I.-VIII. / IX.-XI. / XI.-XIII. / XIII.-XIV. / XIV. / XV. / XV-XVI. Jh "ab nach Hause"


DRAGAL

Die Ständegesellschaft in HMA/SMA


Ein Schema in 5 Berufskategorien, beginnend mit dem vierten, bzw fünftem Heerschild abwärts, alles darüber trug exklusive Sonderformen in Silber und Gold, je nach Rang geschmückt mit Edelsteinen und Perlen. Dies ist eine Empfehlung und ein vereinfachtes Modell – nicht Abbild der historischen Wirklichkeit. Das Modellhafte liegt dem Reenactment ja inne. Wer vermag schon vergangenes Leben in seiner gesamten Breite darzustellen oder bleiben uns Adelige, wie die Herren von Lupfen über die reinen Zahlen hinaus nicht eher gleichgültig? Die Edelfreien und später Grafen im Südwesten des Reichs verkauften 1299 vier Güter in Deißlingen für 35 Mark Silber und 1304 vermutlich aufgrund arger wirtschaftlicher Probleme sogar ihre Burg, mit allem was dazu gehörte, für 1560 Mark Rottweiler Silber. Nicht genug waren sie gezwungen, wie häufig in Schwaben, sich als Soldritter für norditalienische Städte zu verdingen [Rottw, S. 77, 106]. Orientierungsrichtung für die tabellarische Auflistung unten ist die städtisch geprägte Gesellschaftsordnung des SMAs mit ihren Zuträgern im Umfeld der durch ringkmuren begrenzten Schwurgemeinschaft. Hier liegen die Ursprünge der modernen Kommunen und in manchen Dingen sind wir dieser Lebenswelt näher, als man glauben möchte, nicht nur in äusseren Formen aufwändig restaurierter Architektur. Geld regiert die Welt, das war im XV. Jh nicht anders als heute. Die „Ware Mensch“ hatte bereits vorher verhandelbare Werte. Im SMA begann die Abschätzung des gesamten menschlichen Lebens und seines Umfeldes nach Geldwerten, wir sind dabei dieses Bezugssystem ins Absolute, immer weiter auf die Spitze und schließlich ad absurdum zu führen, da ohne die Maßstäbe Geld, Gewinn und Mehrwert nichts mehr möglich ist.

Zwei Drittel der Stadteinwohnerschaft im SMA gehörte der Kategorie „E“ an, ein Drittel der Mittelschicht, die mit „B“ bis „D“ breit differenziert wird. Kategorie „A“ machte bestenfalls 2 % am Gesamt aus. Die Einteilung wäre zu verifizieren anhand von städtischen Steuerlisten oder Kleiderordnungen, die jeweils örtliche Bezüge aufwiesen. Bei einigen Angaben ist sicher noch Nachjustierung vonnöten. Lokale Besonderheiten wurden nicht berücksichtigt, hinzu kommen die zeitlichen Entwicklungsschritte. Es bleibe dem Reenacter genügend Interpretationsspielraum. So ist zB die Trennlinie B.3 nach B.2 unscharf und soll nur heißen, dass ein Zunftmeister mit Ratstätigkeit sich diese auch erlauben können musste. Denn sie erforderte längere Abwesenheiten, in denen er seinen Betrieb nicht zu führen vermochte und dafür keine Vergütung bekam, zumindest schlug sich das nicht direkt in barer Münze nieder. Der Ratssitz war ehrenvoll, verhalf ihm zu wertvollen Kontakten und persönlichen Verbindungen („Seilschaften“) und Ansehen, was sich mglw in seinem Habitus wieder spiegelte. Handwerker konnten durch ihre Wirtschaftskraft gewisse Reichtümer anhäufen. Der Rottweiler Schmied Dietrich der Husse war 1324 in der Lage der „Kapelle im Spital“ ein kleines Gut in Wilfingen zuzuwenden, ähnlich der Metzger Berthold der Zelter an die „Kapelle der Siechen im Feld“ mit der Hälfte eines Guts in Zimmern [Rottw, S. 110]. Es sind vorwiegend männliche Endungen verwendet, die Damen möchten sich bitte geistig an des Gatten Seite stellen, denn ohne ihr Zutun hätte sich ein spezifiziertes Berufssystem nicht ausbilden können. Die Geringschätzung in den männlich dominierten Quellen ist mehr als ungerechtfertigt. Das Wirtschaften erfolgreicher Familienverbände und „männliche Karrieren“ in den Berufen wäre ohne ihren Beitrag, der meist im Stillen verrichtet wurde, undenkbar gewesen. Frauen stemmten die Haushalte, waren Beraterinnen bei wichtigen Entscheidungen, ohne daß „mann“ ihren Anteil heraus stellte. Eine stille Würdigung erfuhren sie mit Darstellung auf künstlerisch-handwerklichen Erzeugnissen in personam, wie in Kölns „St Maria im Kapitol“-Kirche jene Sibilla Schlösgen, als Gattin des Bürgermeisters Johann Hardenrath, mit dem Gemahl in Stifterhaltung. Nicht nur die Rolle als Ehefrau sollte betrachtet werden, namenhafte Persönlichkeiten und viele namenlose Akteurinnen verstanden es selbst das Leben zu meistern und agierten in manchen Erwerbszweigen eigenständig. Die gesellschaftliche Stellung von Frauen war im Laufe der mittelalterlichen Geschichte recht unterschiedlich und es sollen weiter unten zukünftig ein paar Facetten näher beleuchtet werden, siehe Geschlechterrollen im Mittelalter. Wobei fraglich erscheinen mag, ob dies überhaupt zu thematisieren ist, wo die Situation doch allzu klar anmutet, bzw muß „mann“ sich dem Vorwurf der Anbiederung stellen, da männliche Betrachtungsweisen zum Thema automatisch in Schieflage geraten und eher von Geschlechtsgenossinnen angestellt werden sollten?

