unsere Quellen, wobei Frankreich in Bezug auf die prächtigen Buchilluminationen in Europa den Ton angab. Vor allem dort entstanden die reich bebilderten Handschriften auf Pergament, deren Produktion war an solvente fürstliche Auftraggeber und Höfe gebunden, dem auf Reichsgebiet im höfischen Bereich weitaus weniger Exemplare folgten, wie die prächtige Wenzelsbibel des Prager Hofes, der ja durch Erziehung und Kunstgeschmack französisch beeinflußt war. Aber auch an den regionalen dt Fürstenhöfen entstanden bebilderte Handschriften. In Frankreich gab es anerkannte Buchmaler, die eigens dafür an den Höfen besoldet wurden. Das erzeugte eine Sogwirkung, so daß sich auch Talente aus dem Reich, wie elsässische Maler an franz Höfen verdingten.

Es wird interessant, wenn der Text der Handschriften nicht religiösen, sondern profanen Inhalts war, wie beim „Livre de Chasse, dem Jagdbuch des Gaston III., Graf von Foix und Vicomte von Bearn am Fuß der Pyrenäen, welcher leidenschaftlich der Jagd frönte und seine Erfahrungen Ende des XIV. Jhs zu Pergament brachte. Rund zwanzig Jahre später wurden Abschriften reich bebildert. Neben dem elegant gekleideten Adel und den Jagdleitern, werden unterschiedlich abgestuft, Jäger, Leithundführer, Schützen, Treiber und junge Jagdpagen dargestellt, also Personen aus dem Volk. Allerdings erlaubten sich die Miniaturmaler einige Abweichungen von den textlichen Vorgaben des Autors, der grüne, braune, graue Farben für die unteren Chargen vorgab, also jagdtaugliche und jahreszeitlich entsprechende Kleidung, und die Jagdgesellschaften viel bunter kleideten (neben kräftigen Farben auch blaßrosa Kleidungsstücke, Details siehe unten), mglw. um in der Bildsprache soziale Hierarchien besser zu verdeutlichen oder auch um den meist grünen Hintergründen Kontraste zu verleihen. Grundsätzlich erwecken viele Illuminationen den Eindruck, daß Farben bewußt aus kompositorischen Gesichtspunkten gewählt wurden [siehe auch Jerchel, S. 23]. Künstlerischer Ausdruck überwiegt gegenüber einer nicht beabsichtigten naturalistischen Wiedergabe !!! Der heutige Reenacter, der sich an solchen Abbildungen orientiert, sollte also mit Bedacht einer solchen Quelle folgen. Die unteren Chargen gingen nicht unbedingt mit rosa Beinlingen auf die Jagd, obwohl die Bilder dies suggerieren. Der Adel mag auch zu diesem Anlaß selbstverständlich viel bunter aufgetreten sein, seine Farbigkeit scheint glaubwürdig, wenn auch nicht zweckmässig.


Im Gegensatz zu Frankreich hatte dieser Zweig des Kunstschaffens im Reich einen anderen Stellenwert. Es entstanden vermehrt durch Schreiber, Sekretäre und Scriptorien im Auftrag von Bischöfen, Pröpsten und Chorherren die bebilderten Handschriften auf Pergament und man folgte in den westlichen Regionen Dtlds, wie im Basel-Freiburger Raum, der innovativen Buchgestaltung franz. Vorbilder ab dem zweiten, dritten Jahrzehnt des XV. Jhs. Der Bildaufbau war klar gegliedert mit bühnenartigen Innenräumen, architektonischen Elementen, wie Baldachinen und Stadtbildern oder Landschaften über die sich ein blauer Himmel wölbte, dem farblich Tiefe verliehen wurde. Die handelnden Figuren trugen vermehrt gemusterte Stoffe. Neu war auch die Darstellung von Personen, ihren täglichen Verrichtungen nachgehend, die als kleine Randfiguren in den Bildern auftauchten. Dichtes Rankenwerk begann immer mehr Text und gesamtes Blatt zu umschlingen. Gegen Mitte des XV. Jhs wurde auch in der Buchkunst die neue niederländische Malerei eine dominierende Stilrichtung von internationalem Gepräge.

In Südwestdtld bsplw überwogen zu Beginn des Jhs noch die Papierhandschriften meist mit Federzeichnungen, laviert, unlaviert und mal mit Deckfarben, deren Autoren, meist Pfarrer, Klosterbrüder, Lehrer, Universitätsgelehrte, Doktore, Notare, und andere Bürger aus dem städtischen Umfeld zur Illumination nicht auf zünftisch organisierte Buchmalergilden, wie in Frkrch üblich, zurückgreifen konnten. Schreiber und Maler mussten sich bei uns in Schreibstuben organisieren, manchmal wurden Wanderhandwerker heran gezogen, manchmal konnten, je nach Auftragslage, Tafelbild- oder Freskenmaler für Projekte gewonnen werden, denn Korrelationen und regionale Bezüge zwischen den großen Werken und Miniaturen sind bekannt, zuweilen mit zeitlicher Verzögerung. Es gibt Anweisungen der Autoren in Latein welche Szenen ihres Werkes darzustellen sein, daraus wurden Überlegungen angestellt inwiefern eine internationale Beteiligung von Malern ableitbar wäre. Man wird das Latein aber eher als Hinweis auf den klösterlich/kirchlichen Kontext ansehen, in dem viele Handschriften entstanden, da die Produktion hptsl in den Stadtklöstern und im Reich überhaupt nur in den Städten stattfand. In den Reichslanden waren nicht die Höfe, sondern die Städte zu neuen Kulturzentren geworden.1


Die großformatigen Bilder der spätgotischen Tafelmalereierzählten“ für Leseunkundige die Geschichten aus der Bibel oder aus den Jesus- und Marienleben oder stellten Heilige dar, die Mittlerfunktionen für den Heilsuchenden dieser Zeit erfüllten. Obwohl die Themen überschaubar gleich sind, werden sie von den Malern, die im gewissen Sinne in Konkurrenz zueinander standen abgewandelt und neu interpretiert. Wir sehen die Bilder heute als eigenständige Kunstwerke an, aber in erster Linie waren sie Bestandteil eines Altars und damit in Liturgie und Kult eingebunden! Die ursprüngliche Bildaussage muß also immer vor diesem Hintergrund betrachtet werden. Seit Ende des XIV. Jhs kamen neue Anregungen der Bildfindung aus Frkrch und beeinflußten auch die westfälische Tafelbildmalerei, siehe Berswordt-Meister oder Conrad von Soest, in Nordtld stehe dafür Meister Francke aus Hamburg, in Süddtld bsplw Lukas Moser, Hans Multscher in Ulm oder Konrad Witz aus Rottweil, der hptsl in Konstanz und Basel wirkte. Da in Frankreich Buch- und Tafelmaler in den Zünften gemeinsam organisiert waren und beide hohes Ansehen genossen, war die Verbreitung von Bildinhalten über größere Distanzen dort leichter als auf Reichsgebiet.

