V.-VIII. / IX.-XII. / XIII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh

Hist. Hintergründe und unsere Quellen:

Zu Beginn des Jahrhunderts wurden grosse Landstriche vom Elsaß zum Niederrhein und von Thüringen bis zum Harz durch den Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben verwüstet. Die Herrschaft des Welfenkaisers Otto IV. währte nur kurz, bis zur Schlacht von Bouvines gegen die stauf-franz. Allianz. Auch die Herrschaft Friedrichs II. brachte immer wieder Unruhen, da er das Reich zugunsten Unteritaliens stark vernachlässigte. Viele Zugeständnisse und Privilegien des Herrschers an die Fürsten erweiterte deren Macht erheblich.

Die Umwandlung von Marktflecken zu Städten mit Schutz, Freiheit, Recht und Verfassung setzte neue Impulse und führte Menschen auf engem Raum zusammen. Die Feudal- und Landesherren verstanden, daß ihnen Städte nicht die bekannten Abgaben in Naturalien brachten, sondern in Form von barem Geld, damit ließ sich gänzlich anders wirtschaften! Die Prozesse der Verstädterung bringen uns heute vermehrt Siedlungsfunde, die sich in den Grabungsschichten sicher datieren lassen. Krabath: „Nach einem geringen Aufkommen an Buntmetall vom IX.-XII. Jh. ist um 1200 eine drastische Zunahme in allen Bereichen festzustellen. Diese hängt ebenso mit technischen Innovationen zusammen, wie mit einem Zuwachs der Sachkultur und Stadtneugründungen.“1

Königen, Bischöfen und Hochadel wurden seit geraumer Weile Reliefs oder Gedenksteine errichtet, vor allem, wenn sie als fromme Stifter sakraler Bauprojekte galten. Lebensgrosse liegende Grabskulpturen aus Holz oder Stein erschienen in Frkrch seit der Mitte des XII. Jhs, im Reich ein wenig später, wie das Doppelgrabmal Heinrichs des Löwen mit seiner Gattin, nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1227-40, oder das Dedos, Markgraf der Lausitz nebst Gattin 1230-35. Meist wurden sie lange nach den Lebzeiten der Dargestellten errichtet. Ab der 2. Hälfte des XIII. Jhs entstanden sie auch unmittelbar nach der Beisetzung der Verstorbenen oder zu deren Lebzeiten, wie das Grabmal König Rudolf I. von Habsburg (reg. 1273-91) im Dom zu Speyer, das ausnahmsweise keinen kraftvollen jungen Mann, sondern einen vom Alter gezeichneten abbildet, da die Skulptur wohl unmittelbar nach seinem Abbild geschaffen wurde.



1. Hälfte XIII. Jh

- Spätromanische Formen -

XIII_1225c Kloster Schwarzach_Monatsallegorien_Bauern

Gürtel in der 1. Hälfte des XIII. Jhs

Gürtel in der 2. Hälfte des XIII. Jhs

Stoffgürtel mit Metallbeschlägen

Fibelreplikate XIII. Jh

Beutelhalter XIII./XIV. Jh


Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Beispiele unterschiedlicher Gürteltypen in der ersten Hälfte des XIII. Jh.:



1230 Paris

Bindegürtel traditioneller „franz.“ Art

vor 1221 „Atlant“ Kathedrale Reims

(„die arbeitende Bevölkerung“)

Gürtelbreite ca. 25 bis 30 mm, etwas mehr als ein Zoll

1225-35 „Ecclesia“ Strassburg

Gürtelbreite ca. 25 mm, eine Daumenbreite (Zoll)



Gürtelformen im XIII. Jh.:

In der ersten Hälfte des XIII. Jhs herrschte noch die stoffreiche „imperiale Modevor mit schweren, grossen und ausdrucksstarken Formen der Gürtel und Schnallen. Ab der Mitte des XIII. Jhs läßt sich anhand von „frühgotischen Bauwerken“ der neue französische Modestil in der Kleidung dokumentieren, der immer stärkeren Einfluß im Reich gewinnt. Der bei mittelalterlichen Darstellern beliebte „Langgürtel“ (bis zum Schienenbein) erfuhr erstmalig seine Ausformung, blieb als besonderer Schmuck der Gewandung aber auf den Adel beschränkt! Denn nur hier trugen sowohl Frau, als auch Mann lange Gewandungen. Die Gürtel der niederen sozialen Schichten waren erheblich einfacher gehalten. Die männliche Bekleidung war kürzer und damit auch der Gürtel. Er wies keine Spenglin oder Zungen auf.2 Auf Abbildungen zeigte sich bei jenen oft nicht mehr als ein Strich auf der Kleidung, als angedeuteter Gürtel, maximal oberschenkellang, reichte über das Knie nicht hinaus. Möglicherweise hatte die Länge mit dem verwendetem Material zu tun. Der Adel konnte sich exklusive Stoffgürtel leisten, deren Länge variabel war. Rindslederhäute wurden von den Rot-/Lohgerbern in erster Linie für die Schuhsohlen gegerbt, so daß für Gürtel, vor allem bei den einfacheren Schichten eher Leder von Ziege oder Schaf, aus der reichlich vorhandenen Kleintierzucht, mglw. auch Kalbsleder, den Vorzug gehabt haben wird, wenn der Bedarf der Pergamenthersteller und Weißgerber gedeckt war. Hinzu gilt es zu bedenken, daß alle Nutztierarten durchschnittlich kleiner waren als unsere heutigen Nutztiere, damit waren die Häute kürzer und auch dünner. Erst ab 1350 trieb man jährlich hunderttausende von Rindern aus Ungarn oder Dänemark ins Reich, die im Verhältnis grösser als unsere einheimischen Rassen beschrieben wurden, so daß die Lederproduktion mglw. vollkommen verändert wurde, siehe auch eigene Seite XIV.-XV. Jh. Erhaltene Ledergürtelreste des Spätmittelalters können Stärken bis zu 4 mm aufweisen, dazu werden aber entsprechend grosse Tiere benötigt.

