V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"


Zur Einführung eine Zeitenwanderung: Er spuckte durch die Scharte hindurch in das Schneegestöber: „Gott sei Dank, heute ist Ruhetag. Bei dem Wetter werden sie die Stücke nicht spielen lassen“...-





Historischer Kontext ab 1450c:

Am 5. Januar 1477 fiel Karl, Herzog von Burgund, genannt „der Kühne“ in der Entsatzschlacht um Nancy. Die Gegner triumphierten und waren zahlreich, die Herzöge von Lothringen und Österreich, der Kaiser, Fürsten und Bischöfe im Reich, die Eidgenossen und vor allem der franz. König, seit Jahren mit Karl im Krieg. Frankreich stand dem Aufstieg des Hauses Burgund äusserst argwöhnisch gegenüber, welches unter geschickten Herzögen, durch Heirat und Diplomatie seinen Machtbereich erweiterte, gestützt auf die Städte der Oberen und vor allem die der reichen Niederen Lande. Karl hatte versucht die Lücke zwischen diesen beiden Räumen zu stopfen, sie zu vereinen, nicht durch Heirat, wie seine Vorgänger, sondern mit politischem und militärischem Druck. Ein Anspruch, der nur wenig Zustimmung fand, niemand war gewillt Burgund noch mehr Machtfülle einzuräumen. In Mode und Etikette war der burgundische Hof bereits führend und stilbildend, bemühte sich, in Antwerpen, Brügge oder Brüssel tagend, seine Führungsrolle auch dem aufstrebenden Bürgertum gegenüber zu wahren. Prunkvolle Ausstattung und durch Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise der Gewänder verliehen der burgundischen Mode eine Exklusivität, die man an anderen Fürstenhöfen nicht fand.1 Karl war es möglich für seine Feldzüge nach verlustreichen Schlachten innerhalb kürzester Zeit neue Armeen mit einer hohen Zahl berittener Söldner, mit Bognern und Handrohren, vielen Geschützen und tausenden von Wagen zusammen zu stellen. Eine sehr kostspielige Angelegenheit. Andere Fürsten zögerten lange, bis sie überhaupt Kontingente ins Feld brachten, versuchten jene dann möglichst nicht leichtfertig zu opfern, sondern als Druckmittel bei Verhandlungen zu verwenden. Der franz König Ludwig XI. investierte in die Diplomatie und schuf starke Koalitionen. Starrkopf Karl übersah diese Realitäten. Er schuf Bündnisse und nutzte sie nicht, verließ sich nur auf die eigenen Waffen. Zu den wichtigsten zählte nicht Geschützarsenal, Drill, Disziplin oder taktische Gliederung, das kannten andere Mächte auch und verstanden die Handhabung besser, sondern die Städte! Sie lieferten das Geld, die Grundlage jeglichen Handelns, bis heute. Das Potential der Niederen Lande war diesbzgl ungeheuer.

Die Gesellschaft im SMA hatte sich deutlich gewandelt. Der Aufschwung ist an steigenden Bevölkerungszahlen messbar. Die Einwohnerschaft auf Reichsgebiet hatte sich gegen Ende des Jhs gegenüber 1400 mit rd 15 Millionen Menschen nahezu verdoppelt. Die Zersiedelung des Landes erleichterte das Reisen mit das Ausweitung der Verkehrssysteme. Große Städte waren nicht nur Handelszentren, die sich europaweit vernetzten und neue Schichten begünstigten, welche die Vormacht des Adels mit Hilfe des Geldes brachen und das Primat der Kirche bezüglich der Bildung in Frage stellten, sondern gewaltige machtpolitische Gebilde. Kein Bericht der Zeit läßt ausser Acht, wie sehr sich Potentaten um die Städter bemühten, wie man auf deren Wohlwollen angewiesen war, wie stark Stadtrebellionen die Staaten erschütterten, wie sehr man um diese festen Plätze stritt. Hier traf man wichtige Entscheidungen, hier stiegen Fürstentümer oder fielen, hier saß das Geld, hier saß die wirkliche Macht!

Auf der anderen Seite begannen Städte sich in ihren Mauern einzuigeln und begünstigten durch den Zunftzwang eine Regionalisierung, welche noch Jahrhunderte die Wirtschaft lähmen sollte, so daß liberale Kräfte nach der Franz. Revolution den Befreiungsschlag fest zementierter mittelalterlicher Schranken erstrebten. Reformation und Calvinismus sollten an den Glaubensschranken rütteln, doch es fand nur eine Umdeutung statt. Noch war jeder vom Glauben dominiert. Er bangte um das Seelenheil und verstand die Erlangung dessen, wie alles in dieser Zeit, wie ein Geschäft. Das Mittelalter glaubte an ein Ende, es hatte ein „Verfallsdatum“. Es gab kein unbegrenztes Fortschreiten, sondern alles wirkte hin auf den letzten Tag und das „Jüngste Gericht“, dem sich jeder würde stellen müssen.

1450-1520

- Spätgotik -

Der „internationale Stil“ Burgunds aus den Niederen Landen

Musee de Cluny ParisAO, urspl Brüssel 1478n

Karl liebte es zu protzen und stach bei dem Treffen 1473 den Kaiser aus: „Die Burgunder verachteten das kleine Gefolge des Kaisers und die ärmlichen Kleider,...“ [BuiA, S. 247]

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, ws = Weißmetall, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Vermögende stifteten ihren Besitz für Kirchenerweiterungen, Kirchenschmuck, liturgische Gerätschaften, Altäre oder bemalte Altarretabel (zwei Drittel dieser erhaltenen Tafelbilder stammen in Dtld aus der Zeit nach 1450). Sie sind eine faszinierende Quelle. Soziale Hierarchien und Funktionsträger wurden durch die Kleidung kenntlich. In Details gewähren sie uns Einblicke in den Alltag. Es gab unverzichtbare Bildelemente, z.B. Fackeln oder Laternen in der „Gethesmane-Szene“, um die nächtliche Handlung zu suggerieren. Schergen benötigten beim „Kindermord“, bei der „Gefangennahme“ oder als „Grabwächter“ Waffen, die Könige bei der „Anbetung“ Kronen oder Herrschaftszeichen und selbstverständlich die Geschenke in unterschiedlichen Gefässen. Es ist interessant zu beobachten, wie diese Gegenstände ihr Aussehen im Laufe der Zeit wandelten. Bekleidungselemente bekamen stark orientalisierende Noten, aus den Kronen wurden geschmückte Turbane, die Klingen der Waffen wurden zu Krummschwertern. Gegen Ende des Jhs entwickelte sich der Kleidungsstil auf den Bildern, vor allem der unterer Chargen, extrem expressiv und ausdrucksstark, dafür gibt es erklärbare politische Hintergründe. Es ist allerdings fraglich Mode und Ausstattung der Bilder ausschließlich als Spiegel des Alltags aufzufassen, um sie dem damaligen Betrachter erfahrbarer zu machen, denn sie veranschaulichen nicht unerheblich die Vorstellungswelt des Mittelalters. Die Spannweite scheint groß und umfasst mglw auch bisher weniger beachtete Richtungen, dazu siehe Exkurs 9: Tafelbild und Aufführung


1450-1520:

1. Quellen

2. Mode in der zweiten Hälfte des XV. Jhs

3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

4a Gürtelformen des einfachen Volkes

4b Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes (D-E)

___Exkurs 9: Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle

5. Spezielle Renaissance Formen ab 1500

6. Ausblick in die Neuzeit


1. Quellen für die zweite Hälfte des XV. Jhs (oder wie „international“ waren Malstil und Mode?):

Mit den neuen Formen der Volksfrömmigkeit devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, hatte sich seit den 1430er Jahren in der Tafelbildmalerei die neue Ölfarben-Technik mit hoher Leuchtkraft der Farben durchgesetzt, die ars nova, aus den Niederen Landen kommend (Meister von Flemalle, H. und J. van Eyk, R. vd Weyden, u.a.). Sie verblüffte mit einer gesteigerten Realitätsnähe durch perspektivisch getreue Landschaft und plastisch gestaltete Sachkultur und Interieurs, wie Leuchter, Möbel, Inventare, Kannen, Keramik, etc. Diese wurden detailliert erfasst und gewähren uns durchaus Einblicke in die Alltagskultur, die über das hinausgehen, was in den vorherigen Jahrhunderten geleistet wurde. Hinzu thematisierte man nicht nur die Mode mit Gewändern, Stoffen und Schmuckaccessoires, sondern vollkommen neu natürliche Erscheinungen, wie Luftblasen auf dem Wasser, Lichtspiegelungen, Details mit Gestrüpp in den Mauerritzen, Gewächse am Wegrand oder Falten im Gesicht der Protagonisten. So gelang es in den Bildern trotz altbekannter Themen immer wieder Neues mit individueller Note auszudrücken. Der gesteigerte Realismus wird als eine Art Gotteserkenntnis in den Erscheinungen der Natur angesehen, war aber vielmehr Ausdruck der veränderten Machtstrukturen vom Adel hin zum Bürger, der wirtschaflich und politisch erstarkt sein Lebensumfeld dargestellt wissen wollte. Schließlich bezahlte er vielfach die neuen Kunstwerke, bzw stiftete sie als gottgefälliges Werk für die Kirchenausstattung. Neben tradierten Requisiten in den Geburts-, Passions- und Kreuzigungszenen als zeitgenössische Bestandteile, muten allerdings, wie bereits erwähnt, gewisse Details fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Verzerrung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem europäischen Alltag zurechnen würde.

Erhaltene Tafelbilder gelten in der Regel als Gradmesser zur Mode dieser Zeit. Über das Rheinland verbreitete sich der niederländische Stil in das Reichsgebiet, danach wurde die Mode im Westen des Reichs schneller aufgenommen als im Osten. Exemplarisch für den „angeblich rückständigen Osten“ stehe der Meister des Schottenaltars in Wien mit seinem Altarretabel vor 1470. Jener verarbeitete die Innovationen der altniederländischen Meister Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Derik Bouts mit einer Vorliebe für überzierliche und schlanke Formen. Neben der burg. Mode wirkte im Osten seit geraumer Weile ein ungarischer Stil und im Süden des Reiches traditionell auch die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernahm. Auch solche Forschungsaussagen werden meist nur aufgrund der Bilder als Quelle gemacht. Darsteller für den Adel, das Stadtpatriziat und den betuchten Bürger werden sich mglw. an den naturalistischen Porträts solventer Auftraggeber (ausgeführt bsplw. durch H. Memling oder R. van der Weyden), mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen. Hier ist sicher gestellt, daß die Kleidung zeit- und wohl auch ortsgemäß ist, denn niemand läßt sich in unmodischer Gewandung am Heimatort porträtieren, ganz im Gegenteil.

Doch was zeigen die Tafelbilder? Welche Mode dokumentiert sich dort? Vermutlich doch diejenige am Ort des Malers mit seinem persönlichen Umfeld, welches auf das Werk einwirkte (Modell stehen, etc) und weniger die Mode am Ort der Aufstellung des Tafelbilds. Erstellung und Aufstellung war nämlich nicht unbedingt identisch, auch die Mode muss nicht identisch sein. Denn über alle Jahrhunderte drücken Schriftquellen aus, daß man sich gerne über das Äußere des Nachbarn mokierte. Mode scheint also, wie Tracht sehr starke regionale Bezüge zu haben, da sie Identität stiftend ist. Die „Internationalität“ ist möglichweise ein modernes Konstrukt. Bezüglich der Tafelbilder stellt sich die Frage der „Ortstreue“, wenn der Herstellungsort des Bildes und damit der Einfluß des unmittelbar darauf wirkenden Umfeldes hunderte von Kilometern vom Aufstellort des Bildes entfernt lag, wenn bsplw ein flanderischer Schnitzaltar von Mechelen bis nach Danzig gelangte. Altarretabel aus Ulmer Werkstätten wurden im XV. Jh in weite Fernen geliefert, wie die des Hans Multscher bis ins, durch den Silberabbau reiche, Sterzing/Tirol am Brenner oder Jörg Lederers von Kaufbeuren bis jenseits des Reschen. Grosse vergoldete, figurenreich geschitzte Retabel aus Antwerpen waren bis in das XVI. Jh wahre „Exportschlager“ und fanden im Rheinland oder Westfalen Aufstellung, siehe z.B. heute im Kölner Dom, in der Nicolaikirche in Bielefeld oder das „Goldene Wunder“ in der Petrikirche Dortmund.2

Gegenüber solchen Gedankenspielen ist es ganz dankbar, wenn sich manche Maler in ihrer Bildfindung und in den Details deutlich vom zeitgenössischen Umfeld entfernten, wie bsplw. Meister Francke in seiner „Auferstehung“, heute Kunsthalle Hamburg von 1430. Die schlafenden Wächter tragen Rüstungen, die in der künstlerischen Darstellung seit dem XII. Jh einen langen Entwicklungsweg von realistisch einfach, denn es sind Schergen als Wächter, bis zu prunkvoll und vornehm hinter sich haben. Von Meister Francke werden sie vollends in eine „ferne orientalische Welt“ überführt mit fantastischen Rüstungs- und Kleidungsdetails, die definitiv nicht zum westeurop. Alltag gehörten. Beim Zugriff auf diese Quellen sollte der Reenacter Vorsicht bzgl der eigenen Darstellung walten lassen, sonst stellt er nicht einen Gerüsteten des XV. Jhs in Norddeutschland dar, sondern das Bild eines Gerüsteten in der Vorstellung des mittelalterlichen Malers oder Bildhauers bezogen auf eine Geschichte, die sich vor eineinhalb Jahrtausenden im östlichen Mittelmeerraum abgespielt hat.