Die Handlungen scheinen, vor allem durch die auffällig gemusterte Kleidung der Protagonisten, der höfischen Welt entlehnt. Gesten und Gefühlsregungen waren bemessen und vornehm zurückhaltend. Es erschienen auf den Bildern vermehrt Auftraggeber und Stifterfiguren des solventen Klerikeradels oder aus der bürgerlichen Führungsschicht, nebst Gattin und Familie meist andächtig knieend in der standesgemäßen Kleidung als vage Vorläufer der Porträtmalerei.2 Durch Stiftungen sammelten sich große Vermögenswerte an, die in sachliche Projekte oder soziale Einrichtungen investiert wurden. Der überwiegende Teil der uns heute zur Verfügungen stehenden Quellen gäbe es überhaupt nicht, wenn die Wohlhabenden nicht dem Aufruf gefolgt wären „Christus als Miterben“ einzusetzen. Viele Testamente bezeugen die Furcht vor Höllen- und Fegefeuerqualen. Durch diese Angst wurden künstlerische, architektonische und soziale Vorhaben des Mittelalters finanziert! Kaiser Sigismund ließ 1417, also zur Zeit des Konzils von Konstanz, in der sich viele anerkannte Maler in der Stadt aufhielten, die Augustinerkirche mit Fresken ausmalen. Buchminiaturen und Bilder der Reisealtärchen im Besitz von Prälaten und Geistlichkeit hatten die regionalen Künstler im Bodenseeraum zu neuen Eindrücken verholfen und werden Aufträge eingebracht haben. Ein reger Austausch von Ideen und Bildern kann in Konstanz vorausgesetzt werden, bei einem jahrelangen Treffen von internationalem Rang. Bzgl der Handschriften hätten oben sicher auch illuminierte Exemplare der Konzilchronik des Ulrich von Richenthal erwähnt werden sollen. Es stieg in der ersten Hälfte des XV. Jhs aber auch der Anteil an rein profanen Bildwerken, z.B. auch in der Ausschmückung bürgerlicher Häuser mit Fresken oder Wandteppichen.

Der Trittwebstuhl war im Einsatz und ermöglichte die schnelle und preiswerte Herstellung von Stoffen, wovon alle Schichten profitieren sollten. Seit Jahrhunderten war das Tuch erstellende Gewerbe einer der wichtigsten Zweige der europäischen Wirtschaft. An manch prachtvollen Kleidungsstücken, teuren Accessoires und kostbaren Stoffen, die teilweise plastisch auf die Tafelbilder der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus, Maria, Johannes dem Täufer oder der Heiligen modelliert wurden, glaubt man vielfach die Modeentfaltung der Zeit abzulesen.3 Heilige wurden mit ihren Attributen je nach sozialem Stand dargestellt, meistens mit adeligem Hintergrund. Wenn in der modernen Forschung davon gesprochen wird, daß sich der Kunststil zum Realismus mit Orts- und Zeitbezügen hin änderte, damit der mittelalterliche Mensch die Nähe zur biblischen Geschichte erfahren konnte, dann betraf das als Betrachter bislang vornehmlich die auf den Bilder bevorzugt Dargestellten, nämlich Adel und gehobenes Bürgertum, wobei letztere dem Adel nacheiferte. Es wurde somit eine Gruppenzugehörigkeit definiert. Für alle übrigen war deren Überhöhung in den Bildern ein Spiegel der gesellschaftlichen Zustände, indem sie die bestehende soziale Hierarchie fundamentierte, „Erfahrbarkeit“ für die Masse also nur für den Fügsamen. Aber die Zeiten sollten sich ändern....




XIV_1382c_Hure Babylon_Apokalypse Angers




Mode in der 1. Hälfte des XV. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen):

Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht und Unmäßigkeit gleich geschehen“4

Folgt man den zeitgenössischen Malern, dann liebten die Wohlhabenden um 1400 die Stoffülle mit reichem Faltenwurf und zunehmender Breite zum Unterkörper.5 Der wohlsituierte bürgerliche Mann6 trug eine knielange oder bodenlange Standardgewandung, dazu einen kurzen 3 bis 4 cm breiten Ledergürtel mit grossen schlichten runden oder eckigen Schnallen. Überlange Gürtelformen fanden sich nur in speziellen zeremoniellen Situationen im höfischen Umfeld (siehe vorhergehende Seite und weitere Bsple. wie die höfische Szene aus einer Pariser Handschrift Anf. XV. Jh, historisierend auf dem „Bartholomäusfries“ im Dom zu Frankfurt/Main von 1420c oder noch auf dem „Babenberger Stammbaum“ in Klosterneuburg von 1490c), vor allem mit angehängtem Dolch über die Schulter getragen (Bspl einer der Hl. drei Könige in St Johann Prad-Suedtirol von 1420c, Centurio auf dem „Kalvarienberg“ von G. Anglers in der Pina München von 1440c oder „Tempelszene“ auf dem Tafelbild zu Nördlingen 1462c). Aber dies sind Ausnahmen und dem gegenüber stehend hunderte Abbildungen mit viel kürzeren Gürteln, so daß man behaupten kann im normalen Alltag war die Zeit des überlangen und auch langen Gürtels definitiv vorbei. Manche Gürtelenden reichen noch auf den Oberschenkel, aber oft waren sie nicht viel länger als eine Handspanne, mal mit, mal ohne Schlaufung, dann wurden sie meist links oder rechts zur Seite unter den Gürtel geschoben oder hingen frei. Beschläge waren ähnlich wie in der 2. Hälfte des XIV. Jhs recht häufig und die Bandbreite reichte, auch bei den Begüterten, von derb wirkenden großen Scheiben bis zu recht filigranen Ausführungen. So trägt der Baumeister in den Grandes Chroniques de France, Troyes vom Beginn des Jhs in der Erläuterung zur Aachener Pfalzkapelle gegenüber Karl dem Großen zur seiner langen geschlossenen Robe einen breiten und kurzen Gürtel, ohne herabhängende Zunge, mit recht großen Beschlägen, während die Handwerker in kurzer Gewandung keine Gürtelform besonders hervorheben oder irgendwelche Spenglin zeigen. Auf Stefan Lochners Darstellung der „Hln. Ambrosius und Augustinus“ ist der Laienbruder und bei Lövenich begüterte Ritter der Kölner Johanniter-Kommende „St. Johannes und Cordula“ als Stifter in schwarzer Ordenskleidung Fr[ater] Heynricus Zeuwelgyn laycus abgebildet. Der ca. zwei Finger breite Gürtel zeigt keine erkennbare Überlänge, dafür schlichte Lochösen als Beschläge. Als Stifter können auch Frauen auftreten wie Elisabeth von Reichenstein seit 1443 Äbtissin des Kölner Stifts „St. Cäcilia“. Sie war eine recht streitbare Persönlichkeit, die sich auch mit Kaiser und Papst anzulegen getraute und sogar die Exkommunikation in Kauf nahm. Auf ihrem gestifteten Gemälde „Madonna mit dem Veilchen“ trägt sie, wie üblich verkleinert dargestellt und andächtig vor der Gottesmutter knieend, zum pelzgefütterten Chormantel einen eng beschlagenen Gürtel ohne erkennbare Überlänge. Sie schaut recht hochbürgerlich aus. Denn weitere Hinweise auf ihr Amt, wie Kette, Ring, Stab oder Brustkreuz fehlen. Vom gleichen Maler, nämlich Stefan Lochner, stammt die berühmte „Tempeldarbringung“ von 1447, heute in Darmstadt, mit dem Deutschordensherrn als Stifter im weißen Habbit, rotem gut zwei Finger breiten Gürtel und goldfarbenen großen Lochösen ohne Überlänge. Mglw verbirgt sich dahinter der Patrizier Werner Overstolz, seit 1443 Ordensmitglied. Sensationell und vollkommen ungewöhnlich ist dessen Platzierung mitten im Geschehen direkt hinter dem Hohepriester als lebensgroße und mitwirkende Gestalt (!) ursprünglich einen dreidimensional gearbeiteten kreuzförmigen Reliquienbehälter präsentierend. Alle hervorgehobenen Darsteller sind dem Anlaß entsprechend gut gekleidet. Selbst Joseph mimt eher den betuchten Bürger in pelzbesetzter knielanger Schecke, modischen offenen Halbschuhen, beschlagenem drei Finger breitem Leibgurt und geöffneter Tasche, als den sonst üblichen Handwerker. Auch die jungen Meßdiener im Vordergrund mit modisch langen Roben, Zaddelungen und Trippen tragen beschlagene Gürtel. Die Längen sind nicht zu ermitteln, da sie dem Betrachter den Rücken zukehren. Der Kleidung nach scheinen die Knaben aus der gehobenen Bürgerschaft zu stammen. Ihrer Bewegung nach zu urteilen, Kerzen haltend, stellen sie eine Prozession dar, was auch die Ähren und Stechpalmenblätter auf dem Boden erklären würde [Zehnder, Lochner, S. 25 u 51].