Über Jahrhunderte galt das Individuum nichts, war nie selbst, nur durch das Gemeinsame. Die Identität liegt in der Zugehörigkeit, nicht im „Ich“, sondern im „Wir“ oder „Uns“ - hat sich nicht grundsätzlich geändert. Übersteigerter Individualismus wird mit der Renaissance in den Biografien „genialer Künstler“ fassbar und ist heutzutage ein Phänomen geschickten Marketings, dem Kunden Einmaligkeit zu suggerieren und ein EGO zu füttern, damit jenes glaubt nur durch ungebremsten Konsum bestehen zu können. Dabei wird unterschwellig Identifikation oder deutliche Abgrenzung/Trennung angesprochen. In vergangenen Zeiten war der Sippenverband Identität stiftend und man besann sich auf eine gemeinsame Herkunft. Dazu traten temporäre Zweckbünde, wie Gefolgschaften, die ebenfalls das Gemeinsame betonten. Die Verstädterungsprozesse seit dem HMA fügten eine weitere Komponente hinzu, auf dem Zusammenhalt von Tätigkeit und Vermögen beruhend. Schutz gewährleistete nicht mehr allein die Sippe, bzw Familie, sondern das verfestigte Gesetz und die differenzierte ständische Ordnung mit Zunftwesen, Konventen und Bruderschaften. Es gab selbst bruderschaftliche Vereinigungen von Aussätzigen und Kranken mit einem gewählten Siechenmeister oder Siechenmeisterin. In Würzburg waren Bildschnitzer und Maler in der „Lukas“-Bruderschaft organisiert, der auch Tilman Riemenschneider Ende des XV. Jhs angehörte. Das gestiegene Selbstbewusstsein des Handwerkers mag man im Detail vielleicht anhand der Abbildung einer Zimmermannsaxt auf dem Wegkreuz von Paßstrassen in Schleusingen im Thüringer Wald aus der 2. Hälfte des XV. Jhs ablesen. Entweder kam hier ein reisender Zimmermann natürlich zu Tode oder das Werkzeug verweist auf eine Tatwaffe? Standes- und Berufsabzeichen finden sich an solchen Wegmarkierungen nicht selten.


Stand (ab viertem/fünftem Heerschild abwärts, siehe Heerschildordnung)

Materialempfehlung

A


OBERSCHICHT / Ratsherr (im XVI. Jh patrizier):

1. "Edles / altes Geschlecht" mit langer Ahnenfolge (Erbmann / Eldorman)

- Geblütsadeliger oder Stadtadeliger (oft ehem Ministeriale), teilweise Besitz ausserhalb der Mauern

- Großgrundeigentümer teilweise mit Besitz in der Stadt (mglw Edelfreier, Freiherr des 4. Heerschilds)

SMA XV. Jh: mehr als 3000 fl Besitz, in England 1363: mehr als 500 Pf jährliches Einkommen (esquire) [DressLo, S. 21]

seit FMA: Waffenrecht

Silber oder Buntmetall vergoldet mit Zier, Motiven oder eigenem Wappen, gegossenen Zungen oder verzierten Blechen und Zierspenglin sowie Bortenstreckern

2. Höherer Dienstmann – Ministeriale (Amtsträger)

- am Hof [Mundschenk, Marschall, Kämmerer, etc] im 5. Heerschild

- in der Stadt [Schultheiß (franz. prevot, bailli), Richter, Bürger-, Eich-, Münz-, Waage-, u Zeugmeister]

- als landsässiger „einschildiger“ Ritter [Dienstadel] des 6. Heerschilds

HMA: mehr als 100 Silbermark jährliches Einkommen, in England 1224-41 mehr als 20 Pf Sterling (= c40 Silbermark)



Spenglin aus edlem Material sind Erkennungszeichen und Vorrecht des Standes als schmückende Zier mit emblematischer Funktion, Bortenstrecker technisch notwendig, um Stoffgürtel zu stabilisieren. Motive können auf Familie und Herkunft verweisen als Identifikationszeichen und werden deshalb nicht nur auf Gürteln verwendet, sondern auch bei Pferdegeschirr und Sporenriemen, den vorrangigen Standesabzeichen. Es besteht ein gewisser Repräsentationszwang, ausgeweitet auf das Gefolge (1).



B


obere MITTELSCHICHT / Funktionsträger (im XVI. Jh officiaten):

1. Gehobener Dienstmann (Stadtbediensteter, Auszeichnung durch Amt/Titel/Verdienste)

- Notar / Referendar / Schaffner im Rechts- und Kanzleiwesen

- Schosser / „Stürer“ (Steuereintreiber) / Zöllner

- Kirchen-, Burg-, Strand- und Deichvogt

- Brunnenmeister / Spitalpfleger oder -vogt

- UNI Kanzler u Magister, Arzt, Schulmeister, Geistlicher [Jahreseinkommen Professor im SMA: 50 fl] (2)

- Hauptmann (Kriegswesen, Stadtwache)

- Herold / Bote mit Stab und Wappenrock oder Wappenschild am Gürtel (siehe „Manesse“)

- Dorfschultheiß, niedere Gerichtsbarkeit

- Meyer am Ober- oder Königshof [verantwortungsvolle Tätigkeiten mit viel Eigeninitiative]

seit FMA: Waffenpflicht

Silber, Bronze, Messing mit Zier, Motiven oder Wappen als Verweis auf Dienstherrn, Abbildung nach im städtischen Umfeld Zierspenglin nicht unbedingt auf alltäglichen Gürteln aber wohl auf Repräsentationsvarianten

