V.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV.-XVI. Jh

Historischer Kontext:

In Italien zogen die bischöflichen Verwaltungszentren immer mehr Kaufleute an. „Innovationen bei Geräten und Techniken des Ackerbaus und die immer erfolgreichere Verwaltung der Ländereien vor allem durch Klöster lieferte Ernteüberschüsse, die nicht nur Leibeigene, Pachtbauern und ihre Feudalherren, sondern auch eine Stadtbevölkerung zu ernähren vermochten. Die Städte stellten wiederum Arbeitskräfte und Handwerker, die landwirtschaftliche Geräte, Kleidung und Luxusgüter produzierten, sowie Händler, die solche Waren einführten.“1 Geldwirtschaft und gesteigerte Produktion weiteten die Handelsnetze.

Die salische Königsmacht stützte sich, ähnlich wie die der Ottonen, u.a. auf das Reichskirchensystem. Bischöfe aus adeligem Haus mit hervorragender Bildung, oft mit den Königen verwandt, wurden eingesetzt um königl. Interessen zu unterstützen. Sie übernahmen Aufgaben in der Reichsverwaltung, fungierten als Diplomaten und hatte auch militärische Macht inne. Im Gegensatz zum Adel konnten sie ihr Amt nicht an Nachkommen vererben! Bei ihrem Ableben machten sie den Platz frei für einen neuen Günstling des Herrscherhauses. Somit traf der Streit um die Investitur eine empfindliche Stelle des hochmittelalterlichen Machtgefüges.



1025-1250

- Romanik -

= Seite in Bearbeitung =

Gürtel der Salierzeit 1025-1125 (auf dieser Seite später mal oben)

Gürtel der Stauferzeit 1125-1250 (auf dieser Seite unten)


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die Salierzeit:

Für das Reichsgebiet2 wurde die schwierige Quellenlage, aufgrund mangelnder Grabfunde, bereits auf der vorhergehenden Seite erläutert. Meist sind wir auf Burg- (Motten-) und Siedlungsgrabungen angewiesen. Häufig stehen wir rechtsrheinisch und nördl. der Donau erst am Beginn einer Verstädterung, so daß hier weniger Ergebnisse vorliegen als in den nachfolgenden Jahrhunderten. Diese Ortschaften bestanden in der Mehrzahl aus Holzhäusern, mglw. durch eine Wall-Palisadenanlage geschützt, in der Handwerk und Landwirtschaft betrieben wurden, da dörfliche Strukturen überwogen. Ein Markt oder eine Münzstätte konnten, neben verkehrsgünstiger Lage, den Aufschwung bewirken. Die ehemals römischen Stadtgründungen in Süd- und Westdtld stehen, falls die Besiedlung dauerhaft war, ähnlich wie in Italien und Frankreich, in einer gewissen Kontinuität und ergeben demnach zeitlich breiter gestreute Funde.

Grundsätzlich gilt für den Gürtel, daß die Anzahl der exakt datierten archäologischen Schnallenfundstücke gering ist, gemessen z.B. an der hohen Anzahl von Preßblech-, Scheiben- oder Emaillefibeln dieser Zeit. Letztere dienten in den ansonsten, bis auf Pilgerutensilien, beigabenlosen Gräbern wohl als Leichentuchverschlüsse. Senkel sind in diesem Zeitraum auf dem Reichsgebiet ausserordentlich seltene Funde. Sporen und Zaumzeugteile sind aber durchaus vorhanden und dienen nicht selten, ähnlich wie Keramik, als Leitdatierung. Metalle scheinen in der Gürtelmode selten zu sein. Eine Erklärung könnten byzantinische Modeformen sein, mit einer hohen Anzahl von Bindegürteln, s.u., nach klassischem Schema wie bei Griechen und Römern üblich und Vorbildern aus dem islamischen Kulturkreis, die wiederum vom Fernen Osten geprägt wurden, allesamt ohne Schnalle und Senkel auskamen.

Skulpturen aus dem XI. Jh sind selten, eher grobschlächtig und machen zur Gürtelmode in der Regel kaum Aussagen, wie das Steinrelief der Münsterpatrone in Brixen. Er zum XII. Jh sollten sich die Belege mehren, siehe unten ...








Mode in der Salierzeit (höfische u hochbürgerliche Formen):



Gürtelformen der niederen Bürger und des einfachen Volkes in der Salierzeit:




Gürtelrekonstruktionen der Salierzeit 1025-1125


XI

-

XIII

Bauer, Handwerker

D“-förmig Eisen original Forchheim XI.-XV. Jh.

Eisenschnallen wurden universell über mehrere Jahrhunderte verwendet. Über 90% des metallenen Fundmaterials bei den Grabungen auf den Isenburgen in Hattingen und Essen, datiert 1226-88, war aus Eisen. Der Rest verteilte sich auf Kupferlegierungen, Blei und Zinn. Flache und rundstabige D-Formen oder eckige Varianten sind im HMA und SMA nachweisbar und gut geeignet für alle einfachen Darstellungen, z.B. von der ländlichen Bevölkerung, da manche Bauern die Schmiedekunst im Nebenhandwerk betrieben, für alle militärische Zwecke und natürlich, wie eh und je, für das Pferdegeschirr. Wobei bei letzteren auch Rollschnallen mit Hülsen oder drehbarem Dornrast in Gebrauch waren, wie sie heute noch sehr ähnlich verwendet werden.



IX-XV_30_eis

30 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 45,00 EUR

[Schnalle flachstabig]



IX-XV_40_eis

40 mm Riemen (natur od. dunkelbraun)

montiert 55,00 EUR

[Schnalle flachstabig]


XII

-

XIII

Schwertgurt, Glasmalerei Bremen um 1250

Schwertgurt_01_wß

cingulum militare“,

der Schwertgurt für den Ritteradel

Bindegürtel „deutsche Art“

(hier mit „X“-Bindung)

montiert 85,00 EUR

Der weisse Gurt ist ausschließlich dem „Ritter“ vorbehalten. Im Reich bis zum Anf. des XIV. Jhs wird er nur geschlauft. In anderen Ländern sind auch Schnallen beim Rittergurt üblich.