Seit den 30er Jahren des XV. Jhs zeigte die Malerei die allmähliche Ablösung der stoff- und faltenreiche Houppelande mit überlangen oder beutelförmigen Ärmeln, durch die Robe, mit engeren Ärmeln.7 Der Gürtel war unentbehrliches Requisit und zu den langen repräsentativen Gewandformen der Bürger wurden das ganze Jh über kurze breite Gürtelformen bevorzugt. Die pompös-üppigen Gewänder sollten also eher sachliche Formen annehmen, dokumentiert durch die neue Malerei, in der das finanzstarke Bürgertum der Niederen Lande mit zunehmenden Einfluß hervortrat. Die Brüder van Eyck waren nicht nur die bevorzugten Hofmaler der burgund. Fürsten, sondern auch die Begründer einer bürgerlichen Malerei.

Adelige und wohlhabende Damen, dazu zählten auch die Ehefrauen reicher Bürger, hüllten sich in die stoffreiche Variante der Houppelande mit weiten Ärmeln und hoher Taille oder später in die engere Robe. In West- und Norddeutschland trugen sie zu dieser Kleidung einen kurzen breiten Stoffgürtel hoch unter der Brust geschnürt.8 In Süddeutschland hielt sich, nach italienischem Vorbild, die Sitte eines langen Stoffgürtels in der Taille getragen, wobei Mariendarstellungen, bis ins XV. Jh hinein, extrem lange Gürtel zeigen konnten, deren Senkel auf dem Boden lagen. Die Überlänge war ein Merkmal der Unberührtheit Marias, also eine Überhöhung, und kein Auswuchs modischer Sitten.

Die Wohlhabenden ließen ihre Schnallen aus Silber herstellen; Gold oder Vergoldungen blieben in der Regel dem Hochadel vorbehalten. Riemenzierbeschläge aus Edelmetall waren zu Beginn des Jhs, wie im XIV. Jh, bei den Begüterten üblich und recht häufig, wobei sich auch Beschläge mit symbolischer Bedeutung, wie Devisen, Embleme oder Monogramme Beliebtheit erfreuten. Kettengürtel als ceinture longues des vorangegangenen Jahrhunderts erfuhren kleine Abwandlungen zum demi ceint (siehe Abb. oben), als Kombinationen von Stoff/Leder/Metall und blieben beim Adel in kostbaren Ausführungen das ganze XV. Jh über modisch. Genauso finden wir auch reine Bindegürtel aus Stoff oder schmalere normale Gürtel, manchmal kurz, ohne erkennbare Zunge, manchmal mit Überlänge, oft wurde die Zunge vom Stoff verdeckt, so daß man über die Gesamtlänge nur bedingt Aussagen machen kann. Stoffgürtel des Adels konnten mit Perlen bestickt sein.

Der Adel war prunksüchtig, erklärbar als eine Antwort auf den anwachsenden Wohlstand des Bürgertums, dem mit Kleiderordnungen bereits seit geraumer Weile mehr oder weniger erfolgreich ein Normenzwang auferlegt wurde. Es ging um die äusseren Formen des Machterhalts. Im Reich wurde dem Bürger Länge, Stoff, Zuschnitt, Anzahl der Falten, Schmuck und Accessoires der Kleidung durch Kleiderordnungen mit regionalen Unterschieden fest vorgegeben. Insgesamt haben wir eine deutliche Abgrenzung zur körperlich arbeitenden Bevölkerung.








Doppelschnalle aus Kupferlegierung mit Blech [C] um 1410, [A] Lochspenglin, [B] Rinke/Schnalle und [D] Ort/Zunge.

Bei den einfachen Gürtelvarianten wird die Schnalle direkt ans Leder genäht. Erhaltene archäologische „Feuchtraum“-Funde aus den Niederen Landen zeigen ein hohes Spektrum unterschiedlicher Gürtelvarianten, bzw. -fragmente, darunter die Befestigung mit Blechen. Auf Abbildungen fällt es manchmal schwer Aussagen darüber zu machen, da man im SMA häufig Doppelschnallen verwendete oder Riemenschieber, die das Zungenende parallel über den Leibriemen führten wie bei einem modernen Gürtel, da hing also kein Zungenende herunter. Schnallen für Stoff- und Houppelande-Gürtel wurden definitiv mit Blechen versehen, um den Stoff zu schonen. Da ich nach den mittelalterlichen Statuten eines „Gürtlers“ arbeite und kein „Riemer“ bin, setze ich meist Bleche. Das einfache Annähen hätte damals nicht zu meinen Aufgaben gezählt und so handhabe ich es auch heute vielfach...genauso nähe ich keine Lederstücke zu Riemen zusammen und punziere Leder nicht. Fingerlin kam Anfang der 1970er Jahre aufgrund von Grabfunden zu der Aussage nur wenig zusammengenähte Gürtelexemplare des HMAs und SMAs erkannt zu haben und nur wenige trügen eingepresste oder geritzte Muster. Archäologische Funde in den 1990erJahren publiziert (Schleswig u Konstanz) erweiterten das Spektrum an Lederfragmenten erheblich, in den meisten Fällen allerdings ohne eindeutige Gürtelzuordnungen. Für das Vernähen der Riemen gibt es Belege nach Handwerksverordnungen der Riemer, wie aus Riga.9








Gürtelrekonstruktionen der hohen und mittleren Bürgerschicht

(für Bürger mit Eintrag in die Bürgerrolle, Grundbesitz in der Stadt und höherem Steueraufkommen, wie Fern- und Großkaufleute, exklusive Handwerker, Zunft-, Bau- und Münzmeister, Schöffenbare und Dienstmannen in gehobenen Positionen, die man dem Stadtpatriziat zurechnen würde. Die Rekonstruktionen sind eher eine Annäherung an die Form, denn es wären bei jenen und erst recht beim Adel wertigere Metalle zu erwarten)

Spenglin häufig, falls nicht abgebildet ergänzbar.

