V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh

Historischer Kontext:

Die Romanik scheint von einer magisch beschwörenden Grundhaltung tief empfundener Religiösität durchdrungen. Bauten dieser Zeit wurden im Auftrag des hohen Adels oder der Kirche errichtet und über allem thronte Christus, der Weltenrichter, Sohn Gottes, dem selbst Könige die Knie beugten. Es war die schwerfällige Architektur der Herrschenden, orientiert an spätantiken Formen, als Ausdruck neu gefestigter Macht, nachdem vor allem in Westeuropa seit dem X. Jh vielfach Bürgerkriege und anarchische Zustände geherrscht hatten. Denn in der Abwehr äußerer Gefahren, gegen Nordmannen und Magyaren, war der regionale Adel, dem die Hauptabwehr oblag, gegenüber den Königshäusern sehr mächtig geworden und führte nun untereinander Fehden. Die Kirche versuchte mit dem „Gottesfrieden“ jenen Einhalt zu gebieten, die mit dem Recht des Stärkeren agierten. Durch Reformen, allen voran aus dem Klosterverband von Cluny, gestärkt und letztlich mit dem Aufruf zum Kreuzzug gelang es vorübergehend einen „miles christi, den Gottesstreiter, zu bilden, der im Dienst des Christentums, zu dessen Schutz und Verbreitung, kämpfen sollte. So wurde aus dem Berufskrieger eine von Kirche und Gesellschaft anerkannte Person, die ein eigenes Standesbewußtsein entwickelte.

Im Reich stützte sich die salische Königsmacht, ähnlich wie die der Ottonen auf das Reichskirchensystem. Bischöfe, geschult am antiken Bildungsideal, aus adeligem Haus und oft mit den Königen verwandt, wurden eingesetzt um königl. Interessen zu unterstützen. Sie übernahmen Aufgaben in der Reichsverwaltung, fungierten als Diplomaten und mussten auch militärische Macht demonstrieren. Im Gegensatz zum Adel konnten sie ihr Amt nicht an Nachkommen vererben! Bei ihrem Ableben machten sie den Platz frei für einen neuen Günstling des Herrscherhauses. Somit traf der erbitterte Streit um die Investitur zwischen König- und Papsttum einen empfindlichen Punkt des hochmittelalterlichen Machtgefüges.

Die Kreuzzüge lenkten militärische Macht und Expansion in die Ferne. Zugleich belebte der gesteigerte Bedarf an Transportmitteln und die Versorgung grosser bewaffneter „Pilgerscharen“ den Handel, vornehmlich den der ital. Seestädte. Kaufleute erhoben sich zur dort zur einflussreichen Bürgerschicht und sollten für das XII. Jh. mit Geldwirtschaft und gesteigerter Produktion die Handelsnetze auch nördlich der Alpen weiten. „Innovationen bei Geräten und Techniken des Ackerbaus und die immer erfolgreichere Verwaltung der Ländereien vor allem durch Klöster lieferte Ernteüberschüsse, die nicht nur Leibeigene, Pachtbauern und ihre Feudalherren, sondern auch eine Stadtbevölkerung zu ernähren vermochten. Die Städte stellten wiederum Arbeitskräfte und Handwerker, die landwirtschaftliche Geräte, Kleidung und Luxusgüter produzierten, sowie Händler, die solche Waren einführten.“1

1025-1250

- Romanik -

Der „imperiale“ Stil mit seinen italisch-byzantinischen Einflüssen



Abb Kloster Müstair/CH

Gürtel der Salierzeit ca 1025-1125

Gürtel der Stauferzeit ca 1125-1250 (unten)

[Stauferzeit mit gehobenen und einfachen Darstellungen, Stoffgürteln und Fibelreplikaten]


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die Salierzeit 1025-1125c:

Für Zentraleuropa haben wir vom XI. bis XII. Jh nur wenige sicher datierte archäologisch geborgene metallene Gürtelteile. Die Gründe sind vielfältig und nicht ausschließlich auf die geänderten Grabsitten der Christianisierung zurückzuführen. Byzantinische Modeformen könnten Veränderungen bewirkt haben, mit einer hohen Anzahl von Bindegürteln nach antikem Schema wie bereits bei Griechen und Römern üblich und nach Vorbildern aus dem islamischen Kulturkreis des Vorderen Orients, die durch Handelsverbindungen mit dem Fernen Osten geprägt wurden und allesamt ohne Schnalle und Senkel auskamen. Obertägig erhaltene Kunstwerke, vor allem zeitgenössische Skulpturen, wirken streng wie die zeitgleiche Architektur, siehe bsplw das Steinrelief der Münsterpatrone aus dem XI. Jh in Brixen. Seit der 2. Hälfte des XI. Jhs finden sich vermehrt Belege, darunter auch Großplastik, wie Kruzifixe oder, durch die Reformen in Cluny mit einer veränderten Kirchenaustattung und später durch die Marienverehrung Bernhards von Clairvaux ausgelöst, Gottesmutterdarstellung mit Kind, die sedes sapientiae, der „Sitz der Weisheit“. Diese Sitzmadonnen, stilistisch häufig Anleihen aus Byzanz, korrespondierten als dreidimensionale Vergegenwärtigungen und liturgische „Bilder“ in den Kirchenräumen mit dem Gekreuzigten, dessen Abbild auf keinem Altar fehlen durfte. Zum XII. Jh sollten sich plastische Belege weiter mehren, oft bargen kleine Pfarrkirchen diesbzgl wahre Schätze an Reliefs und Skulpturen, da an ihnen die „Stürme der Zeiten“ und vor allem aus Kostengründen der „Gotisierungswahn“ vorbei ging. Kruzifixe sind in allen Größenordnungen vorhanden, kleine bronzene Ausführungen aus dem Rheinland und Westfalen siehe anschaulich Sammlung des Schnütgen Museums in Köln, nach Auskunft des Bay. Nationalmuseums haben sich rd 700 Kruzifixe (!) der Christenheit aus den Zeiten vor der Gotik erhalten. Sie zeigen Bindesysteme recht häufig, nicht nur als „Bruchen-“ oder Lendenschurzgürtel Christi, sondern auch beim vollständig bekleideten Sohn Gottes, Details weiter unten... Zur Materialkunde halte ich auch Querverweise zu obertägig erhaltenen Textilien aus den Kirchenschätzen für zulässig. Denn sie wurden in der Regel aus profanen adeligen Verhältnissen in die sakrale Sphäre überführt.








Mode in der Salierzeit (höfische Formen):

Lange Zeit dominierte in der Herrschermode der byzantinische Stil und die weit wallenden Gewänder. Mit dieser Kleidung formulierten westliche Kaiser ihren Herrschaftsanspruch in Anlehnung an das oström. Kaisertum. Um hinzu seinen Anspruch auf die Investitur und kirchl. Belange zu verdeutlichen trug Heinrich III. (reg. 1039-56) Rangabzeichen und eine Dalmatika in Anleihe an den alttestamentarischen Priesterstand. Er drückte damit Unmittelbarkeit der göttliche Gnade ohne die vermittelnde Instanz des Papstes aus. Bereits die großen „Sternenmäntel“ seiner Vorgänger standen in diesem Kontext und verwiesen auf die Kleidung des Hohepriesters nach Bibelzitaten. Auch Frauen trugen weite Gewänder, dazu den Kopf verhüllende Schleier. Zierborten wurden zuweilen genutzt. Eine unerhört neue Modesitte war das Raffen der Frauengewänder durch Bänder in der Taille oder mit starkem Faltenwurf, manchmal nur an den Ärmeln, als generationenbedingte Gegenbewegung von weit zu schmal, dann wieder ein Wechsel zu wallend oder lang herab hängenden Überärmeln. Es gab keine „typische Mode“ des XI. oder XII. Jhs, sondern einen stetigen Wechsel mit ein paar erkennbaren Grundlinien für einige Jahrzehnte. Vermutlich waren Heiraten und Wechsel in den Dynastien und die adelige Erziehung der männlichen Jugend an weit entfernten Fürstenhöfen Auslöser für stilbildende Richtungen, so daß sich „modische Epizentren“ an verschiedenen Höfen Europas ausfindig machen lassen. Das gilt selbstverständlich auch für die nachfolgenden Jahrhunderte. Jede Generation kreierte ihren eigenen Stil. Im fortschreitenden Mittelalter scheint vor allem die feudale Jugend, recht früh in verantwortungsvolle Positionen gehoben, den Modestil maßgeblich zu beeinflussen. Also ist so manche Entwicklung in der Moderne nicht wirklich neu, nur spricht man nicht mehr explizit vom Adel, sondern nun von der Welt der „Schönen und Reichen“. Auch die mittelalterliche Feudalgesellschaft war zur Schönheit verpflichtet, um das Ansehen zu wahren. So ist die uns durch Bild und Skulptur überlieferte Mode ein repräsentatives Standesattribut der oberen Zehntausend und hat mit der Alltagskleidung der Masse, den weniger privilegierten Schichten, kaum etwas zu tun.

Die feudalen Kreise mit ihrem stilvollen Lebenswandel waren Vorbild der Gesellschaft, das bei sozial tiefer stehenden Personen Nachahmung fand, nicht zuletzt bei der sich entwickelnden und aufstrebenden Schicht des Stadtbürgers. Südeuropa schritt in diesen Belangen weit voran.2 Im Reich der West-und Ostfranken nahmen die Prozesse der Verstädterung allmählich zu. Personen niederen Standes, sind für uns als Individuen fast gar nicht zu erfassen und erscheinen bestenfalls als „Monatsallegorien“ und kleinen Figuren an Kapitellen der romanischer Basiliken, architektonisch in den „Dienst des Kirchengebäudes gezwungen“, verschwinden in der Masse fast vollkommen zugunsten der privilegierten Standespersonen. Da sie vielfach Gründerpersönlichkeiten waren, existieren von ihnen Steinskulpturen, allerdings keine lebensnahen Porträts, sondern idealisierte Darstellungen, die erst von den Nachfahren Jahrhunderte später errichtet wurden.

