V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh






Historischer Kontext:

Frankreich, durch Kriege u. Bürgerkriege erschöpft, büsste seine kulturelle Vormachtstellung in Europa zugunsten von Burgund ein. Dessen Herzöge hatten durch Heirat und Diplomatie ihren Machtbereich erheblich erweitert. Der burgundische Hof begann Mode und Etikette stilbildend zu dominieren, gestützt auf die reichen Städte der Oberen und seit 1384 vor allem der Niederen Lande. Wobei der Hof, in Antwerpen oder Brügge tagend, bemüht war seine Führungsrolle gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum zu wahren. Prunkvolle Ausstattung und durch Schulung erreichte Eleganz in der Tragweise der Gewänder verliehen der burgundischen Mode eine Exklusivität, die man an anderen Fürstenhöfen so kaum fand.1 Schließt man von den erhaltenen Tafelbildern, die in der Regel als Gradmesser und Dokumente dieses Stils gelten auf die reale Mode dieser Zeit, wurde sie demnach im Westen des Reichs schneller aufgenommen als im Osten, allerdings ohne die burgundische Pracht zu erreichen. Wobei wir hier mglw einem Trugschluß unterliegen, s.u. Exemplarisch für die internationale Ausbreitung stehe der Meister des Schottenaltars in Wien mit seinem Altarretabel vor 1470. Jener verarbeitete die Innovationen der altniederländischen Meister Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Derik Bouts. Im Süden des Reiches wirkte aber auch traditionell die italienische Mode, die selbst nur partiell burgundische Formen übernahm.

Die Gesellschaft des SMA hatte sich deutlich gewandelt. Ein allgemeiner Aufschwung setzte ein mit steigenden Bevölkerungszahlen und wachsenden Ortschaften. Die Einwohnerschaft auf Reichsgebiet hatte sich gegen Ende des Jhs gegenüber 1400 mit rd 15 Millionen Menschen fast verdoppelt. Die zunehmende Zersiedelung des Landes brachte auch kleine Landstädte hervor, deren Kleingewerbe und Handwerker das bäuerliche Umland versorgten. Große Städte gewannen als Handelszentren an Einfluß, die sich europaweit vernetzten und neue Gesellschaftsschichten begünstigten, welche die Vormacht des Adels mit Hilfe des Geldes brachen und die Vormacht der Kirche durch eigenes Wissen in Frage stellten. Der Kirche wurde das Bildungsprimat entzogen. In geistlichen Belangen dominierte der Glauben das Leben der Menschen nach wie vor. Sie bangten um ihr Seelenheil und verstanden die Erlangung dessen wie ein Geschäft.



1450-1520

- Spätgotik -

Musee de Cluny Paris 1478n

= SEITE IN BEARBEITUNG =

Hochbürgerliche Gürtelformen (oben)

Niederbürger und einfaches Volk (unten)


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort

Durch Stiftungen der Vermögenden wurden Kirchenerweiterungen, liturgische Gerätschaften, aber auch nach wie vor aufwändige Altarretabeln geschaffen. Die detailreichen Tafelbilder gewähren uns scheinbar Einblicke in den Alltag. Die soziale Hierarchie und Funktionsträger wurden durch die Kleidung verdeutlicht. Darüber hinaus gab es unverzichtbare Bildelemente, wie z.B. Fackeln oder Laternen in der „Gethesmane-Szene“, um die nächtliche Handlung zu suggerieren. Schergen benötigten beim „Kindermord“, bei der „Gefangennahme“ oder als „Grabwächter“ ihre Waffen, die Könige bei der „Anbetung“ ihre Kronen. Es ist interessant zu beobachten, wie diese Gegenstände ihr Aussehen im Laufe der Zeit wandelten. Bekleidungselemente bekamen stark orientalisierende Noten, aus den Kronen wurden geschmückte Turbane, die Klingen der Waffen wurden zu Krummschwertern. Gegen Ende des Jhs wird der Kleidungsstil vor allem der unteren Chargen extrem expressiv und ausdrucksstark. Es stellt sich also die Frage inwieweit der Alltag oder viel mehr die Vorstellungswelt des Mittelalters mit allen Höhen und Tiefen veranschaulicht wurde. Die Spannweite scheint groß und umfasst mglw. auch bisher unbeachtete und weniger bekannte Richtungen...siehe dazu Exkurs unten...


Quellen und Quellenkritik für die 2. Hälfte des XV. Jhs:

Mit den neuen Formen der Volksfrömmigkeit devotio moderna, der unmittelbaren Erfahrbarkeit Christi, setzte sich seit den 1430er Jahren in der Tafelbildmalerei die neue Ölfarben-Technik mit hoher Leuchtkraft der Farben durch, die ars nova, aus den burgund. Niederen Landen kommend (Meister von Flemalle, H. und J. van Eyk, u.a.).2 Sie verblüffte mit einer gesteigerten Realitätsnähe durch perspektivisch getreue Landschaft und plastisch gestaltete Sachkultur und Interieurs, wie Leuchter, Möbel, Inventare, Kannen, Keramik, etc. Sie wurden detailliert erfasst und gewähren uns diesbezüglich durchaus Einblicke in die Alltagskultur, die über das hinausgehen, was bisher geleistet wurde. Über das Rheinland verbreitete sich dieser Stil in weite Teile des Reichsgebiets. Den Malern gelang es in den Bildern trotz altbekannter Themen immer wieder Neues auszudrücken. Tradiert waren die prunkvollen Requisiten in den Geburts-, Passions- und Kreuzigungszenen als wichtige Bestandteile, doch neben diesen zeitgenössischen Details muten viele geradezu fantastisch an, zeigen eine unzeitgemäße oder ortsferne Verzerrung mit Dingen, die man nicht unbedingt dem europäischen Alltag zurechnen würde. Hinzu wurde nicht nur die Mode mit Gewändern, Stoffen und Schmuckaccessoires thematisiert, sondern nun vollkommen neu nach eigener Beobachtung der Maler natürliche Erscheinungen, wie Luftblasen auf dem Wasser, Lichtspiegelungen, „unwichtige“ Details wie Gestrüpp in den Mauerritzen, Gewächse am Wegrand oder Falten im Gesicht der Protagonisten.

Darsteller für den Adel, des Stadtpatriziats, des betuchten Bürgers werden sich mglw. an den naturalistischen Porträts solventer Auftraggeber (ausgeführt bsplw. durch H. Memling oder R. van der Weyden), mit zeitgenössischen Accessoires, erfreuen. Hier ist auf jeden Fall sicher gestellt, daß die Kleidung zeit- und ortsgemäß ist, denn niemand läßt sich in unmodischer Gewandung porträtieren, ganz im Gegenteil. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, inwieweit Kleidung auf Tafelbildern ortsgemäß für den damaligen Betrachter war, wenn der Herstellungsort des Bildes und damit der Einfluß des unmittelbar darauf wirkenden Umfeldes hunderte von Kilometern vom Aufstellort des Bildes entfernt lag, wie bsplw ein flanderischer Schnitzaltar von Mechelen bis nach Danzig gelangte oder die Antwerpener geschnitzte und vergoldete Retabeln, die Anf. des XVI. Jhs ein „Export-Schlager“ waren und im Rheinland oder Westfalen Aufstellung fanden, wie in der Nicolaikirche in Bielefeld oder das „Goldene Wunder“ in der Petrikirche Dortmund.

Gegenüber solchen Gedankenspielen ist es ganz dankbar, wenn sich manche Maler in ihrer Bildfindung und in den Details deutlich vom zeitgenössischen Umfeld entfernten, wie bsplw. Meister Francke in seiner „Auferstehung“, heute Kunsthalle Hamburg von 1430. Die schlafenden Wächter tragen selbstverständlich Rüstungen, die in der künstlerischen Darstellung seit dem XII. Jh einen langen Entwicklungsweg von realistisch bis zu immer prunkvoller hinter sich haben. Sie werden von ihm vollends in eine „ferne orientalische Welt“ überführt mit fantastischen Rüstungs- und Kleidungsdetails, die definitiv nicht zum westeurop. Alltag gehören. Beim Zugriff auf diese Quellen sollte der Reenacter Vorsicht bzgl der eigenen Darstellung walten lassen, sonst stellt er nicht einen Gerüsteten des XV. Jhs in Norddeutschland dar, sondern das Bild eines Gerüsteten in der Vorstellung des Mittelalters bezogen auf eine Geschichte, die sich vor eineinhalb Jahrtausenden am fremden Orten abgespielt hat.

Gerade das XV. Jh arbeitet mit sehr subtilen Mitteln. Lukas Moser [Urheberschaft schon mal angezweifelt] vergegenwärtigte auf dem Altarretabel von Tiefenbronn 1431 die Legende der wundersamen Reise von Maria Magdalena, Lazarus u.a. nach Marseille. Die Stadt ist in heidnischer Hand und die Reisenden finden kein Obdach. Sie nächtigen unter dem Dach eines Heidentempels im Hafenbereich, der aussieht wie eine Hafenmole. Nichts an der Szenerie wirkt besonders heidnisch fremd und um die „Heidenstadt“ überhaupt zum Ausdruck zu bringen bekommt der westlich anmutende Kirchturm über dem Fachwerkbau im Hintergrund einfach einen Halbmond aufgepflanzt. Hier wurde also keine Ortsferne, sondern bewußt Nähe vermittelt.