= nach Vorlagen zwischen 1400 bis 1450 =

Die zu den Bildern genannten Datierungen und vor allem die Aufbewahrungsorte von Tafelbildern sind zu relativieren. Denn manche von ihnen hatten einen langen Weg hinter sich, um am heutigen Aufstellort zu landen, vom Herstellungsort über den ehemaligen „Einsatzort“, nach der Säkularisierung mglw über eine Sammlung, zum aktuellen Aufbewahrungsort.








um

1400



Mittlere Bürgerschicht in Bronze oder Messing, für das gehobene Bürgertum und den Adel auch Ausführung in Silber möglich



Typ Leierschnalle nach Fingerlin 1375 bis 1420, abgewandelte Formen laufen noch bis zum Ende des XV. Jhs, siehe hierzu Fingerlin od. Krabath

Riemenzunge ab 1350 bis Anfang XV. Jh



XIV-XV_020_bz

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 89,00 EUR

Ausführung in me siehe unten



XIV-XV_024_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5 x 2 cm

montiert 89,00 EUR

Spenglin links „Nr.7183“ u „Nr.7184“ rechts auf Anfrage










um

1400



Mittlere Bürgerschicht in Bronze oder Messing, für das gehobene Bürgertum und den Adel auch Ausführung in Silber möglich



Leierförmige Schnalle Dijon vor 1405



XIV-XV_023_me

inkl. 15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel, bz 7 x 1,4 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin „Nr.7184“ auf Anfrage


XIV-XV_026_me

inkl. 20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel 5,3 x 2,3 cm

montiert 85,00 EUR

Spenglin rund „Nr.7035“ oder schmal „Nr.7116“

und Beutelhalter W05 XIV-XV auf Anfrage








XV





Mittlere Bürgerschicht in Messing, für das gehobene Bürgertum und den Adel eher zweite/dritte Garnitur.



XV_185_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR



XV_099_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

[hier provisorisch Borte]

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und gr. „Halbmond“-Ort 5 x 3 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR







Bogen/Ort Muster

XV_210g_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle

und verzierter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 95,00 EUR








Gürtelformen der niederen Bürger und des einfachen Volkes in der 1. Hälfte des XV. Jhs:

Zur Darstellung der ländlichen Bevölkerung sei wieder auf die Kalender verwiesen mit den entsprechenden „Monatsbildern“. Handwerker und Bauern wurden in der Regel mit weit geschnittenem knielangem Obergewand dargestellt, das erst in der 2. Hälfte des Jhs. immer kürzer und enger wurde, jedenfalls relativ stark bedeckt. Im „Livre de Chasse“, dem Jagdbuch des Gaston Phoebus, illuminiert zu Beginn des XV. Jhs werden Jäger, Jagdhelfer, Treiber und Jagdpagen (im Alter von 7 bis 14 Jahren), letztere erkennbar an fehlender Kopfbedeckung, gezeigt. Die Farben der Kleidung der Beteiligten wurden vom Autor auf grün im Sommer, vor allem für die Schützen, auf grau für den Herbst und Winter festgelegt und vom Maler nur bedingt angepaßt mit allen möglichen bunten Farbkombinationen im Sommer bei der Hatz auf Rot-, Hoch- und Niederwild und gedeckten Farben im Herbst bei der Hatz auf Wildschwein, Bär und Wolf. Die einfachen Gürtel sind zwei bis drei Finger breit, die der Jagdmeister, Jagdleiter und Leithundführer (mit Kopfbedeckung und eleganter langer Kleidung) manchmal breiter und/oder scheinbar aus Stoff. Die Leibgürtel umschlingen meist gerade die Protagonisten, aber es gibt in zwei Fällen auch Überlängen. Einfache Beschläge zeigen sich hingegen auch bei den unteren Chargen, die Zieren an den breiten Gürteln des gehobenen Personenstandes werden aufwändiger dargestellt. Auch die breiter Bänder der Jagdhörner werden beschlagen abgebildet.10 Einfache Gürtel dieser Zeit scheinen deutlich kürzer als beim Adel oder Bürger zu sein und in der Regel zwischen drei bis fünf cm breit. Auch Kriegsknechte zeigen meist sehr breite Gürtelformen. Auf Abbildungen trägt „Josef“ als Handwerker zuweilen einen ca 3 cm breiten Gurt mit einfacher Schnalle und sehr kurzem Zungenende, das einfach aus der Schnalle lappt. Andere Formen zeigen maximal Knielänge, wie der „Josef“ auf dem Wildunger Altar des Conrad vSoest, der sich, nach franz. Vorbild, kniet, um am offenen Feuer fürsorglich seiner jungen Familie einen Brei zu kochen. Dazu hat er den langen Zungenteil seines zwei bis drei Finger breiten Gürtels, durch ein paar verzinnte Lochösen geschmückt, nach hinten unten den Leibriementeil gezogen. Josef ist hier als „Handwerker“ ordentlich gekleidet, sogar mit vier Knöpfen am Ärmel seiner Schecke. Untere soziale Schichten werden hingegen durch abgetragene und zerschlissene Kleidung mit Flicken, Rissen und Löchern charakterisiert, das wird sich bis ins XVI. Jh ziehen.