Zu den ältesten Gürtelvarianten überhaupt zählt der Bindegürtel, in der Antike die geläufige Form, anhand von Malerei und Skulptur nachweisbar. Er wurde auch in der Spätantike noch häufig getragen, Beispiele auf Skulpturen aus dem II. und III. JhAD im Museum in Metz. Sie waren im gesamten Mittelalter üblich, finden sich auf Skulpturen und Abbildungen vom XI. bis zum XIII. Jh besonders häufig. Allerdings muß genau hingeschaut werden, denn es gilt von der Stofffältelung der Oberbekleidung im Schrittbereich zu unterscheiden. Auf Abbildungen lassen Breite, Art der Drappierung und Muster [s.o. Bildbspl aus Müstair] vermuten, daß das Material vermutlich Stoff war. Für den militärischen Bereich ist wohl Leder zu vermuten, siehe gebundene Schwertgurte. Wobei Leder auch im zivilen Bereich nicht ausgeschlossen ist. Einfache Bindegürtel aus ungefärbten Leinenstoffen zeigen sich mit dem erhaltenen „Mariengürtel“ im Domschatz zu Aachen (Beute aus Konstantinopel 1204)3 und auf verschiedenen Darstellungen Marias oder auf dem Elisabethzyklus Lübeck von 1440. Gerade bei Heiligen galten sie als Ausdruck besonderer Schlichtheit, sofern dies beabsichtigt war. Aber selbstverständlich werden sie auch als Bruchengürtel der Männer, als Leibriemen bei Kindern, Mägden oder bei den Orden verwendet. Die begüterten Schichten trugen möglichst prachtvolle und exklusive Seidengürtel. Wolfram von Eschenbach sollte später für seinen jungen „Parzival“ selbst für die weisse Unterkleidung einen kostbaren Bruchengürtel (!) aus Gold und Seide „parat halten“.

Die Grundidee dieser Gürtelart weist mit Übernahme der griech-röm Formen zeitlich in die Antike, geografisch aber auch in den islamischen Kulturraum, nach Persien und über Indien bis nach China und wurde von Byzanz beibehalten, siehe z.B. Jesus Gürtel auf der Marienikone um 1230 in der Gnadenkapelle der Alten Kapelle in Regensburg. Auf Kruzifixen werden Bindegürtel vielfach dargestellt, nicht nur als Bruchen- bzw Lendentuchgürtel, wo diese Form selbstverständlich ist. Aus Byzanz importiert oder angeregt wurden frühe Christusdarstellungen als „König der Juden“ oft voll bekleidet, einen Stoffgürtel tragend, Beispiele in Lucca, Barcelona oder Braunschweig aus dem XII. Jh. Auch bei den, mit einem Lendentuch bekleideten Darstellungen des „Viernageltypus“ (Füße nebeneinander) ist der Stoffgürtel lange Zeit üblich. Erst bei den gotischen Formen des „Dreinageltypus“ (Füße übereinander), zum Ende des XIII. Jhs, verschwindet der Gürtel und es bleibt nur das Lendentuch.4 Untere Volksschichten könnten eher Gürtel aus Wolle, Hanf oder Leinen durch eigene handwerkliche Produktion getragen haben. Siehe hierzu Kreuzigung aus Girona von 975, den Wächter“ im Kreuzgang der Abbaye St-Foy von Conques aus dem XII. Jh oder Abel und Kain von Anzy-le-Duc in Burgund, den „Träger“ vom Eulenturm in Hirsau, das Handwerkerkapitell aus Vezelay von ca. 1135, etwas unsicher das Relief am Südportal Kloster Ilbenstadt in der Wetterau nach 1122, Abbildungen im Stuttgarter Passionale von ca. 1150, Portalplastik der Kapelle von Schloss Tirol von 1138, in der St. Michaelis Kirche Schleswig um 1150 oder Apostel an der Schottenkirche in Regensburg vor 1180, die grosse Bronzeskulptur des „menschlichen Leuchters“ um 1157, heute im Dom zu Erfurt, Handwerker auf der Bronzetür Magdeburg-Nowgorod 2. Hälfte XII. Jh., Skulptur aus der Kirche in Schoengraberg vom Beginn des XIII. Jhs oder Wandbilder aus dem Kloster Müstair/Schweiz, hier Knechte, Bürger (?) und niederrangige Personen mit Bindegürteln.5 Den Abbildungen nach sind sie noch bis ins XVI. Jh üblich (siehe den oben erwähnten Elisabethzyklus aus Lübeck von 1440, das Passionsretabel in Chalons-en-Champ von 1420, Skulptur der Kirche in Avioth aus dem XV. Jh., Bouts Kreuzigung, heute in Granada, von ca. 1470 oder Baegerts Heilige Sippe in Dortmund von 1520, uvam).



Imervardkreuz_Braunschweiger Dom um 1173

Krypta_Naumburger Dom

Schloß Tirol, profane Darstellung 1138c



Gürtelrekonstruktionen der Salierzeit ca 1025-1125


XI

-

XII




Jedermann



XI_XIII_000 „Godfather of belts“

Hirschleder natur, wie es auch bei Schwertgurten verwendet wird. Hier als reiner ziviler Bindegurt und als Alternative zu einer textilen Bindevariante.

- momentan nicht lieferbar -

[Wir werden hier die älteste denkbare Gürtelform der Menschheitsgeschichte vor uns haben, zurecht geschnittenes Leder seit Anbeginn der Tierjagd bekannt und damit seit der Altsteinzeit]




Adel und Schwertadel

Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der Schwertgurt für den Ritteradel

Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 85,00 EUR

Der weisse Gurt ist ausschließlich dem „Ritter“ vorbehalten. Im Reich bis zum Anf. des XIV. Jhs wird er nur geschlauft. In anderen Ländern sind auch Schnallen beim Rittergurt üblich.

Ordensbrüder

Schwertgurt_02_natur

50mm Riemen Hirsch natur

- momentan nicht lieferbar -

Mglw bei Servientes/Sergenten denkbar. Es finden sich bei ihnen aber auch geschnallte Schwertgurte siehe Reliefs/Skulpturen „Kindsmörder“ vom Portal aus Arles 1180 oder aus dem Kreuzgang der Abbey de Fontcaude XIII. Jh, siehe auch Abb. aus Bilderbibel_Fkrch von 1200c oder aus dem Kristina Psalter_Dänemark von 1230.


XII

-

XIII






Adel Alltags- oder zweite Garnitur



Schnalle XII.-XIII. Jh.

Quelle: Winchester Grabung,

schlichter Typus, auch im Reich geläufig, siehe

Zierbeschlag nach D. Ellger (Hrsg.), Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des Mittelalters in Westfalen I, 1979 und mit gleichem Muster als hochmittelalterlicher Lesefund aus Schuby, westlich der zu dieser Zeit bereits zerstörten Siedlung „Haithabu“.












XII-XIII_05_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot)

und hypothetischer Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 90,00 EUR




XII-XIII_06_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und hypothetischer Senkel_bz 6,5 x 2,2 cm

montiert 95,00 EUR

Schwarzgefärbte Riemen sind für das XIII. Jh. sicher nachweisbar, für das XII. Jh. scheint möglw. ein Riemen in natur oder dunkelbraun sinnvoller, obwohl die Färbung technisch genauso möglich war. Meine älteste Abb. eines schw. Riemens stammt von ca. 1220-30, die Manesse zeigt eine Reihe jener und letztendlich wird Schwarz Modefarbe im Spätmittelalter, so daß man es m. E. bei früheren Darstellungen mglw. meiden sollte, um sich deutlich von späteren abzugrenzen. [Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, daß man nach wissenschaftl. und technischen Gesichtspunkten Leder seit der Antike in alle möglichen Farbtöne bringen konnte.]




XII

-

XIII

Krämer, einfacher Handwerker






Schnallen in D-Form mit Dornrast wird man sicher bereits vor dem XII.-XIII. Jhs datieren können. Die Form ist alt und Dornraste bekannt. Nur das Material Messing schiebt den Schnallentyp „nach hinten“, denn Bronze wäre für ältere Ausführungen sicher angebrachter. Die Verwendung ohne Blech wäre für einfache Darstellungen gedacht. Ausführungen mit Blechen werden folgen.






XII-XIII_050_me

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun),

ohne Zunge,

Schnalle angenäht 39,00 EUR




Bauer, Handwerker

D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet. Über 90% des metallenen Fundmaterials bei den Grabungen auf den Isenburgen in Hattingen und Essen, datiert 1226-88, war aus Eisen. Der Rest verteilte sich auf Kupferlegierungen, Blei und Zinn. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind im HMA und SMA nachweisbar und gut geeignet für einfache Darstellungen, alle militärischen Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr. Wobei dazu auch Rollschnallen mit drehbarem Dornrast oder Hülsen in Gebrauch waren, wie sie heute noch sehr ähnlich verwendet werden.



XI-XV_30_eis

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 39,00 EUR

[Schnalle flachstabig]



XI-XV_40_eis

40 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 49,00 EUR

[Schnalle flachstabig]







XI

-

XII

Der Umbruch in eine neue Zeit:

Salische und staufische Könige, oft mit dem Hochadel in Konflikt, stützten ihre Macht auf unfreie Dienstmannen (servientes oder ministeriales), die im engen Treueverhältnis zu ihnen standen. Diese Amtsleute wurden von den Grundherrn (König, Fürst, weltliche oder geistliche Macht) als abhängige Vertreter eingesetzt, die Steuern eintrieben, Verwaltungsaufgaben übernahmen, ein Lehen erhielten und niederes Recht sprachen. Unter Konrad II. (1024-39) begann die Herausbildung dieser Ministerialen, indem er an unfreie Dienstmannen Lehen vergab, als wirtschaftliche Basis für die Ableistung des Kriegsdienstes mit Rüstung und Pferd. Sie bewohnten befestigte Wirtschaftshöfe oder Stadtburgen, zunächst aus Holz errichtet, später aus Stein, wie die ihrer adeligen Vorbilder. Der Ausbau der Befestigungen war Ausdruck des gestiegenen Selbstbewußtseins und der wachsenden rechtlichen und sozialen Stellung. Im Gegensatz zu den befestigten Sitzen des Hochadels bevorzugten Ministeriale die Nähe zu ländlichen Siedlungen, was ihre ursprüngliche Herkunft deutlich unterstreicht. In den Städten waren sie als Bürger zugelassen und konnten bis ins Patriziat aufsteigen.6 Sie gewannen Ansehen und vermochten zuweilen als fromme Stifter aufzutreten, wie Rudolf, Herr von Marling, Ministeriale des Bischofs von Brixen 1142 als Stifter der St. Jakobskirche in Grissian (Südtirol) oder der Schultheiß (Richter) Wolfram und seine Ehefrau Hiltiburc, welche die grosse Bronzeskulptur des „menschlichen Leuchters“ (mit Bindegürtel) um 1157, heute im Dom zu Erfurt, stifteten. Der Hintergrund der Stiftung war nicht selten die Ableistung einer Buße und keine großzügige Gefälligkeit! Ministeriale besassen als Lehnsnehmer/-träger das Privileg der Steuerfreiheit. Sie brauchten keine regelmässigen Abgaben zu entrichten, wurden jedoch bei Übertragung oder Erlöschung der Lehnspflicht, bei Mannfall, Herrenfall oder Heimfall zu teilweise recht hohen Gebühren herangezogen.7 Ministeriale konnten in entscheidenden Situationen enorme politische Bedeutung gewinnen, wie es das prunkvolle Grab Wiprechts II. von Groitzsch (heute in Pegau) vermuten läßt oder den Quellen nach Diepold von Schweinspeunt, der während der Thronwirren in Dtld nach 1200 in Süditalien Reichsinteressen in Abwesenheit der Oberhäupter vertrat, allerdings mehrmals die Seiten wechselte, zum Grafen aufstieg und durch Otto IV. kurzzeitig mit dem Herzogtum Spoleto belehnt wurde.8