2. Vermögendes Bürgertum (Auszeichnung durch Geld/Besitz)

- Fernkaufmann für erlesene Waren, teure Importprodukte, wie Gewürze, Seide, Glas, etc

- Großkaufmann / Reeder / Bankier

- ratsfähiger Zunftmeister ab XIV. Jh mit Vermögen, da Ratstätigkeit ohne Vergütung (Gewerk siehe B.3)

SMA XV. Jh: mehr als 500 fl (Gulden) Besitz, in England 1363: mehr als 1000 Pf Sterling Besitz [DressLo, S. 21]

Silber, Bronze, Messing mit Zier oder Motiven und gegossenen Zungen, im SMA Zierspenglin möglich, im HMA fraglich [bislang kein sicherer Beleg vor Anf. XIV. Jh]

3. Meister von angesehenem Handwerk, nicht im Rat (Auszeichnung durch Tätigkeit/Warenqualität)

- Bauwesen / Bildhauer / Bildschnitzer / Kunstmaler mit Werkstatt

- Silber- oder Goldschmied / Elfenbeinschnitzer / Glas-, Spiegel- und Brillenmacher

- Kürschner / Schneider für edle Stoffe

- Apotheker

- Bäcker- / Fleischer- / Müller- / Brau- und Winzermeister

- Waffenschmied / Plattner / Sarwürker

- Glocken – und Geschützgießer

SMA XV. Jh: mehr als 150 fl (Gulden) Besitz

(Silber), Bronze, Messing, mglw verzinnt, Schnallenblech verziert, im SMA Zierspenglin in Meister-Familien möglich



Abbildungen des SMAs zeigen Personen dieser Ränge, bis auf wenige Ausnahmen, mit recht schlichten Gürteln, meist ohne Spenglin, selbst die Schnallen wirken zumindest der Form nach nicht allzu aufwändig. In Testamenten werden nicht nur bei Patriziern (A), sondern auch bei hohen Funktionsträgern (B.1) und in seltenen Fällen bei einzelnen wohlhabenden Kaufleuten/Handwerksmeistern seit dem XV. Jh allerdings silberbeschlagene Gürtel erwähnt. Der „pulcharzt“ von Wien schien sich Anf. des XV. Jhs wohl auf besondere Art entlohnen zu lassen, wenn im Besitz seiner Frau ein vergoldeter Gürtel erwähnt wird; der Apotheker Jacobus in Breslau vermachte seinem Sohn ein „silberyn Bendchin mit schelen vergolt. Item ein gortl mit einer silberyn Rynke und gurtspangen“, Fi, S. 292 u 294.



C


MITTELSCHICHT / Funktionsgehilfe:

Einfacher Dienstmann (Stadt und Land)

- Gutsverwalter („Meyer“ / "Scheffler")

- Fisch- und Jagdmeister / Falkner

- Bettelvogt / Bannwart (Wasser/Abwasser) / Siechenmeister, -meisterin

- Stadt- und Hofschreiber / Stadtbote

- „Parzivant“ (Herold als Sprecher und Ausrufer ohne Wappenrock)

- „Rottmeister“ / „Feldwaibel“ / Vorsteher / Aufseher der Bediensteten unter „E“

- Scharfrichter [nicht angesehen, aber häufig nicht unvermögend]

- Dienstbote („Ehalte“) / Page / Zofe [meist aus „gutem Haus“, Ausstattung durch Herrn / Herrin]

- im Gefolge [Ausstattung durch den Herrn]

seit FMA: Gefolgschaftsangehörige - Waffenbefugt

Bronze, Messing mglw verzinnt oder Schnallenblech verziert und Ortblech, bzw Halbmondort, Wappen als Verweis auf Dienstherrn? Im SMA Dornlochösen schlicht, bzw „martialisch“ und Spenglin Zinn/Blei vielleicht mgl ?



Eine Reihe westeurop. Funde (London u NL) zeigen Blei/Zinn-Spenglin. Das „Heraclius-Traktat“ gibt Hinweise darauf, daß man nicht nur Buntmetall, sondern auch Zinn vergoldete [keine Schwefel-Absonderung, wie manchmal wahrnehmbar]. Es ist dort zu beobachten, daß Spenglin in situ vielfach sehr schmalen Lederriemen (Sporen oder Zaumzeug) anhafteten, mglw also nicht niederen Sphären zuzuordnen sind, sondern Bestandteil der höheren Ausstattung in einfacher Ausführung waren! Aufgrund des hohen Verlustfaktors, wie die Funde ja deutlich belegen, haben wohlhabende Herren zu Mindermaterial gegriffen und/oder ihre Funktionsgehilfen sichtbar mit Zeichen und Emblemen ausgestattet, als Derivat wären spätere Offiziers- und Polizeiabzeichen (Staatsgefolge) mit den berühmten „Sternen“ auf der Schulterklappe zu verstehen. Selbst der Zolleinnehmer Konrad Gutknecht hat in seinem Nachlaß von 1425 neben silberbeschlagenen Gürteln und Utensilien auch einen Gürtel mit „pleyenen spenglein“ und silbernen „ringken und sennkel“, Fi, S. 293. Zum Gefolge siehe auch Parteikämpfe des XIV./XV. Jhs



D


untere MITTELSCHICHT:

Handwerker/Krämer (Steuerzahler, mit gewissem Besitzstand durch die Werkstatt verbunden)

Stoff-/Tuchproduktion mit hoher Frauenbeteiligung

- Weber / Färber / Wäscher / Bleicher / Spinner / Seiler / Filzer / Hutmacher

- Nahrungsmittelproduzenten (Aufstieg möglich)