Auf dem „Altar in Wildungen“ von 1403 finden wir auch einen recht seltenen Gürtel mit extremer Überlänge in der Kreuzigungsszene bei dem ein Knecht dem blinden Longinus mit der Führung der Lanze hilft. Conrad vSoest folgte in der Darstellung der Kriegsknechte dem Maler des „Altars von Netze“ von 1365, der einen Kriegsmann aus dem Gefolge des Hauptmann mit überlangem Gürtel darstellt. Auch die Josefsszenerie und die Art und Weise wie der leidende Christus am Kreuz hängt wurde eindeutig vom Netzer Meister beeinflußt. Desweiteren gibt es in Wildungen mehrere Gürtel, die ähnlich wie bei der Josefsdarstellung Knielänge erreichen würden, aber mit dem Zungenteil nach hinten unter den Leibriemen geschlungen wurden, so bei „Jakobus“ und „Petrus“. Interessant ist bei „Jacobus“ auch das angehängte Schreibzeug, sehr ähnlich wird der Gürtel von Jesus als Kind im „Paradiesgärtlein“ von 1410-1420 von einem oberrhein. Meister (heute Städel/Frkft) dargestellt mit Zungenteil unten den Leibriemen nach hinten geschoben, aber schlichter, ohne Spenglin oder Zunge, dafür mit einer Art kl. Lederdose angehangen. Diese Bildfindung ist kein Zufall! In Wildungen hat auch ein Scherge den Zungenteil seines drei bis vier cm breiten Gürtel mit drei bis vier verzinnten Dornlochbeschlägen unter den Leibgurt geschlungen. Alle anderen Formen sind kurz und breit oder schwere Dusinge. Einfache unverzierte Dornlochbeschläge, meist Eisen verzinnt, finden sich auch bei einem der „Geißler“ auf dem Jacobialtar in Göttingen von 1402, verschiedene Male in Wildungen 1403, beim „Josef“ auf dem Marienaltar des Conrad vSoest in Dmund 1420, uvam. Eine einfache Gürtelform zeigt der Hirte in der „Geburtsszene“ in Wildungen, mglw. ist hier ein Rufhorn am Gürtel befestigt. Grundsätzlich bilden vor allem die zeitlich nun folgenden Tafelbilder mit häufig erscheinenden „Hirten“ eine gute Orientierung für alle „ländlichen“ Darstellungen.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Jesus Gefangennahme und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für das Schwert, oder die „Wehr“, konnte ein zusätzlicher Gürtel getragen werden, so daß Leib- und Schwertgurt zuweilen deutlich getrennt wurden. Adelige Schwertgurte, um 1400 noch recht breit, werden im Laufe des XV. Jhs in der Regel deutlich schmaler. Waffengurte von Knechten und Söldnern fielen unterschiedlich aus. Zu Beginn des Jhs waren sie tendenziell etwas breiter, werden dann aber in den folgenden Jahrzehnten ebenso schmaler (siehe auch Seite 2. Hälfte XV. Jh). Allerdings ist das nicht die Regel, denn sie können zuweilen mehrere Finger breit sein und werden in diesen Fällen sicher als „Allrounder“ gedient haben, mit Taschen und alltäglichen Nutzgegenständen behängt (als Ausblick auf die 2. Hälfte XV. Jh siehe Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem gemeinsamen Altarbild, wie auf dem rechten Flügel Marienaltar Salzburg von 1485c oder dem Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Erhaltene Gürtel aus dem militärischen Kontext zeigen recht stabile und schlichte Schnallenformen.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Beschläge finden sich noch auf den Gürteln der Wöchnerinnen auf der „Geburt Christi“ aus Salzburg von 1400c als Überbleibsel der opulenten Gürtelphase der 2. Hälfte des XIV. Jhs. Im XV. Jh sind Beschläge, natürlich beim Adel, ansonsten eher bei begüterten bürgerlichen Frauen und weniger bei den unteren Chargen auf Gürteln erkennbar. Eine der wenigen Ausnahmen ist die einfach gekleidete Person auf dem Sebaldusteppich in Nürnberg von 1425 mit Beschlägen, mglw. recht einfache verzinnte Lochscheiben ohne grosse Zier, wie sie auch bei den Männern verwendet wurden. Ansonsten wurden beschlagene Gürtel manchmal von Bürgerinnen und scheinbar auch von Huebschlerinnen getragen, Beispiele siehe 2. Hälfte XV. Jh.

Gürtelschnallen aus verzinntem Eisen, Zinn, Messing und Bronze waren geläufig. Durch die Zunftordnungen haben wir eine Standardisierung in der Zusammensetzung der Metalle und Spezifizierung in der Bearbeitung. Nun bereitete ein Rot- oder Gelbgießer seine Legierung nicht mehr nach eigener Rezeptur, sondern nach Vorschrift. Die hohe Mobilität von Kaufleuten und Handwerkern aller Gewerke verbreiteten erprobte Techniken und Herstellungsverfahren über große Räume. Zierrat am Gürtel ist bei den unteren Schichten zuweilen den Abbildungen zu entnehmen, dazu waren Spenglin oft als einfache Lochverstärkungen (Dornösen, Lochspenglin, siehe Gürtelbspl. oben um 1410 [A]) und durchlochte Rosetten gedacht. In den Niederen Landen, ähnlich in London, zeigten archäolog. Untersuchungen, daß Kupferlegierungen, meist Messing, aber hinzu auch Ausführungen aus pewter, also Hartzinn, verwendet wurden. In Küstennähe, in Seeland war bis ins XVI. Jh ein grosser pewter-Anteil üblich.11




Wöchnerinnen mit reichhaltig beschlagenen Gürteln, die um 1400 noch deutliche Überlängen aufwiesen

1400c „Geburt Christi“_Salzburg (im boehmischen Stil)

kurze breite Gürtelform gegen Mitte des XV. Jhs mit kleinem Ort und Lochspenglin. Hier wird keine Unterschicht dargestellt, sondern eine von Alter und Krankheit „gebeugte“ Bürgerin in urspl. edlem Gewand.

1444-47 Lüneburg



Gürtelrekonstruktionen der Niederbürger und des einfachen Volkes

(für einfache Handwerker mit und ohne Bürgerrecht, Krämer, Dienstmannen, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, Schnalle oft nur angenäht, Spenglin möglich und häufiger als in der kommenden 2. Hälfte des XV. Jhs, meist schlichte Lochösen. Bei den Festtagsgürteln für Handwerkerfrauen als Spenglin auch verzierte Lochösen und Blütenformen.

= nach Vorlagen zwischen 1400 bis 1450 =

Manche Schnallentypen hielten sich teilweise das gesamte XV. Jh über, einfache rechteckige oder quadratische Schnallenformen waren bereits im XIV. Jh nachweisbar und hatten recht lange Laufzeiten, manche bis zum Anf. des XVI. Jhs, ebenso die halbmondförmigen Gürtelabschlüsse. Sie werden in den Quellen als „monden zu senkel“ benannt. Ich werde sie eher als kurz abschließenden „Ort“ bezeichnen, wie ein Gurt umfassendes „Ortblech“, im Gegensatz zum/zur länger herabhängenden „Senkel/Zunge“.