Es gab kein Modediktat hin zu einem besonders schmalen oder breiten Gürtel, der Durchschnitt in der Breite lag bei Frauen eher bei 3 cm, in seltenen Fällen bei 2 cm. Männer trugen mit 3 bis 5 cm breitere Gürtel als Frauen. Von der Länge reichten sie vor allem adeligen Jugendlichen gelegentlich bis zu den Schienenbeinen, vor allem waren sie, neben dem offenen Haar, scheinbar ein deutliches Zeichen der Unberührtheit und Keuschheit von Juncfrouwen. Denn auch adelige Erwachsene trugen sie manchmal kaum länger als bis zum Knie. Hin und wieder zeigten adelige Männer auch längere Gürtel, benutzten aber Riemenschieber und/oder trugen die Gürtelzunge (wie bei einen modernen Gürtel) zur Seite, siehe Skulpturen in Ferrara, Magdeburg, Ebstorf, Braunschweig, Nordhausen, Straßburg oder St. Denis. Der soziale Stand war ablesbar am Gewand und bestimmte somit auch den Gürtel, die Qualität des Leders oder des Stoffs. Der Adel verwendete Bortenstrecker, Spenglin und Zungen (Senkel). Der Stoffgürtel, der im XII. Jh noch als reiner Bindegurt getragen worden ist, wurde nun mit einer Schnalle geschlossen und mit weiteren Metallteilen zur Stabilisierung kombiniert. Die meist stabförmigen Gürtelapplikationen dienten einem Zweck. Die Kombination von Stoffgürteln mit Metallen mag eine neue Modesitte aus Frankreich sein, die möglw. auf die häufige Verwendung von Seide hinweist, mit feinem Gold- oder Silberlahn durchzogen. Das waren Gürtel, die einer Stabilisierung bedurften. Seide wurde meist aus Italien importiert, könnte aber auch als Beutegut 1204 aus Konstantinopel stammen, das hauptsächlich nach Italien und Frankreich gelangte. Gürtelbeschläge behielten auch in den nachfolgenden Jahrhunderten ihren Nutzwert zur Stabilisierung, vor allem bei Stoffgürteln, nur das Formenspektrum erweiterte sich erheblich. So wurden im Spätmittelalter mehr runde ösenartige Spenglin verwendet, um das Trägermaterial z.B. an den Dornlöchern zu schonen.

Es ist Skulpturen und Abbildungen oft nur schwer zu entnehmen aus welchem Material der Gürtel bestand. Möglicherweise wurde nicht nur Stoff stabilisiert, sondern auch Leder. Gerade zu Repräsentationszwecken wurde feineres Leder verwendet, beim Adel oft Wild, wie es beim Schwertgurt üblich war. Denn nur der Adel besaß das Jagdrecht! Auf Anfrage fertige ich diese Gürtel, ohne Vermerk bleibt es beim Rind, was die grösste Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten läßt. Übrigens, die von uns heute angewendete beliebte Schlaufung nach der Schnalle ist an den Gürteln der Statuen des XIII. Jhs nirgendwo festzustellen [ab dem XIV. Jh. wird sie gelegentlich angewendet, aber sie ist nie (!) die Regel bei mittelalterlichen Gürteln]. Dünnes, weiches Leder fällt, ähnlich wie Stoff, auch ohne Schlaufung aus der Schnalle. Grundsätzlich waren Langgürtel Zeichen des gehobenen Standes, bei Mariendarstellungen auch Zeichen der Unberührtheit, so werden in deutlicher Anspielung auch die Juncfrouwen-Gürtel der oft als Quelle zitierten „Klugen und Törichten Jungfrauen“ an mittelalterlichen Domportalen zu erklären sein. Mit einem Langgürtel bewegte man sich gemessenen Schrittes, denn er diente, wie die dazu getragene Kleidung, Repräsentationszwecken. Die Alltagskleidung und der zugehörige Gürtel war einfacher.

In allen militärischen Belangen konnte das Leder nicht stabil genug sein. Das zeigen erhaltene Lederstücke in Zusammenhang mit der Kriegsausrüstung, dünne Lederstücke wurden doppelt vernäht, mglw. vor allem bei Verwendung von Schaf- oder Ziegenleder, beim Zaumzeug wurden auch dicke und breite Riemen aus Rindsleder zusammengefasst. Der grösste Teil der archäologisch nachweisbaren Eisen- und Rollschnallen, vor allem die grösseren Breiten, wird in der Regel dem Zaumzeug zugeordnet. Die Eisenschnallen von den Isenburgen in Hattingen und Essen im XIII. Jh weisen im Schnitt Durchlaßbreiten zwischen 4 und etwas über 5 cm auf.