Historischer Kontext:

Das XII. Jh wurde durch den Anspruch der Staufer, vor allem durch die Idee Friedrichs I., dem Imperium Sacrum auf dem Kontinent Geltung zu verschaffen und das Papsttum zum Werkzeug dieser absoluten Macht zu degradieren geprägt. Doch auch diesmal erwies sich Rom als unüberwindbar und an dem Streben der Staufer nach Italien sollte dieses Geschlecht dramatisch scheitern mit unübersehbaren Folgen für das Reich.

Das Reich war die größte Macht Europas bis zum Thronstreit der Staufer und Welfen. Zu Beginn des XIII. Jahrhunderts wurden grosse Landstriche vom Elsaß zum Niederrhein und von Thüringen bis zum Harz durch den Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben verwüstet. Die Herrschaft des Welfenkaisers Otto IV. währte nur kurz, bis zur verlorenen Schlacht von Bouvines 1214 gegen die stauf-franz. Allianz. Zusätzlich mit dem Zurückdrängen der Plantagenets aus dem Westen Frkrchs unter Philipp II. (1180-1223) wuchs die franz Königsmacht, welche neben dem kulturellen nun auch europaweit politisches Gewicht erhielt. Im Reich brachte die Herrschaft Friedrichs II. Unruhen, da er die deutschen Gebiete zugunsten Unteritaliens stark vernachlässigte. Viele Zugeständnisse und Privilegien des Herrschers an die Fürsten erweiterte deren Macht erheblich.

In der ersten Hälfte des XIII. Jhs gab es nach der Eroberung von Konstantinopel noch einmal einen starken Schub von byzantinischen Formen. Denn neben Seidenstoffen und vorderoriental. Motiven gelangten viele Kleinkunstwerke, kostbare Reliquienbehälter und Reliquien selbst in den Westen. Byzantinische Formen wurden in Europa gezielt nachgeahmt. Stiftungen von liturgischen Geräten durch die Geistlichen aus den wohlhabenden Fürstenhäusern waren Zeichen ihres Machtanspruchs und minderten die Sorge um das eigene Seelenheil. Auch die großen Reliquienschreine vor allem im Maas-Rhein-Gebiet, aus vergoldeten Kupfer- und Silberblechen mit Emaille-Einlagen im Limoger Stil, wie der Dreikönigenschrein in Köln ab 1190 durch die Werkstatt des Nikolaus von Verdun (auf kölschJoldkess), waren gewaltige programmatische Zeichen der gesellschaftlichen Stellung der Stifter. Herrschaftliche Symbole befanden sich im kirchl. Besitz, wie das Schwert der Äbtissin von Essen, der Thron ihrer Amtskollegin in Soest oder der Krummstab des Hl. Kölner Erzbischofs Anno in Siegburg.

1125-1250

- Romanik/Spätromanik -



Abb. Kloster Schwarzach Monatsallegorien Bauern 1225c

Gürtel der Stauferzeit für gehobene Darstellungen

Stoffgürtel mit Metallbeschlägen

Gürtel der Stauferzeit für das einfache Volk

Fibelreplikate XIII. Jh (unten)


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die Stauferzeit:

Die Umwandlung von Marktflecken zu Städten mit Schutz, Freiheit, Recht und Verfassung setzte neue Impulse und führte Menschen auf engem Raum zusammen. Ein Beispiel der frühen Verstädterung war z.B. das von Friedrich I. protegierte Aachen mit den Gebeinen Karls des Großen in der Marienkirche, Details siehe unten. Die Feudal- und Landesherren waren beglückt, daß ihnen Städte nicht die bekannten Abgaben in Naturalien brachten, sondern in Form von barem Geld, damit ließ sich gänzlich anders wirtschaften! In den Städten schuf man sich ein behagliches Umfeld des guten Geschmacks, deshalb bringen uns die Prozesse der Verstädterung heute vermehrt Siedlungsfunde, die sich in den Grabungsschichten sicher datieren lassen. Krabath: „Nach einem geringen Aufkommen an Buntmetall vom IX.-XII. Jh. ist um 1200 eine drastische Zunahme in allen Bereichen festzustellen. Diese hängt ebenso mit technischen Innovationen zusammen, wie mit einem Zuwachs der Sachkultur und Stadtneugründungen.“ 9

Zahlreiche schriftliche Quellen von Klerus und Adel „wetterten“ gegen den Kleiderluxus und versuchten deutlich unangemessene Gewandträger in ihre gesellschaftlichen Schranken zu weisen. Im Reich gewann eine vollkommen neue Quellenart zunehmend an Bedeutung, die ritterlich-höfischen Dichtungen der Minnesänger, wie der Kürenberger, Dietmar von Aist oder andere uns aus der späteren Manesse wohlbekannten Namen aus adeligem Hause oder ministerialischer Abstammung. Aus Frankreich und der Bretagne kamen neue erzählerische Motive und Stoffe, die in deutschen Übersetzungen ritterliches Leben und die höfische Minne breit ausschmückten. Das Bild der Frau in der höfischen Gesellschaft wurde deutlich aufgewertet und die holde Weiblichkeit idealisiert. Schönheit wurde mit Tugend gleich gesetzt, Minnedienst und Waffenehre miteinander verknüpft. Die versreichen Epen beschrieben die Gewandung der Protagonisten teils detailliert, da Kleidung der Identifikation mit dem Hörer/Leser diente. Gottfried von Straßburg, neben Wolfram von Eschenbach und Hartmann von Aue einer der großen Übersetzer/Dichter „teutscher“ Zunge, beschreibt in seinem „Tristan“ um 1210 die „holde Juncfrouwe Isolt“ mit einem eng geschnürten Gewand nach „französischem Schnitt“, auch Farbe, Material, Silber- oder Goldlahn und Pelze werden genannt.10 Bereits oben erwähnt wurde der kostbare goldseidene Bruchengürtel für das weisse Untergewand Parzivals, dazu kamen rote Beinlinge aus „schimmerndem Scharlach“, die lange Obergewandung von einem prächtigen Gürtel gerafft und der Mantel aus braunem Scharlach, mit unterschiedlichen Pelzsorten gefüttert und einer prachtvollen Spange geschmückt.

Erst in der 2. Hälfte des XII. Jhs mehren sich Nachweise für Gürtelschnallen auf Abbildungen, hptsl. aus England oder Frankreich, schon mal auf Reichsgebiet, wie die jungen „Rittermarionettenspieler“ 1185 im Hortus Deliciarum_V. Abbildungen der ottonischen oder salischen Epoche zeigen in der Regel im zivilen Bereich wenig Details und die Mode des Adels mit bodenlangen Gewändern ermöglicht hinzu nur geringe Blicke auf den Gürtel. Er ist vorhanden, aus Leder oder Stoff, wird aber meist von der Fülle des Gewandes überdeckt. Im militärischen Bereich ist, neben dem gebundenen Schwertgurt, durchaus schon mal ein zusätzlicher geschnallter Gürtel zu sehen z.B. in der Biblia Sacra_151v vor 1175. Schnallen und viele Ausrüstungsgegenstände scheinen, gemessen an späteren Erscheinungsformen, oft grob und überdimensioniert, was auch mit der romanischen Darstellungsweise zu tun hat. Objekte der höheren Gesellschaftsschichten wirken recht opulent und ausdrucksstark. Sie sind im romanischen HMA nie „smoothiewie unsere Reenactment-Varianten, wirken eher „sperrig“. Erst gegen Ende des XIII. Jhs werden die Formen mit der Gotik unseren „modernen Augen“ gefälliger. [Ich stoße bei Reenactern der „romanischen Darstellungszeit“ aus verschiedenen Gründen manchmal auf Ablehnung, je enger man sich Originalen annähert. Die gotischen Formen werden allseits akzeptiert und haben unsere Vorstellungen vom Mittelalter extrem stark geprägt. Hinzu vermögen viele die wunderbar geglättete heutige Formensprache, an die wir gewöhnt sind, kaum zu überwinden...kleine Gußfehlstellen oder „Unebenheiten“ werden als störend wahr genommen, doch gerade sie verleihen vielen Replikaten einen mittelalterlichen Charakter. Bleche sind nicht exakt rechtwinklig oder Nieten sitzen nicht vollkommen symmetrisch, uvam]

Eine neue Quellengattung war das Altarretabel, Bildwerke aus Holz, Stein oder seltener aus Metall, die für Feierlichkeiten auf dem Altartisch („Mensa) selbst oder fest montiert hinter ihm Aufstellung fanden, deshalb „re-tabelals rückwärtiges Bild, im Gegensatz zum „Antependium, meist ein Tuch, das man vorne an der Tischkante befestigte. Ursprünglich stand auf dem Altartisch, der die Erinnerung an das Abendmahl vor dem Tod Jesu wach halten sollte, nur das Meßgerät. Dann wurde es im IX. Jh durch Reliquienbehälter ergänzt und ab dem XI. Jh holte man die Bilder des Hintergrunds nach vorne auf den Altar. Die ältesten Exemplare auf Reichsgebiet stammten aus dem XII. Jh. Im Laufe der kommenden Jahrhunderte sollten Altar und Retabel miteinander verschmelzen und sich die Belege deutlich mehren mit einem Höhepunkt ab der 2. Hälfte des XV. Jhs bis in Renaissance und Barock.