XV

-

XVI



Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

Doppeloval mit Befestigung aus Messing-/Bronze- oder Eisen-Blechen sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

[mglw. für den Handwerker/Söldner mit einfachem Halbmond-Ort [Bild wird folgen], für den besser situierten Bürger mit verziertem Senkel, siehe rechts]



XV_216a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (ca ab 40er Jahre)

und Senkel 4 x 2,5 cm (nach 1400)

montiert 89,00 EUR



Doppel geschliffen/Antwerp

XV_218a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (ca ab 40er Jahre)

und Senkel 4 x 2,5 cm (nach 1400)

montiert 89,00 EUR























ab hier neu sortieren:












XV



Handwerkergattin, Magd



lange trapezförmige Schnalle mit Zier

verwendet seit Anf XV. Jh



XV_130_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Trapezform (nach 1400) angenäht

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 49,00 EUR



XV_125_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (in Italien seit Ende XIV, in Dtld später)

und Senkel 3,5 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR










XV









Festtagsgürtel Bürgerin

[mit Spenglin]



XV_129_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

und Senkel 6,7 x 1 cm (nach 1400)

montiert 65,00 EUR

Spenglin „Nr.7026“ auf Anfrage



XV_135_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400 bis Ende XV)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh in Gebrauch)

montiert 75,00 EUR

Spenglin „Nr.7025“ auf Anfrage














XV


Bürgerin


Halbmond“-Ort an Frauengürteln

z.B. St. Sebalduskir. Nürnberg 1400c, hier Rottweil 1430c, Eichstätt 1449v, Nürnberg 1490c, Kalkar 1499c, Salzburg 1520c



kl. doppeltrapezförmige Schnalle

in der ausgeschwungenen Form an Frauengürteln in Salzburg 1430c, Brixen 1470, hier Konstanz 1488 [Fam. des angesehenen Malers F. Herlin]

in Doppeltrapez oder einfacher gerade Doppelschnalle auch an Schwertgurten oder als Rüstschnallen der Männer zu finden, siehe Anglers „Kalvarienberg“ Pina_München 1440, Eichstätt 1445c, St. Florian 1485, Schenk v Neideck St Blasius_Regensburg 1504

14 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Ort (nach 1400)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_155_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_156_me offen (Bild anklicken)

montiert 55,00 EUR



XV_160_me

12 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400 bis Ende XV)

und Senkel 8 x 0,8 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 59,00 EUR








XV


aufstrebende Bürgerin



Quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln bereits seit dem XIV. Jh gebräuchlich, z.B. Madonna in St. Jakob/Regensburg 1360c, Severikirche Erfurt 1365, Lauterbach 1370-80, Lorenzkapelle Rottweil 1375c, in Regensburg 1450c, hier Rottweil 1450c



XV_149_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 75,00 EUR



XV_150_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Senkel 6 x 1,5 cm (seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

montiert 75,00 EUR










XV




Unverziertes Schnallenblech für einfache Darstellungen, Spenglin für die etwas höhere Position und verziertes Blech für das gehobene Bürgertum.



kleine eckig trapezförmige Schnallen

an Frauengürteln hier in Regensburg 1450c oder Rottweil 1450c




XV_166_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit unverziertem Blech

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR

Spenglin „Nr.7020“ auf Anfrage



XV_165_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle und Senkel 4,3 x 1,1 cm (nach 1400)

montiert 75,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7022“ optional










XV





Gehobenes Bürgertum




Schnalle mit gegossener Befestigung und Dekor

ähnlich in Salzburg 1470c, Wien 1495v



XV_140_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (bereits seit Ende XIV. Jh nachweisbar)

und Senkel 3 x 2 cm (nach 1400)

momentan nicht lieferbar

Spenglin „Nr.7001“ optional



XV_180_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (1450)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm (nach 1400)

montiert 79,00 EUR








XV


Bürger und Bürgerin mit aufwändigem Ort (Zunge), Handwerker und Söldner besser einfache Variante



große eckig trapezförmige Schnalle

an Männergürteln auf Abb aus Nordwestdtld 1410-20, Metz 1400c, Ebstorf 1410c, Eichstätt 1415c, Sattlerabb. im Hausbuch der 12brüderstiftung Nürnberg 1425, Feltre 1473

an Frauengürteln in Ulm 1450c



XV_190_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm (nach 1400)

montiert 99,00 EUR



XIV-XV_35_eisstzi

30-35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 89,00 EUR








XV


Handwerker, Scherge, Söldner



an Männergürteln „Wurzacher Altar“ 1437, in Eichstaett 1445,


die Form konnte im Laufe des XV. Jh auch stärker „ausschwingen“



XV_101_eisstzi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_102_eisstzi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR










XV



Handwerker, Scherge, Söldner



grosse eckige Doppelschnalle an Männergürteln in Straßburg 1420-30, „Wurzacher Altar“ 1437, Eichstaett 1445 (Bild)


an Frauengürteln in Lübeck 1400, Salzburg 1408, Polen ohne Ort 1415v, Niederbayern ohne Ort 1440, Marburg 1470c, Bern 1500n




XV_102_eisstzi und Blech mit Schweif

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR



die Form konnte im Laufe des XV. Jh stärker „ausschwingen“

XV_100_zi

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400) angenäht

und Senkel halbrund 3 x 3 cm (nach 1400)

montiert 69,00 EUR

Lochspenglin „Nr. 3014“ optional

z.B. Bürgerdarstellung der Stadt Strassburg von 1420-30








XV



Handwerker, Scherge, Söldner



Bleche mit gerader Kante finden sich sehr häufig. Es wurden Schnallen mit einfachen D-Formen oder eckige und rundliche Doppel-Schnallen gesetzt. Manchmal finden wir Metallkombinationen, wie bei dieser Schnalle aus einer Kupferlegierung mit hellem Eisen-/Stahlblech und Eisendorn, London Nr. 457, 1350-1400, alles war verzinnt. [Die Öse ist interessant und verweist auf einen militärischen Nutzen, mglw. urspl. zum Einhängen des Schwertschleppriemens]



XV_101_eisstzi und Blech gerade Kante

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_103_eisstzi

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 65,00 EUR








XV



Handwerker, Scherge, Söldner





Flach geschweifte Wellenformen mit Einschnitt bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow.



XV_20_eisst

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_30_eisst

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR




1440-45 Znaimer Altar mit Kreuzigung im Stil des „gemalten Reliefs“, Centurio mit Gürtel-Riemenschieber











Quellen und weiterführende Literatur:

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Husty, P. u. Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Jerchel, H.: Spätmittelalterliche Buchmalereien am Oberlauf d. Rheins, in: Oberrhein. Kunst. Jahrbuch d. oberrhein. Museen V, Freiburg 1932.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Böhlau Verlag 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u. spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H. (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Sonderausgabe Graz-Wien-Köln 1996.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Musper, H.Th.: Altdeutsche Malerei, Köln 1970.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.

- Wöllenstein, H.: Von Angesicht zu Angesicht. Der Wildunger Altar des Conrad von Soest, Kassel 2003.

- Zehnder, F.G. (Hrsg.): Stefan Lochner. Meister zu Köln. Herkunft-Werke-Wirkung, Katalog zur Ausst. Wallraf-Richartz-Mus, Köln 1993.