Militärische und zivile Gürtel in der 1. Hälfte des XIII. Jhs

= Rekonstruktionen von Gürteltypen, die teilweise bereits im XII. Jh. aufkamen und sich noch eine Weile im XIII. Jh halten =


IX.

-

XV.

D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet. Über 90% des metallenen Fundmaterials bei den Grabungen auf den Isenburgen in Hattingen und Essen, datiert 1226-88, war aus Eisen. Der Rest verteilte sich auf Kupferlegierungen, Blei und Zinn. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind im HMA und SMA nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung, da vermutlich viele Bauern die Schmiedekunst im Nebenhandwerk betrieben, für alle militärische Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr. Wobei bei letzteren auch Rollschnallen mit Hülsen oder drehbarem Dornrast in Gebrauch waren, wie sie heute aus div. Material ebenso noch verwendet werden.

Grundsätzlich verwende ich Eisenschnallen häufig in den Breiten 20, 25, 30, 40 mm (siehe Seite IX.-XII.Jh.)



IX-XV_30_eis

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 39,00 EUR

[Schnalle flachstabig]



IX-XV_40_eis

40 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 49,00 EUR

[Schnalle flachstabig]


XII.

-

XIII.

Schwertgurt, Glasmalerei Bremen um 1250

Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der Schwertgurt für den Ritteradel

Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 75,00 EUR

Der weisse Gurt ist ausschließlich dem „Ritter“ vorbehalten. Im Reich bis zum Anf. des XIV. Jhs wird er nur geschlauft. In anderen Ländern sind auch Schnallen beim Rittergurt üblich.



Schwertgurt_02_natur

50mm Riemen Hirsch natur

bspwl. für Ordensbrüder

montiert 75,00 EUR

Dienstmannen, Servientes/Sergenten tragen wohl eher geschnallte Schwertgurte mit angenähten Schwertscheiden, ohne geschlaufte X-oder Z-Bindung, siehe „Kindsmörder“ vom Portal aus Arles von 1180, aus der Bilderbibel_Fkrch von 1200c, aus dem Kreuzgang der Abbey de Fontcaude des XIII. Jhs. oder dem Kristina Psalter_Daenemark von 1230.




1.

Hälfte

XIII.

Kreuzritterbibel Fol28r

Weiße Schwertgurte mit Schnallen und geschlauften X-oder Z-Bindungen in Frkrch üblich, wobei auch dort durchaus reine Bindegurte ohne Schnallen zu finden sind. Hingegen ist die Schnalle am weissen Rittergurt vor 1300 eine westeurop. Besonderheit, die sich gerade in dieser franz. Handschrift dokumentiert, weshalb dt. Darsteller gut abwägen sollten, was sie daraus entlehnen.

Kreuzritterbibel Fol29v



XII-XIII_07_me

30 mm Riemen (weiß)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm (siehe rechts)

montiert 85,00 EUR

weißer Gurt „franz. Art“ mit Schnalle



XII-XIII_09_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen schwarz

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 85,00 EUR

die Rauten-Beschlagzieren können auch als Spenglin „Nr. 7041“ optional auf dem gesamten Gürtel verwendet werden



1.

Hälfte

XIII.

Schnalle XII.-XIII. Jh.

Quelle: Winchester Grabung,

schlichter Typus, auch im Reich geläufig, siehe

Zierbeschlag nach D. Ellger (Hrsg.), Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des Mittelalters in Westfalen I, 1979

und Funde der Burg Wartenberg/Hessen



XII-XIII_05_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 85,00 EUR




XII-XIII_06_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 6,5 x 2,2 cm

montiert 90,00 EUR




1.

Hälfte

XIII.

Nach Krabath sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar. „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.“3



XII-XIII_01_me

mit einfachem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR




XII-XIII_03_me

mit verziertem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR


1.

Hälfte

XIII.



Schnallen mit kleinen Eckkugeln oder „Hörnchen“ stammen wohl aus dem XII. Jh., erfreuen sich aber im gesamten XIII., vereinzelt noch bis ins XIV. Jh., hoher Beliebtheit.

Magdeburg 1240-50




XIII_023_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR



XIII_024_me

mit Streckern „Nr. 7060“ auf Anfrage


Mitte

XIII.



XIII „Legende v St Denis“_Chartres

Vom Ende des XII. (Bspl. Nyon) bis zum XIV. Jh. werden häufig einfache stabförmige und langrechteckige Formen von Bortenstreckern verwendet. Sie dienen dazu Stoff- oder feine edle Ledergürtel zu spreizen und in Form zu halten.



XIII_007_me

30 mm breites, edles dünnes Leder (dunkelbraun)

und Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

mit ca. 25 Spenglin „Nr.6808“

montiert 149,00 EUR


XIII_012_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen dunkelbraun

und Senkel_me 9 x 2,5 cm

montiert 85,00 EUR


Mitte

XIII.



Nach dem Fund aus der Judengasse 10 in Salzburg. Die metallenen Gürtelteile wurden mit über 28000 Münzen (!) geborgen, deren älteste aus der 1. Hälfte des XIII. Jhs stammt und die jüngste um 1290 geprägt wurde. Die Gürtelteile zeigen deutliche Abnutzungsspuren und Reparaturstellen, deshalb werden die Gürtelteile auf die Mitte des Jhs datiert. Der Gürtel hatte Riemenschieber, die von hochmittelalterlichen Darstellern eher abgelehnt werden, verständlich, da es bei Reenactern aller Epochen inzwischen üblich geworden ist nach der Schnalle spätmittelalterlich zu schlaufen.