Gerade das XV. Jh arbeitete mit subtilen Mitteln. Lukas Moser [Urheberschaft zuweilen angezweifelt] vergegenwärtigte auf dem Altarretabel von Tiefenbronn 1431 die Legende der wundersamen Reise einer kleinen Gruppe, darunter Maria Magdalena und Lazarus nach Marseille. Die Stadt ist in heidnischer Hand (kann also nur „spätantik römisch“ vor der Christianisierung meinen) und die Reisenden finden kein Obdach. Nach der Legende nächtigen sie unter dem Dach eines Heidentempels im Hafenbereich, der bei Moser ausschaut wie die Hafenmole selbst. Nichts an der Szenerie wirkt eigentlich heidnisch fremd, aber um die „Heidenstadt“ auszudrücken bekommt der zeitgenössisch anmutende Kirchturm über dem Fachwerkbau im Hintergrund einfach einen Halbmond aufgepflanzt.

Nach wie vor nehmen Kleiderordnungen für uns einen hohen Stellenwert als Quelle ein. Eine Verordnung aus Straßburg von 1471 schrieb den Mägden vor kein Pelzwerk zu tragen und einfache Schürzen von „mißfarbenem“ Stoff. Bunte und farbenfrohe Schürzen durften erst Handwerkgattinnen aufwärts schmücken. Jenen waren einfache Pelzarten erlaubt, teure Sorten von Nerz, Zobel, Otter oder Luchs wurde ihnen untersagt. Die Brustausschnitte durften nicht zu gewagt sein. „Hübschlerinnen“, auch „freien Töchter“ oder „Fensterhennen“ genannt, durften Mäntel tragen mit einer Länge drei Finger breit über dem Boden, aber weder mit Seide, noch Feh gefüttert. Auch goldene Spangen, goldene Gürtel, mit Koralle oder Chalcedon im Wert von 50 (fl) Gulden war ihnen verboten [umgerechnet ein enormer Wert von rd 12.000 Hellern oder zwei kriegstauglichen Rößern, also keine normalen Pferde, oder das Jahreseinkommen eines Universitätsprofessors !), siehe Ständegesellschaft. Es sollte der Unterschied zu ehrbaren Frauen der gehobenen Schichten deutlich aufgezeigt werden, also war es letzteren wohl im gewissen Maß erlaubt?! Aber wer war die „ehrbare Frau“? Zum höheren Bürgertum ein paar Zahlen aus Augsburg um 1500: Die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern wies nicht ganz 2% Anteil auf, die mehr als 3000 Gulden und fast 1% Anteil, die mehr als 10.000 fl Vermögen besaßen, also insgesamt maximal 200 bis 400 Personen.3 Die oben erwähnte Straßburger Verordnung nimmt Bezug auf männliche Jugendliche der höheren Gesellschaft, daß es nur jenen erlaubt sei Wämser zu tragen, die das (seidene) Hemd offen auf der Brust zeigten. Handwerker durften dies nicht, schon mal gar nicht aus Seide, auch nicht aus edlem Tuch, welches man aufgrund der Webart „Scharlach“ nannte. Erst die Schweizer Bilderchroniken , siehe z.B. Luzerner Schilling von 1513, zeigen diese Mode bei unteren Schichten. Auch der farbige Vorstoß am Hosenschlitz war jenen zunächst nicht gestattet, nur fremden Landsknechten in Sold. Es schwand im Laufe des XV. Jhs der Wert der Kleiderordnungen, sofern sie überhaupt jemals sinnvoll gegriffen hatten, dessen war sich die Obrigkeit bewusst, da Mode durch Erlasse einfach nicht zu regulieren war und zu sehr soziales Prestige mit ihr verbunden wurde. Viele Magistrate fanden diesbzgl moderate und gangbare Wege, ohne den Frieden in der Stadt zu gefährden. Andere, wie in Nürnberg mit einem regiden Stadtrat, erfanden perfide Spitzelsysteme, die noch bis weit ins XVI. Jh wirken sollten.






In Westeuropa haben wir eine hohe Zahl erhaltener Buchilluminationen in Handschriften auf Pergament. Das Reichsgebiet weist geringere Zahlen auf, aber es kommen erheblich einfacher bebilderte Handschriften auf Papier hinzu [siehe Quellen 1. Hälfte XV. Jh.-Seite.]. Deren Bilder, als eine Form der „Gebrauchskunst“, oft mit Feder und lavierendem Pinsel erstellt, zuweilen mit Deckfarben, war deshalb in Farbigkeit und Detailfülle nicht mit denen der berühmten Prachthandschriften vergleichbar, zumal Pergament, also Tierhaut, eine andere Farbigkeit zuläßt und höhere Beständigkeit hat. In den Städten organisierten sich Autoren und Illustratoren und es entstanden überregional bekannte Werkstätten, siehe Diebold Lauber in Hagenau, welcher sich auch mit der Drucktechnik einen Namen machen sollte. Gedruckt wurde schon seit Jahrhunderten, allerdings Ornamente auf Stoff, um kostbare Webmuster nachzuahmen [Rekonstruktionsbeispiele bei uns am Marktstand]. Man benutzte dazu große Holzstempel. Neuartig war der „erzählende“ Holzschnitt, also die bildnerische Darstellung. So wurde die technische Reproduzierbarkeit von Graphik möglich, bereits vor dem Druck der Schrift mit beweglichen Lettern. Das vermehrt in Gebrauch kommende Papier hätte einer grösseren Sorgfalt bedurft, um es für die Nachwelt zu erhalten, so ist anzunehmen, daß ein großer Teil der frühen Drucke verloren ist. Erhaltene Holzschnitte stellen, stärker noch als bei den Federzeichnungen, inhaltlich eine grobe Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar. Details, die auf gemalten Abbildungen sichtbar sind, werden hier bewußt weg gelassen. Erst in der zweiten Hälfte des XV. Jhs sollten Kupferstiche und Radierungen höhere Detailfreudigkeit erreichen. Eine interessante Quelle können auch die neuartigen Spielkarten darstellen, denn hier vollzogen sich ähnliche Entwicklungsschritte von exklusiven Sets zur gedruckten Massenware. In Süddtld wurden für die Karten erstmalig Holzschnitte verwendet und dort entstanden Zentren der Herstellung, wie z.B. in Augsburg. Selbst bekannte Werkstätten, siehe Konrad Witz in Basel, fertigten Motive für diese Art Gebrauchskunst. Auch Hafner-Ware, wie figurierte Keramik oder Ofenkacheln mit Motiven aus den Heizanlagen begüterter Häuser zählt zu dieser Kategorie und kann u.U. als Quelle herangezogen werden.


XV_02 Dame u Einhorn rot oder blau (Detailbild) 55 x 90 cm







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XV_04 Dame u Einhorn blau 55 x 90 cm










2. Mode ab 1450c (höfische u hochbürgerliche Formen):

Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht und Unmäßigkeit gleich geschehen“ [zitiert aus GdK, S. 149]

Die Repräsentationsgewandung oberer Schichten, der „gestandenen Herren“ war bei offiziellen Anlässen in der Regel knie- oder bodenlang. Nur die jüngeren Zeitgenossen und vor allem höfische Szenen mit Pagen zeigten kurze Übergewandungen, hierzu konnten in Italien u Frkrch kurze Stoffgürtel getragen werden, die wohl durch ein Bindesystem oder Schnallen auf dem Rücken geschlossen wurden. Italien ging in vielen Bereichen einen Sonderweg und folgte der burg. Mode nur bedingt. Die Houppelande fand als Abwandlung mit der schmaler geschnittenen bodenlangen Zimarra ihren Eingang. Sonderformen waren die Giornata, ein an der Seite offener kurzer faltenreicher Überwurf, gleich einem Tappert oder die kurze geschlossene Geornea. Diese Bekleidung findet man in der Malerei der ital Frührenaissance als Bestandteil der höfischen Mode, obwohl sich das Bürgertum in Italien einen hohen Status erkämpft hatte und die kurzen Gewänder am Hof als Reflex auf die "arbeitende Bevölkerung" gewertet werden, lief der gestandene Bürger damit nicht einher. Seine Kleidung war boden-, oder knielang. Neben recht pompösen Kopfbedeckungen des Adels, begnügte sich der Bürger meist mit einer „fezartigen“ Kappe. Wichtig war grundsätzlich die Stoffqualität und die Musterung, denn in beiden Fällen war Italien führend, Mode dominierend und ital. Formen begannen ihren Weg über die Alpen zu finden. Gürtel hatten bei der geschlossenen und engen Oberbekleidung keinen hohen Stellenwert, denn sie rafften den Stoff ja nicht, zeigten keine Überlängen und wurden meist recht kurz getragen. Ein wichtiges Element des bürgerlichen Bewußtseins war die Kleidung in Stadtfarben, auffällig und expressiv bunt, das betraf die unteren Chargen, das Gefolge der Herren oder Stadtbedienstete, siehe unten.

In unseren Breiten hatte der Adel und Stadtadel, die Patrizier, die Zaddelung der Kleidung durch Pelzbesatz ersetzt. Ratsherren trugen die pelzbesetzte Schaube (siehe z.B. Bilder von Baegert). Der Gesamteindruck veränderte sich, nach den eher breiten Formen der 1. Hälfte des XV. Jhs trat schon vor der Jahrhundertmitte wieder das Schönheitsideal des XIV. Jhs mit schlanken, spitzen und eng anliegenden Formen auf. Diese wurden gegen Ende des Jhs und im XVI. Jh durch die Einflüße der ital. Rennaissance abgelöst mit Formen, welche die Horizontale betonten. Ein Kontrast bietet die Werktagskleidung der niederen Adeligen „Osanna und Jörg von Rosenberg“ auf den Reliefplatten der Burg Boxberg (Main-Tauber-Kreis) nach 1493, heute im Landesmuseum Karlsruhe. Anstatt einer aufwändigen Grabplattengewandung tragen beide hier Alltagskleidung. Sie hat eine Feldflasche im Arm und auch er scheint eher zur Feldarbeit, bzw. zur Inspektion auf dem Feld, vorbereitet zu sein. Sein Rock ist recht einfach gehalten und reicht bis zum Knie [BLK, S. 120].

Das gehobene Bürgertum hatte viele Modesitten des burgund. Hofes, dessen kulturelle Vormachtstellung seit 1477 brach, adaptiert. Statt den Ärmeln Aufmerksamkeit zu widmen, waren es zuletzt die stark ausgepolsterten Schulterpartien, die Mahoitres, und statt den bunten Farben zu Beginn des Jhs waren es zunehmend gedeckte Farben, bis hin zum erhabenen Schwarz. Die hochbürgerliche Frau trug entweder die Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burg. Vorbild mit einem sehr breiten kurzen (bekanntes Bspl. siehe die bürgerliche Stifterin auf Memlings Christopherustriptychon von 1484) oder nach italienischer Mode mit einem schmalen längeren Stoffgürtel [MS, S. 152]. Die Schnallen konnten vorne oder auf dem Rücken schließen. Aber zunehmend setzten sich einfachere Formen durch. Der Hauptaugenmerk lag wohl auf der Stoffqualität, zumindest machte es den Malern Freude entsprechende Qualitäten zu visualisieren oder den Bildhauern durch Faltenwurf Körper und Haltung lebensecht nachzubilden. Die Jugend trug schmale Stoff- oder Ledergürtel, manchmal kurz ohne erkennbare Zunge, manchmal mit geringer Überlänge. Der Adel bevorzugte als Zungen Varianten mit Scharnierkonstruktionen, kurzen Kettenstücken oder Anhängern. Genauso häufig waren aber auch nach wie vor Bindegürtel aus Stoff, nicht nur bei Darstellungen der Hl. Elisabeth! Neben den „Kettengürteln“ als Stoff-Metall-Kombinationen fanden sich auch einfache Formen bei den betuchten Bürgern und wurden vornehmlich von Frauen getragen. Die Vollmetallgürtel der Männer, z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln abgebildet, finden sich in dieser Zeit noch nicht in der Frauenmode und sind zum größten Teil erst im XVI. Jh aus der männlichen in die weibliche Mode in filigraneren Ausfertigungen übernommen worden. Frauen der gehobenen Schichten bevorzugte bis dahin Stoff-Metall-Kombination mit kurzen Kettenstücken als „Zungenteil“. Beschläge sind beim Bürgertum in einigen Fällen nachweisbar, aber keineswegs die Regel, Beispiele siehe Bürger- oder Adelsfrau (?) auf franz Ms_XXVIII von 1469c, auf Schottenstifttafeln Wien von 1470, Maria Magdalena [Adel] auf Baegerts Kalvarienberg in Dmund von 1476, Konstanzer Bürgerfrauen von 1488 oder Wolgemuts Altarbild in der Frauenkirche Nürnberg von 1490c.


XV_05 Einhorn 85 x 65 cm













Als Sonderaktion wegen der Marktausfälle wären die Gobelins zu beziehen über...Bild anklicken (Angaben Höhe x Breite)

XV_05 Löwe 85 x 65 cm






3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

gedacht für Bürger mit Eintrag in Bürgerrolle, höherem Steueraufkommen und Grundbesitz in der Stadt, die man dem Patriziat zurechnen würde (A.1), weiter Amtsleute in gehobenen Positionen (A.2 u B.1), ratsfähige Fern- und Großkaufleute (B.2), Zunftmeister exklusiver Gewerke (B.3) und einfache Dienstmannen (C). Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung höheren Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber ist möglich, zu den Kategorien A-C im Detail siehe: Ständegesellschaft.