Nach wie vor nehmen Kleiderordnungen für uns einen hohen Stellenwert als Quelle ein. Eine Verordnung aus Straßburg von 1471 schrieb den „Hübschlerinnen“, auch „freien Töchtern“ oder „Fensterhennen“, vor Mäntel zu tragen mit einer Länge drei Finger breit über dem Boden, weder mit Seide, noch Feh gefüttert. Auch goldene Spangen, goldene Gürtel, mit Koralle oder Chalcedon im Wert von 50 Gulden (! Das ist ein enormer Wert von über 10000 Pfennigen oder zwei kriegstauglichen Rößern, also keinen normalen Pferden, oder das Jahreseinkommen eines Universitätsprofessors !) waren ihnen verboten, um den Unterschied zu ehrbaren Frauen deutlich aufzuzeigen, also war es letzteren wohl im gewissen Maß erlaubt. Bei der Summe beschränkt sich aber die Anzahl der „ehrbaren Frauen“ auf das gehobene Bürgertum, in Augsburg weniger als 2% Anteil an der Stadteinwohnerschaft, der mehr als 3000 Gulden besaß oder unter 1% Anteil, der mehr als 10000 fl Vermögen aufweisen konnte.3 Es schwand im Laufe des XV. Jhs der Wert der Kleiderordnungen, dessen war sich die Obrigkeit bewusst, da Mode durch Erlasse nicht zu regulieren war und zu sehr soziales Prestige mit ihr verbunden wurde.







In Westeuropa haben wir eine hohe Zahl von kostbaren Buchilluminationen in Prachthandschriften auf Pergament. Auf dem Reichsgebiet ist die Anzahl geringer, aber nicht unbedeutend und es kommen die erheblich einfacher bebilderten Handschriften auf Papier hinzu [siehe Quellen 1. Hälfte XV. Jh.-Seite.] Deren Bilder, als eine Form der „Gebrauchskunst“, wurden oft mit Feder und lavierendem Pinsel erstellt, zuweilen mit Deckfarben und waren deshalb meist in Farbigkeit und Detailfülle nicht mit denen der berühmten Prachthandschriften vergleichbar, zumal Pergament, also Tierhaut, eine andere Farbigkeit zuläßt und höhere Beständigkeit hat. In den Städten organisierten sich Autoren und Illustratoren und es entstanden überregional bekannte Werkstätten, wie die des Diebold Lauber in Hagenau, der sich auch mit der Drucktechnik einen großen Namen machen sollte. Der neuartige Holzschnitt ermöglichte die technische Reproduzierbarkeit auch von Graphik, bereits vor dem Druck der Schrift mit beweglichen Lettern. Das vermehrt in Gebrauch kommende Papier hätte einer grösseren Sorgfalt bedurft, um es für die Nachwelt zu erhalten, so ist anzunehmen, daß ein großer Teil der frühen Drucke verloren ist. Erhaltene Holzschnitte stellen, stärker noch als bei den Federzeichnungen, inhaltlich eine grobe Vereinfachung und Konzentrierung auf das Wesentliche dar. Details, die auf gemalten Abbildungen je nach Qualität sichtbar sind, werden hier bewußt weggelassen. Erst in der zweiten Hälfte des XV. Jhs sollten Kupferstiche und Radierungen einen hohen Perfektionsgrad mit grösserer Detailfreudigkeit erreichen.








Exkurs 7: Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle (siehe unten)














Mode in der 2. Hälfte des XV. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen):

Die Repräsentationsgewandung oberer Schichten, der „gestandenen Herren“ war bei offiziellen Anlässen in der Regel knie- oder bodenlang. Nur die jüngeren Zeitgenossen und vor allem höfische Szenen mit Pagen zeigten kurze Übergewandungen, hierzu konnten in Italien u Frkrch kurze Stoffgürtel getragen werden, die wohl durch ein Bindesystem auf dem Rücken geschlossen wurden. Der Adel und der Stadtadel, die Patrizier, ersetzten die Zaddelung der Kleidung durch Pelzbesatz. Ratsherren trugen die pelzbesetzte Schaube (siehe z.B. Bilder von Baegert). Der Gesamteindruck veränderte sich, nach den eher breiten Formen der 1. Hälfte des XV. Jhs trat schon vor der Jahrhundertmitte wieder das Schönheitsideal des XIV. Jhs mit schlanken, spitzen und eng anliegenden Formen auf. Diese wurden gegen Ende des Jhs und im XVI. Jh allmählich wiederum abgelöst durch Formen, die die Horizontale betonten. Interessant ist die Werktagskleidung der niederen Adeligen „Osanna und Jörg von Rosenberg“ auf den Reliefplatten der Burg Boxberg (Main-Tauber-Kreis) nach 1493 erstellt, heute im Landesmuseum Karlsruhe. Anstatt einer aufwändigen Grabplattengewandung tragen beide hier Alltagskleidung. Sie hat eine Feldflasche im Arm und auch er scheint eher zur Feldarbeit, bzw. zur Inspektion auf dem Feld, vorbereitet zu sein. Sein Rock ist recht einfach gehalten und reicht bis zum Knie.4

Das Großbürgertum hatte viele Modesitten des burgund. Hofes, dessen kulturelle Vormachtstellung seit 1477 brach, adaptiert. Die hochbürgerliche Frau trug entweder die Robe mit hoher Taille, knapp unter der Brust geschnürt nach flämisch-burg. Vorbild mit einem sehr breiten kurzen (bekanntes Bspl. siehe die bürgerliche Stifterin auf Memlings Christopherustriptychon von 1484) oder nach italienischer Mode mit einem schmalen längeren Stoffgürtel.5 Die Schnallen konnten vorne oder auf dem Rücken schließen. Aber zunehmend setzten sich einfachere Formen durch. Der Hauptaugenmerk lag wohl auf der Stoffqualität, zumindest machte es den Malern viel Spaß entsprechende Qualitäten zu visualisieren. Die Jugend trug schmale Stoff- oder Ledergürtel, manchmal kurz ohne erkennbare Zunge, manchmal mit geringer Überlänge. Der Adel bevorzugte als Zungen Varianten mit Scharnierkonstruktionen, kurzen Kettenstücken oder Anhängern. Genauso häufig waren aber auch nach wie vor Bindegürtel aus Stoff, nicht nur bei Darstellungen der Hl. Elisabeth! Neben den „Kettengürteln“ als Stoff-Metall-Kombinationen fanden sich auch einfache Formen bei den betuchten Bürgern und wurden vornehmlich von Frauen getragen. Die reinen Vollmetallgürtel der Männer, z.B. auf den Dreikönigsbildtafeln abgebildet, finden sich in dieser Zeit noch nicht in der Frauenmode und sind zum größten Teil erst im XVI. Jh aus der männlichen in die weibliche Mode in filigraneren Ausfertigungen übernommen worden. Die holde Weiblichkeit der gehobenen Schichten bevorzugte bis dahin die Stoff-Metall-Kombination mit kurzen Kettenstücken als „Zungenteil“. Beschläge sind beim gehobenen Bürgertum in einigen Fällen nachweisbar, aber keineswegs die Regel, Beispiele siehe Bürger- oder Adelsfrau (?) auf franz Ms_XXVIII von 1469c, auf Schottenstifttafeln Wien von 1470, Maria Magdalena [Adel] auf Baegerts Kalvarienberg in Dmund von 1476, Konstanzer Bürgerfrauen von 1488 oder Wolgemuts Altarbild in der Frauenkirche Nürnberg von 1490c.








Noch einmal zu den gesetzten Schnallenblechen („C“): Auf Abbildungen sind sie, wenn überhaupt, gerade noch an den Kanten zu sehen, oft aber verdeckt der Gurt das Blech vollkommen, im Gegensatz zu den vorhergegangenen Jahrhunderten, wo das Zungenende meist „lose aus der Schnalle fiel“. Nun wird oft eine Doppelschnalle („B“) oder ein Riemenschieber verwendet, welcher das Zungenende („D“) des Gurtes zur Seite „führt“ und nur noch selten direkt aus der Schnalle fällt. Archäologische Funde zeigen im guten Erhaltungszustand manchmal diese Bleche. Für Abbildungen seien ein paar Beispiele genannt: ConradvSoest Wildungen 1403, Lüneburg 1447, Regler Altar Erfurt 1460, V_Stoss Krakau 1477-89, St Barbara aus Suedfrkch (heute in Bochum) 1499c, St Jakobus St Mihiel Anf XVI, Jos u Potiphars Weib 1500, H_Holbein d Ae Kaisheimer Altar 1502, Maria in Klosterneuburg 1510-15, Johannes d Evangelist Xanten 1515c, H_Holbein d Ae Sebastiansaltar 1516, B_Strigel Kinder Rehlingers 1517, „Jakobgeschichte“ Brüssel 1534. Natürlich wurden daneben noch vielfach Schnallen mit gegossenen Befestigungen verwendet, siehe z.B. Magdalena auf Kreuzigung in Salzburg 1470, Tafelbild von Wolgemut i d Frauenkirche Nürnberg von1490c oder Pilger auf Ospedale dei Ceppo 1528 uvam,

Schaut man sich verschiedene Senkelformen an, können sie nur an Gürteln mit Schnallenblechen befestigt worden sein, ein An-, bzw. Umnähen des Gurtes verengt den Durchlaß durch den Schnallenrahmen. Viele Reenacter kennen das Problem passende Senkel zu finden, wenn die Schnalle angenäht oder nur mit einem Niet befestigt wurde, diese Änderungsarbeiten führe ich am Stand oft aus...deshalb und aus meinem Selbstverständnis als „Gürtler“ heraus verwende ich meist Bleche, manchmal mit Verzierungen. Es ist aber unbestreitbar, daß bei einfachen Gürtelvarianten die Schnallen nur angenäht waren. Falls Originale dies also erfordern und auf ausdrücklichen Wunsch wird die Schnalle an den Gurt genäht, wie es ein „Riemer“ tun würde.