V-VIII. / IX-XI. / XI-XIII. / XIII-XIV. / XIV. / XV. / XVI-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Jerchel, Spätmittelalterliche Buchmalereien, S. 18 51. So werden auch illuminierte Nonnenarbeiten erwähnt, die aber wohl das Niveau der bekannten Illustratoren nicht erreichten und ähnlich wie die Nadelarbeiten als „kreativer Zeitvertreib“ angesehen werden, siehe ebenda S. 43, Fußnote 72. Interessant ist auch der Hinweis auf den Schuhmacher (!) Jocop Leistemacher aus dem elsässischen Schlettstadt, der dort 1430 eine Papierhandschrift erstellte, die illuminiert wurde, ebenda S. 47 und 79: „dis buch vart volbraht un us-geschribe von mir jocop Leistemache´ ein schumacher zu sletzstat uff sonnedag stüge zwischent der stude sechs un sübenen all´nehst nach bartholomei in de´jor do ma zalt vo ds gebuts xpt tusentvierhundert u XXX ior chedencket durch got.“

2/Diese Bilder dienten als Altarretabeln hinter den Altären als große klappbare hölzerne Bildtafeln („Tafelmalerei“), auch auf leder- und leinwandbezogene Tafeln wurde gemalt, mit biblischen Szenen oder Themen nach der „Legenda Aurea“ auf Außen- und Innenseiten. Sie wurden, wie andere Ausstattungsstücke der Kirche, meist von Privatpersonen oder Gemeinschaften, wie den Zünften, gestiftet. Oft verbergen sich die Stifter hinter den Wappen auf den Bildrändern, die aber leider nicht immer zu identifizieren sind. Im HMA stammten die Stifter fast ausschließlich aus den klerikalen und adeligen Schichten, auch im SMA waren ranghohe und kapitalkräftige Geistliche die Hauptauftraggeber, aber es kamen nun hochrangige Personen aus profan-bürgerlichem Umfeld dazu. Die Stiftungen waren Zeichen des Standesbewußtseins und Repräsentationswillen, aber auch Ausdruck schierer Angst um die eigene Seele. Durch gute Werke erhoffte man sich eine Verringerung der Sündenstrafen, es war eine Art Geschäft. Stiftungen waren oft mit Messen verbunden, die nach dem Tod des Stifters für dessen Seelenheil abgehalten werden sollten. Darüber wachte u.a. der Stadtrat, siehe „Memorienbuch“ um 1500 im Stadtarchiv Hildesheim mit den Eintragungen der Seelenmessen für die Stifter. Retabeln dienten der privaten und öffentlichen Andacht und sind manchmal heute noch an Ort und Stelle. Oft wanderten sie nach der Säkularisierung aber auch in diverse Sammlungen, leider manchmal vollkommen auseinander gerissen. Für Darsteller des XV. Jhs können sie, mit gewissen Einschränkungen, ein mögliche Quelle für die zeitliche Orientierung sein, regionale Bezüge wären allerdings eingeschränkt, wenn das Retabel, wie so oft, einen weiten Weg zwischen Werkstatt und Aufstellort hinter sich hatte! Man geht davon aus, daß junge Malergesellen während ihrer Wanderjahre bestimmte Motive, Kompositionen und Techniken in den unterschiedlichen Werkstätten gesehen, erlernt und später kopiert haben und sie sich so einen Motivfundus aneigneten [siehe hierzu auch das Wiener Musterbuch aus dem 1. Viertel des XV. Jhs.]. Eine Reise in die Niederen Lande war für viele obligatorisch. Möglicherweise veranlassten Auftraggeber Künstler zu Reisen, um berühmte Kunstwerke bewußt zu kopieren und selbst den Genuß der Betrachtung zu erlangen oder sich im Besitz von Gleichwertigem zu rühmen. Diese Motive wurden als Reminiszenz vielfach tradiert über diverse Werkstätten weitergegeben. So ist erklärbar, daß sich Bilder in der Komposition, manchmal auch nur in Details, über grosse Distanzen ähnelten oder bestimmte Protagonisten in ihrer Darstellung gleich einem Kanon festgelegt wurden. Beabsichtigt und erleichtert wurde die genaue Identifizierbarkeit der Protagonisten durch bestimmte Farben oder personenbezogene Attribute. In einer Zeit hohen Analphabetentums erstaunt dieses, seit Jahrhunderten ausgeübte, probate Mittel natürlich nicht [Borchert, Van Eyck bis Dürer, S. 13ff].

3/Lange Zeit wurde der Kleidung der Heiligen durch die Künstler keine grosse Aufmerksamkeit geschenkt und sie eher antikisierend dargestellt [Ars Sacra, S. 131]. Seit Beginn des XV. Jhs änderte sich das und die Kleidung der Protagonisten wurde modisch und textilaufwändig, bei überliefertem höheren sozialen Stand auch recht prunkvoll. Die Technik des plastischen Aufmodellierens mit Füllmasse war bereits etwas älter. Auch Arbeiten mit Punze und Stichel auf dem Grund sind üblich gewesen. Symmetrien wurden durch Schablonen und Einsatz des Zirkels erzeugt. Dadurch sind Accessoires, bsplw. mit zusätzlichen Versilberungen oder Vergoldungen, besonders hervorgehoben worden, um die Bedeutung ihrer Träger zu erhöhen. An den Gewändern wurde Goldbrokat imitiert, bei Tafelbildern durch Bemalungen oder Preßbrokaten und bei Skulpturen teilweise durch Schnitzwerk. Deren Gewänder konnten auch durch Preßbrokate, auf Modeln mit Werg in Zinnfolie hergestellt, beklebt werden. [Techniken siehe Publikationen des Landesmuseums Württemberg zu den mittelalterlichen Skulpturen und Ausstellung im Stadtmuseum Ulm_2015]

4/Zeitgenössische dt Chronik, Zitat aus Thiel, Geschichte des Kostüms, S. 149

5/Limburger Chronik 1389: „Auch führten Ritter, Knechte und Burger lange Schecken und Scheckenröcke geschlitzet hinten und neben, mit großen weiten Armen, und die Prischen an den Armen hatte eine halbe Elle und mehr. Das hing den Leuten über die Hände. Wann man wollte schlug man sie auf...fürder trugen die Manne Arme an Wamsen, an Schopen und an anderer Kleidung, die hatten Stauchen beinah bis auf die Erden, und wer die allerlängsten trug, der war ein Mann. Die Frauen trugen behemsche Kogeln, die gingan da in diesen Landen. Die Kogeln stürzete ein Fraue über ihr Haupt, und stunden ihn vorn auf zu Berge über dem Haupte, als man die Heiligen malet mit Diademanten (Heiligenscheine).“ [zitiert aus Parler III, S. 138]