Schwertgurt_02_natur

50mm Riemen Hirsch natur

bsplw. für Ordensbrüder

montiert 85,00 EUR

Servientes/Sergenten tragen wohl eher geschnallte Schwertgurte mit angenähten Schwertscheiden, ohne geschlaufte X-oder Z-Bindung, siehe „Kindsmörder“ vom Portal aus Arles von 1180, aus der Bilderbibel_Fkrch von 1200c, aus dem Kreuzgang der Abbey de Fontcaude des XIII. Jhs. oder dem Kristina Psalter_Daenemark von 1230.



































Historischer Kontext:

Zu Beginn des XIII. Jahrhunderts wurden grosse Landstriche vom Elsaß zum Niederrhein und von Thüringen bis zum Harz durch den Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben verwüstet. Die Herrschaft des Welfenkaisers Otto IV. währte nur kurz, bis zur verlorenen Schlacht von Bouvines 1214 gegen die stauf-franz. Allianz. Mit dem Zurückdrängen der Plantagenets aus dem Westen Frkrchs unter Philipp II. (1180-1223) wuchs die franz Königsmacht. Im Reich brachte die Herrschaft Friedrichs II. Unruhen, da er die deutschen Gebiete zugunsten Unteritaliens stark vernachlässigte. Viele Zugeständnisse und Privilegien des Herrschers an die Fürsten erweiterte deren Macht erheblich.

In der ersten Hälfte des XIII. Jhs gab es nach der Eroberung von Konstantinopel noch einmal einen starken Schub von byzantinischen Formen. Denn neben Seidenstoffen und vorderoriental. Motiven gelangten viele Kleinkunstwerke, kostbare Reliquienbehälter und Reliquien selbst in den Westen. Byzantinische Formen wurden nun in Europa gezielt nachgeahmt. Stiftungen von liturgischen Geräten durch die Geistlichen aus den wohlhabenden Fürstenhäusern fundamentierten ihren Machtanspruch und minderten ihre Sorge um das eigene Seelenheil. Die großen Reliquienschreine, vor allem im Maas-Rhein-Gebiet, aus vergoldeten Kupfer- und Silberblechen mit Emaille-Einlagen im Limoger Stil sind gewaltige programmatische Zeichen gesellschaftlicher Überlegenheit. Herrschaftliche Symbole waren im kirchl. Besitz, wie das Schwert der Äbtissin von Essen, der Thron ihrer Amtskollegin in Soest oder der Krummstab des Hl. Kölner Erzbischofs Anno in Siegburg.

Auf dem IV. Laterankonzil von 1215 wurde die Errichtung öffentlicher Schulen für Angehörige des Klerus an den Kathedralen und jeder Kirche, die einen Lehrer bezahlen konnte, vorgeschrieben, um Nachwuchs für klerikale Laufbahnen heranzuziehen.



1125-1250

- Spätromanik -

XIII_1225c Kloster Schwarzach Monatsallegorien Bauern

= Seite in Bearbeitung =

Gürtel der Stauferzeit 1125-1250

Stoffgürtel mit Metallbeschlägen

Fibelreplikate XIII. Jh


Rinke = Schnalle / Spenglin = Beschlag (Niete) / Senkel = Zunge

eis = Eisen, me = Messing, bz = Bronze, zi = Zinn, vz = Verzinnt, vs = Versilbert, si = Silber

FO = Fundort, AO = Aufbewahrungsort


Quellen für die Stauferzeit:

Königen, Bischöfen und Hochadel wurden seit geraumer Weile Reliefs oder Gedenksteine errichtet, vor allem, wenn sie als fromme Stifter sakraler Bauprojekte galten. Lebensgrosse liegende Grabskulpturen aus Holz oder Stein erschienen in Frkrch seit der Mitte des XII. Jhs, im Reich ein wenig später, wie das Doppelgrabmal Heinrichs des Löwen mit seiner Gattin, nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1227-40, oder das Dedos, Markgraf der Lausitz nebst Gattin 1230-35. Meist wurden sie lange nach den Lebzeiten der Dargestellten errichtet. Ab der 2. Hälfte des XIII. Jhs entstanden sie auch unmittelbar nach der Beisetzung der Verstorbenen oder zu deren Lebzeiten, wie das Grabmal König Rudolf I. von Habsburg (reg. 1273-91) in der Krypta des Speyrer Doms, das ausnahmsweise keinen kraftvollen jungen Mann, sondern einen vom Alter gezeichneten abbildet, da die Skulptur wohl unmittelbar nach seinem Abbild geschaffen wurde.

Die Umwandlung von Marktflecken zu Städten mit Schutz, Freiheit, Recht und Verfassung setzte neue Impulse und führte Menschen auf engem Raum zusammen. Die Feudal- und Landesherren verstanden, daß ihnen Städte nicht die bekannten Abgaben in Naturalien brachten, sondern in Form von barem Geld, damit ließ sich gänzlich anders wirtschaften! Die Prozesse der Verstädterung bringen uns heute vermehrt Siedlungsfunde, die sich in den Grabungsschichten sicher datieren lassen. Krabath: „Nach einem geringen Aufkommen an Buntmetall vom IX.-XII. Jh. ist um 1200 eine drastische Zunahme in allen Bereichen festzustellen. Diese hängt ebenso mit technischen Innovationen zusammen, wie mit einem Zuwachs der Sachkultur und Stadtneugründungen.“ 3