Falls keine Spenglin abgebildet wurden, sind sie in der Kategorie A üblich, in B möglich, in C als Dornlochösen, in begrenzter Stückzahl, möglich. Als Gürtelabschluß einschliesslich B.2 eher aufwändig gegossene Zungen und für B.3 und C einfache Ortbleche oder Halbmonde, manchmal mit Ösen zum Einhängen von kurzen Kettenstücken.

Demi ceint mit etwas grösserem Medaillonbeschlag zweite Hälfte XV. Jh in der Frauenmode (A.1/A.2), siehe Abb. aus Paris oben, umgangssprachlich „Kettengürtel“ wurden bislang einige erstellt, tauchen aber auf diesen Seiten nicht auf, da seltene Stücke, bitte spezielles Angebot anfordern. Auch die gehobene Männerwelt nutzte den demi ceint entweder mit kurzer Abschluss- oder Verbindungskette, dafür wären die Ortabschlüsse mit Ösen geeignet.







B

(A)


-

obere MITTELSCHICHT



Der Adel (A.1 und A.2) verwendete aufwändigere Formen mit durchbrochenen Zierblechen und falls Messing, dann vergoldet. In der Regel wurden diese Kombinationen von Frauen getragen. Auf der berühmten „Anbetung“ siehe Kathedrale St. Bavo/Gent der Brüder van Eyck von 1432 gibt es allerdings einen männlichen Träger. Auch das „Mauritiusschwert“ hatte diese breite Form als Gurtschließe.

Diese Gürtelformen im burgundischen Stil hielten sich bis in die ersten Jahrzehnte des XVI. Jhs, wurde teilweise auf dem Rücken geschlossen, um dem Stoffband mehr Geltung zu verleihen.

[hier provisorisch an ein Stück Leder gefügt, im Original wäre es Stoff]



XV_500a_me

50 mm Breite für einen gewebten Stoffgütel

Hohe Bogenschnalle mit Dreipaß- und Ortblech, Lochspenglin optional, Veredlung in Gold und Silber auf Anfrage







B

-

obere MITTELSCHICHT



Die grossen runden Schnallen kommen in der ersten Hälfte des XV. Jhs auf und halten sich als „bürgerliche Variante“ bis in das XVI. Jahrhundert. An Männergürteln gehobener Schichten häufig im künstl. Schaffen D. Baegerts z.B. in Kalkar „Hl Sippe“ 1493v, „edler Jakobus“ 1503, „Schöffen“ Wesel 1494, Italien o. Ort 1503 und „Hptm“ von G_David Brügge 1515

Quelle Schnalle: Ross Whitehead

auf Abbildungen werden sie recht hell glänzend dargestellt, Veredlung in Silber auf Anfrage



XV_206a_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und verzierter Halbmondort 3,5 x 3 cm

montiert 99,00 EUR



XV_206b_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[Verbindungskette für demi ceint möglich]







B

-

obere MITTELSCHICHT

Bogenschnallen siehe Hortfunde aus London 1440c, „Koenig“ auf „Dreikönigsaltar“ 1455 MünchenAO, „ Hl Georg“ von H. Multscher in Sterzing vor 1460, „Josef v Arimathea“ auf „Hofer Altar“ 1465

Schwierig davon zu unterscheiden sind grössere Leierschnallen (siehe Buchill. am Hof Karl VII 1461n), wenn Teile verdeckt sind, denn der Dornrastbereich ist ähnlich leicht eingezogen.

Deutlich größerer Durchlaßbreiten zeigen die „Hohen Bogenschnallen“ nach Fingerlin, meist für die Houppelandegürtel.



XV_210a_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und gr. verzierter Ort 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[Veredlung in Silber für B.1 und B.2 auf Anfrage]



XV_210b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR

[Verbindungskette für demi ceint möglich]







B

(A)

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obere MITTELSCHICHT



Motive, wie der schreitende Löwe, finden sich als Keramikware (Kacheln, Fliesen) im zunehmenden Maße auch in den gehobenen bürgerlichen Haushalten und sind kein Vorrecht des Adels mehr. Schnalle könnte aber in vergoldeter Ausführung der Adelswelt (A) noch zugeordnet werden, für den Bürger in vs oder me.

Burgundischer Ort links als Direktabguß von einem Original.

[Veredlung in Silber oder Gold auf Anfrage]



XV_185f_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Burgunder-Ort 5 x 3 cm [Feuerstahl mit Funkenschlag]

montiert 99,00 EUR



XV_185a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und gr. „Halbmond“-Ort 3,5 x 3,5 cm

montiert 99,00 EUR







B

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obere MITTELSCHICHT







Li Burgundischer Senkel aus den Niederen Landen nach einem Flußfund aus der Schelde Anf. XV. Jh von einer Versteigerung 1933 in Antwerpen.

Re nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaunne gegen Mitte des XV. Jhs in zwei verschiedenen Ausführungen, Kette für demi ceint möglich.




XV_187a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR



XV_187c_me oR / mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR

[Detailbild Halbmondort mit Ringöse]







B

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obere MITTELSCHICHT





Li Burgundischer Senkel aus den Niederen Landen nach einem Flußfund aus der Schelde Anf. XV. Jh von einer Versteigerung 1933 in Antwerpen.

Re nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaunne gegen Mitte des XV. Jhs in zwei verschiedenen Ausführungen, Kette für demi ceint möglich.

[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



XV_222a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR

-

XV_222c_me mR / oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ mit Ring 2,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR

[Detailbild Halbmondort ohne Ringöse]







B

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obere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.



[Weißmetall und Veredlung in Silber]



XV_200a_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Riefen_mevs

und Senkel 4 x 2,5 cm_mevs

montiert 95,00 EUR

[inzwischen neuer Guß Schnalle etwas schöner]



XV_202a_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier_zi

und Senkel 4 x 2,5 cm_mevs

montiert 85,00 EUR







B


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obere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Riefen

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh



[Veredlung in Silber für B.2 auf Anfrage]



XV_216a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (ca ab 1440er Jahre)

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR



XV_179a_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier

und Senkel 3 x 2 cm

montiert 79,00 EUR







B

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obere MITTELSCHICHT





[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



Der Senkel ist ein typisches ital. Frührenaissanceprodukt und hat seinen Weg über die Alpen gefunden, wie viele andere Dinge aus den machtvollen ital. Stadtrepubliken, welche Mode und Wirtschaft auf Reichsgebiet neue Impulse geben sollten.



XV_167f_me

17 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und modischem Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 79,00 EUR



XV_152f_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und modischem Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR







B

-

obere MITTELSCHICHT

kleine quadratische oder trapezförmige Schnallen an Frauengürteln z.B. nach Quellen in Regensburg 1450c, Rottweil 1450c (Abb)

-

[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



XV_153f_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und modischem Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR



XV_155f_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Zierbeschlag

und modischem Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR







B

-

obere MITTELSCHICHT





Schnallenblechgravur nach einem Fund aus Pierrefonds zweite Hälfte des XV. Jhs und nach dem Fund eines Fragments aus der Schelde.



[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]



XV_250e_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Zierbeschlag

und Senkel 4,3 x 1,1 cm

montiert 75,00 EUR


-

XV_250e_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

[Detailbild mit rotem Leder]







B

C

-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT





Halbmondort“ häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh.



[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]




XV_250a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Zierbeschlag

und kl. „Halbmondort“ 1 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR

-

XV_250a_me

Lochspenglin „Nr.7001“ optional









B

C

-

obere MITTELSCHICHTund MITTELSCHICHT

Ort mit Öse aus der Zeit der Schwert-Schleppriemen. Manchmal sieht man Ringe (Abb) oder kurze Kettenstücke in den Ösen. Sie werden bei den Bindesystemen der Schwertgurte in der 2. Hälfte des XV. Jhs nicht mehr benötigt und können zum Schmuckelement degenerieren.

Prag 1380, Darmstadt 1450, Hofer Altar 1465 (Abb), Meister d Marienlebens Pina_München 1480, Aachen 1485c, Kaisheimer Altar 1502, Sebastiansaltar 1516



XV_270b_me Abschlusskette (B)

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ort mit Ringöse 2 x 1,7 cm

montiert 95,00 EUR

schlichte Lochspenglin optional

[Veredlung in Silber für B auf Anfrage]



XV_245c_me (C)

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech

und Ort mit Öse 2,5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional







B


-

obere MITTELSCHICHT











[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]




XV_097a_me mit Abschlusskette

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

- Abb Kundenborte -

Doppel schlicht und Senkel 3 x 2 cm

montiert 99,00 EUR



XV_097a_me mit Abschlusskette

Lochspenglin „Nr.7038“ optional





B

C

-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT









[Veredlung in Silber für B.1/B.2 auf Anfrage]




XV_098a_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

- Abb Kundenborte -

Doppel Riefen und Senkel 3 x 2 cm

montiert 79,00 EUR

-

XV_098a_me

Lochspenglin „Nr.7038“ u Strecker „Nr. 7116“ optional









C

-

MITTELSCHICHT







Dresden 1475-80

Wirtshaus-, bzw Huebschlerinnen-Szene“ mit beschlagenen Gürteln






XV_247f_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech geschweift

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

Detailbild mit Spenglin



XV_247e_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech geschweift

und Senkel 4,3 x 1,1 cm

montiert 59,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional







C

-

MITTELSCHICHT





Quelle Schnalle: Ross Whitehead





[Weißmetall und Veredlung in Silber]



XV_202b_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier_zi

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm_mevs

montiert 85,00 EUR



XV_202d_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier_zi

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm_mevz

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]







C

-

MITTELSCHICHT/Funktionsgehilfen








Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.




XV_222b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR



XV_222d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR







C

-

MITTELSCHICHT/Funktionsgehilfen



Halbmondort“ als häufigster Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh.

[burgundische Form, in der Art des berühmten „Feuerstahls“, nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaunne gegen Mitte des XV. Jhs in zwei verschiedenen Ausführungen]



XV_216c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR



XV_216c_me mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und „Halbmondort“ mit Ringöse 3 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR







C

-

MITTELSCHICHT/Funktionsgehilfen



Doppeloval stufig

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe „Joseph u Potiphars Weib“ heute Pina München 1495c, aber auch als Rüstschnalle, siehe Gewappneter auf Pleydenwurffs Kalvarienberg von 1465c PinaAO




XV_218c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval mit Blech gross

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR



XV_218c_me mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval mit Blech gross

und „Halbmondort“ mit Ringöse 3 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR




Noch einmal zu den gesetzten Schnallenblechen: Auf Abbildungen sind sie, wenn überhaupt, gerade noch an den Kanten erkennbar (Zeichnung), oft aber verdeckt der Riemen das Blech, im Gegensatz zu den vorhergegangenen Jahrhunderten, wo das Zungenende meist „lose aus der Schnalle fiel“. Nun wird zuweilen eine Doppelschnalle oder ein Riemenschieber verwendet, welcher das Zungenende des Gurtes zur Seite „führt“. Archäologische Funde zeigen im guten Erhaltungszustand diese Bleche. Für Abbildungen seien ein paar Beispiele mit großer Streuung genannt: Retabel des ConradvSoest in Wildungen 1403, Lüneburg 1447, Regler Altar Erfurt 1460, V. Stoss in Krakau 1477-89, „St Barbara“ aus Suedfrkch (heute im Bergbau Mus Bochum) 1499c, „St Jakobus“ in St Mihiel Anf XVI, „Jos u Potiphars Weib“ Pina 1500, H_Holbein d Ae Kaisheimer Altar 1502, „Maria“ in Klosterneuburg 1510-15, „Johannes d Evangelist“ Xanten 1515c, H. Holbein d Ae Sebastiansaltar 1516, B. Strigel „Kinder Rehlingers“ 1517 oder „Jakobgeschichte“ Brüssel 1534. Daneben wurden auch Schnallen mit gegossenen Befestigungen verwendet, siehe z.B. „Magdalena“ auf Kreuzigung in Salzburg 1470, Tafelbild von Wolgemut i d Frauenkirche Nürnberg von1490c oder „Pilger“ auf Ospedale dei Ceppo 1528 uvam.

Schaut man sich verschiedene Senkelformen an, können sie nur an Gürteln mit Schnallenblechen befestigt worden sein, ein An-, bzw. Umnähen des Riemens verengt den Durchlaß durch den Schnallenrahmen. Viele Reenacter kennen das Problem passende Senkel zu finden, wenn die Schnalle angenäht oder nur mit einem Niet befestigt wurde, diese Änderungsarbeiten führe ich am Stand oft aus...deshalb und aus meinem Selbstverständnis als „Gürtler“ verwende ich Bleche, bei gehobenen Darstellungen mit Motiven und Verzierungen. Bei einfachen Gürtelvarianten der unteren Schichten wurden die Schnallen allerdings oft nur angenäht, wie es ein „Riemer“ getan hätte. Falls Originale diese Vorgabe machen oder auf ausdrücklichen Wunsch wird die Schnalle angenäht.






