I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh "ab nach Hause"

DRAGAL


Zur Einführung eine Zeitenwanderung: Er spuckte durch die Scharte hindurch in das Schneegestöber: „Gott sei Dank, heute ist Ruhetag. Bei dem Wetter werden sie die Stücke nicht spielen lassen“...-





Historischer Kontext ab 1450c:

Am 5. Januar 1477 fiel Karl, Herzog von Burgund, genannt „der Kühne“ in der Entsatzschlacht um Nancy. Die zahlreichen Gegner triumphierten: der Kaiser, Fürsten und Bischöfe im Reich, die Herzöge von Lothringen und Österreich, die Eidgenossen und vor allem der franz. König, seit Jahren mit Karl im Krieg. Frankreich stand dem Aufstieg des Hauses Burgund argwöhnisch gegenüber, welches unter geschickten Herzögen, durch Heirat und Diplomatie seinen Machtbereich erweitert hatte, gestützt auf die Städte der Oberen und vor allem die der reichen Niederen Lande. Karl versuchte die Lücke zwischen den beiden Räumen zu schließen, sie zu vereinen, nicht durch Heirat, wie seine Vorgänger, sondern mit politischem und militärischem Druck. Ein Anspruch, der nur wenig Zustimmung fand, niemand war gewillt Burgund noch mehr Machtfülle einzuräumen. In Mode und Etikette war der burgundische Hof bereits führend und stilbildend, bemühte sich, in Dijon, Antwerpen, Brügge oder Brüssel tagend, seine Führungsrolle auch dem aufstrebenden Bürgertum gegenüber zu wahren. Prunkvolle Ausstattung und durch Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise der Gewänder verliehen der burgundischen Mode eine Exklusivität, die man an anderen Fürstenhöfen nicht fand (1). Karl war es möglich für seine Feldzüge nach verlustreichen Schlachten innerhalb kürzester Zeit neue Armeen mit einer hohen Zahl berittener Söldner, mit Bognern und Handrohren, vielen Geschützen und tausenden von Wagen zusammen zu stellen. Eine sehr kostspielige Angelegenheit. Andere Fürsten zögerten lange, bis sie überhaupt Kontingente ins Feld brachten, versuchten jene dann möglichst nicht leichtfertig zu opfern, sondern als Druckmittel bei Verhandlungen zu verwenden. Der franz König Ludwig XI. investierte in die Diplomatie und schuf Koalitionen. Starrkopf Karl übersah diese Realitäten. Er schuf Bündnisse und nutzte sie nicht, verließ sich nur auf die eigenen Waffen. Zu den wichtigsten zählte nicht Geschützarsenal, Drill, Disziplin oder taktische Gliederung, das kannten andere Mächte auch und verstanden die Handhabung besser, sondern die Städte! Sie lieferten das Geld, die Grundlage jeglichen Handelns, bis heute. Das Potential der Niederen Lande war diesbzgl ungeheuer.

Die Gesellschaft im SMA hatte sich deutlich gewandelt. Der Aufschwung ist an steigenden Bevölkerungszahlen messbar. Die Einwohnerschaft auf Reichsgebiet hatte sich gegen Ende des Jhs gegenüber 1400 mit rd 15 Millionen Menschen nahezu verdoppelt. Die Zersiedelung des Landes erleichterte das Reisen mit das Ausweitung der Verkehrssysteme. Große Städte waren nicht nur Handelszentren, die sich europaweit vernetzten und neue Schichten begünstigten, welche die Vormacht des Adels mit Hilfe des Geldes brachen und das Primat der Kirche bezüglich der Bildung in Frage stellten, sondern gewaltige machtpolitische Gebilde. Kein Bericht der Zeit läßt ausser Acht, wie sehr sich Potentaten um die Bürger bemühten, wie man auf deren Wohlwollen angewiesen war, wie stark Stadtrebellionen die Staaten erschütterten, wie sehr man um diese festen Plätze stritt. Hier traf man wichtige Entscheidungen, hier stiegen Fürstentümer oder fielen, hier saß das Geld, hier saß die wirkliche Macht!

Auf der anderen Seite begannen Städte sich in ihren Mauern einzuigeln und begünstigten durch den Zunftzwang eine Regionalisierung, welche noch Jahrhunderte die Wirtschaft lähmen sollte, so daß liberale Kräfte nach der Franz. Revolution den Befreiungsschlag fest zementierter mittelalterlicher Schranken erstrebten. Reformation und Calvinismus sollten an den Glaubensgrundsätzen rütteln, doch es fand nur eine Umdeutung statt. Noch bangte jeder um das Seelenheil und verstand die Erlangung dessen, wie alles in dieser Zeit, gleichsam als Geschäft. Das Mittelalter hatte sich ein festes „Verfallsdatum“ vorgeschrieben, mit ungewissen Eintreten. Es gab kein unbegrenztes Fortschreiten, sondern alles wirkte hin auf den letzten Tag und das „Jüngste Gericht“, dem sich jeder würde stellen müssen.

1450-1520

- Spätgotik -

Der „internationale Stil“ Burgunds aus den Niederen Landen

Wandteppich „Die Sinne“ Musee de Cluny ParisAO, urspl Brüssel 1478n


Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, ws = Weißmetallüberzug, vs = versilbert, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort, ae = ähnlich

All unser Wort, Werk, Tun und Lassen / soll sein aus Gott und Gott umfassen.[S. Brant, Das Narrenschiff, SBNa, S. 165]

Vermögende stifteten ihren Besitz für Kirchenerweiterungen, Kirchenschmuck, liturgische Gerätschaften, Altäre oder bemalte Altarretabel (zwei Drittel dieser erhaltenen Tafelbilder stammen in Dtld aus der Zeit nach 1450). Sie sind eine faszinierende Quelle. Soziale Hierarchien und Funktionsträger werden durch die Kleidung kenntlich. In Details gewähren sie uns Einblicke in den Alltag, auch wenn Erzähltes weit ab davon in biblischer Geschichte liegt. Es gab unverzichtbare Bildelemente, z.B. Laternen in der „Gethesmane-Szene“, um die nächtliche Handlung zu suggerieren. Schergen benötigten beim „Kindermord“, für die „Gefangennahme“ oder als „Grabwächter“ Waffen, die Könige bei der „Anbetung“ Kronen oder Herrschaftszeichen und selbstverständlich die Geschenke in ihren Gefässen. Es ist interessant zu beobachten, wie diese Gegenstände ihr Aussehen im Laufe der Zeit wandelten. Bekleidungselemente bekamen auch nördl. der Alpen seit dem XIV. Jh byzantinische Einschläge und erhielten orientalisierende Noten, aus Helmen und Kronen wurden geschmückte Turbane, die Klingen der Waffen wurden zu Krummschwertern. Auf dem „Judaskuß“ an der Sebalduskirche in Nürnberg von V. Stoss 1499 gestiftet durch Fam. Volckamer handelt definitiv kein röm. Soldat mehr, sondern jemand in osmanischer (Ver-)Kleidung. Gegen Ende des Jhs entwickelte sich der Gewandungsstil auf den Bildern, vor allem der unterer Chargen, expressiv und ausdrucksstark, dafür mag es erklärbare politische Hintergründe mit Verweis auf die Brennpunkte der Zeit geben: Italien-Balkan-Osmanengefahr. Mode und Ausstattung der Bilder suchten keine Alltagsnähe, um sie dem damaligen Betrachter erfahrbarer zu machen, denn sie veranschaulichen nicht unerheblich die Vorstellungswelt des Mittelalters und seiner Künstler-Handwerker. Details und Einzelobjekte konnten aus der täglich erfahrbaren Welt stammen, wurden aber nicht selten ungewöhnlich arrangiert. Die Spannweite scheint groß und umfasst auch bisher weniger beachtete Richtungen, dazu siehe: Tafelbild und Aufführung


1450-1520:

1. Quellen

2. Mode in der zweiten Hälfte des XV. Jhs

3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

4a Gürtelformen des einfachen Volkes

4b Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes (D-E)

___Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle

5. Spezielle Renaissance Formen ab 1500

6. Ausblick in die Neuzeit



1. Quellen für die zweite Hälfte des XV. Jhs (oder wie „international“ waren Malstil und Mode?):

Mit den neuen Formen der Volksfrömmigkeit devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, setzte sich seit den 1430er Jahren in der Tafelbildmalerei die neue Ölfarben-Technik mit hoher Leuchtkraft der Farben durch, die ars nova, aus den Niederen Landen kommend (Meister von Flemalle, H. und J. van Eyk, R. vd Weyden, u.a.). Sie verblüffte mit einer gesteigerten Realitätsnähe durch perspektivisch getreue Landschaft und plastisch gestaltete Sachkultur und Interieurs, wie Leuchter, Möbel, Inventare, Kannen, Keramik, etc. Diese wurden genau erfasst und gewähren uns im beschränkten Maß Einblicke in die Alltagskultur, die in manchen Punkten über das hinausgehen, was in den vorherigen Jahrhunderten geleistet wurde. In der Mode wurden detailreich Stoffe und Schmuckaccessoires thematisiert, aber auch vollkommen neu natürliche Erscheinungen, wie Luftblasen auf dem Wasser, Lichtspiegelungen, Details mit Gestrüpp in den Mauerritzen, Gewächse am Wegrand oder Falten im Gesicht der Protagonisten. So gelang es in den Bildern trotz altbekannter Themen und Motive, die über viele Generationen tradiert waren, immer wieder Neues mit individueller Note auszudrücken. Der gesteigerte Realismus wird in der Forschung als eine Art Gotteserkenntnis in den Erscheinungen der Natur angesehen, war aber nicht weniger Ausdruck veränderter Machtstrukturen vom alteingesessenen Landadel hin zum Stadtadel/Hochbürger, der wirtschaftlich und politisch erstarkt nun sein Lebensumfeld dargestellt sah. Schließlich bezahlte er die neuen Kunstwerke, bzw stiftete sie als gottgefälliges Werk für die Kirchenausstattung. Neben tradierten Requisiten in den Geburts-, Passions- und Kreuzigungszenen als zeitgenössische Bestandteile, muten allerdings, wie bereits erwähnt, gewisse Details fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Verzerrung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem europäischen Alltag zurechnen würde.

Huizinga zu Frkrch und Burgund: Höfische Mode war neben Höflichkeit und Etikette, Tanz und Kunst adäquates Ausdrucksmittel extremer Stilisierung hoher Lebenskunst, welche die raue Wirklichkeit in die Sphäre edler Harmonie erhob [HdM, S. 55]. Die Auftraggeber erhaltener Tafelbilder sassen nicht selten an jenen Höfen, inwieweit können solche Ergebnisse als Gradmesser zur realen Mode dieser Zeit dienen? Über das Rheinland verbreitete sich der burgund.-niederländische Stil in das Reichsgebiet, demnach wurde jene Mode im Westen des Reichs schneller aufgenommen als im Osten. Exemplarisch für den „angeblich rückständigen Osten“ stehe der Meister des Schottenaltars in Wien mit seinem Altarretabel vor 1470. Jener verarbeitete durchaus Innovationen der altniederländischen Meister Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Derik Bouts mit einer Vorliebe für überzierliche und schlanke Formen, wie viele Maler im süddt. Raum. Neben der burg. Mode wirkte im Osten aber seit geraumer Weile ein ungarischer Stil und im Südosten des Reiches traditionell die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernahm. Solche Forschungsaussagen werden meist aufgrund der Bilder als Quelle gemacht, die Anzahl archäologisch oder obertägig erhaltener Kleidungsstücke ist begrenzt. Darsteller für den Adel, das Stadtpatriziat, den „betuchten Bürger“ werden sich mglw. an naturalistischen Porträts solventer Auftraggeber (ausgeführt bsplw. durch H. Memling oder R. van der Weyden), mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen. Hier ist sicher gestellt, daß die Kleidung zeit- und zugleich ortsgemäß ist, denn niemand läßt sich in unmodischer Gewandung am Heimatort porträtieren, ganz im Gegenteil.

Doch was zeigen die Tafelbilder? Welche Mode dokumentiert sich dort? Vermutlich doch diejenige am Ort des Malers mit seinem persönlichen Umfeld, welches auf das Werk einwirkte (Modell stehen, etc) und weniger die Mode am Aufstellungsort des Tafelbilds. Erstellung und Präsentation war nämlich nicht unbedingt identisch, auch die Mode muss damit nicht identisch sein. Schriftquellen drücken über Jahrhunderte aus, wie sehr man sich über das Äußere des Nachbarn mokierte. Mode scheint, uns geläufig als „Tracht“, regionale Bezüge zu haben, da sie Identität stiftend ist. Die „Internationalität“ ist möglichweise ein modernes Konstrukt. Bezüglich der Tafelbilder stellt sich die Frage nach „Ortstreue“, wenn Herstellungsort des Bildes und damit der Einfluß des unmittelbar darauf wirkenden Umfeldes hunderte von Kilometern vom Aufstellort des Bildes entfernt lag, wenn bsplw ein flanderischer Schnitzaltar von Mechelen bis nach Danzig gelangte. Altarretabel aus Ulmer Werkstätten wurden im XV. Jh in weite Fernen geliefert, wie die des Hans Multscher bis ins, durch den Silberabbau reiche, Sterzing/Tirol am Brenner oder Jörg Lederers von Kaufbeuren bis jenseits vom Reschen-Paß. Grosse vergoldete, figurenreich geschitzte Retabel aus Antwerpen waren bis in das XVI. Jh „Exportschlager“ und fanden im Rheinland oder Westfalen Aufstellung, siehe z.B. im Kölner Dom, in der Nicolaikirche zu Bielefeld oder das „Goldene Wunder“ in der Petrikirche von Dortmund (2).

Gegenüber solchen Gedankenspielen ist es ganz dankbar, wenn sich manche Maler in ihrer Bildfindung und in den Details deutlich vom zeitgenössischen Umfeld entfernten, wie bsplw. Meister Francke 1430 in seiner „Auferstehung“, heute Kunsthalle Hamburg. Die schlafenden Wächter tragen Rüstungen, die in künstlerischer Darstellung seit dem XII. Jh einen langen Entwicklungsweg von realistisch einfach, denn es sind Schergen als Wächter, bis zu prunkvoll und vornehm hinter sich haben. Von Meister Francke werden sie nach niederländischem Vorbild (v Eyck) vollends in eine „ferne orientalische Welt“ überführt mit fantastischen Rüstungs- und Kleidungsdetails, die definitiv nicht zum westeurop. Alltag gehörten. Beim Zugriff auf diese Quellen sollte der Reenacter Vorsicht bzgl der eigenen Darstellung walten lassen, sonst stellt er nicht einen Gerüsteten des XV. Jhs in Norddeutschland dar, sondern das Bild eines Gerüsteten in der Vorstellung des mittelalterlichen Malers oder Bildhauers bezogen auf eine Geschichte, die sich vor eineinhalb Jahrtausenden im östlichen Mittelmeerraum abgespielt hat.