Nur wenige Statuen der romanischen Baukunst auf Reichsgebiet stehen als aussagekräftige Quellen zur Verfügung, wie in Arles, Schwäbisch Gmünd oder Konstanz. Spanien, Mittel- und Südfrankreich oder Süditalien sind da schon ergiebiger. Die vorhandenen Skulpturen wirken geheimnisvoll, wie das Portal der Schottenkirche in Regensburg, datiert vor 1180, „streng“ und oft wenig detailfreudig, siehe auch „Maria und Johannesin der Domschatzkammer Fritzlar oder aus Sonnenberg im Pustertal, heute im Schnütgen Mus Köln, beide Werke geschaffen vor 1200. Sie folgen als „Deesis“-Darstellungen von Maria und Johannes dem Täufer mit Christus am Kreuz Anregungen aus Byzanz. Veränderungen wird erst der neue Baustil der „Gotik“ mit sich bringen. Die Strenge der romanischen Skulpturen offenbart eine autoritäre Welt. Farbigkeit minderte einst die Strenge, vermittelte Lebendigkeit, uns heute aber oft vergangen, so daß die ursprüngliche Aussage verzerrt wirkt. Man baute wehrhafte Gottesburgen, in denen nur Platz für gottesfürchtige Werke war. Überhaupt ist die Überlieferung der „romanischen“ Kultur und ihrer Formen vornehmlich an die geistliche Welt gebunden. Das einfache Volk nehmen wir bestenfalls als tragende Kapitellfiguren oder sehr einseitig geschildert, oft nur durch seine religiösen Verhaltensweisen wahr, bsplw. in der Massenbewegung des Pilgerwesens, des Reliquienkults oder der Kreuzzüge. Und doch ist es der Träger des Feudalsystems. Ohne die Arbeitsleistung der Masse wären die Großbauten nicht möglich gewesen, Adel und Klerus nicht zu Reichtum gekommen und das Feudalwesen zusammengebrochen.

Königen, Bischöfen und Hochadel wurden seit geraumer Weile Reliefs oder Gedenksteine errichtet, vor allem, wenn sie als fromme Stifter sakraler Bauprojekte galten. Lebensgrosse liegende Grabskulpturen aus Holz oder Stein erschienen in Frkrch seit der Mitte des XII. Jhs, im Reich ein wenig später, wie das Doppelgrabmal Heinrichs des Löwen mit seiner Gattin, nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1227-40, oder das Dedos, Markgraf der Lausitz nebst Gattin 1230-35. Meist wurden sie lange nach den Lebzeiten der Dargestellten errichtet. Ab der 2. Hälfte des XIII. Jhs entstanden sie auch unmittelbar nach der Beisetzung der Verstorbenen oder zu deren Lebzeiten, wie das Grabmal König Rudolf I. von Habsburg (reg. 1273-91) in der Krypta des Speyrer Doms, das ausnahmsweise keinen kraftvollen jungen Mann, sondern einen vom Alter gezeichneten abbildet, da die Skulptur wohl unmittelbar nach seinem Abbild geschaffen wurde.


XII

textile Bindegürtel Chartres um 1150



Schnallengürtel

mit runden und rautenförmigen Beschlägen

oder Nachahmung eines Musters (!)

Schwäbisch-Gmünd um 1180-90


Schnallengürtel Kreuzgang Arles um 1180



Mode in der Stauferzeit (höfische Formen):

In den Epen wurden Schönheitsideale formuliert, denen es nachzueifern galt. Die besungene Schönheit der höfischen Dame spornte den „Helden“ zu tugendhaften Benehmen an und zwang ihn sein Äusseres, trotz Reise-, Kampf- und Rüstungsstaub im galanten Umgang mit der Weiblichkeit nicht zu vernachlässigen. Die Oberschichten zeigten gegen Mitte des XII. Jhs zuweilen auf Abbildungen noch recht breite Stoffgürtel, die man sicher eher als Schärpe bezeichnen würde, wie in der byzant. Mode seit dem X. Jh üblich, ohne Überlänge, eng um die Taille geschlungen, vom Muster elegant auf die Gewandsäume abgestimmt. Seide galt als wichtiger Bestandteil dieser textilaufwändigen und stoffreichen „imperialen Mode“ der Ottonen, Salier und Staufer. Kritische Stimmen sagten, daß die männliche Mode „weibische Auswüchse“ angenommen hätte und mit ihrer Länge an Armen und Beinen die Träger an der natürlichen Bewegung hindere. Solche Aussagen scheinen glaubhaft, denn Repräsentationskleidung ist selten bequem und dient nur dem Zweck, den Träger zu erhöhen und dem Betrachter zu imponieren. Seit Anfang des XIII. Jhs wird die neue enge französische Mode in den Epen erwähnt und scheint an den deutschen Höfen Nachahmung gefunden zu haben. Denn mit dem neuen architektonischen Baustil der Gotik dokumentieren sich profane Skulpturen in dieser neuen Gewandung. Der Gürtel war dabei unverzichtbar, um die Reize des weiblichen Körpers mit enger Taille hervor zu heben. Auch der männliche Körper erhielt durch den Gürtel mehr Kontur. Dieses Kleidungsaccessoire bekam nun eine deutliche Aufwertung.

In der ersten Hälfte des XIII. Jhs waren in der Oberschicht eher recht breite Gürtel aus Textil oder Leder üblich, wurden geknotet oder mit schweren, grossen und ausdrucksstarken Schnallen geschlossen. Damit meine ich nicht die historisierenden Gürtelformen des XIX. Jhs, die häufig derbe große Formen zeigen, wie viele der Skulpturen am 1880 fertig gestellten Kölner Dom, sondern schon Originale und Abbildungen aus der Wende XII./XIII. Jh. wie in der Kathedrale San Valentino in Bitonto_Apulien um 1229. Der Durchschnitt in der Breite lag bei Frauen bei guten zwei Fingern, nur in sehr seltenen Fällen bei Daumenbreite. Männer trugen eher drei bis vier Finger breite Gürtel. Von der Länge konnten sie vor allem adeligen Jugendlichen gelegentlich bis zu den Schienbeinen reichen und waren mit ihrer Überlänge, neben dem offenen Haar, vor allem ein Zeichen der Unberührtheit und Keuschheit von Juncfrouwen. Denn adelige Erwachsene trugen Gürtel manchmal kaum länger als bis zum Knie. Hin und wieder zeigten sie längere Gürtel, benutzten aber Riemenschieber und/oder trugen die Gürtelzunge (wie bei einen modernen Gürtel) zur Seite, siehe Skulpturen in Ferrara, Magdeburg, Ebstorf, Braunschweig, Nordhausen, Straßburg oder St. Denis. Der soziale Stand war ablesbar am Gewand und bestimmte somit auch den Gürtel, die Qualität des Leders oder des Stoffs. Der Stoffgürtel, der lange Zeit mit reinem Bindesystem getragen worden ist, wurde seit der Wende zum XIII. Jh mit einer Schnalle geschlossen und mit weiteren Metallteilen zur Stabilisierung kombiniert, dazu verwendete der Adel Bortenstrecker, Spenglin und Zungen (Senkel). Die meist stabförmigen Gürtelapplikationen dienten also einem Zweck. Gürtelbeschläge behielten auch in den nachfolgenden Jahrhunderten ihren Nutzwert zur Stabilisierung, vor allem bei Stoffgürteln und das Formenspektrum erweiterte sich erheblich. So lassen sich vor allem im Spätmittelalter runde ösenartige Spenglin gut nachweisen, um das Trägermaterial z.B. an den Dornlöchern zu schonen, ähnliche Techniken gab es bereits im HMA. Die Kombination von Stoffgürteln mit Metallen mag eine neue Modesitte aus Frankreich sein, die möglw. auf die häufige Verwendung von Seide hinweist, mit feinem Gold- oder Silberlahn durchzogen. Das waren Gürtel, die einer Stabilisierung bedurften. Bislang wurde Seide meist aus Italien importiert, meist wohl legal, aber manchmal nicht unbedingt bezahlt. Denn die Staufer „jagten“ ein Heer nach dem anderen über die Alpen, das Beute und Tribute forderte. So könnte Seide durch das Beutegut aus Konstantinopel 1204 vermehrt auf die europäischen Märkte gekommen sein, das hauptsächlich nach Italien und Frankreich gelangte.

Im archäologischen Fundgut des XIII. Jhs mehren sich Beschläge/Spenglin. Die Bunt- und seltenen Edelmetalle konnten aus Blech gestanzt und über ein Model gepresst oder gegossen sein, letztere Technik wurde hauptsl. bei Zinnvarianten der nachfolgenden Jahrhunderte bevorzugt. Aber nicht alle Beschläge stammten von Gürteln. Es wurden manchmal Sporenriemen, sehr häufig adeliges Pferdegeschirr beschlagen. Der Verlust einzelner Spenglin scheint gerade in diesem Zusammenhang aufgrund hoher Belastung erklärbar. Aber auch Rüstungsteile, Truhen und Kästchen wurden in dieser Art verziert. Altardecken und liturgische Kleidung mit aufgenähten Zierblechen versehen. Da sie im klerikalen Umfeld eher in Zweitverwendung standen, ist der vorherige profane Nutzen denkbar, wie bsplw die Schmuckbleche auf dem „Brautkleid“ der Königin Agnes im schweizerischen Kloster Sarnen [Fingerlin S. 12].

Es ist Skulpturen und Abbildungen oft nur schwer zu entnehmen aus welchem Material der Gürtel bestand. Möglicherweise wurde nicht nur Stoff stabilisiert, sondern auch Leder. Gerade zu Repräsentationszwecken wurde feineres Leder verwendet, beim Adel oft Wild, wie es beim Schwertgurt üblich war. Denn nur der Adel besaß das Jagdrecht! Übrigens, die von uns heute angewendete beliebte Schlaufung nach der Schnalle ist an den Gürteln der Statuen des XIII. Jhs nirgendwo festzustellen [ab dem XIV. Jh. wird sie gelegentlich angewendet, aber sie ist nie (!) die Regel bei mittelalterlichen Gürteln. Dünnes, weiches Leder fällt, ähnlich wie Stoff, auch ohne Schlaufung aus der Schnalle. Mit einem Langgürtel bewegte man sich gemessenen Schrittes, denn er diente als wichtiger Bestandteil der Kleidung, wie bereits erwähnt, Repräsentationszwecken. Die Alltagskleidung und der zugehörige Gürtel werden schlichter gehalten worden sein.








vor

Mitte

XIII

vor 1237 „Ecclesia“ Dom Bamberg

selten schmaler Gürtel in dieser Zeit von 15 bis 20 mm

1230 Paris

Bindegürtel traditioneller „franz.“ Art

1225-35 „Ecclesia“ Strassburg

Gürtelbreite ca. 25 mm, eine Daumenbreite (Zoll) und bis zu 30 mm Breite auch bei Frauengürtel der Durchschnitt




Gürtelrekonstruktionen der Stauferzeit für gehobene Darstellungen ca 1125-1250














XII

-

XIII



1200c Speculum virginum

Der weisse Schwertgurt war ein Standessymbol und Relikt aus einer Zeit, in der das Binden von Gürteln schlichtweg üblich war.