4a. Gürtelformen des einfachen Volkes


Gürtelformen des einfachen Volkes ab 1450c:

Die Übergewandung der einfachen Schichten reichte auch in der 2. Hälfte des XV. Jhs noch deutlich bis zum Knie, vor allem bei Bauern und Handwerkern, im Gegensatz zu den gehobenen Bürgern mit längerer Gewandung, höfische Formen zeigten eine Eigenentwicklung und sind davon ausgenommen. Bei Knechten/Kriegsknechten begann sich die Kleidung, vermutlich durch die höfischen Anregungen, allmählich einzukürzen. Mglw war die Beeinflußung auch umgekehrt, s.o. Der „Rock“ reichte bald oft nur noch bis zum Oberschenkel. So war auch der Gürtel in der Regel recht kurz und ähnelte einem modernen „Jeansgürtel“, manchmal sieht man die von uns noch heute genutzten Riemenschieber. Das Obergewand der Handwerker und Bauern war wohl figurbetonter als in der ersten Hälfte des Jhs., grundsätzlich eher geschlossen, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der Wams, Unterhemd aus Leinen oder im Extremfall sogar die Unterhose zeigte, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trug und „Geißeln“ ist ja ganz schön anstrengend. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat“. Zum Ende des XV. Jhs wurde es, vielleicht als Protest gegenüber der langen Zeit sehr „geschlossenen“ Mode, allgemein üblich, daß Jugendliche, auch der „guten Gesellschaft“, großflächig das Hemd zeigten. Anfangs war der Wams nur an den Ellenbogen aufgeschnitten, es folgten bald grössere Teile des Ärmels, die man zum Schließen schnürte. Die neue Männermode, die sich vor allem bei den Kriegsknechten dokumentieren läßt, mutete geradezu expressiv an mit sehr knappen „offenen“ Wämsern, plissierten Leinenhemden, eng sitzenden bunt gestreiften Hosen in waghalsigen Farbkombinationen, siehe bsplw die Schergen auf dem „Oppenheimer Altarretabel“ von 1490c im Dommuseum Mainz oder auf dem „Rochus-Sebastianaltar“ der Lorenzkirche in Nürnberg von 1499, dort haben sich auch Bildhauerwerke mit „bunten Hosen“ erhalten. So wurden vor allem „Negativgestalten“ besonders bunt dargestellt, indem das gesellschaftlich geforderte miparti deutlich überschritten wurde. Seine Anfänge hatte es in den Stadtrepubliken Italiens genommen mit heraldischem Hintergrund. Die Träger roter Kleidungsstücke entstammten nicht mehr ausschließlich den gehobenen Schichten, sie wies aber darauf hin. 1474 war das Rheingauer Kontingent beim Aufgebot des Reichsheeres und der Belagerung von Remagen ganz in Rot gekleidet. Es war die Farbe ihres Herren, des Mainzer Erzbischofs.

Zusammen mit dem geschlitzten Zeug setzten sich diverse Modeallüren in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jhs fort. Sebastian Brant spottete 1494: „...denn alle Kleider sind voll Falten: / So Rock wie Mantel, Hemd wie Schuh, / Pantoffel, Stiefel, Hos´dazu, / Wildschur und die Verbrämung dran. / Der Juden Sitt´ man sehen kann....Der Rock – wie kurz und wie beschnitten ! / reicht kaum bis zu des Leibes Mitten“. Allerdings scheint die Zeit um 1500 auch in anderen Belangen von einer expressiven Ausdrucksweise geprägt zu sein, schaut man sich die bunt bemalten Rüstungsteile an oder die eigenartigen „maximilianischen“ Schürzen, Verblendungen und Schreckmasken. Sie sind ein typisches Renaissanceprodukt, lassen sich in der ital. Malerei der 2. Hälfte des XV. Jhs nachweisen, siehe die „geniale“ Darstellung von D. Ghirlandaio „Brutus-Scaevola-Camillusin Florenz von 1483c. Sie gehen auf römische und im Ursprung auf italisch-griechische Anleihen zurück. Schreckmaske auf Schilden finden sich auch nördlich der Alpen, siehe bebilderte Richental-Chronik von 1464. Wie sehr ital. Künstler die Eindrücke aufnahmen, die ihnen antike Relikte, wie Sarkophage oder Triumphbögen vermittelten, mag man daran erkennen, daß bsplw der Florentiner Bildhauer Donatello seinen „Hl Georg1417c wohl in römischer Rüstung, aber mit keltischem Schild ausstattete, weil er diese Schildform auf römischen Hinterlassenschaften gesehen hatte, wohl nicht ahnend, daß ein „Beutestück“ dargestellt worden war. Diese ungewöhnliche Form gefiel auch Andrea Mantegna in einer Übernahme des geachteten Donatello und versah „seine Römer“ 1453-56 auf der „Hinrichtung des Jakobusin Padua ebenfalls damit.


Schwertriemen sind von den Leibgürteln zu scheiden, fielen vor allem bei Langschwertern der Oberschicht meist recht schmal aus und hatten weniger als Daumenbreite. Zu Beginn des Jhs waren sie noch relativ breit, sind aber in den folgenden Jahrzehnten immer schmaler geworden. An der Scheide wurden aufwändige Haltekonstruktionen durch ein Bindesystem ersetzt, was eher einen schmalen Riemen erforderte. Bei unteren Chargen ist das nicht die Regel, denn es gibt auch in der 2. Hälfte XV. Jh Abbildungen meist mit Kurzschwertern, Dolchen oder einschneidigen Klingen (langen Messern) an breiten Waffengurten. Sie könnten in diesen Fällen als „Allrounder“ gedient haben, mit Tasche und alltäglichen Nutzgegenständen behängt (Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem gemeinsamen Altarbild siehe rechter Flügel Marienaltar“ Salzburg von 1485c oder Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Das Verhältnis von schmal zu breit der Waffengurte einfacher Schichten beträgt nach meinen rd 50 Archiv-Abbildungen der Rubrik „1450-1520 nieder“ ca. 2 : 1, mit einer deutlichen Zunahme breiter Gurte gegen Jahrhundertwende. Der adelige Schwertriemen von 1450-1520 blieb in der Regel unter Daumenbreite.

Darstellungen aus dem Volk vermitteln eine recht schlichte Gürtelmode. Der kurze Alltags-Männergürtel einfacher sozialer Schichten (Handwerker, Schergen, Kriegs-Knechte) von Daumenbreite bis zwei, fast drei Finger breit (!) auf Wams oder Schecke trug die Tasche, manchmal den Dolch. Das Verhältnis von schmal zu breit der Männerleibgürtel beträgt nach meinen rd 150 Abbildungen der „Kategorie D-E“ von 1450-1520 aus dem Archiv ca. 1 : 4. Also überwiegt ein breiter Leibgurt. In den Quellen wird er auch als „mannes taschin gortelbezeichnet. Fingerlin behauptete noch 1970 die Gürtel seien meistens schwarz [Fi, S. 220], doch läßt sich das nicht halten und Tafelbilder zeigen alle Farbvarianten, von fast weisslichen hellen Braun-, zu dunklen Braun-, Rotbraun- und Schwarztönen. Rot ist selten, aber auch nachweisbar, wie der Hl Petrus“ von N. Weckmann urspl Ehingen, Rottweil_AO vor 1520. Warum archäologische Funde meist schwarz sind, wird auf der ersten Seite unten mit Infos zur Lederfarbe erläutert. Erhaltene Gürtel aus militärischem Kontext zeigen runde und eckige Schnallenformen, sofern erkennbar, meist angenäht und ohne Blechbefestigung, da ja auf der Rüstung getragen. Statt Senkel meistens eher schlichtes Ortblech oder der berühmte Halbmond.

Schottenstift, Wien um 1470 mit eckiger Schnalle und Blech an schmalem Schwertriemen. Der Schwertträger zeigt mit der Kleidung seine hohe gesellschaftliche Stellung

Quadratische Schnallen mit unverzierten Blechen an Schwertriemen der Männer siehe Memlings „Hl. Georg“ Pina MünchenAO 1490, „Hl,.Rochus“ Nürnberg 1490v, Grab Heinr Allbergers in St Jakob/Regensburg 1520


Da viele Reenacter der 2. Hälfte des XV. Jhs militärische Darstellungen bevorzugen, wäre nach der Quellenlage eher der „kurz-breite“ Gurt für die Tasche, dem gegenüber für langes Messer ein „kurz-schmaler“ Riemen zu empfehlen. Überlängen zeigen sich nicht, eher werden Riemenschieber verwendet. Eine Sonderform ist der Schulterriemen für die Waffe, der länger sein kann und eine andere Dornlochung erfordert, da nicht an der Hüfte getragen. Überlängen lassen sich ansonsten bei wenigen höfischen Szenen mit adeligen Protagonisten [Beispiele siehe auf der Seite 1400-1450] nachweisen und bei Kindern und Jugendlichen (!). Deren Gürtel sind oft recht lang mit Zungenstücken, die auch manchmal zur Seite geschlungen wurden, siehe „Darmstädter Passion“ von 1445 oder eine Abb. von 1460-70 aus Wien und die Ministranten auf einem Tafelbild urspl St Peter Kirche Partenheim/Hessen heute im LM Mainz von 1500c. Die Länge kann zwei Gründe haben, entweder die Kleinen trugen Gürtel der älteren Geschwister und Eltern auf oder ihnen wurden Gürtel angefertigt, die auch für einen Heranwachsenden tauglich sein sollten? Dann wurde aus einem „Langgürtel“ automatisch ein normaler Gürtel ohne Überlänge.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Gefangennahme Jesu und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für alle „ländlichen“ Darstellungen seien die auf den Tafelbildern nun immer zahlreicher erscheinenden Hirten eine mögliche Orientierung. Auch können nach wie vor Kalender heran gezogen werden, mit visualisierten „Temperamenten oder Planeten“ und Monatsbildern, welche die Landbevölkerung bei ihren Tätigkeiten zeigen. Die Anzahl der Abbildungen mit Gürtelbeschlägen hat in der 2. Hälfte des XV. Jhs, gegenüber der 1. Hälfte extrem abgenommen. Es zeigen sich zuweilen noch recht einfache Dornlochbeschläge und rosettenförmige Zieren, aber die meisten Gürtel der unteren Chargen zeigen keine Zier und oft auch keinen Ort. Der Höhepunkt der metallreichen Gürtel lag im XIV. Jh und in den frühen Jahrzehnten des XV. Jhs.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Es gab auch Sondervarianten ohne Schnallen, die durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schloßen. Als Quellen für die Alltagskleidung mögen die zahlreichen Bilder aus den Marienleben“ dienen, in denen Hauspersonal und Mägde dargestellt werden. Die Festtagskleidung kommt z.B. in den Tempelgängen“ Marias und ihrer Angehörigen, denn das sind besondere Tage im Leben der Protagonisten, zum Ausdruck. Beschläge finden sich auf den Gürteln der unteren Schichten in der 2. Hälfte des XV. Jhs selten, denn das stand eher den begüterten bürgerlichen Frauen zu, Beispiele siehe oben. Auffällig sind allerdings beschlagene Gürtel von Hübschlerinnen oder weiblichen „Bewirtungen“ getragen, aha (!), siehe unten Beispiel aus Dresden von 1475-80.


4b. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes 1450-1520 (D-E)

gedacht für einfache Handwerker und Krämer (D), Knechte, Bauern, Gesellen, Gesinde, Mägde (E), zu den Kategorien D-E im Detail siehe: Ständegesellschaft.

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, ansonsten Schnalle angenäht. Eine Zunge, Halbmondort oder Ortblech findet sich zuweilen, war aber nicht zwingend, oft hingen die Gürtelenden frei. Manchmal drei, vier schlichte Lochösen im Dornlochbereich, bei Gesinde und Mägden Abbildung nach zu urteilen eher nicht, hängt aber vom Dienstverhältnis/Haushalt ab. Auf „Festtagsgürteln“ der Handwerkerfrauen Spenglin als Dornlochösen und einfache Blütenformen vielleicht möglich?









D

-

untere MITTELSCHICHT

grosse runde Schnallen an einfachen Männergürteln häufig im künstl. Schaffen D. Baegerts „Marientod“ 1470c, „Josef“ 1475-80 und „Passion“ 1485c Münster_AO, „Johannes“ Dortmund 1476 „Josef“ Stolzenhain 1490c (Abb), „schlichter Jakobus“ Münster 1495, auch Scherge auf der Passion von M. Reichlich in München_AO 1506, urspl Brixen



Variante XV_208d_ws mit Dornlochringösen

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle_zi angenäht

und Ortblech 3,5 x 3 cm_mevz (siehe rechts)

montiert 79,00 EUR

inkl Dornlochösenringe











und Ortblech 3,5 x 3 cm_mevz

Ringschnalle angenäht oder mit zwei Ziernieten befestigt, wie nach Fund aus Köge/Seeland







D

-

untere MITTELSCHICHT







Bogenschnallen an der Schergenkleidung beim Meister von Dreux 1450c, auf der „Passion“ Darmstadt 1450, ähnl. „Marienaltar“ Salzburg 1485c, „Simon“ von Multscher in der Pfarrkirche Sterzing Ende XV und „Juppe Altar“ Marburg 1512c



XV_210d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_210e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und „Halbmondort“ 2 x 3 cm

montiert 85,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT







Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.




XV_187b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR



XV_187d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT






Eckige Doppelschnalle am Gürtel eines Waffenknechts mit Dornlochösen [auf Anfrage möglich] bsplw St Cäcilien Köln 1470c.


Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten schlichte gefalzte Bleche.




XV_220b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR



XV_220d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT

Häufig „Halbmond“-Ort, hier „Josef“ auf Regler Altar urspl Erfurt, Pina MünchenAO

siehe auch in Wildungen 1403, Nottuln 1410c, Eichstätt 1415c u 1445c, Nürnberg 1437,1440 u 1460, Klosterneuburg 1439v, Laufen 1445c, Lüneburg 1447v, Darmstadt 1450, Aachen 1450n, Erfurt 1460, Hof 1465, Znaim 1444v, St. Florian 1485, Millstatt 1495, St. Mihiel 1500n, Brixen 1500, uvm




XV_216b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR



XV_218b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech gross

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen, ein Annähen der Schnalle verengt den Durchlaß.