Gürtelrekonstruktionen der hohen und mittleren Bürgerschicht

(für Bürger mit Eintrag in die Bürgerrolle, Grundbesitz in der Stadt und höherem Steueraufkommen, wie Fern- und Großkaufleute, exklusive Handwerker, Zunft-, Bau- und Münzmeister, Schöffenbare und Dienstmannen in gehobenen Positionen, die man dem Stadtpatriziat zurechnen würde. Die Rekonstruktionen sind eher eine Annäherung an die Form, denn es wären bei jenen und erst recht beim Adel wertigere Metalle zu erwarten)

Falls keine Spenglin abgebildet wurden, sind sie hier möglich und ergänzbar.

= nach Vorlagen zwischen 1450 bis 1520 =








XV

-

XVI



Mittlere und gehobene Bürgerschicht

Bild

grosse runde Schnallen an Männergürteln gehobener Schichten häufig im künstl. Schaffen D_Baegerts Tafelbilder heute in Kalkar „Hl Sippe“ 1493v, „edler Jakobus“ 1503, „Schöffen“ Wesel 1494, Italien o. Ort 1503 und „Hptm“ von G_David Brügge 1515

[oft werden diese Schnallen auf Abb. sehr hell dargestellt, mglw eine verzinnte Variante, als Replikat auch umsetzbar, Knochen wäre in der Größe relativ instabil, bei Geweih müsste es sich schon um ein sehr kapitales Tier handeln]



XV_208a_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle ohne Muster

und gr. Ort 3,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR



Variante XV_208a_me mit Dornlochringösen

montiert 95,00 EUR

Falls die Schnalle angenäht oder mit zwei Ziernieten befestigt werden soll, wie der Fund aus Köge/Seeland:

Variante XV_208a_me angenäht

montiert 79,00 EUR





Mittlere und gehobene Bürgerschicht



XV_206a_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster

und gr. Ort 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_206b_me

35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Ringschnalle mit Muster

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR





Mittlere und gehobene Bürgerschicht

Bogenschnallen siehe Koenig Dreikönigsaltar 1455 MünchenAO, Josef v Arimathea „Hofer Altar“ 1465

Sehr ähnlich zu diesen Formen sind die Leierschnallen (siehe Buchill. am Hof Karl VII 1461n) auf Abbildungen oft nur schwerlich zu unterscheiden, wenn Teile verdeckt sind, denn der Dornrastbereich ist, leicht eingezogen, oft ähnlich.

Davon auf jeden Fall zu unterscheiden sind die „Hohen Bogenschnallen“ nach Fingerlin mit erheblich größerer Durchlaßbreite für die Houppelandegürtel der Frauen.



XV_210a_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle

und gr. Ort 3,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_210d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 90,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]





Mittlere und gehobene Bürgerschicht

Bild

Doppeloval getreppt

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe „Joseph u Potiphars Weib“ heute Pina München 1495c,



XV_216c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Riefen

und Ort ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR



XV_218c_me oR

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval

und Ort ohne Ring 2 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR











Gürtelformen der niederen Bürger und des einfachen Volkes in der 2. Hälfte des XV. Jhs:

Das einfache Volk trug insgesamt deutlich kürzere Übergewandungen als die oberen Schichten. Der „Rock“ reichte dem Mann oft nur bis zum Oberschenkel. So war auch der Gürtel in der Regel recht kurz und ähnelt einem modernen „Jeansgürtel“. Das Obergewand der Handwerker und Bauern war figurbetonter als in der ersten Hälfte des Jhs., grundsätzlich eher geschlossen, im Gegensatz zum Knecht oder Gesellen, der Wams, Unterhemd aus Leinen oder sogar die Unterhose deutlich zeigte, also aufgrund körperlicher Arbeit nicht unbedingt ein Übergewand trug. Frankfurt/Main 1469: „Wenn Gesellen barfuß und ohne Hosen zur Messe oder woanders hin auf Anordnung der Bruderschaft gehen, müssen sie Wachs geben, es sei denn, daß einer keine Hosen oder Hosenbeine hat“. Zum Ende des XV. Jhs wurde es, vielleicht als Protest gegenüber der langen Zeit sehr „geschlossenen“ Mode allgemein üblich, daß Jugendliche, auch der „guten Gesellschaft“, großflächig das Hemd zeigten. Die neue Männermode mutete geradezu expressiv an, die sich auch bei den unteren Schichten dokumentieren läßt mit sehr knappen „offenen“ Wämsern, plissierten Leinenhemden, eng sitzenden bunt gestreiften Hosen in waghalsigen Farbkombinationen, siehe bsplw die Schergen auf dem Oppenheimer Altarretabel von 1490c im Dommuseum Mainz oder auf dem Rochus-Sebastianaltar der Lorenzkirche in Nürnberg von 1499, dort haben sich auch Skulpturen mit „bunten Hosen“ erhalten. Zusammen mit dem geschlitzten Zeug setzen sich ähnliche Modeallüren in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jhs fort. Allerdings scheint die Zeit um 1500 auch in anderen Belangen von einer expressiven Ausdrucksweise geprägt zu sein, schaut man sich Rüstungen an mit eigenartigen „maximilianischen“ Schürzen und Verblendungen, Schreckmasken oder bunt bemalte Rüstungsteile.

Darstellungen aus dem Volk vermitteln uns eine recht einfache Gürtelmode. Der kurze Männergürtel der einfachen sozialen Schichten (Handwerker, Schergen, Kriegs-Knechte, Söldner) von Daumenbreite bis zwei, fast drei Finger breit (!) auf Wams oder Schecke trug die Tasche, manchmal den Dolch. Das Verhältnis von schmal zu breit der zivilen Männergurte beträgt nach meinen rd 150 Abbildungen von 1450-1520 aus dem Archiv ca. 1 : 4. Also überwiegt eindeutig ein breiter Leibgurt. In den Quellen wird er auch als „mannes taschin gortel“ bezeichnet. Fingerlin behauptete noch die Gürtel seien meistens schwarz [Fi, S. 220], doch läßt sich das nicht halten und Tafelbilder zeigen alle Farbvarianten, von fast weisslichen hellen Braun-, zu dunklen Braun-, Rotbraun- und Schwarztönen. Rot ist selten, aber auch nachweisbar, wie der Hl Petrus von N. Weckmann urspl Ehingen, Rottweil_AO vor1520. Schwertgurte sind von den Leibriemen zu scheiden und fielen, vor allem beim Adel oder auch bei Reitknechten mit Schwert, die unteren Chargen der Fußknechte trugen die „einschneidige Wehr“, meist erheblich schmaler aus und hatten weniger als Daumenbreite. Zu Beginn des Jhs waren sie noch relativ breit, sind aber in den folgenden Jahrzehnten immer schmaler geworden. An der Scheide wurden aufwändige Halterkonstruktionen durch ein Bindesystem ersetzt, was eher einen schmalen Gurt erforderte. Das ist aber nicht unbedingt die Regel, denn es gibt auch in der 2. Hälfte XV. Jh Abbildungen der unteren Chargen mit mehreren Finger breiten Waffengurten und sie könnten in diesen Fällen als „Allrounder“ gedient haben, mit Tasche, Dolch und alltäglichen Nutzgegenständen behängt (Beispiele unterschiedlicher Breite auf einem gemeinsamen Altarbild siehe rechter Flügel Marienaltar Salzburg von 1485c oder Hochaltar im Kloster Blaubeuren von 1494c). Das Verhältnis von schmal zu breit der Waffengurte einfacher Schichten beträgt nach meinen rd 50 Abbildungen von 1450-1520 aus dem Archiv mehr als 2 : 1 mit einer deutlichen Zunahme breiter Gurte um die Jahrhundertwende. Der adelige Schwertgurt von 1450-1520 blieb in der Regel unter Daumenbreite. Erhaltene Gürtel aus dem militärischen Kontext zeigen recht schlichte runde und eckige Schnallenformen, sofern erkennbar wohl eher angenäht und ohne Blechbefestigung, da ja auf der Rüstung getragen. Falls ein „Ort“/Senkel gesetzt wurde, was oft aber nicht der Fall war, ist er eher schlicht. Da viele Reenacter der 2. Hälfte des XV. Jhs Söldner darstellen, bzw militärische Darstellungen bevorzugen, wäre nach der Quellenlage eher „kurz-breit“ für die Tasche, dem gegenüber für Schwert und langes Messer „kurz-schmal“ zu empfehlen. Überlängen zeigen sich nicht, eher werden Riemenschieber verwendet. Eine Sonderform ist der Riemen für die Waffe als Schultergurt. Überlängen lassen sich nur noch im Ausnahmefall bei wenigen höfischen Szenen mit adeligen Protagonisten [Beispiele siehe die Seite 1400-1450] nachweisen und bei Kindern und Jugendlichen (!). Deren Gürtel sind oft recht lang mit Zungenstücken, die auch manchmal zur Seite geschlungen wurden, siehe Darmstädter Passion von 1445 oder eine Abb. von 1460-70 aus Wien und die Ministranten auf einem Tafelbild urspl St Peter Kirche Partenheim/Hessen heute im LM Mainz von 1500c. Die Länge kann zwei Gründe haben, entweder die Kleinen trugen Gürtel der älteren Geschwister und Erwachsenen auf oder ihnen wurden Gürtel angefertigt, die noch im Erwachsenenalter tauglich sein sollten, damit wurde aus einem „Langgürtel“ automatisch ein normaler Leibgurt ohne Überlänge.