Überlegungen zur Buntmetallverwendung: Herausragendes Beispiel der frühen Verstädterung war z.B. das von Friedrich I. protegierte Aachen mit den Gebeinen Karls des Großen in der Marienkirche. 1166 erhielt Aachen mit den Markt- und Münzrechten das Stadtrecht als freie Reichsstadt. Bereits 1171 wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen! Einen äusseren Mauerring legte die Stadt ab 1257 mit einer Bauzeit von rund 100 Jahren an. Aachen wurde im SMA wichtiger Pilgerort mit seinen Heiltumsfahrten, die es ähnlich auch in Kornelimünster und im späteren Mönchengladbach gab So zählte man Ende des XV. Jhs 142000 Pilger an den Stadttoren von Aachen an einem einzigen Tag! Für unsere Betrachtungen ist die Entwicklung der Aachener Kupfer- und vor allem Messingverarbeitung von besonderer Bedeutung. Denn Messing erforderte Galmei, das grundsätzlich nur selten anstand aber im Maastal, also unweit von Aachen, gefördert wurde. Das heißt Messingprodukte waren im Westen des Reiches mit dem Ursprung im Maas-Aachener Raum kostengünstiger erhältlich als in weit davon entlegenen Räumen. Über den Hellweg, hinzu dort mit einer seit karolingischen Zeiten laufenden Produktionsschiene, wäre die Verbreitung nach Osten möglich. Leichter könnten Fertigprodukte über den Rhein als großer Transportweg in die Niederen Lande, nach England oder in den Südwesten Dtlds gebracht werden. Aber in Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Prag oder Wien wäre mglw, durch die aufwändigere Landhandelsverbindung, aus Kostengründen eher mit Bronze aus böhmischem Zinn zu rechnen? Nicht viel anders läge der Sachverhalt in den nordöstl. Reichsgebieten mit besserem Zugriff auf Harzer Kupfer und Zinn und schlechterem auf Galmei? In Magdeburg wurden 500 Flachgußformen aus Stein gefunden, die ausschließlich dem Zinnguß dienten. Im Westen des Reichs musste Zinn bis Mitte des XIII. Jhs aus England importiert werden. Für das HMA wären diese Überlegungen vielleicht angebracht. Für das SMA wären sie vermutlich obsolet, da sich Messing aufgrund der grösseren Handelsdimensionen überall durchzusetzen scheint.



vor 1237 „Ecclesia“ Dom Bamberg

einer der seltenen ungewöhnlich schmalen Gürtel in dieser Zeit von nur 15 bis 20 mm

1230 Paris

Bindegürtel traditioneller „franz.“ Art

1225-35 „Ecclesia“ Strassburg

Gürtelbreite ca. 25 mm, eine Daumenbreite (Zoll)




Mode in der Stauferzeit (höfische u hochbürgerliche Formen):

Bis zur ersten Hälfte des XIII. Jhs herrschte die stoffreiche „imperiale Modevor. Breite und schmale Gürtel der Oberschicht waren aus Textilien oder Leder, wurden geknotet oder mit schweren, grossen und ausdrucksstarken Schnallen geschlossen. Der Durchschnitt in der Breite der Ledergürtel lag bei Frauen eher bei 3 cm, in seltenen Fällen bei 2 cm. Männer trugen mit 3 bis 5 cm breitere Gürtel als Frauen. Von der Länge reichten sie vor allem adeligen Jugendlichen gelegentlich bis zu den Schienbeinen und waren mit ihrer Überlänge, neben dem offenen Haar, vor allem ein Zeichen der Unberührtheit und Keuschheit von Juncfrouwen. Denn auch adelige Erwachsene trugen Gürtel manchmal kaum länger als bis zum Knie. Hin und wieder zeigten adelige Männer auch längere Gürtel, benutzten aber Riemenschieber und/oder trugen die Gürtelzunge (wie bei einen modernen Gürtel) zur Seite, siehe Skulpturen in Ferrara, Magdeburg, Ebstorf, Braunschweig, Nordhausen, Straßburg oder St. Denis. Der soziale Stand war ablesbar am Gewand und bestimmte somit auch den Gürtel, die Qualität des Leders oder des Stoffs. Der Stoffgürtel, der Lange Zeit als reiner Bindegurt getragen worden ist, wurde seit dem auslaufenden XII. Jh, bzw Wende zum XIII. Jh mit einer Schnalle geschlossen und mit weiteren Metallteilen zur Stabilisierung kombiniert, dazu verwendete der Adel Bortenstrecker, Spenglin und Zungen (Senkel). Die meist stabförmigen Gürtelapplikationen dienten also einem Zweck. Gürtelbeschläge behielten auch in den nachfolgenden Jahrhunderten ihren Nutzwert zur Stabilisierung, vor allem bei Stoffgürteln, nur das Formenspektrum erweiterte sich erheblich. So wurden im Spätmittelalter fast ausschließlich runde ösenartige Spenglin verwendet, um das Trägermaterial z.B. an den Dornlöchern zu schonen, ähnliche Techniken gab es bereits im HMA. Die Kombination von Stoffgürteln mit Metallen mag eine neue Modesitte aus Frankreich sein, die möglw. auf die häufige Verwendung von Seide hinweist, mit feinem Gold- oder Silberlahn durchzogen. Das waren Gürtel, die einer Stabilisierung bedurften. Bislang wurde Seide meist aus Italien importiert. Seide auf den europäischen Märkten könnte im Extremfall auf das Beutegut 1204 aus Konstantinopel zurückzuführen sein, das hauptsächlich nach Italien und Frankreich gelangte.