XV_216d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_218d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech gross

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT



Doppeloval ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh



siehe Kreuzigung des „Schottstiftaltars“ Wien 1470c, Dürers „Paumgartener Altar“ 1498-1504, Holbeins „Kaisheimer Altar“ heute MünchenAO 1502, schlichter Johannes auf dem „Bartholomäusaltar“ heute MünchenAO 1505c



XV_216d_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR



XV_218d_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR







D

-

untere MITTELSCHICHT



Flach geschweifte Wellenformen mit Einschnitt bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow. Der Ursprung lag bei römischen Formen der Spätantike, siehe Fund Bonn IV. JhAD. Also haben wir bereits ein „Renaissance-Produkt“ vor uns, aus dem XV. Jh. (!)



[Eisenbleche mit Weißmetallüberzug]



XV_20_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_30_ws

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR







D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE



Typ Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe bei St_Lochner Köln, bzw heute DarmstadtAO 1447, Scherge auf „Passion“ München 1444-45, auf dem Bild von Reymerswaele in MünchenAO 1538 oder Brueghels „Bauernhochzeit“ Ende XVI. Jh



XV_245a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech klein

und kl. „Halbmondort“ 1 x 1,5 cm

montiert 55,00 EUR



XV_205a_zi

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech klein

und „Halbmondort“ 1,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR







D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE









Doppelschnalle mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh.

-

XV_204b_zi

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval geschwungen mit Blech klein

und Ort mit Öse 1,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

[Detailbild mit schlichtem Beutelhalter optional]



XV_103_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen

momentan nicht lieferbar Alternative vorhanden

[Ort Eisenblech mit Weißmetallüberzug]







E

-

für die BREITE MASSE






Einfache D-Form mit ausgeprägter Dornachse, stufig oder mit Riefen, nach Abbildungen die häufigste Schnallenvariante für Männergürtel im XV. bis weit in das XVI. Jh.. Wollte man die Quellen alle auflisten, würde der Platz hier definitiv nicht ausreichen, also absoluter Klassiker...



XV_212b_me oder ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert me 69,00 EUR / 79,00 EUR ws



XV_201d_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht

und Ortblech Eisen ws 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR







E

-

für die BREITE MASSE

angenähte Schnallenvarianten ohne Blechbefestigung

XV_216e_me

montiert 69,00 EUR

[rustikaler Weißmetallüberzug im althergebrachten Schmelztauchverfahren mit flüssigem Zinn siehe rechts]



XV_216e_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen angenäht, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_225e_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Eckig abgerundet angenäht, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

[für Puristen, vom Original kaum zu unterscheiden]


[„für Puristen, vom Original kaum zu unterscheiden“]


Exkurs 9: Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle

Schauspiele und Aufführungen hatten im MA eine große gesellschaftliche Bedeutung mit enormer Breitenwirkung. Heutzutage ist unser Theater elitär, Kino und Fernsehen haben die Rolle der Massenunterhaltung übernommen. Die Beeinflussung mittelalterlicher Schauspiele auf die künstlerischen Erzeugnisse dieser Zeit zu leugnen, bedeutet übertragen auf das XX./XXI. Jh die „Unterhaltungsindustrie Hollywoods“ als beiläufiges Nebenwerk der Moderne herunter zu spielen. Man wird die Geisteshaltung unserer Zeit in ferner Zukunft in nicht unerheblichem Maß an diesen Erzeugnissen messen. Ich halte es durchaus für statthaft vor allem spätmittelalterliche Tafelbilder als Erscheinung von Versatzstücken aus Schauspielen heraus zu betrachten. Daß die kunsthistorische Entwicklung eine unleugbare Eigendynamik hat, ausgehend von den Biografien der Meister, der Gesellen, den „Kunstreisen“, den Malerschulen, dem Kopieren und Vervielfältigen uvam, wird in der modernen Forschung zur Genüge thematisiert.

Nicht zuletzt durch den bühnenartigen Aufbau in der Gesamtkonzeption der Tafelbilder drängt es sich für den Betrachter geradezu auf anzunehmen, daß eine Inspirationsquelle der Maler bei den Laien-Schauspielen lag, wie bsplw bei den „Dreikönigsspielen“, die sich seit dem XI. Jh aus der Epiphanie-Liturgie entwickelten. Eine Vorstufe dieser Entwicklung mag man in der Kreuzigungszene an der nördlichen Sanktuariumswand der Johanneskapelle am Dom zu Brixen von 1330-40 sehen. Man kann fast von einem „Volkreichen Kalvarienberg“ sprechen, die bekannten weiblichen Darstellerinnen und Johannes zur linken, mittig Longinus mit Lanze und Stephaton mit Essigschwamm, zur rechten der Hauptmann, der Hohepriester und das „militärische Fachpersonal“. Alles ist erwartungsgemäß da. Und dann schaut man auf den Hintergund. Es findet sich keine Goldfläche oder eine Andeutung von Himmel über Golgatha, sondern da sind Kirchenfenster! Das Dargestellte ist eine Szene und zwar eine Schauspielszene, vor dem Dom. Diese erfährt nun eine Überhöhung durch die Nimben der Heiligen, erhält aber auch eine humoristische Note durch die Einfügung von Engel und Dämon/Teufel auf dem Querbalken des Kreuzes. Das heißt der Maler hat sich an der Aufführung orientiert, fügt dann kreativ eigenwillige Bildelemente hinzu.

In der Folgezeit ist die Verwendung von Perspektive und tiefer Räumlichkeit in den Bildern sicher der stilistischen und künstlerischen Entwicklung geschuldet, ausgehend von Italien über Frankreich und Burgund (obere und niedere Lande) bis nach Dtld, das hat mit den Schauspielen nichts zu tun. Aber es ist der Kniff nun der flächigen Malerei in der Wirkung eine Ebenbürtigkeit zur dreidimensionalen Aufführung zukommen zu lassen. Es ist bekannt, daß in den Niederen Landen, dem Ausgangspunkt der neuen „Realismus-Malerei“, öffentliche Schauspiele und Umzüge zu einem absoluten Höhepunkt geführt wurden, gepaart mit der devotio moderna seit 1400, welche die „Nachfolge Christi“ geradezu als eine Teilnahme am biblischen Geschehen forderte, zunächst im privaten, mglw. aber auch im öffentlichen Bereich. Auch zur compassio, zum aktiven Mitleiden wurde von den Predigern aufgerufen. Zur Bildfindung und Komposition haben die Maler bereits im XIII./XIV. Jh Anleihen beim Schauspiel gemacht, doch die fehlende Räumlichkeit, Goldhintergründe oder Aureolen schufen definitiv keine Wirklichkeitsnähe, was auch sicher nicht beabsichtigt war. Der Durchbruch zur realistischen Darstellung, nach unserer modernen Betrachtungsweise, bildete erst der neue Malstil des XV. Jhs, nicht nur durch die Anwendung von Perspektive, sondern auch sensationell bestechend und entscheidend durch die Verwendung von hochglänzender Ölfarbe, statt der bisher verwendeten stumpfen Tempera-Farbe. Aus der genauen Beobachtung und Aufnahme von natürlichen Details, kombiniert mit den schauspielerischen Elementen und bühnenartigem Aufbau entwickelte sich ein neuer Kunststil, der alte Mal- und Sehgewohnheiten ablöste. Bereits A. Saliger merkte an, daß die Interieur-Szenen des Wiener Schottenaltarretabels von 1469-72 eine Wirkung von „Spielständen“ in Kulissen hätten, wobei die realiter dahinter befindlichen Bauten der Stadt auf den Aufführungsort Wien verweisen könnten. Der „bühnenartige Aufbau“ wurde ja bereits im franz. Stil Ende des XIV. Jhs mit der Loslösung von der tradierten Goldgrundmalerei beobachtet, angeregt vor allem durch die italienischen Einflüße die architektonischen Bildelemente hervorzuheben. Architektur schaffte nun nicht nur Räumlichkeit und gewährte Durchblicke, sondern es wurden auch unmittelbar Trennwände und Podien als „Bühnenversatzstücke“ in den Bildern thematisiert! Auffallend sind die personellen Wiederholungen von Statisten auf unterschiedlichen Bildtafeln des Wiener Altarretabels, als wären es dieselben Beteiligten in unterschiedlichen Szenen!4

Im zunehmenden Maß gerieten erfreulicherweise nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung, als Handelnde oder Nebenpersonen im Hintergrund! Die Hauptakteure in den „Szenen“ sind meist zu entschlüsseln, sollten aber für den heutigen Reenacter aus genannten Gründen mit einem gewissen Abstand betrachtet werden, während Statisten des Hintergrunds oft unmittelbar dem städtischen Alltag entnommen zu sein scheinen. Wie ein Spiegelbild des Publikums, erscheint dessen Kleidung zeitgemäß, wirkt oft abgetragen oder verschlissen. Auch mit den Schergen als Wächter, Peiniger oder Würfler wurden einfache Darstellungen thematisiert. Doch in welcher Form? Ihre Kleidung hat realistische Bezüge, in Details scheint sie manchmal überzogen, zum Ende des Jhs mit sehr expressiven Tendenzen in Farbgebung und Schnitt. Wirken hier italienische „Modetorheiten“? Diverse Requisiten der Schauspiele sollten mglw. bewußt befremdlich sein, um die zeitliche und örtliche Distanz des Dargestellten zu verdeutlichen, alltägliche Dinge wurden umgeformt oder ungewöhnlich arrangiert, bzw neu kombiniert. Ausschlaggebend waren vielleicht politische Hintergründe. Im SMA hatte die „Osmanengefahr“ bedrohliche Präsenz. Es gab „Kreuzzüge“, ständige Kämpfe auf dem Balkan und im Mittelmeerraum. Sie sind uns heute nicht so präsent und werden mit den „Türkenkriegen“ eher der frühen Neuzeit zugerechnet. Aber die Gefahr war latent vorhanden und bestimmte politisches Denken im SMA. Man schaue sich mal an, was der Ritter und „Sänger“ Oswald von Wolkenstein 1445 in seiner Waffenkammer hinterließ [siehe „Dienstmannen“ unter Exkurs 3: Hundertschaft-Gefolgschaft-Lehnswesen-Ministeriale], da sind eine ganze Reihe Gegenstände osmanischer Herkunft.5

In den Passionsszenen stellte man die Schergen, Geißler, Würfler mit sehr drastischen Mitteln dar. Durch die Verhöhnung Christi geben die grienenden, diabolisch grinsenden Gesichter der Schergen eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Mußte man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den „König der Könige“ zu verspotten und zu schlagen? Das kann nur Zeichen großer Einfältigkeit sein, dementsprechend nachlässig ist ihre Kleidung. Sie sind Außenseiter der Gesellschaft, ihre Seelen scheinen verdammt [...um mittelalterlich zu sprechen, … ich persönlich weiss allerdings bis heute nicht was die „Seele“ sein soll, diese eigenartige griech Erfindung]. Könnte hinter dem speziellen Kunstgriff des Malers das Gebärdenspiel und die expressive Mimik von (Laien-)Schauspielern zum Ausdruck kommen, die vor Publikum deutlich agieren mussten? Egal wie man zu den Überlegungen „Tafelbild-Schauspiel“ steht, für den damaligen Betrachter eines Stückes, wie für den heutigen Betrachter eines Bildes ist der expressive Ausdruck gleichsam von hohem Aussagewert.6





Historischer Kontext Anfang XVI. Jh:

Die ersten Jahrzehnte des neuen Jahrhunderts brachten viel Leid durch religiöse und innenpolitische Auseinandersetzungen. Der Kaiser kämpfte in Norditalien. Die Gewinne aus den neuen Kolonien in Übersee konnten die enormen Kriegskosten nicht decken. 1527 kam es zur Plünderung Roms und mehrmonatiger Besetzung durch die Kaiserlichen. Augenzeugen verglichen die Zustände mit der Plünderung durch die Goten 410. Man wird in beiden Fällen kaum ermessen können, was an Beute aus den Bürgerhäusern verschleppt wurde und anderen Orts stilbildend Wirkung zeigen sollte? Nördlich der Alpen ließen Bürgerkrieg, wirtschaftlicher Rückgang und Geldentwertung weite Landstriche veröden und die Bauernschaft verarmen. Demgegenüber stand das internationale Ansehen und politische Gewicht der Städte, in denen das Bürgertum emanzipiert einen eigenen Modestil prägte. Italien war in diesen Belangen, durch die lange Tradition der Stadtrepubliken, bereits weit fortgeschritten. Dort wurden weniger die spitzen gotischen, sondern eher breite und runde Formen bevorzugt, so daß sich die ital. Mode vom burgundischen Stil entfernte, der nach den katastrophalen Niederlagen Karls des Kühnen nicht mehr gefragt war. Auch „geschlitztes Zeug“ und mi-parti in den jeweiligen Stadtfarben fanden dort schon lange Verbreitung.

Die „Italienischen Kriege“ zeigten nun auch den Franzosen endgültig, daß der alte Standesdünkel, mit dem das Rittertum behaftet war, zu Grabe getragen werden musste. Seitdem Schweizer Miliz im XIV. Jh Habsburger Invasoren in die Schranken gewiesen und sie ihre Stärke gegenüber Burgunder Soldarmeen, also Profis, unter Beweis gestellt hatte, war ihre Infanterie in massierten Haufen von europ. Schlachtfeldern nicht mehr wegzudenken und agierte nun selbst im Sold. Vor den Burgunderkriegen: „Denn damals waren sie noch nicht so geschätzt wie jetzt, und es gab nichts Ärmeres“ [BuiA, S. 281]. Ihre Taktik wurde europaweit übernommen. Eidgenossen selbst wurden zum Exportschlager, „aus Amateuren waren Profis geworden“. Mit Stangenwaffen, gefertigt von den „Bartenhauern“, wie Piken, Helmbarten, Gleven oder Roßschinder, galten diese „Soldatenigel“ für Kavallerie als unüberwindlich. Hinzu wurden seit dem XV. Jh Feuerwaffen zunehmend massiert eingesetzt.