XIII_005_me

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel [ergänzt]_me 5,5 x 4,5 cm

montiert 139,00 EUR

Spenglin „Nr.6878“ auf Anfrage

Im Original Silber mit Niello („geblackmalet“) aus Silber-, Kupfer- und Bleisulfiden, nicht in römischer, sondern byzantinischer Technik, seit dem XI. Jh. im Westen nachweisbar.4



XIII_006_bz

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 5,5 x 4,5 cm

montiert 149,00 EUR





Hist. Hintergründe und unsere Quellen:

Mit dem Untergang des staufischen Königshauses verlor das Reich seinen Einfluß in Italien. Frankreich, das engl. Besitzungen auf dem Kontinent und die staufischen Gebiete in Süditalien (hier allerdings nur die Herrschaft der Anjou, ohne Ansprüche des franz. Königs) übernommen hatte, wurde tonangebend die kulturelle Macht in Europa. Frankreich fasste zweimal soviel Einwohner wie das Reich. (Mit der kulturellen Entwicklung Frkchs und später auch Nieder-Burgunds konnte man auf Reichsgebiet in vielen Belangen erst im XVII.-XVIII. Jh gleichziehen durch die Integration der religiös und politisch verfolgten Auswanderer.)

Während die dörflichen Gemeinschaften Selbstproduzenten waren in einer Naturalwirtschaft von Tauschhandel und Abgaben, vergrösserte die zunehmende Verstädterung die Bürgergemeinden, die nicht mehr alles selbst produzieren konnten, was sie zum Leben benötigten. Das brachte neue wirtschaftliche Verhältnisse/Abhängigkeiten, Rechts-, Geld- und Handelssysteme hervor, durch die eine aufstrebende soziale Schicht zu einem gewissen Wohlstand gelangte, der „Mittelstand“ wurde geboren. Er pflegte, ähnlich der adeligen Eliten, eine verfeinerte Kultur.

In den nordfranzösischen Bischofsitzen hatte sich ein neuer Baustil entwickelt [der Begriff „Gotik“ wird erst Jahrhunderte später verwendet]. Franz. Sitten, Mode und die Baukunst „opus francigenum“ prägten das Reich, darunter auch himmelwärts strebende, oftmals waghalsige, steinerne Bauprojekte, durch Bürger und Adel mitfinanziert, um sich das Seelenheil zu erkaufen. Sie waren Ausdruck einer neuen Volksfrömmigkeit und des erwachten Standesbewußtseins. Die Adeligen ließen ihre Spenden sichtbar Gestalt werden, indem deren Wappen in den Schlussteinen der Gewölbe angebracht wurden. Während die kleineren „bürgerlichen“ Projekte fertig gestellt wurden, konnten die ehrgeizigen Kathedralprojekte der Bischöfe, trotz der Tätigkeit mehrerer Generationen, vielfach nicht vollendet werden, vor allem die Türme wurden, wie in Köln, Ulm oder Regensburg erst im XIX. Jh errichtet. So haben Gottesdienste in manchen Städten auf „Dauerbaustellen“ stattgefunden. Wir erhalten reichhaltige Quellen in Form von Skulpturen in wirklichkeitsgetreuer und detaillierter Darstellungsweise. Daneben eignen sich als Quelle auch Abbildungen, meist mit sakralem Hintergrund, vor allem in der Buchmalerei oder als große Wandfresken. Auch die bunten Glasfenster in den Kathedralen können teilweise als Quelle herangezogen werden, für Darsteller unterer sozialer Schichten z.B. bei Abbildung von Steinmetzen interessant.

Die Verstädterung wird Kleiderordnungen mit sich bringen, mit der Vorgabe was jedem Stand angemessen war, um soziale Grenzen deutlich aufzuzeigen.

1287 ließ der Regensburger Patrizier Heinrich Zant das erste Patriziermausoleum mit einem Hochgrab auf dt. Boden errichten. Diese Selbstdarstellungen des niederen Adels oder des Patrizier-Bürgers sollten nun zunehmen, nach Anregungen aus Italien mit seiner ausgeprägten Stadtkultur. Politisch begehrten diese Schichten auch in Dtld auf, erhoben sich zur Not auch gegen Bischöfe und Fürsten, um ihre Ansprüche durchzusetzen.

2. Hälfte XIII. Jh

- Frühgotische Formen -

Magdeburger Jungfrauen 1240-50, Patriziertöchter im Stil der neuen französischen Mode

...Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ Matthaeus 25, 13



Zivile Gürtel in der 2. Hälfte des XIII. Jhs

Stoffgürtel mit Metallbeschlägen

Fibelreplikate XIII. Jh

Beutelhalter XIII./XIV. Jh


Rinke = Schnalle / Spenglin = Riemenbeschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Zäsur Romanik - Gotik

Das XIII. Jh. war eine starke Umbruchzeit. Die Kreuzzüge und die Berührungen mit dem Islam zeigten vielfältige Folgen. In der Architektur galt, angeregt nicht zuletzt durch maurische Formen, die Einführung des „opus francigenum“ als entscheidend, des neuen französischen Kathedralbaustils (später als „Gotik“ bezeichnet), der in der dt Architektur regional sehr unterschiedlich mit Abwandlungen faßte. In diesem Zusammenhang wurden Skulpturen detailliert und naturgetreu erstellt, die uns Einblicke in die neuen „franz. Modeströmungen“ geben. Sie werden nicht der Spiegel der Alltagskultur in Dtld sein, da franz. Werkmeister vermutlich nach Musterbüchern arbeiteten. Aber diese Mode wurde bewundert und hat die als altertümlich empfundene dt. imperiale Mode spätestens bis zum Beginn des XIV. Jhs in vielen Details gewandelt.