Ab dem XIII. Jh mehren sich Beschläge/Spenglin aller Art im archäologischen Fundgut. Die Bunt- und selteneren Edelmetalle konnten aus Blech gestanzt und über ein Model gepresst oder gegossen sein, letztere Technik wurde hauptsl. bei Zinnvarianten bevorzugt. Aber nicht alle Beschläge stammten von Gürteln. Es wurden manchmal Sporenriemen, sehr häufig adeliges Zaumzeug beschlagen. Der Verlust einzelner Spenglin scheint gerade in diesem Zusammenhang, aufgrund hoher Belastung, erklärbar. Aber auch Rüstungsteile, Truhen und Kästchen wurden in dieser Art verziert, Altardecken und liturgische Kleidung mit aufgenähten Zierblechen versehen. Da sie im klerikalen Umfeld eher in Zweitverwendung standen, ist auch der vorherige profane Nutzen denkbar, wie bsplw die Schmuckbleche auf dem „Brautkleid“ der Königin Agnes im schweizerischen Kloster Sarnen [Fingerlin S. 12].

Es ist Skulpturen und Abbildungen oft nur schwer zu entnehmen aus welchem Material der Gürtel bestand. Möglicherweise wurde nicht nur Stoff stabilisiert, sondern auch Leder. Gerade zu Repräsentationszwecken wurde feineres Leder verwendet, beim Adel oft Wild, wie es beim Schwertgurt üblich war. Denn nur der Adel besaß das Jagdrecht! Übrigens, die von uns heute angewendete beliebte Schlaufung nach der Schnalle ist an den Gürteln der Statuen des XIII. Jhs nirgendwo festzustellen [ab dem XIV. Jh. wird sie gelegentlich angewendet, aber sie ist nie (!) die Regel bei mittelalterlichen Gürteln]. Dünnes, weiches Leder fällt, ähnlich wie Stoff, auch ohne Schlaufung aus der Schnalle. Mit einem Langgürtel bewegte man sich gemessenen Schrittes, denn er diente, wie die dazu getragene Kleidung, Repräsentationszwecken. Die Alltagskleidung und der zugehörige Gürtel war einfacher.




vor 1221 „Atlant“ Kathedrale Reims

(„die arbeitende Bevölkerung“)

Gürtelbreite ca. 25 bis 30 mm, etwas mehr als ein Zoll




Gürtelformen der niederen Bürger und des einfachen Volkes in der Stauferzeit:

Verwendete Ledersorten: In den 1970er Jahren wurde im mittelalterlichen Stadtzentrum von Schleswig an der Schlei auf einem Areal von vielleicht 20 x 30 m ein Lederhandwerkerquartier ergraben. Die fast 5 m tiefe Schicht barg Funde vom XI. bis zur Mitte des XIV. Jhs. Über 90% der Funde waren Schuhe, der Rest Lederscheiden für Messer und Schwerter, Gurte, Riemen und Gürtel, Beutel, Taschen und undefinierbare Fragmente. Die Stücke wurden entsorgt, umgearbeitet oder harrten einer weiteren Verwendung. Die Grabung war in Planquadrate eingeteilt. Die für meine Betrachtung in Frage kommenden Riemenstücke fanden sich ungefähr im Zentrum der Grabungsfläche. Ihre Anzahl dünnte zur Peripherie hin aus. Nur ein geringer Teil dieser rd 200 Fragmente kann eindeutig Gürteln zugerechnet werden. Es gibt Überschneidungen mit den aufgeklappten Schwertscheiden, stabile und breite Gurte stammen hptsl aus dem Bereich des Reitzubehörs, schmale Riemen konnten ebenso für Zaumzeug, aber auch für Schuhe, Taschen, Kleidungsstücke, etc genutzt werden. Nur vier Riemen wiesen kleine Schnallen auf, 10 % der Fragmente zeigen deutliche Schnittkanten, so daß Metalle mglw vor der Entsorgung entfernt wurden. Die häufigste Form war der aus zwei Lagen zusammengefügte und an der Kanten vernähte Gurt. Allerdings ergab sich die herausragende Häufigkeit aus dem getrennten Zählen jeder einzelnen Lage, die normalerweise zusammen hätten erfasst werden müssen. Auch wenn die Anzahl noch immer überwiegt, so gehören die breiten Formen wohl zum Reitzubehör, denn bis heute nutzen wir Gurte aus doppelt vernähtem Rindsleder. Grundsätzlich wird der grösste Teil archäologisch nachweisbarer Eisen- und Rollschnallen, vor allem die breiteren Formen, dem Zaumzeug zugeordnet. Die Eisenschnallen von den Isenburgen in Hattingen und Essen im XIII. Jh weisen im Schnitt Durchlaßbreiten zwischen 4 und etwas über 5 cm auf, was manchen Lederbreiten in Schleswig entspricht.

Auch dünne Lederriemen wurden in Lagen vernäht, teilweise gefaltet, wobei zwischen die Faltung kürzere Lederstücke zur Stabilisierung eingenäht werden konnten, vor allem bei der seltenen Verwendung von Schaf- oder Ziegenleder. Auch diese Riemenformen müssen nicht unbedingt auf Gürtel verweisen, denn dafür wurde meist Kalbs- und Rindsleder verwendet, es sei denn textilen Gurtformen wurden zur Stabilisierung durch dünneres Leder unterfüttert. Fingerlin kam 1971 zu dem Schluß, daß bei ihren untersuchten Grabfunden selten gedoppelte Riemen auftauchen, sondern eher einlagige Formen.