Schwertgurt, Glasmalerei Bremen um 1250



Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der Schwertgurt für den Ritteradel

Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 85,00 EUR

Der weisse Gurt ist ausschließlich dem „Ritter“ vorbehalten. Im Reich bis zum Anf. des XIV. Jhs wird er nur geschlauft. In anderen Ländern sind auch Schnallen beim Rittergurt üblich.



Schwertgurt_02_natur

50mm Riemen Hirsch natur

bsplw. für Ordensbrüder

- momentan nicht lieferbar -

So finden sich vor allem bei Servientes/Sergenten auch geschnallte Schwertgurte siehe Reliefs/Skulpturen „Kindsmörder“ vom Portal aus Arles 1180 oder aus dem Kreuzgang der Abbey de Fontcaude XIII. Jh, siehe auch Abb. aus Bilderbibel_Fkrch von 1200c oder aus dem Kristina Psalter_Dänemark von 1230.








gegen

Mitte

XIII

Adel und Stadtpatriziat (Original in Silber), in Messing oder Bronze als Alltagsgarnitur

Nach dem Fund aus der Judengasse 10 in Salzburg. Die metallenen Gürtelteile wurden mit über 28000 Münzen (!) geborgen, deren älteste aus der 1. Hälfte des XIII. Jhs stammt und die jüngste um 1290 geprägt wurde. Die Gürtelteile zeigen deutliche Abnutzungsspuren und Reparaturstellen, deshalb werden sie auf die Mitte des Jhs datiert. Der Gürtel hatte Riemenschieber, die von hochmittelalterlichen Darstellern bislang eher abgelehnt wurden, verständlich, da es bei Reenactern aller Epochen üblich geworden ist nach der Schnalle spätmittelalterlich zu schlaufen, inzwischen zeigt sich diesbzgl ein Umschwung..


XIII_005_me

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel [ergänzt]_me 5,5 x 4,5 cm

montiert 145,00 EUR

Spenglin „Nr.6878“ auf Anfrage

Im Original Silber mit Niello („geblackmalet“) aus Silber-, Kupfer- und Bleisulfiden, nicht in römischer, sondern byzantinischer Technik, seit dem XI. Jh. im Westen nachweisbar.11



XIII_006_bz

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 5,5 x 4,5 cm

montiert 149,00 EUR








vor

Mitte

XIII



Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur



XIII „Legende v St Denis“_Chartres

Vom Ende des XII. (Bspl. Nyon) bis zum XIV. Jh. werden häufig einfache stabförmige und langrechteckige Formen von Bortenstreckern verwendet. Sie dienen dazu Stoff- oder feine edle Ledergürtel zu spreizen und in Form zu halten.



XIII_007_me oder bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

montiert 115,00 EUR me / 120,00 EUR bz

Spenglin „Nr.6808“ auf Anfrage



XIII_008_me oder bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 8 x 2,5 cm

montiert 105,00 EUR me / 110,00 EUR bz

Spenglin „Nr.6808“ optional










vor

Mitte

XIII

Kreuzritterbibel Fol28r

Neben den weißen Schwertgurten mit Bindesystem war es in Westeuropa auch üblich sie mit Schnallen zu versehen. Aber es blieb vor 1300 eine westeurop. Besonderheit, die sich z.B. in der franz. Handschrift der „Kreuzritterbibel“ dokumentiert, weshalb dt. Darsteller gut abwägen sollten, was sie daraus entlehnen wollen. Denn verschiedene Details sind nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse im Reich übertragbar.

Kreuzritterbibel Fol29v



XII-XIII_07_me

30 mm Riemen (weiß)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 99,00 EUR

weißer Gurt „franz. Art“ mit Schnalle



XII-XIII_09_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen schwarz

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 99,00 EUR

die Rauten-Beschlagzieren können auch als Spenglin „Nr. 7041“ optional auf dem gesamten Gürtel verwendet werden









XII

-

XIII

Adel Alltags- oder zweite Garnitur und gehobenes Bürgertum Mann und Wib

Schnalle XII.-XIII. Jh.

Quelle: Winchester Grabung,

schlichter Typus, auch im Reich geläufig, siehe

Zierbeschlag nach D. Ellger (Hrsg.), Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des Mittelalters in Westfalen I, 1979, mit gleichem Muster als hochmittelalterlicher Lesefund aus Schuby, westlich von Schleswig an der Schlei und nach Fund der Burg Wartenberg/Hessen vor 1265.



XII-XIII_05_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 95,00 EUR




XII-XIII_06_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 6,5 x 2,2 cm

montiert 99,00 EUR










XII

-

XIII

Wib gehobenes Bürgertum





Nach Krabath sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar: „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.12








XII-XIII_03_me

mit verziertem Schnallenbeschlag

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 79,00 EUR



mögliche Senkel-Verzierungen

[kann natürlich auch auf den Schnallenblechen angebracht werden, damit die Kombinationen harmonisch wirken, archäologisch sind allerdings eher Schnallenbleche nachweisbar und es fehlen uns meist dazugehörige Senkel]








Stoff-

gürtel

XIII

um 1245 Markgraf „Ekkehard“ Naumburg



(Kein lebensechtes Porträt, denn die Stifterpersonen des XI. Jhs wurde in der Kleidung Mitte des XIII. Jhs dargestellt)

ca. 40 mm breite Leibgürtel des Hochadeligen mit Spenglin und für das Schwert der standesgemäße Bindegurt

Die Gürtel des höfischen Gewandes bestanden aus feinem Gewebe, das durch Bortenstrecker in seiner Form gehalten wurde.“13



Stoffgürtel mit Metallbeschlägen gegen Mitte des XIII. Jhs








Stoff-

gürtel

XIII

Oft wurden seidene Stoffgürtel für den Hochadel broschiert oder mit Silber- und Goldfäden durchzogen. Wenige Exemplare sind erhalten, die als kostbare Erbstücke und besondere Schatzfunde überdauerten.

Norddtld, Seidenbrokat mit vergoldeten Silberfäden, Bortenstrecker Silber vergoldet mit Halbedelsteinen XIII.-XV. Jh. (heute in Kopenhagen)

Aufwändige Almosenbeutel mit Silber- und Goldfäden, Perlen und farbigen Steinen wurden im XIII. Jh in Pariser Werkstätten (Faiseuses d`Aumonières Sarrazinoises) nach importierten Mustern aus dem Orient gefertigt, von dort aus gelangten solche Luxusartikel an die Höfe Europas.14 Ein kostbarer Gürtel in dieser Art befand sich im Grab des kastilischen Kronprinzen Ferdinand de la Cerda im Kloster Las Huelgas/Burgos, gefertigt wohl um 1260 in Frankreich, als Geschenk an seine franz Mutter Blanche, Tochter von Ludwig IX.



Magdeburg 1240-50




XIII_100_me oder bz Stoffgürtel

30 mm Leinenborte

mit Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

breites Grundmodell noch ohne Bortenstrecker

montiert 120,00 EUR




Seidenborten auf Leinengrund wurden ab dem 13. Jh in Köln gewebt. Kennzeichen waren individuelle Wappen als vorherrschendes dekoratives Element. Somit waren es Auftragsarbeiten des Adels. Funde aus dem bürgerlichen Umfeld von London, Keramikphase 9 (ab 1270), zeigen Gürtel in Brettchenwebtechnik. Unsere Leinenborten wurden in Brettchenwebtechnik erstellt und nicht in Leinwandbindung, sind also eher mittleren sozialen Schichten zuzuordnen und nicht der Welt des Adels. Nur selten läßt sich Leinen archäologisch nachweisen, da die Pflanzenfasern im Boden recht schnell vergehen. Seifried Helbling (siehe Zitat unten) gibt uns einen Hinweis, daß eine Borte auch aus Pflanzenfasern bestand. Mit Leinen kommt man mit keiner Kleiderordnung in Konflikt und bedenket der „maze, wenn selbst der „Gürtel Marias“, im Domschatz zu Aachen als Reliquie aufbewahrt, aus einfachem ungefärbtem Leinen bestand!

Für gehobene Darstellungen mag statt Brettchenwebtechnik die Leinwandbindung sinnvoller sein, wie beim Fund von der Isenburg, Hattingen aus der Zeit vor 1225 mit Schnalle und Schnallenblech und einfachen Stabstreckern. Der Fund aus Colmar, 1. Hälfte XIV. Jh, wurde in Leinwandbindung ausgeführt mit Schußfäden aus Baumwolle15 und Kettfäden aus Goldlahn, viele Beschläge in Form von quadratischen Lilienblüten stützten das Gewebe. Stoffgürtel wurden auch in den nachfolgenden Jahrhunderten häufig getragen, edle Varianten des Spätmittelalters sollten monochrome Samt- oder Atlasbindungen nachahmen.16










Stoff-

gürtel

XIII

Magdeburg, Patriziertochter 1240-50

An Bortenstreckern wurde zuweilen nicht gespart.

Deshalb rate ich Darstellern beschlagene Stoffgürtel möglicherweise als Projektgürtel anzusehen, mit zunächst weit gesteckten Streckern, um nach und nach in die Zwischenräume Ergänzungen durch weitere Strecker oder Rosetten einzufügen. Auch eine schlußendliche rückwärtige Stabilisierung durch ungefärbtes Leinen, wie beim Modell Kopenhagen, s.o., scheint mir durchaus sinnvoll, für Schwertgurte auch aus feinem Leder wie bei Sancho IV. von Kastilien nach 1295.