Kriegsknechte und Schergen werden u.a. durch „Geißler“ und „Wächter“ bei der Gefangennahme Jesu und Vorführung vor der Obrigkeit oder durch die „Würfler“ auf den Kalvarienbergen thematisiert. Für alle „ländlichen“ Darstellungen seien die auf den Tafelbildern nun immer zahlreicher erscheinenden „Hirten“ eine mögliche Orientierung. Auch können nach wie vor Kalender heran gezogen werden, mit visualisierten „Temperamenten oder Planeten“ und Monatsbildern, welche die Landbevölkerung bei ihren Tätigkeiten zeigen. Die Anzahl der Abbildungen mit Gürtelbeschlägen hat in der 2. Hälfte des XV. Jhs, gegenüber der 1. Hälfte extrem abgenommen. Es zeigen sich zuweilen noch recht einfache Dornlochbeschläge und rosettenförmige Zieren, aber die meisten Gürtel der unteren Chargen zeigen keine Zier und oft auch keinen Ort. Der Höhepunkt der metallreichen Gürtel lag im XIV. Jh und in den frühen Jahrzehnten des XV. Jhs.

Frauen unterer Schichten trugen den Gürtel, mit einer gewissen Tendenz zu schmalen Ausführungen aus Leder oder Stoff in der Taille oder lose auf der Hüfte. Auch reine Bindegürtel aus Stoff waren recht häufig, mit denen eine Schürze gerafft werden konnte, wenn die Schürzenbindung nicht selbst die Funktion eines Gürtels erfüllte. Mit anderen Worten alle Breiten und Längen, alle Materialien, sind belegbar, abhängig wohl eher vom Nutz- und weniger vom Zierwert. Es gab auch Sondervarianten ohne Schnallen, die durch ein Bindesystem mit Nestelspitzen schloßen. Als Quellen für die Alltagskleidung mögen die zahlreichen Bilder aus den „Marienleben“ dienen, in denen Hauspersonal und Mägde dargestellt werden. Die Festtagskleidung kommt z.B. in den „Tempelgängen“ Marias und ihrer Angehörigen, denn das sind besondere Tage im Leben der Protagonisten, zum Ausdruck. Beschläge finden sich auf den Gürteln der unteren Schichten in der 2. Hälfte des XV. Jhs selten, denn das stand, wenn überhaupt noch Modesitte, eher den begüterten bürgerlichen Frauen zu, Beispiele siehe oben. Scheinbar wurden beschlagene Gürtel aber von Hübschlerinnen oder weiblichen „Bewirtungen“ getragen, hoho (!), siehe unten Beispiel aus Dresden von 1475-80.




Schottenstift, Wien um 1470 mit eckiger Schnalle und Blech an schmalem Schwertgurt




Gürtelrekonstruktionen der Niederbürger und des einfachen Volkes

(für einfache Handwerker mit und ohne Bürgerrecht, Krämer, Dienstmannen, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, Schnalle oft nur angenäht, Spenglin selten, wenn schlichte Lochösen, bei Gesinde und Mägden nie. Auf Festtagsgürteln der Handwerkerfrauen Spenglin als verzierte Lochösen und Blütenformen möglich.

= nach Vorlagen zwischen 1450 bis 1520 =








XV

-

XVI



Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

grosse runde Schnallen an einfachen Männergürteln häufig im künstl. Schaffen D_Baegerts, Tafelbilder heute in Münster „Marientod“ 1470c, „Josef“ 1475-80 und „Passion“ 1485c, „Johannes“ Dortmund 1476, hier abgebildet „Josef“ Stolzenhain 1490c, „schlichter Jakobus“ Münster 1495, auch Scherge auf der Passion von M_Reichlich in München_AO 1506, urspl Brixen





Ring/Schw

XV_208b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR






Ring/Blech

XV_208c_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle

und Ortblech 3,5 x 3 cm

montiert 95,00 EUR






Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

Bild

Bogenschnallen an der Schergenkleidung beim Meister von Dreux 1450c, an Gürteln von Schergen „Passion“ Darmstadt 1450, ähnl. Scherge auf „Marienaltar“ Salzburg 1485c, „Simon“ von Multscher in der Pfarrkirche Sterzing Ende XV und Juppe Altar Marburg 1512c



XV_210b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_210e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Bogenschnalle

und schlichter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 75,00 EUR






XV

-

XVI



Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

Doppeloval mit Befestigung aus Messing-/Bronze- oder Eisen-Blechen sinnvoll, um Senkel/Ort problemlos durch die Schnalle zu führen.




XV_216b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Riefen

und Ort 1,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR



XV_216d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval Riefen

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]




Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

Bild

Doppeloval getreppt

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe Kreuzigung des „Schottstiftaltars“ Wien 1470c, Dürers „Paumgartener Altar“ 1498-1504, Holbeins „Kaisheimer Altar“ heute München 1502, schlichter Johannes auf dem „Bartholomäusaltar“ heute München_AO 1505c




XV_218b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval

und Ort 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR



XV_218d_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Doppeloval

und Ortblech 1,5 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]








XV

-

XVI




Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann, Scherge, Söldner

Typ Doppeloval mit Riefen

ab Mitte XV. Jh bis weit ins XVI. Jh

siehe bei Lochner Köln, bzw. heute Darmstadt_AO 1447, Scherge auf „Passion“ München 1444-45, bis spät. auf dem Bild von Reymerswaele München_AO 1538 oder Brueghels „Bauernhochzeit“ Ende XVI. Jh




XV_205a_zi

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Riefen mit Blech klein

und „Halbmondort“ 1,5 x 1,5 cm

montiert 59,00 EUR



XV_200b_zi

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Riefen mit Blech groß

und gr. „Halbmondort“ 2 x 2,5 cm

montiert 79,00 EUR





Handwerker, Scherge, Söldner



Einfache D-Form mit ausgeprägter Dornachse, getreppt, ohne und mit schrägem Kerbschnitt, nach Abbildungen die häufigste Schnallenvariante für Männergürtel im XV. bis weit in das XVI. Jh.. Wollte man die Quellen alle namentlich auflisten, würde der Platz hier definitiv nicht ausreichen, also absoluter Klassiker...



XV_212b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle D-Riefen angenäht

und Ort 1,5 x 2,5 cm

montiert 69,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch angenäht]











XV



Handwerker, Scherge, Söldner

Blaubeuren 1494 mit eckiger Schnalle und langem Blech, geradem Kantenabschluß an breitem Schwertgurt



XIV-XV_35_eisstzi

30-35 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 89,00 EUR



XV_103_eisstzi

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle Zinn, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 65,00 EUR









XV



Handwerker, Scherge, Söldner



Flach geschweifte Wellenformen mit Einschnitt bei Schnallenblechen und Zungen finden sich im gesamten XV. Jh., siehe auch Schnallenblech einer Churburg-Rüstung um 1450, heute in Glasgow.



XV_20_eisst

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 75,00 EUR



XV_30_eisst

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnallen, Beschlag und Senkel Eisen glänzend

montiert 85,00 EUR





Niederbürger (Handwerker), Krämer, Dienstmann

Bild

Aachen 1450n, Münster 1470c, Wien 1470c, Lorch 1475c, Münster 1485c, Wesel 1494


Eckige Doppelschnallen an Frauengürteln in Niederbayern ohne genaueren Ort 1440, Brixen 1470, Marburg 1470c




Bild

XV_220b_me

25 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle doppelt eckig

und Ort 4 x 2,5 cm

montiert 89,00 EUR








ab hier neu sortieren:










XV

-

XVI



Schmale schlichte Gürtelform

Halbmond“-Ort an Männergürteln („Josef“ auf Regler Altar, Erfurt, Pina München AO)

siehe auch in Wildungen 1403, Nottuln 1410c, Eichstätt 1415c u 1445c, Nürnberg 1437,1440 u 1460, Klosterneuburg 1439v, Laufen 1445c, Lüneburg 1447v, Darmstadt 1450, Aachen 1450n, Erfurt 1460, Hof 1465, Znaim 1444v, St. Florian 1485, Millstatt 1495, St. Mihiel 1500n, Brixen 1500, uvm

häufigste Zungenform in unterschiedlichen Größen und Ausführungen an Taschen und Gürteln im XV. Jh vor allem bei Männern, aber auch bei Frauen

ansonsten finden wir an Frauengürteln zuweilen auch längliche Senkelformen, siehe unten...



15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (seit 2. Hälfte XV)

Halbmond“-Ort in 2 Varianten:

XV_225_me geschlossen (siehe Bild)

oder

XV_226_me offen (Bild anklicken)

montiert 55,00 EUR













XV

-

XVI

Handwerker und Söldner, Spenglin für den aufstrebenden Bürger

Eine andere Variante für den „Ort“ an Männergürteln sind Zungen mit kleinen Ösen, die aus der Zeit der Schleppriemen von Schwertern stammen. Manchmal sieht man noch die Ringe oder kurze Kettenstücke in den Ösen. Sie werden bei den reinen Schwertgurt-Bindesystemen seit der 2. Hälfte des XV. Jhs zur Schwerthalterung nicht mehr benötigt und degenerieren zum reinen Schmuckelement als Zunge.

siehe Prag 1380, Darmstadt 1450, Hofer Altar 1465, Meister d Marienlebens Pina_München 1480 mit kurzem Kettenstück, Aachen 1485c, Kaisheimer Altar 1502, Sebastiansaltar 1516









XV_229_me

Mögliche Tragweise ohne Schlaufung, die aber ebenfalls durchaus Anwendung fand, allerdings eher beim breiten Bürger-Gürtel zur Männer-Houppelande oder -Robe.



XV_229_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Ort mit Öse 2,5 x 1,5 cm

montiert 55,00 EUR

abgebildete Lochspenglin „Nr.7001“ optional








XV

-

XVI



Festtagsgürtel Bürgerin oder ...