1137 wurde mit der Abteikirche der Benediktiner in St. Denis der erste „gotische“ Kathedralbau begonnen, franz. Frühgotik. Es folgten in der 2. Hälfte des XII. Jhs die Kathedralen in Sens, Noyon, Senlis, Laon, Paris, Bourges, Chartres und Soisson.

1212-95 Bau der Kathedrale von Reims im franz. Hochgotischen Stil im XIII. Jh, ebenso die Kathedralen in Rouen, Dijon, Beauvais oder Albi.

1209-63 Bau des Doms zu Magdeburg, erster rein gotischer Bau im östlichen Deutschland. In Österreich ließ Herzog Leopold VI. neben seiner Residenz in Klosterneuburg die „capella speciosa“ errichten. 1222 geweiht, war es der erste Bau gotischer Prägung in Österreich. 1799 wurde er abgerissen. Ab den 30er bis 40er Jahren systematische Anwendung von gotischen Elementen in Toul, Verdun, Metz und Trier, es folgten Marburg, Straßburg und Köln. Angeblich sollten die Bürgeraufstände in den 30er Jahren gegen Erzbischof und Kathedralkapitel in Reims zur erheblichen Ausbreitung des neuen franz. Stils in Europa beigetragen haben. Denn es wanderten Steinmetze, die an der Reimser Kathedrale gearbeitet hatten, teilweise ins Reich.5 Die weit fortgeschrittene franz. Plastik wurde in Dtld zum Vorbild bsplw. in Bamberg, Halberstadt, Magdeburg, Straßburg, Mainz, Naumburg oder Meißen. Die Gotik fasste in Dtld mit den Frühformen in der 2. Hälfte des XIII. Jh., vornehmlich aber erst im XIV. Jh. In der Ablösung des spätromanischen Stils waren die neuen Formen in der Alltagskultur im Detail, beispielsweise in der Fibel- und Gürtelmode mit Mehrpaßformen erkennbar, abgeleitet vom architektonischen Maßwerk, das immer grössere Beliebtheit im XIV. Jh erlangte.



vor 1237 „Ecclesia“ Dom Bamberg

einer der seltenen ungewöhnlich schmalen Gürtel in dieser Zeit von nur 15 bis 20 mm

1240-50 Magdeburg

langer Stoffgürtel mit Metallschnalle

Patriziertochter, Breite ca. 30 mm

um 1245 Markgraf „Ekkehard“ Naumburg

(Kein lebensechtes Porträt, denn die Stifterpersonen des XI. Jhs wurde in der Kleidung Mitte des XIII. Jhs dargestellt)

ca. 40 mm breite Leibgurt des Hochadeligen mit Spenglin und für das Schwert der standesgemäße Bindegurt

Die Gürtel des höfischen Gewandes bestanden aus feinem Gewebe, das durch Bortenstrecker in seiner Form gehalten wurde.“6




Zivile Gürtel in der 2. Hälfte des XIII. Jhs




2.

Hälfte

XIII.






XIII_001_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

montiert 99,00 EUR

[Die Bleche werden in der 2. Hälfte des XIII. Jhs deutlich länger, siehe Funde von der Burg Wartenberg vor 1265]




XIII_002_me

mit Spenglin Lo ab 1270

Nr.6879“ auf Anfrage

hier Riemen natur

XIII_011_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 12 x 3 cm

montiert 99,00 EUR

+ Beutelhalter montiert 129,00 EUR

Spenglin Lo ab 1270 „Nr.6879“ auf Anfrage








2.

Hälfte

XIII.





Schnallen mit kleinen Eckkugeln oder „Hörnchen“ auf der Dornrastseite, Perlstab, profiliertem (siehe nachfolgende Beispiele) oder geradem Dornrast bleiben bis ins XIV. Jh. recht beliebt.

Magdeburg 1240-50

auch an den Straßburgen Skulpturen 1280-90 findet sich dieser Schnallentyp noch recht häufig, ebenso in Nürnberg, „Grabplatte der Anna Groß“, gest. 1294, s.u.



XIII_014_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen natur, geölt

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR



XIII_030_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

älterer Schnallentyp mit Blech 2. Hälfte XIII

und Senkel_me 3,7 x 2 cm

montiert 75,00 EUR

Das eingekerbte Schnallenblech findet sich bereits am Gürtel einer „Klugen Jungfrau“ in Magdeburg vor 1250 oder an der Riemenzunge der Skulptur des Pfalzgrafen Heinrich II. in Maria Laach um 1275.








2.

Hälfte

XIII.





Typ Perlstab ab Mitte XIII. Jh.



XIII_013_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR



XIII_013_me

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]








2.