Gerade das XV. Jh arbeitete mit subtilen Mitteln. Lukas Moser [Urheberschaft zuweilen angezweifelt] vergegenwärtigte auf dem Altarretabel von Tiefenbronn 1431 die Legende der wundersamen Reise einer kleinen Gruppe, darunter Lazarus und Maria Magdalena, nach Marseille. Die Stadt ist in heidnischer Hand (kann nur „spätantik römisch“ vor der Christianisierung meinen) und die Reisenden finden kein Obdach. Nach der Legende nächtigen sie unter dem Dach eines Heidentempels im Hafenbereich, der bei Moser ausschaut wie die Hafenmole selbst. Nichts an der Szenerie wirkt eigentlich heidnisch fremd, aber um die „Heidenstadt“ auszudrücken bekommt der zeitgenössisch anmutende Kirchturm über dem Fachwerkbau im Hintergrund einen Halbmond aufgepflanzt.

Nach wie vor nehmen Kleiderordnungen für uns einen hohen Stellenwert als Quelle ein. Eine Verordnung aus Straßburg von 1471 schrieb den Mägden vor kein Pelzwerk zu tragen und einfache Schürzen von „mißfarbenem“ Stoff. Bunte und farbenfrohe Schürzen durften erst Handwerkgattinnen aufwärts schmücken. Jenen waren einfache Pelzarten erlaubt, teure Sorten von Nerz, Zobel, Otter oder Luchs wurde ihnen untersagt. Die Brustausschnitte durften nicht zu gewagt sein. „Hübschlerinnen“, auch „freien Töchter“ oder „Fensterhennen“ genannt, durften Mäntel tragen mit einer Länge drei Finger breit über dem Boden, aber weder mit Seide, noch Feh gefüttert. Auch goldene Spangen, goldene Gürtel, mit Koralle oder Chalcedon im Wert von 50 (fl) Gulden war ihnen verboten, umgerechnet ein enormer Wert von rd 12.000 Hellern oder zwei kriegstauglichen Rößern (keine normalen Pferde) oder die Entlohung Tilman Riemenschneiders für eine seiner Schnitzarbeiten oder das Jahreseinkommen eines Universitätsprofessors, siehe Ständegesellschaft HMA/SMA. Es sollte der Unterschied zu ehrbaren Frauen der gehobenen Schichten deutlich aufgezeigt werden, also war es jenen im gewissen Maß erlaubt?! Aber wer war die „ehrbare Frau“? Zum höheren Bürgertum ein paar Zahlen aus der reichen Handelsmetropole Augsburg um 1500: Die Groß-Stadt mit rund 20.000 Einwohnern wies nicht ganz 2% Anteil auf, die mehr als 3000 Gulden und fast 1% Anteil, die mehr als 10.000 fl Vermögen besaßen, also immerhin rund 200 bis 400 Personen (3). Solch luxuriösen Verhältnisse sind natürlich kaum reichsweit übertragbar. Oben zitierte Straßburger Verordnung wendete sich auch an männliche Jugendliche der höheren Gesellschaft, daß es nur jenen erlaubt sei Wämser zu tragen, die das (seidene) Hemd offen auf der Brust zeigten. Handwerker durften dies nicht, schon mal gar nicht aus Seide, auch nicht aus edlem Tuch, welches man aufgrund der Webart „Scharlach“ nannte. Erst die Schweizer Bilderchroniken , siehe z.B. Luzerner Schilling von 1513, zeigten weisse Hemden der unteren Schichten. Auch der farbige Vorstoß am Hosenschlitz war jenen zunächst nicht gestattet, nur fremden Landsknechten in Sold. Es schwand im Laufe des XV. Jhs der Wert der Kleiderordnungen, sofern sie überhaupt jemals sinnvoll gegriffen hatten, dessen war sich die Obrigkeit bewusst, da Mode durch Erlasse einfach nicht zu regulieren war und zu sehr soziales Prestige mit ihr verbunden wurde. Viele Magistrate fanden diesbzgl moderate und gangbare Wege, ohne den Frieden in der Stadt zu gefährden. Andere, wie in Nürnberg mit einem regiden Stadtrat, erfanden perfide Spitzelsysteme, die noch bis weit ins XVI. Jh wirken sollten.


In Westeuropa sind zahlreiche Illuminationen in Handschriften auf Pergament erhalten. Das Reichsgebiet weist geringere Bestände auf, aber es kommen dort einfach bebilderte Handschriften auf Papier dazu [siehe Quellen für die erste Hälfte des XV. Jhs]. Deren Bilder, als eine Form der „Gebrauchskunst“, oft mit Feder und lavierendem Pinsel erstellt, zuweilen mit Deckfarben, war in Farbigkeit und Detailfülle nicht mit denen der berühmten Prachthandschriften vergleichbar, da Pergament, also Tierhaut, eine andere Farbigkeit zuläßt und höhere Beständigkeit hat. In den Städten organisierten sich Autoren und Illustratoren und es entstanden überregional bekannte Werkstätten, siehe Diebold Lauber in Hagenau, welcher sich auch mit der Drucktechnik einen Namen machen sollte. Gedruckt wurde schon seit Jahrhunderten, allerdings Ornamente auf Stoff, um kostbare Webmuster nachzuahmen [Rekonstruktionsbeispiele bei uns am Marktstand]. Man benutzte dazu große Holzstempel. Neuartig war der „erzählende“ Holzschnitt, also die bildnerische Darstellung. So wurde die technische Reproduzierbarkeit von Graphik möglich, bereits vor dem Druck der Schrift mit beweglichen Lettern. Das vermehrt in Gebrauch kommende Papier hätte einer grösseren Sorgfalt bedurft, um es für die Nachwelt zu erhalten, so ist anzunehmen, daß ein großer Teil der frühen Drucke verloren ist. Erhaltene Holzschnitte stellen, stärker noch als bei den Federzeichnungen, inhaltlich eine grobe Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar. Details, die auf gemalten Abbildungen sichtbar waren, wurden hier bewußt weg gelassen. Erst in der zweiten Hälfte des XV. Jhs sollten Kupferstiche und Radierungen höhere Detailfreudigkeit erreichen. Eine interessante Quelle können auch weit verbreitete Spielkarten darstellen, denn hier vollzogen sich ähnliche Entwicklungsschritte von exklusiven Sets zur gedruckten Massenware. In Süddtld wurden für die Karten erstmalig Holzschnitte verwendet und dort entstanden mit Augsburg Zentren der Herstellung. Selbst bekannte Malerwerkstätten, siehe Konrad Witz in Basel, fertigten Motive für diese Gebrauchskunst. Auch Hafner-Ware, wie figurierte Keramik oder Ofenkacheln mit gedruckten Motiven aus den Heizanlagen begüterter Häuser kann u.U. als Quelle herangezogen werden.


XV_02 rot „Die Sinne“ 55 x 90 cm

Als Sonderaktion wegen der Marktausfälle wären die Gobelins zu beziehen über...Bild anklicken (Angaben Höhe x Breite)

XV_05 „Löwe“ 85 x 65 cm

XV_02 blau „Die Sinne“ 55 x 90 cm








2. Mode ab 1450c (höfische u hochbürgerliche Formen):

Heutigen Tages muß alles der niederländischen, welschen Pracht und Unmäßigkeit gleich geschehen“ [zitiert aus GdK, S. 149]

Die Repräsentationsgewandung oberer Schichten, der „gestandenen Herren“ war bei offiziellen Anlässen knie- oder bodenlang. Nur die jüngeren Zeitgenossen und vor allem höfische Szenen mit Pagen zeigten kurze Ober- und Übergewandungen, hierzu konnten in Italien u Frkrch kurze Stoffgürtel getragen werden, die wohl durch ein Bindesystem oder Schnallen auf dem Rücken schlossen. Italien ging vielfach einen Sonderweg und folgte der burg. Mode nur bedingt. Die Houppelande fand als Abwandlung mit der schmaler geschnittenen bodenlangen Zimarra ihren Eingang. Sonderformen waren die Giornata, ein an der Seite offener kurzer faltenreicher Überwurf, gleich einem Tappert oder die kurze geschlossene Geornea. Diese Bekleidung findet man in der Malerei der ital Frührenaissance als Bestandteil höfischer Mode, obwohl sich das Bürgertum in Italien einen hohen Status erkämpft hatte und die kurzen Gewänder am Hof als Reflex auf die "arbeitende Bevölkerung" gewertet werden, lief der gestandene Bürger damit nicht einher. Seine Kleidung blieb boden-, oder knielang. Neben recht pompösen Kopfbedeckungen des Adels, begnügte sich der Bürger meist mit der „fezartigen“ Kappe. Wichtig war grundsätzlich Stoffqualität und Musterung, denn in beiden Fällen war Italien führend und seine Formen begannen den Weg in und über die Alpen zu finden. Gürtel hatten bei der eng geschlossenen Oberbekleidung keinen hohen Stellenwert, denn sie rafften den Stoff ja nicht und wurden ohne Überlänge meist recht kurz getragen. Ein wichtiges Element des bürgerlichen Bewußtseins war die Kleidung in Stadtfarben, auffällig und expressiv bunt, das betraf die unteren Chargen, das Gefolge der Herren oder Stadtbedienstete, siehe unten „Gürtelformen des einfachen Volkes“.

In unseren Breiten hatten Adel und Stadtadel die Zaddelung der Kleidung, bekannt aus der ersten Hälfte des XV. Jhs, durch Besatz von Pelz ersetzt, wie Ratsherren ihre solchermassen geschmückte Schaube (siehe z.B. Bilder von Baegert). Der Gesamteindruck veränderte sich, nach eher breiten Formen trat schon vor der Jahrhundertmitte wieder das Schönheitsideal des XIV. Jhs auf, schlank, spitz und eng anliegend. Gegen Ende des Jhs und im XVI. Jh lösten die Einflüße der ital. Rennaissance solche Formen ab, welche nun erneut die Horizontale betonten. Ein Kontrast bietet die Werktagskleidung der niederen Adeligen „Osanna und Jörg von Rosenberg“ auf den Reliefplatten der Burg Boxberg/Main-Tauber-Kreis nach 1493, heute im Landesmuseum Karlsruhe. Anstatt einer aufwändigen Grabplattengewandung tragen beide hier Alltagskleidung. Sie hat eine Feldflasche im Arm und auch er scheint eher zur Feldarbeit, bzw. zur Inspektion auf dem Feld, vorbereitet zu sein. Sein Rock ist recht einfach gehalten und reicht bis zum Knie [BLK, S. 120].

Das gehobene Bürgertum hatte viele Modesitten des burgund. Hofes, dessen kulturelle Vormachtstellung seit 1477 sank, adaptiert. Statt den Ärmeln Aufmerksamkeit zu widmen, waren es zuletzt die stark ausgepolsterten Schulterpartien, die Mahoitres, und statt bunten Farben zu Beginn des Jhs waren es zunehmend gedeckte, bis hin zum erhabenen Schwarz, das in der Mode Habsburgs, als burgundischer Erbe, einging. Die hochbürgerliche Frau trug entweder die Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burg. Vorbild mit einem sehr breiten kurzen (bekanntes Bspl. siehe bürgerliche Stifterin auf Memlings Christopherustriptychon von 1484) oder nach italienischer Mode mit einem schmalen längeren Stoffgürtel [MS, S. 152]. Die Schnallen konnten vorne oder auf dem Rücken schließen. Zunehmend setzten sich einfachere Formen durch. Der Hauptaugenmerk lag wohl auf der Stoffqualität, zumindest machte es den Malern Freude entsprechende Qualitäten zu visualisieren oder den Bildhauern durch Faltenwurf Körper und Haltung lebensecht nachzubilden. Die Jugend trug schmale Stoff- oder Ledergürtel, meist kurz ohne erkennbare Zunge, manchmal mit geringer Überlänge. Der Adel bevorzugte als Abschlüsse Varianten mit Scharnierkonstruktionen, kurzen Kettenstücken oder Anhängern. Genauso häufig waren nach wie vor Bindegürtel aus Stoff, nicht nur bei Darstellungen der Hl. Elisabeth! Auch Stoff-Metall-Kombinationen (umgangssprachlich „Kettengürtel“) fanden sich bei Damen der adeligen und hochbürgerlichen Gesellschaft. Vollmetallgürtel der Männer, z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln abgebildet, gelangten in dieser Zeit noch nicht in die Frauenmode und sind zumeist erst im XVI. Jh aus männlicher in weibliche Sphäre mit filigranen Ausfertigungen übernommen worden. Frauen der gehobenen Schichten bevorzugte bis dahin die Stoff-Metall-Kombination mit kurzen Kettenstücken als „Zungenteil“. Beschläge sind beim hohen Bürgertum nachweisbar, aber keineswegs die Regel, Beispiele siehe Bürger- oder Adelsfrau (?) auf franz Ms_XXVIII von 1469c, auf Schottenstifttafeln Wien von 1470, Maria Magdalena [Adel] auf Baegerts Kalvarienberg in Dmund von 1476, Konstanzer Bürgerfrauen von 1488 oder Wolgemuts Altarbild in der Frauenkirche Nürnberg von 1490c.






3. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung gehobener Schichten (A-C)

für Bürger mit Eintrag in die Bürgerrolle, höherem Steueraufkommen und Grundbesitz in der Stadt, die man dem Patriziat zurechnen würde (A.1), weiter Amtsleute in gehobenen Positionen (A.2 u B.1), ratsfähige Fern- und Großkaufleute (B.2), Zunftmeister exklusiver Gewerke (B.3) und Dienstmannen (C). Alle Objekte können auf Anfrage durch Oberflächenvergütung den hohen Darstellungen gerecht werden, Veredlung in Gold und Silber möglich, doch exquisite „höfische oder hochadelige Formenwerden auf dieser Seite nicht gezeigt, zu den Kategorien A-C siehe Ständegesellschaft HMA/SMA.