- Holzhandwerk: Schreiner / Zimmerer / Böttcher / Bogner, etc

- Bau- und Keramikhandwerk / Steinmetze / „Hafner“

- Wirtsleute / Bader [ertragreiches Nebengewerbe möglich, Badersfrau mit silbernem Gürtel !, Fi, S. 292]

- „Scherer“ (Barbiere) / Feldscherer / Hebammen

- Eisen- und Hufschmiede / Wagner / Esser

- Rot-, Gelb-, Kannen-, Zinn und Bleigießer

- Schwarz- und Fein-, Klein-, Blechschmiede / Nestler / Knopf- u Spangenmacher

- Beinschnitzer / Paternosterer / Würfler / Horndrechsler

- Lederer / Schuster / Riemer / Gürtler / Täschner / Beutler / Sattler

- Pergament- und Papiermacher / Gerber

im FMA: teilweise Halbfreie („Laten/Laeten“)

Bronze, Messing, Zinn, Eisen, mglw verzinnt, im SMA Dornlochösen schlicht vielleicht mgl ?



Zinn, erst seit der zweiten Hälfte des XIII. Jhs auf Reichsgebiet häufiger nachweisbar, wurde fast nie rein verarbeitet, sondern meistens legiert, anfangs mit Blei, später auch mit Kupfer, Antimon oder Bismut. Bereits vorher hat man allerdings Objekte aus stabilerem Material mit einer Zinnschicht überzogen, deshalb wird auf den Seiten die Angabe ws=Weißmetall gemacht. In England war ab 1321 für rd 100 Jahre die Fertigung von Gürteln mit Grundmaterial Zinn verboten und wurde streng geahndet [DressLo S. 18f].



E

DIE BREITE MASSE:

für spezielle Aufgaben geworben oder mit besonderen Fähigkeiten: (besitzlos und steuerbefreit)

- „Scheider“ (Grobschmiede) / Bergleute / Gesellen

- Seeleute / Schiffer / Flößer / Fischer

- "Kärcher" (Fuhrleute) / Fahrende Leute / „Schröter“ (Auf- und Ablader)

- „Schergen“ / „Schalke“ / „Büttel“ Knechte (Kriegs-, oder Reitknechte) / Wächter / Pförtner

- Leinenweber [meist ländlich im Nebenerwerb]

- Hörige Bauern

- Schäfer / Hirten / Waldarbeiter / Köhler / Pechsieder / Pottaschebrenner

- Tagelöhner / Abdecker

- Stall- und Küchenburschen / Mägde

- Leibeigene

- Bettler [im SMA teilweise gewerbsmässig nachweisbar]

im FMA: Gesinde / Unfreie / Hörige

HMA: Bronze schlicht

SMA: Messing schlicht

Eisen verzinnt oder Schwarzmetall

Zinn/Blei

Bein

Bindesysteme



Spenglin im HMA und auch im SMA wohl nicht. Bei Bediensteten in gehobenen Haushalten vielleicht, da die Herren für ihre Ausstattung sorgten. Deshalb Dienstboten/Pagen/Zofen vom Gesinde getrennt und oben unter „C“ kategorisiert. Von jenen wird Verschwiegenheit erwartet, die mglw auch „erkauft“ werden muß, da sie sich im vertraulichen Umgang mit höchsten Rängen befinden und ausserhalb des Hauses nicht leichtfertig plaudern dürfen. Nicht viel anders sind Schergen/Schalke als mögliches Gefolge zu beurteilen, je näher sie der Herrschaft stehen. Es hängt alles vom Brotgeber ab, wie heißt es doch so schön, der Herr gibt’s und ...




SONDER:

- Kunstmaler und Bildschnitzer, -hauer [zählen eigentlich zum gehobenen Handwerk]

- Sänger und Dichter („ze hove unde an der strazen“)

- Vaganten / Akrobaten / Spielleute / Unterhalter („Lotter")

- Dirnen („Federwische“)

Entlohnung über Kleidung mgl




Geschlechterrollen im Mittelalter

Frauen, welche im MA scheinbar hintenan standen, haben hier nun das berühmte „letzte Wort“, bzw es sei ihnen angedacht. Die männlich dominierte Geschichtsschreibung blendete manche „alltägliche Wahrheiten“ einfach aus. Nicht nur Sieger schreiben Geschichte, auch der Mann nahm sich dieses Recht in patriarchalischen Gesellschaftsformen heraus. Eine geschlechtliche Gleichsetzung musste hintenan rangieren, solange Emanzipation keine Frage des Geschlechts, sondern des Standes überhaupt war, ein Großteil der Bevölkerung in versklavten und „verdinglichten“ Verhältnissen lebte. Vielleicht ist Gleichberechtigung, neben der Idee von Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe, das größtes Verdienst des Christentums, zumindest in der Theorie. Für die praktische Umsetzung ist das Mittelalter als Epoche ein Negativ-Beispiel. Die moderne geschlechtliche Emanzipation arbeitet an der Auflösung der verkrusteten patriarchalischen Strukturen, meint allerdings vielfach das Eindringen der Frau in männliche Domänen. Frauen neigen in jenen Zweigen scheinbar zu „männliche Sichtweisen“, müssten nicht ganz andere Maßstäbe angelegt werden? Sind wir nicht alle zu sehr determinierten Denkmustern verhaftet? In unserm Kulturraum sind per Gesetz deutlich Türen geöffnet worden, woanders ist allerdings nicht mal mehr die Tür erkennbar!