Auf dem Weg in die Neuzeit war die Entdeckung der „Neuen Welt“ sicher ein wichtiger Schritt, aber auch die „Alte Welt“ hat sich neu entdeckt.

5. Spezielle Renaissance Formen ab 1500

Vom niederländisch-burgundischen zum italienischen Stil

(viele der obig aufgeführten Beispiele der 2. Hälfte des XV. Jhs liefen bis in die ersten Jahrzehnte des XVI. Jhs, bei Männern an breiten und bei Frauen an schmalen Leder- oder Textilgurten, hier ergänzt nun Schnallentypen, die erst ab 1500 nachweisbar sind)



Die „Bündner“ (Eidgenossen) im Stil der „italienischen Mode“

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, ws = Weißmetall, vs = versilbert, si = Silber, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Die Reformation schuf ein neues Verständnis des Glaubens. Nach der Ungewissheit zum Heil der Seele, viele gute Taten benötigend, trat nun die Gewißheit zum Seelenheil ein, ohne daß es dieser Werke bedurfte. Ganz im Gegenteil, der Calvinismus schuf einen neuen Menschenschlag, der mit materialistischer Mehrung und Habsucht das Wohlgefallen Gottes finden konnte. Zuvor galt dies mit dem christlichen Armutsideal unvereinbar.


Quellen und Mode zu Beginn des XVI. Jhs.:

Im Reich liefen in der Sachkultur manche spätgotische Formen zu Beginn des Jhs noch weiter abgelöst durch ital. Einflüße, nicht mehr die Vertikale, sondern die Horizontale betonend. Kopfbedeckungen wurden flacher, die Linien der Schultern und Arme und auch das Schuhwerk gingen in die Breite. An den Gürteln der einfachen Schichten sind nun auch bei Frauen grössere lederne Taschen zu entdecken und nicht mehr nur kleine Beutelchen, das war ein Novum und mag mit der Darstellung von Marketenderinnen zusammen hängen? Nur die Landsknechte durften sich nach den Italienfeldzügen Karls. V., mit Duldung durch die Potentaten, auffällig kleiden. Waghalsige Farbkombinationen erfreuten das Auge. Das geschlitzte Zeug fand sich, als unmittelbare Anleihe aus Italien, eigentlich nur bei ihnen.

Im zunehmenden Maße wurden in der bildenden Kunst Themen der Historie, vornehmlich der Antike, Mythen und Allegorien verarbeitet. Buchdruck und Holzstiche dienten in der Verbreitung einem größeren Publikum als je zuvor. Damit war auch die Verbreitung von Motiven und Ideen der Bildfindung mehr Möglichkeiten gegeben. In der Renaissance-Malerei Italiens verändern sich die biblischen Motive vollkommen. So erhielten z.B. antike Römer durch die ital. Möglichkeiten an erhaltenen Skultpturen und Sarkophagen geschult auch ein weströmisches Aussehen und kein byzantinisches oder orientalisches, wie lange Zeit üblich.

Bislang galt die Reichskleiderordnung, oft noch durch die Städte modifiziert, sie regelte was jedem Stand an Gewandung angemessen war. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 wurde dem Bauern und Tagelöhner bsplw. vorgeschrieben keine Pelze und nur einheimische Tuche zu verwenden. „Und die röck nit anders dan zum halben Waden, auch daran nit über sechs falten machen lassen sollen...und eyn barchen Wammes on grosse weite ermeln machen lassen aber in alle weg unzertheylt, unerschnitten und unzerstückelt.“ Verboten waren ihnen „straussfedern oder seiden hosenbendel und ausgeschnitten schouh, noch bareten, sondern hüdt und kappen.“ Also durften sie kein Biret/Barett tragen. Der Bauersfrau waren goldener und silberner Zierrat und ein Seidengürtel verboten, Lamm- und Ziegenfell, die „schlechte Beltz“ erlaubt und den Jungfrauen ein „harbendlin von seiden“ gestattet. Die Bürger wurden eingeteilt „Item nach dem in stetten gemeynlich dreierley Burger und innwoner seind als gemeyne Burger und Handtwercker, kauf und gewerbsleut und andere so im Radt von geschlechten oder sunst ehrlich herkommen und irer zinss und renthen sich erneren [WHS, S. xviii]. Dem gemeinen Bürger, dem Handwerker und seine Gesellen waren Felle von Lamm, Fuchs und Iltis erlaubt. Die Bürgersfrau durfte sich mit unvergoldetem Silber schmücken. Dem Kaufmann und Handwerker im Rat wurde edles Tuch zugestanden aber vom Wert nicht über zwei Gulden pro Elle. Seine Frau soll kein Kleid mit mehr als zwei Ellen Samt, Seide, Atlas oder Damast verbrämen, Eichhörnchenfell war ihr erlaubt. Ein Gürtel durfte ihnen bis zu 20 Gulden wert sein. Auch dem Bürger vom Rat und dem Patrizier (Stadtadel) wurde Mäßigung auferlegt, indem er sich nicht prunkvoller als der Kaufmann zeigen sollte. An der Schaube durfte er Pelz vom Rückenmarder tragen, auch das Biret/Barett verbrämt, geschmückt oder aus Samt. Den Stadträten oblag es die Einhaltung der Ordnungen zu überwachen, doch gleichermassen versuchten die Bürger sie zu umgehen.

Katastrophale Auswirkung auf die Anzahl der uns heute zur Verfügung stehenden spätmittelalterlichen Quellen hatten die „Bilderstürme“ der Reformation des XVI., wie 1531 in Ulm und die Kriege des XVII. Jhs. Ob die Zwinglianer aus Zürich, die Calvinisten in den Niederen Landen oder östliche Reformationsbewegungen alle wirkten recht gründlich. Religiöse Bildwerke wurden als überkommene Zeichen der andersgläubigen herrschenden Klasse und einer nicht mehr akzeptierten „Gott gewollten Ordnung“ zerstört, so daß uns manche Quellen unwiederbringlich verloren gingen. Im Zuge dessen wurde auch Klöster aufgelassen und auf Geheiß der religiös neu ausgerichteten Landesherren liturgisches Gerät, Silber- und Goldschmiedearbeiten eingeschmolzen, sogar das Abschaben des Goldes von den Tafelbildwerken wurde befohlen.

Erst zur Mitte des Jahrhunderts sollte die Mode durch Karl V. und den spanischen Einfluß strenger werden. Die Vornehmen werden wieder in Schwarz gekleidet gehen, wie vormals am burg. Hof, aber das ist eine andere Geschichte...







D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE







Schnalle nach 1500 Quelle: Ross Whitehead








XV_320b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_320d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]





D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE







Schnalle nach 1500 Quelle: Ross Whitehead

Halbmondort nach wie vor häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XVI. Jh.




XV_320e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und schlichter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 69,00 EUR





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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Dericum, C.: Burgund und seine Herzöge in Augenzeugenberichten [BuiA], Ausgb. München 1977

- Desch, J./Herrbach-Schmidt, B.(Hrsg.): Mittelalterlicher Führer durch die Abteilungen HMA u SMA. Badisches Landesmuseum Karlsruhe [BLK] 2009.

- Die Welt des Hans Sachs, Ausstellungskatalog der Stadtgeschichtlichen Museen Nürnberg 1976 [WHS].

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt., Stuttgart 2006.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Dissertation, Wien 2010.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Salzburg 2013.

- Huizinga, J.: Herbst d. MAs. Studien über Lebens- u. Geistesformen des XIV. u. XV. Jhs in Frkrch u. i. d. Niederlanden [HdM] (1919), Stuttgart 1987

- Husslein-Arco, A.: Sammlung Mittelalter im Belvedere, Wien 2014.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterl. Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Moraht-Fromm, A./Schürle, W.: Kloster Blaubeuren. Der Chor und sein Hochaltar, Stuttgart 2002.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Musper, H.Th.: Altdeutsche Malerei. Köln 1970.

- Palla, R.: Das Lexikon der untergegangenen Berufe. Von Abdecker bis Zokelmacher, Fkft/M 1998.

- Saliger, A.: Der Wiener Schottenmeister. München 2005.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart [GdK], Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht [MS], Herne 2010.






Das war´s mit den Betrachtungen zum Mittelalter.

Dank für Euer Interesse bis hierhin.

Wer den Ausblick in die Neuzeit und Zukunft nicht scheut, lese weiter...



Der „stolze“ Dom zu Cölln am Rhein um 1500




...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...



Von Goldener Zeit...

...und jetzt sollte es richtig losgehen.. hatten wir Christen uns bisher in „Nächstenliebe“ selbst zerfleischt, den slawischen und islamischen Nachbarvölkern mit Feuer und Schwert die „Segnungen unseres Glaubens“ gebracht, so waren nun Völker in Afrika und Amerika an der Reihe. Es sollte nichts mehr so sein wie es war, wenn die Europäer, die „Herrenrasse“, die sich ethisch und moralisch so überlegen glaubt(e), auf den Rest der Welt losgelassen wurde...

...zur Geldzeit“


...muss mal gesagt werden, schließlich stellen wir als Reenacter keine schöne Zeit dar, wir tragen eher zur Beschönigung bei und können uns vielfach nicht von einer „romantischen Verklärung“ freisprechen, weder der Mime des Adeligen, dem Nutznießer der Feudalgesellschaft, noch der Nordmann, der mit Sklaven als „Ware Mensch handelte“ oder der Ordensmönch, für den alle Andersgläubigen verdammungswürdige Heiden sein mussten. Denn das Mittelalter war eine Epoche der Knechtschaft, der Sklaverei, geistiger und körperlicher Unfreiheit, sowohl für den Einzelnen, wie für die breite Masse, eine Gesellschaft der Eliten, gekennzeichnet durch Adelswillkür und Pfaffenherrschaft, Intoleranz und vielfältiger Beschränkungen… das, und noch viel mehr, wurde ab dem XVI. Jh auf ferne Kontinente exportiert, grub sich tief in fremde „Volksseelen“ ein, wo Menschen mit despotischer Unterdrückung erniedrigt und vollends deklassiert wurden, – kein Wunder, dass man dort irgendwann von Europäern mehr als die „Schnauze voll hat(te)“, uns abgrundtief hassen sollte und bei sich bietenden Gelegenheiten auch zurück schlug/schlägt (politisch oder verbrämt religiös motiviert)…, vielleicht sollte ich doch mal über eine „Sansculotten“-Darstellung nachdenken? Aber die Franz. Revolution hat die kolonialen und imperialen Bestrebungen nicht beendet, ganz im Gegenteil, sondern die napoleonische Konterrevolution ausgelöst und neue Kräfte an die Macht gebracht, das Besitzbürgertum, dessen Aufstieg im MA begann. Die „Industriebarone“ und Bankiers verhielten/verhalten sich seit dem XIX. Jh nicht grundsätzlich anders als die Herren im Feudalsystem. Denn seit Renaissance und Calvinismus gelten angehäufter Reichtum, Habsucht und Gier nicht mehr als schändlich, sondern als legalisiert und förderlich. Besitz gilt es zu erhalten, besser noch zu mehren. So sei diese Polemik zum Abschluß hier erlaubt. Werden geschichtliche Prozesse betrachtet, denkt man unwillkürlich: „...das ist doch Vergangenheit, lange her, Sache unserer Vorfahren, eigentlich erledigt...“ Dem ist aber nicht so. Poetisch ausgedrückt ist die verflossene Zeit wie brodelnde und fließende, vielleicht gerade erstarrende Lava, auf der wir uns bewegen, nichts ist sicher, nichts ist fest, manche Formen erscheinen uns äusserlich erstarrt, aber im Inneren sind sie heiß. Jederzeit kann unvermutet irgendetwas empor springen. Alles gründet in der Vergangenheit und wirkt unterschwellig. Nichts ist erledigt, weil man nichts abschliessen kann, die Formen ändern sich stetig, genauso wie der eigene Standpunkt, denn der Fluß geht ja weiter...