Spenglin waren in der Kategorie „A“ üblich, in „B“ möglich, in „C“ als Dornlochösen in begrenzter Stückzahl. Als Gürtelabschluß für „A“ und „B“ gegossene Zungen und verzierte Halbmonde, manchmal mit Ösen zum Einhängen von kurzen Kettenstücken, für „C“ eher schlichte Formen, reine Halbmonde oder einfache Ortbleche.

Demi ceint mit etwas grösserem Medaillonbeschlag zweite Hälfte XV. Jh in der Frauenmode (A), siehe Abb. „Die Sinne“ aus Paris oben, umgangssprachlich „Kettengürtel“, wurden bislang einige erstellt, tauchen aber auf diesen Seiten nicht auf, da seltene Einzelstücke, bitte spezielles Angebot anfordern. Auch die gehobene Männerwelt nutzte den demi ceint mit kurzer Abschluss- oder Verbindungskette, dafür wären Ortabschlüsse mit Ösen geeignet.

(A)

B




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OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT



Der Adel verwendete aufwändigere Formen mit durchbrochenen Zierblechen und falls Messing, dann vergoldet. In der Regel wurden diese Kombinationen von Frauen getragen. Auf der berühmten „Anbetung“ zur Kathedrale St. Bavo/Gent der Brüder van Eyck von 1432 gibt es allerdings einen männlichen Träger. Auch das „Mauritiusschwert“ hatte diese breite Form als Gurtschließe.

Die Gürtelformen im burgundischen Stil hielten sich bis in die ersten Jahrzehnte des XVI. Jhs, wurde teilweise auf dem Rücken geschlossen, um dem Stoffband mehr Geltung zu verleihen.

[provisorisch an ein Stück Leder gefügt, im Original wäre Stoff zu erwarten]

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XV_500a_me

50 mm Breite für einen gewebten Stoffgütel

Hohe Bogenschnalle mit Dreipaß- und Ortblech, Lochspenglin optional, Veredlung in Gold oder Silber auf Anfrage

(A)

B


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OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT



Motive, wie der schreitende Löwe, fanden sich als Keramikware (Kacheln, Fliesen) im zunehmenden Maß auch in den gehobenen bürgerlichen Haushalten und waren kein Vorrecht des Adels mehr. Schnalle könnte in vergoldeter Ausführung „A“ zugeordnet werden, für den Hoch-Bürger „B“ eher silberfarben oder in Messing [Detailbild].

Rechts aussen: Burgundischer Ort als Direktabguß von einem Fundstück.

[Veredlung in Gold auf Anfrage]

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XV_185ab_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und verzierter „Halbmond“-Ort 3,5 x 3 cm

montiert 115,00 EUR vs / 99,00 EUR me [Detailbild]

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XV_185f_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Burgunder-Ort 5 x 3 cm

montiert 115,00 EUR vs / 99,00 EUR me [Detailbild]

(A)

B


-

OBERSCHICHT und obere MITTELSCHICHT







Rechts aussen: Burgundischer Ort [Feuerstahl mit Zündfunken] als Direktabguß von einem Fundstück.

[Veredlung in Gold auf Anfrage]

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XV_185a_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Motivbeschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 115,00 EUR vs / 99,00 EUR me [Detailbild]

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XV_216f_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (ca ab 1440er Jahre)_vs

und Burgunder-Ort 5 x 3 cm

montiert 99,00 EUR

B


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obere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Riefen ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh. Mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

[Varianten in me siehe Detailbilder]

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XV_216a_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (ca ab 1440er Jahre)_vs

und Senkel 4 x 2,5 cm vs

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

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XV_216c_vs mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval_vs

und „Halbmondort“ mit Ring 2,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

B


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obere MITTELSCHICHT



rechts: Burgundischer Senkel aus den Niederen Landen nach einem Flußfund aus der Schelde Anf. XV. Jh (Versteigerung 1933 in Antwerpen).

ganz rechts: nach der Darstellung des Kanzlers Rolin in Beaune gegen Mitte des XV. Jhs mit Ringöse der Kette zum demi ceint möglich.



[Varianten in me siehe Detailbilder]

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XV_222a_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und Senkel 4 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

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XV_222c_vs mR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ mit Ring 2,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

B


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obere MITTELSCHICHT



Grosse runde Schnallen kamen in der ersten Hälfte des XV. Jhs auf und hielten sich als „bürgerliche Variante“ bis in das XVI. Jahrhundert. An Männergürteln gehobener Schichten häufig im künstl. Schaffen D. Baegerts z.B. in Kalkar „Hl Sippe“ 1493v, „edler Jakobus“ 1503, „Schöffen“ Wesel 1494, Italien o. Ort 1503 und „Hptm“ von G_David Brügge 1515

Quelle Schnalle: Ross Whitehead

auf Abbildungen wurden sie recht hell glänzend dargestellt, Veredlung in Silber auf Anfrage

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XV_206ab_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und verzierter „Halbmond“-Ort 3,5 x 3 cm

montiert 99,00 EUR

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XV_206b_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster und geschweiftem Blech

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[Verbindungskette für demi ceint möglich]

B


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obere MITTELSCHICHT



Bogenschnallen siehe Hortfunde aus London 1440c, „Koenig“ auf „Dreikönigsaltar“ 1455 MünchenAO, „Hl Georg“ von H. Multscher in Sterzing vor 1460, „Josef v Arimathea“ auf „Hofer Altar“ 1465

Vorläufer waren vermutlich grössere Leierschnallen (siehe Buchill. am Hof Karl VII 1461n), denn der Dornrastbereich war ähnlich leicht eingezogen.

Deutlich größerer Durchlaßbreiten zeigten die „Hohen Bogenschnallen“ für Houppelandegürtel.

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XV_210ab_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und verzierter „Halbmond“-Ort 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[Veredlung in Silber auf Anfrage]

-

XV_210b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR

[Verbindungskette für demi ceint möglich]

B


-

obere MITTELSCHICHT






Materialkombination aus Zinn, Eisen mit Weißmetallüberzug und Veredlung in Silber, wie es Originale überliefern

-

XV_202a_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier_zi, Blech eis ws

und Senkel 4 x 2,5 cm_me vs

montiert 90,00 EUR

-

XV_202b_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Zier_zi, Blech eis ws

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm_me vs

montiert 85,00 EUR (Leder rot 90,00 EUR)

B

(C)

-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT





Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.

[Varianten in me siehe Detailbilder]

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XV_222b_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

-

XV_222d_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle Riefen mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 3,5 x 2,5 cm [besser kurz - Detailbild]

montiert 99,00 EUR vs / 85,00 EUR me [Detailbild]

B




-

obere MITTELSCHICHT







Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten einfache gefalzte Bleche.


-

XV_098b_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Riefen Zier_vs

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm_vs

montiert 95,00 EUR (an rot)

-

XV_098d_vs

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Riefen Zier_vs

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm_vs

montiert 90,00 EUR (an rot)

B




-

obere MITTELSCHICHT











[Veredlung in Silber auf Anfrage]




XV_097a_me mit Abschlusskette

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

- Abb Kundenborte -

Doppel schlicht und Senkel 3 x 2 cm

- Wert abhängig vom Trägermaterial -



XV_097a_me mit Abschlusskette

Lochspenglin „Nr.7038“ optional

B




-

obere MITTELSCHICHT









[Veredlung in Silber auf Anfrage]




XV_098a_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

- Abb Kundenborte -

Doppel Riefen und Senkel 3 x 2 cm

- Wert abhängig vom Trägermaterial -

-

XV_098a_me

Lochspenglin „Nr.7038“ u Strecker „Nr. 7116“ optional

B

-

obere MITTELSCHICHT

Ort mit Öse aus der Zeit der Schwert-Schleppriemen. Manchmal sieht man Ringe (Abb) oder kurze Kettenstücke in den Ösen. Sie werden bei den Bindesystemen der Schwertgurte in der 2. Hälfte des XV. Jhs nicht mehr benötigt und können zum Schmuckelement degenerieren.

Prag 1380, Darmstadt 1445c, Hofer Altar 1465 (Abb), Meister d Marienlebens Pina_München 1480, Aachen 1485c, Kaisheimer Altar 1502, Sebastiansaltar 1516



XV_470bb_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ort mit Ringöse 2 x 1,7 cm

montiert 95,00 EUR

schlichte Lochspenglin optional

[Veredlung in Silber für „B“ auf Anfrage]



XV_251bc_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech

und Ort mit Öse 2,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional

B

(C)


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obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT



Links: Doppeloval stufig

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh. Stufige Variante als Einzelschnalle beim bekannten Churburg-Gürtel, den Fingerlin (KatNr. 65) in die 2. Hälfte XV. Jh datiert

desweiteren siehe „Joseph u Potiphars Weib“ heute Pina München 1495c, aber auch als Rüstschnalle an Gewappnetem auf Pleydenwurffs Kalvarienberg von 1465c PinaAO

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XV_218c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval mit Blech gross

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR

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XV_216c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und „Halbmondort“ ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

B




-

obere MITTELSCHICHT









rechts aussen: „Halbmondort“ häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh.




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XV_256a_vs

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Zierbeschlag

und Senkel „Zier“ 4,3 x 1,1 cm

montiert 90,00 EUR (an rot)

[Detailbild Spenglin „Nr. 7038“ vs optional]

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XV_255ca_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Zierbeschlag

und kl. „Halbmondort“ 1 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR

B


-

obere MITTELSCHICHT





Schnallenblechgravur nach einem Fund aus Pierrefonds zweite Hälfte des XV. Jhs und nach dem Fund eines Fragments aus der Schelde.


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XV_255a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Zierbeschlag

und Senkel „Zier“ 4,3 x 1,1 cm

montiert 75,00 EUR

-

XV_255a_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

[Detailbild mit rotem Leder]

B


-

obere MITTELSCHICHT



kl. doppeltrapezförmige Schnalle

in ausgeschwungener Form an Frauengürteln in Salzburg 1430c, Brixen 1470, hier Konstanz 1488 [mit Spenglin - Fam. des angesehenen Meisters F. Herlin, der 1466 den Hochaltar von Rothenburg o.d.T. schuf und 1467 das Nördlinger Bürgerrecht erwarb]

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XV_270fb_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeltrapez ausgeschwungen mit Blech

und Senkel 8,5 x 1 cm

montiert 59,00 EUR

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XV_292ff_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Trapez Zier

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 75,00 EUR

B

(C)

-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT

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XV_280a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel Kerben mit Blech geschweift

und Senkel „Zier“ 4,3 x 1,1 cm

montiert 65,00 EUR

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XV_280fe_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel Kerben mit Blech geschweift

und Senkel 4 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR

B

(C)

-

obere MITTELSCHICHT und MITTELSCHICHT



Dresden 1475-80

Wirtshaus-, bzw „Huebschlerinnen-Szene“ (?) mit beschlagenen Gürteln

XV_250ff: Detailbild mit Spenglin „Nr. 7010“

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XV_250a_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech geschweift

und Senkel „Zier“ 4,3 x 1,1 cm

montiert 65,00 EUR

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XV_250ff_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech geschweift

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR (Leder rot 69,00)

C


-

MITTELSCHICHT







etwas schmalere Schnallenform als XV_250er

Mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.


-

XV_251ff_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

-

XV_251fe_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech

und Senkel 4 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

C


-

MITTELSCHICHT





XV_260er etwas breitere Schnallenform als XV_261er. Eine von beiden ist in der Regel vorrätig.

Mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

[angepasstes Blech Detailbild ganz rechts auf rotem Leder]

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XV_260ff_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel länglich ausgezogen mit Blech

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

-

XV_261fe_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel länglich ausgezogen mit Blech [Detailbild]

und Senkel 4 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR




Noch einmal zu den gesetzten Schnallenblechen: Auf Abbildungen sind sie, wenn überhaupt, gerade noch an den Kanten erkennbar (Zeichnung), oft aber verdeckt der Riemen das Blech, im Gegensatz zu den vorhergegangenen Jahrhunderten, wo das Zungenende meist „lose aus der Schnalle fiel“. Nun wird zuweilen eine Doppelschnalle oder ein Riemenschieber verwendet, welcher das Zungenende des Gurtes zur Seite „führt“. Archäologische Funde zeigen im guten Erhaltungszustand diese Bleche. Für Abbildungen seien ein paar Beispiele mit großer Streuung genannt: Retabel des ConradvSoest in Wildungen 1403, Lüneburg 1447, Regler Altar Erfurt 1460, V. Stoss in Krakau 1477-89, „St Barbara“ aus Suedfrkch (heute im Bergbau Mus Bochum) 1499c, „St Jakobus“ in St Mihiel Anf XVI, „Jos u Potiphars Weib“ Pina 1500, H_Holbein d Ae Kaisheimer Altar 1502, „Maria“ in Klosterneuburg 1510-15, „Johannes d Evangelist“ Xanten 1515c, H. Holbein d Ae Sebastiansaltar 1516, B. Strigel „Kinder Rehlingers“ 1517 oder „Jakobgeschichte“ Brüssel 1534. Daneben wurden auch Schnallen mit gegossenen Befestigungen verwendet, siehe z.B. „Magdalena“ auf Kreuzigung in Salzburg 1470, Tafelbild von Wolgemut i d Frauenkirche Nürnberg von1490c oder „Pilger“ auf Ospedale dei Ceppo 1528 uvam.

Schaut man sich verschiedene Senkelformen an, können sie nur an Gürteln mit Schnallenblechen befestigt worden sein, ein An-, bzw. Umnähen des Riemens verengt den Durchlaß durch den Schnallenrahmen. Viele Reenacter kennen das Problem passende Senkel zu finden, wenn die Schnalle angenäht oder nur mit einem Niet befestigt wurde, diese Änderungsarbeiten führe ich am Stand oft aus...deshalb und aus meinem Selbstverständnis als „Gürtler“ verwende ich Bleche, bei gehobenen Darstellungen mit Motiven und Verzierungen. Bei einfachen Gürtelvarianten der unteren Schichten wurden die Schnallen allerdings oft nur angenäht, wie es ein „Riemer“ getan hätte. Falls Originale diese Vorgabe machen oder auf ausdrücklichen Wunsch wird die Schnalle angenäht.