Blick zurück, was ist den Quellen zu entnehmen, wie zwischen den Zeilen zu lesen? Was vermochte das „schöne (und eigentlich starke) Geschlecht“, siehe Geschlechterollen FMA [der Mann besitzt neben körperlicher Stärke, die er nicht unbedingt zum Wohl der Frauen einsetzt, vielleicht eher Wagemut, ohne sein Hang Grenzen zu übertreten wäre die Menschheit irgendwo in Afrika hängen geblieben, weil er durch mangelnde aktive Geburtserfahrung weder das eigene, noch fremdes Leben so schätzt wie eine Frau]. Abbildungen zeigen im SMA Frauen aller Schichten, vorher ist das „Bildpersonal“ bei vielen Kunstwerken arg begrenzt auf hohe Chargen, dazu zählen auch die oft thematisierten „klugen und törichten Jungfrauen“, Äbtissinnen und eine gewisse Anzahl weiblicher Heilige, die große Verehrung genossen. Für das HMA sind Darstellungen von arbeitenden Frauen auf dem Feld, siehe „Jungfrauenspiegeln“ oder die Magd auf dem Lettner in Naumburg, schon eine Sensation. Dabei war ein landwirtschaftlicher Hof ohne Mitarbeit der gesamten Familie nicht zu führen, wie es die Archäologie belegt, Schrift und Bild schweigt meist....Traditionell wird Frauen die „Hausarbeit“ zugewiesen. Dahinter konnte sich manch künstlerisches Handwerk, in der Textilkunst, aber auch auf Pergament und Papier verbergen. Hochgestellte Persönlichkeiten waren Auftraggeberinnen, Stifterinnen und Sammlerinnen von Kunstfertigkeiten, das Schmückende und Zierende war von je her weibliches Terrain, bekannt daß berühmte illuminierte Handschriften zuweilen ihnen gewidmet wurden. Nicht erst seit Hildegard von Bingen oder Elisabeth von Thüringen waren Frauen in Pflege und Gesundheitswesen tätig, über Jahrhunderte ebenfalls ihre Domäne, durch das Aufkommen männlicher Arztberufe mit Universitätsausbildung zunehmend streitig gemacht. So wurden in der Pariser Volkszählung von 1292 noch acht Frauen explizit im Heilwesen aufgeführt [KuM, S. 58]. Frauen traten ins Rampenlicht, wenn sie eindeutig in Männerdomänen vorstießen. Schriftliche Quellen werfen Schlaglichter auf streitbare hohe Persönlichkeiten, die für den verstorbenen, bzw abwesenden Gatten oder unmündigen Sohn das Regiment führten, wie Kunigunde, Gemahlin und enge Vertraute Heinrichs II., welche sechs Wochen (!) die Geschicke des Reiches führte und die Wahl Konrads (II.) zum König durchzusetzen vermochte. Oder Herzogin Sophia (1122-1275), Tochter der Hl. Elisabeth und Gattin des Herzogs Heinrich II. von Brabant, welche statt ihres unmündigen Sohn Heinrich 1248 bis 1264 die herrschende Landgräfin von Thüringen und Herrin von Hessen war. Ein Siegel stellt sie selbstbewusst in Männerpose zu Pferde dar. Sie wusste ihre Ansprüche gegen den Wettiner Markgraf von Meissen und den mit ihm verbündeten Erzbischof von Mainz in hartem Erbfolgekrieg rd 15 Jahre lang zu verteidigen. Ehefrauen jeglichen Standes und Herrscherinnen oblag die Führung des Haushalts, bzw des Hofstaats, wenn der Gatte politischen oder militärischen Pflichten nachkam, das erforderte Durchsetzungswille und Repräsentationsvermögen.

Wie sehr Gattinnen oder auch Konkubinen auf Herrscher und das Führungspersonal einzuwirken vermochten, erfahren wir meist nicht. Doch dieser Faktor ist keineswegs zu unterschätzen und hat erhebliches Gewicht. Der „Facettenpalast“ im Moskauer Kreml vom Ende des XV. Jhs hatte mit dem Tainik ein geheimes Gemach, von dem weibliche Angehörige der Zarenfamilie Empfänge, Gastmahle und repräsentative Ereignisse im Festsaal nach orientalischem Muster verdeckt beobachten und mitlauschen konnten. Demnach schien ihr Eindruck wohl gefragt, sonst hätte man sie ja vollends ausschließen können. Herrscher verheirateten ihre Schwestern, Cousinen, Nichten und Töchter aus politischen Gründen, um Bündnissen Bestand zu verleihen, Ansprüche zu legitimieren oder Unterwerfung zu signalisieren. „Unpassender Verwandtschaft“, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle, entledigte man sich durch Offerierung an ein Kloster, oft mit angemessener Güterschenkung, oder im Fall männlicher Nachkommen nicht selten an Militärorden. So war deren Versorgung sicher gestellt. Um Einfluß auf die Geschicke von Frauenkonventen (conventus=Zusammenkunft) zu nehmen ernannte man deren Vorsteherinnen und manipulierte die Wahlverfahren, die eigentlich „frei“ innerhalb der Klostergemeinschaft sein sollten. Als weltliche Erbin konnte eine Frau enormes finanzielles oder politisches Gewicht gewinnen, „hingen an ihr“ im Extremfall ganze Königreiche. Bei den sogenannten Kunkel- oder Weiberlehen gab es in der Regel die „Vermannungspflicht“, um schnellstmöglich einen waffenfähigen Dienstmann zu stellen. Die fränk. Adelige Emhilt von Milz in Südthüringen, Gründerin und Äbtissin des dortigen Benediktinerinnenklosters vermochte um 800 der Abtei Fulda 30 Ortschaften zu schenken, sie wird wohl selbst Erbin der Ländereien gewesen sein. Adelige Frauen erhielten „als Rente“ das Leibgeding ausgestellt, so erfuhr bsplw die Osterburg bei Henfstädt an der Werra ihre Ersterwähnung 1268, weil sie, mit allem Zubehör, der Gräfin Sophia von Henneberg zugesprochen wurde. Nach allgemein gültiger Regel eigentlich fürs Kloster bestimmt wäre nach dem Tod ihres Gatten 1389 Christine de Pisan gewesen, welche mit drei Kindern nun alleinerziehend da stand. Als Venezianerin war sie einst durch die väterliche Anstellung zum Hofastrologen nach Frankreich gekommen. Dort fand sie mit der Gemahlin Isabella (bay. Abstammung) des Königs Karl VI. eine einflußreiche Mäzenin, welche das schriftstellerische Talent Christines förderte. Jene sprach sich dezidiert für ein höheres Ansehen und mehr Rechte für Frauen in der männlich dominierten Gesellschaft aus, um 1405 entstand, neben einer Reihe anderer Werke, ihr „Le Livre de la Cite des DamesDas Buch von der Stadt der Frauen.“