Wie schaut es nun aus in unserer Zeit, 500 Jahre nach Calvin, welcher der Habsucht ethische und moralische Rechtfertigung verlieh zur Förderung des Wohlstands und göttlichen Mächten angeblich ein Wohlgefallen?! In einer Zeit, in der sich die Nachfahren der begüterten bürgerlichen Schicht, die „Rockefellers“, „Rothschilds“, und „Morgans“ der x-ten Generation, wie Raubtiere gebärden und sich immer neue Freiräume verschaffen, vor allem im Bereich der Finanzgeschäfte, Investmentbanken und seit dem Jahr 2000 der Hedge-Fonds, die keiner staatlichen Aufsicht unterliegen, wenn sie an den Hauptmärkten agieren, ihren Sitz aber in unkontrollierten Finanzparadiesen haben. England und die USA sträuben sich Ordnung in die globalen Finanzmärkte zu bringen, so lange in London und New York davon profitiert wird. Umso schlimmer, daß nun GB aus dem Einflußbereich der EU ausschert. Denn Reglementierungen zum Schutz der weniger Profitierenden könnten nur aus Europa oder Asien erfolgen. In einer Weltanschauung, die sich alleine an Leistung und Macht orientiert, ist der Egoismus eine notwendige Folgeerscheinung, wenn es keine anderen übergeordneten sittlichen Werteprinzipien mehr gibt. Unsere moderne Kultur der Nachkriegszeit ist im Kern ein „Kind“ der USA, die einzigen wirklichen Sieger des I. und II. Weltkriegs. Wir haben als Deutsche den USA zu verdanken, daß sie uns, einer so selbst entarteten Nation, die Rückkehr in die Völkergemeinschaft ermöglichte, wir Akzeptanz und Ansehen zurückgewinnen konnten. Aber das war nicht uneigennützig und alles hat seinen Preis. Wir wurden gebraucht zu Zeiten des Kalten Krieges und waren Empfänger von Transferleistungen auf unterschiedlichsten Gebieten. Die USA kämpfte gegen die Ausbreitung des Kommunismus und überall wurden Interessengrenzen abgesteckt. „Freunde“ waren wir niemals, eher Bündnis-, bzw Konsumpartner. Kultur und Wirtschaft wurden amerikanisiert. Es ist auch bekannt, was wir von den „Freunden Roms“ zu halten hatten. Sehr bedenklich erscheint, daß wir unweigerlich einem Währungssystem vertrauen müssen, daß nicht auf einer staatlichen, sondern seit 1913 auf einer privaten Währung basiert, durch die Gründung des privaten Bankkartells der US-Notenbank „Federal Reserve“ mit absoluter Hoheit über den Dollar. Seit 1944 wurde er die Weltleitwährung und ist in den 1970er Jahren von realen Werten, wie Gold, entkoppelt worden. Die Geldmenge hat sich seitdem vervielfacht. Es sind also lauter, eigentlich wertlose, ungedeckte grüne Scheine. Doch wir haben uns alle darauf geeinigt, der Dollar sei was wert. Die internationalen Märkte zeigen aber, daß es nichts wert ist. Denn niemand kauft mehr US-Staatsanleihen, bis auf die Fed selbst, welche sich ja für die US Währung verbürgt. Ins Ausland wandern sie nicht, aufgrund des US-Handelsdefizits gibt es dort bereits genug Gläubiger. In letzter Konsequenz bedeutet die massive Dollarabwertung eine elegante Entledigung von Auslandsschulden der USA, aufgehäuft aufgrund der verfehlten Handelspolitik. 1914 entkoppelte die Reichsregierung die dt Währung vom Gold, nachdem Edelmetallstandards lange Garanten der Währungssysteme waren. Den gewaltigen finanziellen Kriegsanstrengungen des I. WKs geschuldet kann das Ergebnis Anf. der 1920er Jahre als bekannt gelten.

Es mag ein wenig billig sein auf der “Anti-Amerika-Welle“ zu reiten, aber es sollte klar werden, daß von jenseits des Atlantiks aus den Schaltzentralen der Macht in Politik und Wirtschaft nicht die vielfach propagierte „Freiheit“, sondern ein Wirtschaftsleitsystem mit ausufernder Liberalisierung, unkontrolliertem Finanzkapital, mit Monopolismus und absoluter Marktbeherrschung kommt. Das ist keine Frage des gerade amtierenden Präsidenten, sondern eine des Systems ! Die von den USA immer wieder propagierte „Freiheit“ gibt es dort tatsächlich, aber sie ist personell-individuell und entsteht eher im gesellschaftlichen „Underground“, in den vielen bunten und schrillen Lebensformen abseits des Althergebrachten. Ansonsten heißt es wie eh und je: „Geld regiert die Welt.“ Diese Machenschaften werden uns, auf Kosten von Schwächeren, Unprivilegierten, von Mitbewerbern, von Natur und Umwelt, als unvermeidlicher „Kampf um Märkte und Ressourcen verkauft“, hinzu mit der Hybris des Wachstums und des Mehrwerts, da Aktienmärkte und Anleger dies fordern,...Zahlen auf Papier und in den Rechnern ohne ausreichend reale Güter und Gegenwerte! Die Aktienindices erreichen seit 1982 anhaltend astronomische Höhen, so daß Krisen nur als Kurskorrekturen wahr genommen werden. Kein Wunder, bei den aktuellen Zinssätzen ist Geld billig zu haben. Das heizt die Inflation an. Die Geldmenge hat sich um das x-fache gegenüber der real produzierten Gütermenge vervielfacht. Waren und Güter verlieren immer stärker und schneller an Wert. Diese eher deflationären Tendenzen werden durch Verschuldung aufgefangen. Aber die Staatsverschuldungen, welche gewichtig auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) drücken, haben Dimensionen angenommen als befänden wir uns in einem dauerhaften Kriegszustand, aber vermutlich sind wir es auch. So schaukeln wir immer höher zwischen Inflations- und Deflationsgefahr hin und her in Erwartung des Falls zu einer der beiden Seiten. Das ganze System funktioniert nur solange, wie die Hauptgläubiger, die Zentralbanken, ihre Versprechen Kredite bereit zu stellen einhalten können. Was, wenn sie ihr Versprechen nicht mehr einlösen, wie die private Morgan-Bank 1907 in den USA, als sie viele Kleinbanken über die Klinge springen ließ? Auch heute hält das Morgan-Konsortium große Anteile an der privaten Fed. Der US-Finanzmarkt entscheidet heutzutage über Gedeih und Verderb von ganzen Nationen. Reine Geldgeschäfte machen pro Tag das 50 bis 100fache im Wert gegenüber dem Güterwelthandel aus. Und alles geschieht in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, nicht zuletzt durch Technik und Digitalisierung vorangetrieben, jeden bis zur Atemlosigkeit erfassend, weil man einfach „mit muß“. Geld ist zum Maßstab aller Dinge geworden, an dem schlichtweg alles gemessen wird, um rentabel, profitabel und effizient zu sein. Sind das w i r k l i c h erstrebenswerte Ziele ??? Haben wir darauf in der menschlichen Evolutionsgeschichte seit Jahrtausenden hingearbeitet, ich glaube nicht...

Wir hätten mehr lernen müssen aus unserer Geschichte, „ein altes Lied“... und das Mittelalter ist hierzu ein gutes Negativ-Beispiel. Adel und Klerus zählten, das Besitzbürgertum gesellte sich dazu, der Rest war Pöbel, rechtlich “dem Vieh gleichstehend“. Allgemeine persönliche Freiheiten, die in vorchristlichen Gesellschaftsformen mit erheblich geringerer Bevölkerungsdichte in unserem Raum mglw. existierten, gingen mit römischer, feudaler und klerikaler Unterdrückung definitiv verloren. Neue „bürgerliche Freiheiten“ konnten in den letzten zwei Jahrhunderten mühsam erkämpft werden, haben bis heute für die Masse eine gewisse Suggestivwirkung (die wahren Profiteure spielen auf einer anderen Ebene, s.o.) und werden nun mit der Digitalisierung, den zunehmenden Kontrollsystemen im „Kampf gegen den Terror“, im „Kampf gegen Seuchen“ und nicht zuletzt durch die unkontrollierten Finanzmächte, deren Vernichtungspotential ungeheuer ist, aufgegeben. Ach wie herrlich „frei“ sind wir heute..., gleichen wir mögliche Verluste also mit Konsum aus, verhalten uns systemkonform im Sinne der Profiteure, und werden einfach „glückliche Menschen“...ich habe den Eindruck, daß die Science-Fiction-Filme aus meinen Kindheitstagen allmählich Realität werden...aber die kamen ja auch aus den USA...

Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

George Santayana

Was ist zu tun? Vorrangig muß der zügellosen Spekulation auf den Finanzmärkten aus reiner Profitgier entgegen gewirkt werden, wie es z.B. Francois Mitterand oder Helmut Schmidt Anfang der 1980er forderten. Es gibt 40 Jahre später genügend Mahner, welche diesbzgl erheblich mehr Kompetenz aufweisen als ich. Denn es ist ein Tanz am Rande des Vulkans und wird viele mit in den Abgrund reißen. Sicher würde es grundsätzlich bessere Wirtschafts- und Gesellschaftsformen geben, aber Utopien sind immer nur schwer realisierbar. Vermutlich wird die Zukunft nicht den großen staatlichen und überstaatlichen Organisationen und Institutionen gehören, wenn die großen Blasen alle zerplatzt sind, sondern kleinen regionalen Verbänden, wie damals in den griech. antiken oder mittelalterlichen Stadtstaaten. Wir sollten eigene und praktikable Wege gehen und, wenn einmal vorhanden, zuerst die Errungenschaften unserer „sozialen Marktwirtschaft“ und der elementaren Grundversorgung durch übertriebene Liberalisierung nicht weiter aushöhlen. Im Vordergrund muß das Allgemeinwohl stehen und nicht die Interessen einiger weniger. „Eigentum verpflichtet“ laut Art. 14 des Grundgesetzes, deshalb darf es auch nicht in die Hände von verantwortungslosen Spekulanten geraten, die sich allen Verpflichtungen enthoben glauben...und übrigens, wenn schon einmal dieser „Rundumschlag“ erfolgt: Viel mehr Frauen in die Politik, wollte ich nämlich schon lange schreiben. Aber bitte richtige Frauen und keine verkappten Männer, Frauen, die mit ihrem „weiblichen Instinkt“ Politik betreiben, kommunikativ und darauf bedacht Leben zu erhalten und nicht zerstörend wirken wie viele zweifelhafte Persönlichkeiten mit ihren absolut dämlichen „phalliotischen Großmachtträumen“, die wohl im Bett interessant sein mögen, aber nicht auf das internationale Parkett der Diplomatie gehören. Sie sind genährt von den Idealen einer schon lange überholten patriarchalischen Gesellschaft, gestützt durch hinfällige religiöse Systeme. Solange wir solchen Atavismen folgen und in der großen Politik das Recht des Stärkeren gilt, was in mehreren Jahrtausenden immer nur zur Selbstzerfleischung der Menschheit führte und nicht endlich die Vernunft regiert, wird sicher auch dieser Science-Fiction irgendwann Realität werden - Große Probleme, wie das Hauptübel, die Überbevölkerung sowie daraus resultierende Verteilungskämpfe und Kriege, könnten mit einem Schlag gelöst werden: Durch die Kastration der männlichen Spezies, Ausnahmen nur zur selektierten Fortpflanzung. Vielleicht ist unsere globale Mikroplastik-Verseuchung ein möglicher Lösungsansatz und die notwendige biologische Korrektur bzgl der bedrohlich wachsenden Bevölkerungszunahme, kann man wenigstens noch ein bißchen Spaß haben.....


V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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1/ Hierzu sei vielleicht eine leicht provokante Anmerkung erlaubt. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burgundischen Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur „schicke Sachen“ anziehen, reicht da kaum aus. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen. Gerade der burgund. Hof zeichnete sich in der 2. Hälfte des XV. Jhs, neben seiner Prunksucht, dem Luxus und Zierrat, den Inszenierungen, dem großen Gefolge mit imposanten Auftreten, durch übertriebene Strenge und Etikette aus, angefangen vom reglementierten Tagesablauf, über die Tischsitten, den Ehrenkodex im Umgang miteinander, den Ehrerweisungen, Kniefällen, bis hin zur Verwendung von Stoffen in Brokat, Samt und Seide, den Mustern, gestickten Devisen oder Monogrammen und Accessoires für die Kleidung. Viele Adelige schickten ihre Söhne an diesen Hof, um sich dort die neuesten Moden anzueignen. Durch Erbe an das Haus Habsburg wurde auch das Hofzeremoniell weitervererbt und spätestens mit der Übernahme in Spanien war es das Modell aller absolutistischen Fürstenhöfe Europas - der Ursprung lag in Dijon.



2/ Siehe dazu P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51 und BuiA, Philippe de Commynes 1470er, S. 249 „...und wenn es zwei verschiedene Nationen sind, so haben sie eine verschiedene Sprache und verschiedene Kleidung.“ Anzumerken gilt, daß der regionale Wechsel von Modeformen für den heutigen Betrachter vor allem an der Adaption dieses neuen Malstils und der neuen Bilderkonvention ablesbar ist! So ist die frühe Übernahme im Maas- und Rheinland (z.B. durch Stefan Lochner in Köln), in unmittelbarer Nähe zu den reichen Städten der Niederen Lande, nachvollziehbar, mit einer zeitlich verzögerten Ausbreitung in die östlichen und südlichen Reichsgebiete, wo die Malerei der altniederländischen Schule angeblich erst in der zweiten Hälfte des XV. Jhs fasste, z.B. erwähnter Meister des Schottenaltars in Wien um 1470. Es gibt frühe Vorläuferwerke der 30er bis 60er Jahre aus Wien, die als Anregung gedient haben könnten den neuen niederländischen Stil umzusetzen, ohne daß der Meister selbst in den Niederen Landen gewesen zu sein. Andere Kunstgattungen, wie die Buchmalerei, erscheinen auf Reichsgebiet relativ statisch. Es war „Klein- und Gebrauchskunst“ und kein „großes Kino“, wie ein Tafelbild. Im Gegensatz zu Frankreich wirkten die deutschen Formen, meist ohne große fürstliche Auftraggeber, nicht hochmodisch und oft „hausbacken“. Hier kamen reale ortsgebundene Modeformen vielleicht eher zum Ausdruck. Bei den „internationalen Tafelbildern“ stellt sich für den Reenacter nun das Problem zu erkennen inwieweit die Kleidung der Protagonisten einen zeit- und ortsgemässen Bezug durch Aufnahme des Gewöhnlichen erfährt oder wurde mit „fremden Details“ auf den Bildtafeln die Sensationslust und der Bedarf nach neuer Mode geweckt, die es nachzuahmen galt, weil Künstler oder Werk aus weiter Ferne stammten? Es ließe sich spekulieren, daß der Osten und Süden Dtlds zunächst modisch anders ausgerichtet war, da sich Kleidung hier entweder durch die tradierten Kunststile (böhmisch schwerer Stil) dokumentierte oder mehr ital. Einflüße empfing. Dem gegenüber schienen sich im Westen neue Stile als modische Vorreiter Burgunds ausdrücken. Wäre dem so, dann sollte ein süddt. oder oberösterr. Reenacter des XV. Jhs sich bzgl. des Gürtels z.B. nicht an Formen aus London, Dijon, Brügge oder Antwerpen orientieren. Denn dort herrschten mglw, den Bildern nach zu urteilen, zeitgleich andere Modeformen vor als in seiner Heimat?