4a. Gürtelformen des einfachen Volkes


Gürtelformen des einfachen Volkes ab 1450c:

Die Übergewandung einfacher Schichten reichte auch in der 2. Hälfte des XV. Jhs noch deutlich bis zum Knie, vor allem bei Bauern und Handwerkern, im Gegensatz zum gehobenen Bürgern mit längerer Gewandung, höfische Formen zeigten eine Eigenentwicklung und sind davon ausgenommen. Bei Knechten/Kriegsknechten begann sich die Kleidung allmählich einzukürzen. Der „Rock“ reichte bald oft nur noch bis zum Oberschenkel. So war auch der Gürtel in der Regel recht kurz und ähnelte einem modernen „Jeansgürtel“, manchmal sieht man die von uns noch heute genutzten Riemenschieber. Das Obergewand von Handwerkern und Bauern war figurbetonter als in der ersten Hälfte des Jhs., grundsätzlich eher geschlossen, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der Wams, Unterhemd aus Leinen oder im Extremfall sogar die Unterhose zeigte, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trug und „Geißeln“ ist ja ganz schön anstrengend. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat“. Zum Ende des XV. Jhs wurde es, vielleicht als Protest gegenüber der langen Zeit sehr „geschlossenen“ Mode, allgemein üblich, daß Jugendliche, auch der „guten Gesellschaft“, großflächig das Hemd zeigten. Anfangs war das Wams nur am Ellenbogen aufgeschnitten, es folgten bald grössere Teile des Ärmels, die man zum Schließen schnürte. Der neue Stil, bei Kriegsknechten zu dokumentieren, mutete geradezu expressiv an mit sehr knappen „offenen“ Wämsern, plissierten Leinenhemden, eng sitzenden bunt gestreiften Hosen in waghalsigen Farbkombinationen, siehe bsplw die Schergen auf dem „Oppenheimer Altarretabel“ von 1490c im Dommuseum Mainz oder auf dem „Rochus-Sebastianaltar“ von St. Lorenz in Nürnberg von 1499, in dieser Kirche haben sich auch Schnitzwerke mit „bunten Hosen“ erhalten. Vor allem „Negativgestalten“ scheinen besonders bunt dargestellt worden zu sein, indem gesellschaftlich verankertes miparti überschritten wurde. Seine Anfänge hatte es in den Stadtrepubliken Italiens genommen mit heraldischem Hintergrund. Die Träger roter Kleidungsstücke entstammten nicht mehr ausschließlich gehobener Schichten, es wies aber darauf hin. 1474 war das Rheingauer Kontingent beim Aufgebot des Reichsheeres und der Belagerung von Remagen ganz in Rot gekleidet. Das war die Farbe ihres Herren, des Mainzer Erzbischofs.

Zusammen mit dem geschlitzten Zeug setzten sich diverse Modeallüren in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jhs fort. Sebastian Brant spottete 1494: „...denn alle Kleider sind voll Falten: / So Rock wie Mantel, Hemd wie Schuh, / Pantoffel, Stiefel, Hos´dazu, / Wildschur und die Verbrämung dran. / Der Juden Sitt´ man sehen kann....Der Rock – wie kurz und wie beschnitten ! / reicht kaum bis zu des Leibes Mitten“. Allerdings scheint die Zeit um 1500 überhaupt von einer expressiven Ausdrucksweise geprägt zu sein, schaut man sich bunt bemalte Rüstungsteile an oder eigenartige „maximilianische“ Schürzen, Verblendungen und Schreckmasken. Sie sind ein typisches Renaissanceprodukt, lassen sich in der ital. Malerei der 2. Hälfte des XV. Jhs nachweisen, siehe bsplw D. Ghirlandaio „Brutus-Scaevola-Camillusin Florenz von 1483c und gehen auf römische bzw italisch-griechische Anleihen zurück. Schreckmaske auf Schilden fanden Einzug nördlich der Alpen, siehe bebilderte Richental-Chronik von 1464. Wie sehr ital. Künstler die Eindrücke aufnahmen, die ihnen antike Relikte, wie Sarkophage oder Triumphbögen vermittelten, mag man daran erkennen, daß bsplw der Florentiner Bildhauer Donatello seinen „Hl Georg1417c wohl in römischer Rüstung, aber mit keltischem Schild ausstattete, weil er diese Schildform auf römischen Hinterlassenschaften gesehen hatte, wohl nicht ahnend, daß ein „Beutestück“ dargestellt worden war. Diese ungewöhnliche Form gefiel auch Andrea Mantegna, mit Orientierung am geachteten Donatello, und versah „seine Römer“ 1453-56 auf der „Hinrichtung des Jakobusin Padua ebenfalls damit.


Waffengurte sind von Leibgürteln zu scheiden, fielen vor allem bei Langschwertern der Oberschicht meist recht schmal aus und hatten weniger als Daumenbreite. Ähnlich zum FMA lassen sich Schleppriemensysteme für den Berittenen von den Varianten für Fußkämpfer unterscheiden. Zu Beginn des Jhs waren Waffengurte noch relativ breit, wurden aber in den folgenden Jahrzehnten immer schmaler. Denn die gebundenen Haltekonstruktionen an der Scheide forderten einen schmalen Riemen. Bei unteren Chargen möglich, aber nicht die Regel, denn es gibt auch in der 2. Hälfte XV. Jh Abbildungen von Kurzschwertern, Dolchen und einschneidigen Klingen (lange Messer) an breiten Waffengurten. Sie könnten als „Allrounder“ gedient haben, mit Tasche und alltäglichen Nutzgegenständen behangen (Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem gemeinsamen Altarbild siehe rechter Flügel Marienaltar“ Salzburg von 1485c oder Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Das Verhältnis von schmal zu breit der Waffengurte einfacher Schichten beträgt nach meinen rd 50 Archiv-Abbildungen der Rubrik „1450-1520 nieder“ ca. 2 : 1, mit einer deutlichen Zunahme breiter Gurte gegen Jahrhundertwende. Der adelige Schwertriemen von 1450-1520 blieb in der Regel unter Daumenbreite.

Darstellungen aus dem Volk vermitteln eine recht schlichte Gürtelmode. Der kurze Alltags-Männergürtel einfacher sozialer Schichten (Handwerker, Schergen, Kriegs-Knechte) von Daumenbreite bis zwei, fast drei Finger breit (!) auf Wams oder Schecke trug die Tasche, manchmal den Dolch. Das Verhältnis von schmal zu breit der Männerleibgürtel beträgt nach meinen rd 150 Abbildungen der „Kategorie D-E“ von 1450-1520 aus dem Archiv ca. 1 : 4. Ein breiter Leibgurt scheint zu überwiegen, Quellen nach als „mannes taschin gortelbezeichnet. Fingerlin behauptete noch 1970 die Gürtel seien meistens schwarz [Fi, S. 220], doch läßt sich das nicht halten und Tafelbilder zeigen alle Farbvarianten, von fast weisslichen hellen Braun-, zu dunklen Braun-, Rotbraun- und Schwarztönen. Rot ist selten, aber auch nachweisbar, wie der Hl Petrus“ von N. Weckmann urspl Ehingen, Rottweil_AO vor 1520. Warum archäologische Funde meist schwarz sind, wird auf der ersten Seite unten mit Infos zur Lederfarbe erläutert. Erhaltene Gürtel aus militärischem Kontext zeigen runde und eckige Schnallenformen, sofern erkennbar, meist angenäht und ohne Blechbefestigung, wenn auf der Rüstung getragen. Statt Senkel meistens eher schlichtes Ortblech oder der berühmte Halbmond.

Schottenstift, Wien um 1470 mit eckiger Schnalle und Blech an schmalem Schwertriemen. Der Schwertträger zeigt mit der Kleidung seine hohe gesellschaftliche Stellung

Quadratische Schnallen mit unverzierten Blechen an Schwertriemen der Männer siehe Memlings „Hl. Georg“ Pina MünchenAO 1490, „Hl,.Rochus“ Nürnberg 1490v, Grab Heinr Allbergers in St Jakob/Regensburg 1520


Da viele Reenacter der 2. Hälfte des XV. Jhs militärische Darstellungen bevorzugen, wäre nach der Quellenlage eher der „kurz-breite“ Gurt für die Tasche, dem gegenüber für langes Messer ein „kurz-schmaler“ Riemen zu empfehlen. Überlängen zeigen sich nicht, eher werden Riemenschieber verwendet. Eine Sonderform ist der Schulterriemen für die Waffe, der länger ausfallen kann und eine andere Dornlochung erfordert, wenn nicht an der Hüfte getragen. Überlängen lassen sich ansonsten bei wenigen höfischen Szenen mit adeligen Protagonisten [Beispiele siehe auf der Seite 1400-1450] nachweisen und bei Kindern und Jugendlichen (!). Deren Gürtel sind oft recht lang mit Zungenstücken, die auch manchmal zur Seite geschlungen wurden, siehe „Darmstädter Passion“ von 1445 oder eine Abb. von 1460-70 aus Wien und die Ministranten auf einem Tafelbild urspl St Peter Kirche Partenheim/Hessen heute im LM Mainz von 1500c. Die Länge kann zwei Gründe haben, entweder die Kleinen trugen Gürtel der älteren Geschwister auf oder ihnen wurden Gürtel angefertigt, die auch für einen Heranwachsenden tauglich sein sollten? Dann wurde aus einem „Langgürtel“ automatisch ein normaler Gürtel ohne Überlänge.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Gefangennahme Jesu und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für alle „ländlichen“ Darstellungen seien die auf den Tafelbildern nun immer zahlreicher erscheinenden Hirten eine mögliche Orientierung. Auch können nach wie vor Kalender heran gezogen werden, mit visualisierten „Temperamenten oder Planeten“ und Monatsbildern, welche die Landbevölkerung bei ihren Tätigkeiten zeigen. Die Anzahl der Abbildungen mit Gürtelbeschlägen hat in der 2. Hälfte des XV. Jhs, gegenüber der 1. Hälfte extrem abgenommen. Es zeigen sich zuweilen noch recht einfache Dornlochbeschläge und rosettenförmige Zieren, aber die meisten Gürtel der unteren Chargen zeigen keine Zier und oft auch keinen Ort. Der Höhepunkt der metallreichen Gürtel lag im XIV. Jh und in den frühen Jahrzehnten des XV. Jhs.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Es gab auch Sondervarianten ohne Schnallen, die durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schloßen. Als Quellen für die Alltagskleidung mögen die zahlreichen Bilder aus den Marienleben“ dienen, in denen Hauspersonal und Mägde dargestellt werden. Die Festtagskleidung kommt z.B. in den Tempelgängen“ Marias und ihrer Angehörigen, denn das sind besondere Tage im Leben der Protagonisten, zum Ausdruck. Beschläge finden sich auf den Gürteln der unteren Schichten in der 2. Hälfte des XV. Jhs selten, denn das stand eher den begüterten bürgerlichen Frauen zu, Beispiele siehe oben. Auffällig sind allerdings beschlagene Gürtel von Hübschlerinnen oder weiblichen „Bewirtungen“ getragen, aha (!), siehe oben Beispiel aus Dresden von 1475-80, schwierig dies durch eine Zuordnung zu fassen.


4b. Gürtelrekonstruktionen für die Darstellung des einfachen Volkes 1450-1520 (D-E)

gedacht für einfache Handwerker und Krämer (D), Knechte, Bauern, Gesellen, Gesinde, Mägde (E), zu den Kategorien D-E im Detail siehe: Ständegesellschaft HMA/SMA.

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, ansonsten Schnalle angenäht. Eine Zunge, Halbmondort oder Ortblech findet sich zuweilen, war aber nicht zwingend, oft hingen die Gürtelenden frei. Manchmal drei, vier schlichte Lochösen im Dornlochbereich, bei Gesinde und Mägden Abbildung nach zu urteilen eher nicht, hängt aber vom Dienstverhältnis/Haushalt ab. Auf „Festtagsgürteln“ der Handwerkerfrauen Spenglin als Dornlochösen und einfache Blütenformen vielleicht möglich?









D

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untere MITTELSCHICHT

grosse runde Schnallen an einfachen Männergürteln häufig im künstl. Schaffen D. Baegerts „Marientod“ 1470c, „Josef“ 1475-80 und „Passion“ 1485c Münster_AO, „Johannes“ Dortmund 1476 „Josef“ Stolzenhain 1490c (Abb), „schlichter Jakobus“ Münster 1495, auch Scherge auf der Passion von M. Reichlich in München_AO 1506, urspl Brixen

-

Variante XV_208d mit Dornlochringösen

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle_zi angenäht

und Ortblech 3,5 x 3 cm_ws (siehe rechts)

montiert 79,00 EUR

inkl Dornlochösenringe

-









und Ortblech 3,5 x 3 cm eis_ws

Ringschnalle angenäht oder mit zwei Ziernieten befestigt, wie nach Fund aus Köge/Seeland







D

-

untere MITTELSCHICHT







Bogenschnallen an der Schergenkleidung beim Meister von Dreux 1450c, auf der „Passion“ Darmstadt 1450, ähnl. „Marienaltar“ Salzburg 1485c, „Simon“ von Multscher in der Pfarrkirche Sterzing Ende XV und „Juppe Altar“ Marburg 1512c

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XV_210d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]

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XV_210e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle mit geschweiftem Blech

und „Halbmondort“ 2 x 3 cm

montiert 85,00 EUR







D

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untere MITTELSCHICHT






Eckige Doppelschnalle am Gürtel eines Waffenknechts mit Dornlochösen [auf Anfrage möglich] bsplw St Cäcilien Köln 1470c.


Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh, ansonsten schlichte gefalzte Bleche.


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XV_220b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

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XV_220d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit geschweiftem Beschlag

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR







D

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untere MITTELSCHICHT

Häufig „Halbmond“-Ort, hier „Josef“ auf Regler Altar urspl Erfurt, Pina MünchenAO

siehe auch in Wildungen 1403, Nottuln 1410c, Eichstätt 1415c u 1445c, Nürnberg 1437,1440 u 1460, Klosterneuburg 1439v, Laufen 1445c, Lüneburg 1447v, Darmstadt 1450, Aachen 1450n, Erfurt 1460, Hof 1465, Znaim 1444v, St. Florian 1485, Millstatt 1495, St. Mihiel 1500n, Brixen 1500, uvm


-

XV_216b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

-

XV_218b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech gross

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]







D

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untere MITTELSCHICHT



Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen, ein Annähen der Schnalle verengt den Durchlaß.