XIII_053_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7061“

montiert 149,00 EUR

Benediktinische Liederhandschrift um 1200

Stoffgürtel mit Metallteilen ...“von Männern und Frauen in gleicher Weise getragen...“17

Seifried Helbling spottete in der 2. Hälfte des XIII. Jhs in Österreich mit der Anmaßung eines Ministerialen über die Unmöglichkeit einen „Bauern“ zum Ritter zu machen: „...der Schild möge dem Bauern in diesem Augenblick zum Streichbrett des Pfluges, das Schwert zur Pflugschar, der ritterliche Seitenbeutel zum Säetuch, die Gürtelborte zum hanfenen Futterstrick sich wandeln.“18










Stoff-

gürtel

XIII

Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur, Festtagsgürtel gehobenes Bürgertum

Rautenmuster und Kreuzschraffuren auf den Borten waren im XIII.-XIV. Jh. recht beliebt, siehe z.B. Tasche abgebildet in der Kreuzfahrerbibel_Fol29v oder in der Manesse.

..., dass Gürtelborten des 13. Jhs als repräsentative Accessoires auffallend lang waren und Rautenmuster bevorzugt verwendet wurden...“19



XIII_051_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7009“

montiert 149,00 EUR



XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR








Stoff-

gürtel

XIII



Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur, Festtagsgürtel gehobenes Bürgertum



Borten_Farbmuster

(blau-gelb, rot-gelb, zart grün-rot, kräftig grün-rot, kräftig violettrot-grün)

Auch Leinen galt in manchen Bereichen Europas lange Zeit als exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern können, wie unsere Exemplare, mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern.



XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25 mm Leinenborte (Farbmuster links)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR



XIII_052_me

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]








Gürtelformen der Stauferzeit für das einfache Volk ca 1125-1250



Gürtelformen des einfachen Volkes in der Stauferzeit:

Der Prämonstratenser Philipp von Harvengt forderte zum Ende des XII. Jhs, daß jeder Stand und Beruf durch die Kleidung erkennbar sein solle und der Franziskaner Bertold von Regensburg entwarf in seinen Predigten im XIII. Jh eine gottgewollte Ständeordnung nach dem Vorbild der himmlischen Engelchöre. Jedem wurde nach göttlichem Entschluß sein gesellschaftlicher Platz zugedacht, der unverrückbar sei. Wer durch Abänderung seines Gewands die deutlich sichtbaren Grenzen überschreite, der begehe Hoffart und gefährde sein Seelenheil.20 Appelle zum maßvollen Umgang mit der Kleidung, die auf den Klerus zurück gingen, wirkten alle ähnlich. Neben der verordnenden Vorschrift beinhalteten sie eine moralische Komponente, die allerdings immer einem Gesetz zu eigen ist, wenn es in einer Gesellschaft wirken soll, die moralisch-ethische Normen erhebt. Es wurden auch fiktive Kleiderordnungen aufgestellt, die, um ehrwürdiges Alter bemüht, angeblich auf Karl den Großen zurückgehen sollten, indem Bauern demnach schwarze und graue Gewänder mit Keilen nur an den Seiten und nicht in Front oder Rücken zugedacht seien. Auf dem vierten Laterankonzil von 1215 wurde verfügt, daß Andersgläubige durch äussere Abzeichen gekennzeichnet sein sollten. Neben dem bereits länger getragenen typischen Judenhut wurden bald europaweit unterschiedliche Zeichen wie aufgenähte runde gelbe Ringe und Kreise oder später verschiedenfarbige Radzeichen für die gesellschaftliche Randgruppe eingeführt.

Überlegungen zur Buntmetallverwendung im HMA: Für unsere Betrachtungen ist die Entwicklung der Aachener Kupfer- und vor allem Messingverarbeitung von besonderer Bedeutung. Aachen mit den Gebeinen Karls des Großen in der Marienkirche wurde von Kaiser Friedrich I. protegiert und erhielt 1166 mit den Markt- und Münzrechten das Stadtrecht als freie Reichsstadt. Bereits 1171 wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen! Einen äusseren Mauerring legte die Stadt ab 1257 mit einer Bauzeit von rund 100 Jahren an. Aachen wurde im SMA wichtiger Pilgerort mit seinen Heiltumsfahrten, die es ähnlich auch in Kornelimünster und im späteren Mönchengladbach gab. So zählte man Ende des XV. Jhs 142000 Pilger an den Stadttoren von Aachen an einem einzigen Tag! Die Verarbeitung von Kupferprodukten war in Aachen auf einem hohen Stand. Im unmittelbaren Umfeld dieser Stadt sind auch heute noch große in Messing gegossen Objekte zu sehen, wie das Adlerpult in der St. Lambertus Kirche in Erkelenz Mitte XV. Jh. Die Produktion von Messing erforderte allerdings Galmei, das grundsätzlich nur selten anstand aber im Maastal, also unweit von Aachen, gefördert wurde. Das heißt Messingprodukte waren im Westen des Reiches mit dem Ursprung im Maas-Aachener Raum kostengünstiger erhältlich als in weit davon entlegenen Räumen. Über den Hellweg, mit einer seit karolingischen Zeiten laufenden Produktionsschiene, wäre die Verbreitung nach Osten möglich. Leichter könnten Fertigprodukte über den Rhein als großer Transportweg in die Niederen Lande, nach England oder in den Südwesten Dtlds gebracht werden. Aber in Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Prag oder Wien wäre mglw, durch die aufwändigere Landhandelsverbindung, aus Kostengründen eher mit Bronze aus böhmischem Zinn zu rechnen? Nicht viel anders läge der Sachverhalt vielleicht in den nordöstl. Reichsgebieten mit besserem Zugriff auf Harzer Kupfer und Zinn und schlechterem auf Galmei? In Magdeburg wurden 500 hochmittelalterliche Flachgußformen aus Stein gefunden, die ausschließlich dem Zinnguß dienten. Im Westen des Reichs musste Zinn bis Mitte des XIII. Jhs aus England importiert werden. Für das HMA wären diese Überlegungen vielleicht angebracht. Für das SMA scheinen sie obsolet, da sich Messing aufgrund der grösseren Handelsdimensionen überall durchsetzte. Siehe auch Exkurs 5: Bronze oder Messing.




vor 1221 „Atlant“ Kathedrale Reims

(„die arbeitende Bevölkerung“)

Gürtelbreite ca. 25 bis 30 mm, etwas mehr als ein Zoll




Gürtelrekonstruktionen der Stauferzeit für das einfache Volk ca 1125-1250

(für Handwerker, Krämer, Dienstmannen, Gesellen, Gesinde, Mägde, Schergen, Söldner, Bauern)

Befestigung mit Schnallenblechen an Männergürteln als aufwändige Variante, Schnalle oft nur angenäht.

= nach Vorlagen zwischen 1125 bis 1250 =








XII

-

XIII



Krämer- und Handwerkergattin



Nach Krabath sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar: „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.21



XII-XIII_01_me

mit einfachem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR









XII

-

XIII



Krämer- und Handwerkergattin



Schnallen mit kleinen Eckkugeln oder „Hörnchen“ stammen wohl aus dem XII. Jh., erfreuen sich aber im gesamten XIII., vereinzelt noch bis ins XIV. Jh., hoher Beliebtheit.

Magdeburg 1240-50




XIII_023_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR












Bauer, Handwerker

D“-förmig Eisen flachstabig original Forchheim

Eisenschnallen sind gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung, für alle militärische Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr.22 Wobei bei letzteren auch Rollschnallen mit Hülsen oder drehbarem Dornrast in Gebrauch waren, wie sie heute aus div. Material ebenso noch verwendet werden.




XI-XV_30-40_eis

Riemen natur geölt

[Schnalle flachstabig]

XI-XV_30eis an 30 mm Riemen montiert 39,00 EUR

XI-XV_40eis an 40 mm Riemen montiert 49,00 EUR

[Hochwertiges vegetabil gegerbtes Naturleder mit angenähter Schnalle]



Exkurs 7: Verwendete Ledersorten im HMA

In den 1970er Jahren wurde im mittelalterlichen Stadtzentrum von Schleswig an der Schlei auf einem Areal von vielleicht 20 x 30 m ein Lederhandwerkerquartier ergraben. Die fast 5 m tiefe Schicht barg Funde vom XI. bis zur Mitte des XIV. Jhs. Über 90% der Funde waren Schuhe, der Rest Lederscheiden für Messer und Schwerter, Gurte, Riemen und Gürtel, Beutel, Taschen und undefinierbare Fragmente. Die Lederwerkstätten hatten die Stücke entsorgt, umgearbeitet oder sammelten sie zu einer weiteren Verwendung. Die für meine Betrachtung in Frage kommenden Gurt- und Riemenstücke (sortiert in 5 Formen-Kategorien) fanden sich ungefähr im Zentrum der Grabungsfläche, zur Peripherie hin zahlenmässig ausdünnend. Nur ein geringer Teil dieser rd 200 Fragmente konnte eindeutig Gürteln zugerechnet werden. Es gibt Überschneidungen mit aufgeklappten Schwertscheidenstücken, die ihre urspl Form verloren hatten, die stabilen und breiten Gurte stammen hptsl aus dem Bereich des Reitzubehörs, schmale Riemen konnten ebenso für Zaumzeug und Sporen, Knieriemen, aber auch für Schuhe, Taschen und diverse Ausrüstungsteile genutzt werden. Nur vier schmale Riemen wiesen kleine Schnallen auf und 10 % der Fragmente zeigen deutliche Schnittkanten, so daß Metalle mglw vor der Entsorgung entfernt wurden. Die häufigste Form (Nr. 4) war aus zwei Lagen zusammengefügt und an der Kanten vernäht mit Breiten zwischen 1,2 bis 8 cm! Allerdings ergab sich die herausragende Häufigkeit aus dem getrennten Zählen jeder einzelnen Lage (127 Stücke), die normalerweise zusammen hätten erfasst werden müssen (also rd 60 Gurte und Riemen). Auch wenn die Anzahl noch immer überwiegt (gegenüber einlagigen Streifen mit 39 Stücken der Form Nr. 1, plus sieben schmalen nietbesetzten einlagigen Streifen der Form Nr. 3), so gehören die breiten Formen mit bis zu 5 cm wohl zum Reitzubehör, denn bis heute nutzen wir Gurte aus doppelt vernähtem Rindsleder. Grundsätzlich wird der grösste Teil archäologisch nachweisbarer breiter Eisen- und Rollschnallen dem Pferdegeschirr zugeordnet. Die Eisenschnallen von den Isenburgen in Hattingen und Essen im XIII. Jh weisen im Schnitt Durchlaßbreiten zwischen 4 und etwas über 5 cm auf, was einigen Lederbreiten in Schleswig entspricht.