Äbtissinen wurden als ebbedischen im zweiten Heerschild aufgeführt, als Vorsteherinnen der Frauenklöster und -konvente, ein Zeichen des Respekts gegenüber Damen, welche im politischen Geschäft nicht unwesentlich mitwirkten. Bereits seit karolingischen Zeiten nahm die Gründung von Frauenklöstern stark zu, Rheinland, Westfalen und Sachsen als Zentren. Es wird behauptet, daß die Kirche Frauen große Entfaltungsmöglichkeiten bot [KruS, S. 17]. Doch sind hier enge Grenzen zu ziehen und nur höher gestellte Persönlichkeiten profitierten davon, ansonsten war die Welt hinter den Klostermauern ein Spiegel äusserer Verhältnisse. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten sorgten geistliche Würdenträgerinnen für das kulturelle Gedeihen. So war Nonnen Zugang zu Bildung möglich. Die sieben freie Künste und Architektur galten hier nicht als reine Männerdomäne, obwohl nicht selten Bibliothek und Teile der Verwaltung sowie die Messfeiern von Klerikern übernommen wurden. Viele weibliche Konvents-Angehörige entstammten höchsten sozialen Rängen, so daß Verwandtschaft Frauenklöster und Politik eng verband. Nur Äbtissinnen waren, auch bei strengster Klausur, Außenkontakte möglich. Sie führten eigene Haushaltungen, nicht zwingend an das Konvent gebunden, vertraten das Kloster mit ihrer Kanzlei, prägten Münzen und Siegel mit ihren Namen. Sie besassen eine Art „Hofstaat“ mit Ämtern, wie der Pröpstin (Priorin/Dekanin), welche das Konvent leitete, oft Nachfolgerin der Äbtissin und damit nicht selten ihr Gegenpart, eine Cellerarin übernahm die wirtschaftliche Verwaltung, die Scholastika das Lehramt, die Thesauria oder Küsterin das Schatzamt [KruS, S. 164]. Das Kapitel der Glaubensstreiterinnen hat im Mittelalter erhebliches Gewicht und würde den Rahmen der kurzen Auflistung hier vollkommen sprengen. Stiftungen in oben genannter Art mehrten die Machtfülle, wobei die Verbindung zur reichen Bürgerschicht nicht weniger intensiv war als zum Adel. Mancher Potentat bestimmte ein Frauenkloster zur Grablege, durch Stiftungen nahm er Einfluß auf das Konvent. Mit dem Aufkommen der Bettelorden waren Klöster und Kleinklöster (Klausen) keine reinen Rückzugsorte mehr, sondern die Schwestern wirkten mitten in der Gesellschaft, nicht nur als Geburtshelferinnen, bei der Krankenpflege und Armenfürsorge. Rottweiler Dominikanerinnen sorgten für einen Elementarunterricht von jungen Mädchen, sicher nicht ohne Eigennutz für den Orden. Genauso wie die männlichen Pendants waren auch ihre Niederlassungen Wirtschaftsunternehmungen mit hunderten von Abhängigen und bedurften einer vorausschauenden Existenzsicherung. Die Zisterzienserinnenabtei Rottenmünster bei Rottweil besaß 1327 mehr als 220 Höfe und erhielt ständig neue Zuwendungen. Die Äbtissin des Fraumünsterkloster zu Zürich, eine altehrwürdige Gründung durch Ludwig den Deutschen, galt bis zum SMA nominell als Herrin der Stadt, faktisch war es der Rat, der auch die Finanzen des kleinen hochadeligen Frauenkonvents kontrollierte. In den unruhigen Zeiten der Reformation, als Zwinglikaner die Aufhebung solcher Konvente im Raum erzwangen ging auch die letzte Äbtissin Katharina von Zimmern freiwillig diesen Weg, um Unruhen in Zürich zu vermeiden. In der Stadt weiss man dies bis heute zu würdigen.

Vermutlich waren vor allem Frauen Mittler des frühen Christentums. Ihnen wird die im Ursprung gewaltlose Religion zugesagt haben. Getaufte Menschen waren untereinander gleich und die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde dadurch aufgewertet. Quellen berichten, daß in den Familien Frauen überzeugte Anhänger waren und auf ihre Angehörigen einwirkten, so bei Augustinus, dem späteren Bischof von Hippo oder bei Martin, später Bischof von Tours. In beiden Fällen waren die Mütter treibende Kräfte. Im Ur-Christentum sollten soziale Schranken aufgehoben werden, Paradebeispiel aus dem Mittelalter war Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, welche sich in den wenigen Jahren von 1228 bis zu ihrem Tod 1231 als Fürstin der Armen- und Krankenfürsorge widmete. Ihr Schwager, Konrad von Thüringen und der Deutsche Orden instrumentalisierten den einsetzenden Kult um Elisabeth für ihre politischen und territorialen Ambitionen. Bzgl des Glaubens galten Frauen als streitbar, keineswegs immer mit klösterlichem Hintergrund. Im Zuge der Laienbewegung folgten sie Wanderpredigern und wussten die, nicht überall gern gesehenen, Nörgler und Lästerer mit einer „Munition aus Steinen und Asche“ zu verteidigen. Laienprediger zogen sich nicht selten den Zorn von Geistlichkeit und Adel zu, wenn sie gegen die Luxussucht wetterten, so daß sich auch Bürger veranlasst fühlten „Scheiterhaufen der Eitelkeiten“ mit Tand und Pomp auflodern zu lassen [Huizinga, HdM, S. 6ff].