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XV_216d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech gross

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

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XV_218d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech gross

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 90,00 EUR







D

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untere MITTELSCHICHT



Doppeloval ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh



siehe Kreuzigung des „Schottstiftaltars“ Wien 1470c, Dürers „Paumgartener Altar“ 1498-1504, Holbeins „Kaisheimer Altar“ heute MünchenAO 1502, schlichter Johannes auf dem „Bartholomäusaltar“ heute MünchenAO 1505c

-

XV_216d_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR

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XV_218d_me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval stufig mit Blech, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 99,00 EUR







D

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untere MITTELSCHICHT



Flach geschweifte Wellenformen mit Einschnitt bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow. Der Ursprung lag bei römischen Formen der Spätantike, siehe Fund Bonn IV. JhAD. Also haben wir bereits ein „Renaissance-Produkt“ vor uns, aus dem XV. Jh. (!)



[Eisenbleche mit Weißmetallüberzug]

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XV_20_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel eis ws

montiert 75,00 EUR

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XV_30_ws

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel eis ws

montiert 85,00 EUR







D

E

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untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE

Typ Doppeloval mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe bei St_Lochner Köln, bzw heute DarmstadtAO 1447, Scherge auf „Passion“ München 1444-45, auf dem Bild von Reymerswaele in MünchenAO 1538 oder Brueghels „Bauernhochzeit“ Ende XVI. Jh

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XV_250ca_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech klein

und kl. „Halbmondort“ 1 x 1,5 cm

montiert 55,00 EUR

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XV_205cc_zi

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen mit Blech klein

und „Halbmondort“ 1,5 x 1,5 cm

= Ort momentan nicht lieferbar =







D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE







Doppelschnalle mit Blechbefestigung sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.

Halbmondort häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh.

links: Detailbild mit schlichtem Beutelhalter optional

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XV_204cb_zi oder me [Abb. zi]

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval geschwungen mit Blech eis ws

und Ort mit Öse 1,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR

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XV_103_ws

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel eis ws

momentan nicht lieferbar Alternative vorhanden

[Ort Eisenblech mit Weißmetallüberzug]

E


-

für die BREITE MASSE


angenähte Schnallenvarianten ohne Blechbefestigung





Einfache D-Form mit ausgeprägter Dornachse, meist stufig, manchmal mit Riefen, nach Abbildungen die häufigste Schnallenvariante für Gürtel im XV. bis weit in das XVI. Jh.

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XV_212b_me oder me ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht

und „Halbmondort“ 1,5 x 2,5 cm

montiert me 69,00 EUR / 79,00 EUR ws

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XV_201d_me_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

D-Riefen angenäht me_ws

und Ortblech eis ws 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

E


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für die BREITE MASSE

angenähte Schnallenvarianten ohne Blechbefestigung







rechts aussen: rustikaler Weißmetallüberzug im althergebrachten Schmelztauchverfahren mit flüssigem Zinn

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XV_216e_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen angenäht

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 69,00 EUR

-

XV_216e_me_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppeloval Riefen angenäht, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

E


-

für die BREITE MASSE

angenähte Schnallenvarianten ohne Blechbefestigung








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XV_230e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel angenäht

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

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XV_232e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel abgerundet angenäht

und schlichtes Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

E


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für die BREITE MASSE

angenähte Schnallenvarianten ohne Blechbefestigung



Schnalle XV./XVI. Jh

rechts aussen: rustikaler Weißmetallüberzug im althergebrachten Schmelztauchverfahren mit flüssigem Zinn

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XV_229e_me_ws

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppel abgerundet angenäht, verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]

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XV_225e_me_ws

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Eckig abgerundet angenäht, rustikal verzinnt

und Ortblech 2,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

[für Puristen, vom Original kaum zu unterscheiden]


[„für Puristen, vom Original kaum zu unterscheiden“]


Exkurs 9: Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle

Schauspiele und Aufführungen hatten im MA eine große gesellschaftliche Bedeutung mit enormer Breitenwirkung. Heutzutage ist unser Theater elitär, Kino und Fernsehen übernahmen die Massenunterhaltung. Die Beeinflussung mittelalterlicher Schauspiele auf künstlerische Erzeugnisse dieser Zeit zu leugnen, bedeutet übertragen auf das XX./XXI. Jh die „Unterhaltungsindustrie Hollywoods“ als beiläufiges Nebenwerk der Moderne herunter zu spielen. Man wird die Geisteshaltung unserer Zeit in ferner Zukunft in nicht unerheblichem Maß an diesen Erzeugnissen messen. Ich halte es durchaus für statthaft vor allem spätmittelalterliche Tafelbilder als Erscheinung von Versatzstücken aus Schauspielen heraus zu betrachten. Daß die kunsthistorische Entwicklung eine unleugbare Eigendynamik hat, ausgehend von den Biografien der Meister, der Gesellen, den „Kunstreisen“, den Malerschulen, dem Kopieren und Vervielfältigen, der Verbreitung über Buchmalerei und Druck uvam, wird in der modernen Forschung zur Genüge thematisiert.

Nicht zuletzt durch den bühnenartigen Aufbau in der Gesamtkonzeption der Tafelbilder, seit den „Volkreichen Kalvarienbergen“ nach ital. Anleihen und dem genialen Durchbruch in der niederländischen Malerei seit van Eyck in den 1420ern, drängt es sich für den Betrachter geradezu auf anzunehmen, daß eine Inspirationsquelle der Maler bei Laien-Schauspielen lag. Frühe Formen waren bsplw die „Dreikönigsspiele“, die sich seit dem XI. Jh aus der Epiphanie-Liturgie entwickelten. Eine Verfestigung im Bild mag man in der Kreuzigungszene an der nördlichen Sanktuariumswand der Johanneskapelle am Dom zu Brixen von 1330-40 sehen. Man kann man im Prinzip von einem „Volkreichen Kalvarienberg“ sprechen, die leidenden weiblichen Darstellerinnen und Johannes zur linken, mittig Longinus mit Lanze und Stephaton mit Essigschwamm, zur rechten der Hauptmann, der Hohepriester und das „militärische Fachpersonal“. Alles ist erwartungsgemäß da. Und dann schaue man auf den Hintergund. Es findet sich keine Goldfläche oder eine Andeutung von Himmel über Golgatha, sondern da sind Kirchenfenster! Das Dargestellte ist eine Szene und zwar eine Schauspielszene, vor dem Dom. Diese erfährt nun eine Überhöhung durch die Nimben der Heiligen, erhält auch eine humoristische Note durch die Einfügung von Engel und Dämon/Teufel auf dem Querbalken des Kreuzes. Das heißt der Maler hat sich an der Aufführung orientiert, fügt dann kreativ Bildelemente hinzu.

In der Folgezeit ist die Verwendung von Perspektive und tiefer Räumlichkeit in den Bildern der künstlerischen Entwicklung geschuldet, ausgehend von Italien über Frankreich und Burgund (obere und niedere Lande) bis nach Dtld, das hat mit Schauspielen nichts zu tun. Aber es ist der Kniff flächiger Malerei in der Wirkung eine Ebenbürtigkeit zur dreidimensionalen Aufführung zukommen zu lassen. Es ist bekannt, daß in den Niederen Landen, dem Ausgangspunkt der neuen „Realismus-Malerei“, öffentliche Schauspiele und Umzüge zum Höhepunkt geführt wurden, gepaart mit der devotio moderna seit 1400, welche die „Nachfolge Christi“ geradezu als eine Teilnahme am biblischen Geschehen forderte, zunächst im privaten, so auch im öffentlichen Bereich. Auch zur compassio, zum aktiven Mitleiden wurde aufgerufen. Zur Bildfindung und Komposition mögen Maler bereits im XIII./XIV. Jh Anleihen beim Schauspiel gemacht haben, doch die fehlende Räumlichkeit, Goldhintergründe oder Aureolen schufen kaum Wirklichkeitsnähe, was auch sicher nicht beabsichtigt war. Der Durchbruch zur realistischen Darstellung, nach unserer modernen Betrachtungsweise, bildete erst der neue Malstil des XV. Jhs, nicht nur durch die Anwendung von Perspektive, sondern auch sensationell bestechend und entscheidend durch die Verwendung von hochglänzender Ölfarbe, statt der bisher verwendeten stumpfen Tempera-Farbe. Aus der genauen Beobachtung und Aufnahme von natürlichen Details, kombiniert mit schauspielerischen Elementen und bühnenartigem Aufbau entwickelte sich ein neuer Kunststil, der alte Mal- und Sehgewohnheiten ablöste. Bereits A. Saliger merkte an, daß die Interieur-Szenen des Wiener Schottenaltarretabels von 1469-72 eine Wirkung von „Spielständen“ in Kulissen hätten, wobei die realiter dahinter befindlichen Bauten der Stadt auf den Aufführungsort Wien verweisen könnten. Der „bühnenartige Aufbau“ wurde ja bereits im franz. Stil Ende des XIV. Jhs mit Loslösung von der tradierten Goldgrundmalerei beobachtet, angeregt durch italienische Einflüße die architektonischen Bildelemente hervorzuheben. Architektur schaffte nun nicht nur Räumlichkeit und gewährte Durchblicke, sondern es wurden auch unmittelbar Trennwände und Podien als „Bühnenversatzstücke“ in den Bildern thematisiert! Auffallend sind die personellen Wiederholungen von Statisten auf unterschiedlichen Bildtafeln des Wiener Altarretabels, als wären es dieselben Beteiligten in unterschiedlichen Szenen (4)!

Im zunehmenden Maß gerieten erfreulicherweise nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung, als Handelnde oder Nebenpersonen im Hintergrund! Die Akteure in den „Szenen“ sind meist zu entschlüsseln, sollten aber für den heutigen Reenacter aus genannten Gründen mit einem gewissen Abstand betrachtet werden, während Statisten des Hintergrunds oft unmittelbar dem städtischen Alltag entnommen zu sein scheinen. Wie ein Spiegelbild des Publikums, erscheint dessen Kleidung zeitgemäß, wirkt oft abgetragen oder verschlissen. Auch mit den Schergen als Wächter, Peiniger oder Würfler wurden einfache Darstellungen thematisiert. Doch in welcher Form? Ihre Kleidung hat realistische Bezüge, in Details scheint sie manchmal überzogen, zum Ende des Jhs mit recht expressiven Tendenzen in Farbgebung und Schnitt. Wirken hier italienische „Modetorheiten“? Diverse Requisiten der Schauspiele sollten mglw. bewußt befremdlich sein, um die zeitliche und örtliche Distanz des Dargestellten zu verdeutlichen, alltägliche Dinge wurden umgeformt oder ungewöhnlich arrangiert, bzw neu kombiniert. Ausschlaggebend waren vielleicht politische Hintergründe. Im SMA hatte die „Osmanengefahr“ bedrohliche Präsenz. Es gab „Kreuzzüge“, ständige Kämpfe auf dem Balkan und im Mittelmeerraum. Sie sind kaum in Erinnerung und werden mit den „Türkenkriegen“ eher der frühen Neuzeit zugerechnet. Aber die Gefahr war latent vorhanden und bestimmte politisches Denken im SMA. Man schaue sich mal an, was der Ritter und „Sänger“ Oswald von Wolkenstein 1445 in seiner Waffenkammer hinterließ [siehe „Dienstmannen“ unter Exkurs: Hundertschaft-Gefolgschaft-Lehnswesen-Ministeriale], da sind eine ganze Reihe Gegenstände osmanischer Herkunft (5).

In den Passionsszenen stellte man die Schergen, Geißler, Würfler mit sehr drastischen Mitteln dar. Durch die Verhöhnung Christi geben die grienenden, diabolisch grinsenden Gesichter der Schergen eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Mußte man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den „König der Könige“ zu verspotten und zu schlagen? Das kann nur Zeichen großer Einfältigkeit sein, dementsprechend nachlässig ist ihre Kleidung. Sie sind Außenseiter der Gesellschaft, ihre Seelen scheinen verdammt [...um mittelalterlich zu sprechen, … ich persönlich weiss allerdings bis heute nicht was die „Seele“ sein soll, diese eigenartige griech Erfindung]. Könnte hinter dem speziellen Kunstgriff des Malers das Gebärdenspiel und die expressive Mimik von (Laien-)Schauspielern zum Ausdruck kommen, die vor Publikum deutlich agieren mussten? Egal wie man zu den Überlegungen „Tafelbild-Schauspiel“ steht, für den damaligen Betrachter eines Stückes, wie für den heutigen Betrachter eines Bildes ist der expressive Ausdruck gleichsam von hohem Aussagewert (6).





Historischer Kontext Anfang XVI. Jh:

Die ersten Jahrzehnte des neuen Jahrhunderts brachten viel Leid durch religiöse und innenpolitische Auseinandersetzungen. Der Kaiser kämpfte in Norditalien. Die Gewinne aus den neuen Kolonien in Übersee konnten die enormen Kriegskosten nicht decken. 1527 kam es zur Plünderung Roms und mehrmonatiger Besetzung durch die Kaiserlichen. Augenzeugen verglichen die Zustände mit der Plünderung durch die Goten 410. Man wird in beiden Fällen kaum ermessen können, was an Beute aus den Bürgerhäusern verschleppt wurde und anderen Orts stilbildend Wirkung zeigen sollte. Nördlich der Alpen ließen Bürgerkrieg, wirtschaftlicher Rückgang und Geldentwertung weite Landstriche veröden und die Bauernschaft verarmen. Demgegenüber stand das internationale Ansehen und politische Gewicht der Städte, in denen das Bürgertum emanzipiert einen eigenen Modestil prägte. Italien war in diesen Belangen, durch die lange Tradition der Stadtrepubliken, bereits weit fortgeschritten. Dort wurden weniger die spitzen gotischen, sondern eher breite und runde Formen bevorzugt, so daß sich die ital. Mode vom burgundischen Stil entfernte, der nach den katastrophalen Niederlagen Karls des Kühnen nicht mehr den Stellenwert besaß. Auch „geschlitztes Zeug“ und mi-parti in den jeweiligen Stadtfarben fanden dort schon lange Verbreitung.