Hälfte

XIII.





oval profiliert 2. Hälfte XIII. Jh.

z.B. Typ Burg Wartenberg vor 1265



XIII_029_me

mit verziertem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und verziertem Senkel_me 3,7 x 2 cm

montiert 75,00 EUR



XIII_029_me

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]










2.

Hälfte

XIII.





oval profiliert 2. Hälfte XIII. Jh.



Spenglin „Rautenlilie“ orig. Raffenburg, Hagen (FO)

als Spenglin „Nr. 7734“

ab 2. Hälfte XIII. Jh.





XIII_026_me

mit verziertem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und verziertem Senkel_me 6,2 x 1,9 cm

montiert 69,00 EUR

Spenglin Rautenlilie „Nr.7734“ auf Anfrage



XIII_028_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,2 x 1,9 cm [gleicher Typ links]

mit Streckern „Nr. 7060“ auf Anfrage








2.

Hälfte

XIII.



ab Mitte XIII. bis ins XIV. Jh.




XIII_020_me

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 55,00 EUR


V

XIII_022_me

mit Spenglin Dreipaß „Nr.7943“ auf Anfrage










2.

Hälfte

XIII.




XIII_021_me [Blech mit Wellenschliff]

15 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 59,00 EUR

Spenglin Dreipaß „Nr.7943“ auf Anfrage

XIII_027_me

mit Spenglin alternativ

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]












2.

Hälfte

XIII.

Typ 2. Hälfte XIII. Jh bis Mitte XIV. Jh



XIII_033_me

[Blech mit Wellenschliff]

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 9 x 2,5 cm

montiert 69,00 EUR

XIII_008_me

30 mm breites, edles dünnes Leder (dunkelbraun)

und Senkel_me 8 x 2,5 cm

mit ca. 25 Spenglin „Nr.6808“

montiert 149,00 EUR








2.

Hälfte

XIII.

Manesse um 1310 mit den Formen zum Ende des XIII. Jhs. Hier ein breiter Männergürtel, wohl mit Riemenschieber, denn das lange Zungenstück ist deutlich zur Seite geschoben. Eine Schlaufung ist nicht erkennbar.




XIII-XIV_001_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 8 x 2,5 cm

montiert 95,00 EUR


[Zunge mit abgerundetem Ende nach Fund auf Isenburg, bzw. Neu-Isenburg vor 1288, Rosette „Nr. 7010“ ergänzt]






XIII-XIV_001_me

die Rosetten können auch als Spenglin „Nr. 7010“ auf dem gesamten Gürtel verwendet werden, hier in Kombination mit Strecker „Nr. 7061“

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]



Darstellerinnen für das Ende des XIII. Jhs, bzw um 1300 mögen auch auf die XIV. Jh.-Seite schauen, da dort die schmaleren Manesse-Gürtel zu finden sind, die vom Formenspektrum durchaus noch ins XIII. Jh. verweisen. Grundsätzlich haben wir um 1300 eine Phase, in der Gürtelzieren als Spenglin sehr beliebt waren, häufig mit alternierenden Formen. Auch wurden Frauengürtel des Adels in dieser Zeit recht hoch in der Taille getragen, vor allem Madonnenstatuen zeigen diese hohe Tragweise, damit bei ihnen Langgürtel als Ausdruck von Keuschheit und Reinheit, besonders zur Geltung kommen.



alternierend beschlagener Gürtel

mit Rauten und Streckern

Grabplatte der Anna Groß“, gest. 1294

Patrizierin, Nürnberg um 1300

alternierend beschlagener Gürtel

mit Rauten und Streckern

Madonna“ Freiburg um 1300



Benediktinische Liederhandschrift aus dem frühen XIII. Jh.

Stoffgürtel mit Metallteilen ...“von Männern und Frauen in gleicher Weise getragen...“ 7

Seifried Helbling spottete in der 2. Hälfte des XIII. Jhs in Österreich mit der Anmaßung der Ministerialen über die Unmöglichkeit einen „Bauern“ zum Ritter zu machen: „...der Schild möge dem Bauern in diesem Augenblick zum Streichbrett des Pfluges, das Schwert zur Pflugschar, der ritterliche Seitenbeutel zum Säetuch, die Gürtelborte zum hanfenen Futterstrick sich wandeln.“8



Stoffgürtel mit Metallbeschlägen ab Mitte des XIII. Jhs








Stoff-

gürtel

XIII.

Oft wurden seidene Stoffgürtel für den Hochadel broschiert oder mit Silber- und Goldfäden durchzogen. Wenige Exemplare sind erhalten, die als kostbare Erbstücke und besondere Schatzfunde überdauerten.

Norddtld, Seidenbrokat mit vergoldeten Silberfäden, Bortenstrecker Silber vergoldet mit Halbedelsteinen XIII.-XV. Jh. (heute in Kopenhagen)

Aufwändige Almosenbeutel mit Silber- und Goldfäden, Perlen und farbigen Steinen wurden im XIII. Jh in Pariser Werkstätten (Faiseuses d`Aumonières Sarrazinoises) nach importierten Mustern aus dem Orient gefertigt, von dort aus gelangten solche Luxusartikel an die Höfe Europas.9 Ein kostbarer Gürtel in dieser Art befand sich im Grab des kastilischen Kronprinzen Ferdinand de la Cerda im Kloster Las Huelgas/Burgos, gefertigt wohl um 1260 in Frankreich, als Geschenk an seine franz Mutter Blanche, Tochter von Ludwig IX.