Punzierungen und Stempeldekor war bei Gürteln möglich aber selten, denn die Stempel wurden erhitzt in das angefeuchtete Leder gepresst. Das Anfeuchten war für das enge Anpassen an die Messerklinge, bzw an den Holzkorpus der Schwertscheide notwendig aber nicht zur Fertigung eines Gürtels. Zu den Riemenzieren zählten ornamentaler Lederschnitt oder schlichte Längsritzungen, Relieflinien und eingeschlitzte Bereiche, durch die Flechtriemen geführt wurden, mglw farblich kontrastierend zum Lederuntergrund. Auch beim Steppen des Leders konnten die Ziernähte kunstvoll ausgeführt sein, siehe Fund aus Schleswig mit floralen Ornamenten. Reine Flechtriemen aus stabilem Rindsleder waren bekannt. Auf Abbildungen sind sie bei der Reitausrüstung zu erkennen (z.B. in Gaston Phoebus Jagdbuch Anf des XV. Jhs) und werden in Zunftordnungen erwähnt. Die wenigen mit Beschlägen versehene Riemen sind in Schleswig unter 1,8 cm recht schmal und werden auf Sporenriemen und Zaumzeug verweisen.

Messerscheiden waren in Schleswig zu gleichen Anteilen aus Rind/Kalb und Schaf/Ziege gefertigt, wobei die älteren Formen des XI. Jhs aus Ziege bestanden. Nach einer Zunftordnung aus London war im XIII./XIV. Jh dafür Kalbsleder vorgeschrieben. Punzierungen, bzw Stempelverzierungen sind häufiger bei Messer- und Schwertscheiden wahrzunehmen, da sich erheblich mehr Scheidenfragmente erhalten haben! Im FMA und HMA konnten die Scheiden mit Steppereien, Ausstanzungen oder Relief- und Ritzverzierungen versehen sein, seit ca 1200 wurden die Messerscheidenkanten in Schleswig gefranst oder zipfelig gestaltet, zuweilen mit Metallbeschlägen meist aus Eisen versehen und vernietet (bis zum 11. Jh und im slaw Kulturraum auch aus Bronze), Lederschnitt und Punzierungen waren im HMA möglich.4 Der Lederschnitt ist eher eine Technik des SMAs.



Gürtelrekonstruktionen der Stauferzeit 1125-1250








XII

-

XIII



Bauer, Handwerker, Bürger

D“-förmig Eisen original Forchheim unsicher datiert XI.-XV. Jh.




IX-XV_20 bis 40_eis

Riemen natur geölt

[Schnalle flachstabig]





IX-XV_20eis an 20 mm Riemen montiert 35,00 EUR

IX-XV_25eis an 25 mm Riemen montiert 39,00 EUR

IX-XV_30eis an 30 mm Riemen montiert 45,00 EUR

IX-XV_40eis an 40 mm Riemen montiert 55,00 EUR

[Hochwertiges vegetabil gegerbtes Naturleder in Zaumzeugqualität, da es allen Anforderungen genügen soll, mit angenähten Schnallen]








XII

-

XIII



Bürgerin, Handwerkergattin, mit Zier Festtagsgürtel



Nach Krabath sind ovale Schnallen mit rechtwinklig ausschwingender Dornachse und Vertiefungen oder Verstärkungen der Dornauflageseite seit der 2. Hälfte des XII. Jhs nachweisbar. „Eine Reihe von Funden belegen ein Weiterleben im XIII. und noch weit bis in das XIV. Jh.“5



XII-XIII_01_me

mit einfachem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR




XII-XIII_03_me

mit verziertem Schnallenblech

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 79,00 EUR






XII

-

XIII



Bürgerin, Handwerkergattin



Schnallen mit kleinen Eckkugeln oder „Hörnchen“ stammen wohl aus dem XII. Jh., erfreuen sich aber im gesamten XIII., vereinzelt noch bis ins XIV. Jh., hoher Beliebtheit.

Magdeburg 1240-50




XIII_023_me

20 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,1 x 1,7 cm

montiert 69,00 EUR











XII

-

XIII

Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur, gehobenes Bürgertum

Schnalle XII.-XIII. Jh.

Quelle: Winchester Grabung,

schlichter Typus, auch im Reich geläufig, siehe

Zierbeschlag nach D. Ellger (Hrsg.), Beiträge zur archäolog. Burgenforschung und zur Keramik des Mittelalters in Westfalen I, 1979

und Funde der Burg Wartenberg/Hessen



XII-XIII_05_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 95,00 EUR




XII-XIII_06_bz

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 6,5 x 2,2 cm

montiert 99,00 EUR










gegen

Mitte

XIII

Adel (Original in Silber), in Messing oder Bronze Alltagsgarnitur, gehobenes Bürgertum

Nach dem Fund aus der Judengasse 10 in Salzburg. Die metallenen Gürtelteile wurden mit über 28000 Münzen (!) geborgen, deren älteste aus der 1. Hälfte des XIII. Jhs stammt und die jüngste um 1290 geprägt wurde. Die Gürtelteile zeigen deutliche Abnutzungsspuren und Reparaturstellen, deshalb werden die Gürtelteile auf die Mitte des Jhs datiert. Der Gürtel hatte Riemenschieber, die von hochmittelalterlichen Darstellern bislang eher abgelehnt wurden, verständlich, da es bei Reenactern aller Epochen üblich geworden war nach der Schnalle spätmittelalterlich zu schlaufen, inzwischen zeigt sich diesbzgl ein Umschwung..


XIII_005_me

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel [ergänzt]_me 5,5 x 4,5 cm

montiert 145,00 EUR

Spenglin „Nr.6878“ auf Anfrage

Im Original Silber mit Niello („geblackmalet“) aus Silber-, Kupfer- und Bleisulfiden, nicht in römischer, sondern byzantinischer Technik, seit dem XI. Jh. im Westen nachweisbar.6



XIII_006_bz

45 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_bz 5,5 x 4,5 cm

montiert 149,00 EUR










gegen

Mitte

XIII

Kreuzritterbibel Fol28r

Neben den weißen Schwertgurten mit Bindung war es in Westeuropa üblich sie auch mit Schnallen zu versehen. Aber es blieb vor 1300 eine westeurop. Besonderheit, die sich z.B. in der franz. Handschrift der „Kreuzritterbibel“ dokumentiert, weshalb dt. Darsteller gut abwägen sollten, was sie daraus entlehnen wollen. Denn die Details sind nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse im Reich übertragbar.