Auch dünne Lederriemen wurden in Lagen vernäht, teilweise gefaltet (12 Stücke der Form Nr. 2), wobei zwischen die Faltung gestückelte Lederstücke zur Stabilisierung eingenäht werden konnten, vor allem bei der Verwendung von Schaf- oder Ziegenleder. Auch diese Riemenformen müssen nicht unbedingt auf Gürtel verweisen, denn es gibt Überschneidungen mit Messer- und Schwertscheiden, wenn ein Hinweis auf regelmäßige Dornlöcher, -schlitze oder Nietpunkte für das Schnallenblech fehlen. Hinzu rechnet man allgemein für Gürtel eher mit Kalbs- und Rindsleder, es sei denn textilen Gurtformen wurden zur Stabilisierung durch dünneres Leder ge- oder unterfüttert, so daß sich Stiche an die Seitenkanten abzeichneten. Fingerlin kam 1971 zu dem Schluß, daß bei ihren untersuchten Grabfunden selten gedoppelte Riemen auftauchten, sondern eher einlagige Formen. Auch seien gestückelte Riemen den Zunftordnungen nach als Gürtel nicht üblich und erlaubt gewesen.

Punzierungen und Stempeldekor war bei Gürteln möglich aber selten, denn die Stempel wurden erhitzt in angefeuchtetes Leder gepresst. Das Anfeuchten war für das enge Anpassen an die Messerklinge, bzw an den Holzkorpus der Schwertscheide notwendig aber nicht zur Fertigung eines Gürtels. Zu den Riemenzieren zählten desweiteren ornamentaler Lederschnitt und Steppereien mit Ziermotiv oder schlichte Längsritzungen als Relieflinien und eingeschlitzte Bereiche, durch die Flechtriemen geführt wurden, mglw farblich kontrastierend zum Lederuntergrund. Beim Steppen des Leders konnten die Ziernähte kunstvoll ausgeführt sein, siehe Funde aus Schleswig mit floralen Ornamenten oder überkreuzende Wellenbänder. Bei diesen aufwändig verzierten Riemen scheint die Nutzung als qualitätvolle Gürtel wahrscheinlich, denn auch goldene Farbreste wurden bei einem Exemplar fest gestellt. Als reine Flechtriemen aus stabilem Rindsleder für hohe Beanspruchungen tauchten in Schleswig vier Stücke mit 2,5 bis 4 cm Breite kategorisiert mit der Form Nr. 5 auf. Abbildungen gemäß sind sie der Reitausrüstung zuzuordnen (z.B. in Gaston Phoebus Jagdbuch Anf des XV. Jhs) und werden auch in Zunftordnungen erwähnt. Die wenigen mit Beschlägen versehene Riemen (7 Stücke der Form Nr. 3) sind in Schleswig mit 1 bis 1,8 cm recht schmal und werden auf Sporenriemen und Zaumzeug verweisen.

Die Funde Schleswigs, welche auf Taschen und Beutel verweisen waren überwiegend aus Ziegen- und Schafleder und zu einem geringeren Teil aus Rindsleder. Messerscheiden sind dort zu gleichen Anteilen aus Rind/Kalb und Schaf/Ziege gefertigt worden, wobei die älteren Formen des XI. Jhs aus Ziege bestanden. Nach einer Zunftordnung aus London war im XIII./XIV. Jh dafür Kalbsleder vorgeschrieben. Punzierungen, bzw Stempelverzierungen sind häufiger bei Messer- und Schwertscheiden wahrzunehmen, da sich erheblich mehr Scheidenfragmente erhalten haben! Im FMA und HMA konnten die Scheiden mit Steppereien, Ausstanzungen oder Relief- und Ritzverzierungen versehen sein, seit ca 1200 wurden die Messerscheidenkanten in Schleswig gefranst oder zipfelig gestaltet, bis zum XI. Jh zuweilen mit Metallbeschlägen meist aus Eisen versehen und vernietet (im slaw Kulturraum auch aus Bronze), Lederschnitt und Punzierungen waren im HMA möglich.23 Der Lederschnitt ist vermehrt im SMA nachzuweisen.








Fibelreplikate XIII. Jh




XII

-

XIII





Fürspan“ für den Kragenschlitz

Einfache flache Ringfibel mit gezacktem Ornament. Ein Typus vom Ende des XII. Jhs., Laufzeit bis in die erste Hälfte des XIII. Jhs.



XII-XIII_Ringfibel_me

innen 1,5 cm / aussen 2,5 cm

- momentan nicht lieferbar -






XIII






Fürspan“ für den Kragenschlitz

[östlich des Rheins erschienen „gotische Formen“ in der 2. Hälfte des XIII. oder erst in der 1. Hälfte des XIV. Jhs, abhängig von den regional unterschiedlichen Übernahmen der gotischen Bauformen mit ihren neuartigen Skulpturen und Ornamenten]

Eva m Schlange“ Nordquerhaus Reims

ab 1240



XIII_Vierpassfibel_me oder bz

innen 2,5 cm / aussen 3 cm

20,00 EUR

(die Nadel ist stabiler als hier abgebildet)






XIII






Fürspan“ für den Kragenschlitz


Kragenfibel mit häufiger Verbreitung

gegen Mitte und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs.

nach Haedecke Abb. 184



XIII_Kragenfibel_me

innen 2,2 cm / aussen 3,6 cm

20,00 EUR

(die Nadel ist stabiler als hier abgebildet)








Zäsur Romanik - Gotik

Das XIII. Jh. war eine starke Umbruchzeit. Die Kreuzzüge und die Berührungen mit dem Islam zeigten vielfältige Folgen. In der Architektur galt, angeregt nicht zuletzt durch maurische Formen, die Einführung des „opus francigenum“ als entscheidend, des neuen französischen Kathedralbaustils (später als „Gotik“ bezeichnet), der in der dt Architektur regional sehr unterschiedlich mit Abwandlungen faßte. In diesem Zusammenhang wurden Skulpturen detailliert und naturgetreu erstellt, die uns Einblicke in die neuen „franz. Modeströmungen“ geben. Sie sind nicht unbedingt Spiegel der Alltagskultur in Dtld, da französische Werkmeister nach Musterbüchern arbeiteten. Aber diese Mode wurde bewundert und hat wohl die mglw als „altertümlich“ empfundene „imperiale Mode“ spätestens bis zum Beginn des XIV. Jhs grundlegend gewandelt.

Der Mensch versuchte in der Natur das göttliche Wirken zu erforschen und auf der Suche nach Gotteserkenntnis begann er sich selbst zu erkennen.

1137 wurde mit der Abteikirche der Benediktiner in St. Denis der erste „gotische“ Kathedralbau begonnen, franz. Frühgotik. Es folgten in der 2. Hälfte des XII. Jhs die Kathedralen in Sens, Noyon, Senlis, Laon, Paris, Bourges, Chartres und Soisson.

1212-95 Bau der Kathedrale von Reims im franz. Hochgotischen Stil im XIII. Jh, ebenso die Kathedralen in Rouen, Dijon, Beauvais oder Albi.

1209-63 Bau des Doms zu Magdeburg, erster rein gotischer Bau im östlichen Deutschland. In Österreich ließ Herzog Leopold VI. in seiner Residenz in Klosterneuburg als Palastkirche die „capella speciosa“ errichten. 1222 geweiht, war es der erste Bau gotischer Prägung in Österreich. 1799 wurde er abgerissen. Diese Palastkapellen als Mini-Kathedralen wurden oft kopiert und fanden mit der berühmten „Sainte-Chapelle“, 1248 geweiht, im königliche Cite-Palast zu Paris ihren wirkungsvollen Höhepunkt. Ab den 30er bis 40er Jahren systematische Anwendung von gotischen Elementen in den Reichsstädten Toul, Verdun, Metz und Trier, es folgten Marburg, Straßburg und Köln. Angeblich sollten die Bürgeraufstände in den 30er Jahren gegen Erzbischof und Kathedralkapitel in Reims zur erheblichen Ausbreitung des neuen franz. Stils in Europa beigetragen haben. Denn es wanderten Steinmetze, die an der Reimser Kathedrale gearbeitet hatten, teilweise ins Reich.24 Die weit fortgeschrittene franz. Plastik wurde in Dtld zum Vorbild bsplw. in Bamberg, Halberstadt, Magdeburg, Straßburg, Mainz, Naumburg oder Meißen. Die Gotik fasste in Dtld mit den Frühformen in der 2. Hälfte des XIII. Jh., vornehmlich aber erst im XIV. Jh. In der Alltagskultur war die Ablösung des spätromanischen Stils im Detail beispielsweise in der Fibel- und Gürtelmode mit Mehrpaßformen erkennbar, abgeleitet vom architektonischen Maßwerk, das zunehmend grössere Beliebtheit im XIV. Jh erlangte.








Quellen und weiterführende Literatur:

- Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog Westfäl. Landesmuseum Herne, Mainz 2010.

- Das Reich der Salier 1024-1125. Katalog zur Ausstellung d. Landes Rh.-Pfalz, RGZM u Diözesanmuseum Mainz, Sigmaringen 1992.

- Delbrück, H.: Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter (Erstauflage 1901), Nachdruck der Neuausgabe Hamburg 2008.

- Deschner, K.: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. VII, Reinbek bei Hamburg 2002.

- Dupeux, C.: Das Museum Oeuvre Notre-Dame, Paris 1999.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Goll, J. / Exner, M. / Hirsch, S.: Müstair. Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkirche, Zürich 2007.

- Grote, U. u Maas, E.: Auswahlkatalog Stiftsmuseum Xanten 2010.

- Haedeke, H.-U.: Schmuck aus drei Jahrtausenden. Sammlung Hanns-Ulrich Haedeke, Köln 2000.

- Hinz, B.: Dom St. Peter zu Fritzlar. Stift, Kloster und Domschatz, Kassel 2002.

- Humburg, N. u Schween, J. (Hrsg.): Die Weser – Ein Fluß in Europa. Bd. 1. Leuchtendes Mittelalter, Holzminden 2000.

- Husty, P. u Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Köln-Weimar-Wien 2010.

- Keupp, J.: Mode im Mittelalter, Darmstadt 2016.

- Krabath, St.: Die hoch- u spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H./Egger, H./Winkler, G.: 800 Jahre Franz von Assisi. Franzisk. Kunst u Kultur des MAs. NÖ Landesaustellung in Krems-Stein 1982.

- Küppers-Braun, U.: Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen, Essen 4. Aufl 2008.

- Leenen, St.: Die Isenburgen an der Ruhr, Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Bd. 52, Darmstadt 2011.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Wald-Michelbach 1998.