Magdeburg 1240-50




XIII_100_me Stoffgürtel

30 mm Leinenborte

mit Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

ohne Bortenstrecker

montiert 110,00 EUR




Seidenborten auf Leinengrund wurden ab dem 13. Jh in Köln gewebt. Kennzeichen waren individuelle Wappen als vorherrschendes dekoratives Element. Somit waren es Auftragsarbeiten des Adels. Funde aus dem bürgerlichen Umfeld von London, Keramikphase 9 (ab 1270), zeigen Gürtel in Brettchenwebtechnik. Unsere Leinenborten wurden in Brettchenwebtechnik erstellt und nicht in Leinwandbindung, sind also eher mittlerer sozialer Schichten zuzuordnen und nicht der Welt des Adels; zumindest konnte damit keine repräsentativen Bedürfnisse gestillt werden. Nur selten läßt sich Leinen archäologisch nachweisen, da die Pflanzenfasern im Boden recht schnell vergehen. Seifried Helbling (siehe Zitat oben) gibt uns einen Hinweis, daß eine Borte auch aus Pflanzenfasern bestanden haben könnte. Auf jeden Fall kommt man mit keiner Kleiderordnung in Konflikt und bedenket der „maze, wenn selbst der „Gürtel Marias“, im Domschatz zu Aachen als Reliquie aufbewahrt, aus einfachem ungefärbtem Leinen bestand! Ein Fund der Isenburg, Hattingen aus der Zeit vor 1225 besteht aus einer Schnalle mit Borte in Leinwandbindung und einfachen Stabstreckern. Der Fund aus Colmar, 1. Hälfte XIV. Jh, wurde in Leinwandbindung ausgeführt mit Schußfäden aus Baumwolle10 und Kettfäden aus Goldlahn, viele Beschläge in Form von quadratischen Lilienblüten stützten das Gewebe. Stoffgürtel wurden auch in den nachfolgenden Jahrhunderten häufig getragen, die edlen Varianten des Spätmittelalters sollten monochrome Samt- oder Atlasbindungen nachahmen.11










Stoff-

gürtel

XIII.

Magdeburg, Patriziertochter 1240-50

An Bortenstreckern wurde zuweilen nicht gespart.

Deshalb rate ich Darstellern beschlagene Stoffgürtel möglicherweise als Projektgürtel anzusehen, mit zunächst weit gesteckten Streckern, um nach und nach in die Zwischenräume Ergänzungen durch weitere Strecker oder Rosetten einzufügen. Auch eine schlußendliche rückwärtige Stabilisierung durch ungefärbtes Leinen, wie beim Modell Kopenhagen, s.o., scheint mir durchaus sinnvoll, für Schwertgurte auch aus Leder wie bei Sancho IV. von Kastilien nach 1295.

XIII_053_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7061“

montiert 149,00 EUR



XIII_061_me Stoffgürtel mit Noppenschnalle

20 mm Borte hellbau/blau

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7060“

montiert 110,00 EUR

- momentan nicht lieferbar -










Stoff-

gürtel

XIII.



Rautenmuster und Kreuzschraffuren auf den Borten waren im XIII.-XIV. Jh. recht beliebt, siehe z.B. Tasche abgebildet in der Kreuzfahrerbibel_Fol29v oder in der Manesse.

..., dass Gürtelborten des 13. Jhs als repräsentative Accessoires auffallend lang waren und Rautenmuster bevorzugt verwendet wurden...“12



XIII_051_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7009“

montiert 139,00 EUR



XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR







Borten_Farbmuster

(blau-gelb / rot-gelb / grün-rot / rot-grün)

Auch Leinen galt in manchen Bereichen Europas lange Zeit als exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern können, wie unsere Exemplare, mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern.

XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster links)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR

XIII_052_me

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]



Fibelreplikate XIII. Jh






XII.

-

XIII.







Fibel für den Kragenschlitz

Einfache flache Ringfibel mit gezacktem Ornament. Ein Typus vom Ende des XII. Jhs., Laufzeit bis in die erste Hälfte des XIII. Jhs.



XII-XIII_Ringfibel_me

innen 1,5 cm / aussen 2,5 cm

10,00 EUR

- momentan nicht lieferbar -








XIII.








Fibel für den Kragenschlitz

[östlich des Rheins erscheinen gotischen Formen in der 2. Hälfte des XIII., bzw. 1. Hälfte des XIV. Jhs, abhängig von der regional unterschiedlichen Übernahme der gotischen Bauformen mit ihren neuartigen Skulpturen und Ornamenten]

Eva m Schlange“ Nordquerhaus Reims

um 1220



XIII_Vierpassfibel_me

innen 2,5 cm / aussen 3 cm

20,00 EUR






ab

Mitte

XIII.








Fibel für den Kragenschlitz


Kragenfibel mit häufiger Verbreitung

in der 2. Hälfte des XIII. Jhs.

nach Haedecke Abb. 184



XIII_Kragenfibel_me

innen 2,2 cm / aussen 3,6 cm

15,00 EUR

(die Nadel ist stabiler als hier abgebildet)



Beutel- und Taschenhalter XIII./XIV. Jh

Diese Halter dienten dazu das „teschelin“ oder franz. „bourse“, den Almosenbeutel am Gürtel zu befestigen. Frühen Abbildungen nach sind sie zunächst dem Adel zuzuordnen. Das Verteilen von Almosen war keine reine Nächstenliebe, sondern diente der Rettung des eigenen Seelenheils, neben Sach- und Güterstiftungen oder Stiftungen für Messen und Gebeten. In den Stadtgrabungen, also in der bürgerlichen Sphäre, tauchen sie erst im XIV. und XV. Jh auf.





