Kreuzritterbibel Fol29v



XII-XIII_07_me

30 mm Riemen (weiß)

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm (siehe rechts)

montiert 99,00 EUR

weißer Gurt „franz. Art“ mit Schnalle



XII-XIII_09_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

hier Riemen schwarz

und Senkel_me 6,5 x 2,2 cm

montiert 99,00 EUR

die Rauten-Beschlagzieren können auch als Spenglin „Nr. 7041“ optional auf dem gesamten Gürtel verwendet werden









gegen

Mitte

XIII

Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur



XIII „Legende v St Denis“_Chartres

Vom Ende des XII. (Bspl. Nyon) bis zum XIV. Jh. werden häufig einfache stabförmige und langrechteckige Formen von Bortenstreckern verwendet. Sie dienen dazu Stoff- oder feine edle Ledergürtel zu spreizen und in Form zu halten.



XIII_007_me

30 mm breites, edles dünnes Leder (dunkelbraun)

und Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

mit ca. 25 Spenglin „Nr.6808“

montiert 179,00 EUR




XIII_008_me

30 mm Riemen (natur/dunkelbraun/rot/schwarz)

und Senkel_me 8 x 2,5 cm

mit ca. 25 Spenglin „Nr.6808“

montiert 179,00 EUR




um 1245 Markgraf „Ekkehard“ Naumburg

(Kein lebensechtes Porträt, denn die Stifterpersonen des XI. Jhs wurde in der Kleidung Mitte des XIII. Jhs dargestellt)

ca. 40 mm breite Leibgurt des Hochadeligen mit Spenglin und für das Schwert der standesgemäße Bindegurt

Die Gürtel des höfischen Gewandes bestanden aus feinem Gewebe, das durch Bortenstrecker in seiner Form gehalten wurde.“7



Stoffgürtel mit Metallbeschlägen ca. Mitte des XIII. Jhs








Stoff-

gürtel

XIII

Oft wurden seidene Stoffgürtel für den Hochadel broschiert oder mit Silber- und Goldfäden durchzogen. Wenige Exemplare sind erhalten, die als kostbare Erbstücke und besondere Schatzfunde überdauerten.

Norddtld, Seidenbrokat mit vergoldeten Silberfäden, Bortenstrecker Silber vergoldet mit Halbedelsteinen XIII.-XV. Jh. (heute in Kopenhagen)

Aufwändige Almosenbeutel mit Silber- und Goldfäden, Perlen und farbigen Steinen wurden im XIII. Jh in Pariser Werkstätten (Faiseuses d`Aumonières Sarrazinoises) nach importierten Mustern aus dem Orient gefertigt, von dort aus gelangten solche Luxusartikel an die Höfe Europas.8 Ein kostbarer Gürtel in dieser Art befand sich im Grab des kastilischen Kronprinzen Ferdinand de la Cerda im Kloster Las Huelgas/Burgos, gefertigt wohl um 1260 in Frankreich, als Geschenk an seine franz Mutter Blanche, Tochter von Ludwig IX.



Magdeburg 1240-50




XIII_100_me Stoffgürtel

30 mm Leinenborte

mit Senkel_me 12 x 3 cm Lo ab 1230

breites Grundmodell ohne Bortenstrecker

montiert 120,00 EUR




Seidenborten auf Leinengrund wurden ab dem 13. Jh in Köln gewebt. Kennzeichen waren individuelle Wappen als vorherrschendes dekoratives Element. Somit waren es Auftragsarbeiten des Adels. Funde aus dem bürgerlichen Umfeld von London, Keramikphase 9 (ab 1270), zeigen Gürtel in Brettchenwebtechnik. Unsere Leinenborten wurden in Brettchenwebtechnik erstellt und nicht in Leinwandbindung, sind also eher mittleren sozialen Schichten zuzuordnen und nicht der Welt des Adels. Nur selten läßt sich Leinen archäologisch nachweisen, da die Pflanzenfasern im Boden recht schnell vergehen. Seifried Helbling (siehe Zitat oben) gibt uns einen Hinweis, daß eine Borte auch aus Pflanzenfasern bestanden haben könnte. Auf jeden Fall kommt man mit keiner Kleiderordnung in Konflikt und bedenket der „maze, wenn selbst der „Gürtel Marias“, im Domschatz zu Aachen als Reliquie aufbewahrt, aus einfachem ungefärbtem Leinen bestand! Ein Fund der Isenburg, Hattingen aus der Zeit vor 1225 besteht aus einer Schnalle mit Borte in Leinwandbindung und einfachen Stabstreckern. Der Fund aus Colmar, 1. Hälfte XIV. Jh, wurde in Leinwandbindung ausgeführt mit Schußfäden aus Baumwolle9 und Kettfäden aus Goldlahn, viele Beschläge in Form von quadratischen Lilienblüten stützten das Gewebe. Stoffgürtel wurden auch in den nachfolgenden Jahrhunderten häufig getragen, edle Varianten des Spätmittelalters sollten monochrome Samt- oder Atlasbindungen nachahmen.10










Stoff-

gürtel

XIII

Magdeburg, Patriziertochter 1240-50

An Bortenstreckern wurde zuweilen nicht gespart.

Deshalb rate ich Darstellern beschlagene Stoffgürtel möglicherweise als Projektgürtel anzusehen, mit zunächst weit gesteckten Streckern, um nach und nach in die Zwischenräume Ergänzungen durch weitere Strecker oder Rosetten einzufügen. Auch eine schlußendliche rückwärtige Stabilisierung durch ungefärbtes Leinen, wie beim Modell Kopenhagen, s.o., scheint mir durchaus sinnvoll, für Schwertgurte auch aus Leder wie bei Sancho IV. von Kastilien nach 1295.