Die „Italienischen Kriege“ zeigten nun auch den Franzosen endgültig, daß der alte Standesdünkel, mit dem das Rittertum behaftet war, zu Grabe getragen werden musste. Seitdem Schweizer Miliz im XIV. Jh Habsburger Invasoren in die Schranken gewiesen und sie ihre Stärke gegenüber Burgunder Soldarmeen unter Beweis gestellt hatte, war ihre Infanterie in massierter Aufstellung von europ. Schlachtfeldern nicht mehr wegzudenken und agierte nun selbst im Sold. Beurteilung vor den Burgunderkriegen: „Denn damals waren sie noch nicht so geschätzt wie jetzt, und es gab nichts Ärmeres“ [BuiA, S. 281]. Ihre Taktik wurde europaweit übernommen und Eidgenossen galten als „Exportschlager“, aus Amateuren waren Profis geworden. Mit Stangenwaffen, gefertigt von den „Bartenhauern“, wie Piken, Helmbarten, Gleven oder Roßschinder, galten diese „Soldatenigel“ für Kavallerie als unüberwindlich. Hinzu wurden seit dem XV. Jh Feuerwaffen massiert eingesetzt.

Auf dem Weg in die Neuzeit war die Entdeckung der „Neuen Welt“ sicher ein wichtiger Schritt, aber auch die „Alte Welt“ hatte sich neu entdeckt.

5. Spezielle Renaissance Formen ab 1500

Vom niederländisch-burgundischen zum italienischen Stil

(viele der oben aufgeführten Beispiele der 2. Hälfte des XV. Jhs liefen bis in die ersten Jahrzehnte des XVI. Jhs, bei Männern an breiten und bei Frauen an schmalen Leder- oder Textilgurten, hier ergänzt nun Schnallentypen, die erst ab 1500 nachweisbar sind)



Bündner“ Hauptleute im Sold

Rinke = Schnalle / Spenglin = Zierbeschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, ws = Weißmetallüberzug, vs = versilbert, vg = vergoldet

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Das „Verfallsdatum“ des Mittelalters schien aufgehoben und die Reformation schuf ein neues Verständnis des Glaubens. Ursprünglich für das Heil der Seele gute Taten benötigend, folgte die Gewißheit, daß es dieser Werke nicht mehr bedurfte. Ganz im Gegenteil, der Calvinismus kreierte einen neuen Menschenschlag, der mit materialistischer Mehrung und selbst mit Habsucht, einst große Sünde, das Wohlgefallen Gottes finden konnte. Zuvor galt dies mit dem christlichen Armutsideal unvereinbar.


Quellen und Mode zu Beginn des XVI. Jhs.:

Im Reich liefen in der Sachkultur manche spätgotische Formen zu Beginn des Jhs noch weiter abgelöst durch ital. Einflüße, nicht mehr die Vertikale, sondern die Horizontale betonend. Kopfbedeckungen wurden flacher, die Linien der Schultern und Arme und auch das Schuhwerk gingen in die Breite. An den Gürteln der einfachen Schichten sind nun auch bei Frauen grössere lederne Taschen zu entdecken und nicht mehr nur kleine Beutelchen, das war ein Novum und mag mit der Darstellung von Marketenderinnen zusammen hängen? Nur die Landsknechte durften sich nach den Italienfeldzügen Karls. V., mit Duldung durch die Potentaten, auffällig kleiden. Waghalsige Farbkombinationen erfreuten das Auge. Das geschlitzte Zeug fand sich, als unmittelbare Anleihe aus Italien, eigentlich nur bei ihnen.

Im zunehmenden Maße wurden in der bildenden Kunst Themen der Historie, vornehmlich der Antike, Mythen und Allegorien verarbeitet. Buchdruck und Holzstiche dienten in der Verbreitung einem größeren Publikum als je zuvor. Damit war auch die Verbreitung von Motiven und Ideen der Bildfindung mehr Möglichkeiten gegeben. In der Renaissance-Malerei Italiens verändern sich die biblischen Motive vollkommen. So erhielten z.B. antike Römer durch die ital. Möglichkeiten an erhaltenen Skultpturen und Sarkophagen geschult auch ein weströmisches Aussehen und kein byzantinisches oder orientalisches, wie lange Zeit üblich.

Bislang galt die Reichskleiderordnung, oft noch durch die Städte modifiziert, sie regelte was jedem Stand an Gewandung angemessen war. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 wurde dem Bauern und Tagelöhner bsplw. vorgeschrieben keine Pelze und nur einheimische Tuche zu verwenden. „Und die röck nit anders dan zum halben Waden, auch daran nit über sechs falten machen lassen sollen...und eyn barchen Wammes on grosse weite ermeln machen lassen aber in alle weg unzertheylt, unerschnitten und unzerstückelt.“ Verboten waren ihnen „straussfedern oder seiden hosenbendel und ausgeschnitten schouh, noch bareten, sondern hüdt und kappen.“ Also durften sie kein Biret/Barett tragen. Der Bauersfrau waren goldener und silberner Zierrat und ein Seidengürtel verboten, Lamm- und Ziegenfell, die „schlechte Beltz“ erlaubt und den Jungfrauen ein „harbendlin von seiden“ gestattet. Die Bürger wurden eingeteilt „Item nach dem in stetten gemeynlich dreierley Burger und innwoner seind als gemeyne Burger und Handtwercker, kauf und gewerbsleut und andere so im Radt von geschlechten oder sunst ehrlich herkommen und irer zinss und renthen sich erneren [WHS, S. xviii]. Dem gemeinen Bürger, dem Handwerker und seine Gesellen waren Felle von Lamm, Fuchs und Iltis erlaubt. Die Bürgersfrau durfte sich mit unvergoldetem Silber schmücken. Dem Kaufmann und Handwerker im Rat wurde edles Tuch zugestanden aber vom Wert nicht über zwei Gulden pro Elle. Seine Frau soll kein Kleid mit mehr als zwei Ellen Samt, Seide, Atlas oder Damast verbrämen, Eichhörnchenfell war ihr erlaubt. Ein Gürtel durfte ihnen bis zu 20 Gulden wert sein. Auch dem Bürger vom Rat und dem Patrizier (Stadtadel) wurde Mäßigung auferlegt, indem er sich nicht prunkvoller als der Kaufmann zeigen sollte. An der Schaube durfte er Pelz vom Rückenmarder tragen, auch das Biret/Barett verbrämt, geschmückt oder aus Samt. Den Stadträten oblag es die Einhaltung der Ordnungen zu überwachen, doch gleichermassen versuchten die Bürger sie zu umgehen.

Katastrophale Auswirkung auf die Anzahl der uns heute zur Verfügung stehenden spätmittelalterlichen Quellen hatten die „Bilderstürme“ der Reformation des XVI., wie 1531 in Ulm und die Kriege des XVII. Jhs. Ob die Zwinglianer aus Zürich, die Calvinisten in den Niederen Landen oder östliche Reformationsbewegungen alle wirkten recht gründlich. Religiöse Bildwerke wurden als überkommene Zeichen der andersgläubigen herrschenden Klasse und einer nicht mehr akzeptierten „Gott gewollten Ordnung“ zerstört, so daß uns manche Quellen unwiederbringlich verloren gingen. Im Zuge dessen wurde auch Klöster aufgelassen und auf Geheiß der religiös neu ausgerichteten Landesherren liturgisches Gerät, Silber- und Goldschmiedearbeiten eingeschmolzen, sogar das Abschaben des Goldes von den Tafelbildwerken wurde befohlen.

Erst zur Mitte des Jahrhunderts sollte die Mode durch Karl V. und den spanischen Einfluß strenger werden. Die Vornehmen werden wieder in Schwarz gekleidet gehen, wie vormals am burg. Hof, aber das ist eine andere Geschichte...







D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE







Schnalle nach 1500 Quelle: Ross Whitehead








XV_320b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_320d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]





D

E

-

untere MITTELSCHICHT und für die BREITE MASSE







Schnalle nach 1500 Quelle: Ross Whitehead

Halbmondort nach wie vor häufiger Gürtelabschluß in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XVI. Jh.




XV_320e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und schlichter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 69,00 EUR





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Quellen und weiterführende Literatur (Information für oben verwendete Kürzel [fett]):

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Brant, S.: Das Narrenschiff (urspl Basel 1494) [SBNa], Wiesbaden 2004.

- Dericum, C.: Burgund und seine Herzöge in Augenzeugenberichten [BuiA], Ausgb. München 1977

- Desch, J./Herrbach-Schmidt, B.(Hrsg.): Mittelalterlicher Führer durch die Abteilungen HMA u SMA. Badisches Landesmuseum Karlsruhe [BLK] 2009.

- Die Welt des Hans Sachs, Ausstellungskatalog der Stadtgeschichtlichen Museen Nürnberg 1976 [WHS].

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt., Stuttgart 2006.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters [Fi], München Berlin 1971.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Dissertation, Wien 2010.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Salzburg 2013.

- Huizinga, J.: Herbst d. MAs. Studien über Lebens- u. Geistesformen des XIV. u. XV. Jhs in Frkrch u. i. d. Niederlanden [HdM] (1919), Stuttgart 1987

- Husslein-Arco, A.: Sammlung Mittelalter im Belvedere, Wien 2014.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter [MiMA], Darmstadt 2016.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterl. Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Moraht-Fromm, A./Schürle, W.: Kloster Blaubeuren. Der Chor und sein Hochaltar, Stuttgart 2002.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Musper, H.Th.: Altdeutsche Malerei. Köln 1970.

- Palla, R.: Das Lexikon der untergegangenen Berufe. Von Abdecker bis Zokelmacher, Fkft/M 1998.

- Saliger, A.: Der Wiener Schottenmeister. München 2005.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.

- Thiel, E.: Geschichte des Kostüms. Die europ. Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart [GdK], Berlin 1997.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht [MS], Herne 2010.






Das war´s mit den Betrachtungen zum Mittelalter.

Dank für Euer Interesse bis hierhin.

Wer den Ausblick in die Neuzeit nicht scheut, lese weiter...


Von Goldener Zeit...

Der „stolze“ Dom zu Cölln am Rhein um 1500




...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...




...und jetzt sollte es richtig losgehen.. hatten wir Christen uns bisher in „Nächstenliebe“ selbst zerfleischt, den slawischen und islamischen Nachbarvölkern mit Feuer und Schwert die „Segnungen unseres Glaubens“ gebracht, so waren nun Völker in Afrika und Amerika an der Reihe. Es sollte nichts mehr so sein wie es war, wenn die Europäer, die „Herrenrasse“, die sich ethisch und moralisch so überlegen glaubt(e), auf den Rest der Welt losgelassen wurde...

...zur Geldzeit“

[oder vom Gold- zum Geldadel]


...muss mal gesagt werden, schließlich stellen wir als Reenacter keine schöne Zeit dar und tragen eher zur Beschönigung bei, können uns vielfach nicht von einer „romantischen Verklärung“ freisprechen, weder der Mime des Adeligen, dem Nutznießer der Feudalgesellschaft, noch der Nordmann, der mit Sklaven als „Ware Mensch handelte“ oder der Ordensmönch, für den alle Unbekehrbaren verdammungswürdige Heiden sein mussten. Denn das Mittelalter war eine Epoche der Knechtschaft, der Sklaverei, geistiger und körperlicher Unfreiheit, sowohl für den Einzelnen, wie für die breite Masse, eine Gesellschaft der Eliten, gekennzeichnet durch Adelswillkür und Pfaffenherrschaft, Intoleranz und vielfältiger Beschränkungen… das, und noch viel mehr, wurde ab dem XVI. Jh auf ferne Kontinente exportiert, grub sich tief in fremde „Volksseelen“ ein, wo Menschen mit despotischer Unterdrückung erniedrigt und vollends deklassiert wurden – kein Wunder, dass man beginnen sollte Europäer abgrundtief zu hassen und bei sich bietenden Gelegenheiten auch zurück schlug/schlägt (politisch oder verbrämt religiös motiviert)…, vielleicht sollte ich doch mal über eine „Sansculotten“-Darstellung nachdenken? Aber die Franz. Revolution hat die kolonialen und imperialen Bestrebungen nicht beendet, ganz im Gegenteil, sondern die napoleonische Konterrevolution ausgelöst und neue Kräfte an die Macht gebracht, das Besitzbürgertum, dessen Aufstieg im MA begann. „Industriebarone“ und Bankiers verhielten/verhalten sich seit dem XIX. Jh nicht grundsätzlich anders als die Herren im Feudalsystem. Das Bürgertum (g)eiferte immer dem Adel nach. Und seit Renaissance und Calvinismus gilt angehäufter Reichtum nicht mehr als schändlich, sondern als förderlich. Besitz gilt es zu erhalten, besser noch zu mehren.