Bei Kriegshandlungen gehör(t)en Frauen zu den großen Verlierern, sind es nicht Ehegatte oder Sohn, mögen es Tochter, körperliche Unversehrtheit, eigenes Leben oder die wirtschaftliche Grundlage sein. Durch den Mann mit fremder Beute beglückt zu werden, wiegt keinen dieser Umstände auf. Denn jeder „männliche Sieg“ säht Haß mit dem Schrei nach Vergeltung. Ein Umgang mit Waffen ist Frauen nicht grundsätzlich abzusprechen und kein Phänomen der Moderne. Bei Kriegshandlungen sind sie in der Verteidigung fester Punkte abgebildet [Steinwerferin in Maness. Hs 229v], aber auch in herausragender Funktion erwähnt. Bei nomadischen Völkern hatten sie mit den Familien, aufgrund einer beweglichen Kriegsführung automatisch höheren Anteil an Auseinandersetzungen, Nahrung für den „Amazonen-Mythos“, hinter dem sich mehr als das Körnchen Wahrheit verbirgt. Die Forschung glaubte nach Grabbefunden des FMAs auch in germanischen Siedelräumen Frauen mit Waffen bei Gruppen-, bzw Doppelbestattungen entdeckt zu haben, wobei die Dame in Niederstotzingen Grab 3 nun „ausfällt“, da sie sich nach neueren Untersuchungen als Mann herausgestellt hat [ungeklärt bleiben noch Grab 490 aus Straubing-Bajuwarenstr, Grab 202 aus Fridingen, Grab 9 von Aschheim-Wasserturm und mglw eine Mehrfachbestattung in Kirchheim/Ries]. Beschwerliche Wanderungen, bzw Fahrten nahmen Frauen mit den unbewaffneten und bewaffneten Pilgerfahrten auf sich, man denke nur an Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, Initiatorin der Fahrten. Das Kapitel der Kreuzzugsteilnehmerinnen aller Standesschichten ist m.W. noch ein ungeschriebenes. Es hätte zumindest beachtliches Format, siehe dazu auf der Seite XI-XIII 1025-1250/samt Fußnote. In den Fokus schriftlicher Quellen gerieten Frauen auch dann, wenn sie in „eigener Domäne“ ihre Liebreize spielen liessen. Im positiven Sinne gespiegelt in der Epik und im Minnesang, im negativen bei der „ätzenden“ Kritik der Geistlichkeit. „Fürstenspiegel“, wie die inhaltlich ausgeschmückten Alexanderepen des XII./XIII. Jhs, welche Herrschersöhnen Tugendhaftigkeit und weitere ethisch-moralische Verhaltensregeln vermitteln sollten, betonen u.a. Gefahren, welche von Frauen ausgehen können. Im Berliner reichhaltig illuminierten Exemplar [DAlex] spielen nicht nur Mütter und Herrscherinnen (Olympias, Darius Mutter, Königin Candacis oder die Amazonenkönigin, alle nicht selten in Korrespondenz mit Alexander) eine wichtige Rolle, sondern, neben phantasievollen Fabeltieren, auch dämonifizierte Frauengestalten, wie gehörnte und langbehaarte, beschweifte oder mit Pferdefüßen ausgestattete „Waldweibchen“, bewaffnete Insel- und Flußfrauen und die ausserordentlich gefährlichen Wassernixen, verführerische „Nymphomaninnen“, welche das Heer Alexanders mühelos schachmatt setzen. Wasser ist ihr Element und weibliche Sexualität wird seit „Evas Zeiten“ mit der Ursünde als lasterhaft gebrandmarkt. Auch bei Sebastian Brant kommt das „schöne Geschlecht“ nicht gut weg, wenn er im Kapitel „Überhebung und Hoffart“ die Verlockungen zur Sünde anprangert. Diese Ambivalenz der Beurteilungen traf vor allem Randgruppen, wie Dirnen, heimlich bewundert, öffentlich geschmäht (3).

Zum Abschluß: Es gibt momentan ein empfehlenswertes Sendeformat, nennt sich „Herstory“ (ARD?)




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XV_1423 Gentile da Fabriano, Florenz