- Puhle, M. (Hrsg.): Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom u d späte Stauferzeit. Katalog Landesausstellung Sachsen-A., Mainz 2009.

- Schnack, C.: Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte, Neumünster 1998.

- Siebert, G. (Hrsg.): Der Naumburger Meister. Bildhauer u Architekt im Europa d Kathedralen. Ausstellungskatalog 2 Bde 2011.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.

- Weinfurter, S. (Hrsg.): Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im ma Europa. Ausstellungskatalog Mannheim 2010.



V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Toman Rolf, Die Kunst der Romanik, S. 84

2/In Aragonien bekam die bürgerliche Oberschicht Saragossas bereits 1118 alle Rechte geborener Hidalgos, niedriger Adeliger! Wie in vielen europ. Ländern stützten sich auch hier die Könige auf die neu aufstrebenden Städte gegen den revoltierenden Uradel (ricoshombres) und Niederadel (hidalgos). Die Städte erhofften sich Frieden, Recht und sicheren Handel. Dazu gründeten sie Bünde (hermandades), wie auch im Reich und stellten sich in den Dienst der Monarchie gegen den Adel und die Grundherren. Abgeordnete des Bürgertums sassen seit dem XIII. Jh neben Adel und Geistlichkeit in den Cortes und konnten, ähnlich wie später in den Niederen Landen, zu Zeiten der Thronwirren des XIV. Jhs den Königen Konzessionen abtrotzen. Mit Erlangung gehobener rechtlicher Stellung ist die Übernahme feiner Sitten und dazu zählen auch modische Belange nur allzu nachvollziehbar.

3/Deschner, Kriminalgeschichte VII, S. 97.

4/Inhaltlich erfolgte damit ein grosser Umbruch. Der ältere „Viernageltypus“ ermöglichte es Christus stehend darzustellen, so daß er die Arme triumphal ausbreiten konnte. Beim „Dreinageltypus“ nahm der durch beide Füße getriebene Nagel die aufrechte Haltung und demonstrierte das Hängen und Leiden des Körpers [siehe auch Hinz, Dom Fritzlar, S. 38]. Christus wurde als König und strenger Weltenrichter abgelöst durch Christus den Leidenden mit der Dornenkrone, in der Betonung der Wunden und der Passionswerkzeuge. Die menschliche Natur Christi stand nun im Vordergrund. Der Betrachter sollte am Leiden Christi Anteil nehmen und dies nachempfinden. Diese imitatio Christi war Teil des neuen Armutideals, das seit dem XII. Jh immer wieder gefordert und nicht zuletzt durch Wanderprediger und die neuen Bettelorden seit Anfang des XIII. Jhs propagiert wurde. Päpste, wie Innozenz III., setzten das neue Ideal ein, um auf „friedlichem Wege“ Häretiker der unteren Schichten in den „Schoß der Kirche“ zurückzuführen.

5/Ich möchte betonen mir durchaus bewusst zu sein, daß die stoff-und faltenreiche Oberbekleidung in der Mode des XII. Jhs auch Formen zeigt, die einen Bindegürtel vortäuschen können. Es war wohl üblich die Tunika im Schritt in grosse Falten zu legen, wie beim Relief am Suedportal von Kloster Ilbenstadt in der Wetterau nach 1122, auch konnte sie einen Reitschlitz aufweisen, siehe Skulpturen der Kreuzabnahme von den Externsteinen oder das Pfeilerrelief aus Zürich in Das Reich der Salier, S. 493. Es gilt also genau hinzusehen.

6/Das „Patriziat“ ist der Stadtadel gewesen. Im Namen war er nicht immer durch ein „von“ gekennzeichnet. Konrad Grünemberg (c1442-94), Verfasser des Reiseberichts einer Pilgerfahrt nach Jerusalem 1486 war Baumeister, Ratsmitglied und mehrfach Bürgermeister, entstammte einem Patriziergeschlecht der Stadt Konstanz. Heute sind die Standessymbole der Patrizier, die „Geschlechter-Türme“ der Stadtburgen, zunächst in Holz, später in Stein errichtet, in manchen Städten Italiens und Dtlds, wie in Karden/Eifel, in Trier („Frankenturm“ um 1100) oder mehrfach in Regensburg, noch deutlich sichtbar. Scheinbar konkurrierten die adeligen Familien untereinander nach dem Motto „wer hat den höchsten...“.

7/Der Lehnsträger oder -nehmer war durch Treueid verpflichtet sich mit der ganzen Person in Rat und Tat für die Interessen des Lehnsherrn einzusetzen. Mannfall bedeutete den Tod des Lehnsträgers und der Erbberechtigte musste binnen eines Jahrs und Tags die Neubelehnung einholen. Es wurde verlangt, daß Pferd und Harnisch, Heergewäte oder Herwardium durch den Rechtsnachfolger des Verstorbenen herausgegeben wurde, das zeigt deutlich, daß Lehen und Ausrüstung nur zeitweilig im Besitz des Nehmers und Eigentum des Lehnsherren waren! Beim Herrenfall verstarb der Lehnsherr und der Lehnsträger hatte ein Geschenk in Form einer Gold- oder Silbermünze zu entrichten für die Recognitio als Vasall, dazu kamen die Kanzleigebühren für die Neuerstellung des Lehnsbriefs. Der Heimfall bedeutete eine grundsätzliche Neubelehnung, nachdem alle Rechte an den Lehnsherrn zurückgefallen waren, was aber wohl nur selten vorkam. Die Erbfolge wurde durch das Dienstmannrecht oder Manngutrecht geregelt, bei letzterem waren nur männliche Nachkommen erbberechtigt, bei erstem auch weibliche Verwandte als Kunkel- oder Weiberlehen, die aber eine „Vermannungspflicht“ hatten, um einen waffenfähigen Dienstmann zu stellen. Dazu wurden im Stift Essen z.B. im XIV. Jh Lehnprotokolle schriftlich fixiert. Durch Wegfall/Entfremdung vieler Lehen an Grund und Boden wurden sie dort später auch auf Ämter, Gerichtshoheit, Zehnte, diverse Einkünfte, Höfe, Bachläufe, Fischereien, Mühlen, etc. ausgedehnt. Noch im 18. Jh waren seit dem MA tradierte Symbole bei der Besitzergreifung des Lehens üblich, wie das Ausbrechen und die Übergabe eines Stückchen Holzes aus dem Türrahmen bei Übernahme eines Hofes, Übergabe eines Zweiges bei einem Waldstück, Torf bei einer Wiese oder Halm bei einem Feld, usw., siehe Küppers-Braun, Macht in Frauenhand. 1000 Jahre Herrschaft adeliger Frauen in Essen, S. 30ff.

8/Deschner, Kriminalgeschichte VII, S. 57.

9/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 337. Auch auf dem Land nahm der Geldverkehr mit Münzen seit dem 12./13. Jh zu, um Naturalabgaben von weit entfernten Höfen an die Grundherrn zu ersetzen, deren abgabepflichtiger Besitz oft weit im Reichsgebiet verstreut lag.

10/Jan Keupp, Mode im MA, S. 97/98 und nachfolgendem zu Eschenbachs Parzival Anf des XIII. Jhs S. 112. Manchmal scheinen die Autoren sprachgewaltig und mit klangvollen Worten Stoffe und Herkunftsorte der kostbaren Textilien zu übertreiben, um dem Publikum ästhetisch höchste imaginäre Genüsse zu gönnen.

11/Husty/Laub, Ars Sacra, S. 299. Die mittelalterlich norddt. Begriff für das Niellieren war „geblackmalet“.

12/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 137.

13/Kunde u Filip, Das Instrumentarium der Ersten Stifter: Physiognomie, Gebärden, Bekleidung, Schmuck, Waffen, in: Der Naumburger Meister, S. 984.

14/Grote-Maas, Stiftsmuseum Xanten, S. 68.

15/Baumwolle bereits Ende des XII. Jhs in Italien verwebt, im Nahen Osten weiter verbreitet, siehe Scott, Kleidung und Mode im Mittelalter, S. 58. (Lit. IX.-XII. Jh). Im XIV. Jh als Barchent, Mischung von Leinen und Baumwolle häufig genutzt, Produktion in Regensburg z.B. kurz nach 1380.

16/Egan, Dress Accessories 1150-1450 London, S. 48.

17/Zitat aus Fingerlin, Gürtel des hohen und späten Mittelalters, S. 57.

18/Delbrück, Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter, S. 287. Der Autor wird auch Seifried Helblinc genannt, man vermutet, daß der Name falsch interpretiert wurde und er uns mit seinem wahren Namen unerkannt bleiben wird.

19/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. II Katalog, S. 1036, siehe auch Ilse Fingerlin S. 57.

20/Jan Keupp, Mode im MA, S. 19 u 28/29, zur fiktiven Kleiderordnung Karls des Großen S. 41und weiter unten zur Judenkennzeichnungspflicht S. 121. Im Jahr 808 hatte Karl der Große ein „Aufwandgesetz“ erlassen, das regelte, wie viel jeder Stand für seine Kleidung ausgeben durfte. Wie sehr die Kirche sich durch ihre Maßregeln den Zorn der Bürger zuziehen konnte, ein Beispiel aus der Zeit der „Albigenserkreuzzüge“. 1211 wurde auf dem Konzil zu St. Gilles gegen die Einwohner der Grafschaft Toulouse verfügt, daß alle Bürger und Adeligen fortan keine modischen Kleider mehr tragen durften, sondern nur noch grobgewebte dunkelbraune Kutten, da sie, allen voran der Graf von Toulouse selbst, die Häretiker unterstützt und sich unbotmäßig gegenüber den Weisungen des Papstes gezeigt hatten. Neben anderen päpstlichen Maßnahmen verstärkte dies den Widerstand in der südfranz. Region [Deschner, Kriminalgeschichte d. Christentums, Bd. VII, S. 157].

21/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 137.

22/Haedeke, BERG und MARK, S. 35. Um 1150 musste Eggihard zu Haarhausen an seinen Grundherrn, die Abtei Werden, neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch Kessel und andere eiserne Geräte liefern. Das Schmiedehandwerk wurde von den Bauern im HMA/SMA vermutlich im Nebenerwerb betrieben und an den grösseren Herren-/Oberhöfen können diverse Handwerker vorausgesetzt werden, Schmiede waren unverzichtbar.

23/Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig, S. 44-58.

24/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. I, S. 474 u 505