Wie schaut es nun aus in unserer Zeit, 500 Jahre nach Calvin, welcher Habsucht ethische und moralische Rechtfertigung verlieh, göttlichen Mächten angeblich ein Wohlgefallen?! In einer Zeit, in der sich die Nachfahren der begüterten Schicht, die „Rockefellers“, „Rothschilds“, und „Morgans“ der x-ten Generation, wie Raubtiere gebärden und sich immer neue Freiräume verschaffen, vor allem im Bereich der Finanzgeschäfte, Investmentbanken und seit dem Jahr 2000 der Hedge-Fonds, die keiner staatlichen Aufsicht unterliegen, wenn sie an den Hauptmärkten agieren, ihren Sitz aber in unkontrollierten Finanzparadiesen haben. England und die USA sträuben sich Ordnung in die globalen Finanzmärkte zu bringen, so lange in London und New York davon profitiert wird. Umso schlimmer, daß nun GB aus dem Einflußbereich der EU ausgeschert ist. Denn Reglementierungen zum Schutz der weniger Profitierenden könnten nur aus Europa oder Asien erfolgen. In einer Weltanschauung, die sich alleine an Leistung und Macht orientiert, ist der Egoismus eine Folgeerscheinung, wenn es keine anderen übergeordneten sittlichen Werteprinzipien mehr gibt. Unsere moderne Kultur der Nachkriegszeit ist im Kern ein „Kind“ der USA, die einzige wirkliche Siegermacht des I. und II. Weltkriegs. Wir haben als Deutsche den USA zu verdanken, daß sie uns, einer so selbst entarteten Nation, die Rückkehr in die Völkergemeinschaft ermöglichte, wir Akzeptanz und Ansehen zurückgewinnen konnten. Aber das war nicht uneigennützig und alles hat seinen Preis. Wir wurden gebraucht zu Zeiten des Kalten Krieges und waren Empfänger von Transferleistungen auf unterschiedlichen Gebieten. Die USA kämpfte gegen die Ausbreitung des Kommunismus und überall wurden Interessengrenzen abgesteckt. „Freunde“ sind wir wohl kaum, eher Bündnis-, bzw Konsumpartner. Kultur, Sprache und Wirtschaft wurden anglo-amerikanisiert. Sehr bedenklich erscheint, daß wir unweigerlich einem Währungssystem vertrauen müssen, daß nicht auf einer staatlichen, sondern seit 1913 auf einer privaten Währung basiert, durch die Gründung des privaten Bankkartells der US-Notenbank „Federal Reserve“ mit absoluter Hoheit über den Dollar. Seit 1944 wurde er zur Weltleitwährung und ist in den 1970er Jahren von realen Werten, wie Gold, entkoppelt worden. Die Geldmenge hat sich seitdem vervielfacht. Es sind also lauter, eigentlich wertlose, ungedeckte grüne Scheine. Doch wir haben uns alle darauf geeinigt, der Dollar sei was wert. Die internationalen Märkte zeigen aber, daß es nichts wert ist. Denn niemand kauft mehr US-Staatsanleihen, bis auf die Fed selbst, welche sich ja für die US Währung verbürgt. Ähnlich handhabt dies die EZB mit dem EURO, vom Europäischen Gerichtshof legalisiert, bislang vergeblich vom Verfassungsgericht in Karlsruhe angemahnt. Ins Ausland wandern Dollars kaum mehr, aufgrund des US-Handelsdefizits gibt es dort bereits genug Gläubiger. In letzter Konsequenz bedeutet die massive Dollarabwertung eine elegante Entledigung von Auslandsschulden der USA, aufgehäuft aufgrund verfehlter Handelspolitik. 1914 entkoppelte die dt. Reichsregierung die damalige Währung vom Gold, nachdem Edelmetallstandards lange Garanten der Währungssysteme waren. Den gewaltigen finanziellen Kriegsanstrengungen des I. WKs samt der Reparationszahlungen geschuldet kann das Ergebnis Anfang der 1920er Jahre als bekannt gelten.

Von jenseits des Atlantiks aus den Schaltzentralen der Macht wird „Freiheit“ propagiert und wie hatte es Jefferson in seiner Unabhängigkeitserklärung von 1776 postuliert: „...daß alle Menschen von ihrem Schöpfer mit unveräusserlichen Rechten ausgestattet sind und dazu gehören Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.“, doch einher geht heutzutage ein Wirtschaftsleitsystem mit ausufernder Liberalisierung, unkontrolliertem Finanzkapital, mit Monopolismus und absoluter Marktbeherrschung. Damit herrschen „Dschungel- und Naturgesetze“ mit einem „Recht des Stärkeren“, Atavismen, eigentlich gedanklich überwunden, gehören sie in keine zivilisierte Gesellschaft. Solch darwinistischen Maßstäbe mündeten im Beziehungsgeflecht europ. Mächte in die Katastrophe des I. WKs. Die immer wieder propagierte persönliche „Freiheit“ gibt es in den USA tatsächlich (wenn man nicht gerade schwarzer Einwohner ist), denn sie ist personell-individuell und entsteht eher im gesellschaftlichen „Underground“, in den vielen bunten und schrillen Lebensformen abseits des Althergebrachten. Ansonsten heißt es wie eh und je: „Geld regiert die Welt.“ Diese Machenschaften werden uns, auf Kosten von Schwächeren, Unprivilegierten, von Mitbewerbern, von Natur und Umwelt, als unvermeidlicher „Kampf um Märkte und Ressourcen verkauft“, hinzu mit der Hybris des Wachstums und des Mehrwerts, da Aktienmärkte und Anleger dies fordern,...Zahlen auf Papier und in den Rechnern ohne ausreichend reale Güter und Gegenwerte! Die Aktienindices erreichen seit 1982 anhaltend astronomische Höhen, so daß Krisen nur als Kurskorrekturen wahr genommen werden. Kein Wunder, bei den aktuellen Zinssätzen ist Geld billig zu haben. Das heizt die Inflation an. Die Geldmenge hat sich um das x-fache gegenüber der real produzierten Gütermenge vervielfacht. Waren und Güter verlieren immer stärker und schneller an Wert. Diese eher deflationären Tendenzen werden durch Verschuldung aufgefangen. Aber die Staatsverschuldungen, welche gewichtig auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) drücken, haben Dimensionen angenommen als befänden wir uns in einem dauerhaften Kriegszustand, aber vermutlich sind wir es auch. So schaukeln wir immer höher zwischen Inflations- und Deflationsgefahr hin und her in Erwartung des Falls zu einer der beiden Seiten. Das ganze System funktioniert nur solange, wie die Hauptgläubiger, die Zentralbanken, ihre Versprechen Kredite bereit zu stellen einhalten können. Was, wenn sie ihr Versprechen nicht mehr einlösen, wie die private Morgan-Bank 1907 in den USA, als sie viele Kleinbanken über die Klinge springen ließ? Auch heute hält das Morgan-Konsortium große Anteile an der privaten Fed. Der US-Finanzmarkt entscheidet heutzutage über Gedeih und Verderb von ganzen Nationen. Reine Geldgeschäfte machen pro Tag das 50 bis 100fache im Wert gegenüber dem Güterwelthandel aus. Und alles geschieht in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, nicht zuletzt durch die Digitalisierung vorangetrieben, jeden bis zur Atemlosigkeit erfassend, weil man einfach „mit muß“. Maschinen sind eben schneller als Menschen und die Macht haben sie im weltweiten börsengestützten Finanzwesen bereits übernommen, kein Science Fiction mehr. Die große Katastrophe durch Programmierfehler wurde bislang vermieden, weil man in letzter Sekunde den Stromstecker zog !!! Geld ist zum Maßstab aller Dinge geworden, an dem schlichtweg alles gemessen wird, um rentabel, profitabel und effizient zu sein. Sind das w i r k l i c h erstrebenswerte Ziele ??? Haben wir darauf in der menschlichen Evolutionsgeschichte seit Jahrtausenden hingearbeitet, ich glaube nicht...

Wir hätten mehr lernen müssen aus unserer Geschichte, „ein altes Lied“...[Daesigamlamal]... und das Mittelalter ist hierzu ein gutes Negativ-Beispiel. Adel und Klerus zählten, das Besitzbürgertum gesellte sich dazu, der Rest war Pöbel, rechtlich “dem Vieh gleichstehend“. Mögliche persönliche Freiheiten, die in vorchristlichen Gesellschaftsformen mit erheblich geringerer Bevölkerungsdichte in unserem Raum vielleicht existierten, gingen mit römischer, feudaler und klerikaler Unterdrückung verloren. Nach der Neudefinition des Bürgers in der Franz. Revolution konnten „bürgerliche Freiheiten“ in den letzten zwei Jahrhunderten mühsam erkämpft werden, haben bis heute für die Masse eine gewisse Suggestivwirkung (die wahren Profiteure spielen auf einer anderen Ebene, s.o.) und werden nun mit der Digitalisierung, zunehmenden Kontrollsystemen im „Kampf gegen Terror oder Seuchen oder Umweltsünden oder was auch immer“ und nicht zuletzt durch die unkontrollierten Finanzmächte, deren Vernichtungspotential ungeheuer ist, aufgegeben. Ach wie herrlich „frei“ sind wir heute..., gleichen wir mögliche Verluste also mit Konsum aus, verhalten uns systemkonform im Sinne der Profiteure, und werden einfach „glückliche Menschen“...ich habe den Eindruck, daß die Science-Fiction-Filme aus meinen Kindheitstagen allmählich Realität werden...sie kamen aus den USA...der amerikanischen Erzählkunst galt schon immer höchsten Respekt zu zollen ...

Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

George Santayana

Was ist zu tun? Vorrangig muß der zügellosen Spekulation auf den Finanzmärkten aus reiner Profitgier entgegen gewirkt werden, wie es z.B. Francois Mitterand oder Helmut Schmidt bereits Anfang der 1980er forderten. Es gibt 40 Jahre später genügend kompetente Mahner. Denn es ist ein Tanz am Rande des Vulkans und wird viele mit in den Abgrund reißen. Es würde sicher bessere Wirtschafts- und Gesellschaftsformen geben, aber Utopien sind immer schwer realisierbar. Vermutlich wird die Zukunft nicht den großen staatlichen und überstaatlichen Organisationen und Institutionen gehören, wenn die Blasen alle zerplatzt sind, sondern kleinen regionalen Verbänden, wie damals in den griech. antiken oder mittelalterlichen Stadtstaaten. Wir sollten eigene und praktikable Wege gehen und, wenn einmal vorhanden, zuerst die Errungenschaften unserer „sozialen Marktwirtschaft“ und der elementaren Grundversorgung durch übertriebene Liberalisierung nicht weiter aushöhlen. Im Vordergrund muß das Allgemeinwohl stehen und nicht die Interessen einiger weniger. „Eigentum verpflichtet“ laut Art. 14 des Grundgesetzes, deshalb darf es auch nicht in die Hände von verantwortungslosen Spekulanten geraten, die sich allen Verpflichtungen enthoben glauben...und übrigens, wenn schon einmal dieser „Rundumschlag“ erfolgt: Viel mehr Frauen in die Politik, wollte ich nämlich schon lange schreiben. Aber bitte richtige Frauen und keine verkappten Männer, Frauen, die mit ihrem „weiblichen Instinkt“ Politik betreiben, kommunikativ und darauf bedacht Leben zu erhalten und nicht zerstörend wirken wie viele zweifelhafte männliche Persönlichkeiten mit ihren dämlichen „phalliotischen Großmachtträumen“, die wohl im Bett interessant sein mögen, aber nicht auf das internationale Parkett der Diplomatie gehören. Sie sind genährt von Idealen einer schon lange überholten patriarchalischen Gesellschaft, gestützt durch hinfällig religiöse Systeme. Solange wir solchen Atavismen folgen und das Recht des Stärkeren gilt, was in mehreren Jahrtausenden immer nur zur Selbstzerfleischung der Menschheit führte und nicht endlich die Vernunft regiert, wird sicher auch dieser Science-Fiction irgendwann Realität werden - Große Probleme, wie das Hauptübel, die Überbevölkerung sowie daraus resultierende Verteilungskämpfe und Kriege, könnten mit einem Schlag gelöst werden: Durch die Kastration der männlichen Spezies, Ausnahmen nur zur selektierten Fortpflanzung. Vielleicht ist unsere globale Mikroplastik-Verseuchung ein möglicher Lösungsansatz und die notwendige biologische Korrektur bzgl der bedrohlich wachsenden Bevölkerungszunahme, kann man wenigstens noch ein bißchen Spaß haben.....uff...


I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh



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1/ Karl der Kühne von Burgund liebte es zu protzen und stach bei dem Treffen 1473 den Kaiser aus: „Die Burgunder verachteten das kleine Gefolge des Kaisers und die ärmlichen Kleider,...“ [BuiA, S. 247]. Der Herzog zeichnete sich durch seine luxuriöse Prunksucht, das imposante Auftreten und Inszenierungen vor großem Gefolge aus, der burgund. Hof durch übertriebene Steifheit und Etikette, angefangen vom streng reglementierten Tagesablauf, über die Tischsitten, den Ehrenkodex im Umgang miteinander, Vorrang- und Ehrerweisungen, Kniefällen, bis hin zur Verwendung von bestimmten Farben und Stoffen in Brokat, Samt und Seide, gestickten Devisen oder Monogrammen und Accessoires für die Kleidung. Der Hofstaat lebte wie in einem Schauspiel mit der artifiziellen Inszenierung eines Traums voll ritterlicher Heldenideale und Tugenden, eine Welt, die ihre Höhepunkte eigentlich schon lange überschritten hatte. Chastellain, der Hofchronist Karls, betonte die Wichtigkeit auf Ordnung und Führung des Hofstaates höchstes Augenmerk zu legen und grenzte sich damit deutlich vom eher chaotisch wirkenden franz Hof ab [HdM, S. 37ff u 48f]. Viele Adelige schickten ihre Söhne zur Erziehung an den burgund. Hof und um sich dort die neuesten Sitten und Moden abzuschauen. Rang und Einräumen eines Vorrangs hatte Vorbildcharakter für die „Höflich-keit“, aus der „Höfisch-keit“, der courtoisie erwachsen, welche bis heute im Bürgertum zum guten Ton gehört. An das Haus Habsburg wurde das Hofzeremoniell weitervererbt und spätestens mit der Übernahme in Spanien war es das Modell aller absolutistischen Fürstenhöfe Europas - der Ursprung lag einst in Dijon. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burgundischen Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur „schicke Sachen“ anziehen, wird da kaum ausreichen. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen.



2/ Siehe dazu P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51 und BuiA, Philippe de Commynes 1470er, S. 249 „...und wenn es zwei verschiedene Nationen sind, so haben sie eine verschiedene Sprache und verschiedene Kleidung.“ Anzumerken gilt, daß der regionale Wechsel von Modeformen für den heutigen Betrachter vor allem an der Adaption dieses neuen Malstils und der neuen Bilderkonvention ablesbar ist! So ist die frühe Übernahme im Maas- und Rheinland (z.B. durch Stefan Lochner in Köln), in unmittelbarer Nähe zu den reichen Städten der Niederen Lande, nachvollziehbar, mit einer zeitlich verzögerten Ausbreitung in die östlichen und südlichen Reichsgebiete, wo die Malerei der altniederländischen Schule angeblich erst in der zweiten Hälfte des XV. Jhs fasste, z.B. erwähnter Meister des Schottenaltars in Wien um 1470. Es gibt frühe Vorläuferwerke der 30er bis 60er Jahre aus Wien, die als Anregung gedient haben könnten den neuen niederländischen Stil umzusetzen, ohne daß der Meister selbst in den Niederen Landen gewesen zu sein. Andere Kunstgattungen, wie die Buchmalerei, erscheinen auf Reichsgebiet relativ statisch. Es war „Klein- und Gebrauchskunst“ und kein „großes Kino“, wie ein Tafelbild. Im Gegensatz zu Frankreich wirkten die deutschen Formen, meist ohne große fürstliche Auftraggeber, nicht hochmodisch und oft „hausbacken“. Hier kamen reale ortsgebundene Modeformen vielleicht eher zum Ausdruck. Bei den „internationalen Tafelbildern“ stellt sich für den Reenacter nun das Problem zu erkennen inwieweit die Kleidung der Protagonisten einen zeit- und ortsgemässen Bezug durch Aufnahme des Gewöhnlichen erfährt oder wurde mit „fremden Details“ auf den Bildtafeln die Sensationslust und der Bedarf nach neuer Mode geweckt, die es nachzuahmen galt, weil Künstler oder Werk aus weiter Ferne stammten? Es ließe sich spekulieren, daß der Osten und Süden Dtlds zunächst modisch anders ausgerichtet war, da sich Kleidung hier entweder durch die tradierten Kunststile (böhmisch schwerer Stil) dokumentierte oder mehr ital. Einflüße empfing. Dem gegenüber schienen sich im Westen neue Stile als modische Vorreiter Burgunds ausdrücken. Wäre dem so, dann sollte ein süddt. oder oberösterr. Reenacter des XV. Jhs sich bzgl. des Gürtels z.B. nicht an Formen aus London, Dijon, Brügge oder Antwerpen orientieren. Denn dort herrschten mglw, den Bildern nach zu urteilen, zeitgleich andere Modeformen vor als in seiner Heimat?