W01_zi

ca. 2 cm im Duchmesser

für Riemenbreiten ab 20 mm

10,00 EUR

[eine der ältesten archäolog. nachweisbaren Formen, siehe London Nr. 1193]





W02_me

Raute ca 3 cm hoch + Befestigung

für Riemenbreiten ab 15 mm

20,00 EUR

[Datierung ins XIII.-XIV. Jh nach ähnlichen zeitgleichen Rauten-Schlüsselformen]




W05_me

ca. 2 cm Durchmesser mit unterschiedl. Aufhängungen

Riemenbreiten ab 15 mm möglich

je. 10,00 EUR

[einfache Ringformen kommen in me oder zi bei archäolog. Stadtgrabungen zutage und werden deshalb im XIV.-XV. Jh auch von Bürgern getragen worden sein und dienten zur Befestigung von Beuteln und paarig von Taschen]














M05_me

5 cm lang

für Riemenbreiten von 15 bis 30 mm

20,00 EUR

[archäologisch in der bürgerlichen Sphäre Londons ab dem XIV.-XV. Jh nachweisbar, vorher, Abbildungen nach, ausschließlich vom Adel getragen]



M06_me

7,5 cm lang für Riemenbreiten ab 30 mm

35,00 EUR stabile Vollmessingausführung

auch in Bronze erhältlich (XIII-XIV_M07_bz)

[einfachere Ausführung, aber in der Form ähnlich zum Halter im Grab des kastilischen Infanten, gest. 1275, Strecker ähnlich zu denen der Madonna in Mainz 1250c]





Die Gürtel auf dieser Seite stellen nur eine Auswahl dar. Die Schnallen-Präsentation am Stand ist umfangreicher, aber ändert sich saisonal:





XIII. Jh bz u me



Quellen und weiterführende Literatur:

- Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog Westfäl. Landesmuseum Herne, Mainz 2010.

- Delbrück, H.: Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter (Erstauflage 1901), Nachdruck der Neuausgabe Hamburg 2008.

- Dupeux, C.: Das Museum Oeuvre Notre-Dame, Paris 1999.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Grote, U. u Maas, E.: Auswahlkatalog Stiftsmuseum Xanten 2010.

- Haedeke, H.-U.: Schmuck aus drei Jahrtausenden. Sammlung Hanns-Ulrich Haedeke, Köln 2000.

- Humburg, N. u Schween, J. (Hrsg.): Die Weser – Ein Fluß in Europa. Bd. 1. Leuchtendes Mittelalter, Holzminden 2000.

- Husty, P. u Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Köln-Weimar-Wien 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H./Egger, H./Winkler, G.: 800 Jahre Franz von Assisi. Franzisk. Kunst u Kultur des MAs. NÖ Landesaustellung in Krems-Stein 1982.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Wald-Michelbach 1998.

- Puhle, M. (Hrsg.): Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom u d späte Stauferzeit. Katalog Landesausstellung Sachsen-A., Mainz 2009.

- Siebert, G. (Hrsg.): Der Naumburger Meister. Bildhauer u Architekt im Europa d Kathedralen. Ausstellungskatalog 2 Bde 2011.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.



V.-VIII. / IX.-XII. / XIV. / XIV.-XV. / XV. / XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 337. Auch auf dem Land nahm der Geldverkehr mit Münzen seit dem 12./13. Jh zu, um Naturalabgaben von weit entfernten Höfen an die Grundherrn zu ersetzen, deren abgabepflichtiger Besitz oft weit im Reichsgebiet verstreut lag.

2/In London, also in einer bürgerlichen Sphäre, stammen nur wenige Zungen aus dem XIII. Jh, Egan, Dress Accessories, S. 126.

3/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 137.

4/Husty/Laub, Ars Sacra, S. 299. Die mittelalterlich norddt. Begriff für das Niellieren war „geblackmalet“.

5/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. I, S. 474 u 505

6/Kunde u Filip, Das Instrumentarium der Ersten Stifter: Physiognomie, Gebärden, Bekleidung, Schmuck, Waffen, in: Der Naumburger Meister, S. 984.

7/Zitat aus Fingerlin, Gürtel des hohen und späten Mittelalters, S. 57.

8/Delbrück, Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter, S. 287. Der Autor wird auch Seifried Helblinc genannt, man vermutet, daß der Name falsch interpretiert wurde und er uns mit seinem wahren Namen unerkannt bleiben wird.

9/Grote/Maas, Stiftsmuseum Xanten, S. 68.

10/Baumwolle bereits Ende des XII. Jhs in Italien verwebt, im Nahen Osten weiter verbreitet, siehe Scott, Kleidung und Mode im Mittelalter, S. 58. (Lit. IX.-XII. Jh). Im XIV. Jh als Barchent, Mischung von Leinen und Baumwolle häufig genutzt, Produktion in Regensburg z.B. kurz nach 1380.

11/Egan, Dress Accessories 1150-1450 London, S. 48.

12/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. II Katalog, S. 1036, siehe auch Ilse Fingerlin S. 57.