3/ Sozialstruktur nach R. Kiessling, Bürgerliche Gesellschaft u Kirche in Augsburg im SMA von 1971, Kleiderordnung nach Kühnel, Alltag im SMA, S. 42 und Keupp, Mode im MA, S. 56, 120 und zur Hurenordnung S. 123. In diesen Schriften wird noch einmal recht deutlich gemacht, daß ein gelbes Kleid nicht automatisch die Dirne kennzeichnete, sondern es gewisse Accessoires waren, die regional unterschiedlich, wie Tüchlein, Hauben, Kappen, Schleier, Federn etc. von gelber, roter oder grüner Farbe oder Farbanteilen den besonderen Status hervorhob, wobei Gelb durchaus seit röm. Zeit als galante, erotische Farbe galt. Allerdings war sie auch ein Zeichen der „Falschheit“ und des Verrats, denn gerade auf spätmittelalterlichen Abbildungen der Jünger Christi wurde Judas gerne in gelbe Gewandung „gehüllt“, wie auf dem Retabel des Schottenaltars zu Wien gegen 1470. In manchen Schweizer Orten und in Köln wurden im SMA z.B. rote Kappen, in Göttingen rote Schuhe, in London bunt gestreifte Hauben und in Augsburg grüne Streifen auf dem Schleier vorgeschrieben. In der zweiten Hälfte des XIII. Jhs waren safrangelbe Gebände der „letzte Schrei“, so daß der Wanderprediger Bertold von Regensburg wetterte: „Ein bloßer Nacken und ein gelbes Kleid, die locken manche falsche Freier an“, und sie wohl mit Erfolg für anrüchig nur Jüdinnen, Pfaffendirnen und „diejenigen, die auf dem Graben gehen“ zugehörig erklärte, so daß Ehrbare sie nicht mehr tragen wollten. Aber es wäre beispielsweise in Städten mit Anteilen von Gelb im Stadtwappen, wie Aachen, Amberg, Coburg, Dortmund, Goslar, Heilbronn, Nördlingen, oder auch Herzogenaurach mit dem steigenden schwarzen Löwen auf gelbem Grund unsinnig gelb bekleidete Personen der Prostitution zuzuordnen, wenn dort Stadtbedienstete in irgendeiner Form gelbe Kleidung, bzw gelb-schwarze Livrees getragen haben dürften. In Zittau wurde 1353 die Gugel, also ein Bekleidungsstück der Männerwelt, ausschließlich den „Henkersmägden“, Keupp vermutet dahinter Prostituierte, vorbehalten und den ehrbaren Frau untersagt. Allein wegen der Verwechslungsgefahr werden solche Verordnungen wohl gegriffen haben.



4/ Zu den Schauspielen siehe dazu auch A. Saliger, Der Wiener Schottenmeister, S. 57ff, S. 160 und S. 157 die „Dreikönigsspiele“, mit der illustren Nebenbemerkung, daß die Kronen der Hl Könige teilweise aus Papiermasché gefertigt wurden. In Antwerpen war Ende des XV. Jhs das Bildthema „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Altdt. u altnl. Malerei Alte Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinn symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren im SMA als Schwarzer Darstellung fand [Ars Sacra, S. 121]. Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch für Westeuropa ungewöhnliche Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Wie bereits erwähnt wurden manche Bilddetails vermutlich von den beliebten sakralen Bühnenstücken angeregt, deren Anfänge seit dem 11. Jh. bei den Krippen- oder Dreikönigsspiele, den Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“ lagen. In Frankfurt/Main waren 1493 an der Darstellung des „Kalvarienbergs“ 280 Personen beteiligt! Um die jeweiligen Protagonisten zu identifizieren ist es unerläßlich gewesen sie durch Kleidung und Attribute kenntlich zu machen. Wilhelm Rollinger inszenierte in den 1480er Jahren das Wiener Passionsspiel bei St. Stephan nach dem Vorbild des Passionsspiels von Freiburg im Breisgau, das sich wohl im Programm des reliefierten Ratsherrenchorgestühls von 1486 im Wiener Dom, niederschlug, 1945 verbrannt. Ein Abglanz des Spiels mögen die Wandmalereien von acht Passionsszenen an der Außenwand des Stephansdoms wiedergeben? Die eindeutige Darstellung einer Prozession findet sich auf Stefan Lochners „Tempeldarbringung“ von 1447 mit Kerzen tragenden jugendlichen Meßdienern, siehe Details unterMode in der ersten Hälfte des XV. Jhs.

Es ist vielleicht gar nicht zu vermessen Überlegungen anzustellen, ob Laien-Schauspieler mit ihren Kostümen und Teilen der Ausstattung den Malern Modell standen, ähnlich wie es von Bürgern auf Rembrandts „Nachtwache“ aus dem XVII. Jh bekannt ist. Das Hauptbild des Marienaltars in Salzburg von 1485c zeigt diesbzgl. ein interessantes Detail. Die drei Könige erweisen dem neugeborenen Jesus ihre Referenz. Der schwarze König trägt Stiefel, glaubwürdig für einen reisigen Reiter, zumal im Hintergrund das Gefolge auf den Pferden wartet. So ist z.B. in der „Anbetung“ im Suermondt-Ludwig-Mus. Aachen von 1470c der ältere König folgerichtig mit Sporen ausgestattet oder „Caspar“ auf dem Maria-Teppich aus der 2. Hälfte des XV. Jhs in der ehem. Oettingen-Wallersteinschen Smlg mit Sporen und Lersen. Hingegen trägt in Salzburg der König mittleren Alters, gerade im Begriff zu knien, die offenen Leder-/Korksandalen („Schläppchen“, Originale z.B. im GNM Nürnberg oder Ledermus Offenbach), die häufiges Attribut spätmittelalterlicher Protagonisten auf Bildern mit städtisch bürgerlichen Bezügen sind. Für einen Reiter wären sie unpraktisch, sie gelten auch nicht unbedingt als königliches Kleidungsutensil, stehen einem hochstehenden Bürger, als Laienschauspieler in die königliche Rolle geschlüpft, aber durchaus, denn sie entstammen seiner realen Lebenssphäre. Ähnlich siehe bereits „Anbetung der Könige“ zu Schloß Braunfels um 1420 und auch das Bild der Anbetung des Antwerpener Meisters in der Pinakothek München von 1520, hinzu mit stark orientalisierenden Elementen und gewaltig aufbauschender Kleidung. Hier erwartet man unwillkürlich eine Sänfte im Hintergrund. Man könnte die Sache weiter ausspinnen, ein nobler Bürger übernahm im „Kostüm“ die Rolle des Königs, behielt aber sein eigenes Schuhwerk an, wird vielleicht auf der Bühne gestanden haben, um später im Atelier des Malers für die Nachwelt erfasst zu werden. Natürlich in der Art und Weise, wie es dem Maler in den Bildaufbau passte und nicht unbedingt nach Schauspielablauf, der ja nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktionieren musste. Hier läge eine mögliche Erklärung für die faszinierende Detailtreue der SMA-Malerei mit ihrer „fotografischen Genauigkeit“, welche die Talente des Malers in Bildkomposition und Ausführung forderte, aber in den Details nicht unbedingt als Auswüchse seiner Phantasie gedeutet werden müssten. Manche Maler waren durch die Kulissenerstellung bereits unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Mglw fertigten sie sich während der Aufführungen Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. Wie bereits erwähnt, wird in der Kunstgeschichte zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren hervor gehoben. Wobei der Bildaufbau einer inneren Logik folgen musste, wenn die Retabeltafeln in der Komposition Bezug nahmen auf das Zentrum des Altars, wie beim Sterzinger Meister für den Hochaltar von 1457, ohne daß ein Bühnenstück hier Anleihen geben konnte. Bzgl der Stücke fehlen uns meist jegliche Informationen, falls die Bilder nicht in irgendeiner Form darauf verweisen? Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gab, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was kirchliche und städtischen Potentaten zuließen, mit „deftigen und derben Zutaten“ konnten man vielleicht um die Gunst des Publikums ringen. Wobei Massenaufläufe eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickeln, wie zelebrierte Karnevals- und Fastnachtsbräuche oder der „Schembartlauf“ zeigen, siehe auch „index-Seite“ FußnoteProzessionen.



5/ Die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden, Byzantiner/Rhomäer/Oströmer oder als „Türken“ waren nicht nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen. Politische Bezüge im XIV./XV. Jh durch die akute Osmanengefahr mit Schaffung eines Feindbildes, aber auch mit dessen Verunglimpfung, sind unverkennbar. Der Orient war immer in irgendeiner Form im Westen präsent, auch nach der Zeit ostmediterraner Kreuzzüge. Dem unaufhaltsamen Vordrängen der Osmanen auf dem Balkan konnte man keinen Einhalt gebieten. Könige mit ihrem Gefolge aus den überrannten Territorien, die Krone und Land verloren hatten, „irrten“ im SMA an den Höfen Europas umher. Es wurde die „orientalischen Welle“ genutzt, wie Zigeuner 1427 in Paris, die sich als büssende Adelige ausgaben mit einem großen „ägyptischen“ Gefolge. Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Attribute und Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite schärpenartige Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Metallgürteln und auf Rüstungen (Zeugnisse dieser „Modewelle“ haben sich in Rüstkammern bis heute erhalten). Zugleich wurde dies mit Accessoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bildeten ein buntes Gemenge. Ansätze sind bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs erkennbar (bsplw eine byzant. Rüstung auf der „Kreuzigungsszene“, Dombibliothek Hildesheim, vermutlich durch ital. Anregung), sind vermehrt ab 1400 nachweisbar und gerieten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten können. Vielleicht wurde bewußt Unzeitgemässes auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumschauen oder geistlicher, weltlicher und königlicher Prozessionen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor! So kann auch recht deftig, vielleicht auch humorvoll, aufgetragen worden sein, um die Gunst eines bildungsfernen Publikums buhlend. Wie wir aus dem mittelalterlichen Rechtswesen wissen, das nach dem Gerechtigskeitsempfinden von einem starken Rachebedürfnis genährt wurde, war man bei Urteilsvollstreckungen nicht zimperlich und mutete dem sensationslustigen Volk einiges zu. Huizinga spricht von einem „Jahrmarktsvergnügen“. Auch waren die Vollstreckungen von Inquisitionsurteilen „beliebte“ Massenaufläufe, wie die Autodafes in Portugal und Spanien, immer von dem Horror begleitet, daß es einen nicht selbst getroffen hatte...

Von der modernen Forschung verworfen, galten nach alter Lehrmeinung die Bühnenstücke als ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrende Motive auf den Tafelbildern, denn sowohl bei den Bildern, als auch bei den Stücken geht es um Eindeutigkeit. Ich halte diesen früher begangenen Betrachtungsweg nicht für verwerflich. Denn Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich die Strahlkraft von großen Werken und deren berühmte Meister, samt ihrer Werkstätten kennzeichnen. Sicher haben tradierte und bewährte Motive, Musterbücher, das bewußte Kopieren oder Werkstattkarrieren der Maler nach wie vor eine entscheidende Rolle gespielt, aber diese Theorie wäre um eine interessante Nuance erweitert. Denn setze ich das Kopieren eines berühmten Werkes als Hauptmotivation für Entstehung und Bildfindung voraus, wäre mglw auch die dargestellte Mode einem fremden Ursprung zuzuordnen und gäbe nicht das wieder, was auf den Straßen zu sehen wäre, in der das Tafelbild später präsentiert wurde, sondern gäbe das wieder was am Herstellungsort der Tafel üblich war! Das kann sehr weit voneinander entfernt sein. Für uns stellt sich diesbzgl die Frage wie groß war der Unterschied der Mode um 1450 in Brügge und in Breslau? Würde sich der Maler am Schauspiel in seiner Stadt orientieren, wären vielleicht mehr Ortsbezüge zu erwarten, selbst sehr ungewöhnliche Bildelemente wären erklärbar. Ich möchte diesen Aspekt nicht noch weiter vertiefen, aber das genaue Identifizieren von Protagonisten auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ist ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine unweigerliche Annäherung der beiden Ausdrucksformen von Schauspiel und Bild-Inszenierung, durch „in Szene setzenbewirkt.



6/ Es liegen, wie bereits erwähnt, höchst tendenziöse Bildinhalte vor. Die Maler wollten eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Bildaussage beschränkte sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten, sondern Mode und Accessoires, also Identifikationsfaktoren, halfen die Bilder für den damaligen Betrachter lesbar zu machen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ durch die scheinbare „fotografische Genauigkeit“ der Bilder in manchen Bereichen vielleicht nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen, ausserdem steht das „diabolische Grinsen und Grienen“ der Geissler nicht jedem...