6/Der Bürger ist streng genommen Grundstückseigentümer in einer Stadt und keineswegs nur Einwohner derselben – diese Unterscheidung wird von Darstellern oft nicht vorgenommen. Man vermutet, daß in spätmittelalterlichen Städten maximal ein Drittel der Einwohner „Bürger“, mit Eintrag in die Bürgerrolle waren, der überwiegende andere Teil arbeitete dort als Geselle, verdingte sich als Magd, Knecht oder Tagelöhner, das waren keine Bürger. Aber man konnte sich „Hochschlafen“. Denn manche (Zweck-)Heirat hatte die Aufnahme in die Bürgerrolle zur Folge. Der angesehene Maler Hans Schnatterpeck (1450c-1510c) war 1472 Bürger von Füssen. 1479 übersiedelte er von Sterzing nach Meran, wo er erst „Niedersitzer“ und 1492 „Bürger“ der Stadt wurde. Später war er Mitglied im Meraner Stadtrat. Nicht selten habe ich, der Kleidung nach, einen „Knecht/Kriegsknecht/Reisigen“ mit Nestelwams und Hose vor mir, der behauptet „Bürger“ zu sein. Mitnichten, denn sonst würde er nicht in Kleidung herumlaufen, die großflächig Leinen-Unterwäsche sehen läßt. Nur niedere soziale Schichten werden so abgebildet, bzw. Menschen bei starker körperlicher Betätigung. Die Abbildungen Talhoffers von 1467 stellen bsplw. Sondersituationen dar, mit Kämpfern zu Fuß ungegürtet in Nestelwams und Hose, wobei an den Ärmeln, unter der Achsel und im Brustbereich Unterwäsche hervorlugt. Im Kampf zu Roß werden hingegen Streiter, sozial über dem einfach Fußknecht stehend, meist mit gegürtetem Schwert, mit kurzer geschlossener Joppe dargestellt. Auf anderen Abbildungen sehen wir Bauern auf dem Feld und Handwerker in der Werkstatt, die sich bei anstrengender Arbeit mehr oder weniger der Oberbekleidung entledigen, auch bei Schanzarbeiten wird das üblich gewesen sein, denn im Feld gelten andere Regeln. Ungefähr ab Mitte und vor allem in der zweiten Hälfte des XV. Jhs ist es üblich, daß Knechte auf Passionsbildern deutlich Unterwäsche zeigen (bis in die 20er Jahre des XV. Jhs noch undenkbar). Sie leisten „schweißtreibende Arbeit“, beim Geisseln oder bei der Kreuzanheftung. Auf Bildern von Hans Hirtz („Karlsruher Passion“) 1440c und von Multscher um 1460 lugt Unterwäsche unter dem Wams deutlich hervor. Auf Abbildungen der Geissler von Baegert, Frueauf, Strigel, Schüchlin oder Altdorfer gegen oder um 1500 wird immer mehr gewagt. In allen Fällen haben wir Sondersituationen. Im Gegensatz zu Bauern oder Knechten zeigen „Bürger“, wie Handwerker, Kaufleute oder gar Patrizier, in der Öffentlichkeit und zu offiziellen Anläßen großflächig keine Unterwäsche. Denn das wäre äusserst unschicklich. Zumal Maler selbst nicht selten angesehene Bürger in den Städten waren, die oft hohe Ämter inne hatten, s.o. Sie mussten in ihren Bildern deutlich Konventionen wahren und konnten nur mit den „niederen Randfiguren“ über die Strenge schlagen, was sie dann wiederum gerne taten. In der 2. Hälfte des XV. Jhs begann auch die Bürgersfrau am tiefen Halsausschnitt und an den Ärmeln ein Stück des Untergewands zu zeigen. Der Adel, und durch ihn eingekleidete Höflinge, nahmen sich seit geraumer Weile die Freiheit heraus provokant den Brustlatz oder an den Ärmeln das weisse Hemd aus kostbaren Stoffen, wie Seide, zu präsentieren, siehe Bilder von Memling, Frueauf dem Älteren oder das berühmte adelige Liebespaar aus Gotha um 1480/85 mit „offener“ Bekleidung von Wams und Kleid, die viel Seide an Ärmeln, auf Brust und Brustlatz sehen läßt und mit „Gesperr“ geschlossen wird.

7/Scott, Kleidung und Mode, S. 108.

8/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.

9/Fingerlin, Gürtel, S. 33. mit dem Forschungsstand von 1971. Ihr Hauptbetrachtungsfeld lag auf Grabfunden und obertägig erhaltenen prunkvollen Gürtelvarianten. Dazu benutzte man selten Leder. Dünnere Riemen wurden im Mittelalter gefaltet oder schlauchförmig zusammengenäht, siehe auch Fragmente aus Leiden. Zaumzeug und stark belastete Lederstücke für Kriegs- oder Jagdzwecke wurden doppelt vernäht, siehe Beispiel des Rüst-Gürtels von der Churburg um 1400. Funde aus Schleswig zeigen auch deutliche Stichmuster im Leder, vermutlich wurden Fäden zur Zier eingefügt. Aus London und den heutigen Niederlanden gibt es Belege punzierter Lederfragmente, die teilweise Gürteln zuzuordnen sind. Punzierungen, bzw Stempelverzierungen wurden allerdings eher bei Messer- und Schwertscheiden vorgenommen, weniger bei Gürteln, bzw es sind erheblich mehr Scheidenfragmente erhalten! Im FMA und HMA konnten die Scheiden mit Steppereien, Ausstanzungen oder Relief- und Ritzverzierungen versehen sein, die Messerscheidenkanten wurden ab ca 1200 in Schleswig gefranst oder zipfelig gestaltet, zuweilen mit Metallbeschlägen meist aus Eisen versehen und vernietet (bis zum 11. Jh und im slaw Kulturraum auch aus Bronze), Lederschnitt und Punzierungen waren im HMA nicht häufig, aber möglich. Im SMA wurden aufwändige Lederbearbeitungen an Bucheinbänden, bezogenen Schachteln und Kästchen, Taschen oder Schwertscheiden meist im Lederschnittverfahren ausgeführt, Originale z.B. im Ledermuseum Offenbach. Für Gürtel gibt es auch dafür einige Belege, wie z.B. aus London oder Dordrecht.

10/Kritisch gilt anzumerken, daß die Maler der Illuminationen die Textausführung zur Jagd nicht eindeutig verstanden und exakt umgesetzt haben, scheinbar gab es Verständnisprobleme, da die meisten illuminierten Handschriften einige Jahre nach der Textausgabe und nach dem Tod des Autors erstellt wurden. So wurden Vereinfachungen vorgenommen, indem z.B. alle Jagdleiter zu Pferd, die immer von links nach rechts reiten (mglw. um mit Lesegewohnheit Geschwindigkeit anzudeuten, denn bei der Jagd ist dies ein nicht unerheblicher Faktor), ihre langen Schwerter auf der „falschen Seite“ also rechts tragen, damit ihre gehobene Stellung und ihr Mut zum Ausdruck kam. Denn es galt in Südwestfrkrch als besondere Geschicklichkeit den Wolf oder das Wildschwein mit dem Schwert zu erlegen, dazu mussten, wie beim Stierkampf, einstudierte Abwehrbewegungen geritten werden können. Die einfachen Jäger zu Fuß trugen eher kürzere Jagddolche, bzw -messer und in einem Fall einen Krummsäbel. Siehe Details Gaston Phoebus: Das Buch der Jagd MS M.1044 der Pierpont Morgan Library, New York. Kommentarband I, ab S. 51 Die Beschreibung der Miniaturen. Faksimile Verlag Luzern 2005.

11/Willemsen - Ernst, Hundreds of...Medieval Chic in Metal. Decorative mounts on belts a purses from the Low Countries, 1300-1600, S. 13. Die von den Autorinnen vorgenommene strenge Trennung der Materialien nach Orten, läßt sich allerdings anhand der Abbildungen in diesem Band nicht stützen.