Falls kein „Halbmond“-Ort getragen wird, finden sich auch längliche Senkel an Frauengürteln

z. B. Dresden 1475-80

Wirtshaus, bzw Huebschlerinnen-Szene“ mit beschlagenen Gürteln




XV_232_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (bereits seit 1. Hälfte XV)

montiert 59,00 EUR

Lochspenglin „Nr.7001“ optional



XV_227_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

für Frauengürtel






XV

-

XVI





Unverzierte Schnallenbleche für einfache Darstellungen, Spenglin für den Festtagsgürtel



XV_235_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1440)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 65,00 EUR



XV_236_me

Spenglin „Nr.7010“ optional

auch Lochspenglin „Nr. 7001 od. 7022“ möglich, s.u.






XV

-

XVI

Bürgerin

kleine quadratische oder eckig trapezförmige Schnallen an Frauengürteln in Regensburg 1450c, Rottweil 1450c


Kl. eckige Schnallen mit unverzierten Blechen an Schwertgurten der Männer (s.u.) Memlings „Hl. Georg“ Pina_München 1490, „Hl,.Rochus“ Nürnberg 1490v, Grab Heinr Allbergers_St Jakob in Regensburg 1520



XV_152_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR



XV_151_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle (nach 1400)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR






XV

-

XVI



Bürgerin

Die Schnallenblechgravur nach einem Fund aus Pierrefonds aus der 2. Hälfte des XV. Jhs und dem Fund eines Senkelfragments aus der Schelde.



XV_153_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Blech (nach 1450)

und Senkel 3,5 x 1,5 cm

montiert 69,00 EUR




XV_250_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Blech (nach 1450)

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (bereits seit 1. Hälfte XV)

montiert 69,00 EUR








XV

-

XVI







Mit Beschlägen, verzierten Blechen und Spenglin als Festtagsgürtel.



XV_251_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Schnalle mit Blech (nach 1450)

und Senkel 4,3 x 1,1 cm (bereits seit 1. Hälfte XV)

und 10 Spenglin „Nr.7010“

montiert 99,00 EUR




XV_252_me

Lochspenglin „Nr.7001“ optional







Historischer Kontext:

Die ersten Jahrzehnte des neuen Jhs. brachten viel Leid durch religiöse und innenpolitische Auseinandersetzungen. Der Kaiser kämpfte in Norditalien. Die Gewinne aus den neuen Kolonien in Übersee konnten die enormen Kriegskosten nicht decken. Bürgerkrieg, wirtschaftlicher Rückgang und Geldentwertung liessen weite Landstriche veröden und die Bauernschaft verarmen. Demgegenüber stand das Wachstum der Städte und viele gewannen internationales Ansehen, so daß das Bürgertum emanzipiert einen eigenen Modestil prägte. Italien war in diesen Belangen, durch die lange Tradition der Stadtrepubliken, bereits weit fortgeschritten. Italien bevorzugte weniger die spitzen langen gotischen, sondern eher breite und runde Formen, so daß sich auch die ital. Mode weit von der nördlichen Entwicklung des burgundischen Stils entfernt hatte.

Im Reich liefen in der Sachkultur viele spätgotische Formen zu Beginn des Jhs noch weiter. Gleichzeitig wurde in der Mode, vermutlich durch ital. Einfluß, nicht mehr die himmelstrebende Vertikale, sondern die Horizontale betont. Kopfbedeckungen wurden flacher, die Linien der Schultern und Arme und auch das Schuhwerk gingen in die Breite. An den Gürteln der einfachen Schichten wurden nun auch bei Frauen lederne Taschen getragen, das war ein Novum.



- Spätgotische und frühe Renaissance Formen -

(siehe oben, denn viele der Schnallentypen liefen bis in die ersten Jahrzehnte des XVI. Jhs. bei Männern an breiten und bei Frauen an schmaleren Gürteln, unten siehe spezielle Schnallentypen, die erst nach 1500 nachweisbar sind)



Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel oder Ort = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort



Die Quellen für den Beginn des XVI. Jhs.:

Bislang galt die Reichskleiderordnung, oft noch durch die Städte modifiziert, und regelte was jedem Stand an Gewandung angemessen war. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 wurde dem Bauern bsplw. vorgeschrieben nur einheimische Tuche zu verwenden. „Und die röck nit anders dan zum halben Waden, auch daran nit über sechs falten machen lassen sollen...und eyn barchen Wammes on grosse weite ermeln machen lassen aber in alle weg unzertheylt, unerschnitten und unzerstückelt.“ Verboten waren ihm „straussfedern oder seiden hosenbendel und ausgeschnitten schouh, noch bareten, sondern hüdt und kappen.“ Der Bauersfrau waren goldener und silberner Zierrat und ein Seidengürtel verboten und nur den Jungfrauen ein „harbendlin von seiden“ erlaubt. Die Bürger wurden eingeteilt „Item nach dem in stetten gemeynlich dreierley Burger und innwoner seind als gemeyne Burger und Handtwercker, kauf und gewerbsleut und andere so im Radt von geschlechten oder sunst ehrlich herkommen und irer zinss und renthen sich erneren.“6 Die Bürgersfrau durfte sich mit unvergoldetem Silber schmücken. Dem Kaufmann wurde edles Tuch zugestanden aber vom Wert nicht über zwei Gulden pro Elle. Seine Frau soll kein Kleid mit mehr als zwei Ellen Samt, Seide, Atlas oder Damast verbrämen. Ein Gürtel durfte ihnen bis zu 20 Gulden wert sein. Auch dem Patrizier (Stadtadel) wurde Mäßigung auferlegt, indem er sich nicht prunkvoller als der Kaufmann zeigen sollte. Den Stadträte oblag es die Einhaltung der Ordnungen zu überwachen, doch gleichermassen versuchten die Bürger sie zu umgehen.

Nur die Landsknechte durften sich nach den Italienfeldzügen Karls. V., mit Duldung durch die Potentaten, auffällig kleiden. Waghalsige Farbkombinationen erfreuten das Auge. Das geschlitzte Zeug fand sich, als unmittelbare Anleihe aus Italien, eigentlich nur bei ihnen.

Im zunehmenden Maße wurden in der bildenden Kunst Themen der Historie, vornehmlich der Antike, Mythen und Allegorien verarbeitet. Buchdruck und Holzstiche dienten in der Verbreitung einem grösseren Publikum als je zuvor.

Katastrophale Auswirkung auf die Anzahl der uns heute zur Verfügung stehenden spätmittelalterlichen Quellen hatten die „Bilderstürme“ der Reformation. Ob die Zwinglianer aus Zürich, die Calvinisten in den Niederen Landen oder östliche Reformationsbewegungen alle wirkten recht gründlich. Religiöse Bildwerke wurden als überkommene Zeichen der andersgläubigen herrschenden Klasse und einer nicht mehr akzeptierten „Gott gewollten Ordnung“ zerstört, so daß uns manche Quellen unwiederbringlich verloren gingen. Im Zuge dessen wurde auch Klöster aufgelassen und auf Geheiß der religiös neu ausgerichteten Landesherren liturgisches Gerät, Silber- und Goldschmiedearbeiten eingeschmolzen, sogar das Abschaben des Goldes von den Tafelbildwerken wurde befohlen.

Erst zur Mitte des Jhs. sollte die Mode durch Karl V. und den spanischen Einfluß strenger werden. Die Vornehmen werden wieder in Schwarz gekleidet gehen, wie vormals am burg. Hof, aber das ist eine andere Geschichte...











XV_320b_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und Senkel mit Öse 3,5 x 3 cm

montiert 75,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



XV_320d_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und gr. Ortblech 2,5 x 3 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]






XV_320e_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und schlichter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 69,00 EUR




XV_320g_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

Doppelschnalle mit Zier

und verzierter Halbmondort 2 x 3 cm

montiert 79,00 EUR

[auf dem Bild provisorisch an ein Stück Leder gefügt]



Quellen und weiterführende Literatur:

- Becks, J. u. Roelen, M.W.: Derick Baegert und sein Werk, Wesel 2011.

- Bergamini, G.: Miniatura in Friuli. Catalogo. Villa Manin di Passariano (Udine) 1985.

- Borchert, T-H. (Hrsg.): Van Dyck bis Dürer. Altniederländische Meister und die Malerei in Mitteleuropa, Stuttgart 2010.

- Desch, J./Herrbach-Schmidt, B.(Hrsg.): Mittelalter. Führer durch die Abteilungen HMA u SMA. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2009.

- Die Welt des Hans Sachs, Ausstellungskatalog der Stadtgeschichtlichen Museen Nürnberg 1976.

- Embleton, G. u. Howe, J.: Söldnerleben im Mittelalter, dt., Stuttgart 2006.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Rogier v d Weyden und seine Zeit. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Dissertation, Wien 2010.

- Geppert, S.B.: Mode unter dem Kreuz. Kleiderkommunikation im christl. Kult., Salzburg 2013.

- Husslein-Arco, A.: Sammlung Mittelalter im Belvedere, Wien 2014.

- Lenhart, U.: Kleidung und Waffen der Spätgotik III 1420-1480, Wald-Michelbach 2005.

- Lichte, C. u Meurer, H.: Die mittelalterl. Skulpturen. 2. Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2007.

- Moraht-Fromm, A./Schürle, W.: Kloster Blaubeuren. Der Chor und sein Hochaltar, Stuttgart 2002.

- Musper, H.Th.: Gotische Malerei nördlich der Alpen, Köln 1961.

- Musper, H.Th.: Altdeutsche Malerei. Köln 1970.

- Saliger, A.: Der Wiener Schottenmeister. München 2005.