XIII_053_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7061“

montiert 149,00 EUR

Benediktinische Liederhandschrift aus dem frühen XIII. Jh.

Stoffgürtel mit Metallteilen ...“von Männern und Frauen in gleicher Weise getragen...“ 11

Seifried Helbling spottete in der 2. Hälfte des XIII. Jhs in Österreich mit der Anmaßung der Ministerialen über die Unmöglichkeit einen „Bauern“ zum Ritter zu machen: „...der Schild möge dem Bauern in diesem Augenblick zum Streichbrett des Pfluges, das Schwert zur Pflugschar, der ritterliche Seitenbeutel zum Säetuch, die Gürtelborte zum hanfenen Futterstrick sich wandeln.“12










Stoff-

gürtel

XIII

Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur, Festtagsgürtel gehobenes Bürgertum

Rautenmuster und Kreuzschraffuren auf den Borten waren im XIII.-XIV. Jh. recht beliebt, siehe z.B. Tasche abgebildet in der Kreuzfahrerbibel_Fol29v oder in der Manesse.

..., dass Gürtelborten des 13. Jhs als repräsentative Accessoires auffallend lang waren und Rautenmuster bevorzugt verwendet wurden...“13



XIII_051_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 15 Bortenstreckern „Nr.7009“

montiert 149,00 EUR



XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster s.u.)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR








Stoff-

gürtel

XIII



Adel Alltags- oder zweite/dritte Garnitur, Festtagsgürtel gehobenes Bürgertum



Borten_Farbmuster

(blau-gelb / rot-gelb / grün-rot / rot-grün)

Auch Leinen galt in manchen Bereichen Europas lange Zeit als exklusiver Stoff und die dicht gewebten Garne aus Flachsfasern können, wie unsere Exemplare, mit ihrer glatten, glänzenden Oberfläche wie Seide schimmern.



XIII_052_me Stoffgürtel mit Schnalle Fabelwesen

25-30 mm Leinenborte (Farbmuster links)

mit Senkel und ca. 12 Bortenstreckern „Nr.7061“

und ca. 13 Rosetten „Nr. 7055“

montiert 179,00 EUR



XIII_052_me

[auf Kundenwunsch mit Schlaufung]








Fibelreplikate XIII. Jh






XII.

-

XIII.







Fibel für den Kragenschlitz

Einfache flache Ringfibel mit gezacktem Ornament. Ein Typus vom Ende des XII. Jhs., Laufzeit bis in die erste Hälfte des XIII. Jhs.



XII-XIII_Ringfibel_me

innen 1,5 cm / aussen 2,5 cm

- momentan nicht lieferbar -








XIII.








Fibel für den Kragenschlitz

[östlich des Rheins erschienen „gotische Formen“ in der 2. Hälfte des XIII. oder erst in der 1. Hälfte des XIV. Jhs, abhängig von den regional unterschiedlichen Übernahmen der gotischen Bauformen mit ihren neuartigen Skulpturen und Ornamenten]

Eva m Schlange“ Nordquerhaus Reims

ab 1240



XIII_Vierpassfibel_me od. bz

innen 2,5 cm / aussen 3 cm

20,00 EUR








XIII.








Fibel für den Kragenschlitz


Kragenfibel mit häufiger Verbreitung

gegen Mitte und in der 2. Hälfte des XIII. Jhs.

nach Haedecke Abb. 184



XIII_Kragenfibel_me

innen 2,2 cm / aussen 3,6 cm

20,00 EUR

(die Nadel ist stabiler als hier abgebildet)








Zäsur Romanik - Gotik

Das XIII. Jh. war eine starke Umbruchzeit. Die Kreuzzüge und die Berührungen mit dem Islam zeigten vielfältige Folgen. In der Architektur galt, angeregt nicht zuletzt durch maurische Formen, die Einführung des „opus francigenum“ als entscheidend, des neuen französischen Kathedralbaustils (später als „Gotik“ bezeichnet), der in der dt Architektur regional sehr unterschiedlich mit Abwandlungen faßte. In diesem Zusammenhang wurden Skulpturen detailliert und naturgetreu erstellt, die uns Einblicke in die neuen „franz. Modeströmungen“ geben. Sie sind nicht unbedingt Spiegel der Alltagskultur in Dtld, da franz. Werkmeister nach Musterbüchern arbeiteten. Aber diese Mode wurde bewundert und hat wohl die als altertümlich empfundene dt. imperiale Mode spätestens bis zum Beginn des XIV. Jhs in vielen Details gewandelt.


1137 wurde mit der Abteikirche der Benediktiner in St. Denis der erste „gotische“ Kathedralbau begonnen, franz. Frühgotik. Es folgten in der 2. Hälfte des XII. Jhs die Kathedralen in Sens, Noyon, Senlis, Laon, Paris, Bourges, Chartres und Soisson.

1212-95 Bau der Kathedrale von Reims im franz. Hochgotischen Stil im XIII. Jh, ebenso die Kathedralen in Rouen, Dijon, Beauvais oder Albi.