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1/ Die Bunt- und Edelmetalle konnten aus Blech gestanzt und über ein Model gepresst oder gegossen sein, letztere Technik wurde hptsl. bei Zinnvarianten angewendet, aber auch bei stabilen Streckern aus Bronze und Silber. Beileibe nicht alle Beschläge stammen von Gürteln. Funde aus London belegen wieviele von den preiswerten Varianten für Sporenriemen und Pferdegeschirr benutzt wurden! Sie streuen dort nicht über das gesamte mittelalterliche Stadtgelände, sondern 70% der Funde stammen sehr konzentriert von zwei, drei überschaubaren Arealen am Themseufer [BIG82/BWB 83 und SWA 81]. In der Publikation von 1908 wertete man die damals bekannten Altfunde zu einem Gutteil als Reitausstattung, man war den „Pferdezeiten näher“. In ihrer ansonsten hervorragenden „Dress Accessories“ gehen Egan/Pritchard darauf nicht in gleicher Weise ein, sortieren nach Objektgruppen und äusseren Formen, weniger nach schwierig erkennbaren inneren Zusammenhängen. Sie erwähnen allerdings in ihrer Publikation über die Funde seit den 1970ern zum einen, daß man Werkstätten, das würde manche Uniformität der Funde erklären, da immer der gleiche Urheber (zeitliche Konzentration 1350-1400), zum anderen wohl die königlichen Stallungen angeschnitten hatte, bzw deren Abfallentsorgung. Der Tower ist von dort nicht weit. Es ist entweder Ironie oder eine Form der brit. Traditionsbeflissenheit, dass ausgerechnet auf dem Gelände des heutigen „Lorry-Parks“ [BIG82/BWB83] vornehmlich Objekte aus dem Reitzubehör erscheinen. Es läßt tief blicken und weist vielleicht auf eine tradierte Nutzung des Geländeabschnitts hin? Der Verlust einzelner Spenglin oder „Klapperbleche“ scheint gerade in solchen Zusammenhängen aufgrund hoher Belastung erklärbar und damit grundsätzlich manch archäologischer Fund im Burghof, bei Stallungen, nach Entsorgung des Strohs an den Abfallstellen, an Furten und ehemaligen Lagerplätzen, wo das Auf- und Absatteln vonnöten war. Egan/Pritchard räumen ein, daß Schnallen vom Reitzubehör nur schwierig von denen der persönlichen Ausrüstung zu scheiden sind [DressLo, S. 50]. Desweiteren befanden sich kleine Metallzieren u.a. auf Rüst- und Schildriemen, Möbelstücken, Truhen, Kästchen und Bucheinbänden. Auch Altardecken und liturgische Kleidung versah man/frau mit aufgenähten dünnen Zierblechen. Da sie im klerikalen Umfeld eher in Zweitverwendung standen ist der vorherige profane Nutzen denkbar, wie bsplw Schmuckbleche auf dem „Brautkleid“ der Königin Agnes im schweizerischen Kloster Sarnen [Fingerlin S. 12]. Der Titel von Egan/Pritchards „Dress Accessories“ ist irre führend, denn er suggiert Bekleidungsrepertoire (!), was Reitzubehör oder Rüstriemen aber nicht sind, dafür war ursprünglich ein extra Band vorgesehen. Es hat dazu geführt, daß diese einzigartige Publikationsreihe andere Autoren deutlich beeinflußt. So bezeichnen Willemsen u Ernst in „Hundreds of...Medieval Chic in Metal. Decorative mounts on belts and purses from the Low Countries, 1300-1600“ manche ihrer Objekte als kurze Gürtelfragmente, auch wenn diese nur 9 mm Lederbreite aufweisen. Da sind die Briten etwas vorsichtiger und verweisen eher auf Sporenriemen, was auch gerade aufgrund der besonderen Fundumstände einiger Londoner Objekte, wahrscheinlich klingt. Aber sie selbst haben leider durch die Betitelung ihres Bandes eine falsche Richtung gewiesen...





2/ Ein paar Grobdaten zum Vergleich: 50 fl (Gulden SMA) = c6000 Pfennige (c40 Mark Silber HMA) = 2 Streitrösser / 1290c ein ritterliches Reitpferd = 20 Mark Silber, 1434 ein Kriegspferd 24 fl / Ein Ministeriale („Ritter“) soll im HMA durchschnittlich ein Einkommen von c100 Mark Silber erwirtschaftet haben / In England wurden 1224 und 1241 mit Zwangsedikt durch Heinrich III. alle Begüterten über 20 Pfund Sterling Jahreseinkommen, das wären nur 40 (!) Kölnische Mark, zu Rittern erklärt / Von England erpresste der dt König Heinrich VI. 100.000 Mark Silber als Lösegeld für Richard Löwenherz, das Doppelte der Jahreseinkünfte der engl. Krone (!) / Nach dem Reichssteuerverzeichnis von 1241 zahlte Rottweil jährlich 100 Mark Silber Königsteuer, 1336 500 Pfund Heller / Man wird regionale Schwankungen, Wertverlust, Kaufkraft und Inflation über die Zeiten beachten müssen, um das Einkommen des UNI-Professors einzuschätzen. Angaben auf dieser Seite u.a. nach Brant, S.: Das Narrenschiff (urspl Basel 1494) [SBNa], Wiesbaden 2004 / Egan, G. u Pritchard, F. (Hrsg.): Dress Accessories 1150-1450. Medieval Finds from Excavations in London [DressLo], London 1998 / Fingerlin, I.: Gürtel des hohen und späten Mittelalters [Fi], München Berlin 1971 / Hecht, W.: Rottweil 771-ca. 1340. Von „rotuvilla“ zur Reichstadt [Rottw], Rottweil 2007 / Kiessling, R.: Bürgerliche Gesellschaft u Kirche in Augsburg im SMA 1971



3/ Verwendete Literatur zum Thema Frau: Huizinga, J.: Herbst des MAs [HdM] / Krone und Schleier. Kunst aus ma Frauenklöstern [KruS], Ausstellungskatalog Essen-Bonn, München 2005 / Rieger, A.: Der Alexanderroman. Ein Ritterroman über Alex. d Gr. [DAlex]. Handschrift 78.C.1 des Kupferstichkabinetts in Berlin, Stuttgart 2002 / Scott, M.: Kleidung und Mode im Mittelalter [KuM], dt. Ausgabe Darmstadt 2009 / Wahl, J: Neue Erkenntnisse zur fma Separatgrablege von Niederstotzingen, Kreis Heidenheim