- Schawe, M.: Alte Pinakothek. Altdeutsche und altniederländische Malerei. Katalog der ausgestellten Gemälde, Bd. 2. Ostfildern 2014.











...so endt das „medium aevum“ und eine neue Zit bricht an...





...und jetzt kommt´s... haben wir Christen uns bisher in „Nächstenliebe“ selbst zerfleischt, den slawischen und islamischen Nachbarvölkern mit Feuer und Schwert die „Segnungen unseres Glaubens“ gebracht, so sind nun Völker in Afrika und Amerika an der Reihe. Es sollte nichts mehr so sein wie es war, wenn die Europäer, die „Herrenrasse“, die sich ethisch und moralisch so überlegen glaubt, auf den Rest der Welt losgelassen werden wird...




...muss mal gesagt werden, schließlich stellen wir als Reenacter keine schöne Zeit dar, wir tragen eher zur Beschönigung bei und können uns vielfach nicht von einer „romantischen Verklärung“ freisprechen. Aber das Mittelalter war eine Epoche der Knechtschaft, der Sklaverei und Unfreiheit, sowohl für den Einzelnen, wie für die breite Masse, eine Gesellschaft der Eliten gekennzeichnet durch Adelswillkür und Pfaffenherrschaft, Intoleranz und vielfältige Beschränkungen… das, und noch viel mehr, wird ab dem XVI. Jh auf ferne Kontinente exportiert, gräbt sich tief in fremde „Volksseelen“ ein, wo Menschen vollends deklassiert werden, erniedrigt mit despotischer Unterdrückung – kein Wunder, das man dort irgendwann von Europäern mehr als die „Schnauze voll hat“, uns abgrundtief hassen wird und bei sich bietenden Gelegenheiten auch zurück schlägt (politisch oder religiös motiviert)…, vielleicht sollte ich doch mal über eine „Sansculotten“-Darstellung nachdenken? Aber die Franz. Revolution hat die kolonialen und imperialen Bestrebungen auch nicht beendet, ganz im Gegenteil, sondern die napoleonische Konterrevolution ausgelöst und neue Kräfte an die Macht gebracht. Besitzbürgertum, „Industriebarone“ und Bankiers verhielten/verhalten sich seit dem XIX. Jh nicht grundsätzlich anders als die Herren im Feudalsystem, Besitz gilt es zu erhalten, besser noch zu mehren und Macht korrumpiert (ein wenig Polemik zum Abschluß sei erlaubt wenn man die Vergangenheit mit neuzeitlicher Überheblichkeit beurteilt und bisher mit „Skalpell und feinem Pinsel“ gearbeitet hat, so ist für die Gegenwart nun die grobe Variante dran...herrlich sich mal so richtig auszukotzen nach den vielen mühsam „gedrechselten“ Worten).

Heute sind es deren Nachfahren, die „Rockefellers“ der x-ten Generation, die sich wie Raubtiere gebärden und sich immer neue Freiräume verschaffen, vor allem im Bereich der Finanzgeschäfte, Investmentbanken und über 10000 Hedge-Fonds, die keiner staatlichen Aufsicht unterliegen, wenn sie an den Hauptmärkten agieren, ihren Sitz aber in unkontrollierten Finanzparadiesen haben. England und die USA sträuben sich Ordnung in die globalen Finanzmärkte zu bringen, so lange in London und New York davon profitiert wird. Umso schlimmer, daß nun GB aus dem Einflußbereich der EU ausschert. Denn Reglementierungen könnten nur aus Europa oder vielleicht auch aus Ostasien erfolgen. Unsere moderne Kultur der Nachkriegszeit ist im Kern ein „Kind der USA“. Wir haben Amerika auch einiges zu verdanken, daß es uns, einer so selbst entarteten Nation, die Rückkehr in die Völkergemeinschaft ermöglichte, wir Akzeptanz und Ansehen zurückgewinnen konnten. Und alles hat seinen Preis. Im Ausgleich wurden wir Empfänger von Transferleistungen auf unterschiedlichen Gebieten. „Freunde“ waren wir niemals, eher Bündnis- und Konsumpartner. Wir wissen schließlich auch was wir von den „Freunden Roms“ zu halten hatten. Es mag jetzt ein wenig billig sein auf der “Anti-Amerika-Welle“ zu reiten, aber es sollte klar werden, daß von jenseits des Atlantiks aus den Schaltzentralen der Macht in Politik und Wirtschaft nicht die vielfach propagierte „Freiheit“, sondern ein Wirtschaftsleitsystem mit ausufernder Liberalisierung, unkontrolliertem Finanzkapital, mit Monopolismus und absoluter Marktbeherrschung kommt. Das ist keine Frage des gerade amtierenden Präsidenten, sondern eine des Systems ! Was im Augenblick passiert treibt alles auf die Spitze und dieses „Kasperletheater“ wird die Supermacht USA auf lange Zeit diskreditieren. „Freiheit“ gibt es in den USA tatsächlich, aber sie ist personell-individuell und entsteht auch drüben eher im gesellschaftlichen „Underground“. Ansonsten heißt es unvermeidlich: „Geld regiert die Welt.“ Diese Machenschaften werden uns, auf Kosten von Schwächeren, Unprivilegierten, von Mitbewerbern, von Natur und Umwelt, als unvermeidlicher „Kampf um Märkte und Ressourcen verkauft“, hinzu mit der Hybris des Wachstums und des Mehrwerts, da Aktienmärkte und Anleger dies fordern,...Zahlen auf Papier und in den Rechnern ohne ausreichend reale Güter und Gegenwerte! Die reinen Geldgeschäfte machen heute pro Tag das rund 50 bis 100fache im Wert gegenüber dem Güterwelthandel aus. Und alles geschieht in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, nicht zuletzt durch Technik und Digitalisierung vorangetrieben, jeden bis zur Atemlosigkeit erfassend, weil man einfach „mit muß“. Geld ist zum Maßstab aller Dinge geworden, an dem schlichtweg alles gemessen wird, um rentabel, profitabel und effizient zu sein. Sind das wirklich erstrebenswerte Ziele ??? Wir sollten eigene Wege gehen und, wenn einmal vorhanden, die Errungenschaften unserer „sozialen Marktwirtschaft“ und der elementaren Grundversorgung durch übertriebene Liberalisierung nicht weiter aushöhlen. Der zügellosen Spekulation auf den Finanzmärkten aus reiner Profitgier muß entgegen gewirkt werden. Denn es ist ein Tanz am Rande des Vulkans und wird viele mit in den Abgrund reißen. Sicher würde es grundsätzlich bessere Wirtschafts- und Gesellschaftsformen geben, aber Utopien sind immer nur schwer realisierbar. Vorrangig muß im Vordergrund das Allgemeinwohl stehen und nicht die Interessen einiger weniger. „Eigentum verpflichtet“ laut Art. 14 des Grundgesetzes, deshalb darf es auch nicht in die Hände von verantwortungslosen Spekulanten geraten, die sich allen Verpflichtungen enthoben glauben...

Wir hätten mehr lernen müssen aus unserer Geschichte, „ein altes Lied“... und das Mittelalter ist hierzu ein gutes Negativ-Beispiel. Adel und Klerus zählten, das Besitzbürgertum gesellte sich dazu, der Rest war Pöbel, rechtlich “dem Vieh gleichstehend“. Persönliche Freiheiten, die in vorchristlichen Gesellschaftsformen mit erheblich geringerer Bevölkerungsdichte in unserem Raum mglw. existierten, gingen mit römischer und feudaler Unterdrückung definitiv verloren. Sie konnten in den letzten zwei Jahrhunderten mühsam erkämpft werden, suggerieren der Masse bis heute ein gewisse Freiheit (die wahren Profiteure spielen auf einer anderen Ebene, s.o.) und werden nun mit der Digitalisierung, den zunehmenden Kontrollsystemen im „Kampf gegen den Terror“ (und gegen den Bürger) und nicht zuletzt durch die unkontrollierten Finanzmächte, deren Vernichtungspotential ungeheuer ist, aufgegeben. Ach wie herrlich „frei“ sind wir heute..., gleichen wir mögliche Verluste also mit Konsum aus, verhalten uns systemkonform im Sinne der Profiteure, und werden einfach „glückliche Menschen“...ich habe den Eindruck, daß die Science-Fiction-Filme aus meinen Kindheitstagen allmählich Realität werden...aber die kamen ja auch aus den USA...

Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

George Santayana



V-VIII. / IX-XI. / XI-XIII. / XIII-XIV. / XIV. / XV. / XVI-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite




Exkurs 7: Überlegungen zu Tafelbild und Aufführung/Schauspiel als Quelle

Durch die neuartige Verwendung von Perspektive in der Gesamtkonzeption des Bildes und durch den bühnenartigen Aufbau drängt es sich für den heutigen Betrachter geradezu auf anzunehmen, daß sich die Maler von Laien-Schauspielen inspirieren ließen, wie den oft in den Niederen Landen zelebrierten Dreikönigsspielen, die sich seit dem XI. Jh aus der Epiphanie-Liturgie entwickelt hatten. Und es ist bekannt, daß gerade in den Niederen Landen, dem Ausgangspunkt der neuen „Realismus-Malerei“ öffentliche Aufführungen, Schauspiele und Umzüge zu einem absoluten Höhepunkt geführt wurden, gepaart mit der devotio moderna seit 1400, welche die „Nachfolge Christi“ geradezu als eine Teilnahme am biblischen Geschehen forderte, zunächst im privaten, mglw. aber auch im öffentlichen Bereich. Auch zur compassio, zum aktiven Mitleiden wurde von den Predigern aufgerufen. Zur Bildfindung und Komposition mögen die Maler bereits im XIV. Jh Anleihen beim Schauspiel gemacht haben, doch die Überhöhung der Bildinhalte durch fehlende Räumlichkeit, Goldhintergründe oder Aureolen schufen definitiv keine Wirklichkeitsnähe. Der Durchbruch zu realistischen Darstellungen bildete erst der neue Malstil des XV. Jhs, nicht nur durch die Anwendung von Perspektive, sondern auch sensationell bestechend durch die Verwendung von hochglänzenden Ölfarben statt der bisher verwendeten stumpfen Tempera-Farben. Aus der genauen Beobachtung und Aufnahme von natürlichen Details, kombiniert mit den schauspielerischen Elementen und bühnenartigem Aufbau entwickelte sich ein neuer Kunststil, der eine Normierung nach sich zog, alte Mal- und Sehgewohnheiten ablöste. Bereits A. Saliger merkte an, daß die Interieur-Szenen des Wiener Schottenaltarretabels von 1469-72 eine Wirkung von „Spielständen“ in Kulissen hätten, wobei die realiter dahinter befindlichen Bauten der Stadt auf den Aufführungsort Wien verweisen könnten. Der „bühnenartige Aufbau“ wurde ja bereits im franz. Stil Ende des XIV. Jhs mit der Loslösung von der tradierten Goldgrundmalerei beobachtet, angeregt vor allem durch die italienischen Einflüße architektonische Bildelemente hervorzuheben. Das Spektrum wurde deutlich erweitert und Architektur schafft nicht nur Räumlichkeit und gewährt Durchblicke, sondern es werden auch unmittelbar Trennwände und Podien als „Bühnenversatzstücke“ in den Bildern thematisiert! Auffallend sind die personellen Wiederholungen von Statisten auf unterschiedlichen Bildtafeln des Wiener Altarretabels, als wären es dieselben Beteiligten in unterschiedlichen Szenen!7

Im zunehmenden Maß gerieten erfreulicherweise nun auch untere soziale Schichten ins Blickfeld der künstlerischen Darstellung, als Handelnde oder Nebenpersonen im Hintergrund! Die Hauptakteure in den „Szenen“ sind meist zu entschlüsseln, sollten aber für den heutigen Reenacter aus genannten Gründen mit einem gewissen Abstand betrachtet werden, während Statisten des Hintergrunds oft unmittelbar dem städtischen Alltag entnommen zu sein scheinen. Wie ein Spiegelbild des Publikums, erscheint dessen Kleidung zeitgemäß, wirkt oft abgetragen oder verschlissen. Auch mit den Schergen als Wächter, Peiniger oder Würfler wurden einfache Darstellungen thematisiert. Doch in welcher Form? Ihre Kleidung wirkt zeitgemäß, in Details manchmal allerdings auch scheinbar überzogen. Zum Ende des Jhs mit sehr expressiven Tendenzen in Farbgebung und Schnitt. Dargestellte Gegenstände als ursprüngliche Requisiten der Schauspiele sollten mglw. bewußt befremdlich sein, um die zeitliche und örtliche Distanz des Dargestellten zu verdeutlichen, andere alltägliche Dinge wurden umgeformt oder ungewöhnlich arrangiert, bzw neu kombiniert. In den Passionsszenen werden die Schergen, Geißler, Würfler mit sehr drastischen Mitteln dargestellt. Durch die Verhöhnung Christi geben die grienenden, diabolisch grinsenden Gesichter der Schergen eine gewisse Einfältigkeit wieder, vermitteln zuweilen den Eindruck als wären sie wahnsinnig. Mußte man in den Augen dieser Zeit in diesem Geisteszustand gewesen sein es zu wagen den „König der Könige“ zu verspotten und zu schlagen? Das kann nur Zeichen großer Einfältigkeit sein, dementsprechend nachlässig ist ihre Kleidung. Sie sind Außenseiter der Gesellschaft, ihre Seelen sind verdammt. Könnte hinter dem speziellen Kunstgriff des Malers das Gebärdenspiel und die expressive Mimik von (Laien-)Schauspielern zum Ausdruck kommen, die vor Publikum deutlich agieren mussten? Egal wie man zu den Überlegungen „Tafelbild-Schauspiel“ steht, für den damaligen Betrachter eines Stückes, wie für den heutigen Betrachter eines Bildes ist der expressive Ausdruck gleichsam von hohem Aussagewert.8




1/Hierzu sei vielleicht eine leicht provokante Anmerkung erlaubt. Wer eine glaubwürdige Adelsdarstellung im Umfeld des burgundischen Hofes beabsichtigt, sollte sich tatsächlich höfische Formen antrainieren. Einfach nur schicke Sachen anziehen, reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Es ist eine Frage des Ausdrucks, um diese selbst gewählte Rolle auch glaubhaft auszufüllen. Gerade der burgund. Hof zeichnete sich in der 2. Hälfte des XV. Jhs, neben seiner Prunksucht und den Inszenierungen, auch durch übertriebene Strenge und Etikette aus. Viele Adelige schickten ihre Söhne an diesen Hof, so daß sich von dort unmittelbar Kleidung und Sitten in ganz Europa verbreiteten.

2/Siehe im Detail P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 51. Anzumerken gilt, daß der regionale Wechsel von Modeformen für den heutigen Betrachter vor allem an der Übernahme dieses neuen Malstils und der neuen Bilderkonvention ablesbar ist! So ist die frühe Übernahme im Maas- und Rheinland (z.B. durch Stefan Lochner in Köln), in unmittelbarer Nähe zu den reichen Städten der Niederen Lande, absolut nachvollziehbar, mit einer zeitlich verzögerten Ausbreitung in die östlichen und südlichen Reichsgebiete, wo die Malerei der altniederländischen Schule erst deutlich in der zweiten Hälfte des XV. Jhs fasst (z.B. Meister des Schottenaltars in Wien um 1470). Andere Kunstgattungen, wie die Buchmalerei, sind viel statischer und ortsgebundener. Es ist „Klein- und Gebrauchskunst“ und kein „großes Kino“, wie ein Tafelbild. Im Gegensatz zu Frankreich waren die deutschen Formen, in dem nicht unbedingt für große fürstliche Auftraggeber gearbeitet wurde, nicht hochmodisch und wirkten oft „hausbacken“. Hier sind reale Formen mglw eher zur Geltung gekommen. Bei den „internationalen Tafelbildern“ stellt sich für den Reenacter nun das Problem zu erkennen inwieweit die Kleidung der Protagonisten einen zeit- und ortsgemässen Bezug durch Aufnehmen des bereits üblichen erfährt oder wurde mit den „fremden Details“ auf den Bildtafeln erst der Bedarf nach neuer Mode geweckt, die es nachzuahmen galt? Mit anderen Worten, waren der Osten und Süden Dtlds modisch anders ausgerichtet, da ihre Kleidung sich entweder in den tradierten Kunststilen (böhm schwerer Stil) dokumentierte oder mehr ital. Einflüße empfing und war der Westen modischer Vorreiter, da sich hier neue Stile ausdrückten? Wäre dem so, dann sollte ein süddt. oder oberösterr. Reenacter des XV. Jhs sich bzgl. des Gürtels z.B. nicht an Formen aus London, Dijon, Brügge oder Antwerpen orientieren. Denn dort herrschten den Bildern nach zu urteilen zeitgleich andere Modeformen vor als in seiner Heimat.

3/Sozialstruktur nach R. Kiessling, Bürgerliche Gesellschaft u Kirche in Augsburg im SMA von 1971, Kleiderordnung nach Kühnel, Alltag im SMA, S. 42. Hier wird auch noch einmal recht deutlich gemacht, daß ein gelbes Kleid nicht automatisch die Dirne kennzeichnete, sondern es gewisse Accessoires waren, die regional unterschiedlich, wie Tüchlein, Kappen, Schleier, etc. von gelber, roter oder grüner Farbe oder Farbanteilen den besonderen Status hervorhob, wobei Gelb durchaus seit röm. Zeit als galante, erotische Farbe galt. Aber es wäre beispielsweise in Städten mit Anteilen von Gelb im Stadtwappen, wie Aachen, Amberg, Coburg, Dortmund, Goslar, Heilbronn, Nördlingen, oder beispielsweise Herzogenaurach mit dem steigenden schwarzen Löwen auf gelbem Grund unsinnig gelb bekleidete Personen der Prostitution zuzuordnen, wenn dort Stadtbedienstete in irgendeiner Form gelbe Kleidung, bzw gelb-schwarze Livrees getragen haben dürften.

4/Desch- Herrbach-Schmidt, Mittelalter, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, S. 120

5/Thursfield, Mittelalterliches Schneidern, S. 152.