3/ Sozialstruktur nach R. Kiessling, Bürgerliche Gesellschaft u Kirche in Augsburg im SMA von 1971, Kleiderordnung nach Kühnel, Alltag im SMA, S. 42 und Keupp, [MiMA, S. 56, 120 und zur Hurenordnung S. 123. In diesen Arbeiten wird noch einmal recht deutlich, daß ein gelbes Kleid nicht automatisch die Dirne kennzeichnete, sondern, regional unterschiedlich, gewisse Accessoires, wie Tüchlein, Hauben, Kappen, Schleier, Federn etc. von gelber, roter oder grüner Farbe oder Farbanteilen den besonderen Status hervorhob, wobei Gelb durchaus seit röm. Zeit als galante, erotische Farbe galt. Allerdings war sie auch ein Zeichen der „Falschheit“ und des Verrats, denn gerade auf spätmittelalterlichen Abbildungen der Jünger Christi wurde Judas gerne in gelbe Gewandung „gehüllt“, wie auf dem Retabel des Schottenaltars zu Wien gegen 1470. In manchen Schweizer Orten und in Köln wurden im SMA z.B. rote Kappen, in Göttingen rote Schuhe, in London bunt gestreifte Hauben und in Augsburg grüne Streifen auf dem Schleier zur Kenntlichmachung vorgeschrieben. In der zweiten Hälfte des XIII. Jhs waren safrangelbe Gebände der „letzte Schrei“, so daß der Wanderprediger Bertold von Regensburg wetterte: „Ein bloßer Nacken und ein gelbes Kleid, die locken manche falsche Freier an“, und sie wohl mit Erfolg für anrüchig nur Jüdinnen, Pfaffendirnen und „diejenigen, die auf dem Graben gehen“ zugehörig erklärte, so daß Ehrbare sie nicht mehr tragen wollten. Aber es wäre beispielsweise in Städten mit Anteilen von Gelb im Stadtwappen, wie Aachen, Amberg, Coburg, Dortmund, Goslar, Heilbronn, Nördlingen, oder auch Herzogenaurach (mit schwarzem steigendem Löwen auf gelbem Grund) unsinnig gelb bekleidete Personen der Prostitution zuzuordnen, wenn dort Stadtbedienstete in irgendeiner Form gelbe Kleidung, bzw gelb-schwarze getragen haben dürften. Im Alexanderroman der illuminierten Berliner Handschrift um 1300 wird natürlich Gold dem König zugeordnet, nicht selten für ihn auf Schild und Kleidung auch gelb verwendet. Gelb-Gold als herrschaftliche Farbe mit hoher Signalwirkung. In Zittau wurde 1353 die Gugel, also ein Kleidungsstück der Männerwelt, ausschließlich den „Henkersmägden“, Keupp vermutet dahinter Prostituierte, vorbehalten und den ehrbaren Frau untersagt. Allein wegen der Verwechslungsgefahr werden solche Verordnungen wohl gegriffen haben.



4/ Zu den Schauspielen siehe dazu auch A. Saliger, Der Wiener Schottenmeister, S. 57ff, S. 160 und S. 157 die „Dreikönigsspiele“, mit der illustren Nebenbemerkung, daß die Kronen der Hl Könige teilweise aus Papiermasché gefertigt wurden. In Antwerpen war Ende des XV. Jhs das Bildthema „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Altdt. u altnl. Malerei Alte Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinn symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren im SMA als Schwarzer Darstellung fand [Ars Sacra, S. 121]. Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch für Westeuropa ungewöhnliche Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Wie bereits erwähnt wurden manche Bilddetails vermutlich von den beliebten sakralen Bühnenstücken angeregt, deren Anfänge seit dem 11. Jh. bei den Krippen- oder Dreikönigsspiele, den Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“ lagen. In Frankfurt/Main waren 1493 an der Darstellung des „Kalvarienbergs“ 280 Personen beteiligt! Um die jeweiligen Protagonisten zu identifizieren ist es unerläßlich gewesen sie durch Kleidung und Attribute kenntlich zu machen. Wilhelm Rollinger inszenierte in den 1480er Jahren das Wiener Passionsspiel bei St. Stephan nach dem Vorbild des Passionsspiels von Freiburg im Breisgau, das sich wohl im Programm des reliefierten Ratsherrenchorgestühls von 1486 im Wiener Dom, niederschlug, 1945 verbrannt. Ein Abglanz des Spiels mögen die Wandmalereien von acht Passionsszenen an der Außenwand des Stephansdoms wiedergeben? Die eindeutige Darstellung einer Prozession findet sich auf Stefan Lochners „Tempeldarbringung“ von 1447 mit Kerzen tragenden jugendlichen Meßdienern, siehe Details unterMode in der ersten Hälfte des XV. Jhs.

Es ist vielleicht gar nicht zu vermessen Überlegungen anzustellen, ob Laien-Schauspieler mit ihren Kostümen und Teilen der Ausstattung den Malern Modell standen, ähnlich wie es von Bürgern auf Rembrandts „Nachtwache“ aus dem XVII. Jh bekannt ist. Das Hauptbild des Marienaltars in Salzburg von 1485c zeigt diesbzgl. ein interessantes Detail. Die drei Könige erweisen dem neugeborenen Jesus ihre Referenz. Der schwarze König trägt Stiefel, glaubwürdig für einen reisigen Reiter, zumal im Hintergrund das Gefolge auf den Pferden wartet. So stellte es bereits Gentile da Fabriano 1425 auf seiner „Anbetung“ in Florenz dar. Die Mannen warten artig, ein Gefolgsmann hält Pferd und Schwert des jüngsten Königs, während ein anderer ihm die mit Zieren beschlagenen Sporen abnimmt. Auch auf der „Anbetung“ im Suermondt-Ludwig-Mus. Aachen von 1470c ist in dem Fall der ältere König folgerichtig mit Sporen ausgestattet oder „Caspar“ auf dem Maria-Teppich aus der 2. Hälfte des XV. Jhs in der ehem. Oettingen-Wallersteinschen Smlg mit Sporen und Lersen. Hingegen trägt auf dem oben erwähnten Tafelbild in Salzburg der König mittleren Alters, gerade im Begriff zu knien, die offenen Leder-/Korksandalen („Schläppchen“, Originale z.B. im GNM Nürnberg oder Ledermus Offenbach), die häufig Attribut von Protagonisten auf Bildern mit städtisch bürgerlichen Bezügen sind. Für einen Reiter wären sie unpraktisch, sie gelten auch nicht unbedingt als königliches Kleidungsutensil, stehen einem hochstehenden Bürger, als Laienschauspieler in die königliche Rolle geschlüpft, aber durchaus, denn sie entstammen seiner realen Lebenssphäre. Ähnlich siehe „Anbetung der Könige“ zu Schloß Braunfels um 1420 und auch das Bild der Anbetung des Antwerpener Meisters in der Pinakothek München von 1520, hinzu mit stark orientalisierenden Elementen und gewaltig aufbauschender Kleidung. Hier erwartet man unwillkürlich eine Sänfte im Hintergrund. Man könnte die Sache weiter ausspinnen, ein nobler Bürger übernahm im „Kostüm“ die Rolle des Königs, behielt aber sein eigenes Schuhwerk an, wird vielleicht auf der Bühne gestanden haben, um später im Atelier des Malers für die Nachwelt erfasst zu werden. Natürlich in der Art und Weise, wie es dem Maler in den Bildaufbau passte und nicht unbedingt nach Schauspielablauf, der ja eigenen Gesetzmäßigkeiten folgte. Hier läge eine mögliche Erklärung für die faszinierende Detailtreue der SMA-Malerei mit ihrer „fotografischen Genauigkeit“, welche die Talente des Malers in Bildkomposition und Ausführung forderte, aber in den Details nicht unbedingt als Auswüchse seiner Phantasie gedeutet werden müssten. Manche Maler waren durch die Kulissenerstellung bereits unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Mglw fertigten sie sich während der Aufführungen Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. Wie bereits erwähnt, wird in der Kunstgeschichte zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren hervor gehoben. Wobei der Bildaufbau einer inneren Logik folgen musste, wenn die Retabeltafeln in der Komposition Bezug nahmen auf das Zentrum des Altars, wie beim Sterzinger Meister für den Hochaltar von 1457, ohne daß ein Bühnenstück hier Anleihen geben konnte. Bzgl der Stücke fehlen uns meist jegliche Informationen, falls die Bilder nicht in irgendeiner Form darauf verweisen? Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gab, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was kirchliche und städtischen Potentaten zuließen, mit „deftigen und derben Zutaten“ konnten man vielleicht um die Gunst des Publikums ringen. Wobei Massenaufläufe eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickeln, wie zelebrierte Karnevals- und Fastnachtsbräuche oder der „Schembartlauf“ zeigen, siehe auch „index-Seite“ FußnoteProzessionen.



5/ Die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden, Byzantiner/Rhomäer/Oströmer oder als „Türken“ waren nicht nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen. Politische Bezüge im XIV./XV. Jh durch die akute Osmanengefahr mit Schaffung eines Feindbildes, aber auch mit dessen Verunglimpfung, sind unverkennbar. Der Orient war immer in irgendeiner Form im Westen präsent, auch nach der Zeit ostmediterraner Kreuzzüge. Dem unaufhaltsamen Vordrängen der Osmanen auf dem Balkan konnte man keinen Einhalt gebieten. Könige mit ihrem Gefolge aus den überrannten Territorien, die Krone und Land verloren hatten, „irrten“ im SMA an den Höfen Europas umher. Es wurde die „orientalischen Welle“ genutzt, wie Zigeuner 1427 in Paris, die sich als büssende Adelige ausgaben mit einem großen „ägyptischen“ Gefolge. Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Attribute und Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite schärpenartige Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Metallgürteln und auf Rüstungen (Zeugnisse dieser „Modewelle“ haben sich in Rüstkammern bis heute erhalten). Zugleich wurde dies mit Accessoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bildeten ein buntes Gemenge. Ansätze sind bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs erkennbar (bsplw eine byzant. Rüstung auf der „Kreuzigungsszene“, Dombibliothek Hildesheim, vermutlich durch ital. Anregung), sind vermehrt ab 1400 nachweisbar und gerieten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten können. Vielleicht wurde bewußt Unzeitgemässes auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumschauen oder geistlicher, weltlicher und königlicher Prozessionen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor! So kann auch recht deftig, vielleicht auch humorvoll, aufgetragen worden sein, um die Gunst eines bildungsfernen Publikums buhlend. Wie wir aus dem mittelalterlichen Rechtswesen wissen, das nach dem Gerechtigskeitsempfinden von einem starken Rachebedürfnis genährt wurde, war man bei Urteilsvollstreckungen nicht zimperlich und mutete dem sensationslustigen Volk einiges zu. Huizinga spricht von einem „Jahrmarktsvergnügen“. Auch waren die Vollstreckungen von Inquisitionsurteilen „beliebte“ Massenaufläufe, wie die Autodafes in Portugal und Spanien, immer von dem Horror begleitet, daß es einen nicht selbst getroffen hatte...

Von der modernen Forschung verworfen, galten nach alter Lehrmeinung die Bühnenstücke als ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrende Motive auf den Tafelbildern, denn sowohl bei den Bildern, als auch bei den Stücken geht es um Eindeutigkeit. Ich halte diesen früher begangenen Betrachtungsweg nicht für verwerflich. Denn Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich die Strahlkraft von großen Werken und deren Meister, samt ihrer Werkstätten kennzeichnen. Sicher haben tradierte und bewährte Motive, Musterbücher, das bewußte Kopieren oder Werkstattkarrieren der Maler nach wie vor eine entscheidende Rolle gespielt, aber diese Theorie wäre um eine interessante Nuance erweitert. Denn setze ich das Kopieren eines gerühmten Werkes als Hauptmotivation für Entstehung und Bildfindung voraus, wäre mglw auch die dargestellte Mode einem fremden Ursprung zuzuordnen und gäbe nicht das wieder, was auf den Straßen zu sehen wäre, in der das Tafelbild später präsentiert wurde, sondern gäbe das wieder was am Herstellungsort der Tafel üblich war! Das kann sehr weit voneinander entfernt sein. Für uns stellt sich diesbzgl die Frage wie groß war der Unterschied der Mode um 1450 in Brügge und in Breslau? Würde sich der Maler am Schauspiel in seiner Stadt orientieren, wären vielleicht mehr Ortsbezüge zu erwarten, selbst sehr ungewöhnliche Bildelemente wären erklärbar. Ich möchte diesen Aspekt nicht noch weiter vertiefen, aber das genaue Identifizieren von Protagonisten auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ist ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine unweigerliche Annäherung der beiden Ausdrucksformen von Schauspiel und Bild-Inszenierung, durch „in Szene setzenbewirkt.



6/ Es liegen, wie bereits erwähnt, höchst tendenziöse Bildinhalte vor. Die Maler wollten eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Bildaussage beschränkte sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten, sondern Mode und Accessoires, also Identifikationsfaktoren, halfen die Bilder für den damaligen Betrachter lesbar zu machen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ durch die scheinbare „fotografische Genauigkeit“ der Bilder in manchen Bereichen vielleicht nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen, ausserdem steht das „diabolische Grinsen und Grienen“ der Geissler nicht jedem...