1209-63 Bau des Doms zu Magdeburg, erster rein gotischer Bau im östlichen Deutschland. In Österreich ließ Herzog Leopold VI. in seiner Residenz in Klosterneuburg als Palastkirche die „capella speciosa“ errichten. 1222 geweiht, war es der erste Bau gotischer Prägung in Österreich. 1799 wurde er abgerissen. Diese Palastkapellen als Mini-Kathedralen wurden oft kopiert und fanden mit der berühmten „Sainte-Chapelle“, 1248 geweiht, im königliche Cite-Palast zu Paris ihren wirkungsvollen Höhepunkt. Ab den 30er bis 40er Jahren systematische Anwendung von gotischen Elementen in den Reichsstädten Toul, Verdun, Metz und Trier, es folgten Marburg, Straßburg und Köln. Angeblich sollten die Bürgeraufstände in den 30er Jahren gegen Erzbischof und Kathedralkapitel in Reims zur erheblichen Ausbreitung des neuen franz. Stils in Europa beigetragen haben. Denn es wanderten Steinmetze, die an der Reimser Kathedrale gearbeitet hatten, teilweise ins Reich.14 Die weit fortgeschrittene franz. Plastik wurde in Dtld zum Vorbild bsplw. in Bamberg, Halberstadt, Magdeburg, Straßburg, Mainz, Naumburg oder Meißen. Die Gotik fasste in Dtld mit den Frühformen in der 2. Hälfte des XIII. Jh., vornehmlich aber erst im XIV. Jh. In der Alltagskultur war die Ablösung des spätromanischen Stils im Detail beispielsweise in der Fibel- und Gürtelmode mit Mehrpaßformen erkennbar, abgeleitet vom architektonischen Maßwerk, das zunehmend grössere Beliebtheit im XIV. Jh erlangte.








Quellen und weiterführende Literatur:

- Aufruhr 1225! Das Mittelalter an Rhein und Ruhr. Ausstellungskatalog Westfäl. Landesmuseum Herne, Mainz 2010.

- Delbrück, H.: Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter (Erstauflage 1901), Nachdruck der Neuausgabe Hamburg 2008.

- Dupeux, C.: Das Museum Oeuvre Notre-Dame, Paris 1999.

- Egan, G. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London, London 1998.

- Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters, München Berlin 1971.

- Grote, U. u Maas, E.: Auswahlkatalog Stiftsmuseum Xanten 2010.

- Haedeke, H.-U.: Schmuck aus drei Jahrtausenden. Sammlung Hanns-Ulrich Haedeke, Köln 2000.

- Humburg, N. u Schween, J. (Hrsg.): Die Weser – Ein Fluß in Europa. Bd. 1. Leuchtendes Mittelalter, Holzminden 2000.

- Husty, P. u Laub, P.: Ars Sacra. Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum, Salzburg 2010.

- Kania, K.: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik, Köln-Weimar-Wien 2010.

- Krabath, St.: Die hoch- u spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen, Rahden 2001.

- Kühnel, H./Egger, H./Winkler, G.: 800 Jahre Franz von Assisi. Franzisk. Kunst u Kultur des MAs. NÖ Landesaustellung in Krems-Stein 1982.

- Lenhart U.: Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1320, Wald-Michelbach 1998.

- Puhle, M. (Hrsg.): Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom u d späte Stauferzeit. Katalog Landesausstellung Sachsen-A., Mainz 2009.

- Siebert, G. (Hrsg.): Der Naumburger Meister. Bildhauer u Architekt im Europa d Kathedralen. Ausstellungskatalog 2 Bde 2011.

- Thursfield, S.: Mittelalterliches Schneidern. Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht, Herne 2010.



V-VIII. / IX-XI. / XI-XIII. / XIII-XIV. / XIV. / XV. / XVI-XVI. Jh




zum Wert eines Gürtels siehe HINWEIS auf der ersten Seite



Anmerkungen und Quellenverweise:

1/Toman Rolf, Die Kunst der Romanik, S. 84

2/„Reichsgebiet“ umfasst natürlich mehr als Deutschland und grosse Teile unserer heutigen europ. Nachbarländer zählten dazu. Es gab keine Vorstellung einer Nation im heutigen Sinne. „Reich“ und „Deutschland“ bezeichneten nie dasselbe. Das „Reich“ wurde 1034 in Urkunden Konrads II. noch als „romanum imperium“ und seit 1157 unter Friedrich I. als „sacrum imperium“ bezeichnet. Die Verbindung „sacrum romanum imperium“ wurde erstmalig 1254 verwendet. Der Zusatz „Deutscher Nation“ wurde erst im XV. Jh üblich. [u.a. Hertslet/Hofmann, Der Treppenwitz der Weltgeschichte, Augsburg 2006, S. 162 u Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer, S. XI].

3/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 337. Auch auf dem Land nahm der Geldverkehr mit Münzen seit dem 12./13. Jh zu, um Naturalabgaben von weit entfernten Höfen an die Grundherrn zu ersetzen, deren abgabepflichtiger Besitz oft weit im Reichsgebiet verstreut lag.

4/Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig. Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte.

5/Krabath, Buntmetallfunde nördlich der Alpen, S. 137.

6/Husty/Laub, Ars Sacra, S. 299. Die mittelalterlich norddt. Begriff für das Niellieren war „geblackmalet“.

7/Kunde u Filip, Das Instrumentarium der Ersten Stifter: Physiognomie, Gebärden, Bekleidung, Schmuck, Waffen, in: Der Naumburger Meister, S. 984.

8/Grote-Maas, Stiftsmuseum Xanten, S. 68.

9/Baumwolle bereits Ende des XII. Jhs in Italien verwebt, im Nahen Osten weiter verbreitet, siehe Scott, Kleidung und Mode im Mittelalter, S. 58. (Lit. IX.-XII. Jh). Im XIV. Jh als Barchent, Mischung von Leinen und Baumwolle häufig genutzt, Produktion in Regensburg z.B. kurz nach 1380.

10/Egan, Dress Accessories 1150-1450 London, S. 48.

11/Zitat aus Fingerlin, Gürtel des hohen und späten Mittelalters, S. 57.

12/Delbrück, Geschichte der Kriegskunst. Das Mittelalter, S. 287. Der Autor wird auch Seifried Helblinc genannt, man vermutet, daß der Name falsch interpretiert wurde und er uns mit seinem wahren Namen unerkannt bleiben wird.

13/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. II Katalog, S. 1036, siehe auch Ilse Fingerlin S. 57.

14/Siebert (Hrsg.), Der Naumburger Meister, Bd. I, S. 474 u 505