6/Zitate aus Die Welt des Hans Sachs, S. xviii

7/Zu den Schauspielen siehe dazu auch A. Saliger, Der Wiener Schottenmeister, S. 57ff, S. 160 und S. 157 zu den „Dreikönigsspielen“, mit der illustren Nebenbemerkung, daß die Kronen der Hl Könige auch aus Papiermasché gefertigt sein konnten. In Antwerpen war Ende des XV. Jhs das Bildthema „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ recht beliebt. Man führt dies auf das internationale Klientel der dortigen Kaufleute zurück, die sich möglw. in den weit gereisten Protagonisten wiederzuerkennen glaubten [Pinakothek, S. 289]. Im übertragenen Sinne symbolisierten die drei Könige die Lebensalter und zugleich die Erdteile Europa, Asien und Afrika, weshalb der König des letzteren oft als Schwarzer Darstellung fand. [Ars Sacra, S. 121] Die Könige zeigen sowohl hochmodische, äusserst kostbare, als auch fantastische Ausstattungsmerkmale, um die Fremdartigkeit der Weitgereisten zu betonen. Wie bereits erwähnt sind manche Bildinhalte mglw von den beliebten sakralen Bühnenstücken angeregt worden, deren Anfänge seit dem 11. Jh. bei den Krippen- oder Dreikönigsspiele, den Passions- oder Kreuzigungsszenen, wie dem späteren „Volkreichen Kalvarienberg“ lagen. In Frankfurt/Main waren 1493 an der Darstellung des „Kalvarienbergs“ 280 Personen beteiligt! Um die jeweiligen Protagonisten zu identifizieren war es unerläßlich sie durch Kleidung und Attribute kenntlich zu machen. Wilhelm Rollinger inszenierte in den 1480er Jahren das Wiener Passionsspiel bei St. Stephan nach dem Vorbild des Passionsspiels von Freiburg im Breisgau, das sich wohl im Programm des reliefierten Ratsherrenchorgestühls, 1486 im Wiener Dom vollendet, niederschlug, 1945 verbrannt. Ein Abglanz des Spiels mögen die Wandmalereien von acht Passionsszenen an der Außenwand des Stephansdoms wiedergeben? Die eindeutige Darstellung einer Prozession findet sich auf Stefan Lochners „Tempeldarbringung“ von 1447 mit Kerzen tragenden jugendlichen Meßdienern, siehe Details im Abschnitt Mode in der 1. Hälfte des XV. Jhs (höfische u hochbürgerliche Formen)“.

Es ist vielleicht gar nicht zu vermessen Überlegungen anzustellen, ob Schauspieler mit ihren Kostümen und Teilen der Ausstattung den Malern direkt Modell standen, ähnlich wie es von Rembrandts „Nachtwache“ aus dem XVII. Jh bekannt ist? Das Hauptbild des Marienaltars in Salzburg von 1485c zeigt diesbzgl. ein interessantes Detail. Die drei Könige erweisen dem neugeborenen Jesus ihre Referenz. Der schwarze König trägt Stiefel, glaubwürdig für einen reisigen Reiter, zumal im Hintergrund das Gefolge auf den Pferden wartet. Der König mittleren Alters, gerade im Begriff zu knien trägt zu seinen Strümpfen die offenen Leder-/Korksandalen („Schläppchen“, Originale z.B. im GNM, Nürnberg oder Ledermus Offenbach), die häufiges Attribut spätmittelalterlicher Protagonisten auf stadtthematischen Bildern sind. Für einen Reiter wären sie ausserordentlich unpraktisch, sie gelten auch nicht unbedingt als königliches Kleidungsutensil, stehen einem hochstehenden Bürger/Patrizier, als Laienschauspieler in diese Rolle geschlüpft, aber durchaus, denn sie entstammen seiner Sphäre. Ähnlich siehe auch das Bild der Anbetung des Antwerpener Meisters in der Pinakothek München von 1520, hinzu mit stark orientalisierenden Elementen und gewaltig aufbauschender Kleidung. Hier erwartet man förmlich die Sänfte im Hintergrund. Man kann die Sache nun weiter ausspinnen, ein nobler Bürger übernahm im Kostüm die Rolle des Königs, behielt aber sein eigenes Schuhwerk an, könnte vielleicht auf der Bühne gestanden haben und wurde dann im Atelier des Malers für die Nachwelt erfasst. Das wäre eine der vielen Erklärungen für die faszinierende Detailtreue der SMA-Malerei mit ihrer „fotografischen Genauigkeit“, die den Maler wohl in Bildkomposition und Ausführung forderten, aber in den Details nicht unbedingt als Auswüchse seiner Phantasie gedeutet werden müssten. Die Maler waren hinzu durch die Kulissenerstellung bereits unmittelbar an der Durchführung der Schauspiele beteiligt [siehe P. Marx in: Becks, Derick Baegert, S. 54]. Möglicherweise fertigten sie sich während der Aufführungen auch Skizzen an, die sie für die späteren Tafelbilder verwendeten. Wie bereits erwähnt, wird in der Kunstgeschichte zuweilen die bühnenartige Komposition der Figuren hervor gehoben. Waren die Aufführungen eher minimalistisch ausgestattet oder wurde geprunkt? Es ist denkbar, daß es ähnlich wie heute bei diesen Stücken unterschiedliche Praktiken gab, abhängig von Zeit und Ort, Autor, Publikum und finanziellen Mitteln, natürlich immer im Bereich dessen, was die städtischen Potentaten zuließen. Wobei diese Massanaufläufe eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickelten, wie zelebrierte Karnevals- und Fastnachtsbräuche oder der „Schembartlauf“, siehe hierzu auch „index-Seite“ Fußnote 7 „Prozessionen. Sind die „turbangeschmückten Orientalen“ als Juden oder Byzantiner/Rhomäer/Römer nur eine Konvention, bzw. Codierung, um auf den eigentlichen Schauplatz des Heiligen Landes hinzuweisen [siehe dazu Fußnote auf der Ersten Seite unten] oder spielen sogar politische Bezüge nach 1453 durch Türkengefahr und Schaffung eines Feindbildes mit hinein? Spätgotische Tafelbilder zeigen zuhauf orientalische Merkmale und Protagonisten in edlen Stoffen mit östlichen Motiven, Turbane und weitere eigentümliche Kopfbedeckungen, breite Bindegürtel, Wehrgehänge mit Kettenverbindungen und Krummschwerter, Fratzen und Schreckmasken auf Schilden, Metallgürteln und Rüstungen (manches davon beschränkte sich nicht auf „Schauspiele und deren Abbildungen“, sondern wurden nachweisbar realiter getragen, da in Museum und Rüstkammern noch erhalten). Zugleich wurde dies mit Accessoires aus dem heimatlichen Umfeld des Betrachters verbunden. Verzerrungen, Verfremdungen und orts- bzw. zeitgemäße Realien bildeten ein buntes Gemenge. Ansätze waren bereits auf Abbildungen Mitte des XIII. Jhs. erkennbar (bsplw byzant. Rüstung auf „Kreuzigungsszene“, Dombibliothek Hildesheim), sind vermehrt ab 1400 in vorgenannter Richtung nachweisbar und gerieten im Laufe des XV. Jhs, nicht zuletzt durch den neuen Stil und die neue Maltechnik, zu einer perfekten Illusion, die dem heutigen Betrachter gewisse Probleme bereiten. Vielleicht wurde Unzeitgemässes oder geradezu Fantastisches auf die Bühne gebracht, da die Aufführungsorte in Konkurrenz zueinander standen. Es galt die Gunst eines grossen Publikums zu gewinnen. Ähnlich der Heiltumsschauen, geistlicher, weltlicher und königlicher Prozessionen waren das sicherlich Massenaufläufe mit hohem wirtschaftlichem Faktor! So kann auch recht deftig, vielleicht auch humorvoll, aufgetragen worden sein, um die Gunst des Publikums buhlend. Von der modernen Forschung verworfen, galten aber nach alter Lehrmeinung die Bühnenstücke als ein möglicher Erklärungsansatz für wiederkehrende Motive auf den Tafelbildern, denn sowohl bei den Bildern, als auch bei den Stücken geht es um Eindeutigkeit. Ich halte diesen früher begangenen Betrachtungsweg nicht für verwerflich. Denn Bilddetails und Kompositionen würden also nicht mehr ausschließlich die Strahlkraft von großen Werken oder deren berühmte Meister und ihre Werkstätten, tradierte Motive, Musterbücher, bewußte Kopien oder Werkstattkarrieren der Maler kennzeichnen, die sicher nach wie vor eine entscheidende Rolle gespielt haben werden, sondern der Sachverhalt wäre um eine interessante Nuance erweitert. Denn setze ich die Kopie eines berühmten Werkes an die erste Stelle für die Motivation der Entstehung und Bildfindung, dann wären mglw auch Details oder die dargestellte Mode einem fremden Ursprung zuzuordnen und gäbe nicht das wieder, was auf den Straßen zu sehen wäre, in der das Tafelbild nun aufgestellt wurde, sondern gäbe das wieder was am Herstellungsort der Tafel üblich war. Das kann hunderte von km entfernt sein. Würde sich der Maler am Schauspiel in seiner Stadt ausrichten, wären vielleicht mehr Ortsbezüge zu erwarten, mit Einschränkung der phantastischen Bildelemente. Selbst wenn man nicht so weit geht und ich möchte diesen Aspekt nicht weiter als eh schon vertiefen, ist das genaue Identifizieren von Protagonisten, auf der Bühne für den damaligen Zuschauer, wie, für den heutigen Betrachter auf Tafelbildern, ein gemeinsames Unterfangen, das für uns eine unweigerliche Annäherung der beiden Ausdrucksformen von Schauspiel und Bild-Inszenierung, durch „in Szene setzen, bewirkt.

8/Es liegen, wie bereits erwähnt, höchst tendenziöse Bildinhalte vor. Die Maler wollten eine bestimmte Wirkung erzielen. Die Bildaussage beschränkte sich nicht auf die „Handlung“ und die Protagonisten, sondern Mode und Accessoires, also Identifikationsfaktoren, halfen die Bilder für den damaligen Betrachter lesbar zu machen. Heutige Darsteller für das XV. Jh. sollten sich aufgrund von Detailfülle und hohem „Realismusgrad“ durch die scheinbare „fotografische Genauigkeit“ der Bilder in manchen Bereichen nicht vorschnell zu einer „Eins zu Eins“-Übernahme verleiten lassen, ausserdem steht das „diabolische Grinsen und Grienen“ der Geissler nicht jedem...